Kr. 129 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: G>eßenerFarnilienbIätter Monats-Vezvorpreis: 2 Goldmark u. 20 Bold- psennig für Tragerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: Für die Schriftleilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten AnzeigerSiehen. povschecktonto: Frankfurt a. M. 11686. Dienstag, 3. Ml I924F U4. Fahrgang Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberheßen ürnd vnd Verlag: vrühl'sche llnioersitäts-vuch- und Steinöruderei R. Lanie in Gießen. 8chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von An,« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite crtlid)8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20",„ Ausschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für der Anzeigenteil: HansB?ck sämtlich in Gießen. „Blitzschutz" im Reichstag. Italiens Minister-Diktator Mussolini hat kürzlich in einer Versammlung faszistischer Abgeordneter erklärt, die jetzige italienische Kammer sei das letzte Parlament, mit dem er zu arbeiten versuche. Wenn es versage, müsse es geschlossen und eine neue Einrichtung geschaffen werden. In D e u t s ch l a n d ist heute wohl mancher geneigt, Mussolinis LIrteil auch über den Deutschen Reichstag auszusprechen. Angesichts der Sabotageversuche des verstärkten Kommunistenorchesters scheint es wirklich so zu sein, daß der Parlamentarismus abgewirtschaftet hat. Die Aeberängstlichen, die sich von den kommunistischen Kindertrvmpeten und Trillerpfeifen einschüchtern lassen, vergessen aber, daß der deutsche Parlamentarismus erst in seinen Anfängen steckt und dah der Kampf um seine gesunde Entwicklung ausgenommen werden muh. Radauszenen und Sprengungen der Sik- tzungen sind in der Geschichte des Parlamentarismus ziemlich häufig zu verzeichnen. Man denke an das einstige Schreckenskind des englischen Unterhauses, die irische Obstruktion, und an die Skandale im alten österreichischen Reichsrat. Der Unterschied zwischen jenen Störungen und dem deutschen Zustand ist nur, dah im neuen Reichstag links und rechts eine bedenklich stark angewachsene radikale Opposition fitzt, diebewuhtantiparlamentarisch vorgeht, zwei Pole, die sich in tödlichen Funken zu entladen und die empfindliche Apparatur einer modernen Volksvertretung zu zerstören drohen. Es handelt sich also darum, einen „Blitzschutz" zu finden und dieser ist gegeben in einer Reform der Geschäftsordnung. Die neue Geschäftsordnung des Reichstages, die zu Beginn des Jahres 1923 in Kraft trat, brachte bereits eine bemerkenswerte Verschärfung der Ordnungsbestimmungen. Rach ihnen ist der A u S s ch l u h von den Sitzungen im Falle gröblicher Verletzung der Ordnung erstmalig auf acht Tage und im Wiederholungsfälle auf zwanzig Tage zulässig. Für länger als zwanzig Tage darf die Ausschließung wegen der gleichen Widersetzlichkeit nicht stattfinden. Den betroffenen Abgeordneten steht das Recht flu, schriftlich Einspruch zu erheben, worauf der Reichstag ohne Besprechung endgültig entscheidet. Seinerzeit bei den Ausschuhverhandlungen über die neue Geschäftsordnung war Professor Kahl als juristischer Fachmann und Vertreter der Deutschen Volkspartei über diese allzumilde Regelung hinausgegangen. Er beantragte bei Widersetzlichkeit eines Abgeordneten: Ent- ziehungdeSAusweises und der A u f - Wandsentschädigung sowie Ausschließung auf die Dauer von 30 Tagen nicht nur von den Sitzungen, sondern überhaupt von dem Betreten des Reichstages. Heute geht die Stimmung — jedenfalls in den Mittelparteien — dahin, daß eine abermalige Abänderung der Geschäftsordnung denjenigen Abgeordneten, die sich nicht fügen, die Diäten und die Freifahrkarten entziehen sollte. Das wäre ein wirksames Mittel. Denn wenn die Helden der Parlaments-Sabotage ihren Parteikassen zur Last fallen, werden sie wahrscheinlich von ihren eigenen Fraktionen zur Ordnung gerufen. . Die Paragraphen der Geschäftsordnung tun es aber allein auch nicht. Es muh eine dem Reichstagspräsidenten stets verfügbare Macht dahinter-stehen. Diese Macht ist in besonders heiklen Fällen heute leider die gewöhnliche Polizei. Wer es eben wieder erlebt hat, wie z. B. der Abgeordnete Ludendorff durch eine kleine Armee von Schupoleuten eskortiert werden muhte, um ungefährdet in sein Auto zu gelangen, der kann sich eine Vorstellung davon machen, wie es aussieht, wenn ein renitenter Abgeordneter aus dem Sitzungssaal herausgeholt werden muh. Wie ist es denn in England, wo man in parlamentarischen Dingen immer noch etwas Iei> nen kann? Dort gibt nach Standing Order 20 der Sprecher auf dem Wollsack in Fällen von Widersetzlichkeit seinem Serjeant-at- A r m S einen Wink. Dieser nähert sich dem Abgeordneten und legt ihm die Hand auf die Schulter. Setzt der Abgeordnete auch jetzt noch Widerstand entgegen, so treten mehrere Unter» beamte (Messengers) zur Hilfeleistung herbei. Ohne Befragung des Hauses kann der Noch keine Klärung. Neue Verhandlungen des Reichskanzlers Dr. Marx mit den Deutschnationalen. Berlin. 3. Inni. (WLD.) Der Reichskanzler verhandelte nach der Plenarsitzung des Reichstags mit den Ve tretern der Deutschnationalen und berief später die Bntt.e.er der M t t t e l p a r t e i e n zu sich. Fast sämtliche bürgerlichen Fraktio,.en beraumten für den Mead noch Sitzungen an. In der Besprechung, die der Reichskanzler in Anwe'enhrit des Ernährungsministers Grafen Kanitz mit den Deutsch- nationalen, Hergt. Schiele und Graf Westarp. Chatte, dürfte, wie in parlamentari- chen Kreisen verlautet, neben der Personenfrage vieder die Zusammensetzung der preußischen Regierung behandelt worden sein. Dabei betonte der Reichskanzler wiederum, dah er eine Einwirkung auf die inneren Angelegenheiten des preußischen Staates ablehne. Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, erklärte sich die Deutfchnationale Fraktion die gestern abend bis gegen 10 Uhr beriet, mit den Verhandlungen ihrer Unterhändler mit dem Reichskanzler einverstanden und beauftragte sie. die Verhandlungen fortzusehen. Die Unterhändler haben aber, wie man hört, nicht das Recht, ein endgültiges Uebereinkommen selbständig zu treffen. Wie weiter verlautet sind die Mittelparteien der Ansicht, daß die Erklärungen der Deutschnationalen bezüglich der Außenpolitik nach zu unbestimmt sind. Sie haben daher von den Deutschnationalen eine ganz klare Erklärung zur Außenpolitik verlangt, deren Ueberreichung von Len Mittelparteien bis Dienstag vormittag 11 Uhr erwartet wird, da sie eine weitere Verzögerung der Regierungsbildung nicht für möglich halten. Die Verhandlungen des Kanzlers mit den Parteiführern, die bis in die späten Abendstunden dauerten, haben zu keiner Klärung der parlamentarischen Lage geführt. Eine Einigung über die Besetzung des Außenministeriums und über die Frage der R e - giei'ungsloalition in Preußen ist zwischen den Deutschnationalen und den Mittelp-ar- teien noch nicht erzielt worden. Die Deut- scheDolksparteisoll allerdings, wenn man emer Meldung des „D. T." Glauben schenken darf den Deutschnationalen insofern entgegengekommen sein, als sie sich damit einver-standen erklärt hat daß das Ministerium des Aeuheren einem Pa r teipolitisch nicht abgestem- peltenDiplomaten anvertraut werde. Auch in der preußischen Frage soll sie dem gleichen Blatte zufolge bereit sein, die deutschnationale Forderung auf Auflösung der Großen Koalition zu erfüllen und in eine Auslösung des Landtags zu willigen. Sollten diese Informationen des Blattes wirklich zu- trefsen so wäre damit doch noch nicht die Frage der Kabinettsbildung gelöst, da die Demokratische Partei gestern ausdrücklich dem Kanzler erklärt hat, für sie komme ein Zusammengehen mit den Deutschnationalen, die einen ausgesprochenen Wechsel des bisherigen Kurses der Außenpolitik verlangten, nicht in Frage. Auch die Z e n t r u m s f r a k t i o n, die 'heute vormittag zu einer Sitzung zusammentreten wird, dürste den deutschnationalen Forderungen nicht Folge Listen Im übrigen haben bei den gestrigen De- sprechungen mit dem Reichskanzler die Vertreter der Mittelparteien übereinstimmend die Ansicht zum Ausdruck gebracht, daß nun endlich mit den Verhandlungen Schlußgemacht werden müsse. Die Haftentlassungsanträge im Reichstag. Berlin, 2. 3uni. Präsident Wallraf teilte bei Eröffnung der Sitzung das Ergebnis der in der letzten Sitzung vor genommenen Schrift- sührerwahl mit, gedenkt dann, während sich die bürgerlichen Abgeordneten erheben, des auf den österreichii chen Bundeskanzler verübten Attentats und schloß mit dem Wunsche, dah der hervorragende Staatsmann des befreundeten Reiches recht bald seine Tätigkeit wieder aufnehmen könne. (Beifall.) Ich schließe aus Ihrer Zustimmung, daß ich diesen Wunsch auch offiziell der österreichischen Regierung mitteilen darf. Als einziger Punkt steht auf der Tagesordnung der Ausschuhbericht über die Anträge auf Freilassung von verhafteten Reichstagsabgeordneten. Der Ausschuß beantragt die E n t l a s s u n g des nationalsozialistischen Abg. Kriebel und der kommunistischen Abge- ordneten Hey de mann, Lademann, Ia- dasch Buchmann, Florin und Schlecht. Drei Fälle, die die drei in München wegen Teilnahme an einer kommunistischen Versammlung verhafteten Abgeordneten betreffen, sind vom Ausschuß noch nicht erledigt. Der wegen des Hamburger Putsches in Untersuchungshaft befindliche Abg. Urbahn soll nach dem Ausschußantrag nicht freigelassen werden. Abg. Brodaus (Dom.) erklärt, feine F eunde könnt n dem Ausschußantrag auf Hastenltassung des Abg Knebel nicht zustimmen. Wenn Knebel des eit wird und Urbahn in Haft bleibt, so wäre das tatsächlich zweierlei Maß. Abg Ko en en (Komm): Der Reichstag hat bisher bei allen Gelegenheiten zweierlei Recht angewandt. Unse F.aktlvnsgenosse Mulle r - Kaiserslautern ist vom französischen Kriegsgericht zu fünf Zuhren Gefängnis verurteilt worden weil er zersetzende Arbeit in der französisch' n Armee geleistet hat^e. Von den natronal- so-ialistrschm Maulhelden hat keiner solch nationales Opfer gebracht. (Beisall bei den Kommunisten ) Der reaktionäre französische General d e Metz hat unseren Freund Müller in dem Augenblicke freigelassen, wo er zum Abgeordneten gewählt wurde. Der Deutsche Reichstag wiro aber gegen deutsche Abgeordnete unge echter verfahren als der französische Militarist. (Händeklatschen ber den Kommunisten und bei einigen Tribünenbe- suchern.) Abg. Dr. Kahl (D. V.): Wir werden gegen die Freilassung der Abg. Kriebel und Lademann stimmen. Die Kommunisten sind ganz besonders an dieser Frage interessiert, weil sie am meisten an den hochverräterischen Plänen beteiligt sind. (Lärm bei den Kommunisten.) Das ist natürlich, denn Sie wollen doch den Umsturz der jetzigen Staatsordnung. Daraus erflärt sich auch das wüste Auftreten der Kommunisten in der ersten Reichstagssihung, ein Auftreten, das zu einer Entwürdigung der Ehre des Deutschen Reichstags l führt. Wir wollen uns nicht mitschuldig machen an dem Unfug, der mit dem Begriff „Immunität" getrieben wird. Wir lehnen die Hastentlassungsanträge ab. (Beifall bei der Deutschen Vvlkspartei.) Abg. Frick (Rab-Sey.): Wir haben uns t-n der Ausschuhsitzung für die Haftentlassung in allen Fällen erklärt. Wir protestieren dagegen, daß die Fälle U r b a h n und Kriebel in einem Atem genannt werden. Kriebel ist im Urteil bestätigt worden, dah er aus reinsten vaterländischen Motiven gehandelt hat. (Gelächter bei den Kommunisten und Rufe: HeuchlerI Feiglinge!) Präsident Wallraf ruft den Abg. Heckert (Komm.) zur Ordnung. Abg. Frick (sortfahrend): Urbahn war dagegen der Führer des Hamburger Putsches, mit dem er Deutschland wieder unter das Ivch Moskaus im Interesse der jüdischen Internationale bringen wollte. (Lärm bei den Kommunisten. Glocke des Präsidenten.) Präsident Wallraf: Es würde mir eine unangenehme Pflicht sein. Abgeordnete von der parlamentarischen Tätigkeit auszu- schliehen. 2lber meine Pflicht ist es, für die Würde und Geschäftstätigkeit des Reichstages zu sorgen. Seien Sie überzeugt, dah ich diese Pflicht erfüllen werde. (Beifall.) Abg. Frau G o h l k e (Ruth Fischer) (Komm.): Ihr seid ja nichts als Masken und Hampelmänner der Kapitalisten. (Gelächter. Unruhe. Ordnungsruf des Präsidenten.) Sehr verehrtes Schattentheater! Sehr verehrtes Komödientheater! Sehr verehrtes Schaukelpferd. (Präsident Wallraf ruft die Rednerin zum zweitenmal zur Ordnung und macht sie auf die Folgen des dritten Ordnungsrufes aufmerksam.) Im Ramen der Kommunistischen Partei mit ihren 370 000 Mitgliedern sagen wir den Herren von der Bourgeoisie unseren herzlichsten Dank für die Offenheit, mit der sie den Willen zur Unterdrückung des'Proletariats aussprechen. (Händellatschen bet den Kommunisten.) Rach weiterer Debatte wird den Ausschuh- anträgen auf Haftentlassung des Abg. Heyde- mann (Komm.) zugestimmt. Im Falle Ur bahn (Komm.) wird in namentlicher Abstimmung mit 222 gegen 141 Stimmen der Ausschuhantrag angenommen, der sich gegen eine Haftentlass ung ausspricht. Für den Ausschuhantrag haben auch die Rationalsoziaolisten gestimmt. In der nachfolgenden Abstimmung über den Fall Ärie- b e l wird der Ausschuhantrag auf Haftentlassung mit 229 gegen 119 Stimmen abgelehnt. Die weiteren Ausschuhanträge werden gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Sprecher diesen oder auch»mehrere „Rebellen" durch seine Hauspolizei mit Gewalt an die frische Luft befördern lassen. Im freien England! Eine solche besondere Parlamentswache sollte man auch im Deutschen Reichstag einrichten. Das Urteil im Harden Prozeß. Berlin, 3. Juni. (Priv.-Tel.) In dem Prozeß wegen des Ueberfalls auf Maximilian Harden wurde gestern der Angellagte Oberleutnant a. D. Ankermann wegen versuchten Mordes zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt unter Anrechnung von 11 Monaten Untersuchungshaft. Die Urteilsbegründung sagt, das Gericht habe als erwiesen angenommen, dah der Angellagte den Vorsatz gehabt habe, Harden zu toten. Bei ber Bemessung der Strafe sei zugunsten des Ange- llagten sein Gest än dn is und der Umstand zu berücksichtigen gewesen, dah er Im Kriege seine Schuld igkeit getan habe. Das Wiener Attentat. Wien. 3. Zuni. (WB.) Rach dem Abend- bulletin der den Dundeskanzler Dr. Seipel behandelten Aerzte ist das allgemeine Besinnen des Patienten sehr befriedigend. Dec Patient ist subjektiv und objektiv friichec und zeigt ein geistig reges Interesse für alle Vorgänge. Vizekanzler Frank ist gestern nai>mit ag auf dem Rordbah ihof in Wien eingetroffen, wo er von dem Dundesminister des Acuß.ren Grünberger erwartet wurde. Die beiden Minister begaben sich sofort zum Dundeskanzler- a m t und dort fand unter dem Vorsitz des Vizekanzlers ein Mini st errat statt, der sich mit aktuellen parlamentarischen Arbeiten und dec Vorbereitung zu der b.'vorstehmden Tagung des Völkerbundrates in Genf beschäftigte, bei der nach einem früheren Ministerratsbeschluh die Dundesminister Grünberger und Kien- boeck Oesterreich vertreten sollen. Bei der morgigen außerordentlichen Sitzung des Rational- r a t e s wird namens der Regierung Vizekanzler Frank eine Erklärung abg-.ben. Rach Schluß des Ministerrates fuhr der Vizekanzler in Begleitung des Dundesministers Schmitz in das Krankenhaus, um dem Bundeskanzler aus dessen Wunsch einen Besuch abzustatten, der ganz kurze Zeit dauerte. In den Abendstunden traf Frank und Schmitz im Parlament mit dem Präsidenten des Rationaliates Miklas und mit den Obmännern der Mehrheitsparteien zu einet Besprechung zusammen. Die aufrichtige Teilnahme an dem schwerer Schicksalsschlag, der mit dem Bundeskanzler auch ganz Oesterreich getroffen hat, zeigte sich den ganzen Tag über in unaufhörlichen Kundgebungen vor dem Wiedener Krankenhause. Kopf an Kopf steht hier eine dichte Menge, wartet auf Mitteilungen von drinnen und bespricht flüsternd, aber mit unverhohlener Entrüstung das Attentat. Mitglieder der Regierung, des Parlaments und des diplomatischen Korps erschienen im Krankenhause, um ihre Teilnahme auszudrücken. Der Zutritt zum Krankenzimmer ist streng untersagt. Trotzdem drang der Bundeskanzler darauf, der mit bewunderungswürdig er Energie und Seelenruhe sich in die schweren seelischen und körperlichen Folgeerscheinungen des Attentats fügt, vormittags mit den maßgebenden Politikern Rücksprache zu nehmen. Er empsing den Präsidenten des Ratronolrates, den Außenminister und den Obmann der Chrifllichsvzialen Partei. Der Kanzler lieh es sich nicht nehmen, mit den genannten Herren politische Gespräche zu führen, obwohl die Aerzte möglichste Schonung ungeordnet hatten Der Reichspräsident richtete an den österreichischen Bundespräsidenten Hai - n i s ch folgendes Telegramm: Ties erschüttert durch die Rochricht von dem ruchlosen Anschlag auf den um Oesterreich hochverdienten und auch von mir sehr geschätzten Dundeskanzler Dr. Seipel versichere ich Sie und das österreichische Brudervolk meiner herzlichsie n Teiln ahme; dem verletzten Bundeskanzler bitte ich meine herzlichsten Wünsche für die baldige Wicdererstellung zu übermitteln. — Außenminister Dr. Stresemann ließ im Auftrage der Reichsregierung durch den Gesandten in Wien, Dr. Pfeiffer, dem Bundeskanzler Dr. Seipel seine Entrüstung über die unselige Tat, und die besten Wünsche für seine baldige Wiederherstellung ausdrücken. — Der Reichskanzler telegraphierte dem Bundeskanzler Seipel solgen- des: Mit tiefer Bestürzung erhielt ich soeben die Kunde von dem furchtbaren Anschlag auf das Leben Euer Exzellenz. Ich flehe zu Gott, dah Sie bald genesen und Ihre erfolgreiche Arbeit zum Wohle Oesterreichs in vollem Umfange aufnehmen können. Mehrere Wiener Blätter befassen sich mit den wögllchen politischen Folgen des Attentats gegen Dr. Seipel und stellen fest, dah der Anschlag auf den Bundeskanzler diesen inmitten der wichtigen abschließenden Vorarbeiten für die Genfer Konferenz, auf der schwerwiegende Entscheidungen über die Durchführung des Sanierungsprogramms getroffen werden sollen, ereilt habe. Andererseits weisen die Blätter mit Bezug auf die wichtige Wiener Unterredung Dr. Seipels mit dem tschechoslowakischen Außenminister als Vorsitzenden und Dr. Janssens als Finanzreferenten des Völkerbundsrates darauf hin, daß über die Hauptfragen im wesentlichen wohl eine Verständigung erzielt sein dürfte. So sehr also die Blätter bedauern, dah der mit der ganzen Materie als seinem eigensten Werk eng vertraute Bundeskanzler gerade jetzt Oesterreich nicht selbst vertreten kann, so glauben sie doch, daß die Verhandlungen unter der Autorität Seipels von seinen Mitarbeitren, vor allem dem Außenminister Grünberger und dem Finanzminister Kienböck, durchgeführt werden dürften. Die „Wiener Allgemeine Zeitung" erfährt hierzu aus maßgebenden Kreisen, man sei der Ansicht, dah das Programm des Bundeskanzlers für die Genfer Völkerbundtagung trotz seiner Erkrankung durch- geführt werden könne. Der Generalkommissar des Völkerbundes Zimmermann gab folgende Erklärung ab: Das Attentat gegen Seipel erfüllt mich mit dem tiefsten Abscheu. Die Tat wird im Ausland, wo der Kanzler die größte Autorität besitzt, tiefen Eindruck machen. Es wäre aber unrichtig, wenn durch das Attentat Zweifel an Stabilität der Verhältnisse aus öffentlichem Gebiete in Oesterreich entstehen würden. Einer solchen Annahme würde ich auch entgegentreten. Es ist selbstverständlich, daß ich die Schwierigkeiten, welche das Attentat für die Re- beziehen soll. Er spricht alsdann von dorn Laien- Durchführung des Gesetzes über die Kongregationen umfaßt. Ich habe aber nicht nötig, Ihnen zu ertlären, daß diese Maßnahmen, die bestimmt sind, nach dem Buchstaben und dem Geiste des Trennungsgesetzes durchgeführt zu werden, nichts enthalten, was die Gewissensfreiheit oder die freie Ausübung des Kultus stören kann." Herriot spricht alsdann von der des Ermächtigungsgesetzes, der Wiederherstellung des Zündholzmonopols und der Durchführung einer allgemeinen Amnest ie, die sich aber nicht auf die Verräter und Deserteure poiationskommission, hen Franzosen Alfred Des- camps und den Italiener Dianchini. Die deutsche Regierung wird vertreten durch den Staatssekretär im Reichstoirtschoftsrnlnisleri in Dr. Trendelenburg, die deutsche Industrie durch den Geheimrat Bücher. In der h.utigen Sitzung ist beschlossen worden, den wie bÄm Eisenbahnvrganisationsausschuß mit vorgesehenen fünften Delegierten, der ein Engländer sein soll, vorerst nicht zu ernennen. Man ist sofort in die Erörterung technischer Fragen eingetreten und hat sich dahin geeinigt, daß im Laufe dieser Woche täglich Sitzungen abgehalten werden sollen. Ein (Kommunique soll vorläufig nicht veröffentlicht werden. Programm und sagt: „Ich weiß, daß es die Aufhebung der Botschaft beim Vatikan und die Schärfe gegen die völlig unzureichende und ungenügende Erhöhung der Gehälter für die unteren und mittleren Beamten durch die neueste Veröffentlichung des Reichsfinanzministeriums zu protestieren und mit erhöhtem Rachdruck für eine Reuregelung einzutreten, durch die die Bezüge der unteren und mittleren Gruppen den tatsächlichen Verhältnissen und dein Forderungen der Gerechtigkeit in ganz anderer Weife angeglichen werden. Weiter lag ein Antrag der sozialdemokratischen Partei vor, in dem u. a. die Regierung ersucht wird, dem Landtag eine neue Vorlage zu unterbreiten, die für alle Beamten einen gleichen Kopfzuschlag vorsieht. Rach Mitternacht wurde der von dem Täter erwähnte Brief auch aufgefunden. Er war an die Frau des Arbeiters gerichtet und enthielt das Geständnis, daß er in seiner Fabrik eine Veruntreuung begangen hätte. Infolgedessen habe er sich entschlossen, aus dem Leben zu scheiden. Wenn er aber aus dem Leben gehe, wolle er n o ch einezweitePerson, und zwar den, dem die Arbeiter ihr Elend verdanken, mitnehrnen. Alles nähere werde in den Morgenblättern zu lesen sein. Die Organisationsausschüsse t der Sachverständigen. Herriot und die Sozialisten. Paris, 2. Juni. (WTD.) Der f o - zialistische Parteitag hat in seiner heutigen Abendsitzung die Beteiligung ander Regierung abgelehnt. Die Resolution läßt aber für außerordentliche Amstände eine neuerliche Beschlußfassung durch einen Landeskongreß offen. Der Kongreß geht alsdann zur Debatte über die A n t e r st ü t - zungspolitik über auf Grund des von Herriot in seinem Brief an Leon Blum entwickelten Programms, dessen Inhalt wir hiermit folgendermaßen wiedergeben: Herriot spricht von einigen unverzüglich durchzuführenden Maßnahmen, so der Aufhebung W.ischberg bei Wien. Auch hier waren d e Haupt«. Vertreter der deutschen Segelfliegerei erschienen, und trotz der ungünstigen Witterung gelangen schöne Flüge, unter denen wieder die von Martens und Dotsch hervorragten. Martens überhöhte, die Startstelle um 269 Meter und macht« anschließend einen Lleberlandflug ton 613 Km. während Dotsch einen Dauerslug von 4 8 Min ausführte. Die Früchte der gewonnenen Erfahrungen beginnen sich jetzt zu zeigen. Der vor kurzem bei Rvsltten an der ku rischen Reh.ung stattgefun^ene Küstensegelflug -Wettbewerb meldete einen Dauerflug von Schulz von fast 9 Stan- • gleichzeitig gelang es Espenlaub im Riesengebirge einen Lleberlandflug v?n 16 Km. auszusichren, Erfolge, die nur der richtig einzuwerten versteht, der weiß, wieviel Beharrlichkeit dazu gehört, um zu solchen Ergebnissen zu gelangen. Dem Rhönwettbewerb in diesem Jahre kann man gespannt entgegensehen. Zum ersten Male — Und hier zeigt sich der Entwicklungsweg — werden auch schwachmotorige Flugzeuge daran teilnehmen. Wir in Hessen haben allen Grund, stolz zu sein auf die Leistungen der Segelflieger. War es doch die Akademische Flieger gruppe an der Technischen Hochschule zu Darmstadt die im vergangenen Jahre die besten Erfolge auf- zuweifen hatte. Bei alldem ist zu bedenken daß diese Arbeiten freiwillig neben dem Studium auf Kosten der Freizeit durchg.führt wurden. Industrie und Staat haben, soweit es in ihren Kräften stand, in richtiger Erkenntnis der Wichtigkeit des neuen Problems helfend und fördernd einoeariffen Aber das genügt nicht. Die Idee, auserseheir wie keine andere, neue Zulunftsmögiichkri en zu eröffnen, muß von jedem unterstützt werden zum Wohle unseres engeren und weiteren Vaterlandes. Viel wurde getan, aber noch m hr bleibt 3u tun. Rur Beharrlichkeit führt zum Ziel. Dies erreichen zu helfen, dazu kann jedernacbse'-. ner Kraft beitragen. Einspruch gegen eine Herabsetzung der borgeschlagenen Sätze der Desoldungsordnung erhoben wird. Der Antrag Osann und Dingeldeh wurde angenommen. Vom Antrag Reiber wurde d.e zweite Forderung (Darlehen) zurückgezogen. Ferner wurde der zweite Teil des soz Antrages (gleicher Kopfzuschlag) mit Mehrheit adgelehnt. Die Regierungsvorlage wurde hierauf angenommen. Der erste Teil des Antrages Reiber wurde einstimmig angenommen. Ferner fand ein Antrag, der der Regierung die Ermächtigung erteilt, die bewilligten Sätze der Vorlage auszuzahlen, ein« stimmig Annahme. Der Zentrumsantrag über das Sperigesetz und ein gleichlautender Antrag ber Sozialdemokraten wurde bei 2 Stimmenenthaltung angenommen. Hieraus wurde das Kap, Gesundheitspflege beraten, zu dem ein Antrag Reumann vorlag für die Errich ung eines Der uchsstaltes in der Lupus-Heil st ätte in Gießen 5000 Mark zu bewilligen. Der Antrag wurde angenommen, auch die Regierung stimmte ihm im wesentlichen zu. Das Kap 38 (Kirchen) wurde ebenfalls angenommen. Der Antrag Dr Osann und Drauer, der in der letzten Ausschußsitzung vorgelegt worden war ist zurückgezogen worden. Der Antrag Hofmann aus der letzten Sitzung wurde abgelebt: er soll aber als Minderheitsanttag dem Plenum unterbreitet , werden. 1^; 2 Jans (WB.) Der Organisations- cmSschuß der im Sachoerständigen bericht vorge- s? enbahngesellschaft hak den ersten ^ell seiner Arbei.en beendet nach- Ä^^^^mfung der deutscherseits vorgelegten Entwürfe und des Statuts der Reichs- Ä^Ä^oHllschaft vorgenommen hatte. Der bekanntlich aus dem Vertreter der Die Segelfliegerei im Jahre 1923. Segelfliegerü ist nicht so l La.er erschünen mag. Bereits vor dem Kriege wurden mit eigens dazu konstruierten Apparate.! Versuche ange'tellt die ab>c n^*pnhmr üe immer met>: wach ende Tendenz zum Kleinauto ö J) zum schwachmotorckgm Auto. Am eine: technischen Reue ung Bestand und al.gemeine Ver- breitung zu sichern, muß Anschaf sang und Te- tri b «ich bezüglich dec Kosten in mög.ichst engen Grenzen halten. Dies kurz Skizzierte auf die Fliegerei übertragen, ergibt dieselben Konsequenzen Das dürfte ohne weiteres klar sein. Run war aber die ^age im Flugzeugbau so: Die ruhige Entwicklung oer Flugteämik wurde durch d-cn Weltkrieg an.er» 600^. ®ie 210116, die die junge Waffe darin spielte, ist allgemein bekannt. Wer die Annalen der Entwicklung der Flugtechnik verfolgt, wird staunen ub r die fab.sthrft rasch g'stege. en Leistungen. Kern Mensch w.rd ixrs ableu mn. Wir ourfen aber andererseits nicht ve.ge ;e i, daß im Maßstäbe gelten als im Fr eden. Ss i|t klar, daß dort oie Frage der Rentabilität nur erne untergeordnete Rolle au spielen brauchte. Anders un friedlichem Verkehr, bei der Post- ^^^ss^lerbeförderung Hier ist die Frace -tteniabilität entscheidend über Sein und Rrcht- sein, über Möglichkeit oder ^Unmöglichkeit eines allgemeinen Luftverkehrs. „ Diese AeberlTguagen haben zur Segelfl>ege"ei geführt. Wissenschaft und Technik arbeiteten eng zusammen. Wenn es uns gelingt, — die Erfolge der letzten Jahre lieferten ja den besten 'Beweis FluNeug ärodhnamisch so günstig ohne Motor stundenlang Lüften zu halten vermag, so ist llar, daß Flugzeug mit einem Motor von verschwin- kleiner Starke dasselbe zu leisten vermag wie ein anderes arvdynarnisch ungünstig gebau'es L l^ken Motor. Mit einein Wort- ,fl rcntaW Serben. And bie bipHp^t ^fans^uftanö einer Entwicklung, sten^hiie^ "wetzen wird, als die Mei- die €pnpmi^n?to-fle ^3€fer Entwicklung ist aber Erkenntnisse die Erfahrungen und lennmisse, die sie gebracht hat, wäre ein Weg gierung zur Folge Haven kann, ganz einsehe uno ihnen vollstes Verständnis entgegenbringe. Der Bahnhofsinfpektor des Südbahnhofs, Stöckl, gab einem Berichterstatter eine Darstellung über den Verlauf des Attentats auf den Bundeskanzler. Auf dem Bahnsteig war vorher nichts von dem geplanten Attentat bemerkbar. Die Sicherhcitsbcamten befanden sich auf ihrem Posten. Seipel, dem im letzten Waggon em Abteil erster Klasse reserviert war, ftieg in guter Laune und gewohnter Freundlichkeit aus dem Kupee und begrüßte die Anwesenden, von denen Hofrat Seemann und Prälat La Vati Seipel nach dem mittleren Bahnsteig begleiteten, während Stöckl ungefähr zwei Schritte voranging. Ich bemerkte plötzlich, daß ein Mann in Zivil Über die Gleise kam, dachte jedoch, daß dies, wie es an Sonntagen meist der Fall ist, ein Postbeamter war, der zum Zuge wollte, um Postsachen abzuholen. Der Mann blieb jedoch ungefähr drei Schritte von Seipel entfernt stehen, hob blitzschnell einen Revolver unb gab drei Schüsse auf den Bundeskanzler ab, ehe j dies jemand verhindern konnte. Ich sprang sofort auf den Attentäter- zu, packte ihn am rechten 2Itm, um ihm den Revolver zu entwinden, konnte jedoch nicht verhindern, daß er zwei Schüsse gegen sich abgab. Der Vorfall hat auf dem Bahnhof große Erregung b erborg eruf en. Die Menge drang auf den Attentäter ein, jedoch gelang es den anwesenden Sicherheitsbeamten, die Menge zurückzudrängen. Seitacl, der augenscheinlich sehr litt und leichenblaß war, begab sich, gestützt auf Seemann und Lavati, zum Pvlizei- buteau, wo er auf das hergerichtete Lager ttiebergelegt wurde. Der Täter Karl Jaworek konnte gestern vormittag vernommen werden. Er war der Tat im wesentlichen geständig. Rach seiner Angabe befand er sich als Kurz- I arbeitet in Rot, da er noch für seine Frau und seine beiden Kinder zu sorgen habe. Er habe wiederholt vernommen, daß der Dundeskarizler an dem Elend der breiten Massen die Schuld trage. Deshalb habe er schon vor längerer Zeit den Beschluß gefaßt, ihn zu beseitigen. Er habe in der Dezirkskrankenkasse in Baden (Oesterreich) für seine Frau und seine Verwandten Krankengeld im Betrage von 700 000 Kronen abgehoben. Dieses Geld habe er für sich selbst verbrau cht. Dann habe er einen Abschiedsbrief an seine Frau geschrieben, worin er seine Absicht ankündigte den Bundeskanzler zu toten und dann Selbstmord zu begehen. Der Täter behauptet jedoch, nicht die Absicht gehabt zu haben, das Attentat noch am gleichen Sage auszuführen. Erst auf dem Bahnhof von Wiener-Reustadt habe er angeblich zufällig von einem Eisenbahnbediensteten erfahren, daß der Kanzler nach Wien fahre, worauf er beschlossen habe, die Tat zu verüben und in den Zug des Bundeskanzlers einzudringen. Jaworek stellt in Abrede, zur Tat beauftragt gewesen zu sein oder Mitschuldige zu haben. Er sei sozialistisch organisiert, habe sich aber seit längerer Zeit nicht mehr am politischen Leben beteiligt, sondern sich ausschließlich gewerkschaftlich betätigt. Die Sicherheitsbehörde prüft nun- mehr die Richtigkeit der Angaben und sucht einige Herabsetzung der Militärdicnstzeit durch die Widerspruche in den Aussagen Jaworeks aufzu- Organisierung der bewaffneten Ratton beschritten worden, öer niemals zum Ziele geführt hätte. Ihre Voraussetzung war und ist eine wissenschaf.liche Grundlage. Damit ist die ö.harung g g b n, warum die A k a d e m i s che n Fliegergrupven die Hau^tträger des Seg^ l- fluggedankens sind. Wer die Berichte der ver^ gangenen Rhönwettbewerbe v r clgt wi d mos bestätig! finden. Im Jahre 1922 waren es Martens und H e n tz e n v. n d.r 2.kad. SE g r- gru^e Hannover und Hackmak von der Akad. Fliegergruppe Darmstadt, die d:r Welt den Beweis der Möglichkeit eines mehrstündigen, motorlosen Fluges erbrachten. Deg i erung, ge= Ascht mit Staunen, war das allgemeine Echo. Diese Erfolge spornten zu neuen Anstrengungen Ä?.ct Wettbewerb 1923, zu dem nahezu 100 Maschinen- gemeldet waren, bewies, toi' der ©ebanfe des Segelflugs um sich gegriffen hatte. Mit Spannung fomte man das Ergebnis erwar- ten. Wenn das Publftüm dasselbe nicht mit der Begeisterung aufgriff, sv war das zum Mindesten unbrechtigt. In der Bauausfüh ung sämtlicher gemeldeten Maschinen ließ sich berci s ein wesentlicher Fortschntt erkennen. Sie leiste en durchweg Gutes. Aber den Ausgang des Wettbewerbes damit messen zu wollen, daß Lin neuer Dauerrekord ausgestellt wurde, ist durchweg nicht am Platze. Der Beweis, daß bei günstigem Winde eia Flug von Stunden möglich ist, war ja im Vorjahre geliefert worden. Jetzt galt es mehr- Weitere Verbessei-ung der Maschinen und vor allem einen stleberlandflug. Der dafür ausg-setzte Pr-eis wurde schwer umstritten. Seine Hauptbc- toerber waren Martens auf seinem „Strolch" und Bo t s ch von der Akad. Fllegergruppe Darm- Dotsch gelang es am 29. September 1923, eine Strecke von 19 Kilo- meter euftlinie zurüchzulegen. Martens konnte nur 14 Kilometer erreichen. Diese Erfolge, die mit urnrecht weniger gewürdigt wurden, über- treffen die Stundenflüge in ihrer Leistuna. Sie stellen deii Beteiligten das beste Zeugnis aus und waren ein neuer Auftakt in der Geschichte des Segelflugs. y Dem Rhön Wettbewerb folgte die Oester- reichlsche Segelkluawoche auf dem Der Vergütung für Brandhilfen, die bendch barte Orte einander leisten, wurde zugestimnrt. Auf eine Anfrage an den Vorsitzenden, ob bald bzw. wann mit der Aushebung der Hunde- sperre zu rechnen sei, wurde der Bescheid, daß das hessische Ministerium von der weiteren Durchführung der Sperre einstweilen nicht absehen wlll. Aus Stabt und Land. Gießen, den 3. Juni 1924. Die Gewerkschaft hessischer Gcmeindcbeamten hielt am 31. Mai und 1. Juni ihren vierten Vertretertag in Bensheim a. d. Bergstraße ab. Die Tagung war von rund 150 Vertretern aus allen Teilen Hessens, insbesondere aus dem besetzten Gebiet, besucht. Außer geschäftlichen Beratungen wurden belehrende Vorträge gehalten, und zwar von dem Vorsitzenden des Reichsbundes der Kommunalbeamten, M e u- rer-Berlin über: „Ziele und Aufgaben der Beamten-Organisationen" und von Geheimrat Greß-Berlin über: „Die Grundrechte der Beamten und der Personalabbau". Am Abend des ersten Derhandlungstages besuchten Staatspräsident ckl l r i ch, Finanzminister Henrich und verschiedene Mitglieder der Regierung den Vertretertag. Bei den Hauptverhandlungen des zweiten Tages war die Regierung durch Oberregie- I rungsrat Weber- Darmstadt vertreten. Ganz । besonders kam auf dem Vertretertag die große cklnzufriedenheit der gesamten Beamtenschaft über I die neueste Regelung der Beamtenbesoldung zum Ferner lag ein Antrag Knoll und Hofmann-Darmstadt vor mit dem Ersuchen, die Aufhebung des Reichsbesoldungssperrgesetzes bei der Reichsregierung zu beantragen. Dieser Antrag deckt sich mit dem ersten Wsah des vorgenannten sozialdemokratischen Antrags. Außerdem lag ein Antrag Reiber vor unter Kap. 15 Ziffer 1 des Voranschlags einzustellen für Unter ft ü£ung der Beamten 300 000 Mark (statt 100 000), sowie 2. das Darlehen an öie Beamtenbank auf 200000 Mark zu erhöhen (statt 100 000). Ferner lag eine Vorstellung von Professo ren sowie vom Reichsbund höherer Beamten, Landesverband Hessen, vor, in dem Sachverständigen Leverve und den oeuffchen Vertretern Staatssekretär a. D. Bergmann und dem Staatssekretär Vogt besteht, hat sich vertagt, um die Ausarbeitung neuer Texte zu ermöglichen unter Berücksichtigung der Feststellungen der ersten Beratung. Der Ausschuß wird am , -------------- 16. Juni in Berlin zu einer neuen Tagung lands sichergestellt werden muß, uno zusammentteten. o—ü.s________st____o~ ~r' ‘ 2'" . Der Organisationsausschuß für die im Sach- vierten und so bald wie möglich duich> die^Attion vcrständigenprvgramm vorgesehene Ausgabe von des Völkerbundes Wir werden das Programm I ndustiieobligationen hat heute vormü- Sicherheit durch G ar an trepa fte c.u losen tag seine Tätigkeit ausgenommen. Der Ausschuß '^en die wir unter die Autorität des Volkersetzt sich zusammen aus den Vertretern der Re- I bundes stellen wollen. I wayren, Halles unsere Partei nichi für mog- , firetStaq ÖCS MCClfes (ÖtehCTL lich,, das Ruhr gebiet zu räumen, bevor 3 1 __ . ° I die in dem Bericht der Sachverständigen vorge- Wietzen, 31. Mai 1924. | sehenen Pfänder konstituiert worden sind. Im Unter dem Vorsitz des Oberregierungsrales Interesse des Friedens glauben wir auch, daß die Welcker trat der Kreistag des Ki^.ses Gießen I Kontrolle derEntwaffnung Deutsch- heute im hiesigen ReFierungsgebäild.' zu seiner la nds sichergestellt werden muß, unD zwar durch diesjährigen ordentlichen Tagung zusammen Zu- I eine gemeinsame Anstrengung aller zivisierten Al- gegen waren 22 Kreistagsabgeordnete. ...... ........ Die Rechnung und der Rechenschaftsbericht der Kreiskasse für 1921 Warden glatt genehmigt ebenso, daß von der Aufstellung des Kreiskus^-i- voranschlags für 1923 abgeschm wird. Die 'erhobene vorläufige Kreisumlage Waide genehmigt. In eingehender Beratung beschäftigte sich n- . n__, das Haus sodann mit dem Dvranschlag der Aus dem Hessischen Landtag. Kreis lasse für 1 924, der nach Vornahme 9 -i?,namiausschutz kleinerer Absti-iche in Einnahnei und Aus- tour® “b™ beginn2 b^ ei^mg ’bäfi Oberbürgetmrifter Köhl-r-M-rm« in der vergangenen Rächt gestorben ist. Er war längere Ll Iieslbetraae? d->r r-^^3 Zeit Präsident des Landtags, Cßor- sitzender des 1. Ausschusses und gehörte auch einer < ; 1 Reihe anderer Ausschüsse an. Der Vorsitzende «w?Pon 2 2 ^f- auf des Finanzausschusses widmete ihm einen sehr 44 ono nnf 2 mtt ^nem Ertrag von warmen Rachruf. Die Abgeordneten und die Ver- fnrfeftcu5r von 8 Pf. auf 100 läge ein. Es stand zunächst der Antrag der wird hier unter Berücksich- 2lbgg. Dr. Osann und Dingeldeh zur Be° .^wisset Ausfallbeträge auf 103 000 Mk. ratung: Die Regierung zu ersuchen, mit aller ^escyatzp eine Svnderg>bä'udestcu?r und allge- ~ ■ meine Steuer von Gemeinden und selbständigen Gemarkungen, gemarmngs elbständig n Grundbe- und der gemeinbefteuerfreien GrnnMücke pro ^00. Mk. 20 Pf. — 1000 Mk.,- 5. Steuern vvm landwirtschaftlich genützten Grundbesitz, wie vorstehend, pro 100 Mark 30 Pf. = 18 600 Mark' 6- Steuer vom Wald, wie vorsteheiid, pro 100 M^?F b0 Pf. — 15 000 Mk.: 7. Hundesteuer in selbständigen Gemarkungen, die keiner Gemeinde angehören (es kommen etwa 45—47 Steuerpflichtige in Betracht) je 12 2Mk. wie beim Staat: 8. Gewerbesteuer, deren Ertrag auf 50 000 Mk. geschützt wird. Hiernach ergibt sich eine Gesamtsumme von 290 600 Wk. Der nun noch v'rblei- bende Rest von 21 400 Mk. soll zunächst in der Schwebe gelassen werden, da der Haushalt mir für die ersten 4 Monate des Rechüungsjah es gefordert und bewilligt wurde und man hofft, oatz aus, den neuen Kreissteuern noch Mehr- e.rtiäge sich ergeben werden, die die viiermonai- liche Haushaltsrechnung zum Ausgleich bringen. Schließlich wurde noch der Erhebung von Zuschlägen zur Grunderwerbssteuer durch den Kreis zugestimmt, jedoch sind aus diesem Beschluß finanzielle Ergebnisse für dm Kreis nur in sehr bedingtem Maße zu erwarten, da man in erster Linie mit diesem Beschluß eine Angleichung der örtlichen Steuersätze drr Kreisc-emeinden aneinander herbeiführen will. Mit diesem, in langer Beoatungsarbmt erzielten Ergebnis hatte die Kieissteuerreform ihren Abschluß gefunden. und geht alsdann zu einer Bettachtung der Steueigesetze und dem Ausgleich des Budgets über. .Er verspricht auch die Durchfüh ung einer- sozialen Gesetzgebung und erklärt schließlich in bezug auf die Außenpolitik: Wir sind entschlossen, in vollem Ausmaß unserer Mittel den F.ieden durch die Fr'iheit der Völker durch- zusühien. Die,er Friede, für den wir arbei en toerben. wird nach unserer Ansicht erst wirkungsvoll sein an dem Ta^e, an dem Frankreich, getreu seiner demokratischen Mission und seinen Verpflichtungen, de es währ-end des Kremes übernommen hat, i«n Völkerbund und to i em internationale Institutionen, wie dm Ge ichts- hof vom Haag und das internationale Arbeitsamt gelchofsen Haber wird. Wir nehmen ohne je en -Sintecgeßamen den Bericht de r Sach verständigen an. ülnfe.e? Partei hat die Politik der I , 0 l i e r u n g und der Gewalt bekämpft ^e zu eurec Besetzung und territorialen' Pfandnahme geführt hat. Aker angesichts des augenblickliche 1 Zustandes in D ulschland und Reparatiön'skömmifs'ion"^us"^>em"enM^ch^^SacbI af7e k9 nur Frankreich, sondern verständigen Ac toor tb und a^e ^olfer vor einem offen roen ^ie£€rauffom’’ kranzolischen I men des nationalistische.i Alldeutschtums zu be- |d)ule zu Schlitz mit Wirkung vom 16. 3uni 1924 ab. < DieGültigkeitsdauer derSonn- tcigsfahrkartenzuPsingsten ist auf die Zeit von Freitag 6. Juni, 12 Ähr mittags, bis Montag, 9. Juni, ausgedehnt, und außerdem ist?ugelassen worden, das) die Sonntagskarten in» neihalb dieser Gültigkeitsdauer unbeschränkt sowohl zur Hin- als auch zur Rückfahrt gelten, sie also auch zur Rückfahrt bereits am Freitag oder Samstag benützt werden dürfen. ** Die Kantfeier der Landesuniversität hatte am Sonntag vormittag eine zahlreiche Gemeinde in der festlich geschmückten Aula versammelt. Aach kurzen De- grüßungsworten Seiner Magnifizenz des Rektors Professor Dr. Laqueur sprach Professor Dr. v o n A st e r als erster Festredner in tiefschürfender Weise über die Philosophie als Selbsterkenntnis im Sinne Kants. Professor Dr. Messer suchte die Bedeutung von Kants Ethik für unsere Gegenwart dadurch anschaulich zu machen, daß er die Frage beantwortete: was heißt es im Geiste Kants der Idee deutschen Wesens zu dienen. Professor Dr. E. W. M a y e r von der theologischen Fakultät sprach schließlich über Kants Bedeutung für die Religion und die Religionswissenschaft. Der Vorsitzende des Asta richtete zum Schluß ernste Mahnworte an die akademische Jugend, im Geiste des kategorischen Imperativs des großen Königsbergers an ihre Arbeit zu gehen. Weihevolle Klänge eines von Herrn Karl Roller geleiteten Chors des Akademischen Gesangvereins und ein Diolinsolo von Frau Dr. Spohr umrahmten die feierliche Gedächtnisstunde. ** Deutsche christliche St udenten- vereinr gung. Der im Iohannessaale veranstaltete Vortrag hatte einen guten Besuch. Dr. Schnorr aus Frankfurt sprach über: Christentum und Wirtschaftsaufbau. Er verglich die wirtschaftliche Lage unseres Volkes mit der eines Rentiers, der noch rn seiner alten, vornehmen Wohnung wohnt wahrend sie seinen wirtschaftlichen Verhältnissen längst nicht mehr entspricht. Der Geist, der neben den direkten Kriegsfolgen uns in die Tiefe, geführt hat, ist der Geist der Selbstsucht und des Mammons. Die unter seinem Zeichen gewonnenen Kulturfortschritte sind Oberflächenkultur geblieben. Wir bauten Drücken über Flußbreiten und Abgründe aber wir selbst trennten uns durch den grundlosen Abgrund der Klassengegensätze. Der Druder versteht den Bruder nicht. Richt Fleiß wollen wir verurteilen, den brauchen wir mehr denn je, sondern das Arbeiten nach dem einen und keinem anderen Ziele als Geld, das geißeln wir. Wie wollen wir wieder aufsteigen? Dr. Schnorr hält die Lösung des Agrarstaates mit verbilligter Lebensmittelproduktion für unmöglich wegen der Äebervölkerung und sieht den einzigen Weg in der Hebung der Kaufkraft durch Arbeit und Sparsamkeit. Es gilt Abschied nehmen von mancher lieben Gewohnheit in allen Kreisen. Man darf nicht hier Wasser predigen und auf der anderen Seite Wein trinken. Wir dürfen nicht mehr wie geschlossene Phalanzen widereinander stehen. Der Redner wies dann auf die Arbeitsgemeinschaften hin und verlangte deren tatEräfugc abnersvützung. Der Aufbau imift von eine', christlich-sittlichen Erhebung begleiict sein. Kraft gibt allein der Geilt, der die Arbeit mit heiligem Inhalt erfüllt, der ihr eine Bedeutung über die Zeit hinaus gibt, der Geist Christi, der im Anschluß an ihn gewonnen wird. Hier liegen alle ausbauenden Kräfte des persönlicheii und völkischen Lebens verborgen. Das Wort von Liszt, dem größten ^lationnlökonomen, erweist sich immer wieder als richtig: „Das Christentum ist eine produktive Kraft", denn es hat die Arbeit geadelt. ** Festgeno mmen wurden hier ein junger Mann von auswärts, der im Begriff war, ein in Weidenau gestohlenes Fahrrad abzusetzen, und ein älterer Mann aus Köln, der in unserer Stadt mehrere Cinbruchsdieb- stähle ausgef.ührt bzw. versucht hat. Beide wurden in Untersuchungshaft genommen. Bornotizcn. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 7 Ähr „Iunggesellendärnmerung". — Rundfunkhaus Löberstrabe. Änterhaltungsm r- sik und Vokatquartett. — Lichtspielhaus. 'Bahn- hofstratze. „Adam und Eva". — Astoria-Licht- spiele: „Das Mädel von Kentucky". — Palast- Lichtspiele: „Der Gefangene von Zenda". — Aus dem S t a d 11 h ea t e r bu rea u wird uns geschrieben: Wir machen nochmals auf die heutige Aufführung des überaus lustigen Schwankes „Iunggesellendämmerung" von Impekoven und Mathern aufmerksam. Es ist dringend zu wünschen, daß die sommerlichen Vorstellungen des Stadttheaters besser unterstützt werden. Die Einnahmen dieser Aufführungen sind für die Erhaltung der Theatergemeinschaft Giehen-Dad-Rauheim von der größten Wichtigkeit: es wäre sehr zu bedauern, wenn durch eine anhaltend schlechte Frequenz der Sommergastspiele aus Dad-Rauheim das neue Abkommen mit dem Hess. Staat über die Giehen-Rauheimer Theaterverbindung für die Zukunft in Frage gestellt würden. — i'ec Wartburg-Verein Bittet uns, mitzuteilen, daß das morgen abend stattfindende Konzert mit Rücksicht auf die auswärtigen Gäste pünktlich um 8 Ä h r beginnt. Die Begleitung der Solis und Duette von Frau ©evtruB Wehl und Frl. Trudel T e tz l a f f hat Frl. Hella Maternus übernommen. Man beachte das Inserat. Landkreis Gießen. *Klein°Linden, 2. Juni. Heute fand hier in feinem Klassensaal die Verabschiedung unseres Rektors Boßler statt. In der schlichtesten Weise, so recht nach dem Sinn des Scheidenden. ging diese Feier vor sich. Schulrat Or. Alles dankte dem verdienten Schulmann im Auftrage der Behörde für die 47jährige treue Tätigkeit im Dienste der Schule. Bürgermeister I u n g verlas eine Dank-Adresse der Gemeinde und des Schulvorstandes und überreichte Rektor Boßler einen Ruhesessel. Im Auftrage des Lehrerkollegiums sprach Lehrer M o nn i g, als Geschenk übergab er einen Barometer. Als Vertreter der Kirchengemeinde dankte Pfarrer Ackermann für die lange segensreiche Arbeit des Rektors und gab gleichzeitig der Freude Ausdruck, daß Rektor Boßler der Kirche noch weiter als Organist und Lektor verbleibe. Rektor Boßler dankte ergriffen ollen Sprechern und wünschte, daß Liebe und Treiie fernerhin die treibenden Kräfte der Gemeinde- schule blieben. — Am Donnerstag fand die Schlvß- feier der Fraue nabende statt. Geleitet wurde die Feier durch Pfarrer Ackermann. „Das weihe Kleid", von Käthe Dorn, wurde von den Vlädchen aufgeführt. ' df. Langsdorf, 2. Iuni. Bei dem D e - zirksturnsest zu Wallernhausen b. Ridda errang der hiesige Turnverein schöne Erfolge. Er nahm mit 24 Turnern teil, geführt von unserem rührigen Oberturnwart Reitz, der sich keine Mühe verdrießen läßt, die Iugend zu körperlich tüchtigen Menschen heranzubilden. Die Gemeinde ist ihm für dies Stück Erziehungsarbeit allen Dank schuldig. Der Erfolg zu Wallerühausen krönte feine rührige Tätigkeit. Folgende Siege wurden nach Hause gebracht: In der Zöglings- Oberstufe Hans Heil 1. Sieg, Willi Bender 6. Sieg. Bei den aktiven Turnern Walter Fay den 5. Sieg. In der Zöglings-Änterftufe Paul Lehrmund den 14. Sieg, Theodor Fritz den 15. Sieg, Wilhelm Reif den 21. Sieg. Von den Schülern errang Karl Köhler den lü. Sieg, Gustav Bausch den 13. Sieg, Wilhelm Walther den 16. Sieg, Karl Fay den 19. Sieg. Durch besondere Leistung zeichnete sich die Schülermuster- riege am Reck aus, die die Rote „Sehr gut" erhielt. — Bei dem Waldlauf zu Ridda errang der hiesige aktive Turner Otto Schäfer im 5000= Meter-Lauf in 16 Min. 24 Sek. den ersten Sieg. Kreis Schotten. § Vom hohen Vogelsberg. 2. 3unL Gestern wurde im Zeilwald, zwischen Änter-Sei- bertenrod und Zeilbach, das diesjährige Zeil- waldfest gefeiert; die Evangelischen aus den umliegenden Orten, Alt und Iung, waren in Scharen herbeigeeilt. Das Fest, im hohen Buchenwald gefeiert und von schönem Wetter begünstigt, stand im Zeichen der 400jähcigen Jubelfeier des deutsch-evangelischen Gesangbuches. Verschieden: Ansprachen hoben das hervor; so sprach Pfarrer Kornmann-Älrichstein über die Entstehungszeit des Gesangbuchs, Pfarrer B r i e g l e b -Bo- benhausen über das Gesangbuch im 30jährigen Krieg and Pfarrer S t e i n e r - EhrtngsHausen über unser Gesangbuch in neuerer Zeit. Pfarrer Georgi- Ermenrod begrüßte und schloß, als Leiter. Gesangliche Darbietungen der Chöre Groh- Eichen, Ermenrod, Kestrich, ferner der Schüler- Chöre Groß-Felda und Kestrich, und das „Schönster Herr Iesu" eines Schülermassenchores verschönten die Feier. Der Posaunenchor Änter- Seibertenrod leitete und begleitete den Gesang gemeinsamer Lieder und bot außerdem noch Besonderes dar. Waren schon die Anwege durch die in vollster Pracht stehenden Wiesen und Wälder schön, so mußte das Fest im frischgrünen, hochragenden Buchenwald trotz völligen Meidens von Alkohol einen erhebenden Eindruck schaffen und hinterlassen. Kp. Wä Mtt Sfibnrnb «iw. »n oerfnufen [°2oe6‘ Landmaunstrabe 7 Leichtmotorrad D. K. W. olme Iührerschein au fahren, gebraucht, billig au verknusen. Loberstr. 5 I, Hth. Telepli. 1126. (Gebrauchtes Damenrad Ali verkaufen 0;»'72 KaifcvnUee 19 I. KinhnWßku (großer blauerBren« nnbori, fast neu, au verkalifen 020661 Wolsstrahe 17 I. Holländer | uno Lvarberd au uerf. Wo? sagt die Gesckästsst. d. G. A. 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Tagesordnung: 1. Rei*eeindriicke in Ita'ien. Bortragender: Prof. v. Sliter. 2. Rei*ee!ndrücke In England. Vortragender: Prof. Stofffn. Gäste und Gesinnungsfreunde sind willkommen. »er Vorstand. Zur Deckung der Unkosten 20 Pf. Eintritt. ÄWMKAK gebe ich zu Zarikpreisen ab. Sämtliche Reparaturen schnell und billig, osw« Auster, HamslkM 4. Bekanntmachung^ Verpachtung der Wirtschaft „Zur Liebigshöhe". Auf Beschluß der städtischen Baudeputation wird die Aeuverpachtung der Wirtschaft hiermit öffentlichausgeschrieben. Die Verpachtung erfolgt vom 1. September ds. Zs. ab auf zunächst 3 Zähre. Die Berpachtungsbedingungen nebst Plan und Inventarverzeichnis liegen im Stadthaus Bergstraße 20, Zimmer 28 zur Ein- sicht offen, können auch gegen Erstattung der Selbstkosten in Höhe von 5 Goldmark von der unterzeichneten Behörde bezogen werden. Die Bewerber muffen eine Sicherheit in Höhe des jährlichen Pachtpreises leisten können- Pachtangebote werden bis zum 20. Juni ds. Is- an die unterzeichnete Behörde erbeten Gießen, den 30. Mai 1924. 4578B Der Oberbürgermeister. I V.:Krenzien. ®ra$= Versteigerung. Der Männer-Turnverein Gießen läßt das auf seiner Wiese am Schiffenberger UBeg stehende Hengras (etwa 4800 qm) am Freitag, den 6. Juni öffentlich meist- " fbietend versteigern. Zusammenkunft: l1/, Uhr nachm. am Bahnübergang, Schiffenberger Weg. 4686v ___________________Der Vorstand. - Verloren'. z Sonntag, 1. Juni bei einer Autofahrt von . Bad Nauheim nach Kloster ArnSburg zwischen WaschmübleGambach u.Oberbörgern wurde eine Pelzderke iSchaswolle milStoff gefüttert, ca. 150/200 cm) verloren. Dem Wtederbringer ober demjenigen der zur Wiedererlangung behilflich ist, hohe Belohnung zugesichert. Fritz Fratschner & Co., Darmstadt Wrafenstr. 39. 4596ss Herr Philipp Collin alias Professor Pelotard erkühnt sich in letzter Stunde Die Finanzen des Qroßherzogs WWicsene Beaintcnsamilie möchte 4—5-Zimmer- Wohnung mögl. mit Garten, gegen angemessene Vergütung und Um- zugsenlschädigung baldigstübernehmen. Beim Wohuungs- amt dringend vor- gemerkt. Schrifil. Angebote unter 020654 an den Gieß. Anz.|erbelen. in Sicherheit zu bringen £ _ (llllllllllllllllllllllilillllllllll BNWWS- ßeSler-6iM Geboten in GoSlar, Ebertstr. 15 lVillal das Parterre von 6 Zimmern nebst Zubebör, Friedens- miete 1375 Mk., gegen 4—5-Zi,nm. -Woh- nnna in Gießen. Näheres durch M0,st Wallmutb Ebelstr. 26. (Illlllllllllllllllllllllllllllllin Kleines einfach möbl. Zimmer für Kaufmannslehrling per sofort gesucht. Schr. Angeb. unter 020669 an den Gieß. Anz. erbeten. Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 Astoria-Lichtspiele Seitersweg 81 Heute bas einschl. Mittwoch t Das Mädel von Kentucky 5 spannende Akte aus dem wilden Westen. 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Es ist verblüffend, mit welcher bezwingenden Richtigkeit Schäffle, der einer der bedeutendsten Ra- tionalokonomen seiner Zeit war, die wirtschaftliche wie auch die innerpolitlsche Sinnlosigkeit und DiderspruchSfülle jener politischen Richtung beweist, die sich im Rovember 1918 vermaß, Friede, Freiheit und Brot zu bringen und in Wahrheit Gärung, Sklaverei und Hunger bescherte — als eine Straft, die stets das Eute will (wenigstens nach eigener Aussage) und stets das Böse schafft. Während sich die wirtschaftlichen Grundsätze des Sozialismus heute schon als unhaltbar erwiesen haben, sind sie auf einem wideren, konservativen DÄnet, nämlich im Familienleben, noch nicht in gleichem Mähe ad absurdum geführt. Schäffle ist ebenso ein Gegner der Frauen- Äng, der freien Liebe wie auch der Staats- ng: „Mag die Frau in Dereiiien jeder Art, in Arbeiterverdänden und sonst stimniberechtigt sein, soweit sie eben über die Schwelle der Fa- -milie hinaustritt oder von der Gemeinde und dem Staat belastete Geschäfte selbständig führt, — mag jihr selbst bei einer etwaigen Dertrelung der Ar- Heite^chast.» in der Organisation des Arbeiter- schutzes ein Anteil Werken — so wird darum die .politische Emanzipation aller erwachsenen 'Frauen, die volle Gleichstellung mit dem Manne im Staats- und Gemeindeleben noch lange nicht am Platze sein." Eine Lockerung der Familien- verhältniffe und Ehebande wird notwendig zu einem Rückfall in Zu stände führen, die der Frauenwürde höchst abträglich sind. Es erscheint ferner wahrscheinlich, dah die ganze Politik durch die Galanterie und bedenklicher Fraueneinflüsse verdorben wird, wenn die Frau in allem übrigen Ge- sellschaftsleben immer unter den Männern lebt unb wenn sie die Familie mit entern allseitig öffentlichen Leben vertauscht hätte. Die vom Sozialismus angestrebte „Reform" der Familie in der Richtung der freien Liebe und der gleichen öffentlichen Erziehung hat nicht bloh BÄ>eutung für die Erhaltung und Erneuerung der Bevölkerung, sondern wie kaum eine andere auch für das individuelle Glück aller einzelnen. Mit der durch den Sozialismus angestrebten Vernichtung der Gatten-, Eltern- und Kinderliebe ginge ein ungeheurer Schah von Glück verloren, und zwar der echteste und edelste Inhalt der Familie und Gesellschaftsgemeinschaft. Auch der Einwand des Sozialismus, dah die freie Liebe praktisch nur dort in Wirksamkeit treten würde, wo sie dazu, mithelfen kann, unheilbar unglückliche Ehen aufzulösen, ist nicht stichhaltig, denn zur Auflösung unhaltbarer Ehen genügt das bestehende bzw. ein zu modernisierendes Gesetz. Der Gewinn einzelner Individuen am Genuh durch freie Liebe würde den Verlust idealer Ehegüter niemals auch nur im geringsten aufwiegen. Mit mxf) gröherer Entschiedenheit und mit noch gröherem Recht wendet sich Schäffle gegen die Entziehung der Kinder, die die öde Gletch- macherei des Sozialismus plant: „Diese Gestaltung der Erziehung, diese Abreihung des zweiten Hauptstückes von der unteilbaren Lebensgemeinschaft der engeren und engsten Famalie raubt der weit überwiegenden Masse des zu beglückenden Volkes das vielleicht höchste und reinste Glück, dasjenige Glück, worin der Unterschied des Wohlstandes fast bis in die untersten Lebenslagen hinab nicht den geringsten Gradunterschied aufkommen läßt; dieses Glück fiele dem Reide zum Opfer. Dieselbe Gestaltung toürbe die Lust der Eltern, tnel zu arbeiten und der Zukunft viel an öffentlichen und privaten Gütern zu überlassen, ganz un» ' gemein schwächen, also auch einer Ansammlung der Produktionsmittel ganz gewaltigen Abbruch tun." Tatsächlich würde die freie Liebe gar nichts anderes als einen ungeheuren Aristokatismus bar» stellen, d. h. das Gegenteil dessen, was die Sozialdemokratie als Ziel erstrebt. Denn die freie Siebe sichert keineswegs jedem die gleiche Befriedigung, sondern den üppigsten, schönsten, gesündesten, kokettesten Individuen das viel höhereMah, ohne dah die sinnliche oder sittliche Sette der Gesellschaft ebenso gemildert unb veredelt würde, wie bei der festen Ehe. Die geplante Abschaffung der Familie bedeutet nichts anderes als den Rückfall in Barbarei und Hordenwesen. Auch in allen Fragen des Familienlebens er» weist sich der Sozialismus als Rückschritt und Aussichtslosigkeit. Denn der tiefste Sinn des Sozialismus, die aus fremdrassiger Llnzufriedenheit heraus geforderte Gleichmachung, ist ein Irrtum. Die älngleichheit der äußeren Güter läht sich zwar aufheben, die Llngleichheit der persönlichen Güter, Anlagen, ^Begabungen jedoch niemals! Daher wird auch der Kampf der bedeutenden gegen die unbedeutenden Persönlichkeiten niemals weichen. Ze gewalttätiger die Gesetze gegen die menschliche Ungleichheit Vorgehen werden, um so wütender wird der geheime Kampf werden. Mit der Abschaffung des Privateigentums läht sich das wirtschaftliche Ziel des Sozialismus nicht erreichen. Der Versuch aber, persönliche Gleichheit durch Volkserziehung herbeizuführen, ist noch viel lächerlicher: denn die ewige Ratur wird die erbärmlichen Fesseln menschlicher Gleichmacherei ewig siegreich sprengen, unb eine Partei, wie die sozialistische, die sich solcher Gewalt widersetzt, ist wie jedes Kind, das am Strande steht und glaubt, das Meer ausschöpfen zu können. HochschrUnachmchlen. Don der Landesunidersität. Man teilt uns mit: Herr Hames A. Roh, M. A, Professor der englischen Literatur an der Que^i's älniversity in Kingston (Canada), hält alS Gastdozent der Uniberfität während des Mo- nats Juni Vorlesungen in englischer Sprache. Er spricht über „Strömungen in der englischen und amerikanischen Literatur der Gegenwart" Mittwochs von 5—6 Ahr (Beginn am 4. Juni, Hörsaal 45) und über „Die Entwicklung unb Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Dienstag, 3. Juni (924 gegenwärtige Lage Canadas" Freitag, ben 20. und 27. Juni um 8 Ahr abends im Hörsaal 45. Tie Vorlesungen sind für Hörer aller Fakultäten bestimmt. Kunst und Wissenschaft. Eine Frankfurter Kunstsammlung in Paris unter dem Hammer. Die bebeutenbe Frankfurter Sammlung Aug. be Ridder kommt demnächst in Paris zur Zwo ngsversteigerung. Schon mehrere b.b.uicn. e deutsche Kunstsammlungen, die bei Ausbimch des Krieges von den Franzosen beschlagnahmt tour» den, sind in Paris vom Sequester verkauft und in alle Winde verstreut worden. Diese Sammlung aber, die kurz vor dem Kriege nach Paris kam, ist von besonderer Bedeutung, beim sie enthält großartige Schätze. Der Katalog, der von Wilhelm von Bode versaht wurde, zählt drei bedeutende Rembrandts aus, ein Porträt von zwei Frauen von Franz Hals, fünf Werke von Hobbema, darunter das Gegenstück zur „Mühle" des Louvre, von Rubens das Porträt des Malers Franz Franken, 5 Bilder von Han Steen, 5 von Terborg, 3 v)n Pieter d e H o ch und 2 von v a n D h ck. GZ ist allerdings nicht bekannt, ob sich alle diese Meisterwerke noch jetzt in der Sammlung befinden. Wirtschaft. * Von der Frankfurter Börse. Der Börsenvorstand teilt mit: Am Samstag, 7. Juni, bleiben die Räume der Börse für jeden Verkehr geschlossen. * Commerz- und Privatbank. In der Aufsichtsratssitzung der Commerz- und Privatbank, A.-G. vom 2. Juni legte die Direktion die Abrechnung für das Geschäftsjahr 1923 vor. Das Gewinn- und Verlust-Konto weist folgende Ziffern auf: Einnahmen: Gewinn an Zinsen, Devisen und Sorten 9 064 158,21, Provision 7 695 476,07, zusammen 16 759 634,28 Bill.-M. Ausgaben: Ankosten 9 353 150,87, Steuern 1 154 483,41, Rechnerischer Aeberschuh 6 252 000. * Die Getreidefirma Erwin Koppel, Frankfurt a. M. -Reustadt a. H. hat sich gezwungen gesehen, sich beim Amtsgericht Reustadt a. H. unter Geschäftsaufsicht zu stellen. Da die Gefchäftsaufsicht sich auf das gesamte Vermögen des Inhabers der Firma Erwin Koppel erstreckt, befindet sich auch das Bankgeschäft A. und H. Meyer-Frankfurt a. M., dessen Inhaber Herr Erwin Koppel seit Anfang 1923 ist, unter Geschäftsaufsicht. Letztere Firma ist mit gröberen Geschäften an der Börse nicht hervorgetreten und besaht sich in der neueren Zeit fast ausschließlich mit der bankmähigen Abwicklung der Transaktionen der Getreideimportfirma. Der Status letzterer Firma soll einen beträchtlichen Aktivsaldo zeigen. Der Grund für den Antrag der Gesellschaft liegt darin, dah infolge des Richteingangs von Auhenständen mangelnde Liquidität eingetreten ist. Wie die Firma mttteilt, hofft sie in Kürze die Angelegenheit regeln zu können. * Da rmer Dankve rein Hugo Stin- n e s. Die Firma Hugo Stinnes, die bekanntlich vor Jahresfrist durch Aebernahme eines größeren Aktienpaketes Interesse am Barmer Brnkverein genommen hat, erweitert ihre Beziehungen zu diesem Bankunternehmen dadurch, dah sie ihn« Finanzgeschäfte dem Barmer Bankverein zu führt und dah der Leiter ihrer Fmanzabteilung, ‘Barrl» bnettoT Rogalski^ in die Verwaltung des Bankvereins als persönlich hastenber Gesellschafter emtritt gleichzeitig soll durch Beschluß der Generalversammlung des Bankvereins der Firma Strnnes Anspruch auf einen Teil der zur Verfügung der Dank stehenden Aktien eingeräumt werden. ’ Asbest- und Gummiwerke Alfred Calmon A-G., Hamburg. Die G.-V. beschloß, ben Reingewinn von 52 057,48 Billionen auf neue Rechnung vorzutragen. ■e Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 2. Juni. Tendenz: Schwach. — In sehr stiller Haltung eröffnete heute die Börse. Die immer noch vollkommen ungeklärte wirtschaftliche Lage unb die immer noch andauernde Regierungskrise unterbinden vorläufig jede regere Anternehmungslust. Dazu kommt noch die RMe des Pfingstfestes. Zwar waren die Kurse zu Beginn alle noch etwas über der freitägigen Rotiz liegend, aber nach und nach setzte ein Abbröckelungsprozeh ein auf neue, angebliche finanzielle Schwierigkeiten,am hiesigen Platze, in Verbindung mit gröberen finanziellen Schwierigkeiten einer Hamburger Firma, von der noch nicht feststeht, ob sie gehalten werden kann ober nicht. Als Folge davon war auch hier, daß der Geldmarkt wieder etwas mehr versteifte. Aeberhaupt spielt der Geldmarkt jetzt eine ziemlich merkwürdige Rolle. Wenn auch der Zinsfuh in der letzten Zeit wieder eine Kleinigkeit höher hinaufgesetzt worden ist, so ist der €yt) an sich noch niedriger, doch ist dies nur mehr eine Formsache. Denn die Auswahl unter den Geldsuchern wird heute so sorgfältig voigenommen, dah man fast sagen kann, es wird Piatt isch kein Geld ausgeliehen, denn der Prozentsatz der Geldsucher, der berücksichtigt wird, ist ganz minimal. So kam es denn, daß man schließlich auf den meisten Gebieten des Marktes nicht einmal mehr die Kurse vom Freitag be- 'baübten konnte, besonders nicht auf dem Montanmarkte. Doch sind die Spannungen nicht sehr groß. Der freie Verkehr war zuweilen fast vollkommen aufgelöst. Die Kurie sind dort die ewig gleichen. Api 3V2, Becker^Stahl 3, Becker-Kollle 5Vs. Krügershall 31/?* Growag 0,170, Kunstseide 45, Mainzer Gas 10, Ufa 4x/2. Aus dem Devisenmärkte hat heute zum ersten Male das Angebot die Rachfrage überstiegen. Damit ist die Reichs- bank wieder vollkommen Herrin der Lage geworden. Die Mark ist weiter fest, während der französische Franken über Sonntag wieder einen Sturz erleben muhte. Er notierte gegen London 88x/8. Berliner Börse. Berlin 2. Juni. Die günstige Gestaltung der Verhältnisse am Devisenmarkt und die Beilegung des Ruhrarbeiterstreikes hatten freundlichere Ausblicke für die Wirtschaftslage eröffnet, und man glaubte daher einer werteren Befestigung Im Börsenverkehr entgegensehen zu können. Diese Hoffnung würbe arg getäuscht, da die Zusammenlegung der Anglo-Continentalen Guano Gesellschaft bei der Ausstellung der Goldbilanz im Verhältnis von 10 zu 1 und die Exekutionen für die Hamburger Handelsbank eine starke Verstimmung zur Folge hatten. Die Kurse stellten sich gleiche bei Beginn ziemlich ausnahmslos nie» biiger; empfindlichere Einbußen erfuhren am Montanmarkte insbesondere Bochumer Gußstahl, Essener Steinkohle, Gelsenkirchen unb Harpener' die 2 bis 3 Prozent verloren. Im übrigen beschränkten sich bie Rückgänge meist auf Bruchteile von einer Billion Prozent. Bankaktien erwiesen sich vorwiegend wiberstandsfähiger, nur Bank elektrischer Werte, Darmstädter und Rationalbank und Deutsche Bank gaben empfindlicher nach. Eine Besserung erfuhren Essener Kreditanstaltaklieu. Don Schiffahrtaktien büßten Hamburg-Amerikanische Dampfschisfahrt 2‘i Bill. Prozent ein. Im späteren Verlaufe erfuhr die Haltung leine Besserung, im (3 tg enteil bröckelten die Kurse bei allenthalben herrschender Lustlosigkeit weiter etwas ab. Am Tevisenmarkt waren bie Anforderungen weiter verringert und bie Dotierungen im Zusammenhang mit ber Markbesserung im Auslände niedriger. Die Zuteilung konnte fast ausnahmslos voll erfolgen. Für Reuyork wurden 50 gegen 10 Prozent am Samstag zugereist. Börsenkurse. (Ohne Getoäbr.) In Billionen Prozent Datum: 5% Deutsche Retchsnulcihe . 4% Deutsche Steidi-janlcibe . 3Vv0/n Deutsche Reich-uuleihe 3% Deutsche Reichsaulcihe . Deutsche Soarprämtenanlcihc 4% Prcutztsche Konsols . . . 4° o Hessen........... 3’4% Hessen.......... 3% Helsen........... Deutsche Wert». Tollar-Anl. dto.Toll.-Schatz-AnweilnngV) 4% Zolltürlcn......... 5% Goldmcxikaner...... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Pnvat-Bank. Darnist, und Naltonalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Bcrcinsbank .... DiSconto Commandit .... Metallbau!........... Mitteldeutsche Creditbank . Lesterreichische Creditanstall. Weltbank............ Bochumer Guß........ BuderuS............ Caro ............. Dentsch-Luremburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau Kaluverte Aschci-slcbeu.... Kaliwerk Westeregeln..... Lautahütte ........... Obcrbedarf....... Phönix Bergbau ...... Rycinttahl......... . Riebe«? Montan........ TelluS Bergbau...... . Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher LloNd .... Cheramische Werke Albin .. Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Badische Anilin Chemische Mayer Alaptu- . . Goldschmidt.......... Griesheimer Electron .... Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung........ RütgcrSwerke ...... Schetdeanstall ........ Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann......... . Mamkraftwerke........ Schuckert............ Siemens & Halske . Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hchllgenstaedt...... Mcguin frankfurter Armaturen ... Konservenfabrik Braun . . . Mctallgesellschaft Frankfurt. Pkt. Union $1^(3 Schuhfabrik Herz Sichel.............. Zellstoff Maldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel -. . Frankfurt a M. Brrlin Sdjlul;» Schlich. Schlich. fillV» fturs $U1 9 fiitr» 30. 5. | 2. 6. 10. 5. .... 0,0725 0,071 0,0705 0,0685 0,430 — 0,-100 0,405 0,195 - - 6,200 0,193 o.coo 0,780 0,800 0,750 — — 0,100 0,205 0,190 0,210 0,200 — — — — — — — - _ — — 4,2 4,2 4,2 4,2 76 71,70 75 74,7 4,65 4,13 4,13 4 - — — 26,5 — — 4,13 4,1 4,26 7,4 h 7 7,5 7,4 e e 8,25 7,9 0,50.1 0,500 — — 8,75 6,65 8,65 8,6 13,9 13 —- — 1,7 1,5 1.8 1.65 0,425 0,4125 0,430 0,425 9,400 0,350 — - 48 52,5 48.5 11 10,1 10,9 10.5 15,4 13,75 14,9 13 49 46,75 47,2 45,5 50,25 48 51,75 48,4 69,5 57 58,75 57 8,25 8 8,25 8 13,75 14 13,5 12.6 6,13 5,5 5,2 6,13 14 12,25 14,65 12,75 27 26,4 27,75 26 26,5 24,25 26,25 22,25 37,5 35,5 38 -6.5 M 1,3 — — 23,26 22,75 23,6 22,60 5,2 4,9 5,4 4,9 —- — — — 8,7a 8,25 e— 2,7 2,40 2,5 2,5 - - -- 20,5 — 14,75 14,13 14,9 14,1 — M — — 9,75 9,8 10,1 9,76 11 10,30 11,1 10,7 11,25 10,4 10,90 10,5 6,73 6,5 «—• —• 12,6 11,5 12,4 11,5 14,25 13,1 — 7,95 7,75 7,76 7,6 1ls65 11,5 11,4 11,2 4,7 4,2 34 34,5 33,75 82,5 44,75 42 48,13 43 1,6 1,45 1,5 1,1 2.7 2,6 2,5 2,2 2,2 2 — 14 14,6 16 14,5 — (1,6 W» — — — 14,2 12,5 — — 1,1 1 1,1 1.1 2,2 2,1 2 2,25 6,30 5,1 — — 7 6,5 6,8 6,1 3,1 3,9 4,75 3 2,65 2,5 — — *) Vom 21 u ckzahlu ng Swekk. iRcpart. Berlin. 2. Juni Ge- voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll do» voll voll voll voll Banknoten. (Ohne Gewähr.) Märkte. Berliner Produktenbörse. Berlin. 2. Juni. Die Haltung des treibemarfted war lustlos und schwach: die Geldknappheit lähmte das Geschäft. Mehl war wenig begehrt unb deshalb tauften auch die Mühlen Brotgetreide nur sehr vorsichtig: in Sachsen brückt Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (In Billionen Mark au-gedrückt. DuenoS-SIreS, London, Neu« York, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest für 100000 Einheiten, alle« übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Schweizer Noten..... Französische Note» Dänische Noten ..... Schwedische Noten........ Holländische Noten........ Dcutsch-Oestcrreich, i 100 Kronen Amerikanische Noten....... Englische Noten.......... Italienische Noten......... Belgische Noten.......... Ungarische Noten......... Tschechoslowakische Noten Norwegische Noten........ Rumänische Noten......... Spanische Noten Brick 73,69 20.55 70,! 8 111,33 157,49 5,76 4,ei 18,-2 1 ’,9 • 17,64 4,21 12,18 67,14 1,76 66.94 | Geld 7', 2 20,45 70,12 110,77 156,71 5,74 4,19 18,0' 17,88 17,>6 4,19 12,12 56,36 1,74 66.63 30. Mat 2. Juni Rcpart. Amtliche Notierung Amtliche Nattern ui 31. Geld Brief Geld Briet Amll-.Nvtt. 167,60 158,40 157,11 157,89 voll voll Brll-Antw. 18,60 16,70 17,90 18,00 voll voll Chrtstianta. 57,61 67,89 57,11 57,39 voll voll Kopenhagen 70,57 70,93 70,57 70,93 voll voll Stockholm. 111,22 111,78 111,22 111,78 voll voll HelsingfocS. 10,47 10,53 10,47 10,53 voll voll Atalten. . . 18,30 18,49 18.10 18,20 voll voll London.. 18,153 18,245 18,08 18,20 voll voll Neuvorl . . 4,11 4,21 4,19 4,21 10 50 Part« .... 21,50 21,60 20,50 20,60 voll voll Schlvel, . 33,91 74,29 -3,72 71,08 voll voll Spanten . . b7,06 67,34 66.36 67,14 voll voll Wien in £?eH. aboeit. 5,89 5,91 5,89 6,91 voll voll Prag.... 12,295 12,365 12,27 12,33 voll voll Budapest. - 4,59 4,61 4,59 4,61 voll voll Buen^AireS 1,355 1,365 1,355 1,365 voll voll Bulgarien. 2,99 3,01 2.99 3,01 00(1 voll Japan .. . 1,665 1,675 1,665 1,675 voll voll UitolxImt. 6,415 6,425 0/115 0,425 voll voll Belgrad . n,14 6,10 6,09 6,11 voll voll Ltsjadon. . 12,37 12,43 11,97 12,03 voll bie Konkurrenz von Roggenabgaben der Reichs« getieibcftelle. Im Weste,i ist bie Geschäftslage für Getreide ganz allgemein schwach, besonders auch an den Rvrdseehäsen. Auch Weizen war überall matt. Angekvmmener Mais ist schwer verkäuflich: Gerste, Hafer und Hülsenfrüchte sowie Futterstoffe waren sehr still. Es wurden notiert für je 1000 Stile: Weiten märt. 153 bis 155 (matter), mitteldeutsch 152 bis 155 (matter), Roggen mark. 131 bis 135 (schwach), pvmm. 128 bis 132 (schwach), Braugerste 155 bis 163 (matt), Futtergerste 142 bis 151 (matt), Hafer märk. 127 bis 135 (still), schief. 126 bis 130 (still), Raps 260 bis 270 (still): für je 100 Kilo: Weizenmehl 22 bis 24,50 (schwächer), Roggenmehl 19,50 bis 21,50 (ruhig), Weizenkl.ie 9,10 bis 9,20 (matt) Roggenkleie 8,60 (matt), Viktoriaerbsen 18 bis 19, Kleine Erbsen 14 bis 15, Futtererb'en 12 bis 13, Peluschken 10,50 bis 11, Wicken 13 bis 14, Lupinen blau 10,50 bis 12, gelb 9,50 bis 10, Sera- bella alt 13 bis 13,50, neu 11 bis 13, Rapskuchen 9,40 bis 9,80, Leinkuchen 19,20, Trocken, schnitzel 7,40 bis 7,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. Juni. Das Geschäft setzte heute ziemlich lebhaft ein, und es wurden viele und umfangreiche Geschäfte abgeschlossen. Die Stimmung ist, kurz gesagt, bedeutend fwand- licher. Besonders groß i|t das Geschäft in Mehl bei steigender Rachfrage und Preisen. Auch Weizen, Roggen und Gerste sind höher und begehrt. In Hülsenfrüchten ist das Geschäft zwar weniger lebhaft, aber die Preise sind trotzdem etwas höher. Rur in Futterartikeln ist der Verkehr ruhiger. Es notierten je 100 Kg. Weizen, Wetterau 16,25 bis 16,50, Roggen 14,75 bis 15,25, Sommergerste für Brauzwecke 16,75 bis 17,25, Hafer, inlänb. 14,75 bis 15,25, Weizenmehl, sübd. Spezial 0 26,25 bis 28, Roggenmehl 22,25 bis 23,25, Weizen- und Roggenkleie 8,80 bis 9,50. Tendenz ruhig. Frankfurter Schlachtdiehmarkt. fpd. Sranlf urta. M., 2. Huni. Auftrieb. 234 Ochsen, 67 Dullen, 1079 Färsen und Kühe, 602 Kälber, 216 Schafe and 3246 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen: vostfl. 50—58, junge fleisch ge 44—50, mäßig genährte 33— 43; Bullen: vollst, ausgewachsene 40—45, vollst, jüngere 34—39; Färsen und Kühe: vollst,. Färsen 50—56. vollst. Kühe 44—52, wenig gut entwickelte Färsen 40—48, ältere aasgemästete Kühe 36—43, mäßig genährt« Kühe und Färsen 28 -35, gering genährte Kühe und Färsen 10—20; Kälber: feinster Qualität 55—60, mittlerer Qual. 48—54, geringerer Qual. 40—45; Schweine: unter 80 Kilo 50—55, ron 80—100 Kilo 56—58, über 100 Kilo 55—57. Der Markt wurde bei lebhaftem Handel geräumt Des Pfingstfestes uxgen ist der Markt vom 9. Juni auf Dienstag den 10. Juni verlegt worden. Büchertisch. X Fritz Vigener: Ketteier. Gin deut» sches BÄch-ossleben des 19. Jahrhunderts. Verlag von R. Oldenbourg, München und Berlin, 1924. Preis 20 G.-M. — „Man wird nicht müde, Bio-' grab bien zu lesen, denn man lebt mit Cebenbigzn“ — dieses Wort Goethes gilt nicht unbedingt. Es kommt darauf an, ob der, dem die Beschreibung gilt, in ihr auch wirklich lebt. Trotz aller Sorg* falt und Genauigkeit wirkt so manche Biographie peinlich wre die tote Pflanze hn Herbarium. „Man hat bie Teile in der Hand — fehlt leider nur das geistige Band". Der Mensch, zumal der bedeutende, ist mehr als die Summe ferner Eigenschaften und Schicksale; in ihm lebt, unsichtbar wirkend und doch alles buvchdringenb und bestimmend jenes geheimnisvolle Etwas, das sich der Wiedergabe durch bloße Worte entzieht, der Kem seiner Persönlichkeit, seine Seele. Sie kann nur durch kongeniale Einfühlung zu neuem Leben erweckt werden. Wilhelm Emmanuel Freiherr von Kelteler, der große Mainzer Bischof aus westfälischem Geschlecht, dessen Leben und Wirken schon heute von der Legendenbildung umrankt ist, hat an Fritz Vigener, dem bekannten Geschichtslehrer der hessischen Landesunidersität, einen ebenbürtigen Schilderer gefunden. Vertieft man sich in das Werk, so ist es, als würde das Titelbilb lebendig: der Kirchenfürst mit den hoheitsvoll-i markigen Gesichtszügen dem Leidenszug um den 'herbgeschlossenen Mund und dem verhaltenen Feuer in den dunklen Augen erhebt sich unb schreitet dahin; man begleitet ihn auf seinem Weg von der Welt zur Kirche, durchs die Dorfpfarrer, dir Revolutionszeit, auf den Bischofsstahl in das hessische Landesbistum, man erlebt die Kämpfe diefes von gebändigter Leidenschaft durchglühten Mannes mit sich selbst, mit den seinen religiösen Idealen feindlichen Mächten außerhalb und innerhalb der Kirche, und steht zuletzt am Sterbebette im Kloster, in das er sich, totlrank und doch ungebrochen, zurückgezogen hatte. Dieses gewal- tieg Ringen spielt sich nicht ab im luftleeren Raum: der Hintergrund der Szene, die ilnunett sind nicht weniger beseelt und des Lebens voll. Es ist bewunderungswürdig, wie der in jahrelanger Arbeit von überall her zusammengetragenq Stoff — das Quellenverzeichnis umfaßt allein fünf Serken — mit künstlerischer Gestaltungskraft zu einer bruchlosen Einheit.gefügt, mit Blut und Leben durchtränkt ist. Kaurn der Erwähnung bedarf, daß ein Mann wie Vigener sich von dem Mißgriff dilettantischer Lebensbeschreiber, den Helden panegyrisch als fehlerlosen Halbgott zu schildern, freigehalten hat. Mit unbeirrbarer Wahrheitsliebe werden auch die Wesenssch-ranken des Mannes gezeigt, dessen Größe nichts dadurch verliert, daß ei „die Fehler seiner Tug mden hat". Ein von ungemeiner psychologischer Vertiefung zeugender Rückblick und Ausblick auf die Persönlichkeit und geschichtliche Stellung Kettelers krönt und beschließt das Weck, das, in einer kraftvollen und zugleich schmiegsamen Sprache geschrieben — und dank der Sorgfalt des Verlegers vorzüglich ausgestattet — ein Denkmal ist deutscher Forscher* freude, deutscher Hingebung, deutscher Ehrfurcht. Warum gerade PCBCCO? Weil diese Zahnpasta die Zähne nicht nur reinigt, sondern sie auch vor Schaden bewahrt und bis ins Alter gesund und widerstandsfähig erhält Vie Bantiger. Lomcm tron <$frerrnum n 6tegenionn. 18 Fortsetzung. (Aachdruck verboten.) Wort hab' ich ihr gegenüber über die Lrppen gebracht I Dor beim Baumeister Homme ich gar nicht dazu, an so etwas zu denken, aber bei ihr denk ich fett Monaten daran und kann es nickt. Es ist zum Tollwerden, sag' ich Ihnen, und ich komme mir vor, wie der schüchterne Liebhaber tu der Komödie, aber Ihnen, Lorenzo, mach' ich jetzt hier, mitten aus dem Weg, das Geständnis, daß ich Ihre Schwester liebe, verehre, anbete, ja anbete. Lächeln Sie nicht über den Tessiner, den Südländer! Geben Sie mir lieber Ihre Schwester zur Frau!" Gr kochte, und dabei standen zwei gläserne Tropfen in seinen Augen. „Aber, Pvmetta, Sie sind ja aus Ttanb und Band!" schalt Lenz. Da umfaßte ihn Giovanni. »Dein, carissimv, nur so furchtbar glücklich!" Lorenz machte sich sanft los und hielt seine Hände fest. »Das müssen Sie mit Agnes ausmachen. Meinen Baler haben Sie ja schon eingefangen." Gr sagte es mit großem Ernst und blickte Pvmetta wd> ernster, beinahe drohend an. „Ba bene," murmelte Giovanni unwillkürlich in der Sprache seines Landes und wandte die Augen ab, als ob er sich schämte. Aber er drückte dabei Dantigers Hände mit seinen nervigen Fingern so stark, daß Lorenz sich mit einem Ausruf des Schmerzes freimachte. Darm gingen sie stumm Wetter. Sie erstiegen die PÜWVYe arti»'trögen ttr Den Pfad ein, der an der Scmnhalde der Querfurche nach Wolfenziel hinunterführte. Das Alpgras duftete, und die Wacholderbüsche standen- schwarz und starr wie Gnomen an der Halde zerstreut. Don der Fluh gestürztes Geröll bedeckte weithin die Senke die sich bis Wolfei^fel neigte und dort von klotzig aufstrebendem Hartgestein aafgefangen wurde. Wvlfenziel lag eingeklemmt und nur nach Süden in die Breite wachsend, zwischen der Geröll- senke und dem Riesenfels der Hvchfluh „Es sieht doch wie Moränenschutt aus," sagte Bantiger und deutete auf einen Geschiebewulst, der sich quer über die Senke gelegt hatte und nur in der Mitte vom Wasser zernagt und ausgeschlossen toorben war. Pometta antwortete nicht. Er wäre am liebsten umgekehrt, aber Bantiger bestand darauf, bis zum Schnittpunkt der Senke und der Trümmer vorzudriirgen. Hinter dem Geröllwall begann das Eibenmoos. Es lag zwischen der ersten Moräne und dem zweiten, achtzehn Meter tiefer gelagerten Geschiebe gebettet Der Wind strich über die weist büscheligen Wollblumen, die zu Tausenden aus der bräunlichen Grasnarbe aufgeschossen waren, und fetzte sie in flutende Bewegung. Wie silbernes Welleuspiel lief's über kxrs gvauflim- mernde Moor. Ein Dreieck wilder Enten lam pfeilgerade über den Wvlsenbevg geflogen und stürzte sich in das Dickicht gelbäftiger Weiden, die vom Wind geschüttelt, tief nach Osten gebückt, dickköpfig und krummbeinig mitten im Moor standen. Lenz traf auf die Spuren seiner Arbeit Die Gräben waren sauber abgestochen, der Dorf lag aufgerüstet zu beiden Seiten, und in der Tiefe HcyWe gcWwcllM ^chtmmerudeS v uuo W®» 1050 Bö^aif-öflnfenfflelel, .... 12.50 boNais-Dmnen-halvflWhe,mod. *< rn Form, Lederrtemchen . . Ji HJU Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bei der Firma Hessische Steinholz- und^ Estrich-Fabrik, Gesellschaft mtt beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: August Balzer und Eugen Scheel sind als stellverttetende Geschäftsführer abberufen, August Balzer ist zum weiteren Geschäftsführer bestellt mit dem Recht, die Gesellschaft allein zu vertreten- Das Stammkapital beträgt infolge Umstellung und Erhöhung jetzt 4500 Goldmark. Gießen, den 27. Mai 1924. Hessisches Amtsgericht. 45788 WeMeinen-Spangen- u. Halbschnhe für Damen, Mädchen und Kinder. - WeihleinewLttesel für Mädchen und Kinder beste Fabrikate - äußerst preiswert Sandalen, Kinderstiefel, Halb- und Spanaenkchnhe in modernen Formen und bekannter Qualität (4583a mm toi WWtl. HjW ‘nrrnTnwMTOMrmi irim 1»°" Ecke Friedrichftr. SllWOs Blliilflnielil in bester Qualitätsware. Bekanntmachung. . Boranfchlag der Gemeinde I»«, 71’1924 liegt vorn 5. d. M Sr auf unserem Bureau zur Einsicht offen. Es ist die {StRoF,,™« Ausm^t^^o^Ä^ssen, zu der auch die Ausmarker beizutragen haben. Inheiden, den 2. Juni 1924 Bürgermeisterei Inheiden. ------------^eitz. 4587D Drucksachen allerArt liefert in jeder gewünschten Anut.^_______ Theater-Cafe Ernst Ludwig Heute: • ' Großer bunter Abend -- CAFE AMEND Mittwoch, den 4. Juni: 45. Sonder-Konzert mit verstärkter Hauskapelle 10 Herren 4588c Abends 8 Uhr Violin-Solo Piston-Solo k Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen in dankbarer Freude an Studienassessor Dr. Fr. Kämmerer und Frau Toni geb. Raysz Büdingen, den 28. Mai 1924 owe Für die anläßlich ihrer Verlobung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken herzlichst Else Keil Justus Hallenberger Giehen, den 2. Juni 1924 SvMl täglich frisch gestochen empfiehlt In bekannt. Güte billigst W. Hantel Neuen Bäue 7. M0JW Telephon 612. Prima 8p» kartoffeln am Lager, mow [ftrja Dammstr. 50. zrischeZische Mittwoch friib 9 Ubr in starker Eispackuua: Pa. 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