Nr. 282 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSamstaqsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatliche8ezna§preife: Mk. 185.- u.MK. 15.- Trägerlohn,durch dieDost Mk 200. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: für dieSchrist- leitung 112; für Derlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. 172. Jahrgang Donnerstag, 50. November 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitSls-Buch- und Zteindruckerei H. Lanze in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jebe Verbindlichkeit Preis für 1 mm höhe fü' Anzeigenv 27 mm Breit« örtlich 8 Mk., auswärts 10 Mk.; für Reklame Anzeigen von 70 mr* Breite 32 Mk. Bei Platz Vorschrift 20 u/0 Aufschlag Hauplschriftleiter: Aug Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Poincares Pläne. Man schreibt uns aus dem besetzten Gebiet am Rhein: Die staatlichen Gruben haben im preußischen Haushalt stets einen gewissen Ehrenplatz eingenommen. Der Tleberschuß der preußischen Dergverwalrung betrug im Jahre 1919 mehr als 110 Millionen Mark, was für jenes Jahr viel Geld war. Seitdem ist manches anders geworden. Am 10. Januar 1920, dem Tage Ker Ratifikation des Versailler Vertrags, ging die Dergwerksdirektion Saarbrücken mit ihrem gesamten Grubenbesitz in das Eigentum Frankreichs über. Damit verringerte sich die Zahl der deutschen Staatsgruben von insgesamt 23 Werken auf 11 Werke. Der Genfer Spruch, der Oberschlesien in Stücke riß, tat das übrige. Die staatlichen Bergwerke Oberschlestens fielen überwiegend an Polen. Dem preußischen Staat blieben, abgesehen von den kleineren Steinkohlenbergwerken am Deister und bei Obernkirchen, nur noch die staatlichen Zechen Westfalens.Diesen gilt Poincarös neue st e Pfände r p o l i t i k ! Sie zerfallen in die eigentlichen, im nördlichen Ruhrgebiet gelegenen Staatsgruben, und in die Aktiengesellschaft „Hibernia". Die Förderziffern der von Len Staatsbehörden verwalteten Gruben, von denen vor allem die bei Buer gelegenen Zechen Bergmannsglück und Westerhold zu nennen sind, betrugen im Jahre 1921 rund 4‘A? Millionen Tonnen. Ungefähr die gleiche Tonnenzahl lieferten die zu der „Hibernia" gehörigen Zechen, so'dah die Zahresförderung der fiskalischen Gruben rund 9 Millionen Tonnen beträgt. Da die Förderung des gesamten Ruhrkohlenbezirks im vorigen Jahre 94 Millionen Tonnen ergab, so entfallen auf die staatlichen Bergwerke einschließlich der „Hibernia" (deren Erträgnisse in die Staatskassen fließen) 10 Prozent der im Ruhrgebiet gewonnenen Kohlen. Mit dem gleichen Prozentsatz, nämlich mit 2,4 Millionen Tonnen von 23 Millionen Tonnen, sind die Staatsgruben an der für die Eisenindustrie ungeheuer wichtigen Kokserzeugung beteiligt. (Der metallurgische Koks ist für die französische On- dustrie sehr notwendig!) 10 Prozent der deutschen Ruhrkohlenproduktion wünscht also Frankreich als Pfand für seine Wiederherstellungsforderungen in seinen Besitz zu bringen. Das wäre das eine. Das andere Pfand sollen die fiskalischen Fichtenbestände der linksrheinischen Forsten sein. Es ist nicht das erste Mal, daß die Franzosen chre Hände nach dem Waldreichtum der Eifel ausstrecken. Zur Zeit Napoleons I. muhte fast die ganze Eifel abgrholzt werden, um die ungeheure, von den Franzosen auferlegte Kontribution zu zahlen. Hundert Jahre angestrengter Arbeit waren nötig, um nach den damaligen Verwüstungen wieder ertragreiche Waldungen zu schaffen. Möglich, dah Frankreich die Eifel als Sprungbrett zum benachbarten Hunnsrück betrachtet, der gleichfalls sehr wertvolle staatliche Waldungen besitzt. And man übersehe nicht: Außer diesen beiden Waldgruppen liegen im besetzten Gebiet die 120 000 Hektar großen bayerischen Staatsforsten der Pfalz und die fiskalischen Waldungen des R ederrheins im Kölner und Düsseldorfer Bezirk. Die sehr wertvollen Waldungen im Kreise Eupen-Malmedh sind bereits durch die sogenannte Abstimmung an Belgien gefallen. Merkt man immer noch nicht, daß Besetzung, Reparationen, Sanktionen und Pfänder nichts anderes sind als Vorwände für B-utepolitik, Raub und Zerstörung? Protestkundgebungen des Rheinlands. Wie aus Köln gemeldet wird, geht durch die Rheinlande wegen der in Paris angelündigte.r Politik der produktiven Pfänder eine starte Erregung, die ihren Riede.schlag in eurer Reihe von Entschließungen findet. In einer Resolution der christlichen Gewerkschaften heißt es: Die Zeit ist vorbei, m der über das nationale Geschick eines Volkes von Len Machtpolitikern allein entschieden wird. Ohre den Willen des arbeitenden Volkes am Rl)ein gibt es kerne Lösung aller der Fragen, die wieder aufgeworfen siird. — Die Freien Gewerkschaften haben eine Entschließung ähnlichen Inhalts gefaßt. Dste „Kölnische Zeitung" veröffentlicht eine Reihe weiterer Kundgebungen aus den verschic- Lenften Kreisen der Bevölkerung und betont, dah das ganze Rheinland heute erneut der Welt z rufe, daß es deutsch ist und deutsch bleiben wolle. Ein Dementi des „Temps". Paris, 30. Rov. (WTD.) Der »Temps" spricht von einem Gerücht, das in Berlin verbreitet sei, die deutsche'Regierung hätte von der französischen eine Rote erhalten, in der mitgeteilt werde, dah, wenn die Lösung der ReparationSftage nicht durch Vorschläge der deutschen Regierung sichergestellt werde, die französische Regierung gezwungen sein werde, gewisse Mahnahmen zu ergreifen, um sich Pfänder zu verschaffen, welche die Ausführuag der auf den Verttag gegründeten Ansprüche sicherstelle. Der „Temps" glaubt zu wissen, dah dieses Gerücht unbegründet ist. Die französische Regierung ließ eine derartige Rote nicht nach Berlin abgehen. Die englische Presse gegen die französischen Drohungen. London, 29. Rov. (Wolfs.) Die heutige Morgenpresse befaßt sich eingehend mit den Berichten der französischen Presse über die am Montag abgehaltene Elysee-Konserenz und mit der erneuten französischen Drohung mit Zwanysmah- nahmen, die für einen Fehler im gegenwärtigen Augenblick angesehen wird. »Daily Chronicle" schreibt, die Ramen der Persönlichkeiten, die an der Konferenz teilnehmen, bestätigen, daß auf der Konferenz die Besetzung deutschen Gebietes vom militärischen Standpunkte sowie im Hinblick auf die Kohlenbergwerke erörtert wurde. Riemand werde daran zweifeln, daß die französischen Presseberichte von Perlönlichkciten herrühren, die an der Konferenz teilgenommen hätten, und daß die Berichte im wesentlichen wahr seien. Entweder bedeute dies nur ein Säbelgerassel oder es sei das Vorspiel der Ausführung eines endgültigen Planes, um die Grenzen des Versailler Vertrages umzustoßen und Deutschland zum Opfer des f ran» zösischenMilitarismuszu machen. In dieser Lage würde die britische öffentliche Meinung der augenblicklichen und jeder anderen Regierung nicht erlaubmi, weiterhin mit Frankreich zusammenzuhandeln. Die ^Westminster Gazette" schreibt, die britische Regierung werde gezwungen sein, klarzustellen, dah, wenn Frankreich in der geplanten Richtung handeln solle, es dies ohne Mitwirkung Englands tun müsse. Wenn Frankreich so vorgehe, wie es in den offiziösen Berichten aus Paris angedeutet werde, so suche es eine Regelung auf einem Wege, auf dem England nicht mit ihm zusammengehen könne. Die »Time s" hebt unter Hinweis auf die im Unterhaus eingebrachte Anfrage, ob die ftcin- zösische Besetzung des Ruhrgebietes nahe bevor- stehe, die Gefahr hervor, dah jede Tendenz auf feiten Frankreichs, in diesem ernsten schwierigen internationalen Problem eigenmächtig vorzugeben, zu tiefen Besorgnissen, in England und, wie die letzten Berichte aus Washington zeigten, auch in Amerika Anlaß geben würden. Das Blatt fährt fort, England habe eine neue Regierung, die, wie Bonar Law am Montag erklärt habe, vollkommen frei sei, die gesamte Politik der Reparationen und interalliierten Schulden, wie sie in der Balfournote aufgeworfen wird, von allen Gesichtspunkten neu zu erwägen. Es müsse das Ziel der britischen Regierung sein, soweit wie möglich mit Frankreich zu gehen in der Richtung, die sowohl Frankreich tote auch England wünschten. Es würde für England schwer sein, nach Brüssel zu gehen, bevor der Boden mit den Alliierten geprüft worden sei. Die Vorbereitungen dieser Art könnten nicht einseitig sein. Wenn die britische Regierung bereit sei, umfassende Vorschläge zu machen, die die Frage von allen Gesichtspunkten behandeln, so müsse die französische Regierung ebenfalls bereit sein, ähnliche Vorschläge zu machen und England nicht nur mit Plänen für Sanktionen und Pfänder kommen. Die französischen Staatsmänner und die verantwortliche französische öffentliche Meinung mühten einsehen ebensosehr, wie dies in England erkannt werde, dah eine »vereinigte Front" der Alliierten mit Bezug auf Deutschland und die wirtschaftliche Lage Europas von weit größerer dauernder Bedeutung sei, als die Beschlagnahme irgendwelcher Pfänder am Rhein und darüber hinaus. Das einzige Mittel, die Lösung des europäischen Wirtschaftsproblems zu beginnen, sei, das Zusammenarbeiten und Zusammenwirken auf wirtschaftlichem Gebiet wiederherzustellen. Es könne kein Zweifel darüber vestehen, dah eine eigenmächtige Aktion zur Erzwingung von Reparationen, wenn sie auch technisch und sogar moralisch noch so gerechtfertigt wäre, Europa noch weiter zersetzen, statt seine Wiederherstellung fördern würde. Vorbereitungen für Brüssel? Paris, 30. Rov. (WTB.) Rach dem „Petit Parisien" sei es ziemlich sicher, dah die Ministerpräsidenten von England, Frankreich. Italien und Belgien, die direkt an der Konferenz von Brüssel interessiert sind, in der kommenden Moche in London Vorberatungen abhalten würden. Paris, 29. Rov. (WTB.) Havas teilt mit: Als Bonar Getto gestern durch Vermittlung des französischen Botschafters in London Poin- care habe toifLen lassen, dah es ihm infolge der parlamentarischen Arbeiten unmöglich wäre, vor dem 15. Dezember nach Paris zu kommen, daß er es aber begrüßen würde, vorher in London eine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten zu haben, hat Poincare ihm heule mitgeteilt, daß er geneigt wäre, sich kommende Woche nachLondonzu begeben, um mit dem englischen, dem italienischen und dem belgischen Premierminister über die Fragen im Zusammenhang mit der Brüsseler Finanzkonferenz sich zu besprechen. Der Militarismus in der französischen Kammer. Paris, 29. Rov. (WTB) Die Kammer ist heute im weiteren Verlaufe der Dudgetbera- lungcn zur Diskussion des Heeresbud- g e t s übergegangen. Der Berichterstatter Calary de Lerna- ziere kam im Verlaufe seines Berichtes auch auf die Frage der Abrüstung zu sprechen und ei klärte, die französische These habe bei den letzten Verhandlungen des Völkerbundes den Sieg davongett.aaen. Es sei eiäe geschichtliche und geogocAhischr Fatalität, dah Frankreich als Barriere gegen alle Gewaltversuch? zu dienen habe. Frankreich bewache fast allein die Rheingrenze. Es schnne, daß augenblicklich sich alle chauvinistischen Elemente gruppierten, in Italien, in England, in Polen, in Bayern, in Preußen, in der Türkei und, wie man augenblicklich sehe, auch in Griechenland. Man müsse die Sicherheit Frankreichs gewährleisten, um sich vor schmerzliche Enttäuschungen zu bewahren. Der Berichterstatter des Heeresausschusses Fabry erklärte, die Hoffnungen, die er bei der Beratung des Heeresgesetzes Über die Sicherheit Frankreichs ausgesprochen habe, hätten sich nicht vollkommen realisiert. Wir müssen immer bedenken, daß Amerika und England sich nicht um ihre Landesgrenze zu sorgen hätten; sie seien durch das Meer geschützt. Richt so stehe es mit Frankreich, das immer die Augen nach Osten gerichtet habe. Frankreichs Sicherheit beruhe auf der Besetzung der Rheinlande, auf der Abrüstung Deutschlands, aus dem Garantieabkommen und auf dem Völkerbund. Wo aber stehe man? Reichskanzler Cuno verlange, dah Frankreich sobald wie möglich das Rheinland verlasse. Die Kommission des Generals Rollet stoße auf Mangel an gutem Willen bst Deutschland, das feine industrielle Mobilmachung betreibe, das 502 000 Tonnen Stiststosf anstatt 132 000, tvie vor dem Kriege, herstelle. Die Garantieabkommen feien nicht unterzeichnet worden. Die französische Militärorganisation sei also die wesentliche Voraussetzung der französischen Sicherheit. Der Berichterstatter wirft noch einmal die Frage der Herstellung von Kriegsmaterial und der industriellen Mobilmachung auf und sagt schließlich: Wenn wir in Berlin eine finanzielle Kontrollkommission ähnlich der Kommission Rollet organisiert hätten, wären wir vielleicht schon bezahlt. Der sozialistische Abgeordnete Paul Don- cour spricht sich alsdann ebenfalls über die industrielle Mobilmachung aus und vedauert, dah Frankreich noch gezwungen sei, 830 000 Mann unter den Waffen zu halten. Der Redner erklärt, Frankreichs Silcherheit sei mehr als je prekär. Sodann ergreift Andre 2 e f e b r e das Wort und erklärt, Clemenceau habe mit einem wunderbaren Mut jenseits des Ozeans behauptet, dah Deutschland einen Revanchekrieg vorbereite. Damit habe Clemenceau anerkannt, daß die Entwaff- r:ung Deutschlands es nicht hindere, den Krieg vorzubereiten. Andre Lefebre erinnert an die zahlreichen Zwischenfälle, d ren Opfer, die Kontrollkommission in D u schland geworden fei. Er bemerkt, daß demnächst infolge eines lange vorbereiteten und geplanten Zwischenfalles man sich vielleicht in die Rotwendig eit ersetzt sehen würde, diese Gewalttaten nicht me/_ hin-.unehmen. Deshalb fei es die Pflicht der Kammer und der Regierung, auf alle Eventualitäten sich gefaßt zu machen. Der Redner unterstützt die von dem Abg. Doncour gefordert» Kriegsma:erialpolitik. Man müsse aber auch eine Politik der Mannschaften betreiben. Trotz aller Bemühungen fei für das Kriegsmaterial noch nicht das Erforderliche geschehen. D^r Redner wendet sich, auch gegen Sie Schließung von Fabriken, die Kriegsmaterial Herstellen. Kriegsmini st er' Maginot ergreift hierauf das Wort, um darauf hinzuweisen, daß man unmöglich die nationale Verteidigung und die Sicherheit Frankreichs budre'ären Rücksichten opfern könne. Frankreich habe seine Dienstzeit um die Hälfte und seine militärischen Ausgaben um ein Drittel vermindert. Wie könne man es also des Imperialismus bezichtigen? We m man die Zählen von 1923 mit den Ziffern von 1914 vergleich?, müsse man die letzteren mit 3 ober Zi/z multiplizieren: dann werde man erkennen, daß das KrieZ^budget jetzt um P/e Milliarden geringer sei. DerMinister verbreitet sich alsdann über technische Fragen der He-eresorganisation und sagt zum Schluß, man müsse die erforderlichen Opfer für das Heer brin'en, nicht nur, um stark zu sein, sondern um genügend stark zu sein, die Sicherchstt und den Frieden sowie den Sie^ zu gewährleisten. Rach tochteren Bemerkungen wird alsdann die Seneraldiskussion geschlossen und die Kammer geht zur Einzeldiskussion über. Von ClÄmcnccans Propngnndareise. Reu York, 29. Rov. (WTB.) Funkspruch In einer Rede im Auditorium in Chicago beklagte Clemenceau, daß Amerika seine Verbündeten im Stich? gelassen habe, ohne sie genügend lange vorher davon in Kenntnis gesetzt zu haben, so d^ß sie andere Abmachungen nicht hatten treff'm können. Wie die „Reutz 0 rk Time s" mitteilt, tourt:, jedem, der das Auditorium betrat, ein Flugblatt überreicht mit der Üeberfchrift: „Ein offenes Wort zu Clemenceaus Propaganda". Das Flugblatt enthielt einen Aufsatz, betitelt „Das heutige Deutschland". Rach feiner Rede teilte Clemenceau 45 Fälle angeblicher Verletzungen des Vestailler Vertrages mit. welche die interalliierte militärisch? Kontrollkommission gemeldet habe. Berlin, 30. Rod. Wie die ^Deutsche Allgemeine Zeitung" aus Reuyort meldet, wurde Clemenceau während seiner Rede im Auditorium zu Chicago von den Zuhörern aus- gepfiffen und lächerlich gemacht. Völkerrechtsberatunqen im Haag. Washington, 20. Rov. (WTB.) Die Vereinigten Staaten haben die Teilnahme der niederländischen Regierung an den Verhandlungen der Iuristenkom- Mission vorgeschlagen, die am 10. Dezember im Haag beginnen sollen und die die Regeln des Völkerrechts zum Gegenstand haben. Die Konferenz in Lausanne. Lausanne, 29. Rov. (WTB.) Die Konferenz hat heute abend folgenden amtlichen Bericht herausgegeben: Der Ausschuß für territoriale und militärische Fragen hielt heute vormittag 4 Uhr die üblich? Sitzung ab. General W e y g a n d verlas den Bericht der Unterkommission, die mit der Prüfung der Entmilitarisierung verschiedener Inseln im Aegäischen Meere beauftragt war. Es entspann sich hierüber eine Debatte an der Ismet Pascha, Osclamanos und Lord Curzon teilnahmen. Die Schlußfolgerungen des Berichtes wurden angenommen. Die türkische Delegation formulierte Vorbehalte zu den verschiedenen Punkten. Hierzu erfährt man: Die Beratungen im Unterausschuß am Vormittag und Rachmittag haben zu lebhaften Aus stnandersetzungen zwischen den Lücken und Griechen sowie den Türken und den Engländern geführt. Der angenommene Bericht, von dem der amtliche Bericht spricht, befaßt sich ausschließlich mit den Inseln an der kleinaslatischen Küste, Chios, Mytilene, Samos und Ithaka, und zwar nur b^üglich des Prinzips der Entmilitarisierung, das von allen Delegierten angenommen wurde. Die Frage der Auto^ nomie der Inseln, die die Türken forderten, wurde offen gelassen. Die Einwendungen Ism:: Paschas, von denen der amtliche Bericht sprich,, bezogen sich u. a. hierauf. Die Antwortnote an RuhlanÄ. Qaufanne, 30. Rov. (WTB.) Die r u s si sche Delegation erhielt gestern vormittag die Antwortnote der Alliierten auf die Rote Rakowskis. Sie hat folgenden Wortlaut. Die Präsidenten der Konferenz beehren sich den russischen Delegierten den Empfang der Rote vom 27. Rovember zu bestätigen. Sie erlauben sich Rakowski und Worvwski darauf aufmerksam zu machrn, daß sie nicht die Auslegung aneriertnen können, die sie dem Telegramm geben, das die französisch? Regierung am 14. Rovember an Tschitscherin gerichtet hat. Dieses Telegramm entspricht übrigens der Rote, die Tschitscherin .ramens der englischen und italienischen Regierung überreicht wurde, und präzisiert, daß die Vertreter Sowjetrußlands das Recht haben, wahrend der Dcl>atte über die Meerengen frage an den Verhandlungen wie auch an den Ent - s che idungen teilzunehmen, dah sie infolgedessen in der Lage sein werden, ihre Meinung bekanntzugeben. Die französische, italienische und englisch? Delegation find der Ansicht, daß diese Unterredung zu keinerlei Mißverständnissen Anlaß gibt. Die russisch? Delegation werde infolgedessen eingeladen, an der Debatte über die Meerengenfrage teilzunehmen. Die erste Zusammenkunft der Kommission, die von der Konferenz mit der Prüfung dieser Angelegenheit beauftragt wurde, ist auf Freitag vormittag festgesetzt worden. Die Rote ist unterzeichnet: Curzon, Darrere. Garroni. England und Rußland. London, 29. Rov. (WTB.) Bonar Law teilte im Unterhaus auf eine Anfrage mit, daß die Bedingungen, die spezifiziert worden feien als Grundlage, auf der die britische Regcr- rung bereit sei. die Sowjetregierung anzuerkennen, folgende seien: Anerkennung der Schulden. Wiedevhersie.lung des Eigentums oder rr-irfiame Kompensation und Einstellung der poli- tisch?n Propaganda. C l y n e s fragte hieraus, ob irgendeine Antwort von Rußland eingegangen sei. .seitdem diese Bedingungen auf der Koniecenz niedergelegt worden seien. Donar Law erwiderte, er erinnere sich [einer Antwort. Donar Law teilte außerdem noch mit, daß. keine endgültigen Vorkehrungen bezüglich ber Abhaltung einer internationalen Konferenz in Brüssel getr'rf>n worden seien. Aus dem Reiche. KohlrnpreiserhöhunZ2N. Berlin, 29. Rov. (WTB.) Die Material» Preiserhöhungen haben die Organe der Kohlenwirtschaft zu weiteren Kohlenpreis- erhöhungen gezwungen, die ab 1. Dezew.ber Platz greifen. Die beschlossenen Erhöhungen betragen pro Tonne: für Rheinland-W. st'a e 1 (Fett förderkohle) 5737 Mk., für Sachsen durchschnittlich 8948 Mk., Riederschlesien 7318 Mk., Aachen-Esch- weiler 6479 Mk., Aachen-Rordstern 7395 Mk., Riedersachsen-Bartoingdaltten 7377 Mk.. Rieder- sachsen-Ibbenbüren 6708 Mk., rheiniscke Braunkohle (Rohkohle) 919 Mk., Briketts 3264 Ml. mitteldeutsche Braunkohle «Rohkohle) 1275 Mk., Briketts 3558 Mk. Einbegriffen in dic uschlage ist die Erhöhung der fo'ia'-' • Dtttr ste um 45 Mk und ein Zuschlag für die Terg nn-';ci n- stätten von 49 Mk. pro Tonne, während die ^sbenSmittelntschläge von 2 OKI. künftig n>eg- fallcn. Das Äu imay der Preiserhöhuige wurde nach den beigebixidjten Unterlagen wesentlich mehr durch die Steigerung der Holzmaterialienpreise ulr der Löhne beeinflußt. Rach eingehender Er- örtcrung, in der oon allen Seiten die ernste Sorge über die IBirlung dieser neuen starken Kvhce p eiserhöhurgen Ausdruck sand, erfolgt; dH > n ftimmung schließlich einmütig gegen oic Stimme eineö Arbeitnehmers. Aus dem Hauptausschuß des Reichstags. B e r l i n, 29. Rov. (WTB.) 3m Haupt auSschuß Des Reichstags wurde beim Rachtragselat des Reichswehrministeriums ein deutschnat.or icter Antrag abgeleynt, den Reichst! ' l) o f f 13 i e r e nn außerdienstlich ZU gestatten, die alten V o r k r i e g s u n i - s armen zu tragen. Beim Rachtrag.?etat der Marine bewilligte der Ausschuß für den obersten 3rwcn eurchef eine Admiralsstelle. 3er angebliche Plan eme^ Anschlags auf Dr. Wirth. Berlin. 29. Rov. (Priv.-Tel.) Der Kaufmann Schulze aus Berlin, der seinerzeit Angaben über ein geplantesAtten- i a t gege; oc:t früheren Reichskanzler Wirth, bas im R ttag zur Ausführung gelangen "?IIte, wvra; selbst beteiligt war, machte, taurbe aus X Haft entlassen, da. wie der OberreichSa, r.'ii nitteilt, die Ermittelungen ergaben, daß d'e Angaben über den Alten- tatsversuch > cht der Wahrheit ent» sprechen, b .i. e.nend beruhen die Aeuherun- gen Schul-,; :• uf prahlerischer Großsprecherei. ®?Tie Rede des Reichskanzlers? B e r l. r n, 30. Rov. Reichskanzler Dr. Cuno Cut eine GSlnl-c ntng des Vereins Berliner Presse zu 'nem am nächsten Sonntag statt- nndenden uim ang angenommen. Bei der Fest- 1 itjung im STJ ai^ihungssaat wird der Reichs- lanzler daS Wort ergreifen. De Sole von Zeitschriften. München, 29. Rov. (Süddeutsch. Kvr- refpondenzbi^eau.) Bor einiger Zeit hatte die bayerische Regierung angeregt, eine Ver- e'rnbaruiig der Länder untereinander dahin herbeizuführ.-n, daß zum Verbot einer Zeits:!)1 i i auf Grund des Republikschuy- gesetzes nur ejenige Landesregierung zuständig sein soll, in deren Bereich Die betreffende Zeilnn? < i e;nt Diese Anregung veranlaßte die „Germa.äa“ zu einer unter der Aeberschrift „Bayerische Beschwetden" veröfsentlichten Mitteil, wonach die Reichsregierung dazu eine ablehnende Stellung eingenommen hat, well es eine tief eingreifende 'Beeinträchtigung oer Rechte der Einzelstaaten wäre, wenn man ihnen verwehren wolle, auf ihrem GebietSum- fang Presseerzeugnlsse zu verbieten, die nirgendwo anders innerhalb des Reiches herausgegeben werden. — Demgegenüber dürfte die Tatsache von Interesse sein, daß nach dem nunmehr vorliegenden Ergebnis der Verhandlungen, die noch unter dem früheren Reichsminister Köster ihren Abschluß fanden, das Reichs- ministerium des 3nnem die bayerische Auffassung vollständig teilte und daß übrigens der S'aatsgerichtshof zum Schutze der Republik inzwischen entschieoen hat, daß zum Grlah der gedachten Verbote nur die Landesregierung zuständig ist. In deren Gebiet die betreffende Zeitschrift erscheint. Die Regierungsbildung ht Sachserr. Berlin, 29. Rov. Wie die Blätter melden. scheiterten die gestrigen Dresdener Verhandlungen zwischen dec sozialdemokratischen LandeSoraanisation und den Kö-mmunisten über die Regierungsbild unginSachsen, da die Kommunisten ficl) bei ihren Forderungen außerhalb der Verfassung stellten, deren Anerkennung von den sozialdemokratischen Vertretern als erste Voraussetzung für Die gemeinsame Arbeit in der Regierung aufgestellt wurde. Se»* Streik in der Badischen Anilinfabrik. Mannheim, 29. Rov. (Wolff.) Eine heute nachmittag in den Betrieben der Badischen Anilin- und Sodafabrik vorgenommene Abstimmung der Arbeiter hat eine Mehrheit für Den Streik ergeben. Die Arbeiter sind darauf in den Streik getreten, eö handelt sich um 21 400 Arbeiter. Die Fa- brikleitung hat hierauf die Entlassung sämtlicher Arbeiter ausgesprochen. Die Herweghs. Eine rechtsrheinische (beschichte von QieSbe t Dill. 49. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Bon nun an wurde Herweghs Korrespondenz strenger bewacht. Kleine Zettel flat'.erten in seine Zelle, die man den Wärtern auf dem Hos in die .'stand drückte; seine Mitgenvsien hatten ihm die Weihnachtsfeier nicht vergessen, die sonst immer trocken und kühl ausgefallen war, aber du^ch sterweghs Anwesenheit etwas Wärme und feft- lichm Glanz bekommen hatte. Ein gewerbsmäßiger -stehler, der schon über Jahr und Tag hinter seinem Gitter Matten flocht und keine andere Lektüre ’Xitte wie die Bibel, schrieb ihm ehren mit Sprüchen durchsetzten Brief, der tröstend schloß: „Run wird eS auch bald Ostern. Halleluja!" „Am Sonntag Morgen, zierlich angetan, Wohl weiß 4ch wo du da bist hingegangen —" In der Dämmerstunde fd^ritt Herwegh singend in seiner Zelle aus und ab Seine Stimme klang wundervoll. Eine prachtvolle Akustik, dachte ec, diese kahlen Wände gaben die Töne wieder wie das Wasser. „Als sie mir's sagten, hab' ich laut gelacht —" War das Ernsts Stimme? Lutz, der- den langen Gang berunterfam, vom Wärter geführt, hielt unwillkürlich inne. „ilnb in der Kammer dann gewehrt zur Rächt. Als sie mh'S sagten, sing ich an zu singen" - Wahrhaftig. Er war es. Lutz nxrr es, al« packte ihn jemand an der Kehle, und er hatte ein eigentümlichr« Gefühl im Halse, al« der Aus Hefisn. Em Protest des GestchgebuNgSomSschusses die französischr Gewaltpolitik. m. st) armstadt, 29. Qlot>, Der Gesetz- gebungSausschuß des Larrdtags hat heute um.', Bostttz Dey Äbg. R u ß mehrere 'Beschlüsse i.. ant Die Vorstellung der Hess. Ar Veits- r in e i n s ch a f t für Siedelungswesenin Büdingen betr. das Hess. Landgesetz, soll ge- mviafar mit dem hierzu gestellten demokratischm .।rd> einen besonders z-usamme igesehten Ausschuß beraten werden. Dee Antrag des Abg. Ruß tvir. die GerichtsreseoeNdare, sowie der Antrag der Qlbgg. Wünzer und Dingeldey betr. di stinrechnunci der Kriegsdienstzeit auf den Vobreituiiasdienst der Re.erendare, wurde nach längeir i DbiSeinandersehungen der Regierung, dir sich gegen die Anträge aussprach, ein- stimmig angenommen. Dann wurde durch den 'Ausschuß folgende Entschließung angenommen: „Der in diesen Tagen wähveird der Vertagung des Plenums allein versammelte Ge'etzaebungsausschuß des Hess. Landtags legt feie rltchVer Wahrung gegen die neue Gefährdung deS beseh- ten Gebietes durch d ie Imperialist i- s ch e n Absichten d e r f r a n z ö s i s ch e n Regierung e i n. Der Ausschluß erblickt in den von der französischen Rsgierung halbamtlich be=" t'anntgegebenen Plänen des französischen Minister - und Krisgsrades einen Druchdes Versailler Friedensvertrags und des von den 'Alliierten immer verkündeten Rechtes der Völker auf Selbst beftirnnmng. Der Ausschuß for- leitung alle Kräfte dafür einzuetzen^ daß alles berl öle Staatdregierung auf, bei Der Reichr- oefchisht, um die drohende völlige Abschnürung des besetzten Gebietes durch die Politik Pom- cares und die Besetzung des Rührgebietes ab* Huwenden. Den b-edrph.en Volksgenossen des besetzten Gebietes sendet der Ausschuß Grüße der Rot und der Treue." Aus Stabt und Lund. Gießen, den 30. Rovember 1922. starke Erhöhung der Postgeb'ihren in Eickit. Der Verkebrsbeirat der Postrerwa.tung beriet gestern die neuen Vorlagen über die Postgebühren. Demnach wurden ab 15. Dezember u a. folgende Sähe gelten: Postkarten im Ortsverkehr 5 Ml., im Fernverkehr 15 Mk., Briefe Im Ortsver'ehr bis 20 Gramm 10 Mk, bis 100 Gramm 15 Mk., bis 250 Gramm 25 Mk, im Fernverkehr bis 20 Gr. 25 Mk, bis WO Gramm 35 Mk., bis 250 Gramm 45 Mk., Drucksachen nach Gewicht bis 1 Kg. 5—45 Mk, Geschäfts Papiere nach Gewicht 25—45 Mk , Pakete nach Gewicht bis 20 Kg. in der Raß-wne 125—850 Mk, in der Fernzone 250—1ZOO Mk, Postanweisungen bis zum Werte von 20 000 Mk von 12 Mk. ansteigend bis 80 Mk. Der Verkehrsbeirat erklärte sich damit einverstanden, diese Sah: ab 15. 3anuartt>eiterAj erhöhen. Dagegen sprach er sich gegen Die neuen Fernsprechgebühren aus und erklärte sich nur damit einverstanden, daß ab 1. Oa.ruar die Grund- und Gesprächsgebühren an Stelle des bisherigen Zuschlags mit xi^ern solchen von 200 Proz. berechnet werden. Für das gewöhnliche Telegramm auf alle Entfernungen wird erhoben eine Grundgebühr von 40 Mk. und eine Wortgebühr von 20 Mk., bei Orts- und Pressetelegvammen die Hälfte. Die AuSlandgebühr soll betragen für Briese von 20 Gramm 80 Mk, für jede weiteren 20 Gramm 40 Mk., Postkarten 50 Mk; Drucksachen je 50 Gramm 15 Mk. Die Gebührenvorlage geht nunmehr dem Reichsrat und dem Reichstagsausschuß zu. ♦ " Eino öffentliche Sitzung de« Provinzialausschusses findet am nächsten SamStag, vormittags 8>/sälhr, im Sitzungssaal des Regierungsgedäudes zu Gießen ftatL Tagesordnung: 1. Schulhausneubau Butzbach; hier: Enteignung von dem Landwirt Hermann Reitz daselbst gehörigem Gelände. — 2. Klage der Margarethe Weber zu Langsdorf gegen das Kceisamt Gießen wegen Versagung des Wandergewerbescheins für 1922. — 3. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Ortsarmenverband Bellersheim auf Erstattung von ilnter- stützungskosten und älebernahme des Hilfsbedürftigen Gg. Hümmer aus Bellersheim. — 4. Scheunenbau des Heinrich Schott V. in Groß-Felda; hier: Klage des Heinrich Ludwig Rühl in Groß- Felda gegen die Entscheidung des Kreisamts Alsfeld vom 30. März 1922. ** DiePreise fürGaS und Was- ser werden mit Wirkung von morgen, 1. Dezember, ab sehr wesentlich heraufgesetzt. Der Kubikmeter Gas kostet danach 10Z Mark, Wasser 43 Mark. Die Preiserhöhung wird mit der allgemeinen starken Vnkostensteige- rung deS Gas- und Wasserwerkes begründet. "FürdieErgänzungs-undEr- satzwahlen zur Handelskammer werden im heutigen Anzeigenteil Termine und Wahlbezirke bekanntgegeben. ** Spende amerikanischer Du t heran er. Ein geborener Schützer, der Pfarrer Emil L i ft m a n n in Milcs, Texas, U.-QL, hat in lutherischen Gememden Nordamerikas durch Vorträge für deutsche, besonders hessische Rot, gesammelt. Der Ertrag der Sammlung, der in mehreren Sendungen herüberkam, ist bisher fvl- aenuer (ungenaue frühere Angaben, die durch die Presse gingen, werden dadurch berichtigt): Für die Innere Mission in Hessen 200 000 Mk. und 30 Dollar, die Theoi. Fakultät in Gießen (für Universitätsbibliothek, Theol. Seminar ufto.) 49 370 Mk. und 10 Dollar, Schliher Arme 5 Dollar, das Predigerfeminar Friedberg 7 Dollar, den Ev. Volksdienst in Frankfurt 34 556 Mk und 15 Dollar, die Dodelschwinghschen Anstalten in Bethel 17 392 Mk. und 10 Dollar, bestimmte Zwecke, für die Lehrer Elarius in Langen sammelt. 3 Dollar, 10 Dollar, sind in kleineren Beträgen für verschiedene Zwecke bestimmt. Dem hilfsbereiten Sammler und den Spendern ist vielfacher Dank sicher. Wa r n u n g für Zi mm e r v e r m i e t er. Ein Schwindler, der sich als Stubent ausgibt, sucht Stu den tenwo hnu nge n auf und fragt bei den Vermietern an, ob der Student, dessen Ramen er auf dem Schildchen gelesen hat, zu Hause sei. 3m verneinten Falle stellt er sich als Freund des Mieters vor und ersucht die Vermieterin um äleberlassung eines Buches. Wenn ihm Einlaß gewährt wird, sucht er sich ein sehr wertvolles Buch heraus und verschwindest Auf diese Weise bat er verschiedene sehr wertvolle Bücher erschwindelt. Die Vermieter werden hiermit vor dem Schwindler gewarnt. Er wird wie folgt beschrieben: Etwa 1,75—1,80 Meter groß, schmale Figur, hageres, blasses Gesicht, trägt vereinzelt Kneifer, hat schwarzes Haar und ebensolchen Schnurrbart, dunklen 2Pv.ug, grauen äleberzieher und Rucksack. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalabteilung entgegen. *■ Zur Anzeige gebracht wurden zwei Arbeiter eines elektrotechnischen Geschäftes, die Ältkupferdraht für einige tausend Mark in ihrem Geschäft entwendet und an einen Althändler verkauft hatten. Durch die hohen Dlthandelspreise mehren sich derartige Diebstahle täglich, obwohl in letzter Zeit sehr hohe Gefängnisstrafen verhängt worden sind. Die Althänbler werden in allen Fällen, wo sie fahrlässig handeln, wegen Hehlerei zur Anzeige gebracht. *• Einstellung dLs Postscheckver- kehrs zwischen dem Saargebiet und dem übrigen Deutschland. Rach einer Mitteilung der Regierungslommijsicm des Saar» gebietet werden bei den Pvstanstalten des Saar» gebiete« vom 1. Dezember ab Einzahlungen mit Zahlkarte auf Konten bei den deutschen Postscheckämtern nicht mehr angenommen und Auszahlungen auf ®mnb von Zahlungsanweisungen, die von deutschen Postscheckämtern herrühren, nicht mehr geleistet werden. 3nfolgedessen werden auch die im Saargebiet durch Rachnahme oder Post- auftrag eingezogenen Beträge nicht mehr mit Zählkarte auf Konten bei den deutschen Postscheckämtern überwiesen werden. Zwischen dem Saargebiet und dem übrigen Deurschland wird hiernach vom 1. Dezember ab der Zahlungsverkehr auf Postanweisungen und Wertbriefe beschränkt. Bornotizen. — Tageskalender fürDonnerS- t a g. Reue Aula, 81/» Mr: Vortrag des Vereins für Luftfahrt. — Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Seepirctten", 5. Teil, und »Die Rächte des Ruppert Scharbach." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Das Weib des Pharao." — Palast-Lichtspiele, ab heute: „Sünden von gestern" und „Alles um die Höflichkeit." — VortragüberdenRhönsegel- flug. Man schreibt uns: 3n der heute abend in der Reuen Aula stattfindenden Veranstaltung wird nicht bloß der vorn Verein für Luftfahrt eingeladene Vortragende, Herr B o t s ch , anwesend sein, sondern es werden auf Einladung unserer Studentenschaft mehrere Herren der akademischen Flie- gergruppe Darmstadt herüberkommen. Wir entnehmen dem „Darmstädter Tageblatt", daß sieben Mitglieder der Gruppe in diesem Sommer das D.plom als Segelflugzeugführer erlangt haben, und daß der Gruppe fünf erste, fünf zweite, zwei dritte und der einzige, der Wärter die Tür ausschloh. Der Gesang brach ab, die Brüder standen sicy in der ungewissen Dämmerung gegenüber. „Tag, Ernst." Lutz schüttelte dem Bruder die Hand. „Ah---Lutz?" „Za, ich; weißt du, ich märe schon längst mal gekommen, aber . . ." „Du warst verhindert, versteht sich" sagte Ernst. „Aber ich hätte auch feinen Besuch angenommen.“ „Ich freue mich wenigstens, daß du den Humor behalten hast," fuhr Lutz fort, der in elegantem Zivil war, und wies auf den mit Büchern, Sch-eibzeug und Roten überschwemmten Tisch. „Du komponierst?" „3a,“ sagte Ernst. „3eber hat manchmal das Bedürfnis, sich auszuleben. Och tue es in Roten Urob was führt dich her?" Ernst schob dem Bruder den einzigen Stuhl hin und nahm auf dem Fensterbrett Platz. Er hatte die Arme verschränkt und betrachtete Lutz' unentschlossenes, blasses Gesicht. Er hat mir etwas zu sagen, dachte er. „Dringst du mir Grüße von Mama?" „Das auch." Aber Lutz war aus einem anderen Grunde gekommen. „Ich habe dir etwas zu beichten. Emst." Ernst wurde um einen Schstn bleicher, er fuhr sich rasch durch daS Haar und sagte tonlos: „Also.“ „Ich wollte dir sagen — daß ich es war der damals die zweitauserw Mark aus dem Schreibtisch genommen hat." Kein Laut. S .nfi lehnte unbeweglich gegen das vergitterte Zensier, man sah von feinem Kopf Nur die Um- riffe. Seine Hand tastete auf dem Fensterbrett, als wollte er etwas suchen — fortscheuchen. „Du hast es dir wohl schon gedacht,' fuhr Lutz fori. „Wir hatten eine Verbi'.idung und brauchen Geld, und jemand sollte es beschaffen. Erler, der mit in der Klasse war. kniff, und weiß der Kuckuck, weshalb sie mich überall für wohlhabend halten, aber sie kamen zu mir, und ich — nun ja — es ehrte mich — ich fühlte mich dazu verpflichtet. Als ich an dem Abend heimkam, fand ich das Haus schon geschlossen und stieg über das Vorgartengitter ein. da sah ich die Schlüssel an Mamas Schreib.!sch hängen. Ein © wenn je der Verdacht auf eine., anderen gefallen toäie,“ fuhr Lutz fort. „Ader die Sach: blieb unaufgeklärt. Run habe ich gehört, daß man sie dir zuschieben will -" „Ach deshalb bist du gekommen? ' sagte Ernst langsam. „Run, was ist daran so fonberbar? Wenn einer Smaragden stiehlt, nimmt er auch Oberleitung zur Verfügung stehende Ehrenpreis, ein silberner Pokal, zuerteilt wurden. Möchte sich das Interesse an diesen außerordentlichen Erfolgen unserer hessischen Studenten auch hier durch lebhafte Beteiligung heute abend und durch kräftige finanzielle äln- terstützung betätigen. -- ®in Kirchenkonzert des Konzert» organiften Adolf Wieber unter Mitwirkung ber Konzert- und Orator!enfängerin Elsa Wilhelm! wird im Anzeigenteile unseres heutigen Blattes angekündigt. Wieder ist in Gießen kein lln&cfannter, denn wir hörten ihn hier schon öfter. Durch feine über ganz Deutschland verbreiteten Kirch.'nkvnzertveranstaltungen hat er sich einen vorzüglichen Ruf geschaffen. Mit Rücksicht auf die Eigenart der diesmaligen Vorträge hat der Künstler die Walcker-Orgel der Iohannis- kiiche gewählt. 3n Elsa Wilhelm!- Berlin hat er eine Partnerin, die schon oft Gelegenheit hatte, durch ihre vorzüglich geschulte, große Stimme Bewunderung auszulösen. Es ist diesmal ein Advents ko nzert mit Dem Hinblick auf die kommende Weihnachtszeit. Das Programm, meisterlich alte und neue Meister verbindend, ist gut zusammengestellt. An Orgelvorträgen seien genannt: das gewaltige 8-Dur-Händelkonzert ('De arbeitung. von Wieder), ferner die berühmte Passacaglia (a. d „aparatus-musikv-organistikus") von Mussat und eine Introduktion des Münchener Komponisten 3. Haas. An Gesängen: Werke von Z. S. Bach 3. W. Franck und Peter Cornelius mit seinen trefflichen Weihnachtsliedern. Karten bei ©ballier und an der Kirche, hier zu etwas erhöhtem Preis. Die Kirche ist geheizt. — Die Vertrauensleute ber Orts- Kartelle beS Kreises Gießen werden im heutigen Anzeigenteil zu einer Zusammenkunft im „Aquarium“ am kommenden Sonntag nachmittag eingeladen. — Vortrags-Vereinigung. ,AuS Altnürnberger Dlütetagen" lautet das Thema, über das der Redner des dritten Vortrags-Abends. Geheimrat Professor Dr. Schmid-Bürgh aus Aachen, an Hand von zahlreichen farbigen Lichtbildern sprechen wird. (Siehe heutige Anzeige.) ♦ Wettervoraussage für Freitag: Wolkig, Rebelbildung, Rachtfrvst, später wieder wärmer, erneute Riederschläge nicht ausgeschlossen. Der Sturmwirbel, welcher gestern und vorgestern Tauwetter brachte, ist abgezogen und hat hohem Druck Platz gemacht. Die Besserung wird ledoch nur vorübergehend fein, da sich infolge der hohen Temperaturen im Eismeer andauernd neue Sturmwirbel entwickeln. ♦ Landkreis Gießen. t Ettingshausen, 27. Rov, Zum Andenken an unsere ®«iallenen wurde am Toten fonntag ein Gottesdienst auf dem Friedhöfe ge halten. Eine Kollekte für die Krieger- Hinterbliebenen, die habet vorgenommen wurde, ergab 905 Mk. gck. Grohen-Duseck, 29. Rov. Gestern ereignete sich in einem hiesigen Steinbruch ein schwerer älnglücksfall. Durch das Ab- riz scheu großer Steinmassen wurde ein A r b e i t er aus Burkhardsfelden, ber noch schnell sein Arbeitsgerät aufnehmen wollte, verschüttet. Obwohl Kopf und Brust freigeblieben waren, gelang es erst nach langem Mühen, den Verunglückten zu bergen, da ein viele Zentner schwerer Block auf seinen Deinen lag. Gin Sanitätsauto verbrachte den schwer Leidenden nach ber Klinik, wo er seinen Verletzungen erlegen ist. Kreis AlSseld. * Alsfeld, 29. Rov. Herr Jakob Bamberger aus Reu York übermittelte ber hiesigen Bürgermeisterei eine Spend: der „Quarter Collection" im Betrage von 1 6 0 0 0 0 Mk. Davon sind 60 000 Mk. für den Kindergarten und 100 000 Mark für eine Weihnachtsbescherung der Armen unserer Stabt bestimmt. — Dieser Tage wurden bei einer Grundstücksversteigerang für eine Wiese von etwa 2630 Quadratmetern 1 60 000 Mark erlöst. Steigerer war ein Landwirt au- Eifa. Kreis Lauterbach. rr. Q u e cf b. Schlitz, 28. Rov. Der von hier stammende 27jährige Arbeiter Georg Fink, der in einem Kalibrrgwerk zu Vacha beschäftigt war, geriet dort so unglücklich zwischen zwei F-örderwagen, daß ihm der Kopf zertrüm^ merk wurde. Der Verunglückte war neben drei Schwestern der einzige Sohn einer Witwe. Heutiger Stand des Dollars 10 Llhr vormittags: Berlin 8325, Frankfurt a. M. 8350. Geld. Was hast du beim eigentlich mit dem Geld gemacht?“ „Zch hatte es unter die Dielen versteckt, und so oft wir Geld brauchten in der Verbindung, spielte ich den Roblen. Es verschwand sehr schnell in diesem Sportklub, wir hielten Zeitungen, die Miete des Sportplatzes, manche waren recht knauserig. Ich war stolz darauf, daß man mich an pumpte, ich hab' mir davon, weiß Gott, nicht ein Zirkusbillett gekauft.“ „Ilnb woher glaubten denn Deine Kameraden, daß du es hättest?“ „Von Onkel Anton,“ sagte Lutz. Ernst lachte auf. „Mama tat mir leib. Ich fürchtete Die Fol gen. Dieses Geld hat mich nie gefreut, aber wenn Die Schuld jetzt auf dir sitzen bliebe,“ Lutz sprang auf und ergriff Ernsts Hände, „lieber reich' ich meinem 'Abschied ein! Meine Verlobung ist schon zurückgegangen, mag meine Karriere auch zum Teufel gehen, ich geh' bann nach Amerika oder sonstwohin — ich werde arbeiten wie ein Knecht." Ernst ließ ihn ausreden. Dann legte er dem 031über beide Hände auf die Schultern und sah ihn an. „Ich danke Dir, Lutz, daß du gekommen bist und dafür, daß du mich remwaschen willst. Aber es wird nicht nötig sein. Denn entweder stellen sich Meine Taten als die eines Verbr-echerS h.raus. dann werde ich verurteilt, auch ohne daß ich dich hinc-inziehe. Ober ich werde freigesprochen, to ll ich ein Harr bin und ins Irrenhaus gehöre, älnd für solchen braucht man keine Rcinwaschungen r.-orzunehmen. Aut zwrhause d Marc kommt es bii vrie ganzen Geschiche überhaupt nicht mehr an. Das ist eine Bagatelle, und von dir war eS ein Jungenstreich." (Fortsetzung folgt) Kreis Friedberg. • Dad-Bauheim, 29. Bov. Zur Simckch- hmg einer Den zolanlage im Gas verk bewilligte die Stadtverordnetenversammlung 2 300 0CO OH! Die Anlage soll von der Me- guin A. G. geliefert werden. — Sambach, 28. Bov. Am Totensonntag nachmtttag fand hier die Einweihung des Denkmals f ü t unsere gefallenenHel- ben statt. 54 Söhne unserer Gemeinde, darunter fünfmal zwei Drüder urcb einmal drei Brüder, gehören zu den Opfern des großen Krieges. Das Denkmal steht auf dem Kirchhof neben dem Eingang zur Kirche. Es ist ein schlichter, aber sehr wuchtiger Stein, oben gekrönt mit Eichenkranz und Sturmhelm, auf der Vorderseite in der Mitte das Eiserne Kreuz, gefertigt von Steinhauer Kaiser in Lich. Die Inschriften in erhabenen Buchstaben auf rotbraunem Grund lauten: Auf der Vorderseite: „Sen Opfern des Weltkrieges 1914—18. Vergih mein Volk der teueren Toten nicht!" Auf den Bebenseiten die Barnen der Gefallenen. Auf der Rückseite: „Gefallen! Aber in Gottes Hande Tot! Alnb siehe, sie leben. Geschieden! Hab dnch auf Wiedersehen!" Die Beteiligung an der Feier war austerordentlich grob; sie zählte nach Zausenden. Sie Einweihungsfeier und der an» chliestende Gottesdienst hinterließen allenthalben einen tiefen Eindruck. Eine Kollekte für die Kriegssti'stung ergab 4 4 00 Mark. :. Kirch-Göns. 29. Aoo. Arn Tötens mn- ■ ag fand dachier im Abendgottesdienstr die feierliche Enthüllung einer Gedenktafel statt, welche die Bilder sämtlicher, aus hiesiger Gemeinde im Weltkriege Gefallenen und Dermts'tsn - an Zckhl 18 — enthält. An der Feier nahmen Kriegerverein, Turnverein und Gesangverein teil, welch letzterer unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer G u n d e r l o ch, zwei Lieder zum Vortrag brachte. Die Weicherede hielt Pfarrer Baumann, auf dessen Anregung die ©ebenflafel angefertigt worden war. — Gin schönes -Zeichen opferwilligen Sinnes gaben die Schüler der oberen Klasse dahier, welche aus freien Stücken unter sich eine Sammlung txnanftalteten unb das Ergebnis — 978 Mk. — dem Pfarrer für die Anstalten zu Bethel Übergaben. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 29. Bov. W e nach der hiesigen Presse verlautet, wurden dir Darmstädter Gemeinde-, Kreis- und Prvvinzial- tagswahlen von der rechten Seite wegen des von links ausgeübten Terrors angefochten. ' D a r m st a d t, 29. Bov. Der „Siebener Anzeiger" hat vor einiger Zeit schon berichtet, daß Der „Darmstadter Tägliche Anzeiger" und die „Hessische Landeszeitung" miteinander verschmolzen würden. Die Richtigkeit dieser Bach- richt wurde damals von hier aud bestritten, jetzt aber findet sie ihre Bestätigung in der folgenden Ankündigung, die die „Hessische Landes- -xeitung" und der „Tägliche Anzeiger" heute Per- öffentlicher': „Die beiden bisher schon in derselben Druckerei hergestellten Zeitungen „Hefsi- sche La n des z e i t u n g" und „Da rmstädter Täglicher Anzeiger" werden von morgen ab in einer gemeinsamen Ausgabe mit gemeinsamem Kopfe erscheinen. Bäheres finden die Leser in der morgigen ersten gemeinsamen Ausgabe." Kreis Wetzlar. eL Wetzlar, 27. Bov. Am Vormittag des Totensonntags fand die feierliche Einweihung des Ehrenfriedhofs statt, den die Stadt Wetzlar den hier bestatteten Kriegsteilnehmern errichtet hat. Am Eingänge, zu dem die den allgemein m stä tischen Friedhof durchschneidrnde Baumallee führt, sieht man zwei grobe Figuren aus Sandstein, den zusammengebrochenen sterbenden Krieger und das schmerzerfüllte, klagende Weib; von hier führt ein breiter Gang zu einem Riesensarkophag, über dem das expressionistisch gehaltene Gvanitrelief eines betenden, verzückt nach oben blickenden Jünglings, als Symbol der Auferstehung angebracht ist. Rechts und links vom Gange liegen in Reih und Glied etwa 90 Gräber der in Wetzlar gestorbenen und der im Weltkrieg gefallenen, nach Wetzlar überführten Krieger. Ein schlichter Stern gibt auf jebem Grabe in aller Kürze Auskunft: von einem kennt man den Barnen nicht, et muhte als „Unbekannt“ bezeichnet werden. Pfarrer Schmidt hielt die Gedächtnisrede, darauf übernahm Baurat Klee- mann den Held.nfriedwf in den Schuh der Stadt. Hcffett-Nafsau. fpd. Frankfurt a. M., 29. Bov. Der Magistrat hat seinen Beschlub, den Pauls- platz in „Platz der Republik' 1101311 benennen, zurückgezogen. fpd. Wiesbaden, 29. Bov. Das französische Kriegsgericht verurteilte "Die be i d en marokkanischen Soldaten, die im Oktober eine zwischen Frankfurt unb Sosse"- hrim belegene Wirtschaft mehrere Stunden unter Feuer hielten unb dabei einen unbeteiligten Dcut- schrn töteten, zum Tode. Der Wirt hatte den beiden Soldaten die Verabfolgung von Bier ver- tteigert. js Warburg. 29 Bov. Wie t t der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten mitgeteilt wurde, ist der ordentliche Voranschlag der Stadthauptkasse von rund 23 Millionen auf 47 Millionen gestiegen. Die Gehaltserhöhungen beanspruchen für das lausende Vierteljahr allein 13'/2 Millionen mehr, 572 Millionen hat das Reich vorgeschossen. Bei dem außerordentlichen Voranschlag stellt sich die Fehlfumme aus 33*/2 Millionen, die unter Berechnung der durch Anleihen bereite gedeckten Summe durch Ausgabe von Inhaberpapieren zu 7 Proz. au gebracht werden sollen. Wrgrn der Deckung der ersteren Febl- summe ist eine Vorlage in Vorbereitung. Mit einer Reihe von Gebührenerhöhungen war man einverstanden. Das Wasser soll pro Kubikmeter 25 Mk. kosten. Der Darmstadter Landsriedens- bruch vor Gericht. rm. D a r m ft a t> t, 29. Bvv. Bon t«r 01 r a f- latnmer wurde heute der Rest der weniger belasteten Angeklagten, die sich am 27. Juni Gesetzesübertretungen haben zu schulden kommen lassen, verurteilt. Sie wurden besonders wegen der Verwüstungen in den Druckereien des „Tägl. Anzeigers" und der „Hess. Landeszeitung" unb den dazu gehörigen Privatwohnungen beschuldigt. Es erhielten: Der 20 Jahre alte Hilfsarbeiter Fr. Feh 1 Jahr, der 22 Jahre alte Schneider G. v. FlaiglO Monate, der 18jährlge Hausbursche Ioh. Kürschner 7 Monate, der 17jähr. Arbeiter Fr. Schmidt 6 Monate, der Mechaniker K. Beith, 18 Jahre alt, und der Arbeiter Fr. Hopfner, 16 Jahre alt aus Oberramftabt, je 5 Monate, der 16 Jahre alte Arbeiter H Wagner, sowie der 15 jährige M. Fischer je einen Monat Gefängnis. Gchlichtnngsansschus; der Provinz Oberheffen. Verhandlung vom 28. Bovember. Die Bereinigten Fuhrwerksbe- siher von, Gießen und die Mitglieder des Arbeitgeberverbandes für Handel und Gewerbe in (Sieben sollen vom 27. Bovember 1922 an die Transportarbeiterlöhne der Vereinbarung vom 10. Bovember 1922, die vom 6. Bovember 1922 an galten, bei den Arbeitern und Arbeiterinnen über 18 Jahre um 40 v. H unb bei den 14—18jährigen um 35 v. H. erhöhen. Als Zehrgeld sollen sie für Fahrten bis über 2 ilbr nachmittags 150 Mk. statt bisher 120 Mk. und für Fahrten mit ^lebernachten 500 Mk. statt bisher 400 Mk. zahlen. Der Schiedsspruch ergibt u. a. folgende Wochenlöhne: Kraftfahrer 9450 Mk., Fuhrleute über 21 Jahre 9156 Mark, Lagerarbeiter usw. über 23 Jahre 8376 Mark und Arbeiterinnen über 23 Jahre 6160 Mk. Die Strcittelle erhielten Erklärungsfrist bis zum 2. Dezember 1922, mittags 12 Uhr Als Bovembergehaltssätze ber kaufmännischen Angestellten vereinbarten der A r- beltg eberberba nb s ü r Handel und Gewerbe unb die Angestelltengewerkschaften 95 v. H. der Bopembersätze der kaufmännischen Angestellten der Industrie, jedoch mindestens die Sähe des Kleinhandels, und als Zulagen der Verheirateten und der alleinstehenden Ledigen Me Sähe der Industrie. Empfohlen wird in der Vereinbarung die Auszahlung eines Vorschusses auf die Dezembervergütungen in der Höhe des halben Bovembergehaltes spätestens am 15. D^. In 6 weiteren Gesamtstreitigkeiten und zwei Einzelstreitigkeiten einigten sich die Streitteile vor der Verhandlung. Vermischtes« Berlin, 29. Bov. (WTB.) Der Prozeß gegen das Ehepaar Franz wegenSitt° lichkeitsverbrechens wurde heute nachmittag beendet. Die Geschworenen verneinten sämtliche 42 Schuldfragen, worauf das Ehe-» paar freigesprochen und sofort auf freien Fuß gesetzt wurde. Die Anklage hatte . dem Ehemann Ingen'eur Franz vorgeworfen, sich unter De Hilfe seiner Frau an jungen Damen der Gesellschaft vergangen zu haben. Berlin, 29. Bov. (WTB.) Zwei große Häutedieb stähle, bei Deren jedem die Beute einen Wert von l‘/2 Millionen Mark darstellte, würden von der Polizei aufgeklärt. In einem Falle wurde ein auf dem Schlachthof beschäftigter Arbeiter als der Täter verhaftet, im anderen Falle ein Hausverwalter und ein Spediteur festgenommen. Kirchliche Nachrichten. 3fr. Religion-gemeinde. Gottesd. i. d. Synag. (Südanl.). Samstag, 2. Dez. Vvrabd. 4,30, morg. 9, Abds. 4,35 u. 5,15. - 3fr. Beligionsgesellfchaft. Sabbatfeier 2. Dez. Freitag abd. 4, Samstag Vorm. 8,30, Bachm. 3,30, Sabbalausg. 5,15. WochengotteS- dienst morgens 7, abds. 4. Handel. Frankfurt a. M., 29. Bov. Dörsen- stimmungsbild Dollarkurs &400, 8350, 8500, 8550. Zu Beginn des Frühverkehrs lagen Devisen fest, fpater schwankend Auslandsrenten waren wieder stark in den Vordergrund gerückt. Am Montanaktienmarkte war die Bachfrage heute noch weniger groß. Höher setzten Mannesmann und Photttx ein. Für Elektrizitätswerte zeigte sich rege Kauflust. Chemisch? Aktien fanden größtenteils zu höheren Kursen Ausnahme. Große Bachfrage machte sich für Maschinenwerte bemerkbar. Zucker- und Zellstofsattien wurden erheblich höher genannt. Dorfsnlurfe. ^rnnksurt a. M. Berlin Schluh. s^luß. Schluß. Schluß. Kurs Kur» Äurs Kurs Datum: 5°/» Dtfcb. Nctchsanleihe 4"/n Dergleichen 3V$7o Dergleichen 3; o Dergleichen Dlscb.Svcir-Prani.-Anl. 47, Vre,mische Lion so lS 4°7 Hessen 3‘/37o Hessen 3*/0 Hessen ... 47) Zolltürken 57° Goldmexikaner 9 27 11. 29.11. T(. 11. 29.11. 78,50 78 50 SO 75 80,75 350,- 3'50,— 354,- 385,- 240,— 250, - 250,- 26 870,- 870,- 850,— 900,- - - 150 - 160.- 140,- 140— 140,- 142.50 110,- «;0,- 8L- 95,— —,— - - 111.- 105- 6035»- 6150,- 62X),-59k>5,- 1000,-94500,-92800,-94100- Berliner HandelAges 9000,-13500,- 900.),- 12500,- (£omiuerA: 11. Privaibk 1900,— 204 >,— 1925,— — DnrmO.n.Nntionnlbnnk 1650,— 1725 — 1700,— 1750,— Deutsche Bank 5400,— 5700,— 5100,— 5800,— Deiilfäie Beveinsblink. 710,— 800,— —,— —,— DiSconio Commnndit . 2906.— 3090,— —, - 3000,— Metall tmnk........ 8405,- 8259,— Mitteldeut. Creditbailk 1600.— 1645,— 1600,— 1650,— Ceiterr. Cre-i'.nnstnli 1190,— 1,30— 1200,— 1250,— Bochumer Guh .... 1750a—15000,—15000,-15950,— BuderuS......... 6300,- 6700,— 6151,- 6850,— Caro 80)0,— 8980,- 8200,- 93— 9100,— Vnurnbiitte....... 1700U—155'10,—15400,—14750,— Cberbeönrf ......13 M,—113^0—14500 —10925.— Phönix Bergbau.... 16509,—16500,—15000,—17000,— Rheimtnhl........15200,-17000,—144MX),—14900,— Riebeck .'toutnn . . . 23b>0,-2 »003,—21503,—30000,— Tellus Bergbau.... —,— 3500,— — vanibiitn^hncr. Paket 3509,— 350), - 3250,— 387),— Norddeutscher Lloyd 2300,— 2NO,— 2110,— 2375,— ?,ementii>erkHeidelberstz — Steinens & Halske. . .12450.— 12000,-13Ö0U— Adlerwerke Meyer. . . 1800,- 199-1- 2000,— Daimler Motoren. . . . ISO) — 195ft— 1810,— 2000,— Heyltgenstaedt...... 2-00 — 3 0),- —— — J.'*‘ehuin 360), - 4300— 3550,- 3900,- Meinllges. Frankfurt. .14001-14300,- Schuhfabrik Herz... 1450,-1630— — Sichel 3 •50,-3475— — Zellstoff Waldhof . . . 10500—105'10,- 12000,- 10509,- .lllickerfnbr.ZrankeNlbnt 5895,-6290— —— — ZuckerfabrikWan /Intel 5700,-6800— —— Frankfurter Devisenmarkt. (Telegraphische Auszahlung.) Amtliche Botierungen. Datum: «ntw.'Brlisiei .. Holland..... Vonöon Paris Schweiz , Spanien .... Italien ^isjnbon-Ovorto Dänemark . . .. y/oriuefien . .. . Schweden .. . Helsingsors. . . . Nenyork Denisch-Oesterr. Budapest Prag Sofia 27. November Geld «rief 528,65 531,35 3192,- 3208,- 36408,75 W'.9LN 564,55 567,45 148S,75 1496,25 1221,90 1228,10 3S&- 38a,— 1620'90 1629'10 1456.85 14113,15 2144,60 2155,40 8009^90 805040 11,17 11,23 329,- 3U- 232,N 254,15 29. November ^clb Priel 52',65 532,35 3329,15 3345 85 37780,30 37969,70 578,55 581.45 1556.10 1561,90 1286,75 1293,25 399,- 401,- 1689'75 1698L5 152 . ,15 1533,85 2214,45 2225,-55 8266.75 8308'25 11,97 12,03 346,50 348,50 2.58,35 259,65 Märkte. Berliner Produktenmarkl. Berlin, 29. Bov. Weizen, märkischen 14 800 bis 15 200 Mk., pommcrschm 14 800—15 100 Mk., (stetig), Roggen, märkischrn 13200—13 500 Mk. (stetig). Sommergerste 12 505—13 500 Mk. (stetig). Hafer, märkischen 13 500—14 200 Mk.. pommer- sch.n 13 830—14 200 Mk. (still), Mais, La Plata, loco Berlin 15 500 -16 00) Mk. (still), Weizenmehl (100 Äjj 39(03—44 03) M (b.Laupt.t). R gg n° mehl (103 Kg.) 35 003—38 030 Mk. (behauptet). Wllzenkleie 7630 —7830 Mk. (stetig), Roggenilele 7600—78)0 Mk. (stetig). Raps 24 000—25 C03 Mk. (stetig), Leinsaat 26 000—27 000 Mk , -7i erbsen 23 000—24 000 Mk.. Futterervscn ’ bis 19 030 Mk.. Ackerbohnen 19 500—21 000 ' . Lupinen, blau 16 700—17 000 Mk., gelb 17) bis 18 500 Mk., Seradella, alt 30 000—35 003 QRarf, Rapskuchen 9200—9500 Mk., Trocken schnitzel 6200—6300 Mk. Rauhfutter: Weizen- und Roggen stt oh, dvahtgeb. 5500—5700 Ml., Haferstroh, drahtgepreßt 5500—5700 Mk, Strotz, strohseilgebündelt 5300—5400 Mk., Wiesenhen. gut, gesund und trocken, Vormahd 3400—3500 Mark, Bachmahd 3000—3100 Mk. (Soweit kein anderes Gewicht genannt, verstehen sich alle Preise pro 50 Kg.) Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 29. Bov. Weizen al4* baldige Lieferung 30 000—32 000 Mk.. Roggen alsbaldige ßl?fcnmg 28 000—29 000 Mk.. S? .1- mergerst« alsbaldige Lieferung 26 000—27 503 Ml. Hafer, inländischer, alsbaldige ßteferung 26 500 bis 27 000 Mk., ausländischer, alsbaldige Sich rung 33 500—34 500 Mk., Mais. La Plata und Mixed 32 000—33 000 Mk., Weizenmehl, £1 < zial 0 44 000—51 000 Mk., Roggenmehl 37 000 vis 38 000 Mk., Weizen- und Roggenkleie 14 000. Mark. Parität Frankfurt a. M. Terchenz: fes! (In einem Teil der Auslage wiederholt.) Abwehrstimrnen der Bh2inlandpresse. K ö l n, 28. Bov. Die ..K v l n i s ch e Z e 1. t u n g“ weist auf den rein deutschen Eharal- ter des BcheinlandeS hin und erklärt, daß das dem Rheinlande von Frankreich zugedachie Schicksal Europa nicht zur Ruhe kommen lassen würde. Sie zitiert die von dem neuen Reichskanzler aufgenommenen Worte Rathe- naus: „Die Regierung wird niemals bereit sein, besetztes deutsches Gebiet, das Rheinland, oder die Pfalz oder das Saargebiet freizugeben, ihre Befreiung zu gefährden oder auch nur um einen Tag hinausschieben zu lassen. Weit dringlicher als alles andere mahnt diese Sorge um deutsches Land am Rhein zu stärkster, tiefster Einmütigkeit der Gesinnung." Hierzu bemerkt das Blatt: „Das soll ein Wort sein! And wir am Rhein wollen helfen, daß dieses Dort wahr bleibt." Die „Kölnische Bolkszeitung", das Organ der rheinischen Zentrumspartei', schreibt: „Wir können uns nicht denken, daß die Erregung über die nun unverhüllt proklamierten Pläne Frankrerchs auf die Rhestckande und das übiige Deutschland beschränkt bleiben; bebeu'cn sie doch nicht nur die Vergewaltigung eines deul- schm Landes, sondern gleichzeitig die e'mfteste Bedrohung des Weltfriedens, die je nach dem großen Kriege zu verzeichnen war. Die tödliche Bedrohung ihrer heißgeliebten Heimat wird die Rheinländer innerlich gewappnet finden. Aeußerc Mach'.mittcl stehen uns nicht zur Verfügung. Zur Erhaltung deutscher Art am deutschesten aller Ströme sind sie auch nicht notwendig. Anfere unüberwindliche Wehr ist das tiesinnerliche Be wußtseiik des Deutschitums, das uns keine äußere Gewalt aus dem Herzen reißen kann." Die ArteilSbegründung bes griechischen Siaatsger'rchtshofes. Paris, 29. Bov. (WTB.) Bach einer Ha- vasmeldung aus Athen heißt es in der Begründung zu dem Arteil über die Hinrichtung der ehemaligen griechischenStaats- männer Im wesentlichen: die Angeklagten hätte, bewußt dem Volke die wirlliche Lage geheim- gehalten, obwohl Griechenland feiner Allianz frei und ledig hätte erklärt werden müssen. Sie hatten beschlossen, alles -,u tun, um den Thron König Konstantins zu befefltgen, damit sie unter seinem Regime an der Macht bleiben Kirnten. Sie hätten alle Kundgebungen der öffentlichen Meinung, die sich dagegen gerichtet hätten, durch Terrorismus erstickt. Schließlich hätten sie auch den Zusammenbruch der 'Front In Kleinasien provoziert. Anstatt den König von der Botwendigkeil seiner Abdankung zu überzeugen, hätten sie mit dem General Daltazzl eine Offensive gegen Konstantinopel verabredet, die Baltazzi unternommen habe, was die feindliche Offensive und den Zusammenbruch der Front in Kleinasien zur Folge gehabt habe Auf diese Weise hätten die Angeklagten bewußt einen großen Teil der unter dem Kommando Baltazzis stehenden Armee dem Feinde ausgeliefert. Sie seien des Hochverrats überführt und der Strafe zugeführt worden, die in mehreren Artikeln des Militär-Strafgesetzbuches vorgesehen sei. Dron erlo Wallenfels, Marktplatz 21. spa Ab heute: Erich Kaiser-Tietz, Gina Relly, Arnold Korff in Palast-Lichtspiele — Lindenplatz — 01«« GrBßfes n.vornebmstesThsaler am Platze Ein Film von höchster künstlerischer Vollendung in 5 Akten. 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Für den Wahlbezirk Gietzen-Land auf Mittwoch, den 6 Dezember d. Zs., vormittags 10—12 Ähr, im Sitzungssaale der Handelskammer, Lonysttatze 7. Als Wahlleiter wird Herr W. L. Rühl tätig sein. Es scheidet aus: Herr Ludwig Rinn- Heuchelheim. Für den Wahlbezirk Grünberg auf Dienstag, den 5. Dezember d. Js., vormittags 10';2—1 Slfor, in der Bürgermeisterei zu Grünberg. Als Wahlleiter wird Herr Heinr. Jhring tätig sein. Es scheidet aus: Herr Georg Stamm- ler-Grünberg. Die Ausscheidenden sind wieder wählbar. Giehen, den 28. Rovember 1922. Hessische Handelskammer Giehen. Schirmer, Kommerzienrat. [IO Eddie Pole ^in Seepiraten S.Teil. Außerdem: ,onec Die Nächte des Ruppert Scharbach 5 Akte aus dem Leben eines Kriminal-Kommissars. MitMargareteLindau-Schulz s a 4 Gold, Silber P!atingegenständs, Uhren Prismenserngläser, Holzbrandstifte sowie hünftl. gähne und Gebisse 0,0b86 kauft zu höchst erreichbaren Preisen 6!. M, UlMwki Edelmetallverwertung mflnifftcne 2, naiQH ö. Bannhofitr. 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