zreltag, b. Ml 1924 vrmk «nd verlas- vrühllche Univerfitöts-Such- und Steinötuderei R. Lang- in Siehrn. Schristleitnng und Seschäfirftelle: Schulftratze 7. ar. 132 erscheint täglich, anher Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: G i eh enerF amilien b l älter Monats-Bezvarpreir: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch.Anschlüsse: Hir die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drohtnach- richten: AnzeigerSiehe». Postscheckkonto: Frankfurt a. HL H686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite cr"ich3, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen o.TOmm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/o Auf- chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r. Friedr.Wilh. Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Deck. sämtlich in Gießen. Erstes Blatt Jahrgang GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesten Das Urteil , im Seecktprozeß. Berlin. 5. Juni. (WTD.) 3nt Prozeß Thormann-Grandel find die beiden wegen deS versuchten Attentats auf General von Seeckt Angeklagten freigesprochen worden. Die Kosten werden der Staatskasse auferlegt, die Haftbefehle gegen die beiden Angeklagten werden sofort aufgehoben. Der Generalstaatsanwalt hat gegen den Freispruch Berufung eingelegt. In der Begründung wird gesagt, daß nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die Voraussetzungen einer strafbaren Verabredung zum Morde auch dann gegeben find, wenn Ernstlichkeit von feiten eines der Verabredeten nicht vorliegt, wenn aber die Verabredeten. also die beiden Angeklagten, ihre Mi t- Wirkung zugesichert haben. . ! * Der Freispruch im Attentatsprozeh Thor- Mann und Grandel, die wegen Mordplanes gegen General v. Seeckt vor dem Schwurgericht standen, hat in weiten Kreisen der Oeffentlichkeit Befremden erregt. In der Begründung des Freispruches wird zwar das Borhaben der Angeklagten Thorrnanw und Grandel als durchaus verwerflich bezeichnet, aber, so heißt es weiter, die beiden Attentäter konnten nicht verurteilt werden, weil keine strafbare Verabredung vorgelegen habe. 3n Betracht kam der § 49a des Aeichsstrafgesehbuches in Verbindung mit dem Republikschutzgesetz. Der § 49a ist der berühmte Duchesneparagraph. Er entstand 1873, als Duchesne sich dem Erzbischof von Belgien gegenüber erbot, Bismarck gegen.Zahlung von40000 Franken zu ermorden. Der eingeschobene Paragraph besagt, daß die Aufforderung oder das Erbieten zum Mord strafbar ist, auch wenn ein anderer die Aufforderung oder das Erbieten nicht annimmt. Dies wenigstens war die Ansicht der Staatsanwaltschaft im Seeckt- Prozeß, und sie wird ihre Ansicht beim Reichsgericht, wo sie Revision des Freispruchs an- gemeldet hat, Wohl zu vertreten wissen. Das Urteil des Schwurgerichts gibt zu, daß die beiden Angeklagten den Wunsch gehabt hätten, den General v. Seeckt zu beseitigen. Sie hätten diesem Wunsche auch laut Ausdruck gegeben. Von Einfluß mag auch gewesen sein, daß der bekannte Rechtspolitiker Justizrat Glaß, der in der Verhandlung als Zeuge vernommen wurde, früher einmal geäußert hatte, daß v. Seeckt kür Deutschland ein Schädling sei. Aber zugunsten der Angeklagten wurde festgestellt, daß sie sich mit dem Zeugen v. Tettenborn und Köpke, mit denen sie über den Mordplan verhandelten, nicht in Willensübereinstimmung befanden. Die beiden Zeugen waren keine Mittäter oder Gehilfen. Sie waren Spitzel. Lind eine Verabredung mit Spitzeln gebe es nicht. Damit ist zwar der „gefährlichen und verdammenswerten Spitzeltätigkeit" ein gesunder Schlag versetzt, aber das Urteil befriedigt nicht, weil der Sinn des Gesetzes, das die heutige Attentatsseuche in der Wurzel treffen sollte nicht erfüllt ist. Der Schwurgerichtsprozeß 'hat leider auch über- die p o l i t i s ch e n Hintergründe des Atten- tatplanes so gut wie gar nichts aufgedeckt. Das einzige was er mit einem kurzen Schlaglichte beleuchtete ist ein merkwürdiger Zwiespalt zwischen dem Reichskommissariat für öf- fentlicheOrdnung und der preußischen Polizei. Bei der Vernehmung des Oberregierungsrates M ü hl e i s e n vom Aeichskommissa- riat spielte sich nämlich folgende Szene ab. Dec Vorsitzende fragt den Zeugen: Warum haben Sie, als Sie von dem Mordplan Kenntnis erhielten, nicht die politische Polizei verständigt? Und der Zeuge erwidert: „Die politische Polizei hätte nichts herausbekommenI" Wie ist das zu erklären? Hält das Reichskommissariat die politische Polizei der Freistaaten für nicht genügend eifrig oder für unbesähigt, solche Verbrechen o>er die Vorbereitungen dazu aufzudecken oder hält es sich in Attentatsangelegenheiten für allein zuständig? Ressort-Eifersucht ist manchmal eine wohltätige Eigenschaft insofern, als sie die Konkurrenz des leicht zur Trägheit neigenden Duoeaukratls- mus anstachelt. Aber im vorliegenden Falle wäre sie doch ganz unangebracht. Das Reichskommissariat ist nämlich für die polizeiliche Ermittlungstäligkeit gar nicht geschaffen. Es besitzt nicht die geschulten Kräfte und es hat ja auch mit dem Material, das ihm vorlag, nicht das mindeste zustande gebracht. Die politische Polizei, beizeiten mit genauen Angaben versehen, wäre wahrscheinlich viel hurtiger hinter den Dollarspendern hergewesen, nicht nur um dieses Falles willen, sondern um endlich einmal die Geldquellen aufzudecken, aus denen immer wieder die abscheulichen Mordpläne gespeist werden. Bei den Verbrechen, die von links radikaler Seite kommen, kennt man ja jetzt ziemlich genau die Zentralen und die Organisationen, aus denen die Mittel für Attentate fliehen. Aber in der Frage der Finanzierung des Rechtsbolschiwismus tappt man noch im Dunkeln. Das Reichskommissariat für öffentliche Ordnung hat offenbar versagt. Es ist an der Zeit, daß die Regierung nach dem Rechten sieht und den Kampf gegen den politischen Mord niit allen amtlichen Waffen outnimmt Die Aussprache im Reichstag. Die Vertrauenserklärung der Mittelparteien. — Die Opposition der Rechten. Berlin, 5. Juni. (Priv.-Tel.) Am Regierungstisch: Reichskanzler Dr. Marx, Vizekanzler Dr. Jarres und Ernährungsminister Graf Kanih. — Auf der Tagesordnung steht die Besprechung der Regierungserklärung; verbunden damit wird die erste Lesung des Rothaushalts für 1924. Abg. Dr. Scholz (D. Vp.), der int Ramen des Zentrums, der Demokraten und der Deutschen Dolkspartei eine Erklärung abgibt, in der darauf hingewiesen wird, daß das Ziel der drei Parteien die Einigung des Reichstages auf möglichst breiter Front zur Erledigung der augenblicklich im Vordergrund stehenden außenpolitischen Fragen ist. Dabei stand von vornherein fest, daß bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Rotlage des gesamten Vaterlandes und bei der Lage der besetzten Gebiete im besonderen die schleunige Annahme des Sachverständigengutachtens als Grundlage für eine schnelle Lösung der Reparationsfrage unbedingt erforderlich ist. (Beifall in der Mitte.) Rur eine solche Haltung der Regierung werde die unserer Wirtschaft notwendigen ausländischen Kredite zuführen können, ohne die eine wirtschaftliche Katastrophe kaum cmf- zuhalten sei. Dieser Standpunkt bedeute Fe st- halten an der bisherigen Richtung der auswärtigen Politik. Eine solche eindeutige Erklärung sei leider von den Deutsch- nationalen nicht zu erreichen gewesen, so daß die Verhandlungen als gescheitert angesehen werden muhten. Emen anderen Weg zu einer schleunigen Bildung einer aktionsfähigen Regierung als dir Einigung auf der Basis der bisherigen Koalition gab es nach Lage der Dinge nicht mehr. Die drei Parteien nahmen daher int Interesse des Vaterlandes das Opfer auf sich, zur Bildung der gegenwärtigen Regierung zusammenzutreten. Dr. Scholz spricht dann im Ramen der Parteien der Mitte der Regierung das Vertrauen aus und die Erwartung, daß sie schleunigst alle Vorbereitungen trifft, die auf Grund des Sachverstcndigen- berichtes erforderlich sind. Sie muh gleichzettig diejenigen politischen Forderungen durchsetzen, die für die Ausführung der Sachvec- ständigenberichte notwendig sind. Wer sein Vaterland liebt, muh im Augenblick höchster Rot national fühlen und auch den inneren Zwang empfinden, national zu handeln. Das getan zu haben, so schlieht der Redner, nehmen wir für uns in Anspruch. (Beifall in der Mitte, Lachen rechts.) Abg. Graf Westarp (Dtschntl.): Es geht nicht weiter mit einem erpreßten Bekennt- nis, daß das deutsche Volk zu einer dauernden Knechtschaft verurteilt. (Lebhafter Beifall rechts.) Die Parteien der Großen Koalition haben Sitze verloren. Das muhte bei der Regierungsbildung berücksichtigt werden. Wir wissen wohl, dah wir noch nicht stark genug sind, allein die Regierung zu übernehmen. Wir waren bereit zu einer Koalition bis zum Zentrum; das war die äuherste Grenze. Wir müssen dem Herrn Reichspräsidenten den Vorwurf machen, daß er der Situation in bezug auf uns nicht Rechnung getragen hat. Auch das Zentrum hat Schuld, weil es die Demokraten nicht fallen lassen wollte, die ihrerseits eine Zusammenarbeit mit uns ab- lehnten. Die gestrige Regierungserklärung ging an den Grundfragen des Tages saft- und kraftlos vorüber. (Zustimmung rechts.) Gegenüber der Sozialdemokratie müssen wir einen schar- f e n Strich ziehen. Darum war auch die Beseitigung der sozialdemokratischenMißwirtschaft in Preußen eine unserer Bedingungen, zumal die Gröhe Koalition auch in Preuhen nicht mehr den Tatsachen entspricht. Das Gutachten schätzt unsere Leistungsfähigkeit falsch ein. Wir haben 50 Milliarden bezahlt, lebenswichtige Provinzen sind uns genommen, unser Auslandsvermögen ist dahin. Das muh jeder Deutsche, aber auch jeder fremdländische Vertreter hier ein» sehen. (Bravo rechts, Lärm bei den Kommunisten.) Wir sollen das Gutachten im ganzen annehmen. Aber gerade hier ist ein llebersehungsfeh- ler: „on Whole" heiht nicht im ganzen, sondern bis an das Ganze heran ober im großen und ganzen. Che Deutschland die großen Lasten übernimmt, müssen wir Garantien haben, dah die Ruhr geräumt wird. Wir wollen in der Regierung an den Verhandlungen über das Gutachten teilnehmen; wir scheuen die Verantwortung nicht. Unser Vaterland können nicht interfraktionelle Besprechungen retten, sondern Persönlichkeiten. Das Zentrum hat Verhandlungen über eine Kanzlerschaft Tirpih abgelehnt, vielleicht aus Furcht vor dem Auslande. (Beifall rechts, Lärm im Zentrum.) Deutschland ist leine eingeborene Kolonie. (Minutenlanger Lärm, Glocke des Präsidenten.) Wir verlangen Freiheit von Rhein und Ruhr in militärischer und politischer Beziehung. Seit zwei Jahrtausenden wollen die Franzosen den Rhein. In der Rheinfrage liegt das Schicksal Europas. Ich erkläre, daß der Reichspräsident unter planmäßiger Außerachtlassung des Dolkswillens nicht den Führer der stärksten Partei, sondern den bischerigen Reichskanzler mit der Regie- '.uvgsbildung beauftragt hat. Die Deutschnationale Volkspartei 'bat stets ihre Bereitwilligkeit unzweideutig kundgegeben, sogar unter dem b i s h e r i g e n K a n z l e r in die Regierung ein» zutreten. Dem Reichspräsidenten wie den Parteien hat der Wille zur Verständigung gefehlt. Die Teutschnationale Volkspartei stellt vor dem deutschen Volle fest, daß sie zu der gegenwärtigen Reichsleitung keinVertrauen'hat (lebhafter Beifall rechts). Reichskanzler Dr. Marx: Die dem Retchspräsidenten gemachten Vorcoürfe muß tch zurückweisen. Es kann nicht anerfanntj werden, daß es ferne Pflicht gewesen wäre, die stärkste Parier mit dec Regierungsbildung zu betrauen. Es mußte die Sicherheit geschaffen werden daß eine unzweideutige Erklärung dem Ausland kund gab, daß an der Richtung der bisherigen Außenpolitik sich auch nicht das Geringste ändern würde. (Lebhafter Widerspruch rechts.) Der Reichskanzler erklärt weiter, er habe den größten Wert darauf gelegt, Dr. Strese - mann in der Regierung zu halten, aber die Frage hätte nicht an dieser Personenfrage scheitern können, auch nicht nach dem Willen Strese- manns. Der Reichskanzler lehnt es ab, Einfluß auf Preußens Verhältnisse zu nehmen. Er schließt mit den Worten: Herr Graf Westarp, Ihre Politik schützt die Rheinlande nicht. (Lang- anhaltender Beifall in der Mitte und bei den Sozialisten, Widerspruch rechts.) Abg. Löbe (Soz.) wendet sich zum Reichskanzler und ruft ihm zu: Diese Regierimgsbank hätten Sie schon vor vier Wochen haben können. Der Redner begrüßt es, daß die Deutsch- nationalen nicht in der Regierung sitzen; das sei erfreulich, besonders in Hinblick auf das Ausland. Die Deutschnationalen hätten das Gutachten in ihrer Presse ziemlich milde beurteilt, so daß man annehmen könne, daß es nicht ohne weiteres abgelehnt werden dürfe. Im Wahlkampfe habe Dr. Stresemann eine Er- füllungsrede in Breslau gehalten, wie e r, der Redner, sie selbst schon vor vier Jahren gehalten habe. (Heiterkeit.) In einem Jahre Skandalszenen im Sächsischen Landtag. Dresden, 5. Juni. (WTB.) In der heutigen Landtagssitzung ist es zu Skandalszenen gekommen. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangte der kommunistische Abg. Böttcher, man möchte die kommunistischen Anträge auf die heutige Tagesordnung sehen. Es entspann sich eine erregte Geschäftsordnungsdebatte, an deren Schluß die kommunistischen Anträge gegen die Stimmen der Kommunisten und der Linkssozialisten ab- gelehnt wurden. Die Kommunisten riefen hierauf Pfui, verlangten weiterhin das Wort zur Geschäftsordnung und schlugen vor, die nächste Sitzung am Freitag oder Samstag v o rPfingsten abzuhalten. Auch dieser Antrag wurde abge- lehnt. Als der Präsident vorschlug, die nächste Sitzung des Landtags für den 19. Juni anzusehen, und das Haus demgemäß beschloß, erhoben die Kommunisten einen ungeheuren Lärm. Der Abg. Bartz sprang die Stufen zum Präsidententisch hinauf, entriß dem Präsidenten den Hammer und schleuderte ihn zuerst gegen den Regierungstisch und sodann mit dem Fuß in den Saal. Auch auf den Tribünen erhob sich ein großer Tumult. Es ertönten Rufe: Rieder mit den Kommunisten! Geht auf eure Spielplätze Zwischen den komm'nftifchen Abgeordneten und den Tribilnnbesuchern wurden heftige Schimpfworte gewechselt. Inzwischen ließ der Präsident die Saalsi- tenen ertönen. Der Abg. Böttcher schrie noch eine Zeitlang in den Saal hinein, oh e daß ein Wort zu verstehen gewesen wäre. Endlich verließen die Regie ungsmnglieder, die Mitgl e- der des Präsidiums und die Llbgeordneten, zuletzt auch die Kommunisten den Saal. Die Sitzung wurde unterbrochen. Inzwischen traf auf mehreren Lastwagen die Sicherheitspolizei im Landtag ein. Rach Wiedereröffnung der Landlagssihung erklärte Präsident Winkler, daß der Abg. Bartz von der hiritigen Landlagssihung ausgeschlos- s e n sei und ersuchte ihn, den Saal zu verlas en. Abg. Bach erwiderte, er denke nicht daran. Hierauf bat der Präsident den Aeltesienausschuß, zusammenzutreten. Rach Wiedereintritt des Ausschusses in( den Saal forderte der Präsident den Abg. Bartz nochmals und wiederholt auf, den Saal zu verlassen und teilte ihm mit, daß er von den nächsten Vollsitzungen ausgeschlos- s e n sei. Da Abg Bartz sich trotzdem weigert, den Saal zu verlassen, läßt der Präsident den Sitzungssaal durch Polizeibeamte räu = m e n. Abg. Bartz wird unter Anwendung von Gewalt aus dem Saal geführt. Rach Wiederaufnahme der Sitzung erklärt der linkssoziaMische Abg. Schwarz, die kommunistischen Radauszencn müßten im Interesse der Arbeiterschaft verurteilt ttrrben, da sie das Ansehen der Arbeiterschaft schädig n. Rachdem der Kommunist Böttcher schärfsten Protest gegen die gewaltsame Entfernung seines Genossen Bartz erhoben hatte, wurde in die Taaesordnuna I einaetrcten. werde vielleicht Graf Westarp dieselbe Rede halten. (Erneute Heiterkeit.) Abg. von Gräfe (Rat.-Soz.) sieht in den Tumultszenen der letzten Tage den völligen Bankrott des Parlamentarismus. Mit der Demokratie sei man nun wirklich am Ende angelangt. Die stattliche Schar der Demokraten, die durch Volksbeschwindelung in die Rationalversammlung gelangt fei, sei zu einem kümmerlichen Häuflein zusammengeschmolzen. Dec Redner bedauert,« daß das Ergebnis der Wahlen dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen ist und so begrüßen wir denn am Regierungstisch wieder die alten lieben vertrauten Gesichter. (Schallende Heiterkeit.) Der Reichskanzlft Marx der zweite Redivivus, hat in seiner gestrigen Kapuzinerpredigt viel von der Ehre und Würde des Reiches gesprochen, aber vor lauter Verbeugungen vor dem Auslande nichts über das Inland gesagt. (Große Unruhe und Pfuirufe in der Mitte.) Solange unser politisches Leben den Pfahl des Zentrums in sich hat, muß das parlamentarische System für Deutschland einen Fluch bedeuten. Wir wollen feststellen, wer den Mut hat, dieser Gesellschaft auf der Regierungsbank das Vertrauen auszusprechen. Die Regierungsparteien 'haben nicht den Mut, ein Vertrauensvotum einzubringen. Wir werden Ihnen daher die Schreibarbeit ab nehmen und Sie zwingen, Farbe zu bekennen, auch die Sozialdemokraten. (Großer Lärm im ganzen Haase.) Abg. Leicht (Dayr. Vp.) erklärt, daß seine Partei sich ihre Stellungnahme Vorbehalte. Sie werde prüfen, welche Gesetzentaürft zur Durchführung des Gutachtens notwendig seien. Don der Gestaltung dieser Vorlagen werde ihre Ge> samthaltung abhängen. Abg. Kunhe (Rationalsoz.): Eine Regierung. die so etwas unterschreibt, ist keine Regierung. (Zurufe bei den Kommunisten: Rieder mit der Regierung!) Jawohl, nieder mit dieser Regierung (Heiterkeit), die unsere Versklavung verewigt. Aber glauben Sie (zu den Kommunisten) nicht, daß wir eine Regierung von Khnen billigen würden. Sie wäre noch schlimmer; es wäre eine jüdisch-russische Regierung. Vizepräsident Dr. Bell teilt mit, daß der Reichsminister des Aeuhern morgen zu sprechen wünscht und schlägt Vertagung vor. Freitag vormittag 10 Ahr Fortsetzung der Besprechung der Erklärung der Reichsregierung und dritte Lesung des Roletats Parteien und Regierungserklärung. Berlin. 5. Juni. (Priv.-Tel.) Bis jetzt ist im Reichstag außer dem Vertrauensantrag der Rationalsozialisten und dem Mißtrauens- antrag der Deutschnationalen auch von den Regierungsparteien ein Antrag zur Regierungserklärung eingegangen. Dieser billigt die Erklärung der Reichsregierung hinsichtlich des Gutachtens der Sachverständigen und erwartet, daß die Regierung im Interesse der schwer leidenden besetzten Gebiete und zur Aufrechterhaltung der deutschen Wirtschaft mit größter Beschleunigung die zur Durchführung des Gutachtens erforderlichen Gesetzentwürfe vorlegt. Der Antrag fordert ferner Freilassung der Gefangenen. Rückkehr dec Ausgewiesenen, Räumung des Ruhrgebiets und Wiederherstellung rechtmäßiger Zustände in den vertragsmäßig besetzten Gebieten. Die deutsch- nationale Reichstagsfraktion hat außerdem noch folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsreaierung zu ersuchen, ungesäumt im A u s s ch u ß des Reichstages über den Stand der Verhandlungen über das Gutachten der fremden Sachverständigen, namentlich in der Eisenbahnfrage und der Dankfraae Auskunft zu geben. Die Ablehnung Herriots Paris, 6. Juni. (WTD.) Der Präsident der Republik hat gestern nachmittag die Verhandlungen über die Neubildung des Ministeriums begonnen. Nach der Tradition empfing er zunächst den Präsidenten des Senats Doumergue. Beim Verlassen des Elysees erklärte er, er habe dem Präsidenten der Republik den Rat erteilt, den Führer der Radikalen, den Abg. H e r r i o t, zu berufen und ihm die Kabinettsbildung zu übertragen. — Der Präsident Millerand hat dann den Abg. Herriot empfangen, der aber die Kabinettsbildung a b l e h n t e- ♦ lieber die Verhandlungen im Elyshe Hai das Bureau des Präsidenten der Republik fofert ein Communiquä ausgcgeben, in dem es heiß', daß Milleiand den Abg. Herriot gefragt hab;, ob er ihn bei der Bildung des neuen Kabine!iS unterstützen wolle, damit die Ideen ?ur Ausführung gelangten, die die Wählerschaft am 11. Mai zum Ausdruck gebracht habe. Es :ci zu ci em Meinungsaustausch gekommen, bei dem keine Meinungsverschiedenheiten über das Programm zutage getreten seien <‘e A g. Herriot habe jedoch dann die P r ä s i d : t Anfrage zur Sp ache gebracht, wo/iu i ? anb erklärte, er könne sich auf di? . i r ? < einer Frage nicht einlassen, die daS Gesetz auch nur aufzuwerfen verbiete. Die Verfassung Hube die Dauer des Präsidentemnandats auf 7 Jahre festgesetzt. Der Präsident halte es unter diesen Umständen für seine Pflicht, gegenüber der Republik und gegenüber Frankreich biS zum gesetzlichen Ablauf seines Mandats im Eltzsee zu bleiben. Millerand sei entschlossen, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Wahrung der Verfassung zu sichern und einen Präzedenzfall unmöglich zu machen, dessen Gefahren nicht zu ermessen seien. Ohne sich auf eine Erörterung dieser Gründe einzulassen, habe Herriot zur Antwort gegeben, daß er persönlich nicht glaube, den Auftrag zur Kabinettsbildung annehmen zu können. Der Abg. Herriot hatte dann im Kammergebäude mit Painleve, Driand und dem Sozialistenführer Leon Blum, zu denen später noch die sozialistischen Abgg. Va renne und Ren au del kamen, eine Konferenz. Die Führer ' des Kartells der Linken haben die Haltung Her- riots gebilligt. - Herriot hat den anwesenden Journalisten folgende Erklärung abzugeben: „Meine Unter» redung mit dem Präsidenten der Republik hat sich weniger auf ein Programm, als auf einzelne Fragen von nationalem Interesse bezogen, die keinerlei Metnungsverschiedenhei- t e n Hervorrufen konnten. Ich mutzte dem Präsidenten der Republik sagen, daß ich während des ganzen Wahlkampfes das Kartell der Linken vertreten habe und keinen Augenblick daran denken könne, ein Ministerium außerhalb der Parteien der Linken zu bilden, deren Entschluss über die verfassungsmäßigen Aufgaben des Präsidenten der Republik kürzlich veröffentlicht worden ist. Da ich es mit yner Tatsache zu tun hatte, die die Bildung eines von den Linksparteien nicht unterstützten Ministeriums nicht gestattet, konnte ich nichts anderes als den Auftrag ablehnen." Rachdem der Präsident der Republik Hestern abend die drei Senatoren, den Vorsitzenden der demokratischen Linken Millies-Lacrotx, den Vorsitzenden der republikanischen Union, der zweitstärksten Gruppe des Senats, Senator Ra- t i e r, und darauf Senator R i o den ehemaligen Unterstaatssekretär der Handelsmarine empfangen hatte, um nach einer halbamtlichen Erklärung sich mit ihnen lediglich über die Lage zu besprechen, hat der Präsident gestern abend weitere politische Persönlichkeiten nicht empfangen. Er wird nach dem „Matin" heute noch einige andere Senatoren konsultieren, sowie auch mit mehreren Deputierten verhandeln. Erst nach diesen Unterredungen werde er den Mann auswählen, den er für qualifiziert halte, das Programm der Linken zu verteidigen und gleichzeitig die Achtung vor der Verfassung zu sichern. — Der „Petit Parisien" vertritt den Standpunkt, daß die politische Persönlichkeit, die Millerand heute berufen werde, um das neue Ministerium zu bilden, aller Wahrscheinlichkeit nach dem Senat angehöre. Es sei auch nicht anders möglich, denn es sei ja so gut wie sicher, daß jeder Deputierte, der einer der Parteien angehöre, die sich zum Kartell der Linken zählten, die Mission ab lehnen werde, wie Herriot es getan habe. Dagegen habe sich die Mehrheit des Senats nicht gegen den Präsidenten der Republik ausgesprochen. Es schiene also, daß nach dieser Seite hin sich der Präsident der Republik orientieren werde. Bereits würden eine Anzahl politischer Persönlichkeiten genannt, mit denen heute nach 10 Uhr der Präsident der Republik verhandeln werde, wie Senator C h a u m e t, Doumer, der ehemalige Finanzminister sowie der Berichterstatter des Finanzausschusses des Senats Senator Verenger. Auch der Abg. Klotz wird vom „Echo de Paris" genannt. Der deutsch-russische Zwischenfall 'Berlin, 5. Juni. (WTD.) Die neue russische Rote ist, wie den Blättern mitgeteilt wjxd, in sachlichem Ton gehalten und unterstreicht wiederholt das Interesse beider Staaten an einer Klärung des Zwischenfalles. Die Notwendigkeit der Anrufung eines Schiedsgerichts wird nicht als gegeben angesehen. Die Note hält im wesentlichen an der von der russischen Regierung von Anfang an vertretenen Auffassung fest, daß durch die bestehenden Verträge die E x t e r r i t v r i a l i- tät der Handelsvertretung als solcher festgelegt sei. Aus dieser grundsätzlichen Einstellung folgt, daß sie die Tätigkeit der Polizei in ihrem ganzen Umfange für vertragswidrig hält, und die sich daraus ergebenden Folgerungen zieht. Außerdem wird darin betont, dah in jedem Falle mindestens eine Benachrichtigung des Auswärtigen Amtes und des russischen Botschafters hätte erfolgen müssen. Auf alle Fälle müsse eine Garantie für die Wiederherstellung des status quo geschaffen werden. Kant und der „preußische Pflichtbegriff". Don Pvof. Dr. E. v. Aster. Arn Schluß der Gießener Universitätsfeier zu Ehren des 200. Geburtstages Immanuel Kants ergriff ein Student das Wort zu der Erklärung, ihm sei Kant wesentlich der Vertreter des preußischen Pflichtbegriffs und neben Fichte und Hegel der Führer, der den Geist der Freiheitskriege geweckt habe. Behauptungen dieser Art sind oft ausgestellt worden, sie sind darum nicht minder falsch und dürfen im Interesse der historischen Wahrheit und des richtigen Verständnisses der Stellung Kants nicht unwidersprochen bleiben. Kants Pflichtbegriff hat nichts zu tun mit jenem preußischen Vflichtbegriff, der das Erbteil des Preußentums im Sinn und Geist des ersten Friedrich Wilhelm ist. Dieser preußische Pflichtbegriff fordert, daß jeder „seine Pflicht" tue, d. h. die Aufgabe erfülle, die ihm Gott durch die ordnende Harch der Geschäfte und des Staates zugewiesen hat. Er muh sie tun blind und gehorsam, als Soldat auf seinem Posten, als Beamter in seinem Beruf, ohne über jene Aufgabe auch nur vernünfteln zu dürfen. Aus einem patriarchalischen Staatsbegriff, verbunden mit einer ganz bestimmten religiös - protestantischen Einstellung wächst diejer Pflichtbegriff heraus — Quellen, die Aus Stadt und Land. Gießen, den 6. Juni 1924. Reichswehrwollwoche in Gießen. Von der Winternochilfe Gießen wird uns geschrieben: Wie bereits ftüher an dieser Stelle berichtet, hat die R e i ch S w e h r es in den meisten ihrer Standorte übernommen, durch eine „Reichswehrwollwoche" der ärmeren Bevölkerung in ihrer Kleider- und Schuhnot zu helfen. Auch die hiesige Reichswehr will sich dankenswerter Weise in den Dienst der guten Sache stellen. Die R. W. W. soll in Gießen vom 7.-9. Juli stattfinden. Fahrzeuge der Reichswehr werden von freiwilligen Helfern und Helferinnen begleitet die Straßen der Stadt durchfahren und in den Häusern entbehrliche Kleider, Wäschestücke und Schuhe erbitten. Musikalische Darbietungen der Reichswehrkapelle auf geeigneten Plätzen der einzelnen Stadtteile werden die Bevölkerung auf die Sammlung aufmerksam machen. Es ist dringend zu wünschen, dah die uneigennützige Bemühung unseres Truppenteils in Gießen denselben guten Erfolg haben möge, wie in anderen Städten, denn die Kleidernot weiter Devölkerungsschichten ist erschreckend groß. Noch ist die Zeit des Elends nicht überwunden, trotz der festen Währung. Schon führt die Kre- diwot in Handel und Wandel zur Stockung vieler Betriebe. Die Zahl der Erwerbslosen steigt wieder an. So gebe jeder nach seinen Kräften, wer irgend Entbehrliches an Kleidung, Wäsche oder Schuhen besitzt. Vieles, was in der Zeit der Textil- und Lederzwangswirtschaft und der täglich steigenden Preise vorsichtig zurückgehalten wurde, kann wohl jetzt unbedenklich weggegeben werden, ehe es den Motten oder dem Zerfall anheimfallt, seitdem doch für weite Kreise Neuanschaffungen nicht mehr unerreichbar sind. Vielleicht findet sich auch in den Geschäften noch manches, was schwer verkäuflich geworden ist, aber hier noch Segen stiften kann. Die eingegangenen Spenden werden von sachverständiger Hand geordnet und, soweit nötig, vorgerichtet werden. Bei einem guten Erfolg kann bei Eintritt der kalten Jahreszeit vielen geholfen werden. * ** Verbilligte Eisenbahnbeförderung deutscher Kriegerleich e n. Da die Heimschaffung deutscher Kriegerleichen in letzter Zeit wieder ausgenommen worden ist, sind die Bestimmungen über die Frachtermäßigung, die vorübergehend aufgehoben waren, in früherem Ausmaße mit sofortiger Gültigkeit bis auf weiteres wieder eingeführt worden. Anträgen auf Erstattung der Hälfte der bezahlten Fracht für Fälle in der rückliegenden Zeit, in der die Ermäßigung nicht mehr gewahrt worden ist, kann stattgege- ben werden. RDV. Paketemitzulaufsgenehmi- gungsPflrchtigenWaren nach dem besetzten Gebiet. Im besetzten Gebiet geben vielfach Pakete mit zulaufsgenöhmigungspflichti- gcn Waren ohne Zulaufsgenehmigung ein. S)lche Pakete, insbesondere mit Seidenwaren, Schreibmaschinen und Zigarren, werden von den fremden Zollstellen namentlich im besetzten Ruhrgebiet beschlagnahmt und nur fretgegeben, a>enn der Empfänger oder Absender den fälligen Zoll nachträglich zahlt und eine hohe Zollstrafe, die beispiels- rveise vom französischen Hauptzollamt in Düsseldorf auf 200 Mk. für jedes Paket festgesetzt ist, entrichtet. Jedem Paketversender, der sich vor Schaden bcaxrfjren will, kann daher nur dringend empfohlen werden, bei Auslieferung von Paketen mit zulaufsgenehmigungspflichtigen Waren nach dem besetzten Gebiet Den Paketkarten eine Zulaufsgenehmigung beizufügen. ** Schonung des Rehwildes! Beim Aufgang der Jagd auf den Rehbock stellt sich bei Begehung der Reviere immer deutlicher heraus, welche enorme Einbuße der Rehwildstand in dem abgelaufenen Winter durch Eingehen, wie auch durch Wildern erlitten hat. Cs werden jetzt die Aeberreste der eingegangenen Rehe vielfach gefunden; es ist bekannt, daß in einem allerdings seither jagdlich sehr pfleglich behandelten Revier allein mehr als 50 Stück Rehwild eingegangen sind. Die weidgerechten Jäger werden sich mindestens für das laufende Jahr eines gänzlichen dem Rationalismus Kants durchaus fern liegen. Kants Pflichtbegriff fordert umg^k.hrt di? ständige schärfste Kontrolle der „Vernunft" über alle Handlungen, die völlige Enteignung jedes A fel s und jeder Neigung zugunsten des für alle geltenden Dernunftgesehes. Handle so, daß du dir nichts erlaubst, was du nicht jedem anderen zu erlauben bereit bist, daß du nie an andere eine Forderung stellst, die du nicht zugleich — schärfer und unerbittlicher — an dich selbst stellst. Der Sinn des kategorischen Imperativs ist jene Gerechtigkeit, die nicht sagt: Warum habe ich wch', was der andere hat?, sondern die sagt: Wie komme ich dazu, etwas zu haben, was der andere nicht hat? Er fordert Ach ung vor dem Recht des andern — nicht damit der andere mein Recht achte oder weil er es tut, sondern ganz gleichgültig, ob er es tut oder nicht. Denn diese Achtung vor dem Recht des andern ist meine Selbstbeherrschung, sie erweist meine Freiheit und diese Freiheit, die mich zum Menschen macht, ist das höchste Gut, das es überhaupt gibt, wertvoller als alle Güter der Welt. Ebensowenig hat Kant etwas zu tun mit der nationalen Romantik des späteren Fichte oder Schleiermachers. Sie ist, wie die Romantik überhaupt, eine Reaktion auf Kant, trotz der Berufungen Fichtes auf Kant, und wo Kant selbst diese Romantik noch erlebt hat (Fichtes Wissenschaftslehre. Herder) hat er sie aufs schärfste Abschusses enthalten müssen, wenn ficy oer Wildstand wieder halbwegs erholen soll. Von selten der Iagdvereine wird überall das Schonen des Rehwildstandes dringlichst empfohlen. Es ist zu hoffen, daß diese zeitgemäße Mahnung beherzigt und auch durch scharfes Aufpassen dem Wildererunwesen auf die Finger gesehen wird. ** Aus dem Siebener Standesamt s r e g i st e r. Es verstürben in der Zeit vom 16. bis 31. Mai: 16. Mai Georg Marburger, ohne Beruf, 69 Jahre alt, Licher Str. 74; Marie von Fournier geb. Fischer, Rentnerin, 85 Jahre alt, Frankfurter Str. 48. 17. Peter Selzer, ohne Beruf, 61 Jahre alt, Asterweg 50. 19. Karoltne Simon geb. Schwan, Witwe. 89 Jahre alt, Rod- Heimer Str. 30. -20. Ferdinand Baer l., Kaufmann, 55 Jahre alt Aticestr. 25; Christian Liebe- henz, Eisenbahnwerrsührer im Ruhestand, 81 Jahre alt, Licher Str. 74; Elisabeth Schmidt geb. Naumann, Witwe, 73 Jahve /llt, Licher Str. 74. 23. Klara Hachenburger, Dienstmädchen, 24 Jahre alt, Neustadt 15. 25. Martya Markart geb. Vogel, 27 Jahre alt, Gnauthstr. 40; Karl Lembach, Schlosserlehrling, 16 Jahre alt, Wolkengasse 7. 26. Juliane Braun geb. Faaß, Witwe, 75 Jahre alt, Neuen Baue 22. 28. August Hampel, Ober- Eichmeister, 64 Jahre alt, Dammstr. 47; Marie Balser, 4 Jahre alt, Licher Str. 59. 29. Karl Henning, Grubenverwalter, 56 Jahre alt, Seltersweg 812/10; Wilhelmine Zimmermann geb. Müller, Witwe, 97 Jahre alt, Frankfurter Str. 12. 30. Margarete Fix, ohne Beruf, Crednerstr. 43. 31. Julie Krombach geb. Fitzler, Witwe, 72 Jahre alt, Ludwigstr. 66. ’* Oe ff entliehe Büch erhalle. Im Mai wurden 1610 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf erzählende Literatur 889, Zeit.chrif- ten 162, Iugendschriften 135, Literaturgeschichte 10, Gedichte und Dramen 26, Länder- und Völkerkunde 94, Kulturgeschichte 23, Geschichte und Biographien 97, Kunstgeschichte 8, Naturwissenschaft und Technologie 61, Heer- und Seewesen 12, Haus- und Landwirtschaft 17, Ges und httts lehre 14, Religion und Philosophie 22, Staaiswissenschaft 18, Skrachwisseistchaft 6, Fremdsprachliches 16 Bände. Nach auswärts tarnen 18 Bände. ** „Großer Iubiläumspreis." Unter diesem Titel hat der Radclub Germania anläßlich seines 25. Jubiläums am 5., 6. und 7. Juli auf dem Oswaldsgarten ein Rennen ausgeschrieben, welches über eine Strecke von 120 Kilometer führt. Die Strecke geht über Sichertshausen, Gisselberg, Niederwalgern, Odenhausen, Gießen, Grünberg, Lich, Gießen, Kleinlinden, Dutenhofen, Dorlar, Ahbach, Heuchelheim, Ziel Feldschlöß- ch^n. Der Start der Fahrer erfolgt am Montag, 7. Juli, 5 Ahr morgens, auf dem Fest- Platz. Die Fahrer kommen bei diesem Rennen also zweimal durch Gießen. •* Die neuzeitliche großstädtische Kino-Errungenschaft, das persönliche Austreten von Künstlern im Kino, hat nun auch m unserer Stadt ihren Einzug gehalten. Das Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, machte mit dieser Neuerung gestern abend den Anfang, indem es einen ganz famosen Humoristen, der sowohl in seinen Vorträgen wie auch in der Mimik sehr gut gefiel, und eine reizende Tanzkünst- terin mit ausgezeichneter Tanztechnik dem Publikum vorstellte. Beiden Künstlern, der Tänzerin Gretl G c i 11 l y vom Frankfurter Opeunhaus und dem Gesangshumoristen Alfons F i x wurde die vortreffliche Unterhaltung mit lebhafem Beif all gedankt. Den Abschluß des Abends bildete die Vorführung des nach dem Roman von Balzac bearbeiteten dramatischen Filmspiels „©ob* | e ck", dessen wertvoller Gehalt und hervorragende Darstellung bei dem Beschauer warmen Anllang auslösten. Ein besonderer Hinweis sei noch den wunderbaren Aufnahmen von den Flügen der peuen Zeppelin-Passagierflugzeug > gewidmet, die ein hohes Loblied auf deutschen Unternehmungsgeist und deutsche Technik sind. Vornotizen. —- Tageskalender für Freitag: Oberhessischer Kunstverein: 6 Uhr im Stadthaus, Bergstraße (Zimmer 6), ordtl. Mitgliederversammlung. — Volkshochschule: 8Vs Uhr in der Ober» realschule Mitgliederversammlung. — Deutsche Volkspartei: 8^4 Uhr im Gewerbehaus Mit- glieder-Versammlung. — Rundfunkhaus, Löberstr.: Nachmittags Unterhaltungsmusik, abends „Der italienische Schwung". — Palast-Lichtspiele: „Die Finanzen des Grvhherzogs". — Lichtspielhaus,Bahnhofstraße: Alfons Fix und Grell Grittlh, ferner „Gobseck". — Astoria-Lichtspiele: „Die Welt in Flammen". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Dienstag, 10. Juni, wird eine Neuheit gegeben werden, die hoffentlich einen besseren Besuch erzielt, als die bisherigen Gastspiele des Bad-Nauheimer Kurtheaters. Es handelt sich um das hübsche Werk „Der Ehestreik", ein heiteres Dorferlebnis .in 3 Akten von Julius Pohl. Das Werk hat im „Münchener Dvlkstheater" bereits die 50. Auf- i■ ■ i ijuMwaunsr .'.ii M abgelehnt. Und noch weniger Gemeinschaft hat Kant mit Hegels Staatsvergötterung. Für Kant, den schroffen Individualisten, ist der Staat ein Inbegriff von Einrichtungen, der „nützlich" ist, aber niemals ein sittliches Werk, wie ihn einzig und allein die freie Persönlichkeit im oben bezeichneten Sinn verkörpert. Der heutige preußisch-deutsche Patriotismus hat als Hauptquellen die außerordentlich starke Tradition des altpreußischen Patriarchalismus (eines Luthertums, dos den Gott des Alten Testaments im Staat verkörpert), die nationale Romantik, wie sie in Fichtes gewaltsamem Temperament am lebendigsten sich auswirkt und Hegels Glauben an die Geschichte, die historische Mission und Aufgabe, deren Träger der Staat, der zu dienen die heilige Pflicht des einzelnen ist. * Das 54. Tonkünstlerfest in Frankfurt a. M. Die Vorbereitungen für das am 9. Juni beginnende 54. Tonkünstlerfest find nunmehr abgeschlossen, so daß sich ein Ueberblicf über sein Programm geben läßt: Das Fest beginnt am 9. Juni mit der Uraufführung von Emst Kr eneks komischer Oper „Der Sprung über den Schatten". Der Komponist wird der Aufführung beiwohnen. Am Dienstag, dem 10. Juni, wird Alois H a b a über das Vierteltonshstem sprechen. An dem von Grv- trian Steinweg (Braunschweig) konstruierten yupumg überschritten und ist jungfi aucy im „Intimen Theatcll' in Nürnberg und in den „Städtischen Schauspielen" in Baden-Baden mit lebhaftem Erfolg gegeben worden; dieser Erfolg wird der heiteren Neuheit bei der guten Besetzung und der sorgfältigen Vorbereitung unter dec Spielleitung des Herrn Karl V o l ck sicher auch hier treu bleiben. (Siehe Anzeige.) — Ruderklub Hassia: Morgen abend Mitglieder-Versammlung. (Siehe Anzeige.) — Gießener Billard-Club. Morgen Eröffnung des Dillardsaals. (Siehe Anzeige.) Landkreis Gießen. * Allendorf a. d. Lahn, 6. Juni. Am 2. Pfingsttag um 3 Uhr findet ein christliches Waldfest im Allendorfer Wäld.hen zwischen hier und Klein-Linden statt. Stadtmissionar Rebe l i n g aus Frankfurt und andere sprechen. Gesang und Posaunenchor wirken mit. Näheres in der heutigen Anzeige. Kreis Friedberg. * Bad-Nauheim, 5. Juni. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte in ihrer jüngsten Sitzung die städtischen V o ran - schlüge. An Steuern sind für 1924 vorgesehen: allgemeine Grundsteuer 88 000 Goldmarl; S)n- deiabgabe vom bebauten Grundbesitz 170 000 Goldmark; Gewerbesteuer 73 000 Goldmart; Filialsteuer, Grunderwerbsteuer je 500 Goldmark; Fcemdenabgabe 100 000 Goldmark; Vergnügungssteuer 10 150 Goldmark; Getränkesteuer 25 000 Goldmark; insgesamt sollen aufgebracht werden 576 000 Goldmark ©ernemleLeucin. -Zugleich mit den Voranschlägen wurden folgende Anträge angenommen: 1. Bis 1. Oktober 1924 hat der Bürgermeister der Stadtverordnetenversammlung eine genaue Uebersicht über die zingegangenen Beträge der städtischen Steuern, und zwar getrennt nach den im Voranschlag auf geführten Rubriken vorzulegen. Solllen Die eingegangenen Beträge zuzüglich derjenigen, deren Eingang gesichert ist, die hier bewilligte Höhe erreicht haben, dann sind die Winterziele entweder zu erlassen oder entsprechend herabzusetzen. 2. Don den Lichtwerken find 10 000 Mark vom Gaswerk und 15 000 Mark vom Elektrizitätswerk in die Betriebsrechnung einzusetzen und den Steuroein- gängen zuzurechnen. 3. Den Bürgermeister zu beauftragen, beim Landesfinanzamt und bei der Reichsfinanzverwaltung im Interesse einer gerechten Zuteilung der hier anfallenden Einkommensteuer der Saisonangestellten vorstellig zu werden, daß als Stichtag des Wohnsitzes der Steuerzahler und dec Veranlagung statt des 1. November jeweils der 1. August festgesetzt wird. 4. Zur Abschaffung der Beherbergungs-- steuer eine Kommission zu wählen, bestehend aus dem Bürgermeister und zwei oder drei Stadt* verordneten die beim Finanzminister in Darmstadt vorstellig werden, damit die Deherbergangs- ftcuer mit der Kurkarte zusammen, jedoch ohne besondere Bezeichnung, erhoben wird. 5. Es ist in Aussicht zu nehmen, die städtische Getränkesteuer noch im Laufe des Etatjahres abzubauen. * Gambach, 5. Juni. Ein furchtbares Familien drama hat sich heute Nacht hier zugetragen. Ein junger 22jähriger Mann namens Philipp Rumpf unterhielt mit der gleichaltrigen Tochter des Landwirts Jakob R e u h l ein Liebesverhältnis, das von den Eltern des Mädchens nicht gern gesehen wurde. Heute nacht Drang Der junge Mensch mittels einer Leiter in Das Zimmer, in welchem seine Geliebte und Deren Mutter schliefen, ein. Von Dem Geräusch erwacht, fragte die Frau Den Eindringling, was er wolle. Ohne eine Antwort zu geben, schoß Rumpf auf die Frau und verletzte sie durch zwei Schüsse am Hals, Dann trat er an Das Bett des Mädchens und gab auch auf Dieses zwei Schüsse ab, die in Den Hals einDrangen und die Ueberfaltene lebensgefährlich verletzten. Hierauf richtete er den Revolver gegen sich und tötete s i ch durch einen Schuh in Den Hals. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 5. Juni. (Eigener Bericht.) Heute vormittag fand in der Kapelle Des Alten Friedhofs in Darmstadt eine Trau er feier für den verstorbenen Ob:rbürgermeister Köhler von Worms statt. Anwesend waren Staatspräsident Ulrich, die Minister von Brentano und Henrich, sowie viele Regierungsvertreter, ferner Landtagspräsident Adelung und viele Canbkig3abgeoidnete. Der Vorsitzende der Deutschen Vvllspartei, Abg. D i n g e l d e y , war durch Krankheit am Erscheinen verhindert, die übrigen Fraktivnsmitglieder waren anwesend. Zahlreiche Korporationen hatten Vertreter entsandt, außerdem war ein großes Trauergefvlge zuge'en. Pfr. Wagner würdigte in einer längeren Rede das Lebens werk des Verstorbenen. Abg. Dr. Osann sprach im Namen der Reichsparteileitung der Deutschen Dollspartei und des Land'sverban des Hessens Er rü.hmte Oberbürgermeister Köhler als aufrechten Mann, Freund und Führer, lobte sein Wissen, seine Erfahrung, sein freundliches Wesen und sein Vaterlandsgefühl. Staatspräsident Ulrich widmete Dem Verstorbenen ehrende Worte, trotzdem er einer -anderen Partei, als der Redner, angchört hatte. Landtagsprä.idmt Adeln n g hob die Arbeitsfreudigkeit des Verewigten hervor; viele hessische Gesetze trügen Den Stempel seines Geistes. Bürgermeister Müller sprach Vierteltonklavier werden Vorführungen die Darlegungen Des Redners illustrieren. Im Operphaus folgt abends die Aufführung der Tanzpantomime von Paul Hindemith „Der Dämon" und von Igor Stravinskis „Geschich'e vom Soldaten". Der Dritte Tag bringt im Opernhaus das erste Orchesterkonzert mit Werken von Ian Ingen- Hoven (Sinfonische Fantasie unter Benutzung s eines altniederländischen Volksliedes), Alban Berg (Drei Bruchstücke aus der Oper „Wvzzek"), Ernst Georg Wolff (Ouvertüre za einer komi- schen Oper) und Erhärt Ermatinger (Sinfo- nia). Donnerstag kommt in Bad-Honrburg Henry Purcells (1860) Werk „Dido und Acneas" unt .r Hermann Scherchen zur Ausführung. Für den fünften Tag ist im Opernhaus die Uraufführung von Gerhard von Keuhlers Oratorium „Zebaoth" angesetzt. Samstag und Sonntag finden im Opernhaus zwei Konzerte statt, von Denen das erste Werk von Hans P f i h n e r (Columbus), Alexander Iemnih (Quartett für vier Trompeten), Felix P e t h r e k (achtstimmigerChor a cappella: „Irrende Seelen"), Othmar S choeck (Gha- selen), Richard Strauß (sechzehnstimmiger Chor: „Eine deutsche Motette"), Arnold Schönberg (gemischter Chor a cappella: „ Friede auf Erden") bringt, während im letzten Konzert eine Sinfonie von K. Rathaus vier Diolingesänze mit Orchester von F. Dusoni und die „Sinfonie Do» meftica“ von R. Strauß vorgesehen sind. bewahren. Der Geschäftsausschuß Telephon 1145 020760 4697D Schotten, z. I. Gießen (Plockstraße 6), 4. Juni 1924. 020747 CAFEAMEND zur Verfügung. 4704c 4698D i i der Eisenwerke Hirzenhain Hugo Buderus G. m b. H. Hirzenhain (Hessen) Kirchliche Nachrichten. 3fr. Religionsgemeknde. GotteSd. i. d. Synagoge (Süd-Anl.). Samstag, den 7. Juni. Vorabd. 7.45, morg. 8.30, nachm. 4. - Sonntag, den 8. u. Montag, d. 9. Juni: Wochenfest. l.Tag: Vorabd. 9.30, morg. 8.30 Predigt. 2. Tag: Vorabd. 7.45, morg. 8.30, abds. 9 u. 9.30. 3fr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, 7.Juni. Freitag abd. 7.50, Samstag vorm. 8.00, nachm. 4.30. Sonntag, d. 8 , u. Montag, d. 9. Juni: Wochenfest. 1 Tag: Vorabd. 9.30, vorm-8 Predigt, nachm. 4.30. 2. Tag: Vorabd. 9.30, vorm. 8, nachm. 4.30, Festesausgang 9.30. — Wochengottesdienst: Morg. 6.15, abds. 7.15. Spargel Deut’ iinö morsen große Sendungen Sal-M Mäusburg 17 020762 Tel. 1486. Blusen Prinzeßröcke Jumpers in la Kunstseide Damenhemden Herrenhemden usw, Stoffe Strümpfe und Socken aller Art i. IaQu alitäten zugünstigsten Preisen. Zumbitiiggn Laden Sonnenstr, 32. taei f alle Zeitungen Pfeiffersche Buchhandlung Walltorstr. 21. Fernruf 1342. «ö01 [02075.' Motorrad neuwertig, billig zu verkaufen. Weil, Marburger Str. 7. ,Xr Benutzung v §s), Älban Ober .W?J; , einer hnü i^ngct (W er *\u j-rein' ÄOJI »U> u ,r §rden ) SÄ®0' > f* «n V" ib«. 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Zahlreiche müanbt, außer- [e zugeM M rren Aede das V Dr. Osann itlcUeW ba Lnd.sverixmdes meism W rd sein freundliche u> Htaatspraso Ebenen ehrende n Partei. aA der Mrä id.nt Ade» Beretoig-en g.g Ä* Wolters bwgraphische Skizze über Martin Opitz stellt sich als ein außerordentlich wertvoller Beitrag zur Literaturgeschichte des Darock. Hermann Oncken schildert die innere Entwicklung Dankes and publiziert eine Reihe von Driesen des graften Historikers an seinen Verleger Perthes. Friedrich Wolters, der jetzt in Kiel lehrt, schlich! die Reihe mit einem Aufsatz über Herkunft und Dedcutung des Marxismus. — „Reue Frauenkleidung und F r aue n k u l t u r". Zeitschrift für persönliche, künstlerische Kleidung, Körperkultur und Kunsthandwerk. Mit Schnittmuster- und Handarbeitsbogen. Herausgegeben von der Werbestelle für deutsche Frauenlultur Karlsruhe. 20. Jahrgang 1924 Heft 3 (Juni). Verlag G. Braun, G. m. b. H. in Karlsruhe. Preis 1. Halbjahr 1924 (drei Hefte) 3 Mk, Einzelheft 1,20 Mk. Das Heft bringt Abbildungen von Stillleidern. Gesclllchasts- kleidern, Jacken- und Gartenkleidern. Sommerkleidchen für gröftere Kinder, Bademäntel, Blumen, Keramik und Webarbeiten aus ersten deutschen Werkstätten. Aus dem Textteil sei he vorgehoben: Frau Ajas Geist. Von Else Hoffmann. — Die Kultur des Stilkleides. Von Karl Meitner-Heckert. — Mode und Zufall. — Von Zwügen und Blumen (mit Abbildungen). — Don der Farbenfreude bei den Kindern — Von Frider Kölsch-Kenzingen. — Vom Handweben (handgewebte Mützen, Woll- und Perlgürtel, gewebte und gehäkelte Taschen, Dasttaschm). — Kultur und Religion der primitiven Menschen behänd.lt der Hamdur er Gelehrte Dr. Th. W. D a n z e l in einem aufschlußreichen, vom Verlag Strecker u. Schröder, Stuttgart mit ausgezeichnetem Bildmaterial ausgestatteten Bande. Rach einer prägnanten Formulierung des Unterschiedes von Kultur- und Raturvölkern geht der Verfasser von der Denkweise des primitiven Menschen, seiner Einstellung zur Welt aus, um von hier ein Di.d von der Ge- Gesamtkultur d-es Primttiven: von Ku. st, Sprache, Gesellschaft, Religion, Erziehung. Wi senschaft. Recht usw. zu gewinnen. Samstag, den 7. Juni, nachmittags 4 Uhr Eröftiüig desiiMMeiiBIIMaols Den geehrten Billard-Spielern stehen 6 neue Einbeck-Billards darunter 2 Meister-Matsch-Bretter Nachruf! Am 5. d. Mts. verschied das Mitglied unserer Direktion Herr Heinrich Schmitz Der Verstorbene stand seit dem 1. Januar 1918 als kaufmännischer Direktor an der Spitze unseres Unternehmens. Begabt mit einem weiten Blick und reichem kaufmännischen Wissen, hat er es verstanden, unser Unternehmen durch schwierigste Zeiten erfolgreich zu führen und unsere geschäftlichen Beziehungen zu erweitern und zu vertiefen. Seine Pflichttreue und selbstverständliche Hingabe an sein Werk waren vorbildlich. Wir betrauern tief das allzufrühe Hinscheiden dieses liebenswürdigen Mitarbeiters, unseres Freundes, und werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren. Hirzenhain (Hessen), den 5. Juni 1924. Die Geschäftsführung der Eisenwerke Hirzenhain Hugo Buderus G. m. b. H. Hühneraugen , Hornhaut, Schwielen u*d Uferzen schmerz- und gefahrlos MiaBtirol AerztHch empfohlen. Millionenfach bewährt. — In Apotheken und Drogerien e-hältlfch. — Gegen Fuös hweiß, Brennen und Wundlaufen Xu/iroi-Fußbad. Drogerie H. Noll, Äenstn^t 38. Drogerie V/int erhoff, Kreuzplatz 9/10. ,>tot ,, 1 btn c »•Jiu dy, '^obll. MtS kd. «Sv» MS l. Nachruf! Am 5. Juni 1924 starb zu Hirzenhain der kaufmännische Direktor der Eisenwerke Hirzenhain Hugo Buderus G. m. b. H., Hirzenhain Herr Heinrich Schmitz. Fast 13 Jahre hat der Verstorbene an leitender Stelle für Buderus’sche Interessen mit nie versagender Arbeitsfreudigkeit erfolgreich gewirkt. Am 1. Januar 1918 in die Geschäftsführung unserer Gesellschaft berufen, hat er deren Wiedervereinigung mit unserem alten Stammwerk, den Buderus'schen Eisenwerken in Wetzlar entscheidend gefördert. Er hat seine ganze Kraft, seine hervorragenden Kenntnisse und Fähigkeiten dem Gedeihen und der Entwicklung unseres Werkes gewidmet. Ein allzufrüher Tod hat einem arbeitsreichen Leben ein Ende gemacht. Wir werden dem Verstorbenen ein bleibendes und ehrendes Angedenken beruhenden Empfinden verletzt gefühlt Hütten. Das Schöffengericht in Büdingen und die Strafkammer hier hatten sie freigesprochen, weil sie berechtigt gewesen seien in einer Versammlung ihre abweichende Ansicht zum Ausdruck zu bringen. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hatte das Oberlandesgericht das Urteil aufgehoben und die Sache an die Strafkammer zurückverwiesen. Eine an sich zulässige politische Aeuherung kann durch die Form, die Zeit und den Ort der Kun d- gebung zu in groben Unfug werden. Es handelte sich hier nicht um eine Wahlversammlung, sondern um eine Versammlung zu einem ganz bestimmten Zweck, um eine von einem bestimmten Gedanken getragene Feier mit bestimmtem Programm, dessen einheitlichen Ablauf die Angeklagten stören wollten und gestört haben. Larin lag eine Belästigung des die Versammlung besuchenden Publikums das sich auf den vaterländischen Gedanken einstellen durfte, weiter auch eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung, denn es hätte durch das Verhalten der Angeklagten leicht zu Tumulten kommen können. Diesen Grundsätzen folgend kam das Gericht zu einer Verurteilung, M aber mit Rücksicht auf die Jugend und die Unreife der Angeklagten Milde walten und verhängte Geldstrafen von je 2 0 G 0 l d m a r k ersatzweise je 4 Tage Haft. Die über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung des Urteils liegt in der grundsätzlichen Erkenntnis, taft die weitverbreitete Unsitte, in Versammlungen und Vorträgen zu bestimmtem Zweck unter dem Deckmantel der „freien Mei- nungsäufterung" durch Zwischenrufe. Rieder» brüllen und Rieöersingen des Gegners zu wirken, grober Unfug und strafbar ist. Turnen. Sport und Spiel. Süddeutsche Extraklasse Gießen. Die drei Fuftballvereine Gießens haben sich vor einigen Wochen zu einer Art Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um in der Zusammenarbeit dem höchsten Ziele des Sportes näherzukommen. Ein sehr ersprießliches Produkt dieser Gemeinschaft ist das Uebereinkommen der drei Vereine, ihre hiesigen Spiele gewissermaßen zu rationieren. Auf diese Weise sind dem einen jeweils hier spielenden Verein die Zuschauer und damit die Einnahmen gesichert, während die beiden anderen Vereine an diesem Tage ruhen oder auswärts spielen müssen. 3n dem Bestreben, das Interesse für den Sport in unserer Stadt durch Vorführung von guten, stilreinen Sport zu heben, hat der Verein für Bewegungsspiele sich für den morgigen Samstag, abends 7 Uhr, den V. f. R. (früher M. T. V.) Fürth als Gegner verpflichtet. V. f. R. Fürth darf mit Recht als einer der ersten Vertreter klassischen süddeutschen Fußballs bezeichnet w r- den. Das Torverhältnis bei seiner Saarbanos- reise 25:2 und bei seiner Hessenreise 19:2, sowie verschiedene andereResultate gegen ersteVereine sind sprechende Beweise seines hohen Könnens. Wenn die stark verjüngte Elf des V. f. B. in ihren letzten Spielen nicht alles gehalten hat, um überschraubte Hoffnungen zu erfüllen, so ist sie doch unter ihrer erprobten Führung dazu berufen, in Zukunft Gutes und Bestes zu leisten. Am 2. Feiertag 4x/2 Uhr nachm. spielt eine Liga- Elf Des D. f. D. gegen die gleiche der Viktoria 1912 Frankfurt-Main-Eckenheim. (Siehe Anzeige.) Aug. Deibel vom Gießener Radfahrerverein 1885 5. bei der Meisterschaft von Deutschland im Dergfahren. 3m Rahmen der Großen Rheinischen Sportwoche vom 31. Mai bis 10. Juni in Köln wurde am Dienstag die Meisterschaft von Deutschland im Dergfahren auf der 3,7 Km. langen Strecke von Königswinter nach dem Drachenfels ausaetragen. Von 192 gemeldeten Amateuren verließen 128 den Start, doch war die beste Klasse aus allen Teilen des Deutschen Reiches vertreten. Der Gießener A u g. Deibel konnte bei diesem Rennen seinen großen Erfolgen der letzten Zeit einen weiteren größeren Erfolg anreihen, indem er den 5. Platz belegte. Ergebnis: 1. Mandelartz-Köln, 2. Müller-Barmen, 3. Elah-Schweinfurt, 4. Rebe-Leipzig, 5. Deibel- Gießen, 6. Kohmeter-Langendreer. Bei den De- rufsfahrern starteten 33 Mann: es siegte Passen- Heim-Derlin vor Demold-Gerolzhofen. Kunst UNd Wissenschaft- Preisausschreiben der Volkshochschule Wiesbaden. Rach einem überaus erfolgreich verlaufenen Märchenwettbewerb schreibt die Volkshochschule Wiesbaden jetzt einen neuen Wettbewerb aus mit dem Thema: »Eine dramatische bühnenwirksame Dichtung aus dem Ideen kreis der Jugendbewegun g.“ Die Tendenz des Stückes ist gleichgültig: j:de Richtung der Jugendbewegung kann dem Stücke Charakter und Farbe geben und ebenso kann es Drama, Tragödie, Schau piel, Märchenspiel oder Lustspiel sein. Entscheidend bleibt, daß es bühnenwirksam und ein echtes Kunstwerk ist. Schlußtermin für die Einsendungen ist der 1. Januar 1 9 2 5. Die näheren Bedingungen sind von der Geschäftsstelle der Tol shoch chule, Abt. C., W es- baden. Lyzeum 2, Am Doleplatz, gegen Einsendung von 1 Gmk. zu erlangen. Büchertisch. X Bilder und Studien aus drei Jahrtausenden haben eine Reihe Heidelberger Gelehrter zu einer Textausgabe für Eberhard Gothein, dem kürzlich verstorbenen Rattonalökonomen der Heidelberger Universität zu dessen 70. Geburtstag vereinigt. (Duncker & Humblot, München.) Das Buch zeigt die außerordentliche Vielseitigkeit, die auch dem Schaffen des Verstorbenen eigen war, eine Vielseitigkeit, die gleicherweise die Jahrtausende umspannt wie die verschiedensten Teilgebiete der Kulturgeschichte einbezieht. Georg Karo spricht-über die Gestaltung des delphischen Heiligtums, -Edgar S a l i n steuert einen Beitrag über den Sozialismus in Hellas hinzu Tomaszewski gibt eine Abhandlung aus feinem engsten ForschungsgBict, dem Prin- eipat des Augustus. Hans von Schubert de.- ausgezeichnete Kirchenhistoriker gibt interessante Aufschluss', über die Bildung und Erziehung in frühchristlicher Zeit. Eine Biographie des großen Condottiere der Republik Venedig, Bartolomeo Colleoni, gibt Paul Clemers, fesselnd und farbig, ein echtes Renaissaneeporträt. Friedrich Doris Die Geburt einer gesunden Tochter zeigen in dankbarer Freude an Dr. A. Fischer und Frau Helmy geb. Engelhardt. äls Vertreter Der Stadt Darmstadt und des Hess. Städtetages, Beigeordneter Daub-Darm- stadt sprach für den Odenwaldklub, Rektor Lindemann- Aelzey für die dortige Ortsgruppe Iber Dolkspartei, Landgerichtsdirektor Alten- d 0 r t für den Reichsverband der Ausgewiesenen. Ferner erfolgten noch Kranzniederlegu ° D°r . . ■ •. : ’. Von °6\npr u HWZ v°n otl©n‘ Ver* V L ta^eO all«*'“ S-SSS«“" Ä»Ä.x.d üv^oC-> U»‘» Reynn tonan6 OaS tr» .««WWW»' Vas 1 Ä’t\ K M 7Ä • - I WK WW I 1 l| Verschiedenes] Behördlich empfohlen! Dr. Schwenkers Mäuse- und Ratten* Typhusbazillen Unschädlich f. Menschen tl Haustiere, Wirksamst. Massenvertilgungsmittel für Mäuse 1,25 üoldinart für Ratten 1,75 Ooldmark Chcin. 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HPvthe! aus »Aä TUnt* Rallen. r5*zillen r Ratten 1 r0]dmarp Chem. tah °01iM Dr-scu:> Q.O.m.b.^er Rundfunk- I» Löberstr. 12 Frellig, 6.6., nachm. 4—s Ukr; DolerbalhiDgwüsik Abend« 8.31 Uhr; te iWenift tag Rossini, Verdi usw. [ tifiS m. (52 Zweites Blatt Unsere Fortbildungsschule und ihr Ausbau. Don Fr. O st. II. Man braucht sich nur einmal einen beliebigen Beruf darauf anzusehen, welche Gckenntnrsgebiete nach jeder dieser beiden. Dichtungen berührt und dem Schüler eröffnet werden können, um zu begreifen, wie fruchtbar bei rechter Behandlung für den angehenden Gewerbetreibenden eine zusammenhängende, wohl durchdachte, auf Sachkenntnis beruhende Belehrung über sein Gewerbe werden kann. Rehmen wir beispielsweise das Schlossergewerbe: Der Lehrling wird mit der Gewinnung des Erzes und der Kohle bekanntgemacht. er erhält ein Bild von dem Hochofenbetriebe und den Methoden, wie dem Eisen und dem Stahle ihre besonderen Eigenschaften gegeben werden. Die Instrumente, Werkzeuge und Maschinen, die ihm aus Werkstätte oder Fabrik bekannt sind, werden nach ihrer Beschaffenheit und Wirkungsweise untersucht und die physikalischen Gesetze, die dabei in Erscheinung treten, dargelegt. Die verschiedenen 2lrbeitserzeuanisse werden charakterisiert, die Begriffe: Rohstoff, Halbfabrikat, fertiges Arbeitsgut, kommen zur Erörterung. Die Herstellung dieses oder jenes Gegenstandes, z. B. eines Blitzableiters, wird in seinem ganzen Verlaufe verfolgt. Die Art seiner Anlage und die dabei zu vermeidenden Fehler führen von selbst- zur Besprechung des elektrischen Stromes. An der Hand dieses selben Beispiels wird gezeigt, wie eine Selbstkostenberechnung anzustellen ist und in welchem Verhältnis der Preis der Anlage zu den Selbstkosten steht. Auch Angelegenheiten der Gesundheitspflege, die mit dem Geschäftsbetrieb im Zusammenhang stehen, werden behandelt: der Schuh der Lunge vor Staub, das Atmen, die Sicherung der Augen und Ohren, die Behandlung von Brandwunden, Verrenkungen, Quetschungen, die Vorsichtsmahregeln beim Heben uff. Den gleichen Gang bei verschiedenem Stoff schlägt die Gewerbekunde für andere Gewerbetreibende ein; auch beim Fabrikarbeiter gestaltet sie sich in analoger Weise. Die Bcrufstunde führt auf der einen Seite in die verschiedensten Wissensgebiete hinüber, die sie dem Schüler eben durch diesen Zusammenhang interessant macht, selbst wenn altes Schulwissen ihm wieder begegnet. Andererseits bietet sie den Lehrfächern, die neben ihr eine selbständige Stellung in der Fortbildungsschule beanspruchen können, den Stoff, an dem der Schüler seine Fertigkeit ausbildet. Diese Fächer sind Deutsch und Rechnen, für viele Gewerbe auch Zeichnen. Am engsten schließt sich das letzte an den Beruf des Schülers an. Cs ist Fachzeichnen. Don großer Bedeutung ist auch der Zweig der Berufskunde, der sich mit der Person des Gewerbetreibenden beschäftigt. Dieser Unterricht betrachtet zunächst den Schüler in seiner gegenwärtigen Stellung und macht ihm die rechtlichen und moralischen Verpflichtungen, die dadurch für ihn entstanden sind, deutlich. Er läßt dann ein Bild der Zukunft vor seinem Auge erstehen und schildert den Gesellen und schließlich den Handwerksmeister. Welche Beziehungen er zu den Berufsgenossen zu pflegen, welche Aufgaben er als Glied der Gemeinde, als Bürger des Staates, als Angehöriger einer Genossenschaft, als Wähler oder als Gewählter einer staatlichen, gemeindlichen, beruflichen Körperschaft erfüllen hat, das alles und anderes gehört in den Rahmen dieses Bildes. Hier führen die verknüpfenden Fäden in das Gebiet der Wirtschaft, des Rechts, der Verfassung hinüber und vermitteln dem Schüler Kenntnisse, die sich dem Mann einst als höchst nützlich, ja unentbehrlich erweisen werden. Hier ist auch die St^le, wo die Geschichte in den Unterricht hereinbezogen und für die Bildung des Schülers nutzbar gemacht werden kann. Sie ist speziell eine Geschichte des Gewerbes, das er selber betreibt, oder doch der Derufsgattung, zu der er gehört, des Handwerks (des Handels, der Landwirtschaft, des Fabrikbetriebs), und erweitert sich, aber möglichst von dem gegebenen Standpunkt aus, zu einer Darstellung des Entwicklungsganges der Erwerbs- tätigkeit und der erwerbstätigen Klassen. Gerade in dieser Begrenzung wird sie das Interesse des angehenden Mannes noch in ganz anderer Weise in Anspruch nehmen, als die großen Ereignisse der Volksgeschichte das Schulkind zu fesseln vermochte. Mit Recht fordert man neuerdings, daß der Geschichtsunterricht in der Volksschule und in den höheren Schulen nicht einseitig die Politische Geschichte behandeln, sondern daneben auch die kulturellen Verhältnisse gebührend berücksichtigen solle. Die Fortbildungsschule bietet dazu ganz besonders Gelegenheit. Hier steht e(ne Fülle von Material zur Verfügung, das dem Schüler noch vollständig unbetannt ist, aber in voller Unmittelbarkeit sich an ihn wendet. Er hört von der mittelalterlichen Zunftverfassung, von der Stellung der Zünfte in den Städten, ihren Streitigkeiten mit den Geschlechtern, von den Handwerksgebräuchen alter Zeit, besonders bei Gesellen- und Meister- beförderungett, den Lohnkämpfen vergangener Jahrhunderte. Er erhält ein Bild von dem kleber- gang der Raturalwirtschaft zur Geldwirtschaft, von der Wirkung dieses wirtschaftlichen Vorgangs auf die gesamten sozialen Verhältnisse, insbesondere auf die Lage der Handwerker und der Bauern. Vor sein Auge tritt der denkwürdige Augenblick, wo in die Gewerbewelt die erste Maschine eintrat, die das Spinnrad in die Ecke schob und zugleich der ganzen mittelalterlichen Betriebsweise das Grablied surren lieh. Der Haß, mit dem die Manufakturisten die Reuerer verfolgten, die blinde Wut, in der die um ihve Rahrung bangenden Arbeiter die Fabriken stürmten und die Maschinen zertrümmerten, bieten Anschauungsbilder von großer Lebendigkeit. Das 19. Jahrhundert bringt Ereignisse, deren Folgen noch in die Gegenwart reichen. Die „englische Invasion" und ihre unheilvollen Wirkungen auf das deutsche Gewerbe, der Zollverein als Gegenstück der Kontinentalsperre, die industrielle Entwicklung unseres Vaterlandes, die Entstehung eines vierten Standes, die moderne Arbeiterbewegung, die Arbeiterschutzgesetzgebung, die kommunistischen Ideen — man braucht nur die durch diese Stichworte gezeichnete Linie zu überblicken, um sich der Wirkungen eines solchen Stoffes auf den Schüler bewußt zu werden. Je sachgemäßer, vorurteilsloser, untendenziöser er i Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Zreitag, h. Mi 1924 behandelt wird, um so mehr wird er seine Kraft als Dilüungsmittel beweisen. Die bildenden Momente einer Gewerbe- und Wirtschaftsgeschichte, selbst in der elementaren Form, wie das Schülermaterial in der Fortbildungsschule sie vorschreibt, sind zweifacher Art. Einmal lernt der Schüler die Verhältnisse, in denen er selbst steht und in Zukunft zu stehen kommt, als das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung begreifen. Das erfüllt ihn auf der einen Seite mit Achtung vor dem Gewordenen, gibt ihm aber andererseits Lust und Eifer, an dessen Verbesserung zu arbeiten. Alles Bestehende ist ja „vernünftig" und doch auch „teert, daß es zugrunde geht." Diese Erkenntnis als Lehre der Geschichte gewonnen, führt zu einem praktischen Verhalten, das die rechte Mitte zwischen utopischen Träumereien und unverständigem Kleben am Alten bildet. Roch wichtiger ist ein anderes. Die Wirtschaftsgeschichte erzählt dem Schüler von den starken Einflüssen, die von den gewerblichen Verhältnissen auf den Verlauf der politischen Ereignisse ausgegangen sind, und lehrt ihn umgekehrt, daß in der Regel der allgemeine Zustand des Staates es war, der die Blüte oder das DarniederliLgen der Gewerbe bedingt hat. So erwächst ihm ein Verständnis von der Bedeutung des Staatsganz>en für das eigene, individuelle Wohlergehen, und der Unterricht erzielt das, was man die „staatsbürgerliche Erziehung" nennt. Man begegnet oft der sonderbaren Auffassung, die Fortbildungsschule müsse die jungen Leute in alle Einzelheiten unserer Dec- waltungs-, Gerichts^, Polizei- und Schulorganisation, in das Finanz-, Post-, Eisenbahnwesen usw. einführen. Das wäre eine ungeheure Ueber- bürdung; auch würde die karg bemessene Zeit dazu nicht ausreichen. Der staatsbürgerliche Unterricht muß Begeisterung, Liebe zu Volk und Staat Wecken; nicht das Wissen ist die Hauptsache, sondern das Können und Wollen: die Bereitwilligkeit und Fähigkeit auf politische Verhältnisse zu achten und das wesentliche darin aufzufassen. Das soll bedeuten, daß überall mit Bewußtsein Gegenwart und Vergangenheit in Verbindung gebracht wird; daß wir versuchen, die Gegenwart arS der Vergangenheit zu verstehen. Vor allem aber müssen wir den Mut haben, für d i e wichtigsten Fragen unserer Zeit aus der Vergangenheit zu lernen, Folgerungen und Forderungen zu ziehen. Dabei müssen wir versuchen, auf den Willen der jungen Leute einzuwirken, die sittlichen Kräfte in ihnen zu wecken, sie zur wahren Freiheit zu erziehen und zugleich zu dem Bewußtsein, daß wir alle nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben und daß ein Wiederaufstieg nur im engen Zusammenarbeiten aller Deut sche n möglich ist. Eine Gefahr, vor der gewarnt werden muh, ist die Verwechslung vaterländischer Denkweise und politischer Anschauungen miteinander. Die Bekämpfung politischer Richtungen durch die Schule wird stets mit Mißerfolgen enden, und nichts würde einer staatsbürgerlichen Erziehung sich schädlicher erweisen, als eine pseudopatriotische Ges innungszüchterei. Aber die Erweckung einer reinen Gesinnung bleibt trohalledern das höchste und schönste Ziel des Unterrichts. Sie muß auch in der Fortbildungsschule der schließliche Endzweck der Arbeit fein, wenn sie auf den Ehrennamen einer Bildungsanstalt Anspruch machen will. Bildung im wahren Sinne 'des Wortes ist Schaffung eines sittlichen Charakters, einör Persönlichkeit. Und Persönlichkeiten braucht unser Vaterland in Zukunft mehr denn je. Eine Zeit schwerster' Erschütterungen liegt hinter uns. Die Welt ist durch den grausamsten Krieg gegangen, der je auf Erden getobt. Wir stehen vor den Trümmern einstiger Herrlichkeit. Alles ist im Fluh, Reues ist im Begriff, sich zu bilden; alte überlebte Formen werden abgestohen. Dieses Suchen nach neuen Wegen, neuen Formen, das bisher das Arbeitsgebiet nur weniger Menschen war, das ist heute, nachdem! das deutsche Volk fein Schicksal selbst in die Hand genommen hat, zur Lebensnotwendigkeit für das ganze deutsche Volkstum geworden, dem niemand sich entziehen kann, der ehrlich das Beste des Volkes will. Wer sich diese Gedanken klar macht, der fühlt die Größe der Verantwortung, die auf jeden einzelnen von uns gelegt ist, der irgendwie — sei es als Vater ober Mutter, als Lehrmeister oder Werkleiter, als Arbeitgeber und nicht zuletzt als Hausfrau — berufen ist, an dem schweren Werk der Crziebung der im „T r o h a l t e r“ stehenden, fortbiloungsschulpflichtigen männlichen und weiblichen Jugend mitzuarbeiten. Wirtschaft. Weiterer Rückgang der Grofthandelsindexziffer. Die auf den Stichtag vom 3. Juni berechnete Grohha ndelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 27. Mai (120) weiter um 1,5 Pvoz. auf 118,4 zurückgegangen. Von bcir Hauptgruppen sanken im gleichen Zeitraum Lebensmittel von 103,4 auf 100,9 oder um 2,4 Proz., davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 89,5 auf 87,8 oder um 1,9 Pvoz., Industriestoffe von 151,6 auf 151,1 oder um 0,3 Proz., davon die Gruppe Kohle und Eisen mit 144,7 nahezu unverändert. Inlandwaren haben von 109,3 auf 108,7 oder um 1 Proz., Einfuhrwaren von 172 auf 166,8 oder um 3 Proz. nachgegeben. Für den Durchschnitt des Monats M a i ergibt sich ein Rückgang der Grvßhandelsindexziffer von 124,1 auf 122,5 ober um 1,3 Prozent. Don den Hauptgruppen sanken in der gleichen Zeit Lebensmittel von 109,7 auf 106,6 ober um 2,8 Pvoz., während Industriestofse vpn 150,9 auf 152,2 oder um 0,9 Prozent anzogen. Inlandwaren finb gestiegen von 111,7 auf 112,2 oder um 0,4 Prozent; Einfuhrwaren JinZ> gesunken von 185,6 auf 173,8 ober um 6,4 Prozent. * Duderussche Eisenwerke A.-G., Wetzlar. In ber Sitzung bes Aufsichtsrates wurde der Rechnungsabschluß für 1923 nebst ®c- totnn» und Verlustrechnung besprochen und beschlossen, der am 8. Juli in Wetzlar abzuhaltenden ordentlichen Hauptversammlung dorzuschla- gen, den rechnungsmäßigen Liederschatz des Jahres 1923 von 29 990 519 425 047 809,04 P.-M. auf neue Rechnung vorzutragen. Eine Dividende kommt demnach nicht zur Verteilung. * Rordstern Allgemeine Vers iche- r u n g s - A.-G., Berlin. Die dem Stinnes- kvnzern nahestehende Gesellschaft sieht von der Verteilung einer Dividende für das abgeiaufene Geschäftsjahr ab und trägt einen Teil des erzielten Reingewinns, ohne eine genaue Summe anzugeben, zur Stärkung der Prämien- und Schadenreserven auf neue Rechnung vor. Die Eröffnungsbilanz soll erst in einem späteren Zeitpunkt vorgelegt werden. * 3 u r Linderung derWirtschafts- t r i f e in Polnisch-Obe rsch testen. D^m „Oberschlesischen Kurier" zufolge hat die polnische Regie.ung, um die angekündigte Schließung ber Königshütte, wodurch über 5000 Arbeiter brotlos würden, zu verhüten, größe.e Aufträge erteilt, so daß ber Betrieb über den 16. hinaus fortgeführt werde, zumal, da ber Hütte Kredllvergünstigungen zugebilligt wurden. Die Wojewodschaft Kattowih forderte zur Eindämmung ber Arbeitslosigkeit im ostodecschlesr.chen Industriegebiet eine Million Zloty telegvaphich brr der Warschauer Regierung an. ? 6,2 6,23 7,5 7,25 12,75 10 9 12 12 2,1 6,4 •) Dom Ruckzahlungswect. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. I Geld fffrHti. 5. Juni 56,19 Frankfurter Börse. Tendenz 12,6 0,575 Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) 7,75 2,25 E,8 3,4 9,25 1',75 43,75 46 52 13 3,75 6 6,75 0,9 2 12,1 5,4 10,25 23,25 20 35 1,25 « 21,5 4,65 73,32 20,90 70,22 110,47 155,£6 5,85 4,19 18,00 18,08 18,15 4,09 12,20 5ß,11 1,71 55.91 10,25 4,75 29 57,5 1,8 2 7,5 10 19,87 4,4 11,6 4,75 10,75 2?,25 19,5 -5 21 4,7 Banknoten. (Ohne Gewähr.) 9,5 21,13 38 33,25 8 2,3 10 13,25 8,75 8,75 9,25 10 4,75 28 6 37,5 1,85 2,05 8,65 9,25 9,-7 6,4 9,37 12,8 2 8,75 12,8 0,450 7,87 12,8 2,1 1,8 13,25 0,5 19 8.65 6,87 7,75 0,450 7,13 11,5 1,35 0,8975 0,325 43 8,25 10,25 40 43,6 50,5 6,5 11,65 3 75 9,65 21,25 18 32,37 1,26 19,9 4,35 0 4 0,325 7,5 9,9 27,9 86 1,8 2 0,4 0,55 45,76 9 10,75 42,5 46,1 1,25 0,37 0,5 47 8,1 9,87 40 44 61.5 6,75 11,1 2,3 10 13,2 9,1 9,25 9,87 2,1 4,5 6,5 2,9 2,25 9,25 9,2 9,87 6,6 10,40 12,8 Frankfurt a. M, 5. Juni. Matt. — Die heutige Stimmung an der Börse war gekennzeichnet burch eine ausgesprochene Re- Berliner Handclsaesellschaft - Commerz- und Prival°Bank. Tcirmst. und Naiionalbank . Deutiche Bant......... Deutsche Vereinsbank .... Tiseonlo Commandit .... Mctallbank........... Mitteldeutsche Treditbank. . Oeste, reichliche Kreditanstalt. Westbank............ Bochumer Guß........ Buder s............ Caro ............. Deutsch.Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harvcucr Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurahütte........... tberbedarf........... Phönix Bergbau ...... Rycimlabl........... vueberf Montan........ TelluS Bergbau Samburg-Amertka Paket. . . Norddeutscher Llovd ..... Sleramische Werke Albin .. Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Tont.-Guano Badische Anilin........ Chemische Mayer Alaptn. . . Goldschmidt.......... GricShcimcr Electron .... Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung........ MütgerSwerke Cchcidcanstalt......... Allg. ElektrijitatL-Gesellschaft Bergmann........... Mamkraflwerke........ Schuckcrt............ Siemens * Halske ...... Adlcrwerke Kleher ..... Daimler Motoren. ...... Heyligcnstaedt......... Meguin...... frankfurter Armaturen ... Konservenfabrik Braun . . . Mktollgcscllsck>ast Frankfurt. Cchubfabrik Herz Sichel.............. Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel ... (In Billionen Mark auSgedrückt. BuenoS-LkreS, London, Neu« bork, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest fär 100000 Em heilen, alles übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 13,25 i 2.1 4,8 6 3,2 2,45 । alisativnsneigung vor ben Pstngst^iertagen. Die Regierungserklärung würbe bei oiefer allgemeinen Flucht auS ben Effektenengagements kaum beobachtet oder irgenbtoie besprochen. Während des ganzen Geschäftsverkehrs hörte man nur Schweizer Noten........ . Französische Noten Dänische Noten.......... Schwedische Noten........ Holländische Noten........ Deutsch-Oesterreich, ä 100 Kronen Amerikanische Noten....... Englische Noten.......... Italienische Noten......... Belgische Noten.......... Ungarische Noten......... Tschechoslowakische Noten Norwegische Noten........ Rumänische Noten......... Spanische Noten.......... Briek 73,68 21,00 70,58 111,03 156,64 6,87 4,21 18,10 18,18 18,25 ’ 4,11 12,26 56,39 Nepark. °/o voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll 5n Billionen Prozent Frankfurt a M Berlin Sd)lu(j» fiure Schlm.» fiu-e Schluß- Jur» Schluß- ,068 0,068 0,0-85 4% Deutsche ReichSanlcihe - 0 37- 0,3t 0 0,170 — 3’/»% Dciikschc R.ich anlcihe 3%, Deutsche Reichs inlcihe . Deutsche Svarpräinicnanleihc 4% Preußische KonsolS . . . 4° o Hessen........... 0, 70 0,17o 0,18. 0,185 0.630 0,600 0,690 0,675 0,90 0,190 0,190 0,170 0,200 37»% Hessen.......... — —- — — 3°/0 Hessen........... — — —— —— Deutsche Wert''. Dollar-Anl. 4,? 4,? 4,2 4,2 dto.Toll. - 12,216 12,22 12,28 voll voll Budapest. , & Ä 4,61 4,59 4,61 voll voll Buen^Anel 1,355 3,01 1,675 1345 1,355 3,01 1,675 voll voll Bulgarien. Japan .. . 1,665 voll voll voll voll Li io ve Jan. 0,415 0,425 0,423 1.435 voll voll Belgrad . 5,04 6,06 5,04 6,06 voll voll Lissabon - 11.97 12,03 11,97 12,03 voll voll Briefkurse, und da sich nur ganz vereinzelt Käufer einstellten, ft> muhten die Kurse auf fast allen Gebieten nach und nach immer weiter nachgeden. 3m weiteren Verlauf steigerte sich das Angebot namentlich aus industriellen Kreisen immer meyr, woraus man schließen kann, daß die Geldknappheit im Wirtschaftsleben nachgerade einen Höhepunkt erreicht hat, der unmittelbar zum Verhängnis führen muß, wenn nicht unverzüglich seitens der Regierung energische Schritte erg iffen werden, um in Gemeinschaft mit ben Al.iiei.ten ben Dawesplan feiner Te.wirklichung cntg genzufüh- rren. Die Kurseinbuhen waren sch.ie>stich ganz enorm unb betrugen, obwohl schon bie ganze Woche Tag für Tag Verluste h ngenommen w.r- ben mußten, bis zu 6 Bill o.ien Prozent bei ben schweren Papieren, sonst aber durchschnittlich 10 Prozent des tatsächlich:.' Wer.es Eine Ausnahme macht mir Lubw g Ganz A.-G., bie etwas au।b-len konnte, nachdem bie finaivizller Schwierigkeiten b. heben sind. Das gleiche Bild bot bei freie Verkehr. Api 23/i, Beck.r-Stahl 23A. Becker-Kohle 43/1, Drown Bowwy 1, Krügershall 27/b. Petroleum 10 (Brief). Auf dem Devisenmarkt bleibt jetzt das Angebot ftäniii größer. Auch heute waren insgesamt 2000 engli che Pfund mehr angeboten. Dabei ist aber der Umsatz ganz gewaltig gefallen unb beträgt heute nur noch 38 000 englische Pfunb. Paris ist erneut schwach gegen London: 89. Märkte. Berliner Produktenbörse. Berlin, 5. Juni. (Wolff.) Sehr unbefriedigender Mehlabsah ließ es auch heute am Produktenmarkte zu keiner Besserung ber Geschäftslage kommen. Gegen weiteren Rückgang hat aber die unertoartele Abwärtsbewegung ber amerikanischen Getreideerminmärkte einigermaßen eine Stühe. Für Auslandsgetreide zeigte sich einiges Interesse, bas auch für Mais durch Rückkäufe von argentinischer Seite eine Anregung erfuhr. Gerste blieb still. Der Preisstand des Hafers änderte sich nicht, andere Artikel waren lustlos. Cs notierten je 1000 Kg.: Weizen, mark., 149 bis 152 (stetig). Roggen, mark., 123 bis 134 (stetig), Sommergerste, Braugerste, 152 bis 156 (ruhig),Wintergerste, Futtergerste, 145 bis 150 (ruhig), Hafer, märf., 126 bis 133 (stetig), Raps 250 (stetig), Leinsaat 380 (stetig); für je 100 Kg.: Weizenmehl 21.50 bis 24 (stetig), Roggenmehl 19 bis 21.25 (stetig). Weizenkleie 9.00 bis 9.20, Roggenkleie 8.40 bis 8.50, Viktoriaerbsen 10 bis 20, kleine Erbsen 14 bis 15, Futtererbsen 12 bis 13, Peluschken 10.50 bis 11, Ackerbohnen 13 bis 14, Wicken 10.50 bis 12, Lupinen, blau, 9.50 bis 10, Seradella, alt, 13 bis 13.50, Seradella, neu, 11 bis 13, Rapskuchen 9 bis 9.20, Leinkuchen 17, Trockenschnitzel 6.60. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 5. Juni. Getreide ohne Sack, Weizenmehl, Roggenmehl unb Kleie mit Sack. Es notierten je 100 Kilo: Weizen, Wetterauer 16,25 bis 16.50, Roggen, inlänb. 14,75 bis 15 Sommergerste für Drauswecke 16 50 bis 16,75, Hafer, inlänb. 14 75 bis 15,25, Weizenmehl, südd. Spezial 26,25 bis 28, Roggenmehl 22.5 bis 3. Weizen- unb Roggenkleie 88,80 bis 9,50 Mart. Tendenz: ruhig. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Aus dem Reichstag. Berlin, 5. Juni. (Priv.-Tel.) Im Reichstag hat der Abg. K o r e l l bie Reichsregierung um Auskunft ersucht, ob sie eine raschere und gerechtere Entschädigung ber Bevölkerung des besetzten Gebietes für in Verlust geratene oder requirierte Güter herbeiführen unb bie Doppelbesteuerung z. B. für Lastkraftwagen uni Tabakwaren beseitigen will. Den Gemeinden soll Ersah für die Gemeindesteuern geleistet werden, welche ihnen infolge der Stillegung von Reichsbetrieben entgehen. Den Städten soll Ersatz für bie beschlagnahmten Schulgebäube, ebenso wie dem Lande für requirierte öffentliche Gebäude geleistet werden. Ein weiterer Antrag verlangt, daß die ausgewiesenen und abgebauten Beamten, welche infolge ber Teföroeru 'gssperre und bes Fehlens der Personalakten nicht befördert werben konnten, nach ber Maßgabe des Etats für 1923 nachträglich befördert werden sollen. Der Mainzer Komrmmistcnprozeß. Mainz, 5. Juni. (WB.) Im Kommunist en-Prozeß vor dem französischen Kriegsgericht in Mainz konnte am Vormittag wesentlich Reues nicht vorgebracht werben, ba bie Angeklagten, wie am Tage vorher, jegliche Aussage verweigerten. Außer 3 Offizieren wurden noch bie Mainzer Rechtsanwälte ßullmann und Reumann zu Offizialverteidigern bestimmt. Es wurde festgestellt, daß mehrere ber Angeklagten aus dem Ruhrgebiet in den dortigen Städten antisemitische Flugblätter verbreitet, sowie sich in Kasernen eingeschmuggelt hatten. Andere hatten sich desselben Vergehens in den mit Militär belegten Orten des Rheingaues schuldig gemacht. Um lOVs Uhr war die Vernehmung der Angeklagten beendet, unb es würbe zum Verhör der Zeugen geschritten. Aus diesem ergab sich, bah burch bie beutsche Polizei bie Spur auf die kommunistischen Umtriebe gelenkt wurde. Bei einer Haussuchung in Bochum wurde außer Schußwaffen und Munition eine Masse Flugblätter in deutscher, französischer unb arabischer Sprache gefunden. Mehrere Soldaten und f ranzösi che Krimi- nalkommissare aus Mainz und Wiesbaden machten Aussagen über bie kommunistische Agitation in Hessen und Hessen-Rassau. Um 6 Uhr abenbs wurde bie Verhandlung vertagt. Keine amerikanische Lebensmittelanleihe. Washington, 5. Juni. (Wolff.) Der amerikanische Senat hat den Vorschlag auf Bewilligung einer Anleihe an Deutschland in Höhe von 25 Millionen Dollar zum Anlauf von Lebensrnitteln abgelehnt. Die Vantiger. Roman von Hermann Stegemann. 21 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Sie standen am Kamin der Dorhalle. Sie Schritte der letzten Gäste verhallten auf den Fliesen. Nach einer Weile sagte der Baumeister mit gepreßter Stimme: „Wissen Sie, dah meine Tochter stärker ist als Sie?" Die seltsame Frage brachte den Freier um seine ganze Sicherheit. „Wie meinen Sie daL?" stammelte er, und eine dunkle Röte stieg in sein schmerzlich gespanntes Gesicht. Mer der Baumeister antlvvrtete nicht auf diese Fruge. Er stand und blickte wie geistesabwesend über Giovanni weg ins Leere. An den Schläfen traten die Zackenadern stärker hervor, und im Bart kantete sich das Kinn steiler und knochiger als sonst. Da schlug eine neue Flamme in Pometta empor. Ein Rausch wor's, und ungestüm rief er, alle- andere vergessend, mit mühsam gedämpfter Stimme: „Ich gehe zu ihr!" Gottfried Dantiger fuhr auf. Seine Hand fiel schwer auf die Schulter des jungen Mannes, der schon im Schuh zur Treppe war. „Wenn Nord und Süd sich im Stollen die Hände reichen, kannst du die Ens fragen, ob sie sich herschenken will. Vorher nicht!" Darauf wandte sich der Baumeister und stieg schwerfällig die Treppe empor. Er hatte die '.IDorte !v laut gesprochen, oay sie noch unter der Wölbung nachhallten, als Pometta die Gestalt des Baumeisters schon im Halbdunkel deS Stiegenhauses verschwinden sah. Am anderen Morgen fuhr Gottfried Bamiger in 'Begleitung seines Sohnes, seiner Tochter und Bvonnens auf der neuen Strafte nach Wolfenziel, um die Arbeiten jm Noedstollen zu besichtigen. Ser schwere Wagen erstieg den Wolfenberg ohne Mühe. Es war ein sonnenloser, wie mit Silber ausgefchlagener Herbsttag. Dieh zog über die kargen Weiden, urrd eine Herde Schafe, die auf dem Sattel nach Eibenmoos hinüberwechselte, stob vor dem Automobil in panischem Schrecken auseinander. Agnes saft neben Lenz am Steuer. Sie wich dem Daker seit einigen Tagen aus und hatte ihn mit Bvonne einsteigen lassen, um sich dann rasch neben Lenz zu schwingen. „Das ist das Gibenmoos, nun sind wir seiner Drohung entronnen, und Pometta rechnet darauf, schon morgen auf das harte Gestein zu stoßen, das sich bis Wolfenziel hinunterzieht. Dort arbeiten sie im roten Sandstein und brechen gleich die ganze lichte Weite aus," erklärt Lorenz voll Eifer, während der Wagen rüttelnd stand, bis die Schafe sich verlaufen hatten. Ens blickte über das schweigende Moor, das schon bräunliche und violette Farben trug. An den Hängen und im Geröll blühte das Heidekraut, und über dem Eibenwald kreisten die Habichte. Die Tochter des Baumeisters nahm das Landschaftsbild nicht in sich auf. Ihr Wesen war von einer heiften Unruhe erfüllt, die sie innerlich ganz beherrschte und sich nur mühsam verbergen lieft. Jedesmal, wenn Pomettas Name fiel — und Qyr schien, als fiele er leben Augenblick — hob sich die Welle ihres Blutes und übergvft ihr Gesicht mit fliegender Röte. Sie länrpfte dagegen an, war zornig auf sich selbst, auf Lorenz, auf ihren Vater und auf den, dessen Name sie helft und unruhig machte, aber das Blut war stärker als der Wille und lieh sich nicht bannen. Sie fuhren weiter. 3n rascher Fahrt nahm der Wagen die gro- heir Kehren, die nach Wolfenziel hinabführten. Die feinen Schneeberggipfel sanken unter den Horizont, die Porphyrlegel der Einzelberge, dre sich am Ende der weiträumigen Talsenke behauptet hatten, wuchsen beherrschend in die Höhe, und die Rauchfahnen junger Zndustrieorte hingen schwer in der unbewegten Luft. Als der Wagen in die letzte Kehre bog, tauchten Dächer und Türme Wolfenziels aus der Talscharte, über der die Hochfluh ihre steile Wand aufbaute. „Halt an, Lenz!" rief Dantiger und beugte sich vor. Lenz brachte den Wagen langsam zum Stehen. Da erhob sich der 'Baumeister i. d deutete in die Tiefe. „Schaut hin, dort wachsen unsere Kunststeinfabriken und die großen Keramikwerte aus dem Boden. Da drüben, jenseits der Schussach, die zwei Meter tief und vier Meter breit unter der Hochfluh hervorquillt, als brauchten die Flüsse keinen Quellauf mehr, hat Gebhard Roll alles aufgekauft, um die Neustadt aufzunehmen, und hier, dicht am Hang, ist der Bahnhof abgesteckt." Er stand aufrecht, und sein Gesicht war bläh und gespannt vor Erregung. „Lind was ist das dort?" fragte Vvonne und wies auf ein breites, blutrot glänzendes Mal, das sich tief tn Die graugrüne, von dünNtzn Wall» streifen umgürtete Wand der Hochfluh gefressen hatte. „Das — Dantiger lachte Triumph — „daS sind .die groben Porphhrbrüche. Hört ihr daS donnernde Geräusch, mit dem die Gesteins krümmer, die beim Sprengen dem Meihel verloren gehen, die Holzkänel hinabschieften? Seht ihr die großen Steinbrechmaschinen dort unten am Fluh? Eine Zementstaubwolke zieht über sie hin. Llnd dort hinten, wo der Wald niedergeschlagen ist, dort laufen die Schienen und die Seile der Drahtseilbahn, die die stolzen Dlöcke zu Tal fördert. Latzt mich nur den Tuirnel fertig bauen, und all das wird auf einen Schlag frei und groß und walzt sich lebendig weiter!" Mit schwer arbeitender Drust stand er im Wagen zwischen Öen Seinen und weidete sich an seinem Werk. „Es sieht aus, als blutete der Derg!" Wie von einem großen Mitleid eingegeben, kamen die Worte über Ensens Lippen. Gottfried Dantiger fuhr zusammen. Dann lachte er wild auf. „Latz den Derg! Er gibt her, was er Hal Qab den Jörg am Ragnefjord von solchen Dingen träumen! Wir sind von anderem Schlag. Der Derg dient mir. Mehr verlang ich nicht von ihm. Llnd nun fahr zu, Lenz! Sie warten auf mich!" Der Baumeister sank schwer in die Kissen, und der Wagen stürmte die letzten Kehren hinunter nach Wvlfenziel. (Fortsetzung folgt)- Stände HERSTELLER. K RAE MER £ FLAM MER HEILBMNM 0*0784 Vor dem Fest 99 4706D Lt. 0.70 511111111111111111111111111111111111111111110111111111111111111111111111111110111111111111111111111111111111^ Drucksachen allerAtt ftattung stilrein rmd preiswert ftahung stilrein und preiswert die vrühl'sche UnioerMäts-Vruckcrei, 8. Lange. Gießen. Schulstr. 7. | 1922er Rotwein per Vt lose 1.80 E = Gebe die letzten Vögel SU 1,50 ML ab 0,0766 KroIdorIerStr.42111. zu vergeben. Bewerber wollen sich schriftlich oder mündlich melden bei dem Vorstand des Turnvereins „Gut Heil", Großen - Buseck. Korbmöbel Sessel, Weide, weiß . . von Goldmark 8. - an Sessel, Weide, braun mit Polster . Gmk. 8.50 Garnitur, Weide, braun m. Polster Gmk. 47.— fleh. Wisch Liebigstr. 71. Tel. 1685. Ferner; Blumenkrippen Flurgarderoben Einzelmöbel auf Teilzahlung Hausrat Gemeinnützige Möbelversorgung für das Rhein-, Main- und Lahngebiet, G. m. b. fi. 4606c Versicherungs - Fachmann bietet sich durch Uebernahme einer Böittimtettto um. 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Stiftungs - Turnfest sind noch die Plätze für Karussell, Lustschaukel, Schießbude und sonstige Westdeutscher Spielverband E. B. Sportplatz Trieb. Pfingstsamstag, 7. Juni: Liga-Spiel «M.«. Fürth (Süddeutsche Liga) ^egen D.f.B. Gießen (Liga). Anfang 7 Uhr nachm. Zweiter Pfingstfeiertag, 9. Juni: Sportverein Viktoria 1912 Frankfurt (“”feSe,*± gegen V.f. B. Gießen (Liga). Anfang 472 Uhr nachm. Samstag abend gemütliches Zusammensein mit den Fürther Gästen in den oberen Räumen des Cafe Astoria. Verein für Bewegungsspiele. Auch diese Woche kommt wieder prima Gefrierfleisch zum Verkauf bei: Metzgermeister Aulmann, Markts^. Böß, Kaiserallee Blum, Liebigstratze Kühn, Marktstrahe Müller, Bahnhosstr, E. L. Sack, Walltorstr. Gust. Sack, Seltersw. Es liegt In Ihrem Interesse wenn Sie bei allen verkommenden Erd-, SVSaurer- u. Betonarbeiten oder Reparaturen für Hoch- and Tiefbau, sowie bei allen geplanten S Meu- und Umbauten unsere unverbindlich. Kostaavoransohläge einholen. 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