Nr. 2 Erscheint ISgNch, außer Sonn, und Feiertags, mit derSamslaysbeilage: EiehenerFamilienbiätter Monatliche Btjugspreife: 760 Mark und 40 Mark llrägerlohn,durch diePost 800 Mark,auch bei Nicht- erscheinen einzelner Num- ment infolge höherer Gewalt. — Fernsprech. Anschlüsse: fürdieöchrift. Teilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. postschecllonto: Srantturl a. M. 11686. U5. Zahrgang Mittwoch, 3. Januar 1923 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drvck mtö Verlag: Vrühl'sche UniverfitS1§-vuch- und Zteindruckerei R. Lanze in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 rnm höhe für Anzeigenv 27 mm‘Breite örtlich 20 Mk., auswärts 25 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 100 MK.Dei Plag- Vorschrift 20°/o Aufschlag Hauptschriftleiter: Aua. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in (Biegen. Poincares Programm auf der Pariser Konferenz. r3an- (WTB.) Hava s veröffent- ltcht den Wortlaut des von PoincarS heute nachmittag vorgebrachten Programms wie folgt: So grausam auch Frankreich durch den Krieg geprüft worden sei, es werde sich nicht gleichgültig stellen, was die Wiedererhebung irgendeiner von denjenigen Nationen anlange, die heute unter der allgemeinen Krisis litten. Erst gestern habe es in der österreichischen Frage eine eklatante Probe von seinem Solidaritätsempfindei^ abgelegt. Es fei von dem lebhaften Wunsche beseelt, in engem Einvernehmen mit den Alliierten an der Befestigung des Friedens durch Ausführung der Verträge und an dem Wiederaufbau aller Länder zu arbeiten, die durch die Ereignisse der letzten Jahre in ihrer Lebenskraft getroffen worden seien. Indessen könne Frankreich nicht vergessen, daß Deutschland es sei, das ihm den Krieg erllärt habe, das in zehn französische Departements eingedrungen sei und sie planmäßig verwüstet habe. Frankreich sei der Ansicht, dah die vom Versailler Vertrag angeordnete re st lose Wiedergutmachung dieser Schäden ein Vöerk elementarer Gerechtigkeit sei. Es sei auch überzeugt, dah diese Wiedergutmachung die unerläßliche Vorbedingung für die Wiederherstellung der französischen Fi- 7«lnzen und die einzige logische Vorbereitung für einen Wiederaufbau Europas sei. In diesem Sinne unterbreitete Frankreich feinen Alliierten das Arbeitsprogramm, das die französische Regierung zu begründen, den einzelnen näher darzulegen und vor der Konferenz zu entwickeln gedenke. Es fönnte 1. den Versuch einer Lösung der Reparationsfrage und der Frage der interalliierten Schulden ausfindig machen, 2. die Annahme einer bestimmten Politik hinsich llch der Stabilisierung der Mark und der Reorganisation der deutschen Finanzen. 3. sofortige Beschlüsse über das von Deutschland verlangte Moratorium und die Pfänder und deren Beschlagnahmung durch die französische Regierung, sowohl um die während der Dauer des Moratoriums noch zu leistenden Zahlungen ficherzuftel- len, als auch um einem späteren Versagen Deutschlands vorzubeugen. Deutschland habe verlangt: 1. eine Herabsetzung seiner Reparationsschuld 2. die Festsetzung dieser Schuld nach Matzgabe seiner etwaigen Dudgetüberschüffe. Die letzte Forderung sei offensichtlich unangängig. Die Dudgetüber- schüsfe Deutschlands seien ja abhängig von seiner Politik und semem guten Willen. Die Erfahrungen der Vergangenheit können nicht das mindeste Vertrauen in die Zukunft einflöhen. Die französische Regierung erinnere in besonderer Rote ihre Alliierten an die unzähligen V e r f e h l u n- gen die Deutschland in den letzten Monaten begangen habe, sie seien bezeichnend und könnten den Franzosen keinerlei Illusionen lassen. Die französische Regierung erkläre, dah sie nicht geneigt sei, irgendeine Herabsetzung Ares Anteiles an den Zahlungen zu akzeptieren, die Deutschland auf Grund des Zcihlungsstatuts schuldig sei. Dieser Anteil sei ja schon heute nicht genügend, um die Pensions- lasten und den Wiederaufbau dec verwüsteten Gebiete zu decken. Sine Herabsetzung der deutschen Schuld konnte also von der französischen Regierung nur dann in Betracht gezogen werden, wenn gewisse unter ih'er Alliierten eine etwaige Herabsetzung oder anderweitige Regelung ihrer Forderungen an Deutschland durch Abänderung ihrer Anteilsähe und die Gewährung einer Priorität für den Wiederaufbau dec verwüsteten Gebiete zugestünde r. Es sei nicht Sach: Frankreichs, in diesem Punkte den Dispositionen der übrigen Gläubiger Deutschlands vorzugreifer. Ein offizielles Dokument der englischen Regierung habe jedoch vernehmen lassen, dah diese geneigt 'wäre, ihre Forderung an Deutschland unter gewissen Bedingungen, die die Frage der interalliierten Schulden betreffen, aufzugeben oder herobzusetzen. Die ftanzösische Regierung glaubt, ihren Standpunkt in dieser Beziehung genau darlegen zu müssen. Sie komme nicht weiter auf den ilr- sprung und die Bedeutung dieser Schulden zu sprechen. Sie denke nicht daran, ins Gedächtnis zu rufen, dah die interalliierten Schulden im Interesse des gemeinsamen Sieges eingegangen worden seien, dah fi: Kriegskosten darstellten und dah ihnen entsprechmd den durch Artikel 231 und 232 des Versailler Vertrages aufgestellten Grundsätzen die Reparationsforderun- gen vorangehen müssen. Die französische Regierung könne weder der Billigkeit halber, noch faktisch Kapital oder Zinsen dieser Schulden bezahlen, solange sie nicht zum allermindesten durch deutsche Zahlungen für dre bereits gemachten und noch zu machende Ausgaben für den Wiederaufbau der verwüsteten Gebiete gedeckt sei, und diese Ausgaben entspräche annähernd dem fianzö rschen Anteil an der Obligationen A. und B. Wenn gewisse Gläubiger Frankreichs geneigt wären, sich diesem Modus anzuschliehen, so wäre die französisch: Regierung bereit, rhnen von rhrem Anteil an den Obligationen C schon heute ern Rominalkapi.al in Höhe des nominalen Betrages ihrer Schulden zu übergeben. französische Regierung erklärt sich bereit, die Obligatio- nen C, die sie gegebenenfalls für ihre eigenen Forderungen in Zahlung erhält, zu annull re- ren. wenn dieser Modus von den anderen S.aa- ten akzeptier-1 würde und wenn diejenigen unter ihnen. die Gläubiger find, gleichfalls sich entschlössen, die Obligationen C. dre ihnen übergeben würden. zu annumerat.. Was die Zahlungsmodalität für die deutsche Reparattonsschuld anbelangt, so wie sie durch das Zahlungsstatut festgesetzt sei, oder so, wie sie unter den oben angeführten Bedingungen sich in herabgesetzter Form sich gestalten würde, so stehe die französische Regierung auf dem Standpunkt, dah es im gemeinsamen Iitteresso der Alliierten und Deutschlands liege, die Bezahlung dieser Schuld zu einem beschränkten Zeitraum zu sichern. Die ftanzösische Regierung ae- stehe infolgedessen zu, daß die Zahlungen, die Deutschland zu leisten haben werde, bis zu einem noch zu bestimmenden Datum und zu einem der Billigkeit entsprechenden Satze diskontiert werden mühten. Da derartige Zahlungen augenblicklich von Deutschland nur in annehmbarem Mähe von dem Ergebnisse der von ihm aufgelegten äußeren Anleihe geleistet werden konnten, glaube Pie französische Regierung, daß die alli ecten Regierungen durch alle in ihrer Macht befindlichen Mittel die Emission dieser Anleihe begünsti- gen mühten. Sie glaube übrigens, daß in einer sehr nahen Zukunft derartige Anleihen möglich seien und schon heute für einen, beschränkteren Anleihedienst in Deutschland wirklich: Sicherheiten geschaffen werden könnten und daß diese wirksam vom Garantie-Ausschuh kontrolliert werden könnten, demgemäß den Bestimmungen des Londoner Zahlungsplanes Vertreter der Anleihezeichner brigrgeben werden könnten. Eine ausgedehnte Mobilis'.emng der deutschen Schuld könne jedoch solange nicht erzielt werden, solange nicht die deutschen Finanzen in Ordnung gebracht seien, und zwar unter den im vorausgegangenen Kapitel bezcich reten Bedingungen und unter der angeführten Kontrolle. Zur Organisation der deutschen Finanzen ist die französische Regierung dec Ansicht, daß das Rco.ganisationsprOgramn'. dec deutschen Finanzen im wesentlich:.!, wie folgt, aufgebaut sein werde: 1. Ausarbeitung eir.es Stabilisierungs- Planes der deutschen Währung durch die deutsch: Regierung, der der Reparativnskommission zur Billigung zu unterbreiten wäre. Dieser Plan dürfe keine anderen Interventionen auf dem Devisenmarkt enthalten als die, die notwendig seien, um den äußeren Wert der Mark auftechtzuerhal- ten. deren Kurs zu Beginn der Operation setzt werde, bis der innereWert der Währung aufs neue konstant gehalten und angeglichen sei. 2. Sofortige Mahnahmer seien zu ergreifen, um das deutsche Budget ins Gleichgewicht zu bringen und dieses Gleichgewicht auftechtzuerhalten. dah man progressiv in den Ausgaben die notwendigen Kredite einstelle, um Deutschland zu gestatten. seine Reparationen zu bezahlen. 3. Von Anbeginn der Anwendung des^Stabilisierungs- Planes sollte die Deutsch: ReichDanl den Diskont für Schatzbons einstellen. Bedürfnisse des Deutschen Reiches, die nicht provisorisch durch die normalen Einnahmen gedeckt seien, feien durch innere Geldanleihen flüssig zu machen. 4. Zur Verstärkung der Dispositionen, die geeignet seien, die Kapitalflucht zu verhindern, diene die Thesaurierung ausländischer Devisen im Inlande und die Organisation der Kontrolle der voraufgegangenen Verfügungen durch den Garantieausschnh unter folgenden Bedingungen: a) Ein vollkommener Plan der gesetzgeberischen und Derwaltungsmahnahmen sei von der deutschen Legierung im Einverständnis mit der Reparationskom- Mission a u f z u st e l l e n. Die deutsche Regie- rucg übernehme die Verpflichtung, sofort diesen Plan dem Reichstag zu unterbreiten und, wenn nötig, auch den Parlamenten der Länder, die ihn unterstützen und sich verpflichten mühten, daran nichts zu ändern ohne Einwilligung des Garantieausschusses. b) Dec Garantieausschuh werde in den Stand gesetzt, die Ausführung dieses Programms zu verfolgen und so in jedem Augenblicke in allen Einzelheiten den Stand der Finanzverwaltung des Reiches und der Gliedstaaten kennen zu lernen. Der Ausschuß könne zu diesem Zwecke zu allen Eingrisfsmitteln seine Zuflucht nehmen, die er für nützlich halte. Sc könne jede Ausgabe, die ec für inopportun halte, versagen und jede Erhöhung, die er für notwendig Halle und bestimmt sein sollte, Deutschland zu gestatten. seine Reparation slasten zu begleichen, vorfchceiben. Er werde übec die Reichsbank und alle anderen Organisationen, die damit beauftragt seien, in die Abänderung der deutschem Währung einzugreifen, die notwendige Kontrolle ausüben, um die Ausführung des verfolgten Planes sicher- zustellen, den die Reparationskommission gebilligt habe, c) Wenn das vorstehende Programm nicht innerhalb der festgesetzten Zeit von den Regierungen angenommen werde, und we:rn dir vvl geschiebenen 'Verpflichtungen nicht durchgeführt würden oder wenn man sie nicht halte, wenn also die deutsch: Regierung sich nicht unmittelbar den Anforderungen der mit der Kontrolle beauftragten Organismen füge, dann werde diese Verfehlung als eine vorsätzliche Verfehlung im Sinne der §§ 17 und 18 des Anhangs H Abschnitt 8 des Friedensvertrages von Versailles angesehen und die in dem Kapitel 4 vorgesehenen San t- tioncn sofort und automatisch in Kraft treten. Die alliierten Regierungen verpflichten sich im voraus gegenseitig, ihren Delegierten b.si der Re- parationskommission Instruktionen in diesem Sinne zu geben, d) Die Bestimmungen des Artikels 7 des Zahlungsstatuts der Schulden, das Garantiekomitee zu ermächtigen, sich in die deutsche Verwaltung einzumischen, körn' nach dec französische Auffassung der Durchführung 6er boraufgegangenen Bestimmungen nicht hinderlich fein. Selbstverständlich bedeute die vorerwähnte De» | stimmung nur, daß das Garantiekomitee nicht an die Stelle der deutschen Verwaltungszweige treten | und deren Leitung übernehmen könne, e) Die Verlegung des Sitzes des Garantiekomitees nach Berlin und die Angliederung von Vertretern der Zeichnerländer an das Komitee, soweit ausländische Anleihen aufgelegt sind. Die französische Regierung sei der Ansicht, daß Deutschland in der Lage wäre, im Benehmen mit den Großindustriellen 1923 eine ausreichende Anstrengung zu machen, um das Za h - lungsstatut auszufuhren, und daß auf alle Fälle das von Deutsch.and verlangte Moratorium nur unter der Bedingung annehmbar fei. daß es sich nicht auf sämtliche Zahlungen erstrecke, die Deutschland schuldig sei, und daß ihm als Gegenwert die Beschlagnahme von Pfändern gegenüberstehen. Ausdehnung und Dauer des Moratoriums. Die französisch: Regierung sei nicht geneigt, ein längeres Moratorium als für zwei Jahre ins Augezu fassen Sie sei sogar der Ansicht, daß diese Frist nur dann bewilligt und aufrechterhalten werden könne, wenn Deutschland im Einverständnis mit der Repaca- tionslommission eine unerläßliche Anstrengung mach ?, seine Finanzen zu reorganisieren und wenn cs die notwendigen Dispositionen der Anleihen ergreife, die zum Teil dazu bestimmt sind, den Ausgleich seines Budgets und die Stabilisierung der Mark zu erleichtern, und dec Rest, um schon im Laufe des Moratoriums mit der Tilgung seiner Schulden zu beginnen. Was die Ausdehnung des Moratoriums anbelange, so halte es die französische Regierung für angebracht, daß weiter bezahlt würden: 1. Besatzungskosten, wie sie durch das Abkomme:: vom 11. März 1922 verfügt worden feien, 2. die Ausgaben für die interagierte Kom- Mission m den Rheinlanden und 3. die Ausgaben für die Mili t är- und Marinekommissionen. 4. Die Barleistungen unter den nachbenannten Bedingungen. 5. Weiter zu leisten wären auch die Sachlieferungen unter den im Versailler Vertrag und in den geltenden Abmachungen vorgesehenen Bedingungen. Daneben hätte Deutschland ferner die anderen Verpflichtungen (Ausgleichszahlungen, Restituttonen usw.) zu erfüllen, die der Versailler Vertrag und die.anderen Abmachungen Deutsch- . .-usrrl'gt haben, und zwar unt:c der Bedingung. die sie augenblicklich beherrschen. Da- die letzten drei Jahre gezeigt hätten, daß es unmöglich sei, Vertrauen zur Anstrengung Deutschlands bei seinen Verpflichtungen, die es übernommen habe, zu haben, sei die ftanzösische Regierung der Ansicht, daß die Pfandnahme unerläßlich sei, und die srnirzösische Regierung glaube, dah _ die Durchführung der nachfolgenden Pfänder die Zahlungsfähigkeit Deutschlands nicht vermindere und nicht geeignet fei, die Sanierung der Finanzen zu beeinträchtigen. Die Pfänder werden genommen, um die Ausführung dec Mocatoriumsbedingungen sicherzustellen, sowohl was die Reorganisation der deutschn Finanzen betreffe, als es auch die beschränkten für diesen Zeitraum vorgesehenen Zahlungen, ferner um den alliierten Mächten die Fortsetzung und Ausdehnung dieser Zahlungen bei Ablauf des Molatoriums zu sichern und, wenn Deutschland in diesem Augenblick nicht die notwendigen Maßnahmen ergte.f :ix werde, um normal seine Schil- den zu begleichen. Wenn während der Dauer des Moratoriums Deutschland genügmd umfangreich: Anleihen abgeschlossen habe, di: zur Amortisierung des Kapitals der deutschen Schulden zur Verfügung 6er Revarationskommission gestellt werden, könne ins Auge gefaßt werden, der deutschenRegierungdieErträgnisse der Pfänder zur Verfügung zu lassen, sei es einen Teil der Sachlieferungen, sei es ihren Gegenwert vom Ertrag der Anleihen. Aber die französisch: Regierung glaube, daß alle nützlichen Dispositionen getroffen werden mühten, um di: sofortige Produktivität der Pfänder', deren Beschlagnahme sic ins Auge gefaßt habe, sicher- zustellen und um die Organismen zu schaffen und funktionieren zu lassen in dem Maße, in dem es die Umstände notwendig machen. Das von der französischen 'Regierung ausgearbeitete Programm versuche soviel wie möglich jede militärische Besetzung zu vermeiden, aus- geonmmen den Fall, daß Deutschand sich nicht anfhenge, all: Verpflichtungen zu halten, die das Prog arnrn ihm auferlegt, in welchem Falle auch die Sanktionen automatisch in Kraft treten, die im nachfolgenden Kapitel vorgesehen sind. In dieser Hi rsicht übernehmen die Alliierten gegeneinander eine absolute Verpflichtung, sei es diese Sanktionen gemeinsam anzuwenden, sei es keinerlei Sinwendunger zu erheben, wenn einer von ihnen allein sie zur Anwendung bringt. Die französische Regierung sei übrigens davon überzeugt, daß, wenn die Alliierten dieses Programm annehmen, und mit ihr gemeinsam arbeiten, um es der deutscher Regierung cmfzu- zwingen, feine Durchführung keine.lei ernste Schwierigkeiten ersah er werde und daß es jede Truppenbewegung im beetzten Gebiet unnötig machen werde. Besondere Explikationen werden geliefert werden im folgenden Programm, übev das ein Resume gege'c i werde. 1 Pfänder, um die Sachlieferungen sicherzustellen. 2. Kohle. Eine internationale Kontrollkommission, bestehend aus Ingenieuren, deren Vorsitzender ein Franzose ist, und in dec sich die Stimmen in dem Verhältnis zu den Kohlenlieferunzen verteilen, die den interalliierten Mächten zustehen, wird nach Essen geschickt und mit dem Beistand der deutschen Legierung mit den notwendigen Vollmachten versehen, um die Tätigkeit dec Kohlensyndikate zv überwachen und um durch Befehle, die der Präsident erteilt, sei es dem Kohlensyndikat oder dem deutsche Tranzporlient die strikte Anwendung des von der Reparationskvmmission festgesetzten Programms sichnzustellen Die Rhsinlandkommission soll "6ie Befugnis erlangen, Ordonnanzen im Ruhrgebiet zu er* lassen, um die Ausführung der von der e'rnzu- sehenden Komikiissivn erlassenen Bestimmung^ sicherzustellen. Es werde Deutschland notrfiziert, daß die alliierten Regierungen sich das Recht vrrbehallen, die notwendigen Maßnahmen zu er greifen, um zu ihren: Ruhen in den Staais- und Kcmmunalwäldern des besetzten Gebietes Holzschnitte durchführen zu lassen. (Der Schluß war bei Rrchaktionsschluß noch nidv eingelaufen.) Die erste Sitzung. Paris, 2. Jan. (WTB.) Die erste Sitzung der interalliierten Konferenz, die um 2 Ahr eröffnet wurde, war bereits um ein Viertel nach 4 Ahr zu Ende. Im Verlauf der Sitzung wurden die französischen, englischen und italienischen Pläne von Poincar^. Bonar Law und Della Toretta entwickelt. Diese drei Pläne werden im Laufe des heutigen Abends veröffentlicht werden. Die nächste Sitzung der Konferenz ist auf morgen nachmittag 3 Ahr anberaumt worden. Am ein gründliches Studium der verschiedenen vorgebrachten Thesen zu ermöglichen, ist es nach Hava-: nicht ausgeschlossen, dah eine Sachverständigenberatung bereits morgen vormittag dcw Studium der vorgebrachten Pläne beginnen wird. Ministerpräsident Poincare hat heute vormittag Donar Law und Lord Curzon einen Besuch abgestattet. Lord Curzon hat um 12 Ahr die Rückreise nach Lausanne Die Ge chlftSleitung der . Darmftäbter Doche hat ihre Remter niedergelegt und die Ausschüsse ausgelöst. 19. März Gründung emer Kommunalen Landesbank in Darmstadt 23. Mürz. Zusammentritt deS Landtages 26. März. Der Svang. SatdeSttrchmtug nimmt dis De:Wfung an Dir Tagung ist beendet. 30. März Der Landtag beschieß die Umlage zur Tilgung der Millionenschuld der Landwirt schaltS kammer 6. April Beratung und Ab'.inmmng über die Getreideumlage bn Landtage 18. Mai Der StaatSvoransch ag 1922 23 ist Cem Landtage znaegangen Der Stand der Hess Schulden wird mit Btainn deS neue t R ch- nunaSjahres mit 1ir sür Wiederauf baulitserungrn in Daimflabt. 16. Ott. Der parlamentarisch? V ivat beS Lanb- tages beschoss die Sichet ! e lang von 1 Kit ? Zucker monatlich ab 1. Dezember pro Kops btt Bevölkerung. 5. Rov. 3m LanbtagSgebäudc icnitbc zur Linderung der Rot die ,'Rochilse Hessen" gegründet. 13. Rov DaS Ministerium des Innern hat die Beziehungen zu dem Verband der Polizeibeamten Hessens abgebrochen 19. Rov. Die Wahlen zum Provinzial». Kreistag, zur 6 ta bttxroebnetentx -!Ttncrqe,.;v hatte voll« Beschistigung, da Itrm MöbelUe'e u rgen suc die DefanungStruppen tm besetzten Gebiet durch Bcrrnfttlung der hrMfche« Handtreller* zentralgenolsenschast übertrafen wurden Das Tapcziergewerde hatte bi» Mitte beS Zahres leidllch xu tun Durch bce austerorveTirlrche Steigerung Der TapekeTrpreis« trxirbe seine Lage aber immer schlechter Rur dadurch bat bie Polster- ai beiten zu nahmen, konnte ein gewisser 2Lus- werde Das B.?u-.werbe war mir insoweit beschäftigt, al» e» 2U träge ron Staat, Stabt und Isuge-e'f-'nschiften erhielt. Alle Hand werk-'wäge hatei über g roste SdXDKiigfntm bet de. Geldbeschaffung «i Hagen, da wegen der bobon Ma e nalk?sken gegen früher austerordentlich . jbc Betr e »smittel nötig waren. Während beim Einkamf kurchreg Bartzahlang ton ihnen verlangt wurde, konnte» fie nicht immer rechtzeitige Be ah'ung ihrer Arbeiten erlangen. Die Fo berung nach be'ch cunigter Beza^ lang, bk He an Br^ord^n and Primate rscheten. Dar beS'nld berechigt. toenn auch noch nicht immer von Erfolg begleitet. Eine allgemeine Äla-e beS getarnten Hanb- wrrks richtete sich ae^e i bk Pfufch- oder lieben- arbeiten, b h die Arbeitet, bie nach Beendigung der achtstündigen TageSarbeit rv? manchen Gehilfen noch für ihre eigene Rechnung geleistet werben Auch hierüber batte bas Frifcargewerbe besonberS zu klagen. Die Forde u rg nach einem behörblichen Verbot bie er Reberwirbeit nxrb schon seil Zahlen erbos«, allerdings DU jeat ohne Erfolg Betrachtungen über die vage de« Handwerk» hn verslottenen Zahr führen zu bem Ergebnis, bah es mit unserem gewerblichen Mittelstand fehr rasch tzu Ende g<*u'_ wenn nicht Mittel und Wege durch Staat und Gemeinde gefunden werden, diese für unter Ceamticben ’o wichttg« BerufSkreise zu teuer Richt Worte können helletr, eS müssen Taten folgen. An die Stelle engherziger, slnanzpotttifcher Erwägungen must die Einsicht treten, bat) mit dem Zusammei- imch eines so wichtigen TellS unsere» Win- schLslSkörperS gleich^ikia ein seither stiller Träger writgrchrnker steuerlicher vasten verschwindet. Dct Einzelhandel. 3ntolge der fangen - Kriegsiahre und der Schwierigkeiten in der Te chasmng von Waren nach dem sogen. Jriedeneschlust waren die Laaer bei Beginn beS abgeiau e ien Zatzrces nur mähig gefüllt. 3m Anfang bas Zahres 1922 wurde von einem Teil der Konsum« uen Zurückitzaltung fcm Kaufen geübt, w?il man vielfach auf ein Herab- gc^en der damals immerhin unfewohnt hohen Preise rechne « AIS aber die Mark immer mrchr entwertet wurde, und gejen Mitte des ZahreS ein fönnllcher 3ufammeben»rich«er wurden ersucht, strengste Aufstcht zu führen in ihren Kantonen Da« herrenlose Gesindel witsche bchenb au» einem Kanton u ben anderen, an bei Grenze eine» leben hatte btt Polizei bisher hattmochen müssen, bal Dilb nicht herfolgen bürftn auf fremdem Jagdrevier Ran aber sollte einheitlich Dorgtgangen werden, alle Kantone unter ein* Poli^igtwall gestellt fem Die Banden wurde« zu frech e« tonnte sich niemand mehr über Lanb getrauen DHaiobeQrt. dem He.rcsdienst entwischt, malten bie Liratz« unNchrr mit Ihrem Hunger holten be.- Bäuerin ble Eier aus Dem Statt unb Me Hühner dazu Sic tranken der Kuh aus der Weide das Euter leer, und wurde ihn.n am einsamen Haus keine Gabt gsependet, fe schreckten tft mit Drohungen die Bewohner. Riemand durst« ohne Patz mehr beherbergt werden Dir Taa- und Rachtwächter waren zu ve« doppeln Die Polizei zu verstärken Der Erlatz lautete ferner; .Ein grober Streifzug wird unternommen. Die Teilnehmer haben sich zu versammeln am Duvd«, dem 2 Brumaic« be» Zahres V. ber Republik" — dahinter stand in Klammern für die, bk ben Kalender der Republik noch nicht Inne- hätten; (am 23. Oktober 96 alter Rechnung) — .auf dem Domfreiboi, morgen» 7 Uhr Der sich beteiligen will kann sich einftnben, Zäger uaD frühere Militärs find besonder» willkommen Schiekfaeweht und Munition werden von der sran.-öllschon Di.itärvh.rbehörde den dafür Haftbaren zur Verfügung gestellt." Ach'. Tage vor dem sestgrsetzlen Termin war die Belanntmachmg de» ^tr^ifzuae^ fchon an der Somtür angelet agen gew.se« auch »>k> am Roten Ffau» und an ben Straheneckrn L^er e» tanbea f»ch au her der Polizei nur wenige dämme Jungen ein. die tl nach Iben teuer« gelüstet« Eine geheime Angst hielt den Bürger zurück. Bürger Mohr tagte zu Bürger Rentenbach: .3d) holen kein Schief'In die Hand Denn wer IS bat arötzic liebel t Der Anaer könnt «Inem am Hahnen zuck.n bat Gewehr rtiem loS- aeben am unrechten Platz “ V.-rgrämt fahen fich beide Männer verständnisinnig in die Augen Ach ja, die Zeit war vorbei, in der der Wahl- spruch de» biedere«. Trierer» au feinem Recht kam .Eich äNe gäre aut, eich drirckr gäre aut, an dahingegen will Ich mein Ruh hon " Man atz nicht mehr gut — eS war alles au teuer Man trank nicht mehr aut — die yran^fen hatten allen Wem auSgefühtt Uxb Rude formte man auch nicht mehr. Di« Zett toar toll, es stand alles auf dem Kopf, man war seiber mit au» den Fugen gegangen wie ein aller Schrank dec das Herumrücken nicht verträgt — Aus der Eulenpütz, dem heimlichen Gätzchen hinter den gewaltlgen Dommauern, kam eine geschlichen Sie trug ein bunlleS Tuch überm Haar unb hatte ba» noch tief üi bie Stirn gezogen. Dem Anzug nach schien fie alt, bem Gang nach jung, ber febembe Tritt lieh fich burch alle ab- llchUiche Verlangsamung nicht verbergen Sie stanb an btr Domtüre ft UI unS stubierie lange bie Bekanntmachung Dann ging 1k wieder, wie ein geducktes Bettelweib an ben Häusern entlang sich brückend 3n der Eulenpütz standen nur ein paar armselige HäuSch.m. Leute von gutem Ruf wohnte« nicht hier Dk Gaffe toar verrufen, die Wacht, ble burchratrouUltrle, hatte vor nicht allzu langt btln einen Bürgerfodn au» gutem Hau» gestochen gesunden Wie ba» gekommen, bal war niemals recht taut geworben, man munkelte nut allerlei: ble ülntersuchung war niebergefchlage» worden auf Wunsch Der einflutzrelchen Familie, und der jung« Mann hatte, kaum genesen, ble Stadt verlassen Ob eS wirklich die Franzosen gewesen waren, die Ihn überfallen batten? Es wurde etwas verbreitet von einem Zusammenstotz. 3n der Eulenpütz. In dem niedrigsten Haus ganz im Schatten beS Dornt», wohnte ein altes Dt'b mit ihrer Tochter Da» Hau» hatte jahrelang leer gestanden. Mäuse unb Ratten nur hatte« darin berumgefegt. unb Fitdermäuft wie axllt Lappen im Sparrenwerk deS Dach« gebangt«. (Fortsetzung folgt.) tflnten avgefchlvsfeu Zverden. Wcmu es soweit ist, daß die (Stntoeityung stattfinden kann, ist noch unbestimmt. — Die Hasenjagd ist jetzt in vollem Gang. Meister Lampe ist der kalte, nasse Sommer anscheinend sehr schlecht bekommen. Die Jagdbeute ist an Zahl geringer als je. * Lang-Göns, 2. 3an. Am Donnerstag, 11. Otnruar, findet hier auf Veranlassung der Landwirtschaftskammer bei Gastwirt Anton Vern VII. ein Vortrag statt über: „Neuzeitliche Düngungsfrage n“. Referent ifl der Lalldwtrtschaftsrat Dr. Schad. Landw. Schule Butzbach. ton. Weickartshain, 1. Ian. In der Nacht zuin SamStag wurde ein hiesiges Dauern- haus von Einbrechern heimgesttcht Die Diebe S angen durch die an das Wohnhaus angeba ite Scheune, bahnten lich mit Hilfe von Hammer und Meißel ihren Weg durch feste Mauern und drangen in die Speisekammer und in den Getreidelagerraum ein. Der Sturm, der in dieser stacht wütete, verhinderte, daß die Bewohner des Hauses das Arbeiten der nächtlichen Vesucher merkten. Es wurden ungefähr 3 Säcke Frucht und ein Korb mit Wurst und Brot gestohlen. Leider hat man bis jetzt die Diebe noch nicht feststollen können. Kreis Friedberg. * Bad-Nauheim, 2. San. 3n der Neu- jahrsnacht wurde in der Dankeskirche ein- gebrochen und das Taufbecken gestohlen, sowie ein Schrank ausgebrochen. — In der Nacht zum Samstag wurde in der Verkausshalle an der Lud- wigbrücke eingebrochen und für etwa 300 000 Mar k Zigarren und Zigaretten gestohlen. Hessen-Nassau. fpd Frankfurt a. M, 2. Ian. Der in einem hiesigen Goldwarengeschäst angestellte Kaufmann Wilhelm Frank hat dem Geschäft nach und nach Trauringe im Werte von rund 10 Millionen Mark unterschlagen und sie in einem Cafe an einen Ärttsten fcerfauft, dessen Namen er natürlich nicht kennen will Die älnterfchlagungen konnten durch falsche Buchungen lange nicht entdeckt werden. Landwirtschaft. Die Maul- und Klauenseuche. * In Beuern ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Die Gemarkung Beuern ist aus dem Sperrgebiet und die Gemarkungen Bersrod und Grohen-Buseck sind aus dem Deobachtungsgebiet ausgeschieden. Das wegen des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Grohen-Linden (Kreis ©leben) aus den Gemeinden Hörnsheim und Hochelheim im Kreise Wetzlar gebildete De- vbachtungsgebiet ist aufgehoben, da die Seuche eine weitere Verbreitung nicht erfahren hat. Aus dem Amtsverkündignngsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 1 vom 2. Januar enthält: Abänderung der Verordnung über den Verkehr mit Milch. — Pflegegelder in der Anstalt für Schwach- und Blödsinnige „Alicesbift" bei Darmstadt. — Erhöhung des Ernkaufsgeldes für Ortsbürger. — Krhlenmangel und Schulferäen. — Schulvorstand für die gewerblichen Abteilungen der Fortbildungsschulen. — älnterchaltungszuschüsse für Anwärter im Vorbereitungsdienst. — Das Verhältnis der Schulen in Hessen zum republ'ckani- fch>n Staat? - Festsetzung des Wertes der Sachbezüge. — Die Rundgänge der Feldgeschworenen. — Statistik des Faselwese ls. — Erhebung der Wohnungsbauabgabe für das Nj. 1922. — Erwerbslosenfürsorge: hier: Nachweisung für den Monat Dezember. — Nevisivn der Dierdruck- apparate. — Viehseuchen. — Dienstnachrichten, - Gefunden, verloren. Vermischtes. Gin Schleppdampfer aus Nach« versenkt. M a st n h e i m, 2. Jan. (WTB ) Im Mannheimer Mühlau-Hafen ist der Hafenschlep- per „P i o n l e r“, Eigentum von Ioh. Dogtlän» der-Mannheim. gesunken. Wie der ^Generalanzeiger" schreibt, vermutet man, das) ein R a che- akt vorliegt, da heute früh zwischen 2 und 2.30 Ahr drei fremde Personen auf dem Schlepper bemerkt tourben. Von den Schiffsbesitzern wird über die Zunahme von SchiffS- diebstählen sehr geklagt. Datermord. Berlin, 2. Ian. (Wolff.) Gestern abend kam eS zwischen dem 51 Jahre alten Zimmermann Wilhelm Klein und dessen Itzjährigem Sohn Hugo in ' der gemeinschaftlichen Wohnung Frankfurter Allee 282 zu heftigen Streitigkeiten. Als sich Klein gegen PA älhr nachts zur Rühe begab, holte Hugo ein Beil aus der Küche und hieb solange auf den schlafenden Vater ein, bis dieser t o t war. Der Täter wurde festgenommen. Der erste weibliche Schöffe. Berlin, 2. Inn. Dor einer Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte trat heute der erste weibliche Schöffe in Tätigkeit. * Dreslau, 28. Dez. Die Hal paus Zigarettenfabrik In Breslau läßt seit einigen Monaten In ihrer Speisekantine täglich 20 unbemittelten Studenten freien Ml ttagstisch verabreichen. * Die Stadt der Pelzjäger. Der größte Stapelplatz an kostbaren Fellen, den es auf der Welt gibt, befindet sich in Edmonton, einer Stadt in der kanadischen Provinz Alberta. Hier wohnen gegenwärtig 21 Sammler von rohen Pelzen, die im Dienste der großen amerikanischen Pelzfirmen stehen. Die kostbaren Fckle werden von dort direkt nach den Vereinigten Staaten zu Schiff gebracht, um hier verarbeitet zu werden. Die Einkäufer stehen in unmittelbarem Verkehr mit den Pelzjägern, die ihre Deute nach Edmonton bringen und dort gegen Nahrung, Kleidung, Fallen, Waffen. Munition und andere notwendige Dinge eintauschen. In der bunten Schar dieser Pelzjäger sind fast alle Nassen vertreten. Neben den Indianern gibt es viele Europäer, und dem durch lange Lieberlieferung im Tierfang geübten Eskimo treten einige Japaner an die Seite. Einer dieser japanischen Pelzjäger namens Wada gilt für einen der tüchtigsten und erfolgreichsten Trapper im kanadischen Norden. Diese Männer führen ein Leben voller Aoenteurt und Gefahren: sie gehen ihrem romantischen Beruf ganz allein nach: jeder hat sein Gebiet für sich, getrennt von den Kameraden, und untersucht auf einem weiten Raum die von ihm aufgestellten Fallen, die er manchmal an einem Tage bis zu 90 Kilometer weit trägt. Große Vermögen werden von diesen Pelzjägern nicht verdient: sie begnügen sich damit, für ihre wertvolle Deute das zu erhalten, was sie zu ihrem Leben brauchen. Es gehört Liebe und natürliche Begabung dazu, sich in die Etn- samkeit zu vergraben und den Kampf mit wilden Tieren aufzunehmen: es gehört eine eiserne Gesundheit und em kühner Mut dazu. Wie aus Edmonton berichtet wird, verspricht die kommende Pelzjagd sehr günstig zu werden. Es haben sich nämlich in den weiten Wäldern des Nordens außerordentlich viele Kaninchen gezeigt, und das ist ein gutes Zeichen. Denn das Kaninchen ist für den Pelzjäger der Barometer seines Glücks. Gibt es viele Kaninchen, so gibt es auch sehr viele pelztragende Tiere, die sich von ihnen «ähren: gibt eS wenig Kaiünchen, so gibt es auch wenig Deute auf der Pelzjagd. Großen Vorteil haben aber die Trapper nicht von ihrer reichen Ausbeute, denn nach dem Angebot regelt sich auch der Preis, und wenn viele Pelze nach Edmonton kommen, wird wenig dafür bezahlt. * Botticelli und sein Nachbar. Der große Florentiner Maler Botticelli ist nicht nur durch seine Werke, sondern auch durch seine eigenartige Persönlichkeit anziehend. Der Hannoveraner Kunsthistoriker Prof. Paul Schuhbrins, der soeben In den „Kleinen Delphin-Düchern" einen Band „Botticelli, der Maler des Frühlings" heraus- gibt, teilt nach der Lebensbeschreibung von Vasarl einige Anekdoten von dem Meister mit. Wir ersehen aus einer dieser Geschichten, daß man auch schon in dem sich zur Fabrikstadt entwickelnden Florenz „ruhestörenden Lärm" kannte. „Sandro wohnte einstmals," so heißt es bei Dasari, „neben einem Tuchweber, der wohl acht Stühle ausgerichtet hatte; waren diese alle im Gang, so entstand durch das Treten der Arbeiter und das Zurückschlagen der Aufzüge ein Geräusch, welches nicht nur den armen Sandro fast taub machte, sondern auch das ganze Haus, das nicht mehr allzu fest und stark war, in solchem Maße erschütterte, baß er aus dem einen wie aus dem andern Grunde weder arbeiten noch in feiner Wohnung aushalten konnte. Mehrmals bat er den Nachbar, er solle dieser Beschwerde ein Ende machen, jener aber entgegnete: Er könne In seinem Hause tun, was ihm gefalle. Hierüber aufgebracht, ließ Sandro auf seine Mauer, die höher als jene des Nachbarn und nicht sehr stark gebaut war, im Gleichgewicht einen großen, mehr als eine Fuhre schweren Stein legen, der bei der schwächsten Bewegung der Mauer zu fallen und Dach, Gebälk, Gewebe und Arbeiter des Nachbarn zu zerschmettern drohte. Erschreckt durch die Gefahr, kam dieser voll Haß zu Sandro, mußte jedoch als Antwort seine eigene Rede vernehmen: Er könne In seinem Haus tun, waS ihm gefalle. Ein anderer Bescheid war nicht zu erlangen, und es blieb dem Weber nichts übrig, als zu billigem Vergleich zu schreiten und mit Sandro gute Nachbarschaft zu halten." Bückicrtisch. — Mexiko, dem zukunftsreichen Lande, ist die soeben erschienene neueste Sondernummer der Leipziger Illustrierten Bettung (I. I Weber) Nr. 4090 gewidmet. Ein farbiges Xitel- bild sowie verschiedene Vierfarbendrucke schmücken das Heft, aus dem jeder, der sich über dies Land unterrichten will, reiche Anregung und Belehrung schöpfen wird. Gleichzeitig beginnt in diesem Heft ein neuer fesselnder Künstlerrvman von Agnes Harder „Das Modell". Die Aufsätze „Flauen großer Maler" von Dr. Dalerian Tor- nius und „Am Grunde der Nordsee" von Dr. Hugo Weigold verdienen ebenfalls besonderes Interesse. Neben dem Gesagten finden die Tagesereignisse in Wort und Bild eingehende Derück» sichtigung. Handel. Frankfurt a. M., 2. Ian. Börsen- stlmmungsbild. Der Devisenmarkt zeigte eine lustlose Tendenz. Der Dollar, der vormittags mit 7150 bis 7300 genannt wurde, wurde später mit 7400 bezahlt. In den übrigen Noten war das Geschäft gering. Nach dem Verkehr von Bureau zu Bureau za urteilen, dürfte für morgen mit einer vorwiegend festen Stimmung zu rechten fein. Chemische und Maschlnenaktten wurden häufiger genannt. Montanaktien lagen nicht ganz einheitlich. Auslandswerte zeigten mäßig erhöhte Kurse. Gegen 1 Uhr nannte man den Dollar 7350 bis 7250. Die Unsicherheit dieser Bewegung gab der Spekulation Anlaß zur Zurückhaltung. Frankfurter Devisenmarkt. (Telegraphische Auszahlung.) Amtliche Notierungen. Datum: Nutw.-BrÜssel . Holland...... London Paris Schmelz Svaulen Italien Vissabon-Ovorto Dänemark.... Norwenen.... Schweden .... Helimliiors. . .. Nenyork Deuisch-Oesterr» Budapest .... Prag...... . Sofia 30. Dezember 2. Januar Geld Brief Geld Briet 406,27) 498,75 488,75 491,25 2897,75 2912 2") 2872.80 2887.20 34039,70 34.10.30 33605N0 33834.40 527.20 529.80 531,0a- 537.35 1347,05 1 80.95 1370.55 1383,47) 1137,15 1142,83 1137 17. 1142,85 370.05 371,96 369,55 371,45 1481),25 1493,73 1488.75 1596.25 138i50 1393.50 1346 00 1353.40 1970.07) 1979.95 1050,10 1999,90 184.55 185.4b 7350.55 7393,45 7244,33 7280,65 10,47 10,51 10.97 11.03 304,20 305,80 299,- 3ÜL- 233,50 234,60 L24ZS 220,15 4688 47.12 ——r— Märkte. Berliner Produttemnarkt. Berlin, 2. Jan. Das neue Jahr brachte dem Pioduktenmarlt keine neue Belebung. Die Ungewißheit bezüglich des Verlaufes der Pariser Konferenz veranlaß e eine allgemein Zurückhaltung Welzen wurde zu kaum veränderten Preisen mir wenig umgesetzt. Roggen und Gerste hatten ebenfalls nur sehr ruhiges Geschäft. Für Mais stellten sich die ausländischen Forderungen etwas fester. Es zeigte sich auch einiger Begehr In naher Ware. Alle übrigen Artikel blieben sehr still. Weizen, märkisch-m 15 100 bis 15 400 Mark, pommerschrn 14 800 bis 15 000 Mk. (behauptet), Roggen, märkischen 14 000 bis 14 200 Mark, Pommerschen 13 800 bis 14 000 Mk. (prets- haltend), Sommergerste, märkisch.» 12 500 bis 13 500 Mark (stick). Wintergerste 13 200 bis 13 500 Mk., Hafer, märkifchm 12 600 bis 13 200 Mk. (behauptet). Mais, La Plcttri. loco Berlin 15 000 bis 15 750 Mk., Waggons rel Hamburg 15 000 bis 15 100 Mk. (ruhig), Weizenmehl (100 Kilo) 42 000 bis 47 000 Mk. (gut behauptet), Roggenmehl (100 Kilo) 39 000 bis 43 000 Mk. (gut behauptet), Weizenkleie 8300 bis 8500 Mk. (fest). Roggenkleie 8602 bis 8800 Mk. (fest), Raps 26 003 bis 28 000 Mark (fest), Viktoinaerbsen 28 000 bis 30 000 Mk., kleine Erbsen 25 000 bis 26 000 Mk., Futteierbsen 15 000 bis 16 000 Mk., Peluschken 19 000 bis 20 000 Mk., Wicken 25 000 bis 28 000 Mk.. Lu- Dinen, blau 15 000 bis 16 000 Mk.. gelb 20 000 bis 21 500 Mk., Seradella, alt 34 000 bis 38 000 Mk., Rapskuchen 10 500 bis 10 700 Mk., Trvckenschnitzel 6300 bis 6400 Mk. Rauhfutter: Weizen^ uni) Roggenstroh, drahtgeb 6200 bis 6500 Mb. Stroh, strohleilgebündelt 5700 bis 6000 Mk.. Wiesenheu, gut, gesund und trocken, Dormahd 6500 bis 6700 Mark, Nachmahd 6300 bis 6500 Nil. (Soweit kein anderes Gewicht genannt, verstehen sich alle Preise pro 50 Kilo.) Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 2. Januar. (Amtlich.) Marktverlauf: Geschäft bei Rindern undSchweinen lebhaft, bei Kleinvieh ruhig. Markt geräumt. Im einzelnen ist zu bemerken: Ausgetrieben waren 1280 Rinder, darunter 190 Ochsen, 26 Bullen und 1064 Färsen und Kühe. Ferner 315 Kälber, 184 Schafe und 916 Schweine. An Preisen wurden angelegt pr. Ztr. Lebendgewicht: Ochsen 39 000 bis 63 000 Mk., Dullen 39 003—50 COO, FäZen und Kühe 50 000—57'003 für beste Färsen, 30 003 bis 52 000 für geringe Färsen, Kälber beste Qualitäten 63 000—68 030, mittlere 58 003—62 000, geringe 52 000—57 000, Schafe 22 003—45 000, Schweine unter 80 Kilo Lebendgewicht 50 000—65 000. 80 bis 100 Kilo 70 000—74 000, 100-120 Kilo 73 000 bis 75 000, 120-150 Kilo 73 000-75 003, Fettschweine über 150 Kilo 75 000—77 000, Sauen und Eber 55 000—70 000 Mk Die Preise liegen um soviel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händler- getohm in sich schließen. Briefkasten der Redaktion. „Rur ein Hund". Ihre Einsendung haben wir mit Interesse gelesen. Wir. können damit aber nichts anfangen, Da Sie sich in den Mantel der Anonymität gehüllt haben. Sch. in vellerrheim. Sie haben Ihre Mitteilung viel zu spät eingesandt. Wären Sie unmittelbar nach jener Meldung erschienen, so 'hätten wir von Ihrer Anmerkung gerne Gebrauch gemacht. w. in Obbornhofen. Wir können von Ihrer Zusendung keinen Gebrauch machen. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Derbrecheranschlage auf Denkmäler. Halle, 2. Jan. (WTB.) Nachts versuchten junge Burschen, Deren man noch nicht habhaft werden konnte, das aus einem Reiterstand - bild Kaiser Wilhelms 1., einer Standfigur Moltkes und Bismarcks sowie einer Siegfried- und Rheintöchtergruppe bestehende große Denk- mal in die Luftzu sprengen Die Molcke- figut samt dem Sockel stürzte in das Becken. Der Wächter, der die Zündschnur im letzten Augenblick entdeckte und abzureißen versucht hatte, wurde beiseite geschleudert und verletzt. In dem gegen- überliegenden Bankhause wurden die Fenstersch i- ben zertrümmert. Aus die unweit baixm glcidy falls in der OHäße der Hauptpost stehende Siegessäule wurde gleichfalls ein Anschlag versucht, die Derbrecherbande wurde aber im letzten Augen- blick durch eine Schupostreife verscheucht. Ein weiteres Bombenattentat versuchten Unbekannte gegen die abseits an der Saale gelegene Billa des Bankiers Lehmann, die jedoch nur an der Fassade beschädigt wurde. Die Schutzpolizei übernahm sofort die Bewachung Billiger nkS Milch und von lieber Bekömm- IMiteii iit eine „5kufeke"-Milchmtscbuna. Ties iolltc jkde fvntfame rtaimlienmiitter wissen, die ihren Kindern etwas Kräftigendes neben will. „StufeEc" ist daS seit einem Men'äiennlier bekannte und bewährte. eriolnreidic Nährminel, das and feinnen Rohstoffen und in stets nieicher Güte Ijerneiicllt wird. Man kocht „Shtfefc" in Nasser auf und mischt eS dann mit der Milch, die Subcrcltunn til also sehr einfach. „Shire fe" kräftigt den Körper und hält die Verdauung in Ordnung. 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Mts., nucüuiittasra 3 Uhr, in Hausen statt. 9jD Tii1 L. aut rniplobl MilliWSW »ii 2 l . nr ftbnit en. 1 ,Tnhr nel • »u oeif nifciL 1013 Dollar, Oauoiura':e 143. Am 27. Dez. ist meine treubesorgte, unvergeßliche Mutter, meine liebe Schwiegermutter, unsere gute Großmutter Fran Marie Wr-Wiirliiiii infolge eines Schlaganfalles zur ewigen Ruhe eingegangen. Auf Wunsch der teuren Entschlafenen erfolgte Einäscherung in aller Stille (in Friedberg) und wird die Asche später in Schaffhausen beigesetzt »ii vevt ** Näheres J. B. Häuser, Gießen Telephon 660 [ioomod] Neustadt 56 Zentrale Noll Giessen Mäusburg 15 Telephon Nr. 1549 Mäusburg 15 kauft und Überbietetalle marktschreienden Angebote,zahlt über Frankfurter Höchstpreise für Brillanten, Platin Gold,Silber,Double Zahngebisse Uhren,Ketten,Ringe,Bestecke 15. 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Januar 1923. 85B Der Oberbürgermeister. lBrennftosfamtl Befanutiiinchung. Da es bei den Ausgrabung-arbeiten auf dem Timen Friedhof vielfach vor- gekommen ist. dah Neugierige die in der Bähe befindlichen Gräber und Anlagen erheblich beschädigt haben, seh« ich mich veranlaht, dao Betreten des Heuen Friedhofs für die Dauer der Ausgrabungs- arbeiten nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Friedhofsverwaltung zu gestatten. Giehen den 2. Januar 1923. (101B Der Oberbürgermeister. I. B.: Krenzien Mädchen Lchr.-lnaeb. int. 10» il tledbilfe gesucht, MMt£h_«nA^erlx Vubiinflitr. .">*> I. 3imn<* T'amc Tiidiiin. «brll*e»Isucht Mini als Mädchen /Vw.- Handeissch. HERMES Bahnhofstraße 60. Tel. 1097. Prosp./r Frische । h-ibt (*efd)äft»mann 2Dami | Eerichtsdollzieher he oer foiort gesucht. ————---- WiacnnM dc Co., I 1& dtttL lil "L (131) Diezitr. tt. i HauShnlt (l Kinds Lehrerin gesucht. *8?erfr. in I mit gute« 6»»*- ffniltlliffcn (Elstl., Saubere-WähAlii Französ.s f. 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