flr. 207 Erstes Blatt Mittwoch, 5. Septeinoer TO VI- Jahrgang GietzenerAnreign General-Anzeiger für Oberhessen Ürurf mrb Verlag: Brühl'fche UniverstlSlr-Buch- und Steinbruderei R. Lange in Sichen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mn Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig,- für Re Klame-Anzeigen v 70mn Breite 35 Goldpfennig, Platzvorfchrift 20"/, Ausschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton Dr. Friedt. Wilh. £ange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein,- für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: G ießenerFamilienb lotter Monats-Vezngspreis: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernspre ch-Anschlüsfe: für die Schrift! ertung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGiehe«. postfcheckfonto: SreiffeTt a. M. 11688. Die Kriegsschulddebatte. Die moralische Revision des Versailler Diktats. — Die Abwehr der französischen Presse. Die Reichsregierung hat als Abschluß der Beratungen des Londoner Abkommens die Erklärung veröffentlicht, daß Deutschland das von ihm erpreßte Schuldbekenntnis am Kriege im Versailler Vertrage nicht weiter auf sich liegen lassen wolle. Zum erstenmal hat die deutsche Regierung in klarer und unzweideutiger Weise zur Kriegs- schuldsraae Stellung genommen. Wohl ist wiederholt in Winisterreten zum Ausdruck gekommen, Deutschland sei nicht als Hauptträger der Kriegsschuld anzusehen, und wiederholt schon wurden von Regierungsseite Proteste gegen die Deutschland auferlegte Schuld am Kriege laut. Das Ausland hat zumeist auf derartige deutsche Aeuhe- rungen nicht reagiert, vor allem nicht das Ausland, das am Versailler Vertrag beteiligt ist und alles Interesse daran hat, jene Grundfrage des Versailler Vertrages unangetastet zu lassen, von der aus der Vertrag aufgebaut worden ist. Nachdem nunmehr in amtlicher Eigenschaft vom Reichskanzler die Erklärung ergangen ist, Deutschland erwarte von der Gesamt-Entente die Einsicht, es sei zu Tlnrecht mit der Schuld am Kriege belastet worden, nachdem der Reichskanzler versprochen hat, diesen deutschen Protest allen beteiligten Mächten zuzusenden und ausdrücklich hervorhebt, nur wenn die Schuldfrage am Kriege nicht einfeittg erörtert werde und dadurch der Haß gegen Deutschland weiter geschürt bleibt, nachdem also die Debatte über die Kriegsschuldfrage von amtlicher deutscher Stelle eingeleitet worden ist, kann auch das Ausland nicht dazu schweigen und die ausländische Presse nimmt denn auch sofort Stellung zu dieser amtlichen deutschen Aeußerung. Cs ist nicht überraschend, daß zunächst die Pariser Presse sich empört und beteiligt peigt, teirüter, daß Deutschland nunmehr nach fünf Jahren den Mut fände, seine Hauptschuld am Kriege abzustreiten. Mrt den alten Argumenten arbeitet die Pariser Presse Frankreich sei von Deutschland überfallen woroen, sei unschuldig und unvorbereitet tn den Krieg hinein - gezogen, der von Deutschland gewollt und aufs kleinste vorbereitet worden war. Die offiziöse Presse erklärt, daß durch die Unterzeichnung Les Versailler Vertrages die Kriegsschuldfrage eine „red jubicata“ fei. Es werden dann auch hier die bekannten Anschuldigungen gegen Deutschland erhoben und daraus, daß es Deutschland war, txid formell den Krieg erllärte, gefolgert, daß Deutschland auch am Ausbruch des Weltkrieges allein schuldig fei. Diese Argumente, die wir wiederholt von französischen Politikern hören mußten und die bei der Festsetzung der deutschen Schuld am Kriege im Versailler Vertrag bereits eine Rolle spielten, können selbstverständlich nicht die Welt darüber täuschen, daß die deutsche Erklärung eine andere Auffassung und eine andere Beurteilung fordert. So oberflächlich und beweislos läßt sich eine derart wichtige Frage nicht abtun, auch von französischer Seite nicht, denn inzwischen sind ja genug Wahrheitskärnpser aufgetreten, die auch im Auslande zu der überzeugenden Unter- siichung gelangten, es sei eine-Ent stell ung der wahren politischen Vorgänge, die sich im Versailler Vertrag in der Bekundung befände, Deutschland hätte den Krieg gewollt, vorbereitet und verschuldet. Freilich Frankreich muh das einmal von Deutschland, wenn auch zwangsweise verlangte Zugeständnis der Kriegsschuld aufrecht erhalten.' Unlängst erst hat ja H e r r i o t in einer Rede betont, er lasse nicht daran rütteln, daß Frankreich unschuldig am Kriege sei. Untersuchungen seien zwecklos, denn die französische Oeffentlichkeit wisse genau, wer den Krieg verursacht habe, und daß Frankreich schuldlos litt und ohne jede Vorbereitungen in den Krieg gestürzt worden sei. So einfach, wie man sich in Paris die Sache macht, geht es nun doch nicht. Zunächst muh einmal daraus hingewiesen werden, daß Deutschland bei Unterzeichnung des Versailler Vertrages, der ja eigentlich nach Art und Zustandekommen gar kein Vertrag, sondern ein Diktat ist, ausdrücklich gegen die in ihm enthaltene Kriegsschuldlüge Verwahrung eingelegt hat. Die. Franzosen werden sich damit abfinden müssen, daß die Debatte über die Frage nach der Schuld am Kriegsausbruch nun erst beginnt. Die Reichsregierung hat sie mit ihrem Widerruf eröffnet. 3n Versailles hatten die deutschen Unterhändler bereits Material zur Beurteilung dieser Frage beigesteuert. Die Feinde gingen darauf jedoch nicht ein, sondern „entschieden", daß Deutschland die alleinige Schuld treffe. Vorgänge, über die nur historische Forschung Klarheit verschaffen kann, und die dem Urteil der Geschichte unterliegen, lassen sich aber nicht von Politikern nach politischem Gesichtspunkten entscheiden Ob es den Vätern te5 Versailler Diktates angenehm ist oder nicht, die Frage nach der Verantwortung für den Kriegsausbruch wird weiter debattiert werden und hat auch trotz des Versailler Spruches in den vergangenen Zähren ständig der Diskussion unterlegen. Was hierbei an Dokumenten, Erinnerungen von Staatsmännern nfw. zutage gefördert worden ist, hat nicht nur pur Entlastung Deutschlands beigetragen, sondern eine schwere Belastung unserer Gegner erbracht. Wenn man in Paris seiner Sache so sicher ist, bah Deutschland die Alleinschuld am Kriegsausbruch trifft, brauchte man dort ja eine Diskussion über diese Frage nicht zu scheuen. Die Reichs- regierung wird unbeirrt durch alle gegnerischen Proteste auf dem einmal beschrittenen Wege fort- zufahren haben und Deutschland von dem Makel befreien, mit dem man es in Versailles zu belüften versuchte. * Zu dem Echo, das die deutsche amtliche Erklärung in der Kriegsschuldfrage in Frankreich und England gefunden Hot, bemerkt das Organ des Reichsauhe nm in ist ers, die „Zeit": „Daß die Beseitigung der uns abgeprehten Anerkennung der Kriegsschuld Deutschlands im Versailler Vertrag sofort bei den anderen Mächten begeisterte Zustimmung finden würde, hat niemand erwartet. Der Augenblick jedoch, in dem Deutschland freiwillig schwere Lasten auf sich nimmt, die über den Rahmen des Vertrages von Versailles weit hinausgehen, der Augenblick also, in dem unter Deutschlands Mi Wirkung die Revision des sogenannten Friedrnsverlrages seinen A fang genommen hat, muhte auch von der deutschen Regierung dazu benutzt werden, neben der materiellen die moralische Revision in Angriff zu nehmen. Die Franzosen werden sich mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß es sich keineswegs um eine res judicata handelt, denn eine erpreßte Zustimmung ist rechtsungültig. Jetzt erst beginnt vor dem Forum der ösientlichen Meinung der eigentliche Prozeß, der mit der Freifprechung Deutschlands enden muh und wird. Das mag den Erpressern von Versailles unbequem sein, aber wir fordern unser Recht." Die Notifizierung der deutschen Kriegsschulderklärung. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 3. Sept. (Drahtmeldung.) Bekanntlich hat vor einigen Tagen die französische Regierung offiziös erklärt, daß ihr die deutsche Erkürung über den Widerruf des Kriegsschuldbekenntnisses amtlich noch nicht übermi telt worden ist, dah sie aber für diesen Fall eine entsprechende Erwiderung geben würde. Runmehr ist in politischen Kreisen die Vermutung aufgetaucht, auch schon in der Presse geäußert worden, als ob die Reichsregierung überhaupt nicht mehr die Absicht habe, diese Erklärung über die Kriegsschuldfrage den fremden Regierungen amtlich zu übermitteln. Diese Vermutungen sind nach Mitteilungen von unterrichteter Stelle nicht zutreffend. Allerdings hat sich die Reichsregierung den Zeitpunkt der Aebermitt- lung ihrer Erklärung Vorbehalten. Jedoch wird diese Hebermittlung aller Voraussicht nach noch im Laufe dieses Monats erfolgen, da die Reichsregierung auf dem Standpunkt steht, daß eine spätere Erklärung in dieser Frage nicht mehr die gewünschte Wirkung haben könnte. Stillstand der Verhandlungen über die Militärsrage. Unstimmigkeiten zwischen der Kontroll- kouimission und dcm Kabinett Herriot. Berlin, 3. Sept. (Drahtmeldung.) Die Verhandlungen der Reichsregierung mit der interalliierten Militärkontrollkommission sind in der letzten Zeit völlig zum Stillstand gekommen. Die Devollmächsigten der Militärkontrcllkvnrmisiion erklärten, sich zu den deutschen Vorschlägen vor- läufig nicht äußern zu können. 3n unterrichteten Kreisen werden diese Schwierigkeiten zurückgeführt auf Einstimmigkeiten, die sich zwischen den französischen Mitgliedern der Kommission und der französischen Regierung ergeben haben. Man ist darüber unterrichtet, daß die Mitglieder der Militärkontrollkommission vielfach nicht einverstanden sind mit den Richtlinien, die von der Regierung Herriot für die Verhandlungen mit der Reichsregierung aus gegeben wurden. Man hält es auch nicht für ausgeschlossen, dah schließlich die französische Regierung dazu übergeht, einzelne Mitglieder abzuberufen und durch neue Bevollmächtigte zu ersehen. Der Stillstand 'in den Verhandlungen hat natürlich zur Folge, dah die geplante Generalinspektion noch nicht hat durchgeführt werden tonnen, und daß sich die für diese Inspektion in Aussicht genommenen Termine rinmer verschieben. Die Reichsregierung beabsichtigt daher, sich zu einem nahen Zeitpunkt unmittelbar an die französische Regierung zu wenden, um endlich in dieser Frage eine Klärung herbeizuführen. Das neue Micumabkommen. Düsseldorf, 2. Sept. (WTD.) In der Verhandlung der Sechserkommission mit der Mi- cum wurde über die noch ungeklärten Punkte älebereinstimmung erzielt. Der Ruhrbergbau verpflichtet sich zur Fortsetzung der Reparationslieferungen an Kohlen und Rebenprodukten nach dem von der Reparationskommission ausgestellten Programm. Die Bezahlung erfolgt zu'denjenigen Preisen, welche durch Verhandlungen der Reparationskommission mit der deutschen Regierung demnächst festgelegt werden. Cs wurden angemessene Abschlagszahlungen vorgesehen. Der Wegfall der Kohlen st euer und der Abgaben auf Rebenprodukte wurde unter gewissen Voraussetzungen vom 2. September ab in Aussicht gestellt. Die Räumungsfristen für Dortmund» ■Berlin,'2. Sept. (WTD.) Vielfach scheint noch Anklarheit zu bestehen über den Zeitpunkt, wann die Räumung Dortmunds erfolgen muß. In dem Schreiben des französischen und belgischen Ministerpräsidenten an den Reichskanzler vom 16. August haben sich die französische und belgische Regierung verpflichtet, die militärische Räumung der Zone Dortmund—Hörde und der seit dem 11. Januar 1923 außerhalb des Ruhrgebietes besetzten Gebiete am Tage nach der endgültigen Unterzeichnung des Londoner Abkommmens, also am 31. August 1924, anzuordnen. Sie haben ferner in dem Schreiben zum Ausdruck gebracht, dah diese militärische Räumung gleichzeitig mit der wirtschaftlichen Räumung derselben Zone erfolgen muß. Heber die Durchführung der wirtschaftlichen Räumung sind genau bestimmte Zeiträume vorgesehen. Am 1. September hat die Reparationskommission festgestellt, daß die in dem Gutachten vorgesehenen deutschen Gesetze verkündet sind und daß der Generalagent für die Reparationszahlungen seine Tättgkeit ausgenommen hat. Für die wirtschaftliche Räumung ist zunächst eine Frist von 35 Tagen, also bis zum 15. Oktober vorgesehen. In dem anschließenden Zeitraum, also bis zum 19. Oktober, werden die Besatzungsmächte alle übrigen zur wirtschaftlichen Räumung notwenigen Maßnahmen durchführen. Der äußerste Zeitpunkt für die militärische Räumung Dortmunds ist demnach genau bestimmt. (Eröffnung der Koblenzer Konferenz. Koblenz, 2. Sept. (WB.) Die in dem Londoner Abkommen vorgesehene Koblewer Konferenz wurde von dem Vorsitzenden der Interalliierten Rhrinlandkommissrvn. T i r a r d , mit einer Begrüßungsansprache eröffnet, auf die der erste Führer der deutschen Delegation, Ministerialdirektor D i l t h e y, erwidere. Beide Ansprachen waren von dem Gedanken getragen, dah der Geist der Verständigung, der in den Londoner Verhandlungen Ausdruck gefunden habe, auch die Arbeiten dieser Konferenz te'eelen und zu einem raschen und gedeihlichen Ab chluh fuhren möge. Im Anschluß daran fand die erste ge'chäsi- liche Sitzung statt, in der der Arbeitsplan auf- gestellt tourte. Die Verhandlungen erstr^ken sich auf den ganzen Komplex der wirtschaftlichen und politischen Fragen der Räumung. Man nimmt an, daß sie längere Zeit beanspruchen werden. Don deutscher Seite werten die Verhandlungen vom Reichsministerium der besetzten Eebie e und den Regierungen der beteillgten 2änter und von französischer Seite vom Vorsitzenden der Wirtschafls- kommisiion der Rheinlandkommission, Carte- rvn, geführt. Ein neuer Wiederaufbauskandal in Nordfrankreich. Paris, 3. Sept. (WTD.) Die Gerichte in Lille sind mit einer Klage des Präfekten des Rord-Departements gegen eine große Firma von Roubaix wegen Betrugs und Abgabe falscher Erklärungen in Kriegsentschädigungssachen befaßt. Rach dem Kriege hatte die erwähnte Firma eine Forderung auf Schadloshaltung des Schadens aus Requisitionen und infolge von Kriegshandlungen eingebracht, die auf 1 300 000 Frank im Werte von 1914 = 10 700 000 Frank Ersatzwert beziffert war. Da die Forderung übertrieben erschien, wurde von feiten des Ministeriums für die befreiten Gebiete eine ülntersuchung eingeleitet. Diese führte zur Aufdeckung eines grobangelegten Betrugs. Durch die letzte Untersuchung wurde die Forderung der Firma auf 757 000 Frank im Werte von 1914 — 2 600 000 Frank Ersatzwert reduziert. Die ursprüngliche Mehrforderung der Firma hatte sich also auf etwa 8 Millionen Frank belaufen. e Die Genfer Dölkerbundskonferenz. Ankunft Herriots und Macdonalds in Genf. Genf, 3. Sept. Die beiden Ministerpräsiden ten Frankreichs und Englands sind hier programmäßig eingetroffen. Macdonald hatte Dienstag früh in Begleitung seiner Sekretäre London verlassen. Als einziges.Regierungsmitglied war der Luftfahrtminister Tomson auf dein Bahnhof zugegen. In einer kurzen Untergattung mit Pressevertretern erklärte Macdonald, er bedauere es, daß hinsichtlich seines Besuchs bei der Völker- bundsversammlung alle möglichen unbegründeten Prophezeiungen gemacht würden. Seine Anwesenheit in Genf sei ein Zeugnis seines Vertrauens, daß der Völkerbund ein gutes Werk verrichten könne. Er äußerte die Meinung, daß das Schiedsgerichtsverfahren besser als ein Garanticpakt die Lösung aller internationalen Konflikte herbeiführen würde. Ministerpräsident Herriot wurde bei seiner Ankunft heute abend 10,45 Uhr von lebhaften Sympathiekundgebungen einer großen Menschenmenge begrüßt, die wiederholt in die Rufe ausbrach: Cs lebe Frankreich! Hoch Herriot! Herriot war sichtlich bewegt und rief der Menge Dankesworte zu. Dann begab er sich sofort ins Hotel. Der Ministerpräsident roar begleitet von dem Direktor am Quai d'Orsay P e- rettidelaRocca, feinem Kabinettschef Be r- gerh und seinem Privatsekretär Campana. Er wurde empfangen von der gesamten französischen Delegation, dem Botschafter in Bern A l- l i z e und dem französischen Generalkonsul in Genf. Sogleich nach seiner Ankunft fand unter dem Vorsitz von Herriot eine Beratung der französischen Delegation statt, in ter, wie man hört, die Abrüstungs- und Sicherheitsfrage und ein Vermittlungsvorschlag in ter Garantiepaktsfrage besprochen wurde, ter morgen Gegenstand von Verhandlungen zwischen Herriot und Macdonald bilden dürste. Herriot bleibt bis Samstag in Genf. Unter den zu Ehren ter fremden Ministerpräsidenten vorgesehenen Veranstaltungen ist zu erwähnen: Ein Frühstück, das die Stadt Gens am Mittwochmttbag gibt, ein Abendessen beim Generalsekretär des Völkerbundes Mittwoch abend, ein Bankett der Internationalen Völkerbunds- Presse am Freitagmittag und Freitagabend ein von der Schweizer Bundesregierung veranstaltetes Festessen. Die Dölkerbundskonferenz konstituierte gestern sechs Hauptausschüsse zur Behandlung der zur Beratung stehenden Fragen. Die Ausschüsse ernannten zu ihren Präsiden» ten: ter Ausschuß für Rechts- und Verfassungsfragen Groom (Australien). für technische Organisation Garah (Panama), Kommission für Rüstungsbeschränkungen den rumänischen Außenminister Duca, für Haushalts- und Finanzfragen A d a h k i (Japan)» für soziale Fragen Z a h l e s (Dänemark), die politische Kommisiion, die u. a. mit ten etwaigen Aufnahmegesuchen betraut ist, Cnchell (Finnland). Am Beginn ihrer heutigen Sitzung, die kurz nach 12 älhr eröffnet wurde, wählte dann die Versammlung zu weiteren Vizepräsidenten folgende Delegierten:Leon Bourgeois (Frankreich), Lord Parm o or (England), 6a Ian b ra (Italien), Urrutia (Columbien), Skrzhnski (Polen) und Tanj T s e i 5 o u (China). Die Hauptausschüsse traten nachmit. tags in die Beratung ter ihnen von ter Vollversammlung überwiesenen Verhandlunpsoe^en- stände ein, di» sie zunächst auf ihre verschiedenen UntcrEommifiionen zur Vorbereitung verteilten Der Dritte Ausschuß, dem auch im Jahre 1924 wieder die größte dteteutung von allen Kommissionen zukommt, da er die wichtigen Abrüftungs- nnd (tzaranticpaktfragen zu verhandeln hat, wurde von seinem Präsiden» ten, dem rumänischen Außenminister Duca, mit einer kurzen Ansprache eröffnet. Auf ter Tagesordnung dieser Kommission stehen folgende Fa- gen: Kontrolle des internationalen Was en- und Munitivnshantels, die priva e Waffen- und Mu- nitivnsfabrikation, die Regelung ter Arbeitsgebiete bei ten militärischen Kommissionen des Völkerbundes, chomischr Kriegsmit el, lokale Abkommen, Beschränkung der Seerüstun- g en, Bemerkungen ter Regierungen zum Garantiepakt-Projekt und aus Antrag L a n g e s - Rorwegen Einschränkung bet Heer esa us gaben. In ten anderen Kommissionen wurden die Sitzungen ebenfalls mit kurzen Ansprachen allgemeinen Charakters eröffnet, in denen die Präsidenten im wesentlichen die Bereit willig tetr der Länder zur Mitarbeit an den Aufgaben des Völkerbundes ausbrückten. Der Präsitent ter Zweiten Kommission (Technische Organisation) Garay-Panama hat dabei auf die Cntw cklung ter latei ni sch-amerikanischen 6 t aa t en auf dem hygienischen und wirtschaftlichen Gebiete hingewiesen. Dann gab er Kenntnis von de^ Rote des Generalsekretariats, die einen Heber bild über das Wirien der verschiedenen technischen Organisationen enthält, sowie über die Konferenzen, die unter ter Aegite dieser Organisationen statt- gefunden «jaden die besonders die Fragen des Wiederaufbaues von Oe st erreich und Ungarn enthält sowie den Bericht über die Kommission für internationale geistige -Zusammenarbeit. Zu letzterer Fxage bat ter frühere französische Minister L o u ch e u r kurz das Wort genommen, um darum 51 ersuchen, daß birie Frage noch diese Woche behandelt werden möge, um dev? hier weilenden französischen Unterrichtsminister Foanyois Albert Gelegenheit zur Mitarbeit zu geben. Der amerikanische Garantie- paktentwurs. Paris, 3. Sept. (WTD.) Dem Genfer Sonderberichterstatter des „Petit Parrsien" erklärte der Amerikaner Shotwell, einer der Derfasser des amerikanischen Entwurfs emes Unter st ühungspaktes auf Gegen - seitigkelt. der von Lyon nach Genf zurückgekehrt ist, er sei sehr befriedigt von dem Meinungsaustausch, den er mit dem französischen Ministerpräsidenten hatte und der sich aus die vorgeschlagene Abänderung an dem ursprünglichen amerikanischen Plane bezogen habe. Durch diese Abänderungen erhielten die Hauptbestimmun gen des Vertrages, ohne daß diese sachlich ' geändert würden, die Form von Resolutionen, die von der Dölkerbundsversammlung unmittelbar angenommen werden könnten. Der amerikanische Entwurf umfasse in feiner neuen Gestalt statt der in fünf Abschnitte eingeteilten 31 Artikel vier verschiedene Texte und eine Erklärung zu dem Zweck, den Angriffskrieg außer Gesetz zu stellen, der ein Resolutionsentwurf zur Abstimmung in der Versammlung beigefügt sei, ferner drei andere Resolutionsentwürfe, die gleichzeitig der Versammlung unterbreitet würden und sich auf die Abrüstung bezögen. Was das Unter» 1 uchungs - und Rüstangskvntrvll- r e ch t anlange, so seien die diesbezüglichen Resolutionen nach Vorschlägen bestimmt, die Frankreich im Versailler Vertrag vorgebracht habe und in denen das System der Sonder-Defensivabmachungen zur Geltung komme, wie sie bereits im Rahmen des Völkerbundes ständen. Wegen die Derwelschung des Saargebiets. Protestnoten der Reichsregierung an den Völkerbund. Genf, 2. Sept. (WTV.) Der Völkerbundsrat wird sich in diesen Tagen mit verschiedenen Roten der deutschen Regierung über Saarge - bietsfragenzu befassen haben. An erster Stelle steht die Frage des fr an- zösischenMilitärsim Saargebiet. Hier verlangt die Reichsregierung unter Hinweis auf die jahrelange, fast erfolglose Diskussion dieser Frage und die bisher nicht ausgeführten Beschlüsse des Rates die Vestimmungeines fest en Terrains und Zusicherungen für die Zurückführung der französischen Truppen aus dem Saargebiet und die endgültige Errichtung der örtlichen Gendarmerie. Eine andere wichtige Frage ist die der f r a n - zösischen Schulen im Saargebiet. Die Reichsregierung hat in einer eingehenden Rote nachgewiefen, daß die französischen Schulen, die tatsächlich reine Propagandaanstalten darstellten und nur dank der Unterstützung der Regie- rurigskommisfion des Saargebiets zu ihrer gegenwärtigen Ausdehnung gelangen konnten, im Widerspruch zu dem Versailler Vertrag stehen. Sie beantragt, daß entsprechend dem Versailler Vertrag französische Schulen im Saargebiet nur für französische Kinder unterhalten werden dürfen. Die Rote der Reichsregierung wird ergänzt durch ein Rechtsgutachten des Berliner Llni- versitätsprofessors P a r t s ch, in dem insbesondere nachgewiefen wird, daß durch die Errichtung dec französischen Schulen nicht nur verschiedene B.>- dingungen des Versailler Vertrags, sondern auch wichtige Grundbegriffe des im Saargebiet fort- geltenden preußischen Schulrechts, so de gesetzliche Schulpflicht und die Bestimmungen^ über die Konfessionsschule verletzt werden. Endlich liegt eine Beschwerde der Reichsregierung gegen zvllp oliNsche Maßnahmen der Regierungskommission vor. Währmd der Versailler Vertrag Deutschlands Erz-eugni sen bis zum 15. 3anuar 1925 zollfreie Einfuhr im Saargebiet zusicherte, hat die Regie- rungskommission die deutsche Einfuhr im deut- Nach Hersfeld Iaht uns wandern Zum 3 3. Deutschen Wandertag vom 5. bis 8. September. Der regnerische Sommer geht zur Reize. Das Grün der Bäume und Sträucher beginnt sich zu färben. Die Sonne geht schon später auf und früher unter. Im Scheine ihrer matter gewordenen Strahlen sammelt der Landmann tränenden Blicks die letzten Aehren seines schwarz gewordenen Getreides. Zu dieser Zeit schnürt Deutschlands wandernde Iugend ihre Ranzen und ergreift den Wanderstab, um an dem vom 5. bis 8. September in Hersfeld stattfindenden 33. Deutschen Wandertag teilzunehmen. Es ist ein bald 1200jähriges Städtchen, das zum diesjährigen Tagungsort gewählt worden ist. Sein Äame ist mit goldenen Lettern in bla deutsche Geschichte eingetragen, und Gustav Fr eh tag und Wildenbruch haben ihm neben anderen in ihren Werken „Rest der Zaunkönige" und „Hexenlied" Denkmäler gesetzt. Luthers Lehre ist von Hersfeld aus in Hessen bis nach Thüringen und Sachsen verbreitet worden, Und nicht gering ist die Zahl derienigen, die auf dem über 350 Iahre bestehenden Carolinum Hersfeldense ihre deutsche Bildung genossen hab«i und von dort auf die Universitäten Marburg, Gießen, Göttingen, Frankfurt und Jena gezogen sind. Bei ihnen allen wird der 33. Deutsche Wandertag Erinnerungen aus der einstigen Pennälerzeit wachrufen. Und die anderen, die weder Pennäler waren, noch zum Deutschen Wandertag kommen können, werden wenn sie vielleicht einmal im O-Zug an den Mauern der alten Lullusfladt vorbeisausen, im Geiste ein Stück deutscher Geschichte erleben,'das sich würdig an die Annalen anderer deutscher Stätten reiht. Mögen hierbei diese, den deutschen Wanderern gewidmeten Zeilen Wegweiser sein Kloster und Stift. Da, wo die Geis in die Fulda fließt, gründete Lullus, ein Gefährte des Bonifatius, ein Kloster. Kaiser und Könige gingen in diesem ein und aus und förderten sein Aufblühen. Bei den unter Leitung von Prof. Donderau stattgefundenen Ausgrabungen wurden die Grundrisse von drei kleinen schon Saargeoiet in enge Grenzen kontingentiert und hierdurch die Wirtschaft, insbesondere die Maschinenindustrie, erheblich geschädigt. Die Reichsregierung verlangt, daß die Regierungs- kommission, wenn sie gewissen befürchteten Auswüchsen vorbeugen zu sollen glaubt, nur solche Methoden anwendet, die die vertraglichen Garantien unangetastet lassen. Intervention der Mächte in China. Washington, 2. Sept. (WTV.) Wie ein Funkspruch meldet, hat der amerikanische Geschäftsträger Bell in Peking an das Staatsdepartement berichtet, daß die diplomattschen Vertreter der Vereinigten Staaten, Englands, Japans und Frankreichs in Peking wegen des in der Umgebung von Schanz- h a i bevorstehenden Kampfes zwischen chinesischen See- und Landstreitkräften dem Auswär- tigen Amt mitgeteilt hatten, daß derartige mili- tärische Zusammenstöße nicht geduldet werden könnten. — Die Seestreitkräfte der Mächte werden bereits vor Schanghai tontentriert. Auch Italien scheint sich an der Flotterchemonstration zu beteiligen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 3. Sept. 1924. Wolkenzug. Hoch über der Straße steht ein Wollenzug. Es ist eine Karawane aus Blau und Silber; sie haben sich gelagert und sind unbeweglich. Weil ich stehen bleibe, bleibt auch noch ein anderer stehen, ein Dritter und Vierter und zuletzt ein paar Dutzend; sie blicken von mir zu den Wolken, von den Wolken zu mir, sehen sich gegenseitig an und wissen nicht, was es gibt, denn daß einer tn der Stadt um ein paar Wolken stehen bleibt, das ist doch wohl nicht möglich; sie schütteln mit dem, Kops und zehen weiter. Ich schüttle auch mit dem Kops und bleibe stehen: Wie ist es nur möglich, daß man sich ein solches Schauspiel entgehen läßt! Es ist eine malerische Gruppierung sondergleichen, die sie auf einer fertigen Posttarte oder auf einem Oel- zemälde sehr bewundern würden, aber hier ist es ja „bloß" Statur, und das zieht nicht. Wenn es Geld kostete, würde der ^Inorang sicher kaum zu bewältigen sein, denn alles, was Geld kostet, muß schon deshalb interessant sein; und die nicht gegluckte Mondfinsternis letzthin würde sicher doppelt reizvoll gewesen sein, wenn sie sich vor geladenen Zuschauern vollzogen hätte. So sind wir Städter! Wir suchen die Abenteuer da, wo keine sind und erst notdürftig für uns gemacht werden müssen damit einer sich die Taschen durch unsere Rarrheit füllt. Wir haben nur Zeit, wenn es etwas zu sehen gibt, das ans Rervenkitzel bereitet. Vor einem gestürzten Gaul bleibt die ganze Straße stehen, verfolgt jede Bewegung des Tieres mit sportlicher Gewissenhaftigkeit und nimmt dann beruhigt Rotiz davon, daß die Sache harmloser war, als man erst gedacht hatte; bei diesem wundersamen Anblick ruhender Wollen hat keiner Zeit; was soll es da zu sehen geben! Das sind eben Wollen, und daß es die gibt, das weiß man schon von den Jahren her, wo es der Lehrer in der Schule besprach. Pflichtmäßig fällt den meisten vielleicht noch ein: Haufenw>lke, Feder wölke, Lämmerwolle und was es mehr schöne Ramen gibt; aber daß es eine Sache ist, über die man sich herzlich freuen und an der man das Aage weiden kann, das will den wenigsten in den* Sinn. So stehe ich und blicke empor. Majestätisch ruht der Wolkenzug über der Straße, erdfern und in seliger, selbstvergessener Schönheit! ** Vom Tabak. Im Iahre 1923 wurden, den ..Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landes slatistik" zufolge, im unbesehte-t Hessen 300 000 Stück Zigarren von 5 Zentimeter Länge und einem durchschnittlichen Gewicht von 1,300 Kilo auf. 1000 Stück, ferner etwa 50 000 Stück Zigarren im Einzelgewicht von über 10 Gramm das Stück hergestellt. Die früher vereinzelt fest- gestellte Selbsth.rstcllung von Zigaretten hat dadurch, daß seit Einführung der Aenienmark wieder billigere Zigaretten auf den Markt kommen, fast ganz cmfgehört. Tabakersatzstoffe fanden keine Verwendung. Tabakerzeugnisse wurden nur in ganz geringer Menge, die nicht in Betracht zu ziehen ist, eingeführt. Die Herstellung von Pfeifen- Kirchen freigelegt, auf denen dann von 831 bis 850 der sogenannte karolingische Dau errichtet worden ist, der 1037 aus unbekannter Tlrsache ab= brannte. Aber schon 1144 wurde eine romanische Basilika eingeweiht, die in ihren Ausmaßen den Kölner Dom übertrifft. Tage höchsten Glanzes sah das Kloster, bis der 30jährize Krieg seine Brandfackel auch durch Hessen und Thüringen trug. 1521 predigte noch Luther in den heiligen Hallen, dann wurde es langsam füll. Im 7jährigen Kriege' richteten die Franzosen m dem verlassenen Gotteshaus ein Magazin ein, das sie bei ihrem Abzüge in Brand steckten. Heute flehen nur noch die Ruinen. In ihrer gewaltigen Erhabenheit stumme Zeugen vergangener Jahrhunderte. Die Stadt. älm das Kloster entstand ein aufblühendes Gemeinwesen, das 1170 urkundlich als Stadt erwähnt wird. Die mächtige gotische Stadtkirche wurde 1323 eingeweiht. Von der Plattform des 50 Meter' hohen Turmes ertönt noch heute all- sonntäglich ein Choral. An die siegreiche Abwehr eines hinterlistischen äkederfalles des Abtes Berthold 1373 erinnert das Vitaliskreuz. Das Rathaus, ein herrliches Erzeugnis der Renaissance, wurde 1612 erbaut. Während der Franzosenzeit, 1806 07, wurde Hersfeld durch den badischen Oberstleutnant Stagg vor dem Derbranntwerden bewahrt. Die Stadt hat, trotzdem sie eine ziemliche Industrie beherbergt und vor den Toren ein aufstrebendes Bad besitzt, ihr mittelalterliches Gepräge gut bewahrt. Die alte Feflungsmauex mit ihren Türmen ist fast vollständig erhalten. Auf dem großen viereckigen Marktplatz, der von behäbigen Patrizierhäusern umgeben ist, fanden früher die Exerzierübungen des hier stationiert gewesenen Bataillons be£ Jnf.-Rzts 32 Meiningen statt. Reizvolle Straßenbildm: mit giebelgekrönten Fachwerkbauten, zwischen die viele kleine Bäche romanttsche Plätzchen zaubern, vervvllstän- taaen das stimmungsvolle Bild. An der alten Klosterschule hat auch Konrad Duden, der Der- tafser des bekannten Wörterbuches, gewirkt. Seine Gebeine sind euf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. taba£ hat auf Kosten der Zigarrenherstellung zugenommen, was auf den geringeren Preis des Pfeifentabaks zurückzusühren ist. In Hessen sind 398 Betriebe zur Herstellung von Zigarren, Zigaretten usw. vorhanden, davon arbeiten 126 ohne Gehilfen und 142 mit nicht mehr als 10 Gehilfen. 1 Betrieb hat mehr als 500 Gehilfen. Die Zahl der Tabat-Kleinpflanzungen zum Hausgebrauch hat etwas zugenommen; hingegen ist der Anbau auf größeren Flächen zurückgegcmgen, da die Tabakpflanzer wegen der schlechten Erfahrungen im letzten Emtejahc sich dem Anbau anderer Früchte, wie Brotgetreide, Zuckerrüben und dergleichen zur Erzielung besserer Erträgnisse zu- wandten. ** Die Zahl der Kraftfahrzeuge in Hessen betrug nach einer Zählung am 1. iIuli ds. Js.: 1853 Krafträder (ohne Kleinkrafträder), 2179 Personenkraftwagen und 1130 Lastkraftwagen. Für den gleichen Zeitpunkt im Vorjahre tauten die entsprechenden Ziffern: 1296, 1639, 954. Für Starkenburg tauten am 1. Juli 1924 die entsprechenden Ziffern: 957, 774, 399; für Oberhessen: 325, 329, 137; für Rheinhessen: 571, 1076, 594; für die Kreise Darmstadt: 359, 260, 151; für Offenbach: 295, 285, 95; für Gießen: 129, 136, 55; für Mainz: 285, 542, 334; für Worms: 140, 284, 138; für Alsfeld: 45, 17, 6; für Büdingen: 36, 29, 7; für Friedberg: 60, 100, 54; für Lauterbach: 42, 33, 11; für Schotten: 13, 14, 4. *♦ Die Lage im hessischen Zündwarengewerbe hat sich nach den statistischen Erhebungen, im Iahre 1923 zusehends verschlechtert. Die Mehrzahl der Betriebe mußte infolge Absatzmangels zeitweise den Betrieb schließen, zeitweise ihre Erzeugnisse unter dem Herstellungspreis absetzen. Der Rückgang in der Erzeugung von Zündwaren ist mit auf die Erschwerung der Einfuhr in die besetzten rheinischen Gebiete, die jeher Hauptabnehmer für die hessische Zündwarenindustrie waren, zurückzuführen. Die Zahl der Betriebe beträgt '6. Für das Inland wurden hergestellt 5 277 433 Zündhölzer, für das Ausland 4 166 763, je in tausend Stück, unversteuert für das Ausland 27 000 in tausend Stück. ** Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Stad t. Die neuen Beitragssätze, die ab 1. September gelten, werden im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Vorrrotizen. — Tages kalender für Mittwoch. D. H V.: 8'/2 Uhr im Kausm Vereinshaus Mitgliederversammlung. — Rundfunkhaus, Löberstr.: Buntes Pvogramm. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Iackie Coogan". — Astoria-Lichtspiele: „Frauen auf schiefer Dahn". — Dlachetta-Volksspiele veranstaltet der Iugendring Gießen in der nächsten Woche im Kath. Dereinshaus. Räheres im Anzeigen! eil. LScrrcrvvrttussage Zeitweise aufheiternd, Winde aus nördlicher Richtung, Temperaturen wenig geändert ohne Riederschläge von Bedeutung. Landkreis Gic^-cn. t Grünberg, 1. Sept. Aus der heutigen Sitzung des Gemeinderats ist folgendes zu berichten: Herr Iung-Dillingen hat das Fichtenbauholz zu dem festgesetzten Preis gekauft. Der Gemetaderat genehmigt den Verkauf, jedoch mit dem Zusatz, daß von der Gemeind. Villingen für den Käufer die Bürgschaft verlangt wird. Die Zahlung erfolgt in drei Terminen. — Das Gesuch des Friedrich Wilhelm Müller wird zurückgestellt. Die Baukommission hat mit den Herren Schmidt III. und Schäfer über die Verteilung der Bauplätze am Farbgraben eine Einigung zu erzielen. — Es liegen zwei Qlnträge der Herrn Levi und S chwarz für die Errichtung von Karussells, Schiffschaukeln usw. zum Gal'lusmarkt vor. Das Gesuch des Herrn Levi, der für den Platz ohne jede Konkurrenz 300 Mk. bezahlen will, wird angenommen. Es muh jedoch eine vorherige Anzahlung geleistet werden. — Die Instandsetzung des Kirchendaches wird mit 3700 Mark veranschlagt. Die eine Dachseite soll vollkommen neu gedeckt, die andere mit den noch verwendungsfähigen Schiefern wiederhergestellt werden. Da Herr Oberbausekretär Seim zur Erläuterung be£ Voranschlags nicht anwesend ist, wird die Angelegenheit auf die nächste Sitzung vertagt und Oberbausekretär Seim dazu geladen. — Laut Verfügung des Kreisamts soll das Wartegeld für eine Hebamme 50 bis Das Lullusfefl. Alljährlich, wenn der 16. Oktober, der Todestag des Gründers des Klosters, hevanrückt, schallt durch die Sttahen des Städtchens der uralte Ruf: „Iner, zwoo, brät, Bruder Lolls!" Auf dem Marktplatz wird ein Feuer angezündet, das drei Tage und drei Rächte sorgsam gehütet, seine Flammen gen Himmel lodern läßt. Von der Stiftskirche ertönt die Lullusglocke, wahrscheinlich die älteste von ganz Deutschland und von weither kommen die Menschen zum Lullusmarkt. Acht Tage hindurch herrscht fröhliches und sorgloses Treiben in der Stadt. So ist Hersfeld ein altes deutsches Städtchen voll Romantik und Eigenart, in dem sich Deutschlands wandernde Iugend wvhlfühlen und ihren alten Idealismus neu stärken toirb. K. * Diagnose aus der Handschrift. Die Quacksalber, die „brieflich" behandeln, flehen mit Recht in üblem Ruf. Aber so verfehlt es ist, aus der schriftlichen Mitteilung von Krankheitserscheinungen ein richtiges Bild des Leidens sich machen zu wollen, so wichtig kann doch die Handschrift sein, um einzelne Krankheitszüge daraus zu erkennen. In der Geschichte der Hanb- schriftenbeurtellung haben sich von ftüh an Aerzte hervorgetan, und ein Arzt aus Bologna Camillo Daldo war es, der 1622 die erste wissenschaftliche Studie über den Wert der Graphologie veröffentlichte. In unseren Tagen beschäftigt fi die medizinische Wissenschaft mehr und mehr mit den Erkenntnissen, die sie aus der Handschrift gewinnen kann. Darüber unterrichtet ein Aufsatz von Prof. Georg Schneidemühl in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift". Da die Eigenart jeder Handschrift in erster Linie vom Gehirn aus bestimmt wird, so ist die medizinische Ausdeutung aus der Physiologie des Zentralnervensystems im Verein mit psychologischen Erwägungen zu gewinnen. Besonders in Betracht kommen alle eigenartigen Häkchen, Striche, Lage und Richtung der Schrift usw., fotoert sie regelmäßig wiederkehren. Daraus läßt sich auf Charaktereigenschaften und Gemütszustände zur Zeit das Schreibens schließen, 70 M. betragen. Dieses beträgt in Grünberg 60 Mk., so daß es mit der Verfügung des Kreisamts übereinfl immt. — Es wird der Antrag gestellt, .in Grünberg eine Jugendherberge 5U errichten. Für diesen Zweck sind die Räume der alten Realschule in dec Pfarrgasse in Aussicht genommen. Erforderlich sind 3 Räume. Die Baukommission soll die Räume besichtigen und in der nächsten Sitzung darüber Bericht erstatten. — Das Gesuch des Konrad Schom- 6 er, seine beschlagnahmten Räume zwecks Unterbringung von Frucht frei zu bekommen, wird der Wohnungskommission überwiesen. Ein lleines Stück Land von zirka 100 Quadratmeter an der Dahn soll bei der nächsten Pferg < Versteigerung mitverpachtet werden. — Da? Gesuch des Herrn Stock zwecks Abgabe vor Besenreisig wird, da die Zeit dazu unpassend ist, bis auf weiteres zurückgestellt. — Das Gesuch des Herrn Otto Frank zwecks Reinigung des Reumühlenbachs, für den 80 Pf. pro Meter verlangt werden, wird auf die nächste Sitzung vertagt. Der Bürgermeister soll bis dahir Rücksprache mit den Beteiligten genommen haben. — Das Gesuch des Herrn Otto Frank zwecks Preisherabsetzung des seinerseits übernommenen Holzes wird nicht genehmigt. — Das Gesuch des Gerichtsvollziehers König zwecks äleberlassung eines Bauplatzes neben Herrn Dürky wird an die Baukommission überwiesen. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 2. Sept. „Was will der I u ngdeu tscheO rden", so lautete das Thema, unter dem die hiesige Bruderschaft des Ordens zu einer öffentlichen Versammlung in das Hotel Trapp einlud. Lehrer Dickler, der Vorsitzende der hiesigen Gruppe, eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen; dann ergriff der Redner des Abends, Pfarrer Schreibe r-Offen- bach, das Wort zu einem P/oftündigen Vortrage. Er betonte, daß der Orden, trotz aller Anfeindungen von allen Seiten, trotz Verbote der Regierungen und Vorurteile fortwährend in Zunahme begriffen sei und sich auf alle Gebiete, selbst im Auslande, erstrecke. Er übte eine scharfe Kritik an den jetzt bestehenden politischen Zuständen, der Orden wolle in keiner Weise an die früheren Verhältnisse anknüpfen, sondern ganz neu aufbauen, indem er eine lebendige Volksgemeinschaft errichte, in welcher alle Stände und Berufsarten vertreten seien. Der christliche Standpunkt müsse gewahrt werden, der Bund treibe keine antisemitische Politik, jedoch müsse der jüdische Einfluß auf das richtige Maß beschränkt werden. Er hoffe, daß das Dundeszeichen, das schwarze Kreuz im weißen Felde, sein Siegeszeichen durch alle deutschen Lande trage und daß bald ein freiesVolk im freien Vaterlande wohne. Der Vortrag fand reichen Beifall, Lehrer Dickler dankte dem Redner in einem Schlußworte, in welchem er auch nochmals auf die gegen den Orden bestehenden Vorurteile der „reaktionären Bestrebungen" entging und der Hoffnung Ausdruck gab, daß demnächst hier in Friedberg eine größere Veranstaltung, bei der viele auswärtige Gruppen vertreten feien, stattftadeu könne. Kreis Büdingen. )( Bergheim, 2. Sept. In 14 Tagen, am Sonntag, 14. September, wird das 200jährige Bestehen unserer Kirche feierlich begangen werden. Gleichzeitig kann die Einweihung unsererneuenOrgel, eines zweimanuallgen Werkes der bekannten oberhessischen Orgelbaufirma Rikotaus u. Förster, stattfinden. Rachmittags findet ein Festgottesdienst statt, in dem Pfarrer Lic. Stumpf aus Eschenrod die Festpredigt halten wird. Rach einer Kaffeepause wird dann ein liturgischer Gottesdienst gehalten, in dem Pfarrer Werner die Festansprache hält und in verschiedenen Vorträgen Pfarrer S t u m p f das neue Werk in ferner ganzen Schönheit der Festgemeinde und ihren Gästen zu Gehör bringen söll. )( Liß berg, 2. Sept. Am 14. September soll in unserer Gemeinde ein Vvlksmissions- fest ftattftaden. Am Vormittag findet ein Fest- gvttesdienst statt, für den Rachmittag ist ein Waldfefl vorgesehen, für das bereits der Ober- Mockflädter Posaunenchor fern Erscheinen zugesagt hat. Auch andere Chore werden mitwirken, verschiedene Ansprachen sind zugesagt. Kreis Schotten. tag. Gedern, 1. Sept. Unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Eltern und Freunde der Privat- (Hofkaplanei-) Schule fand am Samstag abend das Iugendfest dieser Schule nicht aber auf rein geistige Eigenschaften und Fähigkeiten. Erhebliche Erschütterungen des Gemütszustandes sind in der Handschrift sofort erkennbar. Feste, gerade und ltaksschräge Schriftzüge werden schwächer, dünner, ferner und mehr nach rechts geneigt, entsprechend der geringeren Widerstandsfähigkeit und der Willensschwäche, die durch solche Gemütserregungen hervorgerufen werden. Sehr stark tritt die Richtung der Zeilen nach abwärts hervor. Bei Menschen mit ausgesprochen heiterem Wesen beobachtet man lange Anstriche bei Beginn der Worte und auch an den Buchstaben inmitten eines Wortes. Infotae schwerer seelischer Leiden werden diese Anstriche kleiner und verschwinden schließlich ganz. Bei früher ordentlichen Menschen, deren Buchstaben, Worte und Zellen gleichmäßigen Abstand zeigten, werden die Buchstaben ungleichmäßig, die Abstände wechselnd. Bei Menschen, die viel auf Äußerlichkeiten hielten und daher Verzierungen an den Großbuchstaben anbrachten, verschwinden die Schnörkel plötzlich, die Schrift wird schmucklos und einfach. Außerordentlich charakteristisch bei allen seelisch leidenden Menschen ist die Wellen so cm in der Zeilenführung. Diese Veränderungen der Schristeigenheiten finden sich vielfach bei der Heranwachsenden Iugend in der Zeit vom 13. bis 18. Lebensjahr, in der große seelische Veränderungen vor sich gehen. Ebenso ist für den Gerichtsarzt die Handschrift des Verbrechers von großer Wichtigkeit, beim er kann aus ihr auf den Gemütszustand schließen, in dem ein bestimmtes Schriftstück versaßt wurde. So konnte 5. D. Schneidemühl in dem bekannten Doppelmordprozeh gegen den ArchilEen Peter Grupen in Hirschberg nachweisen, daß ein bei der einen Erschossenen, einem 12y2jäbrigen Mädchen gefundener Brief an „Großmutti", in dem das Kind sich beschuldigte, Mörderin und Selbstmörderin zu fern, in voller Ruhe geschrieben war. Der Brief muhtt allo dem Kinde diktiert worden sein, ohne daß ihm der Inhalt recht zum Bewußtsein gekommen war, und tatsächlich ergab sich auch, daß der Täter dem Kinde den Brief bittiert und dabei ein geredet hatte, es handle sich um eine Ileberraschung „Großmutti'> IILlg iWj: far?ib** *5» iöen- Posten A littet tD^yferg, Zeit boi.Jpoi ellt. “sÄHent ecks m.N.Nm foj den 80 iSUJe »M *! dL U=Wiit V 3pu >erg. M "Aas bin der ®“Ä :ä?~ n- hJ "^Wuno ra n "Süss der ?Ar-ei6et'°"«n- J‘Un> Ertrage. Eer Anfeinbun- ^rderAMrun. ln Zunahme Hk. Slel;. M im Aus. SÄtÜiUnöm fanden, der Orden e sruheren Derhält. neu aiifbauen, indem ^Ameinidjait otanbc und Deruie- gliche Standpunll inb treibe leine anti- le der jüdische Ein- -Ichranlt werden. Er das schwarze Areu; szeichen durch alle ! bald em fmesDoll Der Dortrog fand e r danlte dem Aed- n welchem er auch Orden bestehenden Bestrebungen" ein- 'ruck gab, bah dem- grvhere Deranslal- ge Truppen vertre- ngen. - 3n U Tagen, am >ird daS Mjäyrige che feierlich began- dle Stnlveihung mä flximanuaftgzn Aschen Orgelbau« Enden. "Lachmu- ensi siaü, in dem Tschmrvd die Fest- cer Kasfeepause wird Menst gehalten, _in > Festansprache hält en PfarrerElumps anzen Schönheit der en zu Gehör bringen Am 14. September Dvlismissivns. ttag findet ein Fest' Aachmittag ist em i bereits der Ober- n Erscheinen zugesagt ttai miwirken, Der- ^agt. itten. Unter äußerst zahl' rn und Freunde der tzchule sand am ndf^st dieser^Schule Meningen öd Mdschnst Imksschrage W ter ferner und iw- Ek der gmngeam Älensfchw^^ ngen hcwoE^ S-Z -Es ' S*' "E nadlg- ^erlich' terzrenmS?'^ bk verschvuüx' •j* ^.derungan der bei dv v-l3- bö ^-sche W grode s°Ä für den v°n des DabW kann ätntm- in 5- \ ^Doppev'"' -^ch* rden 1^' -efflnun01 “tfr*nS statt. Ilm feine Ausgestaltung hatten sich die hauptamtlichen Lehrkräfte, Frl. Goltz,. Frl. Brenz el und Studienassessor Heß sehr verdient gemacht, so daß alle Erschienenen mit Befriedigung und Dankbarkeit an den genußreichen Abend, der in bildungsmähiger und künstlerischer Hinsicht auf der Höhe stand, zurückdenken werden. Zur Einleitung sprach der Schulleiter. Hofprediger Widmann, über die Bedeutung des Jugend- festes und seine doppelte Aufgabe: das Band zwischen Schule und Elternhaus fester zu knüpfen und in trüber Zeit helle Freude zu vermitteln. Der Chor der Schüler und Schülerinnen sang drei Lieder. Der Humor kam zur Geltung in zwei Deklamationen. Besonders erfreuten vier reizende Volkstänze. Den Höhepunkt des Festes bildete die Aufführung des fünfaktigen Märchenspiels „Die zertanzten Schuhe", das sehr ansprechend wirkte und wobei die jugendlichen Darsteller recht erfreuliche Proben ihres Könnens ablegten und großen Beifall ernteten. Den Dank der Zühörer sprach in freundlichen Worten das Kuratoriumsmitglied Forstrat Ko11meier aus. Der Schulleiter regte, hie Eindrücke des Abends zusammenfassend, in seiner Schlußansprache die Bildung einer Schulgemeinde. besteheich aus früheren Schülern und Schülerinnen und Freunden der alten, seit 1871 bestehenden Anstalt, an und warb um Mitglieder für diese neue Einrichtung, von der man sich viel verspricht. Hessen-Nassau. —’ • Fran kf urt a. M.. 1. Sept. Am Samstag, 30. August fand hier eine Tagung des Landes- vorstanöes der Deutschnationalen (Hess.) Dvlkspartei statt, die überaus zahlreich besucht war. 3n der Aussprache über die polittschc Lage berichteten u. a. die Herren Cornel. Frbr. v. Hehl zu Herrnsheim- Worms und Weingutsbesitzer Otto 6 t a 11 - mann- Wald-llelversheim als Vertreter des ÄeichSausschusses der Partei für das besetzte Gebiet über die in den letzten Tagen vor den Eudabstinnnung über das Dawes-Gutachten in Berlin im Reichstage stattgefundenen Verhandlungen an denen von den hessischen deutschnatt)- nalen Reichstagsabgevrdneten die Herren D ) r sch und Glaser teilnahmen. Da infolge der Verzögerung der Reichstagsverhandlungen dieReichs- tagsabgevtt)neten der Partei noch in Berlin qui-ück^hatten worden waren, konnte die Aus- spracht über die politische Lage und die nächsten Ausgaben der Partei noch nicht beendet werden, und soll daher in den nächsten Tagen ihre Fortsetzung finden. 3m weiteren Verlaufe der Verhandlungen wurde u. a. die Zeiteinteilung für den am SamStag, 11., und Sonntag 12. Oktober in Bensheima. d. B. stattfindenden 5. Lan- desparteita g festgelegt, zu dem als Hauptredner der bekannte Abg. Schlange-Schöningen und der Arbeiterfekretär Ioerg gewonnen sind. Giehener Stabtttyeater. Earl Rößler: „Die fünf Frankfurter". Die gestrige Aufführung von Carl Rößlers „Fünf Frankfurter" vor fast ausverkauftem Hause bewies nach „Charlehs Tante" aufs neue, daß auch unserer altbewährten, soliden Lustspiel- Literatur — und die ist gar nicht so klein, wie manche meinen möchten — noch immer genügend Werbekraft trrnewohnt. ir ein volles Haus und eine volle Kasse zu gewährleisten, vorausgesetzt, daß an ihre Einstudierung soviel mühevolle Kleinarbeit verwandt wird, wie Karl Dvlcks Regie sie der gestrigen Aufführung hatte angedeihen lassen. Das altväterisch-ehrwürdige Heim Frau Gudulas in der Fahrgasse bot Szenen voll frischen, natürlichen Spiels und guter Beobachtung. Das patriarchalische Verhältnis der Roth^chiDs zur alten Mutter, der innige Zusammenhang mit der alten Heimat, der die in alle Metropolen Europas Verstreuten immer die „ Fünf Frankfurter" bleiben läßt, kurz der Familiensinn als einer der stärksten Werte jüdischen Volkslebens, wurde von Herrn Volck wirkungsvoll herausgearbeitst. Die abgeklärte konservative. Lebensllugheit der alten Frau Gudula wurde von Auguste M a r ck s in stets taktvollem zurückhaltendem Spiel überzeugend dargestellt. Die. trotz durchaus gleicher Giund- richtung, doch so verschiedenen Chrrakiere der Rothschilds lagen ebenfalls in bewährten Händen. Herr Goll verdient ein Sonderlob wegen der großen Ratürlichkeit seines Spiels. Der Salomon Herrn V o l ck s war das tteibende Moment. Das Iaköble Herrn Bastes war etwas reichlich sentimental geraten, was wohl zum gut Teil auf das Schuldkonto des Verfassers zurückfällt. Darunter litt auch das sonst recht niedliche Lottchen Trude Bornheims. Den eitlen Reapolitaner mimte Oskar Feigel mit diel komischer Würde, den kühlen nüchternen Londoner gab Adolf Teleky mit feiner Charakterisierung. Von den hochfeudalen Gegenspielern seien Karl Juhnkes Herzog und Paul Schuberts Fürst Klausthal als ein Beweis dafür erwähnt, was vielseitige Schauspieler aus gleichgültigen Rollen alles machen können. —e. Wirtschaft. • Konkurseim August 1924. Rachdem im Juli der Höhepunkt der Konkurseröffnungen (mit 1185 neuen Konkursen) erreicht worden war, ist im August ein Rückgang gefolgt. Es wurden nach einer Zusammenstellung der Finanz Zeitschrift „Die Dank", 792 Konkurse neu eröffnet. Ein Vergleich mit dem August 1923 offenbart allerdings noch immer ein krasses Mißverhältnis, denn die damalige Ziffer beschränkte sich auf 9 Konkurse. • Absatzmangel und Feierschichten im Ruhrgebiet. 3n der letzten Augustwvche, vom 24. bis 30. August, mußten im Ruhrgebiet toeaen Absatzmangels an 106 Stellen 138 107 Feier- scDhten eingelegt werden. Damit stellt sich ine Zahl der Schichten, welche die Ruhrbergleute im abgelaufenen Monat aus dem genannten Grunde feiern mußten, auf 830 000. Börsenkurse. 3it Billionen Prozent Datum: | ftrenffutt a. M. | Berlin Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesellichaft Frankfurt. Pet. Union A.-G........ Schuhlabrik Her; Zellstoff Waldbof' * ‘ t ' Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 6®/o Deutsche RrichSantetde . <% Deutsche RetchSanleiy« . 3'/»•/» Deutsche Reichsanleihe 3*/n Deutsche itieichSanleibe . Demiche Eparprämienanleih« 4°/0 Preußische KonIotS . . . 4% Hellen........... »V/o Hellen.......... 3% Hellen........... Deutsche Derib. Dollar-Aul. bto. Doll -Schatz-Anwetlug.') ,415 voll voll Delzrad . . 5,35 6,37 6,42 6,44 voll voll Lissabon . . 11,97 12,03 11,97 12,03 voll voll Banknoten. Berlln, 2. 6c t. Amerikanische Noten .... Belgische Noten........ Dänische Noten ........ Englische Noten ....... Französische Noten ...... Holländische Noten...... italienische Noten Norwegische Noten ..... Deutsch.Oesterr-, k 100 Jttonen Rumänische Noten Schwedische Nolln ..... Schweizer Noten....... Spanische Noten Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten Geld I Briet Revark. 4." 4,21 voll 20,91 21,09 voll 68,70 69,04 voll 18,79 18.89 voll 22,74 22,86 voll 161,94 162,76 voll 18,65 18,76 voll 67,56 67,94 voll 6,914 3,9'5 voll 2,06 2,08 voll 111,17 111,73 voll 78,56 78,94 voll 55,16 56,44 voll 12,53 12,59 voll 6,33 5,41 voll Berliner Produktenbörse. Berlin, 2. Sept Am Prvduktcmnat^t wär Roggen eine Kleinigkeit abgeschwächt. Gerste und Hafer ziemlich unväändert. 'Ser Geschäftsverkehr hatte abgenommen. ES notierten pro 1000 Kilo: Weizen, märt 208 bi» 213, Roggen, märt. 167 bis 175, Gerste, märt. 205 bis 225, neue 185 bis 190, Hafer märt 158 bis 167, Raps 325 bis 350, Leinsaat 415 bis 425: pro 100 Kilo: Weizenmehl 29,25 bis 32. Roggemnehl 24 bis 27,25, Weizen- flci<: 12,50, Roggenkleie 11,40, Diktoriaerbsen 31 bis 35. kleine Erbsen 21 bis 24. Futtererbsen 16 Peluschken 15 bis 16. Ackerbvhnen 16 bis 17, Wicken 15,50 bis 17,50, Lupinen, blau 11 biS 11,50, Seradella. alt 11 bis 11,50, Rapskuchen 13*60 bis 13,80, Leinkuchen 23, Trockenschmtzel 12 20, Torfmelasse 8 40 biS 8,50. Karwfselslocken 19* bis 19,50 Mk. Büchcrtisch. — Dr. Oscar Wingen: Fünf Jährt Repavationspolttit Gin Grundriß. Zentralverlag G.m. b.H, Berlin XV 35. Preis 1,50 Mk. Der Verfasser bietet in dieser Broschüre auf 78 Setten eine vollständige und knapp gefaxte und sehr übersichtliche Geschichte der Reparationspolittk. Folgt man der sachlichen und klaren Schilderung in der vorliegenden Schrift, so entrollt sich mit dramatischer Spannung das Bild des Leidens-^ weges eines erschöpften und zerquälten Volkes. Der Verfasser betrachtet und würdigt aufd)liebenö auch das Sachverständigengutachten. So vermittelt daS Büchlein von Dr. Wingen den Lesern ein abgerundetes Bild wichtiger politischer Ereignisse nach Abschluß des Versailler Vertrages und damit zugleich Einblick tn die groben deutschen Schicksalsfragen. — FrauIngeborgsLrebesgarten, ein rheinischer Roman aus der Werd^eit des Deutschen Reiches von Ludwig Ewers, erschienen in neuer Auflage (Hugo Schmidt München). Dieser ausgezeichirete Roman toar lange Zeit vergriffen. In ihm durchleben wir ein Menschenalter deutscher Kultur and deutscher Geschichte aus der- Zeit Bismarcks. Denn die Zeit und das Geschehen in ., Frau IngebvrgS Liebesgartcn" ist ein Stück dieses deutschen Ledens jener Epoche und der Roman wird zu einer Art Epos des deutschen Volkes von den Tagen von Solferino bis zu den Tagen des Eckarts von Friedrichsruh. mit dem Hochgesang auf dic deutsche Jugend als Ausklang, der tn unsere schwere Zeit aufmunternd herüberhallt. Eine Entfettungskur sollten alle Slorvulcntcn vornehmen. Wir raten Ibnen. tn Zhrer Npoiheke £0 ff Toluba-Kerne zu kaufen, die völlig unschadUche, fettzehrende Stoffe enthalten. ft*1-*3 Farbflecken in derWäsche^£±:;^^ farbige Stoffe entfärbt e74C Heitmann’^ Entfärber Unschädlich für alle Stoffe. Mühelose Anwendung. San ach’ j aal äie Harke „Fnehakopt im Stern**. Erhält!, in Drogerien u. einschlägigen Geschäften. Warnung vor dem Spiel in der Hamburger Staatslottcrie. Wie die Preußische General- Lotlerie-Dtrektton mitteilt, siebt sie sich oeranlaut, gegen daö in neuerer Zett in zunehmendem Maße zu beobachtende Angebot von Losen der Hamburger Staatslotterie strafrechtlich vorzugehen, da nicht nur das Spielen in dieser Votierte, sondern auch das Angebot ihrer Lose im Gebiet der Preußisch- Süddeutschen Klassenlotterie gesetzlich verboten stnd. Demgemäß haben nicht nur die Hamburger Votterie-Einnehmer, die Lose anbteten, und die Zeitungen, die ihre Inserate veröffentlichen, sondern auch die Spieler in der Hamburger Staatslotterie einpstndliche Strafe zu gewärtigen. Zur Durchführung der Strafverfahren und zur Ermittelung der Svielteilnehmer wird die Poftsperre verhängt werden. Das gleiche gilt auch für die Dänische Kolonial (SHafienl-Votterte, deren Lose ebenfalls angeboten werben. 6759 id WBHWe OM M1 “ Der gewaltige Berg- und Sportfilm Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Giehener Anzeiger".) Frankfurt a. M, 2. Sept. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen 22,50 bis 23,75, Roggen. inländ. 18,50 bis 19, Braugerste 22,75 bis 23,75, Hafer, inländ. 20 bis 21, Mais, gelb 18.75 bis 19,25, Weizenmehl, inländ., Spezial 0, 34 bis 34,50, Roggenmehl 27,50 bis 28, Weizen- und Rvggenkleie 11,50 bis 11,75. Tendenz: Stetig MWMW Kinder unter 14 Jahren erhalten bis 6 Uhr abends Preisermäßigung Vei-mietungsn s Ml. 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September 1924, vormittags 10 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Rechtsanwalt Peters in Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 19. Sep. tember 1924 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und ein- tretenden Falls über die in § 132 der Konkurs ordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen aus Donnerstag, den 2. Oktober 1924, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Berichte,Zimmer Rr. 103, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Kon- sucht für den hiesigen Bezirk einen bei der Grossistenkundschaft bestens eingeführten tüchtigen Vertreter mit langjähr. Erfahrung und besten Referenzen. Schrift!. Angebote u. 6772V an den Gieß. Anz. und 1.-, Kinderallererster Marken. Steinway & Sons Schiedmayer- Pianoforte-Fabrik Feurich u. V. a. 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Allgemeinheit nich sas vorübergehend bleiben, daß sie d ßigrn Witternngsi Um einen Ueberbl den zu gtimnnen, .ßnlichkil geivand in der heM'hen die amh die Derh des Ämdes kenn stehenden Mtteilr fehlen werden, au Der Aegen t Landwirtschaft 5V Erstellt — Ma« einer Katastrophe i des Landes ist ei freideernte b, Evinterung war namentlich Rh«i, duch llnwetter ur i« IM Ewwirten auch ■ N- Anher den : ^"-nAiedsmdi toten ton Aidd F myn. Ae Z 5? bter in dies, Mtoll. Eg sich j der Aidder < bo aikften £ Z?lAew^rs toWto&i9 ®in & &be ifl. liegt BrF LkS gen die p.SNc ernte " n Nr, ^VQUInil zu 9etJ Kgens ^ntich & Sä' gawe L'M , H» nfWn Heute mittag entschlief nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unsere irinigstgeliebte, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Ida Pipp Witwe geb. Ernst im Alter von 62 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, Darmstadt, Dietersdorf (Harz), Magdeburg, Sangerhausen, Wetzlar, Friedberg, den 2. September 1924. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Gießen, 3. September 1924. Die Einäscherung fand in der Stille statt. 67560 Von Beileidsbesuchen bitten wir Abstand zu nehmen. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß mein lieber Mann, unser guter Vater Herr Karl Dauster am 30. August einem Schlaganfall plötzlich erlegen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Therese Dauster Aug. Dauster Karl Dauster. / Kunstspiel- Pianos Auf Wunsch bequeme Zahlungsweise Ed.Nold&Sohn Frankfurt a. M. Stiftstraße 39 am Eschenheimer Turm. 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Dazu: Henny Porten Lustspiel Barne, Mel und Probiennamsell Ab Freitag: Ich half einen Kameraden Singspiel aus der Zeit der Befreiungskriege. ________ Erstklassige Gesangskrttfte. wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 19. September 1924 Anzeige zu machen. [6768c Hessisches Amtsgericht in Gießen. Bekanntmachung. Gerichtsvollzieher-Aspirant Bogel in Wieseck wurde mit der Stellvertretung des für die Zeit vom 3. September bis 30. September 1924 einschl. beurlaubten Gerichtsvollziehers Dern in Gießen beauftragt. Gießen, den 2. Sept. 1924. 6760B Der Präsident des Landgerichts. IS" In dem Hinweis auf die Beilage in unserer Ausgabe v. 25. Junt d.J. muß ||Verschiedenes| Dr. phil. Nachhilfe in sämtlichen Ober- realschnlsächern. Schr. Ang. u. 022980 an den Gieß. Anz. 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Zwei LUHNS mit Rotband hat sich nunmehr rund 30 Jahre bewährt und ist überall wieder zu haben, wo im Schaufenster sichtbar 58251) Aus dem Alsfelder Bezirk. Genaue Zahlen der diesjährigen (Snriaergefr» mffe lasten sich jetzt noch nicht ermitteln, da noch keine Halmfrucht restlos das Feld im Alsfelder Bezi rk geräumt hat. Die AuswinterungS- schäden waren in einzelnen Gemeinden sehr beträchtlich. ft> hatten y D Romrod etwa 75 Pro-., Ober-Dreitenbach 60 Prvz., Gleimenhain 60 Pio- zent, Otterbach 50 Proz. Ai oder - Gemünden 45 Prozent, Elpenrod 35 Praz., Maulbach 50 Prvz., Zeilbach 30 Prozent Auswinterungsschaden an Roggen. Außer diesen Gemeinden sind noch viele vorhanden, die Auswinterungsschäden zwischen 5—25 Prozent haben. Der Roggen, der nicht attzustark ausgewintert hatte, ftefa dafür sehr dünn. 3m allgemeinen wird inan nur 25—30 Prozent an Roggen ernten, wie in normalen Jahren Bei Weizen war die Auswinterung nicht ganz so stark. Bei dieser Frucht dürfte mit 50—60 P rozent der normalen Ernte zu rechnen sein. Mit den Sommerftüch- ten Hafer und Gerste toürDe man im allgemeinen eine gute Ernte erzielt haben, wenH dieses trostlose Erntewetter nicht alle Hoffnungen zunichte zu machen droht Wenn auch der Ertragsrückgang bei diesen Fruchten von keiner Bedeutung ist, so dürfte dxh jetzt aus dem Felde bei der anhaltend i-egnerstchsn Witterung viel Frucht vernichtet werden, denn hiervon steht noch alles auf dem Felde, zum groben Teil noch auf dem Halm. Auch mit den Hackfrüchten sieht es sehr schlimm aus Runkelrüben versprechen eine gute Ernte zu geben Kartoffeln werden eine Miltelerirte geben, in schweren und aasten Boden hat sehr stark die Krautfäule und leider auch die Qtaßfäufc der Knollen stark überhand genommen. Bleibt dieses regnerische Wetter noch längere Zeit, so dürften die meisten Kartoffeln vollständig von der Raß- säule befallen sein, und eine vollständige Miß- too-Jnij] Ufa taiz-1* alle Men luletalat MilgigMja in das werden. Die RvKleebestände muhten, besonders in der Grünberger G> gerri», stark dezimiert werden, da sie trotz aller Versuche, die Pflanzen im Frühjahr zum Wachstum zu bringen, versagten. Auch diese Mahnahme bedeutet eine Mehrausgabe an Saatgut für Wicksuttergemenge und ein Minus an Einnahmen infolge des Ausfalls an Milch durch die Lauernde, naste Gemengfutterfütterung. Dies wären in kurzen Zügen die Leiden und Freuden der diesjährigen Mlhjahrsbestellungsarbeiten. Die weitere Entwicklung der diesjährigen Bestellung schien eine recht günstige za werden, auch die vorwiegend mit Gerste neu angesäten Winter- fruchtäcker machten ein recht gutes Gesicht, so daß man sicher in meinem Bezirk mit einer Mittelernte hätte rechnen können. Die Heuernte wurde vorzüglich eingebracht, das Grummet entwickelte sich üppig, die Kartoffelbestände zeigten eine sehr gute Enttvicüung, da setzte in der letzten Juliwoche eine Regenperiode ein, die bis heute, also fünf Wochen lang, unvermindert andauert, ja sogar strichweise noch durch Hagelschlag verschliinmert wurde. Eingefahren ist in meinem Bezirk etwa die Hälfte des Roggens und der Gerste, alle übrige Frucht steht und liegt noch auf dem Feld und wird bei weiter anhaltendem Regenwetter zur menschlichen und tierischen Ernährung, sowie zur Saatgutgewinnung entweder verloren oder stark minderwertig sein. Aatürlich schwankt die Qualität der aus dem Felde befindlichen Futterbestände in den einzelnen Gemarkungen je nach der Lage und der Bearbeitung. Am besten hat sich bis jetzt die Frucht gehalten, die mit Hüten versehen und in Puppen aufgestellt wurde, aber auch in den letzteren beginnt es stark zu muffen und zu keimen. Da infolge der dauernden Regengüsse viel Hafer und vor altem Weizen umhegt, sind diese Früchte sogar auf dem Halm ausgewachsen eine Erscheinung, die man in den verflossenen Jahren kaum beobachtet hat. Hafer Roggen und besonders der Weizen sind durch die Aäste und die Aeberretse in einer derartigen Beschaffenheit, dah bei einsetzendem warmem Wetter beim Einfahren mit einem sehr starken Körnerausfall zu rechnen sein wird. Die Aehren und die Halme bekommen ein schwärzliches Aussehen, eine Erscheinung, welche durch einen Pilz verursacht wird, der sich auf absterben- den und faulenden Pflanzen teilen aasiedelt und natürlich auch die Qualität des Strohs und der Körner sehr vermindert: hierdurch können letztere für die menschliche Ernährung großenteils gar nicht mehr, zur tierischen Ernährung nir als Rotbehelf zur Verwendung gefangen; auch als Saatgut kommt die minderwertige Frucht infolge schlechter Keimfähigkeit kaum mehr in Frage. Alles in allem wird man bei vorsichtiger Iteber- schähung der Körnerfrüchte meines Bezirkes mit einem Minderertrag von mindestens 30 bis 40 Prvzen t rechnen muffen, und die restlichen 60 Prozent sind in der Qualität ihres Wertes sicher um die Hälfte gemindert. Zu bemerken ist ferner, dah Kleef eidestark auftritt und auch die späten Kartoffelsorten seit einiger Zeit stark von Krautfäule befallen werden, so dah ihre Haltbarkeit hierdurch, sowie durch den Mangel an Sonne sehr nachteilig beeinflußt wird. Das Wetter, der größte Risikosaktt-r des Bauern, hat in diesem Sommer und Herbst für meinen Bezirk bereits gewaltige Schäden verursacht. Wir wollen hoffen, dah ein baldiger Witterungsumschlag eintritt, damit die Frucht noch einigermahen unter Dach und Fach gebracht werden kann und die reichliche Grummeternte wenigstens zum Teil geborgen wird; wie wollen aber auch hosten, dah unseren Landwirten durch langfristige Kredite zu erträglichem Zinsfuß und durch sachliche, steuerliche Entlastung unter die Arme gegriffen wird, damit sie in der Lage sind, die Herbstbestellung auszuführen. Direktor Trautmann, Landwirtschaftsamt Grünberg. Die Lage im Bezirk des Landwirtschaftsamles Lich. Soweit sich die diesjährigen Ernteaussichten übersehen fassen, kann mit einer mittelguten Körnerernte und einer guten Hack- frucht ernte gerechnet werden. Vorausgesetzt muh allerdings bleiben, dah ein baldiger Witterungswechsel eintritt, andernfalls stehen schwere. Schfabi g u ngen bevor. So zeigt die Halm- frucht, die zum größten Teil noch nicht ein- gckracht werden konnte, bereits Reigung zum Keimen. Aach den bis jetzt vorliegenden Druichergeb- nisten lieferte Roggen im Durchschnitt pro Morgen einen Ertrag von 12 bis 16 Zentner, Win terweizen 12 bis 15 Ztr., Wintergerste 18 bis 20 Ztr., Sommergerste 10 bis 14 Ztr. Am besten wird wahrscheinlich der Hafer abschließen, da ihm die Feuchtigkeit am meisten zusagt. Die Sommergerste hat besonders unter dem ilnfraut (Zottelwicke) and dem eingesälen, zu üppig gewachsenen Rotklee gelitten. Die Korner selbst zeigen im allgemeinen bei sämtlicher Halmfrucht eine unvollkommene Ausbildung, die auf mangelhafte Befruchtung (Roggen), Lagerfrucht, zu hohe Feuchtigkeit und Mangel an Licht und Wärme während der Reifezeit zurückzuführen ist. Die Landwirte tollten deshalb bei der Auswahl des Saatgutes für das kommende Jahr die größte Vorsicht wallen lassen. Auf einen besseren Ertrag läßt die Hack» frucht schließen. Besonders die Rüben haben sich in bezug auf Masse gut entwickelt, während bei- Zuckergehalt hercibgenrindert ist. Ebenso befriedigend ist der Stand der Kartoffeln, doch beginnen hier infolge der feuchten Witterung die empfindlicheren Sorten (Ella) bereits in Fäulnis möglich ist. Getreide zu verkaufen, der Landwirt muß sogar noch ersehen, wie Getreide und Kar- toffeln verderben. Die ohnedies schon große Knappheit an Betriebsmitteln wird immer noch mehr gesteigert. Besonders ist auch zu beachten, daß die Gewinnung von Saatgut nach dem Ernteergebnis jn Hessen große Schwierigkeiten bereitet, da bis letzt noch nicht alles Getreide abgserntet ist und das gegenwärtige als Saatgut nicht verwendbar ist. Da besonders in Rheinhessen und Oberhessen durch Auswinterung des Gelrei- des großer Schaden angerichtet wurde und vielfach nachgesät werden mußte, fo ist es unmöglich, Saatgut für die Herbstbestellung in genügender Menge zu beschaffen. Ein Glück ist es, daß in einzelnen Teilen Qtorbbeutfa>lanb£ in den ersten Wochen der Erntezeit günstiges Wetter war, so daß dort größere Wmgeu Roggen vorhanden sind und ein gewisser Ausgleich durch den Bezug dorther geschaffen werden kann. Bei dieser Sachlage ist. es der Landwirtschaft ganz unmöglich, die ihr gewährten Erntekredrte in der festgesetzten Frist zurückzuzahlen. Es muß deshalb der Landwirtschaft durch eine Verlängerung der Kredite geholfen werden: daneben müßte auch Stundung von Steuern oder bei einzelnen Landwirten Steuererlaß in Frage kommen. Die Not in Oberhesten. Der Stand hn (Brünberger Bezirk. Mit sorgenvollen Blicken muß heute der Landwirt in die Zukunft schauen; er hat seine Aecker mit Fleiß bearbeitet, gedüngt und bestellt, aber auch dem Tüchtigsten wird es in diesem Jahre in unserer Gegend nicht gelingen, seine Ernte in gutem Zustand in die Scheune zu fahren ober auf dem Felde auszudreschen. Jeden Morgen sieht der Dauer mit fragendem Gesicht nach dem Himmel und jeden Morgen dasselbe Bild: Graue diesige, regenschwangere Luft oder lautes Plätschern auf den Dächern. Ein großer Teil der Landwirte meines Bezirks hat bereits in diesem Frühjahr eine teure und arbeitsreiche Zeit hinter- sich gehabt, aber trotzdem wurden die Schäden des Winters, so gut es ging, durch neues Arbeiten und neue Ausgaben ausgeglichen. Durch Mäusefraß und Kälte waren viele Roggen-, Weizen- und Kleeschläge derart geschwächt oder zerstört, daß eine Aeu- aussaat dieser Aecker mit Gerste, Hafer, Sommerweizen Erbsen und Wicken stattfinden mißte. Aus diese Weise gingen von den Roggen-, Weden- und Rotkleebeständen in einzelnen Ge- marnmgen über 60 Prozent verloren. Dieser Ausfall muß großenteils wieder käuflich von den Lcardtoirten erworben werden, um gutes Brot backen zu können und Saatgut zu erhalten: außerdem find natürlich die Kleien und sonstigen Abfälle von diesen Früchten, welche im Vieh- und genie -d°°<> 7.38 Ohr: Vortrag: WMk -Weite mii Wer WWkW Rüger i «“S!a’«D Televb- Welche Beendung die Landwirtschaft das deutsche WirtschafMeben hat, ist wellen Streb Aus aller Welt. Schweres Autounglück bei Wittenberg. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Auto und dem Leipziger Messezug ereignete sich gestern abend bei der Station Gräfenhainichen in der lllähe von Wittenberg. Ein mit drei Personen besetztes Auto wollte die Bahnstrecke kreuzen und fuhr gegen den in voller Fahrt befindlichen Zug. Das Auto wurde vollständig zertrümmert. Zwei Insassen waren sofort tot, der dritte Svdr- w* 8.30 Vhr: Ne»er=N* Kamn’erfnU q« übt: Pr^seberichte eenabend 673^^1 Kaufleute aus Karlsruhe, die ihre Ferien im Berner Oberland verbrachten und mit einem sogenannten galt boot auf dem Tuner See, dem Bregenzer See und dem Züricher See Ijerum- fuhren, hatten die Absicht, in dem (leinen Fahrzeug nach der Heimat zurückzukchren. Sie fußten Montag nachmittag die Li mal hinunter, um über die Aar den Rhein zu erreichen. In D i c t i k o n gerieten die beiden nach dem Passieren des dortigen Wehrs in einen Strudel. Das kleine Doot kippte um, wobei der 30jäbrtge Hermann Montag ertrank. Sein Begleiter foirnte sich aus der Strömung herausarbeiten und retten. Eröffnung der Wiener Hochschulkurse. Wien, 2. Sept. (WB.) In Anwesenheit des diplomatischen Korps, darunter des Vertreters der deutschen Gesandtschaft, Legationsratcs v. Scharfenberg, sind die Wiener internationalen Hvchschulkurse durch den Bundespräsidenten H a i n i s ch mit einer Ansprache eröffnet worden, in der er auf die Bedeutung der Hochschulkurse für das geistige und kulturelle Zusammenwirken der Rationen verwies und die Hoffnung auf eine segensreiche Wirkung dieser Zusammenarbeit aussprach. Schweres Grubenunglück in Mähren. Mährisch-Ost rau, 2. Sept. (WTD.) Auf der Grube Luise Witkowih stieß der Förderkorb bei der Einfahrt im dritten Stock auf die Auffatzvorrichtung. Don den einsahrenden Bergleuten sind 10 schwer, 14 leicht verletzt worden. Einer der Verletzten ist nachmittags seinen Verletzungen erlegen. Kunst und Wissenschaft. Ein norwegischer Historiker Ehrendoktor der Berliner Universität. — Dem norwegischen Historiker Dr. Hermann Harris A a l l in Kristiania ist von der philosophischen Fakultät der Berliner Universität der Chrendoktortitel verliehen worden. Aall ist in den letzten Jahren besonders in neutralen Komllees zur Erforschung der Kriegsurfachen hervorgetreten. Die Temperatur des'Mars. Bei der Beobachtung des Mars in seiner größten Erdnähe ist aus dem Observatorium in F l a g e st a f s in Arizona versucht worden, die Temperatur des Planeten zu messen. Mit ganz außerordentlich feinen Instrumenten, die von Dr. W. Coblentz konstruiert und hergestellt worden sind, hat dieser die Messungen vorgenommen. Danach herrschte zur Zeit der Beobachtung auf dem Wars eine Durchschnittstemperatur von ungefähr 48 Grad Fahrenheit, also etwa 91/2 Grad Celsius, was daraus schließen ließe, daß aus dem Mars tatsächlichpflanzlichesundtierisches Leben möglich ist. Aus der südlichen Halbkugel des Mars wurde eine Zunahme der Temperatur festgestellt, weil dort Sommer herrscht SpmVjOl) in Gaboon, Erle u. Riefet 3-25 mm, ichwcd.u.baver. Hobelbretter Vrettcru.Ticlcii in nüen Starken, sowie Eichen, Buchen-und fiir scrnichnittware liefern franko ie- der Station WUM Vielen • Tel. 149. Schweres Unheil ist über daS Hessenland hereingebrochen Die anbauernben Regenfälle der ätzten acht Wochen haben das kostbare Gut unserer heimischen Ernte in schwerster Weise beschädigt, ja es,vielfach sogar völlig vernichtet. Wo man in früheren Jahren um diese Zeit schon seit Wochen die Dreschmaschinen arbeiten horte, ist es diesmal still: die geringen Mengen, die vor Beginn der Regenperiode eingebracht wurden, find schon ausgedroschen, der große Rest der Getreideernte liegt aber noch draußen auf den QLedem, da das andauernd strömende Raß feine ^Bergung unmöglich macht. An manchen Stellen fit bte Frucht nicht einmal mehr so viel wert, daß sie emgefaßren wird; in einer Gegend der Wetterau z. D. sind hier und da die Garben schon lieber mit eingepflügt worden. Der Schaden, den die Bauernschaft durch diese Katastrophe erteiltet, ist natürlich außerordentlich groß, er trifft aber nicht nur den Landmann, sondern auch die Städter, deren Brot Versorgung aus der heimischen Ernte unter diesen Verhältnissen natürlich wenig erfreuliche Aussichten bietet Ebenso unheilvoll wie bei der Getreideernte sieht es bei den Kartoffeln aus Hier hoben die Regelfälle allenthalben etne starke Raßfäule herbeigeführt, die den Verlust für die bäuerliche Wirtschaft und für die affgemeine Ernährungslage noch empfindlicher macht. Die Lage ist jetzt schon überaus besorgniserregend. Schlimmer noch als der große Gegenwa rtsschaden ist aber die Schädigung der Wirtschaftskraft der Land- toirtschaff für das nächste Jahr. Mit den größten finanziellen Schwierigkeiten bei der öaalgutbe» Schaffung ist schon heute zu rechnen. Die Lage ist Dach dieser Richtung hin einfach so, daß man den Gedanken einer Rotstandsaktion zu Gunsten unserer heimischen Landwirtschaft in irgendeiner Form ins Auge fassen muß. Dabei hcmde.lt es sich nicht etwa darum, einem einzelnen Berufsstand das Risiko seines Betriebs abzunehmen, sondern lediglich darum, dem R ä h r- stand unseres Volkes die durch die jetzige Katastrophe verlorene Wirtschaftskraft wieder zu- zuführeu, die er braucht, wenn er seiner Ausgabe gls Rährquelle des Volksganzen in der Zukunft voll gerecht werden soll. Das Gesamtbild. sen erst in der Kriegs- und ^Nachkriegszeit offenbar geworden, insbesondere, welche Ausgabe ihr zutommt, die Ernährung unseres Volkes sicher-- zusteffen. Die Gegenwart zeigt nun, wie wichtig biefer Wirtschaftszweig außerdem noch für unsere Währung ist, denn alles, was der Landwirt erzeugt, totrb im Lande verbraucht, auch der Geldumlauf der Landwirtschaft vollzieht sich innerhalb der Landesgrenzen. Die Geschichte Isth.'t uns, wie bedeutsam die Landwirtschaft für den Wiede r- auftxru eines Staatswesens ist, und daß die Länder sich am ehesten von den Olachwirkungen eines Krieges erholt haben, deren Landwirt sch.'ft sich entwickeln konnte. Bei dieser Sachlage darf die Allgemeinheit nicht gleichgültig an deren Srijid- sal" vorüber gehen; es kann niemand verborgen bleiben, daß sie durch die außerordentlich ungünstigen Witterungsverhälttrisse schwer zu leiden hat. Um einen Ueberblid über das Ausmaß der Schäden zu gewinnen, haben wir uns an eine Persönlichkeit gewandt, die eine führende Stellung in der hessischen Landwirtschaft etnnimmt und die auch die Verhältnisse in den drei Provinzen des Landes kennt; es wurden uns die nachstehenden Mitteilungen gemacht, die nicht verfehlen werden, auftlärend zu wirken. Der Regen in den letzten Wochen hat die Landwirtschaft Hessens vor eine Katastrophe gestellt — man darf ohne Uebertretbung von einer Katastrophe sprechen- , denn in allen Teilen des Landes ist ein großer Teil der Getreideernte verloren. Der Schcchen durch Auswinterung war bereits groß, aber dann Halen, namentlich Rheinhessen und Oberhessen, durch Unwetter und Ueberschweinmungen außer» ordentlich zu leiden gehabt. wird von den Landwirten auch über großen Hagelschaden geklagt. Außer den Ueberschwemmungen am R! ein und im Ried sind vor allem die durch das Ueber- treten von Ridda und Ridder verursachten zu nennen. Die Folgen der Ueberschwennnungen find hier in diesem Jahre besonders verhäng- nisvvff. Es ist unbedingt notwendig, daß Hessen und Preußen sich über die Regulierung der Ridda und der Ridder einigem Tic ältesten Leute können sich eines so schlechten Erntewetters nicht erinnern, tote es in diesem Jahre der Wochen lange Regen gebracht hat. Das Ergebnis ist, uaß der Svrn me rweizen noch tollflänbig, Winterwetzen zum größten Teil, ©erfte und Roggen zum Teil noch aus dem Felde stehen. In Gegenden, wo Roggen Haupt- getveide ist, liegt er noch vielfach, in Haufen geschichtet, auf dem Felde; daneben haben wir noch Bezirke in Oberhessen, im Vogelsberg und in der W e 11 e r a u , wo das Getreide in großem Umfang noch auf dein Halm steht. Das abgeerntete Getreide in durch das wochenlange Verbleiben auf den Feldern vom Regen vollkom- kvmmen ausgewaschen worden. Stellenweise zeigen die Spitzen der Aehren des noch auf dem Felde stehenden Getreides, daß die Korner bereits begonnen haben, zu keimen. Auch die Kartoffeln, die eine Mittel- ernte hatten erwarten lassen, sind in großer Gefahr, durch Fäulnis unter der Wirkung des anhaltenden Regens zum größten Teile zugrunde zu gehen. Dic Fäulnispilze breiten sich außer- ordertlich stark im Boden aus; aber man sieht auch ganze Felder, auf denen bereits die Blatter von Fäulnispilzen befallen find. Sie Auswirkungen der ungeheuren Schäden find ungewöhnlich schwer. Die Landwirtschaft wird dadurch fast vollkommen von Betriebsmitteln entblößt; nicht allein, daß es un- * * * In den südlichen Ausläufern des Bogels- b e r g e s und in der W e 11 e r a u sind die Ernte- Verhältnisse in gleicher Weise betrüblich tote in den vorstehend zu Wort gekommenen Kreisen. I I Wasch-Extrakt 2 Pakete 50 Pf 0 JetZt KOSWt Abrador-Seife 2 Stück 35 PfQ Vertreter! Adolf Schmidt, GieBen, Telephon 1086 Aus dem Kreise Schotten. Im Monat Juni-Juli berechtigte der Stand der Halm- tote Hackfrüchte zu den schönsten Hoffnungen für die diesjährige Ernte. Selbst Roggen und Weizen erholten sich von den Answin leungs- schäden — zumal dort, wo im Frühjah hinsichtlich Pflege und Düngung der geschwächten Saaten nichts versäumt wurde — in so erfreulicher Weise, daß ihr Stand als recht befriedigend angelegen werden durfte. Unter dem Einfluß des günstigen Frühjahrswetters entwickelten sich weiterhin die Frühjahrssaaten, wie auch Kartoffeln und Rüben in einer vielversprechenden Form. Durch die seit Ende Juli herein gebrochene, fast ununterbrochene Regenperiode müssen wir die schönen Hoffnungen meranefjr als fast zugrunde gerichtet betrachten. In den unteren Gemeinden des Am t sbez i rkes Scholten ist saft sämtliches Getreide geerntet und liegt und stehl dem völligen Verdecken ausgesetzt auf dem Felde. Jn erster Linie ist es der Roggen, der unter dem anhaltenden Regenwetter stark durch Auskeimen der Körner gelitten hat, und der vor allem auf den ungedeckten Haufen üppig zu ergrünen beginnt Bei der geschnittenen, auf dem Boden liegenden, auskeimenden Gerste ist vielfach das Stroh dem Verfaulen nahe. Auch Weizen und selbst Hafer keimen, da die Korner schon auf dem Halme stark vorgequollen sind, nunmehr stark aus. In den hoher gelegenen Gemeinden des Amtsbezirkes, wo vielfach die Ab- erntung des Roggens, Weizens und Hafers be- dorsteht, konnte festgestellt werden, daß der Keimungsprozeß sich bereits auf dem Halme abspielt. Abgesehen davon, daß in einer ganzen Reihe von Gemeinden durch Hagel sch lag empfindliche Schäden (bis zu 50—60 Proz.) angerichtet worden sind, werden bei Eintritt besseren Erntewetters als unausbleibliche Folgen einerseits recht ansehnliche Körnerverluste und andererseits eine beträchtliche Wertverminderung der Ernteproduckle erst volfaus in Erscheinung treten. Auch bei den Kartoffeln wird das fortdauernd regnerische und kalte Wetter nicht allein eine Quantitätsminderung durch Wachstumhemmung und eintretende Fäulnis heckeisühren, sondern auch Halt- barteit und Güte der Kartoffeln, wie auch der Rüben empfindlich beeinträchtigen. Die Landwirte, die hier schwer von den steuerlichen Lasten bedrückt werden und vielfach, ohne Betriebskapital wirtschaftend, schon Eingriffe in die Vermögenssubstanz machen mußten, sehen sich nunmehr in den großen Hoffnungen auf stärkeren Absatz von Ernteprodukten im Herbst und damit aut Besserung ihrer finanziellen Lage bitter enttäuscht. Diese recht betricklichen Ernteaussichten sind jedenfalls gerade für unsere schon an und für sich schwer ringenden Vogelsberger Dauern ein harter Prüfstein. Wzl. Jedermann, der „Schwan im Blauband“ versucht, wird zu der Überzeugung kommen, niemals etwas Ähnliches gekostet zu haben. >•Schwan im Blauband“ verdankt ihr gutes Gelingen nicht etwa einem Zufall, sondern Jahrelangen systematischen Versuchen. Sie können sich selbst hiervon überzeugen, indem Sie ein Paket der Feinkostmargarine „Schwan im Blauband” kaufen. Schon beim Öffnen werdenSie von dem herrlichenAroma entzückt sein. Preis 50 Pf. das Halbpfund in der bekannten Packung. Ä IM Nach meinem Ausscheiden aus der Reichssteuerverwaltung habe ich mich als RECHTSANWALT bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen in Gießen niedergelassen. Mein Büro befindet sich Wolkengasse 27II, Ecke Bahnhofstraße, im Hause der Samenhandlung Heinrich Hahn Wilhelm Luley, Regierungsrat a. D. Fernruf 1409 6664D 50. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) W Probk Hinterhaus Telephon 345 Hinterhaus 6642a !! Die führende deutsche Marke!! 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Der Anteil des Versicherten beträgt hei der Krankenkasse Versicherung und Lrwerhslosenversicherung die Hälfte obigen Beitrages. Der sie raunten sich's tzu im Hauptguartier: es war ein Mirakel geschehen. Die eine der drei groben Feindinnen, die Zarin Elisabeth — ,(Satin du Rvrd', wie sie der König normte — war eines plötzlichen Äides verblichen, ilnb ihr Rachfolger, Zar Pe>- ter, galt als des Königs heißester" Bewunderer. Mchrte auch nicht lange, so kam von der Aewa 6te Kunde, bar neue Zar wünsche nichts seHnDa saht sich der Junker ein Herz und beachtet, wie der Herr ihn Lnpfangen, und ihm rst so weh dabei, als wär' ihm ein Liebes verloren. Aber der Lentulus legt ihm die Hand ÄSchulter: „Muh Gr halt nicht als Tragödia Zabeltitz. Große Herren haben ihr Be- ft>nderes, werb Er! Dürfen und können nicht vllens herausplauschen, was sie denken und fühlen, wie unsereiner. C.eft la guerre. hat der Herr gesagt. Mag Wohl so gelassen geklungen haben, als berührt chn das Glend nicht, und liegt doch allons in den Worten. C'est la guerre wenn einer, Weib unser König, was das heiht. Richt bloh Bataillen und Diktorien, auch Sorgen und Elend und Rot. Heiht ihm vielleicht aber auch: aus Krieg kommt Friede, und ich will schon heilen, so der da ist. Er wird heilen, mein Sohn — muh uns freilich dazu ein Mirakel werden, dab Friede wird." ft 208 W ^scheint W* und o1* i(.Qt; ^^^r^ragerloh"' «en Gewalt. r-sB ____- sicher, als baß ttzm öer Xomg den Schwarzen Adlerorden verleihe. Wurde also schleunigst Der Flügeladjutant von der Gvltz nach Petersburg gesendet, mit Kreuz und Stern, und Majestät waren bei schönstem Hwnore: das sei einmal ein besonderer Ritter seines Ordens, der noch fünfzig» tausend Mann auf preussische Kosten speise. Aber bald war Friede mit Rußland und Alliance, und wenn auch nicht achtzigtausend, so doch zwanzig- tausend Russen sollten zu Friedrichs Heer stoßen — Hilfe in der Rot! Lind vielleicht schon der Friede! Der König also allezeit bei gutem Humore, und alle Gesichter vergnügt. Dazu der Frühling: ganz anders schaute das alte brummige Breslau aus, als vor Weihnachten. Es ließ sich plötzlich gut leben dorten, fand auch der Zabeltitz. Hatte schnell toieber ein flinkes, schwarzäugiges Mädel am Arm und zum Karessieren, lachte und war fröhlich. Schrieb wohl mal eine Epistel nach Haus, sie fällten guten Muts fein. Jetzo kämen die Moskowiter als Freunde, und die würden der Maria Theresia schon zeigen, was eine Harke ist, die Döhmaken svllten's auch nicht besser haben als die aus der Reumark. Denn Seine Majestät würjden im Sommer sicherlich mit ganzer Force ins Böhmerland füllten, bis die Oesterreicher zu Kreuze kröchen. Schrieb auch einmal, in einer wunderlichen Stunde, an Ruth: Rur ein paar Zeilen voll älebermuth und konfusen Sentiments, schämte sich selber darüber, als er sie überlas, riß den Wisch entzwei — und ging in die kleine räucherige Tokaierkneipe, die der Pirch entbecft hatte, hart am alten Rathause, in einer engen Gasse. 3a, der Frühling! Der ließ das Blut wild werden. Der war wie der gold- Buckskin, Bettfedern,Gardinen, Bettwäsche Weißwaren Kleiderstoffe, Barchent, Kolter, Leibwäsche, B'wollwaren -jrjvft Mei oolfcn L Hernot un Matadoren der bev jranireichs Feldgesä M der gegmseütz Losung knrtet: 6 <91 blick auf AbmstE W? W Wi> nchtetc er an die vc Pilatusfmgc. Das hcit eines Bolles l außen bedroht. ach beit viel eher dm bedroht wird als Und dann: «Papie Licherheit-, sie führen halb zehn fahren bewaffnet sind und £ Wittel falten, den Macdonalds Ansicht tan Dege der Echi< ^gliche Methode, M brMgung zu kommen torik Abrüstung als Ergebnis spaten Ifl das englische Prog s ist schwer zu fini die .besondere Hebe von der man im Zuh «aales munkelt. Die Frage ist, v ner strengen Ak tiepaktgedanke Diplomatiegew /er, t>;e geinofat find, Wahrheit zu sagen, ü Suardian", behaupten, M sei l^esMl in t snglander'. Herrivt st Sie starken Ruderer gerissensten Staatsmär gevis, der erfolg Wlkechundes, unb Pc m der Kunst der 11« schLvucheuralsD tagngen Frankreichs f Delegation ftänbei lervarraut und d fitmtmt ja der Entwui FM gegen eine | ieiedersianzösischenZ M nicht auftom ^^essen haben d« ? Al^bund nicht Man ine Sahen d, i'ZMd zu halten scheb Smerals Blitzt Vasile am 29. August Tasker H. Dlis Men Staats im ( Seme ^ttam Merater der ü ff“- Diese drei F4? 1; tarier in 7*7 $ lst Malle V dem b Die (j feSS?*! innimnniiiiniiiroiniiiniiini!H!nnn!niiiinniiniiiiiiiiiiii Wiederbeginn der Orthopädischen Tnrn-llnrse Anmeldung bei Prof. Brüning, Friedrichstr. 11 peile, feurige Ungar im Pokal, in fay man ttnö vergaß unb schwatzte und baute LuftschEfser, die bis in den Himmel reichten, schlug Bataillen, kriegte den Pour le meritie, nahm Prag ein, war schon an der Donau und in .Wien. 3a, in Wien! „Zunge, Junge," meinte der Ptrch „in Wien gibt's Madels — da ist das Ende von weg — blonde 'Madels, braune Madels, eine schöner als die andre —" Der Kaspar ftedt die Rase in den Pokal, meint listig schmunzelnd: „Ich kenne eine, die hat brandrotes Haar und ist doch die Schönste von allen.“ „Hat man fo was gehört? Brandrot sind die Hexen!" „Ist auch ’ne Hexe, eine kleine sühe Hexe —“ sagt er noch, lallt schon ein weniges, fo schwer ist der Wein. „Geh mir! Eine Roth.rarige. Davor graut mir. Aber weil du's sagst: Prosit! Dein Hexlein soll leben 1“ Will der Junker aufstehen. Bescheid tun. Doch da rutschen ihm plötzlich die Beine unterm Leibe weg Platsch, liegt