Vrvck vnd Verlag: vrühl'fche Unlverfitätr-Vuch' und Steinörtiderti R. Lanze in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichKeit. Preis für I mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Dretteörtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re» Üame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 201'/,. 2Iuf« schlag. — Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschcin; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Bietzen. M. 104 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstaysbeilage: GießenerFamilienbiätter Monals-öezvgrpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten. AnzeigerSiehe«. poftschecklonto: Sranffurt a. M. 11686. Erstes Blatt 174- Jahrgang Samstag, 3. Mai: w, GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesten die Arbeiter, die sich von morgen ab weigern, die Ach-tstundenschicht zu verfah-.'en. nicht mehr zur Arbeit zu zu lassen. • Der Barg» und Hüttenmännische Verein teilt mit, daß der Schiedsspruch über die Arbeitszeit im vbers chle sischen Steinkohlenbergbau, der die bisherige Arbeitszeit für die folgenden vier Monate festgrlegt, im AeichKarbeits- Ministerium für verbindlich erklärt tocr-, den ist. gum 75. Geburtstag des Fürsten Bülow. Berlin. 2. Mai. (WB.) Der Reichskanzler sandte an den Fürsten Bülow In Rom, Billa Malta, fvlgerches Telegramm: ®a?r Durchlaucht spreche ich namens der Reichsregierung die aufrichtigsten Glückwünsche zur Vollendung des 75. Lebensjahres. Dankbar gedenkt das deutsche Volk morgen Ihrer als Staatsmann, der mehr als ein Jahrzehnt die Politik des Reichs mit sicherer Hand geführt hat und selbstlos die schwierig st e Aufgabe der deutschen Diplomatie übernahm, als mehrere Jahre nach dem Ausscheiden Eurer Durchlaucht aus dem Amt das schwerste Geschick unser Vaterland traf. Unerlöschbar bucht die deutsche Geschichte Lchr Wirken. Sie haben als Reichskanzler das deutsche Volt geführt, als es auf der 'Höhe seires Glückes stand. Möge es Eurer Durchlaucht be- schieden sein, noch seinen A u f st i e g aus tiefster Rot zu sehen. Der preußische Ministerpräsident Braun sandte dein Fürsten Bülow folaendes Glückwunschtelegramm: $u Ihrem 75. Geburts- tage übersende ich Ihnen. zugleich namens des preußischen Staatsmin.steriums, aufrichtig« Glückwünsche im Gedenken an Ihre langjährige, verdienstvolle Tätigkeit als preußischer Mini st e rp r äs iden t. 1 । Die Darmstädter Regierung und „Großhessen". Darmstadt, 3. Mai. (Priv.-Tel.) Aus die Erwiderung der „Darmstädter Zeitung" zur An- klage des früheren preußischen Ministers Heine erwidert der Landtagsabg. Kindt, daß er seine Angaben über die Absicht der Bildung eines „G r o ß h e s s e n s" hinter dem Rücken der preußischen Regierung voll und ganz aufrecht- e r halte, da erst durch die Veröffentlichungen Heines diese Tatsache festgestellt wurde, während her Staatspräsident llllrich in der Sitzung des Landtags nur die damaligen unbestimmten Zeitungsnachrichten zurückwies. Ein Opfer des Wahlkampfes. Berlin, 2. Mai. (WTB.) 3n der letzten Rächt wurde in Köpenick der Arbeiter Gädtke, der eine Gruppe junger Männer beim Ankleben von Hakenkreuzzetteln überraschte und deshalb zur Rede stellte, erschossen. Als Täter wurde nunmehr der 24jährige, aus Hannover gebürtige Kaufmann Karl Tepe ermittelt; er gab zu, den verhängnisvollen Schuh abgefeuert zu haben, um Gädtke. der auf ihn eingesprungen sei, von sich abzuwehren. sagen. Zu mge Aussicht auf eine deutsche Befreiung dem Hoch von Versailles. von Das Ende der Wahlschlacht. Dr. Stresemann begründet seine Reparationspolitik. - Reichskanzler Dr. Marx appelliert an die Vernunft der Wähler. Der Rassenkampf in Südafrika. älnser augenblicklicher Roman »Die Spur des Dschingis-Khcur" hat in unserer Leserschaft lebhaftes Interesse erregt, ohne daß vielleicht die Meisten eine Verwirklichung der dort darg.'legten phantastischen Ideen für möglich gehalten hätten. Ern uns von geschätzter Seite zur Verfügung gestellter Brief eines Deutsch-Afrikaners zeigt, daß wenigstens die politischen Seiten unseres Zukunftsromanes drüben in Afrika beginnen, aktuell zu werden. Der Brief flammt au8 der Feder eines Mannes, der mehr als 30 Jahre In Transvaal lebt und, wenn er auch sein Deutschtum treu bewahrt hat, sich den sicheren politischen Instinkt des Engländers und dessen weiten Blick für große polrt.fchc Zusammenhänge ungeeignet hat. Der Drirsschreiber ist erfüllt von der Sorge um das Schicksal der weißen Rasse In dem immer unmittelbarer drohenden Kampfe mit den Schwarzen und Gelben. Für uns Deutsche besonders interessant erscheint die Rolle, die die Inder neuerdings In Südafrika zu spielen beginnen. Unfer Gewährsmann schreibt darüber: „Wenn man aufmerksam den Bestrebungen der farbigen Rasse nachgeht, muß man zu der einzigen Schlußfolgerung kommen, daß sie sich nicht mehr mit ihrer bisherigen Rolle begnügen wollen, sondern die gleiche Stufe mit den Weißen anstreben. Daß die Annäherung zwischen Stämmen, ja ganzen Ländern stattiindet, still, unmerklich aber tvtsicher mit der Spitze gegen den Weißen, ist Tatsache. Wir haben ja hier in Südafrika dafür die beub lichsten Beweise in den Indern. Sie wurden in früheren Jahren als Arbeiter auf den Ratal- fchen Zuckerplantagen eingefüh.ck. Sie haben es aber in kurzer Zeit verstanden, ganz bedeutende Und sehr reiche Handelshäuser aufzuweisen. Das Land ist verpestet von ihnen. Das Aergste ist, daß sie jetzt Gleichberechiigung mit den Weißen fordern, frech und herausfordernd werden, f> daß wir mit ihnen noch große Schwierigkeiten zu erwarten haben werden. Dabei werden sie direkt von Indien unterstützt, aufgereizt und zum Kamps aufgeflachelt. Wir haben z. D. hier eine 3n- fcierin, welche von den Indern (sie kommt soeben von Indien) auf beflaggten und geschmückten Bahnstationen durch Empfänge, Adressen ufw. lebhaft gefeiert wird. Sie hielt unter anderem tn Johannisburg vor tausenden dort wohnhaften Indiern eine große Versammlung ab, in der sie ihren Landsleuten empfahl, nie und nimmer nachzugeben, bis sie die Gleichberechtigung mit den Weißen erreicht hätten. Sie verkündigt, daß Afrika nicht den Weißen,, sondern den farbigen Rassen gehört, womit sie natürlich unseren schwarzen Eingeborenen, die ohnedies durch amerikani che Reger, die herüber kommen, schon gegen die Weißen aufgehetzt werden, als Bundesgenossen ein fangen will. Sie stellte der südafri.anifchen bzw. der britischen Regierung folgendes Ultimatum: entweder Gleichberechtigung der Inder innerhalb des Empire oder Verweigerung btr Gleichberechtigung, worauf dann Indien aus dem Empire ausfcheiden werde. Sie stellte fest, daß sie ganz Indien hinter sich habe." Der Driefschreiber führt — gewiß nicht mit Llnrecht — auf diese bed.vhliche Lage innerhalb des britischen Reiches die in der europäischen Politik so scharf zutage tretende gänzliche Hilfs» losigkeit Englands zurück. Man erwartet drüben in Kürze eine kriegerische Auseinandrsetzung zwischen England und Frankreich. Der kommende Krieg scheint Tagesgespräch ?u fein. Die Buren, die noch immer mit Deutschland sympathisieren, erörtern, w^che Stellung Deutschland zwischen den beiden Kontrahm.ten einnehmen wird. Man sieht drüben in einer richtigen Stellungnahme in diesem unvermeidlich scheinenden Kriege die ein» Mn letzter Appell des Reichskanzlers. Berlin, 2. Mai. (WTB.) Der Reichs- kanzler gewährte dem Vertreter der „Germania" eine Untcrreöung, in der er etwa folgendes ausführte: Das ganze deutsche Volk ist sich im Innersten darüber einig und klar, daß wir nach wie vor unsere gesamte Kraft dafür einsehen müssen, das Werk der Gesundung unserer Wirtschaft und unserer Finanzen zu schützen, daß alles niedergehalten und abgewehrt werden muß, was die Erhaltung unserer Währung und das Wiederaufleben unserer W rtschaft beeinträchtigt. Das ist nach meiner äleverzeugung der Grund, warum ein sachlicher Wahlkampf so gut wie gar nicht ausgefochten wurde. Mit Bedauern muß ich feststellen, daß kaum je ein Wahllampf in Deutschland innerlich so unwahr und unwahrhaftig, so llein und gehässig gewesen ist wie dieser, der jetzt am 4. Mai seinen Abschluß findet. 3n allen Wahlreden, die gehalten und in allen Wahlartikeln, die geschrieben worden sind, konnte ich auch nicht einmal feststellen, daß dem deutschen Volke eia anderer Weg zur Rettung und in die Freiheit gewiesen worden wäre, als der Weg, den die Reichsregierung pflichtbewußt gegangen ist und den nach meiner tiefsten Tleberzeugung das deutsche Volk weiter gehen muß, wenn es nicht auch das letzte, das ihm geblieben ist, aufs Spiel fetzen wlll. 3n letzter Stunde noch möchte ich das deutsche Volk an seine hohe Pflicht erinnern, am 4. Mai alle kleinen Sonderinteressen, die in der erschreckend großen Zahl der KreiSwahlvor- schlage einen beschämenden Ausdruck gefunden haben, zurückzustellen und nur nach den großen Gesichtspunkten, um di« am 4. Mai gestritten werden soll, ihre Stimme abzugeben. Der wählt nicht deutsch, der sich am 4. Mai durch die Aufwertungssrage, den Beamtenabbau oder den Steuerdruck bestimmen läßt: nur der wählt deutsch, der bei feiner Stimmabgabe sich bewußt ist, daß es um die Rettung des Vaterlandes und um den Wiederaufstieg unseres Volkes geht. Wer am 4. Mai feine Wahlpflicht nicht erfüllt, handelt wie ein Deserteur, der von der Schlacht feige zurückweicht. Wer am 4. Mai durch seine Schuld nicht wählt, Vergebt sich aufs allerschwerste an seinem Volke und seinem Daterlande und ist nicht wert, ein Deutscher zu sein. Gerade weil die extremen Parteien rechts und links alle ihre Wähler in das Wahllokal treiben werden, darum ist es dringend not, daß auch die Mittelparteien, wenn nicht zu 103 Prozent, so doch zu 93 Prozent vernünftige Deutsche an die Urne bringen; geschieht das, bann besteht die sichere Gewähr, daß Deutschland nicht neuen schweren Erschütterungen ausgesetzt wird und das Werk der Rettung und der Wiederaufsti.'g unseres Volkes in Ordnung und Ruhe fortgefuhrt werden kann. Stuttgart, 2. Mai. (WTB.) In einer Wählerversammlung sprach Äeichsminister des Aeußern Dr. Stresemann über die Sachverständigengutachten. Das Schwerste darin bilde, daß die Erträgnisse der Reichseisenbahn für die Reparationen hasten und daß hie Reichseisenbahn eine internationale Gesellschaft werden solle. Man habe in diesem Punkte nach- gegeben, weil man verhindern möchte, daß deutsche Provinzen weiter ausgesaugt würden. Ein weiterer schwerwiegender Punkt sei die Errichtung der Währungsbank an Stelle der alten Reichsbanb Bisher habe man Deutschland vorgeworfen, daß es nicht zahlen wolle. Dem gegenüber besage das Sachverständigengutachten, daß Deutschland nicht zugemutet werden könne, im Jahre 1924/25 auch nur einen Pfennig #u zahlen. Deutschland müsse ein dreijähriges Moratorium haben und müsse finanziell in Ordnung kommen, ehe es Leistungen übernehme. Damit falle die ganze Ruhrpolitik Poincarös. Die Sachverständigen wollten Deutschland eine internationale Anleihe verschaffen. Die Kreditnot lähme heutzutage das ganze Geschäftsleben. Wenn uns da durch eine internationale Anleihe Mittel zuflössen, so wäre es in der Lage, in der wir uns befinden, der größte Dummstolz, nicht das Geld zu nehmen, das wir bekommen unten. England und Amerika müßten finanziell an uns intereflierl werde», denn daraus entspringe auch das Interesse daran, daß wir Arbeit hatten. Was wir vor allem brauchten, sei gerade die Interessiertheit der Länder an unserem Wiederaufstieg. Andere Mittel sehe er nicht. In den Darlegungen der Sachverständigen sei auch der fundamentale Satz, die Summen, die Deutschland in den einzelnen Jahren zu zahlen habe, enthielten in sich alle Verpflichtungen Deutschlands, so daß irgendwelche Orgarrbfotionen, die andere Mächte in Deutschland unterhalten, auf deren Kosten gingen. Das bedeute, daß in Zukunft die Mili tä nkontrollk ommisf tonen von denMächten bezahlt werden mühten, denen sie angehörten und daß dieReparativnSab- gabe an England wegfiele und daß auch die Besatzungskosten von den besehenden Mächten bezahlt würden. Das französische Voll, das gewohnt sei, von seinen Renten zu leben, werde keine Lust haben, die Desatzungskosten aus seinem Budget aufzubringen. Der Kernpunkt bei der Reuregelung der Dinge fei die Bestimmung bezüglich der Uebertragung der deutschen Guthaben, die nur erfolgen dürfe, wenn dadurch die deutsche Währung und Wirtschaft nicht erschüttert werde. So sehe man hier zum ersten Male den Gedanken: Ein Land kann nur zahlen, wenn es feine Währung dadurch nicht ruiniert, wenn es einen Exportüberschuß hat. Diese Bestimmung habe die Regierung als das Wesentliche angesehen. Darin tag auch die Möglichkeit, zu einer Verständigung zu kommen Der Minister ging dann auf die politische Seite «des Gutachtens ein. Das Gutachten setze die Wiederherstellung der deutschen Derwaltungshoh.it voraus. Die Ruhr- und Rhttnbahnen müßten wieder uns gehören und das sei wichtig, da mehr als ein Viertel des Sifenbah nüberschusses von den Eisenbahnen stammt, die h e u t e P o i n - car 6 in bet Hand habe. Freilich bekämpfe niemand metjr das Gutachten als die französische Presse. Aber die weltwirtschaftliche interessierten Rationen wenden sich gegen Frankreichs und deshalb müßten wir uns freuen, wenn die >welt- Die Bergarbeiter lehnen Mehrarbeit ab. Essen, 2. Mai. (WB.) Der Verband der Dergarb-iter Drntst>la tNJ >er Grwe k e e n christ icher Berg rb ite Deutschlands, tie folm che Bei.ufsvercinigung und v.r Hrr^-Lu rckerfche Ge- Gewerkoerein (Abteilung Bergarbeiter) erlassen einen Aufruf an die Bergarbeiter des Ruhrreviers, worin erklärt wird, daß der Schiedsspruch betr. ikberarbeit und Manteltarif von den vier Teaa beiferverbän^en abgelehnt werde. Die Ablehnung werde damit b gründet, daß die Einstellung b:r Tergdauunternehmer an i- svzial und arbeiterfeindlich sei. Die Unternehmer im Ruhr berg bau hätten den Schiedsspruch vom 23. April, ter eine Lohnerhöhung um 15 Prozent vorsieht, abgelehnt. Der Schiedsspruch über die Festsetzung der Arbeitszeit un.er Tage hebe die Festsetzung der Arbeitszeit unter und setze eine 8°Stundenschicht unter Tage fest, außerdem dehne er diese Verlängerung der Arbeitszeit bis zum 1. Rovember aus. Das Mühlen die Bergarbeiter entschieden ablehnen, sie hielten grundsätzlich an der 7stündigen Schicht unter Tage fest. Die für den rheinisch-westfälischen Bergbau gültige Arbeitszeit betrage für Arbeiter an er Sage sieben und für Arbeiter über Tage acht Stunden. Diese Schichtzeit sei für die Dauer eines tariflosen Zustandes maßgebend und müsse eingehalten werden. — Reue Verhandlungen finden morgen in Hagen statt. Rach Ablehnung des Schiedsspruchs haben ttuf einer Reihe von Zechenanlagen im Rul>r- bezirk die Belegschaften nach sieben Stunden d i e Ausfahrt erzwungen. Auf anberen Zechen sind die Arbeiter untätig in der Grube verblieben. Der Sechen verband faßte darauf den Beschluß, wirtschaftlich interessierten Völler uns zu Hilfe kämen. Das Allerwichtigste sei das Selbst- interesse der anderen Völker daran, daß Deutschland nicht zu Grunde gehe und daß Frankreich nicht zu groß werde. Jetzt wolle man Deutschland auf die Beine stellen, weil man es brauche in seiner Konsumkraft. Rachdem wir gerufen haben nach einem Gutachten der Sachverständigen und nachdem Amerika leinen früheren Standpunkt aufgegeben habe, sich nicht in europäische Dinge zu mischen, sei eZ unmöglich gewesen, zu dem Sachverständigengutachten Rein Wäge und wähle! Am Sonntag soll das souveräne Boll mit dem Stimmzettel in der Hand entscheiden, wem es in Zukunft sein Geschick anvertrauen will. Ein sechswöchentlicher Wahlkampf in einer von außen- wie innenpolitischen Spannungen übersättigten Zeit hat alle politischen Leidenschaften bis zum Sieden angefachl. 3n Schrift und Wort, mit ungezahlten Flugblättern, in täglichen Redeschlachten haben die Parteien um die Seele des Wählers gerungen. Für eine gesunde, innerpolitische Entwicklung ist dieser Wahlkampf gewiß nicht günstig gewesen. Parteifanatismus, demagogisch engstirnige Wahlpropaganda haben alles dazu getan, daß man sich noch weiter auseinanderredete, als man vor sechs Wochen schon war. Vorhandene Gegensätze sind tief in das Boll hineingetragen, in unverantwortlicher Kurzsichtigkeit verbreitert und vergiftet. Reue Gegensätze sind geschaffen. Alles das zu einer Zeit, wo ein außenpolitisches Ereignis ersten Ranges ein einiges Volk hinter einer mannhaft entschlossenen Regierung erfordert hätte. Aber gerade die Gutachten der alliierten Sachverständigen haben diesen Kampf nur noch verschärft. Die Rotwendigkeit einet Stellungnahme, zu der die außenpolitische Lage die Reichsregierung zwang, nähmen die Parteien der Opposition zum Anlaß, den Entschluß des Reichskabinetts in die Wahlpolemik mit einzubeziehen. Die Gutachten selbst wurden zum Zankapfel der Parteien. Zur Verteidigung ihrer Stellungnahme griffen die Mitglieder des Kabinetts, unterstützt von den Regierungsparteien, in den Kampf ein. Was dabei an Entgleisungen, Mißgriffen, Taktlosigkeiten bis zur bewußt verleumderischen Hetze auf allen Seiten geleistet wurde, geht weit über das Maß einer berechtigten Kritik und Abwehr hinaus. Genützt hat diese Art politischen Kampfes allein den Feinden des deutschen Dolkes, sonst niemandem. Die Reichsregierung selbst hat sich ge- drungen gefühlt, mit einem Aufruf an die Wähler, in den Wahlkampf einzugreifen. Man wird kaum fehl gehen, die Beweggründe zu diesem immerhin im Parlamentarischen Leben Deutschlands ungewöhnlichen Schritt in der hefttgen Opposition zu suchen, die die Antwort des Kabinetts auf die Sachverständigengutachten bei den Deutschnationalen und Völkischen gefunden hat. Mag man zu dem politischen Aovum an sich stehen wie man will, in der Wirkung kennzeichnet sich der Ausruf als bedauerlicher Mißgriff, der mit einer erstaunlichen Einseitigkeit für die kommende Regierungsbildung TLren zuwirft, die unseres Erachtens allein zu einer Gesundung unseres parlamentarischen Lebens hätten führen können. Das begeisterte Echo, das der Aufruf im „Vorwärts" und seinen sozialistischen Trabanten gefunden hat, wird wohl auch Herrn Dr. Stresemann nicht ganz angenehm in den Ohren geklungen haben. Der „Vorwärts" „unterschreibt jedes Wort" vieles Aufrufs, schwört erneut zur Fahne Joseph Wirths und bricht schließlich in höchster Ekstase in den alten Schlachtruf aus: „Der Feind stehl rechts!" Rach den traurigen Erfahrungen, die gerade Herr Dr. Stresemann als Kanzler der Großen Koalition mit den Sozialisten gemacht hat, möchten wir annehmen, daß diese Folgerungen des „Vorwärts" auch ihm Überraschend gekommen sind. Wenn man auch in seinen zahlreichen Wahlreden — von denen die Magdeburger ihn wieder als Außenpolitiken großen Formats zeigte — nicht immer die gleiche Entschiedenheit gegen links beobachten konnte, mit der er nach rechts seine scharfe Klinge führte, so möchten wir das auf die begreifliche Verärgerung zurückführen, die eine oft persönlich gehässige Kritik der Rechtsoppo- sitton gerade an seiner Polittk verursacht haben mag. Das durfte aber nicht dazu verleiten, den Wahlkampf mit falscher Front zu führen. Wenn die Leidenschaften des Kampfes in den kommenden Wochen erst wieder ruhiger Lieberlegung und Besinnung auf dir parlamentarischen und polttischen Möglichkeiten Platz gemacht haben, wird es für die beiden, zu positiver Mitarbeit am Staatsgeschick entschlossenen Rechtsparteien an der Zeit sein, wieder die von den Wellenstürzen des Wahlkampfes arg mitgenommene Brücke zueinander zu schlagen, sich zusammenzufinden in einem Kabinett der nationalen Arbeit und des wirtschaftlichen Auf- baus. Nach dem Sturz des Kabinetts der Großen Koalition hätte schon der Versuch gewagt werden müssen, diesen Weg zu beschreiten. Die voraussichtliche Zusammensetzung des neuen Kabinetts wird dieses Zusammengehen der beiden Rechtsparteien über alle kommenden Meinungsverschiede-ch iten hinweg zwingend machen, will man nicht wieder den Sozialisten das Staatsruder überlassen. Eine zu Gunsten der Kommunisten stark geschmückt Soztawemvrrarw — vprtmisnfche Sozialisten rechnen mit höchstens 100 Sitzen statt der bisherigen 173 — wird in ihrer inneren Politik aus Angst vor einer Fortsetzung der Massen- flucht sich so radikal orientieren müssen, daß eine dem gesamten Volkskörper gedeihliche Wirtschaftspolitik unter ihrem Einfluß unmöglich erscheint. Ein nationales Kabinett hat nichts mit sozialer Reaktion zu tun. wie die um ihre Sinekuren besorgte sozialistische Parteibureaukratie in ihrer Presse der deutschen Arbeiterschaft weismachen will. Dazu haben die für ein solches Kabinett in erster Linie in Frage kommenden Parteien: Deutsch- nattonale. Volkspartei und Zentrum selbst zu große Arbeitermassen unter ihren Anhängern. Die „Errungenschaften" der Revoluttvn auf das für einen wittschaftlichen Wiederaufbau unbedingt erforderliche Maß zurückzuschrauben, das wird allerdings erforderlich sein, und dem verschließt sich schon heute kein vernünftiger Arbeiter, aus welchem Lager er komme. Dieser Zusammenschluß der nationalen Parteien, der allein eine fruchtbare und stetige Entwicklung unseres politischen Lebens verbürgt, ohne die wir die Lasten der uns von den Sachverständigen zugemuteten Reparationen niemals tragen können, darf nicht an Par- leidoktrinen und Meinungsverschiedenheiten scheitern, die zum guten Teil auf bloßen Mißverständnissen beruhen. Das Ziel, D e ut s ch - lands Befreiung, ist das gleiche und auf einen gemeinsam gangbaren Weg wird die eiserne Rotwendigkeit alle die zwingen, £te zu positiver Mitarbeit bereit sind. Schon heute wurde In führenden deutschnationalen Blättern die Möglichkeit und — bei der seltsamen Einstellung der Völkischen zum parlamentarischen Regime — die Notwendigkeit einer Koalition mit den Rachbarn zur Linken erörtert. Man verkannte dabei keineswegs, daß nur Kompromisse von beiden Seiten zusammenführen können. Der heilsame Druck der Verantwortlichkeit wird das übrige tun, eine für das Volksganze ersprießliche Zusammenarbeit zu gewährleisten. Auf die deutsch-völkische Freiheitspartei und die sich in gleicher Richtung bewegenden völkischen Gruppen und Grüppchen ist hierbei nicht zu rechnen. Man wird der völkischen Bewegung es hoch an* z?rchnen müssen, daß sie es verstanden hat, tau* sende von deutschen Arbeitern dem marxistischen Wahn entrissen zu haben. Aber sie ist in ihrem schrankenlosen Radikalismus weit über das Ziel hinausgeschossen. Daß ihre Politik keine Politik der nationalen Sammlung war, sondern eine Politik der gefährlichsten Zersetzung, zeigt am besten die heillose Zersplitterung in ihren eigenen Reihen. Von der nationalen Aufbauarbeit, die in der augenblicklichen weltpolitischen Lage das deutsche Volk allein wieder emporführen kann, schließt sie sich selbst aus durch ein Programm, das die nun einmal allein mögliche, legale Form polt*' tischer Arbeit innerhalb des Parlaments schroff ablehnt, ohne die einzig richtige Konsequenz daraus zu ziehen, sich dann auch von den Wahlen fernzuhalten. Diese parlamentarische Situation und die sich daraus ergebenden politischen Dotwenbig- keiten wird sich jeder Wähler klar machen! müssen, bevor er morgen zur Wahl schreitet. On ß e ine r Hand liegt eS, ob aus der Wahlurne ein Reichstag hervorgeht, der die oben gekennzeichnete Entwicklung möglich macht. Willst du, daß ein ex kremer Radikalismus den inneren Frieden aufs neue bedroht und nach außen an die Stelle einer Politik des Möglichen eine verderbliche OllusionSpolitik setzt? Willst du. daß ein Kabinett der Sinken unter kommunistischem Einfluß und dem Terror der Straße durch sozialistische Ex* derimente den Wirtschaftsfrieden gefährdet, durch ideologischen Pazifismus und würdelose Anbiederungsversuche die nationale Erstarkung des deutschen Volkes hindert und durch eine hemmungslose ErsüllungSpvlitik dich zum Fronarbeiter der ganzen Welt, die deutsche Westmark zu einer Sattapie des französischen Imperialismus macht? Oder willst du, daß eine starke, regierungsfähige Mitte durch ein Kabinett der nationalen Koalition die feste Mark erhält, stetige Wirtschaftsverhältnisse verbürgt, durch eine aufrechte, die nationalen Belange wahrende Außenpolitik die Reparationsfrage einer erträglichen Lösung entgegenführt und alle Kräfte unseres Volkes zusammenfaßt zu gemeinsamer Arbeit am Wiederaufbau unseres Reiches? 3n deiner Hand liegt dein Schicksal, mit deinem Stimmzettel entscheidest du das Geschick deines Volles! Drum wäge und wähle! Die polnische Hetze in Oberschlefien. Berlin. 2. Mai. (Wolff.) Die polnische Regierung hat in der polnischen Presse Mitteilungen über eine Rote verbreitet, die sie anläßlich der Verhaftungen ehemaliger Aufständischer in Deutsch-Oberschlesien dem Auswärtigen Amt hat überreichen lassen. In dieser Rote war ii. a. gesagt, daß die Verhaftungen eine begreifliche Erregung der De- völleruna in Oberschlefien hervorgerufen hätten und daß sie nicht zu friedlichen Beziehungen zwischen der polnischen und der deutschen De- völkerung beitragen könnten. Auf diese Aeuße- rungen, die offensichtlich lediglich den Zweck verfolgten. die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung von den mzwischrn in Polnisch-Oberschlesien vvrgenommenrn VechaftungenDeutscher abguLrrßen, hat das Auswärtige Amt dec polni-- fchen Regierung in eurer Antwortnote sofort ent= gegengehalten, daß es sich bei den Verhafteten! in Deuts ch-Oberschlesien um ReichSangehörige handelt, die einer aus» Ländischen, nachgrwiefenermaßen auf eine jLoSreißung deutscher Gebietsteile hinarbeiten» .Geheimorganisation als Mitglieder an» gehören, daß eS im übrigen ausschließlich dem terroristischen Treiben der polnischen Insur- genteuvel bände zu verdanken ist, wenn sich die bringend erwünschte Beruhigung in beiden Teilen des ehemaligen Abstimmungsgebiets immer noch nicht einstellen will. Inzwischen haben die Bedrohungen der deutschen Bevölkerung in Polnifch-Oberschlesien Formen angenommen. die das Schlimmste befurchten lassen, zumal dec polnische Sejm die Regierung auffor- oert, als Vergeltung für die in Deutsch-Oberschlesien vvrgcnommenen Verhaftungen die 'm der Wojewodschaft Schlesien ansässigen Reichsdeutschen auszuweisen. Die Reichsregierung hat infolgedessen mit Rachdruck auf die außerordentlich ernsten Folgen hingewiesen, die ein Andauern der bedrohlichen Lage, wie sie sich für die Deutschen in Polnisch-Oberschlesien herausgebildet hat, notwendigerweise für die Beziehungen beider Länder mit sich bringen muß, und im übrigen der Erwartung Ausdruck verliehen, daß sich die polnische Regierung auch ihrerseits zu der Auffassung bekennen wird, daß für sie kein Anlaß zu Vergeltungsmaßnahmen vorhanden ist, wenn Deutschland gegenüber fernen eigenen Staatsangehörigen von den Machtmitteln des Staates Gebrauch macht. Die Besprechung von Checguers. London, 2. Mai. (Deuter.) Dir Besprechungen in Chequers zwischen den belgischen Ministern und dem Premierminister Macdonald werden amtlichrrseitS als ge» heim behandelt. ES wird erwartet, daß sie sich lediglich auf dir Ausführung des DaweS- berichts beziehen werden. Der allgemeine Em» druck in den verantwortlichen Kreism geht dahin, daß es nicht schwierig sein wird» eine Uebereinstimmung unter den Alliierten über die franzvsischr Besetzung deS Ruhrgebiets zu erzielen. Es scheint, daß die französische Regierung vor allem über die Frage der Rheinlandbahnen besorgt ist, da nach ihrer Auffassung die französischLN Truppen im Ruhrgebiet nicht ausschließlich von einem durch Deutsche ausgeführten Eisenbahndienst abhängig werden dürfen. * Unter der äleberschrift: „Bessere Aussichten auf eine Rührregelung, Ergebnis der Besprechungen des Premierministers mit den Belgiern. Wahrscheinliche Aenderung der Politik Pain- cares" schreibt die ..Daily RewS" an vorderster Stelle, es bestehe Grund zu der Annahme, daß eine für eine Aenderung der französischen Politik günstige Atmosphäre kwschaf en worden ist und daß der Weg endlich für einenj endgültigen Fortschritt in der Richtung auf die europärs.che Stabilität offen sei. 3n ministericllen Kreisen habe gestern abend em bezeichnender Optimismus geherrscht über das Ergebnis der Unterredungen im EhequerS. Die Methode, durch die der DawkSbericht zur Durchführung gebracht werden könne, habe das Haupt- erörterungskhema gebildet. „Daily Rews" sieht das Problem i>irin, die französischen Pfänden in dem Ruhrgebiet durch Bürgschaften zu ersehen, die für Poincare a n nehmbar seien und die französischen Befürchtungen beschwichtigten. Rach dem ..Daily Telegraph" herrschte gestern in belgischen Kreisen vor der Abreise der belgischen Minister nach Chrguers ein maßvoller Optimismus. Es sei zugegeben worden, daß die Cchwerigkriten. die einer vollkommenen interalliierten Vereinbarung im Wege stehen, e r n st sind. Die Lleberzeugung sei jedoch, daß diese Schwierigketten sich nicht als unüberwindlich erweisen wurden, vorausgesetzt, daß diL schwierigen Sjagen: Gesamtensichädt- gungsbetvag, Kriegsschulden, Priorität. Prozent- fähe verschoben werden bis der Dawesplan während eines gewisien Zettraumes «rsolgreich zur Anwendung gebracht worden ist. Die balgi- schen Minister hätten ein System von wirtschaftlichen Bürgschaften enttootfcn, von denen einige als Erörterung der Daweskontrolle beschrieben werden könne, während andere außerhalb des Bereiches des Dawesplanes ständen. Die Hauptschwierigkeiten lägen tit dem Verharren Poincarss auf seinem Versuch, die französisch- belgische Sisenbahnregie in abgeändetter Gestalt aufrechtzuechalten unter ter Begründung daß ihre Aufrechterhaltung bis zu diesem Maße für die Sicherheit der Desatzungstrup- Pen unumgänglich notwendig fei. Rach der französischen Ansicht müsse der Betrieb gewisser Hauptlinien gesichert teerten, von denen die De» satzungstruppen auf beiden Setten des Rheins für ihre Verbttidung und Versorgung im Falle eines deutschen Sisenbahnerstreits oder einer Volkserhebung abhänge. Es könne sein, daß die belgischen Minister eine Kompromrß'sormel fänden. Japans Beteiligung au der deutschen Währungsbank. Tokio, 2. Matt (Wolff.) Die japanische Regierung hat beschlossen, an der Errichtung der geplanten deutschen Währungsbank teilzunehmen und durch Verkauf von Bargeld im Auslande der Einladung der- Bank von England sich mit 500 000 Pfund zu beteiligen, stattzugeben. Die britischen Konservativen. London, 2. Matt (WTD.) Bei der heutigen Kundgebung der konservattten Primrose Ligue in der Albert Hall erüär.e Lord C u r z o n die Konservativen bereiteten sich auf ecnen neuen Kampf vor. der jetzt nicht mshr lange hinaus- gefchoben werden (.önne. Die sozialistische Regierung habe die Arbeitslosigkeit durch dir Abschaffung der Mac Kenna-Abgaben ter» grodert. Weder Baldwin noch er selbst würden sich einer nationalen Außenpolitik irgend einer britischen Regierung widersesen. Zur englisch- russischen Konferenz sagte Eurzon, die britische Regierung halte im Foveign Office eine Konferenz mit Dertreiern der grausamsten und blutigsten Regierung ab, die Europa je gekannt Habs. Dir russische Regierung wol.e Geld haben und des englischen Geldes wegen seien die Aussen nach England gekommen. Die gesamte Politik und alle Reden, Schriften und grundlegenden Ansichten ter Sowjetregierung frier u n* vereinbar mit dem fortschrittlichen Leben eines zivili,retten Dol.es. Dir Konservativen feien dir stärkste Partei im Unterhause uno einsichtiger Teil der Liberalen Partei im älntetthause und im Landr scheine den Wunsche nach einem An schluß an dir Konservativen zu hegen. iStet ehemalige Premier Stanley Dolvwtn erklärte, er sei besorgt wegen des Mißerfolges, den der Plan einer Vorzugsbehandluna derDvminivns erlitten habe. Wenn England nicht geneigt sei, das geringste Opfer zu bringen, so müsse es die unvermeidliche Folge sein, daß die Dominions in andere wirtschaftliche Kreise als diejenigen Englands gezogen werden. Die Konservativen nähmen den Llrteilsfpruch des Landes an und beabsichtigten nicht einen allgemeinen Tarif einzusühren. Sie hätten jedoch die Absicht, wenn sie wieder zur Macht gelangten, diejenigen Industrien, die unter dem ausländischen Wettbewerb litten, durch Maßnahmen eines Indu - strieschutzgesehes zu schützen. Die konservative Partei sei bereit zur Teilnahme an einer Konferenz über die Einschränkung der Rüstungen, könnte aber nicht eine Schwächung der Verteidigungsstreitkräfte zulassen. Die Konservativen seien sür strikte Ausführung der Frie- densvetträge und wurden den Völkerbund zum Angelpunkt der Außenpolitik machen. Ausstand auf Kuba, Havanna, 2. Matt (Priv.-Tel.) Auf der Insel Kuba ist der feit langem erwartete Auf st and ausgebrochen. Zwischen den Regierun^struppen und den Aufständischen hoben zahlreiche Gefechte ffattgefunten; in Gienfuegos ist es zu einer neuen Erhebung gekommen, aber die Regierung lehnt Auskünfte darüber ab. Die kubanische Gesandtschaft in Washington bemüht sich, den Umfang der Revolte an Bedeutung zu verkleinern. In einer älnterredung mit Staatssekretär Hughes hat der kubanische Botschafter Mitteilungen über die Lage gemacht. Die Regierung in Kuba hat auch formen die Aufmerksamkeit der Vereinigten Staaten auf die Lage in Kuba gelenkt. Präsident Eoolidge hat deshalb ein Verbot für alle W a f f e n f e n du n gen nach Kuba erlassen. Kleine politische Nachrichten. Wie uns das Messeamt in Köln mitt eilt, wird außer dem Reichskanzler auch Reichspräsident Ebert an der Eröffnung der ersten Kölner Messe teilnehmen. Maßgebende Washingtoner Kreise beabsichtigen die Herausgabe deutschen Eigentums über 10 000 Dollars durchzusetzen. * Das bayerische Ministerium Knil- ling wird unmittelbar nach den Landtags- Wahlen in der Pfalz, also nach Vorliegen des Gesamtwahlergcbnisses zum bayerischen Landtag, zurücktrcten, aber bis zur Reubildung der Regierung die Geschäfte weiterführen. * Die Verhandlungen über den Abschluß eines Tarifvertrages für die Angestellten bei der Reichsverwaltung wurde im Reichüfinanzmimsterium zu Ende geführt. Derneue Reichsangestelltentarifvertrag tritt mit dem 1. April 1924 in, Kraft. ' * Das britische Unterhaus hat mit 238 gegen 144 Stimmen einen liberalen Geseyesantrag a b - gelehnt, in dem die Einführung des Verhältniswahlsystems bei den 'Parla- mentswahlen vorgesehen wird-. Die ^ttihereu Parlamente haben wiederholt ähnliche Gesetzesvorlagen abgelehnt. » Der Chef deS Generalstabes, General Haller, hat sich nach Frankreich begeben, um mit dem neu ernannten französischen Generalstabschef Debeneh Fühlung zu nehmen und die neuesten Mechooen der französischen Armee aus dem Gebiete der militärischen Ausbttdung kennen zu lernen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 3. Mai 1924. Die Reichs-Teuerrrngsziffer. Die Rei chsindexztffer für Lebenshaltungskosten (Ernährung Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) belauft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den 30. April auf das l,14billivnenfache der Vorkttegszeit. gegenüber dem l,13biltionenfachen der Vorwoche ist demnach eine Steigerung von 0,9 Prozent zu verzeichnen, l Die Landeskirchenfteuer für 1924. 3n dem nächsten Tagen werden von den Finanzämtern die Kirchensteuerzettel für das Rechnungsjahr 1924 zugesteltt werden. Grundlage für die Kirchensteuer ist die Reichseinkommensteuer. Hede andere der vielen Steuerquellen ist als Grundlage für Kirchensteuer ungeeignet Bei normalen Steuerverhältni sen würde fich die Kirchensteuer für 1924 auf das Einkommen in 1923 gründen. 3n 1923 ist aber das Einkommen vom Staat wegen der Inflation nicht veranlagt worden. Es muhte daher die jetzt für 1924 zu erhebende Kirchensteuer noch einmal als Zuschlag zu der zuletzt erhobenen Einkommensteuer, d. h. derjenigen für 1922 erhoben werden. Hieraus werden sich bei den einzelnen Steuerzahlern mancherlei Unrichtigkeiten ergeben. Diele Steuerzahler. die jetzt ein höheres Einkommen als in 1922 haben, werden zu wenig Kirchensteuer zahlen, andere, deren Einkommen zurückgegangen ist, werden zu hoch herLigesogen werden. In diesen letzteren Fallen ist dura) entsprechenden Antrag bei dem Kirchenvorstand ein Ausgleich möglich Die Steuerzettel gLben darüber 'Auskunft Es darf von der Einsicht der Steuerzahler das nötige Verständnis für die geschilderte Zwangslage bei Eich Dung der dies,äHelgen Kirchensteuer erwartet werden. In 1925 dürften wieder normale Verhältnisse eintreten. An allgemeiner Kirchensteuer wird von der evangelischen wie katholischen Kirche gleichmäßig ein Zuschlag von 30 Goldpsennig auf 1000 Mark Einkommensteuer des Jahves 1922 erhoben. Die örtliche KivLensteuer ist verschieden, je nach den örtlichen Bedürfnissen der Kirche. * Die vorläufige Gewerbesteuer für 1924 Dom Finanzamt wird uns mitgetrUt daß, einem Antrag d^r GeweibcttLiben^ea entsprechend das Finanzministerium die am 10. Mai fälligen Zahlungen auf dir vorläufige Gewerbesteuer für 1924 auf 80 anstatt 160 Prozent derBor- arszahlungen auf die Reichs-Einrommen- bezw. 2leichslörpeischaftssteuer s«itgesctzl hat. ferner hat Paragraph 4 der DurchsührungS* bestimmungen folgenden Zusatz eihallenj „Äe- jenigcn gewerblichen -Unternehmungen, die ihren Sih außer halb Hessens haben und hier nur Bc- triebsstätten unterhalten, werden, sofern sie ihre Korperichaftssteuer nach. Maßgabe des Vermögens leisten (Aktiengesellschaften usw) im Drrhättnis ihrer Rohrinnahmen zur vorläufigen Geiverbe- ficuer herangezogen. * Gießener Wochenmarktpreise am 3. Mai 1924 (Händlerpreise). Es kosteten aus dem heutigen Wochenmarkt Butter 1.80 bis 2 Ml., Matte 35 Pf., Käse 65 bis 70 Pf. das Psd., Eier 10 bis 11 Pf. das Stück, Wirsing 60 Ps.. Weißkraut 40 Ps.. gelbe Rüben 25 Pf., rote Rüben 30 Pf., Spinat 60 bis 80 Pf., Spargel 1.60 Mk. das Pfund, Blumenkohl 2 bis 2,50 Mk., Salat 40. bis 60 Pf. das Stück, Grünkohl 40 Pf., Feldsalat 2,50 Mk.. Zwiebeln 30 Pf., Meerrettich 70 Pf. bis 1,50 Mk^ Schwarzwurzeln 80 Pf. das Pfund, Lauch 10 bis 20 Pf.. Sellerie 1 Mk. das Stück, Radieschen Dd. 30 Pf., Rhabarber 40 Pf., Aepfel 25 bis 35 Pf.. Dörrobst 30 Pf. das Pfund, Kartoffeln 6 Mk. der Zentner. •• Die Bekanntgabe der Wahlresultate, soweit sie morgen abend noch in unseren Besitz kommen, wird durch Aushang an unserer Geschäftsstelle erfolgen. Im Interesse der reibungslosen Abwickelung und Bearbeitung unseres umfangreichen Rachrichtendienstes müssen wir telephonische und mündliche Auskünfte unbedingt ablehnen. ** Der Oberhefsische Kunstverein eröffnet morgen. Sonntag. 4. Mai, in seinem Ausstellungsräume am Drandplatz eine Ausstellung graphischer Werke der Karlsruher Künstlerschaftt Die Ausstellung ist wieder Sonntags. Montags, Freitags von 11 bis 1, Mittwochs von 11 bis 1 und 3 bis 5 Llhr geöffnet Die Äbbelohdeschen Radierungen: Gießen vor der Hardt au8, sind eingetroffen und an der Ausstellungskasse erhältlich. Die Zeichner werden gebeten, sie dort zum Vorzugspreis von 1 Mk. in Empfang zu nehmerp Für die übrigen Mitglieder 'beträgt der Preis 1,50 Mk., für Aichtmitglieder 3 Mk. Es ist vorgesehen, diejenigen Mitglieder, welche 1921 und 1922 Anrechtscheine erlöst und nicht verwendet haben, durch ein Gratisexemplar zu entschädigen. (S. Anzeige im gestr. Blatt.) ’• Auszeichnung. Dem Leutnant d. Res. -a.D. Hans Roth von hier, früher Führer der Minenwerfer-AötLilung 111/223, wurde auf Grund ter Verfügung des ReichLwehrministers v. 21. 2. 1924 vom Chef ter Heeresleitung das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. •* Die Wählerversammlung des Völkisch-sozialen Blocks, die gestern abend auf ter Liebigs höhe stattfand, hatte einen 2Nassenbesuch aufzuweisen, wie man ihn bti tiefem Wahlkampf noch in keiner Ver-sammlung in unserer Stadt beobachten konnte,' nicht nur im Saale sahen und standen die Zuhörer in gedrängtester Enge, auch auf den Querbalken, ja selbst an den Fensterrahmen hängend hatten sich zahlciche Leute postiert: verschiedene Fensterscheiben mußten dabei daran glauben, auch der Ofen wurde umgeworfen. Der Redner Dr. D i n t e r trat in seinen Ausführungen ebenso wie vor einigen Tagen fein Freund Langula für energischen Kampf gegen das Grohkapital (Beschlagnahme der Danken. Schließung der Dörsen). für die Beibehaltung des Achtstundentages und eine opferbereite Sozialpolitik ein. Er krttisierte an der Tätigkeit und an der Einstellung der übrigen Parteien, insbesondere aber sehr lebhaft an der Sozialdemokratie und am Zentrum. Die bisherige Außenpolitik gab ihm Anlaß zu mancherlei Beanstandungen: es dürfe nicht zu allem Za gesagt werden; immerhin gab der Redner hierbei zu erkennen, daß er auch nicht abgeneigt ist. tm Rahmen des Möglichen und Etträglichen den Gegnern ein gewisses Maß von Leistungen zu bieten. Zum Schluß trat er für die Einigung unseres Volkes auf völkischer Grundlage ein. Die Rede wurde von den Anhängern Dinters mit lebhaftem Beifall, von den sehr stark vertretenen Gegnern aber mit kräftigem Widerspruch begleitet und auf genommen. Die Versammlung war schon am Anfang recht lebhaft und sie zeitigte tm Verlaufe der Aus- . führungen Dinters Sturmszenen, dir alles nach die'er Richtung hin hier bisher Gebotene in den Schatten stellen. Ein Zwischrnrufer, der sich durch seine Zurufe gegen Diu ter stark aufgeregt hatte, mußte ohnmächtig aus dem Saale getragen werden. Der Tumult wurde mehrfach so groß, daß die Polizei, die in erheblicher Stärke zur Stelle war. einige Male eingreifen und dir Rabiatesten aus dem Saale entfernen mußte, um wenigstens einigermaßen die Ordnung wiederhrrzustellen. In der Aussprache traten etn sozialistischer, ein demokratischer und ein kommunistischer Redner dem Referenten entgegen, der erst nach Mitternacht zu seinem Schlußwort kam. Gegen i/22 ttlhr hatte die in ihrer turbulenten Att einzig dastehende Versammlung, die nur Dank der 2lnwesenhett eines starken Polizeiaufgebotes nicht zu einem physischen Kampfplatz wurde, ihr Ende erreicht Vornotizen. — Tageska lender für Samstag-. Turnveretn von 1846: 8 älhr tn ter Turnhalle, Steinstr., Bühnenschauturnen. — Deutsche Demokratische Pattei: fti/i Hbr im Felsenkeller Mitgliederversammlung. — Rundfunkhaus, Löberstr.: 81/3 Uhr Sonderveranstaltung, Prof. Schreker. — Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Ihn Mitternacht tm Pavillon". — Palast-Lichtspiele: „LUli". Landkreis Gietzen. eu. Beuern 1. Matt Am verganenen Sonntag fand die Konfirmation von neun Knaben und acht Mädchen statt. Die Schülerzaht unserer Schule hat bedeutend abgenommen; es machen sich jetzt die Kriegs- jckhre bemerkbar. Während in bet 70er Zähren 35 und mrhc Kinder in die Schule tarnen, waren es diese Ostern vier Kinder — ein Bub und drei Mädchen. «SvärlKWS die ein» «irtdlcb gutes Kaflee« GenrKnk ÄSiax>en, nehmen aeu PfelCer fichmack. Sllberpaacr 30 PL, Dole 40 Pf. In allen OeschLttea. ist 7, an 1 Aeufr 2 Dad Wagner t reiche ShE hessischen De UM and 6 in NP* Leitung der Verdienste N fahren die , Mtliche skuri Erkannten. 1 Sarm Lvs im WA denzschlos Schriftlich, an ben 5-Zim Vohinl Utz Auto ßrerbebrängtri H M M liebsten w «egen Friede ""ter 019753 •SSgioi »A °bcf r u. n. a. L. 1. Mat Tnt bemipenngen Sage ist die hiesige Postagentur ton dem Hause Denner. daS sie 43 Jahre verwaltet hatte, an den seitherigen Postboten Wilhelm Het tche übergegangen, der auÄ das Äustcagen der Postsachen besorgt. Leider fällt nun auch infolge der Ersparniswirtschaft der Reichspost der zweite tägliche Po st gang weg, so daß mit dieser Neuerung zugleich eine Verschlechterung der hiesigen Postverhältnisse verbunden ist. was von den hiesigen Geschäftsleuten unliebsam verspürt wird. I KWirberg, 2. Mai. Sn Unserem Kirchspiel wurden 34 Kinder, 14 Mädchen und 20 Knaben, in der festlich geschmückten Kirche auf dem Wir- berg konfirmiert. Sm Laufe des Monats April fanden in Göbelnrod und Rein- hardshain zwei Gemeindeabende mit Lichtbildervorträgen des Missionars Lenk aus Hersfeld über China statt. Sn Aein- hardsbain sprach in einem Familienabend Marine-Oberpfarrer Gabriel- Derlin. Sm Anschluß daran wurde die Gründung eines Zweig- Vereins des Evang. Bundes vorgenommen. z Beltershain, 2. Mai. Bei der Holzversteigerung am 1. Mai kosteten 4 Rm. Buchenscheit ca. 40 Mk. Seit den letzten Versteigerungen In Göbelnrod und Reinhardshain waren die Preise etwas zurückgegangen, es kosteten damals (vor Ostern) 4 Rm. Duchenscheit ca. 60 Mk. t. Ettingshausen, 2. Mai. Unsere Gemeinde besitzt schon in einer Tafel in der Kirche ein künstlerisch wertvolles Denkmal für ihre im Kriege gefallenen Söhne. Jetzt hat sich der Ortsvorstand entschlossen, auch noch auf dem Platze vor der Kirche einen Gedenkstein für die Gefallenen zu errichten. Regierungsbaumeister Schneider von Gießen legte einen Entwurf vor. der von dem Gemeinderat gebilligt wurde. Das Denkmal stellt eine deutsche Mutter dar. die ihr Kind schützend an sich hält. Schon der Entwurf läßt deutlich die Absicht des Künstlers erkennen, das zwar durch die Schicksalsschläge zusammengebrochene, aber sich doch wieder aufraffende Deutschland darzustellen, dessen Zukunft in dem Kinde verlinnbildlicht ist. um das die Mutter schützend und hoffend ihre Arme legt. Da der Entwurf schon in Arbeit gegeben ist. wird das Denkmal im Aachsommer wohl fertiggestellt sein. r Kreis Friedberg. Bi Dad-Rauheim. 2. Mai. Das 7 5- Zahr. Jubiläum der Hvfbuchdr uckerei Wagner brachte der angesehenen Firma zahlreiche Ehrungen, nicht nur aus den Kreisen der hessischen Derufsgenvssen, sondern auch van Be- Hörden und größeren örtlichen Körperschaften, die in Ansprachen oder Glückwunschschreiben die Bedeutung dec Kunst Gutenbergs feierten und die Verdienste der Jubiläums-Firma, die seit 40 Hahren die „Bad-Rau heim er Zeitung" und die amtliche Kurliste verlegt, für Bad und Stadt anetfannten. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 3 Mak. (Eigener Bericht.) Das im Mittelpunkt der Stadt gelegene Resi- denzschloß ist in ein Museum umgewandelt worden und wird tn den nächsten Tagen eröffnet. Gs find hauptsächlich historische Gegenstände au8 der Landgrafenzeit zu sehen. — Sn der letzten Zeit sind in den Dienst raumen staatlicher und städtischer Betriebe Einbrüche verübt worden. Es wurde fast immer mit Geld gestohlen. So sind In dem hiesigen Arbeitsamt und in der Verkehrskontrolle bfe Gelder gestohlen worden. Man vermutet, daß die Einbrüche von Berufsverbrechern verübt werden. Kunst und Wissenschaft. ( Eine Darmstadter Opernerstaufführung. Darmstadt, 3. Mai. (Eig. Bericht.) Gestern abend war die Erstaufführung von Eima- rvsas „Heimlicher Ehe". Es ist dies eine ältere Oper, die von dem Regisseur des Landestheaters Eugen Keller bearbeitet worden ist. Die Aufführung hatte einen außerordentlichen Erfolg, nur die Dekoration im modernen Stila konnte nicht gefallen. Die AdulU erinnert lebhaft an Mozart. Vermischtes. Schwedens Eisenschätze. Din unermeßlicher Schah liegt im äußersten Rorden Europas, in den unerschöpflichen Ci enerz- lagcrn von K u n a b a r a, die ebenso die riesigen Hochofenanlagen des Ruh.'geb'.etes wie die großen Eisenwerie Oberschlesiens und der Tschechofliowakei, die englischen und belgischen Hütten sowie die kleinen Hüttenwerke der nordischen Länder mit Rohmaterial versorgen. Schon im 17. Iahrhunde t wurden die ersten Versuche gemacht, diese gewaltigen Lager auszubeuten, aber erst feit 1877 wurde die Ausfuhr durch Anlage von Dahnen und Verbindung mit der Küste möglich. Der Ausbau der Bahnlinien gestattete dann einen Export in immer größerem Umfang und verschiedene heimische wie ausländische Gesellschaften vervollkommneten die Ausbeutung, .lieber die Menge des hier vorhandenen wertvollen Erzes aber war man sich lange nicht im klaren, und,erst die staatlichen Bohrungen der letzten Zähre haben eine genauere Abschätzung gebracht, deren Ergebnisse Prof. A. Schwarz in der in Frankfurt,a. M. erscheinenden „älmschau" mitteilt. Danach besitzen die schwedischen und lappländischen Eisenlager eine Mächtigkeit von mindestens 1,5 Milliarden Tonnen, so daß bei einer durchschnittlichen Zahresausfuhr von fünf Millionen Tonnen, wie sie jetzt erfolgt, die Erzlager für>30 0 Mill. Jahre ausreichen würden. Der hohe Eisengehalt dieser Erze von 63 bis 70 (Prozent wird selbst von den berühmten spanischen aiti> afrikanisch m Erzvorkommen nicht erreicht. Dazu kommt noch der Phosphorgehalt, der zwischen 0,085 und 1.7 Prozent schwankt. Die phosphorarmen Erze, die für den Hochofenbetrieb früher so wertvoll waren, blieben bisher den schwedischen Hütten Vorbehalten. Rach der Feststellung durch dre neuen Ddhrungen nimmt aber der Phosphorgehatt der Erze mit zunehmender Tiefe ab, so daßmran jetzt auch phosphoracme Erze ausführen kann. Das ist von gidßer Bedeutung, denn der Preisunterschied zwischen phosphorfreiem und phosphorhaltigem Vrz beträgt 7 schwedische Kronen pro Sonne. Die spanischen Erzlager kommen mit ihren 150 Millionen Tonnen demgegenüber kaum noch in Betracht. Das größte Eisenerzlager der Welt befindet sich in den Vereinigten Staaten am Late Superior: seine abbaufähig« Erzmenge wird auf 3,5 Milliarden Tonnen geschätzt. Furchte europäische Eisenindustrie aber werden die schwedischen Schätze immer maßgebend bleiben. Büchertisch. — Die sch öne Literatur (EduardAve- narius, Leipzig). Die von Will Vesper, einem Führer, dem man sich schon anvertrauen darf, hei ausgegebene Zeitschrift gibt in all ihren übersichtlich gegliederten Teilen ein gedrängtes, aber sehr anschauliches Bild von dem Leben des von ihr gepflegten Gebietes. Sn der letzten Rümmer spricht Euringec über Th. Etzel als Ileberseher, Albert Soerzel über zwei neue „Leukothra"-Erscheinungen. Zahlreiche Bücherbesprcchungen und eine Zeitschriftenschau beschließen das Heft. — Hans Thoma. Ein Meister der Menschheit. Don Dr. Karl Anton. Mit 50 Abbildungen und einem sonst unveröffentlichten Bildnis des Meisters. (Vlll und 100 Seiten.) Verlag G. Braun, G. m. b. H. in Karlsruhe. Preis geh. 4, geb. 5 Mk. — Dieses Buch- ist die erftie umfassende Darstellung Hans Thomas als Persönlichkeit, als Lebensdeuter und Lebensdrzwinger. Dem Verfasser standen alle Quellen zu Gebote. Der Vorzug jahrelangen persönlichen Verkehrs mit dem Meister ließ ihm jene reichlich fliehent Alles, was außer dem bildnerischen Lebenswert an Aufsätzen, Gedichten und Gedanken, an Aufzeichnungen oder bedeutsamen Briefen vorlag als Ausdruck von Hans Thomas Persönlichkeit — von der- Jugendzeit an bis zu Beginn des Jahres 1924 — alles das fand seine Verwertung in 8cm vorliegenden Buch. — Das Wesen dieses Meisters wie sein innerer Werdegang wird plastisch herausgearbeitet. Besonderes Sntevesse bfufte die erstmals so aufgewiesene Entwicklung und Bedeutung der musikalisch-lyrischen Wesens- art Thomas erwecken ober die fesselnde Darstellung des Konflikts zwischen dem Dichter und Maler Thoma. Das Kapitel über Astrologie wird Viele zum Rachdenken anregen wie überhaupt das Buch auch demjenigen, der bisher Thoma ganz zu kennen glaubte, immer noch neue Anregungen geben wird. — Ilhland Gedichte. AuSgewählt mid eingeleitet von Prof. Dr. Hermann Schneider. Mit vier Bildern. Strecker & Schröder, Stuttgart. Halbleinen 3, Halbleder 5,50 Mk. — Mehr als 'bunber-t Jahre sind fett dem ersten Erscheinen von Uhlands Gedichten verstrichen. Richt gleich damals wurden sie Gemeingut der Ration, aber nach zwei Hahr-zehnten waren sie durchgedrungen und wurden für die dreißiger und fünfziger Jahre vertrauteste poetische Kost der Leser, bewundertes und beneidetes Vorbild der Dichter^ selbst Lenaus, Hebbels, Kellers. Storms. Sie gehören noch heute zum selbstverständlichen Besitze jedes Deutschen. Hermann Schneider, der älhland-Dio- graph, hat eine glückliche Auswahl aus den Gedichten getroffen, die der Verlag in dem schbnen Gewände seiner Sammlung deutscher Lyrik vvrlegt. »NechNche Nachrichten. Sdangellsche Gemeinde«. Gießen. Sonntag, 4. Mai. MisericordiaS Domini. Stadtkirche. 97,: Pft. Mahr. 11: Kinderkirche f. d. Matthäusgem. Pft. Mahr. Johannes- kirche. 9'/,: Pft- Bechtolsheimer. 11: Kinderkircht f. d. Lukasgem. Pft. Bechwlsheimer. — Wieseck. 9: Deichte. 9'/,: Sm Anschluß Feier des heil.Abend- mahls. VI,: Kirchl. Feier d. Aufnahme d. Kleinster in d. Schule.— Kirchberg. 10: Kirchberg: 11: hl Abendm. f. d. jungen Leute v. 6taufenberg; nm 17,: Mainzlar u. Staufenberg. Katholisch« Gemeinden. Gießen. SamStag, 3. Mai. 4'/, u. 7 Beichte. Sonntag, d. 4. Mat. 67, Beichte, 7 Messe, 8 Konu, 9 Hochamt m. Pred., 11 Messe m. Pred., 27, Christenlehre u- Andacht, 82orttag d. H. Dr. Stohr, Dienstag u. Freitag abds. 67, Maiandacht. Grünberg. Sonntag, 4. Mai. 97, Messe m. Pred. für SeseMft and 0®rvf für Sport und Erholung Das beste Rad L s Rheuma, Nerven- und 3$d)ia$, Kopfschmerzen Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Klinisch erprobt 3n allen Apotheken erhältlich. 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M Swettes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Die Straßenbahnfrage in Bietzen. Unter dem Drucke der furchtbaren TMrt* Ichaftskatastrophe und der immer rascher anlvach- ffenden Finanznot muhten die städtischen Körperschaften Ende Oktober v. Is. notgedrungen und schweren Herzens Len Strahendabnbe- !t r i e b stiUegen, Seit diesem Beschluß sind sechs Monate verslossen, die eine bemerkenswerte, günstige Aenderung der 'Verhältnisse mit sich brachten. Durch die Markstabilisierung ist die schlimmste Belastung einer jeden Wirtschaft, die von Tag zu Lag. ja von Stunde zu Stunde sich ändernde PreLgestaltung beseitigt,- hoffentlich auch für zimmer! Diese Wendung zum Des fern würde dem Strahenbahnbetrieb bei seinen Gestehungskosten zugute kommen. Auf der andern Seite besteht aber die Finanznot in dem Sinne noch fort, dah es nicht leicht ist, einem städtischen Betrieb, der schon in glücklicheren Zeiten ein Zu- schuhunternchmen war, Beihilfen aus dem Haushalt der Stadt zu geben, dessen Ausgleich ohne Strahenbahndetrieb schon allerlei Kopfzerbrechen Verursachte. In der Zeit der festen Markrechnung (1913 und 1914) erforderte die Straßenbahn bÄspielsweise alljährlich rund 20 000 Mk. Zubuhe. Damals konnten diese Beträge verhall- nismähig leicht gegeben werden, weil die Stadt für ihren Bereich noch die Steuerhoheit besah und aus diesem Wege die erforderlichen Mittel glatt beschaffen konnte. Heute ober, wo die Stadt in ihrer finanziellen Selbständigkeit sehr stark eingeengt ist und die Preise alles Bedarfs wesentlich über dem Bvrkriegsniveau liegen, ist die Ausbringung gleich hoher oder gar noch größerer Zuschuhsummen komplizierter. Diese nahstiegende älederlegung hat auch die Stadtverwaltung in sehr ernster Weise beschäftigt, als bei der Aufstellung Les Haushaltsplanes für 1924 ter Straßenbahn-Titel zur Beratung stand. Trotz mehrfacher eingehender Erörterung ist u. W. bislang noch kein Weg gefunden worden, auf dem Las mit Sicherheit zu erwartende Defizit bei der Wiederaufnahme des Strahenbahnbetriebs vollständig gedeckt werden könnte. ES ist uns nicht bekannt, um wieviel höher gegen früher die Stadtverwaltung den Fehlbetrag beim künftigen Strahenba-hnbetrieb veranschlagt, wir wissen auch nicht, inwieweit die regulären GeldbeschaffunMnöglichLiten der Stadt für Len neuen Haushaltsplan ohne Straßen- Bahnbetrieb schon cmsgeschöpft bzw. rechnerisch eingesetzt sind. Es gehört sich für einen verarrt- wortungsbonmhten, soliden Wirtschafter, dah er Vor der älebernahme von Lasten die Deckungs- frage eingehend prüft, und es zeugt eindrucksvoll für das hohe unb ernste Derantwortlichfeitsbe- wuhtsein unserer Stadtverwaltung, Laß sie auch hier nach diesem gediegenen Wirtschaftsgrundsatz verfährt. Wir möchten aber doch dazu raten, nun nicht etwa allzu ängstlich zu sein und einzig und allein um der noch nicht vollkommenen > Losung der Deckungsfrage willen das Straßen - bahmrntemehmen weiterbin brach liegen zu ^lassen. Wenn auch die wirtschaftliche Lage tm allgemeinen noch Anlaß zu manchen Sorgen unb 'Beschwerden gibt, so ist doch uiuoerfennbar, daß fauch im Wirtschaftsleben in unserer Stadt gegen- 'über Len Verhältnissen, die bei der Stillegung des Straßenbahnbetriebes herrschten, eine merkliche Besserung eingetreten ist. Zu beachten ist weiter, dah in den bevorstehenden Sommermonaten mancherlei Deranstaltungen hier stallsinden werden, die einen starken Besuch unserer Stadt von außerhalb versprechen, von dem Las heunffch? Gewerbe und auch die Straßenbahn, wenn sie bis dahin wieder fährt, beachtenswerte Vorteile chaben dürften. Durch tiefe Ereignisse würde das Gesamtbild unseres örtlichen Wirtschaftslcb.ns also noch freundlicher gestaltet werden. Erwähnenswert ist ferner, dah auch der Verkehrsverein, der jetzt unter der regsamen Führung des S.'adtv. W i n n einen starken Antrieb erlebt, allerlei Pläne durchführen will, die die Hebung des Fremdenverkehrs in unserer Stadt bezwecken, und auch daraus wird man sich wohl allerlei Butzen für Unser Gemeinwesen versprechen können. Ein wirksames Mittel zur Forderung dieser Pläne ist die Wiederaufnahme des St ahenbahnbetriebs. Man denke sich nur mal in die Empfindungen eines durch allerlei Werbearbeit hierher gezogenen Fremden hinein, wenn er bet seiner Ankunft am Bahnhof Wahl Stiahenbahng l e i s e, aber keinen Strahenbnhnv erkehr sieht, während dieser in vielen anderen Städten in Gang ist. Unter soich n Umständen würde ein Fremder wohl keine sonderlich günstige Meinung von unserer Stadt betam- men, und derartige Eindrücke bleiben bann auch nid# verschwiegen. Fäh.t die Strahenbahn ab.r und schafft sie dem erholungsuchenöen Reisenden Bequemlichkeit, so wird auch der Eindruck auf MWMWiMkM Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert von HanS Dominik. 86. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) «Halt! Hiergeblieben! Ihrem Vater ist nichts geschehen . . . Zeigen Sie uns, wo Sie Ihren Schmuck verwahren, und alles ist in Ordnung!" Mit einem tauten Schrei «Vater!" taumelte .Florence zurück. Wie im Rebel sah sie plötzlich Collin Cameron von hinten niedergerissen werden. Sie fühlte, wie ein Arm sie umschlang. Eine ihr so wohlbekannte Stimme drang an ihr Ohr. .Florence! Ich bin bei dir! . . Hierher, Kameraden! . . . Hierher!" Vom Erdgeschoß drang der Knall mehrerer Schüsse nach oben. Für die Plünderer in den Räumen ein Signal, schleunigst die Flucht zu ergreifen. Auch Co lin Camerons Be^l Iter waren im Augenblick verschwunden, ohne sich um den Führer zu kümmern, der halb betäubt am Boden lag. In den unteren Räumen unb im Garten entspann sich zwischen den fluchtenden Banditen und dem vordringenden weißen Stoßtrupp ein reguläres Fruergefecht. Alle Ausmerksamkell der Befreier konzentrierte sich hierhin. Der Lärm dieses Kampfes drang auch nach oben und weckte Collin Cameron aus seiner Betäubung. Er öffnete die Augen und sah um sich Schnell hatte ec die Situation erfaßt. Gr kannte das Haus von früher her gut und wußte, daß von KirrencenS Zimmern ein offener Balkon direkte Verbindung mit dem Garten hatte. Einmal ihn zufriedenstellend im Sinne unserer Stadt sein. Alle diese Erwägungen sprechen doch wohl für eine baldige Wiederaufnahme des Straßenbaim- betriebs. Es kommen aber noch andere, weitgr obere Gesichtspunkte bei der Behandlung der Strahen- bahnfrage in Betracht. Die Entwicklung unseres Gemeinwesens wird nicht stillstehen und sie darf auch nicht gehemmt werden. Im Gegenteil Haien wir allen Anlaß, sie zu fördern, soweit unsere Kräfte das gestatten. Hierbei ist die Straßenbahn ein hervorragendes Instrument. Sie muß der Vorposten einer entschieden großzügigen Verkehrspolitik werden, die sich zum Ziele setzt, nicht nur i n Gießen, sondern auch draußen in der Umgebung den Verkehr zu fördern unb ihn so zu gestalten, daß seine belebenden Auswirkungen der Stadt und den Rachbarorten zu weiterem Aufstieg verh.lfen. Ein Groh- Gießen mit weitgespannten Wirtschaftsmöglichkeiten mittels der elektrischen Straßenbahn anzu- flreben, auch wenn darüber noch manche Welle die Lahn hinunterflieht und mancherlei andere Hindernisse zu überwinden sein werben, das toäie wohl ein lohnendes Endziel, das freilich heute noch etwas in der Ferne liegt, lieber diese Gedanken wirb ein andermal noch mehr zu sagen sein. Gegcnwartsbedeutung hat aber dec Hinweis baixuif, dah die städtischen Körperschaften tm Oktober den Strahenbah.rbetrieb doch nicht um deswillen stillgelegt haben, well er überbauet einen Zuschuß erfordert, sondern nur deshalb, weil man zur Zeit der Beschluhfassung kein Ende des überaus beängstigenden Abwärtsgleitens auf der Einnahmenseite und des rasenden Aufwärtsschnellens auf der Ausgabenseite der Betricbsrechnung sehea konnte. Man hat damals UTizweifelhaft Sie richtige Entscheidung getroffen, unb wir selbst gehören ja auch zu denen, die sie gefordert unb auch gebilligt haben. Heute kann man aber von zahlreichen Stadtverordneten die ebenfalls nicht unzutrefsende Erklärung hören, dah man damals den Stillegungsbeschluh wohl nicht gefaßt hätte, wenn man die bald danach eintretende Stabilisierung unserer Berh'ältniffe auch nur hätte ahnen können: man hätte dann, nachdem schon so viel für den Strahenbahnbetrieb geopfert, sicherlich auch für diese kurze Spanne Zeit noch das Opfer auf sich genommen, um der Allgemeinheit dieses Verkehrsmtttel ununterbrochen zu erhalten. Diesen Herren unb all denen, die seinerzeit mit ihnen und den anderen maßgebenden Stellen der Stadt in einer Reih: standen, mag das Bewußtsein, daß eben niemand in die Zukunft schauen kann und man damals den Umschwung noch nicht einmal ebnen konnte, eine Entlastung sein. Aus dieser Meinungsbildung ergibt sich aber doch Wohl auch ber Entschluß, daß man für die Wieberingangsetz ung der El k° trischen eintreten und ber Verwaltung Zuschuß- mittel bewilligen wird, die von jeher als selbstverständlich angesehen wurden unb auch künftighin nicht zu vermeiden finb. Man wird sich im Hinblick auf die Zutunftsmöglichkeiten in Gießen ebenso wie z. B. in unserer Rachbarsladt Marburg, wo jpan den Betrieb der Straßenbahn Lurchgehalten hat, mit der Tatsache abfinden, daß bie Strahenbahn noch ein Zuschußbetrieb ist. für den man einstweilen ein etwas größeres Defizit auch toirb decken können. Man wird sich ferner ebenso mit einer gewissen Erhöhung des Fahrpreises gegenüber den früheren Beförderungssätzen abfinden, weil eben bie gairze wirtschaftliche Lage unausweichlich daiauf bin- drängt. Wir glauben nicht fehl zu gehen in der Amrahme, dah der Finanzausschuß und die Stadt- verordneten-Dersammlung bei der bevorstehenden Beratung des neuen Haushaltsplanes Listen Gesichtspunkten ihre ernste Aufmerkamkell schenken unb gemeinsam mit ber Stadtverwaltung bereitwilligst ein Unternehmen wieder in Gang bringen werden, das man unter ganz außergewöhnlichen Umständen durch einen der Lage an- gepatzten außerordentlichen Beschluß vorübergehend stillgelegt hat. Tin letztes Wort zur Wahl In den lebten Tagen vor ber Reichstags- Dahl haben sich die Parteien in besonders eindringlichen Aufrufen noch einmal an den Wähle r und den A i ch t w ä h l e r gewandt. Dieser letzte Appell der Parteien war ihr gutes Recht und ihre Pilicht. Denn es ist ein Unfug, in entscheidender Stunde den Unzufriedenen zu spielen, ober aus Bequemlichkeit der Wahl fernzubleiben. Durch die furchtbaren Erfahrungen des Weltkrieges und ber Rachkriegszeit hat das deutsche Volk in allen Schichten in einer Weise Gelegenheit gehabt, politisch denken zu lernen, wie noch nie feit hundert Jahren. Und doch gibt es immer aus dem Hause, würde er sich unter bie weihen Stoßtrupps mischen und sich bei Gelegenheit unbemerkt entfernen. n6n«tgims Der Spelulatton gegenüber. Trotzdem Warden aber He Kurse gut gehalten. Der unveränderten Sätzen hielt am Geldmarkt ebne gewisse Erleichterung an, ebenso tm Devisen- verkehr. Dediseumarkt Derliu—FraukfurL a. M. X5n Billionen öarf an8(r?brö5 56,55 5 10 Äwmwjfit 7’,»-’ 71,38 71,22 71,58 2 2 ^ttxfDolm . 111,12 111,68 111,12 111,68 2 3 Arlfinafor». 10,52 18.85 18,405 10,58 10,52 1J.58 t 5 Stelen. . . ■Scnbon.. . 18,93 18.435 4^?1 18,85 13.455 4,19 2 1 2 1 -teiiyort . . 4,IS 4,21 .1 1 'Pari» . . 27,23 27,37 27,23 27,37 1 1 Schweiz . • 74,81 15,19 74,61 74,39 2 2 Coanteu . • 57,76 -8,04 57,76 68,04 5 5 Dien in D - Ceft.abg*il 6,98 6,92 5,9) 6,0? voll voll ®rng .... Rubayeft. . 12,48 6,23 12,64 12,46 12,64 £2 L 0 5 5.27 5,23 voll V,'l Drren^Aires 1,355 1,365 1,375 10 11 DuIgarUn. Onpan . SMc 4 75 24 26,75 12,9 6,25 20.5 14,63 ’0,5 11,13 11,5 10,25 8,9 11,9 29,25 38 1,87 3,1 15 V 2,8 7,75 4,13 r/,% Hefferr 8*4 Hefte» . Deuts«-« Wer dlo-Dolll-Sch */. Honttirte Pt. Äoldmer ^cmmtri^ui Dannkt. nnd Deiiklche Va Denlsche ver Diseonto Llr tb. Dollar-Ank. atz-Anw«tsung n. .•*•••c. SaB» . . » • ✓ nase Naiioiialoank ■ ik....... einSbank .... mmanoit .... 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Hafer wird in größerem Umfange zu verkaufen gesucht, doch sind bei der Zurückhaltung der Verbraucher Abschlüsse nur schwer und zumeist nur unter dem Einstandspreis zu erzielen. Es notierten für je 1000 Kilo: Wei^n, mark. 170 bis 174 (still), Roggen, mark. 128 bis 134 (still), Braugerste 170 bis 183 (matt), Futtergerste 150 bis 160 (matt), Hafer, märk. 125 bis 132 (matt); für je 100 Kilo: Weizenm.hl 24 bis 26 (matt), Roggenmehl 19,75 bis 22 (matt), Weizenkleie 10,20 (stetig), Roggenkleie 8,90 bis 9 (stetig); für je 50 Kilo: Raps 310 (still), Leinsaat 410 (still), Viktoriaerbsen 26 bis 27, kleine Erbsen 15 bis 16. Futteverbsen 12 bis 13, Peluschken 11 bis 12, Ackerbohaen 14 bis 16, Wicken 12 bis 13, Lupinen, blau 12 bis 13,50, Rapskuchen 11,20, Leinkuchen 21, Trockenschmtzel 10,50, Kartoffeln, weiße und rote 3,20, Weizen- und Roggenstroh, drahtgeb. 1,15 bis 1,35, Haferstroh, drahtgepr. 1 bis 1,15, Gerstenstroh 0,95 bis 1,15, Häcksel 1,50 bis 1,70, Wiesenheu, gutes 2 bis 2,25, handelsübliches Heu 1,50 bis 1,80, Mielitzheu 1,20 bis 1,50 Mark. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. Mai. Es notierten für je 100 Kilo: Wetterauer 0&d’en 18 bis 18,25, Roggen 15,90 bis 16, Braugerste 20 bis 20,50, tafer, Inland. 15 bis 15,30, Weizenmehl, südd. lezial 0 27 bis 28,25, Roggenmehl 23 bis 23,75, Weizen- und Roggenkleie 9,25 bis 10,25 Mark. (3n einem Teil der Auslage wiLd^rhottj Eme DichtrgsteNrmg deS Abg. Kiudl. Darmstadt, 2. Maß (Eigener Bericht.) Auf die Anfrage des volksparteilichen Abgeordneten Minister Dr. Becker an den deutschnationalen Landtagsabgeordneten Kindt veröffentlicht dieser eine längere Erklärung in der „Hessischen Landeszeitung", in der er ausfuhrt, daß die Worte, die er nach einer Versammlung in Beerfelden im vertrauten Kreise gemacht habe, wesentlich anders gelautet hätten und daß es ihm ferngelegen hatte, die nationale Haltung des Abgeordneten Becker anzugreifen ober ihn zu verleumden. Dies gehe schon daraus hervor, daß er dem Gewährsmanne des Herrn Dr. Becker erklärt habe, er könne seine Äußerungen weitergeben. Diescr Gewährsmann habe Gespräche, die zu verschiedenen Zeiten geführt seien, verwechselt. Zum Schluß bittet Ab- get-roneter Kindt den Abgeordneten Decker, daß er von diesen Tatsachen Der DeTfenUMlett KemÄ? nis gebe. Gutachten und btietafiiierte Schulden. London, 2. Mai. (WTD.) „Daily Telegraph" berichtet aus Deuyork. daß die Dativ- nal-City-Bank, die größte finanzielle Einrichtung in den Vereinigten Staaten, öffentlich gemeinsam mit anderen finanziellen und kaufmännischen älnternehmungen für die Verminderung bzw. Streckung der alliierten Kriegsschulden an Amerika eintritt. Zn ihrem Monatsbericht weist die Dank die Amerikaner darauf hin, daß die Annahme des Reparationsplanes der Sachverständigen das formelleErsuchen Europas umDerringerungderSchul- de n an die Vereinigten Staaten nach sich Aief>at werde und daß die Amerikaner bereit fein mußten, eine Antwort zu geben. Der Bericht betont, daß der Sachverständigenplan eine wesentliche Verminderung der Reparationssumme bedeute. Die Belgier als Vermittler. London, 2. Mai. (WTD.) „Daily Ehro- nikle" führt in einem wie oben überschriebenen Artikel aus: Der Besuch der belgischen QHlnifter in Paris, London und Rom stellte einen endgültigen und sehr lobenswerten Versuch auf feiten der belgischen Regierung dar, zwischen ihren 3 Hauptalliierten eine Vereinbarung über den Dawesbericht zustande zu bringen. Auf der Gr» Wägung d^sen, was angeboten werden könne, um Pvin carß zu besänftigen, der sich vielleicht nach den französischen Wahlen weniger unversöhnlich zeigen Coerde, dürfe man gewisse bestimmte Tatsachen nicht vergessen. Der Dawesplan könne ohne diese vorgesehene internationale An lei he nicht durchgeführt werden und das Geld für diese Anleihe werde niemals ausgebracht werden, wenn nicht die Kapitalisten in der ganzen Welt konkret« Versicherung erhielten, daß Frankreich seine willkürliche Eingriffe in da s deutsche Wirtschaftsleben nicht wiederhole» wird. 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Dcutkchnationale Wähler und Wählerinnen, die auSaefnuhheitlichenGrün- den nm Wahltage mit Wagen zur Wahl abgebolt werden wollen, werden gebeten, dies im Wablbüro anzumclden. Nb 8 Ubr abends Bekanntgabe der Wahlergebnisse im Hotel Viciorig, Fern» fprecher 807. Der Borttand. AWWslleiW Telephon 1062 17 Marktplatz 17. i MoltkcatraBe 22 I, Zum billigen Laden, ZgUZuMüZ 32 Hierdurch gestatte ich mir, auf meine ung== unter obiger Firma aufmerksam zu machen. Unter dem Druck der Verhältnisse als reichsdeutscher Missionar zurückgekehrt, ist es mein Bestreben, beste Qualitäten in Konfektion, Woll- und Weißwaren nebst an gegliederter Papiefwaren- Abtcilung zu billigen Preisen zu bieten. Indem ich beste Bedienung zusichere, bitte ich um geneigtes Wohlwollen. Johann üi 11 berg. Deutsche Volkspartei! Letzte Mahnung! MfUe MMl ms WA Ms! im n IM km Ml! Seiner m n Sei Wie feilen! Wagt in Ruhe ab, welche Partei Ihr wählen mutzt. Den Parteien, die bisher jede Mitarbeit am Wiederaufbau des geknechteten Vaterlandes abgelehnt haben, die Verantwortung gescheut haben und die Parteiinteressen über das Wohl des Vaterlandes stellten (Stimm- freigabe der Deutschnationalen bei der WelfeNabstimmung in Hannover!), die nur „Forderungen" stellen, ohne die Wege zur Verwirklichung derselben angeben zu können, die den Klassen- und Rassenhatz predigen, den politischen.Gegner persönlich verunglimpfen, die sich in ihrer demagogischen Hetze nur an die Gefühle der Wähler wenden, allen diesen könnt Ihr am Sonntag Eure Stimme nicht geben. Auch Anhänger der heutigen Formaldemokratie, die sich in pazifistischen Ideen besonders gefällt, die Partei, die uns um die glorreichen Farben Schwarz-weitz-rot gebracht und die „den Todeskampf kämpft" (Heidebroek), könnt Ihr nicht wählen. Nicht Stimmungen und Verstimmungen dürfen entscheiden. Ueberlegt in Ruhe! die Partei der Reichsgründung wIjV mußl IVOlJlvIl» die Partei des Wiederaufbaus die Partei, die in der schwersten Stunde des Vaterlandes selbstlos und pflichtbewußt das Steuer in die Hand genommen und unerschrocken geführt hat! Deshalb wählt: Deutsche Volkspartei Liste: Dr. Becker - Schott - Dingeldey - Birnbaum m Wähler! Klein- und Sozialrentner! Unser Spitzenkandidat Dr. Becker hat am Sonntag öffentlich erklärt, daß eine der ersten Aufgaben des neuen Reichstags die Abänderung der 3. Steuernotverordnung fein muffe. MSv Sorgt, daß niemand sich feige der Wahlpflicht entzieht. Die Wähler der Deutschen Dolkspartei haben bei IMF* *=•■ 2 des Stimmzettels das Kreuz zu machen. — Wahlbureau am Sonntag im „Hindenburg" (Telephon 146). Wagen sind dort anzufordern. 2L 4L Generalvertreter: Hans Bieler, Gießen, Sudanlage 10, Fernsprecher 1499, 3600 D 3. Mai 1924 i'i'mi? Statt Karten: Verlobte oiene Mai 1924 Gießen 019778 Statt Karten! 3627D Offerten erbeten an RechtsanwälteSchauen & vi-.hecker inwetzlar Hanau a. M. Palast-Liclitsplele Lichtspielhaus 3605V Statt Karten! ■e Wetzlar Wi HERMES Gieße... Bahnhofstraße 60. Vorher: wioC 01 »««T billig nbAtifleben. j | Makkaroni und Eiernudeln 8 MtMK»11 W WWMW Noch täglich Aufnahme für die neuen Handelskurse. Großes Grotesk-Lustspiel in 5 Akten mit Max Linder. Julius Jakob Erika Jakob geb. Löb Mary Engel Fried Lindenstruth Ihre Verlobung geben bekannt Hanna Frey Erwin Schwalm Liebesgötter Ballettreigen ia einem Akt. Paula Heilbronner August Weil Verlobte Trauung- Montag 1180 Synagoge Großen-Duse» I. Roth, Treis o. h. £öo. Gießen, Wllhelmstraße 45 3. Mai 1924 Prima UM Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Fritz Gerhard Luise Gerhard geb. Roth Gießen, Kaiserallee 27 Mai 1924 Handelsschule 019782 Sophie Betzold Paul Neumann Verwaltungs-Inspektor Verlobte Heute und morgen: Um Mitternacht unm Pavillon m 5 Akte. Nach dem Roman „Homo sum“ von Walter Scott Hauptdarsteller: Hanna Ralph ::: Hans Wengraf ■ •)' ->■..■■ • f yi«-: < ENMBEKORD piE .ANERKANNTE ßUALITATÄ—ZIGARETTE! AOUWMtzMM MALZMANN-ZIGARETTE Beteiligung. Mtemgesührte Großhandlung sucht tätigen oder stillen Teilhaber. Erforderliches Kapital sofort ca. 8000 Mk., binnen eines Jahres weitere 12—15000 Mk. T.OAGT Df-JE JCHUTZMABKE Solide Maßarbeit in Korsetten moderner Formen Büstenhalter, Orad- halter, Leibbinden und Reformen fertigt Frau 0,9770 Elise Damm Wilsonstraße 10. Drucksachen aller M stattung stilrein »nd^ preiswert Öle vrühl'sche Universttäls Druckerei. R. Lange. Gießen. 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Das steht außer Frage. 3n dieser Weise von außen und innen gepackt und in drangvolle Mitte genommen, wurde unser Staat zerdrückt. Wahrlich, das alte Preußen- Deutschland kann auf dieses Ende stolz sein, kann auf Grund dieses Schicksals einen erhabenen unb rühmreichen Stolz auch noch im Untergang fühlen. Derrn das Aufgebot der ganzen Welt war erforderlich, um diesen Staat zu zerschlagen — in der Lat ein glänzendes Zeugnis für die einzrge Kunst der Baumeister, die diesen Staat einst errichtet hatten. Die Kraft der Welt mußte cherbei- gcrufen werden, um diesen selsen'harten Staat zu zermalmen — die 'höchste Anerkennung und Auszeichnung, welche ihm angedeihen konnte. Eine unvergleichliche Verantwortung hat die soziale Revolution übernommen, als sie diesen Staat langsam aber stetig zersetzte. 3n feiner Weise iwar es ein Musterstaat, ein wrnrderbares Kunstwerk des Menschengeistes, das damit niedergestreckt wurde. Ob unsere revolutionären Kräfte wvhl fühlten, welche Verantwortung sie mit der Zerstörung dieses großartigen Staatsgebildes auf sich luden? Und we'he, wenn sie die hohe, tfaum tragbare Verantwortung einer fo ungeheuren Unternehmung nicht empfunden haben! Das rächende Schicksal rückt heran. Das deutsch? Doll besinnt! sich langsam, zieht die Zerstörer des gesunkenen Staates zur Rechenschaft. Es wälzt ihnen gleichsam nachträglich die Verantwortung für diese Tat vor die Füße. Können die Träger der Revolution diese Prüfung bestehen? Mit atemloser Spannung mußte man abwarten, ob die Sozialdenrokratie, die das Erbe des kaiserlichen Reiches antrat, den Weg zu schöpferischer staatlicher Kraft finden, ihre revolutionäre Vergangenheit überwinden und hinter sich lassen werde. Wie schwer und selten es ist, daß, revolutionäre Mächte sich aus ihrem revolutionärem Charakter emporarbeiten, aus dem Gerste der Zerstörung zur Kraft gestaltenden Schaffens den Uebergang finden, habe ich angedeutet Wie stellte sich die revolutionäre Demokratie in Deutschland zu dieser Ausgabe? Fünf lange Jahre hat sie Zeit gehabt, diese Umbildung in ihrem Charakter und in ihrem Verhalten vorzunehmen. Sie hat mancherlei Ansätze gemacht, hat hin und wieder einen Anlauf genommen, um eine staatsschöpferische und staatserhaltende Macht zu werden. 3m ganzen aber hat sie sich von ihrer revolutto-^ nären Vergangenheit nicht befreien können. Diese hängt ihr unabst reif bar an. Sie wollte das eine und das andere, nämlich einen neuen Staat auf- richten und doch zugleich die alte revolutionäre Methode des Klasseickampfes, die sie enrporgetra- gen hatte, nicht von sich, tun. Sie wollte sich nicht von dem radikalen Kommunismus, der ihr nachrückte, in der Schärfe des Klassenkampfes übertrumpfen lassen. 3mmer lugte sie nach diesem Erben und Nachfolger ihrer eigenen revolutionären Arbeit und Vergangenheit hinüber. Das bannte ihren Blick in eine falsche Richtung. Dadurch vermochte sie den positiven Aufgaben, die ihr durch den Sieg über den alten Staat zugefallen waren, nicht gerecht zu werden. Sie erstrebte etwas Unmögliches und Unvereinbares, nämlich den Klassenkampf fortzusetzen und zugleich einen Staat zu gründen und auszugestalten!. Klassenkampf aber und Staat sind unüberbrückbare Gegensätze. Der Klassenkainpf ist ein treffliches Werkzeug der Staats Zerstörung, aber nicht des Staats a u f b a u e s und der Staats- b i l d u n g. Denn der Staat steht über den Klassen, er ist die Einheit der mannigfaltigen! Glieder und Gruppen im Vollstum. Wer den Klassenkampf predigt, ist für staatsmännisches Wirken in hohem Sinne verloren. Aus diesem inneren Widerspruche leitet fid), das eigentümliche Schwanken der Sozialdemokratie seit Ausbruch der Revolution her. Sie hat mit chiesem un= •) Obigen kurzen Auszug aus dem Schlußkapitel des neuen Werkes des bekannten Staats- philosophen „Drei Wege Ideen zur deutschen Politik" (R. Oldenbourg, München) schicken wir einer eingehenden Würdigung voraus, weil wir gerade diesen Ausführungen eines dem Parteigetriebe sich bewußt fernhaltenden Politikers für die morgen zu fällende Entscheidung die größte Bedeutung beimessen. Landwirtschaft und Gartenbau. Kochsalz und Futterkalk für Milchkühe. GS ist ja bekannt, daß nicht allein für Kühe, bzw. Milchkühe, die Beifütterung genannter Stoffe vorteilhaft ist, sondern für alle anderen Haustiere auch, namentlich zum Aufbau des Körpers für Jungtiere. Es jst aber nicht allgemein bekannt, daß für Milchkühe die Gaben nur dann vorteilhaft zur Regelung bzw. Besserung der Verdauung und Mllchergiebigteit sind, wenn sie präzisiert, d. h. in bestimmten Mengen verabreicht werden. Nach Gutdünken diese Stoffe zu geben, ist verkehrt, ja oft schädlich. Die beste Verdauung und größte Milchergiebigkett findet bei einer täglichen Gabe von 25 Gramm Kochsalz für eine Milchkuh statt. Steigert man diese Dosis etwa bis zur doppelten Quantität, so tritt eine Verminderung der Milchsekretion, vermehrte Wasseraufnahme und leicht Durchfall ein. Was die Kalkgabe anbelangt, so ist diese nur am vorteilhaftesten bei einer täglichen Gabe von 15 Gramm für eine Milchkuh. Wird sie bis zur doppelten oder dreisachn Menge gesteigert, so tritt ebenfalls ein Rückgang in der Milch ein. Dann aber ist die Verwendung dieses Stoffes meiner Ansicht nach am nötigsten, wenn das Rauhfutter (Heu) arm an phosphorscmrem Kall ist. Bei reichlicher Schrotfütterung und gutem Heu ist eine Kalkgabe (phosphorsaurer Kall) unnötig. Zum Schluß bemerke ich, daß 15 Gramm gleich einem abgestrichenen Eßlöffel voll zu bewerten sind. Dieses gilt vom Kochsalz. Dom phosphorsauren Kalk, der nur in gereinigter Form zu geben ist, kann eine 3Dee mehr verabreicht werden. Tierarzt Ehlers. Soltau i. H. Kolik bei Pferden und ihre Bekämpfung. Erne häufig auftretende Erkrankung derPferde ist die Kolik. Ihre Merkmale sind unverkennbar: Das Pferd ist aufgebläht, scharrt mit den Füßen, wirft sich häufig hin, wälzt sich ist unruhig und frißt nichts. In einem solchen Falle muß man vor allen Dingen verhindern, daß sich das Pferd aus dem Rücken wälzt, da dann leicht eine Darmverschlingung eintreten kann und das Pferd dann meistens geschlachtet werde,, muß. Gin altes Mittel, das selten seinen Zweck verfehlt, ist G 1 a u b e r s a 1 z. Man nehme ein halbes Pfund Glaubersalz, löse es in eine Weinflasche ge- kochten heißen Wassers auf und gebe es dem Pferd ein, aber nicht zu heiß. Dann mache man ein Klistier mit lauwarmem Seifen wasser. Wenn das nicht hilft, gebe man nach einer Stunde noch einmal ein halbes Pfund Glaubersalz, toenn die Anfälle sehr schlimm sind, schon nach einer halben Stunde. Dazu reite oder fahre man das Pferd, daß es in Schweiß gerät. Das Glaubersalz kann auch pulverisiert in Weizenmehl-Kügelchen eingegeben werden. Man drehe aus Wasser und Weizenmehl flehte Kugeln von der Größe einer halben Männerfaust und verteile das halbe Pfund Glaubersalz auf ca. 5—6 Mehllugeln. Diese werden dem Tier ganz hinten in den Schlund gesteckt, so daß es schlucken maß. Schrebergärtners Arbeiten im Mai. Der Frühling, trotzdem er in diesem Jahre fo lange auf sich warten ließ, ist da. Alles neu macht der Mai! Im Obstgarten schwellen die Blütenknospen. Bei manchen Sorten stehen sie dicht vor dem Ausspringen. Da ist jetzt ausgiebige Bewässerung dringend notwendig, um den Fruchtansatz zu fördern. Namenttich auf etwas hochgelegenen, leicht abtroctnenben Böden ist solches ganz unerläßlich, wlll man nicht zur Zeit der Ernte arg enttäuscht werden. Auch zur weiteren Entwicklung der Früchte ist viel Wasser erforderlich, so daß eine öftere Zufuhr von Wasser während des ganzen Sommers nur von Virtcil ist. Auch neugepslanzte Bäume sind wiederholt zu wässern. Das Pfropfen bzw. Umprvpfen wird fortgesetzt. Da in der ersten Hälfte des Monats noch in der Regel wiederholt Nachtfröste auftreten, sind frühblühende Spalierbäume, besonders Pfirsiche und Aprikosen, durch Behängen mit Säcken, Matten ober dergleichen zu schützen. Beim Weinstock ist das Anheften der Reben zu beenden. Die stärksten jungen Triebe wähle man zu Fruchtreben aus, die schwächeren werden entfernt bzw. gekappt. Die Fruchtruten der Himbeeren sind anzubinden. Erdbeeren erfordern ausgiebige Bewässerung. ihn den Boden vor dem zu raschen Aus trocknen zu schützen, belege man denselben mit Stroh, Lohe oder bergt Während der Obstblüte treibt der Apfelblütenstecher sein Wersen. Man suche ihn mit allen Mitteln zu bekämpfen, ebenso, wie die Raupe des Ringelspinners, die sich an dem jungen Laube gütlich tut. Auch Blattläuse, Blutläuse und Schildläuse sind nach Möglichkeit von den Bäumen sernzuhalten. Im Gemüsegarten beginnt die Hauptsaat- und Pflanzzeit. Was der Witterung wegen im April nicht getan werden konnte, wird jetzt ungesäumt nachgeholt. Don manchen Aussaaten des April wird jetzt eine zweite vorgenommen, wie z. B. von Erbsen, Karotten, Radies, Spinat usw. Nur fo sichert man sich ehren fortlaufenden Ertrag dieser Gemüse. Die verschiedenen Kohlarien, Salat, Sellerie, Porree, Tomaten, Zwiebeln, Schalotten werden jetzt gepflanzt. Bohnen legt man in der ersten Hälfte des Monats. Mit Gurken unb Kürbis wartet man besser bis nach den drei Eisheiligen, ba der geringste Nachtfrost diese zarten Gewächse 'unweigerlich vernichten würde. Späte Kartoffeln sind, soweit noch nicht geschehen, möglichst bald in die Erde zu bringen. Bei allen Samen wende man tunlichst die Reihensaat an und säe sie dünn, daß ein Verziehen später möglichst unterbleiben kann. So reicht man mit knappem Vorrat sehr weit. Die ersten Erbsen werden behäufelt bzw. mit Reisig besteckt. Alles jlntraut ist schon möglichst im Entstehen zu bekämpfen. Fragekasten. Frage 16: Aus meinem vergrößerten Garten soll ein Teil der ilnEoften durch Gemüseverkauf gedeckt werden. Was ist am einträglichsten für den Markt? 1 Antwort: Wir taten Ihnen zum Massenanbau von Buschbohnen und Erbsen. Lohnender Absatz ist hierfür immer vorhanden, und was etwa nicht grün geerntet werden kann, läßt man reif werden und ‘oertauft es in trockenem Zustande. Von Bohnen hat sich hierfür besonders HrnrrchS weiße fadenlose, von Erbsen Buchs bäum Schnabel, 30 Zentimeter hoch werdend, bewährt. Übler Mundgeruch wirkt abstoßend. Häßlich gefärbte Zähne entstellen bai schönste Antlitz. Beide Übel werden sofort tn vollkonnnen unschädlicher Weise beseitigt durch Zahnpaste Chlorodont. klaren Schwanken kostbare, imtoieberbring 1 iche Jahre verstreichen lassen. Es schien, als ob endlich die revolutionäre Partei, welche den alten Staat gestürzt hatte und seitdem aus einem unklaren Schwanken nicht herausgelangt war, den entscheidenden Durchbruch unb Uebergang zu staatsbildender Kraft unb Arbeit finden würde. Allerdings nur unter einem namenlosen Druck, was schon bedenklich war. Denn nur die freiwillig aus innerer Reber» zeugung hervorgehenden Handlungen pflegen Bestand au haben. Was aus einer Zwangslage her- ajggequält wird, zeigt meist keine Dauer und Folgerichtigkeit. Die Franzosen waren ins Ruhrgebiet eingebrochen, hatten dort eine grauenvolle Gewaltherrschaft ausgerichtet, hatten damit den furchtbaren Vernichtungsschlag gegen die deutsche Wirtschaft geführt. Der mutvoll und begeistert aufgenommene Widerstand mußte, m die Länge grzc gen, das Mnglücf qualvoll vergrößern. Die Not stieg aufs höchste. In diesem unheimlichen Augenblick entschloß sich endlich die Sozialdemokratie mit den übrigen Dollsteilen gemeinsam, auch mit jenen Schichten zusammen, die das wirtschaftliche Unternehmertum, den vielgeschmähten Kaprtalismus zu vertreten im Rufe stehen, eine einheitliche Regierung zu bilden. In biefem schweren, feit dem Kriegsende schwersten Augenblick tatlos beiseite zu stehen, glaubte die Sozialdemokratie nicht verantworten zu können. Sie trat tn die Koalition ein, und einen kurzen Augenblick ging es wie ein Aufatmen durch die Natron: nun werde endlich die verbundene Kraft der ver° schudenen Volksschichten, durch die eiserne Rot zusammengeschmredet, den deutschen Staat aus dieser Not 'heraussteuern und em neues, gefestigtes Staatswesen aufbauen. Aber der Fluch der Ver- gangen'ßeit — wer immer nur verneinen und.zerstören muß, auf dem ruht ein bunfler .Fluch — brach von neuem über die sozialistische Partei 'herein. Sie schreckte vor ihrem eigenen Mut zurück. Sie gab ein wahrhaft erschütterndes Schauspiel inneren Zwiespaltes unb innerer Ohnmacht. Sie ist eingetielen in die Koalition unb ausgetreten und wieder emgetreten unb wieder ausgetreten. Wahrlich, smnfälliger konnte sie ihre Haltlosigkeit nicht offenbaren. Durch diese ziellose Schwäche bat die revolutionäre Partei für irnmir ihre Unfähigkeit bewiesen, den revolutionären Charakter abzustreifen und sich zu einer staatsbildenden Kraft emporzuringen. Unb so wiederholt sich hier das oft erlebte Schauspiel, das ich soeben beschrieb, nämlich daß die Revolutionen so tief entt-lrschen, weil die revolutionären Mächte nicht den Weg zur schöpferischen Lebensanschauung und Staatsgestaltung finden können. Dieser Dorgang im deutschen Staatsleben muß nun sehr bedeutsame Folgen und Auswirkungen 'haben. Nun geht notwendig die geschichtliche Ausgabe auf die vechtsste'henden Kräfte, die diel Träger der Ueberlieferung sind, über. Nun müssen diese das Staatssteuer ergreifen, die Neuordnung und den Umbau des Staates ausführen die Aufgabe, welche die Revolutionäre wegen ihrer negativen Haltung versäumten, ihrerseits vollbringen. Jetzt, denke ich, wird man erkennen, wie entscheidend die jüngsten politischen Dorgänge gewesen sind, die den geschichtlichen Verzicht der revolutionären Partei an der Zukunftsgestaltung des deutschen Staates bedeuten. Seit der Revolution ist dieses Ereignis in der inneren Politik das folgenschwerste. Hetzt muß die Nation die Antwort auf .die Revolution geben. Jetzt tritt die Rückwirkung ein wider den Ansturm auf den überkommenen Staat. Was wir bisher erlebten, war der erste Akt 'der Revolution. Jetzt beginnt der zweite Akt. Auf jede Revolution folgt eine Reaktion. Diese Reaktion ist bei uns mächtig tm Anzuge, erobert immer weitere Kreise. Nachdem die Revolutionäre ihren Beruf verfehlt haben, ihrer geschichtlichen Sendung untreu geworden sind, fällt nunmehr unausbleiblich ihre Aufgabe den Gegnern zu, welche sich rüsten sie abzulösen und die Macht im Staate wieder an sich zu reißen. > Nur eins ist zu bedenken, für eins ist Sorge zu tragen — und das ist nunmehr die große Verantwortung der rechtsstehenden politischen Kräfte in unserem Voll — daß sie, wenn sie die verlorene Macht wieder gewinnen, dann auch, wirklich das tun und ausführen, was die Revolutionäre ihnen als ungelöste Aufgabe überlassen 'Haben, nämlich den Neubau und Ausbau deS Staates in verjüngtem Geist zu vollziehen, nach Zielen und Ideen, die der Gegenwart und.ihrem Wesen Genüge leisten. Andernfalls laden sie eine noch größere Schuld auf sich als die Nevolutio- näre, welche den alten Staat zerschlugen und keine.» Ersah, keine befriedigende Nachfolgerschaft für den zertrümmerten Staat zu schaffen mußten. Verlangt die guten CALMON Hanfa-Gununiabfatze Sonntag-Abend. Don F. R e h n e l t. Am Gartenhaus am Waldessaum Dlühn blau die ersten Veilchen. Aus einer Bank am Kirschenbaum Träum gern ich dann ein Weilchen Wenn in dem abendstillen Wald Von fernerer ein Lied verhallt. In feierlichem Schweigen «Sich leis die Wipfel neigen. Wenn dann der Sonnenuntergang Die Flur in Purpur taucht, Wird voll das Herz mit heißem Dank älnd von den Lippen haucht Ein still Gebet, es steigt empor Vereint zu hohem vollem Chor Don allen, die empfunden Tief solche Feierstunden. Wohnungskultur. Don Will Rinne-Varel. Am Campanile Givttos in Florenz firtb neben den sieben Sakramenten die Wissenschaften unb Künste symbolisch dargestellt. Ein schöner Beweis, daß im Mittelalter bei aller Angst um das Seelenheil die Ehrfurcht vor den Denkern unb Dichtern und Künstlern lebendig war. Trotz aller kirchlichen Einengungen war eben der Wille zur Schönheit zu mächtig, nicht unterdrückbar das Stieben, durch den Sieg der Freude das Leben zu vergolden. In der Einrichtung der Häuslichkeit vor allem erhielt dieses Wollen klarsten Ausdruck, fand die schillernde Fläche des Lebens frohe Beachtung, gestaltete der schönheitsempsindende Mensch die Umtoett zum richtigen Rahmen für feine Persönlichkeit. Die hoffnungsvollen Ansätze zur Wohnungskultur, die sich in unferem Volke als Ausdruck ästhetischer Sehnsucht zeigten, sind leider durch den Sturm des Krieges, durch die Unruhe der Nachkriegstage und besonders durch die Hatz der Inflationszeit in ihrer Entwicklung gehemmt, toenn nicht gar vernichtet worden. Nur klare Erkenntnis des Notwendigen und Möglichen und zielbewußte Arbeit tonnen die Freude am schönen Raum wieder zum allgemeinen Volksgut werden (assen. Schöne Gegenstände fassen sich nicht nach- ahmen, sie lassen sich nur schaffen. Schassen für jeden Stand, seiner Art und seinem Zweck entsprechend. Diese Selbstverständlichkeit ist in den letzten Jahrzehnten nur zu oft vergessen unb durch marktschreierische Reklame verdunkelt worden. Die Industrie warf Massenartikel auf den Markt, versuchte schlecht und billig nachzumachen, was nur gut unb teuer entstehen kann. Es waren Fälschungen, die das Wohlbehagen störten, weil sie minderwertigem Material den Schein des Wertvotterr aufbrücken wollten, die den Geschmack verletzten, weil sie durch Dutzendware ehrliche Meisterarbeit zu verdrängen beabsichtigten. Wer sich neu einrichtet, sollte Größe und Form der wichtigsten Möbel mit seiner Persönlichkeit in Einklang bringen. Sein Charakter, seine Beschäftigung, selbst seine äußere Erscheinung muß mit den Dingen seiner Umgebung unb seines täglichen Gebrauchs harmonieren. Sie gehören zu seiner äußeren Person wie die Kenntnisse zu seinem inneren Wesen. Ohne diese Einheit vvir Persönlichkeit unb Sache streuen die Dinge Freudlosigkeit um sich, stören die stillselige Zufriedenheit, das bescheidene Behaglichsein, die beide aus geschmackvoller Harmonie des Lebens entspringen. Die Märchenbich ter und die Kinder haben nur zu recht: nichts ist unbeseelt, und die Stimmung beschaulicher Htunden hängt in stärkerem Maße von den Gesichtern ab, mit denen uns der Hausrat betrachtet, als der moderne Mensch es wahrhaben tojll. Neid und Sucht, vor anderen zu glänzen, ließen Surrogate entstehen. Wer damit vorlieb nimmt, täuscht sich selbst, indem er anderen etwa» dorspiegeln will. Don solchem Irrtum müssen wir uns wieder befreien. Nur Echtes sollte in unseren Räumen Platz finden. Für jeden Gegenstand eignet sich ein Material am besten, nur durch Verwendung dieses Stoffes ist künstlerische Wahrheit auszudrücken. Sobald das charatteri- stssche Aussehen eines Stoffes künstlich hervorgerufen wird, sobald sich ein Ding maskiert, um einen vornehmeren Eindruck zu machen, wird es ein Mittel der Blendung. Für einen Menschen von Geschmack und Kultur kann es darum nur heißen: Weg mit dem Täuschungsstil unb seiner falschen Pracht, seiner fasschen Gemütlichkeit, feiner falschen Vornehmheit, seiner verlogenen Billigkeit. „Halte auf Treue und gewissenhafte Ausführung, auf Vollendung unb Wohlgefälligkeit", mahnt Ruskin. Unb gerade die liebevolle Arbeit an den Möbeln, die verständnisvolle Formung in geistiger Muße und die kunstgewerbliche Mei» flerbeßanblung des Materials zu vorbedachtem Zweck, ist unerläßliche Voraussetzung für das Schaffen einer Häuslichkeit voll Schönheit unb Wärme und Zufriedenheit und Behaglichkeit. Diese Sorgfalt tm kleinsten ist das Kennzeichen des ernstlich arbeitenden Meisters, der jedem Dinge Leben gibt, weil er aus lebensvoller Schöpferkraft schifft. * Emil ©edel f. Emil ßedcl ist vor einigen Tagen in feiner badischen Heimat einem schweren Leiden erlegen, das ihn schon feit längerer Zeit seiner Arbeit entzogen hatte. Mit ihm verliert die deutsche Rechtswissenschaft einen ihrer ausgezeichnetsten Vertreter Seckel, ein geborener Heidelberger, hatte sich im Jahre 1895, einunbbreißig Jahre alt, in Berlin als Privatdozent habilitiert, unb war dann, im Gegenteil zu der regelmäßigen Derufs- laufbahn deutscher Gelehrter, als Lehrer unb Forscher ausschließlich in Berlin tätig, wo er 1898 zum außerordentlichen, 1901 zum orbentlichen Professor ernannt wurde. Sein Feld war das römische Recht unb dessen Entwicklung im Mittelalter, daneben das kanonische Recht. Er verfügte über ein Wissen von außerordentlichem Umfang und eine lebendige Anschauung nicht nur der Rechtskultur, sondern der gesamten geistigen Entwicklung und der wirtschaftlichen Zusammenhänge. Aber es ist auffällig, daß dieser ungewöhnliche Kopf so gut tme nichts in zusammenhängender Darstellung verössentlicht hat. Merkwürdige Hemmungen müssen das verhindert haben. Er arbeitete langsam. Das Produtt seiner Arbeit war vollendet. Eine große Reihe von Ginzelabhanblungen hat er zu Sammelwerken, Lexiken und Festschriften beigefteuert, die bekannte Ausgabe der Institutionen des Gajus mit Kübler zusammen geschaffen, bas Kirchenrecht feines Schwiegervaters Hin- schius neu bearbeitet. Seine 1911 veröffentlichte Arbeit Über die „Distinctiones glossatorum" verwertet die zahlreichen Funde seiner Handschriftenforschung, unb über die Rechtssammlungen (Kapitularien) des Denedictus Levita unb die Pseudo- isidorische Dekretalien hat er eindringliche Untersuchungen angestellt. Im Hahre 1912 wählte ihn die Berliner Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitglied, der von Juristen damals nur Heinrich Brunner angehörte. 1920 war er Rektor der Berliner Hniberfttät. Eine unvergleichliche Beherrschung eines wichtigen Gebietes der Rechts entwicklung wird mit ihm zu Grabe getragen. WIWWWIW» .................................—....................■............................ erner-Butzbach Der amtliche Stimmzettel sieht so aus: 3480v 3503a 5. hoeusserbund. 5. £t|e bei Kommanit en. Dr. Be*er Schott Dingeldey Birnbaum Haeusirr Skumowitjch Ulrich Dr. David Dr. Ouesiel Deckmann Graf v. Dothmer --- 2. Deutsche vottrpartei. 1. vereiulgte Sozialdemo. statische Partei. vottrpartei und vSMsch. vaterländischer Vlvck. Dr. Werner in der Weise wie es untenstehend eingezeichnet ist. Gewählt wird von 8 Uhr vorm. bis 5 Uhr nachm. Wählt mög^ lichst vormittags! Ferner Bleistift mitbringen und, wer Brille trägt, die Brille nicht vergessen! Professor Dr. 5 steht und macht aus dem Einhettsstimmzettel, den er im Wahllokal erhalt, in den Kreis beim Wahlvorschlag unter Nummer G ein Kreuz 4. Deutsche vemostattsche Partei Hessen-Darmstadt. S—s. Korell \ Heidebroeck J Eberle ---' Schneider AGA-SIEGE ein schlagender Beweis der Leistungsfähigkeit Wähler! Aufgepatzt! Wer völkisch und national wählen will, wähle den MsWlimleii VWsMU an dessen Spitze der alte Vorkämpfer des völkischen Gedankens I Eintritt 25 Pf., Erwachsene 50 Pf. Rundfunkhaus Löberstraße 12 IlnßH.lhll-Hih.dliilll.lilllllllitlllllllillllllllllilirillllllhllllllllllilllllllillllllllllllilHiiHlülilillllllllUniili..............................IIIIIIIIII1II.......................... Sonntag, 4. Mai, 3 Uhr nachmittags Für die Kinder Konzert und Märchenerzählung Ende 5 Uhr Verkauf: AutO-SChnelder • Gielen Marburger Str. 68 Telephon Hr. 2057 3502 eingetroffen. 019749 R. Diefenbach, Gießen Neustadt u Telefon 956 Fast noch neue sehr nut erhaltene Senttmofdiine umständehalber sehr preiswert zu verkaufen. 019111 Dollar Hauptstraße 138. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiuni Merkles liefert prompt L. 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Dr. Bockes Amt Gießen Telegramm aus b e r 1 1 n 80 33/82 W.den 29.4.um 8 Uhr naohm. N Sund der «rufe«. ein O vr. Werner * Vr.Meesmann | Naab Naumann MeäWBttWt 9kW!! ‘ Unser Kampf gilt den / Irrlehren des Marxismus und Pazifismus. Wir wollen frei werden von den auf Lug und Trug aufgebauten BestimmMgen von Versailles. Wir erstreben die grohdeutsche Volksgemein, schäft auf nationaler, völkischer und sozialer Grundlage. Freunde! Ani 4. Mai können wir unserem Ziele beträchtlich näher kommen, wenn jedes Mitglied eine der Rechtsparteien wählt! Deshalb ist Wählen nicht nur ein Recht, sondern ernsteste vaterländische Pflicht! Wer nicht wählt, stärkt unsere Gegner. Der Vorstand. I. A.: Dr. Lenz, Gießen. Vor der Entscheidung rufen wir unsere Mitglieder, Freunde und Gäste zu einer aus Samstag, den 3. Mai, abends 8ViUhr, in den Felsenkeller, Bahnhofstr. Kein Mitglied, kein Mann und keine Fran darf fehlen! 3488 Der Vorstand. Was will der Bund der Geusen? Weshalb hat der Hypothekengläubiger- und Sparer-Schutzverband diesen Namen gewählt? — Der Bund der Geusen ist eine Vereinigung der durch die III. Steuernotverordnung Entrechteten und Beraubten! Wie der Name „Geusen" den Niederländischen Entrechteten und Beraubten ein Ehrenname wurde, so soll auch den Eutrech. teten und beraubten Deutschen dieser Name ein Ehrenname werden, unter dem wir den Kampf bei der Reichstagswahl aufnehmen. Er soll alle Entrechteten und Beraubten zu uns führen und ihnen die Möglichkeit bieten, den Kandidaten ihre Stimme zu geben, die ohne Rücksicht auf Parteiinleressen und die dahinterstehenden großen Finanzgruppen unentwegt daran festhalten, daß die UI.Steuernotverordnung der schamloseste Rechts- bruch ist, den die Geschichte kennt und daher aufgehoben werden muß. Wir verlangen: 1. Daß unter billigem Ausgleich der Interessen von Gläubiger und Schuldner alle langfristigen Forderungen, wie Hypotheken, Pfandbriefe, Industrieobliaatio- nen, Lebensversicherungsansprüche, Leibrenten usw. aufgewertel werden, 2. daß die Auswertung sich auch auf die vorbehaltlos getilgten Ansprüche und Hypotheken erstreckt, 3. daß unbeschadet des Iinsendienstes durch eine angemessene Sperrfrist dem Gläubiger ermöglicht wird, an der Wiedererlangung der Dorkriegswerte teilzunehmen, 4. daß derIinsendienst der üffentl.Anleihen unterAnpassungandiefortschreitendeBes- serung in der Lage von Reichs-, Staats- u.Gemeindefinanzen wied. ausgenommen wird. Wir treten weiter ein für den Schuh der in ihren Rechten verkürzten Beamten, offiziere und Pensionäre, sowie deren Witwen und Waisen und dasür, daß den Kriegsopfern, mögen sie einen Namen haben, wie sie wollen, das gegeben wird, was ihnen als Dank des Vaterlandes versprochen wurde. Wer diesen unseren berechtigten Forderungen zustimmt, gebe am Wahltage seine Stimme dem Bund der Geusen, der in seinem Spitzenkandidaten Herrn Oberlandesgerichtspräs. i.R. vr. Georg Best, dem ernsthaftesten und unermüdlichsten Vorkämpfer für die Aufwertung, die beste Gewähr dafür bietet, daß unsere Forderungen im Reichstag mit der nötigen Energie und Wärme vertreten werden. - Für den Wahlkreis Nr. 33 (Hessen-Darmstadt) sind ferner als Kandidaten aufgestellt: 2. ßerr Bürgermeister t. R. Jakob Port, Offenbach a. M 5. Zraulein Anna walz, prioatin in Darmstadt. 4. Herr Oberst a. D. wrzodeck in Darmstadt. 5 Herr Professor Friedrich Axt in Darmstadt. 3603D STORCH & TAKENBERG Großhandels- und Kommissionsgeschäft ™8D Hauptstraße Nr. 112 BAD-NAUHEIM Fernsprecher 357/358 Vertrieb landwirtschaftlicher Maschinen Nur erste Fabrikate jeder Art Nur erste Fabrikate der—.....—— Motorpflugfabrik E. C. Flader, Jöhstadt i. Sa. 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