Erstes Blatt 172. Zahrgang Srcitag, 30. Juni 1922 Die Ermittelung der Mörder R^henaus Hamburg. 29. Juni. (DTB I Die ftaat- geständig und gibt zu. mit dem Ende beginnen. liche Prcsscstcllle teilt zur Vorgeschichte der Ermittelung der Mörder Rathen aus die Vereinigten geständig und gibt zu. . __ _ , gewußt und bei der JKorbf gelenkt zu haben. ^cn Kraftwagen sein, was er ist, aber er hat einen Vorteil: Er ist da. Er ist ein französisches Gesetz und keine Regierung kann ihn abändern. 2£n dem Lage, an dem wir nicht ui^er Recht suchen würden, in welche gefährlichen Abenteuer tonnten wir dann hinLingezogen werden? Wenn wir anstelle eines Vertrages, den wir für unbefriedigt halten, einen anderen sehen, mühten wir uns mit allen Alliierten, ja sogar mit den feindlichen Rationen, Der» ständigen. Allein macht man keinen Vertrag. 2Tber eventuelle Sanktionen könnten die Frage auch nicht vollkommen lösen. Wir haben sofort Geld nötig. Wir sind gezwungen, die Reparationen in Ra. u ra, also die Sachlieferungen, zu entwickeln und die deutschen Arbeiter nutzbar zu verwenden. - Poincar6 spricht alsdann von der internationalen Anleihe, die in Wirklichkeit eine deutsche Anleihe ist, die auf den auswärtigen Märkten realifiert werde. Die jetzige französische Regierung sei Anhänger davon, aber man müsse den richtigen Augenblick wählen. Die Bankiers, gestützt aus ihre Regierungen, hätten von der Reparatiotrskommistivn und von ?zrank- reich verlangt, den Plan einer neuen Anleihe studieren zu können. Tem^rbe Frankreich zugestimmt, aber es hätte die Initiative nicht ergriffen, weil es den Augenblick nicht für günstig gehalten habe. Er fei der Ansicht, bah man Derfrü^t gehandelt habe. Bevor man eine Anleihe ins Auge fasse, mühten die deutschen Finanzen sich gebessert haben. Sn diesem Augenblick ständen sie sehr schlecht. Deutschland' aber sei ein fleihiges Land, das sich gewist wieder erheben werde. Aber schon jetzt eine An leihe aufzulegen. krscheinl täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit berSamstagsbeilage: DiehenerFamilienblätter Monatliche Bejugspreife: Mü. 20.— und Mk. 2.— Trägerlohn,durch dicPost JJlk.22.—, auch bei Nicht- erscheinen einzeln:r Nummern infolge höherer Gewalt. - Fern sprech- Anschlüsse: fürdieSchrift. leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hiehe«. postscheclkonto: Frankfurt a. M. 11686. können das Wort aussprechen, das die Welt erwartet. Ich bitte Sie darum, bah Sie daS tun. Ministerpräsident Poincar6 ergreift das Wort und erklärt; Die Konferenz * a .a 9 ist wir eine Vereinigung von Sachverständigen. Sie trägt einen ausschliehlich technischen Charakter. Von ihr kann fein? Entschel- bung getrofsen werden. 'Das die Reparationen anbelangt, so sind wir an einem Wendepunkt a n g e k o m m e n. Jedenfalls befinden ü ir uns in einer delikaten Lage. Die Regierung üird zu verhindern suchen, dah das eine Sackgasse ist. Man nmh ins Auge fassen, welche Entscheidungen getroffen wurden und welche Enl- sch.idungen morgen getroffen werden müssen. Im vergangenen Stu;re haben wir uns an den Der- trag gehalten, aus dem wir das Teile betaue» tnüffen. Wir haben im C'uirerständnis mit unseren Alliierten die deutschen Schulden aus 132 Milliarden Coldmark festgesetzt Alsdann hat die Reparationskommission einen Zahlungsplan ausgestellt. Dieser Zäh.ungsplan ist als ein Rri- bchrls angesehen worden. Deutschland hatte ihn angenommen, nachdem man ihm ein -Ultimatum g-slellt hat, aber es hat versucht, ihn unausführbar zu machen. Deutschland hat Lre AusgaLen nicht herabgesetzt und sein Steuersystem nicht geändert. Es hat seine Inflution vermehrt und Sie Repura- tionSkommission hat ihm bis 31. Dezember unter bec ausdrücklichen Reserve der Einrichtung einer Finanzkontrolle ein Moratorium g wührk. Dann sind die Bankiers zusammengetreten. Rach den Demarchen und Angeboten, wie sie die französische Regierung gemacht hatte, haben sie die Möglichkeit statuiert, die Reparationslrage zu regeln. Sie sind zu einer Konklusion gekommen, die den Wunsch verraten hat. eine neue Reduktion der deutschen Schuld ins Alge zu fassen. Dem hat die französische Regier.!ng nicht zugestimmt. Die Tr.nfie.rd sind aa6-?:n- andergcgagen. aber nicht ohne die HÄsuung, wieder znsmnme.iz »treten. Jetzt i st der G a - rantieausfch ist am Werk. Ministerpräsident Pmncartz erklärt, die M r - sere Deutschlands ser nur Fasiade. Die Entwertung der Mark fei weniger groß im Innern Dmitschlands als nitcrralb. Der L:bens- unterhalt in Deutschland sei weniger hock alS anderwärts. 'Die deutsche Industrie habe fuh wesentlich bereichert, ob?1 der »tzen sei ins 21 :?• land gegangen. Die deutschen Exporteure liehe" sich in ausländischen Devisen bezahlen, die sie trotz deS Verlangens L^r Reichs bank nicht m TCart umtaufchten. Sie liehen sie in ausländischen Banken liegen ober sie verwendeten sie zu Käufen. Diese Berechnung des deutschen Kaufmannes und der deutschen Industriellen kontra st iere mti der Lage des Mittelstandes und der Volksmasse. Die Presse hüte sich, diesen Zustand zu schildern. (Segen i i' Bestimmungen des Vertrages von Versailles verschludere Deutschland die Pfänder, die cS feinen Gtä i- bigern zugesprochen Hude. Es mache übertriebene Ausgaben, es baue und vermehre seine Handelsflotte. Das Reich tobe sich an diesem Ploternehmen mit Geld beteiligt. los es den Ai- liierten hätte geben können. Es hab? 18 Milliarden in dieses äf/rternehmen gesteckt Poincure fährt fort. Deutschland kaufe auch seine an England abgelieferten Schiffe wieder zurück und baue neue Schiffe in ungeheurer Menge. Ein Weltlauf der Tonnage habe begonnen. Die deutsche Handelsflotte nehme den dritten Platz in der Welt ein. Deutschland habe seinen Traum der wirtschaftlichen Hegemonie wieder aufgenommen. Auch die Eisenbahn mache übertriebene Ausgaben. Man gehe sogar so weit, dah man Linien baue, die einen strategischen Charakter hätten und für die Gefahr eines Krieges vom Generalstab vorgesehen gewesen seien. Diese Luxusausgaben könne man nicht dulden, es fef denn, da st Deutschland damit beginne, seine Schulden zu bezahlen. (Beifall.) Ohne Zweifel befinde sich Deutschland inmitten einer Finanzkrifis, die es übrigens durch fein Handeln selbst hervorgerufen habe. Aber es habe Kapitalien genug, die es an seine Gläubiger übertragen könne. Die deutsche Industrie habe im Jahre 1921 durchschnittlich 40 Prozent Dividende verteilt. Alle deutschen Industriellen hätten ein Interesse daran, dast die Mark niedrig bleibe. Aber ihr Vermögen werde dadurch nicht herabgesetzt, denn ein großer Teil desselben befinde sich im Auslande in Sicherheit. Wie könne man abhelfen? Man müsse gewisse Steuern für die Ausfuhr schaffen. Die Devisen, die Deutsche im Auslande aufgehäuft haben, mühten zu den Reparationszahlungen verwendet werden. Inzwischen müsse eine strenge Kontrolle über bic deutschen F i - nanzen aufgerichtet werden. Die Steuern wurden augenblicklich in Deutschland schlecht ein» getrieben. Wenn ein deuts cher Minister geneigt scheine, einen Teil der Reparationen zu bezahlen, bann lasse ihn eine geheime Organisation ermorden. Poincare fährt dann fort, die deutsche Regierung müsse also Mastnahmen ergreifen, und wenn die Reparationskommifflon eine freiwillige LASS . na® .«ox*’* o5nPer L. w : «lgksch« Lietter. tel w (DTR) «r v Elchen Arbeit«^ össn-t. Ss iWen ie habe nicht de« enDertragzuder' dbeMthabe,s-chbri Dermmdenwü * ihren lei- ES" .umstandene ^llli^, MMl ft 3b e wie du mit: Es ergab sich bei der Untersuchung in der Angelegenheit der Hamburger Sprengstoffatten- tatc der begründete Verdacht, dah die Täter einer politischenGeheimorganifation angehörten, die lich über das ganze Reich erstreckte. Die weiteren Rachforschungen verbreiteten auch Licht über die Vorbereitungen zur Ausführung der Ermordung Rathenaus. Die in bei Angele-en heil der Hamburger Sprengstofs- attentaic Festgenommenen gehörten einer in Gruppen gegliederten Abteilung an, die unter Führung des verhafteten Friedrich Warb ecke, eines früheren Offiziers, standen Unter den beschlagnahmten Papieren befand sich ein Brief Warneckes an den Kapitänleutnant von K i I (i n g e r. Die Buchstaben 2 MA, Brigade k, die auf einen beschlagnahmten Fahnenwimpel standen, deuteten aus die Brigade Ehrhardt hin und vcrstärkten die Annahme, dast es sich um Angehörige der Organisation C handelte. Tatsächlich war, wie ermittelt wurde, die Ab- lcili'ng Warnecke in die Organisation C. die sich in Provinzial- und Landesverbände ordnete, cingegliedert. Die Organisation oatte ein Spreng- und Mordlomm ando, das die Beseitigung politischer Persönlichleiten auszu- führen hatte. Diesem Kommando gehörten u. a. auch die vom Berliner Polizeipräsidium jetzt genannten Mörder Rathenaus an. Es war b c - absichtigt, etwa zwölf führende jüdische Persönlichleiten zu beseitigen, darunter Theodor Wolff vom „Berliner Tageblatt" und der Hamburger Bankier Mar Warburg. Die Untersuchung ergab, dast f ü r Dienstag abend ein Anschlag auf Warburg, der bei der Gründung des Heber seellubs sprechen sollt-- geplant war. Die Tiit- glie'ccr der Organisation verkehrten niemals schriftlich miteinander. Die Anlünbig-ing der Kuriere erfolgte durch fury Telegramme. Solche wurden bei ^varnrcke beschlagnahm« Als A'> sender eines dieser Telegramme wurde ein Mit alied der .^amburger Organi>ation, das bei ber Ablendung des TekegrammS sich in Berlin befand, ermittelt. Ferner wurde «estgeltellt, bah ber in der Hamburger Sprengstoff Angelegenheit scstgenommene Privatdetektiv Riedrig den Auftrag erhielt, das Automobil zu führen, das die Mörder Rathenaus benutzten. Riedrig war zur Besprechung der Einzelheiten der Tat nach Berlin geholt worden. Die Hamburger Polizei konnte die Pension ermitteln, in der seine Unter- redung mit den Tätern stattgefunden hat. Auch konnte sie feststellen, dast das Auto von auswärts geholt iverde-i sollte, und dah als Be- tvaffnung der Mörder Pistolen und zwei Maschinenpistolen vorgesehen waren. Die Dorhand- lung der Täter mit Riedrig zerschlugen sich, weil er leinen Führerschein besah. Es wurde ferner ermittelt, Last auch das Attentat auf Scheide- manu von den gleichen Kreisen ausgesuhrt war. Der Hamburger Polizeipräsident schickte am Dienstag einen Beamten nach Berlin, der die Berliner Polizeibehörden mit den Hamburger Ermittelungen belannt machte, die im Zusammenhang mit dem in Berlin vorliegenden Material zur Ermittelung der Persönlichkeiten der Mörder Rathenaus führten. Der verhaftete Dechow geständig. Berlin, 29. Juni. (WTB.) Der als Mittäter bei der Ermordung Rathenaus in Frage kommende Ernst Werner L e ch o lv ist bei der Abteilung la des Berliner «Polizeipräsidiums am Mittwoch und Donnerstag nachmittag einem erngeyenden Verhör unterzogen worden. Er ist im wesentlichen d« Kriegslasten für die Alliierten verlangen. 51m vie Priorität zu Gunsten des Wiederaufbaues durchzufiihren, müsse Frankreich das Beispiel des Wifgebens seiner Kriegsforderungen auherhalb derer, die es an Deutschland habe, geben. Das dürfe es im eigenen Intereffe, das dasselbe sei wie das europäische Interesse, tun. Die Verte i lu n g der Reparationszahlungeih Deutschlands beruhe aus falschen B e rechnungen. England habe in Wirklichkeit keine maritimen Schäden zu ersehen. Die 22 Prozent, die es erhalte, dienten ausschließlich als Pensionszahlungen Frankreich aber habe seinerzeit 29,c Prozent für Pensionen aufzuwenden, also nur 22 Prozent blieben für den Wiederaufbau. Der Senator bespricht alsdann die Frage der internationalen Anleihe. Frankreich fei diesem System nicht feindlich gesinnt, das die gesamte Welt interessiere. Die französische Regierung müsse einen Plan annehmen und zur Ausführung schreiten. Es müsse aus der Defensive heraus und sich erinnern, dast Krieg wie Frieden die Erfolge denen gebracht hätten, die die Initiative zu ergreifen verstehen. Francois Albert stellt fest, dast der (Zriedcnsvertrag von Versailles nicht den 'Bedingungen eines Krieges entspreche, der ohne Beispiel sei. Er habe austerordentlich verlängerte und ungeheurere Anstrengungen ersordert und eine Aufzehrung der Kräfte beansprucht, die ohne Beispiel in der Geschichte sei. Ehemals habe sich der Sieger auch bezahlt gemacht, aber der Sieger des Krieges habe dies nicht durchführen können. Der Fehler des Friedensvertrages von Versailles sei gewesen, die Reparationscnt- schädigungen könnten in einigen Jahren beglichen werden. Die Lösung dieser Frage sei der Reparationskommission für spater übertragen worden iml> daraus erkläre sich auch der Aufschub für den Wiederaufbau Europas. Wenn man verlange, dast man Rußland rette, so heiße das, einen Kranken zur Hilfe eines anderen Kranken zu schicken. Bevor man Rußland rette, müsse man sich selbst retten. Um das Reparationsproblem zu lösen, gebe es zwei Methoden. Das töte a t e t e zwischen Frankreich und Deutschland und die Anwendung internationaler Mittel. - Im tocitercn Verlauf seiner Rede sagte Senator Albert, das brutale tete a tetc zwischen Frankreich und Deutschland ziehe das Rehmen von Pfändern und die 'Besetzung nach sich. Es verstehe sich von selbst, dast es legitim sei, da es basiere auf den Versicherungen, die C-lemen- ceau gemacht wurden und die nicht gehalten worden seien. Diese Methode der Zwanqsmast- nahnren verstehen sich aber unter der ‘Sebi finnig, baß inan bereit sei, alsdann und sofort zu verhandeln, denn in zehn Jahren hätte Deutschland zum großen Teil seine Kraft wieder bekommen. „Entweder wir,gehen morgen nach.Berlin oder werden niemals Eingehen." Die zweite Methode sei die Politik der internationalen Ver- Handlungen über die französische Forderung. Das setze die Mitarbeit von Europa und der getarnten Welt, namentlich aber von QImerita voraus. Eine internationale Anleihe sei möglich, aber man müsse rasch fein. Zu Poincare gekehrt, sagte der Senator: Herr Ministerpräsident: Sie formen in dieser Stunde ine Entscheidung hepbeiführen. oic. der Lothringer, formen in dieser 2lngelegenheit viel unternehmen. Sie formen Frankreich alles sagen, Sie der deutschen Schulden ins Auge gefaßt. Das haben wir, so erklärt Poincarg, nicht annehmen können. (Lebhafter Beifall.) Wenn die Bankiers wüßten, dah man nach dieser Richtung stark bleiben must, dann würden sie die Lehre daraus zi'chm. Er glaube nicht, daß die Frage geschlossen sei. Man habe von der ßiquibierxng der interalliierten Schulden gesprochen. Er sei ein Anhänger davon unter der Bedingung, dast die Regelung allgemein sei, unb dah die Franzosen nicht allein die Kosten zu tragen hätten. «Lebhafter Beifall.) Seine Kriegsschulden werde Frankreich nicht verleugnen, aber es hänge von ihm nicht allein ab, zu einer allgemeinen Regelung zu schreiten. Die erste Mast- nähme, die ergriffen werden müsse, sei die Organisation der Kontrolle über die deutschen Finanzen. Entziehe sich dem Deutschland, dann gebe es einen Beweis seines schlechten Willens und die Alliierten müstten %u-- sammen oder getrennt die erforderlichen Mastnahmen ergreifen. Poincar6 schließt, die Frage, die jetzt gestellt fei, fei für Frankreich eine Frage auf £eben oder Tod. zraickreich wolle leben und wünsche den Ruin von niemanbem. Es könne aber nicht dulden, dah Deutschland sich auf seine Kosten bereichere.' Wenn man die Welt wieder aufrichten wolle, mühten zuerst die Kriegsruinen auf französischem Boden wieder hergestelll werden. Rachdem Senator Hubert für die intet* parlamentarifche Gruppe der befreiten Gebiete gesprvch-en und erklärt hat, Deutschland müsse Sachlieferungen und Geldzahlungen leisten, wird eine Dertraucnstagesvrdnung angenommen zwar unterzeichnet, aber kritisiert. Frankreich habe noch nichts an Reparat ionszahlungen erhalten. Trotzdem verlangten Staaten und England Rück^ihlung ihrer Forderungen. Rlan müsse dic Priorität für die verwüsteten Gebiete und die Gemeinsamkeit Be r l i n. 30. Juni. Wie die Vernehmung des Stube.Blatter über der das Auto der Mörder R Dechow, erte. Mitteilen, leugnete der Vc^"^ ^eu- fangö jede Beteiligung an der 5, ich! und gestatteten auch nicht, die cii r o b ä i f d) c Ordnung sicherzustellen Pvir.carä habc den Friedens vertrag als Präsident ber Republik DM Strahe. Ä i®ta. ■wRÄIB rrL°»t- frag*. J sei mü ÄonHteu W Solange dbQ Hel veniger tot^ 1 ®), aber England hadc Msfcage den Schn». George habe schm- vcutschiand du Men, Fvmtveich r9t. weil KS bei Bereinigt« iowwen sei. zrankvach tr die Dickerherslel^ag alten, die es aus sevier ÜM könne die ) nur bann m trfolfl- drechm. «nenn «an die .nen d gr.tfe Det!«s leben Mye mir durch ' Anleihe delchassen. man aber ber Mwv aalen. Dreh fuhr bei» ntbina tpirb metbU4 . Ste7kreimgtai6tM‘ ; bereit, verlangen aber herige Untersuchu« be i> durch einen SaWr» einer berartxgen Mr- -suchen bürf®, «4 daan jv grlPMi. 3m vck fragte et, ob dir ijt worden sei, ob en in Frage tonnneV Dreh sicher Deist baten iptr feinen ftfafl bckonmM. Wt der wvÄen, ft» Berlin, 29. Juni. (Wolff.) Heber bic IciUicttcit bcs verdufteten Techow erfährt „B. Z." dvü er ber zweite Sohn bes verst Lenen Berlir.er Magtstiatsrates Techow ist. e bat noch zwei Brüder, von Lenen ber nltest ' Bankbeamte, der jüngste ein 16,ästiger Mittel-, schülcr ist. lieber bic Irrfahrten Techows erfährt bit „'S. Z.", bah er am Sonntag abend mit dem O'Zug ned) Halle gefahren ist und dort bet Freunden Unterkunft sand Am Montag ibcnb fuhr er von Halle nach Frankf.irl a. d. Oder, wo er von Polucibecunten ausgefpürt w trbe, die erfahren hatten, daß er sich bei feinem Onkel aut einem Rittergut in der Qtälx der Stabt au|- hiell. Das Gut wurde umstellt Techow suchte bei ber Verhaftung Gegenrradr zu leisten, ergab sich ider bald ber Ucbcrmacht. Er leugnet« die Beteiligung an ber Tat. Rach einer Meldung der „Reuen Berliner Leitung“ hat sich die Berltncr Poklzn in den Bell bcs ganzen VcrschwörnngsPlancS gegen Ratl cnau gesetzt. Einige Verkettungen stehen noch bevor. Das in einer Garage auf- gefimbcnc Rlordauto tortb: von f In em eigentlichen Besitzer den Mörbern zur Ver,iigung gestellt Der Mann, der zwischen dem Besitzer und den Tätern vermittelte, Wirde cbcnfafls ver- haftet. Die Organisation C. Berlin, 29. Juni. (WTD.) Die ÖrgcbnifTe der Anterfuchung gegen die Mörder Rather^auL und ihre Hintermänner bezeugen, dah cs sich auch diesmal wieder um Mitglieder der foganannten? Organisation C handelt. Die Reichsregierung sah sich infolgedessen im Einvernehmen mit dem Reichspräsidenten in die Rotwendigkcll versetzt, im Interesse des heutigen Staates und der wirksamen Fortführung der Untersuchung zu sofortigen Mahnahmen zu greifen, ohne die geplante gefeh.iche Regelung zum Schutze der Republik abzuwarien. Es wird deswegen der auf Grund des Art. 48 ber Verfassung erlassenen Vcrorbnung bes Reichspräsibenten eine Ergänzung hinzugefügt, welche alle Teilnehmer und Rkitwifser solcher Organisationen trifft. Weitere Zusätze stellen unter Strafe Verleumdung und öffentliche Bc- fchimpfung der Opfer von Gewalttaten und dis llnterftühung solcher GeheirnorganisotionLn mit Geldmitteln. Sie ermöglichen feiner das Verbot der Veröffentlichung von periodischen Druckschris- ton, die sich einer zur Zuständigkeit des Staats- gcrichtShosS zum Schuhe der Republik gehörenden Handlung schuldig machen. Der Tert der ergänzenden Verordnung wird gleichzeitig bekanntgegeben, Die zweite Verordounq zum Schutze der Repubkilk vom 29. Juni 1922 lautet: Aus Grund des Artikels 48 der Verfassung des Deutschen Reiches wird zur Wiederher st el- Terfchlung Deutschlands scststclle, dann habe jeder Ler Alliierten nach dem Vertrag das Recht, Sanktionen zu nehmen. (Sehr richtig!) Wir werden uns vorher mit unseren Verbündeten in Verbindung setzen, und wir werden versuchen, zu einem außerordentlich wünschenswerten ^leder- cinEcmmcn zu gelangen. Aber wir werden auf keines der Rechte verzichten. Las uns der Friedensvertrag zaerkennt. (Beifall.) Die Senatoren de Iouvenel unb Albert geben . ben Vertrag leicht auf. Sie möchten an seine Stelle Idas heiße, mit dem Ende beginnen, eine neue Konvention letzen. Ich kann ihnen auf I Angesichts der schlechten Lage Deutschlands hätten diesem Gebiet nicht folgen. Der Vertrag maql bic Bankiers ben Gedankea Herabsetzung MSfK UM Annahme von Anzeige» 5 »ZV ZK A A A A. A A A feäi A A ▲ A A für die Tagesnummer di« .......m v >VIIVI ivt W | L ■ Vlull K 33 WM 'SF 'F 'jr Sät 'Mr Anzeigen von 70 mm TV OB Breite 500 Pf. Bei Platz. ™ WÜ» Vorschrift 20 Aufschlag. General-Anzeiger für Oderhchen Mtz Dnid nnö Verlag: vruhl'fche Hnw.-Vuch- und Steinöruderei H. Lange. Sd)dftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil: ^ans Beck, _____~ ii» sämtlich in Gießen. n i» rtg in Kraft. _ b e r t, Reichspräsident. (ySr. Wirt h, Reichskanzler. Dr. K ö st e r. Reichsminister des Innern. Dr. sRadbrnch. Reichsministerd. Justiz. Die Ländervertreter und die Reichspolitik. Berlin, 29. Juni. (WTB.) In der Konferenz der Mi nist er Präsidenten derLänder mit der Reichsregierung, die heute nachmittag stattfand, sprach sich die Mehrheit der erschienenen Ländervertreter für eine gesetzliche Fassung der zum Teil durch die Verordnung des Reichspräsidenten geregelten Bestimmungen zum Schutze der Republik aus. Ferner erklärte sich die Mehrheit bereit, im Reichsrat auf die ge- schäftsordnungsmähige Frist zu verzichten, die für die Behandlung von Gesetz- -entwürfen vorgesehen ist und sofort in die Erörterung eines Gesetzentwurfs zum Schutze der .Republff einzutreten. Es ist demgemäß zu erwarten, daß der Gesetzentwurf schon Anfang mächster Woche dem Reichstag zugehen wird. -Die Beratungen der Reichsregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder werden morgen fortgesetzt. 1 Pressestimmen. nmg verMsnDMt Sicheret und Ord baS Reichsgebiet folgendes beschlossen Artikel 1. Personen, die an einer 'Set nung teilnehmen, von oer sie wrss^ e8 zu ihren Zielen gehört. Mitglieder 6fi{aa Amt benndlichen oder emer sruyeren mischen Regierung des Reiches oter cm t bem durch den Tod zu beseitigen, werden 3^, Tode oder m 11 l e b c n «1a n g e m Haus beslra t Ebenso bch rast ^lich mit rjonen, die eine solche Vereinigung .ß um ba- Geld unter fluten. Person« -n ffierben rSafein einer solchen Bereinigung unterlassen '•mit Zuchthaus bestraft, wenn ^^en be- !von dem Bestehen der Vereint ‘ verbleib den kannten Mitgliedern oder d Erbrechen be- Bchörden oder den dura tnis zu geben, ldvohten Perlon unver^ugl ^^ordnung vom Zuständig ist der aus S. 551) gedil- 26. Juni 1922 (Reichsges^ bete Staatsgerichtshof. ng Schuuhe der Qlrtifel 2. Die wird dahin ergänzt Republik vom 28. zum Schluß fol- 4inb abgcaiwcrt: 1. 8 wer die toten Op- gende Fassmig: „ . . leumdet oder ösfent- s e r solcher Gewalt tu § 5 Qlr 5 erhält am lich beschimpft „ oder wer eine solche Schluß folgenden unterstützt". 3. § 7 Ab- Verbindung nut e Fassung: „ . . für die in sah 1 Är. 2 ^rhäLgehen". § 5 bezeichneten^ durch den Inhalt einer pe- Artikel 3. die Strafbarkeit einer zur rrvdischen Dru/Staatsgecichtshofs zum Schuhe Zuständigkeit- hörige Handlung begründet, so der Republjzis^ Druckschrift, wenn es sich kann die* eitung handelt, aus die Dauer von um eine Tfchcheren Fällen bis auf die Dauer 4 Wvchm^en verboten werden. § 2. 3 und 10 Von 6 ng vom 26. Juni 1922 finden ent» der „nwendung. spreche/ 4 Diese Verordnung tritt mit der von der Ablesung la des Berliner Poltzn- Präsidiums ermittelt und festgenommen sind, sind: 1. der Kaufmann Richard Schütt in Berlin, 2. der Kaufmann Franz Diestel in Berlin, die Besitzer der Autogarage, in der der zur Mordtat benutzte Kcaftwagen untergebracht war, 3. der Gymnasiast GerdTechowin Berlin, 4. der Student Willy Günther in Berlin. 5. der Gymnasiast Heinz Stubenrauch in Berlin. Der zu 3) Genannte ist der Bruder des inzwischen ergriffenen Mittäters Ernst Werner Dechow. Gerd Dechow, Günther und Stubenrauch traten Mitwisser bzw. Urheber des Mord- planes. Schütt und Distel waren Mttwhser bzw. Begünstiger des Mordes. Die Festnahme weiterer Teilnehmer an der Mordtat steht zu erwarten Berlin, 30. Juni. Bis zur.Stunde liegen in Berlin immer noch keine Rachrichten von den Beamten vor, die sich auf die Verfolgung der beiden entflohenen Mörder Bogel und Knauer b.finden. Den Blättern zufolge sprechen aber alle Anzeichen dafür, daß die Fahndungsbeamten den Tätern dicht auf den Fersen sind. In den gestrigen Rachmittagsstunden erfolgten wieder zahlreiche neue Verhaftungen von Leuten, die die Mordpläne mit ausgearbeitet haben und den Jätern bei ihrer Flucht irgendwie behilflich gewesen' sind. Die Pläne für das Attentat sollen, wie das „B. T." mitteilt, schon zu einer Zeit ausführlich beraten worden sein, als sich Dr. Rathenau zur Genueser Konferenz begeben hatte. Der in Berlin verhaftete Student Willi Günthen der an den Vorbereitungen zur Ermordung Rathenaus beteiligt war, soll Privot- fetretär des Generals Ludendvrff gewesen sein. Ferner soll er Mitarbeiter des „Deutschen Sag Leitung“ gewesen fein. Günther steht ebenfalls im Verdacht, seine Hand bei der Ermordung Erzbergers im Spiel gehabt zu haben. Die Blätter melden weiter, daß nach einer Meldung der ..Düsseldorfer Rachrichten" gestern der bei den Böhmischen Werken in Düsseldorf- Oberkassel angestellte Ingenieur Kamertz unter dem Verdacht der Mittäterschaft an der Ermordung Rathenaus verhaftet worden sein soll. Auch in Hirschberg ist ein Ingenieureleve unter dem dringenden Verdacht der Mittäterschaft an der Ermordung Rathenaus verhaftet worden. Berlin, 29. Juni. (WTB.) Der amtliche preußische Pressedienst meldet: Die Berliner Polizei verhaftete den Leutnant der Reserve und Studenten der Rechte W. Günther, dem nicht nur die Mitwisserschaft, sondern auch die Beihilfe zum Morde an Rathenau nachgewiesen wurde. Günther war sowohl bei den Vorbesprechungen. die sich um den Plan des Mordes drehten und die in einem Berliner Vorort stattfanden, anwesend, als auch den Tätern in jeder Weise behilflich. Er machte für den Mörder Dechow die Garage ausfindig, in der das von auswärts kommende Automobil, das bei der Mordtat benutzt werden sollte, untergebracht werden konnte. Wie der amtliche preußische Pressedienst weiter meldet, ist Günther Mitglied verschiedener rechtsstehender Organisationen. In seinem Besitze wurden Briefe von Helfferich, Ludendorff, Iagow und Westarp gefunden. Kapitättleutnant Tiüessen. f Der .Vorwärts" fordert für den Fall, daß das Gesetz zum Schutz der Republik nicht die nötige .Zweidrittelmehrheit erhält, die Auflösung des .f Reichstags. Er glaubt, daß das Ergebnis der Wahlen kein anderes sein kann als ein überwäl- , tigendes Votum des Volkes für die Republik. Derselben Meinung ist die „R 0 te Fahn e“. Sie erklärt: Es gibt kein Ausweichen I Die Durchführung der proletarischen Forderungen oder der Rücktritt der Regierung! Die „Germania" gibt trotz aller Schwierigkeiten die Hoffnung nicht auf, daß doch noch eine Verständigung erreicht werde und dem Lande die Aufregung des Wahlkampfes, den das Zentrum übrigens nicht zu fürchten Brauche, erspart bleibe. Die „Dos fische Zeitung" erfiärt: Der Reichstag muß entweder das Schutzgeseh für die Republik bebewilligen oder muh gehen. Die Regierung kann nicht zurücktreten wenn das Gesetz keine Mehrheit findet, denn das wäre die Kapitulation der Republik vor ihren Feinden. Das „Berliner Tageblatt" schreckt vor dem Schritt der Auflösung lediglich deshalb zurück, weil die auhenpolitischen Wirkungen gegebenenfalls unabsehbar sein könnten. Alle in der Reparationsfrage gesponnenen Fäden würden jäh abgerissen und das deutsche Wirtschaftsleben neuerlich mehr als bisher ruckweise erschüttert, Die „Deutsche Zeitung" sieht Reuwahlen zu- versichtlich entgegen. Wenn es durchaus sein soll, so ruft sie, „Hinein in den Wahlkampf!" Hnfer Wahlruf wird sein: Für Freiheit und Verfassung! Wir find bereit. Weitere Verhaftungen. Berlin, 29. Juni. (Wolff.) Amtlich. Die der Teilnahme an der Ermordung Rathenaus überführten Personen, die Berlin, 30. Juni. Wie ein hiesiges Blatt mitteilt, wurde Kapitänleutnant T i l l e s s e n in das Polizeigesängnis eingeliefert. Cs fei ihm gelungen, sein Alibi für die Zeit des Mordes an Rathenau ziemlich einwandfrei nach- ÄUtoeifen, er werde aber noch in Haft behalten, da angenommen werde, daß er das Attentat auf Scheidemann entweder selbst ausführte oder begünstigte. Ein Beschluß der Deutschnationalen Volkspartei. Berlin, 29. Juni (Wolff.) Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspar- t e i hat alle Gliederungen der Partei ersucht, sofort genau nachzuprüfen, ob einzelne M i t g l i e d e r der Partei Organisationen angehören, welche Verfassung s-odergesetzwidrigeZie le verfolgen. Sollten solche Parteimitglieder sich finden, so seien sie unverzüglich aus der Partei a u s- zuschliehen. Ein Angebot Helfferkchs. Berlin, 29. Juni. Der „Vorwärts" meldet, daß Staatsministec a. D. H e l f f e r i ch dem Polizeipräsidium zur Verfolgung der Mörder Rathenaus 100 000 Mark, die deutschnationalePar- t e i der gleichen Stelle 20000 Mark angeboten haben. Das Angebot wurde indes abgelehnt. Die Ausschreitungen in Darmstadt. Darmstadt, 29. Juni. Heute nacht wurden in dem Geschäftshause des sozialdemokratischen „Hessischen Volksfreund" zwei Fensterscheiben eingeschlagen. Die dort stationierten Schupoleute bemerkten später verdächtige Geräusche und stiegen über die Mauer des angrenzenden Bankhauses Rauheim. Der Hausmeister der Bank, Kurz, hielt sie ’rur Einbrecher und hetzte den Hund auf sie. Die Schupoleute meldeten, daß die Polizei da sei und forderten ihn wiederholt auf, den Hund zuruckzurufen. Da dies nicht geschah und der Hund auf den einen Beamten eindrang, schoß dieser auf den Hund. Die Kugel ftreifte den Hund, prallte auf dem Pflaster ab und traf den Hausmeister so unglücklich, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein Aufruf des Ministeriums des Innern. Darmstadt, 29. Juni. (WTB.) Das Ministerium des Innern erläßt folgenden Aufruf an die Einwohnerschaft der (Dtabt Darmstadt: Wir mahnen zur Ruhe und Besonnenheit. Die Ermordung des Außenministers Rathenau hat im Volke tiefgehende Aufregung hervorgerufen. Durch die jüngsten Schandtaten wurde die Erregung in Darmstadt zur hellen Empörung gesteigert. Der Schuh der Stadt ist durch die Polizei im Zusammenwirken mit der Schutzpolizei gewährleistet. Die Beunruhigung der Einwohnerschaft wegen mangelnder Sicherheit ist unbegründet. Die Strafverfolgung der Täter ist eingeleitet. Wir richten an alle ordnungsliebenden Einwohner der Stadt die Aufforderung, im Interesse der Erhaltung der Ordnung alles aufzubieten, um eine Beruhigung der Bevölkerung herbeizuführen und etwaige überreizte Elemente von unüberlegten Schritten fernzuhalten. TumulLszene» im Königsberger Stadtparlameut. Königsberg, 29. Juni. (Wolff.). In der Stadtverordnetenversammlung kam es zu stürmischen T 11 mu l t s z en e n zwischen Mitgliedern der äußersten Linken und der deutsch- nationalen Fraktion. Von der linken Sette wurden zu Beginn der Sitzung Rufe wie: Mörderbande!", „Mordgesindel!" gegen die Deutschnationalen gerichtet. Als ein deutschnationaler Stadtverordneter einen solchen Zuruf mit dem Vorwurf der Feigheit gegen den radikalen Wortführer erwiderte, drangen zahlreiche sozialistische Stadtverordnete auf diesen Stadtverordneten ein, wodurch sich Raufereien entspannen, die den Vorsteher zur älnterbrechung der Sitzung zwangen. Der deutschnationale Abgeordnete, der den Zuruf gemacht hatte, verließ den Sitzungssaal. Rach Wiederaufnahme der Sitzung verlangten die Deutschnationalen, daß auch der Stadtverordnete der Linken, der die beleidigenden Zurufe gegen rechts gerichtet hatte, den Saal verlasse. Als darauf nichts geschah, verließen sämtliche Deutschnationalen den Sitzungssaal. Die von den Demokraten beantragte Beileidskundgebung für Rathenau wurde einstimmig angenommen. Bei der Beratung des Antrags der Linken über Beflaggung des Magistratsgebäudes, sowie Ent- femung der Düsten des vormaligen Kaisers und Ludendorffs ergab sich Deschlußunfähigkeit. Die Politik der englischen Arbeiterpartei. London, 29. Juni. (Wolff.) Gestern mittag wurde auf der Iahreskonferenz der englischen Arbeiterpartei in Edinburgh eine Entschließung, nach der die Arbetterpartei den Anschluß der kommunistischen Partei zu- lassen sollte, mit 3 686 000 gegen 261 000 Stimmen abgelehnt. H 0 dge erklärte in feiner Rede, die britische kommunistische Partei sei der Sklave Moskaus. Man brauche nur die Verfassung der britischen Arbeiterpartei und die Thesen der dritten Internationale zu vergleichen, um zu sehen, daß von einer Versöhnung nicht die Rede sein könne. In einer anderen einstimmig angenommenen Entschließung wurde die Politik der Regierung hinsichtlich der Friedensverträge und des Völkerbundes verurteitt. Sie wird in der Entschließung aufgefordert, den Verfall ler Vertrag irn Inter esse des politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbaues Europas abzuändern, die deutsche Reparationszahlung herabzusetzen und die militärische Besetzung eines Teiles von Deutschland zu beenden. Ferner wird verlangt, daß Rußland politisch anerkannt, der Handel gefördert werde, daß die Regierung Japan auffordern solle, seine Truppen aus der Republik des fernen Ostens zurück- zuziehen und daß kein militärischer Pakt von der britischen Regierung eingegangen oder gefordert werde. Aus dem Reiche Die Rot der Presse. Berlin, 29. Juni. (WTB.) 3m Me ichSr at erklärte der preußische Ministerialdirektor Heister, die Bemerkung der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", die Länder hätten sich geweigert, an dem Gesetzentwurf über die Maßnahmen gegen die wirtschaftliche Rot der Presse mitzuarbeiten, sei falsch. Die Länder seien vielmehr nach wie vor zur Mitarbeit Durchaus bereit, wenn sie auch )ie von der Reichsregierung vorgeschlagenen Maßnahmen nicht ohne weiteres annehmen konnten. Die Länder würden jedoch der Reichsregierung eine Reihe anderer Bor- chläge unterbreiten. Die Bankbeamten vor dem Streik? Berlin, 30. Juni. Die zwischen den Bankleitungen und Bankbearntenorganisatio- nen geführten Derhandlungen sind, wie die Blätter melden, als g e s ch e i t e r t zu betrachten. 3n der kommenden Woche sollen in allen größeren Städten Deutschlands Miab- ftimmungen über einen eventuellen Streik der Bankangestellten vorgenommen werden. Aus Hessen. Tagtmg des hessischen Finanzausschusses. rm. Darmstadt, 29. Juni. Der Finanzausschuß des Landtags beschäftigte sich heute zunächst mit Kap. 45 des Hauptvvranschlags Bildungswesen. Hierzu beantragte der Abg. Reiber die Zahl der Ob er rate von 3 auf 4 zu erhöhen und diesen vierten Beamten speziell zur Bearbeitung des Volksschulwesens zu bestimmen. Die Regierung spricht sich gegen eine Äenderung des bisherigen Verhältnisses aus, da man bisher auch aus Ersparnisgründen mit einem wetteren Hilfsarbeiter gut ausgekommen fei. Der Antrag findet gegen 2 Stimmen Annahme. Zu Kap. 48 Lehrerseminar entsteht eine Debatte über den Ausbau des Physiologischen Institutes in Bensheim: evtl, soll die Einrichtung ar der Techn. Hochschule in Darmstadt Aufnahme finden. Bei Kap. Volksschulen wird in der Hauptsache das Fortbildungsschulwesen in längerer Aussprache behandelt. Veranlassung hierzu gab insbesondere der Antrag des Abg. Hofmann- Alzey, die Zahl der Fachlehrer anstatt um 50 um 65 zu erhöhen und diese Stellen nach Bedürfnis mit Gewerbe- oder Landwirtschaftslehrern zu besehen. Der Eintrag wird angenommen. Bei der Erörterung über die Zwangspensionierung der Lehrer rftff 68 Jahren teilt die Regierung mit, daß hier etwa 25 Herren in Frage kommen. Die sämtlichen Fortbildungsschulen sollen einheitlich dem Landesamt für das Bildungswesen unterstellt werden. Von anderer Seite wird iwch auf die Rachteile, welche der Landwirtschaft durch die jetzige Einrichtung der Fortbildungsschulen entstehen, hingewiesen, da man hier besonders im Sommer die jungen Leute auf dem Lande sehr notwendig hat. Dann wird die Verhandlung auf Freitag vertagt. Wettervoraussage für Samstag: Wechselnd bewölkt, meist trocken, etwas toät- mer, westliche Winde. Der Kern der nördlichen Devressttm hat sich wenig verlagert. Von Frankreich drangt hoher Druck vor, W allmählich Einfluß auf unsere Wetterlage gewinnen wird. Aus Stadt und ßani). Gießen, den 30. Juni 1922 Zu einer Trauerknndgebung für den ermordeten Minister Rathenau. hatten sich gestern die Koalitionsparteien im Cafö Leib zusammengefunden. Rach einleitenden Worten des Herrn Rektor Fischer (Dem.) sprach Herr Korfs aus Franksurt a. W., der für den gestern gemeldeten Redner eintreten mußte. Der Redner gab zunächst einige kurze, persönliche Momente aus Rathenaus Leben und wandte fief). dann in scharfen Worten gegen die politische Stimmung, die in den letzten Jahren über Deutschland liege. Die Poincare, Clemencecuu und ihre Helfer seien mit schuldig am Tode Rathenaus. Aber auch im Innern sei vieles zu ändern. Einigkeit im deutschen Volke müsse erstrebt werden. Gerade vom Standpunkt der EinigLtt aus war es zu bedauern, daß der Redner unter dem deutschen Volke anscheinend nur die Wähler von links bis zu den Demokraten rechnete. Er fuhr dann fort: In den eigenen Reihen müßte mehr Disziplin und Einigkeit gehalten werden. Wenn die Regierung seither feine Politik der geraden Linie getrieben habe, dann habe dies lediglich seinen Grund in den soeben auf geführten Tatsachen. '2hir weil sie nicht genügende Mehrheit hinter sich habe, könne die Regierung nicht wirksam Vorgehen wider die Gegner, die noch in der Schule wie im Richter st and, in Schupo wie in Reichswehr u. a. m. zu finden seien. Mit nochmaligem Appell, endlich Einigkeit tn den eigenen Reihen zu halten, sich nicht von den Sirenenklängen von rechts betören zu lassen, brachte der Redner ein Hoch auf die Republik aus. Zum Schlußwort sprach Herr Rektor Fischer einige Worte des Bedauerns über die Darmstädter Vorgänge, die allerdings nichts anderes als der Erfolg der Hetze von rechts gewesen .seien. Die Deutsche Volkspartei hielt gestern abend, wie uns berichtet wird, ihre ordeutt- Giehener Stafcttfyeater. David und Goliath. Lustspiel tn 4 Akten von Georg Kaiser. Gießen, den 30. Juni 1922. Von dem Schauspiel, getragen von schwersten ‘Renschhettsproblemen, hat sich Georg Kaiser tn letzter Zeit dem Lustspiel zugewandt. Ob diese Wandlung sich unter dem Zwange einer inneren 3 SnttoldUuig vollzog, oder ob der scharf berechnende Verstand des Dichters sich auf dem neuen Wege größeren Erfolg versprach das bleiben vorläufig noch ungelöste Fragen. Jedenfalls läßt sich von allen Werken Georg Kaisers noch immer .als gemeinsames Charakteristikum feststellen, daß sie der Verstand, nicht das Gefühl erzeugte. Lind Lamit ist auch gesagt, daß die Gestalten Kaisers »noch immer des vollen Lebens ermangeln, wenn auch die Personen der Guftfpiele nicht mehr so .ganz als blutlose schemenhafte Träger von Ideen .erscheinen. So regen sich auch in dem Lustspiel „David und Goliath" schwache Lebenskräfte, die aber eines starken Antriebes durch tic Darstell r bei- dürfen, um über ein Schattenspiel hinauszr wachsen. Den Inhalt des Stückes können wir als bekannt voraussehen, da er an dieser Stelle bereits vor wenigen Tagen wiedergegebm wurde. Kaiser hat den Gedanken der alten Geschichte, daß ein Mann — früher — mit einem geliehenen Tausendmarkschein 14 Tage herrlich und in Freu - Aen leben konnte, ohne das Geld 'überhaupt axv brechen zu müssen, in andere Form gegossen. Der Held des Stückes, Sophus Möller, bleibt ein Schwindler, so sehr sich auch Kaiser bemüht, ihn in ein anderes Licht zu setzen. Für gute Bühnenbilder und flottes Spiel hatte bei der gestrigen Aufführung die Leitung Adolf Telekhs gesorgt. Die Rollenbesetzung war durchweg glücklich gewählt. Karl Volck Iraf die Sophistik des Sophus Moller ganz un Sinne des Dichters. Die kleinen Rollen der Helene und Dagmar führten Auguste Marcks und Karla Keller einwandfrei durch Richard H e l l b v r n wirkte als Peter Möller besonders im ersten Akte durch sein köstliches Phlegma. Die gelungene Karikatur einer alten Jungfer war Luise R a m m e l als Fräulein Juel zu verdanken. Viel Heiterkeit erregte Rudolf Goll als Brauer Magnussen, dessen Ver- i'örperung aber stellenweise zu stark in Komische übertragen wurde. Als Ehepaar (Spner ergänzten sich Oskar Feigel und Else Koop in glücklicher Weise. Tie übJgeri kleinen Roll.n zeigte,, erfolgreiches Bemühen ihrer Träger, indi- riduell g st lt t? T:,pe > h ra^s 'binen. Der Beifall des Publttums war (ehr lebhaft und darf in erster Linie von den Schauspielern in Anspruch genommen werden. FranlsurLer L2rar-Mhrung. F r c nksurt a. M, 28. Juni 1922. ■ I Claudel: „Ser Tau s ch". chlu seiner Spiettei brachte dasFrant- u rs noch -richrdeutsche Ur» aufsührung eines französischen Dramas; die Bedenken, daß Paul (Glaubet das Wort gegeben wurde, der als Deutschenhasser unliebsam hervorgetreten ist. hätten höchsteiiS dann entkräftet werden können, wenn sein „Lausch" (überseht von Jakob Hegner) eia Wert von zwingender und wegweisender Müsterschast wäre. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall; man mag an diesem Stück, das sich frei von jeder Frivolität und Schlüpfrigkeit hält, die Schönheiten der Sprache und ihre: Bilder a.iertertnen, mag in manchem Rutzepunkt der — ach so dürren — Handlung poetischen Reiz finden, eine innere Bereicherung gibt es uns nicht. Das seelische Erleben zweier ($behaare an der Ostküste Amerikas bildet, wortreich ausgesprochen, den Inhalt, und jeder dra- matifdx Funke fehlt dem Verlaus dieser wechselseitigen Liebes- und Eheerschütterungen. Obendrein sind die Personen recht schematisch gezeichnet, und inan kann es im Grunde dem Willensschwächen Louis Laine nicht so sehr verübeln, daß ihn die hysterisch wilde Frau des reich eil Dollar menscheu, eine ehemalige Schauspielerin, mehr fesselt als sein e'genes sanftes, aber stets lamentierendes Weib. Die Erschießung Laines, d.r zuletzt te.i Banden dec neuen Geliebten entfliehen wollte, der WtziLkyra>..sch La- chys und eine sentimentale Resignation der beiden anderen geben den äußeren Abschluß. Roch ein letztes Ma! konnten vier der besten scheidenden Mitgli:d:^ des Schuu'p elhauses an diesem wenig lautbaren Stück — das bei oft gerühmten technischen Könnerschaft der fvanzösi scheu Autoren völlig mangelt — ihr ausgeglichenes Cnsernblespiel zeigen. Unter Richard Weicherts sittlicherer Regie fesselte das Quartett o.n Gerda Müller Frttta Brod, Jakob Feld Hammer und Robert Taube tn feinem erschöpfenden KammersPiel weit mehr als bie dramatische Vorlage selbst, und die vier Künstler, die bei der ersten Wiederholung des Stückes von Franl-furt Abschied nahmen, wurden mit herzlichen Ovationen für so viele Theaterabende bedacht. Zu bedauern bleibt, daß gerade ihr letztes Auftreten nicht einem Werk bleibender Erinnerung galt, wie es sich in der klassischen und modernen deutschen Literatur leicht hätte finden lassen! Dr. Georg Schott. — Festspiele in Bad Homburg v. d. H. Eine Reihe von Freilichtaufführungen wird im Monat Juli un Homburger Kulpart und auf der Saalburg beranftaUct. Der Spielplan umfaßt Goethes „Iphigenie auf Tauris", Grillparzers „Medea", „Die Hermannsschlacht" von Kleist, „Salome" von Oskar Wttde, Hans Sachs-Spiele und als Uraufführung die dramatische Dichtung „Das Tor der Hoffnung" von Ardreas Hornberger. Den Auftakt bildet am Samstag, 1. Juli, eine Uraufführung der „Iphigenie". — Es wi.ken angesehene Künstler verschiedener deutscher Bühnen mit. V 6> 0 « 0 o 0 3 ff 0. Klein-Linden! Sonntag, den 2. Juli wese im Gastbaus „3ur deutschen Eiche-: MMIudkckkw!^ te kiillMmmi Frokin Tanz im Freien und im Saal Jedermann her-l. will!. Der Vorstand. ZSr Speisen u. Settänke ist besten» gesorgt. Drehstrom-Motore Speisenwürze 3_4-5-6-7,5-12,5-20-25 u. 30 P.S. SINNHMti. MmSRUHF-GMNMNXEL (Fabr. Sachsenwerk, Elberf. M- W-, Eßlingen, Gobiet usw.), neu, mit voller Fabrikgarantie, größtenteils ab Lager hier preiswert abzug. Auch für Wiederverkäufer günft Gelegenheit. Otto Abt 59900 Elektrische Licht- und Kraft-Anlagen Nidda (Oberhessen). Telephon 218. Kräftige Mepllnn aller Art 6229 UrtnmiM.Bkdn, Schiff enberger Weg 18. Telephon 1057. Frankfurter Str. 19. • tai die grelle Mode • Damenstrümpfe, grau erstklassige- Qualität 59,75 M. ! Sluulere i i garmonlnms | werd.sachgem.u.preiS- r wert gestimmt u.repar. G. 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Sie wünscht ihren schwerbetrossenen, bewährten Führern von Herzen, dah sie die Folgen der entsetzlichen Ereignisse glücklich überwinden. Sie bebauert auss tiefste, dah die hessische Regierung es nicht verstanden hat, die öffentliche Ordnung zu sichern. Sie fordert nachdrücklichst Schuh für Leben und Eigentum aller Staatsbürger als elementarste Voraussehung alles politischen Geben«.“ * * Am tliche Persvnolnachrichten. Ernannt wurde der Oberzollsekretär Franz Reitz i LandeSsinanzamt, Oberftnanzkasse) zum Zollinspektor. — Ernannt wurden am 23. 3-un Die Dvlizeioberwachtmejsker Friedrich Oechler auS Dernrutshnin, Zttteis Lauterbach, Louts Scd neide r aus Steinbach, Kreis (Sichen, jj P->ltzri- kcmnnissaren mit Wirkung vom 1. 3 i[i 1922 an. Z Für den Eisen bahnverkehr wurden bisher besondere Lvkonrotivarten für Per- sonenzüge, Schnellzüge und Güterzüge gebaut. Die Firma B o r f i g in Berlin hat nun mit der Ablieferung ihrer 11 000. Lokomotive einen Typ geschaffen, womit sowohl Personen-, Schnell- und Güterzüge gesahren werden können. Bei der Maschine sind vier Achsen gekuppelt, wodurch eine hohe Leistungssähigtelt bei einer Geschwindigkett von 120 Kilometern in der Stunde erzielt wird. •• DerVühnen-Vvlks-Bund veranstaltete gestern einen Werbeabend, der das deutsche Lied in Wort und Ton zum näheren Thema hatte. Dr. T h o r m a n n-Frank- furt führte in längerem Vorwort zunächst einiges über die Bedeutung des V.-V.-V. aus, um so den Boden für die Darbietungen v. Hunyadys bereiten, und um überhaupt der Veranstaltung ihren Hintergrund ka geben. Zn einer kurzen Formel will der Bühnenvvllsbund die Schönheit und Geistigkeit der Vergangenheit und der Gegenwart, soweit sie von der Bühne zu einem Publikum spricht, zur Kultur eben des Publikums auswerten und dazu schwebt ihm eine riesengroße Organisation vor und ein Geschlecht echter Künstler, die keine eitlen Artisten sind. Die Worte Thormanns sollten auch für von Hunyadys Lieder die Gemüter empfänglich stimmen. Das war aber nicht nötig. Ohne zu überraschen und ohne zu blenden schuf vor allem sein vvllStümlicher Bänkelsängerl'ah sv- .fjrt die richtige Gemeinschaft mit seinem Publikum. Leider sank aber v. Hunyady bald iiiimnuiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiimiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiimiiiii!iiiniiJiiiiiu = im Bause = = = i = Fietere M in Edelmetall- Einkauf- *- Zentrale. — ■ — 8 = I = = 5 = — = Wer sich selbst rasiert spart Geld end Zeil ood schätzet sich vor Hautkrankheit! kauft und zahlt die höchsten Preise. o65m Karnbach, Kaplanögasse 27. SMukIm gebraucht, jedoch gut trhaltcu, aus Privathand zu kaufen gesucht. Schrift!. Ang. u. 06536 an den Gieß. Anz. erb. Hmrs mit Werkstätte Tages Angebot MWHMM RK 4.50 NLLc-SMMSM-1.75 ®ert|ennßelüiLBfb. 13.00 taiUeoDOemPfund 15.60 eutöBiiöaiiOeliiw. 20.00 5{aaoMQlf!iroiiiT.f 21.00 ZroGAMlirval Psd. 19.00 Zufolge Beschlusses der Generalversammlung vom 28. Mai l.I. firmieren wir ab 1. Juli 1922 Feinster Vollsetter ToBMöen Stück 15.50 kondensierte, gezuckerte Solange Vorrat: Aoilooöszogek Tagespreis Für landw. Haushalt wird zu Milte Juli tüchtiges, fleissiges 6227 Mädchen bei hohem Lohn gesucht, von Helmolt, Friedberg, Fauerbachcr Hof. Frau Kath. Wallbott nebst Kindern Familie Jacob Wallbott XV. Familie Jacob Wallbott XVII. Garbenteich, den 30. Juni 1922. Die Beerdigung findet Samstag, den 1. Juli, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause Anneröder Straße 8 aus statt. 81l8 Gr. Aßl. MM mit Glastüren, kl. 2tür. Schiebeschrank, 12m la.Ladeutlrcke, 1 Klisten- ivmuicr (Butlop »«.zwei Noll. Bandeisen, Nieten und Locher, I Marmorplatte, 1,70/50, diverse Marmor Bckleidstücke sowie 2 Herr.- Anziige (1 neuer und ein Allen lieben Menschen, die sich beim Heimgange meines treuen, braven Mannes teilnahmvoll bewiesen, herzlichen Dank. Zrau Johanna Mhnhold 06549 geb. Gold. Gießen, den 30. Juni 1922. Lichtspielhaus Bahnhofstr. 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Der- in Snipp zog kv. vor das hau lich sich dam sein, durch de bergersiraße jedoch von d heran, der s Haus ernöra wüsies Zersti eine Stunde i Gründlichkeit den im erste unmenschlich R A Roma 11 Sortierung Eduard v s 'i4 dl- S.Mtoe J? Mi 5?kkenheil öj. 001 und err« nWn. § und es "vchen. Doktor Tt, ä § 5ren 9t?’ 1 toonte ft tu; Soiett». /Ws ^!>8e totn>ch, . Äfc- tmirbcn fast fff etnrichtung le Demonstranten zeilichcn 1 Mach Mr, fl tigt morde. Ze Gctoehr loacer menden Meng Abteilung der mehren ausgei kam cs zu ernst erwies sich jel Schuh als Völl X zu ve man 3i ii 6ir yfix» »nJ 0 tSffä Kr. 151 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Zrettag, 50. Juni 1922 Iu dem Terror in Darmstadt Veröffentlicht eine mit bescheidenen technischen Mitteln hergestellte »Not-Zei.ung" DeS „Darmst. Lägl. Anz." und der »Hess. Landesztg." noch folgende Einzelheiten: Dr. 6 l r e d c r wandte sich in seiner Ansprache insbesondere gegen die nationale Presse und ertläite, sie habe ja bereits gelegentlich der Kundgebungen gegen die Ermordung Erzbergers auch hier in Darmstadt einen Denkzettel erhalten. Diese Warnung habe aber damals nicht genügt. Die Abgeordneten Helsserich, Hergt und Wulle seien verantwortlich zu machen für die Mordatmosphare, in der auch Der Mord an Rakhenau entstanden ist, und die Herren Din- geldey und Osann seien um keinen Deut besser als jene. Als die Kundgebung selbst zu Ende war, loste sich die Versammlung allgemein aus. Dann aber formierten sich mehrere große Trupps säst ausschließlich jugendlicher Arbeiter, die durch eine starke Arbeiterkolonne aus Nieder- und Ober- Äamstadt noch verstärkt wurden, und zogen auf verschiedenen Wegen nach dem Eich'ergviertel und dem Zeitungsviertel. 3n den Straßen, die Mer- bet passiert wurden, wiederholten sich die Ausschreitungen gegen die Hoflieserantenabzeichen. Dabci wurde in der Elisaberhenstraße eine Schaufensterscheibe der Buchhandlung von Ioh. Waitz ein geschlagen. In der Heidelbergerstraße zwang man nach Zerstörung der Hoflieferantenwappen der Firma Thiele u. Döllinger den Inhaber des betreffenden Hauses unter Bedrohung seines Lebens vom Ballon aus dreimal ein Hoch auf die Republik auszubringen. Inzwischen war es im Sichbergviertel bereits zu wetteren und schwereren Gewalttätigkeiten gekommen. Zuerst wurde in das Haus des Herrn von Helmolt'Holtensen an der Ede der Eichberg- und Wilh. Imst raße eingedrungen. Die Fenster wurden fast sämtlich zertrümmert, die Wohnungseinrichtung teilweise zerstört. Hier stießen die Demonstranten wohl zum erstenmal auf polizeilichen Widerstand, der allerdings so schwach war, daß er im Handumdrehen überwältigt wurde. Zehn blaue Polizisten noch dazu ohne Gewehr waren machtlos gegenüber der anflür- menden Menge. Erst als sie durch eine größere Abteilung der blauen Polizei, die auch mit Gewehren ausgerüstet war, Unterstützung erhielten, kam es zu ernsthafteren Zusammenstößen. Alsbald erwies sich jedoch auch der verstärkte polizeiliche Schuh als völlig unzureichend, weitere Ausschreitungen zu verhindern. Den Polizisten wurden, nachdem man sie umringt hatte, die Gewehre ab- genommen, entladen und teilweise auch zertrümmert. Daraufhin traten die Polyeibeamten, von einer großen Menschenmenge, die fortwährend drohend auf sie eindrang, verfolgt, den Rückzug zum Polizeiamt in der Hügelstraße an. Hier kam es zu neuen Zusammenstößen. Wieder wurden den Beamten Waffen entrissen und entzwei geschlagen. Der- in der Eichbergstraße zurückgebliebene Trupp zog währenddessen in die Hermannsstraße vor das Haus des IustizratsDr. Osann, ließ sich Dann aber, ohne tätlich vorgegangen zu fein, durch den Führer bewegen, nach der Heidelbergerstraße abzuziehen. Einige Zeit darauf kam jedoch von der Karlsstraße her ein zweiter Zug heran, der sofort unter großem Lärm in das Haus eindrang und in den Wvhnräumen ein wüstes Zerstörungswerk begann, das annähernd eine Stunde dauerte und mit der denkbar größten Gründlichkeit vorgenommen wurde. Besonders in den im ersten Stock gelegenen Räumen wurde unmenschlich gehaust: nrcht nur, daß die einzelnen Gegenstände zertrümmert wurden, man warf sie auch noch stapelwets durch die Fenster auf den Hof bzw. in Den Vorgarten. Mit sichtlicher Freude am Lärm und in blinder Zerstörungswut stürzte man schwere Möbelstücke auf Den Hof hinab und machte dann unten das Vern ich! ungswerk vollständig, indem man die Einzelteile der Möbel noch besonders zerschlug und jedes Wäschestück einzeln zerriß. Wertvolle Gemälde wurden dabei zerschnitten . Betten und Bücher zerrissen, Licht- und Fernspcechanlagen zerstörst. Was Darei vielleicht noch alles gestohlen wurde, läßt sich in dem Trümmerhaufen naturgemäß gar nicht übersehen. Die Bewohner hatten die Raume tm letzten Augenblick noch rechtzeitig verlasfen, so daß sie wenigstens von Gewalttätigkeiten verschont blieben. Als so gut wie nichts mehr vorhanden war, was noch hätte vernichtet oder besudelt werden können, zog die Masse ab. Sie hinterließ die Stätte ihres Wirkens in geradezu grauenhaftem Zustande. Im Hof und in dem kleinen Vorgarten lagen Trümmer aller Art hoch aufgeschichtet. 5>er Schaden ist unübersehbar. Als die Plünderer abgezogen waren — die Zerstörung hatte, wie gesagt, fast eine volle Stunde in Anspruch genommen —, erschien die Schupo. Ihr blieb nun nicht mehr viel zu tun übrig; sie machte Die Straße einigermaßen frei und sperrte das Haus des Abg. Dr. Osann durch einige Posten ab. Das gleiche Bild wüstester Zerstörung zeigte darauf die Wohnung deS Abg. Singel- deh in der Heinrichsstraße. Der Abgeordnete selbst wurde auss schwerste mißhandelt und mußte schließlich auf die Rettungswache gebracht werden^ nachdem er nur mit Mühe vor Dem Aller- schltmrnsten hatte bewahrt toerDen können. In Der siebenten Abenbstunde kam es Dann zu ungeheuerlichen Plünderungen und Verwüstungen in den Betrieben des„Täglichen! Anzeigers" in der Waldstraße und der „H e s- si scheu LandeSzeitung" in Der Grafenstraße. Das wahnwitzige Vernichtungswerk nahm hier die unglaublichsten Formen an. Alles, aber auch alles wurde zerstört, was irgendwie erreichbar war, am tollsten In den Räumen Der „Landeszeitung". Die Papiere und Geschäftsbücher wurden zerrissen und auf Dem Hof bzw. auf der Straße in alle Winde verstreut, Setzkästen wurden umgestürzt, Fensterscheiben, Bilder, Llhren, Fernsprechapparate, Lampen immer einzeln und mit größtmöglicher Gründlichkeit zertrümmert. Die Arbeitskleider des Seyer- und Maschinenperfo- nals, sowie das von den technischen Angestell- ten m den Schubkästen aus bewahrte Geld gestohlen, alle Gegenstände von irgendwelchem Wert ebenfalls, Die schwersten Möbelstücke, wie Schreibtische, Pulte und Aktenschränke zu Spittern geschlagen, GaS- und elektrische Lichtleitungen abgerissen, Tinten- und Oelfässer auSgegvssen, verschlossene Fächer erbrochen, auSgckramt und ihres Wertinhaltes beraubt — kurzum: zerstört, geplündert und gestohlen alles, dessen man habhaft werden konnte. Doch nicht genug damit, daß man Die Geschäftsräume in Trümmerhaufen verwandelte; man drang auch in die anliegenden Privatwohmingen ein und setzte hier das wüste Loben fort. Auch hier wurde alles einigermaßen Wertvolle gestohlen, der Rest planmäßig vernichtet. Wäh.end in dem Betriebe der „Landeszeitung" ganze Arbeit gemacht werden konnte, tour Den die Plünderer im Hause des „Täglichen Anzeigers" mitten in Der Arbeit durch das Heran- nahen Der Schupo, Die auch hier erschien, als es längst zu spät war, offenbar gestört, so Daß hier wenigstens ein Teil Der oberen Räume vor Der Vernichtung bewahrt blieb. Das Bild Der Verwüstung unD Der Umfang Des angerichteten Schadens ist unbeschreiblich. Gegen 7 Uhr etwa . begann Die Schupo einzu- greifen. Zu retten war allerdings nichts mehr. Aach einer blinDen Salve tour De mehrfach scharf geschossen, wobei mehrere Personen — angeblich vier oder fünf — verwundet ü^rrDen, davon einer schwer. Die Schießereien spielten sich Dann in der Hauptsache in Der Elisabethenstraße ab unD Dauerten hier bis zum Einbruch Der Dunkelheit fort. Obwohl nach Dem Eingreifen Der Schupo Die anliegenden Straßen von den zerstörungswütigen Elementen im wesentlichen gesäubert waren, tat Die blaue Polizei nicht Das Geringste, um Die zerstörten Zeitungsbetriebe nunmehr wenigstens vor einem beutehungrigen Publikum zu schützen. Sie sah im Gegenteil völlig untätig zu, wie jeder in sämtlichen Räumen, einschließlich der Privaträume, ein- und ausging und dabei mitnahm oder fortschleppte. was ihm zweckmäßig erschien: Fensterläden, Tischbretter, Bücher usw. Ein einziger Polizist vor jedem Der beiden Grundstücke hätte vollauf genügt, um daS im übrigen ganz harmlose Publikum — eS war eben nur Publikum, nur Neugierige — daran zu hindern und Den Zugang zu Den Innenräumen 8u sperren AlS die blaue Polizei Dazu nicht zu bewegen war, taten es ein paar Zivilisten und mit Erfolg. Natürlich blieb bis in Die Nachtstunden eine Menge Neugieriger vor Den Trümmecstätten versammelt. Mich im Eichbergviertel fehlte es wenigstens bis in Die elfte Stunde — an jedem polizeilichen Schuh bis auf Die Wachtposten vor dem Hause des Abg. Dr. Osann. Dagegen wurde am Abend der Äiisenplah durch eine dichte Postenkette von Dchupolcuten mit Gewehren in großem Um trete abgcf.e.Tt. Gleichzeitig patrouillierte ein Panzerauto durch Die Straßen Der inneren Sstadt; es soll ihm gelungen fein, weitere Plünderungen zu verhindern. In Der Nähe Der katholisch.n Kirch? wurde einRadfahrerer- schossen. Ein Polizeiwachtmeister war noch um Mitternacht als vermißt gemeldet. In Die Rettungswache tour De eine ganze Anzahl Verwun- Deter eingeliefert. Ein deutsches Sängerjubiläum in Czernowitz. Anfang Juni feierte in Czernowitz Der Czernowitzer Mä nnergesangverein das Fest seines 50jährigen Bestehens. Es gestaltete sich zu einer Jubelfeier des ganzen Deutschtums im Buchenlande, an dem Die 'Vertreter der übrigen Deutschtumssplitter In Groß- Rumänien lebhaften Anteil nahmen. Der Czernowitzer Männergesangverein war urs rünglich eine nationalgemischte Gründung und wu.de erst rein deutsch-völkisch, als die nationalen Spannunaen im Buchrnlande sich verschärften. Dieser deutsche Verein ist ein Wahrzeichen deutscher Kultur im Duchenlande geworden, dessen Jubelfeier aber auch von den übrigen Nationalitäten der Stadt und des Landes neidlos als ein Fest von hoher Bedeutung für die gesamte Kultur des Landes anerkannt wurde. Zum festlichen Empfang der Gäste aus allen Teilen des Landes nm Bahnhof hatten sich mit dem deutschen Stadtratsvert eter Kipper Die Sangesbrüder zahlreich cingefunben. Sie wurden von Deieinsvorsitzenden Oberbaurat Würfel begrüßt, für die Bukarester Sänger antwortete Apotheker Schaster, in geschlossenem Festzug mit vielen Fahnen zog man sodann ins Deutsche Haus, wo Professor Lebouton im Auftrag des Landwirtschaftlichen Verbands, des Hausherrn, begrüßte. Beim Begrüßungsabend gab es noch eine Reihe froh und festlich gestimmter Ansprachen, unter Denen auch Die des Vertreters eines jüdischen Gesangrereins erwähnenswert ist. Chöre Der auswärtigen unD Der Czernowitzer Vereine verschönten Den Abend. Bei Der Festtagung selbst sprach auch ein Vertreter Des ukrainischen Gesangvereins, Der rumänische Obmann des Vereins zur Förderung der Tonkunst in der Bukowina, die Vertreter des rumänischen und siebenbürgisch-sächsischen Sängerbundes, des Wiener Männergesangvereins, der Bukarester und anderer auswärtigen Sänger. Prächtige Fahnenbänder und Geschenke wurden gestiftet und überreicht. An zwei Festkoiyertabenden zeigten die jubilierenden Sänger wie auch Die Gastvereine ihr hohes Können. Das Ganze war ein deutsches Fest von hoher Bedeutung und harmonischem Verlauf. Papftspende für tuberkulöse Studierende. Leipzig. 26. Juni. Der verstorbene Papst Benedikt XV. hat auf Grund einer von Kardinal-Erzbischof Dr. von Faulhaber unterstützten E ngabe des Deutsck>en Fürforge- Durcaus Leipzig. Roßstr. 14 (Prof. R. Wol- tereck), den Betrag von 200 000 Lire für deutsche tuberkulöse und bedürftige Studierende aller Hochschulen und aller Konfessionen zur Verfügung gestellt, wovon jetzt eine Million Mark in der Weise ausgegeben werden soll, daß einer beschränkten Anzahl (etwa 300) bedürftiger Studierender Kurbeihilfen in Höhe von je 2000 bis 5000 Mark gewährt werden. Es kommen demnach leider nur leichtere Fälle, die in drei dis sechs QRonatcn nachweislich eine erhebliche Bejserung finden können, in Betracht. Anoererseir-.- darf oaS Ge.d ausschließlich für einen wirklichen Sanatoriums- aufenthalt, zu dessen Gesamtkosten auch von anderer Lecke beigetragen wird, verwendet werden. Gejuche mit Lebenslaus. Zeugnissen der zuständigen studentischen Kassenärzte und BermögenöauSweiS sind an das Fürsvrgeamt des Rektorats der für den einzelnen zuständigen Universität einzureichen. Der Vatikau und die Palästinafrage. Genf, 28. Juni. (WTD.) Am 15. Mai richtete Kardinal Staat, selre är Gaspari ein Schreiben an Den damals in Gens tagenden Völkerbundsrat, um gegen we'entliche Bestimmungen des gerade zur Verhandlung stehenden eng .f .ten Ma ida.sprojektes für Palästina zu prötestieren. Das Schreiben, des en Wortlaut erst heute bekannt wird, und für die kommende VölkerbundSratzsitzung über Da PalästinamanDat von größter Bedeutung werden Dürfte, erhebt in erster Linie Einspruch Dagegen, Daß Den Juden in Palästina eine Vorzugsstellung vor allen anderen G aubenobcfmntniffen eingeräumt werde, was im Widerspruch stehe zu Artikel 22 DeS Versailler Vertrages. Außerdem tre iDct sich Der Vatikan eingehend gegen Artikel 14 des Man- datsproiektes, den- eine Stommi1 Ion zur Regelung Der fonfcfiionellen Fragen einsetzt. Die von England ernannt und deren Präsident zum Völker- bundsvat bestätigt wird Der Heilige Stuhl könne nicht eintoiU.gen, Daß Die katholischen Interessen behandelt werden, die nicht von den zuständigen hierarchischen Behörden gewählt wurden. Auch fei es nicht annehmbar, daß diese Kommission über den Schutz uni) die Auswahl Der zu schützenden heiligen Orte zu befinden habe Diese Klausel würde England übermäßig große Rechte geben. Die mit Artikel 95 des Vertrages von Sevres nicht übereinstimmen. Der heilige Stuhl schlägt Daher vor, Daß Die Kommission nicht von England ernannt werde, sondern sich aus den Konsulen der im Völkerbundsrat vertretenen Mächte zu- sammensehen möge. — Das „Journal de Genöve" erfährt noch zu der Mandatsfrage, daß der italienische Minister des Aeußern, Schanzer, in seiner । Besprechung in London tm Einverständnis mit dem Vatikan verlangt habe, daß Italien Die Aufsicht über einen Teil Der heiligen Orte erhalte Volksbund Deutsche Kriegs räberfürsorge. Am 8. Juni 1922 fanD eine Mitgliederversammlung Der Ort?• unD B zirkr'g upre Gießen des DolksbundeS Deutsche Xrteqe- gräbcrfüüforgc statt. Am Ende des Berichtsjahres (Ende 1921) zählte Die Ortsgruppe 368 Mit- glieDer, Die sich auf 37 Ortschaften verteilen. Von Diesen scheiden 74 Durch Die erfreuliche Gründung einer besonderen Ortsgruppe in Laubach aus. Trotz erfreulichen Antvachsens der Mll- gliederzahl ist festzustellen, baß noch viele Kreise Den Bestrebungen des Vollsbundes fern stehen unD ihm Die finanzielle Unterstützung zur Erfüllung seiner Aufgaben versagen, an denen Doch jeDer teilnehmen müßte. Die bisherige Tätigkeit Des VollsbundeS. Die in Der Ermittelung unD Der notdürftigen Unterhaltung der Gräber besteht, ist nur eine vorläufige. Seine endgültige Aufgabe wird Die Vermüllung rcgslmäßi er G äbe schnückung und -erhaltung sein. Sie kann einfehm, sobald Die Gräber nach Den internationalen Bestimmungen als „hergestellt" anzusehen sinD. Wann Dies Der Fall ist, darüber herrscht noch Cinklarheit. Um Klarheit zu schaffen, hat der Volksbund durch das Zentralnachweisamt für Kriegsverluste und Kriegergräber bei Der französischen Regierung anfragen lassen, ob Der Friedhof zu Avignon, Dessen Zustand Dem Volksbund bekannt ist, als hergestellt angesehen wird. Na'ch dem Vertrag von Versallles verpflichtet sich jeder Staat, die auf seinem Gebiet liegenden Gräber zu achten und zu unterhalten. Die Gräber auf Den ftan- Bit fiütowtfl M WM Roman von Ernst Scherte!. i. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Eduard von Wckf'en rief Dem K Frrcr and ließ sich Die Speisekarte bringen. Während er Diese studierte, fühlte er anaasgesetzt Die Aagen des Fremden auf sich gerichtet, and Die fiebernde Trockenheit dieses Blickes foaß sich in feine Nerven und erregte ihn p.inlich. Ec bestellte rasch etwas, um Di Zer anangenehmen Lage ei i Ende zu machen. Dann z'ändete er sich eine Zigarette an, und es dünkte ihm, als müßte Der bläalich Duf'.enDc Rarch Die giftigen Ausströrnavgen d s unbekannten Dok vrs arsgseichen unD anschäl lich machen. Doktor Perzelrus aß mit fernen Händen Den Nachtisch. Er grub seine langen, traFenartigen Nägel tief in Die weiche Schale einer Banane und zog mit einem wohlgefälligen Grinsen Die gelbe dicke Hülle von Dem rosigen Fleisch. Dann schob er Die Frucht in seinen Mund, wobei häßliche, gelbe Zähne hinter fernen Lippen ziom Vorschein kamen. Eduard von Wulfsen füllte einen anuber- wncklichen Ekel in seiner Kehle empörst stgen und warf Dem Fremden mehrere nicht mi'.zurerstehende Blicke zu, Die dieser jedoch unbeachtet ließ. Als Doktor Perzellus zu Ende gegeben batte, zog er eine kurze Pfeife aus ferner Tasche and wollte sie stopfen. 2K) aber sein Tabak zur Neige gegangen war, winkle er einen Eingeborenen m weißem Burnus heran, welcher Zigarren, Zigaretten und Ansichtskarten in einem Kasten vor sich her trug. Nachdem Der Fellache mL vielen Dankesbezeigungen toi^Der ge angeu war. setzte Perzelius Die frisch crtoodxmc Zigarre in Brand, schlug ein Bein über das andere un) blies bie grauen Wolken in Die Luft Dann sagte er kurz zu Eduard von Walffen hin: »Ti ser schwn-ze Teufel weiß auch mehr wie er sagen will." Der junge A ststokrat fühlte sich durch diese Anrede nicht sond rlich aug nehn beruhi. und tat einen Augenblick lang, als habe er fic nicht gehört. Aber da ruhte t schon wi der Die brennen Den Augen des Doktors auf ihm and hielten ihn so sicher lanflammert, Daß er nicht aasz i- weichen vermochte- DB einen Pack -Tageblätter in s l er Harck» hielt und mit lautem Geschrei zum Kaafe bot. Nut am etwas zt tm, erwarb Eduard kann ihnen höchstens ci rige müßige Daten entnehmen — aber das, was heute noch lebt von ter Vergangenheit, das ist das Wichtige. UnD es lebt noch unendlich viel mehr, als der Europäer glaubt" Eduard von Wulflen fühlte sich eigentümlich dutchschaaert bei diesen Worten des jremDen. Die Spannung war am so größer in Edtard, als er schon fiüßev manches gehört hatte über merkwürdige G.b.äuche and dunkle Riten, dre sich in dreiem Lande unter Der künstlichen Schicht europoi'cher Zivilisation erhalten hatten and noch völlig das Gepräge Der ältesten Zeiten auftotefen. Er war so erregt. Daß er es kaum bemerkte, wie Der Kellner Die bestellten Gerichte vor ihn auf Den Tisch setzte x.lInD h ben Sie von Di fern unterirdischen Aegypten schon etwas mit dgc en A gen gesehen 7' fragte er dann Den Ge'eh.trn „Mi eigenen Augen habe ich bis jetzt nur einige kleine Proben gejeßen, ober ich habe sichere Anzeichen dafür. Daß noch ung heare Dinge tm verborgenen liegen und dnrch geeignete Mittet crus Tageslich: g.fördert werden t.n en. „Jeder.'alte besitze ich so tnci Materral, Daß ich für Die nächste Zell vollauf zu tin habe, tm die Pläne auszufüchfen, die ich m Den vergangenen Monaten entwarf." , UnD was getenlen Sic zunächst zu tun?" fragte Eduard. „3m Volte f --eschen," entgegnete Perzellas. Dann 'ah er schw i;enb vor Lo hin und dltes dicke Ra-achto'lkrn über das Tischtach. „W.se.: ci:, Die untotllk-ärlichen unD oerbor- gcren Aea er g:n be? Vo ks ebe .s brachten — Dc cuf’ temmi es an,“ sagte er dann, während ein bösartioes Zucken über fein veelallenes Ant- Leben^wi en Foden feiner GeDa,.ken. Unsicherer richtete er U Dte ist 'einen Blick bald auf bei satanischen Gelehrten, tb Die bedeatendst. bald auf las sammende Meer von Menschen, das ihn urnga-d. In'diesem Augenblick trat ein Zeitangsi angr von Wullfen eine Nummer und übetfljg di. Zeilen. Aber feine Gleichmütigkeit verwand st ? sich in heftigen Schrecken, als et die Worte laS: Ein achtzehnjähriges Mädchen gerau bt. Entsetzt ließ er Die Zeitung sinken, and Soft di Perzelius. welcher Ed -ards p 5H Ich-s Erbl bemerkt hatte, griff nach Dem Blutt und las es scheinbar gl-stchzülig durch. Dann legte e e wieder auf Den Tisch and spuckte einige Tubuk» stückchen aus, Die ihm von feiner Zigarre in den Mund gekommen waren. Immer noch ergriffen und bleich bis tn die Lippen, sagte Eduard ,Es ist namenlos fircht- bar, zu wissen, welche grauenhaften Mächtr einen umgeben, ohne daß man das g .ri rgste bagegen unternehmen kann. — Stellen Sie mi irgendeinen Feind entgegen. Der Körper und Blut hat, and ich will gegen ihn kämpfen — aber Dies schieichend Gefpenstethufte mrd H im.ückilch: in Len Gewa'^ ten die uns hier zu imangen scheinen, hat etwas Lähmen-Des und Niederdrückeirdes." »Wissen Sie," warf der Doktor kultblüttg hin »Diese Verbrech.n wirte' nur de halb so geisterhafi und jngr.ifbar. w?il man dar Gesetz ihr^ Zusammenhanges >st ')t kennt. Die eii seinen Fälle entziehen sich mell: c Nxhsor'hu g and Versclgung. and stlbst wenn es g lange, da^ eine oder andre Ops r s.r en Räuber' wteder abzujagen, so wäre aach damit für das Ganze richt viel DeL-oimen. (Sbrnfo wie mit Der Töturg eines ci z.-lnen Sko pfoite ich! v e gcai ist. Ein Erfolg ist nur möglich, toe m cs grli rgt, den Punk» -r finden, wo . i er .realen Fäden za- sammenlaufen and von wo aus all die er izelnen Glieder gelenkt werden — kurz, wenn es glückt. Das Nest zu entdecken, aas Dem ct e immer neac Brut kes Verbr'chen^' h.-wor^ h trenn cs gelingt, Den GZ amte rgan is nu a die e dankte Welt bloßzulegen und za zerstören." »Aber dies wäre doch Sache der Regierung.- enigegntte’ EdaarD. »denn n.ir Di.se besitzt Dte nötige Autori'ät and Machtbesagitts, am mit diesen äleberg i fen g.ü rdlich aufzaräamen." 1 Fortsetzung folgt) .Wieso . . . Was soll er denn toi'sen 7" antwortete deshalb EdagrD mit erkürst l ei Gleichgültigkeit und sah Dabci Perzelias kaum an »Wissen Sie nicht, da'; cs zwei Aegypten gibt — d.i oberi.D.sches und ein anterrrDischrs, eines von heute and einte vom Anfang der Geschichte?" entgegnete der unh rmliche Doktor und fahr fort: .Dieser b.aune Kerl gehört za dem unterirdischen Acghdten. das nun bald siebentausend Zahre alt wird." Dann rauchte er wieder gleichgültig an ferner Zigarre weiter. Eduard von Walffen war nun doch ne agiert g geworden, und das Geheimnisvolle, das dem ftem- I ben Doktor und dessen Reden anhustete, begann i ten anfänglichen Ab ch:u üb rto.n'en „Sie tennen sich toot-I genauer aas in der Bevölkerung Kallws als ich," sagte er. »denn ich bin erst seit acht Tagen hier." »Alleidings," entgeg-rete Doktor Perzelius, ich "habe einen großen Teil meines L.bms im nordöstlichen Asrcka verbracht unD amsangrerch. Ausgrab rngen geleitet“ „2ID . . . . 6.e sind Archäologe?" ftagte Eduard. ,Za. ich habe diese Disziplin zu meinem Spezialstudiarn gernatzt. nachDe n ich mich lange Zeit mit allen möglichen andern Dingen he.um- geschlagen Hütte. Llrsprü'glich to.v i G.richts- müdung durch Kränze und Erinnerungszeichen (Couronnes et Souvenirs), sofern dadurch der Gesamtcharakter des Friedhofs nicht beeinträchtigt wird. Der Zustand der Gräber auf den französischen Zwilfriedhöfen ist sehr verschieden, je nach dem Interesse, das die verantwortliche Persönlichkeit dafür aufbringt. Die Gräber auf den Zivilfriedhöfen können beliebig, also auch durch Einfassungen, Gitter, Grabsteine u dgl. geschmückt werden. Das gleiche gilt für Belgien, doch ist dort unverständlicherweise eine Schmückung der deutschen Gräber auf den Militärfriedhöfen trotz aller Vorstellungen noch nicht gestattet worden. In England und Italien ist der Zustand der Gräber im allgemeinen gut. In Polen lässt der Zustand sehr viel zu wünschen übrig. Trotz bester Zusicherungen der polnischen Regierung geschieht nichts, da der Bevölkerung jedes Verständnis fehlt. In Litauen und Lettland arbeitet das Zen- tralnachweiseamt durch besondere Kommandos. In Esthland und Finnland werden die Gräber in erfreulicher Weise durch die Einwohner und Aus- landsdeutsche gepflegt. Im Orient sind die Gräber leider dem völligen Verfall preisgegeben. Es liegt dies an der älnzulänglichkeit und dünnen Bevölkerung des Landes. Vicht einmal den Engländern gelingt es, dort für ihre Gräber eine ausreichende Fürsorge durchzusehen. Hinsichtlich des Besuchs Der Gräber durch Angehörige werden von keinem Staate Schwierigkeiten gemacht, doch bestehen Erleichterungen im Eisenbahn- und Pahwesen nicht. Die Erwa rtungen haben Beden len dagegen, da sie Missbrauch zu anderen Zwecken besorgen. Verhandlungen sind im Gange. Hinterbliebenen, die den Wunsch haben, ein Grab zu besuchen und die rechnen müssen, werden gut tun, ihre Absicht zunächst noch zurückzustellen. Auch Heberführungen wird kein Widerstand entgegengesetzt. Gegebenenfalls wird der Volksbund durch Vermittelung des Zentralnachweiseamts zuverlässige älnternehmungen in Erfahrung zu bringen suchen. Die Franzosen werden in alller Kürze ihre sämtlichen In Deutschland r u he n- den Toten nach Frankreich zurückholen. Es hartdelt sich etwa um 20 000. Es wird angestrebt, diese Gelegenheit im Vückbe- förderungswege auch für die umgekehrte Heber- führung nutzbar zu machen. Trotzdem muh nach wie vor grundsätzlich von der so überaus kostspieligen äleberführung abgeraten und empfohlen werden, die Toten da ruhen zu lassen, wo sie den Heldentod gefunden haben. Die Heber- nahme von Patenschaften für Kriegerfriedhose durch Gemeinden oder Vereinigungen, die dort vorzugsweise ihre Angehörigen beerdigt haben, soll gefördert werden. Zunächst empfiehlt es sich, dah derartige Gemeinden oder Vereinigungen einen Friedhof bestimmen und Gelder sammeln, damit nach der endgültigen Herstellung durch den vertraglich verpflichteten Staat ein älebriges getan werden kann. Zur Zeit gestatten die Geldwertverhältnisse nicht, auf diesem Gebiet wesentliches zu leisten. Der Gedanke des allgemeinen Dolkslrauertages ist vom Volksbund in jeder Hinsicht gefördert worden. Der Mitgliedsbeitrag * wurde auf mindestens 10 Mk. festgesetzt, für die Dauermitgliedschaft auf 200 Mk. Für Gießen sei bemerkt, dah die Mitgliederbeiträge für 1922 demnächst eingehoben werden. Diejenigen, welche t durch Zahlung von 100 Mk. die Dauermitgliedschaft erworben haben, werden freundlichst ge- beten, zu erwägen, ob sie angesichts des gesunkenen Geldwertes nicht eine Vachzahlung hieraus ' leisten wollen. Aus Stahl und Land. Gießen, den 30. Juni 1922. Der Vorstand der Ortsgruppe Gießen der deutsch-nationalen Vokkspartei hat in seiner Sitzung vom 28. Juni, wie er uns mitzuteilen bittet, einstimmig folgende Entschlie- hung angenommen: Die Ortsgruppe tritt hinter die von ihrem Parteivorsihenden Staatsminister a. D. Hergt in der' Reichstagssihung vom 25. Juni abgegebenen Erklärung. Auch wir sind von tiefster Entrüstung und Empörung über die verruchte Tat erfüllt, der der Reichsminister Dr. Rathenau zum Opfer gefalllen ist. Die Tat ist um so mehr zu verurteilen, als sie in ihren Folgen den inneren Frieden und den Wiederaufbau des Reiches auf das Schwerste bedroht. Wir erwarten von der Regierung, dah sie alle Mittel ausbieten wird, um die Mörder der Aburteilung zuzuführen. Mit alllem Vachdruck aber müssen wir uns gegen die unerhörten, unbewiesenen und nie beweisbaren Hnterstellungen verwahren, die gegen unsere Partei und die in ihr vertretenen Volksschichten geschleudert werden. Wir protestieren mit alller Entschiedenheit gegen die Anwendung von Ausnahmeverordnungen gegen unsere Partei. Wir fordern Gerechtigkeit nach rechts und sinks, für jeden deutschen Staatsbürger. Die Gleichheit vor dem Gesetz darf nicht beseitigt werden. Die systematisch geleitete Hetze gegen unsere Partei hat dazu geführt, dah in Darmstadt, Butzbach, Freiburg und Karlsruhe Gewalttaten verübt wurden, denen auch Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Auch in Dietzen sind gröbere Ausschreitungen vorgekommen. Wir fordern daher Schutz gegen öffentliche Beleidigungen, Angriffe und Beschimpfungen. Wir bedauern, daß die maßgebenden Behörden in Dietzen es zugelassen haben, daß durch öffentliche Plakate und Flugblätter eingsladen werden durfte öu ciner Versammlung de.en Tagesordnung lautete: „Deutschnationale Meuchelmörder". Wir bedauern ferner, dah die gleich.' Tagesordnung auch in der Presse veröffentlicht worden ist. Trotz allem bitten wir unsere Mitglieder und Parteifreunde, velbstoeherrfchung. zu üben und alles zu vermeiden, was zum Kampfe aller gegen alle führen muh. Wir werden nach wie vor eintreten für Versöhnung der Klassen, Heber- bnidung der Gegensätze und Schaffung einer groben Volksgemeinschaft zum Segen unseres geliebten Vaterlandes. * ** Bon der Feuerwehr. Gestern nachmittag um 6.38 Hhr erhielt die Feuerwache die telephonische Vachricht, daß im Kesselhaus des Sägewerks Crdkau- terweg ein Brand ausqebrochen sei. Die Äutospritze rückte sofort aus und fand daselbst, daß die aus Holz bestehende Isolierung des Kessels, welche teilweise mit Oelsich durchdrängt hatte, in Brand geraten war. Da keine Wasserleitung, und für die Spritze lein geeigneter Brunnen vorhanden war, so muhte das Wasser aus entfernten Hydranten herangeholt werden. Es gelang der Feuerwache, das Feuer auf seinen Herd zu beschranken und um 8.30 Hhr konnte die Wache abrücken. ** D i e Astoria-Lichtspiele bringen zur Zeit einen äußerst interessanten Film „Tarzan" zur Vorführung, der mit vollendeter Technik das Auswachsen eines jungen Menschen im Hrwald zeigt. Tarzan wird von einer Aesiin gesäugt, und erst im beginnenden Mannesalter gelingt es ihm, wieder unter Menschen seiner Rasse zu kommen. Der an Abenteuern reiche Film erhält den Zuschauer bis zum Ende des ersten Teckes in andauernder Spannung. Kreis Friedberg. bs. AusdermittlerenWetterau, 28. Juni. Der Himmel hat seine Schleusen geöffnet. Der Regen hat die Pflanzen neu belebt. Prächtig stehen die Kartoffeln. Wenn nicht alles trügt, steht eine ganz autzer- gewöhnlich gute Ernte in Aussicht. Zum erstenmal seit vier Jahren konnte derLand- mann die Dickwurzpflanzen ohne das mühselige Wassergietzen setzen. Klee, soweit solcher vorhanden ist, treibt gut, und auch verspricht es einen guten Grummetschnitt zu geben. Die Sommerfrucht steht gut, wenn auch in dürren Lagen der Hafer ungleichmäßig aufgegangen ist. Am wenigsten Arbeit wird der Obst- z ü ch t e r im Herbste haben. Aepfel hängen sehr dünn, bei Dirnen fällt Tafelobst fast ganz aus, nur Zwetschen zeigen einen vollen Behang. Der Hohenastheimer wird also dieses Jahr knapp,und dünn werden. bs. Melbach, 27. Juni. Am Sonntag fand hier das erste DundeSfestdesWet- terauer Sängerbundes statt. Die Eröffnung erfolgte Samstag abend durch einen Fackelzug nach hem Festplatz. Am Sonntag morgen begann dann in zwei Hallen das Wertungssingen der 38 Bundesvereine. Iieder Verein bekommt seine Würdigung schriftlich übermittelt. Mittags wurde im Anschluß an die Dannerweihe pes Ortsvereins noch ein Massenchor von 1200 Sängern vorgetragen. Hessen-Nassau. ][ Marburg, 29. Juni. In denStadt- sälen fand gestern abend eine von der Demokratischen Partei veranstaltete, überaus zahlreich besuchte Trauerkundgebung für Minister Rathenau statt. Prof. D. Rade gab in einstündiger Rede ein lebenswarmes Bild des Verblichenen und betonte, daß dieser ein Opfer seiner politischen Heberzeugung geworden sei. Vermischtes. * Sine Frau als Brückenbauer. Der erste weibliche Drückenbauer-Ingenieur hat in England soeben einen bedeutenden Drückenbau vollendet. Es ist eine pinge Dame, Miß Peggy FvLwell, die auf der Technischen Hochschule von Cambridge ihre Examina bestanden hat. „Peggy" ist 23 3al)re alt, sieht aber höchstens tote 17 aus und macht einen überzarten, fast gebrechlichen Eindruck. Man traut ihr eine solche Leistung wie den Dau einer Drücke gar nicht zu. Als die Dericht- erstalter sie ausfragen wollten, hatte sie gerade zwei Rächte durchgetanzt auf dem Fest, das zur Feier der Vollendung der Drücke gegeben worden war. „Ich habe zwei Jahre hindurch hart gearbeitet," erklärte sie, „aber ich habe auch mein Vergnügen nicht vernachlässigt und ebenso viel Zeit im Dallsaal und auf dem Tennisplatz verbracht wie am Fluh beim Drückenbau." * Die Operation beim drahtlosen Konzert. Ein Reuyorker Chirurge Dr. John Howard benutzte bei einer Operation, die er an einer sehr empfindlichen jungen Dame vornahm, auf drahtlosem Wege übermittelte Musik, um die Gedanken der Patientin abzulenken. Die Operation erfolgte bei lokaler Betäubung; außerdem wurden Telephonhörer für drahtlose Telegraphie an ihren Ohren befestigt, und sie hörte ein Klavierkonzert, in dem Chopin gespielt wurde, während zu gleicher Zeit die Operation stattfand. Die junge Dame hatte von der 45 Minuten dauernden Operation nur angenehme Eindrücke. Gcrndei. Ber11it 29. 3unl Börsenstirnmungs- bild. Die frifenpo te rw e politische Lage, die zur ReichstagsauflPsung zu führen droht, hat in wirtschaftlichen Kreisen grote Beunruhigung her- Dorgerufen. Als nächste Folge ergab sich et ;e weitere sprunghafte 6t.igerj.ng der Devisenkurse. Der Dollar erreichte schon in den ersten Börsen« stunden den Stand von 8661/3. Für Industrie- aflien fehlte es bei aflgenvemer Hichicherheit an Hniemetymungelift Di^ we. igen Znf.Llegeschäfte bewirkten mir meist unerhebliche Veränderungen nach oben und unten. Auch Schiffahrtsuklien batten keine einheitliche Tendenz. Bankuttirn schwächten um Kleinigkeiten ab. Ausländische Aulei Yen allgemein fest bet höherer Bewertung der valutarischen Papiere. Besonders Tü ten waren bevorzugt und zum Teil beträchtlich höher. Mn- garifche Anlcihe nur toerrtg und ungleichmäßig verändert. Oesterreichische Anleihen neigten zur Schwäche. Deutsche Anleihen tonnten sich gut behaupten. Frankfurt a. M., 29. Oirnt Börsen» stimmungsbild Dieselben Motive, die an den Vortagen auf Die Lebhaf i >keit des Geschäftes drückten, waren auch heute wieder im vorhanden. Immerhin machte sich anfänglich für einige ©onLefpapi-’re eir» B.-festigung b-.m i.Lxir Eine Belebung trat auch am Devisenmarkt ein, wo der Dollar stärker beachtet wurde. Er notierte 357—362; an der Bö se 366. Der Freivrrkehr -eigte etwas freundlichere Tendenz. Duu sche P - troleum 2125—2150, E.ttreprises 4 25, Be z 43) bis 440 Hansa Lloyd 210—2.0. Der Muntan- altfenmarlt stand in Zeichen der Geschästchinlust. In chemischen Aitien traten teilweise Erhöhungen ein. ISlettrijitätäpapiere konnte sich de,a :p- ten. Zuckerfabcikaklien lagen unregelmäßig. Deutsche Anleihen schwankend. Im weiteren Verlaufe erhielt sich die feste Grundtendenz des Gesamtmarktes. Privatdiskont 43/4—4"/s Prozent. Stan Hut: a. M., 20 Juni. Börsenkurse. Frankfurt Berlin Sch'utz- Sch.uh- Schluß- Schluß' Kurs Kurs Kurs Kurs Datum: 28.6. 5°/ -Dtfch. Kriegsanl. 77 50 4'/°Dtsch. Reichsanl. ^6,50 3°/gDtfch. Reichsanl. 14? F0 4°/0 Preuß. Konfols 81,- Hamburg-Paketf.. . "97,- Vorddeutfcher Lloyd 800, - Comm.u.Privatbank 292,— Darmstädter Bank . 233,- Deutfche Bank . . . "08,— Disconto-Gefellschast 413,— Dresdner Bank. . . 208,— Mitteld. Ereditbank. 247. — Äationalbank f. D.. 238,— Doch. Gutzstahlwerke Bud.- Eisenw.» Akt.. 570#— D.-Luxemb. Bergw.. 855,— Gelfenkirch. Bergw.. 992,— Harpener Bergbau. 1770,— Obcrfchl. Eisenb.-B. 820,- Oberschles. Eisenind. 589,- Phönir-Bergb.-Akt. 1160,— Bad.Anilin-u. Soda 719,— Höchster Farbwerke. 626, - Allg. Elektr.-Ges. . . 650,- Felten & Guilleaume 695, - Schuckert-Werke. . . 635,— Adlerwerke 411,— Daimler 395,- 4° 0 Hess. Staatsanl. — Electron Griesheim 744,50 DIsche. Dereinsbank 180, - 29.6 77,50 105, 149,75 81,50 398 - 296.50 292,- 2»2,- 500,- 409,- 396,- 246,- 285. - 555* - 955,- 1003,- 1770,- 815,- 685 - 1150',- 720,- 637,- 648,- 670,- 625,- 439,- 3.6,50 78,10 760,- 18a.- 2b. 6. 29. 6. 77,50 77,50 107 75 105,10 150, - 161, 82,50 82,25 394,75 392,- 295,- 296,- 295,- 295, - 285,- 284,- 505, 506, 412, - 410,- 311,- 310, - 248,50 248,25 285,- -,- 1045,- 1075,- 550,- 535,- 948,- 952,- 1000, - 1005,- 1788,- 1776,- 822,- 814,- 575,- 576,- 1165,- 1141,- 719,50 718,- 628,- 630,- 6>0,- 633,- 682,- 6?8,- 6*5, — 635,- 430,- 410,- 395,- 391.- 79.40 79,10 760,» 776,- Derliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Brief Datum: 28. Juni. 29. Juni. Amstd.-Rotterb. Brüssel-Antw. . Ehristiania. . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helstngfors. . . Italien London Veuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr» Prag Budapest.... Buenos AireS . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro 13383,25; 3416.75 13982 50 14017,50 276o 50 2803,50 2926,30 2932/0 5652,90 5667,10 5307/C 5.i22 40 7515,55 7534 45 7800 20 7819*80 89ö8,76 9011.25 9388,26 9411,75 78-4, - 786, - 825,95 828,05 1652,90 1357,05 1717 85 1722,15 15.5,55 1549,46 1610,45 1614,55 250,06 350,94 3.4,03 874,97 2946,30 2d53,70 3091,10 3098,90 6661,65 6678,35 7036.16 ?o52,36 646d,lö 5476,35 5732,80 5747,20 1,80 1,84 ',88 1,92 667, 5 668,85 702,69 704,40 35,05 35,15 36,- 36,10 125,45 126,80 131,3z 131,67 226,70 2 7,30 235,70 2^6,30 168,50 109,50 177,- 174,- 4718,- <872, - 5018,- 5032,- Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 28.6. 29.6. Zürich Fr. 125.40 1,49 1,42 Amsterdam Fl. 59.20 -,74 -,70 Kopenhagen Kr. 88.80 1,36 1,31 Stockholm Kr. 88.80 1,14 1,10 Wien. . . A Kr. 117.80 -,- Prag Kr. 117.80 16,20 London Sh. 97.80 . 1,52 1,42 Veuyork $ 23.80 -,28 -,27 Paris Fr. 125.40 3,42 3.25 Züricher Devisenmarkt. 29. 6. 30. 6. Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. = 202.25 202. 0 Deutschland 100 Mk. -- 1,47 L4< Wien 100 Kr. = 0.027 0.027 Prag 100 Kr. --- 10.10 10.10 Paris 100 Fr. — 44.15 44.10 London 1 £ — 23.24 23.27 Italien 100 L. = 24.60 21.70 Brüssel 100 Fr. — 42.- 41.75 Budapest 100 Kr. — ■ 0.53 0.51 Veuyork 100 $ — 628-60 627.75 Agram 100 Kr. — 1.675 1.65 Warschau 100 Ät- -- 0,115 0,115 Märkte. Frankfurter Schweine- und Kleinviehmarkt. Frankfurt a. M., 29. Juni. (Amtlich.) Markt versauf: Gangfamer Handel. Bei Schweinen etwas Heberstand. Im ehndnen ist zu bemerken: Auf getrieben waren 637 Kälber. 183 Schafe und 263 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: Kälber, be^te Qualitäten, 3300 bis 3700 Mk.. mittlerer Qualität 2800 bis 3200 Mk.. geringerer Qualität 2200 bis 2610 Mk., Schafe 1900 bis 2400 Mk., Schweine unter 80 Klgr. Lebendgewicht 4400 bis 5000 Mk., von 80 bis 100 Klgr. 5200 bis 5400 Mk.. von 100 bis 120 Klgr. 5300 bis 5500 Mk., von 120 bis 150 Klgr. 5300 bis 500 Mk., Fettschweine über 150 Klgr. 5300 bis 5500 Mk., Sauen und Eber 4700 bis 5000 Mk. Außerdem wurden 95 Ri ider ohne amtliche Preisnotierung gehandelt. D e Marktpreise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste. Spesen und Händlergewinne in sich schließen' (In einem Teil der Auslage wiederholt.) Einer der Mörder Rathenaus ergriffen. Berlin, 29. Juni. (Amtlich.) (WTD.) Einer der Mörder des Außenministers Dr. Rathenau, der 21 Jahre alte Ernst Werner Dechow, ist heute vormittag in der Nähe von Frankfurt a. d. O. verhaftet worden. Gr ist derjenige, der das Automobil gesteuert hat. Die Meldung, daß auch die anderen beiden Mörder ergriffen worden seien, bestätigt sich nicht. Der Gesetzentwurf zum Schutze der Republik. Berlin, 29. Juni. Der Gesetzentwurf zum Schuhe der Republik hat gestern nach drei Sitzungen das Reichskabinett passiert. Er wird jetzt den Ministerpräsidenten der Länder zur Kenntnis gebracht und darauf an den Reichsrat und den Reichstag weitergeleitet werden. — Der Reichskanzler hat die Führer der Koalitionsparteien gestern mit den Grundsätzen des Gesetzentwurfes vertraut gemacht, ebenso mit dem Ent- । würfe eines Gesetzes über die Pflichten der IReichsbeamten gegenüb er der demokratischen Republik, der gleichzeitig des gesetzgebenden Körperschaften borgelegt werden soll. Der Gesetzentwurf öum Schuhe der Republik baut sich im allgemeinen auf der Verordnung des Reichspräsidenten auf und enthält weit schärfere Maßnahmen als die ursprüngliche Fassung. Die Lage m Darmstadt. rm. Darmstadt, 29. Juni. Die für heute im großen ©aalbaufaale von der Demokratischen Partei angeiagte Trauerkundgebung zu Ehren Rathenaus ist mit Rücksicht auf die erregte Stimmung in der Bevölkerung abgesagt worden. Wir erfahren noch, daß der Oberbürger» m e i st e r bei der Regierung die Verhängung des Belagerungszustandes im Interesse des Schuhes der Bevölkerung angeregt hat, daß aber bis jetzt die Genehmigung versagt worden ist. Da der S t a-a t^s p r ä s i - dent noch nicht anwesend war, konnte er selbst noch keine Entscheidung treffen. Ein Beileidstelegramm Tschitscherins.* Berlin, 28. Juni. (WTD.) In der Reichs» kanzlei ist folgendes Telegramm des russischen Volkskommissars Tschitscherin eingelaufen: Ties erschüttert durch die schreckliche Vachricht deS abscheulichen Verbrechens und tragischen Ablebens meines persönlichen Freundes und bedeutenden Staatsmannes, der normale deutsch-russische Beziehungen anbahnte, bitte ich, der schwergeprüften Mutter und ganzen Familie Rathenaus meinen tiefen Schmerz auszusprechen. Mit unseren deutschen Sreunben fühlen wir uns in diesen Stunden noch näher. Die Arbeit des „Garanlieausschusses". Paris, 28. Quni. (WTD.) Die Abendblätter geben bekannt, dah der Garantieausschuh seine Arbeiten in Berlin fortsetzt. Die alliierten Delegierten übten'ihre Kontrollrechte über die Einnahmen und Ausgaben des Staates aus und veranlaßten Erklärungen der Vertreter des deutschen Fiskus, wenn gewisse Ausgaben übertrieben oder übermäßig erschienen, oder wenn Saumseligkeit in der Erhebung von Steuern erkennbar wird. Sie nahmen Die Erläuterungen entgegen, ohne für den Augenblick Bemerkungen zu machen. Wenn die Arbeit in spätestens acht oder zehn Tagen beendet sei, werde der Garantie ausschuh seine Konklusionen formulieren. Wenn die deutschen Vorschläge nicht befriedigten, würden Gegenvorschläge zur Sanierung der deutschen Finanzen, zur Herabsetzung der Inflation und der Stabllisierung der Mark gemacht werden. Eine der schlimmsten Fragen ist nach dieser Mitteilung, deren Hrsprung nicht erkennbar ist, die Verhinderung der Kapitalflucht, die äußerst schwierig erziell werden Lnne. Deshalb wäre es vielleicht vorzuziehen, auf Mittel zu sinnen, um das Kapital wieder dadurch nach Deutschland zurückzuführe^r, daß eine internationale Anleihe aufgelegt werde. In diesem Falle würde die Frage der Kapitalflucht zu gleicher Zeit mit der Frage der Stabilisierung der Mark geregelt werden können. Bürgerkrieg in Irland. London, 29. Juni. (WTB.) Unter der Heberschrist „Der Bürgerkrieg" tn Dublin, veröffentlicht „Pall Mall and Giove" eine ausführliche Drahtung über die dort im Gange befindliche Schlacht, Die den ganzen Tag dort angedauert habe zwischen Den irischen Freistaat- truppen und den irregulären Truppen. Die Truppen des Freistaates, mehrere tausend Mann stark, haben eirien entschlossenen Versuch unternommen, Die Four Courts und Fowlers Memorial Hall, Die seit Monaten von Irregulären besetzt gehalten worden war, einzunehmen. In der Fowlers Hall ist nachmittags Feuer ausgebrochen, Die Garnison von Four Court würbe gezwungen, sich in den rückwärtigen Teil des Gebäudes zurückzuzichrn. Vvii den Dächern Der verschiedenen Stob t.Le Dublins wird geschossen. Hunderte von Zuschauern fielen an Den Quais und den Straßen, die an das umstrittene Gebäude angrenzen. Das G