Nr. 228 Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags, mit berSamstaqsbcilagc: ViehenerFamilienblätlet Monatliche vezugspreise: Mk. 75.- und Mk.5.- TrSgerlohn,durch dieDost Mk. 75. -, auch bei Nichterscheinen einzelner Num- mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: für die Schrift. leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Stehen. Poftscheclkonto: Zrankfon a. m. 11686. General-Anzeiger für Gberhesien vrnck mö Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange. Zchriftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtlich 300 Pf., auswart- 400 Pf.; für NekIame Anzeigen von 70 nun Breitel200Pf. DeiPIah- Vorschrift 20 "/o Aufschlag Hauptschriftleiter: Auq. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigente,l: Hans Beck, sämtlich in Gießen Erstes Blatt 172. Jahrgang , Donnerstag. 28. September 1922 GietzenerAnMger MilttarrevolutLon in Griechenland. Abdankung des Königs. Athen, 27. Sept. (Wolff.) tReuter meldet: König Konstantin von Griechenland hat ab- gedankt. Athen, 27. Sept. (WTB.) Heute nacht ist General Papulas, der sich nach Kap Sunium begeben hatte, um sich mit den Aufständischen zu treffen, mit ihren Bedingungen zurückgekehrt. Diese tourben angenommen. Sie schließen die Abdankung des Königs und die Bildung einer neuen Regierung ein. Man wird den Posten des Ministerpräsidenten wahrscheinlich dem General a. D. Aid er, einem Anhänger von Beniselos, anbieten. Die Royalisten leisten der Beweg,mg anscheinend ebensowenig wie der Hof irgendwelchen Widerstand. Athen, 27. Sept. (WTD.) Aach einer Meldung aus Saloniki hat sich die dortige Garnison der Aufstandsbewegung angeschlossen. Prim Paul soll sich als Gefangener an Bord des Schulschiffes „Elli" befinden. London, 27. Sept. (Wolff.) Reuter meldet: Aach Meldungen aus Athen sind in Griechenland ernste revolutionäre Tlnruhen ausgebrochen, besonders in Larissa, Myti- lene und Saloniki. Das Heer uiu> die Marine sind beteiligt. Der Minister des Innern teilte gestern mit, die Regierung wisse nicht, wieviele Kriegsschiffe sich der Bewegung angeschlossen hätten. Die Sicherheit des Königs fei anscheinend ungefährdet. Die Revolutionäre verlangten die Abdankung des Königs. Paris, 27. Sept. (WTD.) Aach einer Havasmeldung aus Athen wird die militärische Aufstandsbewegung von royalistischen und veniselistischen Offizieren geleitet. Paris, 28. Sept. (WTB.) Einer Havasmeldung aus Athen zufolge bestätigtsichdie Abdankung des Königs. Kemal Pascha gegen die englische Meerengen-Politik. Paris, 27. Sept. (Wolff.) Mustapha Kemal Pascha hat in Smyrna dem Korrespondenten der „Chicago Tribüne" ein interview gewährt, in dem er u. a. sagte: Wir wünschen, daß die Meerengen offen sind und oah sie sich in Sicherheit befinden, deshalb dürfte es uns nicht einfallen, an den Meerengen Befestigungen zu errichten, infolgedessen sind wir bereit, die bestehenden Befestigungen zu beseitigen. 2lber unsere Hauptstadt liegt am Bosporus und unsere Sicherheit muh verbürgt werden. Für ihre Sicherheit ist aber diejenige des Marmara- meeres erforderlich. Hier handelt es sich um eine grundsätzliche Frage, die heute noch nicht klargestellt ist. Wenn wir die Freiheit der Meerengen wünschen, so glauben wir, dah wir in diesem Wunsche mit der ganzen Welt einig find, ausgenommen einer einzigen Macht: England, das daran interessiert ist, sie zu schließen, vorausgesetzt, dah diese Schließung durch England selbst erfolgt. England hat seine Ansicht seinen Alliierten gegenüber nicht offen zum Ausdruck gebracht, aber es stützte die Griechen an den Dardanellen und benutzte sie als Werkzeug zur Schliehung dieses Wasserweges. Wenn England die Freiheit der Dardanellen wünscht, so ist die ganze Frage gelöst. Wenn es dafür ist, sie zu schliehen, sei' es durch Agenten oder durch seine eigenen Mittel, so muh die Welt klar und deutlich Stellung nehmen. Angesichts der augenblicklichen Stellung der Armeen der grohen Aationalver- fammlung sind die Meerengen bereits in unserer Hand, zum mindesten aber unter unserem Einfluh. Ich bin sicher, dah Frankreich, Italien und die Vereinigten Staaten sich der wahren Idee der Engländer bewußt sind. Es handelt sich für sie noch darum, sich hierüber öffentlich zu erklären. Was die Garantien für die Sicherheit Konstantinopels und des Marmarameeres anlangt, so werden wir es vorziehen, selbst keinerlei Lösung vorzuschlagen, sondern die beteiligten Mächte entscheiden zu lassen und uns ihrer Entscheidung an» zuschließen. Die Engländer hatten eine gewisse Jone für neu tra l erklärt, sie sei aber nicht neutral, sondern diene dem Zwecke, die Reste der griechischen Armee zu beschützen. Reben diesem ersten Ziel verfolge die englische Regierung noch zwei Ziele, die Dardanellen und Konstantinopel zu besitzen. Obwohl Konstantinopel nicht in ihrer Hand sei, hoffe sie sich auf Galli- p o l i zu halten, was eine indirekte Bedrohung der türkischen Hauptstadt mit sich bringe. Die gegenwärtige englische Regierung greife zu jeder Intrige, um die anderen Mächte zu täuschen. Im Augenblick sei ihr Wunsch der, den anderen Mächten Enttäuschungen dadurch zu bereiten, daß sie sie in ein Abenteuer hineintreibe. G^. Mustapha Kemal Pascha, glaube aber nicht, daß diese anderen Mächte ihre Vernunft soweit verlieren werden, um mit Großbritannien zusammenzugehen. Die Politik der jetzigen englischen Regierung sei so gefährlich, dah sie nicht nur für die übrigen Mächte unannehmbar sei, sondern auch für einen grohen Teil der britischen Oeffent- lichkeit. Wenn die britische Ration ihre öffentlichen Angelegenheiten noch länger in den Händen von Staatsmännern wie Lloyd George lasse, so werde sie in den Fundamenten des britischen Reiches einen unheilbaren Bruch herbei- sühren. ' • Kemal Pascha erklärte dann noch zur Petroleums rage, alle in Betracht kommenden Gebiete liegen in der Provinz Mossul, die zu dem f'im Rationalpakt angeführten Gesamtgebiet gehört. Der größte Teil dieses lindes ist türkisch. Für die 'Ausbeutung der Oelfelder ist der Besitz dieser Gebiete erforderlich. Z. B. vollzieht sich die amerikanische Ausbeutung der Petroleumfelder in der Türkei ohne Schwierigkeiten, da Amerika in der Türkei keine politischen Ambitionen besitzt. Wenn England sich einer derartigen Regelung fügen wolle, so werde es dieselben Möglichkeiten besitzen wie andere Völker. Eine russische Note an England. London, 26. Sept. (WTD.) (Verspätet ein» getroffen.) In einer heute im Foreign Office überreichten. vom stellvertretenden Kommissar für auswärtige Angelegenheiten, Ka rachan. unterzeichneten Rote der Sowjetregierung zur türkischen Frage wird erf(ärt, keine der Westmächte tue Schritte, die wirklich den Krieg verhinderten. Der Schlüssel zur Frage des mähen Ostens liege in der wirksamen Wiederherstellung der türkischen Souveränität über die türkischen Länder, insbesondere über die Meerengen und Konstantinopel. Die Westmächte, unter denen Großbritannien die 'hartnäckigste sei, weigerten sich, den Türken ihr Gebiet und die Meerengen zurückzuerstatten, angeblich im Interesse der Aufrechterhaltung der Freiheit der Meer- iengen, aber in Wirklichkeit, weil sie wünschten, die Meerengen unter ihrer eigenen Kontrolle zu behalten. Die Freiheit der Meerengen sei wesentliche für die Schwai-zmcerlärwrr Rußland, Georgien und die Tlkraine. Die Türkei 'fyabz die Freiheit der Meerengen im nationalen Pakt von 1920 anerkannt. Rußland 'habe im russisch-türkischen Vertrag von 1921 die Freiheit der Meerengen für Kauffahrteischiffe bestätigt und erklärt, dah ihre internationale Stellung von den Schwarzmeerstaaten festgesetzt werden müsse. Die Westmächte hätten die Interessen Rußlands unberücksichtigt gelassen. Rußland protestiere gegen diesen Eingriff in seine Rechte und die Rechte seiner Rachbarn. Die russische Regierung erkenne natürlich zaristische Verträge nicht an, aber die vor so kurzer Zeit erfolgte Anerkennung der Rechte und Interessen Rußlands an den Meerengen und in Konstantinopel, wie sie im britis'chsn Vertrag mit Rußland vom Jahre 1916 enthalten war, ermutigten Rußland in der Hoffnung, baß die Mächte 'heute die russischen Interessen an der Zukunft der Meerengen nicht unberücksichtigt lassen können. 'Rußland erneuere seine Erklärung, daß es keinerlei Entscheidung über die Meerengen anerkennen werde, an der es ^icht teilgenommen habe und die seine Interessen außer acht lasse. Rußland sei der Ansicht, daß die isolierten Anstrengungen gewisser Länder die Krisis im nahen Osten ohne ihre Verweisung an alle daran interessierten Völker nur der Gefahr eines neuen Krieges entgegenführen würden. Rußland schlage kraft seiner besonderen Stellung im nahen Osten wie im Interesse der Völker, die eine friedliche Regelung der Frage wünschen, eine Konferenz aller in Betracht kommenden Länder, insbesondere der Schwarzmeerstaaten, vor. Der Ton der Sowjet n o t e ist st e l l e n w e i s e z i e m l i ch s ch a r f gehalten. Aus der Völkerbunds- verfamm?ung. . Genf, 27. Sept. (Wolff.) Die Völkerbundsversammlung nahm heute mittag die Anträge des Abrüstungausschusses einschließlich der Resolutionen über die Garantie- Verträge und Reparationsfrage einstimmig nach einer wenig sensationellen Debatte an, an der das Publikum und die Delegationen einen weit geringeren Anteil nahmen als in der gestrigen Sitzung. B r a n t i n g - Schweden wies auf die Enttäuschung hin, die angesichts bfcr heutigen Wirtschaftslage entstehen müsse, wenn der Völkerbund auf deiir eingeschlogenen Wege nicht weiter schreite. — Af- kenasi-Polen betonte das besondere Interesse, das Polen an der Annahme der Anträge habe angesichts seiner Lage zwischen Deutschland und Rußland. — Cook-Australien hob hervor daßDeutsch- land abgerüstet habe und sich damit wirtschaftlich besser stelle als die mit großen Heeresausgaben belasteten Staaken. — Lange-Rorwegen erklärte, das Fortbestehen des nationalistischen Geistes sei die schlimmste Erbschaft aus dem Kriege und bezeichnete die Universalität des Völkerbundes im Interesse der Abrüstung für unbedingt notwendig. — Zahle-Dänemark wünschte, daß die Abrüstung auch ohne Garantiepakt durchgeführt werden möge. Ein südamerikanischer Redner erklärte, öafj die Panamerikanische Konferenz von Santiago sich mit den Abrüstungsproblemen ernsthaft befassen, werde. Lord Cccil gegen Jonvenel. Den einzigen Höhepunkt der heutigen Debatte bildete die Erklärung, womit Lord Robert Cecil die Aussprache abschloh und in der er unter Bezugnahme auf die gestrigen Worte Iouvenels über Belhmann-Hollweg, Bismarck und Riehsche alsVer- treter der militärischen Mentalität sagte, solche Männer gebe es auch in anderen Ländern, auch in Frankreich. Aber wie auch in Frankreich die Mehrheit des Volkes für den Frieden sei, so sei auch die Mehrheit der anderen Rationen, ob sie nun dem Völkerbund angehören oder nicht, friedlich gesinnt, so auch in Deutschland und Rußland. Der Präsident der Versammlung feierte in längerer Schlußrede die nunmehr abgeschlossene Abrüstungsdebatte, die in den Annalen des Völkerbundes eine große Rolle spielen werde. Aus den Erinnerungen Kaiser. Wilhelms IL „Ereignisse und Gestalten" aus den Jahren 1878 -1918. (Fortsetzung.) Das politische Interesse des Fürsten konzentrierte sich eben ün wesentlichen auf den Kontinent Europa. England lag etwas abseits seiner täglichen Sorgen, 'am so mehr als Salisbury mit dem Fürsten gut stand und namens Englands seinerzeit den Zwei- hzw. Dreibund bei feiner Schöpfung begrüßt hatte. Der Fürst arbeitete vorwiegend mit Rußland, Oesterreick-, Italien und Rumänien, deren Beziehungen zu Deutschland und untereinander er andaueimd kontrollierte, äleber die Tlmsicht und Kunst, mit der er operierte, machte Kaiser Wilhelm der Große einmal seinem Kabinettschef v. Albedhll gegenüber eine treffende Bemerkung. Der General fand Seine Majestät nach einem Vortrags Bismarcks se'hr erregt, so daß er für die Gesundheit des alten Kaisers fürchtete. Er bemerkte da'her, der Kaiser möge sich doch den weiteren Aerger ersparen: wenn der Fürst nicht wie Seine Majestät wolle, möge man ihn gehen lassen. Darauf erwiderte der Kaiser: Trotz feiner Bewunderung und Dankbarkeit für den großen Staatsmann 'habe auch er schon daran gedacht, da das selbstbewußte Wesen des Fürsten manchmal allzu drückend werbe. Aber er und das Vaterland brauchten ihn zu nötig, da der Fürst der einzige Mann fei, der mit fünf Kugeln jonglieren könne, von denen mindestens zwei immer in der Lust feien; das könne er, der Kaiser, nicht. Daß der Fürst durch den Erwerb von Kolonien seinen Blick über Europa hinaus zu richten hätte und mit England in besonderem Maße große Politik zu führen automatisch gezwungen war, das sah er nicht. England war wohl eine der fünf Kugeln in seinem diplomatifchi-staatsmännifchen Spiel, aber nur eine unter den fünf, und ihr wurde die besondere Bedeutung, die ihr zukam, nicht zugebilligt. Deshalb war auch das Auswärtige Amt ganz auf die Kontinentalkonstellation eingespielt und 'hatte für Kolonien, Flotte oder England nicht das erforderliche Interesse und keine Erfahrung in Weltpolitik. Die englisch? Psyche und Mentcüität in der restlosen, wenn auch durch allerhand Mäntelchen verhüllten Verfolgung des Planes der Welthegemonie war dem Auswärtigen Amt ein Dach mit sieben Siegeln. Der Fürst sagte mir einmal, sein Hauptaugenmerk sei, Rußland und England nicht zu einem Einverständnis kommen zu lassen. Darauf erlaubte ich mir zu antworten: Der Moment, dies in weite Ferne zu rücken, wäre ja beinahe gegeben gewesen, wenn man 1877/78 die Russen nach Stambul gelassen 'hätte; dann wäre die englische Flotte ohne weiteres zur Verteidigung Stambuls eingefahren und der Konflikt nxire dagewesen. Statt dessen 'habe man den Russen den Vertrag von San Stefano ausgenötigt, sie vov den Toren der Stadt, die sie nach furchtbaren Kämpfen und Mühen erreicht hatten und vor sich sahen, zur Tlmkehr gezwungen. Das habe in der russischen Armee einen unauslöschlichen Haß gegen uns entfesselt (Mitteilung preußischer Offiziere im russischen Hrer, welche den Feldzug mitgemacht hatten, insbesondere des Grafen Pfeil). Obendrein Habe man dann den Vertrag um» gestoßen und durch den Berliner Kongreß erseht, der uns in den Augen der Russen noch mehr als Feinde ihrer „berechtigten Interessen im Orient“ belastet habe. Auf diese Weise sei der vom Fürsten e.-rhofste Konflikt zwischen Rußland und England in weite Fernen gerückt. Der Fürst teilte diese Beurteilung „seines" Kongresses, auf dessen Ergebnis er als „ehrlicher Makler" so stolz war, nicht, und bemerkte ernst, er 'habe einer allgemeinen Konflagration Vorbeugen und seine guten Dienste zur Vermittlung anbieten müssen. Als ich später einem Herrn des Auswärtigen Amts diese Unterredung mitteilte, erwiderte dieser, er sei damals dabeigewesen, als der Fürst nach Tlnterzeichnung des Berliner Vertrages In das Auswärtige Amt gekommen und von den bort versammelten Beamten die Glückwünsche entgegengenommen 'habe. Darauf habe der Fürst sich emporgereckt und geantwortet: „Jetzt fahre ich Europa vierelang vom Dock!" Der Herr bemerkte dazu: da 'habe der Fürs- sich geirrt, denn damals drohte schon an Stelle der russo-preußi- schen Freundschaft die rufso-französifche zu entstehen, also zwei Pferde waren aus dem Viererzug schon heraus. Disraeli's Staatskunst hatte aus Bismarcks ehrlichem Maklertum in den Augen Rußlands die Vermittlung eines anglo-öster- reichlifchen Sieges über Rußland gemacht. Trotz mancher Derschieden'heit unserer Auffassungen blieb der Fürst mir freundlich und gewogen, und trotz dem großen Altersunterschiede bildete fidji ein angenehmes Verhältnis zwischen uns, da ich, wie die ganze Generation, ein glühender Bewunderer des Fürsten war und durch meinen Eifer und meine Offenheit sein Vertrauen gewonnen 'hatte und es niemals getäuscht habe. Während des Kommandos zum Auswärtigen Amt hielt mir u. a. Geheimrat Raschdau Vorträge über Handelspolitik, Kolonien ufa>. Dabei wurde ich schon damals auf unsere Abhängigkeit von England aufmerksam, die darauf beruhte, daß uns eine Flotte sckhlte und Helgoland in englischen Händen war. Man beabsichtigte zwar unter dem Druck der Rotwendigkeit eine Erweiterung der kolonialen Erwerbungen, aber alles formte nur mit Erlaubnis Englands geschehen. Das war schwierig und für uns eigentlich unwürdig. Das Kommando zum Auswärtigen Amt hatte für mich eine große Unannehmlichkeit gezeitigt. Meine Eltern standen dem Fürsten Bismarck nicht se'hr freundlich gegenüber und verdachten es dem Söhne in seine Kreise eingetreten zu sein. Man befürchtete Beeinflussung gegen die Eltern, Hyperkonservativismus und wie dieGefahren alle hießen, die von'Ohrenbläsern aller Art aus England ,ric aus „liberalen Kreisen", welche im Vater ihren Hort erblickten, gegen mich angeführt wurden. Ich Habe mich niemals auf solche Dinge eingelassen. Aber die Stellung im Glternhause ist mir dadurch recht erschwert und manchmal peinlich gestaltet worden. Ich habe wegen meines Arbeitens unter dem Fürsten und meiner oft auf die schwersten Proben gestellten Diskretton für den Kanzler in der Stille recht Schweres zu tragen gehabt; der Fürst sand das anscheinend ganz selbstverständlich Zum Grafen Herbert habe ich gute Beziehungen gehabt. Er konnte ein lustiger Gesellschafter sein und verstand es, interessante Männer um seinen Tisch zu sammeln, die zum Teil aus dem Auswärtigen Amt, zum Teil aus anderen Kreiscn stammten. Aber zu einem wirklichen Freundschaft^ Verhältnis ist es zwischen uns nicht gekommen. Das zeigte sich besonders, als bekm Ausscheiden feines Vaters auch der Graf feinen Abschied forderte. Meine Ditte, er möge doch bei mir bleiben und mir helfen, die Tradition in der Politik sort- zuführen, erfuhr die scharfe Erwiderung: Er sei nun einmal gewöhnt, nur seinem Vater vorzutragen und Dienste zu leisten; man könne unmöglich von ihm verlangen, daß er mit der Map'iie unter dem Arme bei jemand anders zum Vorttag antrete als bei seinem Vater. Als der nun ermordete Zar Rckolaüs II. groß- jährig wurde, erhielt ich auf Antrag des Fürsten Bismarck den Auftrag, dem Grohsürsten-Thron- folger in Petersburg den Schwarzen Adlerorden zu überreichen. Sowohl der Kaiser wie der Fürst belehrten mich über die Beziehungen der Länder und Häuser zueinander, wie über Sitten, Personen usw. Der Kaiser bemertte zum Schluß, er gebe seinem Enkel denselben Rat mit, den ihm als jungem Mann seinerzeit bei seinem ersten Besuche in Rußland Graf Qlblerberg gegeben habe: „Jin übrigen liebt man auch hier wie anderswo das Lob mehr als den Tadel." Der Fürst endigte seine Informationen mit der Bemerkung: „Im Orient sind alle Leute, die das Hemd außerhalb der Hose tragen, anständige Menschen, sobald sie cs 'hineinstecken und noch einen Halsorden dazu haben, sind es Schweinehunde." Don Petersburg aus habe ich wiederholt meinem Großvater wie dem Fürsten Bericht erstattet. Selbstverständlich schilderte ich nach bestem Wissen die Eindrücke, die ich empfing. Es war mir vor allem klar geworden, daß die alten russo- preußischen Beziehungen und Gefühle doch stark erkaltet und nicht mehr in dem Maße Vorhand en waren, wie der Kaiser und der Fürst in ihren Gesprächen es vorausgesetzt Hätten. Rach meiner Rückkehr bin ich von meinem Großvater und auch vom Fürsten für meine schlichte, klare Berichterstattung belobt worden, was um so erfreulich: r für mich war, als mich das Gefühl bedrückte, daß ich in manchem die hohen Herren hatte entäuschen müssen. Im Jähre 1886, Ende August, Anfang September, nach der letzten Gasteiner ZusammenkimN Kaiser Wilhelms des Großen und Bismarcks mit Kaiser Franz Joseph, bei der ich auf Brchchl meines Großvaters zugegen war, wurde mir der Auftrag zuteil, dem Kaiser Alexander III. persönlich Mitteilung von den Absprachen in Gaß'in zu machen und mit dem Zaren die das Mittelmeer und die Türkei betreffenden Fragen zu be' and'l i. Der Fürst gab mir seine Instruktionen, die vom Kaiser Wilhelm fanTtioniert waren. Sie betrafen besonders den Wunsch Rußlands, nach Stambul zu gehen, dem der Fürst keine Schwierigkeiten bereiten werde: ich erhielt im Gegenteil den d n "k- ten Auftrag. Konstantinopel und die Dardan 0"N anzubieten (San Stefano, Berliner Kongreß also fallen gelassen!). Es war beabsichtigt, die T'nckZ freundschaftlich davon zu überzeugen, daß eine Verständigung mit Rußland auch für, sie wünschenswert sei. Ich sand freundliche Aufnahme beim Zaren in Brest-Litowsk und na'hm an den noiligcn Truppenschauen, Armierunas- und Vm-leidi u. übungen usw. teil, die schon unzweifelhaft ein antideutsches Gesicht trugen 2lls Ergebnis der Gespräche mit dem Zaren ist die Bemerkung des letzteren von Bedeutung: ..Wenn er Stambul haben wolle, toer>e er es sich nehmen, wann es ihm vasse: der Erlaubnis oder Zustimmung des Fürsten Bismarck bedürfe er dazu nicht." Rach dieser schroffen 2lbl"'b>nuna des Bismarckschen Angebotes von Stambul schh ich meine Mission als gescheitei-t an. Ich faßte meinen Bericht an den Fürsten entsprechend ab. Der Fürst muß, als er sich zu dem Angebot an den Zaren entschloß, seine politisch" Auffassung, die zu San Stefano und zum D? lirmr Kongreß geführt hatte, geändert haben, ober er 'hielt, durch die Entwicklung der allgemeinen politischen Lage in Europa veranlaßt, den Zeitpunkt für gekommen, die politischen Karten anders zu mischen, ober, wie mein Großvater gesagt hätte, anders zu „jonglieren". Das konnte lick nur "in Mann von der Weltgeltung und von . । staatsmännischen und diplomatischen Maß:n Fürsten Bismarck erlauben. Ob der Fürst gar fein großes politisches Spiel mit Rußland von vornherein so angelecht hatte, daß er mit dem Tc 'Her Kongreß zunächst einmal einen allgemeinen 'i'vtcq verhindern und England streicheln wollte und zu diesem Zwecke die russischen Orientafbtrati-'nen erst einmal behinderte mit dem genialen Doch-iv, fie später um so augenfälliger berbeifübren au helfen, vermag ich nicht zu entscheiden; denn feine, großen politischen Konstruktionen gab der Fürst -nttinontem pvew. Dann YStte er tn dem faxten Selbstvertrauen auf seine Staatskunst darauf gerechnet, uns bei Rußland um so beliebter zu machen, weil die russischen Aspirationen allein von Deutschland erfüllt würden, und zwar zu einem Zeitpunkte, in dem die allgemeine politische Situation in Europa weniger gespannt war als 1877/78. Wenn dem so Ware, so hätte niemand außer dem Fürsten Bismarck selbst dieses großartige Spiel erfolgreich zu Ende spielen fön» nen. Darin liegt die Schwäche der Vorzüge großer Männer. Hatte er auch England über sein Angebot an den Zaren informiert? Dieses mußte dagegen sein wie anno 1878. Jedenfalls nahm der Fürst nunmehr die Politik auf, die mir schon damals dorgeschwebt hatte, als ich die Enttäuschung der Russen, die vor Stambul standen und nicht hinein- gelasfen wurden, erfahren hatte. (Schluß folgt.) Eine Polenrede. Genf, 27. Sept. (WTD.) Die Erklärung, die Askenasi-Polen in der-heuttgen Sitzung der Dölkerbundsverfammlung über die besondere Lage Polens hinsichtlich seiner beiden Rachbarn abgab, hatte folgenden Wortlaut: Polen befindet sich zwischen zwei'groben Rachbarn, mit denen es in Frieden lebt. Es geht die feste Hoffnung, weiter mit ihnen in Frieden leben zu können. Der eine der beiden Rachbarn, der größer ist als Polen, hat materiell abgerüstet. Man muß hoffen, daß er auch moralisch abrüsten wird. Der andere, von ungeheurer Größe, größer als das gesamte übrige Europa, unterliegt bisher keiner Verpflichtung. Wir hoffen, daß auch er «brüsten wird, aber dies ist eine noch ziem» lich fernliegende Hoffnung. Polen lebe also zwischen diesen beiden' Rachbarn mit der furchtbaren Erinnerung an die anderthalb Jahrhunderte der Unterdrückung und des polittschen Todes und in der Erinnerung seiner jüngsten Rote und stärldigen Gefahren. Richts- destoweniger toirb Polen, soweit das menschlich möglich ist, sein ganzes Vertrauen nicht auf Gewalt, sondern auf den Gedanken setzen, dem Werke des Fortschrittes und Friedens seine Unterstützung zu gewähren. Ein neues Abkommen Hugo Stinnes'. Paris, 27. Sept. (Wolff.) Die „Jour- nee Industrielle" veröffentlicht die Grundzüge eines Abkommens, über das zwischen Hugo Stinnes und dem Lothringer Metallindustriellen Jules D a r n a r d verhandelt werde. Die Lothringer Fabriken seien gerade deshalb auf dem Erzvorkommen aufgebaut, um den Lransportschwierigkeiten aus dem Wege zu gehen. Während die Lothringer Metallindustrie sich zur Zeit abarbeite, um Ausfuhrmärkte zu gewinnen, bauten die deutschen Gesellschaften, die ehemaligen Eigentümer der Lothringer Fabriken, auf eigenem Gebiet neue Werke. Man könne sich also auf folgender Grundlage verständigen: 1. Einstellung des Baues neuer Fabriken für die deutsche Metallindustrie ersten Grades; 2. regelmäßige Lieferung einer bestimmten Koksmenge aus dem Ruhrgebiet nach Lothringen nach Ablauf der Periode für Kokslie- fetungen auf Grund des FriedenSverttageS; > 3. Lieferung einer gewissen Anzahl von Halbfabrikaten durch die Lochringer Werke lit Hagendingen, Kneutingen unb Dörnbach an bie deutsche Industrie; ' 4. finanzielle Intervention Deutschlands •In diesen Werken. CS sei von einem Viertel des Kapitals die Rede. Demission Bradburys. r Paris, 27. Sept. (WTD.) Die „Ere Rouvelle" will aus autoritativer Quelle erfahren haben, Sir John Dradbury habe der britischen Regierung seine Demission als Delegierter in der Reparationskommission übermittelt. Er werde seinen Posten Ende Oktober verlassen. Urteil eines französischen Militärgerichts gegen einen deutschen Offizier. Paris, 27. Sept. (WTD.) Havas zufolge hat das Kriegsgericht von Amiens heute in Abwesenheit den deutschen Generalstabshauptmann Karl P f l u g (?) zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er war beschuldigt, Diebstähle und Sittlichkeitsverbrechen begangen zu haben. Aus dem Reiche. Maßnahmen gegen die Rot der Presse. Berlin, 27. Sept. (WTD.) Der Reichstagsausschuß für Volkswirtschaft hat heute den Entwurf einer Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über Maßnahmen gegen die wirtschaftliche Rotlage der Presse vom 21. Juli beraten. Rach einleitenden Worten des Staatssekretärs Hirsch (Reichswirtschaftsministerium), der die durch den Marksturz verstärkte Rot der Presse schilderte, erklärte sich der Ausschuß damit einverstanden, daß die auf Grund des Gesetzes au errichtende Rückvergütungskasse für die deutsche Presse am 15. Oktober ins Leben treten soll. Die Organe der Rückvergütungskasse sollen Verwaltungsrat, Vorstand und Geschäftsführer fein. Bezüglich der Zusammensetzung des Verwaltungsrates schloß sicy oer Ausschuß dem Verlangen des Reichsrates an, der vier Vertreter im Verwclltungsrat zu haben wünscht. Entsprechend dem Wunsche des Reichsrates wurde über die weitere Zusammensetzung des Derwal- tungsvates beschlossen, daß außerdem jede Fraktion des Reichstages je einen, der vorläufige Reichswirtschaftsrat drei, der Verein deutscher Zeitungsverleger zwei, die Vereinigung großstädtischer Zeitungsverleger einen, die durch vorstehende Verbände nicht vertretene sozialdemokratische Presse einen und der Reichsverband der Deutschen Presse einen Vertreter benennen. Zur Teilnahme an den Sitzungen sind ferner berechtigt: Je ein Vertreter des Reichskanzlers und des Reichswirtschaftsministers sowie der Reichsminister des Innern, der Finanzen und des Auswärtigen. Bei der sich an die erste Lesung anschließenden zweiten Lesung wurde auf Antrag des Abg. Sivkovisch beschlossen, daß Rückvergütungen auf den Druckpapierpreis nur an die Verleger der deutschen politischen Zeitungen und Zeitschriften zu zahlen seien. Angenommen wurde eine Entschließung des Abg. Streiter (D. Vp), nach welcher bei Rachprüfung der Rotstandsmaßnahmen für die Presse auch die gewerkschaftlichen, genoffen» schafllichen und wissenschaftlichen Zeitschriften aller Richtungen berücksichtigt werden sollen. Entsprechend einer Entschließung des Reichsrats wurde in die Verordnung eine Bestimmung eingefügt, wonach 5 v. H*der Gesamteingänge vorab einer von der Reichsregierung zu bestimmenden Stelle zur plnterstühung notleibenber wirtschaftlicher Zeitschriften überwiesen werden sollen. Der Tabakzoll. D e r l i n, 27. Sept. (Wolff.) Im Volks- Wirtschaftsausschuß des Reichstages wurde beschlossen, den Einfuhrzoll für Tabak von 60 Mark auf 75 Mark zu erhöhen. Angenommen wurde ein Anttag, wonach folgende Erhöhungen der Zollsätze auf Tabakerzeugnisse eintreten: a) Für Tabakblätter, Abfälle hiervon und Abfälle von Tabakerzeugnissen auf 75 Mark pro Tonne; b) für Tabakrippen, Tabakstengel 29 Mark pro Tonne; c) für Tabaklaugen auf 46 Mark pro Tonne; d) für Karotten auf 87 Mark. Diese Zollerhöhung hat zur Voraussetzung, daß die Einfuhrsperre auf Tabakerzeugnisse aufgehoben wird und die Aufhebung der letzten Erhöhung der Ausfuhrabgabe für Tabakerzeugnisse sowie eine Prüfung der Möglichkeiten weiterer Herabsetzung der Ausfuhrabgabe für Tabakerzeugnisse erfolgt. Sie geschieht in der Erwartung, daß Aenderungen in der inneren Tabaksteuer vermieden werden. Sine Partei Ledebours. Berlin, 27. Sept. Ledebour. und seine Anhänger teilen in einem Flugblatte mit, daß seine Partei konstituieren, um die XI. S. P. D. a u f r e ch t z u e r h a l t e n. Vorsitzende der Partei sind Ledebour und Theodor Liebknecht. Ledebour kündigt für Anfang Oktober das Erscheinen einer Wochenzeitung an, die sich „K l a s s e n k a m p f" nennt und deren Chefredakteur er ist. Aus Hessen. Landesparteitag der Deutschnatisnalen (Hess.) Dolkspartei. In unserem ausführlichen Bericht über den Parteitag in Dad-Rackheim in der Montags- mzmmer unseres Blattes haben wir auf die wichtigsten Beschlüsse bereits hingewiesen. Sie liegen Uns jetzt im Wortlaut vor und werden nachstehend veröffentlicht. Ein Bekenntnis des Siegers im Meitflug. Die erstaunlichen deutschen Erfolge im Flug Mit motorlosen Maschinen stellen einen Sieg deutscher Tüchtigkeit dar, den die ganze Welt anerkennen muß. Selbst französische Blätter bringen lange 'Berichte, und in den angelsächsischen Ländern ist der Gleitflug die Sensation des Tages. Die „Daily Mail", die einen 1000= Pfund-Preis für den Gleitflug ausgesetzt hat, hat es sich nicht nehmen lassen, den deutschen Sieger Henhen auszufragen und schildert ihn als einen sympathischen jungen Mann von großer Bescheidenheit und fabelhafter Tatkraft. -Das motorlose Fliegen," sagte er, „ist ein schöner Sport, den ich jedem andern vorziehe. Ob er mehr ist, weiß ich nicht. Ich fing ihn an, weil ich mich in der Luft glücklicher fühle, als irgendwo sonst. Ich sehnte mich schon als Heiner Junge nach dem Fliegen, und als sich mir die Gelegenheit bot, erwählte ich Fliegen zu meiner Laufbahn. Ich bin Ingenieur, aber nur Ingenieur, um die Mittel zu finden, durch die ich mich von der Erde in die Lust erheben kann. 1917 wurde ich Militärflieger unb kämpfte auf einem Einsitzer in Frankreich." Das Folgende sagte er nach dem Bericht des englischen Blattes „mit großer Bitterkeit, aber doch mit einem entwaffnenden Zauber": „Sie wollen wisten, warum wir diese motorlosen Flüge aufgenommen haben, die ein ein» fcW^r Sport sind. Vielleicht sind sie auch etwas mehr, aber wenn ich das behaupten wollte, würden meine Freunde sagen: .Henhen ist verrückt' Wir widmeten uns diesem Sport, weil wir die Luft lieben und in ihr sein müssen, aber wir sind an die Erde gefesselt durch alle Arten von Verboten, die uns von den Alliierten auferlegt wurden. Wir dürfen nur noch Spielzeug-Flugmaschinen haben. Da wir auf diese Weife von der Entwicklung der Flugkunst in der normalen Form ausgeschlossen sind, so bliek uns nichts als der motorlose Sport. Run. haben wir damit einige Aufmerksamkeit erregt, und nun kommen alle und wollen wissen, was es damit auf sich hat." In einem persönlichen Aufsatz in dem Londoner Blatt nennt Henhen als die Hauptbedingungen für den*Gleitflug: 1. eine besonders konstruierte Maschine 2. Kenntnis der örtlichen meteorologischen Bedingungen und Flugerfahrung. „Der Gleitflug führt uns zurück zu den frühesten Anfängen des Flugproblems", schreibt er. „Er kann für den HandeÜverkehr von Wichtigkeit werden. Ich warf mich auf den Gleitflug nach dem Londoner Ultimatum, durch bad die Entwicklung des deutschen Motorfluges vernichtet .war." Dom schlafenden Homer. „Bisweilen schlaft auch Der gute Homer," sagten die Alten, wenn ein berühmter Mann auf einen Fehler ertappt wurde, und von solchen kleinen Vergeßlichkeiten großer Dichter spricht auch Goethe in jener Unterhaltung mit Ecker- mann, in der er auf die vielen Widersprüche bet Shakespeare aufmerksam macht. Er zitiert das Wort der Lady Macbeth: „Ich habe Kinder aufgesäugt", und stellt es in Gegensatz zu Mac» duffs Aeußerung über Macbeth: „Er hat keine Kinder". Von ähnlichen Entgleisungen plaudert G. K. E. Bogeng im neuesten Heft der bei Horst Stobbe in München erscheinenden ..Bücherstube". Da ist z. B. Don Carlos, der die Handschrift der Königin nicht erkennt, obwohl er einen Brief von ihr an seinem Herzen trägt; da ist der Wcuytmeister in „Wallensteins Lager", der die doppelte Löhnung zu schätzen weiß, während Piccolomini behauptet, daß den Soldaten feit einem Jahre ihr Sold fehle; da ist es Eduard in den „Wahlverwandtschaften", der keine Zeit hat, 1. Die Deutschnationale (Hess.) Vollspartei erhebt schärfste * Einspruch gegen die der Verfassung widersprechenden, frech.itsfeindttchen Gesetze und Verordnungen, wie sie im Reiche und Land angeblich zum Schutze der Republik, in Wahrheit zum Schuhe der Parteiregierungen und zur Sicherung des beherrschenden Einflusses des Judentums erlassen worden sind. Die'Partei for-. Dort alle ihre Anhänger auf, nun erst recht zur Fahne zu stehen; sie erwartet insbesondere von den zu chr gehörigen Beamten Treue um Treue. Möge sich niemand unter ihnen durch Spitzel- und Denunziantentum abschrecken lassen, sein ihm verfassungsmäßig zustchendeS Recht der freien Meinungsäußerung auszuüben und sich innerhalb der Partei zu betätigen, die ihre hohen Ziele nur auf gesetzlichem Wegezu erreichen strebt. Die Deutschnationale Vollspartei wird, wie seither, jede Entrechtung der Beamtenschaft und jeden Versuch der Sozialdemottatie, das Berufsbeamtentum zu befeitigen, rücksichtslos bekämpfen. 2. Die Deutschnationale (Hess.) Dollspartei fordert die Beseitigung des seitherigen Orts- klassensystems und ausreichende Gerechtigkeit für die Beamten in Stadt und Land. Sie erstrebt eine Gehaltsreform, die sich auf sozial gerechter Grundlage aufbaut und dabei Leistung und Verantwortung berücksichtigt. Das System der prozentualen Teuerungszuschläge lehnt sie ab, dagegen verlangt sie Förderung der kinderreichen Famllien. 3. Die Deutschnationale (Hess.) Vollspartei verlangt eine tatsächliche Vereinfachung der Staatsverwaltung, Abänderung des Mi = nisterruhegehaltgesetzes, Verringerung der Zahl der Landtagsabgeordneten und Verbesserung des bestehenden Landtagswahlgesetzes. 4. Die Deutschnationale (Heft.) Dollspartei fordert für die kommende Derwaltungsreform eine größere Selbständigkeit der Gemeinden und für Land und Gemeinden eine größere steuerliche Unabhängigkeit vom Reich; sie bekämpft nach wie vor die Zentralisation und setzt sich mit aller Kraft für den geschichtlich gewordenen bundesstaatlichen Charakter des Deutschen Reiches ein. 5. Die Deutschnationale (Hess.) Vollspartei erklärt den Frieden von Versailles und die E r s ü l l u n g s p o l i t i k für die Quellen unseres unaufhaltsamen Riederganges, des Wuchers, der Teuerung und der Devisenspekulation. Bleibt Versailles und bleiben die Desatzungskosten, dann ist Deutschland verloren. Sie fordert deshalb den schärfsten Kampf gegen die Kriegsschuld lüge als die Grundlage des Derttages von Versailles. Sie verlangt weiter gegenüber der französischen Forderung auf die Verfolgung angeblicher deutscher Kriegsverbrechen die endliche Bekanntgabe der tatsächlichen Kriegsverbrecher der Feinde. Den Beamten im besetzten Gebiet, die Schweres erdulden müssen, entbietet die Partei treuen deutschen Hessengruß in der unerschütternden Hoffnung auf das einige große und freie Deutschland der Zukunft. । 6. Die Deutschnationale (Hess.) Vollspartei erwartet von Regierung und Landtag wirklich durchgreifende Maßnahmen, um der Dotlage der Kleinrentner. Ruhestandsbeamten, Witwen und Waisen zu steuern. Aus Stadt und Land. Gießen, den 28. September 1922. Das Notgeld für die Provinz Oberhessen wird nicht nur bei der Mitteldeutschen Eredit- bank, sondern nach neueren Anordnungen b e i allen hiesigen Bankinstituten ausgegeben werden. Verbot der Versütterung von Brotgetreide und Mehl. Von amtlicher Seite wird uns mitgeteilt: Rach § 44 des Reichsgesehes über die Regelung des Verkehrs mit (betreibe aus der Ernte 1922 vom 4. Juli 1922 darf Brotgetreide, auch gequetscht, gefchroten oder sonst zerlleinert, sowie Mehl aus Brotgetreide nicht verfüttert oder zur Bereitung von Futtermitteln verwendet werden. Zuwiderhandelnde haben strengste Bestrafung zu erwarten. Die neue Milchpreiserhöhung. im. liebet die neue Milchpreisfest- sehung verhandelten gestern im Stadthaus in Darmstadt die Städtevertreter von Hessen-Rassau /mb Hessen mit den landwirtschaftlichen Organisationen bzw. Milchproduzenten. Das die Vertreter der Landwirte den Betrag von 35 Mark als Stallpreis verlangten, wahrend die Städte 1111IHHI < ff WHI mir bis zum Betrage von 22—23 Mark gehen wollten, konnte eine Einigung nicht erzielt wer- en. Darauf trat alsbald das Schiedsgericht unter Vorsitz des Ockonomierates i. R. Sei» t & i g e r zusammen, das nach kurzer Aussprache den Preis auf 27 Mark ab Stall fest setzte, so daß sich der Verkaufspreis auf etwa 35 — 36 Mark stellen wird. ** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 19. September der Ober» amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein Albert Hoffmann zum Amtsgerckchtsrat bei dem Amtsgericht Friedberg mit Wirkung vom Tage seines Dienstanttitts an. — Ernannt wurde am 19. September der Geiangenaufseher auf Probe Wichelm Schwalb zu Marienschloß zum Strafanstaltsoberwachtmeister am Landeszuchthaus Marienschloß mit Wirkung vom 8. Oktober 1922. — Ernannt wurde am 20. September der Gerichtsassessor Dr. Alfred Andrae aus Büdingen zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Ortenberg mit Wirkung vom 1. Oktober 1922. — Am 22. September wurde der in den Landesdienst zurückgetretene Oberregierungsrat beim Landes- sinanzamt Darmstadt Geh. Oberfinan^rat Christ. Braun vom b Oktober ds. Js. ab zum außerplanmäßigen Ministerialrat im Ministerium der Finanzen ernannt — In den Ruhestand wurde versetzt am 20. September der Amtsrichter be dem Amtsgericht Ortenberg Amtsgerichtsrat Her mann Allwo hn mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 unter Anerkennung seiner dem Staab geleisteten Dienste bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit — Am 18. September wurde bei Rotar Dr. Angermeier in Sprendlingen aus fein Rachsuchen von dem Amte eines Rotars unter Anerkennung der dem Staate geleisteten Dienste enthoben. — Ernannt wurde am 22. September der Landwirtschaftsrat Dr. Hermann Schad zu Butzbach mit Wirkung vom 1. September 1922 an zum Vorstand der Hessischer Landwirtschafllichen Schule zu Butzbach ** Z e u g e g e s u ch t. Am Sonntag nachmittag gegen 1 Uhr hat eine Dame ihre Dos (Sttaußfeder) im Werte von etwa 3000 Mk. vor dem Katholischen Schwesternhaus in der Liebigsttaße verloren. Eine des Weges kommende Dame nahm den Fund.an sich und wurde dabei von einem Herrn gesehen. Dir Kriminalpolizei legt auf das Zeugnis dieses Herrn Gewicht und bittet ihn hierdurch, au' dem Polizeiamt vorzusprechen. Mettervoraussage für Freitag : Wolkig, vereinzelt leichter Regen, mäßic warm. Die Wetterlage ist recht unbeständig, dc wir im Grenzgebiet zwischen hohem und tiefem Druck liegen. Vornotizen. — Tageskalenb er für Donnerstag. .Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „DieStrand- nix e“, heute letzter Tag. — Astoria-Lichtspiele ab heckte: „Das Haus ohne Tür und 5enfter“ ferner „Das Verbrechen von Houndsdttch". Landkreis Gießen. □ Lauter b. Grünberg, 26. Sept. Ein fthr stimmungsvolles E h r e n b e n t m a I für die im Weltkrieg gefallenen Helben unseres Dorfes wirb zur Zett hergestellt. Das Ehren- denkmal wird dargestellt durch einen mit Basalt, steinen ummauerten Heldenhain. Jeder bei für das Vaterland gefallenen Krieger bekomm einen besonderen Gedenkstein. Der Eingang erfolgt durch ein stattliches Portal mit prächtiger Bild- hauerarbeit. In die Rückseite der Umfassungsmauer wird ein gewaltiges Kreuz eingelassen, das 10 Zentimeter 'hervorsteht. Die Dilbhauerarbeit ist in feinem Gungftein ausgeführt; sie stammt aus der Werkstätte des Bildhauers A. Leonhard in Grünberg. Der Entwurf stammt vor Regierungsbaumeister Schneider in Gießen Der „Ehrenhain" liegt an der Hauptstraße unweit der Schule. Man hofft, das Denkmal noch in diesem Jahr weihen zu foimen. Kreis Büdingen. nb. Ribda, 24. Sept, Gestern Tarnen 'hier die drei neuen Glocken für unsere ev. Kirche an. Sie wurden vom Bahnhof in einem feierlichen Zuge zum 1. Pfarrhause gebracht uni ■in dem Hofe zur öffentlichen Besichtigung auf- Heutiger Stand des Dollars 10 Ahr vormittags: Berlin 1765, Sfranffurt 1770—1500. einen Brief zu siegeln, inbeffen Ottilie späterhin bas Siegel dieses Briefes erbricht. Man kann in diesem Zusammenhang auch an das verhängnisvolle Wüten des Druckfehlerteufels erinnern: doch ist der Schreibfehler für die Text- geschichte viel unheilvoller gewesen. Eine Schreibflüchtigkeit führt der Verfasser als Beispiel aus Schillers „Wallenstein" an. Schiller gab im ersten Aufzug der „Piccolomini" am Schluß des dritten unb am Beginn des vierten Austritts dem Dialog folgenbe Wendung: Questenberg (besodglich) Mein würd'gec Freund, ich hab' die beste Meinung Vom Oberst Piccolomoni — doch wenn Bedenken Sie — Oktaviv Ich muß es darauf wagen — Still! Da kommt er — Mar Piccolomini Da ist er ja gleich selbst. Willlommen, Vater! Da es ganz sinnlos ist, baß sich Max Piccolomini mit dem Satze „Da ist er ja gleich selbst", einführt unb Oktavio, wenn man ihm diesen Satz geben würde, nur zweimal das gleiche sagte, so bleibt keine andere Erklärung, als baß Schiller zuerst schrieb „Still! Da kommt er! unb biese Wendung bann durch „Da ist er ja gleich selbst!" ersetzte, bann aber den überflüssigen ersten Satz auszu st reichen vergaß. Auch wird, wenn man „Still, kommt er" wegläßt, erst durch die vollständigen fünffüßigen Jamben die metrische Konttnunität gewonnen. Die schwarzen Fliegen von Spangenberg. Ein seltsames Raturereignis. Aus Kassel wirb uns geschrieben: Alljährlich, um den zehnten August herum, erscheint über dem Hessenstädtchen Spangen berg eine schwarz, Wolke. Eintagsfliegen sind e\ geflügelte Ameisen. In einem Hochzeitsflug schwirren sie um die Turmspitze der trotzigen Feste Spangenberg auf ihrem hohen Felsenkegel und sinken dann tot aufs Pflaster des Burghofs nieder. Oft sind ihrer so viele, daß sie zollhoch Gänge und Zimmei des uralten Schlosses bedecken. In diesem Jahre wohl infolge des vielen Regens, verspäteten sic sich. Aber sie kamen in diesen letzten Augusttager doch noch unb das alljährliche Schauspiel wiederholte sich. Um diesen Fliegenschwarm geht eine altersgraue Sage. Einmal, kein Mensch weiß wann, beherrschte die Burg ein mächtiger Ritter. Ein blonder Edelknabe liebte die schöne Burgfrau. Heimliches Raunen trug dem Herrn die Kunde davon zu. Eines Tages war.große Jagdgesellschaft, und während des Mahles erhob sich bei Ritter und fragte die Edlen ringsum, was sie tun würden, wenn sie erführen, daß jemand versuche, in eines Ritters Abwesenheit dessen Ehegemahl zu verführen ... Grausame Todes» strasen wurden vorgeschlagen, aber eine gefiel dem Othello von der Spangenburg am besten. Ich würde, sagte ein Ritter, den Schuldigen greifen, ihm die Kleidung abreißen, den nackten Leib mit Honig bestreichen unb bann den Sünber in einem eisernen Käfig hoch an der Turmes- spitze aufhängen, der Sonnenglut unb ben Insektenstichen solange ausgesetzt, bis er stirbt... Unb so geschah's mit dem blonden Edelknaben. Roch im letzten Jahrhundert soll der Eisenkäfig am Turm gewesen fein. In jedem Jahre aber, an dem Tag, da das furchtbare Gericht vollzogen wurde, kommt der Insektenschwarm, fliegt um die Turmspitze unb stirbt.. Das ist die Geschichte der schwarzen Fliegen von Schloß Spangenberg im waldigen Hessenland! 'gti. K S"S Wen eou Men nah n feiger-"! M E1 raren * heilte s-4 J -zfinen q ßdt öitah“ baute Wo cinrnl sehr " hause der Dc liifenbat) M auf dem!« lau8 errich i Zimmern > jud) schöne Iohnhäuseri -ach Gon Mn seh- Freden M Wes". Hie t'tr 2an M Diese M in das tagevallig- lsWarb dcrordnet nit der Ha Scsijit t hvhung der unb sonstige die Eingaben sproßen und iastsausschuh ju cmtfeM Haltung i teitbe auf :0 für ben M Tchillenm Kinderla traten, brgin Unterricht. ftb. Fr hiesige 2er Mitglieder z: gen die 2 mit der Zah rungSind die in ihrer Wtiwn it zur WMo AmM Heinrich W ( lNls QJübing» hierzu verha Landgericht tat Staalsar 1-2L Elso atrleidigt. •«ÄRBEBz; Siri Ganz be ßesiefitigen OSRAM NITRA , bpa' *£ * fe! yy X-.l M DÄ ava; A, ■ k\ 1 ? 1922. Gifteten >, mW dc unb tie- nners- eStrand Wspiele d ftlc6Lrf ,enla^' g nach. re 3m 00 M In der s tom- ich unt :n. Dir. 5 dieser ch, ou1 cmcn M sere ev. in einem »rächt mck jung ter be «ttzer 1. U "Staab N |eb vrde bei D.°u! W. ®r f für frte len uw is Ehren- it Wit Jeher bei bekomm ng erfofal ger Bild- ^assungs- assen, das meratbeil ie stamm! ’ Leon» immt vor Sieben be un-veii in diesem chten. Ober- Al- *» dem Ä« ft am slhloarz' Ameisen um die berg au bann to Oft sink d Zimms mIah? äteten |i< AÄ et wieder' lutflg* rr: z-sE n jemand jt W 7 T°d^ ^besten- JjS en _„a5< , den * ^Edel- In L lobend und anerkennend aus. material m >7/.H0KS Blutarmut, Bleichsucht gegen 8233c Ltaiemn Nervosität, Schwächezustände GALENUS CHEMISCHE INDUSTRIE FRANKFURT a. M. - FECHENHEiM, WERK MAINKUR. QJ/odehaus Qalomon•. ! W"""6ie$sen"VJ"3chüly7äSe ssmC Von Ter als ge= größere konnten neu Jahre 1921 eine Generation mehr wohnlich bilden und daher eine viel Zahl Maden und Puppen überwintern LandMirtschas't. Getreideschädlinge. Oekonomierat Glaser- Lauterbach. beim Weizen viele Halme nicht die normale Länge bekommen haben und daß beim H a f e r sich außerordentlich viel Vachwuchs bildete. Beide Erscheinungen sind aus zwei Getreideschädlinge zurückzuführen, deren Bekämpfung eine dringende Notwendigkeit ist. Beide Schädlinge sind Fliegen, und zwar wuvjde der Weizen durch die Getreidehalmf liege, auch Gelbe Halm fliege odeü Weizen- fliege genannt (Chlorops taeniopus), am normalen Wachstum verhindert, und der Hafer durch die Frits liege (Oscinis frit) beschädigt. Die G e t r e i d e h a l m f l i e g c ist ein 3 bis 4 Millimeter langes Insekt mit drei schwarzen Längssireisen auf dem gelben Vorderrücken und mit großen grünen Augen, daher der wissen- schastliche Name Chlorops. Das Infekt legt, wenn die Aehre im Juni schossen will, an das oberste Blatt ein Ei. aus welchem nach kurzer Zeit eine Larve ausschlüpst, die sich an den Aehrengrund begibt und von hier aus nach unten den Halm ansrif't. in dem es einen schmutziger Fraßgang bis zum ersten Knoten bildet, lieber demselben verpuppt sich die Larve. Durch diese Beschädigung wird die Pflanze im Wachstum gestört, und die Aehre bleibt entweder ganz in der Blattscheide stecken oder kommt aus Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Knaf hatte mit der Zeugin Groß ein Liebesverhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. In dem Daterschaftsprvzefse vor dem Amtsgericht Büdingen machte Knaf die ©tnrebe geltend, daß noch mehrere mit der Groß intim verkehrt hätten. Der Angeklagte Weidling trat damals als Zeuge auf und bestätigte dies für seine Person unter Eid. Die Groß bestritt, jemals mit Weidling in intime Beziehungen getreten zu sein, und da Weidling verschiedenen Zeugen gegenüber bekundet hatte, nichts mit der Groß zu tun gehabt zu haben, und sich auch bezüglich des Ortes in Widersprüche verwickelte, wurde auf Grund eines Beschlusses der Stvafdimmer, der dem Antrag der Staatsanwaltschaft zuwider das Hauptverfahren eröffnete, Anklage gegen ihn wegen Meineids erhoben. Knaf sollte ihn hierzu angestiftet haben. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage, worauf das Gericht beide f r e i s p r a ch. Gießen, den 27. Sept. Unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Dr. Hansult wurde heute gegen das Dienstmädchen Marie Lang von Ulfa wegen Kindesmordes verhandelt. Sie Anklage vertrat Staats- rnwalt Fischer: die Verteidigung wurde von Rechtsanwalt S ch l i n k geführt. Die Angeklagte gab zu, in der Rächt zum 29. Juni 1922 ein uneheliches Kind geboren und ihm den Mund mit einem Tuch zugehalten zu haben, um es am Schreien zu verhindern. Dann habe sie es in die Abortgrube geworfen: ob es hierbei noch gelebt.habe, wisse sie nicht. Der Sachverständige, Medizinalrat Dr. Best von Schotten, bekundete, daß es sich um ein fast ausgetragenes, lebensfähiges Kind gehandelt habe, das auch gelebt habe. Ob es in der Abortgrube ertrunken oder vorher erstickt worden sei, lasse sich mit 'Bestimmtheit nicht sagen. Der Staatsanwalt beantragte, die Schuldfrage und die Frage nach mildernden Umständen zu bejahen: Rechtsanwalt Schlink bat. die Schuldfrage zu verneinen, da die Vorsätzlichkeit der Tötung nicht nachgewiesen fei. Die Geschworenen bejahten beide Fragen, und die Angeklagte wurde antragsgemäß mit Rücksicht auf ihre Jugend, ihre Rotlage und ihr reumütiges Geständnis zu der Mindeststrafe von 2 Zähren Gefängnis verurteilt. Bekanntmachung. Betr.: Gebühren der Schornsteinfeger. Im Amtsverkündigungsbialt Rr. 97 vom 12. 9. 22 sind die neuen Gebührensätze der Schornsteinfeger veröffentlicht, auf die ich hierdurch Hinweise. Auf die im Amtsverkündigungsblatt Rr. 99 vom 19. 9. 22 veröffentlichte Berichtigung dieser Gebührensätze wird gleichzeitig hingewiefen Gießen, den 25. Sept. 1922. 886313 Der Oberbürgermeister. I.V.: Krenzien. Bekanntnsachnng. In unser Genoffenschastsregister wurde heute bezüglich der Spar- und Darlehns- kasse, eingetragenen Genoffenschaft mit beschränkter Haftpflicht zu Reiskirchen eingetragen. An Stelle des aus dem Vorstand ausgeschiedenen Landwirts Heinrich Schomber zu Reiskirchen ist Landwirt Philipp Schomber daselbst gewählt. ' Gießen, den 19. September 1922. Hessisches Amtsgericht. [88O5B Schwurgericht. Gießen, 26. Sept. Am zweiten Schwurgerichtstag wurde gegen Heinrich Weidling und Heinrich Knaf, beide aus Büdingen, wegen Meineids und Anstiftung hierzu verhandelt. Den Vorsrtz führte wiederum Landgerichtsra' Dr. Hansult. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Locher. Weidling wurde von R.-A. Elsoffer, Knaf von R.-A. Dr. A a r o n verteidigt. Vermischtes» Berlin, 27. Sept. Einer Blättermeldung aus Stettin zufolge kenterte ein Doppelzweier, in dem sich vier Schüler des Hamburger Gymnasiums befanden, bei der Fahrt auf dem vom Sturm stark bewegten Lübbesee. Ein Schüler konnte sich durch Schwimmen retten. Die übrigen ertranken. D e r l i n , 27. Sept. Die chemischeFa - b r i k der „21 H a S" - Aktiengesellschaft in 021 ö IEau bei Leipzig wurde vollkommen e i n- geäschert. Das Feuer war durch Explosion eines Benzintanks entstanden. B e r l t n, 27. Sept. Wie dem „B. S.“ von der jütländischen Küste gemeldet wird, sind bei Dovojerg und Vjaltring u n g e - heureHeringschwärme aufgetreten, die sich in s ü d l i ch e r Richtung bewegen. Bei Bovbjerg standen die Heringe in so großen Mengen dicht am Strande, daß sie m i 1 Schaufeln in die Fischereifahrzeuge gebracht werden konnten. _.. aufmeiksame Beobachter der Getreidefelder wird in diesem Jahre bemerkt haben, daß Wietzener HerWpferdsmerrkt. Gießen, 27. Sept. Unsere Stadt stand schon am Montag und Dienstag unter dem Zeichen des Pferdemarkles. Don weit her waren an diesen Tagen schon zahlreiche Handelsleute gekommen, die Reflektanten für schwere Arbeitsschläge waren, welche die Stallungen durchmusterten, um für den Markt sich zu orientieren. Der Markt selber war an Material, welches zum Verkauf stand, gegenüber einer sehr starken Rachfrage nur mäßig befahren. Die erzielten Preise für erstklassige Arbeitstiere waren sehr hoch und bewegten sich zwischen 100—130 000 Mark pro Stück. Der Vorrat wurde sehr bequem untergebracht. Bei den Pferden, welche von Züchtern zur Preisbewertung vorgeführt wurden, zeigten sich diesmal starke Lücken. Die Landwirtschaft arbeitet eben bei den wenig schönen Tagen mit Hochdruck auf dem Felde und konnte ihre Tiere nicht zur Vorführung bringen. Die Preisverteilung hotte folgendes Ergebnis: Reitpferde, unter dem Reiter gezeigt: 7jähr. brauner Wallach (Aug. Frensdorf, Gießen) 1. Preis. Wagenpferde, paarweise vorgeführt: 6- und 7jähr. Goldfuchsstuten (Aug. Frensdorf, Gießen) 1. Preis. Lei chteArbeitsschläge, paarweise vorgeführt: 3jähr. Fuchsstuten (S. Kaufmann, Rieder-Weisel) 1. Preis. Schwere Arbeitsschläge, einzeln vor geführt: 6jähr. Wallach (Stern & Gold- Aepselyersteigerung. Montag, den 2. Oktober, sollen die Gemeindeäpfel an Ort und Stelle versteigert werden. Anfang vormittags 10 Uhr an der Straße Wetterfeld—Lauter. Die Aepfel müßen nach der Genehmigung bar bezahlt werden. Lauter, den 26. September 1922. Bürgermeisterei Lauter. Aff. 8861D schmidt, Wetter) 1. Preis, braune Stute (Aug. Frensdorf, Gießen) 2. Preis, Fuchsstute (Salomon Michel, Gießen) 3. Preis, 6jähr. braune Stute (Jul. Kaufmann, Rieder-Weisel) 4. Preis. Leichte Arbeitsschläge, einzeln vorgeführt: 3jähr. Fuchsstute (S. Kaufmann, Rieder-Weisel) 1. Preis, 5jähr. Fuchsstute (Aug. Frensdorf, Gießen) 2. Preis, 5jähr. braune Stute (Stern & Goldschmidt, Wetter) 3. Preis, 7jähr. Fuchsstute (Gebr. Isenberg, Gießen) 4. Preis, 6jähr. Fuchsstute (Gebr. Isenberg, Gießen) S.Preis, Fuchswallach (M. Hesching, Kirchhain) 6. Preis. Va. Schwere Arbeitsschläge, einzeln vorgeführt. Diese Pferde müssen mineslens 6 Monate Im Besitz von Landwirten sein, die dem Landes-Pferdezuchtverein ober einem landwirtschaftlichen Bezirksverein in Hessen angehören: lOjähr. Fuchsstute (Wilh. Laux I., Holzheim). Vb. Leichte Arbeitsschläge, einzeln vvrgeführt. Diese Pferde müssen mindestens 6 Monate im Besitz von Landwirten fein, die dem 'Landes-Pferdezuchtverein oder einem landwir.schaftl. Dezirksverein in Hessen angehören: 4jähr. braune Stute (Anton Belten XIV., Lang- Göns) 1. Preis, 5jähr. braune Stute (Anton Velten, Lang-Göns) 2. Preis. Vc) Leichte Arbeitsschläge, paarweise vorgeführt. Diese Pferde müssen mindestens 6 Monate im Besitz von Landwirten sein, die dem Landes-Pserdezuchtverein • oder einem landwirtschaftlichen Dezirksverein Hessens angehören: 4- und 5jähr. braune Stuten (Anton Beiten XIV., Lang-Göns) 1. Preis. Zuchtstuten mit Saugfohlen ober mehreren Rachkommen: Wagenschläge: 5jähr. braune Stute (Anton Velten, Lang-Göns) 1. Preis: Fuchsslute (Hauptmann von der Recke) 2. Preis. Zucht fluten mit Saugfohlen ober mehrere Rachkommen: Wagenschläge: 10- jähriger Fuchs (Wilh. Laux, Holzheim) 1. Preis. Der größte Teil der einzelnen zur Prämiirung vorgesehenen Klassen hatte zwar Meldungen, doch toaien die Besitzer mit ihren Tieren ausgeblieben. Oekonomierat Müller- Oteußof, der Vorsitzende der Prämiierungskommission, bedauerte in seiner Schlußansprache diesen älmstand sehr, erklärte aber, daß dies bei den dringenden Erntearbeiten nicht anders zu erwarten gewesen sei. Er sprach sich im allgemeinen über das gezeigte Pferde- taßeOL SchuMnder Hatten die Gkvcken mit Girlanden geschmückt. Gemeinsamer Gesang aller Zug- tcilnehmer von „Qfcuix danket alle Gott", eine An- T^cadje von Pfarrer Laut unb der Vortrag eines Gedichtes durch ein Schulmädchen bildeten die veine würdige Empfangsfeier für die Glocken. Ein Ghoralgesang schloß den Festatt. In den ^stächsten Tragen werden die Glocken im Turme cntfgd?ängt unb künftigen Sonntag im Vormittagsgottesdienste eingeweiht. — Heute predigte in ben beiben Gottesbiensten Missionar Wal - t!her aus (Beuern, der im Dienste der Baseler Mission lange in Kamerun tätig gewesen war. ©eine Predigten machten auf die zahlreichen Zuhörer tiefen Eindruck. — Der Verein „Kaiser- Orchester", hier veranstaltete heute unter der vorzüglichen Lei tu iq von Gewerbelehrer Endres eine Wohltätigkeitsvorstellung zum Besten einer neuen Orgel für die Stadtkirche. Es gingen nahe an 3000 Mark ein. Arciö Schotten. □ Schotten. 27. Sept. Die Ob st Versteigerung des Kreises hat einen Erlös mm gegen 200 000 Mark gebracht. Händler waren nicht zugelassen. Der ZentnerAepsel stellte sich im Durchschnitt auf gegen 60—70 Mk., Birnen warcn etwas teurer. □ Laubach, 27. Sept. Die „Licher Straße" ist im letzten Jahre durch verschiedene von der Stabt auf gräflichem Gelände erbaute Wohnhäuser erweitert worden; zu einem sehr niedrigen Preise war vom gräflichen Hause der Boden verkauft worden. Ebenso hat die Eisenbahnverwaltung für ihre Beamten auf demselben Gelände ein stattliches Dop pel- haus errichtet. Es gibt vier Wohnungen mit je 4 Zimmern unb einer Mansarde nebst Zubehör. Auch schöne Gärten und Rebengebäude sind ben Wohnhäusern angefügt worden. 'Auch die S t r aße nach Gonterskirchen ist in den letzten Zähren .sehr erweitert worden. Die Häuser erstrecken sich jetzt bis an den Fuß des „Roten Berges". Hier hat sich auch der befannte Kunstmaler Barnas aus Friedberg jetzt an- gebaut Diese Straße gewährt einen reizvollen Blick in das Wettertal unb das Städtchen mit dem gewaltigen Rumsberg im Hintergrund. Hcssen-Nttnau. ff Mar b u r g, 27. Sept. Die gestrige S tabt« herorb netensitzung beschäftigte sich u. a. mit der L§agistratsvorlage, die dahin geh st bas Defizit von 5 Millionen durch Erhöhung der Gewerbe- unb Grundsteuer und sonstige Maßnahmen zu decken. Es wurden die (Eingaben der kommunalen Bereinigungen besprochen und lo'stiestlich beschlossen, dem Haus- ^haltsausschutz bi: Sache zu übertragen unb biefem zu empfehlen, Ersparnisse bei der Verwaltung ddi uschlagen. — Die Hundesteuer wurde auf 500 Mk. für den ersten und 1000 Mk. für den zweit. Hund erhöht. — Die hiesigen Schulen unb Lehranstalten, die wegen der Kinderlähmung schon monatelang geschlossen waren, beginnen am 3. Oktober toieber mit dem Unterricht. spb. Frankfurt a. M., 27. Sept. Der hiesige Aerztliche Verein beschloß, seine Mitglieder zu verpflichten, für ärztliche Leistungen die Vorkriegssähe, vervielfacht mit der Zahl des jeweiligen R e i ch s - Teuerungsindex zu berechnen. Ausländer müssen die in ihrer Heimat üblichen Sähe bezahlen. Außerdem kommt die sofortige Barzahlung zur Einführung. ihr heraus, ohne aber weiter zu wachsen, oder sie bleibt auch mit ihrer Spitze in der Scheide hängen und die Aehre kommt gekrümmt heraus, ohne die Kraft zu haben, sich ganz zu recken. Die Körner solcher Aehren bleiben klein, bilden höchstens Hühnerfutter. Auf einzelnen Selbem wurden in diesem Jahre bis zu 80 Prozent Aehren als von der Halmfliege beschädigt gezählt. Aus der Puppe entsteht im Herbst die zweite Generation, welche ihre Eier im August—September an die unteren Teile der Getreidehalme, die Aussallpflanzen, die jungen Wintersaaten, ins' besondere Wintergerste, legt. Die Larven dieser Wintergeneration rufen im Winter an ben Wintersaaten großen Schaben hervor, der häufig als Frostschaden angesehen wird. Die Betreibe Halmsliege schädigt Weizen unb Gerste, und auch manchmal Hafer. Die Fritf liege, der zweite große Schädiger der diesjährigen Ernte, ist eine kleine, schwarzbraun glänzende Fliege, welche gewöhnlich drei Generationen hat. Die erste Generation tritt im April bis halben Mai auf. Je später die Saat, um so größeren Schaden können diese Insekten anrichten, unb da wir einen langen Winter hatten, so fanden sie den Tisch für sich gedeckt Alle Getreidearten, besonders der Haser, werden befallen. Die Maden der Fritfliege, welche 2 bis 4 Millimeter lang sind, fressen das Herzblatt der Pflanzen an. Dieses vergilbt, wird faulig am Grunde und läßt sich leicht aus seiner Blatthülle herausziehen. An dieser Stelle finden sich auch tönnchensörmige braune Puppen der Fritsliegc Die zweite Generation beschädigt sowohl Aehren oder Rischen als auch Körner, und die dritte Generation die Wintersaaten, nachdem die Eier an junge Saaten im September und auch an Aussallpflanzen gelegt worden sind. Die Lebensweise dieser Schädlinge gibt die Fingerzeige für bie Bekämpfung: Sofortiger Stoppelsturz nach der Ernte, Eggen unb Zuwalzen des Landes, damit der Körner- aussall baldigst keimen kann. Diese sich nun entwickelnden Aussallpflanzen sind Die Eierablagestellen der Fliegen, sie sind daher Fangpslanzen. Werden später diese geschälten Felber tief gepflügt, womöglich mit Vorschau, so kommen die Fangpslanzen so tief in den Boden, daß die aus den Puppen ausschlüpfenden Fliegen nicht aus dem Boden heraus können. Sind Wintersaaten so stark beschädigt, baß Reubestellung notwendig ist, so muß im Frühjahr tief gepflügt werben. Wechsel zwischen Halmfrucht unb Blattfrucht schützt ebenfalls vor den Schüblingen. Diese Insekten und auch noch andere haben deshalb in diesem Jahre so großen Schaden angerichtet, weil sie wahrscheinlich in dem trocke- Strick- • —-----noch zu besonders günstigen Preisen! Ganz besonders große Auswahl. Besichtigen Sie unser Spezialfenster. 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Zs. an den Landtag, auf eine Anfrage des Abgeordneten Hofmann ergangenen Antwort kündigte das Landesamt für das Dildungswesen als ein Mittel, mtt denen der infolge des Geburtenrückganges eingetretenen Rotlage der Junglehrer entgegenzuwirken sei, in erster Linie die >Pensionierung der älteren Lehrer an. Der Landtag hat dagegen keinen Widerspruch erhoben. Die Rechtslage ist auch völlig Dar, wie weiterhin im Landtag auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Dingeldeh von der Regierung dargelegt wurde: Die erlassene Verfügung stützt sich auf das neue Ruhegehaltsgesetz, das die Pensionierung der Beamten ohne Angabe von Gründen vom vollendeten 65. Lebensjahr ab zuläßt. Durch Beschluß des Gesamtministeriums vom 19. Mai 1922 wurde dieses Gesetz, das wegen der Beanstandung einzelner Punkte durch das Reichsfinanzministerium noch nicht veröffentlicht ist, in Kraft gesetzt. Aeberdies besteht auch noch die bezügliche Bestimmung des Edikts von 1820 zu Recht, wonach ein Beamter jederzeit unter Gewährung des entsprechenden Ruhegehalts pensioniert werden kann. Die Opposition im Landtag hat also eine weitere Auseinandersetzung über diese Frage nicht für erforderlich gehalten, weil die Maßnahme des LandesamtS für das Bildungs- ' wesen sich auf gesetzlichem Boden bewegt. Der spitzfindigen Logik des betreffenden Zeitungsartikels, die eine Anwendung des Edikts von 1820 allgemein auf jüngere Lehrerinnen empfiehlt, kann man nicht folgen, nachdem durch die Entscheidung des Reichsgerichts festgestellt ist, daß auf Grund der Verfassung verheiratete Lehrerinnen im Dienst verbleiben können. Auch von der „großen Erbitterung" über die Anstellung einer verheirateten Lehrerin in Rhein-Dürkheim ist uns nichts bekannt; diese Anstellung ist vielmehr im Einvernehmen und mit Zustimmung der Lvkalbehörden von Rhein-Dürkheim erfolgt. Unter den 25 Lehrern, die jetzt pensioniert worden sind, hatten zwei am 1. April d. Zs. schon das 74. Lebensjahr vollendet, weitere fünf waren über 70, weitere acht über 69 Jahre alt; zwei weitere haben inzwischen bis zu ihrer Pensionierung das 69. Lebensjahr vollendet. Darf man da, wie es der erwähnte Artikel für gut befindet, das Interesse der Steuerzahler mobil machen, wenn diesen alten Herren der wohlverdiente Ruhegehalt gewährt wird? In Preußen treten die Beamten mit „vollendetem 65. Lebensjahr" kraft Gesetzes in den Ruhestand. Mit Parteipolitik hat diese Sache auch nicht das Geringste zu tun. Der Avt- iwwimh» iimmu-'- twsBMMrw'jaggBCTivi.niMwwrjauiWMwmEi Die Herrveghs. Erne rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill. 2. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) „Doch, es liegt mir an dem," sagte sie. Sie erhob sich, um das Blatt vom Kalender abzu- reißen, das noch eine feuerrote sonntägliche Zahl vom vergangenen Sonntag trug. Diese Zettel wurden von Trina gesammelt wegen der guten Rezepte auf der Rücksette. Als Frau von Her- wegh am heutigen Sonnabend angekommen war und sie die Zähl dreizehn erblickte, stieß sie einen Laut des Entsetzens aus. „Mein Gott. Ernst, heut ist ja dein Geburtstag!" Sie stand wie von einem Blitzstrahl bettoffen. Dann kam sie mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu. „Mein guter Junge, wir haben deinen Geburtstag vergessen! Ich werde all, wahrhaftig!" Sie umarmte ihn zärtlich. „Aber Mama," sagte er lachend, „das ist ja nicht so schlimm „Doch, das ist sehr schlimm." sagte sie, „das hätte mir dein Dater nie verziehen. Ich hatte seinen ersten Geburtstag nämlich auch vergessen, er war wochenlang noch darüber gekränkt, die Rorddeutschen nehmen es mit solchen Gedenktagen genau. Du bist doch mein Bester," sagte sie leise, ihr blondes Haupt, das noch keinen weihen Faden aufwies, an seine Schulter schmiegend. . . Tlnd er fühlte sich ausgesöhnt. Mit allem. Er liebte seine Mutter mit all ihren Fehlern and Schwächen, und er zog ihre ringgeschmückte schöne Hand an sich. * läge der Junglehrer muhte im Interesse des Staates gesteuert werden. Lediglich diebesonderenVerhältnisseinner- halb des Lehrerberufs waren maßgebend für die Anwendung einer für alle Beamten gültigen Gesetzesbestimmung. Von einer Ausnahmebehandlung der Lehrer gegenüber anderen Deamtengruppen kann keine Rede sein. Das Hinaufzeichnen der Warenpreise. Bon Georg Lind, Rechtsanwalt m Grünberg. Die Verbraucher merken es täglich und führen Klage, daß bei der Knappheit ihrer eigenen Mittel ein anhaltendes Steigen der Preise für alle Gegenstände des täglichen Bedarfs stattfindet. §atujl9 richten sich deshalb Vorwürfe gegen die Geschäftswelt, der man Preistreiberei und wucherische Maßnahmen vorwirft. Für den reellen Geschäftsmann ist es tatsächlich eine brennende Frage geworden, wie er die Wieder- b e sch a f f u n g neuer teuerer Waren bewerkstelligen soll, wenn er die alten Waren noch zu einem Preise verkauft hat, der weit unter dem neuen Wiedereinkaufspreis zurückb:eibt, o h n e mit den Preistreibereivorschriften in Konflikt zu kommen. Die neuen Waren muh er oft zu einem Preise einkaufen, der den vereinnahmten Preis für die alte Ware vielleicht um ein Doppeltes ober- gar Vielfaches übersteigt. Der Geschäftsmann mühte also, toerm er sein Lager für das kaufende Publikum auf dem früheren Bestand erhalten will, den mehrfachen Betrag des Erlöses ausgeben, den er für seinen alten Warenbestand vereinnahmt hat. Hat er keine Mittel zuzusetzen, so kann er nur einen Bruchteil des früheren Bestandes auf Lager halten, and für das laufende Publikum entsteht im Laufe der Zeit zu der schon herrschenden Teuerung ein empfindlicher Warenmangel. Die Geschäftswelt sucht dem zu steuern, indem sie dazu schreitet, die Ware n mit Rücksicht auf den demnächstigen teuereren Einkauf neuer Waren entsprechend hinaufzuzeichnen Ter Streit geht nun darüber, ob der Wiederbeschaffungspreis überhaupt zugrunde zu legen ist und ob nicht hierdurch ein Verstoß gegen die Vervrdirung gegen die Preistreiberei vom 8. Mai 1918 vorliegt. Danach macht sich strafbar: „Wer vorsätzlich für Gegenstände des täglichen Bedarfs Preise fordert, die unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse einen übermäßigen Gewinn enthalten." Rach dieser Verordnung ist durchaus nicht jedes Hinauszeich- neu der Waren als Preistteiberei aufouf affen. Getroffen soll nur der übermäh ige Gewinn werden. Ob ein Gewinn ein übermäßiger ist, soll beurteilt werden unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse. Der Rück- gang des Markwerts 'hat ganz außerordentliche Verhältnisse geschaffen, die bei der Preisbildung in Rücksicht gezogen werden müssen. Rur wenn das Hinaufzeichnen der Waren trotz der veränderten Verhältnisse als über mäßiger Gewinn anzusehen ist, liegt Preistreiberei vor. Sehr häufig 'wird aber der erzielte Gewinn nur ein Schein- gewinn sein. Richtig ist, daß mit dem Wiederbeschaffungspreis bei der Preiskalkulation zu rechnen ist, aber ganz allgemein den Wieder- beschaffungspreis der Kalkulation zugrunde zu legen, ist unrichtig und widerspricht auch der Rechtsprechung des Reichsgerichts. Das Hinaufzeichnen der Waren 'hat nach folgenden Grundsäten ^u er d gen Zugrunde zu legen ist der Gest ehungspreis der alten Ware. Er setzt sich zusammen aus: a) dem Einkaufs- preis der Ware: b) den Kosten für Transport, Standgeld, Versicherung und Lagerung und der Umsatzsteuer: c) den allgemeinen Geschäftsunkosten und einer Sicherung vor Verlusten: d) der Ver- In diesem Augenblick wehte es kühl zur Tür herein. Liane betrat das Zimmer. 3n einem silbergrauen Abendmantel, den sie über ein tief- ausgeschnittenes Gesellschaftskleid geworfen hatte, einen dunklen Fuchs umgeschlungen Sie schaute mit ihren grauen hellen Augen um sich. „Run, was ist los?"' „Emst ist heute vierundzwanzig Jahre alt geworden!" rief ihr die Mutter entgegen, „und wir haben seinen Geburtstag vergessen, denk' nur, Liane!" Liane warf das goldrote Haupt zurück, das mit seinem hochbebauschten üppigen Haar einem schimmernden Helm glich, und sagte mit einem müden Lächeln, während sie den Pelz in den Sessel gleiten ließ: „Run, was ist denn da? Dann feiern wir ihn eben morgen. Man wird doch nicht von mir verlangen, dah ich jemand dazu beglückwünsche, daß er auf die Welt gekommen ist." Am Sonntagmorgen fand sich die Familie gewöhnlich erst nach zehn Llhr am Kaffeetisch ein. Als Frühstückszimmer wurde, der Bequem- lichkett halber, das neben der Küche gelegene Badezimmer benutzt, ein Heller Raum mit weißgekachelten Wänden, das Morgensonne hatte und durch einen winzigen Gaskamin rasch zu erwärmen war. Trina pflegte Sonntags die Messe zu besuchen, dann stand der Haushalt solange still. Der erste, der sich einfand, war Herbert, dann erschien Ernst und nach ihm Liane in einem hellblauen, etwas verschossenen Sarnt- schlaftock. zinsung des in der Ware steckenden Kapitalwerts, insbesondere dann, wenn es sich um fremdes Kapital handelt. Auf den so errechneten Gestehungspreis der Ware jjt ein angemessener Gewinn zu schlagen. Bev.^er Frage der Angemessenheit ist auf die heutige Lebenshaltung Rücksicht zu nehmen. Mit Rücksicht auf den höheren Preis der teueren neuen Ware soll dann noch als Sicher- hettskoeffizient ein Zuschlag kommen, der a l s Ausgleich für die Preis st eigung der neu zu beschaffenden Ware zu gelten hat. Erfolgt das Hinaufzeichnen in d i e s e r Weise, so liegt Preistreiberei nicht vor, und Klagen hierüber sind ungerechtfertigt. Der Geschäftsmann, der in diesem Rahmen das Hinaufzeichnen der Waren dornimmt, 'hat auf einen Ausgleich, der genügende Rücksicht auf die Reubeschaffung der Waren nimmt, phne mit den Vorschriften gegen Preistreiberei in Konflikt zu kommen. Auf diesem Standpunkt stehen auch die meisten Preisprüfungsstellen. Anders ist der Fall gelagert, wenn ein Geschäftsmann eine Ware f eft verkauft und Anzahlung entgegengenommen hat. Er ist dann an den Kauf gebunden, auch wenn er bei der Preisfestlegung sich verkalkuliert haben sollte. Für Kalkulationsfehler ist allein er selbst verantwortlich. Der Käufer soll in solchen Fällen auf Lieferung 'halten. Aus SlaM und Land. Gießen, den 28. September 1922. Der Poft- und Telegraphenvorkehr in Hessen im Jahre 1921. Das August-Heft der „Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik" gibt interessanten Ausschluß über den P o st - undTelegraphenverkehrinHessen im Jahre 19 2 1. Man findet da die Post-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren mit 103 574 000 Mk. verzeichnet. Eingegangene Pakete mit und ohne Wertangabe sind 4 334 000 Stück gezählt worden, die Zahl der aufgegebenen Pakete mit und ohne Wertangabe belief sich auf 4 529 000 Stück. Briefe mit Wertangabe sind 100 000 Stück als eingegangen, 85 000 Stück als aufgegeben angeführt. Bareinzahlungen durch Postanweisungen und Zahlkarten erfolgten im Betrage von 2 841 035 000 Mk.» die Barauszahlungen durch Post- und Zahlungsanweisungen bezifferten sich auf 1 267 660 000 Mk. Bei den Telegrammen zählte man im Eingang 1 220 000 Stück, aufgegeben 1 128 000 Stück. Die Zahl der Fernsprechanschlüsse (Haupt- und Rebenanschlüsse) wird mit 33 386 ausgewiesen. Die Todesfälle infolge Grippe in Hessen. (Eine interessanteUebersicht über die infolge Grippe in Hessen in den Jahren 1909 bis 1922 erfolgten Todesfälle enthält bas August-Heft der „Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landes- statistck". Während in den Jahren 1909 bis 1917 die Zahl der Todesfälle im ganzen Jahr durchschnittlich nur zwischen 100 - 200 betrug, fielen in das Jahr 1918 allein 3725 Todesfälle. 1920 wurden im ganzen 800, 1921 1007 Todesfälle erreicht, während tn den den ersten vier Monaten dieses Jahres allein schon 606 Todesfälle gezählt wurden. Die Grippeepidemien nehmen in der Regel im Dezember oder Januar ihren Anfang, erreichen rasch in ein bis zwei Monaten ihren Höhepunkt, um dann wieder in ein bis zwei Monaten zu verschwinden. (Eine Ausnahme hiervon machte die lang andauernde und schwere Epidemie des Jahres 1918, die sich schon im Juli mäßig entwickelte, im August und September zurückging, um im Oktober und November zu ungewöhnlicher Höhe zu steigen und bis zum April 1919 anzudauern. Die letzte Epidemie brach im Dezember 1921 aus, er» Da Herbert feine Schlafschuhe nicht gefunden hatte, klotzte er in Trinas Holzpantinen umher. „Damit kannst du gleich auf den Heringssang gehen," begrüßte ihn Liane, die sich das Brot mit einer Gabel über dem Gas röstete . . . Ernst hob der Kaffeekanne die Bischofsmütze ab, sie sah bei Tag sehr mitgenommen aus. „Sehr geschmackvoll, dieses Ding da," bemerkte Liane. „Dann arbeite du doch etwas Schöneres," erwiderte Ernst. Liane zuckte die Achseln, es war nicht der Mühe wert, sich schon zu so früher Tagesstunde mit dem Bruder auseinanderzusetzen, er nahm ja doch stets Mamas Partei. „Ja, tät’fl du mal was Besseres wie Gedichte," mischte sich der Lümmel ein, der hinter Brotkorb und Apfelkrautdose verschanzt saß, „zum Beispiel die Strümpfe dort stopfen," er wies auf einen überfüllten Weidenkorb, der auf dem Plättbrett, das die Badewanne verdeckte und als Tisch für alles mögliche diente, stand. „An meinen Buxen ist kein einziger Knopp mehr." Darüber tauchte lautlos der schöne Lutz auf. Er sah bleich und angegriffen aus urtb trug toeber Kragen noch Weste, sein „Morning family“ klang betfer, er streckte die langen Deine stumm unter den Tisch. „Wie ein Louis sieht er aus," bemerkte der Lümmel, und er nahm einen Chapeau Claque. der auf dem Fensterbrett lag, und setzte ihn auf Lutz' schmalen Kops. 2utj trank seinen schwarzen Kaffee, ohne sich zu rühren. Dieser Zylinder verlieh ihm höchstens etwas noch Derwegeneres, er stand ihm sogar. Selbst in diesem Per Enterten reichte schon irn Januar 1922 mit 467 Todesfällen ihren Höhepunkt und war bereits im Februar mit 72 Todesfällen im Erlöschen begriffen. Am meisten bedroht sind die mittleren Altersklassen, insbesondere die Altersklasse von 15-29 Jahren, wo rund 9 Prozent aller Todesfälle dieser Altersklasse auf die Grippe entfallen. Von da nimmt der Prozentanteil nach beiden Richtungen hin ab, um bei den Säuglingen auf 2 Prozent und bei den Personen im Alter von 70 und mehr Jahren auf 3 Prozent zu fallen. Was die Lebensgefährdung der beiden Geschlechter anlangt, so macht sich ein Unterschied kaum bemerkbar. • ** Der Exprehguttarif. Da die Drucklegung des neuen Exprehguttarifs, der ebenfalls am 1. Oktober erhöht wird, sich verzögerthat, werden bis zu dessen Herausgabe die am 1. September gültigen Exprehgut- sätze verdoppelt. Dies ergibt für das Expreßgut nur geringe Unterschiede gegen die neuen Sätze, die dann voraussichllich am 10. Oktober in Kraft treten. Landkreis Gießen. M. Muschenheim, 25. Sept. Am Sonntag fand hier eine Zusammenkunft der Vorstände der Gesangvereine von Langsdorf, Dettenhausen, Muschenheim. Eberstadt und Dorf-Güll statt. Am die gesanglichen Leistungen zu heben, schlossen sich die genannten Vereine zu dem Sängerverband „W ettertal“ zusammen. Gewählt wurde als Vorsitzender Lehrer Günther, Muschenheim, als Schriftführer Pvstsekretär Bausch, Langsdorf, als Rechner Bäckermeister Leidich, Dorf-Güll. Jedes Jahr, im Frühjahr, soll ein Werkungs- singen, und im Sommer ein kleines Sängerfest abgehalten werden. Kreis Alsfeld. ' Alsfeld, 27. Sept. Das Kreisamt hat Hilfsmaßnahmen zur Versorgung der bedürftigen Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen mit Kartoffeln und Brenn st offen in die Wege geleitet. Die Bürgermeistereien des Kreises sind angewiesen worden, die entsprechenden Schritte zur Durchführung der Fürsorge zu unternehmen. Kreis Friedberg. D a d - R a u h e i m, 27. Sept. Zwei „K u r g ä st e" stahlen ihrem Vermieter, bei dem sie drei Tage wohnten, die gesamte Wäsche im Werte von etwa 100 000 Mark. Von den Spitzbuben fehlt bis jetzt noch jede Spur. * Friedberg, 27. Sept. Das Kreisamt hat angeordnet, daß die Inhaber und Leiter von Lebens- undFuttermittelge- schäften ein Preisverzeichnis ihrer Waren sowohl im Verkaufsraum, als auch im Schaufenster an einer für das Publikum leicht sichtbaren Stelle zum Aushang bringen müssen. Zuwiderhandlungen sind mit sttenger Strafe bedroht. Hefsen-Naffau. * Frankfurt a. M.» 27. Sept. Verlag und Redaktion des „VolkSrecht" geben be- kanitt, daß das Blatt nach der Verschmelzung der beiden sozialistischen Parteien am 1. Oktober sein Erscheinen einstellt. Die Abonnenten sollen.auf die für die einzelnen Orte in igrage kommenden Organe der vereinigten sozialistischen Partei überführt werden. * Frankfurt a. M., 26. Sept. Rach längeren Verhandlungen kam tn der Frage der Septembergehälter zwischen dem Kartell bei Zustand sah er aus wie ein vom Pferd gestiegener Velazquez mit seinen Müden, langbewimperten dunklen Augen, dem feingeschnittenen Profil, der gebogenen Rase und dem geschwungenen sinnlichen Mund. Er hatte prachtvolle Zähne und schmale aristokratische Hände. Er sah Liane sehr ähnlich, obwohl die Schwester eigentlich nichl hübsch war, Ernst dagegen sah dem Vater ähnlich mit seiner etwas gedrungenen Gestatt, dem bürstenartigen blonden Haare und dem offenen, versonnenen Ausdruck, über dem es wie leichte Melancholie lag. Herbert dagegen sah niemand ähnlich, weder Vater noch Mutter, noch einem der Geschwister. Sie nannten ihn das Kuckucksei. „Weshalb ißt du denn nichts, Lutz?" fragte das Kuckucksei, das ungeheure Mengen von Apfelkrautbroten vertilgte. „Pfui Deibel," sagte dieser und schob die Marmelade schaudernd zurück. „Du bist eine Schattenpflanze, Lutz." ..älnd du ein Rachtlicht." Run begann zwischen den beiden Brüdern das übliche Sonntagsmorgenduett zwischen Kaffee- eingiehen und Brotabschneiden, als Frau Herweg h ein trat. Sie war noch in ihrem türkischen Morgenrock und trug eine Glas schale mit einem warmen Creme in den Händen, Den sie vorsichtig auf das Bügelbrett neben den Strumpfkorb setzte. „Ich habe Werncreme gemacht, Kinder, und Trina bäckt eben Zimtwaffeln, sie sind übrigens abgezählt, Herbert." „Aber Mama, ich hab' doch heute baber wollen." sagte der enttäuschte Cuty „Run stellst du wieder- alles voll." (Fortsetzung folgt) W7 X 5 I J 2toeitgt6e®etRhtbe Xmb 6en tauf männt» sch^n Qlngeftelltenberbiinben folgende Vereinbarung zustande. Lehrlinge: 1. Jahr 1400, 2. Jahr 2000, 3. Jahr 2600 Mk. Gehilfen: 1. Jahr 7000, 2. Jahr 8000, 3. Jahr 9000 Mr. Klasse A biS 23 Jahre 11 000 Mk., bis 26 (Zähre 13 300 Ml., über 26 (Zähre 16 800 Mk. Klasse 8 bis 23 Iahrr 12 200 Mk., 26 Jahre 14 ZOO Mk., über 26 Jahre 17 800 Mk. Klasse C 23 (Zahre 13 400 Mk., 26 Jahre 16 100 Mk.. bis 30 Jahre 19 000 Mk„ über 30 (Zahre 20 200 Mk. Klasse D bis 23 Jahre 15 000 Mk., 26 (Zahre 17 900 Mk., 30 (Zahre 20 800 Mark, über 30 (Zahre 22 300 Mk. Klasse E 23 Jahve 17 200 Mk., 26 (Zahre 19 500 Mk., bis 30 (Zahre 23 200 Mk., über 30 (Zahre 24 500 Mk. Die soziale Zulage betragt für Frauen 500 Mark, für Kinder 250 Mark. Kirche und Schule. wg. Gedern. 28. Sept. Angesichts der finanziellen Notlage per hiesigen Privat- (Hvfkaplanei-) Schule überwies die Direktion der Eisenwerke zu Hirzenhain der Anstalt den Betrag von 10 000 Mk., welcher zur Ausbesserung der Schulräume und zur Anschaffung von Lehrmitteln Verwendung finden soll. Schlichtungsausschuß der Provinz Obcrhessen. Verhandlung vvm2 6. September. Dem Zentralverband der Fleischer, der Fleifcherinnung und dem Metzgermeister Hebele m Bad-Nauheim, der der Innung nicht an- gehört, wurden folgende Wochenlöhne mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 vorgeschlagen. Gehilfen über 24 Jahre 2400 Mk. (statt bisher, seit dem 15. August, 1400 OKI.), von 21 bis 24 I. 2100 Mk. (1200 Mk.), bis 21 3. 1800 Mk. (1000 Mk.), und im ersten Zahre nach der Lehre 1500 Mk. (750 Mark). Für Kost und Wohnung soll der Arbeitgeber wöchentlich 800 Mk. (bisher 400 Mk.) von diesen Löhnen abziehen können. 3m Spitzenlohn und in der Bemessung des Abzugs für Kost und Wohnung bewilligt der Schiedsspruch die volle Forderung. Gegen die Innung wurden 100 Mk. und gegen Hebele 50 Mk. Geldstrafe wegen un- entschuldigten Ausbleibens festgesetzt. Die Eisengießerei A. Römheld in Fried- richshütte bei Laubach soll von Beginn der laufenden Lohnmhlungsperiode ihren Arbeitern 95 Proz. der jeweiligen Gießener Metall- arheiterlohnsähe zahlen. Unter Berufung auf § 84 Abs. 1 Ziffer 4 des Letriebsrätegesehes erhob ein Werkmeister der Aktien- Zuckerfabrik Wetterau in Friedberg Einspruch gegen Kündigung zum 31. März 1923. Der Schlichtungsausschuß erklärte die Kündigung jedoch für gerechtfertigt. Die Entscheidung ist endgültig nach § 87 des Betriebsräte- gesehes. Der Vertreter der Fabrik erklärte, daß ocr Antragsteller, wenn er eine andere Stelle finde, jederzeit vor dem 1. April 1923 austreten Turnen, Sport und Spiel. ' 2$. Bad -Rauheim. 26. Sept. Der Turnverein 1 8 6 0 veranstaltete am Sonntag sein ^diesjähriges Abturnen und verband damit ein »Wetturnen für die Mitglieder des Vereins. Alle Abteilungen waren daran beteiligt. Insgesamt vt raten 108 Turner und Turnerinnen, Schüler rund Schülerinnen zu den allgemeinen Freiübun- ■ gen und den Wettkämpfen an. Die Leichtathleten rrugen einen 5-Kainps (Weitsprung, Hochsprung, ■ Dreisprung, Kugelstoben 10 Kg., Freiübung) aus, bei dem vorzügliche Leistungen gezeigt wurden. Von den 13 Siegern kam F. Brandt mit 105 Punkten an die erste Stelle: außer Konkurrenz erreichte Turnwart A. Richter 115 P. Beim Wettfechten in Florett blieb unter 9 Mitbewerbern A. Seeger mit 26 Punkten erster Sieger. Beim Geräteturnen fielen die ersten Preise auf die nachstehend genannten Ramen: Aktive Turmer (7-Kampf): H. Stamm, 104 P.: Iugendturner (7-Kampf): A. Elias, 129 P.: Frauen-Oberstu e (7-Kampf):LinaHahn, 131 P.: grauen -Unter ft ufe (7-Kampf): Frieda Jacobi, 119 P.; Schüler-Oberstufe (9-Kampf): W. Waldschmidt, 179 P.: Schüler-Unterstufe (7-Kampf): L. Feige! (aus Gießen) 117 P.: Mädchen- Oberstufe (7-Kampf): Ella Schultheiß, 126 P.; Mädchen-Unterstufe (4-Kampf): Rosa Wolf, 66 P. Das Kampfrichteramt übten Mitglieder des Männerturnvereins aus. Die Sieg er Verkündigung war würdig gestaltet. «Lcherttsch. — Bruno Wille, Sie Maid von Senftenau. Gin Bodensee-Roman. (Verlag von Earl Reißner, Dresden.) — Die Maid von Senftenau ist die Tochter eines Schlohherrn bei Lindau zur Zeit der Bonaparte-Kriege, die Geliebte eines Künstlers unb Abenteurers aus der französischen Revolution, der nach wirren Lebensverwicklungen seine ewige Heimat in den Armen der "Geliebten findet. Die packenden Geschehnisse, von feinem Humor begleitet, verbinden sich mit innerlicher B^stik, und diese schlingt sich wie ein Schleier vor allem um die zarte Frauengestalt, eine Gestalt, die ein verkörperter Raturlaut ist und von den höchsten Sehnsüchten der Menschen- seele zeugt. — Onkel Antons Kinderkalender 192 3 mit zahlreichen und verschiedenartigen Beiträgen erster Jugendschriftsteller, vielen mehrfarbigen und schwarzen Bildern, eifcer fünf- farbigen Spielbeilage und Kunstdruckbildern. Verlag von A. Anton & Co., Leipzig. — Schwe rmu t de r Jahreszeiten, Erzählung von Wilhelm Speyer (Ernst Rowohlts Verlag, Derlin(. — Die Zerstörung einer Liebe, Idylle, Abenteuer, LanderziehunAsheim und Monte Carlo sind in dieser Erzählung Stationen auf dem Passionsweg der Jugend. — Arthur Gerber, Maria im Walde, Roman. Leonhardt-Verlag, Wien. — Der neue Roman des Autors der „Venus des Papstes", jener glutdurchhauchten Verherrlichung der irdischen Liebe, die Gerbers Erstlingswerk den schönen wohlverdienten Erfolg brachte, ist — als Gegenstück hierzu — ein von berauschenden Orgelklängen getragenes Evoe der himmlischen Liebe. — Andreas Hemberger, Hofrat Kneidinger oder Zirkus Wien, Roman. Leonhardt-Verlag, Wien. — Es ist eines der seltenen Bücher, durch welche echter erquickender Humor weht, jener warme, leicht ironisierende, schalkhafte Humor, der nicht direkt zum Lachen reizt, der aber um so sicherer eine fonnige Stimmung auslöst, welche die Trübsal des Alltages auf Stunden vergessen läßt. Handes. Berlin, 27. Sept. (Wolfs.) Börsen- stimmungsbild. Die schroffe Haltung, welche die französischen und englischen Vertreter auf der Genfer Völkerbundstagung gegen Deutschland einnahmen, gab Anlaß zu einer ungünstigeren Beurteilung der Reparationsfrage. Da ferner eine wesentliche Markverschlechterung aus dem Auslande gemeldet wurde, erfuhren die Devisenkurse unter vermehrter spekulativer Betätigung eine beträchtliche Steigerung. In Rückwirkung hiervon zeigte auch der Effektenmarkt eine feste Haltung. Das Geschäft konzentrierte sich aber in der Hauptsache auf einzelne Werte des Mvn- tanmarktes, einzelne Maschinenfabrikaktien und Textilwerte. Lebhaft wurden besonders vberschlcsische Papiere umgesetzt, von denen Laurahütte 225, und Oberbedarf unter starken Schwankungen 120 Prozent gewannen. Textilwerte stellten sich zeitweilig 100 Prozent höher. Im allgemeinen bewegten sich die Veränderungen für Industrieaktien aber in mäßigen Grenzen, da vielfach VerkaufSlimite erreicht wurden. Schiffahrtsaktien und Dankwerte erfuhren nur geringfügige Aufbesserungen. Valutapapiere lagen entsprechend der Erhöhung der Devisenkurse. Deutsche Anleihen waren im allgemeinen gut gehalten. Rur 3prozentige Reichsanleihe gab wiederum etwas nach. Frankfurt a. M., 27. Sept. Börsen- stimmungsbild. Dvllarkurs im Frühverkehr 1500—1560, im Verlaufe 1600. Für Devisen erhielt sich weiteres Interesse. Im Frühverkehr wurde Devise Holland, Reuyork, Schweiz zu höheren Preisen gehandelt. Die Effektenbörse verkehrte fester. Zu lebhafteren Umsätzen kam es in Montanpapieren, Oberbedarf, Caro, Luxemburg, Gelsenkirchen, Phönix, Rheinstahl, Riebeck-Mvntan. Großes Interesse bestand ferner für rheinische Braunkohle. Bei den chemischen Werten stand Scheideanstalt im Vordergrund, Anilinwerte durchweg anziehend. Elektrizitätswerte fest, Bergmann auf einen Auftrag der niederländischen Staatsbahn 50 Prozent höher einsetzend, Akkumulatoren, Siemens u. Halske steigend. Maschinen- und Auw-Aktien sind bei reger Nachfrage höher bewertet; es setzten Karlsruher 30 Prozent ein. Ausländische Renten lagen, wenn auch ruhiger, so doch fest. Lebhaft gehandelt wurden Baltimore und Lombard- Prioritäten und Rumänien. Am Kassamarkt ergaben sich zum Teil ansehnliche Kurssteigerungen, Tendenz blieb vorwiegend nach oben gerichtet. Dollarnotierung um 1 Uhr 1640. Börsenkurse. Frankfurt Berlin Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- KurS Kurs Kurs Kurs Saturn: 26.9 5% Dtsch. Kriegsanl. 77,50 4°/„Dtsch. Reichsanl. - 3°/» Dtsch. Reichsanl. 440,- 4e/0 Preuh. Konfols 83,- Harnburg-Paketf.. . <37.- Rorddeutscher Lloyd 519,- Eomm.u.Privatbank 310,- Darmstädter Bank . 300,— Deutsche Bank . . . 600,- Disconto-Gefellschast 405, — Dresdner Bank. . . 325,- Mitteld. Creditbank. 301, - Rationalbank f.D. . Doch. Gußstahlwerke 2405,- Dud.- Eisenw^ Ak!.. 1360,- D.-Luxemb. Bergw.. 2475,- Gelsenkirch. Bergw.. 2600, - Harpener Bergbau. 5000, - Oberschl. Eisenb.-B. 1430,- Oberschles. Eifenind. 1205 - Phönir-Dergb.-Akt. 3150,- Dad.Anilin-u. Soda 1640,- Höchster Farbwerke. 1255, - Allg. Elektr.-Ges. . . 815,- Felten L Guilleaume 1175,- Schuckert-Werke. . . 1150,- Adlerwerke 505,- Daimler 525,— 4° 0 Hess. Staatsanl. 75, - Electron Griesheim 1285,- Dtsche. Vereinsbaak 209,- 27.9. 26.9. 27. 9 77,50 77,50 77,50 122,- 130,- 125,- 375,- 412,» 380,- 78,25 78, - 82,50 740,- 738,- 740,— 520,- 512,- 519,- 315,- 315,- 320,- 305,- 301,- 315,- 607,- 605,- 610,- 410,- 410,- 424,- 335,- 340,- 342,- 307,- 303,- 312,- 2650 — 2490*— 2570^- 1440'- 1375,- 1449,- 2525 - 2470,- 2490, - 2700* - 2550, - 2650,- 4950 - 4950,- 4900,- 1550,- 1450,- 1550,- 1248,- 1200,- 1200,- 3250 - 3100,- 3200,- 1660,- 1665,- 1640,- 1295,- 1275,- 1280,- 850,- 813,- 837,— 1200,- 1152,- 1200,- 1200,- 1168,. 1250,- 525,- 545,- 540,- 530,- 529,50 530,- 75,- 75,25 74,- 1340,» 1265,- 1295,- 212,- Berliner Devisenmarkt. Gero Dries Geld Brief Datum: 26. September 27. September Qfmnö -Rotterd 56679,05 56820.95 64119,75 64280,25 Brüsse'l-Antv * 10536,80 10563,20 11885,10 11914,90 Cbristiania ' ' 24769, - 24831, - 27815,15 27884,85 Kopenhagen ' ’ 30414,90 30488,10 34107,30 34192,70 Stockholm ” ’ 38651,60 38748,40 43445,60 43554,40 HelstnaforS * *' 3196,- 3204,- 3645,40 3654,60 Italien ' ' * 6217,20 6232,45 7066,15 7083,85 London..... 6441,90 #458,10 7290,85 7309,15 Neuyork 1458,17 1461,83 1652,93 1657,07 Paris . ' 11136,05 11163,95 12634,15 12665,85 Schweiz ' . 27265,85 27334,15 30951,25 31038,75 Spanien. ' . . . 22297,05 22352,95 25063,60 25131,40 Deutsch - Oesterr. 1,78 1,82 2,05 2,09 Prag . . . 4524,30 4536,70 4988,75 5001,25 Budapest.... 58,92 59,08 60,92 61,08 Buenos AireS 515»85 517,15 584,25 585,75 Bulgarien . . . 848,90 851,10 973,75 976,25 Japan 694,10 695,90 789,- 791,- Aio de Janeiro 172,28 172,72 194,75 195,25 Züricher Devisenmarkt. 27. 9. 28. 9. Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 SL = 207.75 207.75 Deutschland 100 QHL = 0.35 0.31 Wien 100 Kr. = 0.0075 0.0075 Prag ........ 100 Kr. — 16.60 16.65 Paris 100 Fr. = 40.90 <0.65 London \ £ =» . 23.63 23.58 Italien 100 2. = 23.00 22.80 Brüssel 100 Fr. = 38.65 38.40 Budapest 100 Kr. = 0.22 0.21 Reuyork 100 $ — 535.25 536.- Qlgram 100 Kr. = 1.80 1.80 Warschau 100 Kr. - 0.06 0,06 Markno tieruugea. Saturn: 1.7.14. 26.9. 27. 9- Zürich Fr. 125.40 -,36 -,32 Amsterdam Fl. 59.20 —,17 -,17 Kopenhagen. . . . . . Kr. 88.80 -.36 -.32 Stockholm Kr 88.80 -.28 -.25 Wien. . Kr. 117.80 Prag Kr. 117.80 London Sh. 97.80 0,031 0,026 Reuyork I 23.80 -.07 0,06 Paris Fr. 125.40 0,90 0,80 Dom Kartoffelmarkt. fpd. Frankfurt a. M., 27. Sept. Die amtliche Rotierungskommission setzte heute für das Wirtschaftsgebiet Hessen-Nassau und Hessen folgende Kartofselpreise fest: Erzeugerpreis: rot- und weißschalig 290—300 Mk. je Zentner, gelbfleischig 3)0—320 Mk. Groh Handelseinstandspreis frei Frankfurt a. M.: rot- und weißschalig 340—345 Mk., gelbfleischig 345 BW 365 Mk. je Zentner. Die Preisnotierungen finden vorerst wöchentlich zweimal statt, und zwar Utort- tags und Mittwochs. Frankfurter Getreidebörse. fpd. Frankfurt a. M., 27. Sept. Bei fester Geschäftslage wurden bezahlt für je 100 Kilo Weizen 6200—6300 Mk., Roggen 5500—5700 Mk.. Gerste 5800—6400 Mk., Hafer 6000—6500 Mk, Mais (Mixed) 5800-6000 Mk., südd. Weizenmehl 9600—9900 Mk., Roggenmehl 7300—7500 Mark, Kleie 3100 Mk. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 27. Sept. Die bedeutende Devisen» fieigerung stärkte die feste Stimmung des Pro- duktenmcncktes. Das Angebot hielt sich noch mehr zurück. Hauptsächlich war Mais begehrt, ohne daß sich entsprechend Ware beschaffen läßt. Die Maispreise gingen sehr scharf in die Höhe, auch Roggen, der für Umlagezwecke - gesucht wird Gerste. Hafer und Weizen wurden hoher bezahlt, Futterstoffe waren ebenfalls mehr begehrt. — Weizen, märkischer, 3200—3300 Ml. (steigend), ost preußischer 2825—2900 Mk. Roggen, märkischer, 2775—2850 Mk. (steigend), vstpreuhischer 2750—2800 Mk., Sommergerste 3200—3300 Mk.. Wintergerste 2800—2900 (sehr fest). Hafer, märt. 3200—3300 Mk. (sehr fest), Mais La Plata, ohne Prov., Waggon frei Hainburg. 3000—3100 Mk., Weizenmehl (100 Kg.) 8800—9600 Mk. (steigend). Roggenmehl (100 Ka.) 6900—7800 Mk. (steigend!, Weizenkleie (ab Abladestation) 1800—1900 Mi (steigend), Roggenkleie (ab Abladestation) 1900 Mark (steigend). Raps (fest) 4000—4200 Mk.. Biktoriaerbsen 5600—5750 Mk., kleine Erbsen 4300 bis 4600 Mk., Futtererbsen 3000—3200 Mk., Peluschken 2800—3000 Mk., Ackerbohnen 2800 bis 3000 Mk., Lupinen (blau) 1700—2000 Mk., gelb 2000-2300 Mk., Rapskuchen 1950—2100 Mk., Leinkuchen 3100—3200 Mk., Trvckenschnihel 1800 bis 2000 Mk.. Rauh futter: Weizen- u. Roggen- strvh, drahtgeb., 825—875 Mk., Haserstroh, draht' gepreßt, 825—875 Mk., Stroh, strohseilgebündelt. 825—875 Mk-, Wiesen Heu, gut, gesund und trocken. Vormahd 580—630 Mk., Rachmahd 580—610 Mk. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Rücktritt der griechischen Regierung. Athen, 26. Sept. (W. D.) Wirtschaftsminister M o n i a s hat d em i s s i o n ier t. Der Minister des Aeußern übernimmt einstweilen das Wirtschaftsportefeuille. Paris, 27. Sept. (W. D.) Havas meldet aus Athen vom 27. Sept.: Die griechische Regierung hat demissioniert. Die Flüchtlinge in Griechenland. Athen, 27. Sept. (WTD.) Zahlreiche Freiwillige, namentlich Flüchtlinge, haben sich dem KriegSminfsterium für die Front in Thrazien zur Verfügung gestellt. Nach Mitteilung des Ministeriums für öffentliche Fürsorge beträgt die Zahl der in Griechenland eingetrvsfenen Flüchtlinge 220 000. An der kleinasiatischen Küste warten noch 150 000 auf ihre Beförderung nach Griechenland. Drei Eisenbahmrnfälle ht Polen. Kattowih, 27. Sept. (W. B.) Aus der Strecke K a 11 o wih — H i n den bu r g fuhr ein vorzeitig abgelassener Personenzug mit voll« Geschwindigkeit auf einen Güterzug auf. Die Lokomotive des Gütei^uges wurde aus den Schienen gehoben und beschädigt, 1 ©ütergugbeam- ter und 2 Reisende getötet, über 20Personen verletzt. — Auf der Strecke Tarnowih— Georgenberg fuhr die Maschine eines Rangierzuges über den Prellblock und stürzte die hohe Böschung hinab. Der Lokomotivführer ist tödlich verunglückt, 2 Beamte wurden schwer verletzt. Der Materialschaden ist beträchtlich. — Auf der Strecke Warschau — Dem bl in fuhr ein Personenzug bei Studa auf einen Güterzug. 4 Personen wurden getötet, 20 verletzt. 4 Güter- und 3 Personenwagen wurden schwer beschädigt. In Äpofhtiten u. besseren Drogerien erhältlich. Gegen Fußschweiß und Wundlaufen Kukirol=fußbacfl Drogerie Wallenfels, Marktplatz 21. 'von UM | Elegante | | Damenwäsche | zwei- und dreiteilige Garnituren in bester M Ausführung und modernsten Formen I Fritz Nowack | M Wäschesabrist und Ausstattungshaus W iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii'iiiinimiiiiiiiiiiiiöinniiiifl AW s. 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