Ur. 250 Erscheint täglich, -rchr, Sonn» und Feiertags, mit berSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatliche Bnugspreifc ML. 75.- und Mk. 5.- Trügerlohn, durch diePost Mk. 75. -, auch bei Nicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech. Anschlüsse: für die Schrift, leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gietzeir. vostschecktonto: grantfurt a. M. 11686. Samstag, 50. September 1922 Erstes Blatt 172. Jahrgang GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrack tmb Verlag: Brühl'sche Univ.-Vuch- und Stetnöruderd «. lange. Schriftlektnng, Seschäftsftelle und Druckerei: Schulstratze 7. Annahme von Anzeige.t für die Tagesnummer bi 5 zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 3OO'*Pf., auswärts 400 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breitel200Pf. Bei Platzvorschrift 20 °/0 Aufschlag Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwort! ich für Politik: Aug. Goetz ; für den übrigen Teil. Ernst Vlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Wocheurückblick. Die englischen Blätter sprechen vom tiefen Ernst der Lage im Osten, und sie haben recht. Der in Paris unter Mithilfe Curzons ersonnene Plan einer Konferenz zur Regelung des griechisch-türkischen Streites fällt höchstwahrscheinlich ins Wasser. Kemal Pascha, der die Angora-Regierung darüber befragen wollte, hat noch keine Antwort übermittelt, war aber inzwischen militärisch nicht müßig. Er zieht seine gut bewaffneten Truppen — man spricht von 200 000 Mann — dicht an die Stellungen der Engländer in der sogenannten neutralen Zone heran, eröffnet zwar keine Feindseligkeiten, läßt sich im Gegenteil mit General Harrington in einen Austausch friedfertiger Versicherungen ein, erklärt aber dabei doch deutlich, ßß wäre am besten, wenn die englischen Truppen aus dem Meerengengebiet zurückgenvmmen würden. Es scheint, daß das Gros Der türkischen Armee von OSmid aus den Marsch auf Konstantinopel anzutreten beabsichtigt. Die beteiligten Großmächte, namentlich England und Frankreich, sehen sich den schwierigsten Entscheidungen gegenüber. Zwei große Ereignisse geben der Lage eine neue, grundlegende Wendung. Das ist einmal das kategorische Verlangen der russischen Sowjet-Regierung, bei einer etwaigen Friedensvermittlung, der Veranstaltung einer Konferenz, ein gewichtiges Wort mitzusprechen. Türken und Russen stehen Rücken an Rücken, und sie geben dadurch der Orientpolitik eine völlig neue Rote. Jetzt zeigt sich's, daß die Einmischung und bisherige Haltung der Pariser und Londoner Kabinette der Weisheit letzter Schluß noch nicht gewesen ist. Frankreich, der bisherige Schützer und Gönner der Osmanen, steht sehr betroffen vor dem neuen Problem, sieht den Traum sich verflüchtigen, für den es „auf flüchtige Entfernung hin die Mittel sich gespart, die Wege bloß sich offen hat gehalten^. Es kann doch die Anker feiner bisherigen Russenpvlittk, nicht lichten und einfach 'ms An- gewisse hineinsteuern. And hatte Poincare für die Pariser Friedensvorschläge an die Türkei sich mit seiner ganzen Autorität eingesetzt, so wird ihm die Antwort der Angora-Regierung aller Voraussicht nach eine Enttäuschung bereiten. Etwas Halbes wollen die Türken jetzt nicht mehr. England aber wird, wie die Ankündigungen der Londoner Presse schon erkennen lassen, die russische Rote zum Anlaß nehmen, die höchste Warte zu erklimmen, um von da aus dem Schicksal zunächst seinen Lauf zu lassen, im geeigneten Augenblick jedoch feinen Willen in die Wagschale zu werfen. Die gefährdete Position des Generals Harrington verliert an Bedeutung gegenüber dem Amstand, daß in T h r a z i e n infolge des Amstur^es in Griechenland nun doch die eisernen Würfel rollen müssen, daß die Lösung des Orientprvblems in feiner Gesamtheit letzten Endes von Faktoren abhängt, gegen die der französische Emporkömmling nichts ausrichten kann. Das zweite große Ereignis, das der orientalischen Auseinandersetzung eine neue Richtung gibt, ist die Revolution in Griechenland, die Abdankung des Königs Kon- stanttn und der erwachende Wille zur nationalen Verteidigung. Kann man diesen Tatsachen gegenüber die Flut des Krieges noch zurückhaltend Auch Griechenland will die Ausführung der Pariser Beschlüsse nicht. Bei der Absetzung des Königs Konstanttn handelt eS sich im Kern um nationale Ziele. Die heutige Meldung, wonach ein unparteiisches Kabinett gebildet werden soll, bestätigt dies. Die Revolution ist das Werk der Führer des geschlagenen Heeres, die eine nationale Verteidigung organisieren, Thrazien gegenüber dem Ansturm der Türken halten wollen und auf der andern Seite den Thronwechsel wünschen, weil sie sich dann eine bessere Anterstützung Griechenlands durch die Ententemächte versprechen. Die London er und Pariser Pressesttmmen zur Abdankung des Königs Konstanttn haben ja auch hinlänglich bewiesen, daß Konstantin, der Schwager Wilhelms II. immer noch als „Feind" von ehemals betrachtet wird. Der Kronprinz, der, wie heute gemeldet wird, als Georg II. den Thron besteigen wird, ist Schwager des Königs von Jugoslawien; beide haben Töchter des Königs von Rumänien zu Frauen. Dem geprüften Griechenvolke liegt an antt-- monarchischeu „Verbesserungen" nichts. Darin liegt der Unterschied des griechischen Am- sturzes mit dem deutschen vom November 1918. Man entwaffnet nicht die Offiziere des geschlagenen Heeres, sondern man vertraut auch im Anglück auf nationalen Widerstand. Interessant ist die heute veröffentlichte Anter- redung eines Havasberichterstatters mit dem ehemaligen griechischen Außenminister Stteit. Dieser erklärt, König Konstantin habe im Hinblick auf die Interessen seines Volkes selbst Abdankungsabsichten gehegt; zweifellos sei bie Front ständig von denczelisttscher Propaganda bearbeitet worden, andererseits habe sich jedoch unter den Fronttruppen eine gewisse moralische Einigkeit gebildet. Die Truppen hätten dem Hinterlande dorgeworfen, daß es polittsche (Streitigfeiten verewige. Vielleicht gelingt es den neuen Führern des Volkes in der Tat, die Aussichten auf einen ehrenvollen Frieden zu heben. Die Waffen sollen noch einmal entscheiden. Die diplomatischen Bemühungen kreuzen sich zu sehr und entbehren einer rechten Ausgleichsmöglichkeit. Die Türken haben das allergrößte Interesse, so schnell wie möglich Thrazien zu besetzen und den Griechen zuvorzukommen. So wird denn auch von englisch er Seite der Plan erwogen, mit Mustafa Kemal Abmachungen bezüglich des Aeberfetzens der Türken nach Thrazien zu treffe n im Austausch gegen einen türkischen Rückzug aus der neutralen Zone. Lloyd Georges Orientpolittk wird von seinen Landsleute n im Augenblick sehr umstritten. Die englische n Arbeiter rufen nach seinem Rücktritt, weil sie gegen einen neuen Krieg sind. In der Tat scheint es, wenn man den Blick auf die neuen Ereignisse wirft, der Polittk des Inselreiches an Kraft, Zielbewußtsein und Charakterfestigkeit zu mangeln. Es gibt seine bisherigen Schützlinge, die Griechen, einfach preis. And verzweifelt ruft die „Daily News" aus: Wenn es das wohlerwogene Urteil des britischen Oberbefehlshabers darstelle, daß der einzige Weg, den Krieg zu vermeiden oder die Meerengen zu retten, der sei, dem türkischen Heer zu gestatten, über die Meerengen nach Europa zu gehen, was solle dann von der Polittk gesagt werden, die seit Tagen Truppen, Schiffe und Munition in großen Mengen und mit einem Aufwand von mehr als 20 Millionen Pfund zufammenhäufe mit dem eingestandenen Zweck, Kemals Heer in Kleinasien festzuhalten? — Harrington, der britische General, erinnert ein wenig an den sagenhaften Diettich im Nibelungenliede. Dieser übte innerhalb des Kampfgetümmels der Hunnen und Nibelungen ebenfalls Zurückhaltung und blieb eine Respektsperson. Allerdings, der Engländer muh sich diplomatisch drehen und wenden, muß dem entstehenden Kräfteverhältnis sich anpassen. Man weiß noch nicht, ob sich ein neuer großer Dalkan- krieg entwickeln wird; es wäre ein seltsamer, ungewohnteer Anblick, John Dull schon im Handgemenge zu sehen, bevor die Völker des nahen Ostens si chanschicken, ihre Ansprüche anzumelden . . . Der Reichswirtschaftsrat und die Hilfe für die Presse. Berlin, 29. Sept. (WTD.) Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Reichs-» Wirtschaftsrates hat sich heute mit dem ömttrurf der Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über Maßnahmen gegen die wirtschaft- lichr Notlage der Presse beschäftigt. Einstimmig wurde folgende Fassung .des § 14 vorgeschlagen: Die Rückvergütungen auf den Druckpapierpreis sind an die Verleger der deutschen Zeitungen und Zeitschriften, die pol'tischten oder wissenschaftlichen Charakter tragen, wie die deutschen religiösen Sonntagsblätter zu Zahlen. Anter- stühungsoerechtigt sind ferner die offiziellen Organe der allgemeinen und fachlichen Derufsver- tretungen, soweit sie nicht aus Anzeigen oder anderen Quellen ihre Selbstkosten decken. In Zweifelsfällen entscheidet der Verwaltungsrat über die Anterstühungsberech-tigung endgültig. Ferner wurde einstimmig beschlossen, daß außer den in der Verordnung genannten der Börsen- verein des deutschen Buchhandels einen Vertreter ferner der ReichZwirtschastsrat im Eiiwernehmen mit den betreffenden Organisationen je einen Vertreter der Fachpresse und wissenschaftlichen Zeitschriften in den Verwaltungsrat zu entsenden hat. Mit allen gegen 5 Stimmen wurde folgende E n t- schlietzung Bernhard Zu § 14 angenommen: Auf Rückvergütung haben nur solche Verleger Anspruch, die ihre Verpflichtungen aus den Lohntarifen der Arbeiter, Angestellten und Redakteure er-füllen. Mit diesen Abänderung«' wurde die Verordnung einstimmig gebilligt. Vertreter der Arbeitgeber und von der Reichsregierung ernannte Mitglieder brachten dabei zum Ausdruck, das) sie das Gesetz nach wie vor wirtschaftspolitisch für eine verfehlte Maßnahme halten, weil wirtschaftlich arbeitende Gewerbe durch Beihilfen nicht gehalten roerben können. Berlin, 30. Sept. Das im 98. Jahrgang erscheinende „D e l i tz s che r T a g e b l a t t" ist gezwungen, am 1. Oktober sein Erscheinen einzustellen. Aus dem Kapitel „Hohenlohe" der Erinnerungen Kaiser Wilhelms IL „Ereignisse und Gestalten" aus den Jahren 1878 -1918. Im Anschluß an den kürzlich erfolgten Abdruck aus dem Kapitel „Bismarck" geben wir heute einen Ausschnitt aus dem Kapttel „Hohenlohe" des Ende Oktober im Buchhandel erscheinenden Werkes wieder. Er bringt wichtige Aufschlüsse über die politische Vorgeschichte des Krieges. Weitere Abschnitte hoffen wir Mitte Oktober veröffentlichen zu können. Die Erwerbung Kiautschous. Bei der Erwerbung von Tsingtau hat Fürst Hohenlohe besonderen Anteil genommen. Auch er war der Ansicht, daß Deutschland für seine Schiffe notwendig eigene Kohlenstationen brauche, und daß das Drängen der Handelskreise, die Gelegenheit der Au,sch!iehung Chinas für den internationalen Handel nicht vorübergehen zu lassen, berechtigt sei. Es sollte unter Wahrung der chinesischen Reichshoheit und Bezahlrmg des Likins ein Handelsplatz mit maritimer Kohlenstation als Schuh gegründet werden, wobei China die größtmögliche Mitwirkung zugedacht war Die Station sollte vor allem dem Handel zugute kommen, der militärische Teil nur den Schuh für die Entwicklung der Handelsstadt gewähren, nicht aber Selbstzweck oder Basis für weitergehende militärische Unternehmungen werden. Es waren schon verschiedene Plätze ins Auge gefaßt worden, die sich aber bei näherer Betrachtung als nicht geeignet erwiesen, zumeist, weil sie schlechte oder gar keine Verbindung mit dem HiMerland besaßen, handelspolitisch nicht aussichtsreich oder nicht frei von fremden Vorrechten waren. Auf ©runb der Berichte des Admirals Tirpitz, der damals Chef der ostasiatischen Kreuzerdivision war, und des Urteils des Geographen Freiherrn v. Richthofen, der auf eine Anfrage hin ein vielversprechendes Bild der Entwicklungsmöglichkeit in Shantung gegeben hatte, einigte man sich schließlich auf die Gründung einer Niederlassung in der Bucht von Kicm- Tschou. Es wurden nun seitens des Kanzlers Orien- tterungen eingezogen über die politischen Fragen, die dabei austauchten und zu berücksichtigen waren. Insbesondere galt es, Rußland nicht in die Quere zu kommen oder zu stören. Auch bei unserer ostasiatischen Division wurden weitere Erkundigungen angeordnet. Don ihr liefen gute Meldungen ein über Ankergrund und Eisfreiheit der Bucht von Kiau-Tschou und über die Aussichten eines etwa dort zu gründenden Hafen Platzes. Bei dem Verkehr mit der russischen Chinadivision war aus Gesprächen .der Führer miteinander bekannt geworden, daß der russische Admiral auf Befehl feiner Regierung einen Winter in der Bucht geankert, diese aber so öde und entsetzlich einsam gefunden habe — es gab keine Teehänser mit japanischen Geishas, die von den Russen als für den Winleraufenthalt unbedingt nötig angesehen wurden —, daß das russische Geschwader niemals wieder dorthin gehen werde. Auch habe der russische Admiral seiner Regierung auf das dringendste abgeraten, die Idee, sich in dieser Bucht festzusetzen, weiter zu verfolgen, weil dort absolut nichts zu holen fei. Also die Russen hätten dort keine Absichten. Diese letzte Auskunft traf ziemlich gleichzeitig mit der Antwort des russischen Außenministers Grafen Muraview an den deutschen Botschafter auf die vom Kanzler veranlaßten Sondierungen ein. Muraview ließ wissen, Rußland habe zwar feine direkten vertraglichen Ansprüche auf die Ducht durch Abkommen mit China, es erhebe jedoch Besitzanspruch auf Grund des „droit du premier mouilhge“ (Recht der ersten Ankerung), weil die russischen Schiffe dort zu allererst vor anderen Flotten geentert hätten. Diese Antwort stand also im Gegensatz zu dem Bericht unserer ostasiatischen Divi ion über die Aeußerungen des russischen Admirals. Als ich mit Hvllmann beim Kanzler zusammen kam, um diese Antwort zu diskutieren, begleitete der Fürst deren Verlesung mit seinem seinen ironischen Lächeln und fügte sodann hinzu, er habe im Auswärtigen Amt keinen Juristen finden können, der ihm über diese wunderliche Behauptung hätte Auskunft erteilen können; ob die Marine vielleicht dazu in der Lage fei ? Admiral Hollmann erklärte auf Grund seiner Erfahrung im Auslandsdienst, daß er niemals etwas davon gehört habe; das sei ülnsinn und eine Erfindung Muvaviews, der nur nicht wolle, daß 'ein anderes Volk sich dort etabliere. Ich empfahl, um die Frage zu klären, den damals noch lebenden berühmtesten Kenner des rntemationalc-i Seerechts, Geheimen Admiralität Zint PerelS, ein? anerkannte Autorität auf diesem Gebiet, zu einem Gutachten aufzufordern. Das geschah. Das Gutachten lautete vernichtend für Muvaviews Ansicht, bestätigte die Hollmanns und räumte mit der Legende vorn „droit du premier mouillage“ gründlich auf. So gingen die Morrate hin, und mein Besuch in Peterhof im August 1897 stand bevor. In älebereinstimmung mit dem fürst sichen Obeim beschloß ich, mit dem Zaren verglich und offen die gan e Frage ,-u b. sprechen und w.nn möglich den Muraviewschen Roten und Ausflüchten ein Ende zu bereiten. Die Aussprache fand in Peter- Hof statt. Der Zar erklärte, er habe an den Landesteilen südlich der Linie Tientsin-Peking fein Interesse, also fei kein Grund für ihn vorhanden, uns in Shantung Hindernisse zu bereiten. Sein Interesse konzentriere sich auf die Landesteile am Baku, Port Archur usw., nachdem die Engländer ihm in Mokpo Schwierigkeiten gemacht hätten. Er werde sich sogar freuen, wenn Deutschland in Zukunft auf der andern Seite des Golfes von Tschlli als Rußlands gern gesehener Nachbar erscheine. Nachher hatte ich ein Gespräch mit Muraview. Er wandte alle seine Tricks an, drehte und wendete sich und brachte endlich sein berühmtes „droit du premier mouillage“ vor. Ich hatte bloß auf diesen Augenblick gewartet unb ging nun meinerseits zur Offensive über, indem ich ihm gründlich mit dem Perelsschen Gutachten zu Leibe rückte. Als ich ihm schließlich, wie der Zar es gewünscht hatte, das Ergebiris des Gesprächs der beiden Souveräne mitteilte, wurde der Diplomat noch mehr betreten, verlor feine gekünstelte Ruhe und kapitulierte. So war der Boden polittsch vorbereitet. _3m Herbst kam die Nachricht des Bischofs Anzer über die Ermordung der beiden deutschen katholischen Missionare in Shantung. Die ganze deutsche katholische Welt, besonders die „Kolonialen" in der Zenttumspartei, verlangte energische Maßnahmen. Der Kanzler schRg mir sofortiges Einschreiten vor. Aus der Winterjagd in Letzlingen beriet ich in einem der kleinen Türme des Schlosses mit ihm die zu ergreifenden Schritte. Der Fürst machte den Vorschlag, den anwesenden Prinzen Heinrich von Preußen mit dem Kommando des zur Verstärkung der ostasiatischen Division hinauszusendenden Geschwaders zu betrauen. Ich machte meinem Bruder hiervon in Gegenwart des Kanzlers Mittei.'ung. Der Prinz und die anwesenden Herren waren hocherfreut. Der Kanzler sandte die Mitteilung an daZ Auswärtige Amt und an den auf Reisen befindlichen neuen Staatssekretär des Aeußern, Herrn von Bülow. Im November 1897 wurde Kiau-Tschou beseht. Im Dezember des Jahres ging Prinz Heinrich mit seiner Division an Bord dec „DeutslAand" nach Ostasien hinaus, wo er später das Kommando über das gesamte ostasiatischr Geschwader übernahm. Am 6. März 1893 wurde der Pachtvertrag über Kiau-Tschou mit China unterzeichnet. Zur selben Zeit regte Mr. Chamberlain in London beim japanischen Gesandten Baron Kato den Gedanken des Abschlusses eines englisch-japanischen Bündnisses an, um dem Vvr^ bringen Rußlands un Osten einen Riegel vorzuschieben Man wird naturgemäß fragen, warum bei unserem kübnen Vorgehen nicht auch von England die Rede ist, das doch wesentlich daran interessiert war. Aber ein Vorspiel mit England war bereits vorausgegangen. Ich hatte, um dem Mangel an deutschen Kohlenstationen abzuhcken, die Absicht gehabt, solche möglichst im Ein Verständnis mit England zü gründen, zu pachten oder käuflich zu erwerben Da mein Oheim der Kanzler, als Hohenlohe ein Verwandte'' der Königin Viktoria, Ihrer Mljestät von früher her persönlich bc^ kannt und von ihr sehr geschätzt war, so erhoffte ich hiervon einige Erleichterung in den Verhandlung (rn die zu dem erwähnten Zweck mit der englischen Regierung geführt wurden. Diese Ho'fnun-r erwies sich als trügerisch. Die Verhandln.-gen zogen sich in die Länge, ohne Aussicht auf erfolgreichen Abschluß zu bieten. (Fortsetzung folgt) Die Lage in Athen. London, 29. Sept. (Wolff.) Einer verspäteten Reutermeldung aus Athen zufolge war am 27. September abends zu Ehren des neuen Königs Georg, der am selben Nachmittag den Eid leistete, die Stadt illuminiert. Es herrschte vollkommene Ruhe. Die Revoluttonäre , scheinen Herren der Lage zu fein. Die Truppen ziehen ohne Zwischenfälle in die Stadt ein. Die Revolutionäre übernahmen die Verwaltung. Man erwartet, daß das Kabinett binnen 48 Stunden gebildet ist. Es wird mitgeteilt, daß General Rider zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt wird. Die gefangen gesetzten demokratisch Liberalen sind wieder freigelassen worden, ebenso Kvryles und andere Persönlichketten, die des Hochverrats beschuldigt waren. Athen, 29. Sept. (Wolff.) Agence Athenes. Beim Einzug der Truppen fanden begeistert« Kundgebungen der Bevölkerung statt. Be- fnders eindrucksvoll gestalteten sich die Kundgebungen vor dem Gebäude der Gesandtschaften Der Ententemächten und der Vereinigten Staaten. Die Obersten Gonatas und Plastiras erklärten Vertretenr der Presse, daß die von ihnen geleitete Bewegung einen rein nationalen Charakter ohne jeden Parteieinschlag trage und lediglich darauf abziele, die jüngste Katastrophe wieder gutzumachen, sowie im Hinblick auf die Rettung Thraziens eine starke Armee zu schaffen. Athen, 29. Sept. (WTB.) Havas. Das aus den Obersten Gonatas, Platsiras und Kapitän Phvcas bestehende provisorische Revolutionskomitee erläßt folgende E r - Elärung an das griechische Volk: Nachdem eine Verständigung mit der zurückgetretenen Regierung Triantaphdevs erzielt worden ist, wird das provisorische Revolutionskomitee sobald als möglich die Regierungsgewalt übernehmen. Bis jetzt bat das Komitee auf die Vaterlandsliebe der Griechen und auf das eifrige Bestreben des Volkes gezählt, sich versöhnlich zu zeigen, die Ordnung aufrecht zu erhalten und alle Bürger er erfährt nicht- au8 feinem Heimatgebiet, mit dem er eng verbunden ist, und die Vorgänge in der Welt, die doch auch für ihn von Wichtigkeit sind, rauschen vorüber, ohne daß er sich in seiner Lebenseinrichtung daraus einstellen kann. Welche Lehre ist aus dieser kurzen Dettach- tung zu ziehen, was muh sein? Einzig und allein der Grundsatz: Zu jedem Kulturmenschen des 2 0. Jahrhunderts gehört eine Zeitung, die ihre Bezieher den Erfordernissen des heutigen Wirtschaft s ka m p f e s entsprechend unterrichtet! Zu den sorgfältig geleiteten, mit besten Informationen ausgestatteten Prvvinzblättern gehört der Gießener Anzeiger. Gr ist äls >oberhessi s che Heimat- P rovinzb la tt, er bringt seinen Lesern alle wirtschaftlichen, poli- tischen unö sonstigen Aach richten lückenlos. Die aufmerksame tägliche Beobachtung unseres Blattes wird jeden, der hierüber noch im Linklaren ist, davon überzeugen, da st der Gießener Anzeiger seinen Lesern ein aufmerksamer Führer und Berater in den Wirrfalen der heutigen Zeit ist, daß er sich bestrebt allen seinen Freunden eine starke Stütze und kräftige Förderung zu fein. Versandverbot für Fabrikkartoffeln. WTB. meldet: Da bereits aus einzelnen Landesteilen über erheblichen Wagenmangel Klagen vorliegen, hat sich das Reichs- ministerium für Ernährung und Landwirtschaft entschlossen, zwecks glatter Durchführung der Wintereindeckung der Bevölkerung mit Kartoffeln bei dem Reichsverkehrsminister ein vorübergehendes Berfandverbot für Fabrikkartoffeln zu beantragen. Bom 1. bis 15. Oktober einschließlich soll der Versand von Kartoffeln nach Stärkefabriken, Flockenfabriken, Trocknereien und Brennereien mittels der Eisenbahn unterbleiben. ** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 20. September: der Lehrer AlohS Brunner zu Bobstadt zum Lehrer an dker katholischen Volksschule zu Hosheirn, Kreis Bensheim; der Schulamtsanwärter Wilhelm Müller aus Holzheim zum Lehrer an der Volksschule zu Langd, Kreis Gießen. Ernannt wurden am 21. September mit Wirkung vom 1. April 1922 an der Amtsdiener Konrad Weis zu Friedberg zum Amtsgehilfen bei dem Kulturbauamt Friedberg, und der Amtsdiener August Krebs zu Gießen zum Amtsgeh.ilfen bei dem Kulturbauamt Gießen. Ernannt wurde am 25. September der Studienassessor Karl Schmidt aus Gießen, zur Zeit an der deutschen Realschule tn Rio de Janeiro, zum Studienrat mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 ab. Ernannt wurde am 27. September der Lehrer Johann Müller zu Griesheim zum Lehrer an der Volksschule zu Brensbach, Kreis Dieburg. Ernannt wurde der Kassengehilfe Georg Darmstädter zu Darmstadt zum Steuerbctriebsassistenten. Durch En- schließung des Landesamts für das Bildungswesen wurde der Studienreferendar Dr. Irene Schopbach zum Studienassessor mit Wirkung dom 1. Oktober 1922 ab ernannt. " Zum Jahresbericht der Ge- werbeaufsichtöbeamten für 1 922. Die für den diesjährigen Jahresbericht der Gewerbeaufsichtsbeamten erforderlichen Erhebungen sollen in gleicher Weise wie in den Vorjahren vorgenommen werden. Für jeden Gewerbebetrieb ist von demiGewerbeunterneh- mer selbst ein besonderer Fragebogen nach demStandam 2. Oktober 1 922 auSzu- füllen. Die Bürgermeistereien und Lokal- Polizeibehörden werden diese Fragebogen ungesäumt an die in Betracht kommenden Personen verteilen. ** Verlängerte Frachtbriefmuster. Durch Verordnung des Reichsver- kehrSministers vom 31. August ist die am 30. September ablaufende Frist für die Verwendung der jetzt gültigen Frachtbriefe bis zum 31. März 1 923 verlängert worden. — Höhere Strahenbahnsahrpreise treten von morgen ab in Kraft. Die billigste Fahrt kostet in Zukunft 5 Mark. Roheres finden unsere Leser im heutigen Anzeigenteil. ** Die Preise für den elektrischen Strom sind der Verschlechterung unserer Wirtschaftslage entsprechend erhöht worden. DasLicht wird 23 Mk., die Kraft 18 Mk. per Kilowattstunde kosten. ** Die Gas- und Wasserpreise sind mit Wirkung vom 1. Oktober ab erneut erhöht worden. Das Gas kostet künftig 20 Mk. je Kubikmeter, das Wasser 10 Mk. je Kubikmeter. Weiteres ist aus der Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil ersichtlich. ** Die Trockenanlage des Elektrizitätswerkes ist bis einschließlich Mittwoch nächsteJ Woche geschloßen. "Fünfundzwanzig Jahre betfebtmorgen, 1. Oktober, das Pensionat und Handarbeitsschule Landmann Hierselbst. Die Anstalt hat in dieser Zeit sehr Ersprießliches geleistet. 4740 Schülerinnen sind in Weißnähin, Handarbeiten, Kunsthandarbeiten und Hauswittschaft unterrichtet worden. Davon stammen 1860 aus Gießen, die übrigen aus der näheren und weiteren Umgebung der Stadt. Don mancher früheren Schülerin besuchen jetzt wieder die Töchter die Ans! alt. ** Oberhessischer Kunst verein. Die Ausstellung für Grabmalkunst hat gestern noch eine wertvolle Bereicherung erfahren, indem noch eine Anzahl künstlerischer Entwürfe bekannter Bildhauer und Architekten hinzugekvmmen ist. Wie nicht anders zu erwarten, hat diese Ausstellung allseitiges Interesse gefunden. Alle ausgestellten Werke, darunter auch diejenigen von unserem einheimischen Künstler. Bildhauer I. K ö d d i n g, und die Kollektion des Landschaftsmalers F. Riemschneider -Berlin, bleiben nur noch 8 Lage einschließlich zweier Sonntage, ausgestellt. D e n i s e l o s und sich nach berichtet eine An die Leser des Gießener Anzeigers! Der Septemberpreis des ZeitungSpapierS hat leider für den Oktober eine weitere Erhöhung um 40% erfahren; ein zweimaliger Lohnzufchlag in dieser Zeit tritt hinzu, so daß eine entsprechende Erhöhung des Bezugspreises auch für die unterzeichneten Zeitungen nicht zu umgehen ist. Oberhesstsche Zeitung, MSfeld Bad-Aauheimer Zeitung Hinterländer Anzeiger, Biedenkopf Allgemeiner Düdinger Anzeiger Butzbacher Zeitung Dill-Zeitung, Dillenburg Reue Tageszeitung, Friedberg Oberhesstfcher Anzeiger, Friedberg Gießener Anzeiger » Oberhesstsche Volkszeitung, Gießen Grünberger Anzeiger Herborner Tageblatt Hungener Landpost Lauterbacher Anzeiger Oberhesstsche Zeitung, Marburg Hessische Landeszeitung, Marburg Aiddaer Anzeiger Schlitzer Bote Schotten er KreiSblatt Weilburger Tageblatt Wetzlarer Anzeiger. Der Bezugspreis des Gießener Anzeigers betragt für den Oktober 102 Mark und 8 Mark Tragerlohn, bei den Abholestellen in Gießen 107 Mark; für die Einzelnummer 5 Mark, Samstags 6 Mark. Aus dem Reiche Der Gewerkschaftsbund über die Wirtschasts- lage. Berlin, 29. Sept. Der Ausschuß des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes hat in seiner heutigen Sitzung eine Entschließung zur Wirtschaftslage, in der eine Amderung der Wirtschaftspolitik m der Richtung zur Gemeinwirtschaft gefordert wird, angenommen. Es sei eine Wirtschafls- organisation herbeizuführen die der kapitalistischen Ausbeutung durch Privatmvnopol ein Ende macht und den wahren Zweck einer organisierten Wirtschaft, die Deckung des Bedarfes der Gesamt- bevölkerung, zur Erfüllung bringt Der Ausschuß verkennt jedoch nicht, daß die Hauptsache de/ wirtschaftlichen Rotlage des deutschen Boltes in dem auhenpoli ti schen Druck liegt. In ilebereinflimmung mit dem Besch uß des englischen GewerkschaflscongrefseS fordert deshalb der Ausschuß des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes, daß im Interesse des Wiederaufbaues Europas die Gewaltpolitik gegen Deutschland endlich aufhört und der Weg zu einem wahren Frieden der Versöhnung der Völker eingefchlagen werden muß. Aeuhinzutretende Bezieher erhalten vie bereits erschienenen Fortsetzungen des Romans „Die Hsrrveghs" kostenlos nachgeliefert. ohne Ausnahme zu beschützen, Unruhestifter, toefr cher Partei sie auch angehören, werden exemplarisch bestraft. Paris, 29. Sept. (WTB.) Von griechischen venrselistischen Kreisen wird heute die Meldung von der Verhaftung des Königs Konstantin dementiert. Georg II. Athen, 29. Sept. (WTB.) Havas Der Kronprinz hat vor dem Rat der zurückgetretenen Minister gestern nachmittag unter dem Ramen Georg II. den Eid geleistet. Ein unparteiisches Kabinett. P a r i S, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Athen hat der Führer der Aufständischen, General P l a st i r a s, dem englischen, dem französischen und dem amerikanischen Gesandten Besuche abgeftattet. Es sei ein großes, die Führer sämtlicher Parteien umfassendes Komitee gebildet worben, das ein unparteiisches Kabinett bilden soll. Beschlossene Sache fei bereits, daß General H a r a- l a m b i s das Kriegs- und Admiral Hadhi- ch r i st v n das Marineministerium übernehmen sollen. Carakanvs, der früher zu den D^rise-- listen gehörte, wird wahrscheinlich Ministerpräsident werden. Heutiger Stand des Dollars 10 Hhr vormittags: Berlin 1620—1625, Frankfurt 1625—1635 Veniselos. Pari», 29. Sept. (WTB.) hat gestern abend Paris verlassen London begeben. Er wird, so Rachrichtenagentur, mit Lord Curzon eine Unterredung haben und hofft, Sonntag abend wieder in Paris zu fein. Die VölKerbundsversammlung. Genf, 29. Sept. (WTB.) Die Völkerbundsversammlung genehmigte fjeute nachmittag den Haushalt des Völkerbundes, d. h. die Kredtte für die Versammlung, das Generalseireta- riat, das Arbeitsamt und den Internationalen Gerichtshof sowie für die technischen und beratenden Organisationen, die 24 933 508 Goldfranken ausmachen, wozu noch em Nachtrag von 690 000 Goldfranken für 1923 tritt. Rach den Angaben des Berichterstatters entfallen auf England 2 645 000, Frankreich 2 172 000, Japan 2033000, China bzw. 1 810 000, Italien 1 698 000, Spanien 1 114 000 Goldfranken. Im Lause der Aussprache wies Sir James Allen auf die Rotwendigkeit schneller Zahlung der rückständigen Beiträge hin, die bis Ende 1921 noch 7,5 Millionen Goldfranken betrugen. Mehrere südamerikanische Delegierte mahnten zu größter Sparsamkett, da die Budgetfrage sonst den Bestand des Völkerbundes bedrohen würde. Starke Meinungsverschiedenheiten äußerten sich anläßlich des französischen Mttrages, den für die internationale Kommission für geistige Zusammenarbeit vorgesehenen Betrag von 50 000 Franken auf das Doppelte zu erhöhen. In der Abstimmung, in der England und, mit Ausnahme Indiens, die Dominions gegen die Erhöhung stimmten, wurde mit 25 gegen 12 Stimmen die Erhöhung bewilligt. Auf Antrag Schwedens soll aber die endgültige Entscheidung hierüber dem Rat Vorbehalten werden. Endlich ermächtigte die Versammlung den Präsidenten, der Schweiz in einem besonderen Schreiben den Dan kauszusprechen für die kostenlose Ueberlafiung freier Bauplätze für das Internationale Arbeitsamt und ein Versammlungshaus des Völkerbundes. Die Versammlung wird morgen vormittag zur Wahl der sechs nichtständigen Mitglieder des Völkerbundsrales schreiten und nachmittags die österreichische Frage behandeln, die heute noch den Rat be- schäfttgte, da noch in den Einzelheiten Meinungsverschiedenen bestehen sollen. Daraus soll die dritte Tagung der Dolkerbundsversammlung ihren Abschluß finden. Die Finanzregelung mit Belgien. Paris, 29. Sept. (WTB.) Der Brüsseler Korrespondent des „Temps" meßet ' es verlaute, daß die belgische Regierung die auf die Diskontierung der Sechs mo- natswechsel Deutschlands bezüglichen Maßnahmen zu einem befriedigenden Abschluß geführt haben. Die am 15. August und 15. September fällig gewordenen 100 Eine zweite Entschließung toenbet sich gegen die kommunistischen Gewerkschaftszerstörer, und stellt fest, daß der von der Kommunistischen Partei geforderte Reichsbetriebsräte- kongreh lediglich kommunistischen Parteizwecken dienen soll. Lohnerhöhungen für die Bergarbeiter. Berlin, 29. Sept. (WTB.) Im Reichs- arbeitsministeriam fanden unter dem Borsitz des preußischen Staatsministers Severing die Schieds- Verhandlungen über die Lohnregelung für den rheinisch-westfälischen Stein- ko ylenbezirk statt. Der Schlichttrngsausschuß fällte einen einstimmigen Schiedsspruch, der für die Bergarbeiter des Ruhrbergbaues eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 150 Mark je Mann und Schicht mit Wirkung ab 1. Oktober vorsieht. In biffer Lohnzulage ist die Erhöhung der sozialen Zulage auf je 20 Mark einbegriffen. Heber die Annahme des Schiedsspruchs haben sich die Parteien bis zum 1. Oktober zu erklären. AebertrM zur Deutschen Dolkspartei. Aach einer Meldung der „Köln. Ztg." hat der frühere demokratische Abgeordnete Heckscher seinen Hebertritt zur Deutschen Bolkspartei mit der Begründung vollzogen, daß nach der Einigung der sozialistischen Parteien nichts notwendiger fei als eine bürgerliche Sammlungspolitik unter Führung der Deutschen BolLpartei. Aus Stadt und Land. Gießen, 30. September 1922. Wenn man keine Zeitung hält. Die durchs die schweren Wirtschaftsverhältnisse erzwungene Heraufsetzung des Zeitungsabonnementspreises hat manch» jahrzehntelangen Abonnenten der Zeitungen zu dem Entschluß geführt, von dem weiteren Halten ihres Blattes abzu- sehen. Das ist keine Ginzel-, sondern eine All- gemeinbeobachtung aller (Bettungen, von den größten bis herab zu den kleinsten. Was haben aber jene Leute gewonnen, die da meinen, wegen des höheren, lediglich durch die erdrückende Macht der ll^chällnisse bedingten Bezugspreises die Zeitung abbestellen zu sollen? Sind sie jetzt, da sie meist zeitungslos sind, im Dorteil oder haben sie Schaden? Gewiß, durch den Verzicht auf die Zeitung behalten sie monatlich einen Hundertmaickschein mehr im Besitz. Die „Sparsamen" glauben, mit dem Hinzufügen des monatlich mehr behaltenen Scheins zu den übrigen schon gesammelten reicher zu werden, und sie übersehen dabei ganz, daß doch auch ihre angesammelten Geldscheine durch den andauernden Riedergang unserer Gesamtwirtschaft immer mehr an Wert verlieren. Die „Rurhaushaltsrechner" meinen, mit dem einen Hundertmarkschein mehr im Monat über des Lebens Röte hinwcgkommen zu können, und sie denken nicht daran, daß in den dreißig Tagen beä Monats viel Geld zwecklos ausgegeben, direkt verplempert wird, wofür sie sich die Zeitung sehr gut hatten könnten. Wer recht überlegt, wird sich sagen, daß das Sparen an der offentlid^n Unter» richtung, der Zeitung, tatsächlich das Sparen am unrechten Platze ist. Richtig betrachtet kann man von einem Vorteil des Zeitungslosen beim Verzicht auf sein Blatt nicht sprechen. Aber man trage auch nicht, uns abzustretten, daß diejenigen sich direkt schädigen, die keine Zeitung halten. Wer keine Zeitung hält, lebt eben abgeschnitten von allem Geschehen, allen geiftigen und wirtschaftlichen Veränderungen blind in den Tag hinein. Das Erzählenhören in Wirtschaften u. dgl ist fein Ersatz für die Zeitung. Wer auf das Blatt vernichtet, schädigt sich selbst, denn er sHaltet sich aus von den wichtigsten Insor- ma tionsquellen des t äglichen Lebens, er kann sich nicht darüber unterrichten, wie die Warenpreise sind, wo man billiger einfauft, wo man vorteilhafter seine Ware aoseht, in welchen Fällen man Vorsicht üben muß und bei welchen Gelegenheiten herzhaft und schnell zuzugreifen ist; Verhaftungen ehemaliger Minister. Paris, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Athen sind die Minister deS ehemaligen Kabinetts GunariS, Stratos, ProtopapadakiS, Gudas und Theotokis fe st genommen worden. Die öffentliche Meinung mache sie für die Vorgänge in Kleinasien verantwortlich und verlange ihre Aburteilung. Eine Militärkommis- sion unter Leitung der Obersten PkaetiraS und GvnatoS habe vorläufig die Degierungsgewalt übernommen. Sie habe mit Pen venizelisti- schen Führern Fühlung genommen, ohne daß eS gelungen wäre, sich mit ihnen über die Bildung eines neuen Kabinetts zu verständigen. Das Borrncken der Türken. Angora, 29. Sept. (WTB.) Das letzte amtliche Communique besagt, daß die Stadt Ahrabjik von den nationalistischen Truppen beseht worden ist. Weiter wird gemeldet, die militärische Besetzung des westlichen Kleinasiens sei beendet. Französische Verhandlungen mit Kemal Pascha. Paris, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Adana verlautet aus Srnhrna, daß FranklinDouillongestern an Bord des Kreuzers „Metz" angekommen ist. Abends habe er «ine Hnterredung mit Mustapha Kemal Pascha gehabt, der der Innenminister Feth Bey, der Äußen- minister Zussuf Kemal Bey, und Ministerpräsident Rauf Dey beiwohnten. Franklin Bouil- .lon werde heute mit Muftapha Kemal Pascha mach Angora abreisen. r Eine Revolte in Bulgarien? Paris, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Konstantinopel soll Bulgarien vor der offenen Revolte stehen. Man fürchte, daß die Reste der Wrangelschen Armee, die sich noch in Bulgarien aufhalten, an dem Aufstand teilnehmen. Millionen Gokdmark, die in zehn Wechsel ringele ilt sind, konnten in verschiedenen englischen amerikanischen und schweizerischen Privatbanken diskontiert werden. Die Ramen dieser Institute und der Diskontsatz sind noch nicht bekannt. Brockdorff-Ranchau Botschafter in Moskau. Berlin, 29. Sept. (Wolfs.) Wie wir Horen, ist Goas Drockdorff-Rantzau als Bot- schaster in Moskau tn Aussicht genommen worden. Er dürfte seinen Posten im Saufe des Oktober antreten. Die österreichische Frage. Genf, 29. Sept. (Wolff.) Der Völkerbund s r a t hat gestern nachmittag eine geheime Sitzung abgehalten, um über den Bericht des mit dem Studium der österreichischen Frage betrauten Fünserausschusses zu beraten. Die italienische Garantie für die Anleihe ist, wie man hört, nunmehr auch gesichert. Die italienische Antwort traf gestern morgen in Genf em. Damit wären vier Fünftel der Anleihe an Oesterreich durch Frankreich, England, die Tschechoslowakei und Italien gerantiert. Hnter den Staaten, die die eGeearaMiee für das letzte Fünftel übernehmen, werden hier die Schweiz und Belgien genannt. Ein Abkommen zwischen Kanada und Sowjetrutzland. London, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Dlätterrneldung aus Moskau ist in London zwischen Vertretern der kanadischen Regierung und der Sowjetregierung ein Abkommen unterzeichnet worden, durch das Kanada Tellnehmer an dem englisch-russischen Abkommen von 1921 wird. Eine russische Handelsdelegation unter Führung von Wakew werde sich nach Kanada begeben. Die Dorksernährungsfrage im preußischen Landtag. Berlin, 29. Sept. (WTB.) Im preußischen Landtag erklärte Landwirtschaftsminister Wenborft Das erste Erfordernis für die Zufriedenheit des Bolles ist die Versorgung mit einer ausreichenden Menge Brot. Die Getreideumlage muh also voll zur Durchführung gebracht werden. Die 2 Vs Millionen Tonnen müssen der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Der Durchführung stehen persönliche und sachliche Widerstände entgegen. Es gibt Landwirte und Organisationen, die sich nicht restlos in den Dienst der Allgemeinheit stellten. Die preußischen Landwirtschaftskammern haben sich nicht entschließen können, an den Vorarbeiten für die Hmlage so mit» zuwirken, wie ich es für ihre Pflicht erachtet hätte. Die sachlichen Schwierigkeiten liegen in der ungünstigen Witterung und im Gmteausfall, der gegen das Vorjahr um 21,9 Prozent geringer geschätzt wird. In Preußen ist ein Rückgang der Anbaufläche um nahezu 100 000 Hektar eingetreten. Der Minderertrag der Ernte dürfte 1,9 Millionen Tonnen Getreide ausmachen. Der Landwirtschaft wird dadurch tatsächlich die Auf- bringung der Hmlage außerordentlich erschwert, um so mehr, als der Hmlagepreis für das erste Drittel als durchaus unzureichend anzusehen ist. Im Reichsgesetz wird das Verhältnis oes Hm® lagegetreides zum freien Marktpreise etwa wie 1 zu 2 zugrunde gelegt; letzterer beträgt zur Zeit aber das Reun- bis Zehnfache. Die Rach- Prüfung des Gesetzes muß sobald wie möglich flattftnben. Auch bei einer Erhöhung auf das Drei- und Vierfache hätte die Landwirtschaft schäft davon noch keinen Geldgewinn. Die Erhöhung ist auch nötig, um der Landwirtschaft die Wiedcrerzeugungskosten der neuen Ernte wenigstens in gewissem Hmfange zur Verfügung zu stellen. Die Kartoffeln haben die Anbaufläche der Vorkriegszeit noch nicht wieder erreicht. Das Reichsministerium hat das Brennen von Kartoffeln wesentlich eingeschränkt. Für Zucker dürfen sich die Hebelstände oeS ablausenden Jahres nicht wiederholen. Entsprechende Vorsorge wurde getroffen. Eine Vorlage an den Reichsrat soll die Länder in den Stand setzen, die erforber» liche Menge Mundzucker aufzubringen, ohne den ganzen Apparat der Zwangswirtschaft auszubieten. Der Handel hat sich erboten, dafür zu sorgen, daß jeder das nötige Quantum Muwdzucker beim Kleinhändler erhält. Am 15. Oktober soll die Sache in Kraft treten. Auch die Verbraucher sollen in den Organisationen vertreten sein; ferner wird ein Reichskommissar mit Vetorecht bestellt werden. Vom 1. Oktober ab sollen die Butterauktionen verboten Werdern Das Gutachten den Hnterausschusses für Landwirtschaft und Ernährung vom 22. September über den Entwurf der Verordnung über den Verkehr mit 3 u der im Betriebsjahre 1922/23 wurde mit der Abänderung bestätigt, daß die Kopfquot von 1 Kg. DerbrauchZzucker zunächst auf li/< Kg. erhöht werden soll. Ein Vertreter des Handelsministeriums legte die Gründe dar, die zur ($nt ipertung der Mark führten urtb erklärte, das Gesetz über den Devisenhandel solle einer Reform unterworfen werden. Die Reichs- und die preußische Regierung seien bestrebt, den Handel mit ausländischen Boten möglichst zu bekämpfen und unzulässige Elemente von der Börse fernzuhalten. **KeIlereiubrüche. 3n der Nacht kmn 29. September wurden im südlichen Stadtviertel an zwei Stellen von bisher unbekannten Dieben Kellereinbrüche verübt. Die Diebe, die es auf Lebensmittel, insbesondere 'eingelegte Sier, abgesehen hatten, gelangten in beiden Fällen durch die unverschlossenen Kellerfenster in die Keller und erbeuteten einige hundert Eier. In einem Falle nahmen die Täter sogar die mit dem Namen des Eigentümers versehenen Steinguttöpfe mit, wöchrend sie in dem anderen diese am Tatort entleerten. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminal-Abteilung entgegen. "Preuhisch-SüddeutscheKlas- s e n - L o t t e r i e. Die Lose zur fünften Klasse müssen unter Vorlegung des Dorklassenloses bis zum 4. Oktober, abends 6 Ahr, zur Einlösung gelangen. Auch sind bis dahin die Gewinnlose gegen Ersatzlose vorzulegen. Die Ziehung dieser Schlußklasse der 20. (246.) Preuß.-Süddeutschen Klassenlotterie beginnt am 10. Oktober und endigt am 11. November. Zur Ausspielung kommen 277 000 Gewinne und vier Prämien im Betrage von zusammen 281 Millionen 778000 Mark. Wettervoraussage für Sonntag: Wolkig bis heiter, trocken, kühl, Frühnebel. Während ttefer Druck mit einem Minimum über Ungarn bis nach Mitteldeutschland hinein seinen Einfluß ausübt, befindet sich unser Bevbachtungsgebiet noch im Bereiche hohen Druckes. Das schöne Herbstwetter wird anhalten. ^rnotrzcn. — Tageskalender fürSamstag und Sonntag. Obst- und Gartenbau-Ausstellung in der Turnhalle am Oswaldsgarten. — Palast-Lichtspiele: Sodoms Ende. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Erotikon. — Derein Rudersport: Sonntag nachmittag 3 Ahr Abrudern, Samstag abend 8 Ahr Familienkonzert. — Zusammenkunft christlicher Eisenbahner Sonntag nachm. 2V- Ahr in Gießen, Lö- berstr. 14. Oberhessischer Kunstverein. Ausstellung der Wiesbadener Gesellschaft für Grabmalkunst. Gießen, 29. Sept. 1922. Das Programm der Wiesbadener Gesellschaft für Gvabmalkunst ist ausführlich dargelegt in dem Vorwort, das ihr Leiter Prof. Dr. W. d. Grol- lyann dem Katalog der „Ausstellung zur Hebung der Friedhof- und Grabmalkunst" Wiesbaden 1905 vorangeschickt hat. Aus derselben Feder stammt ein programmatischer Aufsatz in dieser Zeitung vom Samstag, 23. September, dec in gedrängter Form die gleichen Gedanken vertritt. Aber auch die Ausstellung bietet ein so anschauliches Bild vom Wollen und Wicken der Gesellschaft, daß sich weitere Ausführungen darüber hier erübrigen dürften. Gins steht fest: Die Wiesbadener Gesellschaft hat auf dem Gebiete der Friedhofkunst mit Nachdruck und Grfvlg an der Hebung unserer fünfte lerischen Gesamtkultur gearbeitet. Vornehmheit und sachliche Bewußtheit zeichnen ihre Denkmäler vor den üblichen „Grabsteinen" In hohem Maße aus. Aber bei aller Aneckennung dieser erfreulichen und erstrebenswerten Dinge kann man sich doch öfters dem Eindruck manchmal allzu kühler Strenge nicht verschließen. Mancher vermißt vor diesen Wecken sicherlich das Schwingen wärmerer Tone, die mit Sentimentalität in keiner Weise etwas zu tun haben. Wohl war die Wiederhinkehr zu klassizistischer Formgebung im großen und kleinen, und die Begeisterung für A. v. Hildebrands strenge Kunst und Lehre im Kampf gegen Zerfahrenheit und Willkür seinerzeit stoßkräftigstes Mittel. Aber nur fast allzu zögernd sehen vir hier heute den Versuch der Fortentwicklung sich regen. Am spürbarsten ist dies in einigen Entwürfen für Kriegerehrungen der Fall. 3n der Hauptsache auch hier antikische Tempel, Pyramiden und Helden und als Symbole antillsche Waffen: Helme mit hochflatterndem Haarbusch, Schilde, Schwerter und Speere. Moderne Waffen fehlen fast ganz außer Helmen und Degen. Die Frage erhebt sich: Können wir Menschen von heute auch diesen Krieg nur in die üblichen antikisierenden Symbole fassen? Oder wenigstens: müßten wir nicht — die Geltung dieser Symbole unbestritten — ganz unwillkürlich zu einer Formung deckelben kommen, die uns eigener ist als andere? Beispiele dafür mögen etwa der eine Entwurf von H. K a l e t s ch (Block mit daraufgelegtem Stahlhelm) sein und besonders die Entwürfe von R. Fuß, die „im Felde 1918" entstanden sind: „Heldengrabmal" und „Gedenkstein". In dieser letzteren Richtung liegen unbestreitbar stacke Möglichkeiten, die anderem gegenüber auf dieser reichhaltigen und beachtenswerten Ausstellung unstreitig zu kurz kommen. In ganz anderer Einstellung setzt sich 3 Köd- ding-Gießcn mit denselben Problemen auseinander. 3n den Modellen von Kriegerehrungen, aber auch in den übrigen Werken, die er zeigt, bestimmt innerer Rhythmus den Amriß der Ge- lamtform und das Zusammenwirken der Ginzel- sormen und schafft so vielseitige Lösungen von großem Reiz („Auferstehung", „Denkmalsente teurf für Gberstadt", „Qualen") Leider vermißt man bei den Denkmälern zeichnerische Skizzen des Gcsamtaufbaues in landschaftlicher Umgebung. Sie würden zweifellos die Wirkung der Modelle noch verstärken. * ♦ * 3m kleinen Kabinett zeigt F. Riemschnei- der-Derlin eine Reihe von Gemälden nach landschaftlichen Motiven aus unserer Umgebung in schöner Technik, aber unter Aufwand einer Farbenskala, über deren Berechtigung man in manchem Falle mindestens geteilter Meinung sein kann. W. Landkreis Gießen. * Großen -Duseck, 29. Sept. Nachdem vor einigen Wochen der von dem Dur- schenklub „Edelweiß" gestiftete Wander- p r e'i s schon einmal ausgefahren wurde, wobei Karl W a l t e r-Großen-Buseck 1. Sieger blieb, wird er am kommenden Sonntag, 1. Oktober, zum zweiten Male ausgefahren werden. W. Lang-Göns, 29. Sept. Dem Bahn- arbeiter Karl Velten I. wurde für 2bjähr. Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr ein Ghrendiplom überreicht. X Wieseck, 29. Sept. Den Gemeinde» r a t beschäftigte in seiner letzten Sitzung wiederum der Plan der Buderusschen Eisenwerke, weiteres Gelände von der Gemeinde zu erwerben. Man zeigte sich dazu geneigt. — Die Besoldungsordnung für die Gemeindebeamten und Bediensteten wurde nach den vom Ministerium festgesetzten Richtlinien vom 1. April ds. Zs. genehmigt. Die verschiedenen Zuschläge richten sich nach den geltenden staatlichen Bestunmungen. - Der Stenographen verein „Gabels- berge r", der auch Schüler unterrichtet, bat für seine neuen Kurse den Gemeinderat um Aeber- lassung eines Schulsaales. Das Gesuch wurde abgelehnt. — Genehmigt wurde die Auffüllung eines Schulhofs mit Schlacken. Kreis Lauterbach. * Lauterbach, 28. Sept. 3n der Burgerdersammlung am Dienstagabend erstattete Gemeinderatsmitglied Schlossermeister O t t e r b e i n im Namen des Gemeinderats Be- ckcht über die D ü r g e r m e i st e r f r a g e. Don den 79 Bewerbern sollen nach der Ansicht des Gemeinderats 10 Herren in die engere Wahl gestellt werden, und zwar aus unserer Stadt die Herren Rechtsanwalt Scheer und Zustizinspektor Kann gieße r. Weitere Kandidaten sind Derwaltungsinspektor Weitzel, Offenbach a. M., Stadtkämmerer Gustav Hübner, Naumburg a. d. Saale, Oberstadtsekretär Ludwig Werle, Bad-Nauheim, Stadtbau meister Hermann Walz, Vilbel, Ernst Blossey, Bürgermeister a. D., Fulda, Obersekretär Alwin Walz, ßangenberg bei Gera, Regierungsbaumeister Erwin Leith, Danzig. Zustizvbersekretär Roller, Dillenburg. Evtl, käme nach Ansicht des Gemeinderats auch noch Bürgermeister a. D. Dr. Boeck, Bad Sooden a. d. Werra m Frage. Llach längerer Beratung wurde von der Versammlung ein Ausschuß der Bürgerschaft gewählt, der unabhängig vom Gemeinderat die Kandidaten prüfen soll. Diesem Ausschuß gehören 11 Herren an, darunter 4, die diese Angelegenheit seither bearbeitet haben. Die Wahl des Stadtoberhauptes soll Mitte Oktober erfolgen. Heffctt-Nnffarr. S>t>. Frankfurt«. M., 29. Sept Auf dem t am Dörneplah nahm heute vormittag die Wucherpolizei eine umfassende Nachprüfung der Preise und der Handelserlaubnisscheine vor. Eine größere Anzahl von Händlern hatte leine Hanbelserlaubnis, andere Händler setzten ihre Preise sofort herunter, um zu verhindern, daß die Wucherpolizei den Veckauf der Waren übernahm. Die Polizei gibt bekannt, daß sie in den nächsten Tagen regelmäßig die Mäckte durchprüfen und dann gegebenenfalls bei allen Händlern, die keine Handelserlaubnis besitzen, die Waren beschlagnahmen wird. Hochschulnachrichlen. Einstein. Berlin, 29. Sept. (WTB.) Von Professor Einstein nahestehender Seite hören wir, daß der aus dem Wiener „Abend" stammenden, in einem Berliner Blatt abgedruckten Meldung über die angeblich von Professor Einstein eingeleitete Lösung seiner akademischen Dienstverhältnisse folgender Sachverhalt zugrunde liegt: Einstein Hai für die Zeit feiner Abwesenheit von Berlin die Leitung des Kaiser-Wilhelm°3n- stituts für Physik Professor von Laue übergeben. Ferner stellte er der Akademie der Wissenschaften sein Zahresgehalt für die Zeit seiner Abwesenheit vom Dienst zur Verfügung. Alle anderen Angaben in der oben angeführten Meldung beruhen auf einer Kombination. Kirche und Schule. )( Ortenberg, 29. Sept. Da für die hiesige« ÄahlenzurKirchengemein- devertretung nur ein Wahlvvrschlag vorlag, fand eine eigentliche Wahl nicht statt: außer den bereits in der Gemeindevertretung sitzenden Herren, von denen zwei wegen vorgerückten Alters eine Wiederwahl ablehnten, wurden neugewählt bzw. als Ersatz- Mitglieder bestimmt: Karl Hebbel I., Georg Wiesner, Karl Mauer I., Karl Pfeiffer II., Karl Holzapfel, Adolf Hebbel, Jakob Emrich und Wilhelm Hensel. Die Wahlen zum Kir- chenvorstand werden demnächst durch die Gemeindevertretung vollzogen. Berlin, 29. Sept. (WTB.) 3n der heutigen letzten Sitzung der verfassunggebenden evangelischen Kirchenversammlung der altpreußischen Union wurde der Verfassungs- gesehentwurf. wie er in der Einzelberatung Der dritten Lesung gestaltet worden war, in namentlicher Schlußabstimmung mit 125 gegen 77 Stimmen bei zwei Enthaltungen angenommen, nachdem die Vertreter der Volkskirchlichen evangelischen Vereinigung der Gruppen der freien Volks- kirche und der Arbeilsgemeinschast für den kirchlichen Aufbau in feierlichen Erklärungen dargelegt hatten, daß die durch Mehrheitsbeschluß erzielte Annahme des Bekenntnisvorspruchs ihnen oie Annahme des Derfassungsentwurfes unmöglich mache. üanbroirffetjaft. Krankheiten und Feinde der Kartoffel. Von Landw-Assessor Dr. Koenig» Lich. 3n jedem Zahre kommen die Klagen über vielerlei Kartoffelkran theiten. Das hat oft dann seinen Grund, daß die Landwirte auf den Saatgutwechsel zu wenig Weck legen und eine ihnen genehme Sorte zu lange nach- bnuen. Dadurch wird sie viel schwächer, geht in ihren Erträgen zurück und fällt tierischen und pflanzlichen Feinden leichter zum Opfer. 3m folgenden seien die betanntefteu Krankheiten und ihre Bekämpfung kurz erläutert: 1. D i e Kartoffelsäule < Krautfäule der Kartoffel, Kartoffelkrankheit. Erkennung: Don Zuni bis August bei feuchtwarmem Wetter an den Spitzen und Rändern der Blätter braunschwarze Flecke, die an der Unterfeile einen weißlich-grauen Saum haben Die Knollen in der Erde zeigen unter der Schale dunkelbraune Flecke und werden ttockenfaul. Bekämpfung: 1. Widerstandsfähige Sorten, z. D. Wohltmann, Hindenburg. Geh. Rat Appel (weniger widerstandsfähig sind z. B. 3mperator, Danusie, Kaiserkrone). 2. Auf schweren feuchten Böden die Saatknollen flach legen, die Reihen mehrmals stack häufeln. Auf umgebrochenen Kleeäckern tritt sie leichter auf, als auf mit Stallmist gedüngten. (Vermutlich Phosphorsäuremangel, durch den Klee aufgebraucht.) 2. Die Blattrollkrankheit. Erkennung: 3m Zull und August rollen die Blätter vom Rand her sich nach oben ein, falten sich und färben sich gelbgrün bis gelbrot. Richt jedes Blattrollen zeigt diese Krankheit an, bei allen Krankheiten und sobald die Ernährungsvorgänge durch stacke Dürre und Trockenheit gestört sind, rollen sich die Blätter. Beim Durchschneiden der Knolle bemerken wir einen gelben Gefäß- ring. Die Krankheit nimmt beim Auspflanzen solcher kranken Knollen rapid zu. Bekämpfung: 1. Saatgut nur von gesunden, kräftig entwickelten Stauden mit hohem Knollenertrag. (Staudenauslese ein hervorragendes Mittel, gute ertragsfähige Sorte lange bei sich anzubauen.) 2. Von erkrankten Feldern kein Saatgut. 3. Lockerer Boden, damit die Pflanze genügend Nahrung und Wasser erhält. 3. Die Dakterienringkrankheit. Erkennung: Schneiet man eine erkrankte Knolle durch, so sieht man einen braungefärbten Ring, der x/2—1 Ztm. unter der Schale herläuft. Diese Knollen faulen leicht. Werden erkrankte Knollen, die oft äußerlich wie gesunde aussehen, ausgepflanzt, so sterben die auskeimenden S riebe schon in der Ernte ab. Entwickeln sie sich aber weiter, so bleiben die Stengel kurz und tragen kleine Blätter und die Pflanzen gehen bis Ende 3uni gewöhnlich zugrunde. Entwickelt sich die Krankheit später, so finden wir im Hochsommer an einzelnen oder alten Trieben braune Flecken, und die Blätter werden -schwarz und fallen ab. Man erhält gar feine oder kleine Knollen. War die Krankheit weniger stark, so wachsen die Knollen aus, haben aber jenen eigentümlichen Ring. Bekämpfung: Gesundes Saatgut aus gesunden Feldern. 4. Die Bakterienringfäule. Die an- gesteckten Knollen, denen man äußerlich nichts ansieht, zeigen am Gesäßring, besonders in der Nähe des Nabels, erweichte Herde ohne Färbung. Später wird die flotte naßfaul (vergl. 1), das !&rub gelblichgrüu ll.j) die Pflanze stirbt frühzeitig ab. Verletzte, gesunde Pflanzen können durch das Einwandern d»s Pilzes erkranken. Bekämpfung wie bei 3. 5. D ie Schwarzbeinigkeit. Erkennung: Die in der Erde steckenden Stengelteile werden schwarz und sterben ab. Die oberen Stengelteile bleiben kurz, es bilden sich keine oder nur fteine Knollen. Die Knollen 'haben meist schwarze Stetten und von hier aus faulen sie. Wenn sie dann in die Miete oder in den Keller kommen und feuchtwarm lagern, so faulen sie rasch und stecken gesunde an. Sind sie aber kühl und trocken ausbeMa'hrt worden, so verbreiten sie die Krankheit nicht. Die »Krankheit ist nicht erblich, sondern es weiden nur verletzte und beschädigte (vom Dra'ht- wurm und Engerling) Knollen befallen. Bekämpfung: 1. keine angesaulten und beschädigten Saatknvllen verwenden: frischgeschnittene erst eine Haut (Wundkock) bilden lassen, also 3—4 Tage liegen lassen: 2. spätveifende, dick und rotschalige Socken sind widerstandsfähiger: 3. Be- kämpsung der tierischen Schädlinge, die die Fraß- ftellen schaffen und in die die Battecken env bringen. 6. Der Kartoffelschors. Die Schorfflecke beeinträchtigen den Wert der Speisekartoffel: besonders kommt er vor bei start kalkhaltigen Böden, je stärker die Kalkdüngung war bei andauernd trocknem Wetter, desto stärker tritt der Schorf auf. Auch zieht er gewisse Bodenarten vor. Alle diese Vorgänge bedürfen noch einer genaueren Forschung. 7. Der Drahtwurm. Die Larve des Saatschnellkäfers trat dieses Hahr sehr stark hervor, besonders hat sie die jungen Wintersaaten sehr geschädigt. Mit großer Vorliebe geht er an die Kartoffeln, die man ja als Fangmittel benutzt. Besonders stark tritt er auf umgebrochenen Kleeschlägen auf. Bekämpfung: 1. tief pflügen, damit die Larven ans Licht kommen und von den Vögeln gefressen werden (Stare, Krähen, Hühner). 2. Den Boden walzen, Damit die Larven sich nicht so schnell fockbewegen können. Kainitdüngung hat sich ebenfalls bewähck, da wegen der ätzenden Wirkung die Larve tiefer in den Boden eindringt. (Wenn wir Kartoffeln wollen, den Kainit weg- lassen.) 8. Der Engerling ist die Larve des Maikäfers, des Junikäfers und anderer. Man bekämpft ihn, indem man feine Freunde schützt, Vögel und Maulwürfe, und Fangen der Käfer durch Schütteln der Bäume früh morgens. Die Kartoffelernte dieses Hahr wird allem Anschein nach sehr gut. Nur muß man sie ausreifen lassen und trotz der- vorgeschrittenen Jahreszeit nicht eher ausmachen, als bis das Kraut abgewelkt ist: sonst beeinträchtigt man den Ertrag sehr und wird ihre Haltbarkett ungünstig beeinflußt. BLichcrtisch. — N u n e r st r e ch t. Wandspruch von Albert Matthäi. Der Verlag Wilh. Gerstung in Oftcnbach a. Dl., der dieses Hahr zwei vaterländisch: Wandsprüche Fichte an jeden Deutschen" und „Deutschland" (Königin Luise) herausbrachte, veröffentlichte jetzt ein neues Blatt „Nun erst recht", Las von dem Münchener Dichter Albeck Matthäi stammt und folgenden Wortlaut hat: Deutschland, Deutschland über alles, Lind im Unglück nun erst recht. Nur im Unglück kann die Liebe Zeigen, ob sie stack und echt: Und so soll es weiterklingen Von Geschlechte zu Geschlecht: Deutschland. Deutschland über alles, Und tm Llnglück nun erst recht. Der Wandspruch ist in der vornehmen, gediegenen Art, die den Gerstungschen Erzeugnissen eigen, ausgeführt. — Da- Zeitalter der Reformation und Gegen reformation von 15 17 bis 1 66 0. Von Kurt Kaser. (Weltgeschichte in gemeinverständlicher Darstellung, herausgegeben ron Ludo Mor h Hartmann. BandVI, l.Hnlb- band.) Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G. Stuttgart/Gotha. — Fritz Stüber-Gunther: „Rap- pelkopf". „Wila", Wiener Literarische Anstalt, Wien. — Das Leben des unglücklichen österreichischen Volksdichters Ferdinand Raimund mit seinen wechselvollen Ereignissen, die aber überwiegend tief tragischer Natur sind, wird hier von einem Meister der Erzählerkunst anschaulich und fesselnd geschildert. Vermischtes. Gin Kampf zwischen Dauern und Räubern. Berlin, 30. Sept. (Pr.-Tel.) Wie das „Berl. Tageblatt" aus Halle meldet, drang eine aus 50 Personen bestehende Bande aus Lichtenberg mit Handwagen in die G e ma r E u n g Betzing ein, um die Obsternte zu rauben. Zwischen den Bauern, die sich mit Revolvern und Knüppeln bewaffnet hatten, unb den Plünderern kam es zu einer regelrechten Schlacht, in deren Verlauf zwei Personen schwer und sechs Personen leicht verletzt wurden. Die inzwischen alarmierte Gendarmerie verhaftete die Rädelsführer der Bande. Berlin, 29. Sept. (WTB.) Aus der Wohnung des amerikanischen Botschaftssekretärs wurden gestern nachmittag in dessen Abwesenheit Schmucksachen feiner Frau im Werte von über 3 Millionen Mark gestohlen. Cuxhaven, 29. Sept. (WTB.) Bei der Einfahrt^ in den Bahnhof von Cuxhaven fuhr heute früh der von der Geestemünder Nebenbahn kommende Personenzug bei stackem Nebel über den Prellblock bis in den Flur des Bahnhofsgebäudes hinein. Der zweite und _£er dritte Wagen des Zuges schoben sich ineinander. Sechs Reisende, die auf der Plattform des dritten Wagens 4. Klasse standen, wurden eingeklemmt. Vier Personen wurden schwer und zrvei leicht verletzt. Der Betrieb ist nicht gestört. *Papier-undHvlzpreise. Gegen die Dom Reichswirtschaftsminister Schmidt im volkswirtschaftlichen Ausschuß getane Aeuherung, die Arsache für die Papierverteuerung liege in den „unglaublichen Holzprei- sen", wendet sich jetzt die Zeitschrift „Der Holzmarkt". Sie behauptet, die eigentlichen Berteuerer seien die Papierfabriken. Die Holzpreise seien vom Januar 1921 bis zum Juni ständig herabgegangen, hätten im Oktober 1921 ihren niedrigsten Stand erreicht, um dann bis zum Juli 1922 auf 1663 Mark für den Raummeter ab Wald hinaufzugehen. Diese höheren Preise seien jedoch nur für kleinere Partien von den Papierfabriken bezahlt worden, wahrend sie auf ihren Lagerplätzen sowie auf auswärtigen Lagern abrufbereit ganz kolossale Massen Holz vorrätig hätten, das sie schon vor längerer Zeit zu bedeutend billigeren Preisen eingehandelt hätten. Die überwiegende Menge dieses Holzes sei mit w e i t u n = ter 500 Mark von den Fabriken eingekaust worden, in Rechnung gestellt wurde aber von ihnen ein Papierhvlzpreis von 5000Mark, den sie vielleicht vereinzelt für kleine Mengen bezahlt hätten. Die Verantwortung für diese Behauptungen müssen wir dem „Holzmarkt" überlassen. Auf jeden Fall ist aber restlose Aufilärung dringend notwendig. * Gin Geschenk mit 4872 Mk. Zoll. Ein Münchener Schriftsteller, der für das Drnitsch- tum im Auslande erfolgreich tätig war und dort der Atteinschuld Deutschlands entgegengetreten ist, erhielt, wie man uns schreibt, von einem Verehrer aus der Schweiz zum 50. Geburtstage eine Flasche Kognak als Geschenk übersandt. Die Zollabrechnung für diese FlascheKognal lautete auf 4872 Mi. Zoll und 61.40 Mk. Mono- polausgleich. Unter ausdrücklichem Protest gegen eine solche Luxusstcuerbrstimmung, insoweit sie gegen eine einzige Geschenk flasche gerichtet ist, stellte der Empfänger den Antrag auf lieber- Weisung der Flasche Kognak an das Lazarett für Kriegsbeschädigte. Die Zollbeamten zeigten wirkliche Teilnahme an diesem Spezialfall, aber sic konnten nichts daran ändern. Zeder, der sich einmal auf ein Geschenk gefreut hat, wird dic Ileberraschung verstehen, zumal wenn er weiß wie sich die Schieber aller Länder vereinigt haben, um Deutschland ordentlich auszulaufen, während ein deutscher Dichter rckcht eine ihm als Ehrengabe zugedachte Flasche Kognak in Deutschland übernehmen kann. So geschehen in München im September 1922. Hätte ein Gesuch an das Finanzministerium wohl Aussicht, gelesen zu werden? 11. A. w. g. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag, 1. Okt., Inder Stadtkirche. 91/,: Pfarr- assistent Becker. — 11: Kinderkirche f. d. Markus- gemeinde, Pfarrassistent Becker. — Zn der Io- hanneSkirche. 9*/3, zugleich Militärgottesdienst: Pfarrer Ausfeld. — 11: Kinderkirche f. d. 3ohannes- gemeinde, Pfarrer Ausfeld. — Kirchberg: 10. — 11: Christen!, f. d. weibl. Zug. — Lollar: l1/,. - Staufenberg: 1'/?. — Wieseck: 9: Beichte. — 9* , Gottesdienst u. Abendmahl, Kandidat Lein-Gießen Katholische Gemeinde. Samstag, 30. Sept. 5 u. 8: Beicht. — Sonntag, 1. Okt.: 6'/,: Beicht: 7: Messe: 8: Kommunion: 9: Hochamt: 11: Messe: 2'/,: Andacht. — Dienstag u. Freitag abds. 61/,: Rosenkranz. — Donnerstag nachm. 5: Beicht. — Freitag vorm. 6'/,: Segens- messe. — Sonntag, 1. Ott., Hungen: Vorm. 8. — Laubach: Vorm. 10. Zsr. Religionsgemeinde. Gottesd. i. d. Shnag. (Südanlage). Montag, 2. Ott. DersöhnungSsest. Vorabd. 6,15, Predigt: 6,45, Mora. 7 45, Predigt mit Seelenfeier 11,30, Schlußpredigt 5, Festesausgang 6,40. Während der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet. Vdgener & Schlötel Frankfurt a. M„ Goetheatrasse 9 und 11 Neue Herbst-Mantel und Kostüme in mod. Farben und Stoffen, alle Preislagen. Gießen, Landgrafenstraße 4 L 09249 Der Vorstand 8901v) im 76. Lebensjahre Von Kondolenzbesuchen bitten wir abzusehen. 09230 mnflf: Die Geliebte Döerlflnöer ßoneHe Gebr. lederne | ita-te folgt fest dem gesucht. Zufall, lkengastz riinbergk.H 1-2 tüchtige gesucht. 09245 Frankfurt a. M . wüte ßleiöemörant, I Taseläpsei saft neue (Saszug lampe, 09269 gesucht BAHNMATERIAL Die Beerdigung findet in aller Stille statt. Von Blumenspenden bitten wir abzusehen. Frau Anna Eglv, Landgr.-Phtl.-Pl. 7 flache Zinkwanne, Bilder u. verschied, nmzugsb. zu verk. Ludwiastr. 35 p. Gemeindejeweiligen mindestens Priv. - Handelssch. HERMES Bahnhofstraße 60. Tel. 1097. Prosp. frei. Anmeld. tägl. Familie Sommeriad Familie Römer Familie Weller. ZU taufen gesucht. Schrift!. Angebote mit Preis unt 8835 an den Gies;. 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Oftt, nachm. 3 Uhr Abrudern verbunden mitwettfahrten Samstag abend 8 Uhr Familienkonzert veranstaltet von der Hauskapelle wozu wir unsere Mitglieder einladen. Donnerstag abend 9 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater Herr Ludwig Schneider Für Schuldscheine 1% über dem jeweiligen Reichsbanklombardsatz, mindestens aber auf 8%. Butzbach, Friedberg, Gießen, Vilbel, den 28. September 1922. 8917D Bezirkssparkaffe „Mathildenstift", Butzbach. Bezirkssparkaffe „Mathildenstift", Friedberg. Bezirkssparkaffe Gießen. Bezirkssparkaffe „Mathildenstist", Vilbel. Groszer Posten Oefen, Herde n. Kupferkeeee! eingetroffen. 8675 Wilb. Dürbeck Nachf., Mänsburgö^ Neuenweg 18 Telephon Nr. 2104. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante Frau Elisabeth Müller geb. Hedderich nach langem schwerem Leiden in die Ewigkeit abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: K. 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Auf der Einfuhrseite beläuft sich der Rückgang auf nur 11 Vr Prvz., was die von Europa eingeführten Waren anbelangt, während Die Änstchr aus Nordamerika (Canada, Mexiko) .sich um 42 Proz., die aus Südamerika um 40 (Prozent, die aus Asien um 23 Proz. und die !«us Ozeanien um 47 Prvz. verminderte. Der Gesamtwert der Einfuhr von Europa im Rechnungsjahr 1921/22 beläuft sich auf 830 000 000 Lollar gegen 938 000 000 Doll, im Jahr zuvor, während der Wert der Einfuhr aus Nordamerika ich auf nur 700 000 000 Doll, gegen 1 207 000 000 Lollar im Vorjahr, der aus Südamerika auf 289 000 000 Doll. (i. V. 485 000 000 Doll.) und der aus Asien auf 705 000 000 Doll. (i. D. 910 000 000 Doll.) beläuft. Die Zahlen für Juni, chen letzten Monat des Rechnungsjahres, ergeben Jogar ein noch günstigeres Bild für den Handel mit Europa, da in diesem Monat die Einfuhr von dort einen Wert von 76 000 000 Doll, hatte gegen 55 000 000 Doll, im Juni 1921. Auch auf der Ausfuhrseite steht, ver» glichen mit den übrigen Weltteilen, Europa günstig Da; denn wä'hrend die Ausfuhr dorthin dem Vorjahr gegenüber einen Rückgang um nur 39 -Prozent agfwies, ging die nach dem übrigen Nordamerika um 46 Proz., die nach Südamerika gar um 63 Proz., die nach Ozeanien um 51 Proz., und die nach Afrika um 63 Proz. zurück; nur die Ausfuhr nach Asien verringerte sich noch weniger nls die nach Europa, nämlich nur um 24 Proz. -Bei einem Vergleich der einzelnen Monatszahlen ergibt sich daß im Juni dieses Jahres gegenüber dem des Vorjahres die Ausfuhr nach Europa eine stärkere Zunahme erfahren hat als die nach jedem anderen Weltteil, nämlich von 178 000 000 auf 186^)00 000 Doll., wä'hrend gleichzeitig der Export nach dem iibrigen Nordamerika erheblich zurückging, der nach Südamerika und der nach Ozeanien eine geringe Zunahme aufwies, endlich Hie Ausfuhr nadji Asien sich im Juni der beiden Bahre auf etwa der gleichen Höhe bewegte. Von den wichtigsten europäischen Ländern! weisen drei eine Zunahme ihrer Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten auf: Deutschland, Stadien und Belgien. Die Einfuhr der Vereinigten Staaten aus Deutschland während des letzten Rech- nungsjahres belief sich ihrem Werte nach auf 96 000 000 Doll, gegen 91 000 000 Doll, im Jähr zuvor,' gleichzeitig stieg der Wert der Einfuhr aus Italien von 59 000 000 auf 61 000 000 Doll, und der aus Belgien von 42 465 000 auf 42 793 000 Dollar. Alle übrigen europäischen Länder, so wett sie in den bis jetzt bekanntgemachten Berichten des Handelsdepartements aufgeführt sind, weisen einen Rückgang ihres Exportes nach den Vereinigten Staaten auf; er betrug für Großbritannien sogar 58 000 000 Doll, (von 328 000 000 auf 270 000 000 Doll.), während für die meisten übrigen europäischen Länder der Rückgang nur unerheblich ist. Sehr stark ist, hauptsächlich infolge des Preissturzes für Zucker der Wertrückgang der Einfuhr aus Cuba und beträchtlich auch der aus Canada. Hingegen gehört Japan zu den wenigen Ländern, deren Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten sehr stark zugenommen hat; sie ist von 253 000 000 Doll, im Rechnungsjahr 1920/21 auf 308 000 000 Doll, im letzten Jahre gestiegen; auch ist Japan das einzige Land, wohin die Ausfuhr der Vereinigten Staaten eine wesentliche Wertsteigerung erfahren hat. Die Zunahme der amerikanischen Einfuhr aus Deutschland erstreckt sich hauptsächlich aus Kohlenteerprodukte, Baumwollspitzen und dekoriertes Porzellan. Die Einfuhr aus Italien steigerte sich vor allem in Artikeln wie Früchte und Nüsse, Käse und Olivenöl. Der Rückgang der Einfuhr aus Großbritannien erstreckt sich vornehmlich auf Wolle, Iuteerzeugnisse und Diamanten. — , QMM» -nwnuii Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill. 4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Aber Grete dachte anders darin. Aus dieser kaufmännischen Welt wehte ihm — das war ihm schon bei seinen Freunden, die Kaufleute geworden waren, aufgefallen — eine merkwürdig kühle Lust entgegen. Ihre Weltanschauung befremdete ihn, den Idealisten und Kunsthungrigen. Was denen wichttg war, war ihm so nebensächlich, und was ihnen unwert erschien, bedeutete ihm Lebensinhalt. Nur sein Freund Stolzenberg trieb die Musik aus Passion, aber schließlich gehörte sie auch zu seinem Metier . . . Rechtsanwalt! Es war nicht leicht für jemand, der sich gegen alles Reale und Kaufmännische bisher gesträubt hatte, dem alles stemd und peinlich war. was mit Geldangelegenheiten zusammenhing, mit Geldverdienen, mit dem unmittelbaren Einheimsen eines Gewinnes. . . Aber Grete. . . Unt> der Rüdesheimer Bewerber, der schon so siegreich umherstolzierte, begünstigt von einer ganzen Familie, und Grete konnte auch nicht ewig ihrem Vater Sand in die Augen streuen... Mit einem Seufzer tat er die Geige in den Kasten zurück, dann machte er sich fertig zu seinem Rendezvous. • Die Schildkrötensuppe war köstlich und die Dlätterteigpastete, deren Rezept Frau von Her- tocgf) niemals preisgab, übertraf alle Erwartungen. Das Geheimnis ihrer Güte bestand nämlich einfach darin, daß der Lümmel mit dem Spankorb des Morgens aus den Markthallen ein Paar Hundert Seemuscheln holen ging, die man Gießener Anzeiger (General Aus Stabt und Land. Gießen, 30. September 1922. Ein interessantes höchstrichterliches Urteil. Der Versuch der Steuerhinterziehung ist selbst dann strafbar, wenn jemand in der Absicht der Hinterziehung eine bewußt unrichtige Steuererklärung abgibt, obwohl er gar nicht steuerpflichtig ist. Dieses Urteil des Bayerischen Obersten Landesgerichts teilt jetzt der Reichsminister der Finanzen seinem Bereich mit. In einer Steuererklärung für das Reichsnotopfer war eine Forderung von 5000 Mark verschwiegen worden. Das Landgericht nahm die Absicht der Steuerhinterziehung an. Es war nur ein Vermögen von 2300 Mark angegeben worden. Der Steuerpflichtige glaubte aber, daß nur 5000 Mark steuerfrei wären, während 25 000 Mark steuerfrei gewesen wären. Das Berufungsgericht erklärt, es stehe nichts im Wege, den Grundsatz der Strafbarkeit des Versuchs mit untauglichen Mitteln wie am untauglichen Objekt auf die versuchte Steuerhinterziehung anzuwenden. Der verbrecherische Vorsatz reiche zur Bestrafung hin. * ** Der Valuta starke Ausländer auf der Reichsbahn. Eine besonders bequeme Fahrt auf der Reichsbahn suchen sich neuerdings Reisende her höheren Wagenklassen, besonders aus dem valutastarken Ausland, dadurch zu sichern, daß sie behaupten, krank zu sein, mehrere Fahrkarten lösen und die entsprechende Zahl von Plätzen für sich in Anspruch nehmen. Auch bei Platzmangel verlangen sie, daß die bezahlten Plätze frei bleiben. Der Tarif gibt dazu aber kein Recht. Der Reichsverkehrsminister hat deshalb angeordnet, daß mit allen Mitteln dagegen eingeschritten wird. Es können mir ganze Abteile belegt werden, nicht aber mehrere Plätze durch eine Person. Für Kranke sind besondere Beförderungsarten vorgesehen. ** Zwetschen ausgekernt zu dörren ist noch wenig bekannt und doch spart man dadurch an Heizmaterial, weil die Zwet- schen, mit der runden Seite auf das Drahtgeflecht der Dörrhorden gelegt, eine größere Verdunstungsfläche haben als beim Dörren der geschlossenen Früchte. Bei Anwendung von zu großer Hitze würde natürlich der Saft anfangen zu brodeln und auslaufen, aber stellt man die Gasflammen klein genug — wie es ja überhaupt Vorschrift beim Dörren auf GaS ist —, so entsteht gedörrtes Obst, das im Geschmack mehr den frisch geschmorten Zwet- schen ähnelt als käuflichen oder im Backofen gedörrten Backpflaumen. Mm GaS zu sparen, dörrt man nur einige Stunden auf dem Gas, stellt dann die Horden kreuzweise übereinandergestellt beiseite, um sie nach einigen Stunden oder am nächsten Tag weiter zu dörren. Kreis Alsfeld. ♦ Alsfeld, 29. Sept. Die Stadtverord- neten-Dersammlung hat in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, die Iagdpachtpreise der Geldentwertung entsprechend zu erhöhen, wozu die neue Reichs-Pachtschuhordnung die Möglichkeit bietet. Der neue Preis soll das Zehnfache des seitherigen Satzes ausmachen. Die Erhöhung gilt mit rückwirkender Kraft für 1922; am 1. Februar 1923 tritt Neuverpachtung der Jagden ein. Starkenburg und Rheinheffen. * Darmstadt, 29. Sept. Die Redaktion der „Darmstädter Zeitung" ist in das Gebäude des Ministeriums des Innern verlegt worden. Die Räume befinden sich im Erdgeschoß des linken Seitenflügels. Kirche ixnb Schule. Tagegelder und Reisekosten der Kirchenvorstandspersonen und Kirchenrechner. Das Ministerium des Innern hat folgende Bestimmungen erlassen: Einen Anspruch auf Tagegelder und Rrise- kosten haben Kirchenvorstandsmitglieder bei dann der Fischpastete beifügte. Die Fasane war Trinas Spezialität, und der General erhob sich, um ein Glas Burgunder auf das Wohl Trinas zu leeren, die mit den Schüsseln den Tisch umkreiste. Darüber war Trina so gerührt, daß sie in Tränen ausbrach und sich erst beruhigte, als der Kaffee auf dem Tisch stand. Man hatte das Lieburtstagskind, die liebenswürdige Hausherrin und den guten Rheinwein hochleben lassen. Der General, er begann schon stark zu werden, in seinem Frack mit dem strahlenden Iohanniter- orden, den er Liane zu Ehren angelegt, sah auf seinem, angestammten Platze obenan, daneben Frau von Herwegh, seine Freundin, die ewig Junge; strahlend, in ihrem schwarzen Spihen- kleid, das den weihen Hals und den Ansatz der blendenden Büste freilieh. Die ftischen Orchideen an der Brust waren ein Geschenk ihres anderen Nachbars. Doktor Rickert war immer galant. Er teilte seine Aufmerksamkeiten zwischen ihr und der blassen Liane, die in ihrem weihen, die .schlanken Glieder lose umraffenden Crepe- de-Cyine-Gewand und dem von einem mattblauen Band umwundenen rotblonden Kopf einer antiken griechischen Hetäre glich, die von dem Podest eines Museums gestiegen war. Tante Betty hatte über ihrem taubengrauen Kleid, „das norddeutsche Offiziersdamenkleid", das alte köstliche Mechelner Fichu drapiert, das sie in ihrem Testament Liane versprochen hatte. „Nehmen Sie nur mein Fichu in acht," ermahnte Liane sie jedesmal. Fräulein Schmidt in einem schmelzbestickten nagelneuen grünen Taftkleid, „von der Mnver- zagt — die Rechnung hab' ich noch nicht aufgemacht", sah zwischen ihrem Liebling Ernst und ihrem Schmerzenstnid, dem Summet. Sie hatte einen unruhigen Platz, einer von beiden war immer unterwegs, um etwas herbeizuholem was. -Anzeiger für Oberhessen) Ti--rrai rim i ■■■!■■■ »■■imi iwi mii Dienstgeschäften außerhalb des Kirchspiels, Kirchenrechner bei Dienstgeschäften, die aus)eryalb der Gemarkung ihres Wohnorts vorgenommen werden. Das Tagegeld beträgt bei einer Dauer des Dienstgeschäfts (einschliehlich des Hin- und Rückwegs) bis zu 3 Stunden — 10 Mk., von mehr als 3 bis zu 8 Stunden — 40 Mk., von metyr als 8 Stunden = 60 Mk. Erfordert das Dienstgeschäft einen Zeitaufwand von mehr als einem Tage, so werden im Falle auswärtiger Mebernachtung für jede llleber- nachtung 60 Ntk. vergütet. Für die Vornahme verschiedenartiger Geschäfte an einem und demselben Tage kann nur einfaches Tagegeld gerechnet werden. Das Tagegeld ist auf die einzelnen Dienstgeschäste im Verhältnis des Zeitaufwandes zu verteilen, falls es zu Lasten verschiedener Kassen zu verrechnen ist. Als Reisekostenvergütung können für jeden angefangenen Kilometer der kürzesten Straßen- entfernung des Gefchäftsorts vom Wohnort 1 Mk. angefetji werden. Hierbei werden Hin- und Rückweg je besonders gerechnet. Soweit Gisenbähn- oder Dampfschiff- oder Postverbindungen vorhanden sind und deren Benützung dienstliche Gründe nicht entgegenste'hen, fällt die obige Reisevergütung weg, und es werden dafür die wirklich aufgewendeten Auslagen für die Eisenbahn-, Dampfschiff- oder Postfahrt erseht. Bei Gisenbahnsahrten soll die 3. Wagen- klasse benutzt werden. Die Benutzung einer 'höheren Wagenklasse ist im Tagegelbverzeichnis zu begründen. In einzelnen und außergewöhnlichen Fällen kann das Kreisamt auf Antrag des Kirchenvor- standes Tagegelder, MebernachtungSgebühr und Reisekostenvergütung nach höheren Sätzen genehmigen. Das Ministerium setzt voraus, daß Reisen möglichst vermieden und auf solche Geschäfte beschränkt werden, die sich durch schriftlichen Verkehr nicht erledigen lassen. Schöffengericht. Gießen, 26. September. Ein Schütze des hiesigen Regiments entfernte sich im August l. Is. von der Truppe in der Absicht, nicht mehr zu ihr zurückzukehren. Nach einigen Tagen tourbe es ihm jedoch klar, daß er mit seinen Militärileidem nicht weit kommen würde, weshalb er sich freiwlllig bei dem Regiment stellte. Wegen Fahnenflucht und 11 n- terschlagung einer Reihe von militärischen Dienst gegenständen erhielt er eine Gesamtgefängnisstrafe von 3 Monaten 2 Wochen. Wegen Beleidigung eines Landwirts von Oppenrod wurde ein anderer Ganitoirt von da zu drei Geldstrafen von zusammen 250 Mark verurteilt. Seine Tochter erhielt wegen Beleidigung desselben Landwirtes eine Geldstrafe von 5 0 Mark, während letzterer auf ihre Widerklage hin wegen Beleidigung die gleiche Strafe zu zahlen hat. Ein Hüttenarbeiter von Wißmar hat ohne jede Veranlassung einem Marrne von Allendorf a. d. Lda. in der Nähe von Mainzlar auf offener Straße mit der Faust zwei heftige Schläge in das Gesicht verseht. Heute bedauert er fein Verhalten, zahlt eine Buße von 50 Mark zugunsten der Ortsarmen von Allendorf und übernimmt sämtliche Kosten. Erne Frau von hier ist der wörtllchen und tätlichen Beleidigung der Ehefrau eines Schaffners angeklagt. Auch diese Sache wurde dahin verglichen, daß die Angeklagte ihre Tat bedauert und die Kosten des Verfahrens zahlt. Wegen Mißhandlung einer Witwe von hier wurde ein Kaufmann zu einer Geldst rafe von 200 Mark und zur Zahlung einer Buße von 190 Mark verurteilt. Erregt über eine beleidigende Aeußerung der Witwe gegenüber seiner Ehefrau hatte er der ersteren eine so heftige Ohrfeige verseht, daß sie ohnmächtig zu Boden fiel, aus Mund und Nase blutete und von Sanitätern in ihre Wohnung verbracht werden mußte, wo sie noch bis gegen Abend bewußtlos lag. Später verlor sie infolge der Mißhandlung noch einen Zahn. Ein Metallarbeiter von Heuchelheim wurde wegen Beleidigung eines dortigen Lagerarbeiters und dessen Ehefrau zu einer G e l d- strafe von 100 Mark verurteilt. Schlichtungsausschutz der Provinz Oberheffen. Verhandlung vom 2 8. September. Der Arbeitgeberverband für Handel und Gewerbe und die Vereinigten Fuhrwerksbesitzer in Gießen sollen vom Trina vergessen hatte, an solchen Tagen war Trina immer sehr aufgeregt Ihr Geburtstagsgeschenk, ein Zigarrenetui „vom ,Melh am Kurhaus", ging von Hand zu Hand und wurde gebührend bewundert Nur Liane fand das silberne Krönchen zu groß. Aber Liane hatte ja Immer etwas an den Geschenken anderer auszusehen. Der schöne Lutz goß den Wein ein und sorgte für die Zigaretten. Die Hängelampe unter dem Stecknadelschirm strahlte über eine vergnügte Tafelrunde, ein Slimwengewirr erfüllte das warme Zimmer, daß man glauben konnte, es fände eine Versteigerung hier flatt. Draußen quoll der Rheinnebel, ein trüber Novembertag ging feinem Ende entgegen. Drinnen war es warm und blühten Maiglöckchen in großen Iardinieren zwischen Torten und Weintraubenpyramlden, und Trina trug von Zeit zu Zeit eine frische Ladung Kuchen hinein. Man war beim Kaffee und den Kartenkunststücken, einer Spezialität Doktor Rickerts. Das Streichholzrätsel, das er schon zum drittenmal der staunenden Tafelrunde aufgab, hatte noch keine Lösung gefunden. Frau von Herwegh war eben dabei; umstanden von ihren drei Söhnen, schob sie die Hölzchen eifrig hin und her. „Du mußt das erste gleich nach rechts legen, Mama," sagte Lutz, der den Rauch seiner Zigarette über ihren Kopf wegblies. „Du machst es immer falsch," und er griff ihr über die Schulter. „Gott, ich bin doch schon vor dir auf der Welt gewesen," sagte sie ärgerlich, und warf alles wieder durcheinander. Der Lümmel, der „die Kniffe" natürlich längst heraus hatte, kniff das linke Auge zu: „Nur Mut, Mama." In solchen Taschenkunst- flücfen war er stärker wie in lateinischen Aufsätzen. Sogar die erhabene Liane war aufqeflanben, um der unerklärlichen Lösung beizuwohnen. Der General ver^uchch es wtter. dem Beistand Iwtt Samstag, 30. September 1922 1. Oktober 1922 an folgende Transportarbeiterwochenlohne zahlen: den Kraftfahrern 3400 Mk. (statt bisher, seit dem 15. 9. 22 2270 Mk.), den Fuhrleuten Über 21 Jahre 3300 Mark (2190 Mk.), den Lagerarbeitern über 23 I. 3200 Mk. (2140 Mk.) und den Arbeiterinnen über 23 I. 2500 Mk. (1420) Mk.). Dem Deutschen Holzarbeiterver- banb und dem Arbeitgeberverband für Lahngau und Ober Hessen schlug der Schlichtungsausschuh für die Zett vom 16. bis 30. 9. 22 eine Erhöhung der Löhne der Säge- Werksarbeiter um 15 v. H. vor. Der Holzarbeiterverband hatte in der Spitze 25 Mk. Stundenlohnzulage gefordert, der Arbeitgeberverband aber eine Lohnerhöhung für die zweite Hälfte des September abgelehnt. Nach dem heutigen Schiedsspruch kommt der Maschinenarbeiter über 25 Jahre in Ortsklasse 3 auf 53,08 Mk. Stundenlohn. Der Schlichtungsausschuh gab den Streitteilen auf, über die Lohnregelung ab 1. 10. 1922 alsbald miteinander zu verhandeln. Für die Arbeiter der W. Gailschen Tonwerke in Giehen und der Tonwerke Abendstern bei Heuchelheim und Htitten- be r g bei Leihgestern forderte der Fabrikarbeiter- Derbanb für die Zeit vom 17. bis 30. 9. 22 eine Erhöhung der Stundenlöhne um 20 Mk. in der Spitze. Die Arbeitgeber wollten die Löhne aber für die zweite Hälfte des September nicht erhöhen. Der Schllchtungsausschuh bewilligte eine Erhöhung des Stundenlohnes der Detriebsarbeiter über 21 Jahre von bisher 57,90 Mk. auf 60,50 Mark und der übrigen Löhne im gleichen Verhältnis vom 25. 9. 22 an und gab auch hier den Streitteilen alsbaldige Verhandlung über die Lohnregelung ab 1. 10. 22 auf. In diesen drei Gesamtstreitigkeiten erhielten die Streitteile eine Woche Frist zur Erklärung über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches. Ohne öffentliche Verhandlung durch Vereinbarung erledigten die Streitteile die Lohnstreit- fache des Fabrikarbeiterverbandes mtt der Z a h n- fabrif „Germania" in Bad-Nauheim und die des Zentralverbandes der Bäcker mit den (Bäderinnungen Gießen und Bad- Nauheim. Der Arbeiterrat der Buderusschen Eisenwerke in Hirzenhain erhob nach dem Detriebsrätegesetz Einspruch gegen die fristlose Entlassung eines Formers aus Anlaß einer Streitigkeit zwischen Arbeitern im Betrieb, beantragte aber, das Schlichtungsverfahren zunächst auszusehen, denn er wolle erst eine gerichtliche Entscheidung über die Berechtigung der fristlosen Entlassung herbeiführen. Der Schlichtungs- ausschuh entsprach dem Aussehungsantrag gemäß der Vorschrift des § 86 Abs. 2 des Betriebsrätegesetzes. Mus dem Aurlsverikündigungsblalt. ** Das AmtSverkündigungS« blatt Nr. 102 vom 29. September enthält: Die Hufschmiede. — Gebühren der Schornsteinfeger. — Tagegelder und Reisekosten der Kirchenvorstandspersonen und Kirchenrechner — Jahresberichte der Gelverbeaufstchtsbeam- tcn. — Aenderung und Erweiterung des Anschlußgleises der Firma Dänninger. — Herbst- Versammlung des Vereins beeidigter Fleischbeschauer deS Kreises Gießen. — ErwerbS- lvsenfürsorge. — Dienstnachrichten. — Gefunden, verloren. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 1. Oktober: Tannhäuser. Montag, 2.: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag, 3.: Figaros Hochzeit. Mittwoch, 4.: Der fliegende Holländer. Donnerstag, 5.: Die Jüdin. Freitag, 6.: Die Braut des Lucullus. Samstag, 7.: Einmaliges Gastspiel der Primaballerina Illeana Leonidoff-Massera von der Mailänder Scala mit ihrem Ensemble. Somttag, 8.: Die Meistersinger von Nürnberg. Montag, 9.: Rigoletto. Dienstag, 10.: Die Braut des Lucullus Mittwoch, 11.: Doris Godunow. — Schauspielhaus. Sonntag, 1. Oktober: Die Weber. Montag, 2.: Der Richter von Zalamea. Dienstag, 3.: Gespenster. Mittwoch, 4.: Iphigenie auf Tauris (Schauspiel). Dormerstag, 5.: Die Weber. Freitag, 6.: Emilia Galotti. Samstag, 7.: Demetrius Hierauf: Wallensteins Lager. Sonntag, 8 , nachm. 31/2 Uhr: Alt-Heidelberg. Abends V/2 Ubr: Demetrius. Hierauf: Wallensteins Lager. Montag, 9.: Ein Sommernachtstraum. Dienstag, 10.: Di« Weber. Mittwoch, 11.: Emilia Galotti. Gattin, die ihm, durch die Lorgnette zuschauend, Ratschläge gab, die aber auch nichts nützten. Doktor Rickert war der Löwe des Tages, alles hatte sich um ihn geschart. Er sah lächelnd den anderen zu, wie sie sich mit heißen Köpfen bemühten, etwas herauszubringen, was doch so einfach war . . . wenn man es kannte. Plötzlich meinte Fräulein Schmidt, Ernst könnte doch mal was spielen. Ernst erhob sich berettwllligst, er hatte den ganzen Tag noch nicht viel gesagt, auf seinem verträumten Gesicht lag ein stilles Lächeln. Aber er ging nicht ans Klavier, sondern schlug an fein Glas . . . „Meine Damen und Herren." Die anderen horchten auf. „Gr will eine Red« halten! Still doch —“ „Ich will heute nicht vor mir, fonbern von der sprechen, der ich mein Leben verdanke." Frau von Herwegh blickte vor sich hin, sie war bewegt. Dieser Sohn, der ihr noch nie einen Kummer gemacht hatte, der ihr die Hände unter die Füße breitete und an dessen Persönlichkeit man eigentlich immer zuletzt dachte, weil er zu den Bescheidenen gehörte, dankte ihr heute. Für alles, was sie ihm gewesen unb noch sein würde. Er sprach von ihr, der er seine glücklichen, sorglosen Kindertage verdankte, von seinem Vater-, der das Geben so ernst genommen hatte, ein treuer, gewissenhafter Soldat, ein Preuße, pflichttreu bis zum letzten Atemzug. Die Generalin zog das Spitzentuch, Fräulein Schmidt blickte gerührt zu Ernst hin. Gr gllch ihrem ftühverstorbenen Verlobten, er verkörperte ihr Iugendideal und rief alle Gefühle in ihr wieder wach, die sie als junges Mädchen durchlebt, und jetzt, da er, straff aufgerichtet und mit leuchtenden Augen, aus seinem 11x1 innen Herzen Worte sprach, die seinen verehrten Eltern galten, dachte sie, das ist noch einer aus meiner Zeit. Die Neuen reden nur von sich. z - (Fortjetzung folgtd x (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Die Lage im Osten. London, 29. Sept. (WTB.) General Maurice drahtet der „Daily News" aus Konstantinopel, die Lage in Tfchanak werde ständig verwickelter. Immer mehr türkische Truppen überschritten die Grenze und stünden jetzt überall in Fühlung mit den britischen Truppen in einem Halbkreis mit einem Radius von etwa 10 Meilen, dessen Mittelpunkt Tschänak bilde. ES könne jetzt kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß diese Truppen auf Befehl von Smyrna handelten. Sie hätten Anweisung, so nahe wie möglich, an die englischen Truppen heranzugehen, ohne aber zu kämpfen. General Maurice wiederholt, daß die brittsche Lage in Tschanak, vom militärischen Standpunkt aus gesehen, sicher sei. Die Vertreibung der Türken aus der neutralen Zone würde jedoch äußerst gefährlich sein, schon aus militärischen Gründen. ES bleibe kein anderes Mittel übrig, als weitere alliierte diplomatische Derhand- lungen. Eine unverzügliche Aktion sei unbedingt notwendig, wenn der Friede gesichert werden solle. Die griechische Revolution habe eine neue Lage geschaffen, und die unruhige Lage in Ostthrazien sei ein angemessener Grund für die Zulassung türkischer Truppen in Trazien. Maurice ist der Meinung, daß der Krieg noch vermieden werden kann, wenn 'dem britischen Befehlshaber, General Harrington, gestattet wird, sofort mit Mustafa Kemal Abmachungen bezüglich der Ueber- Biichertisch. — Der blaue Teppich Roman von F. R. Nord. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) — Vor dem Krieg war Rußland der einzige Rivale Englands In der Ausbeutung noch ungenutzt gebliebener Erdschätze der gewallt;en Länderkomplexe Jnnerasiens. Das Aufbaumeu eines zu jedem Kampfmittel entschlossenen Willens gegen die Uebermacht der einander ent- gegenarbeitenden Großmächte ist der interessante Stoff von F. R. Nords neuem Romane Der blaue Teppich. Dieses legendäre Gewebe ist der Träger uralter, überkommener asiatischer Geheimweisheit, dem gläubiger Fatalismus die okkulte Kvaft zuspricht, die Völker Asiens unter der führenden Hand seines Besitzers zu einen. Aus diesem Grunde dient er als Symbol und Deckname für eine polittsche Verbindung, die, unter Leitung eines von den Engländern ver- folgten Mädchens stehend, der Minierarbeit englischen Beamten und Agenten entgegenzuwirken sucht. Neben dem Milerleben eines äußerst spannenden Geschehens übermittelt der Roman eine gründliche und auf Tatsachen beruhende Kenntnis von Land und Leuten Jnnerasiens. Handel. Berlin, 29. Sept. Börsen st immungS- bt I b. Die Devisenkurse neigten etwas zur Schwäche, behaupteten sich aber zunächst im offiziellen Verkehr. Der Dollar schwankte zwischen 1625 und 1550. Am Montanaktienmarkt gaben rheinische Kaufe den Anstoß zu einer sehr kräftigen Aufwärtsbewegung einzelner Hüttenpapiere. Die Führung hatten Phönix, für welche voraussichtliche hohe Dividende und angeblich bevorstehende Kapitalserhöhung anregten. Das Papier gewann über 500 Prozent. Eine leichte Steigerung erfuhren Hösch-Aktien, während Harpener 250, Deutsch-Luxemburger 110 Prvz., Bochumer 140, Riebeck Montan 225 Prvz. gewannen. Sonst war die Kursbewegung auf dem übrigen 3n- dustrieak!ienmarkt nicht gleichmäßig. Besserungen und Rückgänge mäßigen Umfanges hielten sich allgemein die Wage. Hervorzuheben ist aber die Steigerung von 100 Proz. bei Anglo Continental Guano und noch 1100 Proz. für Norddeutsche Wolle. Andere Textilwerte waren gleichfalls stark begehrt. Hammersen stellten sich um 150 Prozent höher. Für Stöhr & Co kam ein amtlicher Kurs wegen zu großer Nachfrage bei mangelndem Angebot nicht zustande. Ziemlich lebhaft ging es auch am Schiffahrtsaktienmarkte bei schwankenden Kursen zu. Dankwerte behaupteten ungefähr ihren KuiSstand. Dalutapapiere hatten keine gleichmäßige Kursbewegung. Türkische Anleihen gaben weiter nach. Oesterreichische Goldrente fetzte ie Aufwärtsbewcgung fort. Inländische Anleihen erfuhren nur wenig erhebliche Aenderungen. — Gegen Schluß des offiziellen Verkehrs erfuhren am Montanaktienmarkt bei lebhaften Umsätzen die Papiere eine weitere stürmische Aufwärts- bewequng unter Führung von Phönixaktien, die den Kurs von 4100 erreichten. Rheinstahl schlossen sich kräftig an. Auch Schiffahrtsaktien waren stark begehrt, namentlich Hainburg-Paketfahrt. Ferner stellten sich Petroleumwerte und einzelne Kolonialpapiere wesentlich höher, während anbei"e Kolonialpapiere wie Pomona nichtiger waren. Frankfurt a. M., 29. Sept. Börsenslim m u n g S b i l d Dollarkurs im Frühverlehr 1660—1640, im Verlaufe 1620. Die Umfätjc in ausländischen Zahlungsmitteln waren heute nicht groß: die Stimmung war schwächer. Am Gffekten- l markt war die Grundstimmung uneinheitlich, das ■ Geschäft gegenüber den Vortagen ruhiger. Cber- ik"schlesische Werte neigten zur Mschwächung. Gelsenkirchen, Phönix fest. Autoaktien unterlagen v gleichfalls Schwankungen. Die führenden Papiere der chemischen 3ndustrie wiesen Kursabschwächungen von 50—30 Prozent auf. Besser gehalten waren Anilinwerte. Am Markt der Elektrizitätswerte vollzog sich die Kursbewegung nicht einheitlich. Niedriger waren QL G. G., Siemens u. Halske, Schuckert. Bei den Bankaktien waren die Veränderungen nicht erheblich. Metallbank büßte 10 Prozent ein. Otavi-Mienen 6900, Türkenwerte schwächer, fest lagen 5prozen!ige Bulgaren. Wegen Schwierigkeiten In der Limiterneuerung wird die Frankfurter Börse am Montag, 2. Oft, geschlossen. Devisen und Noten toerben notiert Dollarnotierung um 1 Uhr: 1630. Marktkotierungen. Datum: 1.7.14. 28.9. 29. 9. Zürich Fr. 125.40 -,32 -.33 Amsterdam Fl. 59.20 -.15 -.16 Kopenhagen Kr. 88.80 -,31 -.32 Stockholm Kr 88.80 -,23 -.25 Wien Kr. 117.80 Prag Kr. 117.80 London Sh. 97.80 0,024 0,027 Neuyvrk r 23.80 -.06 0.06 Paris. ........ Fr. 125.40 0,80 0.80 Frankfurt a. M. Schlub- tiurs Datum: S°/o Disch. NetchSanlethe 4% Dergleichen 3'/»% Dergleichen 3"/n Dergleichen Dtscb.Svar-Bräm.-Anl. 4'7, Preußische KonsolS 4°/0 Hessen 3*/«e/o Hessen 37o Hessen Berlin Schluß. Schluß. Äurs Muts fturs 28.9. 29.9. 28.9. 29.9. 77,50 77,50 77,50 77,50 200,- 195,- 200,- 200,- 110,— 115,- 115,- 108,— 380,- 362,- 385,— 376,- 79,50 80,- 79,30 79,30 86,- 87,50 85,- 82,- 73,50 74,- 73^0 73,50 -,- 67,- -,- 67,- 66,— 67,- 66- 4% Holltürken .... -,- 1090,- 1200,- 1055,- 5% Goldmerikaner . 21200,- 21300,- 21300,- Berliner HandelSges. . 1550,— 1550,— 1500,— 1550.— Commerz u. Privatbk. 825. 325,— 320,— 322,— Darmü.u.Nationalbank 307,— 305,— 312,— 312,— Deutsche Bank 615,— 625,— 610,— 625,— Deutsche Bereinöbank. 212,— 212,— —,— — ,— DiSconto Coinniandit . 420,— 425,— 435,— 425,— Metallbank 1220,- 1240,- -,- -,- Miueldent. Creditbank 310,- 312,- 310,- 316,- Oesterr. Creditanstalt. 324,- 305,- 31t- 805,- Bochumer Guß -,- 2470,- 2575,- 2600,- Buderus 1368,- 1390,- 1350,- 1400,- Caro 1170,- 1175,- 1075,- 1130.- Deuisch-Luremburg. . . 2475,- 2625,- 2500,— 2500,— Gelsenkirchener Bergw. 2550,— 2750.— 2700,— 2770,— Harvener Bergbau. . . 5240,— 5490,— 5150,— 5270,— Kaliwerk Aschersleben. 1780,- 1780,- 1768,- 1700,- Kaliwerk Wesicreg-ln . 2245,— 2200,— ——,— Vaurabütte 3850,— 3700,— —!M0,— Oberbedarf 1520,- 1530,— 1500,— 1575,- Pbönir Bergbau 3250,- 3750,- 3300- 3775,- Nheinstahl 1350,- 2700,- 2405,- Ntebeck Montan .... 3025,- 2875,- 8100,- TelluS Bergbau 997,- 958,- -,- -,- Hamburg-Amer. Paket 790,— 835,— 780,— 890,— Norddeutscher Lloyd. . 542,- 555,- 540,- 547,- ZementiverkHeidelberg 1198,— 1185,— —,— —,— Philipp Holzmann . . . 700,— 690,— 790,— —,— Anglo-Cont-ttluano. . . —,— 2975,— 2785,— 2875.— Badische Anilin 1649,- 1645,- 1654,- 1655,- Ot'ldschmidl 1370,- 1350,- 1375- 1400,- C4rievbeliner Clectron. 1287,50 1295,- 1265,- 1295,- Hochsier Anrluverfe . 1270,— 1280,— 1294,— 1299,— Holzverkohlung 1002,— 995,— —,— —,— 9lütgerStverke 964,— 960,— 950,— 950,— Lcheideanstalt 1638,— 1600,— —,— AIlg. ClektrizilätS-Ges. —,— 820,- 835,— 835,— Bergmann 800,— 795,— 800,— 810,— schlickert 1250,— 1235,— 1230,- 1285,- 2iemenü L HalSke. 1920,- 1920,- 1890,- 1900,- Adlerwerke Kleyer. . . 500,— 495,— 51t— Daimler Motoren.... 525,— 530,— 517,50 Heyltgenstaedt 1050,— 1040,- —,— Meguin —,— 1100,— 1150,— Metallges. Frankfurt. . —,— 1815,— —,— Schuhfabrik Herz.... 550,— 570,— —,— Sichel 598,- 600,- Nell stoss Waldhof .... 975,- 975,- 960,- Huckersabr.r>rankenthal 948,— 950,— —,— Zuckerfabrik Waghäusel 948,— 938,— —,— 945, 524, 545,- Derliner Devisemuartt. Geld Brief Geld Brief Datum: 28. September 29. September Brüssel-Antw. 11785,2511814,75 11635,40 11664,60 Christiania ' 28614,15 28685,85 27989,95 28060,05 Kopenhagen ’ ' 34406 90 34493,10 33587,95 33672,05 Stockholm ' . 43845.10 43954,60 42946,25 43053,75 HelstngforS ' ' 3745,30 3754,70 3625,45 3634,55 Italien .... 6991,25 7008.75 6881,35 6898,65 London 7415,70 7434,30 7220,95 7239,05 Aeuyork. ... 1665,41 1669,59 1627,96 1632,04 Paris 12559,25 12590,75 12359,05 12390,50 Schweiz 30861,35 30938,65 30486,80 30563,20 Spanien 25068,60 25131,40 24569,25 24630,75 Deutsch-Oestett. 2,13 2,17 2,13 2,17 Prag . 5228,45 5241,55 5003,70 5016,30 Budapest . . . . 63,92 63,08 Buenos Aire». 592,25 593,75 579,75 581,25 Bulgarien ... —,— —988,75 991,25 Japan 789,- 791,- 781,- 783,- Rio de Janeiro 189,76 190,24 187,76 188,24 Züricher Devisenmarkt. 29. 9. 30. 9. Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 51. =» 208.- 208.- Deutschland 100 All. -- 0.32 0.32 Wien 100 Kr. 0.0075 0.0076 Brag 100 Kr. ---- 16.50 16.60 ariS 100 Fr. = 40.55 <0.65 London 1 £ — 23.55 23.51 Stallen 100 L. - 22.65 22.75 Brüssel 100 Fr. = 38.40 38.20 Budapest 100 Kr. = 0.21 0.21 2leuyork 100 > --- 536.12 537.- Agram 100 Kr. = 1.85 1.85 Warschau 100 Kr. — 0.06 0,06 Mainzer Börse. ' Mainä, 29. Sept. Bei fester Tendenz aber ruhigem Geschäft, veranlaßt durch das Anziehen der Auslanddevisen, notierten auf der heutigen Börse per 100 Kilo locv Mainz: Weizen 6300 bis 6700, Roggen 5200—5800, alter Hafer 7000—7200, ffienci" Hafer 5200—5600, Braugerste 5600—6400, Weizenmehl Spez. 0 10 500—10 900, Roggenmehl 7800—8200, La Plata-Mais 7000, Mix^-Mais 6200, Weizenkleie 3400—3500, Roggenlleie 3400 bis 3500, Weizenfutterme'hl 4400—4500, Trocken» schnitzel 3800, Torfmelasfe 1900—2000, Luzerne 38 000-45 000, ital. Rotll.e 45 000—50 0C0, Esparsette 12 000—14 000, Wlesenden, lose, 2200, Wie- senheu, gepreßt, 2500—2700, Kleeheu 2200 Haser- stroh 1650—1700, Rrggenstroh, geb., 1700, Roggenstroh, drahtgepr., 2200, Kartoffeln, weiß, 825, Kartoffeln, gelb, 850, weihe Bvhnen 10 000 bis 10 500, ungeschälte Erbsen 12 000, Linsen 16 000 bis 16 500, Burma-Reis II. 10 500, Graupen 12 000, Auslandzucker 17 000. Berliner Produktemnartt. Berlin, 29. Sept. Am Produktemnartt war die Haltung schwächer, ba sich zu gestiegenen MaiSpreisen bte Kauflust zurückgezogen hatte und vermehrtes Angebot herauskam. Die Ermäßigung der Devisenpreis« trug bazu bei. Für Roggen waren die gestrigen Preise nicht mehr zu erzielen. Für September Neuerung bestaub aber für alle Artikel noch Nachfrage. Weizen wurde zu etwas ermäßigten Preisen mir wenig umgeseht. Bon Gerste behaupteten sich gute Qualitäten, Hafer hatte st illeres Geschäft, das Snlandange- bot blieb sehr Mäßig. Mehl war sehr ruhig. Für Erbsen und Oetfaaten ist das Geschäft stiller geworden. Die Preise für Futterartikel neigten zur Abschwächung. — Weizen, märkischen, 3350 bis 3450 Mk. (etwas matter), Roggen, märkischen, 3000—3050 Mk., mecklenburgischen 3025 Mk. (matter), westpreuhischen 2950—2975 Mk-, Sommergerste 3200-3250 Mk.. Wintergerste 2900—3000 Mark (behauptet), Hafer, märkischen, 3400—3500 Mark (ruhig), Mais, La Plata, loco Berlin 3350 bis 3400 Mk. (matter), Weizenmehl (100 Kg.) 9100—10 000 Mk. (ruhig), Roqgenmehl (100 Kg.) 7600—8200 Mk. (behauptet), Weizenkleie 1900 Mk. (behauptet), Roggenlleie 1900—1950 Mk. (behauptet), Raps 4500 Mk. (fest), Biktoriaerbsen 5700 bis 5900 Mk., kleine Erbsen 4400—4700 Mk., Futtererbsen 3100-3300 Mk., Peluschken 2900 bis 3100 Mk., Ackerbohnen 2900—3100 Mk., Wicken 3500—3800 Mk., Lupinen, blau 1900 bis 2200 Mk.. gelb 2200—2400 Mk., Rapskuchen 2000 bis 2200 Mk., Leinkuchen 3200—<3300 Mk., Trockenschnitzel 1850—1900 Mk., Kartoffeln (weiße u. rote) 310-320 Mk.. gelbe 340—360 Mk. Rauhfutter: Weizen- und Roggenstroh, drahtgeb. 900—950 Mark, Haferstroh, drahtgepreßt 900—950 Mk., Stroh, strohseilgcbündelt 900—950 Mk., Wiesenheu, gut, gesund und trocken, Bormahd 620 bis 670 Mb, Nachmahd 550—620 Mk. setzung der Türken nach Thrazien zu treffen, im Austausch gegen einen türlischen Rückzug aus der neutralen Zone. Dies fei eine Frage von äußerster Dringlichkeit. London, 29. Sept. (WTD.) Die gesamte Morgenpressc weist auf den großen Ernst der Lage im 27 ah en Osten hin. Die „Times" schreibt, die vier bis fünf Mini- sterkvnferenzen, die unter Teilnahme der militärischen Berater der Regierung innerhalb der letzten 48 Stunden stattg'efunden hätten, seien ein genügender Beweis für die Schwierigkeit der Lage im Rahen Osten. Alle äußeren 2ln- zeichen deuteten darauf hin, daß die Lage, wie sie die Regierung sehe, viel schärfer sei als das große Publikum denke. — „Daily News" meldet, daß die Minister gestern so gut wie den ganzen Tag mit K o n f e r e n z e n in der Downing Stteet verbracht hätten. Die Lage im Nahen Osten werde als bedrohlich angesehen. L o n d o n, 29. Sept. (WTB.) Reuter erfährt, daß nach einer durch den nationalistischen Bertteter in Konstantinopel empfangenen Information Mustafa Kemal Pa- s ch a sich auf dem Wege nach Angora befinde, um die Note der Alliierten persönlich der Nationalversammlung zu unterbreiten. Unter bieten Umständen sei es unwahrscheinlich, daß irgendeine Antwort vor nächster Woche ein- tteffe. Eine neue deutschfeindliche Propagandarebe Poincares. Pari«, 28. Sept. Havas. Bei einem Festessen zu Ehren elsaß-lothringischer Journalisten hielt Ministerpräsibent P o i n - ca r 6 eine Rebe, in bet er u. a. sagte: Wie unrecht hat Deutschlanb, daß eS fortfährt, bte Geschichte zu entstellen und dem Augenschein zum Trotz zu behaupten, daß imfere beiden Provinzen deutsches Land seien! Vergebens versteift es sich daraus, in der ganzen Welt, besonders in London unb Südamerika, Broschüren und Flugschriften zu verbreiten, um den Glauben zu erwecken, daß seit dem Friedensschluß noch eine internationale elsaß-lothringische Frage bestehe. Vergebens hat Deutschlanb ror einigen Monaten in Württemberg eine sogenannte Vereinigung ber ausgewiesenen Elsässer unb Lothringer gegrünbet, die, wie sie sich schon denken können, nur Württemberger umfaßt. Vergebens versammelt es in Bremen oder ’m Heidelberg ehemalige Studenten der Universität Straßburg, die sich ebenfalls Elsässer und Lothringer nennen, und die in Wirllichkell alte deutsche Studenten sind. Vergebens ermutigt es auf feinem Gebiet die Bildung von Gruppen, die sich den CRamen Vollzugsausschüsse der Republik Elsaß-Lothringen geben. Diese Kundgebungen sind ebenso kindisch wie unpassend. Wenn Deutschland tatsächlich einen Beweis ipazifistischer 2£b- sichten geben, unser 2krtraucn genießen und mit uns gutnachbarlicye Beziehungen Herstellen wollte, so würde es sich loyaler llveise mit einer Rückerstattung abfmden, die rricht wie seinerzeit der begangene lllaub em Akt der Gewalt, sondern em Werk der Gerechtigkeit war. Es würde dann darauf vernichten, den unabänderlichen Willen der beiden Prvvttrzen cmzuzweifeln. Dieser Wille bleibt so, wie er sich in den unvergeßlichen Tagen des JahreS 1918 gezeigt hat unb bei den Kanton-, Deputierten- und Senatswahlen, sowie unter allen Umständen, wo er Gelegenheit hatte, sich ttmdzutun. 3m wetteren Verlauf seiner Rede wies Poincars darauf hin, daß während des Krieges bzw. während der Dauer der Feindseligkeiten insgesamt 20 000 Elsässer und Lothringer, die die deu^che Staatsangehörigkeit besessen hätten, ins französische Heer cingetreten seien. Davon seien 8000 aus bem Schlachtfeld gefallen. Der deutschen Propaganda werde es nicht gelingen, die Stimmen, die aus diesen 8000 Gräbern hervordrängen, zu ersticken. Liebe grau Lehmann! Wie bringen Sie eS fertig, tron bet teuren Stoffe sich unb Ihre Kinder immer so elegant zu flelben1? 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Auch von diesem neusten Werk Alfred Bocks gilt, was der „Kunstwort" vor einigen Fahren in die Worte kleidete: es sei aufs innigste zu wünschen, daß die Bücher Alfted Docks recht tief ins Volk eindrängen. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Verlagsbuchhandlung von).). Weber in Leipzig. in alter bewährter Güte! geeignet für alle Arten von Wäsche. in Originalpackung! , auch) der oltoev/äfirten „HENKO“ (Henkels Wasch- und Blelcbi• Social iä*«-»?« st- Ond 90 "i,r LiBK D3ni Düngekalk gemahlen und in Stücken, in Waggon- ladungen und in kl. Meng.lieferl prompt Carl Haas .Inn., Gießen, Frankfurier Strafie 59. Telephon 1682. ,,Mc Asthma k.i.etwal5Woch. ge beiltw.Sprech,'t.d.n. mein. Verfahr, fach!. geb.Arzt.in Gießen. Babnbofsbot.Lenz jed Montag v. 10—1 Uhr Dr.meiLAllert* Berlin Sw 11, Spe*.- Arrt Iftr Astbmaioii. Gletchzeiiig suchen wir zum Aufkauf der Fläckse zuverlässige Ventc gegen Hobe Provision oder feste Rechnung. 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