!tt 255 tr|d)etnt läglich, oufetr Sonn» und Fei-rlaqs, mit öerSamstQQsbeitaqe: (Siebener ^amilienblätter !Hona1ll(!}tBe5Hfl«preifr. Mb 102 - und MK. 8- Trügerlohn.durch diePost Mk 125. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt, - Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchnst- lething 112; für Verlag und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehe». postscheätanto. ^rantfurt a. M. 11686. Blomag, 50. OTtobcr 1922 172. Jahrgang GietzenerAMger General-Anzeiger für Oberhesfen vruck nnb Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- und Zfeindruckerei E. Lange. Zchriftleitung, SeschSftrstelle und Druckerei: Schulstra^e 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 600 Pf., auswärts 800 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Dreite2800Pf . Bei Platz- Vorschrift20'.Aufschlag tzauptschriftleiter: Aug Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für der Anzeigenteil . Hans Beär sämtlich in Dietzen Der Staatsstreich der Faszisten. Der nationale Bund der Faszisten hat es zuwege gebracht, das Kabinett de Facta zu stürzen und ein Kabinett Mussolini an seine Stelle zu setzen Es ging nicht aus parlamentarischem Wege, und die bisherige Regierung hatte gegen die ülmstürzler den Belagerungszustand im Lande verkünden wollen. Aber der König, der die Macht der Faszisten kennt und respektiert, lehnte Gewaltmahregeln ab und zieht es vor, mit ihnen zusammen zu regieren. 3n Italien herrscht darum w>eaer Ruhe und Einigkeit 2luS der Faszistentogung, die vor einigen Tagen in Reapel stattsand. erfahren wir etwas von dem Geiste, der dieser nationalen Organisation innewohnt. In seiner zur Eröffnung der Faszistentagang von Reapel gehaltenen Rede hat Mussolini die Grundlinien des Faszismus zu einem einheitlichen Bilde zusammengesaht: „Lassen wir alle Bescheidenheit, die oftmals nur der Schirm der Schwachköpfe ist, beiseite," erklärte er, „so müssen wir sagen: Es gibt nach dem Weltkriege keine interessantere, eigenartigere und mächtigere Erscheinung als den italienischen Faszismus Diese Bewegung ist sowohl politisch, gewerkschaftlich, militärisch und religiös und trägt somit alle Rot- Wendigkeiten, alle Hoffnungen und alle edlen Leidenschaften der neuen italienischen Seele in stffich. Wir haben einen Mythus geschaffen. Der Mythus ist ein Glaube, er ist eine edle Leidenschaft. Es ist nicht notwendig, dgß er eine Realität sei. Er ist eine Realität nur deshalb, weil er ein Antrieb und eine Hoffnung ist: er ist Glaube und Mut. ilnfer Mythus ist dis Ration, unser Mythus ist die Gröhe der Ration, und diesen Mythus, diese Gröhe wollen wir zu einer konkreten Realität machen, der wir alles übrige unterordnen Für uns ist die Ration vor allem Geist und nicht allein Territorium. Die Ration ist groh, wenn sie die Anstrengung ihres Geistes in die Wirklichkeit überseht." Mussvlin spricht zu Italien-n; er kennt sein Volk. Er weih, dah ihm nationales Fühlen und Denken im Blute lebendig ist und durch jede Ader des Italieners pulsiert, mag er Sozialist sein oder Demokrat, Reprcblilaner oder- Monarchist, Bürger. Bauer oder Arbeiter. Der Fasclsmus spielt arf den klvraendsten Saiten einer Volksseele, die fähig ist der Begeisterung für nationale Ideale, für den Ruhm und für die Ehre der Ration. Hier liegt das Geheimnis seiner Kraft, das Pathos seiner Wirkung. Rom, 28. Oft. (Wolff.) Seit den Rächt- stunden ist daS Kabinett versammelt, um auf Grund der aus den Provinzen ein laufenden Rachrichten sofortige Mahnahmen verfügen zu sonnen. Das Kabmett hat beschlossen, von heute mittag ab über alle Provinzen des Königreichs denDelagerungszustandzu verhängen. — In Rom und fast allen groben Städten herrscht bis jetzt völlige Ruhe. Der Ministerrat hat an das Boll erneK und- gebung gerichtet, in her er erklärt, dah die Rachrichten „von hochverräterischen ülmtrieben in einigen Provinzen Italien der Wahrheit entsprächen". Diese Aufstände Hütten den Zweck, die Arbeit dcer staatliche Organe zu hindern. Die Regierung wird ihre Pflicht erfüllen und m i t allen Mitteln und um jeben Preis die ö f - f entliche Ordnung zum Schuhe der Bürger und der versassungsmähigen öffentlichen Einrichtungen aufrecht zu erhalten. Rom, 28. Oft. (WTD.) Stesani. Da die Lage s ich gebessert hat, hat die Regierung Me Verordnung, durch welche der Belagerungszustand erklärt worden ist, zurückgezogen. Der Äöi’jg hat nacheinander mit Tittoni. Domcola Cocco-Orth und Salandra über die Lösung der Ministerkrise Unterredungen gehabt. Ein Kabinett Mussolini. Rom, 28. Oft. (Wolff.) Salandra lehnte die Bildung des Kabinetts ab. Darauf beauftragte der König Muss olini mit der Bildung des neuen Ministeriums. Rom. 29. Oft Die Agenzia Stesani meldet.: Alle Zeitungen veröffentlichen Lobartikel auf den König, weil er es abgelehnt hat das Dekret betreffend die Verhängung des Belagerungszustandes zu unterzeichnen. Das Leben in Rom geht feinen normalen Gang, abgesehen von einigen Dem on st rat i onen gegen sasciftenf kindliche Blätter. Rom, 28. Oft. (Wolff.) Wie Havas meldet, war bis 6 ülhr abends in Rom alles ruhig. Auf Befehl der Militärbehörden wurde der Etrahen- bahnverkchr eingestellt, dagegen verkehren viele Automobile und Wagen. Alle Gebäude sind beflaggt Im Ministerium des Innern, w? sich die Minister versammelt haben, gingen Rachrichten aus ganz Italien ein, wonach überall Ruhe herrscht. Die Faszisten besetzten einige Du, reaus der öffentlichen Verwaltung. Außer in Cremona, wo es zu blutigen Zusammenstöhen kam, ereigneten sich nirgends Zwischenfälle. Die Reise der Reparationskommisfion. Berlin 30. Ott. Die Mitglieder der Re- parationskommissivn treffen heute nachmittag um 5 ülhr in Berlin ein. Der .Lokal- anzeig er" vermuret, dah es noch heute abend zu unverbindliche Besprechungen zwischen ihnen und der Reichste? ierung kommen wird. Der Engländer Keynes wird, wie das Blatt Wetter hört, in Berlin erwartet so dah dann auch die Beratungen mit den Währung-sachverständigen ausgenommen werden können. Derlin, 28. Oft. Wie die Blätter melden, wird in einer Mitteilung derRepara- tionSfvmmission an die deutsche Regierung über die Reise der Kommission nach Berlin als Zweck der Reise angegeben, bei der deutschen Regierung jene Maßnahmen zu erörtern, die ergriffen werden muhten, um daS Gleichgewicht im Budget des Deutschen Reiches herzustellen und die Stabilisierung der deutschen Mark zu erreichen. Die Blatter nehmen an, dah die deutsche Regierung mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Programm in Verhandlungen mit der Reparationskommission eintreten werde. Laut „Berliner Tageblatt" wird die erste Sitzung der Berliner internationalen Wäh- rungssachvecstandigenkonferenz am Donnerstag unter dem Vorsitz des Reichsbankpräsidenten Haven st ein stattfinden. ES verlautet, dah einige Sachverständige bereits fest umrissene Pläne ausgearbeitet hatten, die sie der Konferenz vorzulegen gedenken. Als Ergebnis der Beratungen erwartet man die Formulierung eines ausführlichen Gutachtens. Don Seiten der deutschen Regierung wolle man keinerlei Einfluh auf die Verhandlungen ausüben, damit ein gänzlich unbeeinflußte« Gutachten zustandekommt. Pari«, 30. Oft (WTD.) Die Mitglieder des Reparationsausschusses haben Paris auf der Reise nach Berlin verlassen. Bar- thou, Bradbury und Salvage Raggi kamen auf dem Dordbahnhos an. Barthou entzog sich jedem Versuch einer Befragung, dagegen gab Bradbury folgende Erklärung ab: „Ich komme von London, wo ich mit meiner Regierung Fühlung nahm. Diese Berliner Reise kann nicht als Beginn einer neuen Politik betrachtet werden, aber wir reifen mit neuen Interessenmethoden ab.“ Delacroix und BemelmanS werden mit den Mitgliedern der Abordnung in Lüttich zusammen- treffen. Paris, 30. Oft. (WTD.) Der „Petit Pari- fien“ schreibt zu der Reise der Reparationskom- mission nach Berlin, in dem Maße, wie die Ideen der Delegierten bestimmt »re Form anuebme, scheine es, daszsoie Kontrollfrage sich jetzt ein wen ig ander« stelle Es handele sich nicht mehr so sehr darum, ob eine Kontrolle geschaffen werden müsse, als vielmehr um eine Erklärung dafür, daß daS Garantiekomitee niemals von Kontrollbefugnissen Gebrauch gemacht habe. Me ihm übertragen worden waren, Es handele sich um den Ertrag der de rischen Zölle und die 25prozentige Abgabe der Einnahmen aus gewissen direkten und indirekten Steuern. Anstatt zu fordern, dah diese Summe auf fernen Ramon bei der Reichsbank eingeschrieben wurden, habe das Garantiekomitee es der deutschen Regierung erlassen, auf diesem Wege den Kassenschlüssel auszuliefern. Sollte dieser Beschluß vom 5. Mai 1921 nicht endlich zur Anwendung gebracht werden? Paris, 30. Oft (WTD.) Der „Excelsior" berichtet, Darthou habe auf die Fcago, welche Rolle das Garantiekornitee m Berlin spielen werde, geantwortet das Komitee sei ein Exekutivorgon. Ihm werde gegebenenfalls der Auftrag gegeben, die Beschlüsse sofort zur Durchführung zu bringen, die die Reparationskommission etwa im Einvernehmen mit der deutschen Regierung fassen werde. London, 28. Ott (Wolff.) Reuter. Brad- Lbury ist am letzten Freitag in London eingetroffen und heute abend nach Berlin abgereift, nachdem er mit dem Ministerpräsidenten und dem Schahkanzler Besprechungen gehabt hatte. Wie von maßgebender Seite mitget:ilt wird, geht die eparationskoinMission mit der offenen Absicht nach Berlin, um rein sachlich festzustellen, was Deutschland zur Erfüllung ferner Ve Pflichtungen leisten könne. Die jüngsten Verhandlungen der Mitglieder der Reparationskommisfion hätten ergeben, dah keine akuten Schwierigkeiten zwischen England und Frankrfeich bestehen, ungeachtet der verschiedenartigen Auffassung m der Frage der Methoden und £er Modalitäten der deutschen Zahlungen. Dradourh erklärte einem Vertreter^ des Reuterschon Bureaus, er sei durchaus davon überzeugt, daß die deuts chen Industriellen eine eigene Linie verfolgten und daß beträchtliche Gewinne wenigstens auf dem Papier erzielt seien. Es sei nicht leicht, diese zu unterbinden. Die Deutschen fingen indessen jetzt an. sich zu beunruhigen, und die Ansicht gewinne bei ihnen Boden, daß der Inflation gesteuert werden müsse. Die Regierung Wirth habe unter schwierigen Verhältnissen sicherlich ihr Bestes getan. Paris, 28. Oft. (WTD.) Wie der „Temps“ mitteilt, hat sich die Reparationskommission erneut mit den deutschen Lieferungen vonZ uckerrübens amen auf ReparationSkonto beschäftigt. Deutschland werde in diesem Jahre 500 000 Kilogramm liefern, wobei jedoch Frankreich bis zum 15. Ro- vember weitere 500 000 Kilogramm anfordern kann. Die Verrechnung erfolgt auf Grund des vorjährigen Preises. Berlin, 28. Oft. (Wolff.) Wie die Blätter melden, hat heute vormittag unter dem Vorsitz deS Reichskanzlers eine Chefbesprechung über die Reparationsfrage stattgefunden. Die Besprechungen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. Die am Montag eintreffende Abordnung der Repa - rationSkommission seht sich aus 35 Personen zusammen, darunter allen Hauptdelegierten. London, 28. Oft (WTB.) Der Pariser Berichterstatter der „Times" schreibt, infolge der diese Woche gepflogenen Erörterungen im Hotel Astoria habe sich das volle Bewußtsein von dem dringenden Ernst der Geldlage ent« wickelt und so schwer es auch für die Franzosen sei, Zugeständnisse zu machen, so sei es doch für sie ebenso schwer, angesichts der drohenden Katastrophe weiterhin starr auf ihrem Standpunkt zu beharren. Der belgische Delegierte Delacroix versuche die frühere Kluft zu überbrücken, die die französischen und britischen Ansichten in dieser Frage trenne. Er werde, wie verlautet, die Stabilisierung der Mark, sofern es möglich sei. in einer Höhe Vorschlägen, ine beträchtlich unter der vor einigen Wochen von Bradbury angeregten stehe, denn tatsächlich seien die Vorschläge Bradburys von 530 bis 1000 Mark ür den Dollar bereits veraltet. Aeuhere und innere Anleihen könnten die Stabilisierung erleichtern, wenn ernste Versuche gemacht würden, das Budget auszug'e ch n Ein Prog amm dieser Art umfasse notwendigerweise ein Moratorium für Deutschland und Frankreich könne nicht umhin, diese wirtschaftliche Tatsache anzuerkennen. Die deutschen Sachlieferungen in Frankreich. PariS, 28. OtL (Wolff.) Der AktionS- auss ch>u ß für die zerstörten Gebiete veröffentlicht den Wortlaut eines Abkommens, das zwischen ihm und dem Soz ialen Da u - verband am 24. Oktober abgeschlossen worden ist. DaS Abkommen umfaßt 16 Artikel. Es verbietet jeden Gewinn, der sich nicht mit den Interessen Der Bewohner der zerstörten Gebiete oder mit den Interessen des deutschen and deS französischen Volkes vereinbaren läßt. Die Sa ch - Ileferungen beziehon sich aff die Lieferung von Material und auf die Gestellung vc» deutschm Arbeitskräften, die unter ihnftänben nötig werden f&mrte. Deutscherseits kann die Stellung von Arbeitskräften abgelehn t werden, wenn daS zwischen dem französischen Dauarbeiterwerband und dein de rischen Verband am 17. Februar 1922 geschlossene Abkommen nicht anoewendet werden kann Die deutsche Gesellschaft wird alle Sachlieferungen unter die deutschen Firmen verteilen und verpflichtet sich, den deutschen Tlnternehnrungen die Bestell rngen zu übermitteln, welche fran-ösischerseits voogescha- gen werden. Der Preis der Materialien darf die Pre.se des französischen Marktes nicht übersteigen. Falls Schwierigkeiten in der Preisfrage auf» tauchen sollten, wird der Preis von einer Kommission festgesetzt, für die cin Schiedsrichter vom internatonalen Arbeitsbureau ernannt wird. Deutschland ist nur verpflichtet, die Waren zu liefern, die dem ermäßigten französischen Zolltarif unterliegen und soweit sie n ur für die zerstörten Gebiete geliefert werden. Die allgemeinen Kosten der deutschen Gesellschaft bürten vier Prozent der Materialpreise nicht überschreiten. Deutschland bekommt die Summen und die Kosten für die Finanzier tng der Sachliefer ungen a u f das Reparationskonto gutgef chrieben und die Gesellschaft verpflichtet sich, der deut chen Regie u g Verdienste zu überweisen, damit die Regierung die Reparationsleistungen kräftiger durchführen kann. Eine gewisse Kohlenmenge wird von der Kohlensumme, die Deutschland monatlich an Frankreich abzuliefern hat abgerechnet. Der Verbrauch dieser Kohle wird streng überwacht werden. Das Abkommen wurde unterzeichnet von Senator Charpentier, dem Abgeordneten Poitte- vin und dem Bürgermeister von Reims, Roche. Deutscherseits -unterzeichnete der Vorsitzende des Decbandes nationaler Bauten Paeplow, der Sekretär Wagner, der Vertreter der Direktion Astor und der Abgeordnete Silberschmidt. Die Wiederanfbaugruppe Norddeutschland. Hamburg 28. Ott lWolff.) Die W i e- derauibaugruppe Rorddeutschland hielt gestern, dem „Hamburger Fremdenblatt" zufolge, ihre erste Ausschußsitzung ab. Rechtsanwalt Dr. Albrecht berichtete eingehend über die in Paris geführten Dechandlungen mit französischen Interessenten. Das in Vorbereitung befindliche Abkommen unterscheidet sich von den Stinnes-Lubersacschen dadurch, bah in Frankreich etwa in Lille ei l sachmä-rnisch geleitetes Must er lager eröffnet werden soll du.ch das in Verbindung mit einem auf deutscher Sette zu schaffenden Bureau für den genau bestimmten Bedarf der einzelnen Geschädigten Bestellungen vorg no mm en wrdn sollen Im Rovember kommt eine Rcihe französischer Bet ilwter nach Deutschland, voraus s ichtsich nach Hamburg, um mit einzelnen (Zndustricgcuvoen den Preis, den Lieferungstermin und die Fro ch ffre f örderungsftagen gmndsählich durchrusprechen. Auch über di' b^ib- sich igt n Z chstm sbe.ingungea und die Zahlu-igs- weise berichtete Dr. Albrech: ausführli^ Schließlich wurde ein engerer Ausschuß gebildet, um die Vertreter der einzelnen Gruppen zusammenzu- bringenn. s dem englischen WahNramps. London, 28. Oft (WTD.) Asquith eröffnete gestern den liberalen Wahlfeldzu^ mit einer Rede in Peterborough, in der er erklärte, die liberale Politik fei nur in den Händen aufrichtiger Liberalen sicher. Das Wort Zusammenwirken fei erfunden worden, um an die Stelle der altmodischen Koalition zu treten. Letzten Endes werde es jedoch auf dasselbe hinaus laufen. D i e ganze Welt lei der Ansicht, dah der F r i e d e n s v e r t r a g von Versailles, Lloyd Georges Fiel heitsurkunde, abgeändert werden müsse. Der Vertrag von Sövres sei tot. Die Politik der liberalen Partei sei Frieden und Sparsamkeit. Die Liberalen beständen fett dem Waffenstillstand daraus, dah dem Völkerbünde wirkliche und beherrschende Autorität gewährt werde. Die Frage Reparationen und Schulden sei die Wurzel des wirtschaftlichen Hebel« der Welt. Die Liberalen träten für ihre Regelung ein. „Dai l h Mail" greift d.e neu: Regierung Donar Laws scharf an und schreibt, wenn Donar Law leine weiteren Erklärungen über seine Politik abzugeben habe als die bisherigen, so werde die Albe Welt über seine wunderbare Regierung lachen. Man habe zum mindesten gehofft, dah Donar Law einige freundliche Worte an Frankreich richten werde. „Daily Mail" fährt fort, sie habe von ihm erwartet dah er der überwiegenden Stimmung der Engländer zugunsten der Entente Ausdruck geben werde. Seine jüngste Anspielung auf diese Frage sei jedoch gekennzeichnet worden durch eine pfiffige Verdriesslichkeit, die übereinstimme mit dem ziemlich unangenehmen Schreiben, das Donar Law über die Klagen versaht habe, als die Tscharnak-Ep fode ihren Höhepunkt erreicht hatte Wenn Donar Laws Politik sich so verschoben habe, dah sie von den Ansichten Lloyd Georges fast nicht zu unterscheiden s e i, warum babe er denn die letzte Regierung gestürzt und England Reuwahlen ausgedrängt wein die neue Regierung auf dem Boden des Koalitionsprogramms bleiben wolle? Das hätten sie ebenso gut auch bei dem Koalitionspremier- mmifter beibehalten können, denn Lloyd George sei im ganzen wenigstens volkstümlich, während Donar Laws Rame überhaupt keine CBegeifterung entfache. Eine Wahlrede Lloyd Georges. London. 28. Ott. (WTD.) Reuter. Lloyd Gevvge, Lord Drrkenhsad und Sir Robert Hörne haben heute tn einer großen Versammlung in Glasgow vor 5000 Hörern gesprochen. Lloyd George schilderte die Auslöscng der Koalition als unen mutwilligen Sabotageakt und machte ironische Aeußerungen über die Zusammensetzung des neien Kabinetts. Er betonte die Gefahr einer negativen Politik gegenüber dem Arbeitslosenproblem. Er sagte, nötig sei die Einigkeit unter den Anhängern einer gemäßigten Anschauung. Der eingetretene Bruch dürfe nicht unteilbar fein, sonst würden die gefährlichen Elemente geradenwegs auf die Zerstörung der City los marschieren. Die Zeit sei nicht dazu angetan, daß maßvolle Männer sich gegenseitig angriffen. Von linte, von rechts und von vorne fex rfian Drohungen ausgesetzt. Wenn bet der Wahl ein Parteisieg herauskäme, so würde der Kampf noch nicht zu Ende sein. Die sozialistische Partei sei jung und stelle das Volk vor eine gewaltige Alternative. Das Programm der Arbeiterpartei fei eint furchtbare Herausforderung. Eine Abordnung des Neichsrats beim Reichspräsidenten. Berlin, 28. Ott. (WTB ) Heute vormittag ersch enen die stimm ü rcnden Vertreter der Lä -.dec im Retchsrat unter Fügung bei pr.usischen Ministerpräsidenten im Beisein des Reich->mtt.i- stets Dr. Köster beim Reichspräsidenten, um ihm die Glückwünsche beS Reichsrats zu der neuersvlgten ver assungemähigen Festlegung und Erneue ung seines Amtes au.zusp^echen. Ministerpräsident Braun hielt folgende Ansprache: „Herr Reichspräsident! Nachdem das vom Reichstage am 23. Oktober mit großer Mehrheit beschlossene Gesetz über die Amoerung des Artikels 183 der Reichsverfassung auch im Reichsrat versassungsgemäh verabschiedet ist und dadurch Rechtskraft erlangt Hal. ist es dem Reichsrat ein Bedürfnis. Ihnen zu dieser erneuten Vertrauenskundgebung der gesetzgebenden Körperschaften des Reiches seinen herzlichem Glückwunsch auszusprechen. Mit Freude vernahmen wir. dah Sie trotz erheblicher Bedenken sich bereit erklärt haben, Ihr hohes, verantwortungsvolles Amt auf C rund der neuen Verfassung? bestimmung nunmehr bis 1 3u'ii 1925 weiter,uführen. Ihre bisherige Amtsführung in schwerster Zeit unseres Vaterlandes gibt uns die Gewähr, dah Sie auch in den kommenden schweren Tagen mit der bewährten Tatkraft, mit Takt und Unbar* teilichkeit, die wir an Ihnen bewundern konnten und die in fast allen Kreisen unseres sonst leider noch so zerklüfteten Volkes volle Befriedigung und Anerkennung auslöste. Ihr hohes Amt führen werden, geleitet von dem Ihnen in so reichem Maße eigenen warmen Verständnis für die Leiden unseres bedrückten Volkes, getragen von dem Vertrauen seiner grohen Mehrheit Wir, die im Reichsrat vereinigten Vertreter der deutschen Länder, begrüßen die Verlängerung Ihrer Präsidentschaft mit um so größerer (Genugtuung, als wir im amtlichen und sonstigen Verkehr mit Ihnen so oft Gelegenheit hatten, wahrzunehmen, dah Sie bei aller Wahrung der Ihnen als Reichsoberhaupt vornehmlich obliegenden Reichsinteressen doch ein offenes Auge für die verfassungsmäßigen Rechte und Lebensnotwendigkeiten der Länder gezeigt und stets bemüht waren, mit kluger Sachlichkeit auf den Ausgleich der mitunter dirigierenden Interessen des Reiches und Sänba, hinPiwirken. Wir haben die Zuversicht, bah efl unter Ihrer Amtsführung auch zukünftig so bla» bei totri> zum Wohle des Reiches und der mit diesem in inniger Schicksalsgemeinschaft fest verbundenen Länder und zum Besten unseres schwer geprüften deutschen Vaterlandes." Der Reichspräsident erwiderte: „Herr Ministerpräsident! Meine Herren! Haben Sie herzlichen Dank für die Mitteilung, daß der Reichsrat dem Beschlüsse des Reichstags über die Aenderung des Artikels 180 zugestimmt hat, und für die Glückwünsche, die Sie dieser Mitteilung beifügen. Ich danke 3bnen für diesen Akt des Vertrauens, den der Reichsrat damit bekundete, und kann auch Ihnen gegenüber nur das wiederholen, was ich dem Präsidenten des Reichstages bei der Mitteilung des Beschlusses des Reichstags versicherte, dah ich auch künftighin in meinem Amte, meinem Gelöbnis getreu, meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, die Verfassung und Gesetze des Reiches wahren und meine Pflichten gewissenhaft und unparteiisch erfüllen werde. Insbesondere werde ich in meinem Amte immer bestrebt sein, den besonderen Interessen der Länder volle Würdigung widerfahren zu lassen. In der berechtigten Eigenart der deutschen Stämme einerseits, aber auch im Zusammenschlüsse zur Ration andererseits liegen die Wurzeln unserer Kraft und das Vertrauen auf eine bessere Zukunft. Rur in dem festen unerschütterlichen Gedanken der deutschen Einheit und im festen Zusammenhalt des ganzen Reiches kann es uns gelingen, den schweren Röten und Stürmen der Gegenwart standzuhalten. In Erfüllung der schweren Aufgaben, die uns noch bevorstehen und die es zu lösen gilt, um die Zukunft unseres Volkes zu retten, rechne ich wie bisher auf die verständnisvolle Mitwirkung des Reichsrates. Rur wenn die beiden gesetzgebenden Körperschaften im Reich im vollen EinverständE für die Bedürfnisse des gesamten deutschen Volkes zusammenarbeiten. und nur wenn hinter ihnen die wertvollen Kräfte der Ration sich zusammen- schliehen, können wir hoffen, aus der Röten der Zeit das Reich in eine bessere Zukunft zu retten. Um diese Mitarbeit an dem groben Ziele unserer gesamten Ration bitte ich Sie auf das herzlichste!" Die fremden diplomatischen Vertre-- t e r haben dem Reichspräsidenten im Laufe der letzten Tage persönlich die Glückwünsche ihrer Regierungen zur Erneuerung des Amtes ausgesprochen. Außerdem sind dem Reichspräsidenten von den Regierungen der deutschen Länder, den öffentlichen Körperschaften, Vereinigungen. Verbänden und zahlreichen Privatpersonen Glückwunschschreiben und Telegramme zugegangen. Heidelberg, die Vaterstadt des Reichspräsidenten, sandte am 25. Oktober folgendes Telegramm: „In freudigem Stolz über die ehrenvolle Berufung eines Sohnes seiner Stadt zum ersten verfassungsmäßigen Präsidenten der deutschen Republik sendet herzlichste Glückwünsche der Stadtrat." Amerika und die Lausanner Konferenz. London, 28. Oft. (Wolff.) AuS Washington meldet Reuter: Die Vertreter der englischer, französischen und italienischen Regierung haben förmlich um aktive Beteiligung der Vereinigten Staaten auf der Gaafanneti Konferenz nochgesucht. Staatssekretär Hughes teilte darauf der englischen französischen und italienischen Regierung mit, baß die Regierung der Vereinigten Staaten sich an der Konferenz nicht Offiziell beteiligen könne, weil Amerika mit der Lürkei nicht Ärie’g geführt habe. Mit Rücksicht auf die wichtigen Interessen der Vereinigten '.Staaten im Rahen Osten werde die Regierung jedoch Beobachter bestimmen, die den Verhandlungen beiwohnen würden. Die Anbahnung -es deutsch-russischen Handelsverkehrs. - Moskau. 26. Oft. (Wolff.) Der hier eingetroffene Leiter der Berliner Handelsvertretung der Sowjetregierung, Stomonja- kow, hat sich Pressevertretern gegenüber über den mit dem Wolffkonsortium abgeschlossenen Vertrag dahin ausgesprochen, dah er ein Vertrauensvotum der deutschen Indu- striewelt gegenüber den russischen Wirtschaftsorganen bedeute. Der Vertrag sei die erste große Handelskonzession der russischen Regierung an das ausländische Kapital. Sto- monjakow drückte die Hoffnung aus, dah in nächster Zeit eine Reihe anderer Verträge auf analoger Grundlage zum Abschluß gelangen werde. Das deutsche Kapital habe nur in geringem Maße die chm durch den Vertrag von Rapallo gebotene Möglichkeit ausgenutzt, woran der in Deutschland herrschende Mangel an Kapital und die schwierige internationale Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill. 26. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Als erster Gast zu dem sonntäglichen Mittagsmahl bei Generals erschien Herbert. Er trug einen Smoking von Lutz, aus dessen Aermeln feine langen Hände herausschauten, hatte sich einen Scheitel gezogen und eine Nelke ins Knopfloch gesteckt. Der General, der über seinem Frack noch einen alten Waffenrock trug, machte ihm selbst auf. „Morgen, Herr Generalfelbmarschall." „Morgen, Lümmel. Kannst mir mal helfen den Mosel kaltstellen." Er war gerade dabei, seine Batterien hinter der Badewanne aufzufahren, die voll Sisstücke lag. Tante Deich wirtschaftete noch mit dem Lohn- diener im Speisesaal herum. An solchen Sonntagen war sie hereits von sechs Lkhr an auf den Deinen, sie räumte alle Blumentische eigenhän- digst ab und polierte das Silber, bis es blinkte, obwohl ihr der General feit dreißig Jahren versicherte, dah „es darauf nicht ankam". Punkt Zwei versammelten sich die Gäste in dem engen Flur, wo ihnen Trina, die an diesen Sonntagen unten aushalf, die Sachen abnaym. Llnd Herbert machte sich die Leere des Speise- faals zunutze, indem er den Krokantaufsähen ihre überflüssigen Krönchen abnahm. Sie schmeckten vorher am besten. 2llS alle da waren, rauschte endlich auch Frau von Herwegh herein, noch erregt von der Jagd Lage Deutschlands Schuld seien. Allerdings könne das deutsche Kapital mehr leisten, als es bisher getan habe. Er sei überzeugt, dah der Vertrag mit dem Wolffkonsortium für die deutsch-russische Wirtschaftsgemeinschaft den Beginn eines neuen Zeitabschnitts bedeuten werde. Die neuen Gesamtbezüge der Beamten. Der Reichstag hat vor einigen Tagen die neue Beamten-Desoldungsoronuno in drittel Lesung angenommen. Ilm eine älebersicht über die Oktobergehälter der Beamten zu gewahren, haben wir in der folgenden Tabelle für die einzelnen Gruppen die Gr indgshälter, die Ortszuschläge und die prozentualen Teuerungs- zuschläge firr einen unverheirateten Beamten der Ortsklasse A zusammengestellt. Anfan gebet' End- gehalt Gruppe 1 12463 Mk. 13431 „ 16892 Mk. bis 17. Oft. 18204 „ nach 17. Oft. Gruppe 2 14008 15096 18849 „ bis 17. Ott. 20313 „ nach 17. Oft. Gruppe 3 15759 16985 * 20394 „ bis 17. Ott. 21 978 „ nach 17. Oft. Gruppe 4 16892 18144 22454 „ biS 17. Ott. 24198 „ nach 17. Oft. Gruppe 5 18849 20313 24205 „ bis 17. Olt 26 085 „ nach 17. Ott. Gruppe 6 20806 22422 • 26059 „ bis 17. Ott. 28083 „ nach 17. Ott. Gruppe 7 22763 29252 „ bis 17. Ott. 24531 31524 „ nach 17. Ott. Gruppe 8 25132 27084 - 32239 „ bis 17. Ott. 34 743 „ nach 17. Oft. Gruppe 9 27707 29859 - 35535 „ bis 17. Oft. 38 295 „ nach 17. Oft. Gruppe 10 30694 33078 - 41 200 „ bis 17. Oft. 44400 „ nach 17. Oft. Gruppe 11 33887 36519 46968 „ bis 17. Oft. 50616 „ nach 17. Oft. Gruppe 12 39655 42735 55105 „ bis 17. Ott. 59385 „ nach 17. Oft Gruppe 13 49440 53220 70040 „ bis 17. Oft. 75 480 „ nach 17. Ott. Für verheiratete Beamte tritt zu diesen Sätzen noch die für alle Besoldungsstafen gleiche Flauenbeihilfe von monatlich 1000 Mark hinzu. Weiter erhält derjenige Beamte, der Versorgungs- Pflichtige Kinder hat, eine monatliche Kinderbeihilfe. je nach dem Alter des Kindes und zwar für ein Kind bis za 6 Jahren 2000, für ein Kind zwischen 6 und 14 Jahren 2500, für ein Kind von 14 bis 21 Jahren 3000 Mark. Außerdem ist auf die Kinderbeihilfen bis 17. Oktober ein Teuer ungs zuschlag von 3 Prozent, nach dem 17. Oktober ein TeuerangSzuschlag von 11 Prozent, wie bei den Grundgehältern und Orts- zuslKägen hinzuzurechnen. Neue Forderungen. Berlin. 28. Oft (Wolff.) Die Führer des Deutschen DeamtLnbundes, des Allgemeinen Dent- schen Gewerkschaftsbundes, des Gewerkschafis- rtngeS und der Afa sprachen heute im Reichs- finanzministerlum wegen der durch die fortschreitende Teuerung bedingte Erschwerung der Lebenshaltung vor. Finanzminister Hermes empfing die Deputation persönlich ugd teilte ihr mit daß er die Rotlage der Beamtenschaft durchaus nicht verkenne und bereits Anordnung getroffen habe, daß Mitte nächster Woche neue Verhandlungen über eine Erhöhung der Bezüge der Beamten usw. aufgenommen werden sollen. Die amerikanische Prohibitionsverordnung. Bremen. 28. Okt,(WTD.) Bösmanns meldet: Rach einem in Bremen eingetroffenen Kabel- telegvamm aus Reahork ist die amerikanische Prohibitionsverordnung dahin geändert worden, dah es fremden Dampfern bis zur Entscheidung des höchsten Gerichtshofes, die wahrscheinlich im Dezember fallen wird, gestattet sein solt ihre volle Ausrüstung an alkoholischen Getränken mit sich zu führen. Die Dor- ratsräume sind vor Eintritt in die amerikanischen Gewässer zu versiegeln. Die Dampfergesellschaften haben eine Eingabe an den höchsten Gerichtshof gerichtet Aus dem Reiche. Drei Weißbücher deS parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Berlin, 28. Oktober. (Wolff.) Der ViererauSschuh des parlamentarischen Antersuchungs-Ausschusses (Vorsitzender Geheimrat Dr. Kahl), der die Gründe des Zusammenbruches von 1918 zu prüfen hat gab soeben drei Weißbücher heraus. Die Weißbücher behandeln die Entstehung, die Durchführung und den Zusammenbruch der Offensive von 1918. Das dritte Heft enthält ein Gutachten des Sachverständi- gen-AuSschusses, des Obersten a. D. Schwertfeger über die Frage der politisch-militärischen 'Verantwortlichkeit, und zwar den ersten Teil bis zu Beginn der Offensive im März 1918. Das zweite Weißbuch enthält ein Gutachten des Generals der Infanterie a. D. v. Kuhl über die militärische Grundlage der deutschen Offensive von 1918. Das dritte Weißbuch enthält ein Gutachten des Geheimrats Prof. HanS Delbrück. Es war zunächst als Korreferat zu den beiden obengenannten Gutachten gedacht, geht aber stofflich und zeitlich über den Inhalt dieser Gutachten hinaus, so dah sich die beiden übrigen Sachverständigen dazu noch äußern werden. Diese Weißbücher enthalten lediglich Gutachten; der Ausschuß nahm zu den Fragen noch nicht Stellung. Sie Eifenbahnerbewegung. Berlin, 29. Ott Eine gestern abgehaltene Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Berlin des Deutschen Eisenbahner-Verbandes nahm scharf Stellung gegen die kommunistischeStreik- hetze. Der Ortsvorsitzende Scheffel bezeichnete die Zugeständnisse der Regierung zwar als unzulänglich. lehnte aber einen sofortigen Streik der Eisenbahner ab. Schließlich büre man nicht vergessen, dah die Regierung den Arbettern für Oktober einen Vorschuß von 3830 Mark gegeben, wovon zunächst nur 1000 Mark zurückzuzahlen feien. Ein Streik würde aber jedem Arbeiter kaum einzuholende Verluste bringen. In der Debatte forderten die Kommunisten eine sofortige Aktion. Scheffel verwies in [einem Schlußwort auf das einzige Mittel der Verbesserung der wirt- schastlichen Lage, nämlich Ermäßigung der Reparationsleistungen. Die kommunistischen Anträge wurden abgelehnt und eine Entschließung angenommen, die Raum für 'neue Verhandlungen mit der Regierung lassen. Aus Stabt und Land. Gießen, den 30. Oktober 1922. Unserer Anzeigenkundschast zur gefl. Beachtung. Infolge -er schwierigen Verhältnisse im Zeitungsgewerbe muß der Annahmeschluß für Anzeigen pünktlich eingehaltea werden. Die Entgegennahme von Anzeigen findet bi- zum Abend vor dem Aufnahmelag statt; Anzeigen für die Samstagsmunmer müssen spätestens bis Freitag mittag aufgegeben sein. Geschäftszeit von 8—1273 Uhr und von 2—51/» Uhr. Verlag deS Gießener Anzeigers. * Die Elektrizitätsversorgung unserer Stadt ist in letzter Zeit mehrfach zum Gegenstand abfälliger Kritiken gemacht worden. Man beschwert sich über häufige, mitunter an einem Tage mehrmals vvrkvmmende älnterbrechungen in der Stromzufuhr, wodurch die Gewerbebetriebe kürzere oder längere Zeit zum Stillstand tarnen und starke Arbeitsverluste entstanden; man beklagte sich ferner über ungleiches, flackerndes Brennen des Lichtes m den Abendstunden. Daß die Stromabnehmer durch diese schädigenden bzw. lästigen .Vorkommnisse erbittert wurden und ihren Zorn in Beschwerden ausdrückten, ist verständlich. Man beschwerte sich, was ja für Außenstehende als das Rächst liegende anzusehen ist. bei der Direktion der Elektrizitätswerke und Uebertanbanlage der Stadt Gießen, diese kann aber, wie sie uns erklärt, für diese fatalen und auch von ihr bedauerten Störungen nicht verantwortlich gemacht werden. Die Direktion des Gießener Werks teilt uns zur Aufklärung folgendes mit: „Der im Stadtgebiet sowohl, als auch im Heberlandnetz zur Verteilung kommende Strom Word teilweise von dem staattichen Kraftwerk in Wölf ers heim bezogen. Der Stormöezugaas diesem Werk ist außerordentlich unsicher. Die Spannungen schwanken außerordentlich, und dies gibt die Veranlassung zu dem mangelhaften Licht. Hinzu kommt, dah häufig, an einem Tage fünf» bis sechsmal, der Strom plötzlich unterbrochen wird, was sich natürlich auf das ganze Reh überträgt. 3m Monat August d. I. z. B. sind 83 Unterbrechungen resp. Störungen, im nach einem Handschuh, gefolgt von Lutz, tadellos in seiner enganliegenden bunfiten Uniform, das blitzende Einglas eingeklemmt, und zuletzt erschien auch Liane. Schlank und ätherisch in einem enganliegenden silbernen Fischschuppenkostüm, mit langen Türkis- Ohrringen, die Grete sprachlos betrachtete. Licme hatte heute ihren amüsanten Tag, Gras Retzkmnd, ein jugendlicher Sechziger, mit tintenschwarz gefärbtem Haar und Bärtchen — sein Kammerdiener brauchte täglich vier Stunden, um ihn so herauszubringen —. Intendant a. D., hatte auf Liane abonniert, und an diesen Sonntagen, dem einzigen Tag, da er nicht in seinen Klub ging, führte er sie zu Tisch. Der General muhte zwei Damen nehmen, die Majorin Linke, sie waren eben erst aus dem Osten herverseht, und Fräulein Schmidt. Frau von Herwegh führte der General a. 'S). von Kuhnt, ein eingefleischter Junggeselle, der die Frauen „par distancc“ zu schätzen wußte, besonders Frau von Herwegh, der Major z. D. Linke Frau Kollin, die in ihrem braunseidenen Kleid auch heute einen leidenden Eindruck machte. Es war aber bei ihr nur Befangenheit, diesen Uniformen gegenüber fühlte sie sich beengt, Tante Betty opferte sich mit Kollin, der einen bei Tisch nie zu Wort kommen sieh und alles mit seinem sonoren Organ überdröhnte. Emst hatte man mit einer Richte bedacht, sie war zu Besuch aus Thom gekommen, ein hageres Mädchen mit spitzen Ellbogen und einem Kneifer, das „auch musikalisch war", Grete wurhe von dem Fähnrich, einem Reffen des Generals, geführt, den Zug beschloß Lutz, Arm In Arm mit dem Lümmel. Schon bei der Suppe verstand man sein eigenes Wort nicht mehr. Die Generalin bewachte ängstlich den Lohndiener, der die flehten geschliffenen Portweingläser viel zu voll goß, sie war gegen den allzu reic^ichen Gebrauch des Alkohols, und behielt gleichzeitig den Lümmel im Auge, der die Gelegenheit gern benutzte, sich einen hinter seine weihe Binde zu giehen. „Heut fdjtoenf’ ich mir einen an," sagte er zu Lutz, „da könnt ihr Gips drauf nehmen." Man sprach kreuz und quer über die Tafel, lieber die Ausstattungssucht des neuen Intendanten, alte wertlose Opern aus dem Staub der Vergessenheit hervorzusuchen, um sie mit großem Aufwand neu herauszubringen vor einem ungebildeten Kurpubli um, von dem RiÄ)ergang des Bades, seit die Spielsäle verboten waren, jetzt lief ja Krethi und Plethi im Kurgarten herum. Die Generalin nickte Gvete zärtlich zu, an solid verheirateten jungen Ehepaaren hatte sie ihre Freude. Beim Filet ä la Mazarin taute Kollin, der bis dahin schwelgend die Weinsorten, die nicht von ihm stammten, geprüft hatte, auf. Er fühlte sich als Vertreter der Demokratie diesen Offizieren und ihrem Anhang gegenüber. Seine Damen traten monarchisch gesinnt und seinen politischen Belehrungen .gegenüber unbelehrbar, sie waren für einen Kaiser, ein einiges Reich und für ein festes Heer. Aber Kollin gehörte noch zu den Rheinländern, deren Väter .Rapoleon gekannt hatten. Sein Großvater hatte die Freiheitskriege mitgemacht und sein Vater Achtundvierzig mit schwarzrotgoldenen Freiheitskokarden Barrikaden erstürmen helfen. Er versuchte der Gegenpartei seinen politischen Standpunkt zu begründen. Man war der ewigen Kriege satt. „Seit der große Fritz tot war und einer jener Fürsten anS Ruder Monat September 36 und in dem Zeitraum vom 1. bis 15. Oktober 16 älnterbrechungen resp. Störungen im Strombezug vom Kraftwerk Wölfersheim eingetreten. Die Ursachen konnten von unserer Seite nicht näher festgestellt werden." Wie uns weiter versichert wird, konnten wiederholte Vorstellungen der Gießener Direktion bei der Leitung des staatlichen Kraftwerkes bis jetzt noch keine durchgreifende Abhilfe herbei- fuhren. Die Wanderausstellung der hessischen Arbeitsgemeinschaft sür bildende Kunst ist gestern in den Ausstellungsräumen des Oberhessischen Kun st Vereins von dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Bürgermeister Müller-Darmstadt, der Oeffentlichkeit übergeben worden. In einer Ansprache betonte Bürgermeister Müller, die Arbeitsgemeinschaft habe in der kurzen Zeit ihres Bestehens, jetzt IV2 Jahre, schon eine sehr zielbewußte Arbeit geleistet und nicht nur die materielle Unterftütjung, sondern auch die offizielle Anerkennung des^ Staates als maßgebliche Instanz in den Angelegenheiten der bildenden Kunst gefunden. Die jüngste Schöpfung der Arbeitsgemeinschaft sei diese Wanderausstellung. die nach ihrem Debüt in Offenbach nun das Gießener Publikum zum Besuche einlaben solle. — Die Ausstellung ist mit zahlreichen Werken beschickt. Eine Würdigung aus berufener Feder werden wir noch veröffentlichen. Schützt die Wasserleitungen. Er erscheint angebracht, auf die Rotwendigkeit eines ausreichenden Schuhes der Wasserleitungen gegen *ben Einfluß der Kalte hinzuweisen. Wasserrohre, Wassermesser und Denttte unter Druck zerfrieren, wenn die umgebende Temperatur unter 0 Grad sinkt. Teure Instandsetzungen, die jedesmal mehrere tausend Mark erfordern und von den Hauseigentümern, künftighin auch mit von den Mietern, getragen werden müssen, unangenehme Unterbrechungen im Bezug des Wassers sind die Folgen Rechtzettiges Schließen und Abdichten der Kellerfenster und Schächte, Einhüllen der freiliegenden Rohre, Abstellen unb Leerlaufenlassen der ungeschützten Wasserleitungen bei Frost, find gute Abhilfen, deren sorgfältige Anwendung nur empfohlen werden kann. Vornotizen. — Tageskalender für Montag. Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Die schwarze Pan- therin" und „Virginia, die Heldin von Pantomas". — Lichtspi.lhaus. Bahnhofstraße, ab heute: .Wenn die Liebe nicht wär!" und „Der lebende Ballast". — Palast-Lichtspiele, ab heute: „Iwan der Schreckliche" und „Der unheimliche Fahrgast". — Groß-Wanderschau-Zirkus Henny ist eines der größten z. Z. noch in Deutschland reisenden Unternehmen. Das Programm der Darbietungen läßt an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig und wurde in anderen Städten, wo der Zirkus bereits Gastspiele gab, mit größtem Beifall ausgenommen. Alles Rähere enthalten die Inserate unseres Blattes. ♦ Wettervoraussage f ür Dienstag: Trübes, mildes Wetter mit Regen. Eine starke Depression pflanzt sich von Frankreich her schnell ostwärts fort e •• Amtliche Persv na Inachrichten. Ernannt wurde am 19. Oktober der Kanzleige- hils-e Ernst Göbel aus Darmstadt vom 1. April 1922 an zum Oberassistenten bei dem Forstarbeitsamt. — Verseht wurde am 26. Oktober der Förster der Fvrstwartei Sprendlingen IV Heinr. Trupp zu Offenbach in gleicher Diensteigenschaft in die Fvrstwartei Eichelsachsen, Oberförsterei Schotten. ** 13 00 0 Mark für ein Zwanzig- markstück. Der Ankauf von G)ld für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt in der Woche vom 30. Oktober bis 5. Rovember zum Preise von 13 000 Mk. für ein Zwanzigmarkstück und 6 500 Mk. für ein Zehnmarkstück. Für ausländische Dolcinünzen werden entsprechende Preise gezahlt. •* Der An kauf von Reichssilbermünzen durch die Reichsbank und Post erfolgt vom 30. Oktober an bis auf weiteres zum 350- fachen Betrage des Rennwertes. ** Die Teuer^ngsz rschlüge z u den Grundgebühren der Schornsteinfeger sind vom ^Hinlfterium des Innern mit Wirkung vom 23. ds. Mts. ab- wie folgt festgesetzt worden: für die Kehrbezirke der Städte Darmstadt, Mainz. Heutiger Stand des Dollars 10 älhr vormittags: Berlin 4150, Frankfurt a. M. 4100. kam, den ihr Vorfahr selbst unter die „erlauchten Trottel Europas" zählte —“ Die Offiziere erhoben ihre Stimme: „Sie verteidigen wohl hier den Aufruhr, die Revolution, den Kommunismus?" Unb die Damen griffen ihn über die Tafel hinweg entrüstet an. Aber Kollin, die Hand um den Römer geschlossen, saß wie ein Felsblock mitten In dem brandenden Meer der Gegenreden. „Wir wollen nicht ewig Krieg führen müssen, nicht immer Säbelgerassel hören, wir wollen leben und arbeiten können und in Ruhe schlafen. Ich will mich auch nicht immer anschnauzen lassen, sondern behandell werden, tote — nun wie jenseits der ©renae jeder Straßenkehrer den anderen behandell — als Gentleman. Jedes Jahr werden die Steuern binaufgetrieben, man schnürt uns immer mehr den Hals zu, man legt uns Daumschrauben an, der Gendarm herrscht bei uns, der müßte mal zuerst verschwinden, und erst recht das überflufflge Militär!" „So? Von wem wollen Sie denn dann bU Grenzen verteidigt haben?" rief per Major Linke über die Tafel, zwischen Tellergellapper und Gabelgellirr — man war eben bei dem Rheinlachs auf dem Rost mit Kaviartunke — „wenn Sie lein Heer wollen?" „Ein kleines Heer will ich haben, soviel wir gerade brauchen, um die Grenze zu schützen.'' „Also eine Miliz!" Gelächter. „Sine Miliz, wie in der Schweiz," fuhr Kollin fort. „Dort gebt« doch auch Die Bürger werden habet reiche Leute." (Fortsetzung folgt) 2300,.^; qu -E geleit d. len über net, beut mann 2.»rü Besten dcixjiN die 5W Ob« SoE friert 3®^ national soziale 9M bessere Tos damit s« sich in alle W einA-otv sM, em sonders sta im gtoCCT «midm t denen all« «boten tm über ®rüx ten ots« Summe ei öirb.SHe; denÄMd ru. 1 nteinbei schlüge ein Listen der Heinrich K des 'Bauei den Dom wendet, eine nanch ' Grl Strafe, Ec Areisve Wm plant km die A im Dachgef hallen soll, soll die 6t: sollen im 2 bau Doha selbst IH nid Seitemväch ' Al: Marken! DSseld mit ’M ist 5 MdtzkMe auch gaini .PL-, Dohm, bt oll.-Ne. Cendant A 84. Leben AsMeime Miger Sei wrpcililfer ' Stic lontag al "ramm.' S§eht tootb 26- Olfofe 89 445 $ r-,J- B-, Steilung frMt) dudewvrtz o-iert«11 Mi ihre' te hfen&j Krochen [N NN A, KVh al b-e kolo Ttarkl dm $ar Mißten A. •in Ulcöelu .ten auf tner Tjx!, ««I Ä Ä ^5“* aJ*- >Uk ’,lbf«brftnn? *Ä- *«*& M SM SK Jä‘»ä thuttflen, l’?5 Mtnbtg. nS^Ve dir '* w n^?™r?n' to«» Itet 0 Grad (Infi iftK * °ndmtzMrigw. den Melm, '"genehme Unter- fpfht» die 3»[. A 2lbdich,«n r« Hullen der fretlle- 'erlaufenlaslen der n otoft, sind gatt Niwung nur emp- l. sür Montag. Die schwarze Pankin t>jn PantoMLE. )2, ab teutt; .Man !t lebende Ällast". „3ttxm derLchreck- ahrgasf. ZIrkuS Henny ist Deutschland reisen- ramm der Larbie- nichts zu wünschen tiläbten, wo der mit gröhtem 'M- Here enthalten die w ag: nit Regen. mzt sich von Aranl- ,l°ftunh MV n***. °v Sl**s CM«5 tu* ®tef)er sechs oder sieben Personen getötet und mindestens 10 verletzt worden. Der wohnungslose Bürgermeister AuS Arolsen wird un- geschrieben: Die Hauptstadt des ehemaligen Fürstentums 2Daldeck hat mit ihren Bürgermeistern entschieden Pech. Bor einiger Zeit war eine Deuwahl vor- penommen worden, aber hier ging e« nicht wie im , Zaust", baf) den Bürgern der neue Bürgermeister nicht gefüllt, vielmehr gefiel dem neuen Bürgermeister die Bürgerschaft nicht, aus dem einfachen Grunde ... sie stellte ihm keine Wohnung! 2luch in Arolsen seufzt man unter dem Zöche der Wohnungsnot So trat er gar nicht an, und es sand eine2leuwahl statt. Vorsichtigerweise hattc man in einem Dörfchen vor der Stadt eine Dotwohn'.ing freigemacht. Der neue Bürgermeister kam, sah die Wohntmg an und fand sie für die Unterbringung seiner Möbel zu klein. Deshalb stellte er eine Art Ultimatum: Entweder Einbau einer Wohnung tn das Gymnasium oder er kommt nicht! Daraufhin setzte sich der ®emeinberat zusammen und erörterte die Frage Bewilligung hoher Kosten für diese QSautätigfelt oder lein Bürgermeister! Das Ende vom Lied war, daß man dem neuen Bürgermeister mttteilte, daß die Stadt nicht tn der ßage sei seine Bedingungen zu erfüllen, man hoffe aber, daß er doch noch die Meine Wohnung beziehe und wenn nicht, dann muß eben Arolsen noch einmal seine Bürger-, meisterstelle ausschreiben. So spielt Mc Wohnungsnot sogar einem Bürgermeister mit! Studenten von heute. Aus Marburg (Lahn) wird um8 geschrieben: Gelegentlich deS Rektoratswechsels der Untrerfitat Marburg gab der scheidende Rektor Professor Dr. vhll. Ioh. Gadumer, alS er die Rekic'.alswürde dem bekannten Kropfforscher Professor Dr med. Schw^nken- l echcr übergab, eine b^nlcrkenLwerte Würdigung des Stul'enten der heutigen Zett. Der Bierstudcut ist danach eine Sellenhei! geworden. Die Studsn» ten hoben ihre Zeit erkannt und betrachten es als ihre Plllcht, die Gegensätze innerhalb des deutschen Volkes zu überbrücken Sport und Spiel wurden obligatorisch gemacht. 'Bei der Herstellung dÄ Sportplatz-es haben die studentischen K>rp0'ationen durch treue 2Eitarbett ihrem Gemeinsinn Ausdruck gegeben Wie schwer es die Studenten tn der heutigen Zett £aben, beweist die Grscheimmg des Wer kstudenten, der in der Ferdenzett im Berg- und Kaliwerk tätig ist und durch harte Arbett die 22lt- tel zum wetteren Studbum erwirbt. Die Selbsthilfe durch Einrichtung der Studentenfüchen hat allseits freundliche Unterftütyung erfahren. Weitere Selbsthilfe besteht in einer studentischen Darlehnslasse, einer Schreibmoschinenstube, m einer Gärtnerei, imb demnächst wild noch eine Buchbinderei hinzu- treten. Der Rektor betonte: Die Haltung der Studentenschaft ist lobenswert gewesen, und eine Ghrerrpfllcht eines jeden vermögenden Deutschen ist es, die deutschen Studenten zu unterstützen. 3m letzten LlniverfitätSjahr blieb die Studentenschaft von 22arburg an Zahl die gleiche. «Sine andere Frage ist es, ob dies bei den heutigen schwierigen 2)elhällnissen so bleiben wird, denn schon jetzt haben einige Studenten ihre Anmeldungen wirücf- zichen müssen, well sie die notwendigen Mittel nicht auibdngen können *DleroteLuftflotte. Bon der russischen Luftflotte, die tn wachsendem Ausbau begriff fein soll, weiß em Moskauer Berichterstatter der .Dallh Mail" allerlei mitzuteilen. was ö- T. interessant ist, z. T. aber auch allerlei Verdächtigungen gegen die Deutschen enthält. 2toch diesen Angaben sollen nämlich die Luftstreitkräfte der Sowjet- Regierung ganz von deutschen Offizieren und Ingenieuren organisiert werden. Die wichtigsten Fliegeroffiziere sind Deutsche, und bei cinam Besuch der Flugplätze von Smolensk und Moskau glaubte der Engländer sich gera'kiu im Schwaywald zu befinden, wett er nur deutsch sprechen horte. Gr behauptet, aus den Kennzeichen verschiedener Sowjet-Flugmaschinen festgestellt zu haben, daß diese Flugzeuge während des Krieges zu den deutschen Luststrettfrästen gehörten unb daß also eine Verletzung deS 2krfaIller Vertrages vorliege. Der Sachverständige, der die Ausbildung der russischen Flieger leitet, soll ein Deutscher namens B. H. 2kning sein, der kürzlich mit dem Oberbefehlshaber der russischen Luftflotte Znamensky einen DesichtigunaSflug durch D uh land unternahm. Zna- mensky erzahll in der .3Swestja", daß er dabei einen neuen Flugzeugtyp auSgeprobt habe. Der Flug fei infolge von Regen und 21ebel außerordentlich schwierig gewesen. 2lußer 2kntng begleitete ihm ein h,u kommen, daß die Justiz sich zur Magd der Politik mache. Man demokratisiere den Richterstand, würde jetzt alles fvrtjagen, was nicht demokratisch eingeschworen sei Reichspräsident Gbert habe die Selbstzerfleischung des deutschen Volkes bedauert: wenn er sie beseitigen wolle, müsse er sofort Herrn Wirth entlassen. Sodann wurde folgende Entschließung, die sich au- dem Dortvag des Prof. Hoehfch ergab, angenommen: »Millionen unserer Volksgenossen sind in ihrem Selbstbestimmungsrecht vergewaltigt und vom Deutschen Reich losgerissen worden. Dieser stärkst« Pfeiler un/seccr Kultur rnd Wirtschaft vor den Toren des Reiches darf nicht stürzen, er ist die unerläßliche Vorb?4>iTvg.mg für dieWiedererhebung unseres Volkes, den Wiederaufbau seiner Wirtschaft. Engster Zusammenschluß mit ihm zu einer deutschen Kulturgemeinschaft ist das erste Gebot nationaler Außenpolitik. Daher ist es Pflicht der Reichsregierung, den Schuh der deutschen Minderheiten mit allen Mitteln sicherzustellen und alle Opfer zu bringen, um die Verbindung mit unseien To t genossen w rtschaft ich und lultnr ll zu erhalten uno zu festigen. Der Zustrom Richtdeutscher, insonderheit aus dem östlichen Judentum, in das Reich ist abzuwehren durch straffe Handsxibung der bestehenven polizeilichen Vorschriften, dies ist etn Gebot der Delbsterhallung für unser Volk. Für die Grenzmarken und die Ausländsdeutschen müssen alle Stände im Reich opferbereit fein. Wirtschaft, Pre s -, Vereinswesen jeder Art müssen durch Aufklärung und Unterstützung jeder Art zusammenwirken, damit die Grenzmarksache immer mehr Sache des deutschen Volkes wird, ihvcc Schmal wird mitentschieden, wenn irgendwo etn Stück Grenzmarkdeulschtum sich gegen Vergewaltigung oder Ueberflutung nicht au behaupten vermag. Der großdeutsche Gedcm^r ist uns ein wesentliches Stück der wahrhaften deutschen Außenpolitik, zu der wir uns fveudig bekennen und In dessen Dienst wir uns stellen." * Die heutige Tagung eröffnete der frühere Oberbürgermeister von Köln, Abg. Wallrafs, mit feinem Vortrag: Die Parteien am Scheideweg. Die Sozialdemokratie habe das von ihr erstrebte Ziel nicht erreicht. Der Achtstundentag sei ein Hohn auf unsere Wirtschaft. Zwar zeien sich die einsichtsvollen Sozialdemokraten dessen längst bewußt, von der Erkenntnis bis zum Bekenntnis sei aber ein weiter Weg. Bei der Sozialdemokratie leiteten nicht die Führer die Massen, sondern umgekehrt. Die wirtschaftliche Entwicklung bei der Sozialdemokratie sei eine Tragüdie. Der Grund sei gedankliche Schwäche. Von der rrationalen Macht, einem Faktor, wie ihn Kemal Pascha zeigte, habe die Sozialdemokratie feinen Schimmer. Sie kranke an dem Fehler, daß sie die Menschen für reifer, besser und klüger hiele, als sie in Wirklichkeit seien. Di« Entwicklung der Sozialdemokratie sei eine Entwicklung nach der radikalen Seite. Mit der marxistischen Sozialdemokratie können die Deutschnationalen nicht regieren. Aber sie bekämpfen nicht die Arbeiter, da ohne die Arbeiter kein Wiederaufstieg. Die bürgerliche Zerfahrenheit machte die regierenden Parteien abhängig von der Sozialdemokratie, deren Theaterdonner urrd den an die Wand gemalten Krisen sie einschüchterten. Lieber die emokratische Partei sei wenig zu saaen. Ihr Lebensatem sei kurz. Die Demokraten wüßten nicht, was sie wollten. Sie bestünden aus Idealisten, Pazifisten und Juden, die sich gedrückt fühlten (Heiterkeit), und politischen Gelegenheitsarbeitern. Die Deutschnationolen weinten dieser Partei keine Träne nach. Mit ihrer Tatenlosigkeit gegen rechts und ihrem Respekt gegen links würden sie nur zwischen rechts und links zerrissen werden. Das Zentrum sei einstenS von Männern begründet worden, die rechts gerichtet waren, der Grundton der Partei war Schuh vor Thron und Altar.. Heute könne sich aber das Zentrum nicht mehr als eine Vertretung der deutschen Katholiken ansehen, seitdem es unter den unseligen Einfluß des Abg. Grz° berget geraten sei. Die Deutsche Volks- Partei habe durch chre Zustimmung zum Schuh- geseh für die Republik gleichfalls ihre Grundsätze verleugnet. Stresemann habe dem Redner gegenüber einmal bedauert, daß die Deutschnationalen sich selber isoliert haben, aber er habe zur Antwort gegeben, man isoliere sich doch nicht, weil man Grundsätze habe. Diese Grundsätze offen zu bekennen, sei gegeben durch unseren christlichen und nationalen Geist, und den völkischen Geist, der nicht wolle, daß wir uns einer fremdstämmigen Herrschaft unterordnen. An diesen Vortrag schloß sich die Aussprache an. Rachdem Geheimrat Fischer- Breslau über die Katholiken und Zentrumspresse gesprochen hatte, sprach Graf W e st a r p zunächst dem Vorsitzenden für seine politische Führung Dank und Vertrauen aus. Der Redner sieht in der monarchischen Zukunft die einzige Möglichkeit des Wiederaufbaues. (Lebh. Beifall.) Richt mit Gewalt werde sie eingeführt werden, aber die Werbearbeit für den monarchischen Gedanken dürfe nicht erlahmen, der Preis des Zusammenregierens mit den Sozialdemokraten sei zu teuer. Dem Lockruf: Werdet doch koalitionsfähig I könne man nicht besser folgen, als die doppelte und dreifache Zahl von Abgeordneten in den Reichstag zu schicken. Preuß. Landtagsabgeordneter B a e cf e r - Berlin kritisiert die Rechtsprechung des Strats- gerichtsHofes, der die „Rote Fahne" freigesprochen, das Verbot der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" aber gebilligt habe. Frau Abg. Lehmann-Berlin wirbt für die Frauenbewegung. Reichstagsabgeordneter Behrens verlangt für die Arbeiter gleichberechtigte Stellung in der Deutschnationalen Dolkspartei. Zum Schluß führt Abg. Dr. Helfferich aus, daß unsere Feste nicht wieder froh werden, ehe Deutschland sich frei weiß und die von uns gerissenen deutschen Brüder wieder zu uns gehören. (Beifall.) Höchstes Glück der Erdenkinder ist nur die Versöhnlichkeit, sagt der Weis« von Weimar, jedes Leben sei zu führen, wenn man sich nicht selbst vergißt, alles könne man verlieren, wenn man bleibe wie man ist. (Beifall.) Wir wollen nicht die Generation sein, durch die das deutsche Volk zugrunde geht. (Stürmische Beifallskundgebungen und Hochrufe auf den Redner und Besitzenden Hergt.) Vorsitzender Herat nennt den Weg der Partei von München über Hannover nach Görlitz einen aufwärtsführenden Weg. Mit dem Gesang der ersten Strophe des Deutschlandliedes schloß die Tagung. Aus Hessen. Landtagsabgeordneter Dr. Osann. feierte am 28. Oktober In Darmstadt feinen 60. Geburtstag. Dr. Osann stammt aus einer alten Pac lamentarierfamilie, bereits sein Vater war Mitglied der Rationalliberalen Fraktion des Reichstages von 1890—1897. Dr. Osann selbst gehörte dem Reichstag von 1907—1912 an, ist Mitglied des hessischen Landtages seit 1906, ebenso seit längerer Zeit Mitglied der Stadtverordneten- Bersammlung in Darmstadt und des Provinzial» larrdtags der hessischen Provinz Starkenburg. Die Ehrungen, die dem langjährigen Führer der Deutschen Volkspartei an seinem Ehrentage zuteil wurden, waren zahlreich und herzlich. Für den Landesverband Hessen der Deutschen Dollspartei und die Landtagsfraktion, die zur Gratulation vollzählig erschienen war, sprach der Landesvorsihende Herr Rechtsanwalt Dingeldev und überreichte Herrn Dr. Osann zum Andenken die Erinnerungen Hindenburgs. Für die Ortsgruppe Darmstadt der Deutschen Bolts Partei sprach Obexstaatsanwalt W ü n z e r, der Herrn Dr. Osann den Ehrenvorsitz der Ortsgruppe als Beschluß des Vorstandes überbrachte. Herr Staatsanwalt Petry gratulierte für die volksparteiliche Jugend Hessens. Frau Bierau für den Landesfrauen-Ausschii h, Frau Deinhard für den Frauen-Ausschuh Darmstadt, e Darmstadt, 29. Oft. Die Abgg. Dr. Werner und Gen. (Dntl.) haben dem Landtage einen Antrag eingereicht, durch welchen die Regierung ersucht werden soll, mit Rüc^icht auf die im Reichstag in Aussicht stehende Lieberprüfung der Ortsllasseneinteilung, hierbei auch die Belange Hessens, als eines im wesentlichen gleichartigen Teuerungsbezirkes, tatkräftig zu vertreten, zum mindesten aber zahlreichen kleineren Städten und Landorten endlich zu ihrem Rechte zu verh.l en. Di s Iben Abg -ordneten beantragen weiter: die zweifellosen Vorteile unb Vorzüge der amtsärztlichen Llntersuchungen auch auf die Schülerhöhe re r^ehran st alten auszudehnen. -Konfekt verhütet Ddrsfßnfnna . fßestd. '.lucker, fei mark. u. 'Phenolph tal 0,1Z ® Um Empfehlungen | snctzl. M53 96Ö1D (Bergstraße 17), 28. Oktober 1922. 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