Ur. M Erscheint täglich, anher Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GiehenerFamilienb lütter Monats-Vezugrpreir: 2 Goldmark u. 20 Bold- pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsfe: für die Schriftleitung 112; für Vertag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerStetze». poLschecktoalo: $r<Ärt a. Hl. 11686. Erstes Blatt m. Jahrgang Samstag, 7. Zuni 1924 GiehenerAn,! General-Anzeiger für Gberheffen vrvck rmd Verlag: VrLHNfche Universitäts-Buch und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annalim« von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkett. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite crtlichL, auswärts 10 Goldpfennig; für Re- Klame-Anzeigen v.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°,. Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Will) Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. * Das zweite Kabinett Marx. | Das Ergebnis von wochenlangen nervenaufreibenden Verhandlungen ist kläglich. Man hat nichts Besseres gefunden als den Notbehelf einer Minderheits regierung, die schon im alten Reichstag au Ermächtigungsgesetzen und Aus- nahmevervrdnungen greisen mutzte, um die Regierung sm aschine notdürftig in Gang zu halten, eine Regierung, die im neuen Reichstag auf eine noch kleinere Basis zurückgedrängt, ihr Leben von der Gnade der Opposition fristen muh. Hnd diese Opposition? Die Rechte scheint entschlossen, sich der Außenpolitik der Regierung scharf zu widersehen, die Sozialdemokratie hingegen will sich ihre aubenpolitische Gefolgschaft durch weitestes Entgegenkommen des Kabinetts auf innerpolitischem Gebiet erkaufen lassen. Das hat Herr Lobe bereits in der Reichstagsdebatte angedeutet, und ein vielsagender Kommentar des „Vorwärts" unterstreicht diese Grpressertaklik. So ständig zwischen Szylla -und Charybdis wird es dem Kabinett nicht leicht fallen, das schwierigste Problem deutscher Politik, die Durchführung der Sachverständigengutachten vorzubereiten, vor allem die Verhanv- lungen über die politischen Voraussetzungen der Gutachten zu Ende zu bringen. Das deutsche Volk steht wieder einmal, durch geringfügige Meinungsverschiedenheiten Zersplittert, durch innere Kämpfe zermürbt, Kontrahenten gegenüber, die sich im entscheidenden Augenblick zu einem festen Ring zu- sammenschliehen werden, während in Deutschland ein schwaches Kabinett sich von Fall zu Fall eine schnell wieder auseinanderfallende Mehrheit suchen muh. Wer ist schuld an dieser so überaus prekären parlamentarischen Situation? Man wird kaum daran vorbeikommen können, wiederum den Parteien ein gerüttelt Matz Schuld zuzuschreiben, jedenfalls den letzten Endes übermächtigen Gruppen innerhalb der Parteien, denen Parteiinteresse und Cliquentaktik über das Wohl des Ganzen ging Das Wahlergebnis des 4. Mai machte eine Reubildung des schon unter den Mehrheitsverhältnissen des alten Reichstags alles andere als idealen Kabinetts zur Absoluten Notwendigkeit. Die Einbeziehung der stärksten bürgerlichen Partei in einen Regierungsblock von den D e u t s ch na t i o n a le n bis zu den Demokraten war gegeben. Datz 'hierzu die Möglichkeit durchaus vorhanden war, haben die Verhandlungen zwischen den Parteien mehrfach gezeigt. Gescheitert sind diese Verhandlungen, um deren Zustandekommen und Dorwärtsbringen über tausenderlei Hemmnisse hinweg sich vor allem der Fcaktionsvorsitzende der Deutschen Volts- Partei, Exzellenz Scholz, starke Verdienste erworben hat, schlietzlich offenbar daran, datz innerhalb der Deutschnationalen, des Zentrums und der Demokraten starke Gruppen gegen die Taktik der Parteileitung opponierten und nichts unversucht liehen, durch Pcesseagitation schlimmster Art durch, Verbreitung unwahrer Gerücht: und andere unfaire Machenschaften das Dophandlungswerk zu stören und den Dürgerblock zu 'Hintertreiben. Bei den Deutschnationalen glaubten die Kreise um Schlange-Schöningen der Tuchfühlung mit den Völkischen zuliebe an der mehr agitatorischen als positiven Politik der Wahlwochen sest'holten zu müssen. Sie versagten sich der Führung Exzellenz H e r g t s auf dem allein richtigen Weg zur Mitverantwortung aus taktischen Rücksichten heraus. Staatspolitikern wie Hergt, Trr- pih, Hoehsch, Westarp boten sich, sehr wohl Möglichkeiten auf sachlichem wie personellem Gebiet zu einer Einigung mit den Parteien der Mitte zu kommen, und sie waren auch entschlossen, diese Möglichkeiten in ihrem Srnne zu nützen. Sie wutz- ten, datz sie alles daransehen muhten, positiven Einflutz auf die Regierungsgeschäfte zu gewinnen und zu verhindern, datz ein neues Min- depheitskabinett zwangsläufig weder unter die Fuchtel der mit Verantwortung unbeschwerten Sozialdemokratie geriet. Die radikalen Kreise der Deutsch nationalen 'haben sich ihrer Parteileitung in den Weg geworfen u nd den Pac- teikarren wieder rückwärts gedreht. Sie werden damit kaum eine Gnftvicklung aufhalten, die kommen mutz, wenn' unser parlamentarisches Leben gesunden soll. Die Deutsch- nationale Partei wird sich nun ernstlich darüber klar werden müssen, ob es nicht angezeigt ist, die Leute, die eine Realpolitik im Sinne der Fraktionsleitung nicht mitmachen wollen und eine Mitverantwortung an der Leitung des Reiches scheuen wie das Feuer, dorthin zu weisen, wohin sie ihrer ganzen Einstellung nach hingehören, in das Lager der Völkischen, andernfalls 'wird man auch in Zukunft bei einer Hmbildung der Regierung nicht mit den Deutschnationalen rechnen können. Die sachlichen Grundlagen für ihren Eintritt in das Kabinett waren doch jetzt in der Tat schon gegeben. Der Streit um den auhen- politischen Kurswechsel wurde doch zur Wortklauberei, wie leider so vieles im Laufe der Verhandlungen. Der Kurswechsel wäre doch mit ihrem Eintritt effektiv vollzogen worden. Richt minder Schuld an dem Zurückfallen der Deutschnationalen in fruchtlose Opposition tragen die Demokraten und der linke Flügel des Zentrums. Hier wurde hinter den Kulissen gearbeitet, den Bemühungen der volksparteilichen Verbündeten Steine in den Weg gerollt, ja die Volkspartei des Dolchstoßes und der Hinterhältigkeit beschuldigt. Dabei setzten sich die Demokraten — wenn man ihrer Presse glauben darf — mit dem vorgefaßten Entschluß an den Verhandlungstisch, eine Koalition mit den Deutschnationalen nicht einzugehen, und die Zen- truskreise um Wirth zog es viel mehr zur Großen Koalition mit den Sozialdemokraten zurück. Sie Das Vertrauensvotum des Reichstags. Eine Rede Dr. Stresemanns. - Die Abstimmung: die Sozialdemokraten für das Kabinett Marx. Berlin, 4. Juni. (Priv.-Tel.) Am Regierungstisch Reichskanzler Marx und Außenminister Dr. Stresemann. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Besprechung der Regierungserklärung. Verbunden damit ist die B i l l i g u n g s f o r m e l der Mittelparteien, das Mißtrauensvotum der Kommunisten und der Antrag der Rational- soziglisten. Die Deutschnationalen haben ihren bisherigen Mihtrauensantrag zurückgezogen und einen neuen eingebracht, der nach dem Muster des Antrages der Mittelparteien nur mit umgekehrter Tenders lautet: Unter Hebergang zur Tagesordnung über alle übrigen Anträge versagt der Reichstag der Regierung das Vertrauen, dessen sie nach Artikel 5 der Reichsverfassung bedarf. Das Wort erhält sodann sofort Neichsanßenminister Dr. Stresemann. Das Wort von der Lüge der deutschen Kriegsschuld wurde zum erstenmal von dem Reichskanzler gesprochen, der seinerzeit zum erstenmal an der Spitze der großen Koalition stand. Die Reichsregierung sei durchaus bereit, die amtliche Aufrollung der Kriegsschuldfrage in die Hand zu nehmen, sobald sämtliche Dokumente der Öffentlichkeit übergeben seien. Es komme nicht darauf an, ob wir überzeugt sind, sondern es kommt darauf an, die Welt zu überzeugen. Es handelt sich zunächst um die Zurückweisung der Behauptung, daß Deutschland der Urheber des Weltkrieges gewesen ist, und zweitens um die Aufforderung an die fremden Mächte, ihre Archive zur Klärung dieser Frage zu öffnen. Einen anderen und schnelleren Weg gibt es nicht. Wir haben vor allem ein Interesse an der außenpolitischen Entscheidung. Am 15. Juni laufen die Micumverträge ab. Die rheinisch-westfälischen Industriellen haben bereits erklärt, daß eine Verlängerung nur vorgenommen werden könne in der Erwartung, bafj die deutsche. Regierung das Gutachten annimmt. Wer soll auch die Verantwortung übernehmen für das Chaos und die Anarchie, die sonst im Rheinlande ein; tuten würde. In 10 Tagen stehen wir erneut vor der Frage, was werden soll. Eine Verlängerung kann natürlich nur für kurze Zeit in ' Frage kommen. Welche Waffe hat ein Außenminister, wenn er sich auf das Interesse der Welt stützt, datz die große Wirtschaftskraft Deutschlands nicht zugrunde gehe, datz die Welt nicht uninteressiert daran ist, ob Deutschland untergeht? Die Außenpolitik wird nicht aus Liebe gemacht, sie wird aus eignem weltwirtschaftlichem Interesse gemacht. Es wäre ein fataler Fehler gewesen, dieses Interesse der Sachverständigen nicht zu benutzen. Wenn Sie sich, Herr von Gräfe, aus den einheitlichen nationalenWillen des deutschen Volkes über alle Parteien hinweg stützen wollen, der im gegebenen Moment Unerträgliches zurückweist, dann dürfen Sie nicht anderen Parteien die politische Ehre absprechen. Wir müssen diesen einheitlichen Willen in den Ehrenfra- gen zusammenfassen, um die wir kämpfen. In dem Zusammentritt der Sachverständigen lag eine große Bedeutung. Es war jahrelang unser Der- derb, daß die Vereinigten Staaten kurz nach dem Kriege sich! von den europäischen Angelegenheiten zurückzogen. Ich vertraue darauf, daß sämtliche Herren, die bei den Sachverständigengutachten mitgewirkt haben, sich von voller Objektivität leiten ließen. Das ganze Sachverständigengutachten wird in seinem Effekt schließlich von dem Geiste bestimmt werden, in dem es durchgeführt wird und von den Persönlichkeiten, die darüber mit zu entscheiden haben. Es fördert diesen Geist nicht, wenn Sie (nach rechts) glauben, datz andere Rationen nicht objektiv denken können. Das Sachverständigengutachten mündet ja in den Sah, datz Deutschland warfen den Deutschnationalen das Vorschieben der Personenfrage vor und rückten diese dann schließlich selbst in den Vordergrund der Verhandlungen. Die Deutsche V o l k s p a r t e i hat sich in der Rolle des „ehrlichen Maklers" redlich bemüht, unter Zurücksetzung eigener Parteiinter- essen den Dürgerblock zusammenzubringen. Der Fraktionsvorsihende Scholz ging dabei soweit, dem Reichspräsidenten vorzuschlagen, den Qlbg. Hergt als Führer der stärksten Fraktion des Reichstags, mit der Kabinettbildung zu betrauen. Der Reichspräsident hat wiederum, wie im vergangenen Herbst, geglaubt, dies Ersuchen ablehnen zu müssen und damit seinem Ruf der Heberparteilichkeit erneut einen starken Stoß gegeben, denn es ist schwerlich einzusehen, daß ein Versuch Hergts einer Verzögerung der Kabinettsbildung gleichgekommen wäre, womit in der Linkspresse zu Gunsten dieser Politik Herrn Eberts argumentiert wird. Zumindest wäre eine Gare Situation geschaffen und den Deutschnationalen jeder Vorwand einer unparlamentarischen Behandlung der Kabinettskrise durch das Staatsoberhaupt genommen. Der Reichspräsident hat nun nach dem fruchtlosen Ausgang der Verhandlungen des Herrn Marx das bisherige Kabinett in seinen Aemtern bestätigt. Der Reichskanzler ist mit einer geschickt formulierten, Me innerpolitischen Streit- nicht zugemutet werden könne, gegenwärtig und im ersten Jahr auch nur einen Pfennig aus seinem Budget zu zahlen. Wenn jetzt anerfannt wird, daß Deutschland nicht zahlen kann, dann bricht damit die moralische Grundlage für die Besetzung überhaupt zusammen. Ich rücke daher die Frage der Wiederaufhebung der Besatzung als die wichtigste in den Vordergrund. Ich weih, daß die Sachverständigen die deutschen Leistungen von 1928 wesentlich überschätzt haben. Professor Hoetzsch hat von dem Gutachten gesagt, daß es eine der großen Drehungen in der Konstellation der Weltmächte bedeute, die sich zu vollziehen beginnen. Die öffentliche Meinung sieht in dem Gatach.en das wirtschaf.Uche Hebel der Gegenwart Wer sich ihm enigegenftellt, muh damit rechnen, dah er die größte Macht gegen sich aufbringt Es lußr sich keineswegs verkennen, daß das Sachverständigengutachten mit einem System bricht, das unser Alnglüi, die Infla.ion und ihre Begleiterscheinungen hervorgerufen hat. Das war die rücksichtsloseste Ausbeutung der deutschen Substanz. Die Sachverständigen verlangen Sachleistungen, Hebertragung von Gold und Devisen an das Ausland nur dann, wenn, eß ohne Gefährdung der deutschen Wi-üschaft vor- genommcn werden kann. Die Kreditkrise ist nach zwei Richtungen hin außerordentlich bedenklich. Einmal ist sie infolge ber Hnüoersichtlrchkeit der Verhältnisse ein Hindernis für die Verhandlung mit den ausländischen Kreditgebern, und zweitens ist sie der Angelpunkt des Gutachtens, das Zustandekommen der internationalen Anleihe von 800 Millionen Goldmark, die der deutschen Währung zufliehen. Das kann man nicht so dar- ftetlen, dah wir uns damit in die Abhängigkeit vom internationalen Kapital begeben. Dieles wäre besser geworden, wenn wir während des Krieges tnelyt von diesem ausländischen Kapital abhängig gewesen wären. Die Wiederherstellung der Verwalt ungs- gemeinlchaft mutz natürlich in dieWiederher- stellung der Souveränität ein besagen sein, denn sonst können wir auf eine vernünftige Steuerpolitik und für eine ungestörte Produktion keine Verantwortung übernehmen. Die militärische Räumung des besetzten Gebietes ist eine Prestigefrage, aber in dem Sachverständigengutachten wird gesagt, dah die Sachverständigen keine andere Kontrolle zu- lassen könnten, als die sie selbst in dem Gutachten genannt haben. Sie billigen also eine militärische Kontrolle nicht. In keiner Weise aber ist erklärt worden, dah die militärische Besetzung selbst aufzuheben ist. Man müsse deshalb darauf hinwirken, dah ein bestimmter Endtermin der militärischen Besetzung in Aussicht gestellt wird. Der Ein- sluh Herriots in Frankreich wird darauf günstig einwirken. Es kann kein Zweifel bestehen, dah das Gutachten unteilbar ist. Das ist auch in allen Verhandlungen mit England erklärt worden. Angenommen haben wir den Bericht nur als Schema. Aber Richtannahme dieses unteilbaren Ganzen würde bedeuten, dah sich jede Ration aus diesem Kuchen die ihr passenden Rosinen herauspickt. Aus wirtschaftlichem Interesse werden aber die Rationen für uns eintreten, damit dieses unteilbare Ganze auch von der Gegenseite innegehalten wird. Es handelt sich jetzt um die größte Entscheidung nach Versailles; sie muh erfolgen mit Sachlichkeit und Leidenschaftslosigkeit und nicht nach Parteirücksichten. (Lebhafter Beifall in der Mitte.) Qlbg. Schlange- Schöningen (Deut'chnat.): Die Rede des Reichsauhenministers war von ungeheuerlichen Illusionen und von dem ungeheuerlichsten Optimismus getragen, aber letzten Endes werde ihr der Erfolg versagt werden. Das deutsche Volk darf nicht mehr durch Parteiprogramme angeödet werden. Wir haben statt der Parteidogmen eine Persönlichkeit für die Regierung vorgeschlagen, der das Vertrauen der meisten Kreise des deutschen Dolles zug.f.ogen toäie. Wir werden, in die Opposition getrieben, einen großen nationalen Block bilden. Bi-H.r haben wir das Ruhrgebiet verloren. Wir wollen aber nicht unser eigenes Todesurteil un.erschrei- ben. Auch die Preuhenfrage spielt eine Rolle. Eine innerpolitische Befreiung ist nicht möglich, solange die Polizei in Preußen jeLeS vatecAn- dische Empfinden unterdrückt. Wir ha^et es nicht nötig, um Aufnahme in das Kabinett zu bitten; unsere Stärke ermöglicht uns eine andere Politik. Wenn aber die Sozialdemokratie für die Regierung eintritt, so ist das bebe.ülU). W.nn wir uns die ausschlaggebende Stellu;g e kämpft haben, dann werden wir ;u einer Po.i ii übergehen, die dem Dolle endlich Glaube und Hoffnung wieder gibt. Abg. Dr. Breitscheidt (Soz.) behauptet, daß auf den Abg. Schlange das Dibelwort nicht zutreffe: Sei klug wie die Schlange und einfältig wie die Taube. Das Gutachten müsse so schnell wie möglich angenommen werden. Die Sozial-^ bemofratie stimme für das Gutachten, stelle aber damit der Regierung Marx weder eine Blankovollmacht aus, noch bekunde sie ihr damit ein allgemeines Vertrauen. In der Regierung' säßen die alten Personen, auch Herr Jarres, der sich bei der Sozialdemokratie eines besonders geringen Vertrauens erfreue. Wenn sie trotzdem die Regierung Marx bei dieser Abstimmung nicht zu Fall brächte, so täte sie es aus Verantwortlichkeitsgefühl und um der Interessen des deutschen Volkes willen. Abg. Graf Reventlow (Ratsoz.): Die letzten fünf Jahre hindurch haben alle deutschen Regierungen das Weltgewissen angefleht. Es hat uns heute einen Lasso über den Kopf geworfen, mit dem man uns erdrosseln will. Wir teilen nicht den Optimismus der Regierung und ihrer Parteien. In den letzten Jahren ist eine Katastrophenpolitik getrieben worden. Jetzt will man dieselbe Geschichte wieder mit beni Sach oecstän- digengutachten machen. Rur durch einen ünv schwung im völkischen Sinne kann unser Volk gerettet werden. In der dann folgenden Abstimmung wird der deuischnationale MißtraueaZantrag gegen die Antragsteller, die Nationalsozialisten, die Kommunisten und die Deutfchsozialen mit 239 gegen 194 Stimmen abgelehnt. Für den Mißtrauensantrag stimmte auch der Abg. v. K e m n i z (D. Dp.) Auf Antrag des Abg. v. Kardorff (D. Dp.) wird dann über den Dertrauensantrag der Nationalsozialisten zur Tagesordnung übergegangen. Für den Dertrauensantrag der Mittelparteien stimmen mit dcn drei Mittelparteien auch die Sozialdemokraten, dieDaherischeDolkspartei und die Wirtschaftliche Vereinigung Die Dilligungsformel wird mit 247 gegen 183 Stimmen angenommen. Ausschluß des Abg. von Kemnitz. Berlin, 6. Juni. (WTD.) Wie wir erfahren, hat die Fraktion der Deutschen Volkspartei den Abg. v. Kemnitz, der heute im Reichstag entgegen dem ausdrücklichen Fraktionsoes chluh für d en Mih- trauendantrag der Deutschnationalen Volkspartei gestimmt hat, einstimmig aus der Fraktion ausgeschlossen. Wie der „Lokal-Anzeiger" ferner mitteilt, ist der Abgeordnete von Kemnitz zur Deutschnationalen Volkspartei übergetreten. fragen mit voller Absicht ausschaltenden Regierungserklärung vor den Reichstag getreten und hat die Zustimmung des Hauses für feine Politik zur Durchführung der Sachverständigengutachten erbeten. Er hat prägnant bargelegt, welche Richtlinien sein Kabinett hierbei leiten werden. Die Reichsregierung wird die Vorarbeiten zur Durchführung des Gutachtens fortsehen, die hierzu nötigen Gesetzentwürfe aber erst in Kraft sehen, wenn eindeutig feststeht, daß auch die Gegenseite das Gutachten als unteilbares Ganzes unverändert annimmt und alle Voraussetzungen erfüllt, die die Gutachter an die Durchführung ihrer Pläne geknüpft haben. Damit hat die Aeichsregierung einen Standpunkt eingenommen, der sich im wesentlichen von dem der Deutschnationalen, soweit er in den Verhandlungen der letzten Wochen -um Ausdruck kam, nicht unterscheidet. So konnte der deutschnationale Debatteredner Graf Westarp bei aller Kritik an der Art der Verhandlungsführung doch kaum sachliche Momente Vorbringen, die die von ihm temperamentvoll angekündigte Opposition rechtfertigt, er mußte sie vielmehr mit den „Vorgängen bei der letzten Regierungsbildung" begründen, die den Deutschnationalen eine abwartende Haltung nicht möglich mache. Die S o- zialdemokraten stellten sich, tote zu erwarten, auf den Boden des Gutachtens, kündigten aber, wie schon gesagt, durch den Abg. L ö b e schärfsten Kampf an, wenn die Verteilung der Lasten aus der Durchführung des Gutachtens nicht, nach ihrer Ansicht, gerechter erfolge als bisher. Zückeroberung des Achtstundentags ist der Preis, den sie für die außenpolitische Hnterftütjung des Kabinetts Marx fordern. Der zweite Tag der Debatte brachte dann vor der zweiten Garnitur der Parteiredner, die sich samt und sonders mehr durch Temperament als durch Sachlichkeit auszeichneten, eine grohangelegte Rede des Außenministers, die nochmals die Politik der Regierung zu den Sachverständigengutachten darlegt und vor allem darauf hinweift, daß von der Wieder auf Hebung der Besetzung die Produktivität der deutschen Wirtschaft und damit die Möglichkeit zur Durchführung des Gutachtens ab-, hänge. Gleichzeitig mit der Annahme der Gutachten müsse auch diese Frage geregelt werden. Bei der Abstimmung gab es dann einige Heber» raschungen. Die Deutschnationalen hatten analog einem Antrag der Regierungsparteien den Heber- gang zur Tagesordnung unter Versagung des Vertrauens für die Regierung beantragt, blieben aber mit 194 Stimmen gegen 239 in der Minderheit. Für das Vertrauensvotum der Mittelparteien stimmen auch die Sozialdemokraten. Damit hat das Kabinett Marx wenigstens im Augenblick im Reichstag die genügend breite Basis für seine Außenpolitik gefunden. Aus Dem Hessischen Landtag. Don u nferer Darmstädter Redaktion. Darmstadt, 5. Jam. Der Finanzausschuß beriet Kapitel 9 und 10 des Voranschlags (Finanzgesetz, Steuer ufw.). Der Mehrbetrag, der durch Beschlüsse des Ausschusses und durch die Besol- dungserhöhrrng im Etat entstanden ist, beläuft sich auf rund 11 Millionen Mark. Rach Mitteilung der Regierung können zur Deckung aus den Reichsüberweisungen 6 Millionen Mark herausgxzogen werden. Ferner ist bei Kap. 88 (Soziale Fürsorge und Wohlfahrtspflege) ein Betrag von 10 Mill, vorgesehen, der um 3»/»Mill, gekürzt werden kann. Bei der Abstimmung wurde Kap. 9 einstimmig angenommen, dazu auch ein Antrag Lu? und der sozialdemokratischen Fraktion, der Landtag möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, das) eine progressive Einkommensteuer eingeführt wird. Kap. 10 (Finanzgeseh) wurde en blöc angenommen. Die Regierung wurde hierbei ersucht, spätestens bis 1. Oktober über die Eingänge aus Svndersteuern von Gebäuden Rechnu ig vorzrr- legen, um darüber beschließen zu können, wie weit die Mehrerngänge zur Förderung des Wohnungsbaues b rcitgestellt werden können. Ferner wurde beantragt, daß nicht nur 10 Proz. von den in Kap. 10 Ziffer 3 eingestellten 10 800 000 Mark also 1 080 000 Mark zur Förderung der Reubautätigkeit eingestellt werden, sondern daß etwaige Mehreingänge, die über den Betrag von 10 800 000 Mark hinausgehen, restlos zur Förderung der Bautätigkeit Verwendung finden. Ein Mitrag der Abg. Knoll und Hofmann-Seligenstadt: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, die im Finanzgesetz für das Rechnungsjahr 1924 festgesetzten Steuersätze für den landwirtschaftlich bebauten Grundbesitz und dasGewerbe möglichst bald zu ermäßigen und außerdem in zwingenden Fällen Stundung zu gewähren, wurde ebenfalls angenommen. (Sine Nachtsitzung des Mecklenburgischen Landtags. Schwerin, 6. Juni. (WTB.) Die gestrige Vollsitzung des Mecklenburgischen Landtages, die um 3 Ahr nachmittags begann und um 8 Ahr abends von den Pressevertretern verlassen wurde, dauerte die ganze Rächt bis heute früh 41/2 Ahr, also 131/2 Stunden. Die Landtagsstenographen begnügten sich damit, die Ramen der Redner und das Ergebnis der Abstimmungen festzuhalten. Im übrigen setzte die Mehrheit des Landtages von den Deutschnationalen bis zu den Sozialdemokraten ihren Willen durch: sie durchkreuzten die Absichten der Kommunisten, den Abschluß der Etatsbera- tung zu verhindern. Gegen 4 Ahr nachts konnte die zweite Lesung beendet werden. Die Widerstandskraft der Kommunisten war gebrochen. Sie konnten gegen die dritte Lesung keinen Einspruch mehr erheben, da sie nur über vier Stimmen verfügten. So wurde die dritte Lesung rasch durchgeführt, woraüf sich der Landtag um 41/2 Ahr auf den 17. Juni vertagte. Die Ausreisegebühr. Berlin, 7. Juni. (Priv.-Tel.) Zu der Meldung eines Berliner Abendblattes über eine geplante Verdoppelung oder sogar Verdreifachung der Ausceisegebühr von 500 Mk. erfährt das „D. T." von unterrichteter Seite, daß diese Angaben vorläufig durchaus haltlos seien. Es 'hätten zwar gestern Besprechungen über diese Frage stattgefunden, jedoch seien irgendwelche Beschlüsse nicht gefaßt worden. Eine Klärung der Angelegenheit dürfte in diesen Tagen überhaupt wenig wahrscheinlich sein, da der Reichsfinanzminister gar nicht in Berlin werle. Auch die Mitteilung, daß eine Entscheidung des Reichskabinetts unmittelbar bevorstehe, entspreche nicht den Tatsachen. Englands Außenpolitik t und die Dom nlons. London, 6. Juni. (WD) Der liberale Ab- F geordnete Sir Edward Grigg hat in einer Rede im Anterhaus darauf hingewiesen, daß der Ve r- » trag von Lausanne der einzige Friedens- Vertrag sei, der nicht vom britischen Gesamtreich unterzeichnet worden ist. Die Hauptverantwortung dafür ruhe auf der früheren britischen Regierung, weil das Reich nicht eingeladen worden sei, Svnderbevollmäch- tigte zu den Lausanner Verhandlungen zu ent- senden. In Canada werde die Ansicht vertreten, daß die britische Regierung die es -Verfahren eingeschlagen habe, weil die französische Regierung erhärte, daß, wenn das bri ische R ich eine Delegation zu den Verhandlungen entsende, Frankreich auch durch eine Delegation einschließlich der Sultane von Marokko vertreten sein müsse. Wenn Großbritannien die Verpflichtung übernehme, einen Krieg zu führen und diese Ver- Die Vantiger. Roman von Hermann Stegemann. 22 Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Zuerst trieb es Bantiger zum Tunnel, und er freute sich der Fortschritte, die der Bau auf dir'er Seite machte. Im glatten, bequem geschichteten Gestein lag die große Röhre wie ein Büch enlauf gebettet und gebohrt, und die Luft strich kühl und trocken durch die Galerie, die ins finstere Schuss '.chloch hinausblickte In einem weißs..-äu- mendcn Schwall stieg der Fluh gurgelnd und kochend ans Licht und füllte den Schrund, der zwischen dem Argestein der Hochfluh und dem Abhang des Wolferberges klaffte, bis zur Höhe der ersten Randstufe. Ens blickte auf die schwarzen Tannenbänder hinab, zwischen denen der Strudel wallte, und atmete durstig die aufsteigende Luft. Da schrie Lenz ih ■ ins Ohr. das vom Brausen des 'Wassers und dem Stampfen der Betonmaschine angefüllt war und den Ton seiner Stimme kaum vernähen: „Wenn Pvmetta mit seinen Leuten dort hinten der Rvrdmannschaft die Hand reicht, wo der Felskopf mit den zwei Zacken über die Horizontale des Wolfenbergrückens emporstrebt, dann ist's geschehen." „Was ist geschehen? Ich binde mich nicht an eure Vertrage." Aufschnellend warf sie ihm die zornigen Worte ins Gesicht und wandte sich rasch zum Ausgang. Er blieb bestürzt zurück. Er wußte nicht, was aus ihr gesprochen hatte, und wagte den Dater nicht danach zu fragen, denn der Baumeister Pflichtung Von den Dominions gebilligt würde, so verwickle es die Dominions trotzdem in einen solchen Krieg, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob es diesen Dominions genehm sei oder nicht. Lloyd George erklärte im Verlause der Debatte, diese Frage berühre vitale Pu alte der Verfassung und Beziehungen des britischen Reiches. Der Lausanner Vertrag stelle in drei wichtigen Punkten einschließlich der Regelung der Frage der Kapitulationen ein vollständiges 21 b - weichen von den in Paris gefaßten 'Beschlüssen dar, trotzdem seien die Domini)ns nicht zu Rate gezogen worden, es sei kein Wunder, daß sie protestierten. Der Vertrag werde kaum das letzte Wort in der Regelung der türkischen Frage sein. Lloyd George sagte weiter, man schicke sich an, einen neuen Versuch zu unternehmen, die Reparationsfrage auf der Grundlage des Eachverständigenberichts zu regeln. Er bitte Mae- donald, bevor er sich aus die Konferenz, die unvermeidlich sei, begebe, die D 0 m i n i 0 n s zu Rate zu ziehen und sie zu dieser Konferenz einzuladen. Welche Schritte gedenke Macdonald zu tun, um die Ansichten der Dominions festzustellen, die ein unmittelbares pekuniäres Interesse an dieser Regelung hätten? Die französische Präsidentschaftskrise. Paris, 7. Juni. (Havas.) Die Ministerkrise hat sich gestern nachmittag ihrer Lösung genähert. In der Tat scheint es sicher, daß der Präsident der Republik heute den Politiker beruft, dem er die Bildung des Kabinetts anbieten will. Alle Anstrengungen des Staatschefs richten sich darauf, ein Kabinett der Linken zu bilden, dessen Zusammensetzung und Programm dem Ergebnis der letzten Wahlen entspricht. Das so gebildete Kabinett würde sich der Kammer am nächsten Dienstag vorstellen. Es soll dann eine Ministerialerklärung verlesen werden, an die sich eine Debatte über die gesamte politische Lage anschließen würde, in der insbesondere über die Frage des Präsidenten der Republik verhandelt werden würde. Die Kammer soll entsprechend der Forderung des Staatschefs abstimmen, so daß es jedem möglich wäre, seine Verantwortung zu übernehmen, ohne Gefahr zu laufen, den normalen Gang der Verfassung zu verletzen. Falls diese Voraussetzung nicht erreicht werden sollte, soll der Präsident geneigt sein, eine a n b e r 1 Lösung der gegenwärtigen Krise ins Auge zu fassen. Er soll dann beabsichtigen, ein Kabinett zu berufen, dessen einzige Aufgabe es fein würde, dem Parlament eine Botschaft Millerands zu überbringen, durch die es aufgefordert wird, sich durch eine Abstimmung über die Präsidentschaft auszusprechen. Der „Matin" berichtet, Mil- lerand habe nach den gestrigen Verhandlungen mit 15 Parlamentariern seine Ansicht nicht geändert, er habe den Eindruck, daß der Teil der Parlamentarier, der den Widerstand gegen den von Herriol ausgehenden Streik billige, sich vergrößere. Millerand werde jetzt seine Konsultationen fortsehen Der Politiker, mit dem er das Programm der Linken durchzuführen gedenke, sei der Generalgouverneur von Algerien und Senator von Paris Steeg, der heute vormittag in Paris ankommt. Auch das „Echo de Paris" bezeichnet Steeg als den Mann, dem Millerand das Ministerium anvertrauen werde Anter den Männern, die Millerand ferner zu berufen gedenke, werde vor allem der Rame Klotz genannt Die Kammer werde jedenfalls von Millerand gezwungen werden, in einer öffentlichen Debatte die Verantwortung zu übernehmen und unzweideutig ihren Willen ausdrücken. Eine große Anzahl Radikaler und Radikal-Sozialisten haben nach dem gleichen Blatt gestern erklärt, der Präsident der Rep >b if w rde fein Ministerium mit einem der genannten Persönlichkeiten bilden können. Wenn aber trotzdem ein Ministerium vor die Kammer treten werde, werde die Mehrheit sich weigern, mit ihm in Beziehungen zu treten. Eine TagSsorknang in diesem Sinne sei eingebracht worben. Das Blatt des Blocks der Linken, das „Oeuvre", beurteilt die Bemühungen des Präsidenten der Republik wie folgt: Milke.and wisse jetzt, daß er nicht mehr auf die Ele nente der Minderheit zählen dürfe. Die Republikaner die er gestern ge- sprvch n habe, hätten es ihm unzweideutig zu verstehen gegeben. Man behauptet, daß Mrlle» rand am Donnerstag abend einem von ihm berufenen Senator erftäd hat, wenn nötig, bilde ich 10 Ministerien. Dreie Kampflaune müsse wohl gestern erheblich gesunken sein, nachdem er vergeblich einen Appell an die Linksparla- mentarier gerichtet habe, werde er jetzt ein kannte jetzt keine anderen 'Dinge, als die Geschäfte des Tages. Erst als es Abend geworden war und sie auf der unbegangenen Straße gemefen heimwärts fuhren, nahm Lorenz die ©elcg n e.t wahr, nach dem Grund dieser Erregung zu fragen. Er tat es, ohne den Blick von dem weißen-Straßenband zu verwenden. Der Baumeister saß neben ihm, Vvonne und Agnes hatten sich ins Innere des Wagens unter das Verdeck zurückgezogen. Staubfeiner Sprühregen feuchtete die Luft, und der grelle Schein der Laternen wucks zu einer v palfarben schillernden Lich' hülle, die das Automobil van allen Seiten umgab. Der Baumeister hatte sich ermüdet zurück e- lehnt. Die Besichtigung des Tunnels und der großen 2ln tagen und die Leitung der beiden Ver- waltungsiatsfitzungen, in denen er sich gegen den Vorwurf der GeldversMeuderunq hatte wehren müssen, als et neue Kredite forderte hatte 1 leine Kräfte verzehrt. Er hatte sich knapp behauptet, und der halbe Sieg freute ihn nicht. Es war ihm gelungen, seine Müd gleit zu ixrEe-gen, aber nun mußte er sich ciewal'ig zusammennehmen, um das ausgeräumte Hirn zur Sammlung zu zwingen und dem Sohne zu antworten. „Was soll die Frage? Ich verstehe dich nicht," gab er zurück. Der Sohn blickte schweigend geradeaus. Er fühlte, daß er dem Vater Zeit laßen muhte, sich zu besinnen. Rach einer Weile begann der Baumeister zu sprechen, kurz, abgehackt, Worte, die der Wind verwehte, beinahe ein Selbstgespräch, und Lorenz Bantiger sah, steuerte und horchte, und im Waaen- Rechtsravrnelt sich bilden lassen, natürlicy cm Kabinett von sehr kurzer Dauer, das den Auftrag haben werde, sich stürzen x u las- s e n und Millerand einen verfass ungs- mäßrg en Grundzum Rücktritt za geben. Eine Frage wäre nur noch, ob die Regierungserklärung nach der Botschaft des Präsidenten verlesen werden soll. Aber mit oder ohne Botschaft, das Kabinett werde jedenfalls Millerand in seinem Sturz m i t r e i fre n. Wenn nicht Andor» hergesehenes eintrete, werde man Mitte nächster Woche zur Präsidentenwahl nach Versailles gehen. Die Revolution in Albanien. Belgrad, 7. Juni. (WTB.) Hier liegt noch keine Bestätigung vor für die Rachricht von der Besetzung Tiranas durch die revolutionären Truppen. Doch erfährt die „Wremje" aus Skutari, daß die Regierung und die Regentschaft in höchst kritischer Lage seien. Revolutionäre Züge aus dem Süden hätten die Stadt. Berat beseht und ständen kurz vor Tirana. Sie seien gestern mit den Regierungstruppen zusammengestoßen in der Nähe des Dorfes Dhwjak am Flusse Skunba. Die Regierungstruppen seien geschlagen worden und die Revolutionäre hätten den Fluß überschritten. Rach letzten Meldungen sei die Schlacht noch in vollem Gange. Der italienische Gesandte in Belgrad, General Ogrero, und der jugoslawische Minister des Auswärtigen, Rin ts ch i tsch, haben über die Vorgänge in Albanien konferiert. Beide Staaten gehen von dem Grundsatz aus, daß die Anabhängigkeit von Albanien auf- rechterhalten werden müsse. Es müsse Albanien unbenommen bleiben, feine inneren Fragen nach Belieben zu regeln. Ausgeschlossen sei daher eine italienische oder jugoslawische Intervention in Albanien. Im Zusammenhang damit polemisieren die italienischen Regierungsblätter gegen den Pariser „Temps", der wiederum versucht hätte, Mißtrauen zwischen Jugoslawien und Italien zu säen, indem er behauptete, Italien Hütte die jüngsten Anruhen in Albanien angestiftet, „©ordere Ita- liano" findet, daß das Rervenshstem des offiziösen Pariser Blattes stark erschüttert sei und daß die französische Regierung eine riskante unruhige Politik verfolge. Auch „Ruovo Paese" greift die französische Regierungspolitik scharf an und gibt zu verstehen, daß Italien auch keine andere Intervention dulden werde, die das bestehende Gleichgewicht im Adria- tischen Meere ändern würde. Kleine politische Nachrichten. Der Reichstagsausschuh für auswärtige Angelegenheiten, dem 28 Mitglieder angehören, hat zum Vorsitzenden den Sozialdemokraten Mueller- Franken und zu seinem Vertreter den Deutschnationalen Graf Westarp gewählt. Die nächste Sitzung wird am 17. Ouni das Sachverständigengutachten und eventuell den deutsch-russischen Zwischenfall zum Gegenstand haben. Der Reichsminister des Innern hat den für den 8. Juni in Leipzig geplanten Reichs- arbeiterkongreh „Roten Tag" verboten, weil er lediglich zur Vorbereitung des von der kommunistischen Partei geplanten Am- sturzes dient. w Auf der Tagung der Landesvorstandschaft der Deutschen Volkspartei (Rationalliberale Partei) in Bayern kam ausnahmslos der feste Wille zum Ausdruck, im nationalen und liberalen Sinne f ü r d i e Politik der Reichspar- t e i einzutreten. Eine Entschließung dankt der Reichstagsfraktion für ihre Bemühungen um die Bildung eines großen Dürgerblocks. • Die Deutsche Volkspadei hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, her die Außerkraftsetzung des Reichsmietengesetzes verlangt. Die Angleichung an die Fde- densmiete soll nach dem Antrag spätestens bis 1 . April 1925 vollzogen sein. * Die von den Franzosen am 5. Mai verhaftete Genei-alsekretärin der Deutschen Volksparter für Westfalen-Süd, Käthe R a h m l 0 w, wurde vom französischen Kriegsgericht freigesprochen. Fai Rahmlow wurde vorgeworfen, Matedal besessen zu haben zu dem Zweck, feindselige Handlungen gegen die Befahungstruppen zu begehen. Sämtliche Schuldfragen wurden vom Gericht verneint. Das Aebereinkommen über die noch ausstehende strittige Frage zwischen China und Deutschland soll unterzeichnet fern. Die Ver- innern lehnten Vvonne und Agnes, Vvonne im Genuß der Fahrt verloren, Ens von einer schme-z- hasten Spannung beherrscht, für die sie keine Lösung wußte. Lenz fing des Vaters Worte mit gierigem Ohr. „Ja, es war ungeschickt von mir — ich hab' ihr halb im Scherz vom Tunneldurchschlag und von Pvmetta gesprochen — sie tat, als verstände sie's nicht — froh darüber und nicht mehr daran gerührt — jetzt reih' ich alle nach und bring’ das Werk zu Ende.---Schaffen, Lenz, schaffen — er sitzt am Fjord — pinselt — die Ens ist ein Steinweib — Seele im Stein — ich fürcht' keine Gefahren — der Pvmetta ist — ja, Prachtbursch — in vierzehn Tagen Ens wieder in Runs — Jugend gehört zu C'ugcnb — ich — nie mehr an den Antersee — lah es brennen das Haus auf dem Antcrsberg — Sih für den Jörg, wenn ich keine Steine mehr wälze — da drüben — Eibenmoos — lah die Ens — Bantigers Tochter — sie haben mir den Kredit gekürzt — lahme Hunde — Knochen abnagen — ich bau' ihn doch — der Roll, der Scharsf, die Länderbanf — was schert mich der Balkan — ob Krieg oder nicht — ich bau — bist mein Sohn — fahr zu — lah die Ens — bauen — bauen!“ Der Sohn antwortete nicht. Seine Hände griffen fester ins Rad. Der Trotz des Vaters, der furchtbare Kampf, in den er ihn verstrickt sah, teilte sich seiner stilleren, kargeren Ra'ur mit, und als er ihn Ens zweimal deutlich „Dan- tigers Tochter" nennen hörte und den Stolz auf das eigene Blut sogar in dem Hinweis auf das Haus am Antersee und den meifterloen Bruder auf leuchten sah, da wurde Lorenz Bantiger von yanviungen seren umn FinanAmnnper uno eurem Vertreter der Deutsch-Asiatrschen Bank geführt worden. Das wichtigste Merkmal des Aeberein- kommens sei die Wiederaufnahme der Zahlungen auf die deutschen Dar- leh en, die sich auf 2 230 000 Dollar belaufen. Die Türkei hat sich mit der Aufklärung über die italienischen Truppenansamm- lung'en auf Rhodos zufriedengestellt erklärt. * Die türkisch-englischen Verhandlungen über die Morfulfrage sind gescheitert. Aus Stadt und Land. ©leben, den 7. Juni 1924. Pfingsten. Wenn ein Geschichtsschreiber der Zukunft das Bild des seelischen Lebens unserer Zeit festhalten wird, so wird er von ©rohem und Tüchtigem schreiben können. Eine Heber fülle von Intelligenz auf allen Gebieten der menschlichen Betätigung, eine hochgesteigerte Technik, politische Schulung in Volkskreisen, die früher ganz zufdeden waren, wenn Jie von anderen geleitet wurden, ernsthafte, weitverzweigte Bemühungen, geistige und künstlerische Kultur auch denen zu bringen, die in harter Arbeit um das tägliche Brot ringen, diese Geistesströmungen sind jetzt nicht nur für das deutsche Volk, sie sind für alle Kulturvöller charakteristisch. Ob aber bei der heutigen Menschheit auch viel Glücksempfinden anzutreffen ist, diese Frage wird großen Zweifeln begegnen. Dor ungefähr 20 Jahren redete man zum ersten Mal von hem politischen Impedalismus der Engländer, Imperialismus finden wir jetzt überall. Jeder will sich durchsetzen. Man beachte, in welcher Form sich die geltend machen, die sich in Sachen der Bevölkerniigspolitik, der Jugendpflege, überhaupt zur Beratung wichtiger Fragen des Volkslebens zusammengeschlvssen haben. „Wir fordern — wir verlangen — die Gesetzgebung, die Parlamente, die Regierung müssen", in dieser Tonart bewegen sich ihre Resolutionen. Die Zahl derer, die heute regieren wollen, ist fast so groh, wie die Zahl derer, die regiert werden. Im Staats- unb im Volksleben, auch im religiösen Leben ein ungestümes Drängen, sich geltend und den anderen sich untertan zu machen. Keine Rücksicht auf den Rebenmenschen, keine Schonung seiner berechtigten Eigenad, keiner gibt sich Mühe, den anderen verstehen zu lernen. Die Dichtung und die Kunst eines Volkes sind das Spiegelbild seines inneren Lebens. Es fehlt der heu.igen Dichtung und Kunst das Stille, Innige, Zarte, Gemütvolle. Goethe, Mödke, der fromme Riederrheiner Ter- steegen, die Ronrantiker, die unbekannten Dichter unserer Volkslieder, Ludwig Richter und Moritz, von Schwind, auch wohl Haydn und Mozart, würden Fremdlinge sein, wenn sie erst heute unter uns getreten wären. Es mag paradox klingen, aber bei allem Geiste jetzt viel Geistlosigkeit, bei aller Intelligenz wenig vertieftes Seelenleben. Die Welt, in die Jesus eintrat, war der unfrigen sehr ähnlich. Der Impedalismus der Römer, die Anruhe im religiösen Leben des Morgen- und Abendlandes, die abfter&nbe Kultur der Griechen, das Hin- und Herwandern der Völker, das rücksichtslose Streben nach Geld, alles wie heute. Durch diese Welt ging Jesus wie ein reines, unschuldiges Kind, das von der Härte der Menschen nichts weih. Er ging durch die Strahen Jerusalems und über die steinigen Gebirgspfade Judäas als der Bote aus einer anderen Welt. Ihn kümmerten weder die Edikte br: römischen Machthaber, noch der Streit der Parteien in Jerusalem. Er wollte nichts sein als ein Führer zu Gott und damit der Führer zur Friedfertigkeit, Barmherzigkeit, R.inheit des Herzens, Freiheit von Sorge und Schuld, mit einem Worte, er wollte den Menschen die Seligkeit bringen. Diese Güter, diesen Geist, den heiligen Geist, hat er denen mitgeteilt, die an ihn glauben. Auch wenn man jene Vorgänge, die sich am Pfingstfeste des Jahres 33 im Tempel zu Jerusalem abgespielt haben, nicht restlos durchdringen und beschreiben kann — das Heilige ist national, es soll und kann nicht verstandesmäßig zergliedert e c hi°aE anut > host neuen Serges und f1 IpnJK Auger ^Mges »l( iftute 12511 Mi j. N*6» s' I kalber'N'woch j ivieöet -n^Hnich' äT*® Ächtung srt »s* I Tw sw*1 Felder noch vü St SbrsLrH Kues HaUma, denkmal am Äih der seiertag nnb schonen Gvu MrunM- M m die M die wahrejw Heimstätte M Die Reili Die Reich Leben'shaltu Wohnung, W beläuft sich nach Wen Aeichsa, Vorwoche au1 Vorkriegszeit. Fü berechnet sich di I.ISbtllionensache msachenimDur Steigerung' Mgsknsten allei Monats Mi da kriegSM betrage Geheuer am 1. Juni Es kosteten ai Sutter 2 M, M fing 60 Ps., Spin 150 Pf., Spargel K hier 12 Ps, DI Salat 20 bis 25 P Ober-Kohlrabi 50 |w Ps., Tomaten | Marbet 20 Ps. kB Stück, Rettich las Rund. Karto 5,50 M., neue, Ps Stachelbeeren 50 P g-lbe Rüben 60 P Aas 1,20 Ml hauen. (Fortsetzung folgt) Gottfried Bantiger sah wie aus Stein gern. Er fühlte sich innerlich erschüttert und einem elementaren ©efühl der Zusammengehörigkeit, ja des Einsseins mit dem Vater ergriffen, und plötzlich drehte er ihm das Gesicht zu, in dem die Augen dunkel unter den gefurchten Brauen standen, und rief ins Sausen des Windes: „Sie verstehen dich nicht — du btft ihnen zu groh — aber wir schaffen's — die Ens — der Jörg — ich — alle eins, asfles von dir — geh's um Verrecken, Vater. — wir schaffen's!" werden — das steht fest, dah die Jünger damals eine Geistesmitteilung in großem Ausmahe erlebt haben. Gottes heiligen Geist, wie er in Jesus zur Erscheinung kommt, hat die Christenheit stets besessen. Das bezeugt Paulus mit dem Worte« „Sie Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, ©üt: gfeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit." Das vielgeplagte, von tausend Röten bedrückte, aus unzähligen Wunden blutende Geschlecht der Gegenwart w rd zur Stille, zum Frieden und zu einem seelischen Geben von tiefem Gehalte kommen, wenn es nicht nur am Pfingstfeste, dem Feste be8 billigen Geistes, sondern allezeit sich an des Heilandes Wort hält, dah der Vater im Himmel den heiligen Geist denen geben wird, die ihn darum bitten. H. B. hielt sich deshalb gerade. Er hatte alle Müdigkeit abgefchüttelt. Der Sprühregen zerrann in seinen Augenwinkeln zu salzigrn Tropfen, und er genoß die Zugluft wie berauschenden Wein. Da trat der Wagenführer plötzlich mit aller Gewalt auf die Bremse Der Wagen schleuderte, die Hinterräder hoben sich einen Äugend ick vom Boden, prallten wieder auf, und schleifend, rutschend kam das schwere Gefähet, hart nach der Dergseite abgelenkt, mit einem Ruck an der Böschung zum Stehrn Ein wilder Apfelbaum fing den Stoß. und schüttelte seine Früchte polternd über das Verdeck. Gellend schde Vvonne, krampfhaft urnllam- mede Ens den Racken des Vaters, gegen den sie Im Aufprall geworfen worden war. Loren; Bantiger saß ruhig. Er hatte alle Griffe blitzschnell ausgeführt und hielt nun Rad und Handbremse umflammed. Der Baumeister aber brüllte, indem er sich mit einem Ruck aus den Armen seiner Tochter löste und den abgebrochenen Ast des Apfelbaumes zur Seite stieß: „Gottverdamm, Pvmetta, bist hu das Leben leib?" BK knieten üi bLWeb?11 l(" t>etLnn be- Smit KB1«», mit " Don der des Stadtpar ^ilt, daß bei der G ^ltsvorauschlag de Vertreter bezeichnet örecen Rereii ich aus den Teut öeutrunisvertretern h ?pJ ? und : Mlle bon ^ ” Ä'Sfc . igliche £J55Rflen- I Mt tg* i r^.Ntu^ ^'Utlgen J?1} begegnen. Dvr J zum ersten M I smus der ßnnMn I überall. ‘wT I 'n tiS j ft 'ich in 6aSS I WN», SS Men des Tvlls. uvrn. ,A. u^V" «u Tie M £? LS t° M wie 3m Staate “S® und den ande-, Jft Rücklicht auf Innung sMer be» Swl stch Aj^ «««iftfe« und xrsvplegeM schier 'r Jxu.igen Dichtung 3arte, Gemütvolle. ' - ^denheiner 2er* unbekannten Dichter . Richter und Mvritz )jchl;u, u> bem ihnen iw81 »»j KÄ" 5 I c^TSenb-rUt* i i,nZ> ft rach der i h t. ^Ä'en^lt- Daters, )td>m hatte alb ruhiS- nun | ggSS'4" I solgt.) Einiges vom gute« Wandern. Frohen Herzens werden an den Feiertagen und auch weiterhin im Verlaufe des Sommers allsonntäglich bei schönem Wetter Tausende hinausziehen in Gottes herrliche Natur, um sich dort neuen Mut und neue Kraft für den schweren Werktag zu holen. Mögen die Wanderscharen, ein gutes und frohes Lied auf den Lippen, mit lachenden Augen unb weitofsenen Herzen rüstig ihres Weges ziehen, mögen sie dabei aber auch auf gute Wanderordnung haltenI Dazu gehört, daß man im Walde nicht mit dem Feuer hantiert, weil sonst gar zu leicht verheerende Waldbrände entstehen können übrigens ist das Hantieren mit Feuer im und beim Walde auch gesetzlich verboten und mit strengen Strafen bedroht! —; es gehört weiter dazu, daß man den Wald schont, das grüne Gewand und die Blüten der Bäume nicht in Massen abpflückt,- ein kleines Zweiglein am Hute oder am Kleid sollte allen genug als sichtbare Erinnerung an die Waldesherrltchkeit sein: was darüber ist, wird erfahrungsgemäß ja doch bald wieder weggewvrfen und in den Staub der Straße getreten. Freude am Schauen, kein Raub am Wald, das ist rechte Wandererart I Man laufe auch nicht kn die Aecker und auf die Wiesen, nur um ein paar Blümchen zu erhalten. Respekt vor dem Eigentum des Landmannes, Achtung vor seiner Arbeit, deren Produkte ja uns Städtern zugute kommen. Genau so, wie yt-an Jeine eigene Arbeit geachtet, sein Eigentum unbeeinträchtigt sehen will, muh man auch dem Landmann gegenüber handeln. Laßt die Blumen im Acker und auf den Wiesen stehen, dort erfreuen sie mit ihrem Liebreiz noch viele andere Dorüberziehende! FreundlichesWe- s e n beim Durchschreiten der Dörfer und st r e n g e Zucht gewinnen dem Städter die Achtung des Landvolkes, sie helfen den Gegensatz überbrücken, der leider noch vielfach zwischen Stadt und Land klafft. Ehrfürchtiges Schweigen bei den Gotteshäusern währendder Andacht, dankbares Haltmachen bei einem Kriegerdenkmal am Wege sind geeignet, den Ge- nuh der feiertäglichen Erholung in dem groben und schönen Gvttesgarien zu erhöhen. Wer mit solchen Grundsätzen und voll Liebe und Begeisterung für unsere schöne deutsche Heimat hinauszieht in die Fluren und Walder, der zeigt, dah die wahre Kultur in seinem Herzen eine Heimstätte hat. i Die Reichs-Teuerungsziffer. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den 4. Juni wie in der Vorwoche auf das 1,13billivnenfache der Vorkriegszeit. Für hen Durchschnitt Mai berechnet sich die Reichsindexziffer auf das l,15billionenfache; gegenüber dem l,12billio- nenfachen im Durchschnitt April ergibt sich eine .Steigerung von 2,7 Prozent. Die Crnäh- rungskosten allein haben im Durchschnitt des Monats Mai das 1,26billionenfache der Vorkriegszeit betragen. Gießener Wochenmarktpreise am 7. Juni 1924 (Händlerpreise). Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 2 Mk., Matte 40 Pf., Käse 60 Pf., Wir- sing 60 Pf., Spinat 50 Pf., Römischkohl 30 bis 50 Pf., Spargel 90 Pf. bis 1,40 Mk. das Pfund, Eier 12 Pf., Blumenkohl 50 Pf. bis 2 Mk., Salat 20 bis 25 Pf., Salatgurken 1,50 bis 2 Mk., Ober-Kohlrabi 50 Pf. das Stück, Mischgemüse 35 Pf., Tomaten 2,20 Mk., Zwiebeln 20 Pf., Rhabarber 20 Pf. das Pfund, Lauch 5 bis 10 Pf. das Stück, Rettich 80 Pf., Radieschen 20 Pf. das Bund, Kartoffeln, alte, Zentner 4,80 bis 5,50 Mk.. neue, Pfund 30 Pf., Kirschen 70 Pf., Stachelbeeren 50 Pf., Erdbeeren 2 Mk. das Pfd., gelbe Rüben 60 Pf. das Pfd^ Bienenhonig mit Glas 1,20 Mk. s •• Von der Freien Bereinigung des Stadtparlaments wird uns mitgr- teilt, dah bei der Generaldebatte über den Haushaltsvoranschlag der von uns als Zentrums- vertteter bezeichnete Redner im Auftrage der Freien Bereinigung gesprochen hat, die sich aus den Deutschnationalen und den beiden Zentrumsvertretern zusammenseht. •’ Sparkassen-Reisekreditbrief- Verkehr. Die Sparkassen des Deutschen Reiches geben seit dem Jahre 1920 einheitliche Reisekreditbriefe aus. Die Vorzüge dieser Sparkafsen- Deisekreditbriefe sind von dem reisenden Publikum in den wenigen Jahren feit ihrer Einführung allgemein ernannt worden. Die Kredi Briefe gewinnen bei den jetzigen stabilen Zahlungsmitteln erneut an Bedeutung. Ausgabe und Einlösung der Reisekreditbriefe erfolgt durch fast sämtliche Spar- und C4rvkassen, Stadt- und Kreisbanten «nd Girozentralen. Die technische Handhabung ist die denkbar einfachste. Für die Abhebung ist außer der Vorlage des Kreditbriefes noch ein amtlicher, mit Lichtbild versehener Ausweis, Der auch von der ausgebenden Sparkasse selbst ausgefertigt werden kann, erforderlich. Die Briefe werden bis zu einer Höhr von 5 000 Rentenmark ausgestellt. Das Guthaben des Kreditbriefinhabers bei der ausgebenden Sparkasse wird bis zum Tage der einzelnen Abhebungen verzinst. Der Reisende ist durch den Reisekreditbrief der Mitführung gröberer Mengen baren Ge.des und aller damit verbundenen älnbequemlich'eiten und Gefahren (Verlust, Diebstahl) überhoben. Auch die hiesige Sparkasse ist Ausgabe- und Einlösungsstelle dieser Reisekreditbriefe. (Siehe heutige Anzeige.) ** Ein Iugendtag in Giehen. Für den Gedanken der deutschen Jugendherbergen werben soll ein (Zugendtag, der für den 2 9. Juni geplant ist. Gießens Hugendbünde haben die Vorbereitung und Ausgestaltung des Tages übernommen. Räheres wird noch bekanntgegeben. ** Die städtische Gemäldesammlung mit den Gustav Bock-Stiftungen im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist am 1. und 2. Pfingstfeiertag von 11 bis 1 Ähr unentgeltlich geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung von Erwachsenen Zutritt. ■** Eine Auslieferung. Der frühere Leiter der Dürerschule Hochwaldhausen. Reuen- dqrff, gegen den ein Verfahren wegen Sittlich- kernsverbrechens anhängig ist, wird auf Betteiben des hiesigen älntersuchungsrichters von der argentinischen Regierung ausgeliefert. ** Der Rentnerbund hat die Kohlenversorgung feiner Mitglieder aufgehoben. Näheres ist im Anzeigenteil zu lesen. ** Die Heuernte in den städtischen Anlagen soll am nächsten Mittwoch, versteigett werden. Näheres im Anzeigenteil. ** MatthäuSgemeinde. Am Sonntag, 15. Juni, veranstaltet die Matthäusge- meinde im Philosophenwald einen Familientag, verbunden mit einem Waldfest der Kinder aus der Kinderkirche. ** „Die Finanzen des Großherzogs." Unter diesem Titel läuft seit gestern in den Palast-Lichtspielen am Kirchenplah ein sehr interessanter Film, dessen spannende Handlung Thea von Harbou nach dem bekannten, mit feinem Humor geschriebenen gleichnamigen Roman des Schweden Frank Heller für den Film bearbeitet und -die eine sehr geschickte Regie bann in glücklicher Weise herausgebracht hat. Die Darstellung ist vortrefflich, die technischen und finanziellen Mittel einer modernen Regiekunst sind sichtlich in weitgehendstem Maße in den Dienst der Sache gestellt worden, und so bekommt man denn einen Film vorgeführt, der jedem Besucher Freude bereiten unb ihm gar manchmal ein behagliches Lachen entlocken wird. Eine gute Dilderschau von den Ereignissen der Woche bereichert den genußvollen Abend noch in bester Weise. Bornotize«. — Tageskalender für Samstag. Ruderllub Hassia: 8V2 Uhr im Bootshaus Mit- glieder-Versarnrnlung. — Sportplatz Trieb des D. f. B.: 7 Uhr Wettspiel. — Palast-Lichtspiele: „Die Finanzen des Grobherzogs". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Alfons Dix, Grell Grittlh und „Gobseck". — Astoria-Lichtspiele: „Die Welt in Flammen". — Rundfunkhaus Löbersttahe: Nachm. Unterhaltungsmusik, abends Oesterreich. Abend. — Radiohalle Kirchenplatz: 8V2 Uhr Konzert. — Tageskalender für Pfingsten. Erster Feiertag: Rundfunkhaus Löberstrahe: 81/? Uhr Konzert. — Lichtspielhäuser wie Samstag. — Zweiter Feiertag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachen" und „Fatty als Heiratskandidat". — Astoria-Lichtspiele: „Die Welt in Flammen". — Rundfunkhaus, Löber- straße, 8V2 Uhr Konzert. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nochmals sei auf die Aufführung der hübschen Neuheit „Der Ehestreit" von Zulius Pohl am kommenden Dienstag hingewiesen. Bei der flotten Darstellung dürfte die um 7 Uhr beginnende Aufführung gegen 9l/t Uhr ihr Ende erreichen. Wettervoraussage Wärmer, zunächst heiter, spater zunehmende Bewölkung und zurückdrehende Winde. Mit später einsetzenden erneuten Regenfällen muß gerechnet werden. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 6. Juni. 3n der gestrigen G e° meinderatssihung wurde zunächst das neue Mitglied Heinrich Stein in sein Amt eingeführt und in der üblichen Weise verpflichtet. Die übrige Tagesordnung umfaßte nur Steuerfragen, eine Arbeit, die leider notwendig ist, unb mit der sich die Beschließenden, wie überall, sehr „beliebt" machen. 5>er. Finanzausschuß hatte die entsprechende Vorarbeit geleistet und schlug der Versammlung vor: 1. Gebäude st euer von 100 Mark Steuerwert 40 Pf. Bei einem Gesamtsteuerwert von 4 632 200 Mark soll diese Steuer 18 528,80 Mark erbringen. 2. Fürland- und forst- | Vermietungen | BcMiWhm- freie WchiiW 4 Z'mm., 2 Küchen, 2 Netter, neteilt ob. in (itimen fofort au vermieten. Jnimnd- sttzmtgSarb. müssen fii-Atiblt werden Lchrisil. Angebote unter 020807 an den Gien. Anz erbeten. fr"07] Solid möbl. Wohn- und Schlat- zimmer nur an be- ruttlät. Herrn a. um. Eelterswea64 II. [ Mietgesuche \ Junges Mädchen sucht M. ntit Klavier ob. mit Erlaubnis Klavier einzustellen.Schristl. Angebote nm. 020792 au den ®teß. Anz. E»0©'§©schöne4-Zimmerwohnung außerhalb der Sradt gelegen. Suche 4-5-Zimmerwohnung Stadtmitte oder Anlage. 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Rach lebhaftem Für und Wider beschloß der Gemeinderat: Es betragen von 100 Mark Steuerwert die Gebäude-Sondersteuer 60 Pf., die Gebäudesteuer 20 Pf. und die Gemeindesteuer für land» und forstwirtschaftlich genutztes Gelände 40 Pf. Die Erhebung einer vorläufigen Gewerbe- steuer, die schon mehrere Sitzungen beschäftigte, kam auch diesmal nicht zustande. Zwei aus der Versammlung heraus gestellte Anträge, von denen der eine 3000, der andere 5000 Mark vierteljährlichen Ülmsatz von der Steuer befreit wissen wollte, verfielen der Ablehnung. Alm diese ©teuer nun nicht ganz zu Grabe tragen zu müssen, wurde beantragt und auch beschlossen, diesen Punkt abermals auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Dann dürfte es aber genug fein! * Lich, 7. Hani. Anläßlich bed am dritten Pfingstfeiertage in Klo st erArn sburg stattfindeichen Waldfestes verkehren an diesem Tage zwischen Butzbach-West und Lich folgende Züge: ab Lich 7.30 Alhr nachm., an Butzbach- West 8.30 Alhr nachm., ab Buhbach-West 9.22 Alhr nachm.. an Lich 10.23 Alhr nachm. is. Steinbach, 6. Juni. Gestern nachmittag fand im Saale der 1. Klasse eine schlichte Abschiedsfeier für den infolge der Mbauver- ordnung mit dem 1^ Juni aus dem Dienste geschiedenen Lehrer Nanz statt. Die Kinder der 1. Klasse hatten den Saal festlich geschmückt. Kreisschulrat Fischer feierte Herrn Nanz als besonders erfolgreichen Lehrer und Erzieher mit vorbildlicher Amtsführung und großer Pflichttreue der darüber hinaus in seiner stillen bescheidenen Art besonders durch sein Vorbild in der Gemeinde und weiteren Kreisen viel Gutes wirtte, und sprach ihm Dank und Anerkennung des Kreisschulamts aus. Für die Gemeinde dankte Bürgermeister Krämer herzlich dem tüchtigen Lehrer und guten Berater und überreichte zum Andenken ein Landschaftsbild. Lehrer Meisin- g e r würdigte als Sprecher des Schulvorstandes in längeren umfassenden Ausführungen das segensreiche Leben und Schaffen des aus dem Dtenste Scheidenden, der als Lehrer und Erzieher, als Dirigent des Gesangvereins Eintracht, als langjähriger Organist, als vorbildlicher Gättner und Obstzüchter viel geleistet habe. Er übergab im Namen des Lehrettollegiums zur Erinnerung an gemeinsame Arbeit und an den Abschiedstag ein Bild von Hans Th)ma. Herr Nanz dankte mit bewegten Worten für die ihnt erwiesene Ehre und Anerkennung. Lehrer Nanz war 46 Jahre im Schuldienst tätig, davon die letzten 24 Hahre in Steinbach, die 17 vorhergehenden im Nachbardorf Albach. * Allertshausen, 5. Juni. Am Montag trat unser Lehrer Kloos in den Ruhestand. Aus diesem Anlaß fand nachmittags in der Schule eine Abschiedsfeier statt, bei der Kreisschulrat Fischer-Gießen als Vertreter des Kreisschulamts und des Landesbildungsamtes sehr anerkennende Worte über die 44jäh» rige Dienstzeit unseres Lehrers sprach. Bürgermeister Reinhardt übermittelte dem vom Dienst Scheidenden den Dank der Gemeinde für sein 42jähriges ununterbrochenes Wirken in unserem Orte. Pfarrer Hofmann sprach im Namen der Kirche herzliche Dankesworte. Am Abend fand eine öffentliche Nachfeier statt. Ein Fackelzug, voran die Schulkinder, dann eine Musikkapelle, weiter die Gemeindevertretung und der Schulvorstand, der Gesangverein, zuletzt die Ortseinwohner, bewegte sich durch die Ortsstrahen nach dem Schulhofe, der schön geschmückt war. Mit einem Begrüßungschor eröffnete der Gesangverein die Feier. Hierauf sprach Pfarrer Hofmann über die Tätigkeit des Lehrers Kloos als Religionslehrer in der Gemeinde, weiter nahmen die Schüler durch den Gesang eines Liedes und die Worte des Lehrers Decker Abschied von ihrem bisherigen Lehrer, dem sie eine Erinnerungsgabe üherreichten. Bürgermeister Reinhardt gab einen Rückblick auf die Tätigkeit des Lehrers während seiner 42jährigen Dienstzeit (haben doch drei Generationen unsecer Gemeinde bei ihm den Alnterricht genossen), würdigte hierbei nochmals die Verdienste des Scheidenden und dankte namens der gesamten Gemeinde und seiner früheren Schüler. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit überreichte er dem verdienten Manne einen von der Gemeinde gestifteten Ruhesessel. Tiefgerührt sprach sodann der Scheidende allen seinen herzlichsten Dank aus. Durch Musik- vortt'äge und Lieder des Gesangvereins wurde die Feier in bester Weise umrahmt. Stnrkenvurg und Nhcinhesscn. * Darmstadt, 6. Juni. 3n der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde mitgeteilt, daß General v 0 n H e y l und Gattin der Dtadt ihren werwollen Besitz an Döcklinschen Gemäldengeschenkt haben und diese für alle Zeiten int LanveSmuseum sufbewaürt werden sollen. Heffen-Naffau. - fpd. Frankfurt a. M., 6. Juni. Noch niemals sind der Polizei derart viel Fahr- raddiebstähle gemeldet worden, als gerade in diesen Tagen. Aus dem Packraum einer Frankfurter Fahrradfabrik verschwanden ttotz allerschärfster Aufsicht in wenigen Tagen nahezu 30 Räder, ohne dah eS gelang, die Diebe zu ermitteln. Heute wurden nun die mit der Betreuung der Halle beauftragten W ä ch - t e r selbst als D i e b e überführt und entlarvt. Mehrere der gestohlenen Räder konnten diesen famosen Wächtern wieder abgenommen werden. Ferner wurden dem Polizeipräsidium am Donnerstag nicht weniger als fünf Diebe von Fahrrädern eingeliefert. Schließlich nahm man auf dem Hauptbahnhof zwei Kerle fest, die in Gießen mit reichem Erfolg Fahrräder gestohlen hatten und diese jetzt nach Frankfurt bringen wollten. Alle Diebe waren mit Einbruchs- und Schneidewerkzeugen reich ausgerüstet. Büchertisch. — A. W. v. Schlegel- Vorlesungen über drarnatis che Kunst und Litera- t ur. Kritische Ausgabe von Giovanni Ditt)rro Arnoretti 1. II. (im Verlag von Kurt Schweder in Bonn. 16 Mk.). Schlegel, der scharfe kritische Kopf der älteren Romantik, der unübertroffene Lleberseher der Shakespeareschen Dramen, kam in der Begleitung der Frau von Statzl im Herbst 1807 nach Wien, in einem Augenblick, wo die österreichische Hauptstadt der Mittelvunkt aller antiftanzösischen Kreise, im Zenith ihres gesellschaftlichen Glanzes, einen hervorragenden Pflanz- boden für die literarischen Zdeen für Schlegel bot. Für feine dramaturgischen Vorlesungen fand sich bald ein auserlesenes Publikum, das sich nicht allein für fein Wirken aus rein literarischem Interesse einsetzte, sondern das in diesen kritischen Vorlesungen einen nationalen Verbündeten im geistigen Kampf gegen Napoleon sah. Aber Schlegel lieh sich durch diese nationale Einstellung keineswegs beirren: „Der Kritiker behält stets die Oberhand über den Politiker, er bleibt klar, ist Deutscher und Weltbürger." Lind dies gibt den Wiener Vorlesungen ihren überzeitlichen Wert, mach! sie noch heute zu einer so fesselnden und anregenden Lektüre, zumal wenn eine so ausgezeichnete und umfassende Einführung wie die Amorettis uns so mühelos zu ihrem Verständnis verhilft. SÄegel geht aus von einer Betrachtung der dramatischen Literatur. Dem Theater, seiner Bedeutung, historischen und geistigen Entwicklung werden die nächsten Vorlesungen gewidmet. Ausführlich bespricht er die dramatische Kunst der Griechen: Aeschylus, Euripides und Sophokles, die antike Komödie und das rönllsche Theater, die Dramatik der Renaissance und dann die ftanzösische Bühne, die er an Hand des Aristotelischen Grundsatzes von den drei Einheiten einer scharfen Kritik unterzieht. Eine eingeherrde, liebevolle Betrachtung des englischen und spanischen Theaters, vornehmlich Shakespeares, führt aber zu einer gedrängten Llebersicht über die literarische Entwicklung in Deutschland bis zu Schiller. Alles in dem feingeschliffen-en, fesselnden Stil, den wir aus seinen Liebersetzungen fen» wen. Dje Ausgabe, in der die Vorlesungen heute wieder mit großem kritischen Apparat dem deutschen Dolle vorgelegt werden, ist gleich mustergültig in der Wiedergabe des Testes, der praktischen Anordnung der Anmerkungen wie der geschmackvollen Ausstattung. 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Allen denen, welche uns bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen zur Seite standen, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir hierdurch herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau K. Eisfeller Willy Lisseller. Gießen (Marburger Str. 56Hth.), Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, dem 11. Juni 1924, nachmittags 4 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. FriiWM 1. Feiertag Ernst Ludwig 2. Feiertag Vereinslokal (Lcbivvkavak) Der Vorstand, Rundfunk haus Löberstr. 12 Samstag, 7. 6., nachm. 4—6 ühr: Unlerhaltnngsmnsik. Abends 8.33 Uhr: Oestemicbiscber Abend WllMM Weiterleit 1. Pfinnsttag: Früh- svazicrnang narb d. Schiffenbcrn. Abmarsch 7 Ubr, Bahnübergang Schinenberg. Tal. Firma Frensdorf, sowie allen denjenigen, die ihr die letzte Ehre erwiesen haben, und für die zahlreichen Blumenspenden sprechen wir hiermit unseren innigstgesühlten Dank aus. MMSeö.Mö.LMr. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bet dem Hinscheiden unserer innigstge- liebten Tochter Die Hinterbliebenen. I. d. N.: [Frau Toni Nicolaus geb.Mayrlipp Heute vormittag 8V2 Uhr wurde mein einziger, heißgeliebter Sohn, unser lieber Vetter, Neffe und Onkel Wilhelm Hillgärtner im 26. Lebensjahre von seinem langen, schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst. In tiefer Trauer: Marg. Hillgärtner Ww. geb.Schomber nebst allen Angehörigen. Danksagung Für die uns in so überreichem Maße entgegengebrachte aufrichtige Teilnahme anläßlich des Verlustes unseres unvergeßlichen Gatten, Sohnes,Bruders,Onkels und Schwagers Herrn Carl Nicolaus jun. sagen wir herzlichen Dank. Hierdurch erfüllen wir die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres aktiven Mitgliedes Wilhelm Hillgärtner geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 10. Juni, nachm. 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt, und bittet um zahlreiche Beteiligung Der Vorstand. Johanna für die trostreichen Worte Herrn Dekan Gußmann, besondere Aufmerksamkeit Radio-Balle Kirchenplatz" Täglich neues Programm Heute, abend 8‘/i U6r[*71,h Konzert Oeslerreichischer =ÄtaiI= Deutsche Vereinsbank Filiale Gießen Neuen Bäue Nr. 23 ::: Telephon Nr. 1304 und 1604 MM- i ßkitßMl 2. pfingstseiertag, vormittagsl lUbr, Hotel Söyler. Deflanl. (7Tl| Verein Fröhlichkeit Giehen L.Jleiertag, 11 Ubr Frühschoppen im Postkeller. Rege Beteiligung erwünscht! 020787 Der Vorstand. Heute morgen 9 Uhr verschied nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende, unvergeßliche, liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante Johannette Franke geb. Reuhling In tiefer Trauer namens der Hinterbliebenen: Ernst Franke. Ml. ZiWMsMil Messens sucht für dauernde Beschäftigung Reifenden bezw. Vertreter gegen Provision. Nur bei Grossisten und bester Detailkundschaft eingef. Personen . wollenschrifil.Bewerbungen unt. 4746D an den Giestener Anzeiger etnreichen. 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Es wirt jedoch gewünscht den Kohleubedars, bei Fortbestehen deS ge- währlenRabattes b. derFtrmazu decken, der wirinersterLtnik den biU. Ausnahnie- preis zu verdanken Gesangverein Heiterkeit Gießen. Gestern morgen verschied nach langem, schwerem Leiden unser lieber Sangesbruder Wilhelm Hillgärtner im blühenden Alter von 26 Jahren. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Dienstag nachm. 3 Uhr statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet £)er Vorstand. rsD abzugeben 4720D J. und 16. Gl ich, Gambachb. Butzbach Ein leichter HUW«- Wagen zu verkaufen. 020901 Q. Weber V8 Heuchelheim. FürKolomalwarcn- u.Lebensmittetgesch. 2 Regale 1 Theke zu verkaufen. [020794 Ludwigstraste 36. 29 Jahre alt, bew. = in einfacher und == doppelter Buchführ- = ung,^obn-u. Steuer- == wesen, sucht sich per = 1. Juli zu verän- == dem. Schr. 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(4716 ss DC1 & 3“fli ®™sm- bezeichnt. ^5tcdcrg< wird, iwoch leren gierende amt, too m aebaut. r sparsamen Haushaltsplanes und für seine gründliche Erläuterung die vollste Anerkennung gebührt Ä’Ä Vieh. Radf, Verein 1885 E. B. Am 2. Feiertag * * Abschlüfs e i m L a h m e h e r - K o n- zern Frankfurt a. M. Die Elektrizitäts- A.-G. vorm. W. Lahmeyer &®o. in Frankfurt a. Main weist per 1923 einen Lieberschuh von 45 749 Dill. Mk auf, der vorgetragen werden wird. Der Generalversammlung am 23. Juni wird auch die Verlegung des Geschäftsjahres auf die Zeit vom 1. Juli bis zum 30 Juni vorgeschlagen werden. * Gewerkschaft S'einkohlenberg- werk Bismarck in Gelsenkirchen-Bismarck. Rach dem Geschäftsbericht beträgt die Gesamteinnahme 77 117,5 Billionen Demgegenüber steht ein Zuschuß des Gruben- und Kokereibetriebes mit 533 086,1 Billionen Mark, so dah nach Anrechnung der 77 117,5 Billionen Gewinn ein Verlust von 455 968,6 Billionen Mark verbleibt. * Vulkanwerke Hamburg-Stettin A.-G. Die Tagesordnung der zum 24 Juni ein- berufenen ordentlichen Generalversammlung enthält u. a. einen Antrag auf Aückerwerbung der in der ordentlichen Generalversammlung vom 11. Mai 1920 g schoffeneu Vorzugsaktien im Renn- werte von 5 Millionen Mk. * Vertragsabschlüsse Fords in Deutschland. Die Ford Motor Comp. in Detroit hat, nach Blättermeldung, wie mit anderen Werken, so auch M't der der Deutschen Handelsgesellschaft angegliederten FrankfurterGe- brauchskraftwagen-Betri eb ö-G. m. b. H einen Vertrag geschlossen, wonach diese Gesellschaft den Vertrieb der Fordmotorwagen, Fvrdstrakt,ren und Ford-Lincolnwagen übernommen hat. Ferner wird in Frankfurt a. M. der Fertigbau von Lieferungswagen ausgenommen werden. Börsenkurse. •) Dom AuckzahlunLsw?vi. Berliner Dorfe. Berlin, 6. Juni. Bei bereits ist eigentlich an Altersschwäche eingegangen. Man konnte sich hier an die neuzeitliche Geschäftsführung nicht anpassen. Die beiden Fälle, die markantesten der letzten Woche, sind insofern charakteristisch, als man deutlich sieht, dah nur solche Institute betroffen werden, bei denen tatsächlich irgend etwas faul ist. Am Devisenmarkt wurden im Laufe der Woche zum ersten Male sämtliche Devisen voll zugeteilt. Roch im April betrugen die Anforderungen 400 Millionen Goldman. Heute ist es der hundertste Teil — nämlich die Summe, die die Reichsbank bisher ständig zugeteilt hat — der den Anforderungen genügt. Ze klarer der Markkurs im Auslande stabil blieb, desto leichter wurde es den inländischen Devisenbelihern — durch Geldmangel gezwungen — sich von ihren Dorratsbestäsiden zu trennen. Eine Ausfuhr von Effekten hat bei dieser Erleichterung am Devisen- markt in der letzten Woche kaum eine Rolle gespielt, mehr schon die Kredite dec Golddiskontbant. Ob dieser Zustand von Dauer sein wird, bleibt abzuwarten, da z. B. unsere Handelsbilanz durchaus passiv ist und in der letzten Woche drr Handel häutig seine Auslandsreserven an Devifm benutzt zu halben scheint. Wenn di:se verraucht fern werden, muh sich der Devisenb darf zMngs- läufig am Berliner Platz häufig bemerkbar machen. Die einzig mögliche Lösung, die hier auf die Dauer Sicherheit schaffen kann, bleibt die Gvld- diskontbank. rolllocll no« voll volljvoll vollzog i’ESm ISS? ' 1 4 Uhr <5n-naetnu . Abend 8 Uh, ^gstunde. Banknoten nicht notiert werden, findet Die nächste Börsenversamnrlung am Dienstag, dem 10. Juni, statt. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (In Billionen Mark auSuedrstckt. BuenoS-AireS, London. Neu» York, Japan, Rio de Ja.ictro für eine Einheit, Wien u Budapest für 100000 Einheiten, alles übrige für 100 Etudeitrn.) Teleoi nrytsche Auszahlung. Schwet-er Noten......«... Französische Noten........ Dänische Noten.......... Schwedische Noten........ Holländische Noten........ Deutsch-Oesterreich, L 100 Kronen Amerikanische Noten Englische Noten.......... Jt. licnische Noten......... Belgische Noten.......... Ungarische Noten......... Tschechoslowakische Noten..... Norwegische Noten........ Rumänische Noten......... Spanische Noten........ . Verbandst«; in Offenbach Stadttheg Hierbei wirkte auch die Verstimmung über dir bei den Werken des Rhein-Elbe-ülniontonzerns bestehende Rotwendigkeit ; der Aktienkapitalien bei L__ ,, o ... Goldmarkbilanzen mit. Bei belanglosen ülrnsähen veränderte sich der Kursstand weiterhin nicht erheblich. Arn Geldmarkt ist die Versteifung der letzten Tage so gut wie verschwunden. Am Devisenmarkt fand geringfügige Rachfrage bei zugleich unveränderten Kursen wieder volle Befrie» digung. Da die Börse morgen für jeglichen Verkehr geschlossen ist und mithin auch Devisen und Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Dor vier Wochen glaubte man, daß das Kursniveau der Effekten auf jeden Fall seinen niedrigsten Stand erreicht haben müßte. Vergleicht man die heutigen Kurse mit denen vom Anfang Mai, so stellt sich heraus, daß die damalige Vermutung eigentlich nur für die Mvn- tantoerte zutrifft. Diese haben sich sogar erholen können. Z. D. hat sich Gelsen Berg von 40,12 am 7. Mai auf 47,37 am 4. Juni verbessert. Set Streik hat den MontanchapFeten kaum etwas anhaben können. Das Ausland hat sich in den letzten Wochen, wenn auch in geringem Ausmaße, lediglich für diese erstklassigen Papiere intereffiert. ilnb für den, der warten kann, sind sie auch gewiß ein gutes Geschäft. Die Börse weih sehr. wohl, dah sämtliche Kurse unterbewertet sind. Trotzdem haben alle übrigen Papiere in dielen letzten vier Wochen 10 und 20 Pvoz., ja sogar darüber, einbühen müssen. Schuld hieran war mittelbar oder unmittelbar die Geldlage. Die Industrie war.häufig zu Zwangsverkäufen gezwungen; sind doch die großen wie die kleinen Betriebe stark verschuldet. Rach den Mitteilungen des preußischen Handelsministers hat die Industrie seit Zustandekommen der M i- cumverträge eine Viertelmilliarde Goldmarkaufgenommen und lebt von derSub stanz! Es wird allerhöchste Zeit, daß darin durch die Regelung der Reparationsfrage Wandel geschaffen wird. Von Kreditverhandlungen mit dem Auslande ist in letzter Woche viel die Rede gewesen. Don positiven Abschlüssen hat man aber noch nichts gehört. Das Ausland sieht sich seine Kreditnehmer sehr genau an. Die Bedingungen sind 'schwer. Solange die Wirtschaft vor gewaltsamen Eingriffen nicht geschützt ist, ist ja das Risiko eines jeden Kredites groß. Die neuerlichen Bankpleiten wirken dabei nicht ermunternd. Die Börse kommt hierüber noch gar uicht zur Rühe. Die Klärung bei der Hamburger Handelsbank zieht sich noch immer in die Länge. Ser schwerste Fall, die Wiener Lombard- und Escomptebank, scheint auch den Metallhandel wieder zu treffen. In Fachkreisen hat dieser Zusammenbruch kaum überrascht. Das im Irchce 1873 unter holländischer Beteiligung mit einem fta£ttal von 10 Millionen Gulden gegründete Institut wurde bis zum Kriege sehr solide und konservativ geführt. Rach dem Kriege und vor Etem nach der Stabilisierung in Oesterreich konnte sich die Direktion nicht entschließen, von ihren Inflationsgewohnheiten abzugehen. Das geringe Vertrauen drückte sich auch im Kurse aus, der von 85 000 im Jahre 1923 auf 14 900 Kronen zu ruckgegangen wat. Das Bankhaus de Reufville in Frankfurt, das 300 Jahre besteht, Berliner Produktenbörse. Berlin, 6. Juni. (Wolff.) Ser Verkehr am Produktenmarkt hielt sich wieder in sehr engen Grenzen. Weizen war von Mitteldeutsch an? an- geboten und vergleichsweise billig zu taufen, och hielt die unveränderte schwierige Lage des Me l- geschäftes die Mühlen vom Kaufe des Rohnate- rials zurück. Don Roggen bestand einige Rach- fLage aus Sachsen, indessen für den Handel zu unrentablen Preisen. In den übrigen Artikeln Janben bei wenig veränderten Preisen kaum Umsätze statt. Da morgen, Sonnabend, die Börse für jeglichen Verkehr geschlossen ist, findet die nächste Produktenbörse Dienstag, den 10. Juni, statt. Es wurden notiert für je 1000 Kilo: Weizen niärf 148 bis 151 (ruhig), Roggen märk. 128 bis 134 (still), Braugerste 152 bis 156 (still) Futtergerste 140 bis 148 (still), Hafer mark 126 bis 133 (ruhig), Raps 250 (ruhig), Leinsaat 3^0 (luhig); für je 100 Kilo: Weizenmehl 2150 bis 24 (still), Rvggenmehl 19 bis 21,25 (ruhig,, Wei» Senkleie 9 bis 9,20 (stetig), Roggenkleie 8,50 brs 8,60 (stetig), Diktoriaerbsen 18 bis 20, kleine Erbsen 14 bis 15, Futtererbsen 12 bis 13 Peluschken 10,50 bis 11, Ackerbohnen 13 bis 14 Wicken 10,50 bis 12, Lupinen blau 9,50 bis 10 Seradella 13 bis 13,50, neu 11 bis 13 Raps^ buchen 9 bis 9,20, Leinkuchen 17, Trvckenschnitzel 6,60; für je 50 Kill): Weizen- und Roggenstrch S’SPB?- a°o?° 1, Haferstroh, drahtgepreßt 0,75 brs 0,85, Stroh, strvhseilgebündelt 0,80 bis 0,90 Häcksel 1,20 bis 1,30, Wiesenheu gut gesund und trocken 2,10 bis 2,40, handelsübliches Heu 1,40 bis 1,65. Frankfurter Getreidebörse. ^Sranff urt a. Olt., 6. Juni. Getreide o'hne Sack, Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit Sack. Es notierten je 100 Kilo: Weizen (Wetterauer) 16,25 bis 16,50, Roggen (inlärrd.) 14 75 bis 15, Sommergerste für Drauzwecke 16 50 bis 16,75 Hafer (inländ.) 14 75 bis 15,25, Weizenmehl, südd. Spezial 0 26,25 bis 28, Roggenmehl 22,25 brs 23, Weizen- und Roggeirkleie 8 80 bis 9,50. Tendenz: ruhig. (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Das Urteil im Mainzer Komrmrnistenprozeß. /^ininz, 6. Juni. (WB.) Im Kommuni- stenprvzeh vor dem französischen Kriegsgericht Prach das Gericht nach dreitägiger Verhandlung für die Angellagten Strafen von 6 Monaten bis ju .10 Jahren Gefängnis aus. Einem großen Teil der Angeklagten wurde Strafaufschub gewahrt. Sämtliche Angeklagten wollen Berufung einlegen. •* Verschärfung der japanisch-amerikanischen Spamn-nz. London, 6. Juni. (WB.) Rach Blätter- metoungen aus Tokio ist der amer-ikaaischr Bot- schafter in Tokio, Wood, der bekanntlich ferne Demission gegeben hat, gestern nachWashina- ton abgeroist. Die „Daily Marl" meldet aus Kobe, daß zwer weitere Japaner als Protest gegen das amerikanische Einwanderungsgesctz Selbstmord Begangen haben. Sic Erregung "ganz Japan nehme zweifellos zu. In verschiedenen Orten seien Vereinigungen zum Boy - \CC amerikanischen Waren gcbck- det worden. Zahlreiche Kaufläden in Tvlio trüc.en Aufschriften, die besagten, daß keine amerikanische Waren verkauft werden. Einige Aerzte in Tokio teilen mit, dah sie es ablehnen, ame- rrkanische Patienten zu behandeln. Beunruhigende Briese seien an amerikanische Mis- Jl0 « a r e gesandt worden. Die Behörden erwägen Maßnahmen, um dec Lage zu begegnen. 19 Leitungen in Osaka und Tokio haben eine Erklärung veröffentlicht, daß die vorn Kongreß in Wa hing- ü>n angenommene, gegen Japan gerichtete Gesetzgebung nicht nur in Widerspruch mit der Gerechtigkeit und Menschlichkeit stehe, sondern auch die traditionelle Freundschaft zwilchcn den beiden Ländern unberücksichtigt lasse. Die Blätter ersuchen die amerikanische Regrerung und das amerikanische Volk die gesamte Fraae neu w ertopou» Der neue Gießener Haushalts-Voranschlag. III.*) Mit besonders kritischem Blick wird man bei der Prüfung des neuen Haushalts-Voranschlags ine Steuertitel betrachten. Ein buntes Bündel von Steuerplänen tritt da zutage und offenbart, wie verfahren und zerflattert unsere heutige Steuerpolitik gegenüber der früheren Einfachheit und Klarheit doch ist. Lebhaft bedauern muh man dabei daß die hessische Regierung die ohnehin schon knappe Rationierung der Steueranteile dec Gemeinden an den Reichssteuern noch einmal von sich aus beschnitten und damit das finanzielle Fundament der Gemeinden weiter eingeengt hat, und schließlich muh man noch den überaus harten Zugriff des Staates auf die Grund- und Gewerbesteuer beflogen die den Gemeinden bisher noch der festeste Rückhalt war. Man kann es verstehen, wenn der Oberbürgermeister in seiner Voranschlagsrede diese Zustände als wenig erfreulich und den Grundsätzen idealer Steuerpolitik widersprechend bezeichnet, und man muh ihm vollkommen beipflichten, toenn er fordert, dah in Zukunft wenigstens eine Annäherung an den Grundsatz, „dah die Steuergebiete säuberlich abgegrenzt seien und aus einer Steuerquelle möglichst nur e i n Steuergläubiger schöpfe", erstrebt und namentlich erreicht werden müsse, „dah die Gewerbesteuer, wie früher, und auch heute noch in dem größtem Staate Preußen, der alleinigen Besteuerung durch die Gemeinden unterliegt.“ Man wird vom Landtag verlangen müssen, dah er den Finanzausgleich möglichst bald wieder gründlich revidiert und dafür sorgt, dah durch eine durchgreifende staatliche Verwaltungsreform noch' mehr wie bisher gespart wird, jedoch nicht nur bei den unteren und mittleren Beamten, sondern auch einmal in den regierenden Kreisen, z. B beim Landesbildungs- amt, wo man noch in den letzten Wochen auf- gebaut. anstatt kräftig abgebaut hat. Rach dem Haushalts-Voranschlag ist zum Ausgleich dec Rechnung ein Betrag von 647 529 Mack aufzubringen. Sie Stadtverwaltung schlägt vor, hierzu die Grund- und Gewerbesteuer in Anspruch zunehmen. Es wird sich natürlich nicht umgehen lassen, dah diese beiden Steuerarten auch ihren Teil zur Deckung des Bedarfs mit beitragen müssen, wir möchten aber davor warnen, den ganzen Fehlbetrag ausschliehlich vom Grundbesitz und Gewerbe zu erheben. Wie die wirtschaftlichen Verhältnisse jetzt und auch noch auf Monate hinaus liegen, muh hier mit größter Vorsicht und Schonung vorgegangen werben. Man darf nicht übersehen, dah jetzt vier Steuergläubiger (Staat, Gemeinde, Kreis und Provinz) aus dieser Quelle schöpfen, anstatt des einen bisher (die Gemeinde). Weiter muh beachtet werden, dah auch das Gewerbe und der Grundbesitz stark unter den großen Kreditschwierigkeiten zu leiden haben, die unser ganzes Wirtschaftsleben in außerordentlich hemmender und schädigender Weise belasten, und dah zur selben Zeit mancher Gewerbetreibende Arbeiten auf längeren Kredit oder ratenweise Abzahlung liefern muh, wenn er überhaupt nur Aufträge haben will. Würde' die Steuerbelastung nun auch noch in starker Form zu den vprhandenen reichlichen Schwierigkeiten hinzutrelen, so märe um die Existenz vieler Gewerbetreibender und Grundbesitzer sehr zu fürchten. Wir meinen, die zahlreichen Steuerstundungsanträge, die jetzt schon bei der Stadt vorliegen. müßten hier doch zur Vorsicht mahnen. Alle vier Steuergläubiger dürfen auch nicht übersehen, daß immer mehr und immer stärkere Steuerbelastungen naturnotwendig auch den Verkaufspreis der Waren hinauftreiben müssen und damit die Lebenshaltung der breitesten Volksschichten noch mehr wie bisher erschweren. Diese Verschlechterung wird dann coieder auf eine Heraufsetzung des Lohnniveaus hindrängen, das Produkt wird wieder teurer, und so treibt ein Keil den anderen in stetig hetzendem Kreislauf. Diese Folgen werden vor der Festsetzung dec neuen Steuern ernsthaft zu überlegen sein. Irgendwo muß der Bedarf dec Stadt natürlich Deckung finden. Es hat sich nun schon herausgestellt, daß aus gar manchen Titeln des Etats doch noch höhere Einnahmen zu erzielen sein werden, als vorgesehen sind. So wurde in der Generaldebatte am Mittwoch z. D. hervorgehoben, daß die städtischen Gebäude im Laufe des Haushaltsjahres mehr Miete, als veranschlagt, bringen werden, denn der Prozentsatz der Miete ist heute schon gegenüber der Haushalts-Rechnungsgrundlage wesentlich höher, und er wird künftig noch weiter steigen. Ebenso durfte eine ansehnliche Einnahme-Erhöhung bei den Waldungen nicht ausgeschlossen sein; wenn man den heutigen Durchschnittsholzpreis zugrunde legt, so kann man gegenüber dem Voranschlag mit einem Mehrerlös von 60 bis 70 000 Mk. rechnen. In manchen anderen Kapiteln des Etats kann man den gleichen Entwicklungsgang der Einnahmen nach oben erwarten. Die jetzige geringe Einnahme- Veranschlagung kann natürlich niemand der Stadtverwaltung zum Vorwurf machen, denn damals, als der Voranschlag aufgestellt wurde, waren die zur Grundlage der Berechnungen gemachten Preise eben maßgebend und ihre Erhöhung war nicht vorauszusehen. Auf der andern (Seite scheinen in manchen Titeln die Ausgaben in vorsorglicher und sehr anerkennenswerter Weise etwas reichlich hoch bemessen zu sein, so daß man hier wohl auf angenehme Enttäuschungen rechnen kann. Aus beiden Ermittelungen ergibt sich, daß durch Mehc- eimiahmen und Minderausgaben auf eine ansehnliche Senkung der Fehlbetragsziffer zu rechnen ist, so daß man die Steuerschraube etliche älmdrehun- gen weniger machen lassen kann. Betrachtet man die Steuern zweiter Ordnung, die unser städtisches Steuerbukett zieren, so drängen sich mancherlei Gedanken auf. Die Vergnügungssteuer soll nach dem Voranschlag 40 000 Mark bringen. Wir hätten nichts dagegen einzuwenden wenn man aus dieser Steuer etwas mehr herausholen würde. Dabei möchten wir jedoch die gehaltvollen Darbietungen (Theater, Kunst, Konzerte, auf höherer Stufe stehende Vereinsveranstaltungen, Sportbetätigung usw.) geschont wissen, aber Tanzbelustigungen, „Gemütlichkeitsabende" namentlich jugendlicher Veranstalter und ähnliche Dinge, die herzlich wenig in unsere Rotzeit passen, sollte man zum Vorteil der Allgemeinheit etwas schärfer mit der Steuerfaust packen, und man kann doch gewiß fein, daß deswegen nicht weniger konsumiert und die Fröhlichkeit nicht geringer fein wird. Die Getränkesteuer, die man als Rot- •) Teil I in Rr. 124, Teil II in Rr. 126. 5% Deutsche RetchSanleihe <% Deutsche Reichsanlethe 3Deutsche Reich anleihe 3% Deutsche Reichs mleibe Deutsche Sparpräintenanleibc 4°/0 Preußische KonsolS . . . 4° o Hessen........... 3'/»*/>> Hessen.......... 3% Helsen........... Deutsche Werth. Dollar-Anl. dto.Toll.-Schay.Änwersung.e) 4% Zolltürken ..... 5% Goldmcxikaner - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank. Darmft. und Narionalbank . Deutsche Bank......... Deuische BereinSbank .... Diöconto Commandit .... TOctafibant........... Mitteldeutsche Creditbank. . Oesterrcichische Creditanstalt Westbank............ Bochumer Guß........ Buder.,S............ Caro ............. Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harvener Bergbau...... .tzallwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln Laurobttte........... L berbedarf........... Phönix Bergbau....... Rhein stahl........... Rtebeck Montan TelluS Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llossd .... Cberamische Werke Albin .. Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann..... Anglo-Cont.-lNuano Badische Anilin........ Chemische Mayer Alapin. . . Goldschmidt.......... Griesheimer Electron .... Hrchster Farbwerke , Holzverkohlung Rütgerswerke Scheideanstalt . Mg. Elektrizitäts-Gesellschaft Deramann........... Momkrastwerke........ Schlickert......... Siemen- G....... Schuhfabrik Her, Sichel............. Zellstoff Maldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel ... > llblabrt 7 Uhr Hess Hof. 474i> [Rentnerbnnd Die Sommer- forgung durch unSisl Medoben-DieM- gliebtr find von der Porlnisbefiellune entbunden. Es ivird jedoch gewünscht den Koblendedari. bei AorlbeitedendeS ge- wabrienRabatiesb derArmazu decken. berroirineriterV'.m( den bill Ausnahme« preis zu verdat haben. V-M Ter Vorstand Hl MW 1. Feiertag Sch 2. Feiertag yerünüM s7chivvkavak) Der Vorstand. . - ------erheblich geringerem Besuch stand die Börse bereits unter dem Feiertagszeichen. Auf allen Gebieten hielten sich die Ülmsätze in sehr engen Grenzen, wobei die Politionslösungen für die wegen der bekannten unerfreulichen Wirtschaftsverhältnisse in Zahlungsverlegenheiten geratenen Firmen fortgesetzt wurden. Unter diesen Umftänben trat fast überall eine erneute mäßige Senkung des Kursstandes ein, die mit 2 bis 3 Billionen Prozent am erheblichsten aber nur bei einigen wenigen führenden Montan- und Industriewerten war. Urriug.. $ytiir) NU"»'»« ^ertug: 7 Uhi kr Vgdcir re*9, Abmarsch o "br abends, «■amilicnjuinm: me».kun,tbW,h. Kaileraltee. ^LerVorfimü. Schlug- Kurs 5. 6. 0,068 0,3t0 O.17o 0,600 0,180 U'I* ; ctl^ihiiN Reoace. 0/n voll loll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll . voll voll voll 5. Juni C Juni Amtliche Notieruni ’lmiit h' .'ioiiT t' ■ Geld lötler Gclv Hrur Nmsl.-Ratt- 156,61 157,29 156,61 15 , 9 Brss.-?lntw- 1J.35 16,4, 13,45 18,55 (Sbriftinnin 56,2.6 56.64 56,'6 56,6« Kovonbaaen 70,57 70,93 70,57 70,93 Stockholm 110,72 111,28 110, 2 11i,28 Helsi'.igforl 10,47 10,53 10,4 ’ 10,53 Italien 18,175 18,275 18,175 18,275 London 16,035 16,145 16,015 16,14. Reuvork . 4,1 i 4,21 4,19 4,21 Pari« . . . 20,90 21,00 21,05 21,15 Schweiz . 73,52 73,68 73,52 73,68 Svanten . t6,11 66, j9 56,11 66,39 Wien in 9.« £ fit. adge!. 5,89 5,91 5,89 5,91 Prag. . 12,22 12,28 12,12 12.2C Budavell. 4,59 461 4,59 4,61 Buen^Airei 1,345 1,355 1,345 1,65 Bulgarien . 2,99 3,01 2,95 2,97 Javan .. . 1,665 1,67'> 1,665 1,675 Rio De Jau 1,425 1,435 1,425 0,4 5 Brlgrao £,04 5,06 5.04 t-,0u Linauon . 11,97 12,03 11,97 12,03 Sd)lal,. An« Schlüßen 4 Schlutz Qll'S 6. 3. i. 6. 6. 6. 0,065 0,0u86 0,068 03 0 — 0,450 0,V0 6,185 0,1£1 0,600 0,676 0,676 — 0,90 0,85 — 0,200 0,196 — — — — — — — — — 4,2 4,2 4,2 73,5 73,8 73,5 3,63 3,25 3,5 — 39,25 39,25 19 19 __ 3,75 3,75 3,5 6 V 6 6,8 6,75 7 0,4.0 — __ 7.7 7,25 7,8 11,6 •— — 1.25 1,25 1,25 0,390 0,37 0,87 0,300 0,5 — - - 47 43,25 8,63 8,1 8,3 10 9,87 10 39,75 40 39,6 43,2t 44 43,13 50,75 51.6 50,5 6,75 6,75 7 11,25 11,1 11 4.5 4.75 4,3 9,25 9,5 10 20.76 21,13 21 17,5 10 17,75 53 53,25 33,25 1,26 — — 19,95 19,87 19,9 4,4 4,4 4,3 —— — 7,6 _ 2,13 2 — 9,25 8,76 3,75 12,5 12,5 12,4 —— - - 8,5 8,75 8,5 8,6 8,75 8,5 9,25 9,25 9,1 f,3 — 9,2 S 9 8,87 12,1 — — 7,3 7,5 7,25 9,75 9,9 9,75 4,8 w — • 27,9 27,25 38 36 67,5 1,35 1,3 1,25 2 ,5 2 2,1 2 — * 12 12 10 0,510 — __ _ 11,75 — 1 0,9 0,9 2,1 2 2 4,4 - —- 6,26 5,8 7 3 8,4 2,35 — — Landwirtschaft und Gartenbau. Rotlauf-Schutzimpfung. Mit Eintritt der wärmeren Jahreszeit wird sich auch der Rotlauf wiederum unter den Schweinen bemerkbar machen. Diese Krankheit führt ohne Impfung der Tiere zum Tode. Der Krankheitserreger wird von den Tieren mir zu leicht durch Futter, Wasser. Schmutz oder anderweitige Heber- Ir agung ausgenommen, und dann kommt Hilfe meistens zu spät. Vorbeugen ist auch hier weit besser als zu hetten versuchen. Die beste Vorbeuge besteht darin, die Läufer im ungefähren Alter von drei Monaten vom Tierarzt mit Lvrenzschem Rotlaufserum impfen zu lassen, sie werden dadurch für einen Zeitraum von fünf Monaten sicher vor dieser Krankheit bewahrt werden. Bei Zuchttieren wird man nach Ablauf dieser Schuhzeit die Impfung wiederholen lassen. Rachteilig wirkt die Impfung auf keinen Fall, die Behauptung, daß die Tiere infolge der Impfung im Wachstum zurückbleiben, ist ein altes Ammenmärchen. Auch wenn die Tiere schon von Rotlauf befallen und angesteckt sind, kcmn eine sofortige Serumimpfung, allerdings in stärkerer Dosis wie bei der Schuh- öMpfung, in vielen Fällen heilen. Sicherer und Zuverlässiger bleibt aber immer die vorbeugende Schutzimpfung. Bei den geringen Kosten, die solche Impfung verursacht, besonders dann, wenn alte Schweinebesiher einer Gemeinde am gleichen Tage impfen lassen, kann jedem Landwirt nur dringend angeraten werden, auch in diesem Sommer seine Tiere rechtzeitig impfen zu lassen. Es kann aber hierbei nur dringend angeraten werden, die Tiere vom Tierarzt mit Serum und lebenden Rotlaufkulturen impfen zu lassen, das gewährt einen fünfmonatigen Schutz, der durch eine zweite Kulturimpfung auf ein Jahr verlängert werden kann. Hingegen wird durch die Verimpfung von Rotlauf- bazillen-Extrakten, wie eingehende Hntersuchungen ergeben haben keine aktive Immunität erzielt. Richt unterlassen will ich zu erwähnen, daß man im vergangenen Herbst in einem Cinzelfall den Rotlauf durch Elektrizität mit Erfolg behandelt haben will. Ob aber tatsächlich diese Behandlung allein die Heilung bewirkt hat, oder ob es sich um eine SelbsthÄlung handelt, die ja zuweilen auch bei Rotlauf eintreten kann, muh unentschieden bleiben. Im allgemeinen ist bei Rotlauf vor aller Kurpfuscherei dringend zu warnen, bei dem raschen Verlauf dieser Krankheit schadet sie immer, aber mancher wird erst durch Schaden klug, dann, wenn sein Schwein tot im Stalle liegt. Wh. Schrebergärtners ArbeitimIuni Wenn auch des verspätet eingetretenen Frühlings wegen etwas später, so werden doch in diesem Monat Jcfcon die ersten Früchte reifen: Frühkirschen und Erdbeeren. Zugleich stellen sich aber auch manche ungebetene Gäste dieser delikaten Kost ein, vornehmlich Sperlinge. Stare und Amseln. Ganz besonders letztere sind dort, w) sie zahlreicher auftreten, die ärgsten Plünderer der Erdbeerbeete. Falls letztere dann nicht durch Drahtgewebe, alte Gardinen oder Fischernetze geschützt sind, kommt nicht'leicht eine Frucht zur vollen Reife. Also beizeiten aufgepaht! Der jungen, schwachen Daumen mit zu reichem Fruchtansatz ist es ratsam, einen Teil der Früchte auszubrechen, damit der Übrige Teil zur besseren Entwicklung kommen kann und die Kräfte des Daumes geschont werden. Zu stark wachsende Triebe der Dusch- und Formobstbäume werden entspiht, Wasserschohlinge entfernt Zur Di dung des Fruchtfleisches ist reichlichste Bewässerung geboten, auch mit verdünnter gegorener Jauche. Hm bei neugepflanzten Bäumen ein zu rasches Austrocknen der Baumscheibe zu verhindern, belege man diese mit verrottetem Dünger, wodurch gleichzeitig eine Düngung erzielt wird. Am Weinstock ist der Sommerschnitt auszuführen. Wildlinge in vollem Saft können oEuüett werden. Bei veredelten C^äumen • sind die Wildtriebe zu entfernen und Oie Edeltriebe anzuheften. Die Vertilgung jeglichen Hngeziefers ist mit allem Rachdruck zu betreiben. Der Gemüsegarten erfordert tägliche Beaufsichtigung und Pflege. Die Hauptarbeit in diesem Monat besteht im Begiehen, Jäten, Hackcn und Behäufeln. Stark zehrende Gemüse, wie es beispielsweise alle Kohlarten sind, werden reichlich mit verdünnter Hauche begossen. Fleißiges Hacken im ®enntfcgarten ist halbes Gedeihen der Pflanzen. Gurken und Kürbisranken lverden enf piht. Abgeerntete Beete mit Frühgemüse werden so'ort wieder gegraben und neu bestellt. Mit Johanni ist die Spargelernte zu beenden. Dann ist den Beeten eine kräftige Düngung zu verabfolgen. Gewürzkräuter sind vor der Blüte zu schneiden und zu trocknen. Don Erbsen. Buschbohnen und Karotten kann noch eine neue Aussaat gemocht werden. Das Pflanzen aller Herbst- und Winter- gemüse ist tunlichst bald zu beenden. Es können noch gepflanzt toerben alle Kohlarten, Sellerie, Porree. Kopfsalat. Allem Hngeziefer gehe man energisch zuleibe. Raupen sind möglichst täglich von den Pflanzen zu suchen und zu vernichten. Aus dem GeMgelhos im Juni. Eine der Hauptarbeiten auf dem Geflügelhof im Frühjahr, das Brutgeschäft, ist beendet, wenigstens der Hauptsache nach. Für Erlangung von Rachzucht ist unbedingt Schluh zu machen. Rur für den Zwerghuhnzüchter gilt eine Ausnahme, für ihn ist der Juni wohl der eigentliche Drutmonat. Für alle anderen Rassen aber sollte für dieses Hahr die Brut beendet sein. Die Rachzucht würde bis zum Beginn der kalten, unwirtlichen Herbstwitterung doch nicht mehr auswachsen und dann ein Ertrag von ihr nicht mehr erreicht werden. Die Frühbrutküken sind möglichst schon auf ihre Verwendbarkeit hin zu prüfen und auszumustern: Was nicht zur Zucht tauglich ist, ist abzusondern und sofort ober nach kurzer Mastzeit als Schlachtware zu verkaufen. Wem es nicht an Platz gebricht, trennt vorteilhaft die Geschlechter. weil beide Teile sich dann besser entwickeln. Mit zunehmender Wärme vermehrt sich auch das Hngeziefer riesenhaft. Darum sind die Stalle häufig zu reinigen und mit Kalkmilch auszustreichen, ebenso die Legenester. Rur durch peinlichste Reinlichkeit kann man in dieser Zeit dem Hngeziefer steuern. Besondere Beachtung schenke man auch der Fütterung. Hitziges Futter ist zu vermeiden. Weichfutter darf nicht in den Gefäßen stehen gelassen werden, weil es gar leicht säuert und dann den Tieren sehr gefährlich wird. Trinkwasser ist mehrmals täglich frisch zu reichen. Wer seine Tiere auf beschränkte Räume zu bauen gezwungen ist. sorge ausgiebig für ©rünfutter, auch animalische Gaben dürfen bann nicht fehlen. Die Truthühner-, Perl- und Fasanenküken bedürfen sorgfältigster Beaufsichtigung. Rur bei sehr milder Witterung lasse man sie Hinaus, sonst behält man sie lieber in den ersten Lebenswochen drinnen. Auch später schütze man sie sorgfältig vor Kälte. Regen, Tau und den sengenden Sonnenstrahlen. Gänse und Enten lasse man möglichst auf die Weide und gebe ihnen ausreichend Dade- und Schwimmgelegenheit. Enten können auch noch ausgebrütet werden, die Hungen werden bis zum Spätherbst noch schlachtreif; zur Rachzucht taugen natürlich diese Spätbruten nicht. Der Taubenboden bedarf auch häufiger einer gründlichen Reinigung. da sich sonst auch hier leicht das Hngeziefer festsetzt, zum größten Rachteil für die Aufzucht. Für ausreichende Badegelegenheit sorge man durch Aufstellen von flachen mit Wasser gefüllten Gefäßen. Die Rester sind täglich zu revidieren. Hungtauben beginnen nach dem zweiten Lebensmonat mit dem Feberwechsel und bedürfen bann etwas mehr Sorgfalt und Beaufsichtigung in Fütterung und Pflege. Frcrgekasten. Frage 25: Ein Pferd hat sich vor einem Hahre an der Mistgabel unten an der Fessel ner- leht. sie wurde dick, aber das Pferd lahmte nicht. Run ist die Fessel recht dick und das Pferd lahmt. Ich habe mit Fricol etngerieben, aber es hat nicht geholfen. , r Antwort: Die jetzt aufgetretene Lahmheit steht wahrscheinlich gar nicht im Zusammenhang mit der Verletzung im vorigen Hahre. Das Pferd wird sich vielmehr eine Verstauchung des Fessel- gelenkes neu zuaezogen haben; dafür spricht auch, dah die Schwellung zugenommen hat: ferner wird wohl vermehrte Wärme in dem verdickten Gelenk vorhanden fein. Vor allem ist unbedingte Ruhe für das erkrankte Gelenk erforderlich: fobami sind in frischen Fällen Hmschläge mit ®,figtoaffer an« gezeigt. Sollte sich nicht bald eine Besserung zeigen so rufen Sie den Tierarzt. Frage 26: Ein Pferd leidet meistens des Morgens bei Beginn der Fütterung an etwas Husten, am Tage bei der Arbeit fast gar nicht. Es ist anderweitig gesund, macht alle Arbeiten, die Freh- lust ist gut Sollte es am Futter liegen? Antwort: Das Pferd scheint an einem Dronchialkatarrh zu leiben. Die während der Rächt aus der Streu sich entwickelnden Ammoniak- dampfe wirken reizend auf die Schleimhäute der Atmungsorgane. Es ist angezeigt zu jedem Futter zwei Eßlöffel künstliches Karlsbader Sa.z zu geben. Frage 27. Mir sind im Laufe eines Jahres von neun Hühnern sechs verendet Da sich zeigte, dah die Leber übergroß und mit Hellen Flecken versahen war, so nehme ich Leberfäule an. Wie wird diese bekämpft. Frau O. in Sch. Antwort: Ihre Hühner leiden an fieber» tuberkulöse, auch Knötchenschwindsucht genannt, weil die fieber mit gelbweitzen Knötchen durchsetzt ist Die Tiere hinken auch im letzten Stadium der unheilbaren Krankheit. Ein Mittel dagegen gibt es nicht. Die Krankheit steckt sehr an und kann sich viele Hahre lang — da ihr Verlauf ein langsamer ist — durch den Bestand hinziehen. Darum ist anzuraten, alle Tiere abzuschaffen und alles mehrmals'desinfizieren. Rach einer Pause von sechs bis acht Monaten schaffe man erst wieder Hühner an! Kl. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gießen. Sonntag, 8. Huni. 1. Pstngstfeiertag. Stadtkirche. 8: Pfr. Mahr. 9'/,: Psi. Becker. Deichte u. hl. Abendmahl f. b. Matthäus- u. Mar- kusgem. ll'/4: Kinderkirche f. Matthäus- u. Mar- kusgem. Pfr. Becker. Iohanneskirche. 8: Pfr. Aus- feld. 9l/„: Pfr. Bechtolsheimer. Deichte u. hl. Abend- mahl f.'d. Lukas- u. Hohannesgem. 11*/«: Kinderkirche f. b. Lukasgem. Pfr. Dechtvlsheimer. - Montag, 9. Juni. 2. Psingstfeiertag. Stadtkirche. 8: Pfr. Becker. 9* 3: Pfr. Mahr. IvhanneSkirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer. 9V.: Psi. Ausfeld. II: Kinderkirche f. d. Hohannesgem. Pfr. Ausfeld. - Sonntag, 8. Juni. 1. Psingstfeiertag. 10: Kirchberg. 11: Hl. Abendmahl f. Staufenberg, Kollekte f. b. Lutherstiftung. 1'/»: Kirchberg. Montag, 9. Huni. 2. Psingstfeier- tag. 10: Kirchberg. - Wie'eck. Pfingstsonntag: 9‘/2; 11 Kinderkirche. Pfingstmontag: 91/,. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag. 7. Juni. 4*‘/a u. 7 Beichte. Sonntag, 3. Juni. Pfingstsonntag. 6*/2 Deichte, 7 Messe, Kom. der Jünglinge. 8 Kom. 9 Hochamt m. Pr. 11 Messe m. Pr. 2V0 Vesper m. Segen. 4‘/? u. 7 Deichte. Montag, 9. Juni. Pfingstmontag. 61/, Beichte. 7 Messe. 8 Kom. 9 Hochamt m. Pr. 11 Messe m. Pr. 21/, Andacht m. Segen. - In Grünberg am Pfingstsonntag und Pfingstmontag 972, 11 Meße m. Pr._________________________ Die Bekämpfung des Hngeziefers bei Mensch und Tier ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitspflege. Mit Euprex gelingt die Hn- gezieferbeseitigung schnell, sicher, leicht und unauffällig, sowie ohne gesundheitliche Rachteile. Cuprex ist das wirksamste und beste Mittel gegen Kopfläuse und übertrifft alle bisherigen Mittel, weil es das Hngeziefer samt Eiern (Riffe) mit einem Male vernichtet. Apotheken und Drogerien halten Eupre? in kleineren und größeren Packungen vorrätig. 4“7c SflbCTpahet30 Plg. - Dole 40Plg. hervorragend bewährt bei Grille, 81 en Will, KllWiMM Schmerzen und scheidet die aus. Klinisch erprobt. 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Arbeiter und Knechte, Bergleute, Schloffer, Installateure,Elektromonteure, Mechaniker, Schreiner, Bäck-r, Konditoren, Metzger, Schneider, Schuhmacher, Maurer, Glaser, Kellner, Haus- diener, Fuhrleute, ungelernte Arbeiter, Heizer, Kaufleute, Schreibgehilfen, Techniker. Lehrlinge: Bäcker, Konditoren, Schloffer, Mechaniker, Schreiner, Schuhmacher, Kaufleute, Schreiber, Kellner. Schreib- und Gelegenheitsarbeiten werden ebenfalls angenommen. Berufsberatung u. Stellenvermittlung für Musiker Dienstags und Freitags von 11 bis 12 Uhr. Weibliche Abteilung. Es können eingestellt werden: a) bei hiesigen Arbeitgebern: 1 Steno« typistin, Kulturarbeiterinnen, 1 Köchin, 1 Kaffeeköchin, 1 Küchenmädchen, Dienstmädchen. mehrere Tagmädchen, 1 Stühe, Lauffrauen, Büglerin für eine Anstalt, Wärterinnen. b) bet auswärtigen Arbeitaebern: Dienst- mädchen, 2 Küchenmädchen, Küchenmädchen für Saison, 1 Stütze, 1 Kinder- Mädchen, Nollerinnen. [4774B (Es suchen Arbeit: Kontoristinnen, Verkäuferinnen, Haushälterinnen, Lauffrauen. Bekanntmachung. Der Installationsmeister H. Bellos, Gießen, Lindenplatz 12, ist zur Ausführung von Entwässerungsanlagen gemäß § 16 der Polizeiverordnung, die Entwäfferung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation in der Provinzialhauptstadt Gießen betreffend, vom 1. August 1904, zugelassen worden. Gießen, den 4. Juni 1924. [4762B Der Oberbürgermeister. I. D.: Krenzien. Nutzholzverkauf. Aus den Waldungen der Stadt Grünberg (Oberheffen) soll 'das nachstehende Nutzholz auf dem Wege des schriftlichen Angebots verkauft werden: Los 1. 2 Stück 3. Kl. Eichen-Schnittholz mit 1,66 Fstm. „ 2. 15 Stück 3. Kl. Eichen-Bauholz mit 11,09 Fstm. „ 3. 68 Stuck 4. Kl. Eichen-Bauholz mit 43,18 Fstm. „ 4. 68 Stück 5. Kl. Eichen-Bauholz mit 39,91 Fstm. „ 5. 72 Stück 6 Kl. Eichen-Bauholz mit 30,50 Fstm. „ 6. 5 Stück 3. Kl. Kiefern-Schnittholz mit 3,16 Fstm. „ 7. 4 Stück 4. Kl. Kiefern-Schnittholz mit 1,43 Fstm. „ 8. 14 Stück 3. Kl. Kiefern-Bauholz mit 14,55 Fstm. „ 9. 56 Stück 4. Kl. Kiefern-Bauholz mit 42,31 Fstm. „ 10. 95 Stück 5. Kl. Kiefern-Bauholz mit 48,25 Fstm. „ 11. 1 Stück 2 Kl. Fichten-Bauholz mit 1,39 Fstm „ 12. 29 Stück 3. Kl. Fichten-Bauholz mit 51,15 Fstm. „ 13. 48 Stück 4. Kl. Fichten-Bauholz mit 52,17 Fstm. „ 14. 58 Stück 5a Kl. Fichten-Bauholz mit 41,35 Fstm. „ 15. 432 Stück 5b Kl. Fichten-Bauholz mit 84,07 Fstm. Die Gebote sind nach Losen getrennt abzugeben. Das Nadelholz ist sämtlich entrindet, ohne Rinde gemessen und ist nach den in Hessen geltenden Vorschriften aufgearbeitet. Ein Drittel des Kaufpreises ist innerhalb 8 Tagen nach erfolgtem Zuschläge, ein weiteres am 1. August, das letzte Martini 1924 zu entrichten, gegen sichere Bürgschaft. Nähere Auskunft erteilen die Bürgermeisterei und Förster Ritter, Grünberg. Die Gebote sind mit der Aufschrift „Nuh- holzverkauf" bis spätestens 16. Juni bei der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen. Eröffnung am 16. Juni, nachmittags 2 Uhr, ebendaselbst Die Bieter sind 14 Tage an ihr Gebot gebunden. Die Gebote sind in Goldmark einzureichen. Grünberg, den 5. Juni 1924. Bürgermeisterei Grünberg. I. V.: Fuldat. 4731D Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Alten- Buseck für 1924 liegt vom 10. d. Mts. an eine Woche lang auf dem Geschäftszimmer der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden. Alten-Buseck, den 7. Juni 1924. Bürgermeisterei Alten-Buseck. Rau 47590 Holzsnbmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Alten-Buseck soll das nachverzeichnete Holz im Wege des schriftlichen Angebots verkauft werden: Distrikt Forst Los 1 Fichtenstämme 2.Kl. 2 Stück mit 5,12Fstm. „ 3. „ 12 „ „ 22,15 „ u 4. „ 3 „ „ 4,17 „ „ 5a „ 1 „ „ 0,48 „ Distrikt Röderwald Los 2 Fichtenstämme 3. Kl. 8 Stück mit 13,04Fstm. „ 4. ,, 17 „ „ 21,12 „ „ 5a „ 9 „ „ 6,70 „ ii 5b „ 3 „ „ 1,17 „ Distrikt Dicmenhege Los 3 Fichtenst., astfrei, 2. Kl. 5 St. mit 5,76 Fstm. „ ti 2. „ 6 „ „ 12,57 „ „ 3. „ 10 „ „ 8,90 „ „ 4. „ 6 „ „ 4,98 „ „ 5a„ 7 „ „ 3,09 „ Los 4 Fichtenstämme 5b Kl. 66 Stück mit 13,02 Fstm. Distrikt Obern Eckardshausen Los 5 Fichtenstämme 3. Kl 1 Stück mit 0,86 Fstm. n 5a „ 14 „ „ 7,71 „ „ 5b „ 63 „ „ 23,08 „ Distrikt Eichbusch Los 6 Weißtannenstämme4.Kl. 2St.m. 2,06Fstm. „ 6a „ 40 „ „ 24,91 „ „ 5b „278 „ „ 89,34 „ Das Holz ist mit Rinde gemessen. Angebote sind verschlossen, nach Losen und Klassen getrennt, bis zum Donnerstag, den 12. Juni ! I., nachmittaos 2 Uhr, a if hiesiger Bürgermeisterei einzureichen. Die Bedingungen werden im Eröffnungstermin bekannt gegeben. Alten-Buseck, am 5. Juni 1923. Bürgermeisterei Alten-Buseck. Rau. 47270 Nächs!c»Do »ttSi»g,!>e!i1E.Zil!iilSri Mtaittqö 4 lll)t soll in Gießen am Ortsgericht Gießen das folgende Grundstück zum zweiten und letzten Male freiwillig meistbietend versteigert werden: Gemarkung Gießen: Flur XXXVIII Nr. 245Vio Hofreite am Mühlweggarten Lahnstraße 9Vio (jetzt 15) 716 qm. Näheres durch: 47660 Notar Walker in BOach. Verkaufe 1 leichten Wagen, 1 Einspänner- Pferdegeschirr 2 Erntelcitern, 4 Vielen, Langwitte, 1 lange und 1 kurze sowie verschiedene landwirtschaftliche Geräte. «,2»O Wleseck Rabenauerstraße 52 unreif al» Nompott gekocht, verbrauchen Diel teuren Zucker, der gut zur ßdlfle durch Sühfloff erseht werden kann. Der Geschmack ist ganz vorzüglich. Srhckttstch In Kolonialwaren., Drogen. Handlungen vnd Apotheken. vekanntmachimg. M, WM Verpachtung der Wirtschaft öcmdsäge mit ZiepnM Wenig gebraucht. MMUWW (500 Mk.) zu verkauf. Täglich 1-2 Lt. abzugeben. (020745 Hoftnanustr.l4p Zu Hanse 12—4 Uhr. AM.IerkelLMsMMiae Boi Freitag den 13. Juni ab stehen jeden Freiing ca 500 Ferkel und Läufer- schweiae auf dem Sandhof in Hanau a. M. ab 10 Uhr zum Verkauf. CentralfteUe für Viebverwertung 476788 Frankfurt a. M., Vicbbof. „Zur Liebigshöhe". Auf Deschluß der städtischen Bau. deputation wird die Reuverpachtung der Wirtschaft hiermit öffentlichausgeschrieben Die Verpachtung erfolgt vom 1. September ds. Hs. ab auf zunächst 3 Hahre Die Verpachtungsbedingungen nebst Plan und Inventarverzeichnis liegen im Stadt- yaus Bergstraße 20, Zimmer 28 zur Ein- sicht offen, können auch gegen Erstattung der Selbstkosten in Höhe von 5 Goldmark von der unterzeichneten Behörde bezogen werden. Die Bewerber muffen eine Sicherheit in Höhe des jährlichen Pachtpreises leisten können. Pachtangebote werden bis zum 20. Juni ds. Hs. an die unterzeichnete Behörde erbeten Gießen, den 30. Mai 1924. 4578B Der Oberbürgermeister. I V.: Krenzien. verkauft (020769 Glasermstr. Ranft, Beuern. $la LGeniBsepflaDzei ä Stck. 2 Pf., werden abgegeben [MOT9e Klein-Linden Frankiarter Str. 18. Schwere Grasverfteigernng. Die Stadt Gießen läßt Mittwoch, den 11. Huni 1924, nachmittags 2 Hhr beginnend, die Heuernte der städttschen An» lagen öffentlich meistbietend versteigern. Die in dem Hofe des Stadthauses, Gar- tenstraße Rr. 2, liegenden Haufen Abfallholz werden mit versteigert. Zusammenkunft um genannte Zeit im Hofe bes Stadthauses, ©arten1 straße Rr. 2. Gießen, den 3. Juni 1924. 46748 Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg. Bekanntmachung Die den Karl Plank I. Witwe Erben dahier zugeschriebenen Grundstücke,werden am Mittwoch, den 11. Juni 1924, nachmittags 3’/2 Llhr öffentlich meistbietend guf dem Ortsgericht Gießen, Bergstraße 20, Zimmer 15, versteigert Es kommen 12 Morgen Gelände, darunter Grabgelände, zur Versteigerung. Rähere Auskunft dort und bei Allen- dörfer,Kugelberg53ZuschlagWird erteilt. Gießen, den 3. Juni 1924. 47350 Leo, Ortsgerichtsvorsteher. gegen Barzablung zu kaufen gesucht Karl Rühl 010811 Kartoffelgroßhandlung, Lüny-Göns Villa IXtthe Fulda 4761A Bei Berkaus 4 Zimmer u. Zubeb. sofort sreiiverdend. Preis einfchl. Möbel u. Ino. 18000 G. -M. Anzahlung 12000 G. - M. Wollt, 51003&Co., K. w.d H., BoBsheim (&) Vsrsandsieüe an zuverlässige Person zu vergeben. Hoher Verdient! Schrisil. Ang., an Gehring & Co., A.-G., Düsseldorf Gute Existenz durch liebem. Gen.-Vertr. uns. erftkl. vat. „UiO“ MkMSWl zur Körverbbdlg. Kranken- u. Schönheits- vilege bietet sich tücbt. Kami, mit guten Bei b. b. Aerzten, Zahnärz en, Friseuren u. bess. Priv. Slamtal, außer Mk. 40."— Musicravvarak. nicht erforderlich, jedoch Fleiß und guter Ruf. 1764A „Vio“ G. m. b. »., Berlin W 15 Xantener Straße 4. D-Dur Beethoven ZMM Gesangverein Statt Karten Klein-Linden Leihgestern Pfingsten 1924 OTO7 40 zweiten Pfingstteiertag Statt Karten © ft) 0) 00 5 Anfang 4 Uhr. Anfang 4 Uhr. Grotzen-Linden findet in 4736V 020765 Statt Karten Oppenrod Mach Pfingsten 1924 Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen 35 Gießen, Licherstratze 135 Pfingsten 1924 020788 Steinstrahe 31 Telephon 1422 Statt Karten Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen C.Rübsamen,Fernspr.1659 Gießen, Kaiserallee 50, den 7. Juni 1924 Jakob Schmidt Anna Schmidt geb. Dörr Vermählte 7. Juni 1924 als Die Großfürstin Palast - Lichtspiele Lindenplatz Kostenlose Vorführung bei 4769V OM KMInr, Waltet* 35 DEUTSCHES REICH&-i>AT^iMT^71^^ Nimm fUSThalb SOVfeTiWie iton Malzkaffe! Verwend’ihn Wie Bohnenkaffee-ohne Zusatz. \e£e Räder an sehr billigen Preisen abauneben; auch einige gebrauchte. pH. Vollmann Heuchelheim, 140804 Wilhelmstrahe 34. L m 3 Elisabeth Lenz Georg Heh Verlobte als Groß herzog von Minorca. Habe noch einige Torpedo- u. Ovei- Alfred Günther und Frau Lina geb. Weber Hans Peter und Frau Marie geb. Jahres als Philipp Collin alias Professor Peiotard. 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Safetn Kampf tm Feueigesech In einen Deltti dielen Krieg t liches unser 3d der geistreiche den Drüber, sc die Franzosen man aufsühret Thesen mit 2Ir feinen Zweck, f Abstraktionen, schassen werden rucüa zur Aat es nur der Ge erträgliche 3UL Arbeit' >nn i rröer uns tommi er ausgebreitcl kur fruchtbare em §nde haben Zeit des Blühei kommen, die au Ameren $rüd des Psingst J“ m einiges Ipekulatide Polit W unser eigen vertrauen zu a Terwilliger A ^Wnschasten oerAvl und L wie die Schutzmarke sind Kreyssel Zigaretten Es liegt In ihrem Interesse wenn Sie bei allen vorkommenden Erd-, Maurer- u. Betonarbeiten oder Reparaturen für Hoch- und Tiefbau, sowie bei allen geplanten 5SEE Neu- und Umbauten unsere unverbindlich. Kostenvoransehläge einholen. Unsere Weißbinderei - Abteilung führt anerkannt schnell, saube u. fachgemäß alle vorkommenden Weißbinder-, Puts-, Anstreicher- und Lacklererarbeiten bei billigst. Preisstell, aus. 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Wir sind so naturfremd geworden — ob= wohl unser ganzes Sein naturabhüngig ist —. daß wir den harmonischen Zusammenklang unseres SPnnern mit dem geheimnisvollen Wesen der Na- turkräfte verloren haben; gleichzeitig bemühen wir uns um nichts so sehr als um die Zurückeroberung der Natur. Es gab eine Zett, die sich eine Periode der Aufklärung nannte, da war die Losung „retour ä la nature!" Man verpönte den Spiritualismus zugunsten der Intellektualität und kam so vom Regen in die Traufe. Heute ist es Geistigkeit die wir mit Gefühl garnieren, wir sind lauter Faustens, die alles studiert haben, Heiden Magister und Doktor und quälen uns mit sauerm Schwelst, zu sagen, was keiner weih. Da aber wo die Begriffe fehlen, sich immer noch ein Wort zur rechten Zeit einstellt, so haben wir ein reich- asfortiertes Lager von allen möglichen Theorien und Systemen, nach denen man die grohen Welträtsel löst und sich selbst beglückt. Ja, es gibt sogar Leute, die selbst an diese Rezepte glauben. Idealisten und Betrüger. Phantasten und Propheten. meistens aber gute Deutsche, denen nichts fehlt als — em wenig Pfingstgeist. Marr soll an einem Fest, das derart in Schönheit wrd leuchtende Farben getaucht ist wie Pfingsten, nicht bitter werden über Menschlich-Allzumenschliches. Aber man soll inmitten der blühenden Pracht, wo altes in schwellendem Reichtum glänzt und das aufgeblühte Leben ein einzigen Hosrannarus zu Ehren des gütigen Schöpfers ist, den geistigen Charakter des Festes nicht vergessen. Denn Nachtigallenschlag und Lerchensang sind tiefempfundene Angelegenheiten der Lyrik uiib em Gang über die Fluren gewinnt landwirtschaftliche Bedeutung, öhne daß diese gegensätzlichen Dinge, für die wir volles Verständnis besitzen, dem Wesen der Zeit entsprechen. Was wir brauchen und worauf wir auch im Frieden pfingstlicher Stille den Blick hinwenden müssen, das ist die Notwendigkeit, etwas von dem lieblichen Fest und seinem Geiste, fetwas von dec offenbarten schöpferischen Kraft der Natur und seiner ethischen Bedeutung für unser praktisches Sein zu verwirklichen. Wir brauchen Stunden der Einkehr, um zu überlegen, wo wir am nächsten Tage den Kampf weit erführen,' denn fett zehn Jahren ist unser Dasein Kampf und die hohen Feste sind Pausen im Feuergefecht, llnö weshalb das? Weil wir in einen Weltkrieg gezwungen wurden, weil wir diesen Krieg verloren haben, weil Anabänder-- liches unser- Schicksal bedingte oder weil wir, wie der geistreiche Franzose Goncvurt einer der beiden Brüder, sagte ein Volk von höherer Art als die Franzosen sind? Noch hundert Gründe könnte man aufführen, hundert Fragen stellen, hundert Thesen mit Antithesen beantworten. Nein, es hat keinen Zweck, sich in politischen und unpolitischen Abstraktionen zu verlieren, es must Klarheit geschaffen werden! Wir müssön in gewissem Sinne guiüa. zur Natur und wir müssen einsehen, daß es nur der Geist ist, der uns den Weg in eine erträgliche Zukunft weisen kann- der Geist der Arbeit Wenn dieser Geist endlich in dem Matze über uns kommt, wie über die Jünger, über die er ausgebreitet wurde dann wandelt er sich auch zur fruchtbare Tat, dann wird die seelische Not ein Ende haben und dann wird die sommerliche Zeit des Blühens und Reifens wieder über uns kommen, die aus der Saat des Leids und der Schmerzen Früchte reifen läßt. Wir müssen Klarheit des Pfingstgeistes gewinnen, damit wir wieder ein einiges Volk werden, wir müssen dies spekulative Politik der Zwietracht von uns weisen, um unser eigenes Schicksal meistern zu können. Vertrauen zu uns selbst, Vertrauen zum Segen opferwilliger Arbeit — das sind geistige Errungenschaften, ohne die wir aus den Sackgassen der Not und Würdelosigkeit nicht hevauskommen. Die Pfingstweide. Don Rektor Frischholz, z. Zt. Wetzlar Wandere auf und hin durch die schmucken Dörflein unseres Hessenlandes und über seine Grenzen, und dann sage mir, ob du mir eins nennen kannst, das nicht seine Pfingstweide be'iht oder ein einziges, in dem dir nicht jedes Kind den Pfingstbrunnen zeigen kann. Fünf Minuten oder zehn mutzt du vom Dörfchen abseits gehen, um auf den Anger zu kommen. Auf einer Anhöhe grützt dich von ferne die Linde, dicht am Waldesrand, wenn nicht der Schattenspender in den letzten Jahrhunderten Axt und Hacke zum Opfer gefallen ist. Freya, du liebliche, du rotbäckige Göttin, die Linde dort war dein Tempel, unter ihr klang das frohe Lied deines Dienstes durch die Jahrhunderte, gesungen von frischer Dorfjugend nach ihrer Weise. Die letzten Stürme eines eisigen Germanenwinters waren über die Landschaft dahingebraust. Die junge Sommersonne spann goldene Fäden über die Fluren, lockte Blumen und Schmetterlinge, lockte Jugend zu Jugend zu Spiel und Tanz. Harte Arbeit des Alltags — Ausgleich am Sonntag, so will es die weise Mutter Natur. Leichtfüßig eilte die Jugend am Pfingstnachmittag zum Anger, gemächlich folgte das Alter. Jauchzende Freude jene auf Zunge und im Auge, mit sinnenden Gedanken diese. Voll Hoffnung die Jungen und voll Erwartung und im Herzen das ewige Rätsel vorn Menschen: voll Erinnerung die Alten und vorahnend das Neue und fühlend den Wechsel In Zeit und Menschentum. So will es die weise Weltordnung Allvaters. Weithin schallte das Jauchzen der Burschen in den sonnigen Pfingsttag, verschämt und errötend kicherten die Mädchen. Auf dem Hute schwankte der Lindenzweig, ans Mieder schmiegte sich Flieder und Linden- ktatt. And dann drehte sich der Reihen, und Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, Z. Juni (924 Erst wenn wir in uns selbst diesen Geist der Klarheit haben dann haben wir auch Weg und Ziel gefunden, dann werden alle die guten Eigenschaften unseres Volkstums wieder blühen and reifen und dann werden die seelischen und geisti-- gen Eigenschaften mit denen wir auSgestattet sind, die heute aber teilweise verschüttet sind durch, das Chaos der Zeilen und Schicksale, die wir durchs machen mußten, wieder zu grohen, gewaltiger, Kräften werden, die Deutschtum, Vaterlandsliebe, Einigkeit und innerer Frieden heißen. Heute ist unser Los nichts als Arbeit. An- sere Wirtschaft kämpft mit verzweifelter Energie um ihren Bestand, wir haben unsere Währung stabilisiert, aber wir müssen noch mshr als die Wirtschaft stabilisieren. Die großen Schmerzen, sagt Cicero, heilt der Tod, die kleinen haben ihre Zeit der Ruhe, über die mittelschweren aber sind wir Herr. Das ist das materielle Leben. Den Tod haben wir hinter uns, die kleinen Schmerzen spielen bei Männern und lebenskräftigen Völkern keine Rolle, die mittelschweren jedoch erfordern Geist und Charatter. An beiden darf es nicht fehlen, wenn wir den Genesungsprozetz erfolgreich durchführen wollen. And wenn es wahr ist, was wiederum ein Franzose gesagt hat, daß,' nur Deutschland das geeignete Land zu sein scheint, das berechtigt ist, die Welt durch, Vernunft zu beherrschen, so wird dies Wort in E^ullung gehen, sobald wir den Geist der Pfingsten in innerer Einigkeit erstarken lassen und die schweren Lasten, die uns nun noch bevorstehen, auf uns nehmen in dem Vertrauen zur sieghaften Kraft unserer Arbeit, unseres überlegenen Geistes; sobald wir mit geeinter Willenskraft zu neuem Aufstieg entschlossen sind, der uns trotz aller Widerstände einer feindlichen Welt doch, letzten Endes die Achtung der Welt wiedererringt. Das ist der Geist, der aufs neue einen Körper baut und die Welt besser wandelt als sie war. Dieser Geist muß sich ausbreiten und Klarheit schaffen, dann brauchen wir eines Tages lischt mehr in bitterer Freude zähneknirschend ein fremdes Joch auf tounben Nacken zu spüren, dann werden wir wieder frei und hinter uns bleibt nichts als der Schmerz über das, was vergangen und niemals wiederkehrt, während vor uns ein neues und — so wollen wir gläubig hoffen - besseres Leben liegt, das Leben unserer Träume, das unfern Kindern frohe Wirklichkeit werden soll. H. DH. W. Ium Niedergang der Demokratie in Deutschland. Von Tr. Fciedr. Lenz, o. Professor der Staats- Wissenschaften an der Aniversität Gießen. Als 6ie russische Revolution des Jahres 1917 den „Derfassungsausschuß" des Deutschen Reichstags und die „Neu-Orientierung" des Kanzlers Dethrnann hervorrief, da gelangte die deutsche Demokratie zum ersten Male in ihrer Geschichte in den Bereich staatlichen Machtgewinns. Aus der „Neuen Aera" und jenem „Konflikt" geboren, den Bismarck zugunsten der Krone gegen das Parlament entschied, hatte die Partei Eugen Richters im Widerspruch, zum deutschen Gegenwartsstaat verharren müssen. Noch schärfer hatte der' Widerspruch gegen die Sieger von König- gräh das Antlitz jener „Süddeutschen Volkspartei" gezeichnet, die unter Sonnemann und Haußmann ein Sammelpunkt süddeutschen Partikula- rismus und Anti-Militarismus ward. Vergebens war Fiiedrich Naumanns Versuch gewesen, macht- politische und natvonalstaatliche Ansichten dem sozialen Gedanken zu verschwistern; die außenpolitische Ziellosigkeit und innerstaatliche Ansicherheit unserer nachbismarckischen Reichsleitung gaben der.', national-sozialen Versuch keinerlei Hand-- 'fjabe. Obschon die Abkehr von Rußland, welche im Augenblick des Sturzes Bismarcks einseht, deutsch-demokratischen Forderungen gemäß war, blieb Preußen dennoch der Eckstein deutscher Na- tionalelNheit, und die Feindschaft wider das junkerlich-reaktionäre Regiment der Boden, auf dem sich alle Teile des „Fortschritts" fanden. Hatte der Sieg von Königgrätz einst die Nationalliberalen von den Demokraten getrennt, hatte Bismarcks Staatskunst fett 1878 den „Freisinn" weiterhin zersplittert, so war nunmehr, im Jahre 1917, der Augenblick gekommen, die Parteikräfte in breiterer Front einzusetzen: zum Umbau der bismarckischen Reichsverfassung fanden sich, zumal die Gegner des bismarckischen Daus — Zentrum. Demokratie, Sozialdemokratie — zusammen. Aus dem Niederbruch von 1918 haben die gleichen „Mehrheitsparteien" das Reich in die Weimarer Verfassung überführt — freilich nicht, ohne der Einzelstaaten wie auch des Rätegedankens halber ihr demokra- es flochten sich die Hände ineinander und so manche Herzen. Freha lächelte und die Alten in der Runde. „Bist eingeschlossen in mein Herzelin, Zerbrochen ist das Schlüsselin, Du sollst ewig brinne sin." So klang ber Gesang; urtb weiter: Auf dem Westerwald Da geht der Wind so falt, Wo die Vöglein pfeifen, Wo die Bürschchen nach den Mädchen greifen. Ober: Rot lieb ich, weiß ich warum? Weil mein Schah ein Sol bat ist. Grün lieb ich, weiß ich warum? Weil mein Schah ein Jäger ist. Schwarz lieb ich. weiß ich warum? Weil mein Schah ein Schmied ist. In hellem Jubel floß ber Pfingsttag dahin, und keine künstlichen Mittel zur Steigerung seiner Freude bedurfte der an Leib und Seele gesunde Bauernschlag. Aebertrank sich in Auge. Lunge und Herz, und Iugendlust und Hugendkraft sprühte zurück. So ging es Sommers hindurch allsonntäglich bis ber Blätterschmuck ber Linde sich gelb von den Zweigen löste. Aufgespeicherte Lebensfreude in Kristalltlacheit flutete durch die Werktagsarbeit und veredelte sie, und der Aeber- schuß langte für einen langen, harten deutschen Winter. Wasserbränchc und Wasserfeste zu Pfingsten. Das Wasser spielt im deutschen Pfrngstbrauch eine besondere Rolle, denn es ist ja das Sinnbild des befruchtenden Elements, dessen dec Bauer im Frühling und Sommer so notwendig bedarf. Man will durch einen „Regenzauber" dem Him- tisch-einheitsstaatliches Wunschbild erzwungener- maßen abzuwandeln. Der Versuch alle Kräfte außerhalb des Zentrums und der Sozialdemokratte in einer deutsch- demokratischen Einheitspartei zu sammeln, ist kaum ein Jahrfünft alt; sein Scheitern, das die Wahl zur Nationalversammlung 1919 bereits anzeigte, haben die Reichstagswahlen von 1924 vollends offenbar gemacht. Woher dieser Niederbruch einer Partei, die 1917 bis 1919 auf den Gipfelpuntt ihrer Wünsche zu gelangen schien, die unter Rathenau und Siemens so viele Wict- schaftsträfte um sch scharte, deren Presse im 3n= und Ausland Widerhall findet, der auch die Lehrkanzeln der Aniversitäten keineswegs verschlossen sind? Ter Niederbruch der Demokratischen Partei kann nicht aus einer innerlichen, unheilbaren Schwäche des demokratischen Gedankens selber abgeleitet werden; denn dessen schärfster Gegner darf nicht übersehen, wie fruchtbar die Demokratie sich dem Gedeihen fremder Völker — zumal unserer Feinde — erwiesen hat. Ebensowenig brächte bas Unterfangen, aus ber Anreife unserer Wählermassen oder aus den Tücken radikalen Flügelparteien den Verfall der Demokratie zu erklären, uns einer Lösung näher. Die Erklärung ist vielmehr dort zu suchen, wo bas Schicksal aller innerstaatlichen Fraktionen sich entscheidet: in ihrem Verhalten zur Außenpolitik, zum internationalen Schicksal ihres Volkes. In ber Tat unterscheibet sich die deutsche Demokratie pnter solchem Gesichtspuntte von ihren westlichen Vorbildern. Diese bildeten sich, da England sein Königtum im Kampf wider den den Papst und Frankreich ausstietz, als Nordamerika die Fesseln britischer Oberhoheit abstreifte als Frankreich seine revolutionäre Trikolore an Rhein und Schelde vortrug. „Die Republik schließt mit keinem Feind Frieden, der ihr Gebiet beseht hält," so schrieben die Franzosen in ihre radikale Verfassung von 1793. Wie anders unsere Demokraten. Durch den Zusammenbruch ber alten Gewalten emporsteigenb, konnten sie keinerlei Anter- fangen stützen, bas einen äußersten Widerstund im Geist der Konventsheere oder Paribaldis forderte; indem sie das Machtinstrument ihrer inneren Feinde — Krone und Heer — zerbrechen ließen, nahmen sie sich selber jede Möglichkeit, den Frieden mit ber Entente auf gleichem Fuß zu ver- handeln. Kein Wunder, wenn sie seither durch jedes Ausflackern nationalen Selbstbehauptu.ngs- willens ihre parlamentarische Mitherrschaft gefährdet finden. Verbietet aber die unglückselige Konstellatiion, unter ber die deutsche Demokratie eniporstieg, nicht jeden Vergleiche mit den westlichen Revolutionen des 17. und 18. Jahrhunderts? Wäre es gerecht, unseren Amsturz auch nur mit den Erhebungen eines Lenin, Kemal Pascha, Mussolini zu vergleichen? Gewiß, die Lage ist nach Zeit und Ort verschieden, die Aufgabe als solche aber bleibt bestehen. Worin besteht sie? In der Freiheit und Anverlehlichkeit. sowohl der Selbstbestimmang wie bei- Würbe eines großen Volkes. Diese Rechte sind, gleich denen der Einzelperfönlichkeit, vollkommen unverlierbar und unverjährbar. Es find wahrhafte Naturrechte, im Sinn der großen Staats denker des 16. bis 18. Jahrhunderts. Sie immer aufs neue zu verkünden, wird um so mshr zur Pflicht, je weniger sie durchzusetzen augenblicklich möglich ist; auf sie verzichten, sie taktischen ober nichtpolitischen Debenken unterwerfen, bedeutet den moralischen Tod jeden großen Volks.' bas Auslöschen seines Daseinsrechts. Hier liegen die internationalen Verfehlungen, hier entschrll>et sich bas Schicksal unserer Demokratie. Niemals durste es bahin kommen, daß unser Voll sein Schicksal als ein Wirtschaftsproblem an= sehen (ernte, wir vor der Welt als unehrliche Schuldner dastehen. Die Vorherrschaft dec Wirtschaft im Staat, ihre AeberWertung im internationalen Zusammenleben ist ein Zeichen sittlichen Niedergangs, eine Arsache unseres außenpolitischen Abstiegs feit 1890. In den „Reparationen" liegen keinerlei letzte Antriebe, sie sind nur ein Ausdruck staatlicher Energien, die es — zumal in Frankreich — zu erkennen gilt. Eben jenes Grundrecht freier Selbstbestimmung, das unsere Feinds durch Wilsons Mund verkündeten, haben unsere Staatsmänner für uns M fordern. Indem sie es von Frankreich bei jedem Anlaß vor dem Areopag der Völler fordern, haben sie darum die „Kriegsschuld"-Frage in die Mitte aller Erörterung zu bringen. Dann können ihnen jene Elemente nicht folgen, die selber mittels ber Kriegsschuldlüge emporgekommen find: vor allem die ehemaligen „Unabhängigen“. Jedes Bündnis mit den ehemaligen Landesverrätern beschmutzt das Andenken unserer Gefallenen; jedes Amgehen ber melwasser Mut machen, sich gleichsam auf die jungen Saatenfelder niederzustürzen, und bringt zur Aufmunterung irdisches Wasser mit dem fn- schen Grün in Berührung. Alle die vielen Psingst- auszüge und Pfingstseste, in deren Mitte ein in Laub gehüllter Bursche steht, ber in den Bach oder Brunnen geworfen wirb, find aus diesem Glauben erwachsen. So kennt man in Thüringen den „Grünen Mann" und das „Laubmännchen", im Erzgebirge den „Wilden Mann", in Bayern ben „Psingstel", im Elsaß das „Pfingstklöhl". anderwärts auch den Pfingstlümmel, ber nebenher noch Pfingstesel ober Pfingstochse heißt. Interessant ist bas Wasser vogel spiel, bas noch bis vor kurzem in Südbayern ftattfanb. Am Pfingstmontag nachmittags versammelten sich die jungen Burschen des Dorfes und entschieden durch bas Ziehen von Hölzchen oder durch Wettlaufen, wer der Wasservogel fein müsse. Alle Burschen erschienen im Feststaat und beritten. Während der „Wasservvgel" in grüne Birken- und Buchen- reiser gehüllt wurde und sich alle Teilnehmer zuqi Zuge aufstellten, sammelten zwei Reiter bocf- auf und bovfab Geldspenden, Eier und Schmalz. Dann gings unter lautem Freubengeschrei der Kinder zum Bach. Dort hatten schon zwei Männer mit Brettern das Wasser etwas eingedämmt, und bei dem aufgestauten Tümpel standen zwei kräftige Dvrfschöne in Werktags!widern. Sie packten den grünen Wasservogel, dessen Gesicht mit der Rinderlarve, der klotzigen Nase und dem Nußknackermaul, sehr wüst aussah, rissen ihm die Larven ab und wuschen ihm sein Gefieder vom ßeibe. Dann legte er seine Arme um den Nacken ber beiden Mädchen, und gemeinsam tauchten sie nun dreimal unter. Mit diesem uralten Fruchtbarkeitszauber ist zugleich ber Wunsch verknüpft. bie Geister, die im Wasser wohnen, zu versöhnen unb zu besänftigen. In manchen Gegenden iQurben zu Pfingsten Mädchen dem Flusse Kriegsschuldfrage nimmt dem eigenen Handeln bie internationale Aeberzeugungskrafl. Parteien, die diesen Richtlinien nicht entsprechen, treiben keine nationale Politik, wer diesen Richtlinien aber folgt, der kann auf lange Sicht arbeiten. In Wandel ber Außenlage wird einem Volk, dessen Führer ben internationalen Lebe ns gesehen treu bleiben, dec Aufstieg nicht für alle Zeit versperrt hleiben. Welche Aufgaben für bie Innenpolitik einer wahrhaften Demokratie hieraus fließen, sei zum Schluß wenigstens angedeutet. Eine Erzieh.i.rg zur nationalen Persönlichkeit wird das Schicksal bei- Heimat nach Zeit und Raum verstehen lehren mithin die Grenzen und die Geschichte des eige ien Volkes im internationalen Zusamme rhang abhandeln. Wre weit „der Geist der Völleroecsöhnung", den die Weimarer Verfassung oorschceibt. hinter solchem Erfordernis zurückbleibt, lehrt abermals em Blick auf jene westlichen Demokratien, denen die Nationalgesinnung im Mittelpunkt aller Dolkserziehung steht. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Fleisch- und Wurstpreise auf dem Lande. Das Eingesandt in Ihrem geschätzten Blatte bezüglich der Fleisch- und Wurst Preise kann nur in jeder Weise als gerechtfertigt angesehen werden. Wenn aber schon ein Abbau bet Preise in der Stadt begründet ist, um wieviel mehr muß aber auch einmal die Kalkulation ber Landmehger nachgeprüft werden. Die meisten Landmehger schlachten nur einmal in ber Woche und verkaufen das Fleisch und bie Wurstwaren an zwei Tagen, so baß sie sich an den übrigen Tagen teils ber Landwirtschaft, teils dem Viehhandel widmen. Es gab eine Zeit, wo die Stadtbewohner auf dem Lande billiger kaufen konnten, unb zu jeifer Zeit setzte auch eine Völkerwanderung nach den in der Nähe Gießens gelegenen Landorten ein. Aber bald wurde dies anders. Denn eine gewisse stille Vereinbarung regn- , lierte die Preisfestsetzung zwischen Stadt- unb Landmehger, so daß bie minderbemittelten Städter außer abgelaufenen Schuhsohlen nichts mehr beim Einkauf auf dem Lande verdienen konnten Die Betriebskosten auf dem Lande sind wesentlich billiger wie in ber Stabt, meist sind nur ganz primitive Läben vorh.inben, es wird keine fremde Hilfe gebraucht unb auch die Auswahl der Wurstsorten beschränkt sich höchstens auf 5 Arten, während man bei der Fleischguteilung auch keine Sondor- ansprüche stellen kann. Gegenüber den Einkarrss- £ reifen für das Vieh muß zur Zeit der Verdienst ber Landmehger übernormal fein, unb daß sie nicht Not leiben, erkennt ja auch ber stille Beobachter auf den ersten Blick. Wer schreitet hierein? Ein Landbewohner. Der Drotpreis auf dem Lande. Bekanntlich ist der Preis jür Brotgetreide wesentlich tieferalsvor dem Kriege. Damals kostete ein 4-Pfund-Laib Brot 43—45 Pf. And heute? Bei einem Mehlbreis von 11 Pf. (Roggenmehl) verlangen die Bäcker für einen 4-Pfund- Laib 5 5 P f. Sie brauchen für 33 Pf. Mehl, das gäbe also 22 Pf. als Backlohn. Was sagen die Preisprüfungsstellen dazu? Einen Ort kennen wir allerdings, da kostet ber ßaib nur 50 Pf. daS ist Holzheim. Sonstwo vielleicht auch? Einer für viele. laut-BIeiehkrem „Stlnro" sowie Älorofeife bleichen Besicht und Hände in bii-ger Zeit rein weih. Wirksam erprobte im> fchädnche Mittel gegen unschöne Hautsarbe, Gommer sprossen, Leberflecke, gelbe Flecke. Mit genauer An- Weisung in allen Chlorodont Bcrkauststellen zu haben. Kinderwagen Sind weltberühmt und unerreicht Modelle 192ti in höchster Vollendung Oberall erhältlich symbolisch geopfert. So führte man im Anhal« tischen zu Pfingsten zwei Mädchen mit Musik äum Saalefluß, tauchte sie in den Fluten unter und geleitete sie bann im Triumph wieber zurück. Wenn die Mägbe zu Pfingsten das erste Mal Grünfutter holen, bann lauern ihnen bie Burschen auf unb begießen sie mit Wasser. Die Mäbchen legen zu diesem Gang ihr schönstes schwarzes Mieber an unb spähen hinter Zäunen unb Hecken umher, wo die Burschen lauern. Dem gleichen Wasserkult ist auch dec Pfingstbrauch geweiht. bei dem sich Mädchen und Burschen am Frühmocgen des ersten Pfttgüfttertages im Maitau wälzen, um dadurch Kraft, Gesundheit und Segen zu erhalten. Die Brunnen und Quellen werden zu Pfingsten mit Kränzen, bunten Papierstreifen und langen Ketten aus farbigen Eiern geschmückt. Die Jugend tanzt fröhlich um das sprudelnde Naß unb wirft Blumen ins Wasser, ganz so wie vor vielen Jahrhunderten. als der Italiener Petrarca diesen Brauch zu Köln am Ahein bewunderte unb* seinen Landsleuten mitteilte. Das berühmteste Brun n e n fest zu Pfingsten ist wohl baS der Stadt Mühlhausen. Ein eigenartiger Wasserbrauch ist auch ber sog. A s che nsack, ber am 3. Pfingstseiectage in Dackleben bei Artern gefeiert wirb. In unmittelbarer Nähr bes Dorfes befindet sich eine Quelle, die ben Ort mit Wasser versorgt; sie wird am frühen Morgen bes dritten Pfing ttages von ben Burschen gereinigt, die in feierlichem Zuge, von einem Tambour geführt, ausziehen unb bann am Nachmittag dafür Gaben einsammeln. Bei den Amzügen nun haben die Burschen Stücke von Säcken unb Lappen an Stangen befestigt, bie man Afchenfäcke nennt. Diese sinb angefeuchtel und mit Asche bestreut. Derjenige, dec nichts geben will, erhält einen Schlag mit dem Aschensack, mit dem auch bie gaffende Menge geprügelt wird. Fernruf 1013 4305D läger, Gießen, Löberstraße 19 vom 15. Juni 192* ab auch Frankfurter Straße 52. I Oer new Opel-Tn 4 PS., 2 Sitzer, der billigste Deutsche Relsewagen, sofort lieferbar Preis Gmk. 4300.- -TMK Ausgestattet mit Boschlicht und Startanlage, elektr. 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