Nr. 25 Der -iehener Snzet-er erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertags. Msnatttchetzezugrpteife: Mk 9.50 einschl. Träger» lohn, durch die Post Mk. 10. - einschl. Bestell» gelb, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. F ernsprech-Anschlüsse: fürdieSchriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Siehrn. poftschecnonto: lsrankfvrt a. IN. 11686. Erstes Blatt 112. Zahrgang Montag, 50. Zanuar 1922 SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Buch- und Steindruckerei B. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstraste 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vi» zum Nachpiittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv. 34 mm Breite örtlich 70 Pf., auswärts 90 Pf.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 300 Pf. Bei Platz» Vorschrift 20", Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Äarl Walther; für den Anzeigenteil: Han» Deck, sämtlich in Gießen. Die Note an die Neparationskommission. Don unserem Berliner Mitarbeiter wird uns geschrieben: Die Antwort der Reichsregierung an den Wiederherstellungsausschuh, die wir nachstehend wiedergeben, ist von einer nüchternen Sachlichkeit, die nicht dekorativ wirken, manchen enttäuschen mag, aber vielleicht wirksamer und eindringlicher ist als schwungvolle Manifeste und „Funfsprüche an alte“. 0m ersten Teil der Note kann daS Kabinett sich darauf berufen, dah sie die bei den Beratungen in Cannes geforderten Garantien für die Sanierung deS Budgets mit allen Kräften durchzuführen bemüht war. Wird doch daS Steuersoll von etwa 55 auf rund 100 Milliarden Mark erhöht, und gleichzeitig konnte auf die gewaltigen Tariferhöhungen bei der Eisenbahn und der Post hingewiesen werden, die zur Bereinigung dieser Betriebe durchgeführt worden sind. Ein Bemühen, dem freilich der Rückgang Des Post- und Eisenbahnverkehrs und die neueste Lohnbewegung entgegen- arbeiten! Dieser Teil 1 enthält auch für die deutsche Öffentlichkeit einige sehr bemerkenswerte Feststellungen. So die, dah die Erwerbslosenunterstützung noch in diesem Jahre durch eine Arbeitslosenversicherung ersetzt werden soll, deren Kosten überwiegend von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu tragen sind. Weiter wird festgestellt, dah die Zwangsanleihe, durch die man die Leistungen für das Jahr 1922 unter möglichst geringer Inanspruchnahme der Rotenpresse zu finanzieren versuchen will, eine Maßnahme ist, die nicht wiederholt werden kann. Ob die Zwangsanlethe, die in Höhe von einer Milliarde Goldmark aufgelegt werden soll, zu diesem Zweck reichen wird, das hängt natürlich ganz von der Höhe der Reparationszahlungen ab, die Deutschland für das laufende Jahr aufbringen soll. Die Regierung weist darauf hin, daß angesichts der Schwierigkeiten der Devisenbeschaffung und der damit für Deutschland verbundenen Gefahr es geraten sei, die Summe der Barzahlungen herabzusetzen und nötigenfalls lieber die Sachleistungen entsprechend zu erhöhen. Weiter wird auf die Anrechnung der schon für das Jahr 1922 erfolgten Leistungen in bar und in Sachlieferungen sowie der Clearingzahlungen gedrungen. Der wichtigste Teil der Rote liegt in ihren Schlußausführungen. Die Reparationskommission hat nur die Aufstellung eines Zahlungsplans für 1922 verlangt. Die Regierung aber weist darauf hin, dah mit einem solchen Provisorium der Lösung des Reparations- Problems nicht näher gekommen wird, sondern dah ebenso wie die deutsche so auch die Weltwirtschaftskrisis nur gelöst werden kann, wenn man die ReparativnSfrage auf eine ganz neue Basis stellt. Bor allem wird dabei auf die Notwendigkeit einer großen Reparationsanleihe für Deutschland hingewiesen. * * * Berlin. 28. Jan. (Wolff.) Die heute dem Berliner Dertreter der Reparationskommission übergebene N o i e der deutschen Regierung an die Reparationskommission hat folgenden Wortlaut: Herr Präsident! Die Reparationskommission hat mirch Entscheidung vom 13. Januar 1922 der Regierung für die beiden Fälligkeiten vom 15. Januar und 15. Februar 1922 einen Zahlungsaufschub unter der Bedingung gewährt, daß die deutsche Regierung binnen 15 Tagen a) ein Re- formprog'.amm für den Haushalt und den Notenumlauf, b) ein vollständiges Programm für die Barzahlungen und Sachleistungen für das Kalenderjahr 1922 vornimmt. Die deutsche Regierung entspricht hiermit diesem Derlangen. I. Reform des Haushalts und deS Notenumlaufs. Der deutschen Regierung und der Volksvertretung ist es gelungen, den Abschluß der im Zähre 1919 begonnenen vollständigen Reform der Reichsfinanzen unter äleberwlndung größter Schwierigkeiten nunmehr zu sichern. Das Ziel dieser Reform, welche dex deutschen Regierung schwerste Opfer auferlegt, ist, das ® lei ch-» gewicht des Haushaltes herzustellen. Zu diesem Zwecke werden die Einnahmen aus das äußerste gesteigert und die Ausgaben auf das stärkste eingeschränkt. Die auherordentlichen Bedürfnisse sollen nicht mehr ausschliehlich durch Ausgabe kurzfristiger Schahwechsel, sondern so weit wie möglich durch Anleihen gedeckt werden. 1. Sanierung der Einnahmen. Das Aufkommen aus den Quellen der De - sihbesieuerung wird durch Ausbau des Steuersystems in den dem Reichstag zur Zeit vorliegenden Gesehenbwürfen gedacht, und sodann allen drei Künstlern der innigste Dank für die herrliche Gabe nochmals dargebracht. Vor einigen Tagen suchte der fran- zösischeBotschafter umeine Audienz velm Präsidenten Harbing nach, der es Eine Kundgebung der Rheinländer in Berlin Angelegenheit nur seinem Staarssekretär besprechen solle. Der Berichterstatter der „Mor- ning Post" weist darauf hin, daß nur selten einem solchen Ersuchen von Botschaftern nicht stattgegeben werde, es sei denn mit Absicht. Der zwette Fall ereignete sich bei einem kürzlich abgehaltenen Boll, bei dem Präsident Harding aus seiner Loge in die Loge des britischen Botschafters Gedders kam, sich zu der Gctttin des Botschafters setzte und diesen ersuchte, seinen eigenen Platz an der Seite der Gattin des Präsidenten einzunehmen. Der Berichterstatter sieht hierin ein Zeichen dafür, daß Harding zum Ausdruck bringen wollte, daß sich die Vereinigten Staaten und Großbritannien im gegenwärttgen Augenblick in vollständiger Liebereinstimmung befinden und dieselbe Politik verfolgen. Paris, 28. Jan. (WTB.) Zu der heute morgen wiedergegebenen Nachricht der „Mor- ning Post" von dem Zwischenfall zwischen Präsident Harding und dem französischen Botschafter in Washingwn erklärt der Minister für auswärtige Angelegenheiten, nichts davon zu wissen. Wie die Havaöagentur berichtet, hat Poincare den französischen Botschafter Zusserand um Aufklärung gebeten. Harding und der französische Botschafter. Ovndon, 28. Zan. (WTB.) Der Wa- shingwner Korrespondent der „Morning Post" berichtet über zwei Vorfälle, die er für den gegenwattigen Zeitpunkt für bezeichnend finde, da sie in enger Beziehung zueinander standen und in den politischen und diplomatischen Kreisen erörtert werden. Die Hilfe für Oesterreich. Paris, 28. Jan. (WTB.) Zu der Meldung, daß die französische Regierung einen Gesetzentwurf vorbereitet, um Oesterreich zu helfen, erklärt der „Mattn", daß die Anleihe bei Frankreich die gleiche Höhe wie die bei England erreichen solle. Der ®o samtkredit würde sich demnach auf 5 Millionen Pfund Sterling belaufen. Die ftanzösische und die englische Regierung seien der Ansicht, daß eine Hilfeleistung für Oesterreich unumgänglich sei, die ihm gestatte, seine Finanzen zu sanieren, ohne die Bevöllerung dem Hunger preiszugeben. Die Folge dieser Kredite werde ein sofortiges Steigen der Krone sein. Aus Stöbt und Land. Gie ß en, den 30. Jan. 1922. Wettervoraussage für Dienstag: Wolkig, regnerisch, mild, westliche Winde. Der atlantische tiefe Druck beherrscht unsere Wetterlage. Unter feinem Einfluß werden wir mit Fortdauer der bestehenden trüben Witterung rechnen können. Paris, 29. Jan. Havas teilt mit, daß im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten von dem französischen Botschafter in W a - s h i n g t o n Informationen eingegangen seien, die das offizielle Dementi bestätigten, das vom Weißen Hause der in London veröffentlichten Nachricht entgegengesetzt worden sei, Präsident Harding habe dem französischen Botschafter Audienz verweigert. Die Nachricht entbehre jeder Begründung. Die Künstler, welche den sicherlich nicht ge° ringen Anstrengungen des Abends mit unverwüstlicher Frische begegneten, wurden zum Schluß nochmals begeistett gefeiert. A. H. • . e Giehener Konzertverein. Kölner Trio: Dvorak, Schubert, Brahms. Gießen, 29. Januar 1922. Ein Wend voll eödften Kunstgenusses! Die klassische Ruhe und 'Sicherheit des Geigers Dram-Eldering, der wundersam gesangliche Celloton Feuermanns, dazu als Pianist der ferne Rhythmiker und Anschlagskünstler Llz i ell i: das war die rechte Mittlerschaft für die gereichten musikalischen Gaben. Diese selbst in ihrem Zusam- n^nhalt waren von unübertrefflicher Köstlichkeit Wir haben schon große Künstler in diesem Winter Horen dürfen; aber was die Erlesenheit des Pro- Grifft, so schien uns der heutige Abend der Höhepunkt. Nichts, was man hätte missen mögen keine Steine statt Brot, kein Blättern in vergiften Pergamenten: sondern gleichbleibende edle Schönheit: unter diesem Zeichen hat das Kölner Trrv gestritten und gesiegt. aJatürli« Hdbt der Wert der gespielten J£nter Ein verschiedener. Dvoraks ^.'^l-Trio war mit Fug an den Anfang gesetzt. Die Musik des Böhmen bot uns zumeist blühende nicht immer allzu eindringliche, aber die Grenze zum Fatalen vermeidende Melodik mit solider im ?chtigeii Augenblick Aufstieg nicht verfehlen- der Durcharbeitung. Dankbare Spezialaufgaben für das Cello liehen tote sonst nicht auf sich warten und wurden mit musterhafter Linienführung gelost Der ganze Vorttag der Kölner war vorzüglich und schon für sich allein eine hochwertige Spende' Brahms hatte hernach keinen leichten Stand. Trotzdem war die Reihenfolge die bestgestaltete: vorangeschickt würde die anspannende Brahms- sche Musik die Genußfähigkeit für das Nachfolgende gettübt haben, während die von Schu- b-'.rt ausgehende Gemütserfrischung eher gegenteilig wirkt. Bei Brahms ist die Verstandesarbeit zu stark beteiligt, um so unmittelbar das Wunder zu streifen wie Schubert. Freilich mehr davon zu sagen wäre vermessen gegenüber einer hervorragenden und durchaus großen Schöpfung wie das C-Moll-Trio. Groß war auch der Stil, in dem Llzielli den gewaltigen Einsatz derOktaven- triolen brachte. Im zweiten Satz betrog uns ein tückischer, gerade gegenüber hinreißenden Spielern sich leicht einschleichender Zufall um eine Pointe. Im übrigen zeigt dieser Satz, was entstand, wenn ein Brahms die Wege Dvoräks vorwegnahm. Wer sich von dem neuen Rektor der Genter Universität hat sagen lassen müssen, daß die deutsche Zivilisation um 50 Jahre rückständig sei, konnte hier Beruhigung schöpfen Delayungsfristen noch nicht zu lausen begonnen hätten. Ueberall, im deutschen Vaterlande, im neutralen Ausland, ja selbst in England und Amerika, breche immer mehr die Lieberzeugung sich Bahn, daß kein Friede die Welt erfüllen werde, daß das aus tausend Wunden blutende Deutschland seinen Reparationsverpflichtungen nicht nachkommen könne, wenn dasRheinlarü) unter dem Druck von 150 000 Soldaten fremder Nationen weiter geknebelt, geknechtet und ausgesogen werde. Diese „Garnisonen" kosteten uns bereits 4'/., Milliarden Goldmark, die man besser für den Auf- bcni hätten verwenden können. Am Fuße des Niederwalddenkmals schlugen die Marokkaner ihre Zelte, auf den Rheindampfern flattert das Trikolore, in Koblenz weht das Sternenbanner über Ehrenbreitstein, kein freies Wort, kein deutsches Lied darf mehr erschallen, Frauen und Mädchen werden geschändet, französische Banken und Geschäfte mit französischen Inschriften schießen wie Pilze aus £er Erde, die wirtschaftliche Not ist ins Llngemesfene geftiegen und das alles unter dem Schutze des Völkerbundes. Das alles nennt man Völkerfriede, Völker Versöhnung, Abrüstung und friedliche Durchdringung. Ein freier Rhein und ein freies Rheinland müssen wiederkommen, dazu wollen wir uns alle die Hände reichen und ab- lasfen von allem Parteigezänk und Klassenkampf, alle Zerrissenheit müssen wir verbannen und einig, einig, einig sein. Vach den mit brausendem Beifall aufgenommenen Reden wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Auf dem besetzten Rheinland und Saargebiet lastet ein schwerer moralischer, politischer und wirtschaftlicher Druck, der ein Hohn auf die Forderung des wahren Ftte- dens und der Verständigung der Völker ist. Die Versammlung der Rheinländer, in der die gewählten Vertreter des rheinischen Volkes gesprochen haben, erhebt scharfen Protest gegen diese Zu stände und fordert Befreiung ihrer Brüder und Schwestern am Rhein und an der Saar, insbesondere die Zurückziehung der farbigen Truppen. Die Versammlung gibt endlich ihrem Stolze Llusdruck auf die nationale Treue des Rheinlandes und des Saargebietes." Heimat- liedec des Lchrergesangvercins bildeten den Abschluß dieses Chrenbekenntnisses der Rheinländer. Der Reichshaushaltsplan für 1822. Berlin, 28 Zan. (WTB.) Dem Reichstag ist ein Gesetzentwurf betreffend Feststellung des Reichshaushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1922 zugegangen. Der dem Gesehentwurs als Anlage beigefügte Reichshaushaltsplan umfaßt drei Teile, nämlich allgemeine Reichsvrrwaltung. Betriebsverwaltungen Ausfüh'-ung des Friedens Vertrages. Der zweite' die Betticbsverwaltungen betreffende Teil enthält die Positionen Reichspost- und Lelegraphenver- waltung, Reichsdruckerei und Deutsche Reichsbahn. Laut § 1 des Entwurfs weist der Reichshaushaltsplan für das Rechnungsjahr vom 1. April 1922 bis 31. März 1923, auf Millionen abgerundet, für die allgemeine Reichsverwaltung an Einnahmen und Ausgaben 288 Milliarden 424 Millionen, für die Reichspost- und Telegraphenverwaltung 18 Milliarden 781 Millionen die Deichsdruckerei 499 Millionen, die Verwaltung der Reichsbahn 78 Milliarden 783 Millionen und die Ausführung des Friedensvertrages 187 Millrarden 532 Millionen auf. Laut § 2 wird der Reichsminister der Finanzen ermächtigt, zur Destteitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben 183 Milliarden 366 Millionen im Wege der Anleihe flüssig zu machen und zur vorübergehenden Verstärkung der ordentlichen Bettiebsmittel der Reichshauptkasse einen Betrag bis zu 12 Milliarden 500 Millionen in Schatzanweisungen auszugeben. Laut § 6 darf von den im Reichshaushaltsplan für 1920 vorgesehenen planmäßigen Beamten stellen im Falle des Freiwerdens nur jede zweite Stelle wieder beseht werden, bis ein Viettel der daselbst bewilligten Stellen der gleichen Gattung fortgefallen ist. Dies gilt nicht für einige Äategorien hoher Staatsbeamter, deren Stellen jedoch nur mit Zustimmung des Reichsfinanzministers wieder besetzt werden dürfen. Der erste Teil, die allgemeine Reichsver- toalutng, weiß an fortdauernden Aisgaben unter anderem folgende Positionen auf: Reichs-- prasident 2 643 000 Mark, Reichtag 28 878 000 Mark, Reichsministerium. Reichskanzler und Reichskanzlei 4 420 000 Mark, Auswär- Frankfurter Uraufführung. WalterHasenclever: „Gobseck" Ar . tt. Frankfurt a. M, 28. Zan. An einer Reihe von deutschen Bühnen wurde gleichzeitig das neueste „Drama" Walter Hafen- clevers: „Gobseck" zur Uraufführung gebracht. Der wandlungsfähige Dichter des „Sohns" der Antigone" und der „Menschen" unternimmt es öieämal, bie unheimliche Macht und Dämonie des Geldes darzustellen: die Gier nach Schätzen läßt seinen Titelhelden zum Vampir und Scheusal werden, zum furchtbaren unerbittlichen Ver- nichter von Existenzen, die in seine Krallen ge- liefert find. An einer Gräfin, die ihm int Verlauf eines galanten Abenteuers Geld schuldet, und ^rent Mann erfüllt sich das Schick-al, und mit ber Gräfin und der eigenen Tochter, die er dereinst um Geldes willen verkauft hat, stürzt er Zuletzt selbst in den todbereitenden Schacht seiner Goldkammer hinab, um noch, jenseits des Lebens Herr all der Schätze zu bleiben. Diese Handlung, deren stofflichen Vorwurf eine Balzacsche Novelle hergab, wird in acht knapp gefaßten Bildern im Eiltempo und starkem kinomäßigen Einschlag abgewickelt. Die Psychologie bleibt Nebensache, nur die Titelfigur erhält individuellere Prägung: der Hörer steht zunächst unter dem Eindruck, daß sich ein spannendes Sensationsdrama vor ihm abspielt, am Schluffe verbleiben als einzige Wirkungen nervenerregende Situationen, prickelndes Grauen — und Sieger ist der Theatereffekt. Einen künstlerischen Aufstieg bringt das Werk in keiner Weife. — Die Llraufführung im Neuen Theater wurde von Walter Frieds Gobseck einer hohen Leistung nachfchaffender Kunst, beherrscht. Ihm vor allem, den übrigen Spielern und der stilsicheren Regie Robin Roberts hat Hasenclever 1 den durchaus nicht unbesttittenen Erfolg seines Stückes zu danken. ** Die Einweihung der neuen Gailschen Zigarrenfabrik fand am Samstagnachmittag statt. Eröffnet wurde die Feier durch eine Ansprache des Baumeisters Köster, in dessen Hand die Oberleitung der Dauarbeiten gelegen hatte. Als chm vor 2V2 Jahren durch oie Firma Georg Philipp Gail der Bauaufttag erteilt wurde, habe er sich drei Richtlinien gewählt: Das Werk solle dienen dem Bauherrn zum Wohlgefallen, der Kunst zur Ehre, und der Stadt zur Zierde. Er hoffe und wünsche, daß in dem neuen Bau in Frieden gearbeitet werde nach echter deutscher Art. Geh. Rat Gail sprach allen, die an dein nun vollendeten Werke mit- Paris, 28. Jan. Havas meldet aus London: Gestern vormittag wurde der französische Gesetzentwurf zum englisch - französischen Schutzvertrag von der englischen Regierung in einem Kabinettsrat unter Vorsitz von Lloyd Georg e beraten. Der Kabinettsrat kam aber nur zu einem vorläufigen Meinungsaustausch. Der Kabinettsrat, der eine eingehendere Prüfung der Angelegenheit vornehmen solle, werde wahrscheinlich bis Montag hinausgerückt. Lieber Montag hinaus könne allerdings diese Prüfung nicht aufgeschoben werden, da die Abreise Lord Curzons nach Patts nach wie vor auf den 31. Januar angesetzt ist, damit er rechtzeittg zu der Konferenz der Minister des Aeußern von England, Italien und Fra ui- reich, die die Orientfrage regeln solle, em- teeffe. Was die Haltung der englischen Regierung in Paris betteffe, so werde bestättgt, daß sie sich einverstanden erklären werde, dem Vertrag Gegenseittgkeitscharakter zu verleihen, svwte ihn aus 30 Jahre auszudehnen. Dagegen könne die englische Regierung nicht auf eir« Mllitärkonventton in der gewünschten Form eingehen. Endlich seien die enalische unS die ftanzösische Regierung verschiedener Ai^icht über den casus belli. Die Verhandlungen würden voraussichtlich sehr fühlbare Meinungsverschiedenheiten zutage fördern und vielleicht noch eine gewisse Zeit dauern. gearbeitet haben, seinen Dank aus. Dr. Georg G a i l verlas darauf die Gründungsurkunde, die später nebst anderen Dokumenten, u. a. auch einer Nummer des „Gießener Anzeiger", mit dem Schlußstein eingemauert wurde. Herr B ä n n i n g e r sprach als Nachbar der neuen Fabrik und bewunderte vor allem den Llnter- nehmermut, der es wagte, in diesen schweren Zeiten ein solches Werk zu beginnen. Nachdem hiernach noch die Vertreter der Bauarbeiter Fabrikbeamten, -Angestellten und -Arbeiters sowie ein Vertreter der Gailschen Tonwerke ihre Glückwünsche ausgesprochen hatten, ergriff Baumeister K ö st e r nochmals das Wort und sprach vor allem dem Bauführer, Architekten Hase, dessen unermüdlicher Tätigkeit von morgens ftüh bis abends spät ein Hauptverdienst an dem schnellen und guten Gelingen des Werkes zuzufprechen sei, und allen anderen Mitarbeitern seinen Dank aus. Herrn Dr. Georg Gail dantte er für seine anhaltende Llnterftützung, und Herrn Geh. Rat Gail für seinen bewährten künstlerischen Rat. Danach begab man sich zu dem frisch eingemauerten Schlußstein, der nun unter Glückwünschen von den einzelnen Teilnehmern die letzten feierlichen Hammerschläge empfing. Den Beschluß der offiziellen Feier bildete ein Rundgang in Gruppen durch die Fabrik, der wahrhaft überwältigend bestätigte, was die vorhergegangenen Reden von dem neuen Werke gerühmt --------Illll 1 1 ____ trgcs Amt 734 502 000 Mark, Reichswehr- Ministerium: a) Reichswehrminister 4 438 000 Mark, d) Heerwesen 3 Milliarden 562 Millionen c) Heeresfriedeirskommission 2 980 000 Mk.» ck) Matt ne 855 312 000 Mk.: insgesamt für das Reichs- wehrministerium 4 Milliarden 425 Millionen Mark. Für die Verzinsung der Reichsschuld sind erforderlich 27 Milliarden 946 Millionen Man Linker den Einnahmen des ordentlichen Haushalts werden die Einnahmen der allgemeinen Finanzverwaltung (Steuern, Zölle unh sonstige Ausgaben) auf 98 Milliarden 464 Millionen Mart veranschlagt. Linker den Einnahmen des außerordentlichen Haushalts findet sich die anfangs erwähnte 183 Milliarden-Anleihe unter dem Titel Reichsschuld. Der zweite Teil weist für die Reichspost- und Telegrophenverwattung au Einnahmen des ordentlichen und außerordentlichen Haushalts 16 Milliarden 325 Millionen Man auf. Zu dieser Position ist ein Gesamt- zuschuß des Reichs von 2 Milliarden 456 Millionen Mart erforderlich. Die Reichsip-ackerei weist an Einnahmen 499 Millionen Mark auf Das bedeutet einen Betriebsüberschuß von 6 485 000 Mark. Tie Verwaltung der Reichsbahn weist an Einnahmen im ordentlichen und außerordentlichen Haushalt 72 Millrarden 5 Millionen Mart auf. Zu dieser Positron ist ein Gesamtzuschuß des Reichs von 6 Milliarden 782 Millionen Mark erforderlich. Ter dritte Teil Ausführung des F> iedensvettrages, weist in dem ordentlich en Haushalt an sott dauernden Ausgaben die Summe von 147 Milliarden 677 Mil- lionen und im außerordentlichen Haushalt eine Ausgabesumme von 39 Milliarden 844 Millionen Mart auf. 1!?’ 29 Oan. (Wolff.) Im Kaisersaal ^Rhcingvld vereinigten sich vormittags die Rheinländer Groß-Berlins zu einer gewaltigen Kundgebung für ihre bedrohte Zemiat, zu einem 'Bekenntnis unerschütterlicher Treue für das deutsche Vaterland und zu einem wuchtigen Protest gegen die Bedrückung und Der- welschungsversuche der deutschen Gaue am Rhein. Mit der Bitte „Hör uns, o Gott. Herr der Welt!", vorgetragen vom Berliner Lchrergesangverein fand die Veranstaltung ihre stimmungsvolle Einleitung. Der Vorsitzende des Reichsverbandes der Rheinländer, Präsident Dr. Paul Kaufmann begrüßte die Tausende deutscher Männer und S'cauen, die den Saal und die Tribünen in dichten Rlassen füllten, insbesondere den Präsidenten des Reichstages, den preußischen Ministerpräsidenten den Kultusminister, den hessischenGesand- t e n, sonstige Vettreter der Reichs- und Staats- behoroen und die Delegierten von auswärtigen Rheinländer-Vereinigungen mit herzlichen Worten. Hieraus übergab er die Leitung der Versammlung dem Reichstagsprasidenten Löbe, der die Kundgebung als Notschrei unserer Brüder und Schwestern am Rhein ohne Ansehen von Religion. Pattei und Klasse bezeichnete. Dann sprachen in packender Weise die Reichstagsabgeordneten Hofmann- Ludwigshafen (Zentrum). ^an^ÄÖIn (Soz.) und Llniversitätsvro- fessor Dr. M o l d e n h a u e r - Köln (D Vp ) ........- s^ner der Landtagsaög. Dr. Bachem-Köln jedoch ablehnte, den"französischen Bottchafter! bcmofratifd>e Reichstags- empfangen un& Montevideo, 30. Zan. (WB - DerPolav- ! forscher Sir Ernest S hakle ton ist am 5 Zan an Bord seines Schiffes ^Quest" an Drustbrä^ne Igestvrven. Was dann kam, Schuberts erstes Trio war etwas ganz Großes, eines jener Werke, die man während der Dauer des Genusses überhaupt an keinem anderen Werke mehr glaubt missen zu können. Die Worte fehlen, um das Lieberirdische dieser Musik wiedergeben zu können, llnmittel- tung selbst des in schlichter Heiterkeit Begonnenen! den einsehenden Instrumenten, Klavier^und Cello. 29. Ian. tWTB.) Wie eine >ndenz meloet, stahlen zwei Berlin, von 89 Erin einem Zimmer getroffen, wurden aber im letzten Augenblick durch die Aufmerksamkeit eines Zimmermädchens verhindert. Das Trio begab sich darauf in die Wohnung Büttners. Während Falkenrach und Orth ihr Opfer umbrachten, stand der dritte Mann stundenlang vor dem Hause Schmiere. Dann begab er sich selbst in die Wohnung. um sich den Ermordeten zu betrachten. Hierbei händigte ihm Falkenrath mehrere taufend Mark, die er ihm schuldete, von dem inzwischen geraubten Gelde aus. Erst am anderen Morgen verliehen die Mörder das Haus. Zalkenrath und Orth reisten, wie schon berichtet, nach Würzburg. Der dritte Täter wurde jetzt von der hiesigen Kriminalpolizei als der 22jährig« Konditor Hubert K o l b e r g aus Aachen ermittelt. Aach die- sen Feststellungen reiste Kriminalkommissar Hader sofort nach Aachen und konnte hier am Samslagvormittag den Kolberg in seiner elterlichen Wohnung festnehmen. Kolberg wird in den nächsten Tagen nach Frankfurt verbracht. — Die Mörder hatten in der Büttnerschen Wohnung auf eine Beute von mindestens 100 000 Mark gehofft. Falkenrath ist noch flüchtig, doch dürfte seine Verhaftung auch nur noch eine Frage von einigen Tagen sein. Der ermordete Zahnarzt wurde Freitag vv«.-mittag aus dem hiesigen Haupt- friedhvs beigesetzt. städter Zeitung", Paul Kirchhofs, der wegen Beleidigung durch die Presse im vorigen Jahre durch das hiesige Schöffengericht zu 600 Mark Geldstrafe und den Kosten verurteilt worden Michel wurde vom Gericht als befangen abge- lehnt. 3n der Begründung sagt der Dorsitzende, Qindgerichtsdirektor Dr. D o r n s e i f f, dem Angeklagten, entgegen seitheriger Rechtsprechung, im vorliegenden Falle den Schuh des Artikels 193 (Wahrung berechtigter Interessen) ausdrücklich zu, da den jetzigen Verhältnissen entsprechend, ebenso, wie jeder Staatsbürger auch der Redakteur das Recht zu scharfer und ironischer Kritik habe, wenn sie nicht mit _ber Absicht zu beleidigen verbunden sei. Mit Rücksicht daraus, das; die Höchstgrenze der Geldstrafe jetzt auf 6000 Mark festgesetzt sei, scheint Attentäter, der dir jetzt noch md>t ermittelt werden konnte. Der andere leistete dem deutschen Polizisten bei der Festnahme Widerstand und flüchtete gleichfalls, lief aber einem französischen Posten in die Hände Aut der Wache beleidigte er den Unteroffizier und die Soldaten. Das Kriegs- g e r i ch t verurteilte den Angeklagten wegen versuchter Rotzucht inb tätlichen Angriffs auf den deutschen Polizisten und Beleidigung zu f ünt Iahten Gefängnis. Gevichtssaal« Gerichtliches Nachspiel zu einer StadLverordnetensitzung. * Hanau. 28. Ian. Gestern hatte sich- der kommunistische Stadtverordnete Karl R e h b e t n, der Leiter der hiesigen Metallarbeiterorganisation, wegen Beleidigung und übler Nachrede des Landrats Dr. Voigt vor der Strafkammer zu tetanttnDrten. Tie strafbaren Handlungen wurden in einer Rede des Angeklagten gefunden, die dieser am 15. Oktober d. Is. in der Stadtverordnetenversammlung gehalten und in der er die Redewendungen gebrauchte, „ter Landrat ist einer der Gesellen, der mit der Sipo einbegriffen hat, am den englischen Geldsack zu schützen," „er fei der größte Reaktionär, der falsche Berichte an dir Regierung gemacht habe," „der sich den Land- ratsvosten erschwindelt habe, da er vor seiner Wahl erklärte, einer gemäßigten linksstehenden Partei anzugehören." Das Urteil lautete wegen übler Nachrede auf 1000 Mk. Geldstrafe und Publikationsbesugnis in den Hanauer Zeitungen. Das Gericht war der Ueberzeugung, das; dir Aeuherangen fo gefallen sind, wie sie die Anklage dem Angeklagten zur Last gelegt hat. Damit war die Absicht, den Landrat zu beleidigen, erwiesen. Man habe dem Angeklagten zug.ite gehalten, tast er in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe und deshalb eine Geldstrafe für ausreichend erachtet. Tu die Aeaßeran- gen in öffentlicher Stadtvervrdnetensiyung erfolgt seien, habe auf Bekanntgabe des Urteils in der Presse erkannt werden müssen. s rm. Darmstadt, 29. Ian. Die Strafkammer verwarf gestern nach eingehender Der- bzw. bet den Landbürgermeistereien erhältlich. •• A n den höheren Knabenschulen sind für die Anmeldungen für daS neue Schuljahr folgende Termine festgesetzt: Gymnasium: Für die Sexta Freitag, 3. Februar, 10—1 und 4 6 Uhr: für die übrigen Klassen Samstag. 4. Febr., 10—1 Uhr -- Realgymnasium: Mittwoch. 1 und Donnerstag, 2. Februar, 10—12 und 4—6 Uhr. — Oberrealschule: Mittwoch. 1.. und Donnerstag, 2. Februar, 10—1 und 4—6 Uhr. ♦♦ Marschall Liman von Sanders sprach am Samstagabend in der Neuen Aula in einer von derDeutschen Volkspartei einberufenen Versammlung über das Thema: ..Deutschland und England in der Türk e'i“. Der Saal war bis auf den letzten Stehplatz besetzt, ein Zeichen dafür, mit welchem Interesse man allenthalben den Ausführungen des Marschalls entgegensah. Nach einigen be° grüßenden Worten des Vorsitzenden erhielt alsbald, stürmisch von den Erschienenen begrübt, Li man von Sanders das Wort. Er be- liebtet zunächst über seine Berufung nach der Türkei zur Reorganisation des Heeres im Dezember 1913 und den Aufteilungsplan Englands. Deutschland war entschlossen, die Türkei zu erhalten. weil sich für unfern Handel und unsere Industrie hier ein weites Feld bot. Diesem Gedanken galten auch die Reisen des Kaisers nach türkischen Gebieten. Die Bagdadbahn wurde in Angriff genommen. England war aber nicht gewillt, den deutschen Einfluß zu dul- Lcn. Es schlost mit Rußland den persischen Der- irag, mit Frankreich den Afrika-Vertrag ab. der ihm freie Hand in Aegypten gab. Der Balkanbund sollte die Türkei endgültig aus Europa betreiben. Im Anschlich an Deutschland sah die dürfet die einzige Möglichkeit, der Aufteilung u entgehen, und so trat sie im November 1914 an der Seite Deutschlands in den Weltkrieg. Der Redner schilderte nun die schwierigen Verhältnisse im weiten türkischen Reiche und den un» nünfligen Anfang der Kämpfe mit den Expeditionen n2ch dem Suczkanal. Diesen folgte bald die Offensive der Engländer gegen Pcüästina und Syrien. Per Bagdadseldzug begann günstiger, aber auch hier schlug der Vorteil zugunsten Englands um. Aehnlich war es im Kaukasus. Die Bahnen fehlten, der Nachschub konnte nicht her- angebracht werden. Trotz alledem hielten sich die Türken tapfer. Zwei grobe Siege erfochten sie an den Dardanellen, die englisch-französische Flotte wurde von dort verjagt, die Landungskorps auf Gallipoli nach achtmonatigen Kämpfen hin- Hochschulnachrichlen. Hk. Theologische Blätter. Uns wird berichtet: Die akademisch-theologischen Vereine (Eisenacher Kartell) haben ihre Kar- tellzeitung zu einem allgemein-theoretischen Monatsblatt ausgestaltet, das durch selbständige Aufsätze, Bücherbesprechungen und Notizen über die dauernd wechselnden Probleme der theologischen Wissenschaft und ihrer Grenzgebiete orientieren und so den Akademikern bei ihrer Weiterbildung, den interessierten Laien zur Einsicht in das Gesamtgebiet dienen soll. Daneben sollen die Fragen der theologischen Ausbildung zur Sprache kommen. Dadurch, daß die „Theologischen Blätter" sich weder aus eine kirchliche oder theologische Richtung sestlegen, können sie in jedem Sinne ein allgemein-theologisches Organ werden. Sie stehen unter Leitung des eben von Berlin mit dem D. theol. geschmückten Gießener Professors Karl Ludwig Schmidt und erscheinen bei Hinrichs, Leipzig. „Frau Dorrits Bekenntnis" und „Die Bärenjungfrau". — Aus dem Stadttheaterbureau. Es sei nochmals auf das einmalige Gastspiel des Petz-Kainer-DallettS am kommenden Donnerstag hingewiescn. Alle auswärtigen Pressestimmen lauten dahin, daß etwas wirklich Außergewöhnliches geboten wird. — Neun oder acht Klaffen? Sehr umstritten ist m der Gegenwart die Frage, ob die Kinder, die den höheren Lehranstalten zugefuhit werden sollen, drei oder vier Jahre lang Die Grundschule besuchen sollen. Seither konnten sie sckvn mit dem 9. Lebensjahre, also nach drei Schuljahren, in eine höhere Schrie übertreten, so Lay bei normalem Weiterschreiten mit dem 18 Lebensjahre der Uebergang ,»ur Universität ermöglicht wurde. Wenn jetzt die Grindschrle vier Jahre lang besucht werden soll, so wird der Beginn des Umversitätsstudiims am ein Jahr binausgeschoben, da die höheren Lehranstalt en nicht von heute auf morgen einen achtklasfigen Lehrplan einrichten können. Um Liese Frage einer Klärung näher zu bringen, veranstaltet die „Vereinigung der Freunde Les h imagistischen Gymnasiums" morgen abend 8Vs Uhr im groben Hörsaal ter Universität eine Aussprache, deren Thema ist: „Neun oder acht Klassen höherer Lehranstalten?" Professor Dr. Herzog toiro das einleitende Referat halten. hiesige Korrespondenz ... unbekannte Männer bei einem (Anbruch in Vermischtes. Washington hn Schnee. Wie die Montagspost meldet, ist Die amerikanische Bundeshauptstadt infolge ungeheurer Schneestürme von allen Verbindungen mit der Außenwelt abgeschnitten. Nur 49 Senatoren gelang eS mit großer Mühe ins Kapitol zu gelangen. Als der Schneesturm nachließ, verliehen auch sie das Gebäude aus Furcht, bei längerem Verweilen jeder Möglichkeit zu entkommen, beraubt zu werden. Die nächste SenatSsihung ist auf Montag anberaumt, vorausgesetzt, daß das Wetter sie zu- läßt. Washington, 29. Januar. (WTB.) Gestern abend stürzte infolge starken Schneefalls das Dach eines Kinos ein. 69 Personen wurden getötet, etwa 100 verletzt. Handlung die Berufungsklage des seitherigen Der- avtwortlrchen Hauptschriftteiters der „Darm- Paul Kirchhoff, der war. K. hatte damals in einem Artikel die Teilnehmer des Festzuges gelegentlich der Regimentsfeier des Hessischen Garde-Draavner-Regi- ments angegriffen. Der von dem Angeklagten als Sachverständiger über die Form und Zulässigkeit der Kritik benannte Schriftsteller Wilhelm fpd. F r a n k f u r t a. M., 29. Ian. Die mittlungen in der Raubmvrdsache an dem Zahnarzt Büttner nehmen von Tag zu Tag dramatischere Formen an und bringen immer neue Einzelheiten der grausigen Tat an das Tageslicht. Arn Freitagmittag wurde der eine Raubmörder, der Eisendreher Balthasar Orth, als er von nach tagelangem Umherirren durch Nord- und Mitteldeutschland, wo er überall an den Anschlagsäulen sein Bild gesehen hatte, nach hier zurückgckehrt, verhaftet. Orth wurde von einem .Mannten gesehen, der unauffällig die Polizei alarmierte, und von dieser m einer Keinen Wirtschaft an der Peripherie der Stadt verhaftet. Er hat nun ein umfassendes Geständnis abgelegt, und den Namen eines Dritten Helfers bei der Bluttat mitgeteilt. Am Mordtage befand er sich in Begleitung Falkenraths, des Haupttäters, an der Hauptwache, als ein junger Mann auf den letzteren zustürmte und diesen an eine Schuld gemahnte. Falkenrath beschwichtigte den Gläubiger und teilte diesem und Orth feinen Plan von der Beraubung des Zahnarztes Büttner mit, auf den beide eingingen. Ursprünglich sollte Der Arzt in ein Hotel Der Innenstadt, too Falkenrath und Orth wohnten, gelocft und hier beraubt werden. Die Vorbereitungen zur Tat waren schon Jahren. Hessen-Nassau. Der Raubmord in Frankfurt. Ein neuer Mhttä ter — zwei der Mörder verhaftet. das Maximilian-Museum in Augsburg für über 1 Million Mark Kun st schätze aller Art sowie Ringe, goldene und silberne Münzen. * T a u s i. Böhmen. Vertierte Eltern. Das fünfjährige Töchterchen Der HäuSlerSehe- leute Leh in Heinrichsberg war seit mehreren Wochen spurlos verschwunden. Der Vater des Kindes machte davon der Gendarmerie Anzeige. Nachdem trotz aller Nachforschungen keine Spur von dem Mädchen entdeckt werden konnte, schöpfte die Gendarmerie Verdacht und nahm ehre Durchsuchung des Lehschen Hauses vor. Dabei wurde das arme Kind in einer großen Kiste, die srüher als Kaninchenstall diente, und in einem Schuppen stand, in erbarmungswürdigem Zustande aufgesunden. Halberfroren und schmuhbedeckt lauerte das Kind in einem Winkel. In der Kiste fand sich auch ein Topf mit Wasser und ein Haufen von Kartoffelschalen vor, wovon sich das Kind ernähren mußte. Die Eltern wurden verhaftet und dem Gerichte eingeliefert. Es ist vorläufig unaufgeklärt, was sie zu dem unerhörten Verbrechen veranlaßt hat. * Der Wolf im Rheinlande. Der Wolf erscheint nur noch gelegentlich in der Rheinprovinz. Früher aber war er dort häufig zu treffen, wie aus Den Zahlen in einem Aufsatz 6cS „St. Hubertus" hervorgeht. Würben vor 100 Jahren alljährlich etwa 50 Wölfe in dieser Gegend erbeutet, so waren eS 1850 noch 6 und 1874 noch 4 Wölfe, Die erlegt wurden. Im Regierungsbezirk Trier wurden bis 1885 alljährlich einige Wölse zur Strecke gebracht, feit 1816 1700 Stück, für die 33 000 Mk.Prämien gezahlt wurden. Wäb- rend der Freiheitskriege hatten fich die Wölfe in der Eifel außerordentlich vermehrt, und es wurden damals in den linksrheinischen Staats- forften über 200 zur Strecke gebracht. Infolge des energischen Vorgehens gingen sie bann der Zahl nach zurück, aber sie bildeten bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts tn der Eifel feine Seltenheit. Die Wölfe waren damals arge Schädlinge des Wildbestandes. Heute cmimrem noch manche Namen an die Wolssplage vor 100 Iah-- ren. So liegt unweit vvm Rheinberg am linken Niederrhein ein Haus Wolfskuhlen, ein Hügel in der Umgebung von Krefeld heißt Wolfsberg, bei Tanten steht eine Wolfseiche, und im Königs - forst bei Bonn gibt eS einen WolfSweg. verein, dem 331 Mitglieder angeboren, hielt feine 12. Hauptversammlung ab. Der äußerst tätige Verein hatte einen Umsatz von 10 929 Mk. in Einnahmen und der gleichen Summe in Ausgaben. Das Vermögen beträgt 4518 Mk. Der Mitglieds beitrag wurde von 4 auf 15 Mk.. das Eintrittsgeld von 2 auf 5 Mk. erhöht. Zum Vorsitzenden wurde Landwirt Ehr. Grünewald einstimmig wiedergewählt. In Monatsversammlungen wurden im Laufe des Jahres zahlreiche Vorträge veranstaltet. — Der stärkste Verein am Platze ist der Turnverein von 1 8 60, dessen Mitgliedei^ahl auf 746 angewachfen ist. 4 Butzbach, 29. Ian. Da die Berufsberatung für die Berufswahl der aus der Schule zu entlaffenden Jugend heute von größter Bedeutung ist, veranstaltete die Realschule heute einen Elternabend. Ein Herr von der städtischen Derussberatungsstelle in Frankfurt a. M. sprach äußerst aufklärend über die Berufswahl. Die anwesenden Eltern waren dem Redner sehr dankbar für seine sachkundigen Ratschläge. — Unter den rund 500 Turnern, die im Jahre 1921 von der Deutschen Turnerschaft durch Verleihung des Chrenbriefes der D.T. ausgezeichnet worden sind, befindet sich auch das Ehrenvorstandsmitglied Robert Schmidt vom hiesigen Turn- und Sportverein. — 3n Münster am Taunus starb als ältester Ortseinwvhner Frau Katharine Reineck im Alter Kreis Friedberg. 4 Bad-Nau heim. 29. Ian. Aus Dem Vereinsleben. Von Den in Den letzten Tagen tattgefuntenen Generalversammlungen hiesiger Vereine erwähnen wir: Der Gesangverein „Frohsinn". Der älteste Verein am Platze, hielt seine 79. Hauptversammlung, Die eine wettere Aufwärtsentwicklung des Vereins zeigte. Die Mit- gliederzahl ist auf 355 gestiegen, wovon mehr als 100 in Dem von Lehrer B e ch t o l s h e i m e r eit mehr als 30 Jahren ununterbrochen geleiteten Männerchor aktiv tätig find. Die Einnahmen im abgelaufenen Geschäftsjahr betrugen 6509, Die Ausgaben 5805 Mi. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 12, Das Eintrittsgeld auf 10 Mk. erhöht. Zum Vorsitzenden wurde Dekorateur Martin Ludwig gewählt. — Die Freiwillige Feuerwehr konnte in ihrer Hauptversammlung von 117 ordentlichen und 300 unterstützenden Mitgliedern berichten. Die Einnahmen betrugen 1885 Mk.. die Ausgaben 906 Mk., das Vereins- Dcrmögen ist auf 3986 Mk. angewachsen. Ober- branDmeifter Salzmann bleibt wieder im Amte. Die Wehr, die von Der StaDt Durch Anschaffung neuer Geräte kräftig unterstützt tourbe, mußte im abgelaufenen Jahre neunmal in Tätigkeit treten. — Der Ob ft - unD Gartenbau- auägetoorfen. Die QkrbinDung mit Rußland gelang Den Gegnern nicht. Im Dezember 1917 fiel jedoch Jerusalem in Die Hände der Engländer, unD eine zehnfache Uebermacht Drückte Die Türken nach Norden zurück. Nach helDenhafter Gegenwehr trat am 30. Oktober 1918 Der Waffenstillstand ein. Liman v. Sanders hatte nun die Aufgabe, die 600 deutschen Offiziere und Mannschaften (etnxi 10 000) in Konstantinopel zusammeln. In Malta wurde er entgegen dem WaffenstillstanDSvertrag monatelang in Gefangenschaft hinter StachelDraht gehalten. — Bezüglich Der Armeniergreuel stellte Der Redner fest, daß weder er noch seine Offiziere jemals Armenien gesehen noch betreten haben. Zum Schlüsse mahnte Der Marschall in Den Heldentaten unseres Volkes Die Kraft zu finden, durchzuhalten in schwersten Zeiten. Deutsches Können unD Deutscher Fleiß, das sind Die Kapitalien, die uns unsere Feinde nicht nehmen können. — Diesen Ausführungen schlossen sich Lichtbilder an, die Land und Leute der Türkei und die verschiedenen Kampfplätze zeigten. Langanhaltender stürmischer Beifall folgte, worauf der Vorsitzende mit Dankeswvrten an Den Redner die Versammlung schloß. Bornotizen. — Tageskalender für Montag: Neue Aula, 8 Uhr: Vortrag der Gießener Turn-, Spiel- und Sportvereinigung. — Astoria-Lichtspiele: „Die treibende Kraft" und „Goliath Armstrong", 5.Tell: „Den Tod im Nacken". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: yatten. Trotz der für heutige Verhältnisse ungemein kürzest Bauzeit ist hier in jeder Beziehung Vollendetes und Mustergültiges geleistet worden. Alle Erfindungen und Verbesserungen der jüngsten Zeit aus technischem Gebiet sind, soweit sie in Frage kamen, verwertet, der Ersah menschlicher Arbeit durch Maschinenkcaft aufs höchstmöglichste gesteigert worden. Den hygienischen Forderungen wurde in weitestem Maße entsprochen, wie die Besichtigung der Wasch- und Ehräume ergab. Auf baukünstlerischem Gebiet beweisen die neuen Gebäude, daß sich guter Geschmack und Nützlichkeit sehr wohl auch an Bauwerken, die nüchterner Arbeit dienen, vereinigen lassen. Die Bedeutung der gestrigen Feier für die Stadt Gießen liegt vor allem darin, daß das neugeschassene Werk eine lebendige Illustration des wirtschaftlichen Emporblühens aus kleinen Anfängen bietet, und damit wächst ihre Bedeutung über den Rahmen unserer Stadt hinaus: Daß in Deutschlands schwerster politischer Lage ein solches Werk begonnen und vollendet werden konnte, gibt Trost und er- w ft die Hoffnung, daß die Entwicklung doch wieder In aufsteigender Linie geht. ' U m | a t) |t e u e r. Tie Frist zur Abgabe ti Umfcheuer-(SiUärungen läifi am 31. d. M. Es liegt im 3nteref|e Der Pflichtigen, an- <;ciäumt 1 ie Erklärungen, soweit dies noch nicht w oMCoBlNERz SB Eine tüchtige Privatpflegerin für ältere Dame auf kurze Zeit gesucht. Näheres bet Krau Ttablberg, ,IM. Moltkestrahe 2 o.__ «a Achtung! Achtung! rufen. 01032] i Abschluß am 3|. Vez. 1921 Walltorftrahe 46 Gießen, den 30. Januar 1922. 01011 DenHergerder^^wösche 983D und Regler 554A 8 Eisengießerei. Zahnräder. Hebezeuge. Schäften billig zu verk. 01037 treffen 1031 _ W-r traft •tesser wtpopi«? UU.d P'ckeZ Schristl. Angebote mit w imtftelW u.am 1047V an den Gieß. An unter Anz. iuotrläfflg Zucker’« Patent- ledlzinal-Seife. Noch jeder Privat- Handels- I». '5- Jdwid'e'Mjxbeuöd grartiieoicWan. i Jin Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Zinßcr. Donnerstag u. Steltcg em. wegen der erhöhten Fernsprechgebühren bedauere ich, bei meiner werten Kundschaft telephonisch nicht mehr an- sragen zu können und bitte ich bei Bedarf u« gütige Bestellungen, die nach wie vor prompt frei haus geliefert werden. z.m. Schulhof, Tel. H9. Marktstrahe \. Gießen «JoßanneSstr. 5), b. 30. Jan. 1922. Die Beerdigung findet Mittwoch, l.Febr. um 2 Ubr auf dem Renen Friedhof statt' Körper beldttgt rafdj u. oerläf|l( - - - - - Erst prob’Sg dann lob’sS Für alle Beweise herzlicher Teilnahme während der schweren Krankheitstage und bei dem so frühen Heimgange unseres heißgeliebten Sohnes sagen wir Allen, auch den evang. Schwestern für ihre liebevolle Pflege, dem Herrn Pfarrer für seine so trostreichen Worte und den Herren Lehrern und Mitschülern der Untertertia I des Realgymnasiums für das letzte Geleite zum Grabe unseren tiefgefühltesten, herz- lichsten Dank. 3m Namen aller Hinterbliebenen: Die schwergeprüften Titern Emil Bree und Frau. Bahnhofstr.60. Tel. 1097 noch tägl. A ufnähme für die neuen Tagesund Abendkurse. Prospekt u. Aufnahme- schein frei. ■ Kernseifen- Pulver müdem Fkjaebtem. ■ I Bonbon-Dosen u. -Gläser, Keks-Dosen kauft lausend jedes Quantum 0845 Ludwig Schöck Goeihestraße 35. Fernruf 1624. Kosten-Anschläge bereitwilligst. Brlegleh,Hansen&Go.,Balte Frische Seefische Frauen u. 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Lebensjahr in die Ewigkeit abzu- M Nr. 25 Zweites Statt Sregener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)Montag, 3V Januar (922 Aba. Schumann (©.): 3n die vernichtende Kritik der Reichseisenbahnverwallung kann ich Aus Hessen 16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) ^chu'hnuS in ;j errichten. Die Blüchernichten. Roman von HannsvvnZobeltitz. lvren zu haben. Wo kommen Sie her, wenn ich fragen darf?" x Sie tauschten einen kurzen Handdruck, srno dann nebeneinander weiter gegangen auf das Brandenburger Lor zu. „Wo ich herkomme, lieber Freund?" sagte der andere. Es war mehr ein Flüstern, als ein Sprechen. „3m alten Vertrauen gesagt: aus dem Süden unsres herrlichen Vaterlandes, das Gott behüten möge." Er senkte den Ton noch tiefer. .Vicomte, Frankreich braucht Sie. Der Kaiser “ Meister Lacroix hat vergeblich seinen Laufburschen nach der Schenke zum „Schöneberger Krug" hinausgeschickt mit den schönen Stiefeletten. Er fluchte bitter, halb deutsch, halb französisch, auf die Unzuverlässigkeit der einstigen Evmpatriotetz. Doch dabei ist er trotzdem geblieben: der Viconrte würde wiederkommen und das Konto ausgleichen. So wurden die fernen Stiefeletten sauber eingepackt und ins Regal gestellt. Sie konnten warten. Das Hilsswerk der deutschen Landwirtschaft. Dresden, 28. Ian. 3m Anschluß an die sächsische landwirtschaftliche Woche traten heute sämtliche landwirtschaftlichen Organisationen Deutschlands mit dem Reichsausschuß der Deutschen Landwirtschaft an der Spitze zu einer großen Kundgebung für das Hilfswerk der deutschen Landwirtschaft zusammen. Dieses Hilfswerk soll nach den Ausführungen des Hauptreferenten Edler v. Braun in einer bis zur Unabhängigkeit vom Ausland getriebenen Steigerung der Produktion bestehen. Das sei keine Phrase, sondern ein echter und klarer Entschluß. Die auf Wissenschaft, Technik und Praxis sich aufbauenden Methoden der besten Betriebe sollen auf die ganze Landwirtschaft bis auf den kleinsten Bauernhof ausgedehnt werden. Die zu dieser Produk- tronssteigerung nötige Summe werde die Landwirtschaft aus eigener Kraft durch Gründung öffentlich-rechtlicher Kreditgemernschaften aufbringen. Es würden 20 Milliarden notwendig sein-. Hauptversammlung des Hessischen Dauern* ■ bundes. rm. Darmstodt, 29. .Ian. Der Hessische ' Bauernbund hielt am Samstag im großen Börsensaale in Frankfurt unter dem Vorsitz des Abg. Dr. von H e l m o l t seine zweite Generalversammlung ab, die von mehreren lausend Landwirten aus dem ganzen Hessenlande besucht war. 3n einem ausgezeichneten Vortrage verbreitete sich der bayerische Geschäftsführer Brügel. Nürnberg, über die politische Lage und das Hilfswerk in der Landwirtschaft. Dec Vortrag soll im Druck erscheinen. Der Reichstagsabgeordnete Dorsch- Wölfersheim behandelte in scharf kritischer Weise die Steuerfragen: Generalsekretär Landtagsabg. Dr. Müller erstattete den Geschäftsbericht. Cs schloß sich eine längere Aussprache an, an der sich u. a. auch fast alle Mitglieder der Landtagsfraktion, viele Kreisvor- sihende usw beteiligten. — Bei der Abstimmung wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Es wurde dann beschlossen, den Jahresbeitrag in derselben Höhe wie im Vorjahre in bar zu erheben: der Vorstand wird aber ermächtigt. falls cs notwendig werden sollte, einen weiteren Betrag in Form einer Getreideumlage nach der Ernte zu erheben. Einstimmig angenommen wird sodann eine Entschließung, in der es u. a. heißt: „Die Versammlung erhebt erneut Protest gegen die unerhörte Belastung der hessischen Landwirtschaft durch die Getreide umlagen und fordert wiederholt dringend erhebliche Herabsetzung mit Rücksicht auf die geringen Ernteerträgnisse, insbesondere aber im Hinblick auf die vollkommene Mißernte in Futtermitteln und Hackfrüchten. Die Umlage bedeutet für den hessischen Bauernstand eine gewaltige Sondersteuer, sie bedroht die Fortführung unserer Wirtschaft und untergräbt für das neue Jahr die Möglichkeit vermehrter Produktion. Die Versammlung fordert für das neue Wirtschaftsjahr endlich restlose Beseitigung jeder Form der Zwangswirtschaft. Gegen eine Wiederholung der Getreideumlage wird sich die hessische Landwirtschaft mit allen Mitteln zur Wehr sehen." Cs wird weiter ein Antrag der Kreisgruppe Darmstadt angenommen, von jetzt ab sich in keinerlei Verhandlungen mit dem Städtebund wegen der Milchfrage mehr einzulassen, sondern ohne weiteres den Stallpreis für Milch selbständig sestzusehen. Es wird schließlich noch ein Antrag betreffend die Millionenverluste der Landwirt- s ch a f t s l a m m e r einstimmig ohne große Debatte angenommen, in der sich der Bauernbund gegen die Regierungsvorlage, die den Verlust durch eine Llmlage bei den Landwirten erheben will, ausspricht, und verlangt, daß der Verlust, der nicht durch die Landwirtschaftskammer, sondern letzten Endes durch das Reich verschuldet ist, ähnlich wie in den anderen Staaten durch die Allgemeinheit getragen werde. Mit einem Schluß- und Danteswort durch den Vorsitzenden wurde die sehr anregend verlaufene Versammlung. der auch der- Vorsitzende der Land- wirtschaftskammei'. Geh. Rot Walther, wre auch der Generalsekretär Dr. Hammann beiwohnten. gegen 4 Ähr geschlossen. Latz das jüngste Giesemädel ein Tunichtgut war. die Lore nämlich mit dem stupsnäsigen Pvrzellanköpfchen. das hat ihr die Frau Mutter so oft gesagt, daß sie's schließlich 'elber glaubte. Aber golfen Hot s wenig oder nich:s. Mutter Giese konnte schimpfen, schelten, predigen, drohen, hat es sogar lichkeit und Vollständigkeit der Aufschrift sind die unerläßlichen Vorbedingungen für die ordnungsmäßige Beförderung und Zustellung der Postsendungen. Bei Driesen nach Berlin macht es der Massenvertehr unbedingt erforderlich, in der Aufschrift außer dem Postbezirke (E, N, O, W usw.) auch die Nummer des Postamts anzugeben, von dem die Sendung bestellt oder abgeholt wird (z. B. Berlin S 42; Berlin 017). Selbstverständlich darf aber auch die Angabe der Straße, der Hausnummer, des Gebäudeteils und des Stockwerks in der Aufschrift nicht fehlen. Nachdem noch mehrere landwirtschaftliche Führer und Vertreter anderer ErwerbSstänüe gesprochen hätten, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der sich die Tagung zu dem vom ReichSausschuh beschlossenen HilfSwen der Landwirtschaft belenii. 3n der Erkenntnis, daß die in dem Ultimatum übernommenen Verpflichtungen ein unüberwindliches Hindernis für die Aufrechterhaltung und Vermehrung der landwirtsck)aftlichen Erzeugung und für die Durchführung des großen: Hilfewerkes bilden, fordert die Landwirtschaft den zielbewussten Abbau der Repara- tionsforderungen und deren planmäßige Anpassung an die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Das Gelingen oeS Hilfswerks sei die Voraussetzung für die Gesundung deS deutschen Wirtschaftslebens, die nur durch Zusammenarbeit aller BerusSgrup- pen und unter der Mitarbeit des ganzen Volles erreicht werden könne. Seine Inan- grifftrahme und Durchführung würde unmöglich. wenn die Maßnahmen der Regierung der Landwirtschaft die 'Betriebsmittel entzögen und ihr die Kraft nicht liehen, die Volksernährung aus eigenem Boden sicherzu- ftellen. (Frkf. Ztg.) nicht einstimmen. Die Eisenbahn ist durch den Krieg und in erster Linie durch die Kreise der Interpellanten heruntergewirtschaftet worden. Die Eisenbahn ist als Reichseisenbahn beizubehalten und zu verwalten, Lleberzentralifation ist zu vermeiden. Die Verwaltung muß modern und zweck- Deutscher Reichstag. 162. Sitzung, mittags 12 ilbr. Berlin, den 28. Januar 1922 Die Aussprache über die Interpellation hcir. den Wagen mangel bei der Reichs- eisenbayn wird fortgesetzt. Abg. Pieper (U©.): Das Minislerrum s >llte alles tun. um den Wagenmangel abzuschassen, denn die Industrie und ihre Presse hat ein Interesse daran, die Reichseisenbahn zu mißkreditieren und die Entstaatlichung herbeizusühren. 1; Alu m i nium ist kein Silber. Ein Nassauer Blatt erzählt folgendes: Erschien da vor einigen Tagen mit bedächtigem Schritt im Schalterraum der Post eine Frau, auf dem Arm ein Körbchen tragend. Nach scheuem Umsehen nahte sie sich dem Schalterbeamten, der sie nach ihrem Begehren fragte. „Tauscht Ihr noch Silbergeld um?", wurde ihm zur Antwort. Auf die Bejahung fragte die Frau weiter: „Was gebt Ihr denn für das Silber?" „Heute noch 12 Mark für die Silbermark. Sie hätten früher- kommen müssen, da gab es 20.“ Nach kurzem Bedauern und Besinnen erklärte sie sich auch mit 12 Mark einverstanden, der Beamte ersuchte sie darauf, das Silbergeld aufzuzählen. Bedächtig wurde der Korb geöffnet, und was kam zum Vorschein? Für etwa 300—400 Mark lauter funkcl- nagclneuc Fünfzigpfennigstücke aus Aluminium. Für dieses Silber, erklärte der Beamte, habe er keine Verwendung. Uebercascht schaute die Frau auf und konnte nicht begreifen, daß dieses brillante Geschäft einen so raschen Dämpfer erhalten hatte. — Leute, die 50-Pfennigstücke aus Aluminium Hamstern, soll es auch in Gießen geben! Natürlich ist das ein höchst unfruchtbarer Sport. •• 3 in Gemeindefrauenverein sprach im Iohannessaal Pfarier D. Cremer- Potsdam über eine Organisation der evangelischen Hausfrauen. Er führte aus, daß die einzelne Frau machtlos, durch einen Zusammenschluß jedoch viel zu erreichen sei. Der Redner begegnete mit aller Entschiedenheit der vielleicht im ersten Augenblick begreiflichen, aber irrigen Ansicht, als ob beabsichtigt sei, den schon bestehenden Hausftauenvereinen eine Konkurrenz zu schaffen, im Gegenteil erwartet er durch die Gründung einer Hausfrauen-Abteilung innerhalb der evangelischen Vereine eine Stärkung und ein weiteres Gedeihen der bisherigen gemeinsamen Arbeit der Frauenvereine. Es muß auch die Stimme der evangelischen Hausfrau gehört werden bei den Verhandlungen, bie in das Gebiet der Frau eingreifen, wie z. B. über das Hausangestellten recht. über die Wohnungsfrage und bei den wirtschaftlichen Fragen, die im Reichswirtschaftsrat verhandelt werden. — Pfarrer Aus seid dankte dem Redner für feinen interessanten Vortrag. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an, die noch manche Anregung brachte. Die Anwesenden beschlossen, der Angelegenheit näherzutreten und die Gründung von Hausfrauen- Abteilungen in den evangelischen Frauenvereinen anzuregen. Landkreis Gießen. —o— Grvßen-Linden, 29. Januar. Gestern abend hielt im Saale von Philipp Schaum IV. der ehemalige Burenkommandant Koos Ivo st e auf Einladung unseres Volkshochschulvereins einen öffentlichen Vortrag. 3n fesselnder Sprache erzählte der wertgereiste Mann aus dem reichen Schatze seiner Erlebnisse in seiner südafrikanischen Heimat und fremden Ländern, besonders in Deutschland. Eigenartig beleuchtet hob sich dabei unsere Kultur, Art und Sitte von dem ursprünglichen, einfachen Leben im Burenland ab. Der Redner wußte in äußerst anschaulicher Weise für Heimatliebe, gesundes Selbst- bewuhtsein und natürliche Lebensführung zu begeistern. Meisterhaft verstand er es, seine aufmerksamen Zuhörer durch feinen Humor zu beleben und sie gleichzeitig den tiefen Ernst seiner Gedanken im Herzen fühlen zu lassen. Lebhafter Beifall dankte dem trefflichen Mann. Noch einen langen Blick hat er zu dem schmalen gelben Hause hinaufgetan, ist dann lang« fam dem Königlichen Schlosse wieder zugeschrttten, mit seinem müden Gange und dem em wenig gebeugten Rücken. Wie einer, der eine lange, mühsame Wanderung hinter sich hat- Aast tote cm alter Mann, der junge Vicomte Montauban. Rus» fische Gefangenschaft lastet schwer. lieber den Schloßplatz ging er über die Schloßbrücke, die Straße Unter den Lrnden hm- UnlC2ln der Ecke der langen Friedrich straff fühlte er plötzlich eine leichte Hand auf ferner Schulter, hörte seinen Namen: .Montauban — sind Sie es wirklich?" Er sah sich um. Dor ihm stand em hagerer, hochgewachsEr, älterer Herr. Sehr vornehm, im dunkeln Dey- pelz und funkelnagelneuen Lackschuhen. Oy. oer Vicomte hatte jetzt das rechte Auge für gutes Schuhwerk! Aber in dem Gesicht des andern konnte er sich nicht zurechtfinden. Es kam ihm wokü ve- lannt vor: zu erkennen vermochte er den Herrn nicht. Er sah fast wie ein Engländer aus mit dem kurzgeschnittenen grauen Bart. „Zum Teufel! Hab' ich mich denn so verändert, lieber Montauban? Ja, diese Jahre wogen doppelt. Ihnen sieht man den eleganten Montauban von ehedem auch nicht an Erinnern Sie sich gütigst an Ihren alten Kollegen von ber hiesigen Gesandtschaft, aus der schönen Zett, wo wir noch die Herren von Berlin waren Virolad^t^ .^rcta6c? Entschuldigen Sie mich, bitte" ich scheine meine Augen in Rußland ver- mäßig vervollkommnet werden und die bureau- Irakischen Grundsätze müssen zu Gunsten der tauf- männischcm verschwinden Ministerialrat Sommerlatte: Eine Beschleunigung des Wagenumlaufes ist dringend nötig. Dazu muh eine schnelle Entladung und Beladung treten. Die Interessenten dürfen sich aber nicht schematisch an den Achtstundentag klammem, wenn es heißt, die Waggons zu entleeren. Abg. Merk (Bah. Dpt.): Gerade Bayern leidet unter dem Wagen mangel besonders. Die Kleinbauern und die kleinen Gewerbetreibenden sind gar nicht in der Lage, einen Waggon an einem Tage auszuladen. Abg Dr. Kilh (Dem.): Wir erkennen an, daß die Verwaltung bemüht ist, Besserung zu schassen. Es fehlt aber der forsche Zug infolge zu arDher Zentcalifatton. Wilde Streiks müssen verhindert werden. Beim wilden streik in Dresden hat der dortige Präsident der Generaldirektion Maßnahmen ergriffen und Entlassungen an- gedroht. Diese Maßnahmen sollen aber vom Minister niedergeschlagen worden fein. Reichsverkehrsminister @ r Öner: Im Dresdner Streik sind von mir klare und scharfe Anweisungen ergangen, sie sind aber in Dresden weiter eigenmächtig erheblich gemildert worden. Ich wollte, daß die Entlassungen aufrechterhalten bleiben, doch wurde die Entscheidung vom Präsidenten verlängert. In seinem Schlußwort verteidigt Abg. Schroter (D.-N.) die Landwirtschaft gegen den Vorwurf, den Wagenmangel verursacht zu haben. Damit schließt die Besprechung. Es folgt der Bericht des Beamtenausschusses betreffend die Grundsätze für die Beamten- I a u f b a b n. Eine Entschließung des Ausschusses dazu, daß der Entschließung des Reichstages über die Aufstellung von Grundsätzen für die künftige Laufbahn d r Beamten aller Reichsverwaltungen und der Länder schleunigst Folge geleistet werde, wird angenommen. Ferner wird eine Empfehlung des Ausschusses für Bildungswesen angenommen. die Reichsregierung zu ersuchen, mit den Ländern darüber zu verhandeln, daß in den höheren Lehranstalten die Sprachen der Nachbarländer gepflegt und namentlich der Pflege der spanischen Sprache an den höheren Lehranstalten besondere Aufmerksamleit bereitet werde. Nächste Sitzung. QHontag 2 Ahr. Erste Lesung des Etats. Schluß V22 ä.lhr. 2kV, du liebe, liebe Julie! dachte der Vicomte weiter Keine Nachricht von dir, keine Nachrich von mir. Getrennt durch Jahre, getrennt durch wüste, wilde Steppen. Diese verfl- Moskowfter . . . Ob sie meiner wohl gedacht hat? Oft und viel? Ob ihr Herz mir treu blieb? (Sr hat wieder hinübergesehen nach der Giese- schen Wohnung, auf die gelben Roul^us, und hat leise geseufzt. Leise und schmerzlich. Wo sind die schonen Stunden geblieben, die Tage, an denen wir uns heimlich trafen, mal hier, mal dort, bald im sandigen garten, den du immer so spaßhaft schön fandest, bald draußen am Potsdamer Tor?! Wo du dichso hmter- listig fortstahlst aus dem strengen Mutterhaus, mit schlechtem Gewissen, und ankamst mit roten Wangen, die Brannten vor Scham. Ach. du xiebe Gute, wir waren ja so artige Kinder. Jede Mutter hätte uns sehen können, zu jeder Stunde. Mademoiselle de Giese!" — .Monsieur le Vi- cvrnte!" Ganz feierlich. Bis auf die letzte Stunde, bis zum Abschied, wo ich flüchtig deine ohrn küssen durfte. Flüchtig, so flüchtig, zu flüchtig — fort warst du wie ein Husch, und nur deine goldigen Locken sah ich noch im Winde flattern. alS wollten sie mir zuwinken: Auf Wiedersehen! Ach, du geliebte Julie, es hat grausam lange gedauert, bis auch nur die Hoffnung auftauchte auf ein Medersehen. Aber die Stunde wird *ommen — sie muh kommen — Darmstadt, 28. Ian. (Wolff.) Die Stadtverordneten - Versammlung bewilligte zur Errichtung von 300 Woh nungen 18 Millionen Mark. e. 0 ssenbacha. M., 28. Ian Entsprechend der Verbesserung der Deamtengehälter durch dar Reich hat die hiesige Stadtverordneten Versammlung auch die Bezüge der städtische" Beamten in gleicher Weise erhöht. - Mit den Gemeindearbeitern schweben noch Verhandlungen- wegen Lohnerhöhung. - Das Gesuch der Thea terdirektion Haas-Gräf um einen Zu schuh von etwa 3000 Mark für jede Vorstellung wurde dem betreffenden Ausschuß überwiesen. Lehrlinge im Verwaltungsdienst erhallen lünftig vom 1.-3. Lehrjahr 2400 3600. 4800 Marl, und zwar rückwirkend vom 1. Ottobcr 1921. Die Errichtung e i ne s Main- strandbades mit einer Strandlänge von 10C Metern wird im Bau- und Finanzausschuß wette' beraten. — Der Sonntagsdienst bei der Verwaltung des Stadtkrankenhauses, des Vestal tungsamts und des VersorgungshauseZ wird rud- ttitfenö vom 1. April 1920 besonders vergütet. - Für die Technischen Lehranstalten wird für 1920 ein Zuschuß von 76 485.98 Ml. nach bewilligt und außerdem der Fehlbetrag vor 164 068 07 Mark vorbehaltlich des Ersatzes durch den Staat vorlagstveise übernommen. — Fw die Unterhaltung der Münzgasmesser werden 150 000 Mk., jur Unter ft ütjung begab ter Schüler 1900 Mk. nachbewilligt - Im nächsten Winter wird voraussichtlich ein stadt, s ch e r H o l z v e r k a u f nur für Mtirderbemittelte stattfinden können. — Die Forderung von 150 0i£ Mark für die Herrichtung von Sch lacken steinen aus den im neuen Schlackenverbrem nungsofen ausgeglühten Schlacken wurde dem Bauausfchuh überwiesen. — Der Straßen babntarif soll demnächst eine wettere Er Höhung erfahren, obwohl die kürzeste Strecke schon jetzt 1 Mk. kostet. * Oppenheim, 28. Ian. Eine neue Art, Schulferienzumachen, haben die hiesigen Fortbildungsschüler sich erdacht. Med rere Schüler durchschnitten, wie der „Mainz. Anzeiger" berichtet, an einem der letzten Abende, als sie eben zur Fortbildungsscbul' gekommen waten, in den Schulsälen den elek krischen Leitungsdraht, so daß bald alle ^alc in Finsternis lagen. Cs blieb keine anderc Wahl, als den Unterricht auszusetzen. Dir Täter sind ermittelt. Lind höchst manierllch sah sie auch aus: fvzw sagen zum Anknabbern. Wan konnte ihr au* nichts Böses vorwerfen. Silberne Löffel hatte sie noch nicht gestohlen, sondern höchstens versteckt: auch hat sie bis dato keinem Mann einen Kuß gegeben, außer dem Kadettenbruder und dem Onkel Blücher, was bei dem ersteren der Bruderschaft und der Jugend wegen, bei dem letzteren des Alters wegen nichts ausmachte. Nicht zu leugnen ist freilich, daß der alte Blücher das Mädel sehr gern beim Schopf nahm und ihr einer tüchtigen Schmatz aufbrannte, der. wenn der Herr Fürst, Durchlaucht, gerade nicht seinen Rasier- tag gehabt, höllisch kratzte. Item: die von Gieses hatte sich der Alte nach feinem schlesischen Kriedlowitz geholt. Das ist wohl eine kleine List von seiner Frau Ge mahlin, seinem geliebten Malchen, gewesen, sintemalen ihr Leberecht eine Weile hindurch gar zu grimmig auf Mutter Giesen geschimpft, sic sogar eine verbohrte, eigensinnige Tante genannt hat, tizül sie sich nicht in ihre Tochtings hatte .hineinmanschen" lassen wollen. Die Frau 5ürfhn ist nämlich sehr milden Herzens gewesen und hat immer Frieden stiften wollen, gar nun, wenn der Gestrenge tüchlig loswetterte. Daß die Gieses gern nach K^icbluwitz gegangen das fonirte man ihnen nicht verdenken. Denn in Berlin war die Teuerung rach dem Kriege groß, und die Frau Mutter mußte noch , mehr knapsen als sonsten, zuma t auch Lust es Aus fiat Lung für Wien trotz aller Zuwendung der Humboldts einen Batzen Geld gekostet hatte. Dte - Töchter aber jubelten, selbst die stille IuUe in- belle mit. Am lautesten freilich das Nestkuken, Vie Lor^ (Fortsetzung folgt) Astoria-Lichtspiele zu besuchen. 1040c Ab heute bis einschl. Mittwoch: H Fes*n J seniaiwtc n. schönste Schöpfung M Die treibende Kraft J 6 Akte. Ferner: Den Tod im Nacken J Goliath Armstrong, 5.Teil J Bei diesem wunderbaren Programm Eß wird zu der Abendvorstellung Zweif els* ohne Andrang sein; es wird darum gebeten, die Nachmittagsvorstellung. 5,82 5.78 392,40 390,10 28,78 2d,27 Marknotierungeu. 2,01 30.1. Schweizer Franken 100 Kr- = 100 ig waren sten 12, Hnab^ünfftge 17, Aomntw Güßfieins G-elforiimeni elegant in der Packung * »ieatetimfeseil St. M. & G-Hn- »Dvssdx«-A. ss Televbou 31 10.39 Lollar, den 30. Januar 1922 L . 100 . 100 . 100 100 100 100 Fl. Kr. Kr. Kr. Kr. SH. Fr. § ioo r 100 Kr. 100 Kr. Fl- = Mk. = Kr. = Frankfurt a. M.. 30. Januar. Berliner Devisenmarkt. Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag .... Stockholm . Wien.... London. . . Paris. . . . Reuyork . . 28.1. 2,55 1,33 2,15 r Der tatton hat Telephonie 8,52 6,06 -,60 Fr. == £ — L. =■ Fr. = Kr. — 5,78 391,60 28,72 70,52 129,10 und dem Mangel an Heizmaterial ist aber die Reimgung schwierig durchzuführsn. Immerhin tonn der Zustand in den Durchgangslagern, in denen von jedem etwa 500 Flüchtlinge vorübergehend beherbergt werden, noch als leidlich bezeichnet werden. Aus den Durchgangslagern werden die Flüchtlinge in das Smolnaer Krankenhaus überfiihrh wo sie eine gewisse Zeit in Quarantäne bleiben. Hier sind die Verhältnisse sehr viel schlimmer; es herrscht empfindliche Kälte, und die Niedergeschlagenheit der Flüchtlinge ist groß. (Sä fehlt an Wäsche, Essen und Arzneimitteln. Nicht minder trübe sieht es in den eigentlichen Hnterkunfts- stätten der Mchtlinge aus, in denen sie bleiben. Die kleinen ungeheizten Räume sind überfüllt, Gesunde und Sterbende, infektiöse und nichtinfektiöse Kranke, Männer, Frauen, Kinder — alles durcheinander, alle in Lumpen gehüllt. Die ärztliche Hilfe ist ungenügend organisiert. Besonders schwierig ist der Kampf mit dem Elend bei der niedrigen Kulturstufe der Flüchtlinge. Viele von ihnen sind Tataren und Tschuwaschen, die kein Wort Russisch sprechen. Die Ernährung ist äußerst kärglich und bedarf 'dringend der Aufbesserung. Die Tagesration im Smolnaer Krankenhaus besteht in 500 Gramm Kartoffeln, 64 Gramm Grütze, 12 Gramm Salz. 16 Gramm Fett, 32 Gramm Konserven, 400 Gramm Vrot, 12 Gramm Zucker. Noch wichtiger wäre aber eine Versorgung dieser Unglücklichen mit Wäsche, Seife und Arzneimitteln. Fn jedem der zehn Petersburger Bezirke befinden sich über die Stadt verstreut 5—6 llnterkunfts- stätten für Flüchtlinge; sie bieten alle dasselbe thpische Bild, das aus folgenden Angaben hervvr- geht: „Kinder, Frauen, Männer sind z. T. in gemeinsamen Baracten untergebracht, auch ihr Hab und Gut befindet, sich bei ihnen. Hier trocknet die noch feuchte, gewaschene Wäsche, trotz strengen Verbotes. Die Kinder sind vielfach ohne Stiefel, ohne warme Kleidung, ohne die notwendigen Dinge, verwahrlost, unsauber, halb erfroren. Not, Elend und Schmutz herrscht in jeder Beziehung. Es mangelt an Lebensrnitteln, Kleidung, Seife, Arzneimitteln, Heizmaterial. 3n ein und demselben Zimmer sterben Unglückliche, während Kinder geboren werden, erkranken andere, ohne wohl je die Aussicht auf Genesung zu haben. * Das The ater der Blinden. Als Vermischtes. Luftlvtse. Die Londoner Luft- jetzt eine Anlage für drahtlose erhalten, und der Beamte, der 1.7.14. . Fr. 125.40 die merkwürdigste Theatervorstellung, die jemals stattgefunden hat, wird von Londoner Mattern eine Aufführung in der Blindenschule zu Leatherheaü bezeichnet. Die Nollen wurden von blinden Angehörigen der Schule vor einem Publikum von Blinden gespielt. Jedes andere Publikum war von dieser einzigartigen Vorstellung ferngehalten, und nur der Leiter der Schule, der Nev. St. Clare Hill, nahm daran teil. Er rechtfertigte die strenge Abschließung mit der Tatsache, daß Blinde sehr feinfühlig sind und daß bei der Vorstellung Dinge vorkamen, die vielleicht eine sehende Zuschauerschar belustigt hätten, den Minden aber sehr ernst erschienen. So hatte ö. B. in einer Szene einer der Schauspieler einen anderen auf den Kopf zu schlagen. Er schlug tatsächlich an ihm vorbei, aber die Blinden sahen den Schlag sozusagen mit ihren Ohren; sie erlebten das Spiel durch ihr inneres 2kuge mit und waren völlig zufrieden damit, daß der Schlag aus geführt worden war. Hill ist der Ansicht, daß Blinde die Literatur viel besser kennen als die meisten Sehenden. Er chreibt dies dem Rmstande zu, daß sie die Dichtungen laut vorgelesen bekommen und dadurch ihre Schönheiten besser erfassen können. Man sollte auch nach seiner Ansicht in den Schulen mehr das laute Lesen und laute Vortragen von Dichtungen pflegen. Kopenhagen. Stockholm . . Helsingfors . Italien. . . . London . . . Neuyork . . . Paris .... Schweiz . , . Spanien . . . Wien (altes) Deutsch-Oesterr Prag .... Budapest. . . Buenos Aires Bulgarien. . Konstantinopel . 3154,35314 ,65 3151,80 3158,20 . 4030,95 4039,05 4005,95 4014,05 . 5039,95 5050 05 5044,95 5055 05 . 382,60 383,40 395,60 396*40 . 889,10 890,90 886,66 888*40 . 852,60 854,4s 8d2,60 848 35 . 201,29 201,71 200,04 200*46 . 1645,85 1649,15 1618,351651,65 . 3936,05 3943,95 3906,05 391 Ab . 3041,95 3048,05 3021,95 3028,05 (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Das deutsche Zahlungsprogramm. Paris. 28. Jan. Havas meldet, die deutsche Negierung habe gestern dem Vorsitzenden ves Gcrrantieausschusses, der in Berlin seinen Sitz hat, den Wortlaut des Zahlungsprogrammes für Bargeld und Sachlieferungen für das Jahr 1922, sowie den Vorschlag der Steuerreform mit drm erforderlichen Unterlagen übermittelt, die die Konferenz von Cannes von der deutschen Regierung verlangt hat. Englische Zustimmung zur Kanzlerrede London, 28. Han. lWTB.) Der Parlamentsberichterstatter des „Daily Chronicle" schreibt, daß die Erklärung Wirths vor dem Reichstag über die wirtschaftliche Sage Deutschlands im ganzen in London einen günstigen Eindruck gemacht habe. Sie sei der englischen Regierung ein Beweis dafür, daß der Rat, den die britischen Minister Dr. Rathenau während seines Aufenthaltes in London im vergangenen Monat gegeben hatten, dem Berliner Kabinett übermittelt worden sei. Die Bereitschaft der deutschen Regierung werde als ein gutes Vorzeichen angesehen für den Erfolg der erweiterten und verbesserten Vorschläge für die Ab- zahlung der deutschen Reparationen, die von den Alliierten vorgelegt werden müßten, unb auch für die praktische Mitarbeit Deutschlands an der wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas durch die Konferenz von Genua. Die Wahlen in Braunschweig. Braunschweig, 27. Han. (WTB.) Die Feststellung des amtlichen Wahlergebnisses der Landtags wa hlen im Lande Braun- die Friedberger und Bad-Nauheimer Gehilfen den Schlichtungsausschuß an. Da inzwischen aber von den Arbeitgebern erneut Antrag auf Verhandlung beim Haupttarifamt gestellt worden war, wurde die Verhandlung beimwchlichtungsausschuh ausgesetzt, denn gemäß § 20 Ms. 2 der Verordnung vom 23. Dezember 1918 über Tarifverträge sollen die Schlichtungsausschüsse bei Streitigkeiten, für die tarifliche besondere Schlichtungs stellen zuständig sind, die Parteien auf die Anrufung dieser Stellen Hinweisen und nur, wenn diese Stellen nicht tätig werden, die Schlichtung der Streitigkeiten selbst übernehmen. Den Parteien wurde anheimgegebey, beim Schlichtungsausschuß wieder anzurufen, wenn die in Aussicht gestellten neuen zentralen Lohnverhandlungen ohne Ergebnis blei ben sollten. Die Fabrik künstlicher Kohlen Schunk & Cbe in Heuchelheim (Windhof) soll vom 16. Januar 1922 an auf die Löhne ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen dieselben Teuerungszuschläge zahlen. wie sie durch den Schiedsspruch vom 22. Dezember 1921 mit Wirkung vom 24. Dezember 1921 für die Gießener Metallindustrie festgesetzt worden sind. Die bisherigen Löhne sind ähnlich, wie sie damals dort waren. Die Lederfabriken L. Lotz und K. Decker in Gießen sollen gemäß ihrem letzten Angebot vom 16. Januar den gelernten Arbeitern 9,60 Mk., den angelernten 8.50 Mk. Stundenlohn zahlen (bisher 7.80 Mk. und 6.40 Mk ). Die Entlassung von 13 Arbeitern des Bauunternehmers Müller in Hirzenhain wurde für zu Recht bestehend erklärt. Eine Weiterbeschäftigung der Entlassenen unter Arbeits- strcckung konnte nach den Umständen dem Unternehmer nicht zugemutet werden. Wiedereinstellung bei neuer Arbeitsmöglichkeit wurde empfohlen. Lohnausfall und Fahrtauslagen, die dem Betriebsobmann der Sabrit landwirtschaftlicher Maschinen H. Schiefer st ein in Lich durch feine Teilnahme an her Schlichtungsverhandlung vom 22. Dezember 1921 über die Löhne des Betriebes entstanden sind, wurden nicht als notwendige Geschäftsführungskosten der Betriebsvertretung zu Lasten des Arbeitgebers im Sinne des § 36 des Betriebsrätegesehes anerkannt. Die Lohnverhandlung wurde am 22. Dezember für die Arbeiter vom Deutschen Metallarbeiterverband geführt. Sie war daher nicht Aufgabe des Be- triebsobmannes. Dieser war auf Antrag des Verbandes zur Verhandlung geladen worden. Die Kosten dafür sind Sache des Verbandes. Der Schlichtungsausschuß entschied gemäß § 93 Ziffer 4 des BetriebsrätegesetzW endgültig an Stelle eines Dezirkswrrtfchaftsrates. schweig ergab folgende Endzahlen: Landes- wahlverbcmd 101 004, Demokraten 28 446, Mehr- heitssvzialisten 52 640, Unabhängige 73 404, Kommunisten 10518 Stimmen. 70,72.. 71,40 129,40 155,10 5,82 390,90 29,88 71,60 129,40 27.1. 2,55 1,35 2,55 25,50 2,05 8,58 6,06 — ,50 Lande!» Frankfurt a. M, 28. Jan. izinischen Wochenschrift" veröffentlicht ist. Danach befanden sich gegen Ende des vergangenen Jahres etwa 23 000 Flüchtlinge in Petersburg, davon 6000 in den Der- teilungslagern, Krankenhäusern und Unter fünfte stätten. Sie werden bei ihrer Ankunft zunächst in em Durchganglager gebracht, wo sie gewaschen mb gesäubert werden sollen. Bei dem Fehlen von Seife Geld Brief Geld Brief Datum: 27. Ian. 28. Jan. Amsterdam-Rotterd. 7360,107374,90 7387,607402 40 Druffel-Antwerpen. 1568,-iü 1571,60 1518,40 168L60 Christiania 3134,353140,65 3151,80 3158 20 ZchlichtAngsarrsschAß der Provinz Oberhessen. Sitzung vom 24. Januar 1922. Die Gemeinde Queckborn soll vom 1. Ja- 2ar 1922 an ihre Holzhauer nach der ..^leberficht über die am 4. Januar 1922 erhöhten Stücklohnsätze im Bereich der hessischen 'Oberförstereien", Stücklohngruppe XV (Bezirk Grünberg usw.), auf Grund des Landestarifs für die Waldarbeiter entlohnen. 3n der Einspruchssache zweier Arbeiter der Fittingsfabrik Bänninger G. m. b. H. in Gießen gegen fristlose Entlassung wurde gemäß § 86 Ws. 2 des Betriebsrätegesehes das Verfahren ausgesetzt, weil auf Grund der Kündigung bereits ein gerichtliches Verfahren anhängig war (Feststellungsklage über die Berechtigung der fristlosen Entlassung). 3n dec Kündigungssache des Müllers der Genossenschaftsmühle Luhrnühle in Großen- Linden wurde den Parteien zunächst ein Verständigungsvorschlag gemacht als Grundlage für die demnächstige Verhandlung der Generalversammlung der Genossenschaft. Sitzung vom 2 6. Januar 1922. Heber eine Lohnerhöhung für die Mal er- und Weihbindergehilfen für Januar 1922 wurde am 4. Januar 1922 am Haupttarif- amt der Parteien, des Reichstarifvertrages für das deutsche Malergewerbe ohne Ergebnis Der» handelt. Der Verband der Maler rief hierauf für Züricher Devisenmarkt. 28. 1. LichtspseShaus Bahnhofstraße 34 ,0®c Für 100 deutsche OKarf wurden gezahlt: Datum: Kirchs und Schule. sf. Friedberg, 28. Jan. In der letzten Stadtverordnetenfihung wurde, wie schon berichtet, der frühere Beschluß, die unhaltbaren Zustände an der höheren Mädchenschule iSchillerschule) durch einen Umbau mit einem Kostenaufwande von etwa 500 000 Mark auf eine Reihe von Jahren zu beseitigen, auf» gehoben. Anstatt des ihnbauä soll nunmehr ein Neubau mit einem Kostenaufwande von etwa 8 Millionen errichtet werden. Dieser neue Beschluß wird in den beteiligten Kreisen mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Tatsächlich ist allerdings der jetzige Zustand der Schule auf die Dauer unhaltbar; es fehlt an Lehrfälen und vor allem an einer Turnhalle. Wenn nun auch der Umbau durchaus feine glückliche Lösung dargestellt hätte, so wäre doch auf eine Reihe von Jahren Abhilfe geschaffen worden, während jedermann davon überzeugt ist, daß der geplante Neubau bei dem jetzigen Stande der städtischen Finanzen geradezu unmöglich ist, um so mehr, als noch man- es größere Projekt im Hintergründe stehl. .<£ Friedberg, 29. Jan. Unter dem Vorsitz von Schulrat S ü ß fanden in der abgelaufenen Woche in Friedberg, Vilbel, Bad-Nauheim und Butzbach amtliche Dezirkslehrerronfe- rennen statt. 2luf der Tagesordnung stand außer uer Fortbildungsschule das Thema „Lichtbild und Schule". blau, schwarz und farbig Qualitätsware zu billigen Preisen. Moltkestraße 22 Fernsprecher 1669 Haltestelle der roten Linie. Eckstein Gold so Pfg. köstlich im Geschmack Torrero 100 Pf{*. Traviata 120 Pfg Schwindel und Herzklopfen WH die besten Zeichen v. Unterernährung u.Ner- W vosität, beseitigt nach kurzem Gebrauch das von den namhaftesten Aerzten empfohlene W V8TANOL Deutsch. ReichSp. 3316S5 W Doppel - Eisen - Ealcium - Verbindung mit tÄltzcero Phosphat. sM Wohlschmeckend und leicht bekömmlich. W Driginalflaschc Mk. 12.—. 32 W ktreuz-Drog. Äug. Noll. Babnbosstr. 51. W 188.- 2,55 0.16 10. - 42475 21.77 22*875 40.20 0-725 512.50 1.65 0,16