Ar. 229 Erscheint täglich, «rvh« Sonn- uni) Feiertags, mit derSamstagsbeilage: tvtehenerFamilien blätter wonattiche vezugspreife: MK.75.- und MK.5.- TrLgerlohn,durch dieDost ML. 75. —, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsvrech- Anschlüsse: fürdieSchrift» leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. 172. Jahrgang Kettag, 29. September 1922 BietzeimAnzeiger Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtlich 300 Pf., auswärts 400 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 1200Pf. Bei Platz- Vorschrift 20°/, Aufschlag Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; fürden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Geneml-Anzeiger für Oberheffen vnick und Verlag: yrllhl'sche Univ.-Vvch- vnd Steindnlckerei R. Lange. Schriftleitvng, Geschäftsstelle lmd Druckerei: Schulstratze 7. Aus den Erinnerungen Kaiser Wilhelms II. „Ereignisse und Gestalten" (Fortsetzung.) Ich konnte inBrest-Litowsk bei den andauernden militärischen Veranstaltungen aller Art sehr Wohl ! beobachten, daß das Verhalten der russischen Offiziere mir gegenüber wesentlich kühler und hoch- : mutiger war als bei meinem ersten Besuch in ! Petersburg. Rur die kleine Zahl alter Generale, zumal bei Hofe, welche noch aus Alexanders II. Zeit stammten, und mit Kaiser Wilhelm dem Großen bekannt und ihm zugetan waren, trugen ihre Ehr- , furcht für ihn und ihre Deutschfteundlichkeit noch täur Schau. Bei einem Gespräch mit einem von .ihnen über die Beziehungen der beiden Höfe, 'Armeen und Länder zu einander, die ich als ii) Aenderung gegen früher'begriffen fand, sagte der alte General: „C’est ce vilain Congres de Berlin! Une grave laute du Chancelier. II a detruit l'ancienne jamitie entre nous, plante la mSfiance dans les coeurs de la Cour et du Gouvernement, et foumi le Sentiment d'un tort grave fait ä l’armee russe aprös sa campagna sanglante de 1877, pour lequel eile veut sa reyanche. Et nous voila ensemble avec cette maudite Republique Franyaise, pleine de Haine contre vous et remplie d'idees subversives, qui en cas de guerre avec vous, nous coüteront notre dynastie."1) Eine prophettsche Voraussage des Llnterganges des russischen Herrscherhauses! Don Brest begab ich mich nach Straßburg, wo mein Großvater zum Kaisermanöver weilte. Trotz dem Scheitern meiner Mission fand ich eine ruhige Beurteilung der politischen Lage vor. Mefti Großvater freute sich über die herzlichen Grüße des Zaren, die wenigstens im persönlichen Verhältnis der beiden Herrscher keine Veränderung zeigten. Zu meiner Aeberraschung erhielt ich auch vom Fürsten Bismarck ein Schreiben, in welchem er mir Dank und Anerkennung für meine Tätigkeit und meinen Bericht aussprach. Dies bedeutete um so mehr, als meine Ausführungen meinem Großvater und dem Kanzler nicht angenehm sein konnten. Der Berliner Kongreß hatte, zumal in den russischen Militärkreisen, die Beste der bei uns noch gepflegten Waffenbrüderschaft beseitigt unb einen durch den Verkehr mit dem französischen Offizierkvrps geschürten Haß gegen alles Preußisch-Deutsche erzeugt, der von den Franzosen zu dem Wunsche nach Bache durch die Waffen gesteigert wurde. Das war der Boden, auf dem später der Weltkriegsgedanke unserer >Gegner Bohrung finden konnte: „Revanche pour Sedan“ vereint mit „Revanche pour San Stefano.“ Die Worte des alten Generals in Brest sind mir unvergeßlich gebüeben und haben mich zu den vielen Zusammenkünften mit Alexander III. und Rikolaus II. veranlaßt, bei denen mir die von meinem Großvater auf dem Sterbebette ans Herz gelegte Pflege der Beziehungen zu Rußland stets als Leitmotiv vor Augen starch. 3m Jahre 1890 bei den Manövern in Barwa muhte ich dem Zaren die Geschichte des Abganges des Fürsten Bismarck genau schildern. Der Zar hörte mir aufmerksam zu. Als ich geendigt hatte, ergriff der sonst sehr kühle und zurückhaltende Herrscher, der selten über Politik sprach, ganz spontan meine Hand, dankte mir für den Beweis meines 03 er trauend, bedauerte, daß ich in solche Lage gebracht worden sei und fügte wörtlich hinzu: »Je comprends parfaitement ta ligne d’action. Le Prince avec toute sa grandeur n’etait apres tout rien d'autre que ton employe ou fonctionnaire. Le Moment ou il refusait d’agir selon tes odres, il fallait le renvoyer. Moi, pour ma pari, je me suis toujours mefie de lui, et je n’ai jamais cru un mot de ce qu'il me faisait savvir on me disait, car j’£fais <ür et je savais qu’il me blaguait tout le temps. Pour les rapports entre nous deux, mon eher Guillaume - es war das erste Mal, daß mich der Zar so nannte — la chute du Prince aura les meilleures consequences. La mefiance disparaitra. J’ai confiance -en toi, tu peux te fier ä moi." 2) Ich habe mir seinerzeit dieses wichttge Gespräch sofort ausgezeichnet. Ich bin objektiv genug, mich zu fragen, inwieweit die Courloisie von Herrscher zu Herrscher und darüber hinaus vielleicht die Genugtuung über LieAusschaltung eines Sta'atsmannes vonBismarcks Bedeutung für die vorstehende Aeußerung des Zaren bewußt oder unbewußt mitbeftimmenb mar. Der Glaube des Fürsten Bismarck an das Der- *) „Daran ist dieser abscheuliche Berliner Kongreß schuld! Der war ein schwerer Fehler des Kanzlers. XSr hat die alte Freundschaft zwischen uns zerstört, Mißtrauen in die Herzen des Hofes und der Begierung gepflanzt und die äleberzeugung ausgelöst, daß man ber russischen Armee nach dem blutigen Feldzug von 1877 ein schweres älnrecht zugefügt hat, für das sie nun Vergeltung will. Lind nun halten wir mit dieser verwünschten französischen Republik zusammen, die voller Haß gegen Deutschland ist und erfüllt von Llmsturzideen, die uns im Falle eines Krieges mit Ihnen unsere Dynastie kosten werden." 2) „Ich verstehe vollkommen Deine Handlungsweise. Der Fürst war trotz all seiner Größe schließlich doch nichts anderes, als Dein Beamter oder Beauftragter. 3n dem Augenblick, wo er sich weigerte, nach Deinen Befehlen zu handeln, mußte er entlassen werden. Ich meinerseits habe immer Mißtrauen gegen ihn gehegt und ihm niemals ein Wort von dem, was er mich wissen ließ oder selbst mir sagte, geglaubt, denn ich wußte genau, daß er mich immer anführle. Für die Beziehungen zwischen uns beiden, mein lieber Wilhelm, wird der Sturz des Fürsten die besten Folgen 'haben. Das Mißtrauen wird schwinden. 3ch habe Vertrauen zu Dir, Du kannst Dich auf mich verlassen." aus den Jahren 1878—1918. trauen des Zaren war subjektiv zweifellos echt. Außer allem Zweifel steht auch die Achtung, die Alexander III. vor dem staatsmännischen Können Bismarcks hatte. Jedenfalls 'hat der Zar bis zu seinem Tode zu seinem Worte gehalten. An der allgemeinen Po- litik Rußlands hat das zwar nicht viel geändert, aber vor einem Lieberfall von dort war Deutschland wenigstens fidjer. Der gerade Charakter Alexanders III. bürgte dafür — bei feinem schwachen Sohne wurde es anders. Mag man sich nun zu Bismarcks Aussenpolitik stellen wie man will, das eine muß gesagt werden, nämlich, daß der Fürst es ttoh dem Berliner Kongresse und der Annäherung Frankreichs an Rußland verstanden hat, Reibungen ernster Art zu vermeiden. Das bedeutet vom Berliner Kongreß ab gerechnet ein überlegenes diplomatisches und staatsmännisches Spiel über 12 Jahre (1878—1890). Man wird auch hervor- heben müssen, daß es ein deutscher Staatsmann War, der 1878 einen allgemeinen Krieg verhinderte und dafür sogar die Beziehungen Deutschlands zu Auhland schwächte im berechtigten Der- trauen darauf, daß es seiner genialen zielsicheren Staatskunst gelingen würde, sie nach Lieberwindung der allgemeinen Krisis wieder zu stärken oder wenigstens Konflikte zu vermeiden. Das ist ihm 12 Jahre lang und seinen Bach- folgern am Staatsruder weitere 24 Jahre gelungen. — Von der Parteipolitik habe ich als Prinz mich absichtlich fern gehalten und mich ganz auf meinen Dienst in den verschiedenen Waffen, denen ich zugeteift wurde, konzentriert. Dieser gewährte mir Befriedigung und füllte mein Leben aus. Deshalb ging id; als Prinz von Preußen allen Bemühungen aus dem Wege, mich in das politische Parteigetriebe zu zerren. Häufig genug wurde es versucht, mich unter dem Deckmantel harmloser Veranstaltungen, Lees u. dgl. für politische *3irfel oder für Wahlzwecke einzufangen. Ich habe mich immer zurückgehalten. Der Verlauf der tückischen Krankheit, die den Kaiser Friedrich III. dahinraffte, war mir von deutschen Aerzten, die als Experten von Sir Morell Mackenzie, dem englischen Arzt, hinzu- gezogen worden waren, ganz offen vorausgesagt worden. Mein tiefer Schmerz und Kummer waren IUM so größer, als es mir fast unmöglich war, meinen heißgeliebten Vater allein zu sprechen. Er wurde von den englischen Aerzten wie ein Gefangener bewacht, und, während Reporter aus allen Ländern vom Aerztezimmer aus den armen Kranken beobachten durften, wurden mir alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt, an meinen Vater heranzukommen oder mit ihm auch nur schriftlich in dauernder Verbindung zu bleiben; meine Briese wurden oft aufgefangen und nicht abgegeben. Außerdem wurde aus dem De- wachungskreise eine infame, regelrechte Verleumdungskampagne gegen mich in der Presse geführt. Besonders taten sich zwei Journalisten hierbei hervor: ein Herr Schnidrowih und Monsieur Jaques St. Ehre vom „Figaro" — ein deutscher Jude —, der den späteren Kaiser jahrelang in giftigster Weise in Frankreich verleumdete, bis ihm der Prozeß des »Petit Sucrier" den Hals brach. Die letzte Freude, die der sterbende Kaiser erlebte, konnte ich ihm durch den Vorbeimarsch der von mir persönlich dem Vater vorgeführten 2. Garde-Jnfanterie-Brigade bereiten Es waren die ersten und letzten Truppen, welche Friedrich III. als Kaiser sah. Auf einem kleinen Zettel schrieb er seinem dadurch beglückten Sohne auf: Er sei dankbar für die Freude, diese Truppen zu sehen, und stolz darauf, sie die seinigen nennen zu formen. Dieses Ereignis war ein Lichtblick in den schweren 99 Tagen, die auch für mich als Kronprinzen viel Kummer, Demütigungen und Verdächtigungen brachten. Ich beobachtete während dieser Krise pflichtgemäß wach- famen Auges alle Vorkommnisse in militärischen, Beamten- und Gesellschaftskreisen und war innerlich empört über die Zeichen der Lockerung, die ich überall wahrnahm, vor allem aber über die sich mehr und mehr bemerkbar machende Feindschaft gegen meine Mutter. Qtuf der anderen Sette mußte mich dip andauernd gegen mich gerichtete Verleumdungskampagne, die mich als mit meinem Vater im Zwiespalt befindlich schilderte, tief verletzen. Die Wirtschaftspolitik Sowjet- RrrßlandZ. Berlin, 28. Sept. Die Zeitschrift „Der Wiederaufbau" veröffentlicht einen Aussatz über die neue Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung, der von Krassin, dem russi- fd)en Volkskommissar für den Außenhandel, rer= fafit ist. Krassin gibt vom gegenwärtigen Stand der Wirtschaftsordnung folgende Darstellung: Für die Bauernschaft ist nach Rationalisierung und teilweiser Aufteilung des Großgrundbesitzes das Prinzip der freien Wirtschaft in der neuen Wirtschaftspolitik durchgeführt. Ebenso ist für den kleinen Gewerbetreibenden wie auch für den Binnenhandel wieder die freie Wirtschaftsform gewählt worden, während für die mittleren Betriebe Fachverträge, für die großen industriellen »Unternehmungen Konzes f i o n s v e r t r ä g e zum neuen Wirtschafts- Programm gehören. Diese neue Wirtschaftsform, welche die überwundene kommunistische ablöst, kennzeichnet fid) somit alsStaatskapitalis- m u s, der eine möglichst weitgehende staatliche Regelung aller wichtigen industriellen Zweige und Haupttriebkräfte des volkswirtschaftlichen Lebens sowie der Produktionsauellen anftrebt Der Ernst der London, 28. Sept. (WTD.) Die Abend- Presse weist auf den großen Emst der Lage im nahen Osten hin und erklärt, der Friede hänge an einem Faden. Heute wurden um 11 älhr vormittags und 4 älhr nachmittags Sitzungen des britischen Kabinetts abgefjalteri, in welchen die Lage im nahen Osten erörtert wurde. Dor der ersten Kabinettssitzung, die zwei Stunden dauerte, empfing Lloyd George den brttischen Botschafter In Berlin, Lord d'Abernon. Auch amt- liche Kreise halten, tote gemeldet wird, die Lage für ernst. Verschiedene Divisionen türkischer Truppen sollen sich in der Gegend von Jsmid konzentrieren. Man glaubt, daß sie die neutrale Zone überschritten haben, jedoch stehe eine Bestätigung dieser Meldung noch aus. Die Blätter erklären, falls sich die Meldung bewahrheite. würden die Alliierten in Konstantinopel gefährdet sein. König Konstantin gefangen genommen. Einer seiner Minister getötet. Paris, 29. Sept. (WTD.) Bach einer Havasmeldung aus Genf hat die griechische Delegation, an deren Spitze der ehemalige Minister Streit steht, die telegraphische Mitteilung erhalten, König K o n st a n t i n sei am 28. September nachmittags von den revolutionären Truppen gefangen genommen uni) einer seiner Minister getötet worden. Athen, 27. Sept. (WTB.) Verspätet eingetroffen. Wie das Pressebureau berichtet, richtete König Konstantin an den Ministerpräsidenten folgendes Schreiben: Die in Griechenland nach dem Llnglück in Kleinasien und infolge des drohenden Verlustes Thraziens entstandene Bewegung hat bei einem Teil meiner Untertanen den Gedanken bestärkt, daß mein Verbleiben auf dem Throne unsere mächtigen Freunde hindere, Griechenland wirksam zu Hilfe zu kommen. Ich teile keineswegs diese Auffassung. Da ich jedoch sehe, daß diese irrige Meinung das Land einem inneren Kampfe entgegenführt, und in der ErwägunZi daß ber bruL-ennorderische Zwist den Gnadenstoß für Griechenland bedeuten würde, habe ich mich entschlossen, abzudanken, um ihm zuvorzukommen. Ich verzichte auf den Thron." Die ganze Rächt perlief ruhig. Seit heute früh herrscht in Athen vollste Ordnung. Athen, 28. Sept. (Wolff.) Konstantin richtete an das griechische Boll eine Botschaft, in der er darauf hintoeift, daß die Einigkeit der gesamten Ration die Vorbedingung für die ilcbertoinbung der gegenwärtigen Schwierigkeiten fei und daß er zugunsten des Prinzen Georg a b d a n k e. um der Einigkeit nicht im Wege zu stehen. Schließliche erklärt er, er sei bereit, an der Spihe der Armee für die Interessen des Landes zu kämpfen, falls die Regierung und das Griechenvolk es wünschten. Veniselos. Paris, 28. Sept. (Wolff.) Der „Chicago Tribüne" zufolge wird D e n i s e l o s am Samstag aus dem Seebad Deauville nach Paris zurückkehren. Zur Zeit halte er in Deauville mit griechischen Persönlichkeiten, die jetzt in Frankreich und England leben, Besprechungen über die Haltung, die Griechenland den Alliierten gegenüber einnehmen solle, ab. Paris, 28. Sept. (WTD.) Havas betrag tet in einer Meldung aus Athen die erste Phase der griechischen Revolution als abge- schlossen. Die aufständischen Truppen seien im Piräus gelandet und in den öffentlichen Gebäuden untergebracht worden. Die Besetzung von Athen fei ohne Blutvergießen vor sich gegangen. Die Royalisten hätten unter Führung des Generals Konstantinopulus und des Obersten Sutos, der Platzkommandant von Athen war, einen bewaffneten Widerstand gegen die Rebellen versucht, aber die veniselistischen Elemente, geführt von General Pangalos, hätten sich ihrer Bewegung widersetzt, sich der Platzkommandantur bemächtigt und den Platzkvmmandanten verhaftet. Schließlich seien sie Herren der Lage geblieben und die royalistischen Truppen seien in ihre Quartiere zurückgefü'hrt worden. Der König habe ein Manifest veröffentlicht und feine Abdankung zugunsten seines ältesten Sohnes, des Prttizen Georg, angezeigt. * Paris, 28. Sept. (WTB.) Das „Petit Journal" schreibt: Durcy seine übertriebenen persönlichen Ambitionen sowie durch feinen Mangel an älrteilsfähigkeit und Lovalttät hat König Konstantin das Werk von Veniselos zerstört und fein Land zerstückelt. In Frankreich wird man sich immer daran erinnern, daß Konstantin einer seiner Feinde gewesen ist. Er war von Herzen Deutscher, bevor er Grieche war. „Oeuvr e" schreibt: Veniselos hat wie König Konstantin selbst seine Popularität nur dadurch erreicht, daß er den Größenwahn der Griechen ausbeutete, indem er für sie ein Reich verlangte, das über Griechenlands Kräfte hinausging und indem er die Griechen in die Abhängigkeit von Großbritannien und in einen Eroberungskrieg führte, den durchzuführen Griechenland nicht fähig war. Veniselos hat Wind gesät, und die Hellenen ernten jetzt den Sturm. Der „Figaro" nennt die Revolte der bc^ siegten griechischen Armee die gewohnte Folge der Riederlage. Ein doppeltes Beispiel dafür Lage im Osten. hätten auch Rußland und Deutschland gegeben. Das Blatt hofft, daß die Türkei das Friedens- Werk nicht durch eine gewisse Ungeduld im Siege gefährde. Das „Echo de Paris" schreibt: Die Abdankung König Konstantins ist die logische Folge von Ereignissen, die im Verlaufe eines einziger. Monats Griechenland zu einem vollständigen militärischen und pvlttischen Zusammenbruch geführt haben. Von dem Augenblick an, wo man den verbannten Monarch zurückrief, wurde die Katastrophe Griechenlands unvermeidlich, die es heute erschüttert. In Frankreich kann man nur Freude empfinden über die endgültige Abdankung des- jenigen, der stets sein hartnäckiger Feind gewesen ist. London, 28. Sept. (Wolff.) Die Abdankung Konstantins. wird von der Presse begrüßt. Es wird betont, daß die griechische Revolution die Schwierigkeiten im nahen Osten vermehrt .habe. Die „Time s" schreibt, nur wenige Leute Abdankung König Konstantins empfunden. Er des vormaligen deutschen Kaisers bedauern. Die Riederlage habe feinen Sturz unvermeidlich gemacht. „W e st in i n st e r Gazette" schreibt, weder äleberraschung noch Bedauern werde über die Abdankung König Konstantins empfunden. Es sei kein Freund Englands gewesen. Vom europäischen Standpunkt aus gesehen sei es notwendig, daß Griechenland eine Regierung erhalte, mit der die Mächte verhandeln Eö nuten und die an der Konferenz teilnehmen könne. „Daily Chronicle" meint, für die Staatsmänner in England und den anderen alliierten Ländern könne der Sturz Konstantins keinerlei wichttge Auswirkung in politischer Beziehung haben. Es liege im Interesse aller, daß •Unruhen vermieden würden und daß wieder ebu stete Regierung in Griechenland zustande komme Abdankung des Sultans. London, 29. Sept. (WTD.) Reuter meldet aus Konstantinopel von gestern nachmittag 3 Ahr: Obzwar keine offizielle Bestätigung vorliegt, wird in gut unterrichteter Kreisen mitgeteilt, daß der Sltan zugun- stendeSTHronfolgersAbdulMed- schijdabgedankthabe. Ein englischesBataillon und 1000 Mann derbritischenLuftstreitkräfte sind gestern in Konstantinopel eingetroffen. Ein Aufruf an die deutsche Landwirtschaft. Berlin, 28. Sept. (WTB.) Ernteopfer für Oberschlesien! Der Reichsausschuh der deutschen Landwirtschaft, in dem alle landwirtschaftlichen Körperschaften zusammenge- schlossen sind, hat folgenden Aufruf an die gesamte deutsche Landwirtschaft gerichtet: An das deutsche Lairdvoll! Deutsche Brüder! Die Landbevöllerung Oberschlesiens steht vor der Vernichtung oder vor dem traurigen Ausweg des restlosen Unterganges im Polenturn. Gin Land, seit Jahrhunderten dem Reiche treu, wendet sich durch den Oberschlesischen Hilfsbund an die Landbevölkerung des ganzen Reiches. Der Oberschlesifche Hilfsbund, der bei feiner vaterländischen Arbeit die Unterstützung aller Schichten des deutschen Volles fand, ist die einzig berufene Stelle, alle Kräfte zu diesem großen sinterst ühungswerk zu sammeln. Darum helft ihm bei dem Erntevpfer für Oberschlefien. Blühende deutsche Besitzungen wurden von polnischen Räuberbanden überfallen und ausgeplündert. Große Teile des Viehbestandes wurden zwecklos hingeschlachtet oder fortgetrieben. Weite Teile deutschen Bodens wurden von Polen mit fremden Hilfsmitteln auf- gekauft. Deutsche Landwirte wurden verschleppt oder erschlagen. Ihre Felder liegen auf Jahre hinaus brach. Eine getoaltige Rot im ganzen Land ist die Folge. — Hier muh die Hilfe des ganzen deutschen Landvolles einsetzen. Wehrlos gegenüber stehen die deutschen Landwirte Oberschlesiens dem unersättlichen polnischen Landhunger. Wer sich zum Deutschtum bekennt, hat weder Saat nod) Ernte. Deutsche Dauern sind es. bi» Euch um Hilfe bitten. Auf Euch allen lasten Sorgen, aber wenn jeder von Euch nach besten Kräften gibt, und wären eS auch nur einige Sack Kartoffeln, dann ist gehokfen. 'Darum gebt Eure Spende willig unb ohne Zögern zum Emte- opfer für Oberschlesien. Don der Völkerbundsversannnkung. Genf, 28. Sept. (Wolff.! Die Völkerbunds-^ Versammlung genehmigte den Bericht des zweiten Ausschusses (Technische Organisationen) über die Tätigkeit des Wirtschaftskomitees und Fmanzkomitees des Völkerbundes, in dem ausführlich auf die Resolution Cecil-Jouve- n e l Bezug genommen wird. Rach dem Bericht sprach der zweite Ausschuß die Hoffnung aus. daß diese Resolution die glücklichsten Folgen haben werde, die Wirtschafts- und Finanzorgani- sation des Völkerbundes werde stets zur Mitarbeit bereit fein, falls der Völkerbund zur Mitwirkung an der Lösung der großen Fragen, auf die die Resolution hinzielt, aufgeforbert werden sollte. Auch der Berichterstatter txm Shsinga- Hvlland machte in feiner Rede auf diesen Passus des Berichtes besonders aufmerksam. flmerih will deutsche Farbstoffe fordern. 21 eu hort, 28. Sept. (Wolff. Durch Funk- spruch.) Die „Deuhork Times" melden aus Washington: Staatssekretär Hughes arbeitet einen Plan aus wonach es vorbeHattlich der Zustimmung der Reparationskommission den Vereinigten Staaten gestattet sein soll, ihren Anteil in Gestalt von deutschen Farbstoffen ohne Geldbezahlung zu erhalten. Der Preis der Farbstoffe soll der amerikanischen Forderung von 256 Millionen Dollar für die Unterhaltung der amerikanischen Desatzungstruppen am Ak he in gutgeschrieben werden. Der Streik der französischen Seeleute. P ar iS, 28. Sept. (Wolfs.) Die Streikbewegung unter den französischen Seeleuten ist im Anwachsen begriffen. In Le Havre wird für morgen ein allgemeiner Ausstand erwartet. In Bordeaux dehnte sich der Streik auf drei weitere Passagier- dampfer aus. Aus dem Reiche. Beschlüsse des Reichsrates. Berlin. 28. Sept. (WTB.) Der AeichS- rat hat die Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über Mahnahmen gegen die wirtschaftliche Rotlage der Presse ch der vom 5. Ausschuß dä Reichstages gebilligten Fassung unverändert angenommen. — Der Reichs rat genehmigte ferner die Verordnung über Reichszuschüsse zu den Kosten der öfsentllchen Arbeitsnachweise, wobei es sich um einen Reichsbeitrag von 40 Missionen Mark handelt, von denen 35 Millionen den Ländern zur Unter- Verteilung zugeführt werden. — Weiterhin wurde der Höchstbetrag der Darlehnskassen- scheine entsprechend dem Anträge der Reichsregierung auf 75 Milliarden Mark festgesetzt. Die Rot der Presse. Rach einer Meldung des „Lokalanzeigers" auS München geht die unabhängige ,.Munchener Morgenpost" am 1. Oktober ein. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" geben an Stelle des am 1. Oktober eingehenden Morgenblattes eine besonders zu abonnierende Telegrammzeitung aus. Die beiden vollsparteilichen Blätter, „Landshuter Zeitung" und „Straubinger Tageblatt" werden mit dem „Regensburger Anzeige r" vereinigt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 29. September 1922. Preiskontrolle auf dem Gießener Wocheumarkt. Sine Marktkommission aus Derbraucher- kreifen. Die Preisprüfungsstelle der Stadt Gießen teilt uns mit, daß durch Beschluß der städttschen Lebensmitteldepu- tcttion eine Marktkommission aus Ilerbraucherkreisen eingerichtet worden ist, deren Aufgabe es ist, die P r e i s g e - sdaltung auf dem Wocheumarkt z u überwachen. Ueberbietungen der allgemeinen Marktpreise seitens der Händler, wie auch seitens der Käufer sollen für die Folge unnachsichtlich zur Anzeige gebracht und die Namen der betreffenden Personen veröffentlicht werden. Die Teuerungszahlen kn den fünf größten hessischen Städten auf Grund der Preise vom 20. September (23. August) betrugen für Mainz 11269 (7707), Darmstadt 11 161 (7340), Offenbach 11 556 (7639), Worms 11030 (7440), und Gießen 11 161 (7197). Alle Lebensmittelpreise, ausgenommen der Kartoffelpreis, sind im September gewaltig gestiegen. Ganz besonders sind die Preise für Brenn- und Leuchtstoffe, Fett und Fleisch, sowie Nährmittel und Zucker emporgeschnellt. Der Hessische Landgemeindetag wird am Mittwoch, 11. Oktober, in Frankfurt seine dritte Dertreterversammlung abhalten. U. et. fei die Finanznot der Gemeinden, die Ent» schädigung der Gemeinden für die Dienstgeschäfte der Reichsfinanzverwaltung, die allg. Derwalttrngsreform, die Prüfungsordnung für die Beamten der Landgemeinden, der Urlaub der Demeindebeamten beraten und die Wahl von Berttetern der waldbefitzenden GemeindenzumForstarbettsamt oorgenommen werden. Bertteter der Ministerien haben ihr Erscheinenen zu- gesagt. Am gleichen Tage wird auch der Landesverband hessischer Bürgermeister am gleichen Ort zusammentreten, um verschiedene wichtige Stanbesfragen zu erledigen. Die neuen Beiträge zur Invalidenversicherung ab 1. Oktober. Am 18. Juli hat der Reichstag das Gesetz über Lohnllassen, Leistungen und Deittäge in der Invalidenversicherung beschlossen, das am 1. Oktober in Kraft tritt. Den bisherigen acht Lohnstufen sind fünf neue angegliedert worden. Ab 1. Okwber gelten folgende Lohnstufen und Beitragssätze: Beittagsstufen A bis M. 1000 Lohn B von mehr als M. 1000 bis wöchentt. Beittag M. 3.50 M. 3000 „ 4.50 C „ ,, ,, 3000 „ 5000 5.50 D „ „ „ „ 5000 „ „ 7000 „ 6.50 E „ „ ,, „ 7000 „ ., 9000 „ 7.50 F „ „ .. 9000 ,, „ 12000 „ 9 — G „ „ „ „ 12000 „ 15000 „1-0.50 H „ „ „ „ 15000 „ „ 18000 „12.— I „ „ „ „ 18000 ,, 27000 ., 18.— K „ „ M ,, 27000 ,, „ 39000 „24.— L ......39000 „ „ 54000 „32 — M ,, „ „ „54000 „ „ 72000 „42.- N 72000 ,, 52.- Kein Eintritt in die Reichsmarrne ohne vorherige Gestellungsauffordernng. In letzter Zeit häufen sich die Fälle, dah sich bei den M-arineteilen junge Leute als Freiwillige — besonders aus den abgetretenen Gebieten — zum Eintritt in die Reichsmarine persönlich melden in der Annahme, dah sie sofort eingestellt werden könnten. Sie geben in der Regel an, von Behörden, Polizei, Arbeitsnachweisen. Grenzstellen usw. Anweisung oder den Rat erhalten zu haben, sich in einen Marinestandort zu hegeben: „Dort würden noch junge Leute eingestellt." So erwünscht der Zuzug junger Leute zur Reichsmarine ist, so muh doch dringend von persönlicher Meldung ohne vorherige Gestellungsaufforderung abgeraten werden. Die ernsten Aufgaben, die unserer Marine zufallen, und die 12jährige Dienstverpflichtung, die der Freiwillige aus fich nehmen muh, bedingen, dah nur körperlich und sittlich bestes Personal, das die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, im Alter von 17 bis 21 Jahren eingestellt wird. Bor der Gestellung beim Marinetell ist eine vorläufige ärztliche Untersuchung und eine eingehende Feststellung der persönlichen Dehältnisse des Freiwilligen unbedingt nötig. Die Erfahrung hat gelehrt, dah die meisten jungen Leute, die unaufgefordert bei den Marineteilen erscheinen, für den Marinedienst körperlich untauglich, dah sie nicht im Besitze der nötigen Papiere sind und dah sie ihre Staatsangehörigkeit und Unbescholtenheit nicht nachweisen können. Auch sind nicht immer Stellen frei. Ihre Einstellung kann dann häufig nicht erfolgen. Da sie meistens von weither kommen und die Mittel zur Heimreise nicht besitzen, müssen sie an die Arbeitsnachweise, Stadtmission usw. gewiesen werden, damit sie sich wenigstens das Fahrgeld für die Rückreise erarbeiten können. Den Gefahren der Groh- und Seestädte sind solche jungen Leute, zumal wenn sie keine Arbeit finden, ganz besonders ausgesetzt. Es wird daher darauf hingewiesen, dah die jungen Leute, die als Freiwillige in die Reichsmarine eintreten möchten, nicht ohne G e st e l l u n g s a u f f o r d e r ung eines Marineteils in die Standorte der Reichsmarine reifen, sondern sich schriftlich an die Schiffsstammdivision (Personalamt) in Kiel oder in Wilhelmshaven wenden. Don dott erhallen sie zuverlässige Auskünfte; von dort werden ihre persönlichen Verhältnisse geprüft; von dort wird die vorläufige ärztliche Untersuchung veranlaht und sie erhalten von dort schließlich auch, wenn sie für geeignet befunden werden, die Lllifsorderung zur Gestellung. ** Amtliche Persvnalnach richten. Ernannt wurden: Am 21. September der Lehrer Friedrich Anton Spielmann zu Heldenbergen, Kreis Friedberg, zum Rektor an der Volksschule zu Heldenbergen; am 23. September der Lehrer Dr. Georg Rein Die Herrveghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill. 3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Diese Badewanne war das ständige Kampf- objeft zwischen Lutz und seiner Mutter, denn immer, wenn man baden wollte, lag etwas darin, gehaltenes Holz oder eingelegte Wäsche, und es mußte erst alles ausgeräumt werden. „Dieser Umftanb allein tarn einem das Familienleben verleiden," fügte Lutz mißmutig hinzu. Der Kamps verlies ergebnislos. Geh m den JSngel“, wurde er verwiesen. Die Mutter, in Anspruch genommen von ihren Vorbereitungen, hatte Ernst gar nicht bemerkt. Generals wvlllen zum Essen kommen, die Schmidt hatte zugesagt, sie sagte niemals ab, und Herbert sollte zu Doktor Rickert laufen und ihn dazu bitten. „ Für was denn auch noch den?" fragte der Lümmel, der von jedem neuen Gast Porttonenverkürzung fürchtete. Was hatte man denn von ihm, Liane wollte ja buch nicht heiraten. „Wenigstens nicht Doktor Rickert," sagte diese. „Na, wen beim sonst, deine Aestheten haben ja selber nischt." „Man braucht sich ja nicht unbedingt zu verheiraten." fand Liane. Redensarten," mischte sich Emst ein. „Doktor Rickert ist ein sehr tüchtiger Arzt und hat die größte Kinderpraxis in ganz Rheinau." „Das ist doch kein Grund, mich mit ihm trauen zu lasten," sagte die Schwester. Sie hatte ihren elegischen Tag; ihr Geld war wieder einmal zu Ende, und bei Lutz hatte sie auch vergebens angepocht. „Verdient wat," sagte der Lümmel. „Im Sarasani kriegt die Schulreiterin jeden Abend hundert Mark, für was hast du denn Reiten gelernt? Unb unser Ernst hat sich auch auf so ein brotloses Handwerk verlegt. Bis der mal Amtsrichter ist, hat er graues Haar. Doktor Rickert kriegt für jebe Operation fünfhundert Mark, und der Ehrlich hat fich schon ein Haus am Kurgarten zasammenplädiert." „Halt den Rand," wurde er verwiesen, „und sieh, daß du selber etwas wirst." Lutz goß sich aus der unerschöpflichen Karme von neuem Kaffee ein. »Ach Kinder, ihr sitzt noch immer da." sagte Frau von Herwegh, die wieder mit einem dampfenden Napfkuchen hereinkam. „Unb ich hab' alle Hände voll zu tun. Liane könnte den Tisch decken, und sei lieb und gut. mein Goldiger, und lauf zu Generals und hol mir ihre Kristall- schalen für das Aprikosenkompott." „Warum denn so schrecklich viel Süßes?" fragte der bleiche Lutz. „Ein guter Heringsalat wär mir bedeutend lieber wie der ganze Fraß." „Geh, mein Lieber," wiederholte die Mutter, „und bestelle Doktor Rickert für halb zwei. Ihr seid gar feine höflichen Kinder, nur Ernst ist gefällig." Daraufhin trennte sich der Lümmel von dem Kasteettfch und schob zur Türe hinaus, ittcht ohne Liane zu ermuntern. „Und sei auch recht freundlich zu Doktor Rickert." „Ach Gott, dieser Zunge," seufzte Liane, indem sie sich erhob. „Er wäre viel besser in einer Erziehungsanstalt aufgehoben. Wo sind denn die Tischtücher, Mama, und wieviel Servietten soll ich auflegen ?“ Die Mama zählte an den Fingern: „Her- weghs fünf, die Schmidt sechs, Generals acht, Rickert neun —“ zu Wieseck, Kreis Gießen, zum Rektor an der Volksschule zu Wieseck, Kreis Gießen. □ Dem Reichs-Zugendwohl- fahrtsgesetz entsprechmrd finden zur Zeit im Ministerium des Innern eingehende Erwägun- gen über die hessischen Ausführungs- estirnmungen statt. Von besonderer-Wich- tigfeii ist die Frage, welche Behörden und Organe mit der Fürsorge für die Zugend betraut werden. Vielleicht können die betreffenden Ausführungsbestimmungen schon am 1. April des kommenden Zahres erlassen werden. ** D i e Mindest frucht für Expreßgut erhöht sich ab 1. Oktober auf 75 Mark. * Internationale Antwortscheine. Nach den für den WeltpostverUhr geltenden Vorschriften kann der Absender eines Briefes die Gebühr für die Antwort im voraus entrichten, indem er fernem Schreiben einen Antwortschein neuer Art sUmtauschwert 50 Centimes) ober zwei Antwort scheine alter Art (Umtauschwert 25 Centimes) beifügt. Bei ben deutschen Postanstalten werden bis auf weiteres nur Antwortscheine alter Art l Umtauschwert 25 Centimes) verkauft. Im Ausland wohnende Empfänger von Briefen aus Deutschland beflagen sich häufig, daß ihnen beim Umtausch deutscher Antwortscheine nur Marken im Wert der 'halben @ebübr für einen Brief nach Deutschland verabfolgt worden seien. Diese Klagen sind darauf zurückzuführen, dah die deutschen Absender ihrem Brief nur einen Antwortschein beigefügt hatten. Es wird deshalb daraus hingewiesen, daß, wenn der deutsche Absender eines Brieses nach dem Ausland die volle Gebühr für einen Antwortschein vorausentrichten will, er seinem Schreiben bis auf weiteres zwei Antwortscheine beifügen muß. da im Ausland nur für zwei deutsche Scheine eine Freimarke im Wert der einfachen Auslarrdbriefgebühr abgegeben wird, wird. ** Vorträge in den Gewerbevereinen und Dezirksverbänden will die Zentralstelle für die Gewerbe und Landesgewerbeverein auch im bevorstehenden Winter möglich machen. Nach Beschluß des Ausschusses des Landesgewerbevereins formen den Gewerbevereinen zu solchen Vorträgen Zuschüsse gewährt werden, und zwar für einen Redner am Ort 100 Mark, für auswärtige 200 Mark. Die Fahr kosten dritter Klasse müssen jedoch die Gewerbevereine übernehmen, ebenso die kostenlose Uebernachtting der Redner in Privatguartieren. Da dem Lanbes- gewerbeverein für dieses Zahr zu Vorträgen insgesamt rund 10 000 Mark zur Verfügung stehen, so können Vereine von 20 bis 100 Mitgliedern zu einem Vortrag unterstützt werden. Vereine über 100 bis 300 Mitglieder zu je zwei Vorträgen und jeder Dezirksverband mit je einem Vortrag. Die Zentralstelle nimmt eine Rednerliste bt Aussicht, doch rät sie den Ortsgewerbevereinen, möglichst von sich aus geeignete Redner zu beschaffen. Die Vorträge sollen sich über gewerbliche und wirtschaftliche Fragen, besonders tm Steuerwesen, erstrecken. ** Von der Gießener Pferde- markt-Lotterie fiel ein Gewitm von 10 000 Mk. auf Nr. 13 678. 5000 Mk. Prämie und 10 Mk. Gewinn auf Nr. 10 361. Ze 1000 Mark fielen auf die Nummern 2855 und 5159, je 500 Mk. auf die Dummern 12186, 17 663, 22 649 und 23 828. Wettervoraussage für SamStag : WoMg bis heiter, trocken, schwache westliche Winde, kühl, Nebelbildung. Eine Tiefdruckfurche läuft heute von Island über die Nordsee und Deutschland bis zum Mittelmeer. Sie ruft Bewölkung und zeitwellige Niederschläge hervor. Bei allgemein steigendem Barometerstand haben wir wieder besseres Herbstwetter zu erwarten. Borno trzcn. — Tag es ka l en der für Freitag. Volkshochschule: 8 Uhr Besprechung in der Oberrealschule, wichtige Tagesordnung. — Einen schwedischen Kunst- film, dem die Kritik einen hervorragenden Platz in der Reihe der bemerkenswerten Kinoschöpfungen zugesprochen hat, sicherte sich das Lichtspielhaus,Bahnhof st raße, von heute ab zur Vorführung. ES handelt sich um den Film „Erotikon" (ein Spiel von der Liebe Leid und Lust), der seine deutsche Urauf- führung im Marmorhaus in Berlin erlebte und dort allenthalben sehr beifällig ausgenommen wurde. Die Berliner Tagespresse sowohl wie die Kinv-Fachzeitungen versichern nach den uns vorgelegten Pressestimmen übereinstimmend, dah dieser Film „einer der ent» „Du weißt ja noch nicht, ob er kommt, Mama." „Der kommt," sagte die Mutter. „Also dann sind wir neun, unb ich muß den Tisch ausziehen. Dabei muh mir aber einer helfen, zu solchen Hausknechtarbeiten fehlen mir die Kräfte/' ßiane ging, gefolgt von Lutz, der ihr in dem dunklen Flur auf die Schleppe trat, was ein zorniges Duett zwischen den beiden zur Folge hatte. „Du kannst niemals aufpassen." „Ich hab' doch an den Füßen keine Augen." Mit dem Geburtstag war es nichts, sagte sich Ernst. Unb er stieg in feine Mansarde hinauf, um ferne Geige hervorzuholen, wie jeden Sonntag. Da Lutz wegen „seines Rheumas in der linken Schulter" nicht in einem ungeheizten Raum schlafen konnte, hatte Ernst sich hier oben in der „Eisregion" eingerichtet mit seinen Büchern und Sammlungen. Die schrägen Wände zierten alte Geigen, Flöten, Mandolinen, Kastagnetten und Banjos mit bunten Bändern, dazwischen schauten die Köpfe berühmter Komponisten heraus, per weißhaarige Kantor Dach, der lang- mähnige Liszt, das feine melancholische Profil eines Chopin unb der zerwühlte Kopf eines Schubert mit ben Feueraugen, der sanfte Lyriker Schumann, Beethovens finstere Maske, der heitere Mozart. Lieber ben mit Bücherstößen und Papier überschwemmten Sekretär hing ein welker Lorbeerkranz, auf dessen rotseidener Schleife sich dankbare Schüler verewigt hatten, mit denen Ernst einmal zum Besten von auf dem Rhein verunglückten Schiftern ein Konzert gegeben hatte. Wenn der kleine Kanonenosen Brannte und Trina Staub gewischt hatte, war es ein sehr behaglicher Raum, aber heute hatte sie vergessen, das Feuer anzuzünden, sie drang eigentlich nur zuckenosten" sei und etwas ganz BesottdereS darstelle, der das Interesse des PublllumS voll und ganz verdiene. Näheres im heutigen Anzeigenteil. — „Sodoms Ende" ist ein Grvhfilm betitelt, ben bie Palast-Lichtspiele von heute "ab zur Aufführung bringen. Das Werk ist nach dem Drama von Hermann Sudermann bearbeitet «und hat überall guten Anklang gefunden. Näheres im Anzeigenteil. — Safe Astoria: Ab I. Oktober das Künstler-Trio Hiller-Opeh. (Siehe Anzeigenteil.) Kreis Alsfeld. * Burg-Gemünden, 27. Sept. Das ElektrizitätswerkDicknertsmühle zu Nieder-Gemünden plant eine Kapitals- aufnahme in Höhe von 400000 Mk. Die Gemeinden Nieder- und Burg-Gemünden, sowie Bleidenrod wollen die Bürgschaft übernehmen. Kreis Friedberg. * Bad-Nauheim, 28. Sept. Bis heute betrug der Gesamtbesuch 37 530 Personen. f * Bad-Nauheim, 27. Sept. Die Stadt- verordneten-Dersammlung genehmigte in ihrer gestrigen Sitzung eine Vorlage betreff- Familien-Krankenversiche- rung für die städtischen Arbeiter bei der hessischen Beamten-Krankenkasse. Diese Versicherung soll nach Staatsmuster gehandhabt wer- ' den und ist, soweit Familienmttglieder in Frage kommen, eine freiwillige. Die Ortskrankenkasse kann diese Versicherung nur dann übernehmen, wenn alle, auch der Arbeiter, bei ihr versichert sind. Betont wurde vom Vorsitzenden, dah die Versicherung eine freiwillige sei und der Stadt insofern Kosten erwachsen Formten, daß sie ein Drittel der Beiträge zahlen müsse. Die Arbeiter aber hätten schon lange den Wunsch, ihre Familienmttglieder versichert zu wisien, und so wolle man den Versuch machen. — Der Bahn- h o f s m i s s i o n wurde anläßlich ihres 25jährigen Bestehens und in Anerkennung ihrer segensreichen Tätigkeit eine städtische Zubiläums- spende von 5000 Mark gewährt. Starkenburg und Rheinhessen. * Mainz, 27. Sept. Eine unliebsame Ueberraschung wurde am Montag hier vielen Hunderten von Beamten dadurch zuteil, dah sie ihr für diesen Tag fälliges Gehalt nicht erhalten konnten, well es an dem notwendigen Bargeld fehlte. Sowohl die Bezirkskasse als auch die von dieser angerufene Reichsbankstelle waren nicht in der Sage, das erforderliche Bargeld in ausreichender Höhe zu stellen. Die Knappheit in Papiergeld machte sich um so nachdrücklicher bemerfbar, als in den letzten Tagen hier viele Millionen zur Auszahlung gelangten, für die nicht sofort der erforderliche Nachschub einttaf. Wie indes versichert wird, soll die Zahlungsstockung nur von ganz kurzer Dauer sein. Hessen-Rassau. spd. Franks urta. M., 28. Sept. Im Stadt- teil Oberrab stieß am Mittwoch abenb ein mit Kohlen belabenes Lastauto mit voller Wucht gegen einen von Offenbach kommenden S t r a - ßenbahnzug. Der Zusammenstoß war so ge- toaltig, daß der Mo t o r wage n bet Straßenbahn sa st vollständig zertrümmert wurde. Der Führer mußte sofort in das Krankenhaus gebrad?t werden. Einer der Fahrgäste flog durch das Fenster auf die Straße, erlitt aber sonst keine Verletzungen. Der Sachschaden ist außerordentlich groß. — Am Eschersheimer Turm versuchte ein Mainzer Gastwirt auf eine rasch fahrende Straßenbahn aufzuspringen, rutschte dabei aus unb geriet unter d ie Räder , bie ihm am Kopf und ben Armen schwereVerlehun- gen zufügten. In der Franz-Rückert-Strahe sprang trotz eindringlicher Verwarnung eine ältere Frau von einem Wagen der Linie 4 und kam so unglücklich zu Fall, daß sie sich lebensgefährliche Kopfverletzungen zuzog. Beide Verletzte tarnen in das städtische Krankenhaus. — Maximbar unb „Tanz-Meier", zwei bekannt? Nachtlokale, wurden am Mittwoch abenb durch die Polizei ausgehoben, ba in beiden Wirtschaften unter dem Deckmantel der gefchloftenen Gesellschaft weit über die Polizei- Heutiger Stand des Dollars 10 Uhr vormittags: Berlin 1650, Frankfurt 1640—1646. au fr äumenb hier em, wenn sie nebenan auf dem Trockenboden Wäsche aufhing. Emst Holle seine Geige aus dem Kasten und stimmte sie, aber es wollte nicht recht gehen. Er schaute, während er spielte, gedankenvoll nach dem grünen Schimmer über dem Häusermeer am Horizont. Dort oben in den Wäldern „unter den Eichen" hatte er Grete versprochen, am Vormittag hinzukommen. Er hatte das Gefühl, als ob fte heute von ihm die Entscheidung erwarte. Er war der Heimlichkeiten selber satt. Zeden Sonntag kam bet Rüdesheimer Vetter herüber, ben bie Großmutter, die ben zweiten Stock des Kollinschen Hauses bewohnte — sie hatte das entscheidende Wort zu sprechen, denn von ihr stammte der Reichtum —. als Gretes künftigen Gatten auserwählt hatte, und er mußte mitansehen, wie Grete mit diesem rvsenwangigen blonden jungen Manne mit der fröhlichen Stumpfnase im Kurgarten auf unb ab wanbeite zu den Klängen der Ouvertüre der „Lustigen Weiber", während er sich in ben Ecken herumdrückte. Wenn er heute vor ihren Vater trat: ich attle um, ich werbe Rechtsanwalt! — aber dann ah er immer vor sich ein blinkendes Messing- chilb an bem Eingang eines dreistöckigen Hauses nmitten der staubigen, lärmenden Stadt. Sei» Ideal war das Land. Droben in ben Bergen, in bet Eifel, in reiner kristallklarer Lust zu leben um sich die große, stille Natur, grüne Wiesen, Burgen und Wälder. Er wollte weder Schätz« sammeln wie sein Zustizrat, noch Karriere machen, sein Ehrgeft lag auf künstlerischem Gebiet Wenn ihm der künftige Beruf mir Muße daz» ließ . . . das war ihm Hauptsache. (Forftehung folgt.) Halbkreis mit einem Radius von etwa 10 Meilen, dessen Mittelpunkt Tschanak bilde. Es könne jetzt kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß diese Truppen auf Befehl von Smyrna handelten. Sie hatten Anweisung, so nahe wie möglich, an die englischen Truppen heranzu-- gehen, ohne aber zu kämpfen. General Maurice wiederholt, daß die brittsche Lage in Tschanak, vom militärischen Standpunkt aus gesehen, sicher sei. Die Vertreibung der Türken aus der neutralen Zone würde jedoch äußerst gefährlich sein, schon aus militärischen Gründen. Es bleibe kein anderes Mittel übrig, als weitere alliierte diplomatische Verhandlungen. Eine unverzügliche Aktton sei unbedingt notwendig, wenn der Friede gesichert werden solle. Die griechische Revolutton habe eine neue Lage geschahen, und die unruhige Lage in Ostthrazien sei ein angemessener Grund für die Zulassung türkischer Truppen in Trazien. Maurice ist der Meinung, daß der Krieg noch vermieden werden kann, wenn 'dem brittschen Befehlshaber, General Harrington, gestattet wird, sofort mit Mustafa Kemal Abmachungen bezüglich der Aeber- setzung der Türken nach Thrazien zu treffen, im Austausch gegen einen türkischen Rückzug aus der neutralen Zone. Dies sei eine Frage von äußerster Dringlichkeit. London, 29. Sept. (WTB.) Die gesamte Morgenpresse weist auf den großen Ernst der Lage im Rahen Osten hin. Die „Times" schreibt, die vier bis fünf Mini- sterkvnferenzen, die unter Teilnahme der militärischen Berater der Regierung innerhalb der letzten 48 Stunden stattgefunden hätten, seien ein genügender Beweis für die Schwierigkeit der Lage im Rahen Osten. Alle äußeren Zeichen deuteten darauf hin, daß die Lage, wie sie die Regierung sehe, viel schärfer sei als das große Publikum denke. — „Daily Rews" meldet, daß die Minister gestern so gut wie den ganzen Tag mit Ko n s e r e n z e n in der Downing Street verbracht hätten. Die Lage im Rahen Osten werde als bedrohlich angesehen. London, 29. Sept. (WTB.) Reuter erfährt, daß nach einer durch den nationalistischen Vertreter in Konstantinopel empfangenen Information Mustafa Kemal Pa- f ch a sich auf dem Wege nach Angora befinde, um die Rote der Alliierten persönlich der Ra- ttonalversammlung zu unterbreiten. Sinter diesen Umständen sei es unwahrscheinlich, daß irgendeine Antwort vor nächster Woche ein- treffe. ©ine neue deutschfeindliche Prvpagandareds Pomcares. Paris, 28. Sept. Havas Vei einem Festesten zu Ehren elsaß-lothringischer Journalisten hielt Ministerpräsident Poin - car4 eine Rede, in der er u. a. sagte: Wie unrecht hat Deutschland, daß es fortsährt, die Geschichte zu entstellen und dem Augenschein zum Trotz zu behaupten, daß unsere beiden Provinzen deutsches Land seien! Vergebens versteift es sich darauf, in der ganzen Welt, besonders in London und Südamerika, Broschüren und Flugschriften zu verbreiten, um den Glauben zu erwecken, daß seit dem Friedensschluß noch eine internationale elsaß-lothringische Frage bestehe Vergebens hat Deutschland vor einigen Monaten in Württemberg eine sogenannte Vereinigung der ausgewiesenen Elsäster und Lothringer gegründet, die, wie sie sich schon denken können, nur Württemberger umfaßt. Vergebens versammelt es in Bremen oder in Heidelberg ehemalige Studenten der Uni- Versität Straßburg, die sich ebenfalls Elsässer und Lothringer nennen, und die in Wirklichkeit alte deutsche Studenten sind. Vergebens ermutigt es auf seinem Gebiet die Bildung von Gruppen, die sich den Ramen Vollzugsausschüsse der Repu- bill Elsaß-Lothttngen geben. Diese Kundgebungen find ebenso kindisch wie unpassend. Wemr Deutschland tatsächlich einen .Beweis pazifistischer Absichten geben, unser Vertrauen genießen und mit uns gutnachbarliche Beziehungen Herstellen wollte, so würde es sich loyaler Weise mit einer Rückerstattung abfinden, die nicht wie seinerzeit der begangene Raub em All der Gewalt, sondern ein Werk der Gerechtigkeit war. Es würde dann darauf verzichten, den unabänderlichen Willen der beiden Provinzen anzuzweifeln. Dieser Wille bleibt so, wie er sich in den unvergeßlichen Tagen des Jahres 1918 gezeigt hat und bei den Kartton-, Deputierten- und 'Senatswahlen, sowie unter allen Umständen, wo er Gelegenheit hatte, sich kundzutun. 3m weiteren Verlauf seiner Rede wies Poincare darauf hin, daß während des Krieges bzw. während der Dauer der Feindseligkeiten insgesamt 20 000 Elsässer und Lothringer, die die deutzche Staatsangehörigkeit besessen hätten, ins französische Heer eingetreten seien. Davon seien 8000 auf dem Schlachtfeld gefallen. Der deutschen Propaganda werde es nicht gelingen, die Stimmen, die aus diesen 8000 Gräbern hervordrängen, zu ersticken. * Stand des Dollars: Berlin (12 Ahr): 1600. Frankfurt a. M. (1 Ahr): 1630. stunde hinaus gezecht wurde. Mir beDe Lokale Wurde die Polizeistunde für die Zukunft auf 10 Uhr abends festgesetzt. fpd. Frankfurt a. M., 28. Sept. Der Strahenhandel in Groß-Frankfurt ist durch eine Polizeiverottmung neu geregelt worden. 3n Zukunft wird den Strahenverkäufern em bestimmter Platz zuaewiesen. für den das städtische Wirtschaftsamt eine bestimmte Gebühr erhebt. fpd. Marburg, 28. Sept. 3n R a u s ch e n- berg brannte die Schmaleicher Mühle mit etwa 300 Zentnern Brotgetreide vollständig nieder. Der Brandschaden wird auf rund fünf Millionen Mark geschäht. Schwurgericht. Gießen, 28. Sept. Zur Verhandlung stand die Anklage gegen den 23jährigen Arbeiter Konrad Otter6ein von Unter-Schwarz wegen Sittlichkeitsverbrechens. Es wird ihm zur Last gelegt, daß er am 20. August d. 3. in einem Wald bei Unter-Schwarz ein junges Mädchen überfallen und mit Gewalt unzüchtige Staublungen an ihm vorgenommen habe. Nachdem die Geschvorenen die Schuldfrage und die Frage nach mildernden Umständen bejaht hatten, erhielt der Angellagte dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend eine Gefängnisstrafe von 7 Monaten, auf die 5 Wochen der Untersuchungshaft angerechnet wurden. Dein verhältnismäßig jugendliches Alter, seine offensichtliche Reue und der Umstand, daß er etwas angetrunken war, wurden mildernd berücksichtigt; sttafschärfend dagegen die Brutalität seines Vorgehens. Auf R^cksmittel wurde allerseits verzichtet. Die An- llage vertrat Staatsanwalt Dr. Eckert, die Verteidigung führte Rechtsanwalt und Notar A l - brecht. Die Verhandlung leitete wieder Landgerichtsrat Dr. H a n s u l 1. Die Oeffentlichkeit war ausgeschlossen. Kirche und Schule. Dorskttchentagung in Nidda. Die Dorfkirchenfreunde im südlichen Ober- Hessen hatten sich am 27. September in Nidda versammelt, um sich über mehrere Fragen zu besprechen, die die in diesem Monat im Vordergrund des evangelisch - kirchlichen Interesses stehende Bibel betrafen. Etwa 60—70 Lehrer und Pfarrer hatten sich eingefunden. Besonders erfreulich war es, daß fast die Hälfte der Besucher sich aus Schulmännern zusammensetz^. Vormittags behandelte Pfarrer Seim aus Drüsen bei Gemünden a. d. Wohra das Themas „CEBie erziehen wir unser Landvoll zu einem geschichtlichen Verständnis der Bibel?" Seine in keiner Weise auf der Oberfläche stehenden Ausführungen legten dar, daß die alte Verbalinspi- ration der Schrift, d. h. das työrtliche Diktat Gottes an die Verfasser der Bibel, durch die jahrhundertelange Arbeit der Gelehrten gefallen ist. Unser ganzes Weltbild ist feit Kopernikus u. a. anders geworden, als das der Bibel fein konnte. Dadurch ist zwischen dem Denken des modernen Menschen und dem Denken der Bibel eine große Kluft entstanden. Dazu kommt, daß der ganze Zeitgeist der altehrwürdigen Schrift feindlich gegenübersteht. Skepsis und Glaubens» losigkeit dringen durch die verschiedensten Kanäle m die Landgemeinden. Deshalb kann die Kluft zwischen dem Denken der Bibel und der Weltanschauung der Gegenwart nur überbrückt werden durch Darbietung eines geschichtlichen Verständnisses für die gewaltige Gröhe der biblischen Gestalten. Dieses geschichtliche Verständnis ist das Mittel, um die ewigen Glaubenskräfte unserem Geschlecht zu vermitteln. Der Vortragende verhehlt sich keineswegs die Schwierigkeiten, die solchem geschichtlichen Verständnis sich entgegen stellen. Aber er hofft, daß sie bei einer jahrzehntelangen, intensiven Arbeit in Unterricht, Bibllstunde und Seelsorge behoben werden können, damit so unseren Landleuten die Gotieskrafte der Bibel wieder zugänglich gemacht werden können. — Dem Vortrag folgte eine angeregte Besprechung, in die besonders Schulrat Scherer- Offenbach und Prof. D. Schian - Gießen fruchtbare Gedanken hineintrugen. 3n der Nachmittagsversammlung sprach Pfarrer Grüner aus Rauschenberg bei Marburg über die Frage: „Warum können wir das Alle Testament in Unterricht und Predigt nicht miffen?" Er ging aus von der bekannten Gegnerschaft gegen das A. T., die zum Teil aus der heutigen antisemitischen Bewegung und einer Ueberspannung des deutsch-völkischen Bewußtseins M 'erklären ist. Demgegenüber wies der Referent darauf hin, daß 3srael das klassische Doll des Monotheismus war, ohne das das Wesen Jesu Christi unerklärbar ist. Darum können wir, wiewohl viel Unterchristliches im A. T. zu finden ist, seiner Glaubensgröhe, zumal in den Psalmen und bei den Propheten, nicht entbehren. — Die Aussprache stimmte dem Vortrag durchaus zu; es wurde besonders der Vorschlag erwogen, weniger wertvolle Bestandteile des A. T. auszu- scheiden, um etwaige Verwirrungen zu verhindern. Man kann wohl sagen, daß die Tagung, die unter der bewährten Leitung von Pfarrer S c r i b a - Eichelsdorf stand, manchen wertvollen Gedanken und Wegweiser zur Bewältigung schwiettger Lebensfragen unseres Landvolkes bot. Vermischtes. Berlin, 28. Sept. Zwischen Sarstedt und Hannover st a ch in einem vollbesetzten Abteil der 4. Klasse ohne jede Veranlassung ein Reisender einem anderen mit einem Mes f e r in die Brust. Der Getroffene brach t o t zusammen. Die mitreisenden Augenzeugen verprügelten den Mörder bis zur Unkenntlichkeit und warfen ihn aus dem Zuge auf die Schienen. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß der Mörder die Tat nur deshalb verübte, um den Winter im Zuchthaus sitzen zu können. * Der Drachenfels bei Bonn a. Rh. ist, wie vom Bund deutscher Bodenreformer mitgeteilt wird, in den Besitz eines Franzosen übergegangen Der Hochschulring beut- fcher 21 r t bemerkt zu dieser Nachricht, daß die ihm angeschlosfenen Verbände künftighin dieses Lokal meiden werden, wie überhaupt alle Hotels. Gasthäuser, Lokale ufw., die in den Besitz von Ausländern übergegangen sind, gemieden werden sollen, damit gezeigt wird, daß es unnational ist, deutschen Besitz an Ausländer zu verschachern. Eine furchtbare Explosionskatastrophe infolge Blitzschlages. . S p e z i a. 28. Sept. (WTB.) Heute nacht ist in der Nähe der Ortschaft SantaTere- s a, zwischen Muggianv und Pertulosa, in der Festung F a l c o n a r a, ein Lager von Explosivstoffen infolgeVlitzschla-- ges in d i e Luft geflogen. Das Fort Falconara ist vollständig zerstört worden. Besonders gelitten hat auch die Ortschaft St. Fe- renzv. Zufolge des Luftdruckes wurden die meisten Dächer in diesem Orte abgehoben. Viele Häuser sind eingestürzt und fast alle stark beschädigt. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sind 10 0 Personen getötet und 40 0 verwundet worden. Kirchliche Nachrichten. 3fr. Religionsgesellschaft: Sabbatfeier 30. Sept. Freitag abd. 5,40, Samstag vorm. 8,00 Predigt, nachm. 4,00, Sabbatausgang 6,55. Sonntag morg. 5,00, nachm. 2,30. Montag, 2. Ott. Dersöhnungs- sest. BoraR». 6,15 Predigt, morg. 5,55, Festesausgang 6,42. Wochengotteso.: morg. 6,30, adds. 5,30. — Jsk. Neliaionsgemeinde: Gottesd. L d. Synagoge (Sudanlage): Samstag. 30. Sept. Borabd. 5,45, morg. 8,30, abds. 6,15 und 6,55. Gondel. Berlin, '28. Sept. Börsen st immungs- bild. Unter großer Zurückhaltung der Verkäufer stellten sich die Devisenkurse im Dormittagsverkehr anfangs wesentlich höher, neigten dann aber bei einzelnen Abgaben zur Abschwächung unb gaben bei Beginn des offiziellen Verkehrs weiter etwas nach. Die Haltung des Effektenmarktes war daraufhin unsicher, was sich namentlich für Zndustrieaktien geltend machte Auch wurde darauf hingewiesen, daß die Unsicherheit der innen- und außenpolitischen Lage die Unternehmungslust beeinträchtigt. Die Montanwerke, chemischen Papiere und Elektrizitätsaktien gestalteten sich vorwiegend mäßig niedriger, ßaura* Hütte büßten anfangs sogar 25 Proz. ein, dagegen wurden Harpener zu steigenden Kursen lebhaft umgeseht. Große Umsätze fanben auch in Kolo- nialwerten, namentlich in Otaviaktien, statt, die 600 Prvz. gewannen. Auch andere Valutapapiere wie Kanadaaktien und mexikanische Anleihen wurden ansehnlich höher bezahlt. Schiffahrtsaktien erzielten gleichfalls Besserungen von etwa 5 bis 50 Proz. Bedeutende Steigerungen erfuhren namentlich 4proz. und 3^/gproz. deuttche Reichsanleihen auf angeblich ausländische Käufe. Russische Konsols nahmen gleichfalls an der Aufwärtsbewegung teil. Türkische Anleihen schwächten sich etwas ab. 3m späteren Verlauf trat jedoch eine leichte Befestigung auf die gute Haltung der nur zum Einheitskurse gehandelten Industrie- Papiere ein. Frankfurt a. M., 29. Sept. Börsen- stimmungsbild. Dollarkurs im Frühverkehr 1660—1640, im Mrlaufe 1620. Die Umsätze in ausländischen Zahlungsmitteln waren heute nicht groß; die Stimmung war schwächer. Am Effektenmarkt war die Grundstimmang uneinheitlich, das Geschäft gegenüber den Vortagen ruhiger. Oberschlesische Werte neigten zur Abschwächung. Gelsenkirchen, Phönix fest. Qlutoaftien unterlagen gleichfalls Schwankungen. Die führenden Papiere Der chemischen Industrie wiesen Kursabschwächungen von 50—30 Prozent auf. Belfer gehalten waren Anilinwerte. Am Markt der Elektrizitäts- Werte vollzog sich die Kursbewegung nicht einheitlich. Niedriger waren 21®.®., Siemens u. Halske, Schuckert. Bei den Bankaktien waren die Veränderungen nicht erheblich. Metallbank büßte 10 Prozent ein. Otavi-Mienen 6900, Türkenwerte schwächer, fest lagen bprozentige Bulgaren. Wegen Schwierigkeiten in der Limiterneuerung wird die Frankfurter Börse am Montag, 2. Oft, geschlossen. Devisen und Noten werden notiert. Dollarnotierung um 1 Uhr. 1630. Berliner Devisenmarkt. (yeio Brief Geld Brief Datum: 27. September 28. September Amstd -Rotterd. 64119,75 64280,25 65518,- 65682 - Brussel-Antw. 11885,10 11914,9011785,25 11814,75 Chttstiania . . . 27815,15 27884,85 28614,15 28685,85 Kopenhagen . . 34107,30 34192,70 34-106,90 34-193,10 Stockholm. . . . 43445,60 43554,40 43845.10 43954,60 SelsingforS. .. 3645,40 3654,60 3745,30 3754,70 Italien . 7066,15 7083,85 6991,25 7008,75 London 7290,85 7309,15 7415,70 7434,30 Deuyork 1652,93 1657,07 1665/11 1669,59 Paris .... 12634,15 12665,85 12559,25 12590,75 Schweiz 30951,25 31038,75 30861,35 30938,65 Spanien .... 25063,60 25131,10 25068,60 25131,40 Deutsch-Oesterr, 2,05 2,09 2,13 2,17 Prag 4988,75 5001,25 5228,45 5241,55 Budapest .... 60,92 61,08 Buenos Aires . 584,25 585,75 592,25 593,75 Bulgarien . . . 973,75 976,25 , - , Japan 789,- 791, 789,- 791,90 Züricher Devisenmarkt 28.-9. 29. 9. Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 51. = 207.75 208. Deutschland 100 Mk. -- 0,31 0.32 Wien 100 Kr. = 0.0075 0.0075 Prag 100 Kr. = 16.65 16.50 Paris 100 Fr. --- «0.65 40.55 London 1 £ =- 23.58 23.55 Italien 100 2. = 22.80 22.65 Brüssel 100 Fr. -- 38.40 38.40 Budapest 100 Kr. ----- 0.21 0.21 Reuyork 100 $ ----- 536.- 536.12 Agram 100 Kr. — 1.80 1.85 Warschau 100 Är. — 0,06 0.06 Marknotterung«. Saturn: 1.7.14 27. 9. 28.9. Zürich Fr. 125.40 -,32 -,32 Amsterdam Fl. 59.20 — ,17 -,15 Kopenhagen Kr. 88.80 -,32 — ,31 Stockholm Kr. 88.80 -,25 -.23 Wien Rt. 117.80 Prag Kr. 117.80 London Sh. 97.80 0,026 0,024 Neuyork $ 23.80 0,06 -,06 Patts Fr. 125.40 0,80 0,80 Börsenkurse. Datum: 6"/°Dtsch. RetchSanleihe 4*7o Dergleichen 3’/27° Dergleichen 3% Dergleichen Dtsch.Svar-Präm.-Anl. 4% Preußische KonsolS 4°/0 Hessen 3‘/tc/o Hessen 3% Hessen Frankfurt a. M. Berlin Schlich- 1«Uhr» Schluß« Anfang«- Kurs flute fiurs Kurs 28.9. 29.9. 28.9. 00.0. 77,50 77,— 77,50 0000,— 200,— 195,- 200,- 0000,— 110,- —,- 115,- 0000,— 380,- -,— 385,- 0000,— 79,50 79,30 0000,— 86,- —85,- 0000,- 73,50 -,— 73,50 0000- -,- -,- -,- 0000- 67,— —,— 87,— 0000,— 47° Zolltürken .... -,— 1125,- 1200,- 0000 — 57° Goldmerikaner . 21200,- -,- 21300,- 0000,- Berliner Handelsges. . 155Ü- —,— 1500,— 0000 — Commerz- u. Privatbk. 325,— —,— 320,— 0000,— Darnist.u-Nattonalbank 307,— —,— 312,- 0000,— Deutsche Bank 615,— 620 — 610,- 0000,— Deutsche Vereinsbank. 212,— —,— —,— 0000,— Disconto Commandil . 420,— —,— 435,— 0000,— Metalibank 1220,- 1210- -,- 0000,- Mitteldeut. Creditbank 310,— -,- 310,- 00o0,- Oesterr. Kreditanstalt. 324,— 310,— 311,— 0000,— Bochumer Guß -,- 2470 - 2575,- 0000,- Buderus 1368,- 1390,- 1350,- 0000,- Caro 1170,- 1190,- 1075,— 0000,- Deuksch-Luremburg. . .2475,— 2450,- 2500 — 0000,- GelsenkirchenerBergiv. 2550,— 2550,— 2700,— 0000,— Harvener Bergbau. . . 5240,- 5500,— 5150,— 0000,— Kaliwerk Aschersleben. 1780,— 1780,- 1768,- 0000,— Kaliwerk Westeregeln . 2245,— —,— —0000,— Laurahütle 3850,— —,— —,— 0000,— Oberbedarf 1520,- 1500,- 1500,- 0000,- Bbänir Bergbau 3250,- A450,— 3300- 0000,— Rheinstahl 1350,— 2500,- -,— 0000,— Riebeck Montan .... —,— 2925,- 2875,- 0000,- Tellus Bergbau 997,— —,— —,— 0000,— Hamburg-Ainer. Paket 790,— 800,— 780,- 0000,— Norddeutscher Lloyd. . 542,— 540,— 540,— 0000,— ementwerkHeidelberg 1198,— 1170,— —,— 0000,— -hilipp Holzmann . . . 700,— 670,— 790,— 0000,— Anglo-Cont.-Guano. . . —,— —,— 2785,— 0000,— Badische Anilin 1649,- 16W,- 1654,— 0000,— Goldschmidt........1370,— 1349,— 1375 — 0000,— Griesheimer Electron. 1287,50 1285,— 1265,- 0000,— Höchster Farbwerke . . 1270,— 1270,— 1294,— 0000,— Holzverkohlung 1002,— 970,— —,— 0000,— Nütgerswerke 964,- 979,- 950,— 0000,— Scheideanstalt 1638,- 1599,— —,- 0000,— Allg. Elektttzitäts-Ges. -,- 820,- 835,- 0000,- Bergwann 800,— 795,- 800,- 0000,— Schuckert.......... 1250,- 1210,- 1230,- 0000,- Siemens & Halske. . . 1920,— 1900- 1890,- 0000,- Adlerwerke Kleyer. . . 500,— 480,— 511,- 0000,— Daimler Motoren.... 525,— 520,— 517,50 0000,— Henltgenstaedt...... 1050,— —,- —0000,— Meguin.......... -,— —,— 1150,- 0000,— Metallges. Frankfurt. . —1815»— —,— 0000,— Schubfabrik Herz.... 550,— —,— —,— 0000,— Sichel............ 598,— —,— —,— 0000,— Zellstoff Waldhos . . . . 975,— 980,- 960,— 0000,— Zuckerfabr.Frankeuihal 948,— —,— —,— 0000,— ZuckerfabttkWagdäusel 948,— 955,— —,— 0000,— Frankfurter Schweine- und Kleinviehmarkt. Frankfurt a. M, 28. Sept. (Amtlich.) Matttverlauf: Kälber und Schweine bei ruhigem Handel geräumt. Schweine zu Preisen wie Mon° tagsnottt, ruhiger Handel; Preisnotierung infolge unzureichender Unterlagen unterlassen. Es bleibt Ueberstand. Im einzelnen ist zu bemerken: Auf- getrieben waren 555 Kälber, 503 Schüfe und 429 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: Kälber, beste Qualitäten, 10 500—11 200 Mk., mittlere Qualitäten, 9500 bis 10 400 Mk., geringe Qualitäten, 8500—9400 Mk.. geringste Qualitäten 7200—8200 Mk. Schafe 3500 bis 8100 Mk. Außerdem wurden 50 Rinder ohne amtliche Preisnotierung gehandelt. Die Preise liegen um soviel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen. Berliner Produttemnarkt. B e r l i n, 28. Sept. Im (Sinflange mit der vormittägigen Devisensteigerung erhöhten sich auch die Preisforderungen am Produktenmarkte. In Mais und Roggen entwickelte sich auch zu höheren Preisen ein zienrlich lebhaftes Geschäft. Späterhin wurden die Käufer auf die Abschwächung der Devisenkurse zurückhaltend tind die cm Vormittag gezahlten Preise konnten nicht mehr erzielt werden, wermgleich die Haltung immer noch ziemlich fest blieb. Weizen wurde bei befriedigendem Mehlgeschäft seitens der Mühlen gekauft. Roggen war vielseitig begehrt und stellte sich infolge des schwachen inländischen Angebots wie alle anderen Artikel teurer als gestern. Roggenmehl war wenig am Markte und viel gesucht. Gerste wurde namentlich in guter Sommergerste höher bezahlt. Hafer stieg im Preise auf lebhafte Nachfrage für den Konsum. In Mais suchten Brennereien Anschaffungen zu machen. Futterstoffe, ferner Oel° faaten und Hülsenfrüchte hatten feste Haltung. Weizen, märkischen, 3400—3350 Mk. (fest), Roggen, märkischen, 3100-3050 Mk., pommerschen 3100 bis 3080 Mk., ost preußischen 2950—3000 (abgc schwächt), Sommergerste 3250—3350 Mk., Wintergerste 2850—2950 Mk. (fester), Hafer, märkischen, 3400—3500 Mk. 1 fester), Mais, La Plata, loco Berlin. 3400-3500 Mk. (fest), ohne Prov.. Waggon frei Hamburg, 3300—3400 Mk., Weizenmehl (100 Kg.) 9400—10 000 Mk. (sehr fest), Roggenmehl (100 Kg.) 7500-8200 Mk. (sehr fest), Weizen- fleie 1900 Ml. (fest), Roggenkleie 1900-1950 Mk. (fest), Raps 4200 -4500 Mk (steigend), Viktoria- erbsen 5700-5900 Mk., kleine Erbserr 4400—4700 Mark, Futtererbsen 3100—3300 Ml., Peluschken 2900—3100 Mk., Ackerbohnen 2900—3100 Mk., Lupinen, blau, 1800—2100 Mk„ gelb 2100—2300 Mark, Rapskuchen 2100—2300 Mk„ Leinkuchen 3300-3500 Mk., Trvckenschniyel 1850—2000 Mk. Rauhfutter: Weiten- u. Roggenstroh, drahtgeb. 850—900 Mk.. Hafetstroh, drahtgepreht. 850—900 Matt, Stroh, strohseilgebündelt, 850—900 Mk., Wiesenheu, gut, gesund und trocken, Vormahd 580-630 Mk., Nachmahd 510-580 Mk. Letzte Nachrichten. Die Lage im Osten. London, 29. Sept. (WTV.) General Maurice drahtet der „Daily News" aus Konstantinopel, die Lage in Tschanak werde ständig verwickelter. Immer mehr türkische Truppen überschritten die Grenze und ständen jetzt überall in Fühlung mit den britischen Truppen in einem BAD-NAUHEIM Hupfelds Kurpark-Kasino Zar Klrobweihe am 1. and 2. Oktober 1922 nachmittags und abends :: Tanz :: Gastspiel der Orig. Majestic Jazz Band. I Wahrend fleeWinlera geöffnet, ebenso „Hnpfehk j Privat-Hotel". ßarage. Stallaagen. 3t83D J Spae-t Qlü h kör p MARKE PFEIL' ■ Fritzlar Gießen den 29. September 1922 ■ yilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllie BAINMATEIIAL 1 gesucht. 09210 09201 8894c ^IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH । Ptöietgesuche |[ Eins, möbliertes • ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Tfiriifigp W.BfliMerem weimS 1885, e.v. p-rf-kt- Slick ßnö Flickerin Altes Prinzip ! Achtung ! Beeilen Sie sich, Ihren Bedarf noch rechtzeitig zu decken! I.§i)ttl6ausi)iener 1 SimmtracMtn Große Posten Filz- u. Kamelhaar-Schuhe Unsere Schuhwaren werden nach wie vor mit ™ den auf den Sohlen aufgestempelten Preisen in U allen unseren Filialen preiswert verkauft Solei Vrivz Corl Gießen. Lena Marx Wilhelm Frey Verlobte Volkshochschule heute (Wend 8 Ahr in 0er overreaislvuie wichtige J Besprechung. Tagesordnung im Gieß. Anzeiger vom Mittwoch, 25. d. M. Sebr. lederne W-lrÄr ZU kaufen gesucht. Schrift!. Angebote mit Preis um. 8835 an den Gieß. Anz. m OBM Station Kirchgöns gesucht. 09207 Babnbofttr. 37 U. W -------Neu ein getroffen: M Posten Dera-, Den- und Her-Ml Theslar flarZentralMt«!1. w Fördereng d«r VolksMlfineg aal Jagendpfiege la Besäen la Verbindung mit dem Hesaiaefcea Landesthoater Darmstadt Gastspiel in Lieh (Steins Garten). Dienstag, 3. Okt., abends 8 Uhr: „Maria Stuart“ Trauerspiel in 5 Aufzügen von Schiller. Mittwoch, 4. Okt., abends 8 Uhr: „Renaissance“ Vers-Lustspiel in 3 Akten von Franz v. Schönthan und Franz Koppel-Ellfeld. Saalöffnung und Abendkasse 1 Stunde vor Beginn. 8885V Vorverkauf: Buchhandl. Volkmann und Ferd. Zimmer, Zigarrengeschäft. fr: @®eeee:eeeee® | Palast-Lichtspiele® M Größtes n.yornetimslesTlieateraiii Platze || SamStaa 30 Sept. 8 Ubr abendS: Moiiats- Derfammlnnn imSchipkapatz, Bahnhofstraße. Zahlreiches u. pünktliches Erscheinen unbedingt erforderlich. m-h Der Vorstand. Theodor Schmidt l Aiigendiagnose and Homöopathie T Gießen, Lonystraße 2 7 Straßenbahnhaltestelle Bürgermeisterei Sprechstunden außer Sonntags von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachm. Statt jeder besonderen Mitteilung. Gestein nachmittag entschlief in einer Jenaer Privatklinik nach längerer schwerer Krankheit meine liebe Frau Karoline, geb. Ebel Um stilles Beileid bittet Friedrich Schellhaas, Baurat Erfurt (Borgstraße 5), den 27. September 1922. Feuerbestattungsfeier: Samstag nachmittag 3 Uhr im Jenaer Krematorium. Blumen- und Kranzspenden bitte ich auf Wunsch der Verstorbenen zu unterlassen. L^D Cafe Astoria Ab 1. Oktober das Künstler-Trio Hiller-Opetz unter Mitwirkung des Kapellmeisters Herrn KECK-Berlin 5M-ZIMM billig zu verk. 09219 H. Schön & Co. Marburger Str. 22. Markensammlung größere, von Privat- animier zu hohem Preise 8853 zu laufen gesucht. Gesl. Offerten an ). Hehrenbach Bad-Nauheim Louisenstrahe Billa St. Georg. sowie mehrere gelernte ältere Ä» gesucht. VEREINIGTE WERKE Donnerstag, den 5. Okt. 1922, 8V2 Uhr, im „Scff. Hos^: Dröentlldie Zatzres- hauDtoerfammlung. 8855v Der Verelend. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ öerrenloferJagöOmiö beim Polizciamt eingeliefert. Kann geg. Bezahlung der Unkosten dort abge holt werden. 8890 Mietfrei! mehrere Jahre, und vergütet wird Umzug demjenigen, welcher 4-6°Zimmerwohnung tauscht gegen 6-Iimmerwohnung in Mücke (Oberheffen). Für Dentist oder Zahnarzt sehr geeignet, da dasselbe gute Zahnpraxis ist. Schr. Angeb. unt. 09212 an d. Gieß. Anz. lnland*Zucker neuer Ernte! Einträgen in Kundenlisten ist verfrüht und zwecklos. Es sind bis jetzt keinerlei behördliche Verfügungen erlassen, die solche Eintragungen verlangen. Sollte durch die zuständ. Behörden die Führung von Kundenlisten für Inlandzucker neuer Ernte (der erstmals frühest Anfangs November zur Verteilunggelang.könnte) angeordnet werden, so werden diese Listen in unseren Verkaufsstellen rechtzeitig ausgelegt Schade 8 FOIIgrahe Gießen. I8889 YMC* Der heutigen Auflage unseres Blattes liegt eine Beilage der Firma Kathreiners Malzkaffeefabriken, Berlin-München, bei. 8879 id Gesucht beffereS Mädchen das Wert auf gute Dauerstellung legt. Lohn nach Lerein- barung. 09199 Frau Dr. Hainer, Lonystraße 20. Junges gesundes Mädchen durchaus zuverläss., für tagsüber bei hohem Lohn gesucht. omm Walltorstr. 46. T. V. 1846 Turngang ”eos Sonntag, 1.10.22 Salzbttdetal. 216m. 7 norm. Lahn- brücke, Rückt. 2 Uhr. 1-2 tüchtige Dreher Schürzen für Haus und Zierde UnserLagerenthältca.2000Schürzen Fritz Nowack WSschefabrik uiti) Ausstattungshaus. : 8742a i iiiiiiiiiiiiiiiininniiiiniiiiiiniHiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Lichtspielhaus, Bahnhofftrahe Erotikon Wir beginnen heute Freitag mit dem ersten einer Reihe schwedischer Kunstfilme. Diese Filme sind nicht die grStzten oder die prunkvollsten, aber nach den glänzenden Kritiken aller in- und ausländischen Zeitungen find diese schwedischen Filme die künstlerisch volleudettteu. Inhalt, Regie, Darsteller und Photogravhte ergänzen fich zu einer wunderbaren Gesamtleistung. Nur aus der geschloffenen hohen Kultur des schwedischen Volkes Ist solche Kunst zu erzielen. — AuS den Kritiken: ^Umer den Darstellern fällt Tora Teje auf, die eine kaprtziSse Frau mit bewundernswerter Leichtigkeit und bestrickender Charme gibt. — Ferner: . „Der Fluch des Schweigens" Drama in 5 Akten. 8878V || Ab heute der Großfilm; o |Sodoms Endet N nach dem Drama Äg von Hermann Sudermann. e W Außerdem: 09217 fNralNffl W kM © Lustspiel in 2 Akten. Aepfel und Biraen SU verkaufen 09191 Goetbestrahe 5. | Kaufgesuche j 5MW ®flOÖ Sli kaufen ges. [8872 Bahnhofstraße 6(>. ütalrak zu kaufen gesucht. Schr. Angeb. unt. 09211 and. Gieß. Anz. Guterdaltener schwarzer MttMl zu kauf. ges. Angeb. u. 09202 a. d.Gieß.A. |iiiiiiiiiiiiiiiinmiiiiiiiniiiiiimniiiiniiiiiHniinniiinitiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiinirniiiiiiii^ Große Neueingange in | Gardinen | | Stores, Garnituren, Spannstoffen usw. = | weit unter Tagespreis 1 = iiiiiiiiiiimiiiimmiiiiiiiiiimniiuuniiiiuiriuiiimiiiiimimiimmimimjrwHiii = | Fritz Nowack Ausstattungshaus. = = 8680a = Junges MWen und ein träft. Slhuljmizt werden gesucht. [8871 Marktplatz 21. TücktigeS SieniWOtfien oder ältere Frau gesucht. Näheres Roonstr.S4I. 8840 □□□□□ □□□£)□□□□□□□ Solange noch der Vorrat reicht erstklassige 09222 loiMuen im Hose Kaiserallee 17 das Pfund zu 6 Mk. abzugeben. □□ □□ o o DO ROMEO SCHUH a-g? Danksagung. Allen denen, welche uns bei dem Heim- gange unseres lieben Entschlafenen I Herrn Wilhelm Dietrich Oberpostschaffner l. R. tröstend nahe standen, danken wir herzlich. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 28. September 1922. Drei ca. 10 Woch. alte Deutsche amt. Merhunde lsilbergraum-schwz.) von guter Abstammung, habe noch abzugeben. H. Jung. Leidenhofen beiEbs- dorf, Krs. Alarburg. Junge Legebübuer zu verkaufen [09196 Franks. Str. 87. Mieriit n. Alii- miilim-ktsAll bill. zu verk. 09220 H. Schön * Co. Marburger Str. 22. ! Achtung ! Große Posten Filz- u Kamelhaar-Schuhe Zu verkaufen neue und getragene Ulster Paletots,Schlüpfer,Anzüge, neue feldgraue Hosen (grün), gestreifte Hosen, einz. Sakkos und Westen, neue u. gebrauchte Damen- Mäntel. _ Allersehrpreiswert L. Rosenzweig Herrengarderobehaus Gießen, Seltersweg 58 I., Eingang Ecke Dolksbad. Kein Laden. Suche per sofort oder 1 Oktober zwei möblierte Zimmer mit 3 Betten Wäsche vorhanden», etwas Kochgelegenheit erwünscht. 09198 Hiller, Kapellrnstr., Cafs Astoria. {Stellenangebote] Einige tüchtige Weißbinder u.handlanger gesucht. 09193 Sommer VII. Näheres b. Brinkmann, Bahnhofstr. Zimmer ver l. Okt. zu mieten gesucht. Schr. Angeb. u. 8884 an d. G. Anz. w L-Fmilien-henS mit Memteil im nächsten Borort von Gießen, gegen gleiches in Gießen, evtl.auch3-Familien- Wohnhaus. Schrift 1. Angeb. unt. 09216 an den Gieß. Anzeiger. Mädchen tagsüber od. f. ganz gesucht. Förster, in Gartcnstr. 261. | Verkäufe | Kink Ziege miii jMge Foäcrriers zu verkaufen 09206 Babnbosstr. 652II Vade- Einrichtung mit Gas-Badeofen zu verkaufen 109192 Goethestr. <0111. Don alter angesehener Lebensverfich.. Gesellschaft (alle Nebenbranchen vorhanden) wird für größeren Bezirk eine tüchtige, rührige WUWk gesucht. Fachleute bevorzugt, jedoch nicht Bedingung. Organisatorische Fähig, leiten sind dagegen unbedingt erforder. lrch. Geboten wird aussichtsreiche, an. genehme Stellung, hohe feste Bezüge und Provision. Bewerbungen mit Lebens, lauf u. B. N. L. 2496 an Bla-A aasen stein & Dogler, Berlin W 35. Perfekte ältere Stenotypistin mit gediegenen französischen Sprachkenntnissen, befähigt nach kurzen Angaben selbständig zu korrespondieren, sucht zum 1. Oktober oder später Stellung in Gießen oder auswärts. Schrift!. Angebote unter 8862 an den Gießener Anzeiger erbeten. JQI NS/ :Q 'Ql