Mittwoch, b. August 192^ 174. Jahrgang Erstes Blatt des hegen feine übertriebenen Hoffnungen aber sind der Ansicht, baß bei aller durch den Tiefer englische Auftakt -um dritten Akt hat in Paris nach den vorliegenden Meldungen eine Verstimmung hervorgerufen, die heute nach der älnberstteichung der Macdonaldschen Ausführungen durch Lloyd George sich noch vermehren dürfte. Um so wirkungsvoller dürfte die,e Haltung für den Verlauf der Konferenz fein. Wir T J --------- wir sind der Ansicht, baß bei aller durch den von Macbonalb betonten „Druck" hervorgerrfe- neu Schwierigkeit der Lage diese doch die Kriegsgegner in einer so wesentlich verbesserten Atmosphäre zusammenführt, baß zum minbeften von einem Beginn von Friedensverhandlungen gesprochen werden kann. Ter Geschicklichkeit der Herren Marx und Stresemann wird es Vorbehalten bleiben, diesen Anfang auf der Grundlage der deutschen Rechtsansprüche so wirksam zu gestalten, bah auch der schlechteste Wille der französischen Poincaristen sich in Zukrnft dre Köpfe einrennen must. Ter bald 51 erwartende Ausgang des dritten Aktes wird zeigen, ob diese Erwartungen erfüllt wurden. Marx und Herriot bei Macdonald Französische Kombinationen. Paris, 6. Aug. Der Sonderberichterstatter „Mattn" will erfahren haben, dast Mac- llr. 183 Erscheint täglich, außer Sonn: und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienb lütter Monats-Vezuorpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fer n s p r e ch-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehtN. Postscheckkonto: Zrantfnrt a. M. 11686. Die Sikrrng dauerte wenig über eine halbe Stunde. Alle Reden wurden ins Deutsche, Französische und Englische überseht. Der Reichskanzler gab seine Erklärungen in deutscher Sprache ab. Man rechnet mit der Möglichkeit, dast morgen wieder eine Vollsitzung anberaumt wird. Rach der Sitzung fand noch eine Zusammenkunft des Rates der Sieben statt. Allgemeine Zufriedenheit. Paris, 5. Aug. Der Sonderberichterstatter der Havasagentur in London stellt fest, dast allgemein in alliierten diplomatischen Kreisen die Haltung der deutschen Delegation einen günstigen Eindruck gemacht habe. Die Delegatton habe ebenfalls ihrer Befriedigung über den ihr zuteil gewordenen Empfang zum Ausdruck gebracht. Die ÜnLerhausdedatte über die Konferenz Anfragen und Feststellungen Lloyd Georges. Die erste Sitzung mit den Deutschen Ansprachen Macdonalds und des Reichskanzlers. London, 5. Aug. Bei der Erörterung der Reparationsfrage erklärte Lloyd George, er beabsichtige, einige Fragen an den Premierministerzurichten über die sehr wichtige Erklärung, die er im Unterhause über die interalliierte Konferenz abgegeben hat. Macdonald habe gestern offen angegeben, dast er nicht in der Lage gewesen sei, seine eigene n Gedanken v 0 llständig durchzuführen. Er habe offen erklärt, dast die Regelung einen Han - d e l darstelle. Der erste Eindruck nach der gestrigen Erilärung des Premierministers sei der gewesen, daß er einer sehr verwickelten Vereinbarung zugestimmt habe. Diese komplizierte Regelung würde in ihrem Wirken sehr schwierig sein. Der Premierminister habe keinerlei Bezug darauf genommen, was für eine Vereinbarung betreffend die Räumung des Ruhrgebiets erzielt worden sei. Dies sei eine Frage von erstklassiger Bedeutung und eine Frage, d ie Deutschland mehr bewege als irgend etwas anderes. Der Premierminister vertrete die Ansicht, die seiner Meinung nach von jedermann im Hause geteilt werde, dah die Invasion des Ruhrgebiets ein ungesetzlicher Akt und ein Verbrechen an den nationalen Rechten gewesen sei. Er habe in der Presse gelesen,'dah die Franzosen und Belgier beabsichtigen, zwei Jahre lang im Ruhrgebiet zu bleiben, nicht nur, bis ein Uebereinkommen uitterzeichnet sei, sondern bis sie vollständige Beweise der Aufrichtigkeit der deutschen Regierung hätten. Das sei eine sehr er n st e Sache. Lloyd George drang auf Informationen bezüglich der Räumungsfrage. Er sagte, das sei ein sehr wichtiger Punkt, weil er die Garantte für die britische Aufrichtigkeit in der Durchführung des Versailler Vertrages sei. Man könne zu Deutschland nicht sagen, dah auf jeder ihm nach dem Versailler Vertrag auferlegten Verpflichtung bestanden werben müsse, dah aber, aoenn irgendetwas für Deutschland in der Frage günstig sei, man dies nicht annehmen könne. Die Erklärung, dah die fünf Jahre noch nicht zu laufen begonnen hätten, fei nichts anderes als ein Versuch, sich dieser Dertragsverpflichtung in einer nicht strikt ehrenhaften Weise zu entziehen. Semei Ansicht nach müsse das Haus wissen, wie die Lage sei, und zwar nicht nur, ob man Köln räumen werde, sondern ob auch eme Macht ihre Truppen dorthin senden werde, da, wenn sie dies täte, die Lage Wetter schlimmer würde, da ein sehr freundliches Verhältnis zwischen der britischen und der Zivilbevölkerung in Köln bestehe. Wenn andere Truppen das Gebiet besetzten, wie dies bei der amerikanischen Besetzung geschehen sei, würde das nicht nur eine Verwicklung Hervorrufen, sondern auch em unangenehmes Element einfügen, was seiner Ansicht nach das gesamte vom Premierminister vollendete Werk umfloßen könne. Eine aridere Frage, die er zu stellen wünsche, betreffe den Verzug und den vorsätzlichen Verzug. d 0 n a l d "gestern abend den französischen Ministerpräsidenten und den deutschen Reichskanzler eingeladen hatte. Es sei natürlich, dah Herriot diese Gelegenheit ergriffen habe, um mit bem deutschen Reichskanzler zu verhandeln, und Macdonald, der sich ja immer darüber beklagt habe, dah Frankreich und Deutschland sich nicht aussprechen wollten, werde ohne Zweifel es nicht übel finden, wenn wir auch anderweitig zusammenkommen, um über die fran-ösisch-deutschen Beziehungen m den kommenden Tagen zu verhandeln. Durch einen sonderbaren Zufall seien gestern die englisch-russischen Verhanblnngen ergebnislos zu Ende gegangen. Wäre es nicht auch begreiflich, wenn Herriot mit R a k 0 w s k r in Meinungsaustausch über die Beziehungen zwischen den beiden Ländern eintrete? Derartige Unterhandlungen Das Wort Verzug werde im Bericht der Kommissionen gebraucht. Er wolle die Aufmerksamkeit des Premierministers auf die Tatsache lenken, dah dies ein anderer Ausdruck sei, als der im Versailler Vertrag gebrauchte. Im Versailler Vertrag laute der Ausdruck „vorsätzlicher Verzug". Das Komitee, das errichtet weiden solle, hätte nur über den Verzug zu enycheiden. Tas sei sehr leicht zu entscheiden. Es könnte vortreten und berichten, dah Deutschland nicht gezahlt habe, was zweifellos einen Verzug darstellen würde. Aber er, Lloyd George, wolle wissen, weshalb von dem im Versailler Vertrag gebrauchten Ausdruck „vorsätzlicher Verzugs abgewichen worden sei. Lloyd George sagte, er würde gern wissen, ob die Komitees, die erneut ernannt werden sollten, über die Frage des Verzuges beschließen würden, oder ob sie über einen vorsäh 1 i chen Verzug entscheiden sollten. Wenn es die Reparationskommission sei, die die Frage des vorsätzlichen Verzuges entscheiden werde, werde dann der amerikanische Vertreter der Kommission zu diesem Zwecke beigefügt werden? Dies sei ein sehr wichtiger Punkt, weil er ein neues Element beifüge, an dem der gesamte Erfolg des Dawesberichts hänge. Die Anwesenheit eines Amerikaners als volles Mitglied der Reparationskommission würde einen entschiedenen älnterschied bedeuten, und zwar nicht nur insofern, als der Ameristrner eine Stimme habe, sondern auch insofern, als Frankreich, Belgien und Italien wissen, dah, wenn sie eine starke Aktion unternehmen, sie die beiden größten Mächte der Welt gegen s i ch haben würden. Deshalb sei es sehr wichtig, dah ein Amerikaner in der Kommission sitze. Was die separaten Aktionen Frankreichs betreffe, so sei es von dem Premierminister nicht klar gemacht worden, ob Frankreich weiterhin das Recht zu separaten Aktionen beanspruche. Wenn dies der Fall sei, so sei es von entscheiden- der Bedeutung, dah es aufgeklärt werde, da der größte Teil der kürzlich hervorgetretenen Schwierigkeiten aus der von der französischen Regierung unternommenen Separataktion entstanden sei. Es sei daher von vitalerDedeutung, dah es klar verstanden werde, dah keine Macht separate Attionen unternehmen könne Keine einzelne Macht dürfe in der Lage sein, von sich heraus Krieg zu erklären. Lloyd George drückte die Hoffnung aus, daß Macdonald in klaren Worten vereinbaren werde, dah die Alliierten zusammen handeln müßten und dah, wenn irgendeine Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen bestehe, enttoeber das HaagerSchieds- gericht oder der Völkerbund oder eine andere Autorität angerufen würde, um die Frage zu entscheiden. Lloyd George schloß, er freue sich, dah der Premierminister Deutschland zur Teilnahme an der Konferenz eingeladen hätte. In Versailles sei dies unmöglich gewesen. Zweifellos werde man es die Deutschen empfinden lassen, daß dies eine wirkliche Konferenz sei und nicht nur ein Versuch, ihnen Bedingungen zu diktieren. Alles hänge vom guten Willen und 'davon ab, dah die Deutschen dies willig übernehmen. Der dritte Akt. * Ter Sachverständigen bericht sollte gewiß nach der Ansicht und dem Wunsche seiner älrheber und Verfasser eher ein friedliches Epos denn ein aufregendes, gegensahreiches Schauspiel sein, älnd wenn so viele Geschehnisse seit der ersten Szene zwischen den Hauptdarstellern Herriot und Macdonald das friedliche Dawessche Lied von Leistungen und Erfüllungen mit so starkem dramatischen Leben erfüllt haben, dah wir an dieser Stelle schon beim Beginn der Londoner Konferenz von einem Schauspiel sprechen konnten, das sich auf der Weltbühne abwickelt, liegen heute die damals nur vermuteten Gründe auf der Hand. Denn seit der scharfen Opposition der angelsächsischen Finanz gegen die von Herriot so laut geforderte Poincarssche „Handlungsfreiheit" cvissen wir, dah der Rückzug des Herrn Macdonald vor den Pariser „Lautsprechern" nicht die Einleitung zu einem harmlos friedlichen Heldengedicht axrr, als das Amerikaner ihren neuen „kaufmännischen" Friedensvertrag an sahen, sondern dah in Paris sich der erste Akt eines weltgeschichtlichen Dramas abspielte, dessen zweiten Aufzug die Dankierkrise barflcllt und dessen Titel noch nicht feststeht. Entweder wird er „das Ende der Politik Poin- cares" oder „die Komödie der Verständigungspolitik" lauten. Denn dies ist gewiß, dah mit dem gestrigen Sage, an dem die Besprechungen mit den Vertretern des beutschen Volkes angefangen haben, der dritte Akt des Macdvnaldschen Stückes beginnt, der endlich über seinen noch unklaren Charakter und über das Schicksal des so gar nicht dramatisch gedachten Dawesberichts entscheiden soll. Es erscheint ntüßig, sich in Kombinationen über den wahrscheinlichen Verlauf dieser Besprechungen zu verlieren, älm so mehr, als der wichtigste und ernsteste Teil sich hinter den Kulissen und auherhalb der Bühne abspielen wird, auf der nun die Großen „Sieben" der Entente durch die drei deutschen Gegenspieler Marx, Stresemann und Luther ergänzt werden. Aber es ist nicht uninteressant, die Vorbereitungen zu beobachten, die in London und Paris für den entscheidenden Teil des Reparationsdramas getroffen wurden. In den maßgebenden und als solche sich geberdenden französischen Kreisen ist man sichtbar etwas nervös geworden. Man fürchtet, dah die aus Konklusionen, verschleierten Konzessionen und dehnbaren sonstigen Paragraphen aufgeführten Gebäude der drei Unterausschüsse der Revision der deutschen Baumeister nicht standhalten könnten. Daß ihnen die auf dem Flugsand französischer Sanktto-nsforderungen aufgeführten ©runbinauern des Dawes-Hauses nicht stark genug scheinen, daß ihnen die Zahl der franko- belgischen Bewohner zu hoch erscheinen und der ganze Mietskontrakt zu spitzfindig, zu pvincaristtsch, zu versaillesmäßig Vorkommen könnte. Denn die Pariser Herrschaften kennen die Rezepte, nach denen seit 1648 solche „ Friedensverträge" verfaßt werden, die man auslegen kann, wie es die Gelegenheit erfordert. Und sie mahnen, ja sie drohen dähalb den deutschen älnterhändlern, um Gvttes- toitlen nicht durch Betonung der längst erwiesenen Richttchuld am Kriege oder durch ähnliche Attacken gegen die Lügenburg von Versallles den mühsam neben dieser Burg auf geführten Rohbau des Dawesplanes zu gefährden. Anders die Engländer. Macdonald, der Oberregisseur der Londoner Weltbühne, begibt sich ins Unterhaus und macht aus seinem Herzen ferne Mördergrube. Er hat sich die Entwicklung des Tawesschen Friedens-Epos anders gedacht. Es sollte eine nüchterne, rein kaufmännisch eingeteilte Vers folge fein. Allenfalls verklärt durch einige Schlaglichter aus der"pazifistischen Sphäre. Doch der gallische Geist, der noch immer nicht von der Kriegspsychose und dem Anfall t»m Sieger wahn geheilt ist, häufte Szefte auf Szene. Und die Geldgeber hatten keine Luit, dem ebenso unehrlichen und unzuverlässigen wie an krankhafter Machtgier leidenden Franzmann zuliebe sich übers Ohr hauen zu lassen. Der gut gemeinte, aber in seinen Wirkungen katastrophale Umfall des englischen Premiers zeigte ihnen zur Genüge, wohin der Weg gehen sollte. Damm hat Macdonald im englischen Unterhaus den Stier bei den Hörnern gepackt und mit der englisch-amerikanischen Ansicht über die Politik der Repavationskommission und die ebenso willkürliche wie rechtswidrige Auslegung des § 18 durch die sankttonswüttgen Franzosen nicht hinter tem Berge gehalten. London, 5. Aug. (WTD.) Amtlicher Bericht. Die Londoner Konferenz ist heute mittag 12 älhr im Auswärtigen Amt unter de m Vorsitz Macdonalds zusammengetreten. Die deutsche Regiemng war vertreten durch Reichskanzler Marx, Reichsauhenminister Stresemann, Reichsfinanzminister Luther, Ministe- rialdvreftor v. Schubert, Staatssekretär Ficher Staatssekretär v. Trendelenburg, Staatssekretär Weis mann, Staatsrat Schmelzle und Ministerialdirektor ©bieder. Die Sitzung wurde von Macdonald mit folgender Ansprache eröffnet: Ich entbiete den Vertretern der deutschen Regierung, die hierher gekommen find, um mit uns zu besprechen, wie der Bericht der Sachverstän» >igen in Wirksamkeit gesetzt werden kann, Willkommen und Gruß. Es liegt uns allen sehr am Herzen, dah die Verantwortlichkeiten, welche dieser Bericht uns auferlegt, übernommen werden, nicht, weil sie übernommen werden müssen, andern weil der gemeint ame Wunsch beseht, eine ernsthafte und ehrliche Anstrengung zu machen, die Verpflichtungen zu erfüllen, unter die die älnterschristen gesetzt werden ollen nach einer Diskussion, in der jede Partei in fairer Weise gehört würde. Solche Abmachungen schließen sowohl moralische wie rechtliche Verpflichtungen in sich. Die verbündeten Regierungen haben miteinander beraten und sind . zu gewissen Vereinbarungen gekommen, die sie der deutschen Regierung mitteilen und mit ihr diskutieren möchten, soweit dieselben die Zustimmung der deutschen Regierung erfordern. Die Konferenz hat die ausschließliche Aufgabe, sich mit den aus der Anwendung des Sachverständigen berichts ergebenden Angelegenheiten zu befassen. Aus diese Puntte maß ich als Dorsrtzender der Konferenz ihren Ausgaben- kreis beschränken. Ich hoffe, daß wir in der Ausübung des Willens zur gemeinsamen Arbett und tm Geiste der Kooperation schnell zu einer Einigung über die uns gestellte Ausgabe gelangen werden und es so möglich machen, daß die Londoner Konferenz von 1924 einen erfolgreichen Versuch darstellt, freundschaftliche Beziehungen zwischen den Regierungen Europas möglich zu machen. , Reichskanzler Marx erwiderte folgendes: Ich danke dem Präsidenten namens der deutschen Delegation für die freundlichen Worte, mit denen er uns begrüßte. Mir liegt daran, diese erste Gelegenheit, wo wir die Ehre haben, den Chefs und Vertretern der alliierten und assoziierten Regierungen gegenüberzutreten, zu benutzen, um mit kurzen Worten die Grundgedanken klarzulegen, von denen sich die deutsche Delegation aus dieser Konferenz leiten lassen wird. Wir find durchdrungen von der Ueberzeugung, daß von dem Gelingen dieser Aufgabe das Schicksal Deutschlands und das Schicksal Europas ab hängt. Wir sind ebenso durchdrungen von der äleberzeugung, daß diese Aufgabe nur gelöst werden kann im Geiste eines f riedlrchen Verständigung s w i 1 le n s und ernster Aufrich- tigt'eit. In diesem Gerste wird die deutsche Delegation handeln. Die deutsche Regierung erklärte ebenso wie die alliierten Regierungen bereits bei einer früheren Gelegenheit, daß sie den Plan der Sachverständigen als eine geeignete Grundlage für die Lösung der Reparattonsfrage ansieht. Ich bestätige diese Erklärung und füge noch weiter hinzu, daß die deutsche Regierung in der Annahme einer Einigung der Konferenz auf Grund des Gutachtens den in den Or- ganisationskcmitees ausgearbciteten Geehentwür- fen z u st i m m t und daß sie nach bem Abschluß der Konferenz den deutschen gesetzgebenden Körperschaften dieselben mit größter Deschleu- nigung zur Verabschiedung vorlegen wird. Wir nehmen an, daß auch die sonstgen beiderseitigen Maßnahmen, die der Plan der Sachverständigen vorsieht, zur Durchführung g I ncea. W r sehen hierin einen Weg. der dazu führen wird und führen muß, unserem Volke Freiheit und Frieden und zugleich die Möglichkeit zu g bm. sich mit den anderen Völkern durch gernttns amen Wiederaufbau Eurovas zusammenzu chli hen Die Wiederherstellung .gegenseitigen Vertrauens ist die erste Voraussetzung für ein gedeihliches Zusammen- arbeiten der Völker. Geling' es de. K n- ferena, was wir zuversichtlich erhoffen, für die Erreichung dieses hohen Zieles den Grund zu legen, so wird das gesamte deutsche Volll, nachdem die Lebensgrundlagen für feine freie to.r.- schaftliche Betätigung wieder hergestellt find, feine ganze Kraft dafür einsehen, den ungeheuren Ln- i"lungen gerecht zu werden, die der Plan der Sach- verständigert von ihnen erwartet. Rach der Antwort des ReichskMizlers übergab Macd 0 naldals Präsident der Konferenz den deutschen Delegierten die von der Konferenz vorbereiteten Schriftstücke zur Kenntnisnahme^ Er drückte die Hoffnung aus, daß es bald möglich sein werde. eineneueVollsihung einzuberufen. Der Reichskanzler erklärte, dahin wirken zu wollen und die Arbeiten nach Möglichkeit zu fördern. konnten nicht nur von Wichtigkeit für die französische Politik sein, sondern auch günstige Wirkungen für die Beziehungen zwischen England und Rußland haben, mit einem Worte, niemand könne daran Anstoß nehmen, wenn der französische Ministerpräsident eine Konferenz, die den Trieben Europas wiederherstellen wolle, dazu benutze, um im Rainen Frankreichs mit den berufenen Vertretern über jene Probleme zu verhandeln, bte auf Europa schwer lasteten, wie bas russische und bas beutsche Problem. Drei Wochen lang habe bie Londoner Konferenz mühsame Versuche gemacht, die Einheitsfront der Alliierten wieder herzustellen und bie Bebingungen, die im Versailler Friedensvertrag unb im Dawesbericht niedergelegt seien, zu beraten. Man sei zu Protokollen von übermäßiger Kompliziertheit gelangt. Vielleicht sei her Augenblick gekommen, um von der Politik der juristischen Schikane zurPolitikde s positiven Aut- baues über zu gehen. Die militärische Räumung. (Eigener Informattonsbienst.) Berlin, 6. Aug. Wie wir aus dem Auswärtigen Amt erfahren, werden am Mittwochabend die direkten Verhandlungen über die Frage der militärischen Räumung der Ruhr mit der deutschen Delegation beginnen. Die französische Delegation bemühe sich nach den in Berlin eingetroffenen Rachrichten bie Erörterung dieser Frage bis zuletzt zurückzu st eilen. Dieser Versuch scheint aber mißlungen zu sein, da, einem aus London cingetroffenen diplomatischen Bericht zufolge nunmehr das Problem der Räumung des Ruhrgebietes so ziemlich ar e r ft e r Stelle zur Sprache gebracht werden wirb Diese Wendung ist offenbar darauf zurückzufüh- ren, bah sowohl von englischer als auch von amerikanischer Seite darauf gedrungen wurde, diese ernste Streitfrage auf bem schnellsten Wege zu regeln. jTTi&j-vt zsk A Annahme von Anzeigen TT- ? Tir fürbielagesnummerbis £8 -dÜ-A AA A yA Xvk -TW ohnejedeDerbindlichkeit. ■ 1 Z/\ X< V 11 1 IV ■■ V'O < / preis für 1 mm hohe F--1 MiY-A M V* V* MX v M M U M kM rl y BI sürAnzeiaenvon 27 mm EH 81 nLr W BI für SS £7 H FS £4 ei 13 Brette örttichb, auswärts A" I&j ■ H v \ M f-.- ■ 10 Goldpfennig: für Re. BfiS fcv E? I&l, xäetav V i mL v Klame-Anzeigen 0.70mm öy M bJ NfiF Bl fei vsä Brette 35 Golbpfennig, El W ä s J Platzvorschrift 20°/n Auf. schlag. - Verantwortlich General-Anzeiger für Gberheffen Ifg vruck und Verlag: vruhl'fche Unioersität§-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gietzen. §christ!eitung und Geschästrstelle: Zchlllftrahe 7. sämtlich IN Guß.n. Abbruch Der englisch- russischen Verhandlungen (Sn einem Teil der Auflage wiederholt.) London, 5. Aug. (WB.) Eine amtliche Meldung des Auswärtigen Amtes über die englisch-russische Konferenz besagt, daß, nachdem die Ausschüsse der englisch-russischen Konferenz den ganzen Samstag und Sonntag getagt hatten, am Montag nachmittag eine Vollsitzung stattfand, die bis heute früh 7 ülhr 15 dauerte, die russische Abordnung außerstande war, die Abänderungs- anträge und Bedingungen hinsichtlich der Art. 14 des Vertragsentwurfes anzunehmen: eine Einigung kam nicht zustande. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, irgendein Abkommen wird nicht unterzeichnet. London 6. Aug. Die letzte Sih mg fand unter dem Vorsiatz des älnterstaatsselretärS Ponsonbh statt. Auf rassischer Seite nahmen u. a. Rakowsky, Tomski und Scheinmann teil, letzterer war erst vor wenigen Tagen m i t neuen S n ft r u 11 i o n e n aas Moskau nach London zurückgekehrt. Es wird ferner berichtet, daß der in dem offiziellen Kommunique erwähnte Artikel 14, über den eine Einigung nicht statt- finden konnte, sich auf die russischen Forderungen gegenüber den Ansprüchen der englischen Aktionäre und auf die russischen Kompensattons- fvrderungen gegenüber anderen englischen Ansprüchen bezog. Diese Fragen sollten durch einen besonderen Vertrag geregelt werden. Sn den vorhcrgegangenen Verhandlungen seien seitens Engländer Konzessionen bis zur Grenze des Möglichen gemacht worden. Die Ansicht der Russen in Berlin. (Eigener Snformationsdienst.) Berlin, 6. Aug. Der plötzliche Abbruch der Verhandlungen Englands und Sowjetrußlands hat in den Kreisen d-ersowjet-russischenDot- schäft in Berlin durchaus nicht überrascht. Man erklärt, daß nach Wiederherstellung der guten Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland russischerseits absolut nickt die Notwendigkeit eingesehen werden kann, die englischen Bedingungen, die im letzten Augenblick außerordentlich verschärft worden waren, anzunehmen. Das Scheitern der englisch-russischen Konferenz sei im übrigen höchstwahrscheinlich a u f amerikanische Einflüsse zurückzu führen. Die englische Regierung versuche noch immer die sowjet-russische Delegation zum Weiterverhandeln zu veranlasien. Russischerseits sei man überzeugt, daß England das größte Sntereffe an der sofortigen Wiederaufnahme der Besprechungen habe, während die sowjet-russische Delegation kaum irgendwelche Neigung besitze, die fruchtlosen Erörterungen mit England fortzusetzen. Reichsregierung und Sozialdemokratie. (Eigener Snformationsbericht.) Berlin, 6. Aug. Sn parlamentarischen Kreisen verlautet heute, daß die Reichsregierung ernsthaft entschlossen ist, die mit der Sozialdemokratie während der letzten Zeit eingetretene ernste Verstimmung z u b e f e i t ig e n. Als Entgegenkommen an die Sozialdemokratie werde sich die Regierung dazu bereit finden, das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag in absehbarer Zeil zu ratifizieren, und zwar nach der Regelung der außenpolitischen Fragen. Als Grund für diese Haltung der Reichsregierung wird ange- aeben, daß man nach Möglichkeit die Gefahr einer Reichstagsauflösung vermeiden wolle und Ijc^er schon jetzt daran denken müsse, die Gefahr Siner verschärften sozialdemokratischen Opposition zu vermeiden. Dagegen scheint es, daß die Reichsregierung nicht in der Lage sein wird, die Deutschnationale Forderung auf sofor- trgeBe abschi dang der S ch u tz z o l l v v r l a g e zu erfüllen. Berde Probleme, sowohl das Washingtoner Achtstundentagabkommen als auch ldre Schutzzollvorlage könnten vor dem Spätherbst dieses Sahres nicht mehr zur Erledigung kommen. Wenn vorgesehen ist, daß die sozialdemokratische Snterpellation noch in der kommenden Tagung des Reichstages beantwortet werden soll, so bedeutet dies keineswegs etwa einen sofortigen Beschluß über die Ratifizierung des Washingtoner Abkommen. ' Eine Entschließung des Land- Lundes. Vertreter sämtlicher deutscher Landband- vrganisationen nahmen in Berlin zur Gage der deutschen Landwirtschaft in einer Entschließung Stellung, die gegen die Steuer Politik der Reichs regierung protestiert. Die Behandlung, die die Zollvorlage bisher durch die Preußische und andere Länder- kegierungen erfahren habe, habe zu einer Der Planet Mars in Erdnähe. Don H. O st ho f f - Köln. Ein hervorragendes astronomisches Ereignis wird in diesem Sommer eintreten: der Mars gelangt am 22. August 1924 in die größte Nähe zur Erde, was nur alle 79 Jahre einmal stattfindet. Seine Entfernung von der Erde beträgt dann nur 3,37 Crdbahnhalbmesser und sein scheinbarer Durchmesser 25 Bogensekunden. Er befindet sich dann zugleich in Opposition zur Sonne. Man versteht darunter die Stellung eines Planeten, in der die Erde sich zwischen ihm und der Sonne befindet. Dann sehen wir ihn — wie demnächst Mars -- voll von der Sonne beleuchtet: er steht ihr ebenso eie der Vollmond gegenüber, er geht auf, wenn die Sonne untergeht und ist während der ganzen Nacht sichtbar. — Die diesjährige Erdnähe des Mars wird in unserem Lande wegen seiner zu südlichen (tiefen) Stellung voraussichtlich Den Beobachtungen nicht ganz den gewünschten Erfolg bieten. Er steht dann im Stern bilde des Wassermanns. Besser daran sind die Sternwarten der südlichen Erdhalbkugel. Mars erscheint uns als 'ein Heller Stern von roter Farbe, die von der Färbung seinen Oberfläche herrührt. Da seine Entfernung von der Erde stark wechselt, so wechselt dementsprechend auch seine Helligkeit stark und zwar um mehr als vier Größenklassen. Es zeigen sich zwischen Mars und der Erde manche äußerlichen Aehnlichkeiten, die von jeher dazu geführt haben, in dem roten Planeten eine zweite Erde zu vermuten. Die Lage seiner Um» Verschleppung der Entscheidung über dieses für das Schicksal der gesamten deutschen Landwirtschaft ausschlaggebende Gesetz geführt. Die Resolution schließt mit einer Verurteilung der Londoner Verhandlungen, die bisher das Sachverständigengutachten in seinen wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen für das deutsche Volk in unerhörter Weise verschlechtert hätten. 3m Kampf gegen den Kommunismus Auf dem Balkan. Sofia, 5. Aug. (WTB.) Sm Kampfe gegen den Kommunismus, der in Rumänien und a u f dem ganzen Balkan mehr an Boden gewinnt und der die Ruhe und Sicherheit in allen Dallanftaaten bedroht, haben sich in Bulgarien in mehreren Städten die Bürger zufammengetan, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Sn Drazigowo haben die Kommunistin den Versuch gemacht, die Kommune auszurufen. Dank dem energischen Widerstand der Bürgerschaft ist der Versuch gescheitert. Die Behauptung, daß die bulgarische Regierung die Armee ohne Erlaubnis der interalliierten Kommission verstärkt und die Reservisten unter die Waffe gerufen habe, entbehrt jeder Begründung. Es handelt sich um bürgerliche Organisationen, die sich der Regierung zur Verfügung stellten, um die Ruhe im Lande aufrecht- zuerhlten. In Polen. Warschau, 5. Aug. Sn einer foziali- ftischen Versammlung im Theatersaal kam ai gestern zu Zusammen flößen mit einer starken k o m m u n i st i s ch e n Gruppe, die zum Worte gelassen zu werden verlangte, was ihr die Sozialdemokraten verweigerten. Dabei verwundete ein Kommunist namens Dialh durch einen Messerstich einen Sozialisten und ergriff die Flucht. Als einige sozialistische Arbeiter ihn festzuhalten versuchten, gab ein zweiter Kommunist einen Schuß in die Menge ab. Die Kugel traf Dialy in die Lunge. Es entstand eine allgemeine Schießerei, mobei elf Personen teils schwer verwundet, teils leichter verletzt wurden. Dialy wurde ins Spital gebracht, wo er kurz darauf seinen Verwundungen erlag. Polnisch-russischer Grenz-gwischensall. Warschau, 5. Aug Pvlni sche Tele- graphenagentur. Gestern früh haben etwa 100 Banditen die russi sche Grenze über» schritten, das polnische Grenzstädtchen Stvltph bei Wilna über fallen und das Stadtamt und die Post beraubt und demoliert. Während des älebersalls sind einige Personen ums Leben gekommen und einige verwundet worden. Sie Behörden haben eine energisch» Unter» suchung eingeXeitet, um Art und Charakter des äleberfalls festzustellen. Ein weiterer Drah bericht aus Danzig besagt, daß die Banditen, nachdem sie die Stabt vollkommen ausgeplündert hatten, die Flucht in der Richtung auf die russische Grenze ergriffen. Sie wurden von pvlni scher Kavallerie verfolgt. Sn der Nähe der Grenze kam es zu einem Gefecht, wobei ein Bandit gefangen genommen wurde. Einem Teil der Bande gelang es, über die russische Grenze zu entkommen. Die polnischen Verfolger wurden von den russischen Grenzposten lebhaft beschossen. Der gefangene Bandit gab an, daß die Freischärler auf russischem Gebiet organisiert worden seien. Es ist ein polnischer Ministerrat zusammen berufen worden, der diplomatische Schritte Polens bei Rußland vorbereiten soll. Kleine politische Nachrichten. Die auf Befehl der Entente umgefärbte Schupo. Berlin, 5. Aug. (Priv.-Tel.) Die von der Entente geforderte blaue-Urriformierung der Schutzpolizei wird bis zum 1. April 1925 durchgeführt sein. Bis zu diesem Termin werden die noch vor- banbenen grünen Uniformen im Snnenbienft aufgetragen. ülebrigens ändert sich an der Ausrüstung und Bewaffnung der Schutzpolizei nichts. Flucht bulgarischer Minister nach Serbien. Paris, 5. Aug. Havas berichtet aus Sofia: Heber die Flucht der beiden der Partei Stam» dulinski angehörenden ehemaligen bulgarischen Mini st er Athanassow und S t o j a n eto , die zu zehn Sahren Gefängnis verurteilt worden waren, verlautet, daß die beiden Exminister kürzlich krankheitshalber nach dem Alexanderhospital verbracht worden waren, von wo aus sie unter Mitnahme eines Wärters die Flucht ergriffen. Heute vormittag sei ihr Eintreffen auf serbischem Gebiet in Zaribrod gemeldet worden. Drehungsachse zur Bahnebene ist der der Erde ähnlich, so daß der Mars ähnliche Jahreszeiten hat wie die Erde. Ferner trägt er auf seinen beiden Polen eisähnliche weihe Flecken, und er zeigt auf seiner Kugel Helle und dunkle Flächen, die den Eindruck von Ozeanen und Festländern machen. Die allgemeine Aufmerksamkeit weiterer Kreise aber erweckte er durch die berühmt gewordenen „Kanäle". Sn den zwei Jahrhunderten, während derer der Mars wissenschaftlich beobachtet worden ist, hat sich die Gestalt der Hellen und dunklen Flächen auf ferner Oberfläche nicht geändert, abgesehen von sehr geringfügigen Veränderungen, die mit seinen Jahreszeiten in Verbindung' zu stehen scheinen. Daraus folgt, daß diese Flächen wirklich der festen Oberfläche angehören und ferner, daß die Lufthülle des Planeten Marner und nicht so wolkig ist wie die der Erde. Enthält sie wirklich Wasserdampf, so doch nur äußerst wenig. Man pflegt stets nie dunklen Flächen (deren Grundfarbe blaugrau ist) für Meere zu halten, die Hellen (gewöhnlich dunkelgelb bis orange erscheinend) für Festländer. Ob das richtig ist, läßt sich nicht mit Sicherheit behaupten. Wenn auch eine Wasserfläche auf der Erde, aus weiter Entfernung oder von oben gesehen, sehr dunkel erscheint, so wird doch immer unter dem geeigneten Gesichtswinkel sich mitunter auf der dunklen Wasserfläche das spiegelnde Bild der Sonne sehen lassen. Das hat man auf dem Mars noch nie gesehen. Deshalb hat man zur Erklärung auch an Wüsten und Oasen gedacht, hat auch auf dem Mars eine Eiszeit vermutet. Die rötliche Farbe könnte dann von eisenhaltigem Staub herrühren, der die Eisflächen bedeckt. Gegen alle diese Erklärungen lassen sich Einwendungen machen, und wir müssen ge- Aus StaDt und Land. , Gießen, den 6. Aug. 1924. Luftschlösser. Der bedeutendste Kirchenvater des Abendlandes, Aurelias Augustinus, der vor rund 1500 Sahren lebte, hat das Wort geprägt: „In aere aedificatur“! Wir gebildeten Deutschen übersehen das mit: Luftschlösser bauen. Nun ist das zwar nicht ganz sinngemäß, aber schließlich ist es doch dasselbe. Wie Pater Augustinus in seiner einsamen Zelle viel und lange seinen Gedanken nachhing, so auch toir.heutigen. Wkr bauen uns aus ahnen ein luftiges, nebelhaftes Gebilde, ein Wunschheim prächtig und hehr, lassen uns locken and umgauMn von den holden Bildern and von der Vorstellung einfangen, wie es fein könnte, wenn manches hienieden anders wäre. Schon als Kind hat man mit Wonne Luftschlösser gebaut „Wenn ich mal groß bin, liebe Mutti, dann —.....AlnD Mutti hat in die glänzenden Augen geschaut und mit Liebe und Sorge vernommen, was sich da in dem Köpfchen ihres Kindes für ein Luftschlößchen aufbaut. Oder welcher junge Mann hat sich nicht schon weit in die Welt hinaus gewünscht, Pläne geschmiedet und Unternehmungen ersonnen, älnd hat man nicht in späten Lebensjahren manchmal davon geträumt, was man alles anders machen würde, wenn man noch einmal jung fein könnte. Man weiß bei all diesen Luftschlössern mit ziemlicher Sicherheit, daß sie nicht verwirklicht werden können. Aber das macht nichts aus. Man ist trotzdem glücklich dabei, und es ist eigentlich dies das einzige Glück, daß man ohne Kosten genießen kann. Es gehören nur einige Minuten Der Ruhe, der Muße dazu. Muße aber haben heute viele von ans. Shnen fehlt heute die geregelte Arbeit, die alle Kräfte anspannende Tätigkeit. Drum verfallen sie so leicht dem Bauen von Luftschlössern. ilnD es baut sich heute so leicht. Da durchstöbert man die Zeitungen and Zeitschriften nach den jetzt so massenhaft erscheinenden Preisaufgaben. Wenn man so lieft, daß man 5000 Rentenmark für einen zugkräftigen Zigarettennamen bekommen kann, oder für einen Likör-Reklamevers ein Auto, Dann geht's an ein Nachdenken, Suchen und Probieren, das einer besseren Sache wert wäre, älnb kaum ist man Dabei, schon ertappt man sich beim schönsten Lustschloß. Sal Wenn ich erst die 5000 Märkerchon habe, bann könnte ist — . . . .! Na, mal so weiter. Weng schließlich bei der ganzen Raterer auch bloß ine Niete rauskommt, das macht nichts. Man tröstet sich mit dem Vorsatz, es beim nächsten Mal besser zu machen. Vielleicht daß es doch noch gelingt, ilnD gelingt es wieder nicht, so hat man doch sein Vergnügen gehabt. Man hat mal diese miserable Gegenwart vergesien, sich die Geldknappheit weggeträumt und ist über alle Steuerschwierigkeiten mit einem Suchhel hrnweg- gesprungen. ilnD ist der schöne Traum zerronnen, haben sich die lieblichen Bilder in Nichts aufgelöst, dann geht's wie auf dem Theater. Die rauhe Wirklichkeit zkcht den Vorhang herunter. Auf ihm aber steht mit goldenen Lettern: Es kommt im Leben immer anders, als man denkt. ' • Bovuotizen. — Tages kalender für Mittwoch. Stadttheater, 8 ilhr: „Der Ehest reik." — Abschiedskonzert der Reichswehrkapelle 8 ilhr auf der Liebigshöhe. — D. H. V.: Mitgliederversammlung 8V2 illyr im Kaufm. Vereinshaus. — Schle- sierversammlung 8Vs -Uhr im ..Hessischen Hof". — Ruiidfunkhaus, Löberstvaße: Ab 8 ilhr buntes Programm. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Peter der Große". — Der Gießener Schwimmverein hat den Vorverkauf Der Eintrittskarten für die großen Schwimmwettkämpfe am 17. August eröffnet. Näheres in der Anzeige. Wettervoraussage Heiter bis wolkig, Winde aus westlicher Richtung, tags über wärmer, sonst wenig Aenderung der Temperaturen, durchweg trocken. * ** Provinzial Direktor Graef hat gestern seine Amtsgeschäste als Provinzialdirektor Der Provinz Ober Hessen und KreisDirektor Des Kreises Gießen übernommen. Er ließ sich nachmittags die Bsamten Der Provinzialverwaltung und der Kreisverwaltung vorstellen, wobei er eine kurze Ansprache hielt, in Der er u. a. seinem Heimgegangenen Amtsvorgänger Worte der wärmsten Anerkennung toiDmete, Dann die Pflichten der Beamtenschaft, alle Kräfte zum Wiederaufbau des Staates einzusehen, betonte, und schließlich der Hoffnung auf gedeihlichste Zusammenarbeit mit allen Beamten Ausdruck gab. stehen, daß wir heute noch nicht wissen, was wir uns eigentlich unter jenen Flecken vorzustellen haben. — Ganz sicher glaubte man aber von Anfang an zu gehen, als man Die weißen Kappen auf Den beiden Polen des Mars für Schnee und Eis hielt. Um so mehr, als diese weißen Polflecke je nach der entsprechenden Hahreszeit größer oder kleiner werden, vermutlich abschmelzen, fast bis zum völligen Verschwinden. Aber dieser Wechsel in der Größe geht manchmal so schnell vor sich, daß er nicht recht zu erklären ist. 2Eud)i bleibt es ein Rätsel, woher bei der geringen Wolkenbildung und der geringen Luftfeuchtigkeit dort überhaupt diese Schneemassen kommen und sich oft schnell vergrößern können. Vielleicht ist es weder Eis noch Schnee, sondern eine Wolkendecke. Einige Beobachter haben auch an Reif oder sogar an eina.i Niederschlag fester Kohlensäure geglaubt. Wenn sich auch die genaue Temperatur auf dem Mars nur unsicher auf ilmmegen ermitteln läßt, so kann man doch sicher annehmen, daß die Durchschnittstemperatur auf feiner Oberfläche tief unter Dem Nullpunkt liegt, — eine Folge seiner großen Entfernung von Der Wärmequelle, Der Sonne. Dann kann das Wasser dort nur als Eis Vorkommen. Erwähnen wir zum Schluß die berühmten Kanäle, so betreten wir ein Gebiet, auf Dem seinerzeit viel Unfug getrieben worden ist. Es handelt sich da um graue, meistens gerade Linien, die netzartig in geometrischer Anordnung die rot- gelben, Hellen Flächen durchziehen. Shr Entdecker, Der italienische Astronom Schiaparelli, beging den Fehler, sie Kaiiäle zu nennen, ohne sie allerdings für solche zu halten. Er beabsichtigte Damit nur eine Benennung: aber zahlreiche Schriftsteller, die nie diese Linien selbst gesehen hatten, nahmen I*" Zur Verfafsungsfeier am 10. tue» 11. August im Stadttheater und auf Der Liebigshöhe wird im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes eingeladen. Sonntag vormittag werden im StaDttDealer Polizeioberst Dr. Schützinger und Reichstagsabgeordneter Pfarrer Korell sprechen, als Redner für Den Montagabend ist Prof. Dr. Fritsche gewonnen. Siehe Anzeige. ** Auszeichnung eines verdienten Geologen. Die Deutsche Geologische GesellB schäft hielt vom 28. Sult bis 2. August ihre dies- jährige Hauptversammlung in Königsberg i. Pr. ab. Dem am Erscheinen verhinderten Ehwenmit- gliede Geheimvat Prof. Dr. S e n h s ch - Gießen schickte Die Tagung folgenden telegraphischen Gruß: „Shrem hochverdienten Ehrenmitgliede, dessen Name mit Der Königsberger Geologie untrennbar verknüpft ist, entbietet die Hauptversammlung Der Deutschen Geologischen Gesellschaft herzliche Grüße." Die „Königsberger Allgemeine Zeitung" schreibt hierzu noch folgendes: „Prof. Dr. Sentzsch war am Ende des vergangenen Sahrhunderts über ein Sahrzöhnt Direktor des damaligen Pro» vinzialmuseums Der „Physikalisch-ökvnomischen Gesellschaft" und gleichzeittg außerordentlicher Professor für Geologie an Der Albertus-ilniversität. Allbekannt ist seine umfangreiche Tätigkeit in Der geologischen Kartierung und Erforschung Ostpreußens: und wenn es gewagt werden konnte, die „Deutsche Geologische Gesellschaft" dieses Sahr nach Ostpreußen einzuladen, so basiert die Möglichkeit hierzu neben den Arbeiten seiner Vorläufer und Mitarbeiter, wie Zaddach, Berendt, R. KXebs und seiner Nachfolger wie Schellwien und Tornquist, sowie Der zahlreichen in den letzten Jahrzehnten Hierselbst tätig gewesenen preußischen Landesgeologen, vor allem auf seiner Tätigkeit." ** Der Gaspreis in Gießen. Sn Der jüngsten Zeit hat man aus mehreren größeren und mittleren Städten, auch in unserer Nachbarschaft, hören formen, daß Dort der Gaspreis im Hinblick auf Die Ermäßigung Der Kohlenpreise herabgesetzt wurDe. Verschiedsne Meldungen Dieser Art haben wir unseren Lesern zur Kenntnis gebracht. Sn unserer Stadt war von einer gleichen Maßnahme bis jetzt nichts zu vernehmen. Warum und wann?, so fragt man jetzt vielfach in Der Bürgerschaft. Es wäre zu begrüßen, wenn man auf diese Fragen von zuständiger Stelle Aufschluß bekäme. ** Straßenbahn und nationale Zwei-Minuten-Trauer. Von der Direktion der städtischen Straßenbahn wird uns geschrieben: „Sm Gießener Anzeiger vom Montag, den 4. August, wird in einer lokalen Notiz über Den Nationaltrauertag am vergangenen Sonntag gegen die Straßenbahn Der Vorwurf der Oberflächlichkeit erhoben, weil ein Wagen der Straßenbahn noch nach 12 Ahr durch Die Neuen Bäue gefahren sei. Tatsächlich beruht diese Bemerkung auf falschen Voraussetzungen. Die Straßenbahn hat ebenfalls den Betrieb von 12 bis 12 ilhr 2 Min. stillgeseht, und zwar wurde eben, um eine Gewähr für die bestimmte Einhaltung des Zeitpunktes zu erhalten, Die Stromversorgung für die Straßenbahn von der Zentrale des Elektrizitätswerkes aus in der fraglichen Zeit unterbrochen Daß es zu dem an und für sich bedauerlichen Vorkommnis gekommen ist, rührt davon her, daß Die auf dem Marktplatz befindliche ilhr, nach Der sich die auf dem Marktplatz Anwesenden richteten, gegenüber der Bahnzeit um vielleicht 1/4—1/2 Minute vorging. Bei einer so kurzen Betriebspause wird sich eine geringfügige Abweichung in den Zeiten nie ganz vermeiden lassen. Hätte die ilnterbrechung längere Zeit gedauert, etwa 5 Minuten, so wäre dieser Fehler prozentual nicht so sehr in Erscheinung getreten. Die Abschaltung der Straßenbahn erfolgte, wie am Bahnhof einwandfrei festgestellt wurde, genau nach der Bahnzeit. — Anmerkung der Redaktion: Die vorstehende Zuschrift gibt uns keine Veranlassung, von unseren Bemerkungen am Montag, die keineswegs auf falschen Voraussetzungen beruhten, etwas zurückzunehmen. Was wir beanstandet haben, war ein tatsächlicher Vorgang, Den wir selbst beobachteten und Den nicht nur wir, sondern auch noch andere Bürger peinlich empfanden. Daß die Straßenbahnverwaltung nach der Dahnuhr Die Stromzufuhr unterbrach, hat, wie die Praxis ergab, Die Einheitlichkeit der Kundgebung der Bürgerschaft nicht gefördert. Damtt hatte man vielleicht auch von vornherein rechnen können, wenn man sich vergegenwärtigt hätte, daß in unserer Stadt Die städtischen ilhren und die Bahnuhr nie ganz über» einstimmen, wie man ebenfalls aus Der Praxis zur Genüge weih. Zweckmäßiger und erfolgversprechender märe es u. E. gewesen, wenn man Die Wagenführer angewiesen hätte, Die Wagen einfach sofort anzuhalten, sobald Die Glockenfchläge Der Turmuhren das Ende Der zwölften Stunde verkündeten und Die Bevölkerung auf Den Straßen durch Stehen bleiben ihre Trauer bekundete. Diese Anordnung hätte alle älnflarfjetten und Unan» nehmlichkeiten von vornherein ausgeschlossen. Sm übrigen wollen wir noch bemerken, daß unser Vorwurf sich in erster Linie gegen den Wagen richtete, den wir beobachtet haben. den Ausdruck wörtlich und phantasierten darüber das tollste Zeug zusammen. Der Entdecker hätte richtiger gehandelt, zu sagen: ich sehe auf Dem Mars graue Schattenlinien, Die ich mir nicht erklären kann. — Es hat sich inzwischen herausge- stellt, daß von Den vielen Streifen nur sehr wenige und zwar die deutlichsten, gröbsten wirklich vorhanden und heute an ihrer Stelle ebenso zu sehen sind wie von Den Beobachtern vor bald hunDert Jahren. Sonst aber ist das ganze geheimnisvolle Netz Der fadenartigen, blassen Linien mit ihren häufigen Verdoppelungen nichts anderes als eine Augentäuschung, hervorgerufen durch undeutliches Sehen. Die „Kanäle" verflüchten sich bis zum Verschwinden, je stärkere Fernrohre man auf sie anwendet und je näher uns Der Mars kommt. 2Xuch zeigen gute Marsphotographien die Kanäle nicht. — Das Auge pflegt undeutlich erfennbare, verschwommene, kleine Gegenstände durch Linien verbunden zu erblicken. And solche undeutlichen Ding«, Unebenheiten, scheinen sich auf Dem Mars zu befinden. Lilles in allem haben wir in diesem Planeten, der immer als der Erde in mancher Beziehung gleichend hingestellt wird, eine uns fremde Wett vor uns, mit ungelösten Rätseln. Wegen der erwähnten äußerlichen Aehnlichkeiten mit Der Erde sind schon seit langer Zeit allerlei Vorschläge gemacht worden, um mit seinen Bewohnern in Verbindung zu treten. Ob dort lebenDe Wesen anzutreffen sind, können wir höchstens vermuten: das aber können wir wohl behaupten, daß sie wegen der viel Dünneren Luft, des viel spärlicheren Wassers und Der viel geringeren Temperatur Dort schwerlich den Menschen der Erde gleichen werden in entfernt entfärbt QMumenmaffen geschickt tterboi beseitigt erStr.l7. Existenz SucheTeilbabermit 5000 Mk. für hoch rentables Unternehmen mit groß. Gewinn. Schr. Ang. unt 6095D an den Gieß. Ans. erbe . zur Erinnerung an die Befreiung von der Pest im Jahre 1537 gefeiert wird, hat diesmal eine besonders aufregende Note durch die Jagd der Polizei auf „Schwarzhörer" erhalten. Als vor bald 400 Jahren die Pest in der Lagunenstadt wütete, suchten sich die Einwohner vor Ansteckung zu retten, indem sie sich in Tausenden von klei- nen Gondeln auf den Canäle Grande retteten. Seitdem verbringt man den Abend und die ganze Nacht des Festes auf dem Kanal, der mit unzähligen Laternen erleuchtet ist, und die Gondeln sind ebenfalls festlich mit Blumen geschmückt. Diesmal aber kam es zu aufregenden Szenen, an denen die allzugrvße Vorliebe der Venezianer für den Rundfunk schuld war. Seit einiger Zeit führt nämlich die Regierung einen erbitterten Krieg gegen alle Besitzer eines Emvfangsappa- rates, die nicht ihre Anlage angemefbet haben. Besonders beliebt ist die Anbringung solcher Apparate auf den Gondeln, und es werden dann mit Hilfe von Lautsprechern Serenaden auf den Lagunen veranstaltet, bei denen Musik aas Paris und 'London melodisch über die Wasser tönt. Auf solche „drahtlosen Gondeln" macht die Polizei besonders Jagd. Beim Redentore- Fest batten) nun viele Goicheln die Gmpfangsapparate unter Todesanzeige. (Statt besonderer Anzeige.) Heute früh entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau Gertrud Rumpf geb. Schmitt. Ockstadt, den 5. August 1924. Im Namen der Angehörigen: Frhl. Oberförster Otto Rumpf. Die Beerdigung findet statt Donnerstag, 7. August, 3 Uhr nachmittags, auf dem Friedhof zu Friedberg. 6,27V vücherttsch. — Geld und Geist. Dieses Poetisch zarteste Werk dcS gewaltigen Dichters und Docksschriftstellers 3cromo8 Gottheit ist im Gotthelf-Der- lag Eugen Rentsch (München und Leipzig) nun auch in einer billigen Ausgabe erschte.ren (geb. 3,80 Ml.). Gotthelf steigt als Dichter in die Tiefen des menschlichen Herzens und bringt uns den wunderbaren Reichtum desselben, sein Fluten and Ebben, sein ganzes inneres Erleben, aus dem Schachte herauf. Ein glücklicher, scheinbar sest- ruhender Zustand wird unbemerkt nach einer gefährlichen Tiefe gezogen. Das Glück des Hauses droht zu scheitern, wenn nicht die in Zwiespalt verstrickten Gemüter noch rechtzeittg zum Frieden zurückgeführt werden. Wie der erste Zwiespalt abgeschlossen wird, durch das schöne Bild der wiederversöhnten Familie, so nach dein Tod der Mutter dann ebenso schön das Zerwürfnis, das in der jüngeren Generation zwischen die Liebenden sich gelegt hatte. — Der wahre Staat. Don Prof. Dr. O. Spann. Zweite verbesserte Auflage. 7 Mk. (Quelle & Weyer, Leipzig.) Das Buch lehnt di- schematische Hebertragung der westlichen Demokratie auf unsere ganz anders geartete gesellschaftliche Struktur ab, sacht einen Neubau des Staates auf gemeinschaftlicher Grundlage. Es ist also die Frage der Gesellschaftsordnung, die Spann auf geschichtlichem, philosophischem und nationalökonomischcm Wege lösen will. Der erste Teil des Werkes bringt einen kurzen Abriß der Gesellschaftslehre überhaupt. 3m zweiten, prüfenden Teil kritisiert er in äußerst scharfer Weise die 3deen des 3ndividualismus and Sozialismus, insbesondere aber den Marxismus. 3m dritten, 'aufbauenden Teil entwickelt dann der Verfasser sein Staatsidoal, als dessen Hauptaufgbe sich bu Schöpfung gesunder, Händischer Dm- dungen auf universalistischer. Grundlage darstellt. — Ernst Lissauer: Geschichten von Musik und Musikern. (Verlag I. Engel- Horns Nachs., Stuttgart.) Der neueste Band der bekannten von Adolf Spemann herausgegebenen „Musikalischen Volksbücher" bringt etne besonders hübsche Heberrafd)ung: Ernst Lissauer, der Musiker unter den Dichtern, bietet eine hervorragende Auswahl aus dem Schatze unvergänglicher deutscher Prosadichtung, soweit diese von Musik befruchtet ist, steuert eine prachtvoll geschlossene eigene Novelle bei und gibt in der tiefschürfenden Einleitung ein erschöpfendes Bild dichterisch-nmsikerftillten Schaffens. Erkannte Leicye. Dte gestern auS fcer Lahn gelandete Leiche wurde als die des Kaufmanns 3ulius Hammel aus Friedberg fest- 9«stellt- Nach den polizeilichen Feststellungen ist mit Selbstmord zu rechnen. ** Gefälschte Reichsbanknoten. Die bereits per 20. April 1924 aufgerufenen Reichs- bantroten zu 10 und 100 Billionen Mark sowie die Per 5. April 1924 aufgerufenen Reichsbanknoten zu 5 Billionen Mark, welche daran kenntlich find, daß ihre Rückseite unbedruckt ist, sind /mmnehr nahezu restlos an die Reichsbankj»upt° Lasse zurückgeflossen. 3n der letzten Zeit sind piÄfach Fälschungen dieser Abschnitte in Verkehr gebracht worden, vor deren Annahme gewarnt wird. Die bei der Reichsbank ein gereichten Noten werden daselbst auf das genaueste geprüft. Festgestellte Fällchungen werden unverzüglich der zuständigen Polizeibehörde zur weiteren Verfolgung übergeben. bahndirektion Frankfurt teilt mit: Wegen Der- legung der Lieberholung des Personerrzuges 797 (Frankfurt a. M. Hbf. ab 4,22 nachm.) durch die Schnellzüge D57 und D 257 von Friedberg (Hessen) nach Bad-Nauheim erhält Personenzug 797 von Montag, 1 1. August, ab von Sranffurt (M.)-West bis Bad-Nauheim durchweg eine frühere Lage. Der Fahrplan gestaltet sich von diesem Tage ab wie folgt: Frankfurt (M.) Hbf. ab 4,22 nachm. wie bisher und weiter ab: Frankfurt (M.)-West 4,30, Frankfurt - Eschersheim 4,38, Frankfurt-Donames 4,44, Frankfurt-Berkersheim 4,49, Vilbel-Nord 4,58, Dortelweil 5,03, Groß- Karben 5,09, Okarben 5,14, Niederwöllstadt 5,22, Bruchenbrücken 5,28, Friedberg an 5,35, ab 5,38, Bad-Nauheim an 5,45 und weiter wie bisher. Durch diese Früherlegung wird der Anschluß an Zug 28 der Butzbach Sicher Kleinbahn in Dad- Nauheim fahrplanmäßig wieder erreicht. Per- sonenzug 797 Bad-Nauheim an 5,45 nachm. (Zug 28 Dad-Nauheim ab 6,05 nachm.) •• Oeffnet nicht jedem Fremden die Tür! Vertrauensseligkeit kann unter Umständen eine ganz angenehme Eigen, chaft fein. Sie paßt aber nicht immer in unsere Zeit der Bettler und Einbrecher. Noch immer gibt es Menschen, und besonders Fra ien, die beim Klingeln die Flurtür sofort weit öffnen. Der dem großen Umfang, den der Hausbettel vielfach angenommen hat, wird man mehr als einmal einen armen Reisenden oder Hausierer vor sich sehen. Diese Leute sind aber nicht immer das, was sie scheinen. Oft kommt es vor, daß solche ißeute, wenn sie merken, daß jemand allein in der »Wohnung ist, die Gelegenheit benutzen und zu irgendeinem Verbrechen schreiten. Die geöffnete Tür gibt ihnen den Vorteil eines ungeschützten Angriffs, wobei nicht selten auch Betäubungsmittel angcwendet werden. Ganz verkehrt ist es jedoch, fremde Personen gar in die Wohnung zu lassen. Man übe also immer weise Vorsicht! Kreis Wehlar. * Braunfels, 4. Aug. Der hiesige Turnverein trifft alle Vorbereitungen, um das 3 5. Turnfest des Lahn-Dill-Gaues am 9., in einen hiesigen Verern als Mrtglreo aufnehmen lassen. Als Belohnung hatte man ihm die Rü ck - gä n g i g ma chu n g seines Ausweisungsbefehls aus dem besetzten Gebiet in Aussicht gestellt. Es handelt sich hier um den Versuch eines Spitzels, Material über die Frankfurter- und dre sonst hier anwesenden Vereine, denen politrsche Bestrebungen untergeschoben werden sollen, zu erlangen. — 3m Monat 3uli wurden von der Kriminalpolizei folgende Straftaten bearbeitet: Mord 1, Totschlag 2, Mordversuch 1, Raub 17, Hehlerei 20, Diebstahl 164, Einbruchsdiebstähle 135, kleinere Eigentumsvergehen 327, Betrug 227, Unterschlagungen 94, Münzverbrechen 35, Sittlichkeitsverbrechen 284, Srttlrch- keitsvergehen 392, Schleichhandel 50, Wucher 280, Nahrungsmittelfälschungen 58, Selbstmorde lamen 12 zur Anzeige. Festgenommen wurden 810 Personen davon wurden 43 steckbrieflich gesucht. — Am Montag entfernte sich der hier zur Erholung weilende 48jährige Kaufmann Artur Bernal aus Bogota (Spanien) aus seiner Wohnung und ist nicht wieder zur ü d g efe b r t Bernal, der der deutschen Sprache nicht mächttg ist und nur spanisch spricht, hatte bei fernem Weggang 800 Goldmark bei sich. Die Polrzer nimmt an, ,daß er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß Bernal in das besetzte Gebiet verschleppt wurde. Denn nach den Angaben seines ebenfalls hrer wellenden Bruders soll sich Bernal schon am Sonntag in der äußeren Gutleutstraße hart am Rande des besetzten Gebietes aufgehalten haben und soll dort von Zivrlisten, dre anscheinend französische Krrminalbsamte waren angehalten worden sein. Es ist demnach mit der Moglrchkett,zu rechnen, daß sich Bernal am Montag auf dem gleichen Wege befand und hier von Franzosen aufgegriffen und in lxrs besetzte Gebiet verschleppt wurde. Kassel, 5. Aug. (Wolff.) Die hiesige Regierung hat den Beschluß der Stadtverordnetenversammlung auf Abbau des Oberbürgermeisters Scheidemann als ungesetzlich mit aufschiebbarer Wirkung beanstandet, da der Beschluß nicht mit der notwendigen Bestimmtheit erkennen lasse, ob die Stadtverordneten die Stelle aber den Stelleninhaber abbauen wollten. >2 1924er ital. Hühner, O!/ zerlegbare rr Ställe, Knochen« müblen liefert [“‘id Sallägalbo!,Mergentheim 233. Matal, frei. Kr-x SB* Sfe« ■juS ”11^* Utz ■9^ 5?^ «iS Limite, sL? Uäs Wn preMchen W gesetzt W Art tyiben * Alabnchne ijw.’» °nd üach mderDür- n. wenn man auf Stelle Ausschluh ^nationale '.Don der Direk- hn tmrd uns ge» ifi« vom Montag, Skalen Avtiz über Mgenen tzvimiag vrivurf der Ober- der Straßen- die Neuen Nur ■ ike'e Bemerkung Die Strahrnbahn n 12 bis 12 Ahr wurde eben, um te Einhaltung des wmversvrgung für itrale des Elektri- llichen Zeit unter- und für sich be» men ist, rührt dr» icktplctz befindliche m Mrkyloh Ander Bahnzeit um ing. Dei einer so eine geringfügige : ganz oermeukr j Vanqgre &il ge» obre dieser Fehier rscheinung getreten bahn erfolgte, wie gestellt wurde, ge- Anmerkung der »Zuschrift gift uns n Temerfimgen am falschen Doraus- icizunchmeir Das n tatsächlicher obachteten und den >vch andere Dücgec ötrabenbahnverwal- ötromzusuhr unter» 1 ergab, die Einig der Bürgerschaft man vielleicht auch >n Denn man fty ' Mserer Stadt die ruibr nie gaitzubev z aus der Praxis ner und ersolgver- Esen, wenn man 'S die Wagen 2 Wollten Stunde ier bekundete. Äck [■beiten und UE chMesMen. kemdah unser 2or heaMgenrichlere, Ein Weltwunder find Elefanten-Erdbeeren. Rtesen- srüchte werden in erstaunlicher Menge geerntet, wie eS bisher nur der sonnen- burdiolübte Süden fertiggebracht bat. Die sehr, sehr srilhreifenden Riesen- früchte liegen förmlich in Hausen um die Pflanze, daS fletsch ist blutrot, voll und fest, hochedel, wunderbar schmelzend, von bestrickendem Aroma und honigähnlicher Süßigkeit. Eine ausgiebige Kostprobe übt auf unsere GeschmackSnerven eine berückende Wirkung aus. Man hat beim Anblick eines BeeieS dieser Erdbeeren den Eindruck deS Außergewöhnlichen, Unerwarteten, noch nie Dagewesenen. An jedem Stock wurde durchschnittlich ein Fruchtansatz von 300 Stück gezählt. Die ungeheure Tragbarkeit ist verblüffend, man kann die Riesensrüchte tm wahrsten Sinne des Wortes »scheffeln"! DaS hier Gebotene übertrifft das bisher tm nördlichen Klima für möglich Gehaltene bedeutend. 10 kräftige Pflanzen 1 Mk., W St. 2 Mk-, 50 St. 3.50 Mk., 100 St. 6.50 ML, 250 St. 15 ML, 500 St. 25 ML, 1000 St. 40 ML Die Pflanzen kommen im August gegen Nachnahme oder vorh. Kaffe in MooS versackt z. Versand. Der Erfolg wird nicht ausbleiben, wer nach meiner Kulturanweisung handelt, die ich jeder Sendung gratis mitgebe Verfandgärtuerei Höltge, Ratzebnbr 146. ,ie ich mir Ä nrohrem der Afe Kanäle erkeimbare- [ein. ^Z^er lagen, die besonders für das Fest erbaut ist, da hörte man plötzlich von einigen dieser Gondeln Musik aus den Lautsprechern, zuerst den Gesang eines Pariser Deirors, dann eine Tanzumusik aus dem Dallsaal des Londoner Savoy-Hotels, und die Auftuihme war so vortrefflich, daß man sogar den "Heifall und die Gespräche horte, die in Den Londoner Dallsaal laut wurden. Aber dieses drahtlose Gondeltdyll blieb nicht lange ungestört. Einige Motorboote, deren amtliche Eigenschaft unter Blumen versteckt war, schossen schnell heran. Die Pvlizeibeamten sprangen an Dord der Gondel, durchschnitten die Drähte und warfen die Empfangsapparate über Bord. Außerdem bedrohten sie die „Schwarzhörer" mit schweren Strafen. Das gab einen heftigen Aufruhr, der die Festes- freute etwas störte, aber zur Belustigung der Zuschauer beitrug. i --- Aus -em Amtsvcrkündigunqsblatt. * Das Amts verkündigungs blatt Nr. 53 vom 1. August enthält: Reichsmietengesetz: Kartoffelkäferplage: Straßensperre: Feier tes Derfassungstages; Feldbereinigung Odenhausen; Gefunden, verloren: Dienstnachrichten. Gerichtssaal. ' D a r m st a ö t, 5. Aug. Eine Angelegenheit, die seinerzeit hier viel Staub aufgewirbelt hat und den Beteiligten beinahe vor den am Reichs« gericht gebildeten Senat zum Schuhe der Republik gebracht hätte, nahm jetzt einen harmlosen Ausklang. Ein Student der Technischen Hochschule mit Namen Hugo Bader hatte in einer Versammlung des 3ungdeuischen Ordens Flugblätter der damals verbotenen Nationalsozialisti- schen Partei verteilt. Er war deshalb verhaftet und vor Gericht gestellt worden, das ihn wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schuhe der Republik zur gesetzlich zulässigen Mindeststrafe von 3 Monaten Gefän gnis verurteilte. Das Bezirksschöffengericht als Berufungsinstanz sprach jetzt den Angeklagten frei, weiter glaubhaft nachweisen konnte, daß er den 3 nha 1 t der Flugblätter nicht kannte und er annahm, daß es solche des 3ungdeutfchen Ordens waren. Prima Garbenbänder feurig gefärbt sowie Italien. Bindegarn Sifol-Binöetarn golonial-Binoegani Hollfelle IDogenfeile Wetleinen eigener Herstellung sowie Lager in Kartoffel- Säcken 3tu6t-5Men maoenalünen liefert billigst Seilerei Wilhelm Nebhuth öMeim. Str. 56/581 Teleph. 1206. 6026D I Carl Stückrath Asterweg 47, Steinstraße 56, 58, 60 Haltestelle der Elektrischen - grüne Linie — Asterweg n Möbel- lJolsterwaren aller Art zu billigsten Preisen. 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Das ganze Haus ist durch- ucht und seine Frau anderthalb Tage in Halt genommen worden, da sie nicht sofort ein Bild von ihm finbcn konnte. Er selbst sollte verhaftet werden. An demselben Tage ging ihm auch ein Schreiben der Micum zu, das uns im Original vorlag. Darin wird Herrn N. mitgeteilt, man habe die durch ihn eingesandten Aufträge einiger ihm befreundeten Firmen erhalten, ebenso die erforderlichen Anzahlungen in Höhe von 20 000 Mark. Da er sich aber eines schweren Vergehens gegen die französische Regierung schuldia gemacht habe, werde die Lieferung abgelehnt und die eingezahlten Beträge sowie seine sonstigen Guthaben würden beschlagnahmt. Durch Aufnahme des angeklagten Offiziers und Mithilfe zu dessen Flucht habe sich Herr A. eines mit Zuchthaus zu betrafen den Verbrechens gegen die französische Regierung schuldig gemacht. Herr N., dem von dem gegen den Offizier schwebenden Verfahren nichts i>ctannt war, und der aus reiner Menschenliebe diesem Obdach gewährte, ist durch das rigorose Vorgehen der Desatzungsbehörde brot- und hei- matws geworden und sitzt mittellos auf der Straße. Dieser empörende Vorfall liegt nicht etwa Monate zurück, bat sich vielmehr erst vor 14 Tagen abgespielt, ein deutlicher Beweis, wie die Franzosen die angepriesene Amnestie handhaben. Der Fall verdient, der breiten Oeffentlichkeit bekannt- gegeben zu werden. Bezeichnend ist, daß die französischen Beamten in der Wohnung des N. alle vorgefundenen Grammophonplatten durchgespielt und die militärischen oder patriotischen Inhalts zerbrochen haben. Drohende Hungersnot an der Wolga. Die drohende Hungersnot infolge der Mißernte im Wolgagebiet wirft schon jetzt ihre Schatten voraus. In der deutschen Tageszeitung des Wolgaaebiets, den Prokowsker „Nachrichten , veröffentlicht das Präsidium des Zentralvollzugskomitees und das Gebietskomitee der ruhländftchen kommunistischen Partei einen Aufruf mit einer Mahnung zur Ruhe. Die Mißernte wird in diesem Aufruf zugegeben lind es wird mitgeteilt, daß die Bauern bereits einzeln und in Gruppen begännen, ihr Vieh und ihr Inventar zu verkaufen und abzuwandem oder sich rechtzeitig Vorräte von Lebensrnitteln zu erwerben. Infolgedessen fielen die Preise für Vieh und Inventar tagtäglich, die Spekulation aber steige. Und doch sei lein Grund za Farcht und Bestürzung vorhanden. Die Ernte und der allgemeine Zi- stand in den übrigen Staaten des Bundes der Republiken sei d irchaas nicht so hoffnungslos, die allgemeinen Gmleaussichten im gesamten R lßland seien „nicht unter mittelmäßig“, and dabei sei die Saatfläche dieses Jahres doch um einige Millionen Deßjatinen größer als die des vorigen Jahres, gar nicht zu reden von dem Unglücksjahr 1921, das allen Bauern noch so schreckhaft in K$r= inncrung stehe. Im Kabangebiet, Sibirien, der Ukraine und anderen Gegenden gebe es keine Befürchtungen. Das sehe die Zentralregierang instand, der Wolgadeutschen Dank zur Beschaffung von Fattermitteln und Befriedigung der anderen Nöte schon jetzt größere Kredite zu geben. Es werden dann in dem Aufruf eine große Anzahl von Maßnahmen aufgezählt, die das Unglück verhindern sollen, die aber nur bei völliger Rahe der Bevöllerung gelingen könnten. In den Briefen nach Amerika an Verwandte solle man nur am Hilfe durch den offiziellen Vertreter der Wolgadeutschen Dank dort den Genossen Schneider, bitten, um „frühere Fehler and Mißerfolge der Auslandshilfe" za vermeiden. Schließlich bittet der Aufruf um Vertrauen für die Sowjetmacht, Er zeigt aber deutlich, daß die Panikstimmung schon weit um sich gegriffen hat. Kunst und Wissenschaft. Dücherberkaufen als Hvchschulfach. Das Verkaufen von Düchern, das gewiß nicht leicht ist, wenn es gut betrieben wird, und viel Wissen, Geschmack und Takt erfordert, wird jetzt auf den amerikanischen Hochschulen gelehrt. Wie in einem Dericht des „Dörsenblattes für den deutschen Buchhandel" über die Jahresversammlung der amerikanischen Buchhändler mitgeteilt wird, ist im vergangenen Jahr von dem College..... der Stadt Neuyork ein Kursus für den Detail- Dücherverkauf eingerichtet worden, an dem nicht weniger als 112 Studenten teilnahmen. Seitdem ist dieser Lehrgegenstand auch an verschiedenen anderen Hochschulen des Landes eingeführt: worden und erfreut sich regen Besuches. Heimatfchulwoche in Lauterbach. Lauterbach, 4. Aagast. Unter schönes Städtchen hatte m diesen Tagen zahlreichen Besuch aus dem Hessenlande und >em gesamten Reiche. Heimatfreunde, ziineist Mehrer aller Schulgattungen, hatten sich vom Z0. Juli bis 3. August zur dritten Tagung deS Reichsbundes „Heimatschile'' >ier xusammengefunden. um zu raten und f[are Wege zu suchen, die die Heimatschulbewegung gehen muß. Die 'Tagung wurde am Mittwich in der Spieß-Turnhalle von dem Vorsitzenden des Reichsbundes Ra t the y - Berlin eröffnet. Nach kurzen Begrüßungen (Direktor H a s s i n g e r - Darmstadt für das Landesamt für das Vildungs- wcsen und die von ihm geleitete Zentralstelle ür Volksbildung, Kreisschulrat Lorentz für >as Kreisschulamt Lauterbach, Beigeordneter Möller für die Stadt Lauterbach) ging cs ofvrt an Die Arbeit. Felix Herder (Würzburg) stellte die Teilnehmer mit fernen grundlegenden Ausführungen über „Heimat, H e i - matfchule, Reichsbund Helmatsch ile" gleich hinein in die Fülle der Probleme, an Kien Lösung zum Besten unseres Volles die Heimatschulleute unentwegt arbeiten wollen. Die Ausführungen gaben zu einer sehr regen Aussprache Anlaß. — Am Nachmittag berichtete L voll. Es tovhnten auch die Sehnsüchten darin, die schmerzensreichen, tn denen jedem Leid doch ein seltsamer Balsam gemischt schien: die Sehnsucht mich dem Sohn, mit Der fernen Hoffnung, baß er sich Gh-re und Ansehen erwerbe und daß sie ihn heil wieder tn die Arme schließen würde, und die Sehnsucht nach bem Brosamen Liebe des siechen Nlannes dort unten mit der Zuversicht, bah sie bem viel, unendlich viel sein uno geben könnte, mehr als jegliche Leidenschaft. Also daß ihre Stunde kommen mühte . . . Das machte sie sv weich. Sie konnte nicht über die Stunde hinaussinnen, hatte nur das heiße Herzensbedürfnis, recht, recht gut zu fein, hatte das köstliche Empfinden: ,Der liebe Gott hat dir ein Töchterchen versagt. Nun schenkt er dir eins Nimm's an deine Brust, heg' es und pfleg' es, bah es gÄ>eihrt. Das übrige laß bei des Herrn Rat. Er wird's Wohl machen.' „Du Liebes!" sagte sie. „Du armes Liebes! Ja ... die Sehnsucht. Sv sieh mich doch an . . Hat die Ruth die tränenschweren Augen aus- geschlagen. Unt> mit einem Male ist heiß, über alle Scheu hinweg, das glückselige Vertrauen über sie gekommen. Wußte selbst nimmer, wie es geschah: küßte der Frau die Hände, wieder und wieder, mit brennenden Lippen, und dann, plötzlich, umschlang sie Beate, als wollte, könnte sie nimmer lvSlassen. — ilnb die Frau lächelte und sprach leise: „Ja. die Sehnsucht. Sehnsucht und Hoffnung und Geduld, das sind gute Brüder. Schreib's in dein Herze ein: Hoffnung ist ein fester Stab, und Geduld ein Reisekleid da man mit durch Welt und Grab, wandert tn die Ewigkeit . . (Fortsetzung folgt.! emsiMü» awWSr. 3» «yver OT W «B eoqagr etwas NMhMLa^eu, da öte PveDe sich für ano> rikanische Ware, tote oben erwähnt, an&erorfenb» sich stark erhöht haben. Die Erntscrussühten in DeMHKrnd Waben günstig. Die Roggenerute ist bereits zum Teil unter Dach Gerste und Hafer werden geschnitten und versprechen, gute ErutetrÄtterung vorausgesetzt beste Quosität. H. W. .* Frankfurter Dorfe. Frankfurt a. M.» 5. Aug. (Eigener Draht- bericht des „Gieheuer Anzeigers".) Tendenz: Hausse in der Anleihe, Aktien fest. — Die Hauffo- betoegimg des heimischen Anleihemarktes nahm heute Formen an, die die lebhaftesten Tage der Inflationszeit übertrafen. Getragen von einem besonderen Optimismus in der Aufioertungsfrage und gefordert durch die eingetretene Erleichterung ant Geldmarkt sah sich die Spekulation aller Schranken ledig und warf sich mit aller Wucht auf den Anleihemarkt, der die Haupttätigkeit an der Börse in Anspruch nahm und damit neue unglaubliche Steigerungen zu verzeichnen hatte. Das lebhafte Treiben wurde weiter gefördert durch Käufe der Danken des Auslandes und auch des Privatpubsikums, wahrend sich die Verkäufer zurückhaltend verhielten. Die Nachfrage war überaus stürmisch, so dah die Kurse der einzelnen Werte sich meistens um hunderte von Prozent erhöhten, nicht tote sonst üblich nur um einige Prozent. 3n vielen Fällen haben sich die Kurse gegenüber ihrem gestrigen Stand nahezu verdoppelt. Auch die anberen bundesstaatlichen Anleihen wurden in die Hausse mit hineingezogen und wurden gleichfalls lebhaft begehrt. Die Steigerungen setzten sich von Minute zu Minute in intoernrtnberter Kraft fort. Die Zinssätze am Geldmarkt sind unverändert. Tägsiches Geld 5/ic pro Mille, Monatsgeld 13L bis iy2 Prozent. 3m Devisenverkehr setzte sich die Hausse des Pfundes weiter fort. 3m älsancen- handel nannte man heute früh einen Kurs von 4,46 Dollar für das englische Pfund. Der Pariser Frank bfieb ziemlich fest. Die Pfundparftät ging auf 83V4 bis 833/d Frank, die Dollarparitat auf 18,66 Frank zurück. Die Mark ist unverändert. Am Aktienmarkt war das Geschäft ziemlich ruhig. Die Stimmung war fest, vereinzelte Gewinnsicherungen machten ftch geltend. Der Einheftsmarkt der 3ndustriepapiere lag fest. Ausländische Renten zogen werter an. 3m Foeiverkehr hörte man von höheren Kursen: Api 4,12, Decker- Stahl l7/8, Benz 45/p, Petroleum 15,25, Growag 0,240. 3m weiteren Verlauf setzten sich die Steigerungen am Anleihemarkt im scharfen Tempo fort, während der Aktienmarkt ruhig blieb. Berliner Börse. Berlin, 5 Aug. (Drahtbericht des »Gietz. Anz.".) Die Aufwertungsbewegung am Anleihemarkt machte heute starke Fortschritte. Die Situation war durch völligen CZRangel irgendwelchen Angebotes gekennzeichnet. Die bei den Bauten vorliegenden größeren Kaufaufträge für Anleihen aller Art dürften zum groben Teil unerledigt bleiben. Besonders stark konzentrierte sich das 3n» teieffe der Börse auf den Warft der Kriegsanleihen, der Zy.prozentigen preußischen Konsols, der Zwangsanteihen und der Schulzgebietsanleihen. Die Kürstreibereien am Anleihemarkt, von der natürlich auch Provinzial- mb Sftcktanleihen pro- fiti eiten, geht in der Hauptsache doch von der sogenannten kleinen Spekulation aus, die Gvoh- baiften treten höchstens als Vermittler auf. Die heute in London beginnenden Verhandlungen mit den deutschen DÄegterten dürsten nach Ansicht der Börse noch im Laufe dieser Woche zu einem posiüveu Ergebnis sichren. Unter diesen Umständen hält die SpeLrlation zurück. Rückkäufe und Deckungen und andere wirtschaftliche Momente treten augenblicklich hinter der Aufwertungsfrage und den politischen Gesichtspunkten zurück. Die Geldmarktlage ist unverändert. Tägliches Geld ist mit y2 bis 3/4 pro Mtlle zu ihaben. 3m Devisenverkehr bewahrten das englische Pfund und der Pariser Frank ihre feste Haltung. Dörfrnkms«. 10,37 12,75 11 78 17,75 11,70 4,25 13,5 16 14,90 16,50 17,65 1,15 13,25 16,50 14,SO Z 9,70 16.25 11,50 13,75 50,75 52,26 62 11,25 16 11,28 3,95 11,12 13 50,50 50,75 62 11,60 16,75 10,26 29,23 24,75 37,5 2,2 25,78 10,75 3,90 8.95 9,50 15,25 36,50 43,50 1,78 3,1 13 26,25 6,50 26,75 5,9 8,60 9,70 0,4 11,50 16 2,20 0,443 0,3 27,13 6,30 9,20 15,20 35,25 42,25 1,90 3,40 10,75 17,40 13,25 14,60 14,25 15,25 2,25 0,475 0,4 46,90 11,48 13 49 49,7 i 61 10,50 15,90 7,25 10,75 29 23,6 38 12,5 40,25 29,60 6 8,70 10 10,40 29,75 24,75 37 2,2 27,62 6,20 10,25 40 27,13 5,9 8,5 10,13 12 15,28 0,75 1,1 13,8 1,8 13,9 13,25 14,65 7,40 14,75 16 9,60 15 9,25 36 43 1,80 3,20 3 12,8 0,628 1 14 1,70 2,9 6il 3,95 2,30 0,425 0,4 48 11,5 13,25 49,75 61 61,50 10,75 16,80 7,13 10 29,90 24,75 37,65 29,75 5,75 8,50 9,75 0,450 12 15 2,30 0,470 0,3 3,5 9,8 17,75 03 1,75 3,5 10,80 *) Dom Rückzahlungswert. Devisenmarkt DerN«—Frankfurt a. M. Billionen Mark anSged rückt. Boenor-Aire«, Loudon, Nea» , Japan, Rio be Janeiro für eine Einheit, Wien and xrpest fär 100000 Emheiten, alles übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. 4% Zolltürke« 5°/e Toldmeftkaner Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Pttvat-Bank. Darm», und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Beretnsbank . . . . TiSconlo Commandtt . . . . Mctallbank........... Mitteldeutsche Creditbank. . Oesterretchtsche Creditanstalt. - Westbank............ Bochumer Gaß Buderus .......... Caro....... ...... Deutsck-Luxembnrg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Larvener Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurahütte Oberbedarf ::::::: Riebeck Niontan........ Tellus Bergbau ..... Kurg°Amerika Paket. . . remfcher Lloyd..... Cheramtsche Werke Albi« . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont-Suano ..... Badische Anilin Chemische Mayer Alapstt . . Goldschmidt . Griesl etmer Electron .... Höchster Farbwerke Holzverkohlung..... Rütgerswerke...... Scheideanstalt......... Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann........... Mainkraftwerke Schlickert...... Siemens X- Halske Adlerwrrke Kleyer ...... Daimler Motoren. ..... Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Schuhfabrik Herz .... Sichel..... Zellstoff Taldhof Zuckerfabrik Frankenthal . Zuckerfabrik Waghäusel . . 5it Billionen Prozent ssrankfurl a. M. Berlin Schllltz. Kur» Schluh» Kurs Schlich. Kur, Schluß, flur» Datum: 5. 8. 4. 6. 6.6. 6% Deutsch« RetchSauleche . 4°/° Deutsch« NrtchS cm leihe . Deutsche Rcichsaüleihe 3% Deutsche ReichSanleibe . Deutzche SparprcunteuauÄbe 4®/o Preoßtsche KousolS . . . 4% Heffeo........... MK:ffff“.......... 8% Hefien........... Deugche Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-Amreisug.') 0,425 i.1ds je 1 1 1 4 »2 81,7 0,700 1,700 1,790 1M0 1,6 0,480 1,100 1,050 1,500 0,425 1,300 1,3 1,4 4^2 81,7 0,700 1,800 1,550 1,800 1,9 1,3 1,4 1 4,2 82 4. Aug. 5. Aug. Repart. El^llche Amtlich, Geld kotieruii Brief • 4. 5. Amst.-Rott. 160,80 161,60 161,69 162,El hnrr voll Brff.-AnNv. 19,90 19,15 19,25 non voll Chrtftiarrla. 67,16 57,44 57,71 57,89 voll voll Kopenhagen 67,83 63,17 68,13 68,47 112,08 voll voll Stockholm . VelfingforS. Italien. . . Bonbon. . . NI,49 111^8 111,62 voll voll Ä 'Ä ’S voll voll voll voll 18^95 18,685 18,686 18,775 voll voll 'Jienijort . . 4.19 4,21 4,19 4,21 nnll Doll PartS. . . . 22,1» 22^4 22,64 22,76 voll voll Schwetz . . 78,25 7835 78,80 79^0 voll voll Spanien . . Wien In 03,88 66,14 66,36 66,64 voll voll Deft abgefi. 5,92 6,94 6,92 voll voll Prag ... Lndapest. . Bnrn.-Mres 12,45 12,61 12,44. 6,41 voll voll 8.41 6,43 5,43 voll voll 1.875 1^85 1^89 1^95 voll voll Bulgarien 3,03 8,05 3,03 3,05 voll voll Japan . . . 1,715 1,725 1,715 1,725 voll voll Kto de 9