Mittwoch, 29. November 1922 122. Jahrgang General-Anzeiger für Oberheffen l>marations- frage befolgen wolle, und daß sie einen Aktionsplan vorbereite, den Poincare seinen englischen, italienischen und belgi'chen Kollegen wahrscheinlich im Laufe der Vorbesprechungen zur Brüsseler Konferenz zur Genehmigung vorlegen werde. Die französische Regierung werde getreu der bei der letzten Londoner Konferenz von Poin- care aufgestellten These gewiß nicht in eine auch nur teilweise Entbindung Deutschlands von seinen Verpflichtungen willigen, wenn es nicht als gewöhnlicher Schuldner einen Gegenwert stelle. In der Tat würde die Beschlagnahme von Pfändern den Alliiecten unverzüglich Gelder bringen und dadurch das Reich zur Durchführung des Dertvages zwingen, denn das Reich würde dann danach trachten, daß die Hypotheken aufgehoben würden. Sine Ausbeutung der Staatsgruben im Ruhrgebiet so le ins Auge gefaßt worden sein. Die italienischen und die belgischen Delegierten seien der Ansicht, daß zu diesem Zeitpunkte der französische Dorschlag ein Mittel enthalte, um die Durchführung dec Kohlenlieferungen sicherzustellen. Sch ieß ich behauptet Havas noch, daß auch die britische Regierung, eint». Kontrolle der Rn-hrgrube.n billige, ft-d ch mir für den Fall einer Verfehlung Deutschlands. Paris, 28. Rov. (WTB.) Der .Temps" versucht in seinem Leitartikel den durch die Morgenpresse verbreiteten Rachrichten über die Konferenz im Elhsöe ihren sensationellen Charakterabzu st reifen und sagt, die Stellung Frankreichs habe sich nicht geärtbert. Der „Temps“ unterstreicht noch einmal seinen Standpunkt, daß Frankreich Deutschland lein Mor-ato- tium für den Verfalltag Ende Januar gewähren könne, ohne Pfänder in dec Hand zu haben. Die „Liberte" schreibt: Auf dem linken Rheinufer, das es bis jetzt ohne eigenes Interesse besetzt halte, werde Frankreich Entschädigung sinden. Preußen erhebe jetzt Steuern und finde Stellen für seine Beamten. Jin R u r g e b i e t werde Frankreich die Kontrolle einer Kohlenförderung besitzen, die ihren Wert behalte, welche Beschlüsse auch in wirtschaftlicher Hinsicht getro f.n werden, und welches auch die Schwankungen der Währung fein möchten. Auf alle Fälle müsse ein Ende gemacht und ein Ausweg gefunden werden. Der Zustand der französischen Finanzen diktiere gebieterisch den Franzosen ihre Pflicht. Bedenken kommen dem Blall über die Rotwendigkeit von beförderen Aufwendungen franchsischer- seits. Es zieht daraus den Schluß, daß die Ergebnisse der neuen Maßnahmen nicht den Alliierten insgesamt zusallen and nach dem Schlüssel von Spaa ausgeteilt werden, sondern nur denjenigen zugute kommen dürfen, die sich an dem französischen Vorgehen beteiligen. Das „Journal des Debats" sagt, die neue Regierung mache sich ohne irgendeinen Vorbehalt den Inhalt der Rote vorn 14. Rovember zu eigen. Deutschland berufe sich auf die Währungs- und Finanzlage, in die es ohne Widerstand hinabgeglitten sei, und verlange Hilfe, rede aber nicht von seinen Verpflichtungen oder höchstens insoweit, als es sie umgehen wolle. Diese Lage würde zunächst die Reparationskommission, nachher die Brüsseler Konferenz einer Prüfung unterziehen. Die Reparationsrommission trete soeben an diese Aufgabe heran. -Heber die Zahlungen für 1923, die ersten Reparationszahlungen, von denen Frankreich einen Anteil haben sollte, müsse Beschluß gefaßt werden, und die französische Regierung dürfe diesen Termin nicht untätig verstreichen lassen. Die französische Regierung werde ihre Entschlüsse nicht fassen, ohne mit ihren Alliierten verhandelt zu haben und ohne mit ihnen einig zu sein. Das „Oeuvre" wird nachdenklich und fragt, ob es gut fei, die Brüsseler Konferenz so vorzubereiten und ihren Fall zu begünstigen dadurch, daß man schon jetzt ihren Mißerfolg ins Auge fasse. Der sozialistisch» „P o p u l a i r e“ überschreibt einen Actttel: ..Man bereitet eine Dummheit vor!" Das Blatt bemerkt, daß bis zum 31. Dezember Deutschland es nur mit Belgien zu tun habe und, wenn Maßnahmen gegen Deutschland ergriffen werden sollten, dann könne dies erst mit dem 1. Januar geschehen. Vielleicht aber habe Poincare feine ministerielle Lage inzwischen dadurch konsolidieren wollen, daß er den Scharfmachern im nationalen Block eine Befriedigung biete. „Ere Ql-o übel le“ schreibt: Wir können nur die Haltung der deutschen Großindustriellen bedauern, die gewissermaßen eine Zwangspolitik legitimiert haben. Ihre ungeschickten Aeußerun- gen und ihre rein negative Stellung zur Repa- raiionsfrage haben die Anhänger emes Entgegenkommens entmutigt und die Argumente der Anhänger der starken Methode, bestärkt. Das Schlimmste für einen Gläubiger ist, wenn er ausgelacht wird. Die deutschen Demokraten haben wenigstens noch den Schein gewahrt. Dec Reichskanzler Cuno hat sich für stark genug gehalten, die Regelung der Schulden zu bestimmen. Man habe ihm in Paris geantwortet, indem man mit dem Säbel rasselte. Zusammentritt des auswärtigen Ausschusses. Berlin, 29. Rov. Rach einer Mitteilung des „Lokalanz.“ wird der auswärtige Ausschuß des Reichstags am Donnerstag vormittag zusammentreten. Es soll vor allem "die O st s r a g e behandelt werden, jedoch rechnet man, dem Blatte zufolge, in parlamentarischen Kreisen damit daß auch das Rheinlandproblem beraten und daß der Reichsminister des Aeußern von Rosenberg sich möglicherweise dazu äußern wird. Der Widerhall in England. London, 29. Rov. (WTB.) Slater der Heberfcb.ift „Frankreich verlangt Un» mögliches“ schreibt dec politische Derichterstat- tCL des „Evening Standard": Während die Verhandlungen in Lausanne so langsam vorwärts schreiten, daß es den Anschein hat, als wenn Weihnachten über der Regelung der Orientfrage vergehen sollte, bereitet man in Paris Vorschläge für ein Vorgehen gegen Deutschland vor, die unweigerlich ganz Europa in Unord- nungbringen wurden. Die französischen Vorschläge würfen Fragen auf, in denen Großbritannien sehr stark interessiert sei. Es sei vielleicht nicht nötig, die französischen Pläne tragisch zu nehmen, denn sie seien immer bedingt, aber eS sei dennoch notwendig, sie für ernst zu nehmen. Die britische Regierung würde gut tun, in sofortige enge Beziehung zu der französischen zu treten, um festzu st eilen, wie weit die beiden Regierungen einig gehen könnten. London, 28. Rov. (WTD.) Die Berichte "der französischen Presse übet' eine drvtzen.de französische Besetzung der Rhein - und Ru'hrgebiete finoen tn der Abendpresse große Beachtung. Don maßgebender Stelle verlautet, daß keinerlei QKitleibu'.tg in irgendeiner Weise seitens der französischen Regierung erfolgt sei. Im älnte rhau s teilte Donar Law mit, er hätte keine Informationen, die ihn zu der Erklärung ermächtigten, daß die Dae'zung des Ruhrgebiets durch die Franzosen kevorstehe. Ein Parlamentsmitglied fragte h.erke'i: Wird die Regierung, rcerm irgendwelche Schritte in dieser Richtung getan werden, vorher darüber unterrichtet werden? Donar Law erwiderte: Ratürlich Eine LttfLflottevdebatte in drr französischen Kammer. Paris, 23. Roo. (WTD.) Die französische Kammer beschäftigte sich heute in ihrer Vor- und Rachmittagssihung mit dem Dudget für die Luftschiffahrt. Der Aba. Flandrin beschwerte sich darüber, daß der Berichterstatter der d e u t s ch e n Luftschiffahrt übertriebenes Lob gespendet habe. Man dürfe nicht vergessen, daß die Aeronautik eine französische Wissenschaft sei. Der Redner wies sodann auf die Gefahr hin, der die Sicherheit Frankreichs ausgesetzt sei, wenn Deutschland Handelspiloten hecanbtlden könne, die in Wirklichkeit nichts anderes seien als Kriegsflieger. Man gebrauche sehr wenig Zeit, um Handelsflugzeuge in Kriegsflugzeuge umzuwan- deln. ZNan hätte Deutschland einfach jede Fabrikation von Flugzougmaterial verbieten müssen. Da man byä nicht getan habe, müsse man die Zahl der Apparate reduzieren. Auch der bekannte Flieger Abg. Fonck glaubte sich verpflichtet, auf das tägliche Wachsen der deutschen Luftschiffslotte hinzuweisen. Ein ungeheures Flugheer werde von Frankreichs Feinden organisiert und zeige die Rotwendigkeit, in Frankreich eiste Waffe zu schmieden, durch die man einer Gefahr^beHegnen könne. Die französische Bemängelung der deutschen Ainanzwirtschafl. Pari s, 27. Rov. (Wolff.) Die Havas - Agentur veröffentlicht eine umfangreiche oift- ziöse Erklärung auf die vom Wolffbureau veröffentlichte Richtigstellung verschiedener Behauptungen des Ministerpräsidenten Poincare in dec französischen Kammer. Die Erklärung beschäftigt sich in erster Lime mit der Frage der Zahl der deutschen Beamten, die bei dec Eisenbahn 1913 7-10502 betragen habe, am 1. April 1922 aber 1 020 070. Bei dec Post seien 1913 247 174 Angestellte beschäftigt gewesen, 1922 aber 319 250. Dcese beiden Bll spiele genügten, um die Richtigkeit der dcia.- schen Verteidigung zu beweisen. (!) We.rn behauptet werde, daß zahlreiche Beamte der L ä n - der in den Dienst des Reiches übergetreten seien, so stimme das schlecht mit den Beobachtungen überein, die in den Berichten des demokratvch-en Abgeordneten Darkeld im Preußischen La.cd tag enthalten seien. Rach diesen Berichten betrage die Zahl der Beamten und Hilfsarbeiter allein in der preußischen Verwaltung 802 721 Personen mehr als am 1. April 1914. Außerdem recht- fertige sich die Behauptung, daß Deutschla.td die DeamtengeHälter erhöhe ohne gleichzeitige entsprechende Cnchöhung der Steuern, aus den veröffentlichten Zahlen vom Monat Oktober 1922. Die offiziöse Erklärung beschäftigt sich als dann mit der Einkommensteuer. Die Zu rückhaltung von Salären habe tatsächllch v»? . Monat April bis Monat September einschlleßl. j 26 977 Millionen Mark eingebracht. Aber i die entgangene Einkommensteuer in ihrer Gesa' hell zu würdigen, müsse man feststellen, daß : Eingang außer Einhaltungen in anderen E kommenskategorien sich insgesamt nur all, 20 3 Millionen belaufe. Was die Ein- und A a fuhr betreffe, so sei zu bemerken, daß bi - zu diesem Jahr die Kontrolle über die An fuhr auf die Erklärungen der Exporteure gegründet gewesen sei, also keinerlei Garantie jü di:: Richtigkeit biete. Erst im Laufe des Jahr:. 1922 seien Vorkehrungen getroffen worden, u... Auskunft über die Verkaufspreise der ausgefl'.tz ten Waren zu erlangen. Außerdem habe ?: deutsche Statistik übet den auswärtigen Hande, seit dem Kriege es regelmäßig verabsäumt, etn, Bilanz zu ziehen. Die Rote, die sich auch mit der Lage dc' deutschen Industrie und der deutschen F i na nzen beschäftigt stellt schließlich die 'J, hauptung auf, Deutschland habe nicht für 41 Mi: liatden Gold mark Zahlungen geleistet, sonc. nach den offiziellen Ziffern der Reparativ r. kvmmission 'hätten diese Zahlungen bis 30. Api n nur die Zahl von 6 957 567 COO Mk. erreicht. Hieei seien enthalten dec Well der abgetretenen den: sch.n Güter, deren Lasten Deutsch aad Msall - was zwar eine Dermindem.ig der deutschen All i den, aber kein.ssalls eine Zahlungsanstrengung :e deute. Man müsse aber ge. echt erweise dem, wa Deutschland effektiv geleistet ’Oabe, den Well .•- beschlagnahmten deutschen Güter in den alliierte--. Ländern hinzurechnen, jedoch mit ter Resert daß diese dazu gedient hätten, die auswärtigen Gläubiger der deutschen Staatsange;• ollgen befriedigen, also die Zahlung von Kapitale. erspart hätten die normalerweise hätten erfolg, .i müssen. Man müsse ferner die Ausgleich'llhllmg< in Berücksichtigung ziehen. Aber auch, nein ma.i dies alles berücksichtige, müsse der Betrag de geleisteten Zahlungen von 41 Milliarden au, 8 Milliarden herabgesetzt werden. Heber die Lage ter deutschen Industrie uni der deutschen Finanzen sagt d e offiziöse Havac Rote: Ein Land, das die Wiederhecste.lang fei ": - industriellen Materials die Tergrör.cn.mg feine. Fabriken, die Konstruktion neuer Ar eitsstätten und neuer Wo'hnhäuser durchführen lie;:, sow: den Wiederaufbau seiner Handelssloite und di" Vergrößerung seiner .Häsen betreibe, könne nicht zu gleicher Zeit von seinem Elend sprechen. Clemenceau. Paris, 28. Rov. (WTB.) Rach eine; Havasmeldung aus Chicago ha. Clernenceau nach seiner Ankunft zu Freunden, die ihm Mäßigung anempfa!)- len, geäußert: Ich stehe mit einem Fuß im Grabe. Ich bin hier, um die Wahrheit zu sagen. Ich werde den Zweck meiner Reise erfüllen. Mu?solinL im italienischen Scwk, Rom. 28. Rov. (Wolff.) Im Senat.fand gestern über die Erklärungen dec neuen Regierung eine Aussprache stall. Rach mehreren im allgemeinen günstigen Reden antwortete Mus s o l i n i mit einer großen Rede, die fast bet jedem Satz den Beifall des Senats hervorrief. Musso lini erklärte, dec Liberalismus sei das Produkt zweier Revolutionen. Dec englische Konistitutio- nalismus und der frattzösische Liberalismus seien aus stolzen revolutionäce'n Dew^u igen ber Völker hecoorgegangen. In Italien sei das Heber- gangsregiment nicht mehr möglich gewesen; c- sei also "nötig gewesen, alles zu axigen, um de Ration zu retten. Rach langer äleberlegung habe er, Mussolini, die ungesetzliche Aktion durchge^ führt. Es habe eben kein anderes Mittel gegeben, die arg ermüdete politische Welt mit neuer Kraft zu erfüllen. Er habe aber fein-: Aktion sofort wieder emgeftellt, und mit fernem Siege habe er keinen Mißbrauch getrieben. Er hätte kms Parlament schließen und die Diktatur proklamieren können; er habe aber im Gegenteil alles den höchsten Interessen der Ration untergeordnet. Wenn es sich um die Interessen des Vaterlandes handele, so kenne er keinen Fetisch, nicht einmal ben der Freiheit. Er werde keine antiproletarische Politik treiben, denn er wolle das Proletariat nicht unterdrücken; er wolle es vielmehr aus seiner demütigenden, niedrigen Lage wieder aufrichten, es materiell und geistig heben, denn er sei überzeugt, daß nur dies die Ration einigen werde. Ruhe und Eintracht würden den Arbeitern viel nützlicher sein als schwindelhafte sozialistische Politik. Zur äußeren Polistk übergehend, erklärte Mussolini, die Verträge würden geachtet werden Die Regierung werde eine auswärtige Polllik treiben, die keine Abenteuer suche, die aber auch keinen Verzicht in sich schließe. Er werde keine imperialistische Politik tre.bm oder unmögliche Dinge zu erreichen suchen, aber man dürfe nicht von vornherein absolut auf jede Gewaltanwendung verzichten, weil man sonst vor anderen Rationen wehrlos dastände. Italien wolle den anderen nicht als gehorsame Dienerin folgen, sondern wolle seine Rechte fordern und seine Interessen verteidigen. — Mussolini fuhr fort: Er wolle das Ministerium des Aeußeren behalten. Dec Senat nahm einstimmig die Tages« Ordnung des Generals Giardino an, die der Regierung ba# Vertrauen ausspricht and bewilligte ebenso einstimmig die provisorischen Bud- get-Zwölftel bis 30. Iuni 1923. Die Konferenz von Lausanne. Die Beratungen über die russische Mote. Lausanne, 28. Rov. Lord Eurzvn, D a r r ß r e und Marquis Garoni sind nachmittags zu einer interalliierten Besprechung zusammengetreten, um die gestern von Rakowski überreichte Rote zu prüfen. Die drei Führer der interalliierten Abordnungen gelangten zu dem Ergebnis, das) die Frage nicht vor die Konferenz gehöre, sondern daß nur dei einladenden Mächte zuständig seien. Es wurde noch kein offizieller Beschluß gefaßt, da die italienische Delegation noch Instruktionen in Rom einholen will. Man nimmt jedoch an, daß die Alliierten sich darauf beschränken werden, auf die Einladungsnote Poincarös zu verweisen, worin die Russen nur zur Teilnahme an den Beratungen über die Meerengenfrage und die damit verbundenen Fragen zugelassen werden. Die Antwortnote an Die russische Delegation wird wahrscheinlich morgen vormittag überreicht. Ein Aufenthalt Tschitscherins in Berlin. Moskau. 28. Rov. (WTB.) Tschitscherin ist gestern nach Lausanne abgereist. Der deutsche Botschafter war bei der A.reise am Bahnhof anwesend. Tschitscherin wird aus der Durchreise einen Tag in Berlin bleiben. Zteme Truppcnkonzentratiou am Dnjeftr! Lausanne, 28. Rov. (WTB.) Die russische Abordnung dementiert Daß Gerücht über Truppenkonzentrationen am Dnjeftr. Hinrichtungen in Athen. Athen, 28. Rov. (WTB.) Agence Ha- 'oas. Die zum Tode verurteilten Personen sind heute hingerichtet worden. London. 28. Rov. (WTB.) Wie Reuter aus Athen erfährt, ist die Hinrichtung der zum Tode verurteilten Mini st er und Generäle durch Erschießen erfolgt. Lausanne, 29. Rov. (WTB.) Die Rach° richt von der Hinrichtung der verurteilten Minister in Athen wurde hier gestern abend durch eine Reuterdepeschr bekanntgegeben. Sie erregte größte Sensation. Man befürchtet hier eine Der- . schärftmg der Lage. Es entstand sofort das Ge- r-ücht, daß Beniselos demissionieren werde, weil er sich nicht mit den Vorgängen in Athen identifizieren wolle. Abreise des britischen Gesandten. London, 28. Rov. (WTB.) Aus Athen w.ird gemeldet, daß der britische Gesandte Lindley unverzüglich nach der H i n r i ch t u n g Der sechs griechischen Minister und Generäle um seine Pässe nachsuchte ^rnd den griechischen Behörden mitgeteilt hat, Haß er nach den Instruktionen seiner Regierung Athen zu verlassen habe. Er wird heute abend nach Lausanne abfahren, um dem Staatssekretär Lord Curzon persönlich Bericht zu erstatten. Herabsetzung der VerdrangungsenLschädigungen. Berlin, 28. Rov. (WTB.) Im Reichstags- russchuß für Verdrängungsschäden begründete Staatssekretär Dr. Müller vom Reichsministerium für Wiederaufbau den Entwurf eines Gesetzes zur Verminderung der Lasten des Reiches aus der Gesetzgebung über die Entschädigung und Ausgleichsverfahren anläßlich des Friedensvertrages von Versailles. In dem Liqul- dativnsschädengeseh werden die Vorschriften über die Liquidationsentschädigung einer gänzlich neuen Fassung unterzogen. Die für erforderlich erachteten Abänderungen des Reichsausglelchs- gesehes Warden zum Gegenstand eines zweiten selvsianotgen Entwurfs gemachr. -öei Der engen Zusammengehörigkeit der beiden Entwürfe erschien es angebracht, sie durch den Entwurf eines Mantelgesetzes zum Reichsentschadigungsgeseh auch äußerlich zu einer Einheit zusammenzufassen. Ministerialrat Dr. L o t h o l z behandelte hiernach die gegenwärtige Regelung und Rotwendigkeit ihrer Aenderang. Die Aufbringung der auf Grund des gegenwärtigen RechtszustandeS vom Reich für die Liquidativnsgeschädigten und die Valutaaläubiger im Ausgleichsverfahren aufzu- wendende Summe könne vei der riesigen Geld entwertung und der Reparationslast durch Steuern oder andere Einnahmequellen nicht in Frage kommen. Der Einsicht in die Rotwendig- feit, die Lasten des Reiches auS der Gesetzgebung über die Liquidationsentschädigung und das Aus- gleichsverfahren wesentlich herabzusetzen, könne man sich auch in den Kreisen der Geschädigten nicht verschließen. Der ttvydem von manchen Seiten erhobene Vorwurf, daß das Reich einseitig einen bestimmten Teil der Reichsangehörigen benachteilige, könne als stichhaltig nicht angesehen werden. Die Liquidationsgeschädigten und Valutagläubiger teilten vielmehr das gleiche Schicksal mit allen denen, die dem Reiche Goldwerte! zur Verfügung stellten, die unter dem Srnken des Kurses der ihnen für ihre Leistungen gewährten Papiere und gleichzeitig unter der Entwertung der Währung zu leiden haben. Die Regierungsvorlage wollte mit den Gläubigern zunächst auf der Grundlage des dreifachen Vorkriegswertes abrechnen und verlangt von den Schuldnern die Erhöhung von einfachen Vorkriegswerten des Reichsausgleichsgesetzes auf den doppelten Dor- kriegswert. Der Reichscat erhöht die Leistungen an die Ausgleichsgläubiger und die Stammeinlage der Liquidationsgläubiger aus das Vierfache des Vorkriegswertes und seht die Leistungen der Valutaschuldner ebenfalls auf das Vierfache des Dorkriegswertes fest. Die Hochschulen Wiens geschlossen Wien, 29 Rov. (WTB.) Die Vorgänge an der Prager älniversität sind nicht ohne Rückwirkung auf die hiesigen Hochschulen geblieben. Die Bewegung gegen die jüdische Hörerschaft begann vor einigen Tagen an der Hochschule für Welthandel, die wegen der Zusammenstöße zwischen arischen und jüdischen 0.üben.en bereits am Samstag geschlossen wurde. Zur Vermeidung unliebsamer Zwischenfälle tou;- den auch alle anderen Hochschulen Wiens gesperrt Den Blättern zufolge wirb sich der Bundesrat mit der Angelegenheit beschäftigen. Ein amerikanischer Kreditvorschlag. Reuyork. 28. Rov. (WTB.) Funkspruch. Das frühere Kongreßmitglied Dartyoldt e - suchte den Präsidenten Harding, vom Kongreß einen Kredit von 50 Millionen Dollar zu verlangen, der Deutschland zum Ankäufe amerikanischer Waren gewährt werden soll. Es ist nicht bekannt, wie Harding den Vorschlag ausgenommen hat. Aus dem Reiche. Streik in der Badischen Anilin» «ad Soda» fabrik. Ludwigshafen, 28. Rov. (Wolff.)In der Badischen Anilin- und Sodafabrik ist ein umfangreicher Streik ausgebrochen, hervorgerufen durch Die Entlassung von drei Arbeitern, die ohne Urlaub zu dem von kommunistischer Seite nach Berlin einberufenen Betr ebsrätekongreß gereift waren. Daß Oppauer Meck ist vollständig stillgelegt, während im alten Werk in Ludwigshafen noch gearbeitet wird. Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts sind im Gange. Aus HeffeNc rm. D a r m st a d t, 28. Rov. Der Antrag des kommunistischen Abg. Ebner im Landtag betr. die in der Heil- und P f l e g e a n st a l t z u Goddelau sowie in anderen Anstalten angeblich herrschenden Mißstände gab dem dritten Ausschuß des Landtages Gelegenheit, der Goddelauer Anstalt einen unoorbereiteten Besuch abzustatten. Wie wir hierzu erfahren, fand man in der Anstalt, die eingehend besichtigt wurde, nach allen Richtungen hin eine-musterhafte Ordnung: die vom Abg. Ebner vorgebrachten Klagen sind von völlig untergeordneter Bedeutung. Gießener Ltadttheater. Doktor KlauS. Lustspiel in 5 Auszügen von Adolf L'A r r o n g e. Gießen, 29. Rov. 1922. Am zweiten Gastspiel-Abend Earl William Düllers stand einem besseren Kassenerfolg eine geringere darstellerische Gesamtleistung gegenüber. Das Verhältnis war also das ungekehrte des vorhergehe.rden Abends. Zwar erntete Earl W i l l i a m B ü l l e r als Kutscher Lu ww.ki nicht minder starken Beifall, und unverkennbar wurde die Rolle restlos ausgeschöost. Allein der Künstler fand hier, wo seine Aufgabe auf Wort- und Situationskomik beschrankt ist, doch nicht die Möglichkeit, sein Talent für Charakterzeich- nung voll zur Geltung zu bringen. Die Leistung an sich war in dem Grade einwandfrei, daß sie mehr, als nach der Anlage des Stückes vorgesehen. in den Vordergrund trat Es fehlte der Ausführung die Ausgeglichenheit des Zusammenspiels, die am Montag abend einen so ungetrübten Genuß gewährleistet hatte. Richt soll durch diese Feststellung das Verdienst des Spielleiters Karl Dolch dem vor allem die sorgfältige und geschmackvolle Inszenierung zu danken ist, geschmälert werden, sondern die darstellerischen Kräfte genügten nicht immer den Anforderungen. Alle Schauspieler hatten mitunter recht glückliche Momente, aber durchweg befriedigten von den häufiger auftretenden Personen doch nur Karl Volck (Leopold Griesinger), Karla Keller (Iülie), Hans Frommann (Wax von Boden) und Luise Rammel (Marianne). Paul Schubert ging wohl als Dr. Klaus hin und wieder ganz in seiner Rolle auf, vermochte aber nicht daurrnd die führende Bedeutung dieses Mannes im Dang der Ereignisse glaubhaft zu gestalten. Martin Ialob un e - strich die Schüchternheit und älnbe^olfenheit des Referen.darius Paul Gerstel etwas stark. Ebenso war Elsa Engel (Emma) während dec Liebesszene des 2. Aktes nicht ganz frei von lieber» treibungen. im Affekt, führte aber sonst ihre Aufgabe vollauf befriedigend durch. Gut maskiert waren Paul Mehnert (Colmar), Heinz B e ch st e i n (Dehrmann) und G i s a Iven (Anna). Auguste Marcks (Frau Marie) sand als Gattin und Mutter den rechten Ton. Als Bauer Iakvb und Dienstmädchen Auguste waren Herbert Kemlein und Lore Schatte beschäftigt Wer das eigentlich schon der Vergangenheit angehörende Lustspiel des erfahrenen Theat r- fachmannes L Arronge noch nicht kannte, mag immerhin auf seine Kosten gekommen sein. Die übrigen Besucher wurden wohl nur voll befriedigt durch die Bekanntschaft mit dem Gast, den man gern wieder einmal in Gießen begrüßen wird. * tr. — D ie Grabstätten Beethovens und Schuberts. Aus dem Währinger Friedhof in Wien befinden sich, wenige Schritte voneinander getrennt, die ursprünglichen Grabstätten der beiden großen Musiker, noch heute geschmückt durch die Originaldenksteine. Der Friedhof soll jetzt dem Verkehr übergeben werden. Es ist aber möglich, die beiden Grabstätten in einer, von einem Keinen Hain umgebenen Säulen Hal le architektonisch zu bereinigen, so daß sie auch fürderhin eine Stätte bleiben, an der die Ehrfurcht vor dem Genius sich mit der Ehrfurcht vor dem Tode Paart und den Besucher zu weihevoller Andacht stimmt Der Schubertbund in Wien hat beschlossen, diese Stulturtat In Angriff zu nehmen. Er bedarf dazu aber reicher Mittel unb ist dafür bei der schwierigen Lage Wiens und Oesterreichs auch auf das Ausland angewiesen. Der Gießener Konzertverein hat sich für die Förderung des Planes entschieden. Es wäre recht erfreulich, wenn auch von hier aus das schöne Werk durch eine reiche Spende unterstützt werden könnte. Aus Stafct und Land. Gießen, den 29. Rovember 1922. An unsere Leser! Wiederum sind alle Zeitungen gezwungen, ihre Bezugspreise vom 1. Dezember ab zu erhöhen. Die riesenhafte Steigerung aller Mittel zur Herstellung, besonders deS ZeitungS- papiereS, sowie die Erhöhung von Löhnen und Gehältern infolge der Markentwertung machen eine neue Festsetzung der Bezugspreise unbedingt notwendig. Oberhessische Zeitung, AlSfeld Dad-Rauheimer Zeitung Hinterländer Anzeiger, Biedenkopf Allgemeiner Düdinger Anzeiger Butzbacher Zeitung Dill-Zeitung, Dillenburg Neue Tageszeitung, Friedberg Oberhessischer Anzeiger, Friedberg Gießener Anzeiger Oberhessische DolkSzeitung, Gießen Grünberger Anzeiger Herborner Tageblatt Hungener Landpost Lauterbacher Anzeiger Niddaer Anzeiger Schützer Bote Schottener Kreisblatt Weilburger Tageblatt Wetzlarer Anzeiger. Der Bezugspreis für den Gießener Anzeiger betragt vom 1. Dezember an 380 Mark und 20 Mark fürTragerlohn. Der EinzelverkaufS- preiS ist auf 20 Mark festgesetzt. Verlag deS Gießener Anzeigers. * Die tägliche geistige Nahrung. Wie der Körper das tägliche Brot braucht, um existieren zu können, so bedarf auch der Geist der täglichen Rahnrng. wenn er nicht verkümmern soll. Bucher zu kaufen, wird den allermeilten Familien von Tag zu Tag immer schwerer. In dieser Zeit ist es vor allem die Zeitung, die dem geistigen Grnährungsbedürfnis Genüge leisten kann, und sie ist heute in jedem Hause oringenber nötig, denn je zuvor. Große Ereignisse sind im Anzuge. Frankreich, der Tyrann Deutschland, der Unruhestifter in Europa, will wiederum Gewalt anwenden gegen das Deutsche Reich. Der französische Militarismus schickt damit eine neue starke Elendswelle in die deutschen Linde. In dieser Zeit gerade ist Zeitungslesen Pflicht! Durch die Tageszeitung behält man Fühlung mit dem Weltgeschehen, mit der Gestaltung des Geschickes des Vaterlandes: durch die Tageszeitung erfährt man die Geschehnisse in der engeren Heimat: durch die Tageszeitung erhalt man Gelegenheit, sich beim Lesen ihres unterhaltenden und bildenden Teiles Stundcm der geistigen Erholung zu schafsmi: durch die Tageszeitung endlich bekommt man Eistblick in die täglichen Wirtschaftsvorgänge, wie sie sich im Anzeigenteile widerspiegeln. Obwohl die Zeitung der langjährige getreue Freund ihrer Lesergemeinde ist, wird sie in ihrem Kostenpunkte vielfach noch nicht recht beurteilt Sie ist natürlich ziffernmäßig gesehen, im Laufe der Zeit auch teurer geworden Aber, was ist denn im Preise stehen geblieben, oder gar billiger geworden? Nichts! Ein Teil der deutschen Zeitungsleser steht der in den allgemeinen Wirschaftsver!ällnissen begründeten, zwangsläufigen Verteuerung der Zeitung verständnisvoll gegenüber,; ja er findet mit Recht, daß die Zeitung im Verhältnis zu anderen Gegenständen noch immer sehr langsam im Preise gestiegen ist und nur hinkend der allgemeinen Entwicklung nachfolgt. Wieder andere murren, wenn der Zeitungspreis au;schlägt. Dieser letztgenannten Schicht, soweit sie auch unter unteren Beziehern vorhanden sein sollte, möchten wir noch einiges zu bedenken geben. Es gab einst eine glückliche Zeit, in der die Zeitung nur 75 Pfennige im Monat kostete. Damals kostete aber auch das Zeitungsdruckpapier nur 21 Pfa. pro Kilogramm, also etwa nur den vierten Teil des Bezugspreises. Heute dagegen kostet das Papier etwa dreiviertel des Bezugspreises. Die Druckfarbe, das Metall und die übrigen technischen llnfoften haken die früheren Ausgaben um das Vielfache gesteigert. Die Lohn- und Gehaltsaufwendungen mußten im Gleichmaß mit der allgemeinen Lebensverteuerung erhöht werden, denn auch die Ze'tungsleute wollen leben, wenn auch beileibe nicht mehr so gut wie früher. Das Reich borgte nicht dafür, daß die Zeitung, über die sich die Staatslenker manchmal freuen, manchmal aber auch ärgern, mit verbilligtem Papier versorgt wird. Betrachten wir nach diesem Aeuhern der Zeitung nun auch mal ihren Gehalt! Was sind da jetzt für große Aufwendungen zu machen, um die Zeitung über den Rang einer Richtigkeit hinaus- zuh'eben. Wie außerordentlich ist z. B. der Ausgabeposten unseres Blattes für seine eigene sorgfältige Berichterstattung aus allen Teilen Oberhrssens und der Umgebung gewachsen, wie unendlich viel mShr muß unser Verlag heute aufwendea für die Erlangung des politischen Rachftchtenmaterials! Was für ganz wesentlich höhere Beträge sind jetzt zu zahlen für das tägliche Roman- Feuilleton und für all die übrige Mitarbeit, die in unseren' Spalten als geistiges Erzeugnis ernster Männer vor die Augen unterer Leser kommt. Viele Bezieher, die nur den Abonnementspreis des Blattes betrachten, machen sich leider gar nicht klar, welche ungeheuren Ausgaben davon zu bestreiten sind. Sotten wir etwa, um vielleicht den Bezugspreis einige Mark niedriger halten zu können, den geistigen Gehalt des Blattes einschränken? Wer mochte solche Forderung stellen, wer möchte sagen, daß ihm einige Mark unseres schlechten Papiergeldes wichtiger sind als eine tägliche gute geistige Kost? Gerade in dieser Zeit sollte man wenigstens seine gute tägliche Zeitung mit ihren ausgebreiteten eigenen 3nfoi matlonen und Artikeln sich erhalten. Die Presse bedarf heute mehr denn je der Treue ihrer Leserschaft, wenn sie den schweren Gxlstenzkamps überstehen soll. Die „Frankfurter Zeitung" hat dieser Tage der Oeffentlichkeit klar und ettidringlich auSeinandergesetzt, mit welchen ungeheuren Schwierigkeiten die große deutsche Presse zu kämpfen hat, um über diesen schlimmen Berg der Zeit Hinwegzukommen. Was vom Standpunkt der Provinzpresse, der Heimat- Leitung aus in dieser Stunde zu sagen ist, haben wir in ganz großen Zügen oben dargelegt. Mit ziffernmähigeli Einzelheiten, wie Porto-, Fahrpreis-, Fracht- und sonstigen älnkosten- er Höhungen neben den allgemeinen Herstellungskosten des Anzeigers, wollen wir unfere Leser nicht aufhalten, obwohl uns die Aufstellung solcher Berechnungen eine Kleinigkeit wäre. Ebenso wie die große Presse an die Treue ihrer Leser appelliert, möchten auch wir heute in diesem Zusammenhänge erneut die Bitte an unsere Bezieher richten, ihrem Heimatblatt, dem Gießener Anzeiger, der ihnen stets ein treuer Weggenosse gewesen ist und bleiben wird, die Treue zu halten! Schweißen wir uns zusammen zu einer freiwilligen Rotgemeinschaft, in der ein Teil dem andern unverbrüchlich in Treue verbunden bleibt! * . * Der Brotpreis im Landkreise Gießen Durch Beschluß des Kreisausschusses dcS Kreises Gießen sind die Verkaufspreise für Mehl und Brot an die Verbraucher der Landgemeinden des Kreises ab 1. Dezember 1922 wie folcst festgesetzt: 1. für Mehl: a) Weizenbrotmehl 75 Mk. das Pfund, b) Roggenmehl 71 Mk. das Pfund; 2. für Bro t: a) für den 4-Pfurck>-Laib Brot 241 Mt. b) für den 2-Pfund-Laib Brot 120 50 Mk Das Vertaufsgewicht muß noch 24 Ständer nach seiner Fertigstellung vorhanden sein. Dar vom Äommuna[t>2rbanb gelieferte Mehl darf nui gegen Brotmarken. abgegeben werden. ** Der Handel mit Klauenvieh. Das Kreisamt veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt folgendes: In Rücksicht auf die äu Beuern bestehende Maul- und Klauenseuche verbiete! das Kreisamt Gießen alle Klauenvieh- Märkte in der Stadt Gießen, sowie den Handel mit Klaue.nc.ieh nördlich der Linie Gießen—Gründern (Oberhessisch: Eisenbahn). Hierunter ist der Handel mi1 Kleinvieh, der ohne vorgängige Bestellung e.'!weder außerhalb des Gemeindebezirks der gewerbliche Riederlassung des Händlers oder ohne Begründung eines solchen stattfin.det, verstanden Als Handel im Slime dieser Vorschrift gilt auch das Au (suchen von Bestellungen durch Händler ohne Mitführung von Tieren und das Ankäufen von Tieren durch Händler. ** Fe st genommen wurde hier ein Knecht, der in Selters seinem Dienstherrn 150 000 Ml. unterschlagen hatte und flüchtig gegangen war. Das Geld konnte dem GeschädiAen bis auf einen geringen Teil zurückgegeben werden. — Weiter wurden zwei Ingendliche feftaenommen, die sich auf Wanderschaft befanden und Waffen ohne Erlaubnis bei sich führten. — Gin Bettler, der im Besitze von 1500 Mk. war, bettelte in aufdringlicher Weise in hiesigen Geschäften, und als ihm nichts verabreicht wurde, zerschlug er eine Fensterscheibe. Auch er wurde dem Gericht zugeführt. — Weitere zwei Diebe wurden zur Vorführung gebracht, weil sie in Metallfabriken in Wetzlar unfi Frankfurt a. M. Metalle entwendet hatten, welche sie bei hiesigen Althändlern umsehen wollten. — Ein rückfälliger Dieb aus Wieseck wurde hier festgenommen, weil er einen eisernen Spalier- Pfosten an der Böschung der Hammstrahe in der Rähe des Güterbahnhofes entwendet hatte. — Ein zugereister Bildhauer hatte sich als Student bei einer Familie eingemietet, verübte Betrügereien und stahl am ersten Tage eine Standuhr. Der Mensch wird noch von verschiedenen Behörden gesucht. Ihm konnte sein unsauberes Hand-- werk gelegt werden. ** Sonntagsarbeit in den Fri- seurgeschäftendesKreisesGießer ist für Sonntag, 24. Dezember, und für Sonntag, 31. Dezember, vom Kre is amt genehmig: worden. Als Arbeitszeit kommen die Stunden von 9—12 Ahr vormittags in Betracht. ** Verbot öffentlicher karnevalistischer Veranstaltungen. Das hessische Ministerium des Innern hat ähnlich, wie es auch in Preußen, Bayern usw. geschehen ist, im Hinblick auf die überaus ernsten Zeitverhält- nisse für den Rothilfe-Winter öffentliche karnevalistische Veranstaltungen aller Art verboten. ** Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße kann, wie es uns mitteilt, in diesen Tagen auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Es hat sich in dieser Zeit > durch seine gediegenen, nicht allem Sensationellen dienenden Vorführungen die Anerkeimung und Gunst des hiesigen Publikums erworben. Diesen schönen Erfolg ihrer Tätigkeit können der Besitzer A. H e n- r i ch unb der Geschäftsführer K. Hof mit Genugtuung vermerken. Aus Anlaß der Vollendung des ersten Iahrzehnts veranstaltet die Dlrektlvn wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, eine Jubiläums-Vorstellung, zu der sie den großen Film „Das Weib des Pharao" erworben hat. In diesem Film führt Ernst Lubitsch die Regie, Kuick Richter zeichnet für die Ausstattung, Eduard Künneke hat die Begleitmusik verfaßt, Emil Hannings, Friedrich Kühne, Albert IBessermann, Harry Liedtke, Paul Wegener. Lyta Salmonova und Dagny Servaes spielen die Hauptrollen. Das Filmwerk, welches Außerordentliches bietet, umfaßt sieben Akte. Die musikalische Illustration des Films besorgt das beliebte Künstler-Orchester des Lichtspielhauses. Bornotizen. — Lageskalender für Mittwoch Stadttheater, 7 Ahr: „Der letzte Walzers — Lichtspielchius. Bahnhofstraße: „Der Graf von Monte Christo: Die Totenhand." — Palast- Lichtspiele: „Ihr schlechter Ruf und „Alexander der Große." für Donnerstag: Bedeckt, leichte Schneefälle, Tauwetter, westliche Winde. Das Hochdruckgebiet im Westen hat sich wieder etwas zurückgezogen und Mitteleuropa zunächst dem Einfluß des skandinavischen Tief- oruckgebieteS überlassen, das Tauwind bedingt. Heutiger Stand des Dollars 10 ilbr vormittags: Berlin 8350, Frankfurt a. M. 8400. Kreis 8 • 64»t“.n'28 SSÄvS xairdlr •«KKti Ä&’lA U Srl-"d »ne-ln W A tollen. Ws'- IMMnKgkert sL" virö abgeM"- Kreis findendes obew Weihnachten S! leiste weiter mit, daS l«iekrÄ st ,b-i i« 5«** » Dad'Aauhei berioaltung gibt folgen! schlage zur Fried 1 Dezember: a) auf 2 Im I H T”' Heute nachn nach kurzer Kr unser guter Vate und Urgroßvatc Herr G im eben vollend \m Na Christi; Gießen, Hei: Nidda, den 27. Im Sinne d< Beisetzung in der liehst gebeten, vor Gott dem A! meine liebe Frau, germutter,Großff und Tante K v 1. u Allendorfa.d.m Die Beerdig 30, d Mk K Mts-i nach, Pfund, lunb; flö bC4 für Ach löTieinbei; tote folg! KL it.s lagen Ml MW ^lellungz. LZ« lng iE Mo teü ,? «DM. *> Wta l€Uentt uer Deg. ie ^teue InWn iu nschast Mch in Ml Tüt. 12050 Ak M Qtunber lern. ®ai hl darf nm HeJ. Sag misverkün- aus die ru lauenseuche llouenvieh- >en handel Örn-Trün° mter Ist MM A° leindebezirks indlers oder tsiudet, der- ’t Vorschrift uugen terch en und das Landkreis Gietze«. • ® rün b t r g. 28. Hob. Ser von dem AuS- schuh des Gemetnderats in Zusammenarbeit mit den Vertretern der Mieter und Vermieter aufgestellte Entwurf einer Ortssahung | pur Regelung der Miet Verhältnisse auf Grund deS Reichsmietengesehes ist vom Gemeinden at genehmigt worden. _ Der Zuschlag gut Grundmiete beträgt danach für gute Woh- i nun gen ZOO v. H.. für minderwertigere 500 v. H. ! Die Betriebskosten sind nicht in diesen Hundert- । sähen enthalten, sondern vom Mieter unmittelbar ■ an den Vermieter zu bezahlen. Die Kosten sind» nach der Anzahl und Gröhe der bewohnten Räume zu berechnen. Gleichfalls vom Mieter zu tragen find die Kosten für laufende Instand- ' sehungsarbeiten innerhalb der Wohnung. Auch den Oelfarbenanstrich an Türen, Sockeln und Fenstern hat der Mieter zu bezahlen. Lieber die Avtwendigkeit des Anstrichs entscheidet ble»3n- standsetzungsstelle. Der Ausschlag der Kosten grober Instandsetzungsarbeiten (Hausverpuh usw.) i wird von Fall zu Fall dem Mieteinigungsamt 1 überlassen. Don der Errichtung von Hauswirten ? wird abgesehen. Kreis Schotten. • Schotten, 28. Rov. In einer Ber - ]' fammlung der Bürgermeister des I Kreises gab Provinzialrat Wolf von der ' Provinzialdirektion einen Lieberblick über den Ausbau der elektrischen Lleberland- anlage im Kreise Schotten, die auber- ordentuch erhöhten Kosten und die Schwierigkeit der Geldbeschaffung. Er erbat verzinsliche Vor- schubzahlungen und Darlehen der beteiligten Gemeinden und stellte in Aussicht,' dah die letzten» Gemeinden des oberen Vogelsberges noch vor Weihnachten Strom haben würden. Er teilte weiter mit, dah die Provinz beabsichtige, von allen Stromabnehmern verzinsliche Beiträge ! gemäb der Menge des verbrauchten Stroms ein- 1 zufordern, ähnlich wie die Telegraphenverwaltung bei den Fernsprechern. Kreis Friedberg. * Dad-Rauheim, 28. Rov. Die Stadtverwaltung gibt folgende Er Höhung der Zuschläge zur Friedensmiete bekannt: Ab 1. Dezember: a) auf 200 vom Hundert für Betriebskosten. b) auf 700 vom Hundert für laufende Instandsetzungskosten. Der für grobe Instandsetzungsarbeiten festgesetzte Zuschlag von 100 vom Hundert bleibt unverändert. Der Gesamtzu- schlag beträgt mithin 1 000 v. H • Butzbach, 28. Rov. Der Gemeinderat beschloh in feiner gestrigen Sitzung, den Schul- hausneubau, soweit er aixbetnngt notig ist, fertigzusiellen. Er bewilligte hierzu einen Kredit von 30 Millionen Mark. — Durch Entscheidung des Finanzamtes wurde der Landwirt Ioh. Konr. Philipps II. in Fauerbach v. d. H. wegen versuchter Hinterziehung der LI m s a y st e u e r zu einer Geldstrafe von 5580 Mark und za den Kosten des Verfahrens verurteilt. Starkenburg und Rheinhessen. rnL 5) a r m ft a b t, 28. Rov. Nachdem dieHundertsüye derMietzuschläge durch einen Spruch des KreisamteS für die Zeit vom 1. Juli b i S 30. September auf 6 7 0 Prozent, und für die Zeit vom 1. Oktober b i s 1. Dezember auf 1400 Prozent festgesetzt worden waren, hat jetzt auf Veranlassung des Kreisamtes eine neue Verhandlung stattgefunden, an der die Vertreter der Mieter, der Hausbesitzer, des Wohnungsamtes, des Mieteinigungsamtes, sowie des Oberbürgermeisters teilnahmen. Linier einstimmiger Zustimmung wurde der 1400» Prozent-Satz auch für Dezember gutgeheitzen und der Zuschlag vom 1. Januar ab auf 2000 Prozent festgesetzt. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M., 28. Rov. Bei den Althändlern fördern die Revisionen, die die Kriminalpolizei gemeinsam mit den Vertretern der Industrie vornimmt, immer g ewal t i - gere Mengen gestohlenen Metalls aller Art zutage. Die Menge ist derart grob, dah von jetzt ab jeden Freitag nachmittag im Polizeipräsidium eine Ausstellung veranstaltet wird, auf der die bestohlenen Firmen ihr Eigentum wiedersinden können. Die Althändler werden, wie wir von der Polizei erfahren, mit dem Angebot gestohlenen Metalls buchstäblich übertaufen. Am Montag nachmittag mutzte ein Alt- Händler wegen zu grotzrn Andrangs der MetallIm Hause sei — hiebe sein Geschäft schrieben. Darauf bildete sich eine schier enbioie Kette von Verkäufern, in der Hauptsache aus Lehrlingen fast aller Frankfurter Firmen bestehend. Wenige Augenblicke später erschien ein grobes Polizeiaufgebot und verhaftete dte ganze Diebespolonaise. Weiter wurden in den Behausungen der jungen Diebe grobe Beschlagnahmungen vorgenommen. Die zahlreichen Diebe wurden sofort fristlos entlassen und finden bei keinem Betriebe wieder Anstellung, da die Firmen die Ramen der Diebe sich gegenseitig mitteilen. In Verfolg dieser Deschlag- nabmungen schlotz die Polizei sofort sechs Trödel- und Altwarenhändlerladen auf immer. Diese sechs Händler hatten In der Hauptsache das Metall ppn Lehrlingen und Schalern gekauft und darüber nicht die vorschriftsmätzigen Bücher geführt. fpd. Frankfurt a. M, 28. Rov. Unter dem Rachlatz eines alleinstehenden 50jährigen Ausläufers, der dieser Tage freiwillig aus dem Leben schied, fand man neben verschiedenen Sparkassenbüchern mit recht ansehnlichen Ersparnissen auch 5 2 Z w a n zi g m a r k st ü cke , die heute mit rund 1040 000 Mark bewertet werden. Wie wir erfahren, hat der Ausläufer die Stadt Frankfurt zu seinem Erben eingesetzt. — Innerhalb zweier Tage wurden der Polizei aus der Stadt Diebstähle von Kleidern und Pelzwaren im Werte von 3‘/2 MillivnenMark zur Anzeige gebracht. * Frankfurt a. M., 28. Rov. Der Magistrat hat dem Vorschlag zugestimmt, den Pauls- platz in „Platz der Republik' umzutaufen. * W ie s baden, 26. Rov. Eine Danin bützte bei einer Fahrt von einem hiesigen Dergnügungs- lotale in ihre Wohnung em massiv goldenes Zigarettenetui im Schätzungswerte von sechs Millionen Mark ein. Sie sichert für die Wiederherbeischaffung eine Belohnung von 300 000 Mark zu. Geh. Kommerzienrat Clemm Mannheim, 28. Rov. (WTB ) Vergangene Rächt ist Geh. Kommerzienrat Dr. Adolf ® lern m im Alter von 77 Jahren g e ft o r be n. Adolf Clemm wurde am 16. Rove.nber 1845 in (Sieben als sechster Sohn einer alten heslischon Fcrmilie gefroren Der Vater war juristischer Beamter und ständiges Mitglied im Kuratorium der Landesuniversität Dietzen. Rach Absolvierung des Gymnasiums studierte er hier und promovierte 1866 im Alter von 21 Jahren zum Doktor vhil. magna cum laude. Rach weiterer Ausbil- düng am Polytechnikum Zürich, wo er sich der besonderen Freundschaft Langes erfreute, and daran an schließend mehrjährigem Aufenthalt im Ausland, namentlich in England, kehrte er in seine Heimat zurück und nahm nun in der Indu- strie bald eine führende, sehr angesehene (Steh lang ein. Rach mannigfachen Ehrungen, die sich aus seiner rein geschäftlichen Tätigkeit ergaben, wurde er im Jahre 1902 von seinem Landesherrn zum Kommerzienrat, 1908 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. Zu seinem 70. Geburtstage verlieh ihm die Technische Hochschule in Darmstadt in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der angewandten Chemie den Doctor ing. h. c. und zu seinem 50jährigen Sottorjubitaum wurde ihm seitens der Landes- Universität (Sieben durch eine Deputation in ehrenvoller Weise sein Doktordiplom erneuert. Politisch stand Adolf Clemm auf dem Boden der nationalliberalen Partei. Im Mannheimer Stadtparlament erwarb er sich grobe Verdienste um die Stadt. Landwirtschaft. * Rvdheim, 28. Rov. Linker dem hiesigen Rindviehbestand ist der ansteckende Scheidekatarrh amtlich festgestellt worden. "Marburg, 28. Rov. In Holzhausen ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Aus dem AmtsverkündigungsblaLt, * Das Amtsverkünbigungs blatt Rr. 119 vom 28 Rovernber enthält: Preise für Zucker. Rothilfe Hessen. Reisekostenverordnung. Erwerbslosenfürsorge. Erhöhung der Preise für Brennstoffe. Höchstpreise für Mehl und Brot. Sonntagsarbeit in gewerblichen Betrieben: hier: in Fiiseurgeschäften. Schw-inemarkt in Hungen. Viehseuchen. Dienst Nachrichten. Einteilung der Stadt Gietzen in drei Polizeirevierbezirk. stets Lacto EI I | Vereine | tos pMotaporl J? Freitag, 1. De»br., abdö.8'/!- U. Im Bootsbau«©: Generalversammlung Tagesordnung: Eingänge, (10S75v Neuaufnahmen. Satzungsänderungen, Winiertraining, Verschiedenes. An die Sicöeaer Bienenzüchter ! Der Vekanntma« dnmn ir Ar. 279 des „(Siefs Anz." ist an- Aufünen, dab für jebtS Ptcnenvolk f. 20 Mk. anAuzahlen sind. 10384 Buß, r ein Knchl, 150 000 ML BBI Nidda, den 27. November 1922. 10381V X’ müssen. 10368k Mannheim (L 9, 4/5), den 28. November 1922. abzusehen. 1O394D Hammstratze 14 Telephon 2081 MMlll I ProbefendungilO | Emil frieberma nn, Frankfurt a. M. 010857 Frauenhaar Gießen, den 28. November 1922. 010841 tatalHer 1(874 » 8<00’ I. gut.Gefchäststage An mieten über zu kaufen nesuctzt.Ausführliche Offerten Die Einäscherung findet Freitag, den 1. Dezember, vormittags 12 Uhr, im Krematorium zu Mannheim statt. Man bittet von Blumenspenden und Beileidsbesuchen Geh. Kommerzienrat und Ritter hoher Orden im vollendeten 77. Lebensjahre. Im Sinne des Entschlafenen findet die Beisetzung in der Stille statt und wird freundlichst gebeten, von Blumenspenden abzusehen. Warnung:, Die ftöbt. foroi > uns. Vlokol-Mthlogslellell werden in letzt. Zeit in zunehniend.Weise durch Iugendl, zum Teil Schulpflichtige, durch Abreinen der teuren Plakate beschädigt. Wir machen die Betreffenden sowie d. Eltern daraus aufmertfam.banroir alle uns zur Kenntnis gelangten ftäfle strafrechrl. verfolgen Neue Handelskurse. Stenogr., Musch.-, Schönschreiben, Buchführung. undHalbleinen fff^dehausQaJomon Unterricht in Englisch gesucht. Schr. Ang. il 010825 nn den GtestAnz. Riesenauswahl glatt, mit Hohlsaum, mit bunt. Kanten, farbig, mit ge slrahe in bei >ei Halle. - als Shibent bte Därüge- ne Standuhr, ^ebenen De» uberd haute Ich bin Käufer gebrauchter und gut erhaltener kompletter MMiWW wie Kessel, Radiatoren, Rohre pp. bei höchsten Preisen Georg Appel, Gietzen Fabrik gesundheitstechn. Anlagen Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter,Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabeths Baumann geb. Euler nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 63 Jahren zu sich zu nehmen. In tiefer Trauer: Hubertus Baumann nebst Angehörigen. Aliendorf a.d.Lahn, Waldgirmes, Watzenborn. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. d. Mts., nachmittags !/24 Uhr, statt. Ztiin* 1 Tag Ausgekämmtes Lebcndfrische NordseMe wie Schellfische, Kabeljau und Goldbarsch treffen beute und morgen ein bei 10,Mc iHcorMllWlS gegenüber b. Engel- gpotbefe. L Priv. - Handelssch. HERMES Bahnhofstraße 60. TeL 1097. Prosp.jr Kilo 2000 Mk., 100 Gramm 200 Mk. Kaufe zur eigenen Verarbeitung nur morgen, Donnerstag, d. 30. d. IVL von vorm. 9 bis nachm. 5 Uhr im Hotel PrlnzCarl hierselbst (Seltersw.) den Fib sGieher ) für Sonn« genehmig die 6tun« Betracht, r tarne« gen. Das l ähnlich, W gelchehenm- Zeiwerhält- nlliche tarne» l verboten. Lahnhoft bi diesen Ta« estehen »n- >il. durchs l«n ch mW" »9i,Ä sichtlich lst, M Suäftoi’ 2 «’S . spielen die Witt»,?* Ä Stickerei- Beste billi-st [10345c Modehaos Salomon Hießen, Sehnlstr. Statt besonderer Anzeige. 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Ifc : ldie nur bi Mtenb waren) B .^-atschenT hatte di ^ollHe1ar «leDCTer . enhn-fOH ri Sein Aacki ^er kannte ich.Kgen 6jefl ten erst tD® airück 2i SÄ5 t&*5 6tirt"nrCt^nl H nicht-Dah' ö Nr. 281 Zweites Blatt Nochmals die Vorgänge an der Oberrealschule in Giehen. Von Prof. O. M. S ch ia n, Md. L. Die Erwiderung des Herrn Prof. Weißgerber tn Ar. 276 dieser Zeitung bedarf einer Richtigstellung, weil sie den, der nur obenhin liest, zu falschen Urteilen verleiten könnte. Natürlich Haie id) nicht die Ansicht, mich mit Herrn Prof. Weih- derber über die pädagogische Bedeutung des Herrn Direktor Dr. Schnell zu streiten. Bin ich nicht in der Lage, Schnells Verdienste um den Mathematikunterricht sachlich zu würdigen, so wird doch nie» mand geneigt sein, das ilrteil eines anderen, der in der ganzen Sache so stark 'Partei war, als objektiv anzuerkennen. Sehr nachdrücklich muh ich die Behauptung surücftnetfen, die Untersuchung gegen Sch eil habe nicht unter dem Zeichen „Maßnahme i zum Schuhe der Republik" gestanden. Die Aktenstücke des Landesamts für das Bildungswesen in dieser Angelegenheit tragen am Kopf den Vermerk: „Beireffend: Maßnahme zu in Schutze der Republik: hier. Die O errealschu e i i Giehen. Angesichts dieser Tatsache ist die Behau itung des Herrn Prof. Weihgerber ein starkes Stück, das schon für sich allein ausreicht, um seine Erwiderung zu charakterisieren. Außerdem beweist ja fast jeder Sah in dem Weihgerberschen Artikel selbst, daß oie Anschuldigungen gegen Dr. Schnell ebenso wie i)as Urteil der Behörde unter dem Gesichtspunkt .Schuh der Republik" standen. Wer genauer zusieht, entdeckt ferner an bem von Herrn Prof. Weihgerber gezeichneten Artikel eine Eigenschaft, die ihm jede Ileberziugungskraft nimmt: Er leidet an schweren inneren Widersprüchen. „Der Direktor hat" — so heißt es — „den Stein bei der Rathenaufeier selbst ins Rollen gebracht." Was ist bei der Rathenaufeier geschehen? Zweierlei Dinge sind Dr. Sch-teil aus Aniah dieser Feier zum Vorwurf gemacht worden: Erstens die Richtbeflaggung, zweitens seine Rede. Rach Prof. Werhgerbers eigener Angabe ist das Richtflaggen (das eben technisch unausführbar war) bei der Untersuchung ganz ausgeschieden: aber auch auf Schnells Rede ist nicht zurück- gegriffen worden: auch nach Prof. Weißgerbers Darstellung hat sie feine Rolle gespielt. S i i war eben als Material gegen Schnell nicht zu brauchen. Dennoch soll Schnell bei Der Rathenaufeier den Stein „selbst i n s Rollen gebracht" haben! Hier hat sich .»rr Prof. Weihgerber in der allerdeutlichsten Weise selber widerlegt und, ohne es zu merken, aufgedeckt, wie die ganze Sache gemacht .orden ist. Irgendwelche Hand.ungen Schnells, < n die sich allenfalls (von ihm Uebelgesinnten) mißgünstige Kommentare knüpfen liehen, w'u den an die Oeffentlichkeit gebracht (in diesem Fall vor einer sozialdemokratischen Versammlung in Diehen): damit wurde Stimmung gemacht: schlich- ch gvurde die Untersuchung eingeleitet. Sie mu^ie diejenigen „Fälle", mit denen andere (nicht der Direktor) den Stein ins Rollen gebracht hatten, wie die eben erwähnten „Vorkommnisse" Der Htyenau.eter, ausswelden, well niasts damit zu machen war. Aber- — der Stein war im Rotten. Daß es so gemacht worden ist, beweist Herr prof Weihgerber noch genauer selbst in dem Ablatz seines Artikels, in dem er einen seiner Kollegen gegen mich in Schuh nehmen zu sollen glaubt. Er schiebt mir da Aussagen unter, die ich gar nicht gemacht habe. In meinem Aufsatz steht lein Wort davon, dah jener Kollege selbst oenitn- ,icrt habe. Ich bin sogar davon überzeugt, dah er das nicht getan hat, und erkläre das hiermit öffentlich. Rein, ich habe nur gesagt: Die ^Regierung erhielt Anzeige. Durch wen, habe ich nicht gesagt. Es sind eben andere Wege gewählt worden, als Cer der direkten Anzeige von Kollegen gegen i^r n Direktor. Die „Vorkommn sse" bei der Rat enau- • der (die nur in der Phantasie Mißgünstiger belastend waren) wurden in einer öffentlichen sozial- demok.at scheu Te fam.il .ng in Siesten le p ochrn. Wer hatte dorthin Nachricht gegeben? Ein Darmstädter Blatt brachte eine Rotiz über das Sunplizissimusbild: Wer hatte ihm diese Rotiz gesandt? Wenn es ein Unbeteiligter war, wer hatte sie diesem vermittelt? Das Gießener Gewerkschaftskartell machte eine Eingabe — woher wuhteesvon „Vorkommnissen" in der Oberrealschule? Landtagsabgeordnete der Linken wurden mit Mitteilun- Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschich'.c von L i e s b e t Dill. 48. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Sein Rachfolger begrüßte Herwegh gleich als alten Bekannten. Er hatte ihm einmal eine Beleidigungsklage gegen einen Kollegen geführt. Wer kannte Herwegh nicht! Gegen diese Verbrüderung konnten selbst die schneidigsten Assessoren .nichts ausrichten. Der dritte Wärter hörte „zu gern Musik". Sein Sohn war „auch Geiger". Man hatte Herwegh die Geige entzogen. Es war nicht üblich, dah Unter» suc^rngsgesangene sich mit Musik vergnügten, berichtete ihm der gemessene kleine Assessor, der den Untersuchungsrichter vertrat, es störte die Ruhe des Ortes und dann war man ja nicht zu sein Vergnügen ,hier, sondern um sich zu sammeln. Und Herr von Herwegh bedurfte sehr der Sammlung. Die Klagen häuften sich auf den Tischen der Untersuchungsrichter. lyZichtige Zerrgen muhten erst gesucht werden, Fräulein Mütter-Güth war noch in Amerika und kam erst im Oktober zurück. „Sie müssen sich in Geduld fassen." Da Herwegh diese bleierne Stille der Zelle einfach nicht mehr ertrug, durchmaß er den Raum stundenlang mit langen Schritten und fang laut vor sich hin. Operettenmelodien, Oratorien, was ihm gerne einsield, Lieder von Brahms und Balladen. „Dein Schwert, wie ist's von Blut so rot, Edward." „Wie uff em Theater," sagten die Wärter: einer nach dem anderen kam an seine Tür geschlichen, um zu lauschen Die Referendare mit ihren Mappen hielten erstaunt inne, „war das nicht Herweghs Stimme Wahrhaftig, nun, der veränderte sich auch nicht". Während er fang, dachte er an ein großes dunkles Schlafzimmer, das er einmal als Junge allein bewohnt, und in dem er sich des Abends die Angst dadurch zu vertreiben suchte, dah er Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, 29. November (922 «ui «i ■" m—rrTT-Trr--“T‘Tf-T-rrT—r——"— gen versehen, auf Gruird deren sie den Fall in febr schiefer Weise im Landtag zur Sprache brachten: Wer hat ihnen das Material gegeben, das so halllos war, dah es größten-- tells nachher in der Untersuchung ausscheiden muhte? Ich gehe nicht gern auf Persönliches ein; aber Klarstellung ist nun einmal notwendig. Gesagt habe ich, dah ein Lehrer bemerkt haben will, dah Schüler verbotene Abzeichen trugen und dah er dein Direktor keine Mitteilung gemacht, also keine Gelegenheit gegeben haste, ein u- schreiten. Herr Prof. Weihgerber bemerkt dazu, dah das ein anderer Herr gewesen sei als der, ben ick im Auge gehabt haben sott, und dah dieser dem Direttor Anzeige gemacht habe Gewih, dieser andere Herr hat dem Direktor Anzeige gemacht und — der Direktor hat daraufhin sofort energisch für Beseitigung gesorgt. Das letztere vergeht Herr Prof. Weihgerber hinzu-.ufügen. A.er wenn dem Direktor der Vorwurf gemacht wird, er habe das Tragen verbotener Anzeichen gebuloet, fo muh ja tvohl noch an andere Fälle gedacht fein, in denen der Direktor feine Mitteilung erhalten bat. Auf solche Fälle bezog sich ja auch jene Bemerkung des Direktors, die etwa so gelautet hat: „W e n n jemand angibt, daß ich nicht ge^en das Tragen verbotener Abzeichen eingeschritten sei, ohne daß er mich vorher darüber verständigt hatte, so ist das gemein und heimtückisch." Diese Bemerkung wird ihm nun von Prof. Weihgerber als Beleidigung eines Kollegen ausgelegt. In dieser Auslegung wird ihm kein gerecht Denkender folgen. Direktor Schnett hat niemanden beleidigt, wenn niemand jenes von ihm gekennzeichnete Verfahren, das allerdings nicht scharf genug charakterisiert werden könnte, angewandt hat. Genug von diesen Dingeri. Ich muh ja noch auf die Fälle zu sprechen kommen, die für die Versetzung Dr. Schnetts entscheidend ober nicht entscheidend gewesen sind. Ich habe allerdings nicht alle Anschuldrguugen aufgeführt, weil ich kurz sein wollte. 2Iber ich habe gesagt, dah noch die eine oder die andere ähnliche Angelegenheit m'tt- gesprochrn habe. Einige hat Herr Prof. Weiß- gerber aufgezähll. Meine Absicht war, zu zeigen, wze es gemacht worden ist. Dazu beleuchtete ich die Geringfügigkeit, ja Richtigkeit dieser Qlnflagen. Die Leser der Erwiderung Prof. Weißgerbers werden wohl wie ich den Eindruck gehabi haben, dah seine Ergänzungen eine glänzende Bestätigung meiner Ansicht darstellen, dah cs sich um toin» z ige, kün st lich auf g eba us ch te, unzu lä s- sig äu Dr. Schnells ünguiiften gedeutete (meist mißdeutete) Einzelheiten handelt. Den Schulen war offiziell eröffnet, dah sie antisemitischen Vereinigungen nicht angehören dürfen. Dah die Sonderverfügung betr. der deutschen Iugendgemeinschäft den Schülern ausdrücklich mit- zuteilen sei, war nicht angeocdnet; cs tonnte sehr wohl als nicht notwendig beurteilt werden. Die Rede eines Lehrers bei der Totengedenlfeier war leine Revancherede, das hat sogar der sozialdemo- kratische Abgeordnete Kaul im Landtag zugegeben; dah darin auf den Tag der Freiheit hingewiesen wurde, war wahrhaftig fein Anlaß, einzuschreiten. Die Angaben Prof. Weihgerbers über die Lehrerkonferenz sind schon in der Formulierung ganz ein- feittg. Dtt: sogenannte „Beleidigung" ist bereits oben besprochen. Wollte ich auf dreien Punkt näher eingehen, so mühte ich den Inhalt des erwähnten, von Lehrern der Anstatt unterzeichneten Schriftstücks, in dem diese ihre Stellung zu einem Kollegen dartaten, klarlegen. Wird es verlangt, so will ich's tun; ich meine aber, es wird schonender für die Gegenseite sein, wenn es unterbleibt. Aus dieser Sache dem Direktor einen Vorwurf zu machen, ist m. E. nur daim möglich, wenn man ganz und gar Partei gegen ihn ist. Alles Winzigkeiten, Mißdeutungen, mühselig zusammengesuchte, künstlich gewendete Anschuldigungen! Warum ich Dinge erwähnt habe, die nachher bei der älntersuchung ausschriden ? Also die Fahnengeschichte und die Aufsatzgeschichte? Weil diese Dinge gleichfalls als Anklagen gegen Dr. Schnell verwendet worden sind, weil sie also ch a r a 11 e= ri st ischdafürsin d, wieesgem achtworden ist. In der schon genannten sozialdemokratischen Versammlung in Giehrn und im Hessischen Landtag sind solche Anklagen kräftig vorgetragen worden. Wieviel Raum die Aufsatzgeschichte im Landtag eingenommen hat, zeigt der stenographische Sitzungsbericht. Die betreffende Stelle des Schüleraufsahes ist dort vom Abg. Kaul verlesen worden. Ich habe dort in dem Sinn erwidert, laut Kirchenlieder sang. Zuweilen stand er am Fenster unbeweglich wte eine Statue, die Hände auf der Fensterbant, und sah zu den Taunushöhen herüber. Dort lag ein grüner Schimmer über der Welt. Dort ging vielleicht jetzt Grete spazieren in einem Hellen Sommerkleid und bem groben weihen Federhut. Heute war Dienstag, „ihr Tag" im Königlichen mit Mama, Mittwochs hatte sie „Äurgarten", Donnerstags „Rhei .schi f" und Freitags war Whistkränzchen und er sah die Damen an Fräulein Schmidts weihgedecktem Tisch mit ihren Häkelarbeiten, und die Generalin erzählte von dem Srlerschen „Jour". Er sah die vergnügte Tafelrunde bei seiner Mckma, horte das behagliche Lachen des Generals, draußen braute der Rebel, und auf dem Bahnhof pfiff die Lokomotive, die jeden Abend nach dem blauen Taunus fuhr. * Es wurde Herbst. Im Hof entblätterten sich die mageren Akazien und es regnete. Eintönig grau» Sage folgten, an denen er nichts horte wie den Regen rauschen und zuweile,! das Rasseln des Schlüsselbundes eines Wärters, der das Essen brachte. Es war ihm, als ob alle diese Tropfen nicht vor dem Fenster auf das Blech, sondern auf seinen Kopf fielen. Tropf, tropf. Er summte das zweite Chopinsch» Prslude vor sich hin. Tropfen auf einen Sarg. So was muhte man doch auch schreiben können, es war wahrhaftig kein Kunststück. Eine Geschichte aus dem Mittelalter tauchte ihm auf. von einem politischen Verbrecher, den man in einem leeren Brunnen gefangen hiell, von dessen steinernem Rand unablässig ein Tropfen auf den Kopf des älnglücklichen fiel. Immer auf dieselbe Stelle, bis er wahn- finnig war. Man Beschuldigte ihn plötzlich, er habe als Primaner aus dem Schreibtisch seiner Mutier Geld entwendet. Die Diebstahlsgeschich e beschäftigte die Richter. Er sollte einen Schmuck, der zur Aufbewahrung in seinem Safe gelagert Halle, für andere Zwecke verwandt und den Bureau- Vorsteher, der darum wußte, enturssen haben. Herwegh sagte kein Wort zu seiner Verteidigung, dah Schnett wegen dieses Aufsatzes kein Vorwurf treffen könne. In diesem Punkt hat mir die Unter» suchung also glänzend Recht gegen Herrn Abg. Kaul gegeben. Aber — die Sache diente zur öffentlichen Stimmungsmache. Herr Prof. Weihgerber fragt, wie es geschehen konnte, dah ich dieselben Dinge vortrage, die als bösartiger Klatsch in der Stadt verbreitet werden. Ich weih nichts von Klatsch in dieser Sache: ich weiß nur, daß, wenn jemand das erzählt, was ich vorgetragen habe, er vollkommen Richtiges erzählt. Ich weih auch, dah meine Mitteilungen unter großer Schonung mancher Gegner des Herrn Direktor Schnell geschrieben sind. Mir lag und liegt nichts daran, irgend jemanden anzugreifen. Ich wlll nur der Oeffentlichkeit Klarheit geben. Rnd zugleich wollte ich allerdings zeigen, toil so etwas gemacht wird. Daß ich's noch einmal sage: Irgendwelche Vorkommnisse, an die sich allenfalls vom Standpunkt des Schutzes der Republik ein mißgünstiger Kommentar anknüpfen läßt, werden in die Oeffentlichkeit lanciert — in eine sozial-- ihunokratische Versammlung oder Zeitung ober auch in den Landtag oder in alle zugleich - ; fo wird Stimmung gemacht und die Umleitung einer chlntersuchung herbeigeführt. Erweisen sich bann die meisten der anfangs vorgebrachten Anschuldigungen, wie in diesem Falle, als völlig haltlos, so f in bet sich nun doch Gelegenheit, nocy andere Singe, und seien es auch Jahre lang zurückliegende, vorzuörinaen: vielleicht wird auch ein von bem Angeschuldigter gesprochenes Wort durch ttlm- kehrung als Beleidigung aufgelegt; schließlich läßt sich mühsam ein Beschluß durchsetzen, der den An- gefeinbelea aus seinem Wirkungskreis reißt und ihn, weil er dieses Herausreihen selbstverständlich als Strafe empfinden muß, veranlaßt, lieber die Versetzung in den Ruhestand nachgusuchen. Das Ziel ist erreicht. Um so ernster ist der ganze Vorgang zu beurteilen, als Herr Prof. Weißgerber einen ganz gefährlichen Satz ausspricht: „Das Edikt von 1920, das einen hessischen Beamten jederzeit zu entlassen oder in bea Ruhestand zu versetzen gestattet, ist formell noch nicht aufgehoben." Ein Ediktdie- s e s Inhalts existiert nicht, kann gar nicht existiere n. Denn ein „Edikt" kann nicht gesetzliche Rechte der 'Beamten umstohea. Ein Edikt int Volksstaat Hessen! Vkan Senfe! Aber schon daß ein hessischer Beamter behaupten kann, ein solches Edikt bestehe, ist ganz bedenklich, zumal im Zusammenhang mit diesem Fall. Ich will meinen zweiten Aufsatz zur Sache mit denselben Sätzen schließen wie den ersten. Gewiß, Wiederholung macht Falsches nicht richtig. Aber sic prägt Richtiges — undjeneSütze wie meine ganze Darstellung waren richtig — noch fester ein. Und so mögen sie nochmals hier stehen: Mit Sorge sehen wir, die wir das 'Beste des hessischen Staates wollest, was hier gefdrehen ist. Daß unsere Oberrsalschule ihren trefflichen Direktor verliert, ist schlimm. Schlimmer ist die Art. wie man ihn ihr genommen hat. Aus Stabt und Land. Gießen, den 29. Rovember 1922. Die Stadtverordneten Sitzung am nächsten Freitag nachmittag 4 ttlhr wird sich mit folgender Tagesordnung beschäftigen: Einführung und Verpflichtung des Stadtverordneten August Schwan. — ümiDinblung der Daukostenvorschüsse in eine hypothekarisch zu sichernde Anleihe für die Wohnbau Zkolonie der Baugenossenschaft an der Licher ©trabe. — Beitrag zu den Kosten der Forstverwallung 1921. — Voranschlag der Höheren und Erweiterten Mädchenschule für 1923. — Bauliche Herstellungen im Schulhaus Reustadt. — 'Benutzung zweier Konfirmandensäle im Hause Kirchstrahe 9 durch die Mädchenschule. — Vertrag mit der Mütter- schen Badeanstalt über die Benutzung durch die oberen Klassen der Mädchenschule — Beschaffung von Küchengerätschaften für die Einrichtung einer zweiten Küche für die Madchmsortbildu grschu'e. — Beschaffung von Stoffen für Ülnterrichtszwecke der Mäbche fortbildungZschale. — De chasfung von Einr ich ungsgegen ständen für die gewerbliche Fortbildu rgsschule. — Vergütung für .bi? Bc- rutzung sowie für Reinigung der Räumlichkeiten im Äaufmänn scheu Vere nZhauZ für Volks- u ;b Fortbildu rgsschulHwecke, — Erhöhung der Vergütung für Reinigung und Heizung des Schuler lächelte nur, wenn sie neues Beweismaterial anbrachten. Der Prozeß war schon zu einem solchen Aktenbündel angeschwollen, daß es in keine.Ledermappe mehr hineinging. Herwegh hatte sich Schreibzeug bringen lassen, um seine Erleb risse niederzuschreioen. Jetzt hatte er ja Zeit. Aber es fanb sich, bah er gar keine Erlebnisse hatte, denn daß er in Oftrowo als Sohn eines Infanteriemajors geboren war, in München Iura studiert, sich mit Grete Kollin verheiratet und eine Reise nach Italien gemacht hatte, war nichts Außergewöhnliches, und er konnte auch die älntersuchungshaft nicht übergehen. Aber diese Zdit wollte er aus seinem Leben streichen Er bat um 'Rotenpapier. Eine Fuge spulte ihm im Kops über das Thema „Wachet auf, ruft uns bje Stimme," in tts-Dur. „Jetzt schriest er sogar Rote," sagte der Wärter zu bem geschniegelten Referendar. Er sah über bem „Tanz der Erinnhen", aber bei bei Dallettszene kam er nicht weiter, da er wieder den Druck auf bem Köpfe fühlte. Ls war, als würben bort Rägel eingeklopft. Er setzte sich auf seinen Bellranb, zählte den Puls, unb bei jedem Blutstoß dachte er, jetzt kommt wieder ein Ragel in meinen Schädel. Er fühlte nichts mehr wie diesen Schmerz. Er schloß die Augen, farm über fein begonnenes Ballett nach unb wartete auf die Sonne, die jeden Abend zu ihm kam. Es war das einzige Licht an diesen trüben herbstlichen Tagen. Unb dann kam auch sie nicht mehr, es war Rovember. Dafür kamen um so mehr Briefe an ihn, meist geschäftliche Nachzügler, die sich hierher verirrten und die er uneröffnet toieber zurückgehen ließ. Die mit her verstellten Schrift öffnete er mit Vorsicht. Man schrieb ihm, er würde zu Zuchthaus verurteilt und möge seine Verteidigungsrede danach einrichten, er müßte das Mißtrauen besiegen. In „den Augen der Welt" stände er rein da. Das waren diejenigen, die kein Geld bei ihm verloren hatten. Andere überhäuften ihn mit Vorwürfen. Don solchen Briefen las er nur die elfte Zeile und zerriß sie. raum8 im Israelitischen Gemeindehaus. — Kredit- bewilligung für Go.,nerbö ,ung der städtischen Arbeiter. — Kreditoewittigu.rg für die Fcu^rVersicherung des Schulinoe.rtars. — Bewilligung eines Kredits für Verlängerung des Kabels in der Crednerstraße unb im Mittelweg — Erhöhung des Jahresbeitrags an den Bezirksarbeitgeber- Derband. — Bewilligung eines Zuschusses für den Wasserverbrauch des Volksbades. - Gewährung eines zinslosen Darlehens an das Gießener Dolksbad. — Gesuch £er Demokratischen Partei und anderer um Bewilligung einer Vergütung zu den Kosten für den Druck der Stinim- zettel bei den S:adtoerorbnetenwa len. — Ausführung des Reichsmiete ngesetzes. a) Beschlußfassung über die Einrichtung von Hauskonten. b) Ortssatzung über die Einrichtung von Hauskonten. — Baugesuche: a) Errichtung einer Lagerhall: Schanzenstrahe 16—18; hirr: Befreiung von Bauvorschriften, b) Errich ung einer Stützmauer Rodheimer Straße 23. c) äleberbach- führuag der Brandmauer an bem Stallgebäud« Liebigstraße 77; hier: Befreiung von Bauvor- ichrrften. d) Bauvorhaben dec Eigenheim-Ba.r- genossenschaft für die 3 oering "trab 2 un) die Straße am Obstbaugrandstück süböst.ich der Kaserne; hier: Befreiung von Bauiorschristen. — Ge.uche um Genehmigung zur Trennung der Hofr?iten Roon- firaf’c.e unb Frankfurter Str. 123. — Errich ung einer Abhiheverwertungsanlage im Gas- unb Wasserwerk.—Erhöhu ig der Ge ü ren für Grä er auf bem Friedhof. — Erweiterung des Kredits für die Winterbeihilfen. — Darlehen an den Verein für Innere Mission zur Beschafsuig von Winterkartoffeln für die Herberge zur Heimat. — Bewilligung eines Jahresbeitrags an den Landesverband Hessen zur 'Bekämpfung der Geschlechtslrankheiten. - Erhö ung bcs Bei- trage für bei? Hess. Fürsorgeverein für Krüppel, Darmstadt. — Die Kosten für die Ausstellung bev Deutschen Hygiene-Museums, Dresden füt Bekämpfung der Geschlecht krankheiten. — Einführung der Hausier-Erlaubnisscheinpflicht. — Gesuche um Erlaubnis zum Schankwirtschasts- betrieb: a) des Karl Burhenne für Walllvr- straße b, b) der Anna Kurek für Steinstrahe 74, c) des Fritz Straßer um Erwuvnis zum Gastwirt- schastsbetiieb im Hause Klinikstraße 24. — Erhöhung der AuZgleich'sgebühr im Schlachthof. — Freihändige Vergebung von Arbeiten unb Lieferungen an die Firma Riedinger in Augsburg. — Mitteilungen. 'Ein sehr erfreuliches E rZ e b - n i s. Die Wohttätigkeitsveranstaltung, die von Mitgliedern unseres Stnbitheaterensem- bleS und von den Angehörigen der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Mustterverbandes zum Besten des Gießener Hilfswerks für Klein-« rentner und verschämte Arme am 13. Rovember Im Stckdttheater gegeben wurde, hat den stattlichen Reinertrag von 4 8 3 1 3 M a r k erbracht. Alle Mitwirkenben stellten sich im Interesse des guten Zweckes bekanntlich unentgeltlich zur Verfügung. tTchnen und namentlich dem Organisator der Veranstaltung, Herrn Rich. Hellbvrn, gebührt der Dank der Oeffentlichkeit. ** Oberhcssi scher Geschichtsver- ein. Die Reihe der Winterveranstaltungen eröffnete Badearzt Dr. Martin- Dab-Rauheim mit seinem Vortrag über die Geschichte des Babewesens in Mitteleuropa von be r Urzeit bis zur Geg enwa rt. Als Grunblage seiner Ausführungen zeigte der Redner im Lichtbild eine überraschende Fülle meist zeitgenössischer Darstellungen, die er in rastlosem Bemühen an oft sehr entlegenen Stellen, überwiegend aus alten Handschriften unb Drucken, gesammelt hat. Abgesehen von dem Sonder- intcreffe, bas den Bildern als Zeitdokumenten, mitunter auch als Kunstwerken, zukam, axiren sie vorzüglich ausgewählt gerade für ihre Hauptaufgabe. die wechselnde Bedeutung des Bade- wesens zu veranschaulichen, das in seinen verschiedenen Erscheinungssarmen zugleich als ein Gradmesser der Gefamtkultur gelten darf. Die Reinigungs-, Heil- unb Mobebäder, das Damps- unb bas Heißluflscha>itzbab, fast immer verbunden mit Fußbad, Massage und Sch.b, das Leben und Treiben in den Heilbädern, zumal in den Modebädern, das allmähliche Auskommen des Seebades unb bet Solbäder — das alles wurde aussühr lich bärgest eilt -und begründet. Die Fülle TLlTWHi | i — I u r । Ist TTrnoi ac Gin verabschiedeter Buchhalter, der mit Gott und der Welt und den in ihr vorhandenen Gesetzen verfallen war, setzte ihm audeinanber, wie er in.seiner Verteidigungsrede die blöde Menge von seiner Schuldlofigkelt überzeugen sollte und versprach ihm, sich bei ihm einzusinden, sobald er den Schagen des Klassenstaates entronnen sei. Das Publikum, das mit üngebulb auf die Verhandlung wartete, begann die lange Haft Herwegs)» ungerecht zu finden. Dec Tag der Verhandlung war auf den zwanzigsten Dezember festgesetzt, aber er mußte der Influenza wegen verschoben werben, welche in der Stadt herrschte, die meisten Richter waren erkrankt. In diesen Tagen wurde seine Scheidung ausgesprochen Herwegh nahm die Rachricht gefaßt entgegen, ohne ein Zeichen der Teilnahme. Er hatte es kaum anders erwartet. Ein rein äußerliches Band hatte ihn mit Grete noch zusammei-lgefalten. Es zerfiel mit soviel anderem. Weihnachten! Die Sträflinge erschienen in langen Kitteln mit rasierten Kopsen und nahmen auf den Bänken in bem großen weißen, kühlen Saale Platz, ter mit Tan- nengtün geschmückt war. Auf te;t hohen Bäumen brannten ein paar dünne Kerzen, der Geistliche sprach eindringlich zu den hartgesottenen Sündern, und Herwegh spielte Harmonium. Feierlich unb erhaben schwebte das alte Weihnachtslieb durch ben Saal. „Es ist ein’ Ros' entsprungen." Die Sträflinge fangen es mit ihren rauhen, ungleichen Stimmen, geführt von Herweghs weichem, klarem Tenor. Für ein paar ©tunbera hatte er alles andere vergessen. Er erhielt mehrere Blumensträuße und einen gemalten Wandspruch, auf welchem Lilien und Seerosen goldgdruckte Worte umrahmten: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Eine kleine ältere Dame hatte ihn in der Dämmerung einem Torwärter übergeben. Erne Unbekannte bot ihm Geldmittel an, „zur Flucht", man schickte ihm einen Rapskuchen, in dem eine kleine Drahtsäge eingebaden war. Dieser Kuchen fiel bem Untersuchungsrichter in bie Hände. (Fortsetzung folgt.) flr. 282 LxS LS As' SSjJ? '■n& Ä<& *>*! fpoinc Mn SeSietamA §ie ftaatlid ,chi» s«shil> plag eingenom preußischen Tw 1919 mehr als jenes W vre cheS anders gei dem Tage der 2 ttags, ging P brücken mit iy bas Eigentum ringerte sich n" gruben von ins Werke. Der Ser in Stücke riß. ta Dergloerke Ober an Polen. Dem { gesehen von de merken am Deist' noch die staatlich sen gilt Poi derpolitil! c lichen, im nörl Staatsgruben. u „Hibernia". Die Staatsbehörden denen vor allem d Dergmannsglück sind, betrugen im lionen Tonnen. J zchl lieferten die Zechen, so«daß d kalischen Sruben beträgt. Da bi Ruhrkohlenbezir! lionen Tonnen staaüichen Berg Bernia“ (beten E fließen) 10 Pro- toonnenen Kohlen sag, nämlich mit '23 Millionen Tor an der für die E tigen Kaiser metallurgische Ki Ntrie sehr notlc scheu Auhrkohl. Frankreich als stellungsforderun bringen. Das toäre dc ollen die fisla linksrheinisii nicht das erste M H^ude nach dem Aeden. Zur fast die ganze 6;|, NHure, von Kontribution zu - Sefhengter S'9=n 'Jtrtti SfW'n j“ l'd ?'$ d>° Ei,-, te%unn3. Sä1*60 M Und man ü Se"®«l»grL "let Oie do (w Srv MX,' Protests des 1 ?in *«• Äl«. .30 $eri; ^richi gieruug J11 dexf, 8 d°l # danwls Frankreich unsicher machte, hatten aus diesem „Kleiderstoff". *DererstedeutscheFilminEng» land. London wird jetzt endlich, mehr als vier Jahre nach dem Krieg, den ersten deutschen Film sehen. Wie die Blatter mitteilen, läuft in dem großen Kino „New Scala“ auf drei Wochen der Dubarrh-Film, mit Pola Regri in der Haupttolle. Das Filmdrama führt den Titel „Leidenschaft“, den eS in den Bereinigten Staaten erhalten hat. Da der Film in Amerika begeisterte Aufnahme gefunden hat, erwartet man für ihn auch In London einen großen Erfolg. 3n Frankreich ist der Film noch nicht gezeigt worden, weil dort behauptet wird, er sei in seinem Charakter antiftanzösisch. Auch bei der Londoner Aufführung sind einige Schnitte, hauptsächlich tat Text, gemacht worden, um jeden etwaigen Anstoß zu vermeiden. Kleine Geschenke. Eines'Tck^rs geriet Montesquieu mit einem Parlamentsrat in Streit über eine wissenschaftliche Sache. Der Rat redete sich immer mehr in Eifer und rief schließlich miß: „Ich sehe meinen Kopf zum Pfand«, daß ich recht habe." „Ich nehme das Pfand an," erwiderte Montesquieu ruhig. „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft." Büchertisch. Oswald Spengler als Phils- f op h. Dargeflellt und beurteilt von August Messer, v. Professor der Philosophie in Gießen. (Verlag von Strecker und Schröder, Stuttgart.) Der ungeheure Erfolg des Spenglerschen Werkes „Der Untergang des Abendlandes" recht fertigt es ganz gewiß, einmal mit philosophischer Gründlichkeit in die Grundanfchauungen Spenglers hineinzuleuchten, in feine Metaphysik, in seine Erkenntnistheorie und in seine Ethik. Auf allen drei Gebieten versagt Spengler nach der Meinung Messers, der denn auch den Schluß zieht, die Untcrgangsprophezeiung werde verhallen. Das orliegende Buch ist auch noch um deswillen fesselnd, weil der Verfasser, wie er in seiner Vorrede sagt, den Text so gestaltet hat, daß er die Lektüre Spenglers nicht vorausseht, sie dagegen erleichtert. — Balder Olden: „Kilimandscharo“. Gyldendalscher Verlag, Berlin. — Farbenprächtige Bilder zaubert dieser lebendig geschriebene Roman von Deutsch-Ostaftika hervor. Land und Leute, und vor allem das Kriegsleben unserer Kolonial- truppe, werden mit höchster Anschaulichkeit und — oft allzu krasser — Genauigkeit gezeichnet. Den derben und rauhen Schilderungen sind aber ungemein zarte Stimmungen eingefügt, und bet tragische Ausgang eint alle Empfindungen zu tiefster Ergriffenheit. — Friedrich Lienhards Türmer- Beiträge, als Festschrift zum XXV. Jahrgang herausgegeben von Dr. Paul Bülow. (Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart.) verschluckt wird. Sv berichtete 1841 Kapitän Dou-- gherty von einer Insel, die er halbwegs zwischen Neuseeland und Kap Horn gesichtet hatte. Es war ein großes felsiges Eiland von 12 Kilometer Lange und 300 Fuß Höhe. 20 (Zähre spater wurde diese Insel ein zweites Mal von Kapitän Keates besucht und genau beschrieben. In unserem Jahrhundert hat das Expeditionsschiff „Discovery" die Stelle, auf der die Insel lag, mehrfach gekreuzt, ohne auch nur bje geringste Spur von Land zu finden. Bei Lotungen ergab sich die gewaltige Tief« von 2000 Faden, so daß also das Eiland von dem Ozean sehr gründlich verschluckt worden ist. Eine andere Insel des Stillen Ozeans, die auf geheimnisvolle Weise verschwand, ist Metis: sie war 1880 eine große Felsmasse von mindestens 150 Fuß Höhe, aber 20 Jahre später war nicht das Geringste von ihr auf der Oberfläche des Meeres zu entdecken. Die Falken-Insel in bet Nähe der Longa-Gruppe wurde zuerst 1885 gesichtet, aber kaum hatten die Kartenzeichner die Insel aufgenommen. da war sie plötzlich wieder verschwunden. und nur noch einige Klippen ragten aus den Wellen empor. Im Jahre 1898 stieg sie dann wieder unter heißen Dämpfen aus den Wassern heraus und ist seit diesem Jahre wieder verschwunden. Eine ziemlich große Insel im südlichen Teil des Golfs von Mexiko war Dermeja, deren Vorhandensein durch viele Jahre von den Seefahrern bestätigt wurde. Irn Jahre 1901 aber konnte ein Kreuzer, der zu kartographischen Zwecken nach der Insel suchte, nicht die geringste Spur mehr von ihr entdecken. In den Karten, die etwa 30 Jahre zurückliegen, findet man im Süden von Australien eine Gruppe von fünf InsÄn, die den Namen Royal Company-Inseln trugen. Ihre genaue Lage war 50,20 südlicher Breite und 143 östlicher Länge. Im Jahre 1900 aber fand man bei einer neuen kartographischen Aufnahme nichts mehr von diesen Insellt, und sie wurden deshalb von den Karten entfernt. Kleider aus Menschenhaut. Die jetzt so beliebte Ledermode erinnert an eine unheimliche und grausige Ledertracht, die in früheren Zeiten getragen wurde, nämlich an Kleider aus Menschenhaut Die Verarbeitung von Menschenhaut zu Leder war eine der schrecklichen und selt- famen Moden, die in der sich über alle Rechte und Gesetze hinwegsetzenden französischen Revolution auf tarnen. Zwar hat schon der Hussiten- führer Ziska bei seinem Ticke bestimmt, daß aus seiner Haut eine Trommel gemacht werde, damit „ter Lärm meines Felles alle unsere Feinde in die Flucht schlägt,'' wie er sagte. Aber das war nur die bizarre Laune eines Einzelnen. Während der französischen Revollrtivn erhielt ein findiger Fabrikant von dem Sicherheitskomitee die Erlaubnis, die Haut der Hingerichteten Aristokraten vorteilhaft zu verwerten, und er errichtete in dem Schloß Meudvn ganz im Geheimen eine Fabrik, in der er Schuhe aus Menschenleder anfertigte. Bald wurde diese Lederfabrik von Meudon auch zu anderen Zwecken benutzt. Eine große Anzahl von Büchern wurde in Menschen haut gebunden, und es fanden sich Bibliophile, die an diesen Einbänden ein besonderes, mit Grausen gemischtes Vergnügen fanden. Philipp Ggalits, der sich als revolutionärer Held gebärdende Herzog von Orleans, zeigte seine Vorurteilslosigkert, indem er auf einem Pariser Ball in einem Paar Beinkleidern aus Menschenhaut erschien, und der republikanische General Dachsser trug ein solches Paar Beinkleider aus Menschenhaut in allen Schlachten, well er sich in ihnen für unverwundbar hielt. Schon in der französischen „Enzyklopädie" des 18. Jahrhunderts findet sich ein Rezept, um Menschenhaut zu gerben, und 1823 trugen die Führer einer Räuberschar, der .schwarzen Bande", die Und dann die RDnzcln! Fahle, schlaffe, walke, graue Saut wird Ve° lebt uub verjüngt durch wohltuende Frottage V'W mit Aok-Seesanv-Mandelkleie. RegeimLßtaer ÄL Gebrauch von Aok. Seesand . Mandelklet; J macht die Saut schnell und sicher blumen- V y »art, rosig und jug ndsrisch. — Dot »See» 7 sand« MandeUleie ist überall zu haben. Vermischtes. Zmn Zusammenbruch btt Pfälzer Dank München, 21. Rod. (Wolff.) Die Erhebungen in der Angelegenheit des Direktors Römer, der durch mißglückte Spekulation«.! den Zusammenbruch der Pfälzer D.ank l>erbeigeführt hatte, haben ergeben, daß Römer zwar durch seine Spekulationsgeschäfte die Interessen der Bant aufs schwerste geschädigt hatte, ein Ver schulden im Sinne des Strafgesetzbuches konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Laut „Münchener Zeitung" ist das Verfahren gegen ihn eingestellt worden. Tödlicher lllbsturz einet Fliegers. München, 26. Rov. (WTB.) Infolge Richtfunktionierens eines von ihm erfundenen Fallschirms stürzte heute nachmittag in Daglfing der 40jährige Flugzeugführer Willi Bisten bei einem Absturzversuch aus etwa 400 Meter Höhe vor den Augen seiner Frau nieder und blieb tot liegen. Patzfalscher an Lmnpenkeller. Berlin, 26. Rov. Eine große Paß- falscherwerk statt wurde gestern von Polizeibeamten in einem Lumpenkeller im Rordosten Berlins ausgehoben. Das ganze Fälschermaterial wurde unter den Lumpen vorgefunden, darunter Stempel des polnischen Generalkonsulats in Berlin, des polnischen Generalkonsulats in München usw. Inhaber des Lumpenkellers sind zwei polnische Staatsangehörige. Ein deutscher Dampfer gestrandet. Hamburg, 27. Rov. (WTB) Wic aus R o r d d o r f auf Amrun gemeldet wird, strandete der deutsche Dampfer „Albi s". Achtzehn Mann der Besatzung wurden gerettet. Eine Millionärin als Schmugglerin. B e u t h e n, 27. Rov. Die hiesige Zollbehörde nahm eine Millionärin namens Rothen- stein aus Warschau fest, weil sie für zwei Millionen Marl Waren unverzollt über di e Grenze schaffen wollte. Sie wurde dem Gerichtsgefängnis zugeführt, aber gegen Stellung einer Kaution von sieben Millionen Mark wieder freigelassen. Luftverkehr Malmö-Hamburg. Stockholm. 28. Rov. (Wolff.) Eine schwedische Aktiengesellschaft zur Errichtung eines regelmäßigen Luftverkehrs mit Post- und Personenbeförderung zwischen Malmö und Hamburg ist hier gegründet worden. Explosion im Kohlenbergwerk. Santarö, 26. Rov. (WLB.) Bei einer Explosion in einem Kohlenbergwerk sind 7 Personen getötet und 30 verletzt worden. Schwerer SchiffSzusammenstvß. Barcelona, 27. Rov. (Wolfs.) Ern Küstendampfer wurde bet einem Zusammenstoß mit einem Zvllschöfs in zwer Teile gerissen. 80 Personen wurden über Bord aespült. Bisher wurden 10 Tote und 17 Verwundete gemeldet. * * Verschwindende Inseln. Die Rach- richt von dem Derschwi.rden der Osterinfeln hat berechtigtes Staunen erregt; aber so ganz selten ist es nicht, daß plötzlich eine Insel vom Meere dieses Stoffe«, verbunden mit Bemerkungen über balneologische Theorien im Wandel der Jahrhunderte. gab manchen Anhalt auch für die Be- urteilung des modernen Badewesens; wie ja stets der Hauptwert geschichtlicher Betrachtung auf der Beziehung zur Gegenwart beruht. — In der Mitgliederversammlung erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht, aus dem die Mitteilung über das starke Anwachsen der Mitgliederzahl, sowie die Ankündigung eines Vortrages von großer wissenschaftlicher unb allgemeiner Bedeutung über den Dichter des Äibelungenliedes und den Wert des deutschen Heldenepos al« Geschichtsquelle besondere Teilnahme sand, lieber den soeben erschienenen und über einen wetteren im Druck befindlichen Band der »Mitteilungen des Ober hessischen Geschichtsvereins" berichtete der Vorsitzende der Redaktionskommission, der auch auf die unschätzbare Bereicherung hmwies, die ber äftriversttätsbiblivthek durch den Schriftenaustausch des Vereins mit mehr als 300 gelehrten Körperschaften des In- und Auslands erwächst. Hieraus wurde dem Vereins» redxner Entlastung erteilt. Die Versammlung bestätigte die Zuwahl des Herrn Prokuristen Frech in den Vorstand, die gesteigerten Leistungen des Vereins, der, abgesehen von seinen Deröfsent- lidjungen und der Monatszeitschrift „CBolt und Scholle", künftig auch dem Wunsch Heineren Orte der Provinz nach geschichtlichen Vorträgen gern entsprechen will, machten unterm Druck 5er Zeitverhältnisse eine Erhöhung des Jahresbeitrages notwendig; wenn sie sich in verhältnismäßig sehr bescheidenen Grenzen hielt, so geschah das im Hinblick auf dte. Gemeinnützigkeit des Vereins, der auf die Mitarbeiterschaft weitester Kreise der Bevölkerung besonderen Wert legt. ** Die Brennstoffpreise für den Landkreis Gießen sind mit Wirkung vom 20. Rovember ab wie folgt festgesetzt worden: Fettstückkohlen 1334 Mk., Fettnußkohlen 1360 Mk., Fettkohlen (meliert) 1163 Mk., Eh- nuhkohlen 1477 Mk.. Anthrazit 1634 Mark, GiformbrikettS 1720 Mk., Braunkohlenbriketts 680 Mk., Zechenkoks (grob) 1528 Mk., Zechenkoks (fein) 1728 Mk., sämtlich pro Zentner. Aeltere Bestände sind zu den seitherigen Preisen abzugeben. Landkreis Gießen. iS. Steinbach, 28. Rov. Der Kriegerverein hat zu Ehren seiner gefallenen Mitglieder eine Gedenktafel gestiftet, die am Totensonntag im Hauptgottesdienst geweiht wurde. Anschließend an die Weihe fand am Ehrendenkmal e.ne Rachfeier statt, bei der Pfarrer Storck unserer Gefallenen in herzlichen Worten gedachte. Die beiden ältesten Schulklassen verschönten die Feier durch Lie- dervorttage. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 27. Rov. In der jüngsten Stadtverordnetensitzung wurde der Abschluß der Kriegswirtschaft unserer Stadt genehmigt. Danach sind folgende Zuschüsse erforderlich gewesen: 1914/16: 1898 727.28 Mk., 1917: 1 477 614.54 Mk, 1918: 3 613 405.04 Mk., 19-19: 2 714 131.53 Mk, 1920: 12 732 016.28 Mk., insgesamt also 22 435 897 67 Mk. In 1921 wurde ein Einnahme-Aeberschuh von 7149 S61.65 Mk. erzielt, so bab sich ter Gesamt-Fehlbetrag auf 15 285 933.02 Mk stellt. t --------- Behördliche Anzeigen Bekanntmachung. Betreffend: Behördlihe Bescheinigung über gewerbliche Veräußerung von Luxusgegenständen des § 21 des Ümsatzsteuer- gesetzes vom 24. 12. 1919 in der Fassung des Abänderungsgesetzes vom 8. 4.1922. Gemäß § 201 Abs. 2 der Aussührungs- bestimmun gen zum älmsatzsteuergeseh vom 24. 12. 1919 bringen wir zur Kenntnis, daß alle für das Jahr 1922 ausgestellten Bescheinigungen über die gewerbliche Weiterveräußerung von den im § 21 vorgenannten Gesetzes näher bezeichneten Luxusgegenständen am 31. 12. 1922 ihre Gültigkeit verlieren. Anträge auf Ausstellung einer neuen Bescheinigung sind bis spätestens 10. Dezember 1922 bei den unterzeichneten älmsatzsteuerämtern einzu- reichen. Die Bescheinigungen werden stempel- und gebührenfrei ausgefertigt und sind in den ersten Tagen des Monats Januar 1923 unter Rückgabe der alten Bescheinigung bei unterzeichneten Umsatz, steuerämtem in Empfang zu nehmen. Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 25. Rovember 1922. (103866 Die Finanzämter (Umsatzsteuerämter). Bekanntmachung. Der Rachttagsvoranfchlag der Ge- metnbe Wahenborn^teinberg für das Rechnungsjahr 1921 liegt 8 Tage lang auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht der Beteiligten offen. GS wird eine Umlage erhoben, zu der die Ausmärker bei- zutragen haben. 10390D Watzenborn-Steinberg, 28. Rov 1922. Hessische Bürgermeisterei. Schäfer. Statt Karten Dr. med. Pau! vom Dahl. Bleicherode (Harz) Treis (Hessen) 10375D Gießen, den 29. November 1922 Gut Neu-Nuppersdorf bei Bad Schwartau (Prov. Lübeck) Meine Verlobung mit Fräulein Emmy Büchner beehre ich mich anzuzeigen. Die Verlobung unserer Tochter Emmy mtt Herrn Dr. med. Paul vom Dahl zeigen mir hiermit an. Pfarrer Döchner und Frau Johanna geb. Jochem. z.Z. Wahlbach b. Bürbach (West) November 1922. Ulrich Jürgensen und Frau (Erna geb. Klingspor zeigen hocherfreut dir glückliche Geburt ihres Töchterchens Gisela an Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Gustav Trinkaus Marie Trinkaus geb. Hansel z. 3- Lübeck Rote-nreuz-Klinik Bekanntmachung Sperrzeit für Tauben. Die schlechte Witterung hat eine Verzögerung in der Herbstbestellung und insbesondere der Aussaat zur Folge gehabt. Mit Rücksicht darauf fordere ich die Besitzer von Tauben unter Hinweis auf Artikel 39 Absatz 1 Ziffer 2 des Feld- strafgesetzes vom 13. Juli 1904 erneut auf, ihre Tauben in der Zett vom 24. Ro- vember bis 10. Dezember 1922 einzuhalten, wenn sie nicht Besttafung und den Ab- schuh der Tauben durch das Feldschutzpersonal gewärtigen wollen. 10232B Gießen, den 21. Rovember 1922. DerOberbürgerrneister.I.V.iOr Rosenberg. Palast-Llchtsplele — Llndenplate — riIBHS Grffles n.vflrnehfflstesThBater am Platze Drucksachen aller Art lief“’ » in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und preiswert die Brühl’echt Univ.-Druckerei, R. L*age. Heute letzter Tag: Ihr schlechter Ruf Romanfilm in 5 Akten. AlexanderderGroße Lustspiel in 5 Akten. Ab morgen: Sünden von gestern Aenßerst spann. Film in 5 Akten. Außerd. das wnnderv. Lustspiel Alles um d e Höflichkeit Schnell! Sauber! Reell! Gut! 6876o Hör noch heute: 10387c Das Ende des „Grafen v. Monte Christo“ Ab morgen; Das Weib des Pharao Lichtspielhaus / < Möbelstoffe aller Art und Größe, Tapisserien Kleidungsstocke, Felle, Teppiche peinigen u. färben in bester, sachgemäßester Ausführung k Braubach & Fischer j Neuenwei 4 Seltersweg 79a 1553 Tel. 627 Gegr. 1848