Er. 205 Erster Blatt m. Mrgtüy Montag, September 192| Grschrmt täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: VießenerFamilienb lütter «oaatt'vezogrprels: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüste: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzelaerSiehe«. pastschecklonto: Sronffurt a. M. 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vntck Verlag: Vrühl'schc Universitäls Buch- und Steini) ruderet R. Lanze in Siehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: 5chulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bin zum Nachmittag vorhei ohne jcdeVerbindlichkeit Preis für 1 mm höhe für Anzeioen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/, Alft- schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friede. Wilh. Lange; für den übrige^ Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Bietzen. Frankreich und die Kriegsschuldlüge Berlin, 1. Sept. (Drahtmeldung.) Wie tinr Horen, hat die Erklärung der Reichsregierung über di« Kriegsschuldfrage bei der französi- schenRegierungsehrheftigenWider- spruch gründen. Die ersten Anzeichen deuten darauf hin, daß wegen dieser Angelegenheit ein ernster diplomatischer Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich nicht unwahrscheinlich ist. Immerhin ist es aussalend, daß die französische Regierung leinen allzu großen Wert darauf legt, irgendwelche ernsten Konsequenzen aus der Erklärung der deutschen Regierung zu ziehen. Rach einer Pariser Meldung hat das französische Ministerium, das lediglich eine Mitteilung vervsfent- licht, die mit den alten abgedroschenen Phrasen vom deutschen Tieberfall auf das ahnungslose, friedfertige Frankreich die Erklärung der Reichs- regierung in der öffentlichen Meinung ad ahsur- dunr zu führen versucht. 3n dem französischen Communiquü heißt es: Die französische Regierung hat noch keine offizielle Mitteiku ng von der öffentlichen Erklärung erhalten, die der deutsche Reichskanzler über die Verantwortlichkeit am Kriege abgegeben .hat. Die fvcrnzösische Regierung wird, wenn diese Mitteilung an sie gelangt, unverzüglich die notwendige amtliche Antwort an Berlin gelangen lassen. Schon fetzt prvtesttert die Presse gegen die These, die sich nicht nur an den offensichtlich bestehenden Tatsachen, sondern auch an den formellen Ausdrücken des Versailler Vertrages stößt, das heißt an einer causa judicata, an den Ausdrücken, wie sie Lloyd George namens der Alliierten am 3. März 1921 gebraucht hat. Die öffentliche Meiirung der Welt weih, daß genau vör zehn Jahren Deutschland plötzlich ein heldenmütiges Land angegriffen hat, das seine Reutralität schützen mußte, und daß Frankreich, um seinen Friedenswillen zu beweisen, in spontaner Weis6 seine Truppen zehn Kilometer von seiner Grenze Zurückgezogen hatte. Diese Tatsachen leugnen, hieße der Sache des Friedens einen schlechten Dienst erweisen. Der Auftakt zum Bürgerblock. Hinzuziehung der Deutschnationalen zur Reichsregierung. — Widerstand der Linken. Die Regierung Mar^-Stresemann stellt nunmehr nur noch ein Geschäftsmini st erium dar, das spätestens in zwei Monaten durch eine Regierung des Bürgerblockes abgelöst werden dürfte. Sobald der Reichstag im Oktober seine Tagungen wieder aufgenommen haben wird, wird der entscheidende Endkampf um den Dürgerblock zum Austrag kommen. Daß es dabei nicht ohne leidenschaftliche Auseinandersetzungen abgehen wird, beweisen die außerordentlich erregten Pressestimmen und parlamentarischen Aeußmmngen aus dem Lager der Demokraten unt) der Sozialdemokratie. Die Vereinbarungen, die zwischen der Deutschen Volkspartei und den deutschnattonalen Führern eingegangen worden sind, um das Zustandekommen der -k Mehrheit für das Eisenbahngesetz zu sichern, lauten dahin, daß die Deutsche Volkspartei auf die H in z u - zie hung der Deutschnationalen zur Reichsregierung bestehen wird. Der Brief, den der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Dr. C u r 1 i u s namens seiner Fraktion an die deutschnativnale Reichstagsfraktton gerichtet hat, bringt deutlich zum Ausdruck, daß es sich bei den Deivmbarungen um die Regierungsfrage um die Initiative der Deutschen Volkspartei handelt. Darin erblicken die im Lager der Linken stehenden Gegner des Bürgerblockes ein „Tausch- geschäs t", das ihre Presse einen „schamlosen Schacher" nennt, wie er in der Geschichte des Parlamentarismus einzig dastehe. Alle Organe der Demokraten und Sozialdemokraten behaupten übereinstimmend, die Deutschnationalen hätten sich dazu bewegen lassen, ihre bessere Lieber- zeugung gegen ein paar Ministerpostcn zu verkaufen. Demgrac-nüber weisen die deutschnationa- ks Mütter auf die Tatsache hin, daß die deutsch- nationale Reichstagsfraktton die Beteiligung an der Reichsregierung lediglich zur Tleber- lahme der Mitverantwortung in Er- wägung ziehe und die dringende Rotwendigkeit anerkannt wurde, die Takttk der Linksparteien zu durchkreuzen, die dahin geht, durch Erzwingung der Reuwahlen den Rechtskurs inDeutschlandzumScheiternzu bringen und die Geschicke des Reiches wieder einem Block der Linken anzuverttauen. Die „Dtsche. Tageszeitung" erklärt, daß die Deutschnationale Parier das Schwergewicht ihrer Entschließungen besonders darauf gelegt habe, zu verhindern, daß die Sozialdemokraten toicöer die Herren der Situation wurden. Auf der andern Seite erblicken die Dewschnattonalen in der Erklärung der Reichsregierung über die Kriegsschuldfrage eine neue Orientierung der deutschen Außenpolitik, die lediglich auf den deutschnationalen Druck hin erfolgt sei. Di« parlamentarischen Voraussetzungen für eine Regierung des Dürrer- blocks sind noch lange nicht geschaffen. Roch steht die Deutsche Volkspartei mit ihren -?u= fagen an die Deutschnattonalen innerhalb der Regierungsparteien gänzlich isoliert da. Sie lärm lediglich durch den schärfsten Druck auf d e anderen Parteien zu erreichen versuchen. daß das Zentrum sich der Dürg^rblockpoli ik aittchli.ß'. Don einer Hinzuziehung d.r Demokraten Dann keine Rede fein, da diese Partei erklärt, Vertagung des Reichstages. (Don unserem parlamentarischen Mitarbeiter.) D e r 11 n, 30. Aug. 3n der für heute an- gcfttzten letzten Sitzung des Reichstages, nach der sich das Haus bis zum 15 Ott ober vertagen soll, zitterte die Erregung über die gestrige Entscheidung noch nach. Auf der Tagesordnung standen zunächst Die Amnestieanträge, die während der ganzen Tagung dauernd in Zwischen- rufen und lärmenden Szenen herumsputen und fchließlich zu unerhörten Vorfällen führten, die mit der Würde des Hauses in keiner Werse in Einklang zu bringen sind. Rach langer Gestchäfts- ordnungsdebatte wurden sämtliche Gesetzentwürfe und Abänderungsanträge mit wachenden Meh h tten abgelehnt. Die Kommunisten äußer.en hren Unwillen über das Ergdtts n 'er- haften Pfuirufen D i der als Haupt u ck. auf der Tageso dnung stehenden erste, Le ung des Gesetzes über Zölle und Ükmsahsteuer beani tragt« Abgeordneter Lobe (Soz.s Absetzung von der Tagesordnung. Die Kommunisten brachten einen ähnlichen Antrag ein. Es entspann sich wiederum eine mehr als einstünwe Geschäftsordnungsdebatte, in der der Reich iernährungs- minifter Graf Kanih bat. dem sozial emotra- tischen Antrag nicht stattzng.bm. Die Vorlage sei in keiner Weise mit den Verhandlungen am F eitag in Verbindung zu bringen. Die Ein- b.ingung sei im Rttchskabinett schon beschlossen worden, als das Ergebnis der Londoner Beratungen noch nicht zu übersrhen war. Auch Reichswi rtschaf tsrnirister Hamm bedauert diesen Auftakt zu den Zollverhandlungen. Die Vorlage diene dazu, daß wir mit der Handelswtrtschaft wieder in die Weltwirtschaft hmeinkämen. Die Redner der Sozialdemokratie, der Kommunisten und der Demokraten bezeichneten dem Sinn nach in gleicher Weise die Vorlage als den Kaufprets für die Stimmen der Deutsch- ncttwnalen. Die Redner der Deutschnattonalen. des Zentrums und der Deutschen Volkspartei widersprachen dem. Schließlich wurde über die Absetzung von der Tagesordnung namentliche Abstimmung beantragt; da die Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten den Saal verlassen hatten und das Haus nur schwach beseht war. ergab sich Beschlußunfähigkeit. — Eine neue Sitzung wurde auf 2 ülhr angeseht. die aber gleichfalls der Beschluhunfähigkeit verfiel. Diese Vertagung wird man keinesfalls als ein für das deutsche Volk und die weitere Entwicklung der außen- und i'.inerpolitischen Lage erfreulich s Ergebnis bezeichnen können. Der Präsid-nt wird von seinem Rechte Gebrauch machen, nach dem Beschluß des Aeltestenrates den Reichstag nötigenfalls früher als zum 15. Oktober einzuberufen. * Wie wir von deutschnativnaler Seite erfahren, hat die Verschleppung der Sckud- Durchführung der Londoner Abmachung. Die Unterzeichnung des Protokolls. — Der Beginn der Räumung. Die ülnterzeichnung des Londoner Abkommens fand am Samstagmittag statt, nachdem die Reichsregierung dem deutschen Botschafter in London, 6 t b a m e r , die Annahme der Dawesgesetze im Reichstag und den Befehl zur Ülnterzeichnung übermittelt hatte. Mittags gegen Halbeins versammelten sich die Botschafter und Gesandten der alliierten Mächte und Deutschlands im Auswärtigen Amt, wo im Laufe der nächsten halben Stunde die Unterzeichnung in alphabetischer Reihenfolge vor sich ging. Da die erste Anlage bereits während der Londoner Konferenz unterzeichnet war, gelangte am Samstag die zweite Anlage, das Abkommen Deutschlands mit der Re- parationskommission. dann die dritte Anlage, das Abkommen zur Durchführung der Sachverständigengutachten, zur Unterzeichnung. Die vierte Anlage wurde lediglich von der in der Reparation skommission vertretenen Mächten unterzeichnet, da sie ein interalliiertes Abkommen darstellt. — Wie wir von maßgebender Seite des Auswärttgen Amtes erfahren, wird nunmehr unverzüglich die wirtschaftliche Räumung des Ruhrgebiets entsprechend den in dem Londoner Protokoll vor- gesehenen Terminen durchgeführt werden. Bereits in den nächsten Tagen wird die Reparations- kommissivn die erste Feststellung auf Grund der Londoner Beschlüsse zu machen haben, und zwar wird sie konstatieren, daß Deutschland die Ausführungsgesetze zum Dawes-Gulachten angenommen hat. Daraufhin erfolgt etwa gegen den 10. September die Zurücknahme der Zollinie unh die Aufhebung der wirt- scha ftlichen De schrän ku n g s ma hna h- men. 3n der Zeit zwischen dem 27. September und dem 5. Oktober erfolgt die zweite Feststellung, wonach die Dtsche. Reichseisenbahn-Gesellschaft ihre Tätigkeit aufnimmt, so daß zu diesem Zeitpunkt die Beseitigung der interalliierten Cisenbahnregie und die Rückgabe der Eisenbahnverwaltung der besetzten Gebiete an Deutschland erfolgt. Am 22 Oktober 1924 treten >bie‘ Zahlungsbestimmungen des Dawes- Planes in Kraft. Von diesem Tage an hat Deutschland unmittelbare Zahlungen zu leisten, und zwar monatlich 83 Millionen Goldmark, die hauptsäcA.ch in Form von wirtschaftlichen Leistungen vor sich gehen. Don großer Wichtigkeit ist es, daß bis zu diesem Termin die Anleihefrage gesichert ist, damit das Reich diese Zahlungen bereits aus der Anleihe zu bestreiten vermag. Die Räumung der Stadt Dortmund. Berlin, 1. Sept. (Drahtmeldung.) • Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird die militärische Räumung der Stadt Dortmund noch an diesem Montag durchgeführt werden. Dagegen soll die übrige Sor t* munderZone, deren Räumung von der französischen Regierung von dem Abbau der wirtschaftlichen Maßnahmen abhängig gemacht wird, erst im Laufe der er st en Septemberhälfte von der Besatzung befreit werden. Der Befehl zur Räumung Dortmunds ist nach einer Havasnote vom Quai d'Orsah dem General De- g o u t t e unmittelbar nach Anterzcichnung des Londoner Protokolls gegeben worden. * Die Rheinland! om Mission hat mit- geteilt, daß der Ausweisungsbefehl gegen den Oberpräsidenten der Rhern - provinz Fuchs zurückgenommen worden ist und daß er wieder zurückkehren könne Die alliierten Kommissare. Die im Dawesgutachten vorgesehenen Kommissare werden in aller Kürze von der Repara- ttonsl'ommission ernannt werden. Ern amtliches Communigue der Repkv besagt darüber folgendes: Die Rcparatiovskomnnslion hat ein amtliches Kommunique herausgegeden, indem es u. a. hecht. „Die Reparationskominrsiion wird demnächst endgültig den Generalagenten für die Reparattons- zahlungen ernennen. Sie hat Herrn Oven B o u n g zum stellvertretenden Qtgenten für die Reparationszahlungen ernannt. Herr de la Croix (Belgien) wird Treuhänder für die Eisenbahn-Obligationen, Rögara (Italien) Treuhänder für die Jndustrie-Obftgationen und der Generalsekretär der Reparationskommission Fa- d y e n wird Kommissar für die Monopolein- nahmen. Oven Poung wird seinen Posten sofort an treten und die nötigen Schritte zur Inkraftsetzung des Sachverständigenberichts zuerst in Paris und dann in Berlin unternehmen. Den Posten des Eisenbahnkommissars wird der französische Sachverständige Lefövre übernehmen. es unbedingt ablehnen zu müssen, ihre Hand zu dem „ schmachvollsten parlamentarischen Schacher" zu bieten, der nur die unglückseligsten Folgen über Deutschland brin en werde. Es bleibt demnach nur die Möglichkeit einer Koalition für die Deutschnationalen, Deutsche Volkspartei und Zentrum. Die.e ^Parteien bringen im Reichstag etwas über 200 Stimmen auf, so daß sie ebenfalls im gegenwärtigen Reichstag keine tragfähige parlamentarische Mehrheit finden würden. Allerdings steht zu erwarten, daß die Bayerische Volkspartei, mit der Wirtschaftspartei zusammen, noch eine wesentliche Verstärkung an die Regierung des Bürgerblockes abgeben werde, aber es besteht die Frage, ob das Zentrum die ernsthafte Absicht hat, eine Bürgerblockpolitir auf längere Dauer mitzu- machen. Die nächsten Wochen werden für die innenpolitische Entwicklung in Deutschland von großer entscheidender Bedeutung sein, denn es wird sich Herausstellen müssen, ob die Politik des Bürgerblockes über alle Schwierigkeiten hinweg zum Erfolg führen kann, oder ob sie an den innen- und außenpolitischen Schwier gleiten ebenso scheitert, wie all dre Reg^erungsgeb.lde, die wir seit den letzten fünf Jahren gesehen haben. Die Gegenkräfte am Werk. (Eigener Informationsdienst.) Berlin, 1. Se t (Drah meldu g ) Ja parlamentarischen Krei en Derl<>u.et. aß in den nächsten Tagen Verhrndlun ei zwi chrn füh e - den Abgeordneten ter demokratischen und sozialdemokratischen testens bis zum 1. August 1925 erfolgen, bei Personen mit Grundbesitz in Festungsrat)ons uttö in einer Grenzzone von zehn Kilometer Breite bis zum 1. Rovemoer 1925, bei allen anderen bis zum 1. Juli 1926. Den abwanderungspflichtigen Optanten geht eine vorherige Benachrichtigung von den polnischen Behörden zu; ist eine solche bis Ende 1926 nicht erfolgt, so erlischt der AbwaTr- derungszwang. Die polnischen Optanten in Deutschland unterliegen denselben Bestimmungen. C ----- 5# Vie 5. Völkerbundsversammlung Genf, 31. Qlug. IWB.) Im Auftrage der 5. BölkerbundsversanTMlung fand Hute, wie üblich, im Genfer Dorn ein feierlicher Gottesdienst statt. Die Hotels, in denen die Delegationen ab- gefliegen sind, tragen reichen Flagg n chrnuck. Don dem Balkon des Hotels, in dem oie Amerikaner wohnen, weht unter anderen Fah-en auch bü amerikanische. Die Versammlung findet wie f den Vorjahren in dem alten, weitläufigen, aM sehr nüchternen Refvrmationsgebäudl statt, da das eigene Versammlungshaus des Völkerbundes erst in einigen Jahren cebaul tozti den kann. Zn dem großen Saale, der durch seine schlechte Akku st ik berühmt ist, sind diesmal Lautsprechvorrich mögen an ebrocht. Die Tagung wird morgen um 11 pihr durch den Präsidenten Hymans eröffnet, der in einer längeren Rede einen Ueberblicf über den Wert des Völkerbundes geben wird. Wie man hört, beabsichtigt Hymans dabei nicht nur die vom Völkerbund behandelten rolitischen Fragen, wie die Grenzregelung zwischen Polen und der Tschechv-Sl^wakei im Jaworzina-Gebiet, ti? Me- meler Frage usw. zu berühren, sonde.n auch aktuelle Probleme. w:e den Abschluß des Londoner Abkommens in ftiner Bedeutung für die Herstellung des allgemeinen Friedens und die Sicherheitsfrage zu streifen. Tie 'Wahl des amtierenden Präsidenten ter Verämm.'u g fi: bet erst in der Rachrntttagssitzung statt, in der auch die sechs großen Hauptausschüsse der Qjer'anmt- lung gebildet werden. Die Wahl des 'chweiberischen Bundesrats Motefen und der spätere umfassende Angriff auf Polen unmöglich geworden. Die einfallenden rassischen Kosaken hausten schlimmer als die Tiere, miß- handelten die Bevölkerung, vertrieben sie von Haus, und Hof, zündeten Dörfer und Städte an. Es war die Wiederholung der Schrecken des Dortzßigjährigen Krieges. Ta faßte die Oberste Heeresleitung pen ent- scheDdenten Entschluß. Zwei Armeekorps wurden, was die Kriegskritik so vielfach beanstandete' den^ westlichen Kriegsschauplatz entzogen und nach dem Osten hinübergeworfen. General Ludendvrff, der heute, man maß sagen: leider im Parteileben steht und dessen militärisches Charakterbild dadurch verwischt wird, übernahm unter Hindenburgs Oberleitung den Befehl über die 8. deutsche Armes, Seine erste Tat war die Aufhebung des Rückzugsbefehles. Durch einen dünnen Schleier schwacher Formationen wurde Rennenkampf getäuscht. Es ist heute noch nicht ganz aufgeklärt, warum er nicht in die Schlacht von Dannenberg eingriff, sondern fast unmittelbar vor Den Toren von Königsberg Halt machte. Heute kann man ja frei darüber sprechen: Einem geistvollen R a d i o a m a t e u r, dem Professor Deubne/r der Universität Königsberg gelang es, die drahtlosen russischen Heeresbe fehle zu entziffern. Aus Gruno der Kenntnis dieser Funtsprüche sowie einer schriftlichen Meldung, die bei einem gefallenen russischen Offizier gesunden warte, unternahm Ludendorff mit der 8. Armee den unerhört kühnen Umgehungsmarsch zwischen den beiden russischer, Dampfwalzen hindurch, umfaßte den rechten Flügel der Samsonoffschen Rarewarmee und ließ andere Truppen um den linken Flügel der Russen herum in deren Rücken stoßen und maßlose Verwirrung dort anrichten. Die Russen kämpften mit größter Erbitterung und Tapferkeit. Aber feder Fluchtweg schien ihnen plötzlich abgeschnitten. Aus den damaligen Depeschen des Geneval- quarliermeisters von Stein: „Die Truppen des Generalobersten von Hindenburg ernten die Früchte ihres Sieges. Die Zahl der Gefangenen wächst täglich. Sie ist bereits auf 90 000 Mann gestiegen. Wieviel Geschütze und sonstige Siegeszeichen noch in den preußischen Wäldern und Sümpfen stecken, läßt sich nicht übersehen. Anscheinend sind nicht zwei, sondern drei russische Kom- mandierente Generale gefangen." (Darunter war General Kljujew, der auf die Festung Reisse transportiert wurde. Kljujew, der den Oberbefehl übernommen hatte, als die Kata- istrvphr nicht mehr zu Vermeiden war, hat kürzlich leine Erlebnisse und Erfahrungen in einer est- ländischen Zeitung veröffentlicht.) lind dann meldete General v. Stein: „Rach russischen Rachrichten hat sich der russische Armecführer erschossen." Das war Samsonvff. Er irrte verzweifelt auf dem Schlachtfelde umher und gab sich schließlich selbst den Tod, Darus un Teutoburger Walde Ties bet deutsche Sieg von Tannenberg. Er ermöglichte es, gegen die Armee Rennenkampfs neu aufzumarschieren und sie mit furchtbaren Verlusten über die Grenze zu treiben. Ostpreußen wurde frei. Von da an hat das deutsche Doll die Schrecken des Krieges tm eigenen L-anv io gm, wie nirgends mehr kennengelernt. Die Gedenkfeier auf dem Schlachtfeld von Tannenberg. Al len st ein, 31. August. (WTB.) Unter Teilnahme von über 20000 MitgliB>ern der Krieger-, Militär- und sonstigen vaterländischen Verbände aus der ganzen Provinz Ostpreußen ist heute mittag auf dem Schlachtfelde von Tannenberg westlich Hohenstein die von dem Provinzial- kriegerverbande veranstaltete Grundsteinlegung d esTann en berg-Ration aldenk- m a l s erfolgt. Zur Feier waren erschienen die Feldmarschälle v. Hindenburg und Macken- s e n, General Ludendorff und die übrigen Feldherrn und Gruppenführer der Schlacht bei Tannenberg. Die Reichsregierung war vertreten durch den Chef der Heeresleitung General von S e e ck t, die preußische Staatsregierung durch den Ober Präsidenten Siehr, die Provinz Ostpreußen durch den Landeshauptmann von B r u n n e cf. Unmittelbar an dem mit Eichenlaub bekränzten Grundstein hatten eine Ehrenkornpag- nie Reichswehr und dahinter Abordnungen aller ostpreußischen Truppenteile Aufstellung genommen. Hindenburg und die Heerführer wurden beim Betreten des Fest Platzes mit brausenden Hochrufen begrüßt. Der ' Feldmarschall schritt, begleitet von General v. Seeckt die Front der Truppen ab und unternahm eine Rundfahrt zur Begrüßung der aufgestellten Vereine. Snzwischen hatten sich zahl.eiche Fahnen und Danner der Vereine um den Grundstein versammelt. Es begann ein Feld o.lc'bie st mit dem gemeinsamen Gesang des Rietevändischen Dankgebets. Der evangellsche und der katholische Di- visionsvfarrer, hielten darauf Ansv'-achen. Mit dem Gesang „Dir möcht ich meine Leder Weihen" schloß der Gottesdt.nst. Darauf üoernahm der Vorsitzende des Provinztalkriegeroerbandes, Generalmajor Kahns, namens des Denkmalausschusses den Grundstein und verlas die ihm einzufügende Urkunde. Die ersten drei Hammerschläge vollsührte Hindenburg mit den Worten: ,,D e n Gefallenen zum dankbaren Gedächtnis, den UeberlebenDen zur Erinnerung, den kommenden Geschlechtern zur R ach e i f er u n g." General von Seeckt weihte den S ein namens des RrichS und des RetchZheeres. Hierauf l egaben sich die Ehrengäste zu der Tribüne, um den Vorbeimarsch der Reichswehr und der zahlreichen Vereine abzunehmen. Der Vorbeimarsch dauerte über iVß Stunden. Damit war die F.ier beendet. Die Berliner „Tnttnenbrrq"-Arier. Berlin, 1. Sept. (Priv-Tel.) Sm großen Saale der Philharmonie veranstalteten ge'tera ier Deutsche Offiziersbund, die Ve einigten vaterländischen Verbände und eine aroß? Reihe an e- rer Organisationen eine Tm en -er-Feie:. Der Präs d.nt des Deutschen Of fis.ee. bart es v. E i- se nha r i-Rvt he bracht' ein d.eifnhes Hurra auf die alte Arrn.e aus, dann hielt Genera:!.ut- nant v. Al"rock die Gedächtnisrede. Zum Schuß sangen die Anwesenden das Deut chlandlied. An Generalf ldmar ch.Pl v. Hindenburg und an General Ludendo sf war en Begrüßungs ele^ramme nach Hohenstein gesandt. Aus Mer'Welt. Dre Münchener Tagung des Evangelischen Bundes. München, 31. Aug. lWolff.) Dis Samstag waren etwa 2000 Mitglieder des Evangelischen Bundes zur Teilnahme an der Generalversammlung aus allen Teilen des Reiches, aus dem benachbarten Oesterreich in München eingetroffen. Der Samstag zu ter Sitzung des Gesamt- Vorstandes benutzt. Außerdem fanden Abg.ordneten- und Mi gliederversammlun' en statt. Bei der Begrüßungsfeier atends in ter Tonh l e nahmen auch Vertreter der Behörden und Korf e - schäften sowie Delegierte das Auslandes teil. Heute vormi tag wurden in allen p rote tont ischen Kirchen Münchens Festgottesdienste abgehalten. Heute abend vrr.inen evangelische Volksabende die Teilnehmer der Generalversammlung in der Tonhalle und dem Odeon. Der deutsche Katholikentag. Hannover, 31. Aug. (WTB.) Die 63.Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wurde unter außerordentlich starker Beteiligung heute hier eröffnet. Bereits gestern fand in der Ausstellungshalle ein stark besuchter Begrüßungsabend 'statt, wo Oberpräsident Roske und Oberbürgermeister Le inert die Teilnehmer des Katholikentages in Hannover begrüßten. Reichsmint- ster Hösle überbrachte die Grüße des Reichskanzlers. Die Katholikentage sollten Aufbauarbeit leisten. Die deutschen Katholiken hätten die nationale Gesinnung immer so auf gefaßt, daß der wirklich Rationale und wirklich Deutsche und Vaterländische auch in diesen Zeiten sein Bestes gibt, um dem deutschen Volke zu helfen. Die ungeheuere Bedeutung des Londoner Paktes, bemerkte Minister Hoile zum Schluß, liege darin, daß endlich Rhein und Ruhr den Charakter einer Reparationsprovinz verlieren und £af) endlich das gesamte deutsche Volk und die gesamte deutsche Wirtschaft die Lasten zu tragen haben. Ein Festgottesdienst im Freien leitete freute vormittag die großen Sonntags- Veranstaltungen ein. Es war auf dem weiten, von alten Bäumen umsäumten Schützenplah eve imposante Kundgebung des kathochchrn Deutsch- land An die 2000 Fahnen und Banner wehten über dem Platze. 50 000 Gläubige mochten versammelt sein: die katholische akademische Sagend war besonders stark vertreten. Bischof Dr. Schreiber (Meißen) hielt die Festpredig, der apostolische Runtius Pacelli die PontifiM- messe, deren Feierlichkeit durch ein Orchester und vierstimmige Chöre erhöhtwurde. Sn der ersten g'Fchlogenen Versammlung erstattete Fürst Alois zu Löwen st ein den Te- richt des Zentralkomitees. Er versicherte, als Freunde des Friedens, als Brüder, die mit den andern Deutschen am Aufbau des Vaterlandes arbeiten wollen, seien die Katholiken nach Hannover gekommen. Auf Antrag des Zentralkomitees beschloß die Versammlung, den nächsten Katholikentag im kommenden Safrre in Stuttgart äbzuhalten, zugleich zur Feier des fünfzigsten Prrestecjubiläums von Bischof Keppler. Geh. Sustizrat Dr. P o r s ch (Breslau) erstattete das übliche Referat über die römische Frage und brachte eine Resolution ein, die die Wiederherstellung der Souveränität des Papstes verlangt und die einstimmig angenommen wurde. -tuq>r vas Streven nach Macht und Besitz liege dem Verlangen zugrunde, sondern der Wunsch des Papstes, mit aller Freiheit für die Menschheit der ganzen Welt tätig sein zu können, auch als neutrale moralische Macht, und unabhängig von jedem Einzelstaate. Prälat ©teinmann (Rom) bat im Ramen des Papstes die deutschen Katholiken, im heiligen Sah re 1925 nicht als weltliche Dergnügungsreisende.P sondern als fromme Pilger nach Rom zu kommen; im letzten Frühjahr hätten deutsche Romreisen.de durch ihr Auftreten der deutschen Sache in Statten unsagbar geschadet. Zur ersten öffentlichen Versammlung im Kuppelsaal der Stadthalle erschien auch Reichskanzler Marx, durch Händeklatschen und Bravorufe lebhaft begrüßt. Dem mit Begeisterung empfangenen Runtius Pacelli sprach Oberbürgermeister Farwick den öffentlichen und feierlichen Dank für die Liebe aus, die er dem deutschen Volke durch sein Wirken'erwiesen habe. Rach einer kurzen Ansprache des ehrwürdigen Bischofs von Hildesheim richtete der apostolische Nuntius Pacelli das Wort an die Versammlung, die ihn stehend anhörte. Die diesjährige Tagung falle in eine schwere Prüfungsz.tt des deutschen Volkes. Um so bewundernswerter fei es, daß die deutschen Katholiken trotz der materiellen Rot den Blick nach den „ewigen Bergen" erhöben. Das einzige Rettungs- und Erneuerungsprogramm für die seelisch verwahrloste Menschheit sei die Rückkehr zu Christus, auch in Staat und Gesellschaft. Die Durchdringung auch der zwischenstaatlichen Beziehungen der Völker untereinander mit dem Geiste des Evangeliums, das solle der Grund- akko d der Versammlung sein. Möge dieses, zunächst das eigene Volk erfassende, aber auch Die ganze Menschh it umspan ende Versöhnungs- und Friedensprogramm eindringlch und hinreißend über die deutschen Gaue hinaus in die Welt klingen, aus daß die Gutgesinnten in allen Rationen aufhorchen und sich mit den Deutschen verbinden, um dem Frieden den Weg zu erleichtern, dessen Morgenröte jetzt den Völlern aufzuleuchten scheine. Generalstaatsanwalt Dr. C l a r (Marienwerder erklärte, gegenüber dnn Freidenkertum und den Gegnern des sogenannten Ultramon- lanismus werde der Katholik auch fernerhin seine heilige Kirch: zu verteidigen wissen. Das Reichsschulgesetz müsse mindestens die Erhaltung der jetzt bcflefrenien Bekeantnisschalen sichern sowie die Anerkennung der einklassigen Schule als ordnungsmäßiger Schulbctrieo unD den Wegfall aller Beschränkungen bringen, die das Entstehen neuer Bekenntnisschulen nicht ändern, so werd, das Rcichsschulgesetz den Katholiken geben müssen, was ihn<.n die Reichsverfassung vorenthalte. Aussehen erregte die Mitteilung des Redners, daß die katholische Kirche in Deutschland gegenwärtig jährlich 100 000 Seelen verliere. DonifatiuStag in Efchwege. E s ch w e g e, 1. Sept. (Priv.-Tel.) Hier wurde unter großer Beteiligung der katholischen Bevölkerung gestern der 1200jährige Eebenkiag d:s von Bonifatius gegründeten berühmten Wallfahrtsortes der Franziskaner Eichsfeld begangen. Ein vorzeitiges Feuerwerk im Leipziger Lunapark. Leipzig, 31. Aug. (WTB.) Heute vormittag explodierten im hiesigen Lunapark 27 Zentner Feuerwerkskörper, die zu dem für den Ahmd angefefrten großen' Feuerwerk verwende/ werden sollten. Riesige Feuergarben schossen in i^ie Lust. Die Kabinen des Familienbades, in denen die Feuerwerkskörper untergebracht waren, fingen Feuer und brannten nieder. Die Feuerwehr löschte in kurzer Zeit den Brand. Einer der Feuerwerker erlitt bei den Löschungsversuchest schwere Brandwunden. Kampf mit Einbrechern. Berlin, 1. Sept. (Priv.-Tel.) Sn Malow bei Berlin wurde gestern abend ein Parzellen- besiher von einem Einbrecher angeschossen. Der Angegriffene schoß wieder und brachte dem Einbrecher drei Schüsse bei, die ihn töteten. Der Parzellenbesitzer selbst hat einen schweren' Lungenschuß erhalten. Ein Revolverheld in der Straßenbahn. Berlin, 1. Sept. (Priv.-Tel.) Gestern abend geriet ein angetrunkener Fahrgast mit dem Führer eines Straßenbahnwagens, den er fortwährend belästigte, in Streit. Als der Straßenbahnführer ihn aussorderte, sofort abzusteigen schoß der Fahrgast auf den Führer, der mit einem lebensgefährlichen Buchschuß zu- sammenbrach. Der Täter wurde verhaftet. Die Opfer des Eisenbahnunglücks in Indien. Lahore, 1. Sept. (WTB) Vondenfünf- unbneunsig bei dem Eisenbahnunglück getöteten Personen sind achtundsechzig Mänv.er, achtzehn Frauen und neun Kinder. Verletzt wurden hundertundvier Personen. Die Führer und Heizer der beiden Lokomotiven sind ebenfalls verletzt worden. Die Strecke ist inzwischen wieder frei gemacht und der Verkehr heute früh wieder aufgenommen worden. Wettcrvvranssaac Wolkig mit Aufheiterung, mäß'g warm, westliche Winde, noch einzelne Regenfälle. Das Haupttief im Rordmeer, das das kühle, veränderliche und regnerische Wetter der letzten Tage verursacht, frei sich etwas ab.'«schwächt, zudem steigt in Frankreich und Westdeutschland der Luftdruck. Eine durchgreifende Besserung der Wetterlage ist jedoch noch nicht gesichert. Aus Stadt und Land. Gießen, den 1. Sept. 1924. Die vielseitige Leber. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Rot," sagte die Leber, fing den Zucker aus dem Blute ab, das ihr die große Pfortader vom Darm her zuführte! wandelte ihn in Stärke um und stapelte Liefe für schlechte Zeiten auf; wenn etwa die Muskeln ihre eigene Stärke und ihren eigenen Zucker bei großer Arbeit ganz verbraucht haben, dann öffnet die vorsorgliche Leber ihre Stärkespeicher, verwandelt die Stärke wieder in Zucker zurück, der mit dem Blut zu den Muskeln als Ersah transportiert wird. Aehnlich wie die Pflanze in den Knollen Stärke aufspeichert, um sie im Frühjahr in Zucker zu wandeln, wenn alles zu keimen beginnt. „Wer den Heller nicht ehrt, ist der Mark nicht wert" — denkt unsere sparsame Leber; sorgsam sammelt sie den Blutzucker — und wenn sehr viel vorhanden ist. so bildet die Vielseitigkeit kostbar? Brennstoffe, die wir „Fette" nennen, und läßt fb je nach Bedarf verschieden lang bei sich lagern. Ratürlich kann sie auch überflüssige Fette, die gerade wie der Zucker im Blut zu ihr gelangt sind, bei sich aufspeichern. Aber nicht unbegrenzte Mengen fettbildende und zuckerhaltige Stoffe vermag sie zu bewältigen. Wir kennen alle den Säufer mit feiner Fettltber. Der aus den alkoholischen Getränken stamdnende gewaltige Ueberschuß von fett- bildendem Stoff und Zucker verbleibt in dem fleißigen Organ, das nun dem Ansturm nicht mehr gewachsen ist, liegen; die Leber erkrankt, sie verfettet. Oder wenn auch Zuckerstoffe nur allein im Uebcr- m'aß genossen werden, so kann hie Leber schwer geschädigt werden; die Zuckerstoffe Mssieren unverwertet den Körper, — der Mensch wird zuckerkrank. „Der Klügere gibt nach" — so weiß unser arbeitsames Schuhorgan — läßt den körpergiftigen „Ammoniak", der aus dem verdauten Fleisch oder Pflanzeneiweih stammt, mit dem Bltlt friedlich zu sich herein — schnell gibt sie Kohlensäure, die ihr gleichfalls das dunkle Adernblut zubringt, in genügender Menge hinzu — und siehe da, es entsteht der harmlose „Harnstoff", der durch den Körper unschädlich hindurchwandert und im Harn als wertloses Abfallproduft ausgeschieden-wj^d. „Fest sieht und treu" — so konnte man wirklich sagen — die wachsame Leber, sorgfältig übt sie Kontrolle aus. und wirksame Gegenmaßnahmen trifft sie gegen unliebsame Eindringlinge. Gegen Arsen, gegen Blei, gegen Phosphor, gegen alle möglichen Gifte, die sich der törichte Mensch bewußt oder unbewußt zuführt, nimmt sie den Kamps auf; wird sie aber überrannt von den Eindringlingen, dann ist der Mensch verloren. So notwendig in jedem Staatswesen — so auch im Zellenstaat, wie ihn der Menschenkörper darstellt — für den Ablauf des gesamten Geschehens die großen Vorratshäuser, der Polizej- korper, die Gefängnis- und Besserungsanstalten sind — mindestens so hoch schätzen wir die direkten positiven Arbeitsleistungen, die Herstellung der Gebrauchsgegenstände. Auch hier marschiert die fieber mit an der Spitze der Produktionsstätten des Körpers. So liefert in nimmermüder Arbeit die „Galle", die beim Gesunden in den Dünndarm !fließt, und die u. a. für die Fettverdauung unnent- behrlich ist. Wehe dem Menschen, bei dem sie einen falschen Weg — nämlich den ins Blut — nimmt. Wir alle kennen den mißvergnügten, galligen Typ, den uns die gelbliche Gesichtsfarbe schon oft von weitem kenntlich macht. Richt immer sind leichte Färbungen der Haut und Schleimhäute stark bedrohlicher Ratur; aber selbst die leichtesten fordern uns auf, schleunigst den Arzt zu rufen. Denn es ist-selbstverständlich, daß bei einem derart vielgestaltigen Organ, wie es die fieber darstellt, auch kleine (Störungen weittragende Folgen haben können. Roch eine Reihe wichtiger Funktionen der fieber würden zu nennen fein. Aber schon die hier angeführten genügen, um dem Rufe Rachdruck zu verleihen: „Schont eure fieber, intern ihr vernünftig und mäßig lebt! Bedenkt, der größte Feind der fieber ist der Alkohol!" Dr. C. M ** Di e Reichsindexziffer für dis Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wotz^ nung, Heizung, Beleuch'üng und Bekleidung) für Mittwixh. den 27. August, ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben. <5:e beträgt das 1,14 billionenfache der Vorkriegszeit. *’ Stadttheater. Wir weifen nochn.o.s auf die morgige Aufführung „Die fünf Frant- furter" 'von Carl Röhler hin. Das reizende fiuft« spiel, das in Rauhrim stets großen Erfolg hatte, ist vom Spielleiter Herrn Volck äußerst sorgfältig einstudiert un& wird auch gewiß in Gießen den besten Anklang finden, zumal es feit Sauren hier nicht mehr aufgeführt worden ist. " DieStenographen-Gesellschaft Gabelsberger eröffnet am Dienstag, 2. September, einen Ansängerlehrgang unter Leitung eines staatlich geprüften Lehrers der Stenographie. Bei der großen Bedeutung, die die Stenographie und besonders das Shstcm Gabelsberger in den letzten Sahren gewonnen hat, kann jedem die Erlernung dieses Systems dringend empfohlen werden- ** Der Landesverband hessischer Schrein er meist erundverwandter Berufe hält am 13. und 14. September in Gießen seinen diesjährigen Derbandstäg ab. ** Besucherkarten für d i e Kölner H e r b st m e s f e. Um den zur Kölner Frühjahrsmesse von Ausstellern and Einkäufern vielfach beklagten Andrang von schaulastigem Publikum auf , ocr Herbstmesse (14. bis 19. September) fernzuhalten, hat das Messeamt Köln im Einvernehmen mit den Handelskammern und Han- delsverbandcn den Ausweiszwang für Messcbxsucher eingeführt. 'Sn den verschiedenen Bezirken sind Stellen eingerichtet worden, die Vorausweise für die Messe ausgeben, und zwar nur an solche Personen, die sich als Kaufleute oder ernsthafte Sntereffenten ausweiscn können. Gegen Abgabe dieser Ausweise erhält der Messebesucher in Köln Eintrittskarten für die Messe zum ermäßigten Preis (Dauerkarten 7 Mk. Doppel^Tag.slarten 5 Mk.. Tageskarten 3 Mk.). Sn Gießen sind die Vorausweise beim Verein der Detailliften e. V., zu Händen Herrn R. Buchacker, Reuen Bäue 11, zu haben D-urch diese Regelung ist die Gewähr geboten, daß der Geschäftsverkehr auf der Kölner Herbstmesse sich reibungslos abwickelt. ** Berufsberatung für Abgebauts Der preußische Handelsminister weist in einem auch für Hessen bemerkenswerten Erlaß hin, daß eine große Zahl von Beamten, d'.e durch den Personalabbau des Reichs, des Staates und der Gemeinden erst aus ihrer Tätigkeit herausgerissen worden sind, für die deutsche Wirtschaft aus Grund ihrer ©rfafrmugen noch gute Dienste leisten können, trenn sie sich durch eine Zusahaus- b i l d u n g hierfür die nötigen Kenntnisse aneignen. Er warnt aber vor dem Eintritt in über» füllte Be rufe und empfiehlt solchen Beamten dringend, sich an die öffentlichen Berufsberatungsstellen zu werden, die in der Regel mit dem öffentlichen Arbeitsnachweis verbunden finb. Die Vvrbeveitu,^ auf die neue Tätigkeit wird vielfach durch den Besuch der Fach- und Berufsschule erfolgen können. Die Träger der gewerblichen und kaufmännischen Schulen, die Berufsberatungsstellen 'und ti: Direktoren der Staatlichen Fachschulen sind daher ersucht worden, ter Beratung und Schul mg ter abgebauten Deantten ihre Aufmerksamkeit zu schenken und Wünschen der Deamteäorganisatio- nen nach Möglichkeit entgegenzukommen. ** D i e Frist zur Vorlegung der Gold.markervffnungsbilanzen wftd er für die mhrung, Dch- kflcitnmg) für ach den Fest- mts gegenüber Mebcii. v e Törfricgäseit. ifen mxyEs fünf firnb mynb? Sufi* . Erfolg Halle, Herst sorgfällig in Sieben den i seit Jahren ist. fesellschaft :n6tag, 2. Eep- unter Lcilung )ct btenogra- dir die Tlenv- . Babelsberger al, kann jedem ngend empfvh- d hessischer >andter Di' irber in Sieben ab. di- Kölner ner §cüMhls' äas-rn vl-lM igan P Mb-ni g Hapiember) Köln int . ietn nnö N' (:®ang v11 i tzeWedenen 4 worden, die sich als Kanf aten aa8^ fu^'Lcrft ■’fiSS «Ä SiW. Lbgebaut^ Mst in «S Erlab die HE ZZ2 1 Stent1- t solch-" „ »e - ir V^'achV-'ir sift w Je" konn^ E'N ,$v M^n- her •(eg""9 wird »näe den Kampf m Eindnng- Men - sy ^schenLrper Mmtm Teber Ww- ?ngsanstalken -r die direkten Erstellung ber narschiect die 'uklionsstätten müder Arbeit en Dünndum u>lmg unnent- > bei dem ie ins Blut - Z'-ügien, gab chlssarbe schon hl immer find cimhäuie stark leichtesten sor- 1 rufen. Denn m derart viel- öarstelll, auch !n haben ßn= -nktionen der schon die hier Äa^ruä zu t ihr vernünst We Fand der Dr. E. D (r: Musikabend. — Lichtspielhaus, Bahn- Hofstraße: „Jackie, der kleine tapfere Held". — Astona-Lichtspiele: „Frauen auf schiefer Bahn". Landkreis Gicften. £ Wieseck, 1. Sept. Mit dem heutigen Tage werden unsere zwei neuen Schulsä l e in Benutzung genommen, die durch Umbau des Dachgeschosses der Schule im Lichtenauer Weg gewonnen wurden. Das architektonische Bild der Schule hat durch diesen Umbau in seiner Ge° famttoirfung gewonnen, der Schulbetrieb, der seither in drei Schulgebäuden verteilt war, konnte in zwei Gebäuden, der „weihen" und der „roten“ Schule, zusammengefaht werden, während die zwei Säle der früheren Klingfporschen Fabrik für den FortbildungSschulunt erri cht zur Verfügung stehen. Beide Schularten sind nunmehr völlig getrennt, und die früheren unvermeidlichen, unliebsamen Störungen usw. in Fortfall gekommen. Für die Fortbildungsschule besteht in ihrem neuen Heim die Möglichkeit der Errichtung einer Schulküche. Wieseck ist in der glücklichen Lage, auf lange Sicht genügend Schulräume zu besitzen, und zwar, im Gegensatz zu mancher anderen Gemeinde, ohne Aufwendung großer Geldmittel. T Grünberg, 29. Aug. In diesen Tagen sucht eine Kommission unter der Leitung von Oefonomierat Wagner und Professor Dr. K n e l l -Giehen in den Kreisen Gießen und Schotten für eine Stuttgarter Ausstellung Vogelsberger Vieh reinster Rasse aus. Gerade in unserer Gegend hat die Kommission er- frulicherweise viele für ihre Zwecke brauchbare Prachttiere ausgewählt. Die Zucht des Vogelsberger Rindes wird von landwirtschaftlichen Kreisen stark gefördert. Ein Gang über die Weiden deS Selchenhofs bei Ulrichstein, der Zuchtstation der Landwirtschaftskammer Giehen, läßt erkennen, wie gerade diese Rasse sich dem Charakter der Landschaft und dem Klima anpaht. Das Vogelsberger Rind ist eine ausgezeichnete Fleisch- und Milchkuh, die auch als Fahrkuh wegen ihrer großen Zähigkeit für unsere rauhe, gebirgige Gegend besonders geeignet ist: vor allem- auch, da es in viel geringerem Maße an Tuberkulose leidet, wie die Kreuzung mit Simmentaler Vieh. — Der Grünberger Hausbesiherverein hat beschlossen, an einer demnächst hier stattfindenden großen Versammlung des Bauernbundes teilzunehmen. Der bisherige Vorsitzende Rechtsanwalt CB e i l ft e in legte sein Amt nieder, an seine Stelle tritt Herr Karl Iöckel VI. Kreis Schotten. Fl Laubach, 30. Aug. Sn den gräflichen Waldungen unweit des Forsthauses R u t - Harbshausen (zwischen La> ibach und Schotten) hat man in letzter Zeit wieder Schwarzwild gespürt. Man sand die deutlichen Spuren (Fährten, Losung) der Schwarzkittel: auch sind sie einzelnen zu Gesicht gekommen. Wir haben es hier indessen nicht mit „Standwild" zu tun, wie die Hirsche hier noch auftreten, jedoch seit zwei Jahrzehnten sehr- vermindert, sondern mit „WechselwiD", das Wohl aus Rhön urtb Knüll herüberkonnnt. — Die ehrenden Worte, die der „Gießener Anzeiger" unlängst zum 70. Geburtstag des Herrn Geh. Schulrats Professor Dr. Hensell, des früheren Direktors des Gymnasiums und pädagogischen Seminars zu Gießen diesem verdienten Gelehrten ünb Schulmann widmete, habe c auch in unserer Stadt einen lebhaften und freudigen Widerhall geweckt. Me höchste Blüte unseres Gymnasiums ist mit dem Rainen „Hensell" verknüpft: unter feiner ziel- bewußten, tatkräftigen und doch wohlwollenden Leitung hob sich die Anstalt in jeder Hinsicht: sie zählte im Schuljahr 1898 99 insgesamt 191 Schüler. Unter seinem Rach folger Balser saik die Schülerzahl: im Schuljahr 1899 1903 belief sich die Gesamtzahl auf 169 und im Schuljahr 1903 04 auf nur noch 111 Schüler. — Die Aussichten der Getreideernte werden infolge der nassen Witterung hier immer schlechter: die gemähte Frucht wächst auf dem Felde. Auch die Kartoffelernte ist bedroht: die Knollen beginnen zu faulen. Ebenso schlecht sind die Aussichten der Obsternte, mit Ausnahme der Dirnen. Krcis Friedberg. ' Butzbach, 31. Aug. Rachdem unserer Stadt die Städteordnung verliehen ist. hat Reuwahl der verschiedenen Stadtverwaltungs- organe stattzufinden. Der Wahltag für die Renton h l der Stadtverordneten ist auf den 26. Oktober festgesetzt worden. Es sind 21 Stadtverordnete auf die Dauer von drei Jahren zu wählen. — Am 2. September begehen die Eheleute C. A. ßattreutcr aus Rierstein, zur Zeit hier wohnhaft, das silberne, die Eltern des Mannes das goldene Ehejubiläum. Am gleichen Tage werden es 25 Jahre, daß Herr Cattreutet Bürger der Gemeinde Rierstein wurde, feine Duchdruckerei daselbst eröffnete und die mittags 3 Uhr, statt. «29® Sonntag nachmittag s/<5 Uhr entschlief sanft nach kurzem Kranksein mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Rentner Jakob Ihring im Alter von 73 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Marie Ihring geb. Rehe Paula Luft geb. Ihring Ludwig Ihring Dr. med. Luft Meta Ihring geb. Fritzel und 7 Enkelkinder. Lieh, Homberg, New York. Die Beerdigung findet in Lieh Mittwoch, den 3. September, nach- „Rierstciitzer Warte" herausgrdt, iXe auervrngs wegen erfolgter Ausweisung des Verlegers torläufig ihr Erscheinen einstellen mußte. sf. Friedberg. 31. Aug. 3n dem Fest- faalc des Hotels Trapp fand gestern eine von Anhängern der Mädchrnfortbitdungsschule einberufene Tagung statt, die eine über alle Erwartungen hinausgehende Beteiligung fand: aus allen Teilen des Landes waren Lebi-er und Lehrerinnen erschienen, sowie auch Vertreter der Schulbehörden und des Landesamtes für das Bildungswesen, so daß der Saal bis zum letzten Platz gefüllt war. Die Versammlung wurde von dem Einberufer, Rektor Koch-Friedberg, geleitet, der nach einer Begrüßungsansprache Fräulein Else Sander von Leipzig, der Vorstccherin des dortigen Mädchenbildungswefens und bekannten pädagogischen Schriftstellerin, das Wort zu ihrem Vorträge über die genannte Schulart gab. 3n nahezu zweistündigen Ausführungen verbreitete sich die Rednerin über die Organisation, über die sittliche und soziale Bedeutung und die Erfolge der Schule. An den mit lebhaftem Beifall auf genommenen Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Diskussion, an welcher sich u. a. die Oberschulräte Dach und Diehl beteiligten. Besonders wurden von einigen Seiten auch die ländlichen Verhältnisse hervor gehe den, da die Ausführungen der Referentin sich mehr auf großstädtische Verhältnisse bezogen. In der Rachmittagssihung sprach dieselbe Rednerin über LÄxmskunbe und den lebenSkundlichen Unterridjt, dessen Bedeutung in erster Linie in der Einstellung für den Lebensweg beruht. Selbsterziehung zur Körperpflege als Mittel zur Erhaltung der Gesundheit, hauswirt- schastlicher Unterricht, Energie und Tapferkeit in der Lebensführung. Einstellung der Frau zur Staatsbürgerkunde, Wahl der richtigen Lektüre wurden in großen Zügen als Ziel dieses Unter- richtes dargestellt. Rektor Koch dankte unter lebhaftem Beifall der Rednerin für ihre große Opferwilligkeit: eine vvrgeschlagene Resolution zu Gunsten der Mädchenfortbildungsschule fand einstimmige Annahme. Am Abend versammelten sich viele Teilnehmer und Bewohner Friedbergs in demselben Raum zu einer geselligen Vereinigung, deren Programm hauptsächlich von Schülerinnen der Mädchenfortbildungsschule heft ritten wurde. Fräulein Else Sander hielt noch eine Ansprache über das Thema „Du und dein Volk", ebenso hielt noch Oberschulrat Bach eine beifällig aufgerrom- mene Ansprache. Chorgesänge, Deklamationen, eine dramatische Lllifführung „Der arme Heinrich" bildeten ein abwechslungsreiches Programm und hielten die Anwesenden lange in angeregter Stimmung zusammen. sf. Friedberg 30. Aug. Bekanntlich bestand die Absicht, in diesem Herbst hier eine Kreis- Acker- und Obstbau-Ausstellung zu veranstalten, und wurde zu diesem Zwecke und zur Ausführung der näheren Desttmmungen der Ausstellungs- Ausschuß zu einer Sitzung einberufen. In dieser Sitzung machte der Vorsitzende der Landwirtschafts kämm er für Oberhessen, Oekonomieoat Breidenbach von Dorheim, schwere Bedenken gegen die geplante Ausstellung geltend, da die anhaltende schlechte Witteruttg die Landwirtschaft geradezu einer Katastrophe entgegenfübre und auch abgesehen davon in ländlichen Kreisen eine tiefe Mißstimmung herrsche. Die vorgebrachten Gründe wurden allseitta als sttchhalttg angesehen und die Verlegung der Ausstellung auf nächsten Herbst einstimmig beschlossen. Unb in der Tat werden die Derhciltnisse mit jedem Tage trostloser, rncht nur ist die Getreideernte jetzt schon zum größten Teile als verloren zu betrachten, auch die Kartoffelernte wird, wenn nicht der ersehnte Wetterumschlag bald erfolgt, im höchsten Grade durch die eintretenbe Fäulnis gefährdet. Stttrkcttdurg und Nticinlfcsscn. * Darmstadt 31. Aug Der 22jährige Student Christian Kahl aus Aschaffenburg erhielt hier vor einiger Zeit auf bis jetzt noch in- aufgeftärte W:ise einen Schaß in die Brust, als er eines Abends mit noch anderen Studenten nach Hause ging. Man nimmt an, daß sich der Schuß insolge unglücklichen Hantterens aus dem Revolver eines seiner Begleiter gelöst hat. Die Kugel wurde jedoch bald entfernt und der Zustand des CZkrtDunbeten besserte sich so, daß er bereits im Krankenhaule Friedberg Ausgang erhielt und sich mit der Absicht tragen konnte, in diesen Tagen nach Hause zu seinen Eltern zu fahren. Jetzt ist Kahl plötzlich gestorben. Er hatte einen Spaziergang gemacht, beim Umkleiden in seinem Wohnzimmer fiel er plötzlich auf das Bett und verschied. Die Todesursache war Lungenlähmung. • Darmstadt, 29. Aug Im bernahe vollendeten 92. Lebensjahre ist hier Geheimrat Dr. Gustav Siebert gestorben. Er hat dem Staat als Salinenmeister in Bad Rau heim, als Rentamtmann in Homberg a. d O. und in Lampertheim, sowie zuletzt als Vortragender Rat bei der Oberpechnungsstimmer gedient. Im Jahre 1913 war er in den Ruhestand getreten, nachdem eF ihm noch vergönnt war, fein 60jäh- riges Dienstjubiläum zu feiern. — Hier ist gestern nach einem Dortrage des Architekten L. Heilmann eine Bau- und Siedelungsgemein- icyasr gegrunöet rouwen. — -sei mengen ja- milien hatte sich auf Grund von Zeitungsanzeigen eine Frau für Hausdienste einfi ollen lassen. Rach kurzer Zeit verlieh sie ihre Stelle unter Mitnahme verschiedener Gegenstände. Der Polizei gelang es. die Diebin in der vielfach vorbestraften 36jährigen Clise Wenz auS Worms v>n Darmstadt aus telephonisch zu er* demnächst, wie in einigen anderen Städten, der sog. Telephon-Schnellverkehr eingerichtet. Es können bann, ohne daß das Fernamt in Anspruch genommen wird, Orte in einem gc« wissen Lim kreis unmittelbar, wie im Ortsverkehr, angerufen werden. Ohne weiteres ist bann z. B. Worms von Darmstadt aaus telephonisch zu erreichen. Eine Reihe vberhessischer Orte, wie Friedberg und Bad°Rauheim können in derselben Weise dann von Frankfurt aus angerufen werden. Dom Fliegerlager auf der Wasserkuppe. Don dem Sonderberichterstatter des „Gieß. Anz.' Wasserkuppe, 28. 2Iug. Je näher dem 31. August, dem Ende des Rhon-Segelslug-Wettbewerb^. desto schlechter die allgemeine Wetterlage. Während man noch am Dienstag glaubte, in der Rachwoche sei Besseruns des Wetters zu envarten, scheint diese Hoffnung heute völlig illusorisch Immerhin war Dienstag und Mittwoch nachmittag reger Flugbetrieb, der durch Ausschreiben von Tagespreisen erhöht toirroc. Dec bedauerliche Unfall des Berliners Hohmuth. der, wie ich bereits berichtete, mit seinem Motorflugzeug aus etwa 25 Meter Höhe abstürzte, ist glücklicherweise nicht so schwer, wie man allgemein zuerst annahm. Die kompliäerteir Beinbrüche, die er dcwontrug, dürften wohl darauf zurückzuführen fein, daß der Motor auf ihn fiel Das Auto der Sanitätskolonne Fulda brachte ihn in das dortige Landkrankenhaus. Bon den verschiedenen Typen der hier bc^ f in blichen Segelflugzeuge ist bejonders zu erwäh nen die „Königin Luise" des Ostpreußen Schulz, der auf das übliche Seitensteuer verzichtet. Er bewirkt die Seiten st euerung durch Drehung der Enden der Tragflügel. Die Ucbcrlegung, von. der er bei dieser Konstruktion wohl ausging, ist, daß die Vögel auch nicht über ein ©eitenfteuet verfügen, und ihre Kurven in der Hauptsache durch Kürzen des einep Flügels, der bei der Kurve nach außen kommt, beschreiben. Dieser: kürzere Flügel findet bann weniger Widerstand in der Luft als der andere, und dadurch wird die entsprechende Kurve hervorgerufen. Die „Königin Luise" ist wieder vollkommen hergestellt, was nur durch die eifrige unermüdliche Hilfe von Fliegerkameraden ermöglicht wurde. Unter den Flügen vom 27. sind u. a. zu erwähnen, „Margarete" mit Fuchs. Sie errang den für diesen Tag ausgeschriebenen Zielflugpreis. Die Landung erfolgte in nur 7 Meter Entfernung vom Ziel. Außerdem flog Martens auf „Moritz" 17 Minuten lang und landete dann ganz in der Rähe seiner Flugzeughalle. Er erhielt den Tagespreis von 100 Mark, dazu eine Photokamera Weiterhin wurde ein Geschwrndigkeitspreis ausgeschrieben für Flugzeuge 'mit Hilfsmotor Es ist dabei ein Dreiecksflug vorgesehen, von der Wasser kuppe aus muh die Milseburg unb die Ebersburg umflogen toer.Kn. Die Landung muh an der Startstelle erfolfenj Hoffentlich laßt die Witterung die Austragrng dieses interessanten Wettlluges zu. Zur Zeit sind etwa 450 Personen im Fliege-- lager mehr oder weniger eifrig tätig. Straßenbau, Dau einer Flugzeughalle unb sonstige Arbeiten nehmen eine große Zahl von Arbeitskräften in Anspruch. Für die letzten Tage, be= sonbers aber zum 31. August, rechnet man hier oben mit auhererbentlich regem 'Betriebe. Auswärtige Besucher seien aber darauf aufmerksam gemacht, dah das Rhönktima stets um einigt Grab kälter ist als z. B. das Giehener, und dah es nicht geraten ist, in dünnen Sommerkleidern, Lackschuhs und Seibenstrümpfen den Aufstieg oder auch die Auffahrt hierher zu wagen. Denn selbst an regen- und nebelfreien Tagen sorgt der hier ständig wehende Wind dafür, daß man sich nur in richtiger Wintergarberobe wohlfühlt. Heute, am 28., ist das Wetter derart, daß man sich nur mit Lebensgefahr aus seiner Baracke hervorwagen fcrrai. An Fliegen ist daher heut« nicht zu denken. Dr. H. M. * (Die hessische Regierung sowie bet Landtagspräsident Adelung und eine Abordnung der Technischen Hochschule Darmstadt, ferner als Vertreter der hessische Industrie der be> kannte Grohindustriäle Dr. Merck besuchten gestern oftizrell die Rhönsegelflüge. Bei dieses Gelegenheit wurde mitgeteüt, daß das hessische Ministerium erneut einen Preis gestiftet habe, um den in den nächsten Tagen geflogen werden soll. Die Technische Hochschule Darmstadt gat dem Förderer des Segelflugs, Konsul Dr. Kvhen- berg (Frankfurt a.M.) die Würde eines Doktor h. c. verliehen. |Stellenangebote| jüngerer öurfche imrb aeiuchl. V-am wird gesucht. Marktplatz 21 MI. äiminet au vermieten fr,5Mn Lteinstraße <>5 l. Tücht. 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Jeder Kenner des ehemaligen Rußlands und der heutigen Sowjet-älnion hat von jeher betont, bah es dem Lande nur dann möglich sein wird, sich von den schweren Folgen des Welk- und Bürgerkrieges zu erholen, wenn es die Landwirtschaft auf seinen Vorkriegsstand bringt und die Industrie neu belebt, wodurch sich eine feste, zuverlässige Wahrung schassen läßt und das Der- trauen des Auslandes wiedergewonnen würde, das sich nur dann zur Stellung der notwendigen, langfristigen Kredite hergeben würde. Die LInbedingthett dieser Forderungen ist von der Sowjetregierung auch stets offen zugegeben worden, doch nur auf dem Papier, wogegen tatsächlich die Stellungnahme der Sowjets dem vollkommenen Gegenteil entspricht. Die erste Vorbedingung, die Einführung des längeren Arbeitstages, steht im Gegensatz zu der, wenn auch nur nominell bestehenden Fürsorge der arbeitenden Klasse, und deshalb wird die 6—bstundige Arbeitszeit beibehalten, und auch diese wird nach Möglichkeit vermindert. In diesem Jahre hat sich die Getreideanbaufläche um 30 Prozent gegen das Vorjahr verringert, so dah selbst bei einem günstigen Smtea uSsall immer noch ein bedeutender Fehlbetrag verbleiben würde, durch welchen die gerade noch aktive Handelsbilanz leicht ins Schwan- ten geraten würde. Vor allem übersteigt der Ge- kehungspreis des russischen Getreides schon lange Een Weltmarktpreis. Dem liegen die sich ständig erhöhenden Arbeitslöhne zugrunde, wodurch die Hasen» und Verladekosten, aber auch die Transportkosten derart verteuert werden, dah nicht nur das Getreide, sondern auch alle übrigen russischen »rtoaren nicht mehr konkurrenzfähig blei» nen. Die unausbleibliche Folge ist, dah sich Europa den w e st l i ch e n Märkten zuwendet, die dank ihrem Ueberschusse und den billigeren Frachten erheblich günstiger liefern. Durch die diesjährigen Ernteergebnisse ist die Landwirtschaft in eine derartige Lage verseht, dah auch für das nächste Jahr mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet werden muh, selbst wenn ein bedeutender Umschwung in der Wirtschaftspolitik eintreten sollte. Auch die Lage der Industrie verschlimmert sich beständig, wenn auch die Sowjets erneut das Bestreben des Zusammenarbeitens mit Pri- baten zeigen, weil ihnen sowohl die Fachkennt- rrtsse, als auch die Geldmittel zu intensiverer Ar° deit fehlen Dor allen Dingen ist die russische Industrie heute nicht mehr imstande, auch nur einen ganz geringen Bruchteil des Landes mit Indust rieerzeugnissen und Rohfabrikaten zu versorgen, selbst wenn eine bedeutende Belebung der flbd> bestehenden Industrien erreicht werden sollte. Die älrsächen hierfür liegen an der geradezu an Irrsinn grenzenden Methode der Aufrechterhaltung ter zu Trusts vereinigten Betriebe. Die Behauptung, dah die Vertrustung Der.Industrie für das heutige Rußland vielteicht eine sehr zweckmäßige Einrichtung fei. kann man Unter Wahrung gewisser Reserven schon gelten Hassen, doch ist die Art unb Weise der Ver- waltung keineswegs zu rechlfertigen. Die Trusts sind sämtlich mit einem gewissen «teils sogar recht beträchtlichem Kapital gegründet worden, welches jedoch schon noch kurzer Arbeitsdauer von den durch die enormen hohen Produktionskosten — die vom 3- bis zum 15fachen der enormen Kosten betragen — hervorgerufenen dauernden Verluste aufgefressen worden Die Tiusts hatten von vornherein nicht das genügende Geld, um auch mir den grössten Teil ihrer Betriebe arbeiten zu lassen. Daher wurde nur ein kleiner Bruchteil der Betriebe in Gang erhalten und, "Da die Mittel selbst dazu nicht langten, um für diese Betriebe die seit vielen Jähren notwendigen Ersatzteile zu beschaffen, so wurden diese den ftilliegenden Betrieben entnommen, deren Maschi- schinen und Materialien dann als „Altmaterial" verschleudert wurden, 'vozu jedem Trustleiter ge- setzmäßia das vollste Recht zustand. Wenn man nun bedenkt, das) die Leitung zumeist in den Händen von „politisch zuverlässigen" Leuten liegt, die jedoch über feinerlei Fachteirntnisse verfügen, ßo kann man sich sehr wohl vor steilen, in welchem hoffnungslosen Zustande sich die heutige russische ^Industrie befinden muh. Man kann selbst auf Grund der amtlichen Daten feststellen, dah etwa -60 'Prozent der normalen russischen ilnternelj- men auf diese Weise vernichtet worden find, teils sogar für ewige Zeiten. Eine weitere Ursache des wirtschaftlichen Zerfalls liegt im Handelsmvnop)!. Es ist zwar sehr verständlich und kann, unter Derücl- sichtigung der bestehenden Staatsform, auch nur ganz zweckmähig genannt werden, dah ein solches Monopol ein» und duvchgeführt würbe, doch mangelt es auch hier dem Staate sowohl an Mitteln, als auch an Routine und Tätigkeit, um das Monopol unter den obwaltenden wirtschaftlichen Verhältnissen zu unterhalten. Die staatlichen Organisationen können aus GeDmangel weder die Einfuhr noch die Ausfuhr h^en, und letzteres besonders, weil sie die Transportkosten, als) U>rc eigenen Schöpfungen, scheue-'. In der letzten Zeit sind alle Rachteile eines derartigen Monopols besonders scharf zutage getreten. Die ausländischen Dampfer kommen mit wenig Ladung und gehen fast leer, denn die einzigen Ausfuhrpr^ukte sind Petroleum und Manganerz. Die letzte Hoffnung der Handelsbehvrden, das ausländische Kapital durch Schaffung sogenannter „gemischten" Gesellschaften zur Hergabe von Krediten zu bewegen, ist auch gescheitert, beim niemand will sich mehr dazu bergeben, einer vollkommen verfehlten Politik auf diese Weise Halt zu verleihen. Die wirtschaftliche Lage hat sich im laufenden Jahre in Ruh land derart zugespitzt, dah allerseits die iteberzeugung feststeht, dah sich die Staatswirtschaft vor unüberwindliche Hindernisse gestellt sehen wird und daher schon aus Selbster- Haltungstrieb von ihrem bisherigen Kurse ab- weichen muh, denn nur auf diese Weise Tann es gelingen, der eigenen äftrprvduktivität Herr zu werden und gröbere ausländische Kapitalinvestierungen herbeizuführen. * Aaneri kanischer 500-Millionen- ^Kredit. „Daily Exchange" meldet aus Amsterdam, dah dort am Mittwoch und Donnerstag ein ^Koedit-AKonrmrii .^.vischen anrerikainschen jDcurkers und beut|\.- industriellen abgeschlossen worden sei. auf Grund dessen letztere 500 Mil- I lionen Goldmark Kredit erhalten, vorausgesetzt, dah der Reichstag den Dawes-Bericht annehme. Rachdem der Reichstag -ugestimmt hat, fei nun das Abkommen perfekt geworden. e Bezugskredite des Kalishudi- late». In einem Rundschreiben teilt das Kali- shndikat seinen inländischen Abnehmern mit, dah für alle Aufträge, die vorn 1. Septembe- 1924 bis 15. Oktober 1924 zur prompten Lieferung eingehen, ein dreimonatigerWechselkre- d i t gewährt wird Als Ausstellungstag gilt der Verladetag. Bei fristgemäßer Zahiung wird ferner außer dem üblichen Kassakonto von 1'/ . Prozent eine Sondervergütung von 11 > Prozent je Monat auf txm Retto rech nungs bet rag l Warenpreis abzügl. I1/« Prozent Skonto) vom Fälligkeitstage an, jedoch nicht über drei Monate hinaus, gewährt. Die im Rundschreiben vorn 10. Juli ds. Is. erwähnte Risckopränrie von 1 Prozent, ferner die Rabatte und die Baisse- klausel bis 31. Dezember 1924 gelten auch für alle Bestellungen, die auf Grund der genormten Bedingungen abgegeben werden * Eröffnung der Leipzige r Her bft - messe. Die Leipziger Herbstmesse ist am Sonntag in der üblichen Weise ohne besondere Feierlichkeiten eröffnet worden. Infolge der Annahme der Gesetze zum Dawes-Gutachten durch den Reichstag sind noch in letzter Stunde zahlreiche telegraphische Anmeldungen von Mefsebesuchern eingelaufen, so dah doch mit einem guten Messegeschäft gerechnet wird. Die sonst übergroße Zahl von sogenannten Sehleuten ist diesmal allerdings nicht zu verzeichnen. Die städtischen Gebäude prangen aus Anlaß der Messe erstmalig im Flaggenschmuck. Besonders stark ist, wie auch bei den früheren Messen, der Besuch aus Oesterreich, der Tschechoslowakei und Holland. Ebenso sind zahlreiche Rumänen und Ungarn eingetroffen. Aus Polen hatten die Befucheranmeldungen am Sonntag mittag bereits die Besucherzahl 1000 überschritten. Außergewöhnlich groß ist auch die Besucherzahl aus Spanien als Folge des am 1. August in Kraft getretenen deutsch-spanischen Abkommens. Belgier und Franzosen sind auf dieser Messe ebenfalls zum ersten Male wieder in größerer Zahl anwesend. Auf der Messe wurde die Frage eines weiteren Preisabbaus lebhaft besprochen. Trotz der gegenwärtigen Spesen und der öteuerbelaftung erklärten sich zahlreiche Fabrikanten bereits am ersten Tage zu einem erheblichen Entgegenkommen bereit. Beispielsweise betrug in Haus- und Küchengeräten bei manchen Ausstellern der Preisrückgang im Vergleich zur letzten Frühjahrsmesse 10 bis 15 Prozent. Im ganzen Bereich der allgemeinen Mustermesse konnte man einen lebhaften Bedarf erkennen, der günstige Aussichten für das weitere Messegeschäft eröffnet, je mehr sich die Auswirkung der letzten Reichstagsbeschlüsse auf das Wirtschaftsleben durchsetzt. Besonders belebend wirkt die Tatsache, daß am 9. September die Zollgrenze zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet fortsällt. Für zahlreiche Branchen der F e r t i g w a r e n i n d u st r i e , die ihren Sitz im unbesetzten Deutschland, ihr Hauptabsatzgebiet aber im westlichen Industrierevier haben, bedeutet dies eine Aussicht auf einen kräftigen Erfolg nach langer Stagnation. Auf der Technischen Messe macht die Gesamtausstellung einen wirkungsvollen Eindruck. Alle Industriezweige sind gut vertreten. Besondere Erwähnung verdienen das Haus der Elektrotechnik und die Ausstellung des Eisen- und Stahlwaren in duftriebundes El- berfeld. • Guter Abschlu ß der Essener Ta- bakmefse. Der Verlauf der Essener Tobakmesse war recht befriedigend, besonders wenn man die Ergebnisse der übrigen in letzter Zeit in der Rheinprovinz veranstalteten Messen — so auch der Kölner Messe — zum Vergleich stellt Im ganzen werden wohl 6—7000 Be ucher die Messe besucht haben, wovon der größte Teil aus ernst-- lichen Reflektanten und Käufern bestand. Die Waren waren gut, auch die Qualitäten in den mittleren und höheren Preislagen haben gut abgeschlossen. Der Verlauf der Messe hat Aussteller und Veranstalter befriedigt, so daß man beschlossen hat, 1925 zwei Messen zu veranstalten, eine im Frühjahr und eine im Spätherbst. • Oden Wälder Hartsteinindustrie A. - G. in D a rm ftadt Die Generalversammlung genehmigte die Ausschüttung einer sofort zahlbaren Dividend« von 10 Billionen Papiermark je Aktie. Turnen, Sport und Spiel. Aug. Deibel bom Gießener Radfahrer-Derein 1885 Sieger im Großen Straßenpreis von Kurhessen über 250 Kilometer. Dom Gau Kassel des Landesverbandes Hessen im D.D. R. wurde gestern das schwierige Straßenrennen durch die Berge Waldecks und Hessens zum Austrag gebracht. Zu dem Rennen waren viele der besten Fahrer am Start erschienen. Aug. Deibel hatte feinen Vorsprung bei der 1. Kontrolle in Kassel von 3 Minuten bereits auf 13 Minuten erhöht, als er sich durch die mangelhafte Stratzen- besetzung verfuhr. Rachdem er auf der richtigen Fahrstrecke mit dem hinter ihm liegenden DrrS- Dortmund wieder zusammengetroffen war, belegte er im Endspurt vor diesem Fahrer den 1. Platz. Ergebnis: 1. Aug. Deibel, Gießen. 2. Dirks, Dortmund. 3. Werner, Erfurt usw. (S. Anzeige.) Strafkammer. Gießen, 29. Aug. Der Arbeiter Richard P. von Gießen war von dem hiesigen Amtsgericht wegen Sachbeschädigung zu 50 Ml. Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte als Arbeitsloser von der Stadt Arbeit in der städtischen Sarrdftrule an der Liebigs höhe bekommen und dort etwa Mitte Ianuar dieses Jahres die Stiele von 4 Pickeln zerbrochen. Seine Berufung hatte keinen Erfolg. Auch die Strafkammer hielt auf Grund des Ergebnisses der Beweisaufnahme für ertöteten, dah er die Stiele vorsätzlich zerbrochen habe Das Amtsgericht AltemsbaSt hatte den Händler Friedrich Gustav D. von Langenbergheim zu 140 Ml. Geldstrafe wegen Hehlerei verurteilt. D. hatte im Winter 1923 24 des öfteren Holz, das sein Schwiegersohn im Wald gestohlen hatte, mit seinem Fuhttverk weggesahren, ohne daß fest- gestellt werden konnte, wohin das Hüz gekommen war. Die Strafkammer formte nicht fest stellen, dah B. dies seines eigenen Vorteils halber getan hatte irrtb verwarf deshalb seine Berufung I mit der Maßgabe, dah die Bestrafung nicht wegen | Hehlerei, fonsern wegen Begünstigung erfolge Buntes Allerlei. Deutsch-amerikanischer Ducheraustausch. Vor dem Kriege hat zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland ein lebhafter Austausch amtlicher und wissenschaftlicher Druckschriften bestanden. Dieser während des Krieges voll kommen unterbrochene Austausch ist jetzt wieder in ®ang gebracht, wie in den Mitteilungen der Gesellschaft deutscher Raturforscher und Amzte hervorgehoben wird. Im Jahre 1922 wurden bereits wieder Sendungen aus 700 Kisten, von denen jede durchschnittlich zwei Zentner Gewicht hat, verteilt, und seitdem ist der Verkehr noch erheblich gestiegen. Diese amerikanischen Druckschriften werden durch das Amerika-Institut in Berlin an fast 35 000 Empfänger weitergegeben, unter denen sich staatliche und städttfche Aemter, ünioerftlätcn, wissenschaftliche Institute sowie einzelne Gelehrte befinden. Das Mnerika-Institut besorgt auch die Sendung deutscher Druckschriften nach Amerika, und zwar ist es bestrebt, jede nützliche Art von Wissen über Deutschland in Amerika zu ver- breiten und bei uns falsche 'Begriffe von amerikanischen Verhältnissen und amerikanischer Wesensart zu bekämpfen. Die Informationen, die von hier aus erteilt werden, erstrecken sich mit Ausschließung rein wirtschaftlicher und politischer Interessen auf ein außerordentlich weites Gebiet und haben in den letzten zwei Jahren bereits wieder viel Segen gestiftet. Für das Studium amerikanischer Gegenstände besitzt das Institut eine Bibliothek von mehr als 15 000 Bänden, die in einem mit zahlreichen amerikanischen Zeitschriften aus- gestatteten Lesezimmer in der Berliner Staatsbibliothek zugänglich gemacht werden. Eine „Shakespeare-Folio" für 2375 Pfund. Die „erste Folio", die Erstausgabe v>n Shakespeares Werken, eines der kostbarsten und gesuchtesten Werke des Büchermarktes, kam dieser Tage bei Svthbtzs in London zur Versteigerung. Das Werk stammte aus der Bibliothek eines Bücher- sammlers namens James Sothbh, der in den letzten Jahren des 17. und im Anfang des 18. Jahrhunderts eine kostbare Düchersammlung zu- sammenbnachte. Ein zeitgenössischer Rivale Raw- linson bat ihn als einen „stets betrunkenen Dummkopf" bezeichnet, aber irichtsdestoweniger war er ein. hervorragender Kenner, der Werte geschaffen, die heute feinen Rachkommen viele Zehntausende von Pfund bringen. Die Shakespeare-Folio, die zur Versteigerung kam, war ein verschiedentlich beschädigtes Exemplar, brachte es aber doch auf die stattliche Summe von 2375 Pfund. Bei derselben Versteigerung wurde eine lateinische Pergament-Bibel mit schönen Miniaturen aus dem 14. Jahrhundert für 3300 Pfund verkauft. In den beiden ersten Tagen der Versteigerung wurden im ganzen mehr als 40000 Pfund erlöst. Die Jngnisition dec Doktorandin. Eine junge Dame, die an der Columbia- llniberfttät Psychologie studiert, will chre Doktovarbeit über die interessante Frage machen: „Sind Frauen weniger wahrhaftig als Männe r“. Ihn dieses schwierige Problem zu losen, ist sie mm auf den Einfall gekommen, an sämtliche Studentinnen und Studenten der älniversitSt eine Aste mit 111 Fragen zu schicken, aus deren Beantwortung sie wertvolle Schlüsse zu ziehen hofft. Die Fragen sind nämlich höchst indiskret und erfordern große Freimüttgteit tn der Beantwortung. Sie nimmt an, daß, je wahrer der Antwortende ist, er sich desto rückhaltloser äußern wird. Einige Proben dieser modernen Art der Inquisition, die von den Reuhorter Aättern ausführlich behandelt wird, seien hier mitgeteilt: „Sind Sie schon einmal von Zuhause weggelaufen und über Rächt ausgeblieben? — Fühlen Sie sich schuldig, wegen irgendeines in der Vergangenheit begangenen Verbrechens? — aben ie schVVoHSn oft gestohlen? — Vermeiden S>aben Sie schon oft gestohlen? — Vermeiden Sie als Kind sehr ungezogen? — Wird Ihre Sinnlichkeit durch die durchschnittlichen Operetten erregt? — Können Sie noch erröten? — Mogeln Sie manchmal beim Spiel? — Lesen Sie gern unanständige Bücher? — Haben Sie schon einmal gewünscht, nicht geboren zu sein? — Würden Sie in einer fremben Stadt Dinge tun die Sie da, wo sie bekannt sind, nicht unternehmen? — Lügen Sie, wenn Sie glauben, daß cs nicht herauskvmmt? — Haben Sie Freude am Erzählen fragwürdiger Geschichten? — Halten Sie sich für erfahren im Flirten? — Haben Sie außereheliche Beziehungen? — ®ebraud)en Sie irgendwelche Anreizmittel? — Haben Sie sich sch>n mal Ihrer Eltern geschämt? usw." ehtt Seuchenftatistik für 1923. Während bei allen anzeigepftichtigen Krankheiten in der ersten Hälfte von 1923 ein starker Rückgang gegenüber dem ersten Halbjahr 1922 zu verzeichnen war, ist in der zweiten Hälfte des Iahres, tote tn der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" nritgeteilt toird, beiThphus und Ruhr eine beträchtliche Zunahme zu verzeichnen getoesen. Die Zahl dieser Erkrankungen überstieg daher 1923 die entsprechende Zahl des Vorjahres. Diese Vermehrung der Seuchen ist auf ein Anwachsen der Erkrankungen in den Orten mit weniger als 15 000 Einwlchner zurüchuführen, deren Mittellosigkeit die Bekämpfung der Seuchen erschwerte. Die geringste Zahl von Typhus wurde aus SüddeutscUand gemeldet, während die größten Zahlen auf Rorddeutschland entfallen, und zwar hatte Mecklenburg-Schwerin 11,51 Typhusfälle auf 10 000 Einwohner, Lübeck 7,66. Die Verschiedenheiten beim Auftreten der Ruhr waren in den einzelnen Gegenden viel geringer. Ihr verstärktes Auftreten beschränkte sich auf Preußen mit 1,8 Fällen auf 10 000 Einwohner, auf Heften mit 1,4 und Sachen mit 1J2. Die andern Länder blieben unter dem Reichsdurchschnitt von 1,37. Außer Typhus und Ruhr haben mir die Erkrankungen an Toll wu t 1923 gegenüber dem Vorjahr zuge- nvmmen. Der Rückgang der Erkrankungen an Diphtherie und Scharlach, der in den letzten Iah- ren zu verzeichnen war, hat sich 1923 verlangsamt. Sehr bedeutend war die Abnahme der Erkrankungen an Kindbettfieber, die durch den gleichen starken Geburtenrückgang hervorgerufen wurde. Fünf Stunden am Seil überm Abgrund. Drei italienische Bergsteiger muhten fünf Stunden lang an entern ©eil über einem 300 Fuß tiefen Abgrund hängen, bevor ihnen Hilfe geMontag, i. septemver bracht werden formte. Die Touristen, alle j. Turiner, waren ohne Führer auf den TI 000 Fuß hohen Aiguille de Gröpon hinaufgestiegen, einen der am schwierigsten zu ersteigenden Berge der Alpen. Beim Wstieg glitt einer aus und riß die andern, die an ihn ungeteilt waren, mit sich. Glücklicherweise blieb das Seil zwischen dem zweiten und dem dritten Mann an einem Felsen hängen, und die drei schwebten so an dem Seil über dem Abgrund Der Bergsteiger, der dem Felsen am nächsten hing, suchte vergebens, sich auf ihn heoaufzuschtoingen. Die Gefährten warnten ihn vor heftigen Bewegungen, weil sonst daS Seil von dem Felsen heruntergleiten könnte. So mußten sie in der furchtbaren Lage stillhallen. Der Vorfall war von unten beobadjtct, denn man hatte den Abstieg mit Ferngläsern verfolgt. Sofort- brach eine Retlungsgesellschaft von Führern auf, die aber den Ort erst bei Rächt erreichten. Rur mit großer Mühe konnten sie die drei in Sicherheit bringen. Der Abstieg nach Chamvm gestaltete sich sehr schwierig, da der eine ein 'Bein gebrochen hatte und die anderen mit Abschürfungen, Schnitten und Beulen bedeckt waren. Messer im Munde von Toten. Bei der Ausgrabung des BurgwalleS zu Göda bei Bautzen in der Oberlausih ist man auf eine Gräberstätte mit 20 Skeletten gestoßen. Im Munde der Toten fand man nun in mehrere«! Fällen messerähnliche Eisenstücke. Diese Stücke lagen zu in Teil so, daß sie zwischen dem Eck- und ersten Mahlzahn des Oberkiefers förmlich ein- gezwängt waren und auf beiden Seiten hervvr- ragten, zum Teil waren sie von vom nach der Rachenhöhle zu in den Mund des Toten eingelegt Diese Art der Toteirbeigabe bietet der Forschung ein Rä's'l dar, das bisher noch völlig ungcflärt ist. Die Skelette, die über spätslawischen Funden lagen, können nicht älter sein, als etwa 700 Iahre, sind -wahrscheinlich aber jünger. Man nimmt an, daß die Messer vielleicht mit dem Damphr-Glauben zusammen hängen, indem man dem Toten gegen diese älnholde eine Waffe in die Hand geben wollte: vielleicht stellen sie auch ein Dolksmittel dar, um weitere Pest- und Seuchengefahr zu verhindern. In der „Umschau" bittet Dr. Frenzel, Bautzen, ihm alle Anhaltspunkte mitzuteilen, die fich vielleicht zur Erklämng dieses merkwürdigen Totenglaubens öarbieten könnten. Das Handschuh-Kleid. Die neuen Moden, die bei dem letzten Rennen von Auteuil gezeigt wurden, lassen erkennen, dah die Damenlleidei- immer enger und kürzer werden. Fast scheint es, als ob die sommerliche Stimmung aus der großen Toilette ein - Badekostüm machen möchte. Die Kleider reichen kaum noch über die Knie: ja manche hören sogar direkt am Knie auf. Sie leuchten in einer geradezu unwahrscheinlichen Buntheit. So sah man z. D. eine Toilette, die auf eine gelbe Farbensymphonie gestimmt war, wobei die hellsten Töne rund um den Hals angebracht waren, dann immer dunkler wurden und fchlishlich in einem flamm enfarbigen Sasvnngelv um die Knie aus klang en. Aber wenn man glaubt, daß diese kurzen Kleider den Damen viel (pmgsireiheit gestatten, so irrt man sich gewaltig. Die Kleider sind so eng, daß sie tote ein Handschuh übergezogen werden müssen. Die Damen formen in bieten festanliegenden dünnen Futteralen nur ganz kleine Schritte machen, und es war ein tragikomischer Anblick, zu sehen, wie verschiedene der modern gekleideten Schönen sich vergebens bemühten, die Füße hoch genug zu heben, um In das Auto zu steigen, ohne dabei das enge feine Kleid zu zerreißen. Aus dem Amtsverkttudtsittuasblatt. Das neueste Amtsverkündigungsblatt vom 29. August enthält u. a.: 'Verordnungen über die Anzeigepflicht bei anfteden'oer Gehirn-Rücken- markentzündung der Pferde, über Erwerbslosen fürsorge, über Herstellung, Aufbewahrung und Verwendung von Azetylen, über Dienstpflichten der Feldschühen, über die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz und die Versicherungspflicht der Handarbeitslehrerinnen. Spteiplan der frankfurter Theater. Opernhaus. Dienstag, 2. Sept.: Mona Lisa. Mittwoch, 3 : Amelia oder Ein Maskenball. Donnerstag, 4.: Fidelio. Freitag, 5.: Lohen- arm. Samstag. 6.: Rigvlettv. Sonntag, 7.: Tristan und IsoDe. — Schauspielhaus Dienstag, 2. Sept.: Die rote Robe. Mittwoch, 3 Bummelstudenten. Donnerstag, 4.: Dame Kobold. Freitag, 5.: Bummelstudenten. Samstag, 6.. Die rote Robe. Sonntag, 7.: Dummelstudeirten. Bücherlisch. — Der deutsche Einblatt-Hol-- schnitt in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfährt in einem grof) angelegten Wappen- Werk des Münchener Verlages Hugo Schmidt eine überaus sorgfältige und eindrucksvolle Darstellung. Der Verlag strebt bei der Herausgabe mit Erfolg größte Vollständigkeit und technische Vollkommenheit der Reproduktion an, so daß baä Gesamtwert, von dem uns bisher ein Prospekt über die ersten 6 Mappen vorliegt, ein selten geschlossenes Bild einer der bedeutsamsten Kunst- zweige des ausgehenden Mittelallers zu geben verspricht. Geschäftliches. Die Reinigung von Oelf laschen ist das Schmerzenskind jeder Hausfrau. Hierfür eignet sich das bekannte Ata- Scheuerpalver ganz ausgezeichnet. 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Soll ich etwas besorgen für d n Herrn Junker?" Er ßört’8, er siehi's, wie sie knickst. Dazu reicht das Acht. Doch den schmerzlichen Zug um den lieben Mund, den kann er nicht sehen. ,Mußt nicht mehr bös sein. Hab's nicht so int. War ganz dumm von mir. ilrtb war Wahrheit: groß bist du geworden . und hübsch . . . liebe, liebe Ruth!" Sie macht' an ihm vorbei, zur Treppe. „Hab' Eile, Herr Junker." Aber er hält sie fest. „Was redest du, Ruth! Herr Junkerl Herr Junker! Das tut mir weh. Früher bin ich dein Kaspar gewesen. Da, schau' nur . . . hier am Daumen . . . das sind deine -Zähnchen. Weißt noch, im Pfarrgarten, und dir gelben und roten Blätter rieselten über uns. Da - . hab's nimmer vergessen, du Süße . . . Süße ... sei gut zu mir, hab' mich ein bißchen heb . . . wie damals . . . Ruth . . .“ Sie steht und zittert und hat ganz große Augen. Sagt leise, leise: „Das ist lange her . . . und aus dem Kaspar wurde Seiner Majestät Leibpage . . „'Was tut'S? Ich bleN, der ich war." Sie schüttelt den Kopf. Sieht zu Boden, sieht wieder auf. „Ich bitt' ... ich muh . . .“ „Lieb haben mußt michl Lieb haben!" Hat sie plötzlich umschlungen, fest, fest, biegt ihr das Köpfchen zurück, macht ihre Lippen stumm mit rasenden Küssen. And fühlt, fühlt, wie sie erschauert in seinem Arm, fühlt, fük^t, wie sie wiederküßt, heiß und durstig. ... ist doch nur ein Augenblick, sind bloß ein paar Herzschläge. Gleich w^hrt sie stch, wehrt ihn ab. schiebt den irdenen Krug wie eine Schuhwehr vor, macht sich frei. Atmet hoch und schwer. „Ruth! Süße — süße Ruth!" Da gleitet sie mit der Linken über die Stirn, als gab’ es viel zu glätten. Schüttelt den Kopf, sagt mit trauriger Stimme: „Das hält' nicht sein sollen." Sagt's wie für sich. And ist mit einem Male an ihm vorüber und die Treppe herunter. Auf seinen Lippen brannten noch ihre Küsse und brannten, während er in sein Kämmerchen ging. War wirklich wieder ganz der Kaspar von ehedem, hat seine Auch so lieb, so lieb, dachte nur an sie, hält' sich bloß gewünscht, daß er noch viel mehr Küsse von ihr gekriegt, daß sie ihm noch einmal mit den blanken Beißerchen in den anderen Daumen gebissen. Lacht, indessen er sich auskleidet, vor sich hin: was das Mädel küssen kann! Das Mädel — und wie schlau, daß sie den Krug nicht fallen ließ. And wie sie heiß imb kalt wurde, alles in einem! Liebt mich, liebt mich bei Gott! Heut wie ernst! Du Süße — du Süße — und morgen zum Abschied . . . Hört, wie sie die Treppe heranfkommen, die Frau Mutter und Ruth, und hat mit Herzklopsen den Jungensgedanken: ob sie wohl gepetzt hat? Huscht ins Bett, zieht die Decke bis ans Kinn. Nein, sie hat nichts verraten. Ober doch nur: der Herr Junker sind eben in feine Kammer, da haben wir noch ein paar Worte geredet miteinander. Die Frau Mutter lächelt, als sie eintritt. Putzt erst das Licht, legt die Kleider, die er auf den Boden geschlossen, geduldig auf dem Stuhl zurecht, sieht nach dem Fenster, ob es auch gut geschlossen, setzt sich dann auf den Bettrand. Richt daß sie viel zu sprechen hätten miteinander, die beiden, Mutter und Sohn. Ein paar Worte immer nur, dann und wann, eine Frage von ihr, eine Antwort von ihm. Richt über große Dinge, recht über Kleines, woran nur ein Mutterherz denken kann. Ob er auch auf seine Gesundheit acht habe? Ob der König ihm Don- ceur gebe und wie er haushalte? Wie es mit seiner Wäsche stünde? Ob der Marzanke gut täte? Auch noch einmal nach dem Pirch fragte sie und dann nach dem Cajetan. „Den Herrn Regimentsprediger, den halt dir warm. Gibt mir immer Ruh ins Herz, so du von ihm schreibst." And dazwischen hat die Frau Mutter bald ihm über die Wangen gestreichelt: „Ohm Christel hat recht. Dir wächst der Bart." Bald hat sie die Kissen glatt gestrichen. „Liegst du auch gut, mein Junge?" Darauf hat sie wohl gemerkt, daß der Sand- Minn nahe. Hat also mit ihm gebetet, wie einstens, _