Dienstag, 4. November
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Der Wahlkampf
Abschluß des demokratischen Parteitages
Eine politische Rede des
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Amerika vor den Wahlen
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Die Kosten der Reichssteuerverwaltung.
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Am Vorabend der Wahlen
Der außerordentliche demokratische Parteitag hat gestern mit einer Rede des Pai-teivoriizen e.l Koch seinen Abschluß gefunden Wern mm be- denkt, daß sie den Auftakt zu dem kommenden Wahlkampfe bildet, kann man, abgesehen von dem zur Schau getragenen Optimismus über den Ausgang der Wahlen kaum etwas finden, was eine zugkräftige Parole abgeben könnte, auf die
Berlin, t.
Der sozialdemokratische Partervor- sl a n d hat gestern gemeinsam mit Vertretern der sächsischen Bezirksvorstände beschlossen, ter sächsischen Landtagsfraktion zu empfehlen, den Antrag auf Auflösung des Landtags erst zu stellen und von anderer Seite gestellten Anträgen auf Auflösung erst zuzustimmen, nachdem die Dresdner Vereinbarungen über die Aufstellung der Land- tagslandidaten d.irchg führt sind und dadurch die Sicherheit für einen einheitlichen und geschlossenen L a n d t a g s w a h l-
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ed besetzten Gebiets, die Rückgabe der Eisenbahn, die Herrschaft über die Zollgrenze, die Amnestie der Ausgew.e- senen und die Befreiung der Gefan enrn erreicht. Der Separatismus und andere >rach Auflösung des Reichs strebende Bewegungen sind wie'.er verschwunden. Für alle, die am Da wes-Gutachten mitgearbeitet haben, war es ein schwieriger und harter Weg, nach London zu gehen. Aber trotzdem hieß es, die Zähne zusammen- beißen und mit lächelndem Gesicht mit unsere.^ Gegnern verhandeln, um für unser Volk etwas zu erreichen. Wir haben uns für vier Fahre eine gewisse Freiheit erkämpft und ein Resultat erzielt, das wir glauben erfüllen zu können. Die demokratische Politik hat uns gesundes Geld und wirtschaftliche Bewegungsfreiheit gebracht.
Dr. Gehlers endgültige Absage.
Berlin, 3. Aov. (WTD.) Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, hat sich der Reichswehrmini st er, der bisher die fünfte Stelle auf der demokratischen Reichswahlliste ein- nahm. endgültig dahin entschieden, keinerlei Kandidatur weder für die Reichsliste noch für die Kreiswahlliste anzunehmen.
Der Einheitsstimmzettel.
Berlin. 3. Aov. (WTD.) Der Reichsrat hat die Vorlage des Reichsministers des Innern angenommen, wonach die Kreiswahlvor- schlage der Parteien, die bisher bereits im Reichstag vertreten waren, einheitlich in allen Wahlkreisen auf einem E i n he i t s st i m m- zettel die gleiche Aummer tragen sollen. Die Aummernfolge richtet sich nach der Aummernfolge der R e i ch s w a h l v 0 r s ch l ä g e. die sich wiederum danach richte, in welcher Stärke die Parteien Abgeordnete in den letzten Re.chs-
B e r l i n , 3. Aov. (Priv Tel.) Wie uns von gutinformierter Seite mit geteilt wird, haben die Länder gegenüber der Absicht der ReichSregie- rung die geplanten, letzthin in der Presse bekannt gegebenen Steuersenkungen im Wege der Aot- Verordnung auf Grund des Art. 48 der ‘TJei- fastung durchzuführen, Einspruch erhob.n Die in Aussicht genonnnenen S'euerermäßigunqen w .- den mit wirtschastspolitischen Rücksichten de.- Aot- läge gewisser Wirtschaft streife und der Aotwen- digkeit einer Preisse.cku ig begründet. Die Länder machen dagegen geltend, daß es zweifelhaft erscheint, ob 'durch Etcurileakungen de: Zweck
Partei werden die Demokraten keine Zugkraft mehr ausüben körrnen, nachdem die Ma senaus- tritte aus der Partei ein weithin sichtbares Zeichen dafür abgegeben haben, daß die Schuld an der Auflösung nicht die Deutsche Vollspur.ei, sondern eben doch die Demokraten trifft, die sich Über kleinliche Parteidogmen nicht erheben konnten. Sie haben sich durch ihr Vrrhal c 1 während der langen Regierungskan e selbst in eine Ver- teidigunasstellung hineinmanöveriert. a is der heraus ein mutiger Vorstoß zur plnmi.glichk.it wird und die ihve ganzen Agitationskräfte mf- zehren muh Darüber können auch dir Fahneii- pavaden nicht hiirwegtäuschen, die lediglich den Wahlkampf auf ein ganz falsches Geleis zu schieben vermögen und die Demokraten in eine immer größere Abhängigkeit von den Sozialdemokraten bringen.
Man kann auch nicht behaupten, daß die Demokraten liberale Politik treiben, wie es Reichsminister a. D. Koch in feiner Rede hinzustellen versucht, und wie es auch die Entschließung des Parteitages behauptet. Die Demokraten betreiben eben keine Cinigungspolitik, keine Politik der Dolksge FNnschaft, wenn sie eine große Partei, die sich zu den Grundsätzen der Mitte bekannt hat, von der- Teilnahme der Regierungs- Verantwortung ausschließen wollen. Dadurch wird der Klassenhaß nicht überwunden, sondern im Gegenteil neu geschürt. Darüber, daß auf dem Parteitag, wie von einzelnen Rednern hervorgehoben wurde, die völligste Einigkeit herrschte, braucht man sich eigentlich nicht zu Wundern, da ja die Opposition bereits vor dem Parteitag die Äonfeg uen^en gezogen und der Partei den Rücken gekehrt hat. Aus welchen Reihen die Demokraten die Lücken schließen wollen, die der Austritt der Abgeordneten und ihres sicher nicht unbedeutenden Anhanges in b e demokratischen Reihen reißt, bleibt das Geheimnis der zurückgebliebenen Optimisten. Die Sozialdemokraten. die allein noch in Betracht kämen, werden ihnen sicher nicht den Gefallen tun.
Die demokratische Partei in Hessen.
Frankfurt, 3. Aov. (Priv.-Tel.) Der Vandesausfchuß der Demokratischen Partei Hessens hielt hier eine stark besuchte Sitzung ab. Aach einem Referat dcs Abg. Pfarrer K 0 r e l l wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: _
Der Landesausschuß der Deutschen Demokra- ttschen Partei in Hessen beglückwünscht di: deutsch- demokratische Reichstagsfraktion zu ihrer klaren und zielbewußten Haltung in der Frage der Regierungsbildung. Er hat das Derttauen zur Parteileitung, daß sie der Deutschen Demokra- ttschen Partei durch ihre feste und zielklare Haltung den Weg für eine einwandfreie Demo Fra- tische und wahrhaft nationale, d. h. volkseini- gende Politik frei halten und der Partei nebeni der inneren Festigung den äußeren Auffg^vung bringen wird, der zur erfolgreichen Fortführung der Politik der Mitte nötig ist.
Der Landesausschuß spricht Herrn Abgeordneten Pfarrer Korell sein unerschütterliches Vertrauen aus und dankt ihm besonders prr fern erfolgreiches Wirken im Interesse des besetzten Gebietes und des rheinischen Wernbaues.
Als Spitzenkandidat für den Reichstag wurde wieder Pfarrer Korell aufgestellt.
Der Weg zum Londoner Abkommen.
Dr. Schacht über die Politik des letzten Jahres.
Dessau. 4. Aov. (TU ) Reichsbankpräsident Dr. Schacht sprach auf Einladung Der Demokratischen Partei im großen Saale Des Kristallpalastes über das Thema: ..Die letzten 12 Monate demokratische Politik." Er führte etwa folgendes aus: Am 11. Januar 1923 erfolgte Der Ruhreinbruch mit seinen furchtbaren Reben erscheinungen. Der passive Widerstand hat wemg Erfolg gchabt. 3m Ruhrkampf ist unser Gelb zugrunde gegangen Aach dreiviertellahr- lichem, vergeblichem Kampfe erkannten Die Deutschen leiDer erst, daß man sich wieder mit unseren Bedrückern zu sa mm e n s e tz e n müsse um die Inflation aufzuhalten. Drei 'große Probleme sind das Ergebnis Der Politik Der letzten 12 Monate:
1 Die Herbeiführung eines Ausgleichs im Reichshaushalt.
2. Die Währungsreform.
3 Das Bestreben, Die ausländischen Machte fm Wege Der Verhandlungen zu zwingen auf emen vernünftigen Boden gegenseitiger Aussprache zurückzukehrea.
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Die Steuermilderungen.
Berlin, 4. Rod. (Sil.) Der gestrigen Ka. bincttsberatung lagen bestimmte Dorfchläbe bed Reichöfinanzministers Dr. Luthcr über die A b» änderung einzelner Steuerbestim- m u n g e n zugrunde, die vom Kabinett gebilligt wurden. Es handelt sich, wie der „Lokalanzeiger" hört, im wesentlichen darum, daß die sozialen Bestimmungen der Einkommen st euer geändert werden sollen, indem das Exi st enzminimum höher gesetzt wird. Weiter enthalten die Vorschläge deS ReichssinanzministerS eine Herabsehungder Am sah st euer auf l*/2 Prozent. Auch die Dörsenumfahsteuer wird herabgesetzt. Außerdem ist von den vom Kabinett gebilligten Vorschlägen eine Milderung der Bestimmungen über die DorauSzahlungen bei derEin- kommensteuer und der Körperschaft S- st c u e r beabsichtigt. Die Beschlüsse deö Kabinetts werden heute den Gegenstand der Beratungen in den Ausschüssen deS Reichsrats bilden.
Die Länder gegen die Steuers-rnkung.
Am Mittwoch fällt Die Entscheidung über den kommenden amerikaniiche.i Präsidenten. linier de 1 Wirka gen De: englischen Wahlen habm sich n'.ch aller Aaßrichlen, die aus Aeuyork h:rüb^rkom r.en, Di? A .ssichten des Präsidenten Eoolidge ween'lich gebessert Lafollette h-tt cn Dvdei verloren, nicht zuletzt deshalb auch, weil ein Riß in den amerikanischen Gewerkschaften emge- treten ist, die zum Teil zu den demokratischen Äanbibaten herüberaegangen sind und so eine weitere Zersplitterung der Stimmen herb:ifähren. Die Wah sch i ilichk?'.t spr ch' also dafür, daß cs CoolidZ- gelingt, d.e Hä.s e Der Wahlmännerstimmen aus sich zu re e.ni ven, allerdings muß man in Der Ein ch hung Der Chancen insofern etwas vors.chßg fen. als alle untere Aachrichten Zwecknachrichten fi: D und Die wirllicke Vollsrn.'inu .g sich schwer vor- ausberechnen läßt.
Gelingt es Eoolidge nicht, die Mehrheit zu bekommen, dann werden Die Amerikaner das Vergnügen einer dreieckigen W ahl unter Umständen bis zum Ende auskosten. Denn dann wirD sich am 12. Januar — Dem Sage, an Dem die Wahlmänner zusammentreten — für keinen Der Drei Kandidaten eine Mehrheit ergeben, verfassungsmäßig muß Dann — das amerikanische Wahl- system stammt schon aus dem Jahre 178? — Die Wahl des Präsidenten durch das R e p r ä s e n - tantenhanse folgen. Hi?r w.rd nachStaa- ten abgestimmt uird jeder Staat hat dabei nur eine Stimme. Die Amerikaner sind sich aber ziemlich klar Darüber, daß ach im Repräsentantenhaus eine absolute Mehrchnt nicht zu erreichen ist. Indessen, selbst diese Mözlich'eit hat die Verfassung vorgesehen, Dann g hl Di? C".t ch?iduag auf Den Senat über, und zwar übernimmt der Vorsitzende des Senats Die Präsidentschaft. Wer aber Vorsitzender des Senats wird, ist ebenfalls noch ein ungelöstes Rätsel. Denn gleichzeitig mit Der -Dabl des Präsidenten wird auch ein Drittel des Senats erneuert, und es ist zum mindesten sehr wahrschstnlich daß dabei die Lafol- lette-Partei einen Teil Der Sitze in d.e Hand bekommt, vermutlich gerade genua um im Senat eine Mehiheitsbildung zu verhindern.
Sollte das nicht der Fall fein. Dann toürDe Der Staatssekretär des Aeußern Die Geschäfte des Präsidenten provisorisch übernehmen und hätte die Wahlen neu auszuschreiben. Das Mftt Der qamc Apparat mit Der Einberufung Cr Parteikonvente und Der Aufstellung neuer Kandidaten, wcrs diesmal den Demokraten erst im 103. Wahlgang gelang, wäre noch einmal
Berlin, 4. Aov. (SU.) 3m Wahllreiö- verband Beilin hat die Deutsche Dollspartei folgende Kandidaten oufgefttiü: Landrat a D. von ----- - - .. -
Aardorff, P a.rer Dr Luther, Fabrikant ter Preissenkung erreich'. irer:e 1 kann, Ire m mch' Schwarz - Steglitz und Frau Mer ges. gleichzeitig a n dere W ir t s cha s t s ma ßna ch-
—.. „ 13 j.cxc„i. a*« men in derselben Richtung wirksam
Die Krrfts der jcrchslschen werden. Mindestens von gleicher Be)eutung sei
Sozialdemokratie. die Frage des ^sgleichs der öffent-
, „ lichen Haushalte, ba dies Die erste Bor
4. Aov. (Prlv.-Sel. des WTD.) au^unfl für Die Gesunderhaltung der Währung und Damit auch der Wirtschaft selbst fd. Di? beabsichtigten Ermäßigungen vor allem bei Der ReichScinkommen- und Körperschaftssteuer wie auch bei der Umsatzsteuer würden sowohl im S-aat wie in Den Gemeinden ganz erhebliche Einnahmeausfälle zur Folge hr»ben.
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GießenerFamllienblätt« Heimat im Bild.
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ie süddeutschen Staaten — nicht unbeträdit- schiedensten Vermutungen über Den Ausgang Der lich ist.
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tok vor Der englischen Wahl beansprucht jede (Ein französischer Gewaltstreich. Srt E° kn H,TÄÄne; toeneral von Nachusius nad, ti.de jedoch auch diese Annahme ist anzweifelbar., da verschleppt.
L afvl le t tes AnhängTrschar bei weitem größer Paris, 4. Aov. fSil.) Wie gestern schon ist, als allgemein vorausgesetzt wird. Wenn sich Teil der Auflage kurz gemeldet, ist
auch das republikanische Wahlprogramm nicht (j^n€ra[ von Aa thu' ius. der anläßlich
w:sen'.l ch von d m der Demokrctten unterscheidet, Qntcrbeiltgenfefled nach F 0 rbach zum Be-
so ist Doch die demokratische Partei im . . ^s Grabes seines dort beizrsetzten Sohnes Laufe der letzten Jahre zu unbeliebt ge- gekommen ist, von der französischen Geworden, um ihren Kandidaten D a v i s durch- Heimpolizei verhaftet und nach Lille zubrrngen Jede Partei hat eine ^eiDe von gebracht, wo er nach dem Kriege wegen Ent- Staaten für sich zu sichern gewußt. Zweifel- Sendung von Möbeln in Abwesenyett zu 5 Mo- Haft bleibt Die Stellungnahme Don m e h r a l e nat€n Z-esängnis verurteilt worden war. Der Der Hälfte Der Staaten. Aicht ohne Ein- (penecai fam nach Forbach auf ®runD einer Der- fluß werden Die Summen Der Deut, ch- Drt>nung Regierung von El'aß-Lothrrngen. amerikanischen Wah l er scha ft Jem Die Derschen Die Erlaubnis erteilt hat. gegen
sich anscheinend noch nich. endgültig entschlossen Vorzeigung ihrer Identitätskart? oder
haben. Wie unbestimmt die Lage ist, ersieht man Passes nach Elsaß-Lothringen zu kommen,
aus Den st an d i g wechselnden Verhältnis um fcort beigesehten Familie mnitgli^er zu zahlen Der abgeschlossenen W t t e rrEs ist nicht suchen. Der General hatte feinen Paß noch ausgeschlossen, daß sich bei den Wahlen keine besondere Erlaubnis nach Forboch erhalten, absolute Mehrheit ergeben wird, so daß Die 1 cn'gDPigc Ewscheidung dem Kongreß überlasten bli be Da im Kongreß Die Stimmen Der Republikaner und Demokraten gleich stark sinD, dürfte auch hier das Endergebnis von der Wäh- lerschatt Lafolletes abhängen. Die unklaren Aussichten haben Die Spannuna der Wählerschaft aufs äußerste gesteigert, insbesondere, da jedermann sich den Sieg davongetvagm, ein Siez, ber ge.aje in deutschen Augen wenig ehrenvoll ist, weil er zumeist mit französischen und japanischen Waffen durchgeführt wurde und das Ansehen Chinas auf das Schwerste erschütterte. Er kann sich wohl rühmen, seinen Gegner Wu-pei-fu auf 'die Knie gezwungen zu Haven, aber auch hier spielten Verrat und Treulosigkeit eine große Rolle. Peking ist heute in der Hand der Aufständischen, der Präsident Tsao- kun hat sein Amt unter dem Druck des Siegers niedergelegt, das alte Regime ist gestürzt, zwischen Siegern und Besiegten wird bereits über den Frieden verhandelt. Ob das Ziel, die n a t i o- nale Ein igung Chinas, die zu diesem Bürgerkrieg mit feinen ungeheuren Blutopfern führte, durch den Sieger erreicht werden wird, muß abgewartet werden, schon deswegen, well er selbst mit den Feinden Chinas ein Dü nd- n i s einging, um die alte Regierung zu stürzen. Die Einigung Chinas besteht aber darin, daß der Rorden und der Süden wieder zusammengeführt werden. Tschang-Tso-Lin ist bis jetzt nur erst Herrscher im Rorden Chinas, will er auch den Süden, in seine Gewalt bringen, dann wird es neue Kämpfe kosten.
Aus aller Welt.
Die Cinheitskurzschrift.
Der Stenographenbund Gabelsberger hat am Sonntag in Eisenach zu der neuen Einheitsstenographie Stellung genommen. Der Bund habe von jeher die Schaffung einer deutschen Einheitskurzschrift als Aufgabe der Regierung betrachtet und stelle sich infolgedessen auch heute hinter die Regierungen des Reiches und der Länder und empfehle seinen Veveinen, sich auf die deutsche Einheitskurzschrtst umzustellen.
Die Mordtat im Gefängnis.
Glogau, 3. Rov. (WTB.) Heber die Halbauer Mordaffäre ist noch zu berichten: Am Samstag gestand der einzige Insasse des Gefängnisses, Heinze, ein, die Sat ausgeführt zu haben. Der Inhaftierte hielt vor einiger Zeit bei dem Justizwachtmeister um die Hand seiner Tochter an, wurde aber abschlägig beschieden. Heinze ist der Sohn eines Spediteurs in Dunzlau. Aus den Kleidungsstücken des Täters wurden Dlutspuren gefunden; auch stimmten die Fingerabdrücke überein. Die Schwester des Heinze soll an der Sat beteiligt fein; sie wurde inzwischen in Dunzlau verhaftet. Der Täter w.rd wahrscheinlich morgen nach Glogau übergeflchrt.
Ein Konflikt bei der Wiener Staatsvper.
Wien, 4. Rov. (Sil.) Sämtliche Wiener Blätter beschäftigen sich eingehend mit dem Rücktritt des Direktors der Staatsoper, Dr. Richard Strauß, dessen Austritt nunmehr endgültig feststeht. Der andere Leiter der Staatsoper, Dr. Schalk, erklärte, dah es völlig unmöglich geworden sei, mit Dr. Strauß weiter zusammenzuarbeiten. Ein direkter Verkehr zwischen den beiden Herren hat in letzter Zeit überhaupt nicht mehr stattgefunden. — Der flnterrichtsminister, Dr. Schneider, erklärte, daß sein Ministerium Dr. Strauß sehr hoch schätze und sein Ausscheiden als einen schweren Verlust empfinden werde. Er würdigte auch den Verlust für die Oper, jedoch dürfe die Staatsoper auch nicht auf die bewährte Arbeitskraft des Dr. Schalk verzichten.
Schwere Zugentgleisung in England.
Liverpool, 3. Rov. (WB.) Der Blackpool - E x p r e ß z u g erlitt in der Räche von i'sackpool einen Unfall. Die Lokomotive entgleiste, fuhr in eine Wärterbude und drehte sich um ihre eigene Achse. Etwa 12 Personen wurden getötet und viele verletzt. Vier von den fünf r®Qi9cn stürzten um. Der letzte geriet in Brand. Mehrere Tote liegen noch unter den Trümmern.
Aus Stadr uns Land.
Gießen, den 4. Rovernber 1924.
Die Jagd im November.
Bei der allgemeinen Klage über Zurück- gehen des Wildslandes, namentlich was Rvt- und Rehwild betrifft, wird der Abschuß in Grenzen bleiben müssen. Eine ausgedehnte Hege und Pflege wird deshalb am Pla.^e fein, wenn nicht unsere Reviere in anbsehbarer Zeit gänzlich veröden sollen. Tie Jägdwochenschrift „St. Hubertus" in Cöthen-Anhalt ermahnt deshalb dringend zur Schonung.
Das Edelwild steht jetzt in den wärmsten- Dickungen. Die Geschlechter haben sich in der Weise getrennt, daß die Spießer und geringen Hirsch? sich zum Kahlwild halten, während die starken Hirsche in Rudeln stehen ober allein gehen. Die abgebrunsteten starten Hirsche werden in pfleglich behandelten Revieren nicht mehr geschossen, dagegen darf dort, wo zuviel Mutterwild vorhanden ist, durch Abschuß einzelner, namentlich geller Stücke ein gewisser Ausgleich im Ge- schlechtsverhiltnis bewirkt werden.
Sauen sind jetzt sehr feist. Sie werden auf Treibjagden oder Anstand erlegt. Die Reue muß benutzt werden, sie auszumachen. Solange noch nicht hoher Schnee liegt, finden sie im Walde an Eicheln und Duchenmast noch reiche Aesung.
Der R e h b o ck wirft ab und ist nur für den gerechten Jäger nicht mehr jagdbar. Die Rehe stehen jetzt in den tiefsten Dickungen des Waloes. Cs empfiehlt sich, einzelne Rev.erteile, besonders solche mit Salzlecken, niemals durchtreiben zu lassen. Das Wild ist für solche Freistätten sehr empfänglich.
Auergeslügel und Dirkwild haben im Allgemeinen Ruhe. Von letzterem können Hähne, wo sie zahlreich sind, gelegentlich auf Treibjagden geschossen werden.
Ter Balg des Fuchses ist jetzt gut. Bei Schnee und Mondschein lohnt die Ouderhutte vd r eine Heringsschleppe. Bei Frost steckt der Fuchs gern in Brüchen und Rohrhorsten, sonst liebt er recht warme, koautreiche Dickungen.
Ter Dachs zieht sich in feistem Zustande zum Winterschlafe in seinen Bau zurück und kann hier gegraben werden.
Ter Hase fitzt im freien Felde gerne auf altem Sturz, gut eingewachsenen Wintersaaten, Raps und Kämpen. Rach dem Laubfall im Wald rückt er vielfach zu Holze. Der Anstand .cm Saatfeldern und Kohläckern ist lohnend. Treibjagden beginnen.
Die Jagd auf Rebhühner ist so gut wie vorüber. Rur gelegentlich kommt man auf sie noch zu Schuß. Bei der fehlenden Deckung sind sie vor Raubzeug aller Art mit Flinte und Eisen zu schützen. Bei Sch.iee müssen sie mit Getreideabfällen gefüttert werden.
Der Abschuß von Fasanen ist im Gange. — Der Anstand auf Enten ist lohnend, bei Frost liegen sie auf offenen Bachstellen und qHeiligen Teichen, wo leicht an sie heranzukommen ist.
In Hessen ist, laut ministerieller Anordnung, die Schußzeit für weibliches Rehwild im laufenden Jahr auf die Zeit vom 1. bis 30. Ro- Vember beschränkt. Die Hegezeit für männliches Rehwild beginnt in diesem Jahr mit dem 1. Dezember.
Gießener Wochenmarktpreise
am 4. Rovernber (Händlerpreise).
Es kosteten das Pfund: Butter 200, Matte 35, Käse 75, Wirsing 7—8, Weißkraut 4—5, Rotkraut 8—10, gelbe Rüben 6—8, rote Rüben 10, Spinat 40, älnter-Kohlrabi 5, Grünkohl 15, Rosenkohl 50, Feldsalat 50, Zwiebeln 12—15, Meerrettich 35, Schwarzwurzeln 50, Kürbis 7, Kartoffeln 5, Aepfel 10—20, Birnen 8—12, junge Hahnen 90, Gänse 100, Rüsse 60—70; das Stück Eier 18, Blumenkohl 30—150, Endivien 5—20, Ober-Kohlrabi 8, Lauch 5—10, Rettich 8, Sellerie 10—30.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 63A iUjr: „Die Fledermaus" — Volkshochschule: Vorlesungen. (Siehe Anzeige.) — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Märtyrerin". — Hessische Bilderbühne: „Plastigramm".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der heutigen Aufführung der „Fledermaus" wirken vom Frankfurter Opernhaus mit Herr Gareis als Frosch und Frl. Liebermann als Rvsalinde. Anfang 63/i älhr pünktlich.
— Die Deutsche Dolkspartei hält am Donnerstag, 6. Rov., 8 älhr, im Gewerbehaus ihre diesjährige Hauptversammlung ab, in der Kassenbericht, Vorstands Wahl, Bericht der Stadtverordnetenfraktion zur Beratung stehen. (Siehe Anzeige.)
Wettervoraussage.
für Mittwoch.
3n höheren Lagen Nachtfrostgefahr, stellenweise Rebelbildung, tagsüber aufflärenb und milder, trocken, Winde später zurückdrehend.
Das üb<>r den nördlichen Ländern gelegene Ti sdruckgebiet z'eht w i er nach Osten ab und hat seinen Einfluß auf unsere Witterung gestern allmählich verloren. Wir beftnden uns jetzt im Gebiet hohen Druckes, so daß die inzwischen eingetretene Besserung im wesentlichen auch morgen noch anhält.
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** Das Hoch wasser der Lahn und der Wieseck ist infolge des Wetterumschlags' feit der letzten Rocht erheblich zurückgegangen. Hoffentlich bleibt uns das schöne trockene Wetter nun mal für längere Zeit trau.
** Das Vorkriegseigentum in Südafrika. Die Südafrikanische Jnterefsenoertre- tung macht letztmalig darauf aufmerksam, daß die Frist zur Geltendmachung von Ansprüchen am 31. Dezember abläuft. Wenn die Anträge noch rechtzeitig in Südafrika ein treffen sollen, muß die am 25. Rovernber von Deutschland abgehende Post benutzt werden. Da eine Fristverlängerung Don der Südafrikanischen älnion^regierung ab= gelernt ift, verfallen nicht rechtzeitig angemeldete 2lntpru^e. Einzureichen sind außer den südafrikanischen Wertpapieren auch die braunen Ablieferungsbescheinigungen des Reichsfinanzministe» riums. Snmer sind auch die Ansprüche auf Dor- trieggjoroerungen geltend zu machen, soweit dies nichts schon geschehen ist.
Wichtig für Amerika-Auswanderer. Dem amerikanischen General - Konsulat m Fcanksurt a. M., Schillerstraße 20, ist, wie es uns schreibt, bekannt geworden, daß eine gewisse
’-öanöe die Personen, die auSzuwanvern deavflch- tigern systematisch betrügt, indem sie diesen Leuten falsche Wartenummern, welche nicht von dem General-Konsulat ausgegeben wurden, verkauft. In Anbetracht dieses ilmstandes müssen alle Personen, die nach den Vereinigten Staaten auszuwandern beabsichtigen und vom Konsulat augg eg ebene Wartenummern besitzen, diese unter Beilage einer 10-Pfennig-Driefmarke dem Konsulat zur Einsicht zusenden. Gleichzeitig muß der Einsender seinen Ramen, seine Adresse und das Land seiner Geburt, sowie Ramen und Geburtsländer seiner Frau bzw. seiner Kinder, soweit diese mit ihm auswandern wollen, angeben. Dies muß vor dem 31. Dezember 1924 geschehen. Die Ramen solcher Personen, welche bis zu dem genannten Datum diese Verordnung nicht befolgt haben, werden von der Warteliste gestrichen und außerdem werden die Wartenummern als ungültig erklärt. Es ist empfehlenswert, Briefe mit Wartenummern eingeschrieben zu senden, da das Konsulat keinerlei Verantwortung für eventuellen Verlust übernehmen kann. Personen, die ihre Wartenummer verloren haben, müssen warten, bis ihnen eine neue Wartenummer ausgehändigt werden kann. Es wird ausdrücklich darauf bin» gewiesen, daß Wartenummern nicht übertragbar sind uno nur die vom Konsulat abgegebenem Gültigkeit haben. Personen, die Wartenummern auf eine andere Weise erworben haben, werden daraus aufmerksam gemacht, daß diese ungültig sind und auf keinen Fall Berücksichtigung finden.
4 Historische Kommission für Hessen und Waldeck. Die Historische Kommission für Hessen und Waldeck hielt dieser Sage in Marburg, woselbst sie ihren Sih hat, ihre 26. Jahresversammlung unter dem Vorsitz von Archivdirektor Geh. Archivrat Pros. Dr. Küch ab. Von Gießen war Dibliotheksdirektor a. D. Geheimrat Pros. Dr. Haupt anwesend; er wurde wieder in den geschäftsführenden Vorstand gewählt. Der Bericht über die wiffenschaftlichM Unternehmungen und die sich daran knüpfende anregende Aussprache hat gezeigt, daß man mit aller Energie weiter an der Löiung der großen Zukunftsaufgaben arbeiten will, die auf dem Gebiete der Heimatgeschichte noch zu lösen sind. Der Druck von „Reimers Historischem Ortskexikon für Kurhessen" wurde in den Jnflationsjahren mit älnterstützung der Rotgemeinschaft fortgesetzt. De Arbeit, deren letzte Lieferungen noch in diesem Winter herauskommen sollen, erweist sich als monumentales historisches Rachschlagewerk. Die Schaffung einer ähnlichen Arbeit für das darm- städtische Oberhessen wäre zu begrüßen. Als weitere Veröffentlichungen der Kommission sind u. a. geplant: der 2. Band der llNarburger Rechtsquellen, ein Marburger Hochschullehrerverzeichn iS, die Rechtsquellen der Werrastädte. Professor Dr. Stengel gab an Hand einiger Kartenproben Bericht über das geplante Geschichtliche Kartenwerk. Gedruckt ist bereits „Sie topographische Entwicklung der kurmainzischen Aemter in Hessen". während Arbei en über die Solmser Territorien, die Grafschaft Ziegenhain und die landgräflichen Aemter Flanken berg und Eschwege in Vorbereitung sind. Lebhaften Anklang fand ein Vorschlag, wonach an der Uniberfität Marburg regelmäßig Vorlesungen über hessische Ges chichte und Heimatkunde gehalten werden sollen, um den Lehrern an höheren und Vollsschulen Gelegenheit zur Vorbildung für den neuerdings mit Recht von den Schulverwaltungen geforderten Heimatkundeunterricht zu geben.
* * Einbrüche. Der Polizeibericht meldet: In der Zeit vom 1. bis 3. Rovernber wurde in einem Hause m der Dismarckstraße ein Keller- einbruch ausgeführt. Der oder die Täter drangen mittels Rachfchlüsfels oder Sperrhakens in den Keller ein und erbrachen mit einem Stemmeisen von 1,5 Zentimeter Breite gewaltsam die Vorhängeschlösser. Entwendet wurden 48 Flaschen Wein, Marke Zellmger 1922, Rupperts- burger-Helbig, Malaga, Douro Portwein und Guntersblum, sowie 20 Pfund Aepfel. — Bei dem Wohnungseinbruch am 1. Rovernber wurden, wie nachträglich festgestellt werden konnte, noch nachstehende Sachen entwendet: Eine Damenuhr (Stahluhr), eine feingliedrige Damenuhrkette aus Dublee mit abgesetzten Glasstückchen, ein Damenring mit einem roten Stein, ein Damenring mit zwei blauen Steinchen imb einer Perle, eine Brosche mit Photographie, eine filberne Taschenuhr (Schlüsseluhr) mit den eingravierten Buchstaben F. D. und G. K., ein goldener Ring mit einem blauen Stein gez. F. P. Dor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.
* • ©in ausgezeichneter Film wird seit gestern im Lichtspielhaus, Bahnhof st r a h e, gezeigt. Die Hauptdarstellerin des bestens bekannten „Mutter"-Films tritt hier als Hauptperson in dem Film „Die Märtyrerin" auf, der ebenso reich ist an tief erschütternden Momenten, wie überragend an sensationellen sportlichen Leistungen. Jeder Besucher wird von diesem glänzend gespielten Schauspiel aufs höchste gefesselt werden. Der Besuch dieser Vorführung ist bestens zu empfehlen.
* * Druckfehler berichtigung. Der Verfasser unseres gestrigen Feuilletons Am Lügen tisch im „Lotz" (egt Wert baixuif, die Zecke „diificultas lecti“ berichtigt zu sehen.
Landkreis Gießen.
L, Wieseck, 4. Rov. S*e Ziffern der Arbeit s l o s e n in unserer Gemeinde zeigen er- reulicherweise sin kende Tendenz. Der Stand am 1. 11. 24 war folgender: Unter» tu y ungsberechtigt waren 48 männliche und 11 weibliche Personen, zusatzunterstü tzungspf lichtjg waren 59 (22 Ehefrauen und 37 Kinder). Die weiblichen UirterstühungSempfänger sind noch arbeitslose Heimarbeiterinnen. Hoffenlllch halt die Bes.erung auf dem Arbeitsmarkt an, damit wieder jeder seiner Beschäftigung nachgehen kann und, wo jetzt der Winter mit fernen vielfachen Bedürfnissen vor der Tür steht, diese Familien aus der ärgsten Rot herauskommen. In der Wohlfahrtspflege wurden im Otto (er 19 Kleinrentner und 52 Sozialrentner unterstützt.
t Grünberg, 2. Rov. Gestern fand in der hiesigen Turnhalle eine Familienkonferenz zur Erinnerung an das vierzigjährige Bestehen des Bezi rks ° Lehrer ve reins ’tatt, zu der sämtliche Dezirksmitglieder mit Angehörigen, Mitglieder der Rachbarbezirke, eine Anzahl ehemaliger Mitglieder, darunter einige aus der Zeit der Gründung, ferner Vertreter des Hessischen Landes-Lehrervereins, der hiesigen Realschule, dos Landwirtschaftsamtes, der Geistlichkeit und der Stadt erschienen waren. Der Vor- ihende des Bezirks-Lehrervereins, Lehrer M i ch e l - Wieseck, entbot den Willkommgruß und verlas eine große Anzahl schriftlicher Glück,
vorgesehen, als Redner sind u. a. auch Gieße er
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Hochwassernot.
Aus Oberhessen.
nt>. Nidda, 3. Nov. Die Nidda ist so stark angeschwollen, daß sie oberhalb der Stadt über ihre Ufer getreten ist und die Wiesen und Gärten überschwemmt hat. In den niedrig gelegenen Stadtteilen ist Hochwas er, das in den Kellern größeren Schaden angerichtet hat. Die Kartoffeln und son ftigen Kellervorräte liegen im Wasser. Das Niddatal von Unter- Schmitten bis Dauernheim gleicht einem grosten See. Heute morgen zeigte der Pegel an der neuen Drucke hier 2,80 m Wasserstand.
Ober-Schmitten, 3. Nov. 2lm Samstag und Sonntag führte die Nidda wieder Hochwasser. Bereits am Samstag überschwemmte sie einen groben Teil der Wiesen. Die St affe Ische Papierfabrik mußte außer Betrieb gesetzt werden. 3n den Abendstunden dcS Sonntags erreichte daS Wasser feinem höchsten Stand. Die in der Nähe des zum reisten- den Strom gewordenen Bach:s Wohnenden hatten bereits Vorbereitungen getroffen, um möglichst rasch räumen zu tonnen, und beobachteten in ängstlicher Sorge das Wachsen des Wassers. Aber gegen 10 Uhr liest der Regen nach und hörte bald auf, so dast die Gefahr vorüber war. Noch in der Nacht nahm das Wasser stark ab. — Infolge der Näss: des Erdreichs und der anhaftenden Niederschläge steht ein grober Sen der Keller unter Wasser, eine Erscheinung, die m langen Jahren nicht mehr zu beobachten war. Das LeitungSwasser tst gelb und unappetitlich.
I Ober-Lais, 3. Nov. Die starkenRegen- güffe der letzten Sage haben zu ile be r s ch we m- mungen der tiefer gelegenen Gelände geführt. Am Samstag konnten die Schüler aus Unter- Lais die Schule in Ober-Lais nicht besuchen, da die Strahe fast meterhoch überflutet war. Sn Glashütten muhten am Sonntag einige Wohnungen und Ställe geräumt werden. Die ganze Nacht hindurch mufften stellenweise die Leute tätig sein, um die drohenden Gefahren abzuwenden, bis gegen
gegoren, im handelt sich hier um ein lyrisches Stimmungsbild, dem der dramatische Nerv fehft, so dast es auf die Dauer nicht zu fesseln vermochte. Einzig die Ausstattung und die Leistungen der Darsteller interessierten. Es folgte dann Tolstois Komödie „Er ist an allem schuld": gemeint ist der Alkohol Das Stück zeigt einen Ausschnitt aus dem russischen Dauernleben, es ist ungemein scharf in der Charakteristik der einzelnen Personen und Iaht manchen tieferen Blick in die russische Volksseele tun. Der letzte Einakter in dieser Reihe war ein dramatischer Scherz von Tschechow. Hier lernt man den für deutsche Begriffe derben, aber auch etwas einfältigen rui- fifchen Humor kennen. Ebenso wie in dem ersten, so waren in den beiden zuletzt erwähnten E'ücken der szenische Aufbau und die Darstellung höchst lobenswert. — Die Oper nahm Glucis .Orpheus und Eurydike" nach längerer Zeit wieder in den Spi llplan auf. Die Aufführung war eine in allen Teilen so vorzügliche künstlerische Gesamtdarbictung, dast sie wohl eine der besten dieser Spielzeit bleiben wird. Den Orpheus fang mit bedeutendem gesanglichen Können Frau Anna Jacobs. Die Oper war von Generalintendant Legal inszeniert und stand unter der musikalischen Leitung Generalmusikdirektor D a 11 i n g s.
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hundert Meter. Die farm er gemütlich in zehn Minuten machen."
„3a.“
„Einmal cm Dogen erwartet er ein schnelle- Auto, das die Champs Elysses hcraufkommen wird. Ter Wagen hält einen Augenblick, er springt aus, und bann saust er mir größter Geschwindigkeit die Avenue du Dois de Doulogne hirraus."
„Warum glauben Sie das?'
„Weil ihn dies der kürzeste und sicherste Weg au? Paris hinaus dünkt Dom Dogen bis zur Porte Dauphine ist es weniger als eine Meile. Tas kann er in fünf Minuten machen. 3n einer weiteren Viertelstunde ist er außerhalb der Stadt — au her Verfolgung, aus dem ßanb.“
„Qlber Sie vergeben. Herw Duvill dah er seine" Halfer noch nicht davon benachrichtigt ha., d-ast alles in Ordnung ist, damit d.e Aoresse des Ortes, wo der Knabe verborgen wird, Herrn Staple'on dclcvhomert werde."
Win Derart, ich hab- das nicht vergeben. Tatsache, ich komme jetzt dran. Was würden Sie an seiner Stelle tun?"
Dernet kratzte sich nachdenklich den Kopf. „Er kann einen Pistolenschuß — vom Wagen ans — abgeben."
,Zu gefährlich. Der Knall könnte Aufmerksamkeit erregen Er muh geräuschlos zu Werk ge^n."
„Ein '■'minf mit der Hand vielleich'. für jemand. ter a; der Straße aufgestellt ist."
„Ebenso gefährlich Der Dursche Lenkt sich wohl, ecrh alles Möglich- getan wird, um nicht mir ihn, sondern auch seine Helfer im Dunde mitzusangen. Er zieht in Betracht, dah bie Srrahe
Die Überwachung des Verkehrs mit Fleisch und Fleischwaren.
Von Amtsveterinärarzt Dr. Stein.
Eine der wichtigsten Zweige der Nahrungs- mittelkontrolle ist die Lleberwachung des Fleisches, weil gerade das Fleisch mehr wie alle anderen Nahrungsmittel geeignet ist, beim Menschen Schädigungen an der Gesundheit hervorzu- rusen. Auch ist es. und insbesondere die Fleischwaren. vielfach Verfälschungen ausgesetzt.
Seitdem in den letzten Jahrzehnten die Hygiene auf allen Gebieten des täglichen Lebens grohe Fortschritte gemacht hat, ist auch die Untersuchung und Deurteilung des Fleisches ständig weiter ausgebaut worden. Durch das Reichs- fleischbeschaugeseh ist diese Untersuchung und Beurteilung in ganz Deutschland seit Beginn des Jahrhunderts nach einheitlichen Grundsätzen geregelt. Infolgedessen haben die auf Fleischgenuh
sich von einem Helfer verhaften zu lassen, kommt heute abend um acht Uhr in Stapletons Haus."
„Mon Dieu! Ist dem so, dann haben wir ihn.“
„Nicht so rasch. Wir dürfen und nämlich darin noch nicht einrnischeu."
„3a, wollen Sie Leirn diesen Halunken entwischen lassen? Es ist meine Pflicht, ihr feslzu- nehmen. sobald er mir zu Gesicht kommt."
„Sie irren sich, Bernet. Ihre Pflicht ist. meine Anweisungen zu befolgen. Herr Lefevre hat Sie für heute mir zugeteilt."
Derne'. lachte. „Tatsächlich." agte er ..Wir wünschen Sie also, baf> ich mich verhall-?“
„Ter Marrn kommt also um acht Uhr zu Stapleton und erhält eine stattlich- Summe. Er hat sich verpflichtet, falls er nicht gestört wird, den Ort, an dem das Kind geholt werden kann, binnen einer halben Stunde Stapleton telephonisch mitzuteilen."
..Ah — dann sollen toir rhn verfolgen — unö "ihn v-rhaften, nachdem er telephoniert bat."
Tutxtll lachte. „Wir h^ben mit ei e n Man e m tun, der schlauer ist. als nur so. Bernet. 5>ierer Ker. wird gar nicht telechonie en."
Wie will er denn S .aplelon be.-achrichtigen?"
°Tas ist es eben, was ich herauszufinden suche" Denken Sie sich in seine Lage. Er ist erkannt - er darf mcht in P-ris b -:b-n - er erhält fünfhunderttausend Fran.er L-egel) für das Kind. Ist es nicht natürlich, amzunehmen, hast er die Stadt sofort verstrfen w.ll?"
„3a. Ich wenigstens würde es an sei e. Stelle tun.“ , . „ . . .
Natürlich Nun nehm' rch an, day ter Dursche zu Fuß von Stap.eDNS Haus zum Triumphbogen will — eine Entfernung von achtdie Aufrechterhaltung deS Friedens mit größerer Zuversicht zu betreiben."
Mit der „grohen militärischen Anstrengung, die die französische Regierung ... beabsichtigt", ist natürlich die Einführung der breijäbrigen Dienstzeit gemeint. Sie sollte nun auch Ruhla n d anspornen, seinerseits „entsprechende Maßnahmen" zu treffen, und es war die Aufgabe Delcassös. deren Durchführung zu erreichen.
Tie militärischen Rrrstu gs-erstäitungen waren so sehr auf den kommenven Kampf Frankreichs und Ruhlands gegen die Mittelmächte abgestellt. dah man Hand in Hand damit dazu überging, die b-iderseitigen Kriegs ziele bereits festzulegen. Im Herbst des Iah eS 1914, also nach Ausbruch der europäischen Katastrophe, andte ISwolski feiner Regieru ig aus Dorde.nar. dem damaligen Sitz der fra rzöfi chen Regieru g drei Telegramme, in denen er auf Gru ib u?n Gesprächen mit Delcasfe die Frage behandelt, was die zwei verbündeten Mächte durch den Weltkrieg anstreben sollen. Er nennt am 13. Olt. für Frankreichs Rechnuirg die R ü ck e r st a t l u n g Elsah-Lothringens. einige koloniale Forderungen und als Hauptsache, „dah das Deutsche Reich vernichtet und die militärische und politisch: Kraft Preuhens soviel wie möglich geschwächt wird." In einer weiteren Tepe ehe vom gleichen Tage lesen toir: „Hierbei berief sich Delcaisö auf die Verhandlungen, die in Petersburg im Iahre 19 13 stattgesunden haben, und bat inständigst, Ihre Aufmerksamkeit auf di- Tatsache zu lenken, dah die Forderungen undWünsche Frankreichs dieselben geblieben find, mit Ausnahme des notwendigen Wunsches, d i e p o l i- tische und ökonomische Kraft Deutschlands zu vernichten."
Durch die wi-derg.gebenen Worte ist der Dr- weis erbracht, dah di- Mission Delcasses eine kriegerische Mission im wahren Sinne des Wortes war. Er sollt- den mit der Republik b-freundeten Staat nicht nur zu groben militärischen Anstrengungen beweeen, sondern zugleich den Lo h n für alle Mühen vereinbaren, der selbstverständlich nur mit den Wa ffen errungen werden konnte. Wenn man nun an die zu Anfang dieses Kapitels zitierten Worte Iswolslis über den durch einen glücklich b.endeten Balkankri-g unvermeidlich werdenden Kampf des Slawentums mit dem Germanentum deckt, so gelangt man im Hinblick auf die hier aneinandergebe h-ten Tatsachen zu dem Ergebnis, dah jene Worte nicht nur die zufällige Meinung e.nes Diplomaten Larstellen, sondern dah bie in ihren zum Ausdruck gelangte ckleberzeugung zugleich die Richtschnur für das Hanbeln Iswolskis und seines Gesinnungsgenossen Poincare abgab. In der Tat, wenn es nach bem Willen der beiden Männer gegangen wäre, so hätte Europa schon damals nahe am Abgrund gestanden. Sogar Englands Mrttoirkung für die Abrech mng mit den Mittelmächten hielt der Präsident der Republik, wie toir oben erfuhren, für den Zeitpunkt, den wir behandeln, bereits für sicher. Ein solcher Glaub« muhte natürlich den Tatendrang der beiden für den Frieden so gefährlichen Männer in Paris noch erheblich vermehren.
cklntoillkürlich legen toir uns hier die Frage vor: warum kam es damals nicht schon zum Aeuhersten? Warum ging die Prophezeiung Iswolskis nicht in Erfüllung? Warum gelang den heimlichen Kriegstreibern nicht die Vollendung des begonnenen Werkes? Tie Antwort lautet sehr klar: Die Weltgeschichte machte ihnen zunächst noch einen Strich durch die Rechnung. Der entscheidende Sieg der Balkanstaaten, die Vorbedingung für den groben allgemeinen Zusammenstoß, erlitt eine Unterbrechung und schien alsbald auf bedenkliche Weise in Frage gestellt. Aber nur zwei Iahre später war das Werk reif.
treten der genannten Räume zu jeder Tagesund Nachtzeit gestattet werden. Es folgen bann ausführliche Vorschriften bezüglich der mit Fleisch hantierenden Personen, bezüglich des Fleisches, der Räume, der Einrichtungen und Geräte und des Transportes von Fleisch. Von allgemeinem Interesse dürfte sein, dah nunmehr nach den Vorschriften der Polizeiverordnung der Hausierhandel mit Fleisch usw. verboten ist, der den reellen Ge» schästsmann schwer schädigt und eine hauptsächliche „Stutze" des Schwarzschlachtens und der Verwertung von minderwertigem oder gar krankem und verdorbenem Flcksch d.irstellt. We en der großen Gefahr der F e schv rgiftung ist auberbem verfügt worden, das' Hackfleisch während den warmen Jahreszeit nicht vorrätig gehalten werden barf, sondern bei Bedarf stets frisch berzustellen ist. Außerdem ist di- Befördern von F.ei'ch anti Fleischwaren in Säcl-n (auch Rucksäcken!» verboten: hierzu sind saub-re Körbe und Kisten zu verwenden. Aus alle diese Vorschriften werden die Polizcibramten und Gendarmen ein besonderes Augenmerk richten.
Li- in der Polizeiverordnung vom 18. Oktober 1924 erlassenen Vorschr st'n gelten f"
sorgfältig bewacht wird. Wozu Gel g nh.-it ge^en und Gesicht laufen, dah schli-hlich eine Helfer gefafji werden, wenn es einfachere bequemere Wege gibt?"
„Zum Beispiel?"
„Haben Sie das Zeichen von der Versailler Etrahe vergessen? Tas b aue Licht?"
„Ah" Tadell s Er w l Las Z-ichm j.man- dem geben, der in einem Haus an cec Straße sich befindet."
„Tas wäre wohi bequemer und sicherer, aber bedenken Sie, dah dort feine Häuser längs der Strahe stehm - wenigstens kein., in denen ein Mann dieses Schlages Syelfcr versteckt hoben könnte Eigentlich sollte ich nicht nein sagen: vielleicht k-mmt doch eines in Bet acht. *
„Wirklich? Unb welches wa . es?"
„Tas Staplettns. Seh n S her!‘ Er schob ihm den Plair hin „Hier," er bei e.e mit der Spitze seines Bleistiftes auf das schwo-z? Viereck, das hes Bankiers Weh Hous b zeichnete, „ist das Haus Tas nach Norden geh mde Fe •fier eines Zimmers im obersten Stock hat Ausficht auf die Avenue du Bois Le Doulogne an einen Punkte, der etwa hui'.Lerachtzig Meter we .l ch vom Arc de Triomph- liegt, da wo sie die Avenue Malakoff schnlldet. Dorübe hinaus ist die Aussicht verhindert. Tatsächlich find bie Bäume an der Avenue du Dois de Boulogne im W-ge aber an der Kreuzung mit der A enee Malakoff ha: man einen weiten, unbehlnoer- ten Dlick." .
n2£ber — ein Helfer — m Stapletons eigenem Haus?" _ „
„3a. Der Chauffeur FranyvtS.
, " (Fortsetzung folgt.)
Als Poincare Präsident von Frankreich getoorben und damit die russisch. französische Kriegspolitik in den Bereich sicherer Durchführbarkeit gerückt war, wurde nicht lange gezögert, das politische System, das dem Plan Iswolsli- Poincarös Gelingen verbürgte, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auszubauen Man begnügte sich nicht damit, lediglich den ein- geschlagenen politischen Kurs beizubehalten, son- dem man traf sofort darüber hinaus alle An- sto-lten, um das Tempo dieser Politik in gan- erheblicher Weise zu beschleunigen. Die wichtigste Mahnahme war die Abberufung des bisherigen Vertreters der französischen Repu- blik in Petersburg, Georges Louis, der dem Pariser Vertreter des 3aren schon lange ein Dorn im Auge gewesen war, und die Ernennung seines Nachfolgers in der Person desjenigen Mannes, der nächst Iswolski und Poincare der geeignetste und wichtigste war für den geplanten Machtkampf in Europa: D e l c a s s e s , des befannten Gegners Deutschlands. Dieser Vorgang wurde in jener Zeit, die noch nicht durch das Lügensystem einer vierjährigen Kriegs- und sechsjährigen Nachkriegspropaganda getäuscht war. kaum anders gedeutet, als toir heute imstande sind, ihn aus den Akten zu beurteilen: als ein Helles Signal einer mit den äuhersten Mitteln verschärften Politik des russisch-ftanzösischen Bündnisses gegen Deutschland. Wenn man bedenkt, dah die Nachricht der Entsendung Delcasses nach Petersburg von den Pariser Blättern am selben Tage gebracht tourde, an dem die Botschaft des neuen Präsidenten aus Anlah seines Einzuges ins Elysee in der Presse geschah, so versteht man, was die Ernennung für einen Eindruck in den damaligen Zeiten machen muhte.
Die neuen Akten*) verraten uns, dah Delcassä sein Land in der Tat nicht in gewöhnlicher Weife bei dem verbündeten Staate vertreten sollte, sondern dah ihm eine ganz bestimmte Mission aulgetragen wurde, für die das Wort „deutschfeindlich^ noch eine recht milde Bezeichnung ist.
In einem Telegramm vom 17. Februar schreibt Iswolski in bezug auf Delcasse:
„Gleichzeitig hat I v n n a 11 mich gebeten, Ihnen die Bitte um Dewerkstelligu.tg der Allerhöchsten Genehmigung zur Ernennung d-s H. Del» casss zum Botschafter in Petersburg zu übermitteln. Dabei erklärte mir der Minister das folgende: Die französische Regierung ist zu dieser Wahl vorwiegend durch den Tlmstand bestimmt worden, dah H. Delcassö in d-n Augen der französischen Kreise und der öffentlichen Meinung bei der gegenwärtigen, auherordentlich ernsten internattonalen Lage, die die Anwendung des franko-russischen Bündnisses Hervorrufen kann, als Persönlichkeit von ganz besonderer Autorität, gc- wissermahen als Personifikation des Bündnisses gilt Don diesem Gesichtspunkt aus ist es sehr wichtig, dah H. Delcasse bei seiner Ernennung zum Botschafter sein Deputiertenmandat behalten kann. Das gesetzliche Hinder- nis hierzu, das sich aus der Bestimmung ergibt, dah Deputierte nur mit zeitweilig en Aufträgen betraut werden dürfen, hat rein formalen Charakter und kann durch periodische Erneuerung des Dekrets seitens des Präsidenten beseitigt werden, wofür einige Präzedenzfälle vorliegen. Ich meinerseits erlaube mir zu äuhern, dah H. Delcasse, dessen politische Vergangenheit Ihnen gut bekannt ist. dem (Sebanfen einer alle reng sten Vereinigung zwischen Ruh land und Frankreich tatsächlich ganz und gar ergeben ist und als einer der einfluß- reichsten hiesigen ''Parlamentarier, falls die kritische Minute kommt, eine entscheidende Rolle im Sinne einer Beseitigung i rgendwelchen Schwankens bei der stets verschiedenen Strömungen ausgesetzten Regierung spielen kann. Mir ist bekannt, dah man hi,er wünscht, die Ernennung Delcassös könnte möglichst bald vor sich gehen"
Besonders aus den Erwägungen Iswolskis geht her-vor. dah der neue Vertreter Frankreichs m Petersburg neben Poincarö als zweiter für die jederz eitige Kriegsbereitschaft der Republik bürgen sollte. Ein Brief vom 13. März verrät uns dann noch ein wenig mehr: hier hciht es:
*) „Der Diplomatische Schriftwechsel Iswols- kis 1911—1914." Aus den Geheimakten der Russischen Staatsarchive. Im Auftrage des Deutschen Auswärtigen Amtes in deutscher Hebertvagung .herausgegeben von Friedrich Stieve. Deutsche Derlagsgesellschast für Politik und Geschichte in Berlin. __________________
zurückzuführenden Krankheiten der Menschen erheblich nachgetatsen. Auch die Fälle von «zleisch- üergiftungen sind seltener geworden, jedoch ist e# der Fleischbeschau nicht gelungen, sic ganz zu beseitigen. Es kommt dies daher, dah die eigentliche Fleischbeschau sich auf die Untersuchung der Schlachttiere und des Fleisches unmittelbar nach der Schlachtung beschränkt. Der weitere Verkehr mit Fleisch und Fleischwaren bleibt unberücksichtigt. Auch besteht nach dem Fleischbeschaugesetz keine durchgreifende Möglichkeit, den sogenannten Schwarz- und Galopp- schlächtern gründlich auf die Fingcr
u sehen, die auch im Kreise (Sieben ihr We- en treiben und sehr oft minderwertige oder gar kranke Tiere abschlachten und deren Fleisch unter Umgebung der Schlachttier- und Fleischbeschau für teures Geld unter die Leute bringen. Ferner ist nach dem Fleischbeschaugesetz die Untersuchung auf die schlachtbaren Haustiere beschränkt. Eine scharfe Ueberwachung des Fleisches von Wild, Geflügel, Fischen. Krusten-. Weichtieren ufw. ist aber ebenso dringend geboten, da derartiges Fleisch den gleichen gesundheitsschädlichen Veränderungen und Verfälschungen unterliegt.
Sollen diese Mihstände, die sowohl auf Hy- gienisch-m wie aus wirtschaf.llchem ®cblet'c liegen, erfolgreich beseitigt werden, so muh das Fleisch von der Schlachtung bzw Produktionsstelle ab bis zum Konsumenten einer strengen und lückenlosen Kontrolle unterworfen werden. Diese erweiterte sog. auherordentliche Fleischbeschau hat fomU die Ausgabe, vorbeugend zu wirken und zu verhüten, dah das Fleisch ober die Fleischware einschliehlich der Konserven aller Art eine gesundheitsschädliche oder verdorbene Eigenschaft annimmt, oder dah sie nachgemacht oder verfälscht werden. Fleisch und Fleischwaren, die erheblich von der Norm abweichen, müssen aus dem Verkehr gezogen werden. Strafbare Handlungen, welche der Fleischverkehr auch im Kreise (Sieben bereits mit sich gebracht hat und noch mit sich bringt, müssen aufgedeckt werden, damit die Schuldigen, welche die Gesundheit ihrer Nebenmenlchen gefährden oder den Konsumenten wirtschaftlich schädigen, zur Verantwortung gezogen und bestraft werden können.
Aus diesen Erwägungen heraus wurde (wie von uns schon berichtet. D. R-b.) durch da- Kreisamt (Sieben am 18. Oktober eine Polizerverordnung erlassen, welch- den Verkehr mit Fletfch und allen übrigen von Tieren her stammenden Fleischwaren regelt und bie am Tage der Veröfsentl.chung b'reits in Kraft g treten ist.
Nach dieser Poliz iverordn-nr unt rlieg-n bie Aufb Währung, die Abgab.' und b.e Beförderung des Fic sches und aller übrigen von Tieren ter- starnmenden Nah^-ungsrn ttel und bcmge.näb auch alle Räumlichkeiten. Einrichtungen und Geräte, welche der Zubereitung, Aufbewahrung, Abgabe unb der Deförb-rung aller dieser Nahrungsmittel dienen, ber Beaufsichtigung durch bie Polizei und den beamteten Tierarzt. Den Polizei- bcamten unb beamteten Tierärzten muh baä Be-
„Wie Ihnen bekannt, ist H. DelcassH nicht nur in Fragen der Auhenpolitik brsonbers kompetent. sondern auch in allem, was bie Heeres» unb insbesonbere bie Floltenangelegen- bei t betrifft. Laut Kenntnis unseres Militärattaches ist ihm ganz speziell der Auftrag erteilt, unsere Militärverwaltung von ber Notwendigkeit zu überzeugen, bah die Anzahl unserer strategischen Wege zu vermehren ist, um dadurch bas Zusammenziehen unserer Armee an ber West grenze z u beschleunigen. H. Delcasse ist in dieser Angelegenheit so bewandert unb mit den Ansichten des französischen Generalstabes so bekannt, dah er diese Frage mit unteren Militärbehörden völlig selbständig erörtern kann. Dabei ist er bevollmächtigt, Ruhland alle hierzu vielleicht erforderlichen Geldmittel in Form von entsprechenden Eisenbahnanleihen anzubieten."
Die Ausschlüsse, die dieses Schreiben enthält, sind für das tiefere Verständnis der Vorgänge jener Zeit von grohem Wert. Bevor toir noch weiter auf sie eingehen, müssen toir zunächst die Ereignisse, bie sich ungefähr gleichzeitig in Frankreich abspielten, etwas genauer b-vbach en.
Die französische Regierung tat nämlich einen Schritt, ber auf dem Gebiete der militärischen Fragen von einschneidender Bedeutung war: sie entschloh sich zur Einführung der dreijährigen Dien st zeit in Frankreich. Nach auhen hin wurde als Grund hierfür die kurz zuvor vorgenommene Dergrvherung des deutschen Heeres angeführt, die sich aber, nebenbei bemerkt, ganz allmählich vollziehen sollte.
Die Einführung ber dreijährigen Dienstzeit verlieh tatsächlich der französisch-russischen Armee eine ganz gewaltige zahlenmäßige 11 e b erleg e n 6 e i t über bie vereinigte deutsche unb österreichische. Das wuhte man natürlich nicht nur genau, sondern gerabc bas bezweckte man. aber man verstaub es wie so oft, geschickt ber Öffentlichkeit einzureben, bah es sich um eine Tat der Notwehr handelte.
Auch in dieser Angelegenheit nahm Poincare die Führung in die Hand und verfuhr dabei als gewandter politischer Regisseur.
Die aut Anregung des Ministeriums Poincare erlassene Verfügung vom 20. Ianuar 1912, die den Bestand sowie die Art unb Weise der Einberufung des Obersten Kriegsrats bestimmt, gibt dem Präsidenten ber Republik erstmalig das Recht, den Kriegs rat unter seinem Vorsitze einzuberufen, wann er es für nötig befindet. So beschloh der Präsident der Republik das ihm neugewährte Recht vor Einbringung des Gesehenttourfes in das Parlament auszu- nutzen unb berief ben Obersten Kriegsrat zum 4. März nach dem Elysöe.
Auf solche Weise wurde die Annahme des Gesetzes nach Möglichkeit beschleunigt unb bie grohe Aktion zu einer nationalen Qln gelegenbeit aufgebauscht. Denn der russische Berichterstatter stellt fest:
„Das gänzlich ungewöhnliche Hervvrtreten des Präsidenten der Republik, als des Oberhauptes der Armee, in einer für Frankreich so wichtigen Frage hat angesichts der ständig wachsenden Volkstümlichkeit H. Poincarös und seiner vollständigen llebereinftimmung mit der Regierung, die ruhig und fest das nationale Ziel verfolgt, den stärksten Eindruck auf alle Klassen des französischen Volkes gemacht.“
Die wichtige Neuerung hatte auch ihre direkte Beziehung zu ber Entsendung Delcassäs nach Rußland. Am 20. März richtet nämlich der P r ä - fibent der Republik ein Schreiben an den Zaren, in dem er den neuen französischen Botschafter empfiehlt unb im Anschluß daran erklärt:
„Als ich anbererfeiti das Glück hatte, im vorigen Iapre von Eurer Majestät in Peterhof empfangen zu werden, lenkte ich Eure Hohe Aufmerksamkeit auf den Nutzen, den er dort nach Ansicht unserer Generalstäbe durch bie Beschleunigung bes Baues gewisser Eisenbahnen an der Westgrenze des Reiches gebracht hat.
Die große militärische Anstrengung. die die französische Regierung zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der europäischen Streitkräfte zu nrachen beabsichtigt, bewirkt, daß entsprechende Maßnahmen, über deren Notwendigkeit sich die Generalstäbe beider verbündeten Parteien geeinigt haben, gegentoärtig besonders dringlich sind. H. Delcass 6 wird Eure Majestät und seine Regierung auf dem laufenden über diese militärischen Fragen sowie über alle anderen Fragerr halten, die die Betätigung des Bündnisses betreffen und uns gestatten können.
5ettsame ßlitterwochm.
Roman von Arnold Fredericks
•37. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Duvall hing den Hörer au; und setzte sich Die gefertigten Zeichnungen la-^en vor rhm. Er erwartete ungeduldig Bernets Komin-n^
Nach etwa zwanzig Minuten erschre.r ber ^^Was ftefrt zu Diensten, Herr Duvall?“
Guten Morgen. Bernet. S-tzen Si- llch und steck-n Si- sich -in- Zigarre an. Ich etwas mit Ihnen zu besprechen."
Betreffs des v-rmryten Krndes des H-rrn Stapleton ;ovi-l ich v-rsteh- bmreri'.e D-rnet, als feine Zigarr- brannte, into ruck.- ewen o.ui). an den Tisch Er sah auf dir vor rhm liegen re Zeick.nungeir. „Was ist das. wenn rch forge.r
Duvall nahm seinen Dloistill zur H»)d. „Dies. Bernet, ist dn Plan eines kleinen Tcrls von Paris. Wie Si- kfcn, ist das hier dre Avenue Kl-b-r. die gerate vor den Triumphbogen in die Chamvs Cly'ises mun.e.
' „Ich sehe. Es ist völlig klar."
„Hier - die es schwarze Viereck - ist Stapletons Haus Von hier zum Trramphbvgen Itib es etwa ach.hund-rt Me.er."
„Ungefähr so viel wollt- ich sagen. Was ist damit?"
Einen Augenblick! Der schwarzbärtige Schurl- - der Erpr-lsec -. der gestern abend Stapleton besucht- uni) durch die Lrst entwricht-,
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