Ur. 125 Erscheint täglich, auhrr Sonn» und feiertags, mit berSamstaqsbeilage: GiehenerFamilienblätter Mouatlichevezuarpreife: Mk. 18.- und Mk. 2.— Irägerlohn,durch diePost Mk. 20.—, auch bei Nichterscheinen einz^ner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: für dieSchnst- lehung 112; für Der lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Hnieiaer Sietzen. poftschealonlo: Srantfirt a. M. 11686. Erster Blatt 172. Jahrgang Dienstag, 50. Mai 1922 SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Druck und Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- und 5telndruckerei R. tanze. Zchriflleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: 5chulstratze 7. Annahme von Unzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher otznejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm ‘Breite örtlich 120 Pf.auswärts 150 ‘Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm ‘Breite 450‘Pf. Bei platz- Vorschrift20 „Aufschlag. Houptschriftleiter: Aug. ißoet). Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen. Der Entwurf zu einem deutschen Strafgesetzbuch von 1919. Besprochen von Prof. 2D. Mittermaier. III. 3m besonderen Teil, der die Straftaten aufzählt, ist unser Interesse ein ganz anderes: hier wollen wir in klarer Tlebersicht eine erschöpfende Zusammenstellung der Straftaten, die Iür die Allgemeinheit dauernd von Bedeutung ind. Der E. bringt im wesentlichen den alten Bestand; er hat trotz vielfacher Aufforderung von den Aebengesehen, die unser tägliches Leben oft aufs Tiefste und Stärkste berühren, kaum etwas ausgenommen. So fehlt z. D. der Sozialwucher, der sich so breit macht, und ebenso jede mit dem Arbeitsrecht zusammenhängende Tat. Prehdelikte, Aahrungsmittellälschung, Llrheberrechtsdelikte sind weggelassen. So bleibt eine leidige Zersplitterung unseres Rechts. Unb der Strafrichter wird ebenso oft nach anderen Gesehen greisen müssen als nach dem Strafgesetzbuch — Dah der E. danach strebt, die Taten tlarcr zu gruppieren als bisher und sie schärfer zu fassen, die Erfahrung der Praxis zu verwerten und den neuen Verhältnissen gerecht zu werden, ist selbstverständlich; aber es fehlt noch vieles, bis er wirklich so gut wird, als er heute schon sein kann. Es muh noch sorgsam geprüft werden, ob die Fassung der Tatbestände so ist, dah der Richter allen sozialen und individuellen Verhältnissen gerecht werden kann. Der E. hat die Tatbestände zwar im allgemeinen viel einfacher und weiter gefaßt als bisher; aber er hat doch auch noch zu viele Einzelheiten stehen lassen, die den Richter zu unverständlichen Entscheidungen zwingen. Das gilt z. B. gerade für den Diebstahl. Der E. gibt aber dem Richter überall eine viel reichere Auswahl von Strafen, er sucht die Rot einerseits, die Gewerbsmähigkeit andererseits zu berücksichtigen, er erlaubt sogar ein völliges Absehen von Strafe in besonders leichten Fällen. Latz man doch sagen darf, er sucht den Verhältnissen Rechnung zu tragen; und dabei beachten wir, dah er nicht nur zu Milde neigt, sondern auch streng ist, wo es die Zeit erheischt. Bemerkenswert ist, datz er viel mehr als bisher der tätigen Reue der Schadensabwendung durch den Täter gedenkt. Ich hebe hier nur einzelne wichtige Punkte hervor. Auf dem Gebiete der Staatsdelikte ist es nur natürlich, datz die neuen Verhältnisse beachtet werden. Aber es ist offenbar schwer, den neuen Staat in seinem Wesen voll zu erfassen; so ist manches noch unbefriedigend; der neue Entwurf zur Anpassung des Strafgesetzbuchs an die neuen staatlichen Verhältnisse und die Erfahrung werden da noch allerlei Acnderung bringen. Besonders mutz der Dollswille viel entschiedener geschützt werden, als es bisher geschah. Dah»die Verletzung der Amtspflicht bei jedem, der berufen ist, ein öffentliches Amt auszuüben, nicht nur bei dem eigentlichen Beamten bestraft wird, ist berechtigt. — Die Hinterlassung der Rothilfe bei Gemeingefahr wird erheblich strenger bestraft als bisher. Daneben steht die Hinterlassung möglicher Lebensrettung. Gegen Störung des religiofcn Friedens sind alle im Reich bestehenden Religivnsgesell- schasten geschützt, ebenso wie alle Bestattungsfeiern, nicht nur die kirchlichen. — Endlich wird auch die falsche uneidliche Aussage eines Zeugen oder Sachverständigen mit Strafe bedroht. — Viel entschiedener wird auch gegen Aufforderung und Verabredung zu Verbrechen vorgegangen. — Interessant ist ein neuer Abschnitt „Gerneinschad- liches Verhalten", wo sinnlose Trunkenheit neu neben Bettel, .Arbeitsverweigerung und Gewerbsunzucht steht. Taten, die sozial von so grvher Bedeutung sind. Strafbar soll nur die ^Übertretung der zur Tleberwachung der Gewerbsunzucht erlassenen Vorschriften sein, wobei diese grundsätzlich von der Reichsregierung zu erlassen sind. Aehnlich steht es schon in dem neuen Entwurf zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Frei bleibt also grundsätzlich die nicht polizeilich geregelte Prostitution. Unter den Sittlichkeitsdelikten steht auch der Mitzbrauch wirtschaftlicher Abhängigkeit, aber auch in ganz alter Art die Unzucht zwischen Männern (beischlafsähnliche Handlungen'.Y ja sogar noch die mit Tieren I Ueb er Haupt wird hier der E. den neuzeitlichen Auffassungen am wenigsten gerecht. — Die Abtreibung bleibt grundsätzlich strafbar; das ist gegenüber den übertriebenen Forderungen auf ihre grundsätzliche Straflosigkeit zu begrüben; aber weitgehende Milderung ist ja hier zulässig. Straflos ist nur die Tötung der Frucht zur Rettung der Mutter aus sonst nicht abwendbarer schwerer Gefahr für Leben oder Gesundheit, und da nur mit Willen der Schwangeren. Dagegen ist auch die Ankündigung von Abtreibungsmitteln strafbar! — Die Aerzte werden nicht ganz mit Unrecht unzufrieden fein, dah die Heilbehandlung nicht mit klaren Worten erlaubt ist; gegenüber der bisherigen Unsicherheit wäre das wohl nötig; so ist es nur aus dem Verbot der Heilbehandlung wider Willen des anderen zu entnehmen. — Bei der Beleidigung ist zu erwähnen, dah die Wahrnehmung berechtigter Intereessen um ein geringes erleichtert ist. und dah die öffentliche Erörterung das öffenlliche Interesse nicht berührender, aber ehrenrühriger Privatangelegenheiten als besondere Tat herausgehoben ist. Das Strafrecht bietet eine grobe Fülle von Problemen; es nötigt uns, in das Seelenleben der Menschen und in die sozialen Verhältnisse zu bilden. Es kann nur bei eingehendem Studium voll gewürdigt werden, und doch soll es jedem im Dolle verständlich sein! So bietet es dem Gesetzgeber und Richter die größten Schwierigkeiten. Es ist auch begreiflich, dah die Anschauungen über das Richtige sehr ftarf auseinandergehen. Der E. bemüht fidx der Reuzeit gerecht zu werden; meine wenigen Bemerkungen mögen zeigen, wie er es tut. Rian darf aber nie glauben, datz das immer nur klar faßbare äußere Taten treffende Strafrecht alle sozialen Schäden bekämpfen kann. Besonders wenn es noch so sehr im Banne der Uebcrlieferung alter Dergeltungsgedanken steht und nicht von dem alten Katalog strafbarer Taten lvskvmmt. Das neue Recht stellt große Anforderungen an die Richter; die werden sicher erfüllt werden. Schwieriger aber ist das andere: die Anforderungen an den Geldbeutel des Reiches und der Länder zu erfüllen! Denn die Durchführung der vielen neuen Maßnahmen kann nur mit Erfolg geschehen, wenn die nötigen Anstalten da sind. So bietet wieder die Schwere der Zeit bei einem wichtigen Kulturfortschritt ein starkes Hemmnis. Wir werden es aber doch überwinden! Die Stellung der Beamten zu Staat und Volk. Eine Rede Stegerwalds. Essen, 29. Mai. (Wolft.) Bet der gestrigen Eröffnung des ersten Kongresses des ® e I a m t - Verbandes deutscher 'Beamten- und Staatsangestellten-Gewertschaften» hielt Ministerpräsident o. D. S tegerwald eine Ansprache über »Die Stellung der Beamten zu Staat und Volk". Er führte u. a. aus: Das Beamtentum ist während der groben Umwälzungen der letzten Jahre vollständig passiv geblieben, wenn es auch in gewohnter Pflichttreue seine Arbeit versah. Ein Hemer Teil der Beamten verstand es, dis Freiheiten der Revolution zu mißbrauchen, und das führte zu den unerhörtesten Folgen und zu einer Gefahr für Staat und Voll. Die gegenwärtigen Vorgänge im Dervmtcn'ager d.r Reichs- gewerkschast deutscher Eisenbahnbeamten sind von der allergrößten staatspolitischen Bedeutung Der Streik der Reichs- gewetkschaf^ deutscher Eifenbahnbeam.en machte die Frage des Streikrechts deutscher Staatsbeamten brennend. Den Staatshohsits- beamten (Verwaltungs-. Steuer- und Iusliz- beamten, Polizei, auch Schullehrer) kann sribst- verständlich kein Str.ikrecht zug sümdra werden. Anders liegt es bei den Beamten der wirtschaftlichen Unternehmungen des R.iches, insbesondere der Eisenbahn und der Post. Wird diesen Beamten ein Streikrecht nicht zugestandsn, so mutz ihnen ein Aequivalent geboten werden durch ein einheitliches Schlichtungs- geseh, in das die Beamten etnbezogen werden. Ferner ist es notwendig, daß die große Masse der Beamten und Staatsangestellten i n e l n p o - sitives Verhältnis zum Staate und zur Volksgesamthcit gebracht wird. Ohre jede Gesinnungsgemeinschafl. nur a.ifgebajt a st SlaatsegoiLmus u-rb makride Tag ss.agen b l- den neutrale Organisationen eine Gefahr für Staat und Doll. Die Bsamtcnschaft und das Doll müssen sich zur Gemeinschaft zusammen» finden, und diese Aufgabe können nir d e Organisationen lösen, die neben zielklarer Inter- essenpoli ik im staatsbürgerlichen Sinne sich in ihrem Verhältnis zur Doll-gemeinschaft positiv einstellen. Den Beamten müsse es ermöglicht werden, unabhängig und unbestechlich ihre Pflicht zu tin. Die Beamten und das Voll müßten sich bewußt werden, datz es eine Ehre ist, als Diener der Volksgemeinschaft tätig zu sein, wozu nicht jeder hohle Schreier, jeder moralisch minderwertige Mensch zug lassen werden rönne. Schließlich müßten die Beamten Selbsthilfe pflegen. Der Deutsche Gewerkschastsbund habe ei le Rcihe von Selbsteinrichtungen geschossen. Es sei em fundamentaler Irrtum, di: politischen Fragen nur unter innerdeutschem Gesichtspunkte zu behandeln. Durch den Fricbensvertrag in Versailles sei das deutsche Volt in seinen Entschlüssen ge» landen. An die wirHiche Gesundung des deutschen Wirtschafts- und Volkslebens sei solange nicht zu denken, wie dieser Vertrag jäte selbständige Regung des deutschen Volles hemme und erdrossele. Alle Arbeit erhalte nur Wert im Hinblick darauf, datz der Tag kommen müsse, an dem dieser Vertrag, der auf die Lüge von der Schuld Deutschlands aufgebaut sei, zusammenbreche. Ein wirHicher Völkerlund werde nur möglich sein in dem Augenblick, wo alle anderen Rationen dem deutschen Volle das Recht zugestehen, sein Leben so zu gestalten, wie es seiner Eigenart entspreche. Ein wirtschaftlicher Aufstieg, auch der Beamtenschaft sei nur möglich durch die restlose Beseitigung der drückendsten Fesseln des Friedensvertrages. Gustav Frenssen bei Harding. Reuhork, 29. Mai. (WTD.) (Durch Funkipruch.) Rach einer Meldung der Reu - Yorker Staatszeitung aus Washington hat Harding den deutschen Dichter Gustav Frenssen empfangen, der ihm den Dank des deutschen Volkes für das amerikanische Hilfswerk übermittelte. Harding erwiderte, das amerikanische Volk habe das Hilfswerk gern übernommen. Der Präsident drückte die besten Wünsche für den Erfolg der Mission Frenssens aus, die im Interesse der leidenden deutschen Kinder liege. Die deutsche Antv Befriedigung in Paris und London. Die deutsche Antwortnote an die Reparationskommission ist in Paris überreicht wurden, äleber die Stellungnahme der Repa- rationskommission ist noch niästs bekannt. Cs verlautet nur daß die Veröffentlichung des Wortlauts der Rote auf Ersuchen der Kommission vor- läufig unterbleibt. Soweit sich bisher übersehen läßt, äußert sich jedoch die Pariser Presse optimistisch, ebensolche Stimmen liegen aus London vor. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Paris. 29. Mai. (WTB.) Die Kriegslast e n k o m m i s s i o n hat heute nachmittag der ReparativnskomMission die deutsche Antwortnote überreicht. P a r i s. 30. Mai. (WTD.) Wie die Blätter mitteilen, hat die Reparationskommis- f io n schon gestern in vorgerückter Stunde die deutsche Rote mit den Vorschlägen verglichen, die mit Dr. Hermes in den offiziellen Besprechungen festgelegt wurden. Der „Petit P a r i s i e n" schreibt, schon jetzt könne man sagen, dah die Rote in ihren großen Zügen befriedigend fei. Sie eifenne der Reparationskommission ein so vollkommen wie mögliches Informationsrecht über die finanzielle Lage des Reiches zu. Dieses Recht gestatte jedoch keine Möglichkeit, sich in die Reichsverwaltung selbst einzumischen. Sie bewahre chre vollkommene Souveränität. Die deutsche Antwort scheine auch den Dvrschligen der Repacationslommisfion in Bezug auf die (Sin- schränkung der deutschen Inflation zu entsprechen, da sie als Maximum der Papierausgabe den Stand vom 3 1. März 1 922 annchme, aber auch auf Durchführung der internationalen Anleihe rechne. Schließlich enthalte die deutsch? Rote unter anderen wesentlichen Punkten das Versprechen, ein Programm vor- zulegcn, durch das die Kapitalsflucht nach dem Auslande kontrolliert werden könnte. Das .Journal" behauptet, der Text der deutschen M)te enthalte Formeln, die in ihrer Auslegung z u Zweideutigkeiten Anlaß geben könnten. Deshalb habe die Reparationskommission eiligst in Berlin Aufklärungen verlangt. Es sei nicht zweifelhaft, daß sie unverzüglich die verlangten Zusicherungen erhalten werde. Bis diese Auf- fiärungen eingetroffen seien, habe man entschieden, den Text der Rote nicht zu veröffentlichen. Die deutsche Regierung habe die gleich? De.pslichLung übernommen. Aber auch dieses Blatt spricht davon, daß die Rote in der Reparationskommission im allgemeinen optimistisch beurteilt werde. London, 30. Mai. (WTB.) Laut „M or - n i n g p v st" werden die Berichte aus Ber- linundParis für so befriedigend angesehen, daß die Asquith-Liberalen nicht die Absicht haben, die Reparationsfragc morgen bei der Vertagung des Unterhauses für die Pfingstferien aufzucoerfen. Auch die Arbellerparteien seien mit diesem Verfahren einverstanden. Amerikanische Ainanzkreise gegen die französische Besatznngsabsichten. Reuhork, 29. Mai. (Wolff.) Unter dem Ti'el „Amerikanische Bankiers gegen d i e Ruhrbesehung" veröffentlicht las „Wallstreet Journal" (inei au ührlich n Artikel gegen öie Besetzung weiteren deutschen Gebietes mit der Begründung, daß dadurch die deutsche Wirtschaft weiter geschwächt und der internationalen Anleil-e die sachlichen Unterlagen entzogen würden. Die Beteiligung an einer Anleihe von amerikanischer S ite sei dann undenkbar. Außerdem würden die Kosten für die neuen Besatzungstruppen das Budget Frankreichs verschlechtern und auch die amerikanische Stimmung nachteilig beeinflussen, da erneut enorme Summen für unproduktive Zwecke vergeudet würden. Paris. 29. Mai. (WTD.) Der Präsident der Republik, M i 11 e r a n ö, hat heute eine Delegation der in Frankreich reisenden amerikanischen Dankiers empfangen. Eine neue Rede Poincar^s. P a r i s. 29. Mai. (Havas.) Dei einem gestern abend den Bürgermeistern aus der Umgegend von Metz gegebenen Bankett hielt Ministerpräsident P o i n c a r e eine Rede, in der er an die Worte erinnerte, die er vor zwölf Jahren bei Gelegenheit einer Feier an die Bevölkerung gerichtet habe, die wenige Meter von der damaligen Grenze und so nahe wie möglich bei Gravelotte und St. Privat abgehalten wurde. Frankreich so habe er dieser unterdrückten Bevölkerung gesagt, wolle aufrichtig den Frieden. Es werde nie etwas tun. um ihn zu stören und werde alles tun, um ihn zu bewahren. Aber der Friede verurteile Frankreich nicht dazu, zu vergessen und untreu zu werden. Poincare fuhr dann fort: Wie ist es möglich dah man im Aus lande und selbst, wie behauptet wird, in Frankreich noch Rarren findet, wissentliche oder unwissentliche Helfer Deutschlands, die zu behaupten oder vielleicht sogar zu glauben wagen, dah die Franzosen auch nur ein geringfügiges Teil der Verantwortung für den Krieg hätten? Wenn man hundertmal dazu verurteilt war, vor Elsässern und Lothringern, also Franzosen, die Opfer der deutschen Herrschaft waren, die Gefühle der Trauer und Entrüstung zurückdrängen zu lassen, die man im Herzen hatte, trenn man hundertmale unglückliche Freunde, die das Versprechen ihrer Defreuung erwarteten, ohne ein >ortnote in Paris. Wort der Hoffnung ziehen lassen muhte, so taflit man diese Verleumder mit der Fußspitze von sich weisen, denn man ist sich bewußt, den Frieders über die Gerechtigkeit gestellt zu haben Wenn dann trotzdem der große Krieg durch die Täten der anderen kam. so haben nür uns nichts anderes vorzuwerfen und wir können uns ungebinbert freuen, Frankreich durch den Krieg wieder vereinigt zu sehen. Der Eindruck der Kanzlerrede. Berlin, 30. Mai. Das Urteil der Presse über die gestrige Kanzlerrede kann man wodl dahin zusammenfassen, daß das, was der Kanzler gefügt hat, insbesondere das Kernstück seiner Rede, die Ausführungen über den Rapullo-Ver- trog, einstimmig Billigung ft b.t Dagegen wird fein Schweigen über die Pariser 'Verhandlungen, mit denen Der Reparation^k.-m- mifsion verschieden beurteilt. Die Rechtspresse, so die „K r e u z z e i t u n g' und der .,L)tal- anzeiger", felxn darin eine Verlegung d:s demokratifchen Prinzips und bet>nei, r.u; die Volksvertretung das Recht auf volle Klarstellung habe. — .Germania" und „Berliner Tageblatt" rechtfertigen big gc: das Verhalten des Kanzlers. Die „Germania" fdjreibt, daß ein Richteingehen aus ein? nicht abgeschlossene diplomatische Aktion verständlich fei und dem allgemeinen diplomatischen Gebrauch entspreche. Das „Berl. Tageblatt" sagt: Der Staatsmann mif) schweigen können zur rechten Stunde, mutz Vieles ungesagt sein la scn, da bie Verantwortung für eine ganz? Ration auf jhn drückt. Von dieser Dctairwortu g rat sich gestern auch der Reichskanzler leiten lassen. Eine optimistische englische Stimme. London, 30. Mai. (WTB.) Die „T i m es", die als einziges Blatt in einem Leitartikel auf die gestrige Reichstagsrede Dr. Wirths Bezug nehmen, fagen, es fei ein hoffnungsvolles Zeichen im gegenwärtigen Augenblick, daß das Reparationsproblem etwas weniger iinbehandelbar erscheine als vor wenigen Wochen. Die Anzeichen deuteten auf eine Üebertoinbung der Krise hin Die Reparationsfrage gebe in ein neues, hoffentlich glücklicheres Stadium über. Die Anwendung von Zwang gegenüber Deutschland im Juni komme nicht mehr in Frage. Geräuschlos sei ein neuer 'Ibeg entdeckt worden. Die Verhandlungen zwischen Dr. Hermes und der Reparationskoni- miffion seien sehr erleichtert worden durch das Bewußtsein, datz eine internationaleÄon« ferenz von Finanzmännern in Paris zur Erörterung einer deutsche Reparationsanleihe zusammengetreten fei. Diese Konferenz habe eine sehr wertvolle psychologische Wirkung gehabt. Reichskanzler Dr. Wirth habe es in feiner Reichstagsrede vermieden, die Reparationsfrage zu berühren. Es spreche viel dafür, daß die Reparationsfrage für den Augenblick der Atmosphäre des politischen Streites entzogen werde. Erweiterung des Rapallovertrages? Berlin, 30. Mai. Der „L o ka la n z." will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, dah die Reichsregierung mit den der russischen Sowjetrepublik angeschlossenen üb.igen Sowjetrepubliken Verhandlungen über den Abschluh von Handelsverträgen ausgenommen habe, für die der Vertrag von Rapallo als Grundlage dienen soll Zur Führung der Verhandlungen sei von den Republiken Georgien, Aserbeidschan und des Fernen Ostens (Tschlla) der zurzeit in Berlin weilende russische Vertreter Litwinow bevollmächtigt worden. Die Verhandlungen für die Ukraine würden von Rakowsky geführt werden Der Gesetzentwurf über die Iwangsanieihe. Berlin, 29. Mai. IWTB.) Der finanzpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates beschäftigte sich am 26. und 27.Mai mit dem Gesetzentwurf über dieZwangs- a n I e i 9 e. Bezüglich der Verzinsung erflärte bet Vertreter des Finanzministeriums, dah bie Regierung davon ausgehen müsse, die Zinsenlast vis 1930, dem Jahre, bis zu dem man den Eintritt einer normalen Finanzlage erwarte, niedrig zu halten. Rach längerer Erörterung wurde der Zinssatz von 4 Prozent vom 1. Rovember 1925 an beschlossen; ferner wurde beschlossen, den Tilgungs- sah von i, Prvz. auf 1 Proz. zu erhöhen Bezüglich auf tue Freigrenzen einigte man sich auf die Fassung, die zwischen ber allgemeinen Freigrenze von IOC 000 Mark und ber für eine Million bie Freigrenze von 300 000 Mark Hit Vermögen einführt, wenn das Einkommen die zeichnungspflichtigen 30 000 Mark nicht übersteigt. Die Befreiung des Vermögens von einer Million Mark, wenn das vorwiegend aus den Erträgen dieses Vermögens bestehende Einkommen 50 000 Marl nicht übersteigt, wurde an die Bedingung geknüpft, daß der Eigentümer dieses Vermögens 60 Jahre alt oder erwerbsunfähig ist. Die Zerstückelung Dberschlesiens. Berlin. 30. Mai. Rach einer Meldung des „Lokalanz." aus Breslau liegt nunmehr ber Befeyungsplan ber Polen für den an Polen abzutretenden Teil Oberschle'iens vor. Dic Uebemabme der Eisenbahnen soll am 5. und tz. Juni, der Postämter am 8. und 9. ;junt er* folgen. Sie üb igen Derwaltungsbehö cden sollen am 10., die Polizeireviere am 15. Juni in die Hände der Polen übergehen. Sem Vernehmen nach rücken als erste alliierte Truppen die Franzosen ab, denen die Italiener und zum Schluß die Engländer folgen werden. Sie militärische Besetzung von Kattowitz durch die, Polen ist für ben 10. Juni vorgesehen. Vor der Kabinettsbildung in Deutsch-Oesterreich. Wien, 29. Mai. (WTD.) Vach dem gestrigen Beschluß der Grobdeutschen Volkspartei ist die Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Parteien gesichert. Sie Besprechungen über die Kabinettsbildung dürften, wie die Abendblätter übereinstimmend melden, ergeben, dah der Obmann der Christlich- Sozialen, Prälat Seipel, den Posten teä Bundeskanzlers und der Grvtzdeutsche Frank das Dizekanzleramt übernehmen wird. Als Außen- minister wird der bisherige Handelsminister Grünberger genannt. DaS schmähliche Vmde eines Deutschenhassers. Berlin, 30. Mai. Wie die Blätter aus London melden, wurde das frühere Unterhausmitglied und frühere Herausgeber der antideutschen Hetzschrift'„John Bull", Horatio Bot- tom leh, wegen Unterschlagung und Dertrauensmihbrauchs zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Bottomley hatte über 150 000 Pfund Sterling, die ihm von kleinen Sparern zur Veranstaltung einer Lotterie sowie zur Zeichnung von Kriegsanleihe übergeben worden waren, unterschlagen. Aus dem Reiche. Deichsratsbeschlusse. Berlin, 29. Mai. (WTD.) Der Reichsrat hielt heute Montag abend unter dem Vorsitz des Staatssekretärs S i m - s o n vom Auswärtigen Amt -eine öffentliche Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stand der Gesetzentwurf über den Dertragzwischen Deutschland und Dänemark betr.die Regelung der durch den Uebergang der Staatshoheit in Nordschleswig auf Dänemark entstandenen Fragen. Der Vertrag wurde hierauf angenommen. Der bayerische Landtag gegen die Schuldlüge. München, 29. Mai. (WTB) Im Bayrischen Landtag führte in der Besprechung der Interpellation der Bayrischen Mittelpartei über die Schuld am Kriege zunächst der Abg. Sänger (Soz.) aus: Fort mit der Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege! Wir sind nicht schuldiger als irgendein Volk Der Welt am Kriege. Untere Staatsmänner sind nicht schuldiger als die des Auslandes. Eisner hat durch seine Veröffentlichungen sehr schwer gesündigt gegen die Forderung objekiver Wahrheit. Diese kann nur dargelegt werden durch die Oeffnung aller Archive, die wir Sozialdemokraten fordern. Abg. Nie lisch (LSP.) erklärte, daß Eisner keine Fälschung begangen habe, dab er bei seiner Kürzung auch für Deutschland belastende Dinge weg- Zelassen habe und dah der Urheber für den Ausfall des Versailler Friedens nicht die Eisnerschen Veröffentlichungen, sondern der durch Hindenburg und Ludendorff verlorene Krieg gewesen sei. Abg. Aenderl (Komm.) meint, dah die Hoffnung auf Aufhebung des Versailler Vertrages sich nur aus dem Zusammengehen Deutschlands und Rußlands ergebe. Abg. Dirr (Dem.) führte aus, dah das Wertvolle an dem Ergebnis der Untersuchungen des bayerischen Landtages in der Feststellung liege, dah Falsches, Irreführendes und Anwahres in einem welthistorischen Dokument enthalten gewesen sei, an dessen Glaubwürdigkeit die ganze Welt glaubte, und dah diese Glaubwürdigkeit erschüttert sei. Darin liege die Quelle für alle möglichen weiteren Wirkungen. Abg. Gras Pestalozza (Bayr. Volksp.) ist mit den sachlichen Ausführungen des Ministerpräsidenten vollständig einverstanden und wünscht, dah die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands möglichst bald klargelegt werde. Er sehe in der geeigneten Verwertung des Prozehmaterials den Anfang zur Zerstörung dieser Lüge. Nach weiterer Aussprache wurde die Besprechung der Interpellation geschlossen. Aus Stobt unb ßanb. Giehen, den 30. Mai 1922. Steuerabzug von den Militärvcriorgungsgebiihrnissen. Von zuständiger Seite wird uns geschrieben: Die Durchführung des Steuerabzuges von den Militärversorgungsgebührnifsen ist durch Erlaß des Reichsarbeitsministeriums vom 10. Februar 1922 geregelt worden. Hiernach werden von der Abzugspflicht gemäß dem Gesetz über die Einkommensteuer vom Arbeitslohn vom 11. Juli 1921 nicht betroffen: Die Dienstbefchädigungsrenten nach dem Mannschaftsversorgungsgesetze vom 31. Mai 1906 und nach den vor diesem erlassenen Militärversorgungsgesetzen, ferner die Versorgungsgebührnisse nach dem Reichsversorgungsgesetze vom 12. Mai 1920 und dem Altrentnergesetze vom 18. Juli 1921, und schließlich die Hinterbliebenenbezüge nach dem Militärhinterbliebenengesetze vom 17. Mai 1907, abgesehen von der allgemeinen Versorgung (nicht Kriegsversorgung) der Witwen und Waisen von früheren aktiven Offizieren. Soweit Militärv-ersorgungs,'ebührni,se (Ofsi- zierpensionen usw.) dem Steuerabzug unterliegen, wird der Abzug von der die Bezüge zahlbar machenden Dienststelle — Hauptversorgungsamt (Regelungsabteilung) — vor- genvmmen. Die den Versorgungsberechtigten zugestellten Steuerbücher, die im Januar 1922 eingeführt wurden und aus denen die zulüssi- gen Ermäßigungen des Steuerabzuges, der 10 V.H. beträgt, ersichtlich sind, haben die HauptversorgungSämter (Regelungsabteilung) anzunehmen und aufzubewahren, sofern die Versoraungsberechtigten die Steuerbücher abgeben. Die auf dem Steuerbuch vermerkten Steuerermäßigungen werden von den Hauptversorgungsämtern bei der Durchführung des Steuerabzuges berücksichtigt. Bezieht ein Versorgungsberechtigter neben den Versorgungsgebührnissen noch ein.anderweitiges Einkommen aus Arbeit, z. B. als Beamter, Angestellter usw., und hat er daher diesem Arbeitgeber sein Steuerbuch übergeben, so kann er sich ein zweites Steuerbuch — auf dem aber Steuerermäßigungen nicht vermerkt werden — von der Gemeindebehörde ausstellen lassen und es der seine DersorgungSgebührnisse zahlbar machenden Dienststelle vorlegen. Wird ein solches Steuerbuch, oder wird kein Steuerbuch vorgelegt, so werden Steuerermäßigungen nicht berücksichtigt; als Steuer wird alsdann der volle Betrag von 10 v. H. der zahlbaren Bezüge einbehalten. * ** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 17. Mai 1922 der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lampertheim Amtsgerichtsrat August Nodnagelin Darmstadt zum dienst- aufsichtführenden Richter bei dem Amtsgericht Lampertheim mit der Amtsbezeichnung „Oberamtsrichter" unter Vorbehalt der Festsetzung des Tages seines Dienstantritts. — Ernannt wurden am 17. Mai 1922 der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lauterbach Amtsgerichtsrat Friedrich Traber zum dienstaufsichtführenden Richter bet dem Amtsgericht Lauterbach mit der Amtsbezeichnung „ Oberamtsrichter" und der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg a. d. Ohm Amtsgerichtsrat Ferdinand E l b e r 11 zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lampertheim. — Durch Ent- schliehung des Hessischen Ministeriums des Innern vom 26. Mai 1922 wurde der Referendar Berthold ©u t b mann aus Eich zum Regierungsassessor ernannt •* Der Oberlahnbezirk int Mittel- westdeutschen Stenographen - Bund „6 t o lz e - S chr e y" hielt am Sonntag seine diesjährige Bezirkstagung in Hungen ab, die einen guten Besuch auszuweisen hatte. An dem mit der Tagung verbundenen Wettschreiben beteiligten sich in den Abteilungen 60—280 Silben etwa 120 Personen. Eine ganze Anzahl Ehrenpreise war von dem Verein Hungen zur Verfügung gestellt worden. Bei der Vorstandswahl wurden wiedergewählt: 1. Vors. Adolf Keil, Verein Lollar; 2. Vors. Georg Schmieder, Verein Friedberg; Schriftführer Karl Schwarz. Verein Gießen; Kassierer Rudolf Kaiser, Verein Marburg. Das Wettschreiben brachte folgende Ergebnisse: Den Wairderpreis errang der Verein Biedenkopf. 280 Silben: Emil Mattuschke, Biedenkopf, 1. und Ehrenpreis; 240 Silben: Rich Rottke, Marburg, Heinrich Krauskopf, Gießen,' 1. und Ehrenpreis, 160 Silben: Karl Schwarz, Verein Gießen, Karl Gessner, Biedenkopf, Elsa Haubold, Biedenkopf, Karl Damm, Gießen, 1. und Ehrenpreise; 140 Silben: Aenne Kipp, Marburg, 2. und Ehrenpreis; 120 Silben: Karl Odel, Gießen, Anna Thome, Berta Funk und Karl Ruhl, Biedenkopf, 1. und Ehrenpreise; 100 Silben: Michael Kreß, Hans Guth, Käthe Wihner, Gießen und Käte Teitge, Marburg, 1. und Ehrenpreise; 80 Silben: Toni Roth, Gießen, Minni Vogel, Luise Bandel und Lina Iöckel, Wetzlar, 1. und Ehrenpreise; 60 Silben: Franz Klöh, Gießen, Emst Muth, Biedenkopf, Fritz Schneider, Verein Hungen und Marie Stahl, Lollar, 1. und Ehrenpreise. ** Das Konzert zum Besten der StudentenHilfe, das Frl. Ida Stammler mit ihrer Gesangschule in der Universitäts- Aula gab, war trotz des verführerisch prächtigen Mai-Sonntags sehr gut besuch!. Für den Musikfreund, besonder-s den Gesangsfreund, brachte der Besuch des Konzerts manche Anregung und den erfreulichen Beweis, daß in unserer Zeit eifriger denn je Musik studiert und vor allem auch Ge- sangslultur gepflegt wird. Eine Reihe der Vorträge standen auf recht ansehnlicher Höhe. Die Solo-Vorträge wechselten glücklich ab mit Duett, Terzett und Frauenchor, teilweise mit Verwendung der Violine, wozu sich Herr Rudi Sonntag in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatte. Den Flügel meisterte außer der Begleitung der nicht weniger als 27 Gesänge auch in 2 Solis Herr Julius Hahn in altgewohnter besonders technisch brill- lanter Weise. Frl. Stamms er darf mit dem Ergebnis der CBeranflaltung nach jeder Richtung hin zufrieden sein. ** 3 m Lichtspielhause in der Bahnhofstraße geht ein Filmwerk „T o s c a" In Szene, das in einer Reihe guter Bilder die Tragödie eines alternden Schauspielers zeigt Interessant sind besonders die Photographien, die einen Einblick in das Getriebe hinter den Kulissen tun lassen. — Im Beiprogramm gibt es ein Lustfpiel, dessen Geschehnisse zwar stark an den Haaren herbeigezogen sind, über das man aber doch wegen des grotesk-komischen Spiels der Hauptdarsteller lacht ** Müller'sche Dadean st alt Wasser- warme der Lahn am 30. Mai: 19 Grad R. * Wettervoraussage für Mittwoch: Heiter, trocken, warm, Winde aus östlichen Richtungen. Die Wetterlage hat sich nicht wesentlich verändert. * Bornotizen. — TageskalenderfürDienStag. Städtchen ter, 7 Uhr: „Der Tenor der Herzogin." — Neue Aula, 8 Uhr: Vortragsabend des Vereins für das Deutschtum im Ausland. — Astvria-Lichtspiele, ab heute: „Dr. Ma- buse", 2. Teil. Landkreis Gießen. ■ Garbenteich, 30. Mai. In einer gut besuchten Versammlung sprach am Sonntag Ingenieur E r t e 1 im Austrage der Liga z i m Schutze der deutschen Kultar über das Thema „Sie Hungersnot in Rußland und ih e wirtschaftlichen Ursachen". Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden den Ausführungen des Vortragenden, die insofern interessant waren, als der Redner, als ehemaliger Sowjetbeamter, iren wah h itsge r.uen Bericht über die Verhältnisse in Sowjetrußland geben tonnte. Sehr Wukw.gsvoll ergänzt wurden die | trefflichen Au f ihm i gen durch Vorführung von | Originalaufnahmen aus den Hungergebieten. * Lollar, 30. Mai. Am Sonntag Vormittag fand die Ueberreichung der Gesellenbriefe an neun Lehrlinge verschiedener Gewerbe im Lokal „Zur Traube" statt. Sie gefertigten Gesellenstücke waren öffentlich ausgestellt und legten für sämtliche Junggesellen Zeugnis ab, daß sie die Lehrzeit bei ihren Meistern nutzbringend angewendet haben. Der Vorsitzende des Ortsgewerbevereins dankte dem Prüfungsausschuß für seine Tätigkeit uub gab den Junggesellen warmherzige Ratschläge mit auf ihren ferneren Lebensweg. Gewerbelehrer Leichurn - Gießen sprach im Namen der Vertretung der Handwerlerzeichenschule Lollar und gab in kurzen Zügen Ueberblicke über deren Lehrgang. Rektor Sehrt übernahm den theoretischen Teil der Prüfung. Zahlreiche Zuhörer wohnten der Feier bei. Kreis Schotten. □ Laubach, 28. Mai. Vorgestern tobte hier ein ungewöhnlich starkes Gewitter. Der Blitz schlug hierbei in das Transformatorenhäuschen an der Wetter ein und richtete einen nicht unbeträchtlichen Schaden an (über 50 000 Mk.). Starkenburg und Nhernhessen» rm. Darmstadt, 28. Mai. Mehr als zehntausend „blaue Hessen", frühere Angehörige des alten Infanterie-Regiments Nr. 117 (Großherzogin) hatten sich heute zu einer Totengedenkfeier sowie zum Andenken an die vor 225 Jahren erfolgte Gründung des Regiments hier zusammengefunden. Nach einem Appell auf dem Exerzierplatz und einem Festzug durch die Straßen fand im Orangerie» garten eine groß angelegte Gedächtnisfeier statt, Der auch der ehemalige Großherzog und die frühere Regimentsinhaberin mit den beiden Söhnen beiwohnten, von den alten Soldaten überall jubelnd begrüßt. Pfarrer Lautenschläger hielt die Gedächtnisrede, während Generaloberst von Heringen, der früher mehrere Jahre das Regiment befehligte, in kernigen Worten die Stärkung des Nativnalstvlzes b s nders auch in unserer Jugend zum Wiederaufblühen unseres tief darnieder liegen den Vaterlandes empfahl. Die Feier nahm in allen Teilen einen würdigen Verlauf. rm. Darmstad t, 29. Mai. Die 54. Tagung des Verbandes der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften für die Provinzen Starkenburg und 0 b e r h e s s e n sand gestern im Fürst ensaal dahier in Anwesenheit Ltn 20 Genossenschaften statt. Von Behörden waren Fiaanzminister Henri ch, Kreisdirektor Muhl, Ministerialrat Hechler, sowie die Handwerkskammer vertreten. An Stelle des erkrankten Verbandsdirektors Stein begrüßte sein Stellvertreter Vostsbankdirekcor Habicht- Darmstadt die Versammlung und erstattete auch den Geschäftsbericht. Er behandelt u. a. eingehend die Aufhebung des Bankgeh.imnis'es, den Depotzwang, die Zwangsanleihe, sowie die Tarif- frage. Dem Verbandsanwalt Prof. Dr. Trüge r - Wiesbaden wird für seine verdienstvolle Tätigkeit im Interesse des Verbands Dank ausgesprochen. Es werden mehrere Entschließungen zwecks Aufhebung des Depotszwanges, die Wiederinkraftsetzung des sogenannten Bankgeheimnisses und die Behandlung Don Rechnungs- schecks. angenommen. Der Voranschlag wird genehmigt, worauf Prof. Dr. ©rüget einen aufkläre noen cinflünbigen Vortrag über: „Die wirtschaftliche Lage und die Genossenschaften" hielt. Rur Beharrlichkeit in der Arbeit und strenge Organisation des gesamten Wutichaftelebens werden uns aus dem heutigen Chaos wieder zu natürlich gestalteten Verhältnissen bringen. Der Antrag des Verbandsdirektors Stein, den Verband aufzulösen und dem Mittelrheinischen Verband anzuschliehen, wird mit 10 gegen eine Stimme abgelebt. Verbandsrevisor Seibert- Wies. a e i erstattete au,klä en.'en Bericht über seine Tätigkeit. Zum Doriitzenden des Verbandes wird dann Direktor Habicht- Darmstadt, zu Stellvertretern R a i s - Groß-Gerau und P a e s ch - Darmstadt gewählt. Der nächste Verbandstag soll in Babenhausen stattfinden. tob. Mainz, 29. Mai. Der S t r e i k b e r Ange st eilten hat weiter um sich gegriffen. Die Angestellten in ber Inbustrie, Werkmeister, Techniker usw., haben sich ben Ausstän- bigen angeschlossen. Auch bie Angestellten in Wiesbadenbefinden sich seit heute vormittag im Ausstanb. Om hiesigen Bezirk beträgt bie Zahl ber Ausstänbigen etwa 10 000. Etwa 20 Betriebe, welche die Fvrberungen ber Angestelltenschaft bewilligt haben, arbeiten. In großen Versammlungen nahmen am Samstag bie Angestellten Stellung zu ber Lage. Zu Zwischenfällen ist es nirgenbs gekommen. Wie wir hören, ist eine Einigung zwischen Arbeitgebern unb ben Angestelltenorganisationen noch nicht zu erwarten. tob. Mainz, 19. Mai. Am Ortsausgang von Gustavsburg würbe ber Arbeiter Heinrich Schmitt von Bischofsheim neben seinem Rabe tot aufgefunben. Wahrscheinlich ist er mit seinem Rab unter ben Anhängerwagen eines Lastautos geraten. tob. Worms, 29. Mai. Ein O p f e r b e r H i tz e ist bie 20jährige Elisabeth W e i s aus Hamm geworben. Sie hatte einen Ausflug an bie Bergstraße unternommen. Auf ber Rückfahrt wurde sie in ber Nähe ber Station Dür- stadt von einem Hitzschlag betroffen. In Worms würbe sie durch das städtische Krankenautomobil sofort ins Krankenhaus gebracht. Sie ist jedoch am Morgen an den Folgen des erlittenen Hitzschlages gestorben. Hessen-Nassau. In der Notwehr erstochen. fpd. F r a n k f u r t a. M., 29. Mai. In der Nacht zum Sonntag bedrohte der 45jährige Arbeiter Andreas Brendel einen Schutzpolizeibeamten, indem er diesen zu Boden warf und ihn zu würgen versuchte. Obgleich der Beamte den Br. wiederholt darauf hin- wies, daß er von seiner Waffe Gebrauch machen würde, drang der Mann immer von neuem auf ihn ein. Der Pvlizeibeamte versetzte dem Angreifer schließlch mit dem Seitengewehr einen Hieb gegen den Hals, wobei die Halsschlagader getroffen wurde. Br. starb bereits auf dem Wege nach dem Krankenhaus. - jfFrvnhausen, 28. Mai. In der Nähe von Argenstetn ereignete sich gestern ein schweres Autounglück, bei dem eirt Insasse tot blieb und ein zweiter schwer verletzt wurde. Der Chauffeur, der im Wagen Platz genommen hatte, rettete sich durch Abspringen. Wie erzählt wird, handelt es sich um einen Herrn aus Frankfurt, der einen Amerikaner in Hamburg abgeholt hatte. Der Verletzte wurde in die Marburger Klinik gebracht. * Hanau, 29. Mai. Am Freitag wurde der Vvrspessart von einem schweren Wolkenbruch heimgesucht. Binnen drei Minuten stand das Wasser teilweise bis zu drei Meter hoch, wodurch viel Kleinvieh zugrunde gegangen ist. Die Kartoffel- und Heuernte wurde vollkommen vernichtet und auch an den Gebäulichkeiten großer Schaben angerichtet. Besonders gelitten haben die Ortschaften Rückersbach, Reichenbach, Brüggen und Gün- zenbach. " -- Kirche und Schule. Der Waldgvttesdienst. ben ber Evang. Arbeiterverein in Gemeinschaft mit dem Evang. Bund und bent Wartburgverein am Sonntag vormittag auf dem Schiffenberg abhielt, war gut besucht unb nahm einen schönen Verlauf. Pfarrer Sattler (Wieseck) hielt eine zu Herzen gehende Prebigt, bie besonders geeignet tvar, die durch die Naturschönheiten des Waldes gehobene Stimmung zu vertiefen, älmrahmt war die Predigt von Darbietungen des Wiesecker Frauenchors sowie Gemeindegesängen. Besonders bie Lieder des Frauenchors, der bei seinen Darbietungen besonders gute Schulung und große Hingabe zur Sache verriet, trugen wesentlich zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. * Die Männer- und Frauenvereinigung der Matthäusgemeinde hatte zu einem Vortragsabend eingeladen. Nachdem Der Vorsitzende ber Vereinigung, Rektor K n a u h, die Erschienenen begrüßt hatte, erteilte er Lehrer Walter das Wort zu seinem Vortrag: „Religionsunterricht und Schule". Der Redner erläuterte zunächst einige Begriffe, wie: Simul anschule, Kon,es,ions- oder Bekenntnisschule, konfessionslose Schule, weltliche Sch ale, Weltanschauungsfchule. Sollte der Reichs- sch.llgesehentwurf Gesetz werden, bann sind solche Schulen wohl auch in Hessen in absehbarer Zeit möglich. Der Redner wandte sich bann den bekannten Iuniforderungen des deutschen Lehrervereins zu. Er suchte den Schulmännern, die sie aufstellten, gerecht zu werden, nahm aber im Kernpunkt eine ablehnende Haltung ein. Das Kind tat ein Recht Darauf, daß die Fäden zwischen der Gottheit und ihm geknüpft werden. Der als Ersatz für den Religionsunterricht vielfach geforderte Moral- und Cittenunterricht muh abge- lehnt werden. Sittlichkeit und Religion lassen sich nicht so ohne weiteres voneinander trennen. Wohl gibt es Menschen, die das Gute tun um des Guten willen, aus Freude am Guten, sie haben eine höhere Stufe der Sittlichkeit erreicht. Allein solche Persönlichkeiten sind nicht die Regel, sie sind Ausnahmen. Die Reichsverfassung sieht in Artikel 149 vor: „Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach der Schule". In welcher Form soll er erteilt werden? Nach dem gleichen Artikel der Deichsverfaßung muh er konfessionell sein. Nach Schleiermacher ist bie Konfession bie charaktervolle Art der Religion. Darum und aus vielen anderen Gründen ist zu fordern, dah der Religi.vnsunterricht in konfessioneller Form erteilt wird, ohne dah das Trennende dabei in den Vordergrund geschoben wird. Für uns in Hessen hat dies innerhalb der bewährten Simultanschule zu geschehen. Die Mehrheit der Lehrer Hessens hat sich bei der vor einigen Wochen erfolgten Abstimmung auf den Boden der Simultanschule gestellt. Wohl hat auch diese Schulgattung ihre Mängel, doch wiegen sie nicht schwer im Vergleich zu ihren großen Vorzügen. Gewiß ist am heutigen Religionsunterricht noch vieles zu bessern. Das Au^wendiglernenlassen muh noch mehr beschränkt werden. Die Religionsstunde muß eine Erbauungsstunde sein. Ferner muß der Reli- gionsunterricht von manchen dogmatischen Lehrsätzen befreit werden. Es sollte bei der Behandlung nij^tß geboten werden, was mit der wissenschaftlichen Erkenntnis irgendwie im Widerspruch steht. Die Prüfungen in Religion, die fast durchweg nur den äußerlichen Lehrst off feflftelltcn, müßten ganz verschwinden. Eine Aussicht ist nur so auszuüben, daß ber Inspizierende Dem Unterricht einfach beiwohnt, um sich von dem Geiste zu überzeugen, in dem der Unterricht erteilt wird. Möchten Kirche und Schule Zusammenarbeiten an dem großen schonen Werke der Jugenderziehung und somit an dem Qlufbau unseres deutschen Volkes. — Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Verschiedene Hwren. so Rektor K n a u to Fabrikant Dindewa 1 d, Garten-Inspektor R e h n e 11 und Lehrer Wehrheim beteiligten sich an der Aussprache. Pfarrer Mahr verstand es, noch feinsinnige (Ergänzungen zu bringen. Gegen 11 Ahr schloß der Vorsitzende die Versammlung. " Lang-Göns, 29. Mai. Die Orgel- weihe, über bie wir bereits kurz berichteten, gestaltete sich bei herrlichstem Früh- lingstoetter zu einer erhebenden Feier. Sie wurde besonders verschönt durch zwei liturgische NachmittagSgvttesdienste, in denen Pfarrer Stumpf von Eschenrod mit meisterhaftem Spiel die Orgel in ihrer ganzen Fülle und Mannigfaltigkeit zur Geltung brachte. Er hatte sie tags zuvor geprüft und bezeugte, dah sie den schwierigen akustischen Verhältnissen der Kirche in hervorragendem Maße Rechnung trägt. Sie ist von der Orgelbauanstalt Förster und Nicolaus in Lich geliefert und hat bei 2 Manualen 16 Register, 5 Koppeln, 3 Kombinationen, Schwellwerk, Magazingebläse usw.,ein Kunstwerk, das seinem Erbauer und der Gemeinde zur Ehre gereicht. Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhessen. Sitzung vom 2 6. Mai 1922. Der Fabrikarbeiter verband forderte von den Gailschen Tonwerken in Gießen ab 1. April 1922 die Anerkennung des Bezirks- tanfvertrages, den er mit dem Verein Hessischer Ziegeleibesitzer abgeschlossen hatte. Die Verhandlung der Parteien über diese Forderung scheiterte. Die Betriebsleitung gab darauf durch Aushang bekannt, der Betrieb gehöre dem Verein Hessischer Ziegeleibesitzer seit einiger Zeit nicht mehr an und außerdem gelte bis zum 30. April noch das ölt* über v ouöM ratsM leitung SM «Betrieb trfeWrc in ungc neh°ug' hänge" daher SescH 1 terungc aröblis Habe dl LerM Der 21 Arbeit Hanger hallba Betriel Senn l sei noc Segens -es A -er De gehört, Stelle - hall» ha -er De! solle do allerdin für sie erklärte unberec -en in in den drohen gen »i Wt Antw, Betriel statt 2 §u UM. und 13, die Loh barende Parteie Ser Zigarre fristlose konnte, war, ni< weniger Betrieb dem D läffia i Entlass! zahl, d -u beur deshaü Lohnza Tariflc 3r digten den und beziik schäft ?esch 1922 §inm schäft, legt. 1 Dank, insbes Kredit und $ fremde Hfcherh Keisjg Ä M öen c "dem öeten fe terschrj G üezügii y Le Li "erleg. ■lUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIllU I Ausstellung Fritz Nowack | _ Künstlerkissen,Künstler- _ „ - < Rauheim ben Ehrenbrief der Deutschen Turnerschaft. Franke ist Ehrenmitglied feine- Verein-, aber heute noch als Kassenwart tätig, und Inhaber des Ehren- briefes des Mittelrheinkreises. Bei den Donder- vorfühtungen erhielten T o. 1 846 (Sieben für seine Stab- und Langstabübungen, der M t v. G lest e n für Stühhantelübungen und Mtv. Bad- Rauheim für Hebungen am Pferd die Rote .vorzüglich": T. u. Spv Butzbach erhielt für seinen Stabreigen, Tv. 1860 Bad-Rauheirn für Keulenschwingen und Stabübungen, sowie Tg. Marburg für Volkstänze die Rote »sehr gut". — Die Ergebnisse de- WetturnenS waren u. a.: Turner- innen-Ober stufe unter 11 Bewerberinnen den 1. Preis Paula Hofmann, Mtv. (Sieben, den 2. Luise Steines Mtv. Dad-Rauheim, den 3. Lina Hahn, Tv. 1860 Dad-Rauheim. den 4. Gretel Schüler, Tv. Wetzlar, den 5. Paula Steuernagel, Mtv. Diesten. — Turner- innen-ilnterftufe unter 21 Teilnehmerinnen den 1. Preis Anneliese Henkelmann, T. u. Sportv. Butzbach und Hilde W a l d s ch m i d t, Mtv. Gicsten, den 2. Dina Schneider, Tv. 1860 Bad-Rauheirn, den 3. Rlaria R ö h m i g, Mtv. (Sieben, den 8. Else Schott, Tv. 1846 Diesten, den 13. Edith Klein, Tv. 1846 Diesten, den 14. Gretel Dechert, Mtv. (Sieben und Käthe Bek - k e r, Mtv. Sieben, den 15. Paula Krug, Tv. 1846 (Sieben. (Jugenbturnerinncn- O b e r ft u f e unter 26 Teilnehmerinnen den 1. Pr. Anna M ö r l e r, Tv. 1860 Bad-Rauheirn, den 2. Gertrud Loch, Tg. Marburg, den 3. Mathilde Atz bach, Tv. 1846 ©leben, ben 8. Erna Klein, Tv. 1846 Dieben, den 9. Lina Haubach, Tv. 1846 (Sieben, den 10. A. Schwan. Mtv. (Sieben, ten 11. Sofie Vorig. Mtv. Dieben, den 13. Else Söhnel, Mtv. Gieben, den 14. Hanni C i d- mann, Tv. 1846 (Sieben. — 3 u g e n b t u r n e r- innen-Unterftufe un'er 67 Teilnehmerinnen den 1. Preis Elfriede M ü n n i ch, Tv. 1846 (Sieben, den 2. Johanna Graf, T. u. Spv. Butzbach, den 6. Gertrud Dach, Tv. Groben-Linden, den 7. Käthe Ziegler, Tv. 1846 (Sieben, den 9. Anni Spies Tv. 1846 (Sieben, den 10. Elisabeth Trechs 1 er, Tv. 1846 (Sieben, den 11. Käthe Eteuernagel, Mtv. Gieben und Gertrud Schneider, Tv. 1846 (Sieben, den 12. Erna Schulte, Tv. Groben-Linden und Ioh. K r ö ck, Tv. 1846 (Sieben, den 13. Ioh Weeg. Tv. 1846 (Sieben und Gertrud Ziegler, Tv. 1846 (Sieben, den 14. Ioh. Wagner. Mtv. Giesten. den 15. Anna Weib, Tv. Groben-Linden, den 16. Marie Kretfchmar, Mtv. (Sieben, den 18. Elli Faber, Tv. Groben-Linden, den 20. Marie 3 ä g e r, Mtv. Diesten, den 22. Emma Schäfer, Tv. Grosten-Linden und Emmi G i e s e ck e. Mtv. (Sieben, den 23. Elise (Blum, Mtv. (Sieben. tt. Treis a. Ldo., 28. Mai. Heute hielt der Turnverein „Gut Heil" Treis a. Lda. (Deutsche Turnerschaft) sein An- und Werbe- t urnen ab. Vormittags :8 -10 Ahr war Wett- turnen (Zwölfkampf) der Mittel- und Unterstufe, wozu 22 Turner und Zöglinge angetreten waren. Besonders gute Leistungen zeigte die Mittelstufe. Rachmittags 1 Uhr turnten die Schüler im Dier- kampf. Darauf folgte ein Umzug durch die Dorfstraben, woran sich auch der Radfahrerverein und der Gesangverein Liederkranz beteiligten. Die eigentliche Werbefeier'wurde durch einen Chor des vorgenannten Vereins eingebettet, worauf die Ansprache des Vorsitzenden Lehrer Walter folgte, der besonders darauf hinwies, dast das beste Werben für die Turnfache das Interesse der Mitglieder und ernste turnerische Arbeit fei. Es folgte nun Schauturnen der einzelnen Stufen an Darren, Reck und Pferd. Glänzende Leistungen zeigten besonders die aktiven Turner. Die beiden Glanzpunkte bei Feier waren die Freiübungen der neugegründeten Stauenabtetlimg, die trotz der wenigen Ucbungtfftunben recht anmutige und cralt angeführte Hebungen zeigten, und da- Turnen der 25 Mann starken Werberiege am Barren Diese bestand aus den besten Leuten vom jüngsten Zögling an dis zum ältesten Turner. Bei allen Vorführungen zeigten die zahlreichen Zuschauer groben Anteil, der sich bei vielen Hebungen bis zur Begeisterung steigerte. Der Verein, der auf ein Itjähriges 'Bestehen zurückblicken Darf, hat mit feinen schönen Darbietungen seinen Zweck erreicht und hat der guten Sache viele Freunde erworben. ' DasRennungSergednis zu den Deutschen Kampfspielett. — Heber 10 OOOTeilnehmer Die Meldungen zu den Deutschen Kampfspielen sind den Erwartungen entsprechend derart zahlreich eingegangen, dast zu ihrer Sicherung und Einordnung mehrere Tage de io igi Warden. Ti - 55 11,170.468 30' Woche gesucht. 05560 39,539,866 11 die Dividende für das Geschäftsjahr 1921 auf In der heutigen Generalversammlung wurde Neustadl 4. 05575 II II II 0 1200 ii ii ii Darmstadt, Friedberg, Gießen, Limburg a. d. L. in Frankfurt a. M. 5252V | Vermietungen^ Oppenheim. Friederich. Narjork. Kopf. 05553 gesucht. 5265 05547 Neustadt 50. Vobn. 05548 | Wohnungstausch | 5260 fort gesucht. sofort gesucht. 05566 05571 ausgeMrt. 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Beschwichtigen irai)>te er sie. Die überlegne Persönlichkeit ihiten zeigen. Das schien ihm der emsig gongbare Weg. »Platz da!" herrschte er die Leute an. Der besehlshabe.ische Ton erbitterte nnch mehr. Sie Droi-ungen fielen jetzt auch gegen ihn. Enger, bedruckender umzingelte die aufgebrachte Botte das Paar. Der Pfarrer eilte aus der Sakristei herbei und suchte, das Kreuz in cher erhobenen Hand, die Mauer der Amstehenden zu durchbrechen. Die Ehrfurcht vor dem Kreuz liest "die Leute einen Augenblick verstummen. Laut tonte setzt Heiners Stimme durch den Baum: »Was habt ihr für Klagen gegen mich und gegen dieses Weib?" fragte er beherrscht, wenn auch mit weihen Lippen. „Ein Heremnensch ist ed! — Raas mutz es, wir dulden's nit!" ..Nehmt eure Worte in acht!" drohte H'iner. ..Bor den Bichtern müstt ihr damit: Bit dem Eid musst ihr sie belegen!" „Alleins!" zeterte der Weberhannes. „Den Schneebruch hat es vom Himmel gerissen! Fürch° tig hat es getobt. Ich hab's gesehen, Schulmeister. glaubt's!" „ilnb den Waldsackererbub, he?" fuhr einer dazwischen. „Sen hat es behext." ergänzte der Hannes. „Sem Alois seine Mutter hat es gesehen!" »Hört nic^t auf den AltweilerÜatsch," wandte Heiner sich jetzt an die Burschen. „Lasst uns Männer fein und vernünftig miteinander reden. Diese Frau ist Pfarrer Schlossers Pflegekind. Ich will jetzt nicht untersuchen, welche Schuld'das Dorf gegen sie aus dem Gewissen hat! Ich fordere euch nur auf. euch der Guttaten zu erinnern die ihr alle von ihm empfangen habt! Der Augenblick ist da. euch "dankbar zu erweisen. ßo^t dem Pflegekind dieses Mannes Gerechtigkeit widerfahren. Der ist kein rechter Kerl, der sich "durch Weibergerede ins Bockshorn lagen ?uht. Lasst Lene in Frieden adlet euch leben und prüft mit eigenem Auge und eigenem Berstand ihren Wandel, so, wie es Männern ziemt . . . Ich stehe für sie eint Mein Geben will ich euch zum Pfand geben, bah euch durch sie kein Leid geschieht!" Heiners Worte verfehlten den Eindruck nicht Sie erhobenen Hände sanken nieder, unschlüssig standen die jungen Bauern und wussten nichts zu erwidern. Kühn gemacht durch den sichtlichen Erfolg, wollte Heiner ein übriges tun. „Brütern!" rief er aus, .ihr haltet zu mir gegen Dummheit und Aberwitz! . . . Ich jäNe auf euch! Dem Recht lafck uns die Ehre geben, gegen wen es «mch sein! . . . Und i t unter euch einer, kenn 2ene Schaden getan hat. dann trete er vor und bewstle es!“ Stille folgte. Heiners sicherer Blick streifte über die Menge. Schon gl.tubr ? er sich des Sieges ' yennb. Da bahnte sich ein Bauer mit der Schulter! den Weg durch die Am'tehenden. Grobschlächtig! und patzig stellte sich der Krugwirt vor den Lehrer hin. „Ihr, Krugwirt?" fragte Heiner erstaunt. Der Alois nahm nicht Nottz von ihm. Zu den Dörflern gewendet. Hub er wutbebend an: „Dach mir mit eines das Auge da is blind gewest. wie ich nächtens durch die Heide bin, ihr wist t's! . . Und dann mit dem Finger auf Lene deutend: „Die Sakramentshek ist es gewest!" „Beweist cs!" herrschte Hei > im Lause des Dormittags die Früylinge.fon e siegreich durch die Wolken drang — ein Bild deS Weges der eoangel'.sch?n Kirchen durch Nacht zum Licht. Weitere Gästc haben sich inzwischen eingefunden, der preuhische Äultu5mlnifiei Boelitz, die evangelischen Zugendverbändc der Provinz Sachsen, für die ein befonberer, von Oberkvnsisto- rialrat Dr. Sibelius gehaltener ZugendgotteS- diettst stattfindet Don den nordischen Bruderkirchen . Erzbischof Svederblom- llpsala. den Bischöfen von Ehristtaniu, WiSby, Lund u a sind Glückwunschtelegramme eingclausen Die Teilnehmer am Kirchgang - Ter tretet der Landeskirche und Ehrengäste, Geistltche. G:ne- ralsuperintendenten, Bischöfe tm Ornat, Magistrat und Stadtverordnete, die kirchlichen Tereine Wittenbergs, die Schwestern des Katharinenstiftes in ihrer lleidsameu Tracht usw. - bcrfammelten sich auf dem Lutherhofe. Nach einer kurzen schlichten Feier in Luthers llZohnstttbe setzte sich der Zug unter Torantritt der Zugend mit ihren Fahnen und Wimveln — ihre Beteiligung an dem Fest ist ein besonders verheihungsvolleS Zeichen für den Kirchenbund — unter dem feierlichen Geläut der Glocken und Posaunenllängeu nach der Schloh- kirche in Bewegung, wo um 10 älhr der Fest - gottesdienst begann. Sie fein auf die Bedeutung der Stunde ein* gestimmte Festliturgie hielt der Thüringer Lan- desoberpfarrer D. Reicha rdt, Eisenach. Die Festpredigt über Matth 28,20 hatte der bayrische Kirchenpräsident D Tel t, München, eine besonders markante Erscheinung unter den anwesenden kirchlichen Führern, übernommen. Nach der Predigt richtete der Dorsitzende des Deutschen Evangelischen KirchcnausschusseS, Präsident D. Möller, Berlin, an die Bevollmächtigten die Aufforderung, im Namen und Auftrag ihrer Heimat- kirchen nunmehr den Beitritt zu dem Kirchenbund feierlich ft zu beurkunden. Hierauf traten nacheinander die 40 anwesenden Dertreter von sämtlichen 28 deutschen Landeskirchen, angefangen mit der grössten, der Landeskirche der ältesten preuhifchen Provinzen bis zur kleinsten, der evangelischen Kirche des Landesteils Birkenfeld unter leisem Orgelspiel an die Grabstätte Luthers vor und vollzogen hier auf einem Tisch au8 der Lutherstube unter Anführung von Dibeiworten ihre Unterschrift unter Bundesverfassung, Bundesvertrag und Dollzugsprolokoll. Nachdem der letzte unterzeichnet hatte, ergriff Präsident D. Möller noch einmal das Wort: Der Deutsche Evange- lischeKirchenbundistnunmehrrechts- gültig zum Abschluh gebracht. Seine Gründung hat stattgefunden an einer der Reformation geweihten Stätte, an den Gräbern unserer Reformatoren. Damit wollen wir bekunden, dah es sich um chr Werk handelt, und geloben, an ihrem Erbe unverbrüchlich festzuhalten. 2llS äuheres Wählzeichen Vieles feierlichen GelübdeS bat er, währens die Gemeinde sich erhob, an dem Grab Martin Luthers und Philipp MelanchthonS Kränze ehrfurchtsvollen dankbaren Gedenkens niederlegen zu wollen. In dem machtvollen Halle- lujah von Händel flang der festliche Akt aus. Von der Tätigkeit der Nothelferinnen. Ans gtng folgender Bericht zu: Am 27. März erfolgte die Einberufung einer „Nothelferinnen-Gruppe" der Ortsgruppe Darmstadt, zwecks Einsatz auf der Zeche Gustav bei Detttngen (Main). Die Gruppe sollte die durch das Fernbleiben der Köchinnen in Frage gestellte Verpflegung der Nothelfer übernehmen Die Anforderung in Darmstadt erfolgte um Ahr, um Vz6 Ah» sollte der Abmarsch zur Dahn stattfindeir. Für die Leiterin der Frauengruppe war eS begegnen könnt? Wer von euch besähe nicht Knochen genug, sich zu wehren? Glarbt Lear nicht. Sie hat es dem Krugwrrt zum Spott gesagt, weil sie von früher her Grund hat, höse auf ihn zu sein! Oder tote, Krugwirt? Wärt Ihr wirllich so ein Hasenfuh, der sich nicht zur Wehr setzt, wenn ein Mädel ihn angrrift? Wollt Ihr zum Gespött des ganzen Dorfes werdrn? Gebt doch zu, da') Ihr gelogen habt!" Der Krugwirt hörte das Kichern der Dirnen unb die Stimme der Blonden, die ihm übet wollte: „In ein Gistkraut fei er gefallen, hat er dazumal bericht'!." And er sah ein, bat) er in eine Sackgasse geraten war. Schnell wog er den Dorteil und Nachteil gegeneinander ab und entschied sich ohne Zögern für den Rückzug. Er rieb sich die Stirn, als ob er vom Schlaf erwache. „Was rede ich denn daher," log er frech, „auf- gekniert hab' ich ihr und hab' sie verwaltt.» And hernach bin ich in ein Gistkraut gefallen, das mir ins Auge gekommen ist!“ Alle sahen sie, dah er log. And Heiner bemerkte mit Schrecken aus Lenes Stirn die senkrechte Falte, die ein Dorbvte von Anheu war. „Schweig still. Lene," riet er, „jetzt hab' ich den Krugwirt in der Hand und führe alles za einem guten Ende. Das Opfer, vergis) es nicht!" Sie aber begriff ihn nicht. Was hatte daS Opfer damit zu tun? Hart [tief) sie seine Hand zurück. Was in ihr vorging, war stärker als sie selbst. Der geschändete Engel stand vor ihr! Genau so hatte der Alois damals gelogen! Wir die Erinnerung über sie herfi>1! Wie sie ihr Inneres mit Todfeindlichkeit grgrn den Kragwirt erfüllte.' Sie trat dich- vor ihm bin. ber toieba gemacht frattc, das) das Gate wie bös und das Döse wie gat hersahI And nun sollte er seines Lügenlohnes nid)t froh werden! Er sollte nicht» Ihre Welk war in diesem Augenblick der Krugwirt und der rasende Zorn in ihrer Brust. Heiner dachte sie nicht (Schluh folgt) feine Kleinigkeit, in dieser kurzen Zeil dle- jeiügeu Olo Helferinnen, welche die nötigen DorkennMisse fxitien, zu alarmieren, aber es gelang! — Ilm 6 Uhr erfolgte die Abfahrt, um 10 Uhr die Ankunft auf der Zeche, wo nach nächtlichem Durchschreiten des Tagebaus, von den 7 Nothelferinnen Quartier in der Wohnung des Direktors bezogen wurde. — Am nächsten Tage begann die Arbeit! Unter den primitivsten Verhältnissen und den Einwirkungen der ungünstigen Witterung haben die „Nothelferinnen" umsichtig und pflichtgetreu alles getan, um den schwer arbeitenden Nothelfern beste Verpflegung zu sichern. In vier getrennt voneinander liegenden Waschküchen in ungleichen Kesseln, deren Inhalt erst erprobt werden nkufzte, haben 7, später 6 N o t he l fe r i nn en für 286 bis 312 Not Helfer n gekocht, 2 Zentner Kartoffeln täglich geschält und in der Ausgabestelle Wurst und Meisch, Vrvt usw. gewogen, geschnitten, zerteilt, kurz restlos alle Ar- betten getan, was in Anbetracht, daß unzäh- ligemale aus 30° R heraus, in Regen und Kälte lange Strecken durchlaufen werden muhten, immerhin eine Leistung war. Drei Nothelferinnen muhten im Laufe deö Streiks ausgewechselt werden, die übrigen haben ununterbrochen 4 Wochen durchgehalten und in Anbetracht der Verhältnisse außerordentliches geleistet. — Das vorbildliche Zusammenwirken wurde bei den anerkennenden Abschieds- und DankeSworien der Werksdirektton besonders betont. — Möchte dieser schöne Erfolg dazu beitragen, daß sich immer weitere Frauenkreise mit dem Gedanken der Technischen Not- hilfe vertraut machen und sich der Arbeitsgemeinschaft der Frauengruppen anschliehen. -------- E. D. SanbeL Berlin, 29. Mai. Börsenbericht. Gebesserte Aussichten für die Verständigung in der Reparationsfrage und das Zustandekommen einer Internationalen Anleihe veranlaßten einen ziemlich erheblichen Rückgang der Devisenkurse. Der Aktienmarkt reagierte darauf umso empfindlicher, als man auch selbst von einer leidlich günstigen Anleihe wegen der zu übernehmenden Lasten kaum eine Besserung der wirtschaftlichen Derhättnisse erhoffen zu können glaubt. Große Verluste erlitten hauptsächlich oberschleslsche Werte; Laurahütte setzten um 320 Prozent schlechter ein. Hohenlohe bähten 165 Prozent ein, Katto- witzer 140 Proz.; auch sonst waren vielfach Rückgänge von 20—90 Prozent zu verzeichnen, namentlich am Montanmarkt. Schiffcchrts- aktien schlossen sich der Abwärtsbewegung an; gleichfalls, wenn auch in minderem Grade, Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrt, die 52 Prozent einbüßten. Bankaktien gaben gleichfalls nach; Deutsche Dank setzten 60 Prozent niedriger ein, gewannen davon aber wieder' 40 Prozent zurück. Auch ausländische Renten waren von der Mattigkeit in Mitleidenschaft gezogen, besonders Valutawerte. Olne feste Haltung zeigten nur deutsche Anleihen infolge freundlicherer Beurteilung der allgemeinen politischen Lage; 3/, 8i. 32.50 eiiischl. GlaS Obstschaumwein Flasche 48.00 ISoMe&Fiio* merke sich ein jeder, putzt die Schuh', erhält das Leder. Own !**• lukryn* 4- (X 4.-4.6tri