Er. 235 fcrftcs Blatt 174. Jahrgang Srettag, 5. ©höbet 1924 Erschein! lüglich, außer Somu und Feiertags. , Beilagen: GießenerFamilienblätter Heimat im Bild. monats-Bejacspreis: 2 Goldmark u. 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernspre ch-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Der« sag undGeschäftsstellebl. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGiehen. Postscheckkonto: granffurt a. M. 11686. SiehenerAMger General-Anzeiger für Oberhessen VruS vnd Verlag: vrlihl'sche UniverfitS1§-Vnch- und Steindruckerei K Lange in Gießen. Lchriftleitung und Geschäftsstelle: 8chn!ftraße 7. Annahme von Äiijciycn für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbmdlichkeit Preis für 1 mm hohe für Anzeigen von 27 mm Breite ortlich8, auswärts 10 Goldpfennig: für Reklame-Anzeigen o.TOmm Breite 35 Goldpfennig, Platz Vorschrift 20°Ausschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange: für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; fürdcn Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Die Berliner Verhandlungen. Zuspitzung der Lage. — Zusammenschluß der Linksparteien. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 3. Oktober. In der Frage der Ambildung der Reichs- regiernng ist seit Mittwoch eine erhebliche Der - schärfung eingetreten, die sehr ungünstige Aussichten für die bevorstehenden Verhandlungen mit den Deutschnationalen eröffnet. Im Gegensatz zu der Deutschen Dolkspartei, die sich für die Hinzuziehung der Deutsch- nationalen einseht, formulieren die maßgebenden Kreise des Zentrums immer schärfere Bedingungen, von deren Erfüllung sie die Erweiterung der Regierungskoalition abhängig machen. Dadurch wird die Gefahr eines offenen Bruches zwischen der Deutschen Dolkspartei und dem Zentrum heraufbeschworen, der zu einem AuSeinanderfallen der gegenwärtigen Regierungskoalition im Reiche zu führen droht. Oluf der einen Seite vollzieht sich die Annäherung zwischen der Deutschen Dolkspartei und den Deutschnationalen, während auf der anderen Seite Zentrum, Demokraten und sogar d i e Sozialdemokratie eine einheitliche Linie verfolgen. Wer von diesen beiden Gruppierungen bei den bevorstehenden Auseinandersetzungen das Aebergewicht gewinnen wird, ist noch sehr zwelfel- hast. Sie Auseinandersetzungen sind bereits in vollem Gange. Das Zentrum fordert offen ein Einlenken der Deutschnationalen in den Regierungskurs der Mitte und eine loyale Verständigung mit der Sozialdemokratie. Unterstützt wird es durch die Demokraten, die mit großer Sicherheit am Dienstag gelegentlich einer Tagung der demokratischen Reichstagsfraktion den Beschluß fassen werden, weder an einer offenen, noch an einer verschleierten Regierung des -Bürger» blocks teilzunehmen. Durch diese Drohung mit dem Austritt aus der Regierung werden die Demokraten es abermals fertig bringen, bei den Entscheidungen einen ausschlaggebende nEinflutz auszuüben. In deutschnationalen Kreisen beurteilt man die Lage geoentoärtig sehr pessimistisch. Man spricht von einer groß angelegten Sabotage, die von selten des linken Zentrums und der Demokraten ausgeübt werde. Diese Sabotagetaktik habe schon jetzt die Voraussetzungen für eine Verständigung gefährdet, indem tatsächlich das ganze Problem der innerpolitischen Entwicklung im Reiche aufgeworfen werde. An die Stelle der gemeinsamen Berührungspunkte- trete jetzt die Trennung der politischen Interessen, die dazu führen wird, daß sich beide Lager hinter einen Wall von Bedingungen und Garantien verschanzen müssen und in einen heillosen Kriegszustand miteinander geraten. Die Parteiführer beim Kanzler. Berlin, 2. Ott. (Tel.-An.) Der angekündigte Empfang der Führer der Regierungsparteien beim Reichskanzler fand heute nachmittag in der Reichskanzlei /ftatt. 3m Lause des Dormittags tagten die Frattionsvvrstande der Regierungsparteien in getrennten Sitzungen, um die Besprechungen vorzubereiten. Das Zentrum entsandte zu den Besprechungen die Abgeordneten Stegerwald, Spahn und von Guerard. Die Deutsche Dolkspartei war durch die Abgeordneten Dr. Scholz und 5)r. Cur 1 ius vertreten. Die Demokraten batten die Abgeordneten Erkelenz, Keinath end Dr Haas entsandt. Don der Regierung nahmen außer dem Reichskanzler, dem Drze- kanzler Dr. Jarres auch Dr. Strese- mann, Reichswirtschaftsmrnister Ham m und der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, G ras Kanih, teil. Die Absicht des 'Reichskanzlers, zum Zwecke der Verbreiterung der Reichsregierung Der^indlun- gen mit der Deutschnationalen Volkspa r t e i und der Sozialdemv krat i schen Partei aufzunehmen, wurde gebilligt. Am Freitagvormittag wird der Kaiser Ne Sozialdemokraten, am Rachmittag die Deutschs nationalen empfangen und daun den üuhr rn der Regierungsparteien von dem Ergebnis feiner Besprechungen Mitteilung machen. Auch dem Reichspräsidenten wird der Kanzler das Ergebnis der Verhandlung^ mitteilen, sollte sich ergeben, daß auf der Grundlage der vom Reichskanzler vorgesehenen Losur^k er ne De r- ständigung unter den beteiligten Parteien zu erzielen ist, so hält Reichskanzler Dr. O!tarj eure Regierungskrise für ganz unvermeidlich Wir glauben zu wissen, daß der Reichskanzler hie ReaierungsPart eien darauf aufmerksam gemacht baT dLh er im Falle eines Sterns seiner Bemühungen sich gezwungen sähe, mit dem Gesamtkabinett zurü ckzu t re t e n. _ Vorbesprechungen der Linksparteien zur Reichspräsidentenwahl. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 3. Oft. (Drah.meldung ) Dernts vor längerer Zeit war von dem) k r a t l s ch r Seite beim Zentrum und den Soz i^l de mo - traten angeregt worden, unverbindliche Dorbe sprechungen zu eröffnen über ein gemeinsames Vorgehen in der Frage der Reichsprä- sidentenwahl. Bisher ist es zu einer solchei Aussprache noch nicht gekommen, aber nachdem die Verhandlungen über die Bildung einer Rechtsregierung begonnen haben, will die demokratische Rcichstagsfrccklion aufs neue versuchen, mit den Rachbarparteien Fühlung zu nehmen. Es loirb dabei betont, daß man das Zentrum zu di sen Besprechungen natürlich nur dann heranziehen würde, wenn es sich sicht in eine Koalition mit den Deutschnationalen begeben würde. Es handelt sich bei bie'en -Vorbesprechungen weniger um die Ausstellung einer gemeinsamen Kandidatur als um die Beratung darüber, wie man am besten propagandistisch die A bwe hr einer überparteilichen Kandidatur der Rechtspa rte ien in die Wege le ten könne, da mit einer solchen Kandibatur aui jeden Fall gerechnet werden müsse Doch scheint vorläufig beim Zentram und den Sozialdemokraten die Neigung zu einem gemeinsamen Vorgehen nicht allzu groß zu fein urtib dteSozialbemo- traten haben betont, daß sie alles weitere abhängig machen möchten von dem Parlamentär ifche n Der ha lten der Demokraten gegenüber einer eventuellen B »rgerblockr gierang Dennoch werden nach Reichstagsbeginn bie Vorbesprechungen voraussichtlich beginnen, obwohl mit einem Resultat in absehbarer Zeit kaum gerechnet werden darf. Vie Anleihevechandfungey in London. Britische Pressemaktöver. — Amerika unterstützt die Anleihe. - London, 2. Ott. (TTl.) Die Rachrichten über den Stand der Anleiheverhandlungeu zwischen den Vertretern Deutschlands und der Bank- Wett der Londoner City sind im allg meine.i spärlich. Das führende Finanzblatt „ Financial Times" berichtet, in der Hauptsache bestände allgemeine liebere in ft im mung. In der englischen Presse wird seit einigen Tagen ein lebhafter Feldzug gegen die deutsche Ha ndelspvlitik geführt. Immer wieder werden die Handelsvertragsverhandlungen mit der Gewährung einer Anleihe in Verbindung gebracht und Deutschland Mangel an Entgegenkommen vorgeworfen. Deutschland nehme zwar die gebotene Geldhilse gerne entgegen, weigere sich aber, das gewährte Wohlwollen durch entsprechende Gegenleistungen zu vergelten. Wie wir ersah.en, handelt es sich bei diesem Press eseldzug offenbar nm ein Ma - nöber interessierter Kreise. In den gegenwärtigen Der Handlunge i zwischen deut'chen Dertretern und der City lind bic.c Gesichtspunkte b Slang noch nicht in Erscheinung getreten Os e.i- bar scheut man sich, die politisch in keiner Hinsicht erweisliche Beziehung zwischen deutsche Handelspolitik und Dawesanleihe am l ch zu verwenden, obwohl sich die mangelhaft unterrich.ete Oef- sentlichkeit durch die Zeitungswelt natürlich in unerwünschter Weise beeinflussen laßt. Man hofft anscheinend, auf die deutsche kreditfachende Pri- vatwirtschaft einen Druck ausüben zu können, um dadurch indirekt einen Einfluß auf hie Hande lsvertragsverhandlungen zu bekommen. Ein Telegramm aus Chicago berichtet, daß die -Versammlung deramerikanischenDan- kiers eine Resolution angenommen habe, in der die ameritanifche Tel lnahme an der europäischen Ausführung des Dawesberichtes und gleichzeitig die Unterstützung der damit verbundenen Anleihe empfohlen wird. In der Begründung wird hervorgchoben, das in Amerika angehäufte Gold bedeute eine starke In - f lationsgefahr und könne nur dadurch arbeiten, daß es in andere Länder gesteckt werde. 5ie Wiederherstellung Europas gehört in die Hände der internationalen Bankiers und nicht der Politiker. Die Reg erung müsse auch künftig die Weltpolitik beeinflussen, wie dies in London geschehen sei. Die Demokraten gegen den Schutzzoll. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 3. Ott. (Drahtmeldung.) Wie wir erfahren, beabsichtigt die demokratische Reichs - tagsfraktion, nach dem Wiederzufarnmentritt des Reichstages einen energischen Vorstoß gegen die Schuhzollvorlage der Regierung zu unternehmen. Angesichts des äußerst ungünstigen Ausfalles der diesjährigen Ernte stellen sich die Demokraten auf den Standpunkt, daß die Wiedereinführung des Schutzzolls für die Getreideeinfuhr ein Wahnsinn wäre, da Deutschland infolge der schlechten Ernte auf eine umfangreich e G e t r e i de zu f u h r angewiesen ist. Auch die Sozialdemo k raten wollen beantragen, daß die Schuh zollVorlage der Regierung zurückgezogen wird. Die britische Regierungskrisis. Macdonalds Minderheitskabinett gegen eine konservativ-liberale Opposition. Früher, als der Deutsche Reichstag, hat die I englische Volksvertretung ihre Sommerferien le- | endet und die Beratungen wieder ausgenommen. Man rechnete von Anfang an damit daß die Lage im Llnterhause sich kritisch zuspitzen würde, glaubte aber, daß zunächst einige ruhige Wochen kommen würden, bis die Machtprobe b^: der Entscheidung über den englisch- russischen Handelsvertrag einsetzte. Die letzten Meldungen aus London deuten darauf hin daß der Schlag doch vielleicht früher erfolgt. Macdo- nald ist der Führer einer Minderheitsregie r u n g , er ist bei den wichttgen Abstimmungen auf bie Anter stütz ungent weder der Liberalen oder der Konservativen angewiesen, und Hut deshalb auch von vornherein erklärt, daß er eine Riederlage nur dann anerkennen würde, falls sie ihn bei einer Hauptfrage ereilte. Daher war es ein müßiges Spiel der englischen Presse, daß sie mit einiger Bosheit die einzelnen Riederlagen, die Macdonald sich bei Kleinigkeiten im Tlnterhause holte, numerierte. Sie wußte ia, daß er die Konsequenzen daraus nicht ziehen würde, das wußten auch die Parteien der Opposition, sie haben sich aber wohlweislich gehütet, d e Arbeiterregierung im Stich ;u lassen, sobald es au? Biegen oder Brechen ging' Denn die ganze Taktik der Konservativen ging ja dahin, die aufsteigende Linie der Labour Party zu brechen, indem man sie an die Reg ierung lieh. und ba3 ist wohl heute schon gelungen. Macdonalds Scharen sind alles andere eher als ein' einfei'- siche Masse. Sie umspannen alles vom linken demokratischen Flügel bis zu den Kommunisten. D i e Gegensätze in ihren eigenen Reihen find also sehr grob, und zumal die Kommunisten wellen die Folgen der ReZierungs- verantworlung für sich nicht anerkennen. Dies Gespenst im eigenen Hause hat Macdonald in sein Kabinett mit hereingebracht. Er konnte es nur beschwören, wenn er mit Erfolgen aufzuwatten vermochte. Die aber sind ihm versagt geblieben. Zwar Hut er es verstanden, die Ergebnisse, die feine auswärtige Politik brachten, nach außen hin als Trümpfe ?u frisieren, aber davon läßt sich doch heute; mehl kaum ein Engländer mehr täuschen. Daß Poincare über die französischen Wahlen flür?,tc war für ihn ein großes Glück. Seine Hoffnung indessen, mit Herriot eher fertig zu toerben als mit Poincare, war irrig. Denn die ganze Londoner Konferenz war letzten Endes doch nichts anderes als ei n Duell zwischen England und Frankreich. Im Gesichtswinkel der europäischen Politik war Deutschland nur eine Rebenfigur. England hatte ein Interesse daran, die Franzosen aus dem Ruhrgebiet Herauszumanövrieren: das ist auch Macdonald nicht gelungen. Daher- ist der tatsächliche Sieger in diesem Ringen Herriot geblieben. Tlnd doch ist der Vertrag von London das Einzige, was er an Positivem aufzuweisen hat. Das Irrlichterieren im Pazifismus, wie er es in Genf versuchte, ist zu wenig, um die Mißerfolge der englischen inneren Politik zu verbergen. Schon vor Jahr und Tag hat ein kluger englischer Politiker eiw mal gesagt, daß die Wohnungsfrage der Prüfstein für alle englischen Regierungen sein wird. Hier ist auch Macdonald kaum einen einzigen Schritt weitergekommen. Es ist ihm nicht gelungen, die Wohnungsnot gerade der untersten Kreise zu beseitigen, weshalb damit zu rechnen ist, daß ein Teil der Mitläufer ihn bei ben nächsten Wahlen im Stich lastsen wird. Unb das ist der Punkt, wo die Spekulation der Oppositionsparteien einseht. Dre großen Fragen der englischen WeltpoIiti k werden zwischen englischen Parteien, mögen sie nun sozialistisch oder konservativ fein, niemals den Kriegsfall bedeuten. Dazu ist jeder Engländer zu sehr Engländer. Sorgen der Weltpolitik sind also nicht Parteisorgen, darüber würde auch die Arbeiter regierung nicht stolpern. Diese Tatsache bleibt richtig, selbst wenn der Ausgangspunkt der Krise der englisch-russische Vertrag werden sollte, der eben nur deshalb auf gegriffen wird, weil er ein dankbares Agitationsgebiet ist. Den 11 [ ft e r« Sturm wird Macdonald vermutlich überstehen: hier werden die Liberalen zu ihm halten, beim russischen Vertrag dagegen scheinen sie entschlossen zu sein, mit den Konservativen zu stimmen, und das würde dann in der Tat das Ende der Regierung Macdonalds bedeuten. Voraussetzung dafür bleibt aber, daß einmal eine vorherige Verständigung zwischen den Konservativen und in den beiden liberalen Gruppen erfolgt ist: beim die Konservativen wissen, daß sie auch bei den nächsten Wahlen die Mehrheit allein nicht bekommen werden. Sie sind also auf die Unterstützung der Liberalen an gewiesen, und solange sie nicht sicher sind, auch ein wirklich regierungsfähiges Kabinett stellen zu tonnen, werden sie Macdonald weiter am Ruder lassen. Es könnte also schon sein, daß der Sturm, der jetzt im Unterhaufe heraufzieht, sich wieder fegt. Alle Anzeichen sprechen aber doch dafür, daß Macdonald sich nur durch einen Appellandic Wähler überhaupt retten kann, und dann wird sich zeigen müssen, ob die Massen ihm tieu geblieben sind, auch nachdem sie gesehen haben, daß selbst eine sozialistisch? Regierung nicht nach anderen Rezepten als ein bürgerliches Kabinett regieren kann. England vor Neuwahlen. London. 2. Ott. (WTB.) Die Blätter rechnen angesichts der aufsehenerregenden Entwicklung, die gestern in der politischen Lage statt- fanö, ernstlich mit der Möglichkeit von Reuwahlen, da der Regierung sowohl in der Frage der Zurückziehung der Anklage gegen den Redakteur des kommunistischen Wochenblattes „W orkers Weekk y", über die eine Debatte am nächsten Mittwoch stattfindet, als auch in der Frage des englisch-russischen Vertrages, der vom Unterhaus in der am 28. Oktober beginnenden Herbsttagung behandelt werden soll, die Aussicht einer gemeinsamen Oppp- fition der Unionisten und Liberalen gegenüberstehe. Der parlamentarische Berichterstatter der ..Daily Retos" schreibt, Asquith habe gestern abend seine Absicht angekündigt, die Ablehnung des russischen Vertrages zu beantragen. Da die Konservativen den Angriff der Liberalen sicher unterstützen würden, sei der Vertrag dem Untergang geweiht. Es werde erwartet, daß auf die Ablehnung des russischen Vertrages unmittelbar Reuwahlen folr gen werden. Die Krise könne jedoch eher kommen. Die Konservativen haben einen Mißtrauensantrag wegen der Zurückziehung der Anklage gegen einen kommunistilchen Redakteur angemeldet. Die Debatte darüber findet am Mittwoch statt und gestern abend seien bie ßibera- l e n geneigt gewesen, bie Konservativen z u unterstützen. Eine Riederlage der Regierung in der nächsten Woche sei daher möglich. Politische Kreise seien der Ansicht, daß die Stellung der Regierung jetzt unmöglich geworden sei. Das Arbeiterblatt „Daily Herald" bringt in Fettdruck die Aufforderung: „Bereitet Euch auf Reuwahlen bot!“ und sagt, daß Macdonald Reuwahlen anberaumen tperbe, wenn die Regierung bei dem konservativen Mihtrauensantrag am Mittwoch eine Rieberlage edeiben sollte. „Manchester ©uarbian“ nimmt an, bah bie Regierung vielleicht schon in der nächsten Woche, sicherlich aber Enbe bes Monats bei bem Zusammentritt bes Parlamentes^ stürzen weide. „Evening Stanbarb" hält es für möglich, daß aus ber augenblicklichen Krisis eine liberale Regierung hervorgeht, falls ber König infolge bes durch bie Annahme bes konservativen Mißtrauensantrages veranlaßten Rücktritts ber Regierung, statt bas Parlament aufzulösen, Ba kbw i n zur Reg'.erungsbilbung auf» fordert, unb biefer bies angesichts ber irischen Lage ablehnt. Aber auch in biefem Falle könnten die Neuwahlen nicht lange hinausgezögert werden. Die Liberalen würben nur solange im Amt bleiben, bis bie irische Vorlage angenommen sei und'bis sie ein Programm aufgestellt hätten, mit bem sie vor bie Wählerschaft treten könnten. Vie pariser handelsvertragsvechandlungen. Die beiderseitige» Verhandlungs- qrundlaqen. Paris, 2. Oft. (WTB.) Die erste Arbeits- sihung ber französischen unb b rutschen Delegationen, die über ben Ablchluß eines Handelsvertrages verhandeln, hat heute nachmittag im Handelsministerium stattgefunden Hanbels- mmister Rain aldy, ber ben Vorsitz führte, hielt eine Rebe. Er unterstrich bie Schwierigkeit und die Dringlichkeit der Verhandlungen unb erklärte: „Frankreichs wirtschaftliche Kraft' wurden burch bie Besetzung immobilisiert unb vernichtet: um sie wieder aufzurichten, hat es eine große Anstrengung unternommen. Aber es hat aus eigenen Mitteln bie Kosten des Wiebe raufbaues vor- schießen müssen. Trohbem es bieses ungeheure Werk durchgeführt hat, konnte es schon nach bem Kriege zum Regime ber Handelsfreiheit zurückkehren. Deutschland dagegen hat Einschränkungen in ber Han belsf reihest oorgenomtnen, bk für es selbst und für andere Länder eine Behinderung waren. Wir müssen frag?n, ob bie Wirtschaft ber beiben Länder im gleichen Grade zu normalen Produktionsbedingungen mb auf normale K onku rrenzbedingnng2.1 zarückkommen kann, Es gibt noch anbere, dringlichere Fragen, deren Berechtigung angezweiselt werden kann: die Frage, ob Deutschland das System der Prohibition, der Kontingente unb der Lizenzen, das es im Laufe des Krieges eingerichtet und noch nicht vollkommen beseitigt hat, fortsetzen will, oder ob es zur Handelsfreiheit zurückzukehren gedenkt. Das Regime des Friedenävertrages, an dessen Stelle zum Test das neue Statut treten muß. hat zum Schuhe Elsaß- Lothringens ein Sonderregime für ben deutschen Markt geschaffen. Elsaß-Lothringen hat jedoch nur teilweise den Nutzen aus biefem Regime, auf das es ein Anrecht hat, ziehen können. Seine Produktion, die auf ben deutschen Markt angewiesen ist, kann aber nicht unterbrochen werden, ohne eine ernste Gefahr für das Land zu bilden. Die französische Regierung muh als eine Garantie für den 1 Frieden und die Entspannung bie Frage ber 2tufred)terl>altiins veS Donderregl- mes noch für einige Zeit zmn Schutze @Ifab«= Lothringens fordern." Der Führer der deutschen Delegation, Staatssekretär Dr. Trendelenburg betonte in seiner 2Intu>ort u. a. fragendes: Der deutsch-französische Warenverkehr, der sich vor dem Kriege auf I1/2 Milliarden Goldmark belief, hat sich in den Jahren der Nachkriegszeit nicht erholen können und stets in schreiendem Gegensatz zu den Bedürfnissen der beiden grvhen Wirtschaften gestanden. Der Herr Minister hat auf die Zerstörungen hingewiesen, die der Krieg für Frankreich zur Folge gehabt hat. Die schweren Verluste, die Deutschland durch den Krieg erlitten hat, sind anderer Art. Wir, die wir die Nöte der deutschen Wirtschaft täglich vor Augen haben, können nicht verstehen, daß im Auslande auch heute noch die Meinung verbreitet ist. daß die deutsche Wirtschaft, im Ganzen gesehen, ihre alte Leistungsfähigkeit hat, und dah der Wettbewerb seiner Produktion eine Gefahr für die anderen Industrien bedeutet. Die Verhältnisse erfordern gebieterisch Aufräu" mung mit diesem Zustand gegenseitiger Abschlie- hung. Gleichheit, Vertrauen und möglichste Freiheit sollen an die Stelle von Differenzterungen, Mihi- gunst und Prohibition in der ganzen Welt treten. Wie notwendig während des Währungszerfalls das System der Einfuhrverbote gewesen sein mag, so gern sind wir jetzt nach der Stabilisier rung der Währungsverhältnisse bereit, von diesem System abzuweichen. Alle anderen wirtschast- lichen Mahnahmen der Llebergangszeit sotleni gleichfalls fallen. Auch in bezug auf das Ueber- mah des Zollschuhes stehen wir auf dem Standpunkt, dah eine Anpassung der Zölle an die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse möglich ist. Im Grundsatz soll das System eines ge- mähigten Zoltschuhes, wie es bei uns in der Vorkriegszeit bestand, nicht geändert werden. In Verbindung mit dem gemäßigten Zollschuh bedürfen wir aber weiter, wie in der Vorkriegszeit, der unbeschränkten, allgemeinen Meistbegünstigung. Wir erstreben dieses System nicht deshalb, weil Deutschland die im Dawcs-Gutachten vorgesehenen Zahlungen nur durch d ie Ausfuhr bewirken kann, wir wünschen dieses System vielmehr vor allem aus der Ueberzeugung heraus, dah nur auf der Basis der Meistbegünstigung die Verflechtung der nationalen Wirtschaften dergestalt wieder in einem Maste herbeigeführt werden kann, wie sie vor dem Kriege zum Witzen aller Staaten bestanden hat. Auch unter dem gleichen Gesichtspunkt der Meistbegünstigung ist die Erhebung der 2 6 p r oz e n t i g e n Abgabe zu beurteilen, gegen welche die deutsche Regierung sich bereits in anderem Zusammenhang gewendet hat. Die deutsche Delegation wird die Vorschläge und das Programm des Herrn Handelsministers mit der größten Sorgfalt prüfen. vor deutsch-japanischen handelsvertragsoerhandlungen. Berlin, 2. Oft. (5^1.) Jetzt hat auch Japan um Handelsvertragsverhandlungen nachge- sucht. Dabei wird es sich nicht 'um den Abschluß eines Tarifvertrages, sondern um eine gegen- kcitigc Gew ährung uneingeschränk- fei: Meistbegünstigung handeln. Die Zdeichsregierung hatte bereits vor anderthalb Jahren Schritte in dieser Richtung unternommen, die jedoch infolge der ablehnenden Haltung Japans zu keinem Erfolge führten. Auf deutscher Seite wird die Regelung der HandelsvertragSbc^ehun- gen zu Ja^van lebhaft begrüßt, zumal Pas kürzlich von der japanischen Regierung eingeführte Ein- suhrbcwilligun'gssystem für Farbstoffe praktisch eine vollständige Erdrosselung der deutschen Farbstoffeinfuhr bedeutete. Man hofft in deutschen Kreisen, dah mit dem Abschluß eines Handelsvertrages auch diee einseitig nur gegen Deutschland gerichtete Maß ahm > Japans fallen wird. Im übrigen werde 1 die bereits bestehenden deutsch-japamchen Handelsbeziehungen an zuständiger Stelle als gut bezeichnet. Di» deutsche Ausfuhrr nach Japan betrug während der ersten vier Monate rund 50 Millionen Gvldmark. Da Deutschland während der ersten sieben Monate des Iah es allein für 45 Millionen Mk Seide eingefiihrt hat. besteh'! auch auf japanisch r Seite ein lebhaftes Bedürfnis an dem Ausbau der deutsch- apanischen Handelsbeziehungen. Die Schlußsitzung der Vö!kerbund§verfammlung. Eine Rebe Mottas. — Zehn Staaten unterzeichnen das Schieds- und Sarrk- tionsprotokoll. Genf, 2. Oft. (WTB.) Am Beginn der heutigen Schkustsihung der Völkerbundversammlung schritt die Versammlung zur Wahl der sechs nichtständigen Ratsmitglieder. Die bisherigen RatSmitglieder Uruguay. Tschechoslowakei, Spanien. Belgien und Schweden wurden wiedergewählt. Nach Verkündigung des Ergebnisses verliest die chinesische Delegation, die ihre Kandidatur ausgestellt hatte, geschlossen den ©aal. Präsident Motta hielt dann eine mit starkem Beifall aufgenommene Schlußrede, in der er zunächst dem Sekretariat und der Presse, den unentbehrlichen Verbündeten, für ihre Mitarbeit dankte, dann einen Ueberblick über die Arbeiten der Tagung und vor allem des Schieds- und Sanktionsprotokolls. Als das wesentliche Ergebnis dieser Tagung bezeichnete er dic Bedeutung, die das Schiedsverfahren angenommen habe. Es sei dann Sache der Delegierten, nachzuweifen, dah es trotz atter Unvoll!vmmenheiten einen g r oh artigen F0 r 1 sch 1 i 11 bedeute. Falls die Abrüstungskonferenz nicht zustande kommen sollte/ bliebe den Mächten nichts mehr übrig, als mit Entsetzen na hzugrÜbeln, die ihnen d i e nächsten Kriege m i 1 ihren chemischen Waffen bereiten würden. Allerdings genüge das Protokoll nicht, so lange es nicht von dem Gedanken der Versöhnung beseelt sei. „Darf ich es sagen", fuhr Motta fort, „oder muh ich mich des Vertrauens der De sammlmg unwürdig zeigen, indem ich meine Meinung ver- > berge. Es scheint mir, daß der kürzliche B. - _u.fi ilA.r sr.U.29. Dvm -rcetch den Weg gum Völterbund zeigte«, damit es in einer Zeit, die hoffentlich nahe ift, hier eintritt, ein gutes Anzeichen ist. So lege ich, was mich betrifft, die Geste und die Absicht, die darin skizziert ist, aus. Der Rede des Dersammlungspräsidenten folgte langanhaltender, stürmischer Beifall. Während bet letzten Sitzung wurde das Schieds- and das Sanktionsprotokoll zur Unterzeichnung aufgelegt und bereits von folgenden Staaten unterzeichnet: Albanien, Dul- garien, Estland, Frankreich, Griechenland. Jugoslawien, Lettland, Polen, Portugal, Tschechoslowakei. Frankreich unterzeichnete auch das Sonderprotokoll über den Schieds- gerichtshos. Der pariser Ministerrat zum deutschen völkerbundsmemorandum. Frankreich für Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund. — Gemeinsame Antwortnote der Alliierten. P a r i s, 3. Ott. (T. A.) Im Anschluß an die Meldung von der Sitzung des Ministerrates veröffentlicht der „Matin" nachstehende, scheinbar offiziöse Sähe: Die französische Regierung ist durchaus für die Ausnahme Deutschlands in den Döllerbund. Es ist in der Tat wünschenswert, daß besonders Deutschland unter den Protokollentwurf über Schiedsspruch und Sicherheit seine Unterschrift seht. Der Einfluß der Genfer Diplomatie kann auf die internationale Politik Deutschlands sehr wohltätig sein. Die Anwesenheit Deutschlands im Völkerbund kann andererseits dazu führen, daß das Ansehen des Völkerbundes verstärkt wird. Der Minifterrat ist zu der Auffassung gelangt, daß es sich empfiehlt, die Zustimmung Englands und Belgiens zu der französischen These einzuholen. Er hat die Eventualität einer gemeinsamen Antwort der Regierungen Englands, Frankreich und Belgiens an Deutschland als wünschenswert in Betracht gezogen. Der Ministerpräsident und Außenminister wird sich zu diesem Zwecke mit Macdonald und Hymans in Verbindung setzen. Mag nun die Abfassung eines gemeinsamen Textes vonstatten gehen oder nicht, so wird doch der Ministerrat auf alle Fälle noch einmal über die Rote beraten, die der Wilhelmstraße zugehen wird. Freigabe des Duisburg- Ruhrorter Hafens. Du i s bu r g , 2. Ott. (LU.) Nach Mitteilung der Duisburg-Ruhrorter Hafenverwaltung sind die Düsseldorfer Verhandlungen zwischen den Vertretern der Reichsregierung und dem Oberkommando der Beiahungstvuppen abgeschlossen Warden. Ab 1. Oktober ist der Duisburg-Ruhvorter Hafen von der Besatzung freigegeben. Ebenso wurden sämtliche beschlagnahmten Privatanlagen in Ruhrort ihren Eigentümern zurückgegeben. Die Verträge zwischen dem Oberkommando der Desatzungstruppen und der Hafenverwaltung Duisburg-Ruhrort sind auf- gehoben, so dah der Zustand vor dem 10. Januar 1923 wieder hergestellt ist. Der Bürgerkrieg in China. Paris. 3. Oft (TU.) Nach Meldungen aus Schanghai sind die gegnerischen Streitkräfte von der letzten Schlacht äußerst erschöpft, doch werden Vorbereitungen getroffen zur Wiederaufnahme des Marsches auf Schanghai. 200 Meilen östlich von Peking sind erbitterte Kämpfe zwischen der Armee des Generalgouverneurs der Mandschurei Lschang Tsohin and den Truppen des Generals Wu-Pei-Fu im Gange. Auf beiden Seiten wurden Flugzeuge eingesetzt. Die Streitkräfte Wu-Pri-Fus sollen ungefähr 140 000 Mann betragen. Die Lage in Marokko. Madrid, 2. Oft. (Tel.-Un.) Amtlich wird bekanntgegeben, dah die spanischen Verbindungen zwischen Tetuan und ©che-schauen heftig angegriffen wurden. Jedoch gelang es den spanischen Truppen nach schwerem Kampfe, den Feind zurückzuschiagen. Die Marokkaner haben 128 Mann verloren. Die „Chicago Tribüne" will dagegen wissen, dah die Riffkabilen eine spanische Kolonne zwischen Larache und Chechach angegriffen und bis auf den letzten Mann aus- gerieben haben. Kleine politische Nachrichten. Wie die „Voss. Ztg" berichtet, haben die Sozialdemokraten, Demokraten und das Zentrum im Preußischen Landtag beantragt, die Personalabbauverordnung dahin abzuändern, dah der Beschluß, durch den ein Magistratsmitglied in den einstweiligen Ruhestand verseht wird, zu seiner Rechtswirksamkeit der Zustimmung der Aufsichtsbehörde bedarf. Versagt diese die Zustimmung, so entscheidet auf Antrag der Stadtverordnetenversammlung das Staatsministerium. Dieses Gesetz soll rückwirkende Kraft vom 1. 9. 1924 an erhalten. ♦ Der für den 19. und 20. Oktober in Minden geplante Reichsjugendtag der Deut- schenVolkspartei ist auf den 25 und 26. Oktober ebendort verlegt worden. DasP^ogramm des Rcichsjugendtages bleibt im übrigen unverändert. * Der belgische Ministerrat hat beschlossen, sofort nach Beendigung der Ruhrbesehung die M i li t ä r d i en st zeit von 14 auf 12 Monate herabzusetzen, wie das Gesetz es vorschreibt. Auf die Jahresftasse 1923 soll diese Maßnahme bereits Anwendung finden. * Die „Neue Freie Presse" meldet aus Sofia, daß sich dort gestern abend abermals em politischer Mord ereignete. Der Mazedonier Wassilew wurde auf offener Straße nie- dergeschossen: der Täter entkam unerkannt. Ferne, wurde gestern in der Nähe von Melnik dec kommunistische Abg. Gesikvtow getötet. Der argent'.nische Gesandte Dr. D. Motina und Demahlln übermittelten vor ihrem Scheiden, aus Berlin für i. ie Armen der Stadt 10 000 Mk. der Gemahlin des Reichspräsidenten, die über riefe reich Gabe im Sinne der Spendev bereits Deriüat bat. Aus aller Welt. Z. R. III. vor der Amerikafahrt. In Friedrichshafen wurde einem Vertreter des „Berliner Tageblattes" erklärt, daß die dort eingetroffenen Nachrichten über die Maßnahmen d e s a m e r i k a n i s ch e n M a- r ine Ministeriums zur Hilfeleistung bei dem Ozean fing des Z. R. III sehr befriedigt hätten. Die von der amerikanischen Marine zur Verfügung gestellten Schiffe dürften jedoch für eine Hilfeleistung schwerlich in Frage kommen. Es bestehe, in Fried richshifea kein Zweifel, dah das Schift ohne Zwischenfall nach Amerika kommen werde. Bei einem Unglücksfall, also im Falle großer Sturme, würde die Bergung durch Kriegsschiffe bei stark bewegter See nach den bisherigen Erfahrungen unmöglich fein; dagegen seien die Kriegsschifte zur 'Weitergabe von Wetternachrichten unb anderen Meldungen sehr willkommen. Die Route des Luftschiffes fei noch völlig u n b e st i m m t; sie könne erst wenige Tage vor Abfahrt ungefähr feftgefegt werden. Vor der großen Ueberfahrt wepde Wohl nochmals eine kleine Probefahrt über dem Bodensee stattfinden, die voraussichtlich am Freitag oder Samstag vor sich gehen werde Die Meldung, daß die französische Regierung dem Amerika-Zeppelin nur bann die Fahrt über französische Gebietsteile gestatten wolle, wenn ein Vertreter des Mari n em ini ste- riums von einer Grenze Frankreichs zur anderen an, der Fahrt teilnehmen dürfe, Wird dementiert. Der Berliner Neuphilologentag Der erste Verhandlungstag des 19. allgem. Neuphilologentags begann mit einem Festakt in der neuen Aula der Universität. Der 1. Vorsitzende, Geh. Regierungsrat Brandl, betonte in seiner Begrüßungsansprache die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens von Universität und Schule und der Verbindung mit dem Ausland. Reichsminister des Innern Dr. Jarres überbrachte die Grüße des Reichspräsidenten und der Reichs regierung, in deren Kreisest der Wert her neusprachlichen Wissenschaften voll erkannt und gewürdigt werde. Alsdann sprach der preußische Minister Dr. D 0 e l i tz beste Wünsche für den Erfolg der Tagung aus, die in die Zeit der Umbildung Zdes höheren Schulwesens und in eine Epoche falle, in der jeder Mann unb jede Frau für Deutschlands Zukunft zu kämpfen habe. Neben dem Englischen und Französischen sei auch das Spanische zu pflegen und über das Sprachliche hinaus auch die Kenntnis von Land und Leuten und des gesamten Kulturlebens der Nationen. Er begrüße es, dah das Spanische in dem Rahmen des Kongresses einen so großen Raum ein nehme. Gerade das Spanische sei von allergrößter Bedeutung auf dem Gebiete der Literatur und Kunst, wo wir uns den Schöpfungen eines edlen Volkes gegenübersähen, das Deutschland auch heute noch etwas zu sagen habe. In Preußen sei der spanische Unterricht auf 100 Lehranstalten fakultativ eingerichtet. Professor Jones übermittelte in englischer Sprache die Grüße der Universität London und feierte eingehend die Arbeiten der unter der Leitung des Professors Wilhelm Doegen stehenden Lautabteilung der peußischen Staatsbibliothek der England nichts Gleichw-evtiges zur Seite stellen könne, da die englische Regierung wohl Geld für Unterrichts-, aber nicht für Forschungszwecke ausgebe. — Der Reichs Präsiden t gab zu Ehren des Neuphilologe ntages und der gleichzeitig hier tagenden Gesellschaft für Deutsche Bildung in seinem Hause einen Cmp fangs- abend, zu dem außer den etwa 300 Teilnehmern dieser Kongresse auch der Reichskanzler, Marx, der preußische Ministerpräsident Braun, die Reichsminister Dr. Jarres und Dr Hamm, Staatsminister Dr. B 0 e l i h , ©taatsminister a. D. Dr. Herg t, Geheimrat Prof. Dr. Brandl, Gerhart Hauptmann, Ludwig Fulda und andere führende Persönlichkeiten des geistigen Lebens und des Schulwesens Deutschlands erschienen waren. Der tschechische Kamps gegen das deutsche Theater. Nach der erst vor einigen Wochen gemeldeten, durch bewaffnete tschechische Gendarmerie erfolgten Beschlagnahme des deutschen Theaters in Saaz für tschechische Zwecke wurde nunmehr auch in Olmüh dem deutschen Theater, das bisher auf der tschechischen Bühne einmal in der Woche spielen durste, das Recht zur Benutzung des Hauses gekündigt. Von den 50 000 Einwohnern der Stadt Olmüh sind 30 000 Deutsche, deren kulturelle Lage durch die Entziehung der Erlaubnis der Theaterbenuhung schwer beeinträchtigt wird. Eine mysteriöse Rotgeldaffäre. Die Stadt Herne hatte für 1 418 168 Goldmark Notgeld ausgegeben. Davon wurden bisher insgesamt 1 533 653 Goldmark ein gelb ft, sodaß über 115 000 Mk. mehr Notgeld ein- gelöst wurde, wie ausgeben worden war. Man ist zur Zeit damit besänftigt, die Angelegenheit aufzuklären. Aeberfall auf eine StationSkasse. Dienstag abend drang in den Kassenraum der Eisenbahnstation N e u st a d t a. d. ©aale ein Fremder ein und raubte mit vorgehaltenem Revolver die 6tationdfnffc. Ein Beamter der inzwischen alarmierten Station streckte den Räuber durch zwei Schüsse nieder; der Bandit, der nunmehr zur Flucht unfähig war, jagte sich eine Kugel durch den Kopf. Tragischer Tod eines ArzteS. Braunschweig, 2. Okt. (Wolff.) Geheimrat Kruken berg, seit 1908 Leiter der hiesigen Frauenklinik, der seit einigen Tagen vermißt wurde, ist gestern abend.auf dem hiestgen Hauptfricdhof am Grabe feiner ersten Frau tot aufgefunden worden. Krukenberg, der im 61. Lebensjahr steht, hat sich mit Morphium vergiftet. Hans Thomas 85. Geburtstag. Karlsruhe, 2. Oft. (Wolff.) Anläßlich des 85. Geburtstages von Hans Thoma fand heute Mittag um 12 Uhr in der Badischen Kunst halle eine weihevolle Feier im Kreise geladener Gäste statt, unter denen sich die Mitglieder der Regierung sowie Vertreter der Behörden und der Kun st und Wissenschaften | d-vdev .Würtenberger von der Da- vischen Landeskunstfchule feierte in poeftevvllster Weise das Leben und Schafen des Künstlers. Der Reichspräsident hat Hans Thoma folgendes Telegramm zugehen lassen: Zum 85. Geburtstage sende ich Ihnen als Altmeister der deutschen Malei'ei in aufrichtiger und dankbarer Würdigung ihres reichen künstlerischen «Schaffens herzlichste Grüße und Wünsche." Eine Amerikafahrt deutscher Buchdrucker. _ erste Teil der Delegation des Deutschen Buchdrucker-Vereins, die auf Grund einer Einladung die Jahresversammlung der amerikanischen Buchdruckereibesitzer vom 14. bis 18. Oktober in Chicago besucht und damit eine Studienreise durch amerikanische Druckerei- und industrielle Großbetriebe verbindet, hat Bremerhaven an Bord des Dampfers „Kolumbus" verlassen. Die übrigen Teilnehmer treten die Ueberfahrt am 8. Oktober über Holland an. Wettervoraussage«— Fortdauer der veränderlichen, zu Regenfäl >n neigenden Witterung, bei wenig verändertem Temperaturen. Unser Bezirk ist unter dem Einfluß vom mäßig starken Tiefdruckstörungen gekommen, die schon geringe Regen fälle verursachten und die auch morgen noch Trübung und Neigung zu Niederschlägen bedingen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 3. Oft. 1924 Dom Grützen. Das Grüßen ist eine Notwendigkeit. Selbst die, die man nicht des Grußes für wert hält, muh man oft genug grüßen, weil unsere Gruß- formen fast ganz mechanisch geworden sind. Unbewußt greift man nach dem Hute, verneigt sich und spricht irgend ein passendes Wort. Wir haben es so oft getan, daß es uns in Fleisch unb Blut übergegaugen ist und keiner mehr sich etwas dabei denkt. Man hört oft sagen: „Was kommt es mir auf einen Gruß anl“ In der Tat kommt es den wenigsten Menschen auf einen Gruß an, denn er kostet nichts und erweckt immer den Schein, als ob man ein angenehmer und höflicher Mensch wäre. Daß man mit dem Grüßen eine bestimmte soziale Wertschätzung verbindet, verstehen die wenigsten zu handhaben. Man erzählt von einem König, daß er jeden seiner vielen Besucher anders begrüßte: dem einen ging er entgegen und hielt ihm die Hand hin, bei dem andern blieb er sitzen und nickte ihm nur zu, beim dritten erhob er sich zwar und bewegte die Hand, als wenn er sie ihm reichen wollte, aber er reichte sie ihm nicht: und so hatte er für jeden einen feinen kleinen Unterschied, der so trefflich auf ihn paßte, wie ein Bild, das nach seiner Natur gezeichnet ist. Wir sind keine Könige und müssen oft Menschen grüßen, über die wir lieber hinwegblicken möchten. Und doch kommt es sehr auf die Art an, w i e man grüßt. Ein Gruß kann verletzender wirken, als gänzliche Nichtbeachtung: er kann dem andern mehr sagen, als ein langes Gespräch, in dem geschickt mit Worten verschwiegen wird, was man für sich behalten will. Andererseits kann in einem Gruß soviel Hochachtung, stille Hingabe und zarte Aufmerksamkeit liegen, dah ein solcher Gruh oft mehr bedeutet, als viele Worte unb ein Händedruck. Das Auge mancher Menschen ist ja so beredt, unb um ihren Mund spielen so feine Geister von Humor oder Ernst, daß ihr Mund kaum deutlicher sprechen könnte, als es ihr Gruh anbeutenb sagt. Welche Grazie wissen Frauen im Gruh zu entfalten! Wie hold ist das Nicken ihres Kopfes, die leichte Bewegung ihres Körpers, wenn sie einen Gruh erwidern, an dem ihnen gelegen ist. Leichte Röte huscht über ihre Wangen unb verrät mehr, als sie verraten soll. Wie oft ist durch die besondere Art eines Gruhes oder seine Erwiderung bas Schicksal zweier Menschen entschieden worden. Man sollte unsere Kinder lehren, sinnvoll den Gruh zu gebrauchen, unb sie auf bie kleinen Unterschiede aufmerksam machen, die dabei mitsprechen. Das Leben gewinnt dadurch viel Reiz unb wird bewahrt vor einer veräußerlichenden Mechanisierung, die oft so lächerlich wirkt. Müssen wir einmal grüßen, so laßt unS wenigstens sinnvoll grüßen. -er. Die Dankzinsen. Das Kreisamt Gießen ersucht uns (im Anschluß an seine in unserer Nr. 227 abgedruckte Zuschrift. D. Red.) um Aufnahme der nachstehenden Mitteilung der (Siebener Dankenvereiniguirg der die Commerz- und Privatbank 21=®., Fitialc Gießen, Darmstädter unb Nationalbank, Komma nditgesellschast auf Aktien, Zweigniederlassung Gießen, Deutsche Vereinsbank, Filiale Gießen, Direktion der Diskontv-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen, Handels- unb Getverbebank, e. G. m. b. H. Gießen, Mitteldeutsche Kreditbank, Filiale ©leben, angehören: Die Dankenvereinigung ist der Ueberzeugung, daß die von ihr unter dem Zwang außerordentlicher Verhältnisse eingeschlagene Zinspolitrk nicht über das Qllab dessen hinausgeht, das als allgemein üblich und angemessen bezeichnet werden kann. Trotzdem sie dieser Ueberzeugung ist, steht sie auf dem Standpunkt, daß die Zinsen für die Wirtschaft und namentlich für den Einzelunternehmer unter Umständen schwer belastend waren, dah sie aber notwendig waren, um überhaupt zu einer Gesundung unserer wirtschaftlicher Verhältnisse zu kommen. Dieses näher auszu führen, würde den Rahmen dieser Zuschrift über schreiten und bleibt einer angestrebten mündlicher Besprechung mit der Preisprüfungsstelle Vorbehalten. Bereits vor der Veröffentlichung des Artikels im „Gießener Anzeiger" war auf Grund der Anregung der Reichsbank von den Danken eine weitgehende Zinsermähigung ab 1. Oktober beschlossen worden, 'die aber auch, trotzdem sie eine große Erleichterung bringt, auf die Dauer für die Wirtschaft schwer tragbar sein wird, so dah eine weitere Ermäßigung für die Zukunft mit allen Mitteln angestrebt werden muß. Das Ziel wirb sich allerdings nur erreichen lassen durch entsprechende Herabsetzung der Guthaben-Zinsen und diese kann nur erfolgen in Gemeinschaft mit den ©Parkaffen und Girozentralen. Diesbezüglich? Bestrebungen find bereits feit einiger Zell im Gange. Die Zuschrift der Preisprüfungsstelle ist im übrigen dahin zu berichtigen, daß die Ueber- ziehungsprovision nur In den Fällen in Anrech- der Man verlange beim Einkauf von Rah ma-buttergleich gratis die Kinderzeitung „Der kleine Coco . Frankfurt a. M, den 1. Oktober 1924 Bekanntmachung. DninhnrrH ÄÄtÄ Hblllldl Ul Franz Rathenow. 7642V mb. 'tt. 1924 Die glückliche Geburt eines gesunden Jungen zeigen ergebenst an Hans Bosch u. Frau Bertha-Maria geb. Stephan DlllSfßSro ÜÜklÄÜ qeroünWn TintiifliBmrein u.meiswen öle BröhJW UnioÄeel HCOTse. Sieben. SMicJ. Kirchliche Nachrichten. Isr. ReligionSgemeinbe. Gottesd.i. d. Synagog» (Süd-Anl.). Samstag, den 4. Oktober. Dorabd. 5.45, morg. 8.30, abds. 6.05 u. 6.45. □ft. ReNgionSgesellschast. Sabbatseier, 4. Oft Freitag abd. 5.30, Samstag Dorrn. 8.00, Predigt, nachm. 4.00. Sabbatausgang 6.45. — WochengotteS. dienst: Morg. 5.15, abdS. 5.30. Rilltet in r^tQni "Mi: Al,. SIS» fünft, und Wer beteiligt sich an einem Abendkursus imweitznähen undZliäen Der Kursus soll in den nächsten Tagen eröffnet werden. Schrift!. Angebote unt. 023907 a. d. Gießener Anzeiger. tz-M,n “Mim, eit. Selbst inert hält, ere ®ru£ sind. Un> smeigt sich »Mt Dir .in Fleisch iner mehr ost sagen: Sruh an!' iften Men» »stet nicht- b inan ein Dirc Dah ntc soziale : wenigsten 'm Äönifl, anders bc- und hiell i blieb er ften erhob als toenn ite sie ihm ten seinen ihn passt«, llatur ge- Lssen ost 'ir hinweg- rs sehr aus Gruh fann htbeachlung: ein langes r oerschwie» toifl. 2ln= \ Hochach- mfttrnAsxi bebeutet, DaS Auge ib um ihren Humor oder jer sprechen sagt. n ®niD $u res Kopses, $, Denn sie icn gelegen jungen und [. Die oft hruhes oder er Mnschcn ■en, sinnvoll f die kleinen dabei misch viel Äeiz herlichendei' b wirst o Iaht »ns •er. Hessen-Nassau. bl. Dillenburg, 2 Oft. Die vor einiger 3cit gehegte Absicht der Provrirzi.ilschulbehörde, mit dem Austritt der letzten Klasse aus dem hiesigen Seminar die Anstalt zu schlichen rcsp umzu wandeln, scheint cvieder mehr z u r ü ck g e l r e t e n zu sein. Wie verlautet, sollen die sich in einer Spanne von 2 Jahren bildenden Verhältnisse im Lehrerberuf abgewartet werden, ehe man zu den obigen Maßnahmen schreiten, will. - Das Jahr 1924 hat bis jetzt unserer Stadt und dem ganzen Kreise eine rege Bautätigkeit gebracht. Den stärksten Zuwachs hat das Mittelleld Hierselbst als Beamt en viertel erhallen, zu dem sich 7 neue Wohnhäuser gesellt haben,' in den meisten Fällen finanziert durch den Staat resp. Kreis oder den Bauveivin. Das private Bauen dagegen tritt immer mehr zurück, und da, wo man damit angefangen hat, erlauben es die wenigen Mittel nicht, den Bau zur Vollendung zu bongen. Die letzte Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich mit den Bauvorhaben und fahle den Deschluh, etliche St rahen zu verlängern resp. auszrbauen, um neues Wohngelände zu erschlichen. bl. Aus dem Dilltal, 2. Ott. Nachdem die Erntearbeiten sich allmähllch dem Ende zu neigen, taim man eine Uebersicht über berent Ertrag gewinnen. Das Korn und der Weizen haben im allgemeinen einigermaßen standgehalte i, so dah man noch den größten Teil gerettet hat. Die Kartoffelernte ist in vollem Gange. Der Behang ist durchschnittlich gut, doch sind die Knollen klein geblieben. Die befürchtete Fäulnis ist hier im allgemeinen nicht cingetretcn. Die Obst baume tragen, abgesehen von den Pslaumenbäumen, stark. Die Fcrcht hängt über- aus zahlreich, und zudem hat sie sich noch gut entwickelt. Die Pflaumen lassen aber m diesem Jahre/ bedeutend nach. Aimmt man von allen Grzeugnillen den Durchschnitt, so kann man sagen, dah die Ernte in diesem Jahre bei uns doch noch einigermaßen fruchtbongend gewesen ist. Der nette Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. Franksurt a. M., 2. Oft. (SH.) In heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde Stadtrat Dr. Land mann zum Oberbürgermeister vvn Frankfurt an Stelle des bisherigen Oberbürgermeisters Vvigi gewählt. Dr. Landmann würd' mit 35 gegen 27 Stimmen gewählt, die auf den bisherigea Oberbürgermeister entfielen. Dr. Landmamn ist am 18 Mai 1868 in Mannheim geboren und gehört fdt 1917 dem Magistrat der Stndt Frankfurt an wo er das Wirtschaftsamt leitete Er hat sich besondere Verdienste um die Fpanksurter Internationalen Messen erworben. Ntr. ,?Wn «in. «nix besucht Latifa. 8 8- Vklobei 2 Ichv.l g-, «erschlägt •* Die Svnntagsdien stein teilung der Aerz te und Apotheken unserer S adt wird von morgen ab regelmäßig in der Samstag-Ausgabe unseres Blattes veröffentlicht Dabei ist folgendes zu brachten: Der Sonntagsdienst der Aerzie erstreckt sich auf die Zeit von Sams- tag nachmittag 4 älhr bis Montag früh 7 älhr, der Sonntagsdienst der Apoch.cken gilt von Samstag abend 7 Uhr bis Mvnt^ früh 8 -Ufcr, auher- bem hat die Apotheke des jeweiligen Sonntagsdienstes auch noch den Nachtdienst in der folgenden Woche. Wir empfehlen diese Regelung zu beachten, denn sie gilt auf die Dauer. ♦ ♦ Die Feuersi reuen werden morgen »«lchmittag 4 älhr probeweise in Tätigkeit gesetzt. * ♦ Die Obsttrockenanlage im städt. Elektrizitätswerk wird wegen zu geringer Benutzung vom nächsten Montag ab geschlossen. * * Ein Jubiläum des Standesamts. Arn 1. Oktober waren 50 Jahre verflossen, seitdem das Standesamtsregister und die ftaat- Uche Eheschliehungsfoon in Preuhen allgemein eingeführt wurden und das Amt der Standesbeamten im ganzen Lande seinen Anfang nahm. ADD. Dom 1. Januar 1 92 5 ab neue Frachtbriefe. Am 1. 3uni tx 2s. war in der Güterabfertigung ein neuer Frachtbrief-Dordruck in der Gröhe 420x297 Millimeter eingeführt worden, nachdem bereits vorher aus diese Aeueinführung hingewiesen und empfohlen wor- besonderer Preis Würdigkeit fenburg ist bekanntlich die Provinz Starkenburg benannt worden. — 2bn Sonntag «wird die Da r m- fiäbtcr Herbstausstellung, veranstaltet vom Ortsverein Darmstadt der „Allgemeinen Deutschen Knnstgenosfenfchaft". eröffne:. Aus der Ausstellung sind 33 hessische Künstler mit 120 Werken vertreten. — 3n Ober roden wurde bei einem Unfall an der Dreschmaschine dem Dreschmaschinenbesitzer Ehristian Simon dieS ch L d e l- deckezertrümmert. Er wurde in das Ossen- bacher Krankenhaus gebracht. - Der Gemeinde Langen ist von der Kommunale, i Landes bank em Kredit von 500 000 Mk. zur Verfügung gestellt worden zum Zinsatz von 8 Prozent. Das Geld soll zum Dau von Wohnungen verwendet werden. acht uns (i» r nJw,ctov tierciniflUnfl .S, Aliat' KÄ iefrerW ,(» Gsetzen, Ztoeigst^' ®.m. t>.» ifllc Gieyen. llNg 11*' PJ- m ®njel; «E tfbr aussu Kr Ärtikel» SS# «'S > Das Eisenbahnunglück bei Mainz. Mainz, 2. Oft. ($11.) Aach den neuesten, bisher vorliegenden Meldungen rst die Strecke heute früh wieder frei geworden. Dre genaue Zahl der Toten die gerüchtweise 25 bis 30 betragen soll, steht noch nicht fest, da die Aegie keine genaue Auskunft gibt. Aach ihren Angaben beträgt die Zahl der Toten 7, die der Der- letzten 14. Letztere hat sich inzwischen auf 18 bis 20 erhöht. Die Ursache der Katastrophe, die in dem verräucherten, vollkommen dunklen Tunnel M grober Entfernung vom Tageslicht und von bat nächsten Meldestellen — grausig gewesen (ein muh, wird in dem Dersagen der Lus' bremsen des l)-Zuges erblickt Infolge des Versagens der D1 ockaussatz > icherung auS Mainz-Haaptbahnhos war da» Gleis des Tunnels nicht zurückgesite ■ Obwohl von bei Blockstelle Maurz-Snd d s TunnelauSgangS der v - Z u g n o cb nickt ; u rückgemel b c t worden coar. lief} der verantwortliche Fahrdienstleiter Mainz-Hau' - bahnhos den 4 Minuten später fälligen c. ■ fon enzug Mainz-Woims ab. Wegen !es dichten Qualmes und der im Tunnel liegenden Kurven tonnte der Lokomotivführer der Pe sonenzuges den haltenden 11 - Z u g. der I igs- über auch im Tunnel keine erl achteten <5d>'af• lichter ftihrt, nicht bemerken De Anp.till war furchtbar. Die Lokomotive des Pr fot.e fuhr mit voller Geschwindigkeit aus o n letzten O-Zug-Wagen auf, dessen n-un Insasse i loinrt lot waren Die beiden nächsten Wagen schoben sich ineinander, die Gasbehälter explodierten und hüllten den Tunnel in Ra u ch und Flammen ein. Das Unglück :an . H eines der schwersten betrachtet werden, das seit langem zu verzeichnen ist. Don den tödlich Verunglückten sind (wie wir in einem Teil unserer gestrigen A i» gäbe schon meldeten. D. QV?b.) bisher fünf namentlich festgestellt: Arthur Struwe, Fabrikant, Hamburg, Damm» torstvahe 32, Heinrich Engel, Frankfurt a. M.. Eugen Kortier. Fabrikant, Bad Dürkheim, Erwin K ortier, Student. Bad Dürkheim, und ein französischer Kontrolleur Gravier. Die Aamen der Verletzten, die bis jetzt int Städtischen Kranken Hause liegen, sind: Müller P o?zhttm, Spahn- Kassel K ö m m c xn französischen Militärlazarett liegen auherdem noch zehn Verletzte. Militär, Polizei und vor allem die mit Ranch Helmen ausgerüstete Feuerwehr sind unabläffic; bemüht. die noch in den zerschmetterten Wagen -in- geschlossenen Toten und Schwrrwer letzten sreizu- machen. Die Leichen und die Derlehten bieten cb grauenvolles Bild. Die Wucht des Zusammeit- stohes schlug die Bänke der 3. Klasse so gegeneinander. dah die Beine der Insassen fast durch weg zerschmettert wurden. Die Hillcleistung wurde durch die starke Rauchentwicklung, welche die in Brand geratenen Gasbehälter verursachen, in den ersten Stunden säst unmöglich gemacht. Erst bei mit Rauchhelmen und Sauersiofsapparaten aus gerüsteten Feuerwehr gelang es, die zertrümmerten Wagen zu erreichen, aus denen Schmerzens- schreie und Hilferuse ertönten Mit Achten und Hämmern gelang es den Hilfsmannsch ist:n unter den Strahlen der französischen Militärschstnwe.fer. sich einen Weg zu den Gingeschlvssenen zu bahnen. Auf den Bahnsteigen des Südbahnhofes spielten sich erschütternde Szenen ab. Sehr viele der Leichtverletzten haben vor Schrecken fast den Verstand verloren, andere, die Angehörige in d.m Zuge hatten, waren nur unter Anwendung Von Gewalt abzuhalten, in den Tunnel einzudringen. Augenzeugen berichten übereinstimmend, das) in dem Augei,blick des Jusammenstostes in den we - niger beschädig ten Wagen eine Panik entstand, die sich zum Teil in wüsten Ans> schreitungen äußerte. Die Türen und Fen« fier wurden mit grober Gewalt zertreten und zer- schlagerr, während die Insassen in das Frei - stürzten imb planlos zwischen den Trümmern umherlief an. Kkinamben Gasthaus zur deutschen Siche Sonntag, den 5. Oktober 1924, Anfang 4 Uhr öffentlicher Tanz Gut besetzte Mustd — Parkettboden. -- Prima Hau? macher-Wurst sowie Rivvchen, Haspel, Koteletts und sonstige warme Speisen »u jeder Tageszeit. Sirenen Samstag, den .. -- -— ■ - mittags 4 4161. »robetoeife getötet rocü®te6cn. den 2. Ottob« 1924 Stadtbauamt. Braubach.__ F»ng tanntt, wv t vereinbar t e Konto- bbenziehungen stattftnden mit dem Zlel, solche UÄberziehungen zu verhindern. Ferner dahin, dast am hiesigen Platze für Ab- ftempelung von Werttxrpieren ober Einreichung »ur Abstempelung von Wertpapieren Prvvisions^ sätze überhaupt irvch nicht festgesetzt und von letnem Institut berechnet worden finb, so dah der in der Zuschrift enthaltene Dorwurs die Mitglieder der Bankenvereinigung nicht treffen kann. Wiederaufnahme des Brieftelegrammverkehrs. Aus dem Reichspostministerium erfahren wir, dah die Wiederaufnahme deS Bries- telegrammverkehrs zum 2 0. Oktober bevorsteht. Ein alter Bekannter kehrt wieder, aber in neuem Gewände. Das neue Brieftelegramm, vorerst nur im innerdeutschen Verkehr zugelassen, soll hinsichtlich der Auslieferung keiner örtlichen oder zeillichen Beschränkung mehr unterliegen. Die Gebühr wird zwei Drittel des Satzes für gewöhnliche Femtele- grarnme betragen, mindestens wäre für ein Brief- iv'Iegramm soviel zu bezahlen, wie für acht Wörter eines gewöhnlichen Fern telegram ms. Die telegraphische Beförderung soll grunvfäy- lich nach den vollbezahlten Telegrammen, vor- nchmlich allo in den verkehrsschwachen Stunden fiattfinben. Am Bestimmungsort werden ine Brieftelegramme in den Post betrieb übergehen und dem Empsänger wie gewöhnliche Briefe und mit den regelmäßigen Brieszustellgelegenheiten .-.ugesührt werden In der Regel wird dies auf dem ersten Briefzustellgang morgens geschehen können. Das Brieftelegvwnm will nicht etwa das vvllbezahlte entbehrlich machen, sondern ist als ein Mittelding zwischen diesem und dem Eilbrief gedacht. Für die Brieftelegramme werden also namenttich solche Mitteilungen in Betracht kommen, für die die Telegrammform mehr aus äuherlichen Gründen gewählt zu werden Pflegt als wegen ihrer Eilbedürftigkeit, wie z. B. Glückwünsche, Degrühungen usw., oder die in der sonst üblichen Briefform ihre Besttmmung unter besonderen Verhältnissen nicht mehr rechtzeitig erreichen würden. In zahlreichen Fällen wird das Brieftelegramm also nicht nur dem Privatmann, sondern als wohlseiles und schnelles Aachrichtenmittel auch im Geschäftsleben gute Dienste leisten können. Wo jedoch plötzlich das Bedürfnis zur Absendung einer schriftlichen Mitteilung eintritt, die den Empfänger möglichst schnell erreichen soll, wird auch weiterhin dos vvllbezahlte ober drin- genbe ‘Xdegramm ober gar das Blitztelegramm nicht zu entbehren sein. ♦ Schokoladen und Kakao zu Orißinalpreisen empfiehlt 73MD Beinrich Driesch Selters« eg 70. MscheKsche beute eiutrefsend: prima Seelachs »Ä Goldbarsch o. St., Psd. 40 Pfg. Vratschellfifche 50 Pfennig Neues Sauerkraut Pfund 25 Pfg., 3 Pfund 65 Psg. Zwiebeln J prima haltbare Winlermare zu auhersten Preise». Bücklinge. Neue Vollberinge. Neue marinierte Heringe. WM SIMM Bahnhosstr. 27. Feruspr. 1631. den war. gröbere Bestände an alten Frachtbries- muflcru zu vermeiden. .Troy dieses Hinweises ist die Frist für die Verwendung alter Frachtbrief-Vordrucke in der Grvste von 380x300 Millimeter noch bis zum 31. Dezember ds Is. verlängert worden: von diesem Tage an werden jedoch alte Muster nicht mehr angenommen. Da aber die Verwendung der noch vorhandenen doppelseitig bedruckten (Oerfleinerten) Frachtbriese von 190x300 Millimeter als Frachtbrief- Duplikate bis auf weiteres zuaelassen ist. will der Reichsverkehrsminister nichts Dagegen einwenden, wenn die am 31. Dezember rrvch verbleibenden Bestände der Frachtbriefe von 380x300 Millimeter durch Bedrucken der Rückseiten zu Duplikat- Frachtbriesen umgewandelt, das heißt aus einem Frachtbrief-Dordruck zwei Duplikat-Dordrucke hergestellt würden. Diese geänderten Dordrucke würden vorläufig noch bis zum 31. Dezember 1925 zugelassen werden. Vorno tizerr. — Lageskalender für Freitag. Potsdamer Madrigalchvr Konzert, abends 8älhr im Katholischen Dereinshaus. — GabelSberger Stenograp henverein 1861 und Damen verein: Der- ernSabend im Kaufm. Dereinshaus. — Lichtspielhaus. Dahichofstraste: ^Scheine deS Todes". — Hess. Bilderbühne: „MädchenlvS". — Astvria- Lichtspiele: „Derrat". Landkreis (^tci;cn. t Grünberg. 3. Oft. Aächsten Sonntagabend finbet in der Turnhalle ein Konzert der Darmstädter Madrigalvereinigung unter Leitung von Privatdvzent Dr. Ava k°Darm° stadt statt. Die Aladrigalvereinigung rst schon mehre re Male in Grünberg gewesen, ihre gesanglichen ßeiftungen haben überall Beifall gefunden. — Gestern fuhr ein Radfahrer nameirs Albach aus Harbach im raschen Tempo den Berg hinter dem ©iebener Wald aus der Strahe Grünberg— Harbach herab und rannte dabei gegen einen Erdhaufen. Der Mann stürzte vom Rad und wurde später von einem Motorradfahrer aus Grüirberg, der ihm auch die erste Hilfe leistete, b^vusttlos aufgefunden. Der hinzugerufene Arzt konnte Beine größeren äußeren Verletzungen feststellen, es scheinen schwerereinnereVepletzungen vvr- zuliegen. groangsoerftelfleruna. Freitag, den 10. Oktober 1924. vormittags 10 Mr, soll das dem Georg Bill in Butzbach im Grundbuchs von Giehen zugeschriebene Anwesem Ilur 38 Olr. 2451 ... — 716 qm Hosrette, Lahnstt. 15 (früher 9'/»°)- im Amtsgerrchtsneubau Zimmer Ar. 101 zu G'esten im Wege der Zwangsvollstreckung verstergert werden. Giehen, den 14. Augu,t 1924. Hessisches Ortsgerrcht. I. X: Leo. ooöou Besichtigen Sie ohne Kaufzwang unsere Auswahl und Preise. 7633a iii- , j er hell und dunkel, moderne Streifen, 70 cm breit, j Blusenstoffe Meter E. 2.50, M0t 1 .DU » , , rc reine Wolle, weiß und dunkelgrundig, hochmodern q /)/) BlUSenStoffe Meter Mk. 5.00,4.00, D.UU Rockstreifen 100 cm breit, aparte Muster, Meter Mk 5.00, 4.50, 3.00 3 ,.100 cm breit, reine Wolle, schwerste Zwirnware, in fünfzig zr qq Popeline Farben' Meter Mk-u,uu Giessen Cx 5chulsiraße Kreis Friedberg. ss. Friedberg, 2. Oktober. „Groh- Friedberg", unter diesem vielversprechenden Aamen besitzt unsere Stadt seit gestern ein in großzügiger Weise ausgestattetes Etablissement, welches das Lichtspieltheater und die Kleinkunstbühne vereinigen soll. Der gröhte Saal Friedbergs, der als Dersammlungs-, Theater- und Konzertraum allgemein benutzte Saalbau, ist in künstlerischer Weise hergericht-et | worden, ebenso die anstohenden Gasträume au I einem eleganten Eaf6 und einer Weinstube. Gestern abend fand vor einem geladenen Publi- lum, das den geräumigen Saal bis zum letzten Platz füllte, eine Sondervorstellung statt. Die wundervolle Ausschmückung der Räume fand allgemeine Anerkennung, die Vorstellung brachte in ihrem ersten Teil die Vorführung des Films „Die Königin von Saba", im zweiten Teil eine Anzahl recht guter Kabarettaufführungen. Friedberg ist durch die Eröffnung dieses Lokals um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden. Starkenburg und Rheinhessen. * Darm stabt, 2. Oft. (Eigener Bericht.) Wie die Blätter melbsn, kann der Bergfried derBurgStarkenburg nicht mehr wieder- hergestellt werden, well die Fundanrente nicht mehr tragfähig sind. Der Turm muh gesprengt werden. Die Starkenburg bei Heppenheim ist im Jahre 1066 von dem Fürstabt Lldalerich voir Lersch gegen Adalbert von Bremen gebaut worden, da wegen der Erziehung des jungen Kaisers Heinrich IV. zwischen Adalbert und dem Bischoft Hanne von Köln ein Rechtsstreit ausgebrochen war. bldalerich hatte sich auf die Seite des Bischofs von Kolir gestellt. Der Landtag hatte kürzlich 30 000 Mark zur Erhaltung de- 'Starkenburg bewilligt, beq 28 Meter hohe Turm soll, nachdem er gesprengt ist, mishor nnfflcS/rut werden. Aach der Star» LICHTSPIELHAUS Giessen spricht von im Film ASTOHIA-LICHTSPIELE in der Achtung! bi»einehtsowtag Achtung! HessischmBilderbühne 7568c melden. 7608D WelmWen gesucht. 7649D L Stellenangebote NerztemaiilHkll gesucht. 7637c Frauenklinik. 7291c Auf den Bergen wohnt das Glück Auf den Bergen wohnt das Glück f Dauer-1 Wäsche alle Formen Kaufhaus L Katz i Ullstein* Alben und Schnitte Favorit- Alben und Schnitte großes Lager. Salomon 6973a Schulstr. 4. Warnung I Warne Hiermit jedermann, mein.Tochter Anna Stumpf etwas zu leiben ob. au borgen, daichfürnichtshafte Heinr. Stumps HL Garbenteich.i , , Lillian Gish IIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIKIIIIIIilll SCHWAMME Vertretung an eingeführt. Herrn für dortigen Bezirk zu vergeben. Herren mit besten Empfehlungen belieben schriftliche Angebote unter 7631c an den Gießener Anzeiger zu richten. MegeinMrigetate zum Verkauf einer guten Neuheit (Schlager) an Private gesucht. Näheres täglich von 11—7 Uhr Frankfurt. Strahe 31II. Feinkost Hammer, Lioba Krabben Sardellen Oelsardlnen gekochter Salm Appetitsüd Ancbovispaste Sardellenbutter Kieler Fischkonserven Gabelbissen Filetherligel. Mayonnaise, Remoulade, Tomaten, Gewflrz new. Fleischsalat mit Mayonnaise Ochsen maul salat Brannaohwelger 7flMD Warst Viele Sorten Kflse Erdbeeren, P!lr- siscbe, Ananas znr Bowle Alles in bester Qualltftt Hinrich Driesch Seltersweg 70. Heirat. Suche f. in. Freundin, Ende 20er I., ein. nett. Herrn, der gewillt u. i. d. Lage ist, ihr ein angen. Heim z. bieten. Dieselbe ist j. tüchtig im Haush., gsd. u. v. gt. Charakter. Wtwr.m. Kind n. ausgeschl. Schr. Ang. u. 023909 a. d. G.A. Annonym zwecklos. Ehrensache Sleooljpislio in gute Position gesucht. Nur erste Kräfte wollen sich gtrnforeMU? Verjüngung ist die Sehnsucht des alternden Abendlandes, und wer sie verheißt, der Mann des Lages. Aber auf solche Verheißung folgt meißt die Ernüchterung, da das Kraut wider den Tod noch nicht gewachsen ist. Der hilfreichste Freund ist immer noch der Götterbaum Sinnes, der uns den braunen Göttertrank spendet. Wer den einzigedlen Neichardt- kakao zu seinem unzertrennlichen Hausfreunde gemacht hat, begreift den tiefen Sinn der Bezeichnung des klassischen Naturforschers. Wie neugeboren fühlt et sich bei der neuen Lebensweise, und götterfrisch kann er es mit der argen Zeit ausnehmen. Reichardtkakao stammt aus nur gesunden Bohnen, deren natürliches Aroma in ihm voll entfaltet ist. Durch höchsten Gehalt an der geschmackgebenden braunen Kakao- fubstanz und feinste Verarbeitung wird er besonders ergiebig und sparsam im Gebrauche. Man erhält ihn erstaunlich preiswert in allen durch Schilder und Plakate mit folgendem Namenszuge kenntlichen Geschäften: Prima Speise- u. Salatkartoffeln (gelbe MiiiMcn) empfiehlt billigst W. Hankel 7 Neuen Baue 7 Telephon 612. Bestellungen auf Winterkartoffeln werben entgegen- genommen. Mädchen los lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllll Bettbarchent ersttlasfige, be- roötirte Mrllake echkrol u. fever- Olfljt in allen Breiten vorrätig. Anhergeivölmlill) preiswert. £. Beroorö Blsmartfftr. 6. Tausche schöne 4 Zimmer» Wohnung m. etwas Garten in hübscher, freier Lage in der Stabt gegen 5* bis 7-Zimmcr-Wobng. Schriftl. Angebote unter 7636V an ben Gieff. Anz. erbeten. fKaufgesuche" Alter Blei Bleiröhren) kauft Brühlsche Druckerei Schulstr.7/9^ Empfehlungen | Ein reelles u. gutes firäftigungöinittcl ist [023866 Maizetttl I-Pfunb-Dose nur Mk. 1.40. Reformhaus Kreuzplatz 5. Jg. Heben sucht Lehrstelle als Schneiderin per fofort ob. später. Schr'ftl. Angebote unter 023915 an ben Gieff. Anz. erbeten. | Verkäufe | Drei Morgen Aumtigras billig ob^ufleben023611 Ludwiasplatz 3. ^Vermietungen | Gut möbliertes DO»- nnö MiOiimver zu vermieten [023917 Bruchstratzc 611. Mietgesuche | BungeS, kinberloses hepaar,Akab., sucht 2 mödl. Zimmcr vom L Nov. ab für 4—6 Monate. Offert, unter M. B. 4541 an Rudolf Messe, München. [7639s5 Provinzial Pslegeauftalt. Stellengesuche] Selbstänb-, tüchtiger Metzgelgeselle verbeiralet, sucht Stelle in Giehen ob. Umgebung. Schriftl. Angeb. unter 023912 a. b. Gieh. Anz. erb. Heute hl* ei»schI. Henta<: [5*93 die schöne und beliebte, auf so tragische Weise verschiedene Künstlerin in d. Drama Scheine desTodes 6 Akte. — Fernen Im Hotel zur Nachtigall Eine tolle Komödie der Verwechselungen in 5 Akten. der verwegenste Cowboy Amerikas in seinem neusten Wild-West-Sensations- und Cowboy- Großfilm in 6 Akten Verrat Das Berliner 8 Uhr-Abendbl. schreibt: Dieser Film ist einer der best Amerikaner, die jemals zu uns herübergekomm. sindu. wahrhaftig!— es müßte eine Verfügung erlass, werden, daß jed. Kino im Reich dies. Film zu spielen hätte. Ferner: Um eine Million Dollar Kriminalfilm in 5 Akten. 7645c UMWM ßu unserem am Samstag, dem 4.Oktober, in der Turnhalle des Turnvereins von 1846, Steinftratze, stattfinbenben 4. Stiftungsfest laben wir hiermit herzlichst ein. [M8gae :: Sportliche Veranstaltungen:: Lieder zur Laute Verlosung, Humorist. Dortrüge — Tanz. ™ ho Kränze I Schleier -Wäsehe 1 Seide im 2,28 D Modehaus Salomon Gießen, Schulstr. Wegen Äufgabe ber Bienenzuchtverkaufe ein Kuntzsch-Zwil- ling, beseht, zwei Normalmah, besetzt unb 4 unbesetzt, 3 u. 4etager. o**u Marburg.Str.vvl. WANDERER uni, B M W stgrke 2-Zul.-Maschi° n 40.- Winterioppen von Mk. 12.— an Neue elegante Herren Anzüge von Mk. 23.— bis 55.— Burschen-Anzüge t all. Preislag. Windjacken von Mk. 10.— an Manschetterbosen, lang unb kurz, von Mk. 13 — an Feldgraue Tuchhosen, lang unb kürz, von Mk. 8.— an Svortbosen in allen Farben, per Stück ML 8.- Schwarze Hosen für Kellner unb Biusiker, sehr gute Qualität Schwarze Hosen f. Eisenbahner, per Stuck Mk. 10.— Gestreifte Hosen in verschiebenen Farben von Mk. 7.— an Fünglingsbosen v. Mk. 4.— an Kinder- und blaue Arbelter- Anziigc, sehr billig Grokcr Posten neuer eleganter Tamenmäntel eingetroffen!! Sehr preiswert Normalbcmden mit Brusleinsatz sow.Arbeiterbemden, sehr bi ll. Getragene Paletots, Ulster, Schlüpfer von Mk. 10.— an Getrag. Anzüge v. Mk. 14.— an Getragene Kostüme, einzelne Nücke und Blusen spottbillig. SW Ein Versuch lohnt! Herrengarderobehaus L.Nosenzweig Giehen, SelterSw.58,1 Treppe Eingang Ecke Volksbab. Kein Laden [023910! Kein Laden KartoffcIIieferung. Für das hiesige LandgerichtsgefängniS soll die Lieferung von 300 Zentner guter, gesunder Speisekartoffeln vergeben werden. Angebote sind bis Mittwoch, den 8. Oktober l. IS., vormittags 10 Uhr, auf dem Sekretariat der Staatsanwaltschaft, altes Fustizgebäude, Zimmer 9, Erdgeschoß, abzugeben. Zuschlagsfrisi 3 Tage. 7638D Gietzen, den 1. Oktober 1924. Der Oberstaatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberheffen. Hoos. Auf den Bergen wohnt das Glück Hansa Handelsschule J. Kunzeimann Gießen, Bleichstr. 5 14. Okt. Beginn neuer Kurse ^Prospekt frei. Erfolgreicher Nachhilfeunterricht in allen Fächern, Serta bis Prima. Beste Erfolge unb Empfehlungen.^,«D Roonstratze 181. Gießener Radf.- Verein 1885. Sonntag, 5. Okt.: Äbfahren nach Bersrod. Treffpunkt 1 Ubr: „Hess. Hos" 76,3v Der Fabrwart. U Turnverein f 1846. Sonntag, 5. Okt., vorm. von 8 Uhr ab in ber Turnhalle Dereins- wetturnen nachmittags 3 Uhr Schauturnen und Konzert abenbs 8 Ubr Familienfeier Siegerverkündigung Tanz Zahlreichen Besuch erwartet 7635c der Vorstand. Elsaß- u,7v Lothringer! Die nächste Monats- Versammlung ftnbet am SamStag, 11. Oktober, nbb8. 8V< Uhr, im Hole! Köhler statt. / Schreib-\ / maschlncn-\ / Reparaturen l Fraas Vogt & Cs. i Gießen, Ooethestr.32 \ Tel. 264 \ Eigene Spezial- j X- werks tStte / Stenograph. ■ Gesellschaft Gabelsberger undDamenabteiiunö(E.V.) SamStag vereitlrabeni f,Stadt Lich". Diplomverteilung. Monats- versammlung am Samstag, den 4.Oktober, tmVer- einslokal. 7650c Amicitia! SamStag, 8 Ubr: Ätonats- versammlflng unb A. H. A. Erscheinen bringenb erforderlich. 023924 Der Vorstand. Reictisvereinig. ehern, Kriegsgefangener e.V. Samstag, 4. Okt., 8 Ubr, Katb. Ver etnShauS: Union. Samstag: We VsiU im Hindenburg «r. 215 dwenes glatt Gtetzener Anzeiger (Heneral-Anzetger für V-erheffen)Zreltag, 3. Oktober 1924 einem 'Präventivkrieg Deutschen Turnen, Sport und Spiel. Der Turnbetrieb im Winter. Die Lage werden kürzer und kürzer, und mit dem frühen Sonnenuntergang schwindet auch die Möglichkeit, den Körper im Freien zu tummeln, immer mehr. Die Anforderungen des Berufes zwingen die Mehrzahl der Angehörigen aller Stände, tagsüber in staubiger und verbrauchter BurMulluft, oder in mit Dunst and Qualm erfüllten Maschinen-, Fabrik- und sonstigen Ar- breitsräumen den Tag zu verbringen, ohne baß Turnen, Spiel und Sport nach Feierabend ihnen einen Ausgleich bieten. Da wird dann der Zug zu den Turnhallen wieder stärker. Sie sind die Hebungsstätten, in denen dem erschlafften Körper nach des Tages Last und Mich auch in der kälten Jahreszeit Kraft und Gewandtheit, Rervenfrifche und Spannkraft vermittelt werden kann. Die deutschen Turnvereine treiben schon seit langem als Grundlage ihres Vereinsbetriebes das Hallent um en, dessen Vielseitigkeit und systematischer Aufbau jedem etwas zu bieten vermag, ohne baß er befürchten muh, dah er infolge mangelnden Könnens oder mangelnder körperlicher Veranlagung allzusehr im Rückstände bleibt. Denn Turnen ist nicht Gipfeltrunen, sondern ein Dolks- erziehungsmittel, das für jeden zwcck- Brief abzugeben und Jedem gegenüber, wer immer es auch fei, unverbrüchliches Stillschweigen zu beobachten. Solches geschah. Philipp konnte den Mund halten. Als er nach drei Stunden, sehnlichst erwartet, zurücKehrte, fragte ihn sein Herr, was der Herr Pfarrer gesagt habe. Philipp berichtete, jener habe den Brief erbrochen, gelesen, habe gelacht und ihm einen preuhischen mäßige und seiner LeistungSf ähigkeit angepahte HebungSformen umfaßt, die ferner Bergung und feiner Veranlagung entsprechen. 'Der in einen Verein der Deutschen Tumerschaft eintritt, die mit fast l3/4 Millionen Mitgliedern der größte und gleichzeitig der älteste und vielseitigste deutsche Verbind für Leibesübungen ist, wird überall gute Aufnahme finden. Welche Hebungen werden im Turnbetrieb eines deutschen Turnvereins vornehmlich gepflegt? Ein Turnabend wickelt sich etwa folgendermaßen ab. Zunächst ein Kürturnen, bei dem sich jeder nach Belieben tummeln kann und bei dem er versucht, Lücken in seinem Können auszufüllen, und neues hinzuzulernen. Dann folgt Gesang eines Tumerliedes, allgemeine, der Kräftigung des Körpers dienende Frei-, Hantel- oder Stabüburgen, sodann ein geregelte Riegen turnen unter Leitung von Vorturnern an den Hauptgeräten des deutschen Turnens, Reck, Barren, Pferd, Schaukelringen, Dock und an Sprang- geraten. Bei diesem Riegenturnen wird dem Können des einzelnen im weitesten Maße Rechnung getragen und planmäßig durch Hebergang von leichteren zu schweren Hebungen arch der Hr.geschickteste allmählich geschickt und stark gemacht. Damit ist der Aufgabenkreis eines Tum- betriebs aber noch nicht umriffen. Edle Geselligkeit, Wanderungen an den Sonntagen, Pflege des Turnspieles und Sportspiels, Waldlä ife werden den Winter hindurch nicht unterlassen Auch der Wettkämpfer und der, der es werden will, hat im Winter im reichlichen Maße Gelegenheit, fein Können zu vervollkommnen durch systematische Ausbildung seines Körpers und durch Pflege von vorbereitenden und ergänzende,n Hebungen, die ihm eine Grundlage zur Verbesserung in der nächsten Sommerwettkampfzeit geben. Größere Vereine pflegen .auch das Fechten, Schwimmen und Ringen. So bietet das Turnen in seinen vielseitigen Formen jedem die Möglichkeit, sich körperlich zu ertüchtigen und frisch zu erhalten. Möchten recht viele von den Segnungen eines neuzeitlichen geordneten Turnens Gebrauch machen! Die sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen liegen klar zutage. Und das gilt nicht nur von der Betätigung des Mannes, sondern auch von der des weiblichen Geschlechts, an das heutzutage hohe berufliche Anforderungen tm Kampf um das Dasein gestellt werden. Auch die Frau muß, Leibesübungen treiben, heute mehr denn je, will sie nicht allzusehr hinter den Leistungen des Mannes zurück- stehen. Selbstverständlich sind die Hebungen der Frauen in den Turnvereinen auf neuzeitlicher Grundlage aufgebaut. Sie nehmen Rücksicht auf die besonderen körperlichen und seelischen Eigenheiten des weiblichen Geschlechts. Endlich sei auch, nicht außer acht gelassen, baß ebenso wie der Mann in der Vollkraft seiner Jahre auch der ältere Herr seiner Körperverfassung entsprechend in besonderen Abteilungen oder Riegen sich betätigen Barni. Für die schulentlassene Jugend, die heute mehr denn je den Einflüssen der Straße entzogen werden muß, die Schüler und Schülerinnen, stehen ebenfalls in allen größeren Vereinen besondere Abteilungen zur Verfügung, so daß man mit Recht behaupten kann, daß jeder Angehörige beider Geschlechter in allen Altersstufen im reichsten Maße Gelegenheit findet, sich cruch m der Winterszeit in den Turnvereinen zu betätigen und sich Lebenswerte zu gewinnen. Mögen die Turnvereine, die fernab von jeder politischen Parteizugchörigkett Nur dem Volkstänzen bienen wollen, von allen Seiten Zustrom erhalten, damit die hohen volkserzieherischen Werte, die sie vermitteln, Allgemeingut des deutschen Volles werdens * Darmstadt, 2. Oft. Ein Schreibgehilfe aus Ridda, der ohne Beamten ei gen- schäft auf einer Bürgermeisterei im Odenwald beschäftigt war, hatte Erwerbslvsengelder unterschlagen und Hrkunbenfälschun« gen begangen. Er stammt aus achtbarer Familie und war nicht in Rot. Das Gericht sah sein Geständnis als mildernden llmstand an und verurteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis, abzüglich zwei Monate der Hntersuchu ngshast. Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Predigt. Endlich ertönte das „Amen" wie ein Paukenschlag in der hohen Kirchen halle. Da warf unser „Kirchenrätche" feinen Mantel ab, hotte rasch das Barett aus der Tasche, sprang hurtig zum Attar hin und hielt, anscheinend zur größten Hebervaschung des Pfarrers und gewiß zu der aller anderen Gläubigen, eine Schlußansprache, in der er die treffliche Predigt seines Amtsbruders über alle Maßen lobte und der Gemeinde zu solch' wackeren Pfarrherrn gratulierte. Den Segen spendete der Herr Kttchenrat selbst. Hiernach trat er zum Kirchenvorstande hin, riet ihm, das zu Herzen zu nehmen, was der Herr Pfarrer gesagt habe und fand aus guten Gründen nirgends eine Widerrede. Tief bewegt danfte ihm der Herr Pfarrer. Es war am folgenden Tage gegen sechs Hhr abends. Justus Müller erwartete am Fenster den Freund, der sich bald darauf auch einstellte. Ro wie war's, Kirchenrat," fragte Justus. Justus," erwiderte dieser, „solch' eine Predigt wie in T. hab' ich all' mein Lebtag noch nicht gehört Besser wie der kann's keiner Wenn die Bauern ja geschrieben hätten, ihr Pfarrer tränt' zu viel über den Durst, ja, dann wär's eine andere Sach' — wo sie aber nach oben geschrieben haben, cr fei ein schle er Prediger, da haben die Kerle gelogen wie noch nie.“ Also blieb der Pfarrer nach des „Kirchenrätches" höchst lebendem Bericht auf seiner Stelle bis an rein seliges Ende. Durch Gottes und — Justus Müllers Hilf.-. Gerichtssaal. * Limburg, 30. Sept. Der unglückliche Schuß, durch welchen tm Januar b. Js. ein junger Mensch namens Valentin aus Gleiberg um das Leben gekommen ist, fand vor dem biefigen Schwurgericht heute seine Ab- urteHung. (Der „Gießener Anzeiger" hat seinerzeit m mehreren MitteÄurngen über das ErDie Anslsrabung der großen Maya-Stadt. Die gewaltige Stad* der alten Maya, die der englische Forschungsreisende Mitchell Hedges vor kurzem im Hrwald von Britisch- Honduras entdeckte, soll jetzt auf einer neuen Expedition, die der Reifende mit feinen beiden bisherigen Begleitern, Lady Richmond Brown und dem Archäologen Dr ®ann unternimmt, ausgegraben werden. Die Reisenden verlassen England im Oktober und unternehmen damit die flebente Forschungsreise nach Britisch-Honduras. Von der letzten Reise haben sie die größte ethnologische Sammlung mitgebracht, die jemals dem Britischen Museum geschenkt wurde. Die Gefahren, die die kühnen Ausgräber im Hrwald erwarten, sind außerordentlich groß; sie werden von ihrem Ausgangspuntt gegen 200 Kilometer südlich zurüchulegen haben, von denen gegen 80 Kilometer durch den dichtesten Hrwald führen. Die Hitze ist so unerttäglich, daß Europäer es höchstens sieben Tage an der Stätte der Ausgrabungen aashalten, sie weiden daher häufig nach der Küste zurücklehren müssen. Aeußerst gefährlich find auch die vielen Infekten, deren giftige Stiche das Leben bedrohen. Trotzdem werden die Forschungsreisenden die Ausgrabung der gewaltigen Ruinen unternehmen, die jetzt Lubaantum, b. h. Ort der fallender Steine genannt werden. Man holft. auf dies- Weise nicht nur die früheste Geschichte Südamerikas aufzuklären, sondern neues Licht über d e ganze Entwicklung der Weltkulturen zu verbreiten. eignis berichtet.) Der Jagdausieher Aieber- gall von Gleiberg hatte beobachtet, baß drei junge Leute in dem ihm ändert rauten Jagdrevier auf Hasen wilderten, wenigstens hatte cr Grund anzunehmen, daß dies geschehe, zumal damals bei bcrti hohen Schnee außerordentlich stark gewildert wurde Als er sich auf die jungen Leute zu bewegte, kam er zu Fall, stolperte noch einige Schritte vorwärts, und hierbei soll nach feiner Angabe der Kugellauf seiner Düchsflintt zum Abschuß gekommen fein. In einer Entfernung von etwa 250 Meter traf die Kugel den jungen Valentin von Gleiberg, so zwar, daß cr schwel' verletzt noch nach Hause gebracht werden konnte, dort aber alsbald verstarb. Die Begleiter bes Getöteten, Valentin und Hofmann, als Zeugen vernommen, behaupteten, baß Riebergall nicht im Fallen, sondern, wie sie deutlich gesehen hätten, erst später hinter einem Baurn stehend, den Schuß abgegeben habe. In der Verhandlung vor bem Schwurgericht fand eine umfangreiche BeweisauMahme, namentlich auch in her Richtung statt, baß die Wilderet in jener Gegend gefährliche Formen angenommen hatte, ferner, baß Riebergall von allen Setten als ein ruhiger, besonnener unb gewissenhafter Mann geschildert wurde unb endlich über die Frage, ob er mit Rücksicht auf die große Entfernung, den hohen Schnee unb bas zum Teil mit Bäumen unb Gesträuch ben ichscne Gelände imstande gewesen wäre, einen sicheren, gezielten Schuß abäugeben. Heber diese Frage wurde auch ein sachverständiges Gutachten erhoben. Die von Justizrat Di Grünewald aus Gießen geführte Verteidigung machte gegenüber einer absichtlichen Handlungsweise des Angcllagten geltend, daß cm beabsichtigter Treffer mit Rücksicht auf die Art des Gewehres und die große Entfernung nicht möglich gewesen unb baß auch ein vorsätzliches Handeln dem Angcllagten nicht zuzutrauen sei. Die Staatsanwaltschaft beantragte wegen fahrlässiger Tötung eine erhebliche Freiheitsstrafe, wogegen die Verteidigung einwandte, baß die Frage, ob der Angeklagte im Fallen ober hinter dem Daum Baum stehend geschossen habe, durch bas Zeugnis der beiden Begleiter des Getöteten nicht genügend geklärt werden könne, namentlich oes- halb, weil die beiden, im Laufen befindlich, also mit bem Rücken gegen den Standort des Täters gewesen seien unb auch durch etwaiges Hmbrehen des Kopfes unmöglich mit Sicherheit hätten beobachten können, wie derselbe sich an seinem Standort verhalten und bewegt habe. Das Gericht sprach nach sehr langer Beratung den Angeklagten kostenlos frei und ftihrte au£, baß ein absichtliches Tun nicht in Frage komme unb daß auch der Hmftanb, baß Riebergall sein Gewehr gespannt getragen habe, ihm nicht zur Last falle, well der Jagd» schuhbeamte in einem von Wilderern bedrohten Revier immer schußfertig sein müsse. Die Frage, von wo aus der Schuß gefallen fei, könne durch das Zeugnis der beiden jungen Leute nicht auß> geklärt werben, bie Behauptung des Angeklagten, baß fein Gewehr durch Zufall, als er in bem hohen Schnee hinftel, sich entloben habe, erscheine nicht widerlegt. Dem Angeklagten werde zudem von allen Seiten das beste Zeugnis ausgestellt. Der Verhandlung wohnte eine große Anzahl von Personen aus hiesiger, wie auch aus der Limburger Gegend bei. schrieb: „Es ist sehr schwer, sich des Wun- iches nach einem zweiten deutsch- französischen Krieg zu enthalten, damit dieier unaufhörlichen Plage ein Ende gemacht wirb." Es ift wahr, hier steht nichts von dem schieren könne. 2Ib?r hier Ist der 'Wunsch nach Gedanken, baß Deusichlanb durch Belgien mar- Wirtschaft. • Konkurse in den ersten neu n Mo« naten 192 4. Rachdern die Ziffer der Kon- fluröeroffnungen nach dem Rückgang im Vormonat im September wieder etwas angestiegen Ist (von 792 auf 809), stellt sich nunmehr die Go- samtzisfer der neu eröffneten Konkurse in den ersten neun Monaten ds Js. auf nicht weniger als 3952 (gegen 212 i. V.). • Die Verzinsung der Roggenren» tenbriefe. Utt die am 1. Oktober fälligen halbjährlichen Zinsen der Roggenrentenbriefe der Rüggenrentenbank 21 -G., 12. und 13. Reihe, ist der Mittelpreis des Roggens in Deriln am 30. September 1924 maßgeblich, trenn, der sonst satzungsmäßig geltende Durchschnittspreis für mär* Amsterdam—Dtederländisch-Indien im Flugzeug. Amsterdam, 1. Oft. (WTB.) Heule früh startete der holländische Flieger van derHoop auf einem Foller-Eindecker mit zwei Begleitern zum Fttrge nach Batavia. Die Reiseroute geht von Amsterdam nach Prag, Belgrad, Konstantinopel, Angora, Aleppo, 'Bagdad, Kalkutta, Bangkok und Batavia. Die Strecke beträgt über 15 000 Kilometer. Zahlreiche Vertreter der Ministerien und anderer Behörden wohnten dem gut verlaufenen Start bet Taler gegeben. Das Glöcklein zu T. lautete am anderen Morgen, wie es den Kirchengängern bäuchte, lauter und freudiger als sonst in die Lande. Der Kttchenvorsland, der mit einem Heberfall ihres Pfarrers schon feit mehreren Sonntagen rechnete, faß vollzählig in seinen Kirchenstühlen unb der Herr Pfarrer betrat vor bem letzten Läuten bie Sakristei. Da kam unser „Kirchenrätche" am Ortseingang angefahren. Heber dem Chorrock trug er einen langen (Mantel, seinen Zylinberhut hielt er in ber £anb unb gelangte so unerkannt in die Kirche, in ber er auf der letzten leeren Dank mfah iui^m. Die Gemeinde fang das Eingangslied, kräftig sang er mit Mit mächtigen Worten verlas der Pfarrer den Svnntagstext. um bald darauf eine Predigt daranzu knüpf en, bie ihresgleichen suchte. Denn er war ein kluger Mann und was er sagte, hatte Hände unb Füße. Dei- naße hätte bas „Kirchenrätche" in ber letzten Dank Mund unb Rase aufgesperrt Der Kirchen- vorsland sah sich verlegen an. unb es war feiner unter ihnen, der nicht geschickt in den Text ein- geflochten, seinen „Dappen" abbekam Das Kirchenrätche" erkannte bie versteckten Anspielungen bie ber Pastor loci so trefflich imt Gottes Die Kirchenvifitation. Kttchenrat Engel, ein Liebling Alt-Gießens —allgemein bas Kirchenrätche genannt —, Pflegte täglich fein Schöppchen Wein bei fernem alten Sreunbc Justus Müller im Einhorn zu sich zu nehmen, einstmals Gießens bestem Gasthaus an Kirchen- und Lindcnplah gelegen, samstags jedoch, nach den Anstrengungen die die Anfertigung ber Sonntagsprebigt verursachte, trank der Herr Kirchenrat stets von 6-8 Hhr be6 zwei Gläschen Run geschah es emrs solchen Samstags abends, baß ber Herr Kirchenrat bereits um sieben Hhr den Heimweg antrat und auch nur ein Glas Wem getrunken hatte. So fragte ihn denn Freund Justus was denn er kannte die Regelmäßigkeit des Lebenswwibels seines Freundes. Das „Kttchenratcye 8U nächst ber Frage aus: Justus ließ feboch locker und schließlich Dcrtvaute ihm dann jener alö tiefstes Geheimnis an, baß er bes andern ^ag^ auf Anordnung des hohen Oberfonfiftormmg nach T. fahren müsse, um den dvrtigen Pfarrer m seiner Predigt abzuhören, denn beffen ^uct" hätten sich über bie schlechten Sonntagspredigten ihres Gemeinbehirten beschwert Run toar die er ein sehr .trinkbarer Herr", ebenfalls em tfrcunb imfercä Justus Müller, bei bem er 'ttts einkehrte sooft er nach Gießen kam. Dem durfte nichts toiberfabren! Kaum hatte unser „Engelchen die Pforten des Einhorns verlassen. vergaß Justus Müller alle seine soeben bem geistlichen Freunde gegebenen Versprechungen unb befaßt dem alten getreuen Einhormkutscher PH llttp, unvel^uglich und so rasch als möglich nach X. zu fahren, Die Belgische Aage und da; deutsche Schuldbekenntnis. Don Dr. Karl Mehrmann, Koblenz. Wenn die Deutschlanbunfteunblichgrsinnrcn Auslandposititer unb Historiker die Kriegsschuld frage behandeln, glauben sie stets die beste Be- ftätigung dec Schuld Deutschlands in der Verletzung ber belgischen Rcuttalität and dem Ausspruch Dethmanns von dem „Fetzen Papier" zu finden. Es lohnt sich daher, beide Behauptungen eingehend richtigzustellen. Daß die deutschen Armeen in Belgien eingerückt sind und der deutsche Reichskanzler den belgischen Reutralitätsvertrag einen „Fetzen Papier" genannt hat, ist Tatsache 2Tbcr wie bei allen Tatsachen, kommt es für die ^Beurteilung auf bie näheren Hmstänbe an. Dieser Ausdruck „Fetzen Papier", mit bem die Ententepropaganba jahrelang hausieren ging, wurde in einem Augenblick höchster seelischer Zerrissenheit, als ferne Politik der Freundschaft mit England unter ber britischen Kriegserklärung zusammen brach gebraucht, ©crabe ihm, bem „philosophilchm Kanzler", dessen ganzes Wesen Gewissenhaftigkeit wai, dessen Politik in allen Zeiten seiner Regierung von einem Ethos getragen war, bas manchem bis zu an staatsmännischer Pebanterie zu gehen schien, gerade ihm lag jeglicher Zynismus fern. Am selben 4. August, an dem ihm der belgische Reutralitätsvertrag als ein „ Fetzen Papier" erschienen fein soll, hatte er aus tiefster Gewissensnot heraus den Belgiern bie Versicherung gegeben. baß Deutschland zu jedem Schadenersatz bereit sei. Es ist bezeichnend, baß demjenigen, ber den belgischen Reutralitätsvertrag zerrissen« haben soll, gerade aus ber ©eg en feite ein unverdächtiger Zeuge erstanden ist. In „La ©uerre be 1914" von G. Dernarti al (Paris 1924) ist auf Seite 40 zu lesen: „Riemand wußte beffer als bie deutsche Regierung, baß, wenn England an dem Krieg gegen Deutschland Anteil nahm, dies aus Erwägungen geschah, die mit dem "ISertrag von 1839 (dem Vertrag zum Schutze ber belgischen Reuttalität) nichts z u tun hatten. Den besten Beweis dafür hatte sie soeben erhalten. Deutschland hatte am 1. August gugefagl, die belgische Reutvalität zu achten, Wenn England dagegen die sein ige verspräche (Livre dipl. anglais Ao. 123). In seiner Rede am 3. Anglist hatte Sir Edward Grey vor dem Unterbaute die englisch-französische Militärsom- ventivn bekanntgegeben unb war zu dem Schluß gekommen, baß England als kriegführende Macht ftnrm mehr durch Krieg zu leiden haben würde, denn als neutrale. Deshalb rief der deutsche Kanzler bem englischen Botschafter, als diesen ihm am folgenden Tage bie Mitteilung machte, England sähe sich zu seinem großen Bedauern auf Grund des Vertrages von 1839 zur Teilnahme am Kriege gezwungen, entrüstet zu: „Was? Sie wollen uns emreben, biefer Papierfehen sei bet Grund, um beffenttoilfen Hie uns dem Krieg erklären!" Gr gab damit nicht seiner Verachtung gegen den Vertrag von 1839, sondern) gegen den Detr u g Ausdruck, den bie englisch: Regierung verübte, wenn sie mit diesem Vertrag ihren Eintritt in den Krieg begründete." Braucht eS noch mehr Worte, um Bethmann- Hollweg von der Beschuldigung ber zynischen Vertragsverletzung zu entlasten? Aber derselbe Verteidiger deS Kanzlers fährt fort: „In seinen Erinnerungen (Diaries) sagt ber frühere Diplomat Sir Stäben Blunt, ber während seines Lebens in Verbindung mit den höchsten Persönlichkeiten! Englands gestanden hat. über den Vertrag zum Schuh ber belgischen Reutvalität, seine Gebrech- lichte'it habe schon 1870 in den Ministerien (Europas) zu Scherzen Anlaß gegeben. Bernhard Shaw nennt tn feiner Broschüre „Peace 'Conference Hints" bie Behauptung der englischen Regierung, sie sei zur Verteidigung dieses Vertrages in den Krieg getreten, ein Ammenmärchen. Er lagt, bie belgische Reütralität konnte nicht verletzt werden, weil man nur das verletzten kann, was es wirklich gibt." Hnb in der Tat: In der englischen Phantasie, in ber bes Staatsmannes wie bes Publl- zisten, bestand die belgische Reuttalität s eit Jahren schon nicht mehr. Wer Genaueres darüber erfahren will, lese „Bismarcks auswärtige Polttik nach ber Reichsgründung" von Hans Plehn, ber lange genug in London gelebt hat, um bie britische Seele genau zu kennen. Plehn schreibt in seinem Buche auf Seite 270 >a. ff.: Das Verhältnis zwischen England unb Frankreich hatte sich durch endlose Konflikte auf allen Kolonial- gebieten unb besonders Aegyptens wegen so verschlechtert, baß Lorb Salisbury, ber englische Außenminister, in einem Brief an ben englischen Botschafter in Pans vom 5. Februar 188c dem dortigen Pfarrer einen wohlversiegelten Wort zu verknüpfen wußte, und voller Hngeduld * *■ " r —: erwartete er das Ende dieser treff ließen, von Reiches gegen Frankreich ber Vater des Ge° dariknö an das deutsche Recht zu einem Durch- uch durch Belgien, eines Gedankens, 'den dann die Salisbury nahestehende Presse sich nicht scheute, geradezu auÄzusprechen. Am 4. F.bruar nämlich also einen Tag vor fenem Briefe Sails- öuichs, hatte in dessen "Organ, dem "Standard, „Dlplomattcus" (Stt Staff ort Rorlhcote) aus- gesührt, „baß, so sehr England einen Einfall in Belgien beklagen müßte, es sich in diesem Fall doch nicht auf die Seite Frankreichs gegen Deutschland stellen könnte, ohne das Hauptziel feiner Politik in der ganzen Welt zu untergraben. Außerdem sei es ein Hntcrschieb, ob es sich um eine rechtswidrige Besitzergreifung von Qanbgebiet handle ober um ein vorübergehendes D u rchz ugsr echt; England würbe sicher von Bismarck eine vollständig ausreichende Garantie erhallen, baß am Ende des Krieges das Gebiet von Belgien ebenso unverletzt sein würbe wie vorher." (Auch Dethmann-Holl- weg hatte am 4. August 1914 biefe Versicherung gegeben.) Am selben 4. Februar 1887 schrieb -„^all Mall Gazette", das führende Organ ber liberalen Opposition, daß es eine englische Garantie für die belgische Reuttalität überhaupt nicht gebe, sondern nur eine ©efam'tgaran tie Englands, Oesterreichs, Frankreichs, RuUands, Deutschlands: auch sei sie nicht Belgien, sondern Holla nd gegenüber ausgesprochen worden. Am 5., aiTo am Sage darauf, schrieb dann der „Spec- trttor": Wahrscheinlich werden wir daraus bestehen, daß Belgien nicht ber Kriegsschauplatz wird, aber ben Durch marsch durch sein Gebiet werden und können wir nicht verhindern." Auch die „Rattonal Review" schloß sich dieser Auffassung an, md Sir Charles Dilke zog aus dieser Presseerörterung ben Schluß, baß England bie Deutschen bei einem Durchmarsch durch Belgien gewähren lassen würde. Plehn dürfte nicht im Hnrecht fein, wenn er aus dieser Aussprache folgert, daß Lord Salisbury eine allgemeine Anweisung (an bie Presse und) an biß englische Diplomatie habe ergehen lassen. Das war Englands Standpunkt 1887. Wenn 27 Jahre später Sir Edward Grey den deutschen Durchmarsch durch Belgien zum Anlaß ber britischen Kriegserklärung nahm, so hat sicherlich ber französische Beurteiler des deutschen Kanzlers recht, daß die englische Auffassung ber belgischen Reuttalität im Grunde 1914 noch dieselbe wie 1887 war, daß aber ber deutsche Einfall in Belgien ben bequemen Vorwand für einen Krieg bot, ber inzwischen tn Großbritannien nicht mehr wie $u Salisburys Zeit gegen Frankreich, sondern jetzt gegen Deutschland beliebt war. Hält man diese Auffassung fest, so ist der Schritt nicht weit zu bet Ansicht, bie Georg Branbes dieser Tage in „Politiken" vertreten hat, baß bre englische Politik intt der belgischen Reuttalität eine FaNs gestellt Hat, in bie bie deutsche Regierung hineingegangen ift Stoen loggen an Der JXaXtnev 'BMe in der Jett vvm 15. bis 22. September mehr als 10 Prozent niedriger ist als dieser Mittelbetrag. Demgemäß werden die Iinsscherne über den Goldwert von 25 Pfund Roggen mit 2.88 ML, 125 Pfund Roggen mit 14,40 Ulf. und 250 Pfund Roggen mit 28,80 ML eingelost. • Tie Hessische Eisenbahnaktien- Gesellschaft hielt ihre Gonevalvevfammlung ab. Die Bilanz, sowie die Gewinn- und Verlust- vschnung über das abgelaufene Geschäftsjahr, über das ein Ergebnis m Zahlen nicht nachgewiesen war, wurde genehmigt. Die ausscheidenden Aussichtsratsmitglieder wurden wieder gewählt. und für Hugo Stinnes dec Generaldirektor Dr.-Ing. A Vogeler in Dortmund und für D. Emmer- ling Prof. Dr. Heidebrvek -Darmstadt gewählt. * Die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft hielt unter dem stellvertretenden Vorsitzenden, Reichsfinanzminister Dr. Luther, ihre Generalversammlung ab. Die in Papiermark ausgestellte Bilanz wurde genehmigt und eine Satzungsänderung, die eine Vermehrung der Aufsichtsratsmitglieder ermöglicht, gutgehei- ßen. Für Hugo S t i n n e s wurde Generaldirektor Dr.-Ong. QL Dögeler - Dortmund gewählt. * Die Goldbilanzen der Siemens- Rhein-Elbe-Schuckert-Lin ion. Wie aus westdeutschen Wirtschaftsheifen verlautet, geht man innerhalb des Konzerns mit dem Gedanken um, die per 1. Oktober 1924 aufzustellenden Gvld- bilanzen auf den 1. Of tobet 1923 zurückzuderlezen. Es wurde eine große Vereinfachung und Avbetts- ersparnis hierdurch erzielt werden, wenn auch andererseits gewichtige Gründe gegen die Dilan- zieruug per 1. Oktober 1923 vorliegen. Dieser Termin fällt in die größte Inflationszeit, seit der große Veränderungen bei den -Unternehmen der Interessengemeinschaft vor sich gegangen sind. Die Kapitalien der in der Rhein-Elbe-Union zu- 'sammengefasiten Unternehmungen sind mit Ausnahme des Bochumer Vereins und der Siemens & Halske A.-O. Friedenskapitalien. * Die Sanierungsgrup pe bei Decker: Rheinische Draunkvhlengruppe. Hüter den Interessenten, die den bekannten Zwangs- Vergleich aus der Grundlage einer Befriedigung der nicht bevorrechteten Forderungen mit 3ä Prozent und im Zusammenhang damit die Sanierung des Unternehmens vornehmen werden, steht nach Erfahren der „Köln. Dolksztg." eine linksrbei- -nttche DraunLvhlengruppe unter hauptsächlicher Beteiligung des Werves Reurath bei Grevenbroich. Diese Gruppe hat auch die Absicht, die Mittel zu bewilligen, um das seit Monaten still- IIlegende Werk wieder in Betrieb zu setzen. • Rhein.°Rassauische Berg we rks- und Hütten - A.-4I Wie verlautet, ist auch bei der Rheinisch-Rassauischen Bergwerks- und Hüt- ten-2L-G. mit einer Zusammenlegung des Grundkapitals zu rechnen. Das Kapital ist zwar äußer- lich unverwäsiert geblieben; die Betriebe und nn- mentlich der Bergbau sind ober durch den Krieg und die Rachtriegszett stark in Mitleidenschaft gezogen worden. * ,F. H. Hamrnersen QL-G., Osnabrück. Aus dem mit 1 240919 Dill. Mk. ausgewiesenen Reingewinn gelangt keine Dividende zur Ausschüttung. Er soll vielmehr zur Umstellung auf die GÄdinarkeröfsnurrgsbilanz per 1. Ianuar 1924 verwandt werden. • * Ungünstige Lage der polnisch- vbersch lesischen Industrie. Die Lage der Industrie und des Handels in Pobttsch-Oberschlesien ist nach wie vor ungünstig. Einige Hochöfen haben zwar ihren Betrieb wieder aufgenom- nfert, doch ist die Zahl der Arbeitstags ziemlich allgemein noch sehr eingeschränkt. (Reue Destel- fimgen laufen bei den Werken nur ungenügend ein. Es zeigt sich, daß die Maschinenfabriken in Polnisch-Oberschlesisn infolge der höherer Löhne wtt den Fabriken in Posen nicht lonkurieren tonnen. * Der französische Außenhandel in den ersten acht Monaten. 1 92 4. Die Oluhenhandelszahlen Frankreichs währe rd der ersten acht Monate des laufenden Iahres ke- Seltfame Mitterwochen. Roman von Arnold Fredericks. 10. Fortsetzung. lRachdruck verboten.) „Gewiß, Sie sollen es selbst sehrn." Ec wies auf das Fenster. @raee erhob sich und sah hinaus. Man sah ein Fleckchen Garten, von Gebüsch umgeben. Weiter konnte sie nichts sehen, was ihr über den Ort irgendeinen Anhaltspunkt gegeben hätte. Auf dem spärlichen Gras im Garten sah ein Mädchen, ein kleines Mädchen, und spielte mit einem schwarzen Hund. Sein dunkles Haar war mit einem Spitzen- Häubchen bedeckt. Seine Kleidung, sein ganzes Qlussehen war das eines Landkindes. Grace wandte sich verwirrt vom Fenster weg. »Ich sehe nichts," sagte sie, „als ein kleines Mädchen." „Das ist Stapletons Kind," sagte der Mann. .Hören Siel" Sie setzte sich gespannt. „Sagen Sie dem Vater des Knaben, er solle morgen abend um acht Uhr in seinem Auto zu Hause fvrtfahrsn. Er solle in einem Päckchen fünfhunderttausend Franken — hunderttausend Dollar — mitnehmen. Er darf in seinem Wagen ntemanb anderes als seinen Chauffeur bei sich haben. Er soll Paris durch das Versailler Tor verlassen und die Stcahe nach Versailles entlang mit zwölf Meilen stündlicher Geschwindigkeit fahren. Irgendwo auf der Straße wird von einem der vielen Autos, die ihm begegnen, ein blaues Licht aufblihen, wenn er sich ihm nähert. Dann soll er langsamer fahren, das Päckchen Banknoten in diesen Wagen werfen unb weiterfähven. Ent- wegen sich eryedllch über Den Ziffern Der gleichen Zeit des Vorjahres. Sowohl die Einfuhr, als auch der Export des Landes erfuhren nicht unwesentliche Zunahmen. Die Gesamteinfuhr in der genannten Zeit hatte in Millionen Franken eine Wert von 26 044 575 (i. D. 19 916 935), die Ge- samtausfuhr einen solchen von 27 263 159 (i. V. 19 047 545). An der Spitze des Importes stehen von den einzelnen Ländern Großbritannien mit 3 217 480, Vereinigte Staaten mit 3 670 367 (plus 721 393), Belgien-Luxemburg 1 713 072, Deutschland 1 330 561, Argentinien und Brasilien. Die gleichen Staaten bävegen sich in der Hauptsache auch in der Aufnahme des Exportes Frankreichs an der Spitze, wobei allerdings die Schweiz und das Saargebiet mit erheblichen Summen ebenfalls zu nennen sind. Börsenkurse. Un Billionen Prozent Frankfurt a. M Berlin Schluh Kurs ^Schluß», Abend» | börse Schluß Kur» Schluß. Mittagbörse Datum: L10. | 2. 10. 1.10. 2. 10. 6% Deutsche ReichSanletde . <7o Deutsche Reichsanleiye . 0,70) 0,6825 0,619 0,650 — _ 1 0 99 SV,*/« Deutsche ReichSanlcihe 3% Deutsche Reichüanleibe . Deutsche Sparpramienanleihe 1.1 1 1 0,96 1,60 1,575 0,85 1,46 0,54 4% Preußische KonsolS . . . —— — 1,1 1 08 4% Hessen........... 3'/«% Hesse«.......... — — 1.53 1.4 — 1,325 1,325 3?/o Hessen........... _ _ 1,33 1,38 Deutsche Dertb. Dollar-Anl. — _ 4,2 4.2 dto- Doll-Schatz-Antretsng.') — — 83 86 <% Zolltürken......... 11,90 11,65 11,875 11,50 6% Goldmerikaner ...... — - 45 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank. 4,9 5,05 25 4,875 25,125 4,875 Darnist. und Nationaldauk . — — 9,50 9.4 Deutsche Bank......... 10,75 10,75 10,75 10,60 Deutsche PereinSbank .... 0,305 — — —» DiLconto Commandtt .... 12,5 12,75 12,625 12,80 Metallbau!........... — — — —- Mitteldeutsche Credtlbank. . 1,70 .— 1,7 1,70 Lcsterreichische Lreditaustalt. 0,325 0,325 0,3 0,3 Weltbank............ — — 0,4 0,4 Bochumer Guß ....... —— — 51,?S —— 11,50 11,4 11,13 11,10 ’tt Caro.............. — 12,6 12 66 Deutsch Luxemburg...... 54,76 54 54.25 Gelsenkirchener Bergwerke. . 67 57,7- • 7,25 57 Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 84 15,75 87 15 84,25 15 83 14,5 Kaliwerk Weileregeln. .... — 17 18,75 17,3 Laurahülte........... — — 6 6,10 Oberdedarf...... • • • . — — 11,5 11,73 Phönir Bergbau....... Rlieimtabl........... Riebeck Montan........ 42 42 42,20 35,6 41,75 35,26 — 38,5 38 Tellus Bergbau........ — — Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd..... 29,75 6,4 29,75 5,45 29 5 29,625 5,3 Cheramische Werke Albin . . — — — — Zementwerk Heidelberg . . . 15,25 15,25 — — Philipp Holzmann...... — 5,10 6.3 5,25 Anglo-Cout.-Guano ..... — — 11,25 10,20 Badische Anilin........ 18,90 — 18,90 18,25 Chemische Mayer Alaptn , . — — —— Goldschmidt.......... 13,50 — 13,75 13,3 Griesheimer Electron .... 16 16,13 15,75 15,85 Höchster Farbwerke...... 15,76 15,50 15,65 15,30 Holzverkohlung . . ..... — — — — iliutgerswerke......... — — 17,25 17,13 Scheideanstalt......... — 14,8 — — All«. Elektrizitäts-Gesellschaft 8,40 8.40 8,60 8,30 Bergmann........... 13 — 12,70 13,40 Mainkraftwerkr . ....... 8,50 8,50 — Schuckert.......... . — — 40,75 40,25 Siemens