Nr. 219 Erscheint toglid), anher Sonn, und Feiertags, mit berSamstoqsbeilagr DiehenerFamilienblätter Monatliche öezuarpreise: Mk. 18i. - u. Mk. 15.- Trägerlohn.durL diePost SRh.200. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner Num» mern infolge höherer Gewalt. — szernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrift- leilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Kietzen. poftjchecsjonlo: Frankfurt a. M. 11686. (72. Zatzrgang Montag. 27. November 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitatz-Vuch- und Zteindruckerei R. Lanze in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Annahme von Anzerae.t für die Tagesnummer b: .> 3um Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 27 mm Breite utllid) 8 Ml:. auswärts 10 Mk.; für Reklame Anzeigen von 70 mm Breite 32 Bllt. Bei Platze oorschrist 20 ®/o 2luf,chlag. Hauprschriflleiter: Aug < oeh. Verantwortlich sür Politik: Slug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Vlumschein; für den Anzeigentell: .'Hans 'Leck, sämtlich in Bietzen. Die Ausnahme des Kabinetts Cuno im Auslands. Die französische Presse ergeht sich in ironischen und drohenden Betrachtungen des deutschen Kab neltSwcchsels. Frankreich fühlt sich als Gewalthaber und meint, der Schwache müsse sich ducken. Das Leitmotiv des ganzen Pariser ZeitungSfeldzugeS ist, das Deu.schland des Herrn Cuno wolle nicht bezahlen, und daher müsse man jetzt selber nehmen. Poin- car6 selber spricht kaum etwas anderes aus, wenn er Kriegervereinsreden hält und zum Burgfrieden der Franzosen auffordert. In England ist die Presse etwas zurückhaltender. Die „Time 6U meint, es sei jetzt endlich eine verhandlungsfähige De- schästSregierung gebildet worden; die Rede Cunos sei zwar klug, jedoch vom Standpunkt der Alliierten auö, wenig ermutigend gewesen. Diel bedeutungsvoller waren die letzten Verhandlungen im englischen Unterhaus, worüber folgende Berichte vorliegen, aus denen erstellt, daß die englische Regierungspolitik noch nicht ganz schlüssig ist vor der Entscheidung: London, 25. Rov. (Wolff.) Das liberale Parlamentsmitglied Collins trat im Unter» Haus für die Streichung der Alliiertenschulden und für den Verzicht Großbritanniens auf seinen Anteil an den deutschen Entschädigungszahlungen ein. Er sagte, der Vertrag von Versailles, den der Premierminister selbst mit unterzeichnet habe, treibe Europa in den Bankerott. Das Parlamentsmitglied B e r k e l y führte aus, man tonne augenblicklich die Lage auf dem Kontinent nur mit der größten Besorgnis betrachten. Heber« all sehe man eine Ration im Ruin oder eine Ration, die in den Ruin gezogen würde. Alles deute auf die Rotwendigkeit eines ernsten internationalen Zusammenwirkens hin als Bedingung für eine Besserung der Lage. Das Parlamentsmitglied Fisher fragte, ob der Premierminister im Hntechaus einen Tag zur Erörterung der Reparationsfrage bestimmen werde. Der Unter« staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten erwiderte, das ernste Ziel, das Curzon in Lausanne verfolge, sei die Zusammenarbeit der Entente. Mc. R e i l l fuhr fort, Curzon sei der Ansicht, daß sobald wie möglich eine Erörterung über die Reparationsfrage stattfinden müsse, und er hoffe, daß ein baldiger Zeitpunkt dafür festgesetzt werden könnte. Das Parlamentsmitglied Morel erklärte, man werde nicht länger dulden, daß die auswärtigen Angelegenheiten unter dem Schleier des Geheimnisses durchgeführt werden. Die Lage sei das unmittelbare Ergebnis der sogenannten Friedensverträge. Die Erklärung, daß Deutschland zahlen werde, sei der größte Bluff, der dem Lande jemals zugemutet worden sei. Eine Scharsmacherrede Poinear^s. Paris, 26. Rov. (WTB.) Bei der Ein- wcihungsf cier eines Kriegerdenkmals in Poulygny hielt Ministerpräsident P o i n — eure eine Rede, in der er nach den üblichen Vorwürfen gegen Deutsch'and und Oesterreich zum Burgfrieden in F a ckreich aufforderte. Vor Ende des Jahres wurden sich Frankreich und ferne Alliierten vor bie ernfteften aus- wärtigenProbleme gestellt sehen und wichtige Entscheidungen zu treffen haben, von denen größtenteils bi" Zukunft Frankreichs abhänge. Er p.rfönih fei von der Gröh: der zu löfenben Schwierigkeiten zu überzeugt, um nicht die Streitigkeiten zu begraben, die die Handlungsfreiheit Frankreichs b.^einträchtigen könnten. Er fordere deshalb alle guten Bürger auf, sich um die Regierung der Republik eng zusammenzuschiehen. damit diese in den Stand gesetzt werde, Frankreich endlich die Früchte des Sieges unb die Wohlfahrt des Friedens zu gewährleisten. Eine neue Note Nollcts. Paris, 25. Rov. (Wolff.) Man meldet dem „Petit Parisieu", daß infolge des Zwischenfalles in Ingolstadt General R o l - let der deutschen Regierung eine Rote überreicht hat, die eine Untersuchung und Sanktionen gegen die Personen verlangt, die den Aufstand in die Wege geleitet haben. Das amerikanische Misttranen gegenüber Frankreich. London, 25. Rov. (Wolff.) Der Washingtoner Berichterstatter der „Times" hebt das in den Vereinigten Staaten gegenüber Frankreich herrschende Mißtrauen hervor und schreibt, die Senatsdebatte vom 23. Rovember könne kaum angenehm für Frankreich und die Freunde Frankreichs sein. Die Ansichten der Senatoren Hitchcock und Borah würden von der ungeheuren Mehrheit der denkenden Amer kaner geteilt. Beide seien sich eins in dem tiefen Mißtrauen gegenüber der französischen Politik. Die Bedeutung dieser Tatsache brauche nicht erst betont zu werden. Eine Rede des Reichskanzlers im Reichsral. Berlin, 25. Rod. (WTB) Die heutige Ci'mn.g des Reichs rats wurde vom Reichskanzler Dr. Cuno mit eiter Ansprache eri5f.net, in der er auf feine frühere Tätigkeit im Reichs« dien sie hi.rwies und betonte, es fei einer feiner ersten Akte nach Antritt feines neuen Amtes ge- toefen, sich in Schreiben an sämtliche Saats- p äsidenten und Ministe.-Präsidenten der Länder zu wenden. Denn ich bin überzeugt, fuhr der Reichskanzler fort, daß die uns für die nächste Zeit beoorsthenden Aufgaben nicht gelöst und nicht b.wältigt werden können von einem Kabinett, mag es noch so sachlich und noch so sehr den Beoülsnissen der einzelnen Restorts entsprechend zusammengesetzt sein, allein in Zusammenarbeit mit d.m Reichstag, sondern daß wir babei^ in den Fragen, die uns im Innern in den nächsten Wochen und Monaten schwer und verantwortlich zu bstchästigen haben werden und in Geschlossenheit des ganzen Reiche nach aufren auch für die Fragen, welch: die Außenpolitik betreffen, des absoluten Zusammenschlusses und der verständnisvolle:. Zusammenarbeit der Länder bebürfen. Seinen Wunsch tue Ministerpräsidenten und Staatspräsidenten der Länder zu besuchm, werde er nicht verwirklich m können und daher di: Heroen hierher bitten. Diese Aussprache werde für die Arbeit des Kabinetts grundsätzlich grundlegend sein. Er halte es auch für feine Pflicht, die Mitglieder des Reichsrats von Zeit zu Zeit über die allgemeine Lage zu unterrichten, so daß sie in entsprechender W.ise ihren Einfluß von hier aus auf die Länder geltend machet und gleichzeitig auch beratend der Reichsregierung zur Seite stehen körnen. 3m Rahmen der Ve sassung werde er bie Eigen- art und Selbständigkeit dec Länder zu erhalten wissen. Von vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Reichsrats echoste er einen festen Zusammenschluß der Länder im Reichsverbamde und eine feste veichsdeutsche Gesinnung aller. Der Reichskanzler bat, ihn mit Rücksicht auf die Tagung des Reichstages zu entschuldigen und übergab den Vorsitz dem Reichsminister des Innern Dr. O e f e r. — Bei der Beratung der Tagesordnung stimmte der Reichsrat den Reichskagsbofchlüfsen über Abänderung der Gowerbegerichtsverordnung und des Gesetzes über die Kaufmcrnnsgerich'.e zu. Le Troquers Angaben über die deutschen Wasserstrahendauten. Berlin, 25. Rov. (Wolfs.) Der französische Minister Le Tropuer hatte in der Sitzung **>r Deputierteniamir.ee vom 21. Rovember 1922 bie Deiech.lgung der Heranziehung b e u t- scher Arbeiter zum Ausbau der Rhone unb Saone damit begründet, baß Deutschland für seine Wasserstraßen umfangreich? Verbesserungen in Angriff genommen habe unb es nicht als .Unbilligf/it empfinden könne, wenn es das gleich? in bet Abtragung feiner Reparationspflichten auch für französisch? Wasserstraßen auf» zuwenden gehalten we.de. Le Troguw bere-Hnete. daß Deutschland gegenwärtig 2750 Km. Dinnen- m-afserstrost en ausbau?, bei denen 512 000 P. S. Wasserkräfte gewonnen würden und hierfür den Betrag von vier Milliarden Goldmark bereit- aestellt habe. Demgegenüber wirb von zuständiger Stelle festgestellt, baß der größte Teil der Wasserst raffen, die b~r französisch? W'ederaufbaammsttsr seinen Aufstellungen zugrunde legt, gar nicht in Angriff genommen ist. moglicherwrise auch niemals gebaut zrirb Hierher gehören die Qkrbinbung von Reckar zur Donau über die Rauh? Alp. die Derbindu'ng der oberen Donau mit dem Dodensee, die Verbindung von der Weser zum Main, der Hansakanal und der Rordsüdkanal, die Äartatifierun.] der Ruhr and bie Verbindung der Lippe mit der Ruhr lo.v.e bie Kanalisierung der Lahn. Der Dau des masurischen Kanals, der von Preußen 1906 begonnen war, wurde eingestellt, da die Lage der Reichsfinanzen den weiteren Bau der Wasserstraße nicht zulieh. Von 18 großen Wasserstraßenprojekten, die bei französisch? Wiederaufbauminister in der französischen Kammer borget ragen hat, bleiben letzten Endes nur drei übrig, nämllch der Mittellandkanal, bie Kanalisierung des Reckars u nd bie Herstellung der Verbuchung zwischen Rhein und Donau. Was den Mittellandkanal an- gcHt, so hat das Reich vorläufig davon abgesehen, die beim Ausgang des Kriegs bereits in Bau genommene Strecke zu verlängern, fie beschränkte sich darauf, das einmal angefangene Teilstück zu beenden. Für die Reckar- und Rhein- Main-Do.au-Wasserstraße sind Aktiengesellschaften gegründet, an denen zwar das Reich Bayern, Württemberg, Baden und Hefsen maßgebend beteiligt sind, die aber als in sich selbst so wirtschaftlich fundiert erscheinen, daß es möglich gewesen ist und auch künftig möglich fein wird, den größten Seit d^s Daukapitals ohne Inanspruchnahme des öffentlichen Kredits aus dem freien Geldmarkt zu beschaffen. Vier Milliarden Go'.bmark, b"e der f.an ö'i ch? Wiederaufbauminister für die deutschen Was e ■ straßenpiäne errechnet hat, schrumvfen also tatsächlich auf 600 000 00>J Goldmark zusammen, b. h auf 0,45 Prozent de gesamten Reparationssumme von 132 Milliarden Gold- mark. D.u.schland hat die Was erstrahenpläne aber nicht in Angriff genommen, um sich seinen Verpflichtungen zu entziehen, ober ben Handel von Frankreich oder irgendeinem anderen Lande abzuzrehen, sondern glaujt, die hohen Aufgaben, die ihm gemacht wurden, nur bann erfüllen zu formen, wen i es alle produktiven Kräfte, über die es verfügt, anfpannt, insbeso idere bi? wertvollen Wisserkräst? des Neckar, Maines und der Donau au .>baut. Das Wasserst aßenprog amm Deu schlands ist also ein Produktionsprogramm ausgesprochenen Stiles. Die Lausanner Tagung. Die russische Delegation. Paris, 25. Rov. Rach einer Havas- ineldung aus Moskau hat Tschitscherin den alliierten Regierungen mitgeteilt, da die Konferenz von Lausanne eröffnet se , werde die ru s sche Delegation, bestehend aus ihm selbst, Rakowsk, Woroweki und Mdivani sofort abreisen. Rakowski überdasMeeren^enproblem Paris, 27. Rov (WTB.) Rakowski, der gefter.i in Lausanne angekommen ist. erklärte dem Soaderbemchterstatter des „Matin" ü e das Regime der Meerengen: Wir wollen, daß die Handelsschiffe fr et zwischen be n Sch r ar en un.b dem Mittelmeer verkehren können. Würden wir das nicht wollen, bann wären wir eing?» schlosse tz unb unser wirtschaftlicher Wiederaufbau wä e unmöglich. Aber für oi? Kriegsschiffe ist unsere These ein? ganz andere Si? entspricht unserer geographischen Lage. Wir bedangen, bi6 die Dardanellen u tb b?r Bosporus wirkliche Häfen sind, und daß diese Häfen geöffnet find für jeden, bet kommen will. Wir verlangen, daß bie Kriegsschiffe nicht in das Schwarze Meer einbringen können De Freiheit Der Meerengen, wenn si? sowohl für Kriegsschiffe als auch für Ha delrschif.e g-Itenb ist, ist nicht mehr eine Freiheit, fonbem im Gegenteil würbe sie die Herrschaft ber stärksten Seemacht über die Meerengen bebeu en. Deshalb würden wir es Vorgehen, die Meerengen nicht von der britischen Flotte, sondern von den Ufer ft aalen kontrolliert zu sehen. Die Jnsclfragcn. 2 a u f a n n e 27. Rov. (WTB.) Heber die Frage ber Inseln des Aegäisch en Meeres, zu ber Ismet Pascha in o?r Sitzung vom Samstag nachmittag di? Wünsch? ber Türkei formulierte, erfährt bie Schweizerische De- penfchenagenlur: Die Türkei stellt 2 Forderungen auf: 1. wünscht fie bie Revision des Vertrages von Sevres, ber die am Eingang der Dardanellen gelegenen Inseln (Imbrvs. Lemnos unb Tenedos) Den Griechen zuteilte. Die Türkei beansprucht bie Souveränität über diese Inseln; 2. wünscht bie Türkei bie®ntmititarifierungber Inseln, bie in ber Rähe ber türkischen Häfen gelegen sind, sowie bie Entmilitarisierung von Samos unb ChioS, als bereu Besitzer sie Griechenland an ■ erkennt. Der Londoner Vertrag von 1913. der nach dem griechisch-türkischen Krieg abgeschlossen wurde, überließ den Großmächten bie Entscheidung über diese Inseln, die dann Griechenland zugeleill wur ben. Wie die Schweizersiche Depeschenagentur weiter berichtet, fand in ber ersten Sitzung an; Samstag nachmittag ber erste Wunsch der Tür fei wenig günstige Aufnahme. In bezug auf die Entmilitarisierung der griechischen Inseln vor ber türkischen Küste scheint man ben türkischen Forderungen nicht abgeneigt zu fein. Daraufhin deute! man wenigstens die Einsetzung einer Unter kommifsion. Der Streit um Dedeaqatsch. Lausanne, 27. Rov. (WTB.) Der bulgarische Delegiert? Dodorofs veröffentlich' eine Erklärung als Antwort au; das gr ehishe Expo «? in ber F uge des Hafens von Dedeagatsch unb betreffs der Zugänge zum Schwarzen M-.er, in dem es heißt: Die bu'gnr.sHe Delegation kann dem Gedanle i von Vm selos, der ein interna io« rales Regime fordert, nicht zu limmen. Es fan.e't sich hier um einen Hafen, ben Bulgarien besitzen muß. Es sei selbstverständlich, daß Bulgarien den Hafen, über ben es seinen Verkehr lenken wolle, besitzen müsse. Aus vem Reiche. lOvprozent ge Erhöhung der Postgebühren. Berlin, 26. Rov. Den Blättern zufolge berief der Reichspostminister den Verkehrs- beirat beim Reichspostministerium zum 28. d. M. ein. Zur Beratung soll u. a. eine Vorlage des Ministeriums über die neue Gebührenordnung kommen. Infolge der Geldentwertung ist eine lOOprozentige Er- höhungallerGebührenmit Au^n.ihme der Fernsprechgebühren vorgesehen. Bei den Fernsprechgebühren will man die Grundgebühr auf der bisherigen Höhe belassen, die Gesprächs- und Rebengebühren verdoppeln und die Ferngebühr um das Zweieinhalbfache erhöhen. Die Krankeuversichermtg. Berlin, 25. Rov. (WTB.) Der Reichs- tagSausschuß sür soziale Angelegenheiten erledigte die Vorlage, welche die Grundlöhne für die Krankenversicherung auf 600 Mark und 1800 Mark erhöht und die Versicherungsgrenze auf 720 000 Mark festsetzt. Die Fortsetzuust der Aussprache im Reichstag. Berlin, 25. Rovember 1922. Der Reichstag überweist zunächst bebattelos die Rovelle zum Einkommensteuergesetz dem Steuerausschuß, ebenso werden durch Ausschuhüberweijung erledigt die Rovelle zum P o st g e s e tz. zum Landsteuergesetz und zum Gesetz gegen bie Kapitalflucht. Dann toub die Aussprache über die Regierungserklärung fortgesetzt. Abg. Ledebour (US.) bedauert, daß ber Reichskanzler nicht anwesend ist. Er richtet an fernen Vertreter bie Frage, ob Herr Müllcr°Donn noch Minister ist. ober ob er zurückgetreten jet. Da bie Frage nicht beenbet fei, müsse ferne Partei auf bie Angelegenheit näher eingeben. (Zuruf aus dem Zentrum: „Die Sache ist Doch erlebigtl“) Ledebour erwidert: Rein, die Angelegenheit rst nicht für uns erledigt. Selbst wenn ber Minister jetzt zurückgetreten ist, müssen wir boch bie Frage aufwerfen, wie ein Mann mit einer wenigstens im Rheinland sehr bekannten anrüchigen Vergangenheit überhaupt auch nur einen Tag Minister fein konnte. In ber Tatsache, daß dieser Separatist unb Gegner ber ®et reibeumlag? als Ernährungsminister sein Amt versehen fällte, liegt der Beweis dafür, daß dieses Kabinett ein rein agrarisches Kabinett ist. Wir haben großes Interesse daran zu erfahren, wer für bie Auswahl bieses Anti-Ernährungsministers verantwortlich ist. (Der Reichskanzler ist inzwischen erschienen.) Rücktritt des ErnLhrungsmlnisters. Reichskanzler Cuno verliest ein Schreiben bes Ernährungsministers Dr. Müller- Bonn an ben Reichspräsibenten. Darin erklärt Dr. Müller, bie in vergangener Rächt er-fvlgte Buchprüfung ber gegen ihn erhobenen Vorwürfe bare zwar ergeben, daß an feiner vaterländischen Gesinnung nicht yx zweifeln fei; die durch diese Angriffe geschaffene Atmosphäre parteixo'.itifcher Gegensätze hab? ihn aber dazu bestimmt, im vaterländischen Interef'e von feinem Posten zurückzutreten. Der Reichskanzler erklärt iXFU, bei der noch gestern abend durch ben Rcichsju'tizminister Hemze vorgenommen?n Rach- prü^ung der Vorwürfe habe Aiig Sollmann selber erklärt, er wolle nicht behaupten, daß Dr. Müller bie Loslösung vom Rheinland erstrebt oder gewollt habe. Damit feien bie Vorwürfe gegen den Reichsernährungsminister hinfällig. Gleichwohl bestehe Dr. Müller auf feinem Rücktritt in ber Erwägung, bah er infolge der Angriffe persönliche Schwierigkeiten zu gewärtigen habe, welche die volle Konzentration feiner Kräfte auf fein hochbedeutendes Amt unmöglich machen würde. Er, ber Reichskanzler, fei sich ber durch diesen Zwischenfall vermehrten Sch vier .g eiten bewußt, für das Amt des Reichrer-lährungs- ministers eine Persönlichkeit zu gewinnen, ber zu gleicher Zeit das Vertrauen der Landwirtschaft und bie fachlich? Eignung zur Seite stehe. Er appelliere erneut an bie Mitarb?it des Kabinetts. (Beifall, höhnische Zwischenrufe bei ben Kommunisten) Abg. 0 tref emann (D. Vpl.): Rach der Erklärung des Reichskanzlers können die gestern gegen Dr. Müller erhobenen Vorwürfe nicht mehr aufrechterhalten werden. (Widerspruch bei ben Sozialisten.) Es war auch durchaus gerechtfertigt, ben Syndikus der rheinischen Landwirtschaft? kammer als Ernährungsminister zu wählen. Da aber gerade im Rheinland die Zusammenfassung aller Parteien eine vaterländische Rot- wenbigkeit ist, wäre es verhängnisvoll, wenn eine politisch so umstrittene Persönlichkeit an der Spitze eines wichtigen Minister uns steht. Darum begrüßen wir bie jetzt gefundene Lösung. Den Gedanken ber großen Koalition habe ich schon vertreten, als wir in der Fehrenbach-Reglerung sahen. Da,'u wcIlten wir die Sozialdemokratie nut Heran? sehen. Wir brauchen jetzt einen Führer der Wirtschaft in der Regierung. Für die en Führer ist natürlich der ilebergang in die Drecklrn.e der Parteien nicht verlockend. Dem Reichskanzler Cuno müssen air für das Beispiel von Verantwortungsgefühl, das er mit der Amtsübernahme gegeben hat, dankbar fein. Es muh dagegen Ulfs schärfste verurteilt werden, wenn ein höherer Beamter, wenn des Reichskanzlers Ruf an ihn ergeht, es sogar abgelehnt hat, nach Be.lln zu kommen, um feine Gründe zur Ablehrung emes Minrsterpvstens darzulegen. Die bei der Regierungskrise gegen bte Fraktion erhobenen Vorwürfe find unberechttgt. Man darf das Parlament nicht zum Sündenbock für alles machen. D-r. Strcfemann wendet sich bann gegen Dr Dreitscherbs Ausführungen. Auf bem sozraldemo- kratifchen Parteitage fei schon mit Recht gesagt toor'ben, man solle Herrn Stinnes nrcht zum Kinberschreck machen. Ganz falsch sei, biß für solch? wirtschaftlich führenden Persönlichkeiten das Profitinteresse maßgebend fei. Leitend fei tatsächlich das Interesse am Werk. Dr. Deckers Richllinien zur Steuerpolitik find seinerzeit auch von den Sozialdemokraten _ gebilligt werden. Ohne die Zwangswirtschaft hätten wir nicht die heutige Monopolwirtschafl. Wegen ber Stützung unserer Währung brauchen wir unter allen Umständen bie P r o d u k t i o n s f ö r de- rung. Einen Minister, ber nicht alles tut, um ttnferc Währung zu stützen, würde ich o!8 einen Verbrecher am deutschen Volk betrachten. — Alle Delürchtungen, das; eine Wertstcigerung der Mark für die Industrie verhängnisvoll fern koiurte. ändern nichts daran, daß wir den Währungsverfall auffeiten müssen, um den Untergang der Kulturschicht, die uns mechr angeht als das Kapital, zu tKnVmtem. In den Verhältnissen im Innern ist eine BerrMgung eingetreten, so daß das Kabinett prüfen tonnte, wann In den republikanischen Dchuhgesehen, deren Annahme seinerzeit eine Rolwendigkett war, di jeirigen Bestimmungen aufgehoben werden könnten, die nicht der Bestrafung der Mör- Lerorgane dienen, sondern tatsächlich das Recht der freien Meinungsäußerung beschränken. In I t a l i e ir haben sich die p o l i t i s ch e n V e r- hältnisse z u unseren ilngunften verändert. R i t l i, der die Sanktionspolitik gegen Deutschland bekämpft hat, hat keinen Einfluß mehr. Wir braucherr vor allem bessere wirtschaftliche Verbindungen mit Amerika. Die Welt war niemals weniger pessimistisch eingestellt als jetzt. Die Haltung des Völkerbundes in der oberschlesischen Frage war für uns die grösste Enttäuschung nach dem Versailler Vertrag. Die Aussichten auf eine Gesundung für uirs liegen in dem, was man ironisch den internationalen Kapitalismus nennt, und was ich die Verbundenheit der weltwirtschaftlichen Interessen nennen möchte. Diese Weltwirtschaft würde einen schweren Schlag erleiden, wenn ein Zusammenbrechen Deutschlands im Bolschewismus erfolgt. Die Erkenntnis dieser Gefahr in der Weltwirtschaft kann allein unseren Untergang aufhalten. Als der Weltkrieg begann, wurde Frankreich von Deutschland nicht gehasst, höchstens England. Wenn es jetzt anders geworden ist, so liegt das nicht an dem Friedensvertrag an sich, sondern an der Fortsetzung des Krieges nach dem Friede ns schluh. (Allseitige Zustimmung ) Es ist die Dolttik der fortgesetzten Demütigung Deutschlands, die sich ein Volk mit solcher Vergangenheit nicht gefallen lassen kann. Wir brauchen eine definitive Lösung des Reparationsproblems. Wir b i l l i- ?en das Programm des Reichskanz- ers und hoffen, das) es ihm gelingen wird, alle Kräfte zusammenzufassen zu gemeinsamer Arbeit. Abg. Dr. Leicht (Bayer. Vpt.) bedauert, teß in dieser Stunde der Rot die Sozialdemokratie sich nicht dem Beispiel der bürgerlichen Partcicn angesch'osien habe, um dem neuen Kabinett keine Schwierigkeiten zu bereiten. Dr. Breitschcid, der angeblich für den Posten des Außenministers in Aussicht genommen worden sei, habe mit seiner gestrigen Rede den Defähi- gurns achw.is nicht erb aht Dr R du er weist bann auf die von Mussolini und Poiacare auf- gestellte Behauptung bin. Deu schänd habe seinen Währungsverfall künstlich herbeigejührt. Das werde widerlegt durch das furchtbare Elend, das überall im deutschen Volke herrsche, besonders in den Kreisen, die früher als der befere Mittelstand bezeichnt wurden. Die Wohnungsnot sei ungeheuerlich, während arterersetts bi» reichen Ausländer unbeschränkt Wohnungen in Berlin fänden. Deso.rters groß sei die Aot der Studenten und der freien Berufe. Jetzt müsse die Losung gelten: Erst Brot, dann Reparationen!' In dieser einsten Zeit müsse dringend vor Terror und Gewalttaten gewarnt werden. Von dem Kommunisten ist ein Miß - trauensantrag eingegangen, we'chr besagt, baf) die Erklärung der Reichsregierung nicht den Anschauungen des Reichstags entspreche, insbesondere wegen der angelünbigten Durchbrechung des Achtstundentages und wegen der zu befürchtenden Beseitigung der Getreideumlage tQIbg. von Gräfe (deutsch-völkisch) hält die jetzige Gruppierung der Parteien für veraltet. In xtott Lager tonne man die Abgeordneten aller Posteien teilen. Die eine Richtung, ter die Partien von den Sozialisten bis zu den Deutsch- nationalen angeboren, sähe die Lösung der politischen Zeitfragen durch die kapitalistische Internationale. Dieser Richtung stehe entgegen die völkisch-idealistische Bewegung. Das jetzige Kabinett zeige seine Schwäche bart.i, das) es sich nicht klar bekenne als Vertretung eines neuen Kurses gegen den jüdischen Marxismus. Wenn Giehener Sradttyeater. Wallensteins Tod. Don Friedrich von Schiller. Diesten, 26. Rovember. Die große Aufgabe, die unsere Theaterleitung mit der Aufführung des „Wallenstein" sich gestellt hatte, kann man nach der heutigen, austervrdent- lich eindrucksvollen Wiedergabe des Schlustteils der Trilogie, des Trauerspiels „W allen- st e i n s T o d", als voll und ganz gelungen bezeichnen. Das Schwergewicht des „Wallenstein" hegt in seinem Schluhteil, den Schiller selbst die „eigentliche Tragödie" genannt hat. Hier sehen wir den gewaltigen Kriegsherrn in seiner überragen Sen Gröste tin Vordergründe der Handlung stehen, hier erlebt man schauend und mitfühlend feine schweren inneren Kämpfe mit, wird man tiefbewegter Zeuge des so unendlich tragisch aus- klingenden glänzenden Menschenlebens. Hier ist es, wo der grobe Dichter dem erhabenen Gesamtwerke, seiner umfangreichsten dichterischLN Schöpfung, die packendste Sprache gibt, die tiefste Ergriffenheit auszulosen vermag. Wenn dieser Teil s o künstlerisch vollendet herausgebracht wird, wie es heute der Fall war, so kann man mit Fug und Recht tonftatieren, dast der grobe Wurf gelungen ist. Hosvat Steingoetter, der bereits im „Lager" sehr erfolgreich die Aufführung geleitet hatte, sorgte selbst dafür, dast auch der heutige Schluß teil der Trilogie In künstlerisch hochstehender Form herauskam. Seiner verdienstvollen Spielleitung ist warme Anerkennung zu zollen. Paul Schubert gestaltete seinen Wallenstein au einer künstlerisch recht bedeutenden Leistung, Oie er allerdings bei noch intensiverer Einfühlung in die Dichtung noch wett stärker hätte steigern können. An dem Ottavio Adolf Tele- khs konnte man sich wieder in bester Weise erfreuen; er wurde der von dem Dichter gegebenen Eferakterzeichnung dieser Rolle uneingeschränkt gerecht. Hans Frommann war als Wax Piccolomini am rechten Platze, er wustke seiner Rolle Hinreistende Ueberzeugungskrast zu geben. Karla Kellers THella ist wieder mtt bester Anerkennung zu nennen. Kitty Frankes Gräfin Terzky war im allgemeinen durchaus zu- der Reichskanzler die alte Wirth-Politik fort- führen wolle und so tiefe Sehnsucht nach dem ©Intlitt der Sozialdemokraten in das Kabinett Lüste re, so könne er auf die Unterstützung der Deutschvölkischen nicht rechnen. Abg. Müller- Franken (Soz.): Die völkischen Verbände werden niemals den Wieder» auf Leu fördern. Wir kennen diese Verbände, die in Oberschlesien nicht Arbeit, sondern Strafen- räubevei betrieben haben. Daran must erinnert werden, weil Abg. Dr. Stre emann leider ettrrn Qlbbau der republikanischen Schuhgesehgehang fordert. Wir müssen im übrigen die Legende zerstören, dast wir Sozialdemottalen das Kabinett Wirth gestürzt hätten. Don allen bürgerttchen Politikern war Dr. Wirth derjenige. Der ber ocr Arbeiterschaft bad gröstte Vett rauen gtrneßt Wir haben ihm auch bei der N.ubesehurrg verschiedener Ministerposten alle Konzessionen gemacht. Es war nicht Dr. Wirth, der auf Die groste Koalition hindrängte. Es war auch nicht Die Deutschs Dolkspariei. Der Krisen Herd war vielmehr Inder Zentrumspart ei. Es war der von Sieger Wald geführte Zcntrumsslügel der Agrarier u.ib Industriellen, die unbedingt die Vvlkspartei in die RegiLvrng bringen wollten. Bei den De.Handlungen über die Repavationsfrage waren die Parteien durchaus nicht so einig wie es hier dargestellt wache. Wir 'haben unbedingt an der Forderung sesthalten müssen, dast die Stabilisierung der Mark allen unteren Ma st nahmen vorausgefen must. Wtr haben bet der Kabi'.iettSkrise ten Eindruck gehabt, dast man nicht aus Zufall ten Hauptstoß gegen ten Wirtschaftsmürister Schmidt geführt hat. Der die Stabilisierung der Mark betrieb. Wir hatten Wüter ten Eindruck, dast bis bürgerlichen Parteien bie letzten Dämme ter Zwangswirtschaft nictertelfen und sie durch bie Syndikatsmonnpol- wirtschaft ersetzen wollten, bie fälschlich freie Wirtschaft genannt wird. Wir betrachten Dünnes nicht als ten schwarzen Mann. Öfter sein Ein- flust auf die Deutsche Volkspartei ist so groß, dast die Arbeiterschaft es nicht verstehen würde, wenn wir mit einer Partei Zusammengehen, in dem dieser Befürworter des Ze'hnstuntentages sitzt. Wir sehen in der Bildung deS Kabinetts keine Verbesserung des parlamentarischen Systems. Ein solcher Fall Muller wäre nicht vorgekommen. Wir werden jederzeit bereit fein, für die deutsche Republik zu wirken. Wir erkennen an, dast die neue Regierung auf dem Boten der Weimarer Verfassung steht, and dast ihr Männer angehören die, um mit Herrn Stirmes zu reden, diskontfähige Untergriffen haben. Wir hoffen, test es tem Kabinett gelingen wird, das Programm zur Stüt- zu ig ter Mark durchzuführen. Wir werten alle schritte der (Regierung in dieser Richtung unterstützen und im übrigen den D)den der sachlichen Opposition nicht verlassen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialisten.) Ein Antrag Petersen auf Schluh ter Debatte wirb gegen die Kommunisten angenommen. Abg. Sollmann (v ) erklärt ii einer persönlichen Bemerkung, er habe in der gestrigen Defprcchrng teiin Reichsjustizminister Dr. Heinze keineswegs feine Vorwürfe gegen Dr. Müller zurückgenommen, und dieser bäte keinen ter Vor- loürfe widerlegen tonnen. Dr. Maller habe vielmehr zuqegebm, dast In seinem Aktionskomitee einige Mitglieder bie LoSlösung ter Rheinlande vom Reich propagierten, dast er aus dem Aktionskomitee ausgeschieten sei, aber keinen ter ihm fetannten Verschwörer dem Strafrichter übergeben habe. Die Abstimmung. Rach erregter GeschaflSordnungsdebatte wird beschlossen, über bas kommunistische Misstrauensvotum zuerst abzustimmen. Ein kommunistischer Antrag auf namentliche Abstimmung wird nicht ausreichend unterstützt. In einfacher Abstimmung wird das Mißtrauensvotum gegen die Stimmen der Kommunisten und ter Unabhängigen abgelehnt. Der demokratische Vertrauensantrag wird gegen die Kommunisten und die Deutschvöllischen angenommen. Rächste Sitzung Montag nachmittag 2 Uhr. frietenstellend, nur am Schlüsse hätten wir ten Ausdruck ihrer Leidenschaftlichkeit und ihrer düsteren Ordnungen gerne noch etwas stärker herausgearbeitet gesehen. Der Terzky Georg H e d i n g s verdient volles Lob. Oskar Feige! als Illo hat sich berechtigten Anspruch auf big gleiche Wertung erworben. Karl Juhnke schuf einen ganz prächtigen Buttler. Karl V o l ck als Oberst Wränge! und Rudolf Goll als Isolani führten ihre Qlufgaten in gewohnter künstlerischer Vollendung durch. Auguste M a r ck s züHnete khre Herzogin von ßfdeblanb auch diesmal wieder mit ter ganzen Innigkeit ter Frau und Mutter aus und sicherte sich ba< durch einen guten Erfolg. Paul Mehnert - Deni, Hermann Steingoetters schwedischer Hauptmann und Heinz B e ch st e i n als Kürassier, sodann als Gordon verdienen volle Anerkennung. Die übrigen Personen aller Mit- wirkunasgrate erfüllten ihre Obliegenheiten in glücklicher Weise. Der trefflichen Inszenierung möchten wir noch ein ganz fesonderes Wort ter Anerkennung widmen. Das nahezu ausverkaufte Haus dankte den Künstlern mit starkem Beifall. Cs ehrte dadurch die hervorragend gute Ausführung in sehr berechtigter Weise. — Bedauerlicherweise muh man einem erheblichen Teil des heutigen Publikums eine Ermahnung geben. Die Theaterleitung hatte in entgegenkommender Weise ten Wünschen nach früherem Beginn ter Vorstellung Rechnung getragen, um ten auswärtigen, auf die Zugver- blnbung angewiesenen Besuchern die Möglichkeit zu bieten, ter Vorstellung bis zum Schluh beiwohnen zu können. Die halbstündige Vorverlegung des Dorstellungsbeginnes hatten aber viele Besucher trotz mehrfacher Veröffentlichung gänzlich unbeachtet gelassen, und so kamen sie nun wahrend ter ersten beiden Aufzuge einlaßfegehrend an, betraten geräuschvoll den Saal und verdarben denen, die pünktlich gewesen waren, den Genuß. D i e Herrschaften, die sich in dieser Weise schuldig machten, mögen nächstens etwas mehr Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen. Wir meinen, bei einiger Aufmerksamkeit und bei etwas gutem Willen durste es nicht schwer sein, wenigstens j an Sonntagen, wo keine geschäftliche Behinderung in Betracht kommt, pünktlich zu sein. Dm I Aus Stadt und Lano. ©leben, ten 27. Rovember 1922. Eine würdige (Kl)rnng nnfcrct gefallenen Krieger fand am gestrigen Totensonntagmittag auf tem Friedbose statt. Düster, wie die Bedeutung des Tages, der Himmel, ernst und gesammelt die Menschheit. die sich dort oben auf dem Hügel vor ter Stadt versammelte, um in Wehmut der teuren Toten zu gedenken, die in dem groben Kriege ihr Leben hingegeben haben für die Sicherheit ihrer Lieben und für das Vaterland in feiner Gesamtheit. Die militärischen und sonstigen Vereine, eine Abordnung des Bataillons des Ins -Rgts. Rr. 15 und die Studentenschaft in Wichs hatten in grobem Viereck unter Mi suhrung zahlreicher Fahnen mit Trauerflor Aufstellung genommen, und viele Tausende von Mitbürgern beiderlei Geschlechts und aller Altersstufen hatten sich darum gesammelt. Weihevolle Stimmun.g ffefcelte alle, kein lautes Wort war hörbar, vom Himmel sprühte feiner Schnee und kalt wie ©rabcdluft blies der Wind. Totensonntag-Stimmung. Leise, wie aus weiter Feine hörte man die ersten Klänge ter Choral- musik, sie schwollen an und dann erto ite ter feierliche Gesang: »Wir treten zum Beten", vorgetragen von einem Militär-Sängerchor mit Begleitung der Militärkapelle unter ter Leitung des Obermusikmeisters Gober. Hierauf hielt Prof. Hans Schmidt, ein Mitkämpfer des gr oben Krieges, die Gedächtnisrete, in ter er die gewaltige Gröhe des Opfers der gefallenen Brüder ernst mahnend ten Lebenden vor Augen hielt und aufforderte, stets und überall dieser Brüter in Liebe und Treue zu gedenken. Rach dem Gesänge eines Vereinigten Sängerchors: »Wie sie so sanft ruhn", erfolgten bei gesenkten Fahnen und dem im zartesten Picvio gespielten Liete: »Ich hall' einen Kameraden" zahlreiche Kranzni^>erlegungen, imb zwar vom Beigeordneten Dr. Frey für ten Reichsbund ter deutschen Kriegsgräoerfürsorge, von Oberstleutnant Fett für das Inf.-Rgt. 15, von Pfarrer Becht ois Heimer für die Evang. Kirchengemeinte, von Rabbiner Dr. Sander far die Israelitische Gemeinte, von Rektor Prof. Dr. Eger für die UniDcrfität, von Studienrat Prof. Dr. K r ä m e r f ür bie Vereinigten Militärvereine und von Sekretär Denner für ten Reichsbund ber KriegsbeschB'.gten und Äriegerljnteibl ebe ei. Mit ten feierlichen Klängen des „Jesus meine Zuversicht". klang die sehr eindrucksvolle Fe Er gegen 1/21 Ähr auS. * ♦♦ Amtliche Personalnachricht en. Ernannt wu den: am 16. Rovember ter Iustiz- insp.ktor bei tem Amtgericht Bad-Rau eim Odo Weih zum Zustiz-ncspek-vr fei tem Amts^e bchi Friedberg, — ter Iu'üzinspeltor Karl Kling in Butzbach zum Justiz insV'ktor bei dem Amtsgericht Bad-Rau heim: — dec Landgericht Zr-tt bei tem Landgericht ter Provinz Ober ,e fei Richard Schudt in (Sieben zum Oterlandesgerichls- rat bei dem OterlanteZgericht in Darmstadt: — am 17. Rorember ter AmtLrich'er bei te n Amtsgericht Gießen Amt.gerichtZrat A>oti Meyer zum Landgerichtsrat bei tem Landgericht ter Srovinz Oferhc-ssen, ter Amtsrichter bei dem mtsgericht Lich Antkgeriht rat Wil elm Brücke l zum Amtsgericht?rat bei tem Amtsgericht (Sieben, und ter Amtsrichter bei tem Amtsgericht (Sieben Amtsgerichtsrat Emil W i l - lenbü che r zum überplanmäßigen Landgerichts- oat bei tem Landgeincht ber Prvv. Oberchessen: — am 20. Rovember die Daupraltikanten Wilhelm Hübner au3 Langd, Karl Ieckel aus Gedern und Joses Konrad aus Dingen zu Oberbausekretären: — am 22. Rovember Regier-ungsrat W e i s e l in Schotten (Finanzamt) zum Obeiregie- rungsrat unter Versetzung zum Lande Zfinanzamt Darmstadt: — Steurrsekretär Karl O to Willi Kleid 0 w bei der Oderfinanzkasse Darmstadt zum Obersteuersekretar: — Zvllobecwach'mrister Karl Ewald zu Worms zum Zoll- bet ciebsassistenten beim Hauptzo limt Worms: — am 23. Rovember die Krankerckassengehilsen Georg Graf zu Darmstadt und Heinrich Wolf zu Darmstadt vom 1. April 1922 an zu Oferassi- stenten bei tei staatlichen Detriebskrankenkaste: am 24. Rovember Steuersekretär Paul L i n g - not fei tem Finanzamt Reichsschahverwalt ing in Darmstadt zum Ob.ufteueijefretär; Steuerbe- triebsdiätar Adam Eckhard bei der Obers inanz- kasse Darmstadt zum Stcuerassistenten: die Zollassistenten Konrad Lippert in Gi:ben (Hauptzollamt) und Philipp Reinhard in Friedberg zu Zollsekretären. — Entlassen wurde am 16. Rovember ter Kriminalkommissar bei ter Staatsanwaltschaft Darmstadt Wilhelm Derz auf sein Rachsucben aus dem Staatsdienst. — In den Staatsdienst übernommen tourte am 22. Rovem- ter ter Forstwart ter Kommunalforsttoartei Steinbach, Oberförsterei Schiffenberg, Karl Herbert zu Steinbach vom 1. Rovernter 1922 ab unter ter Amtsbezeichnung .Förster". ** Eine Stadtverordnelenfit- zung findet am Freitag nachmittag 4 Acht im Stadtverordneten-S hungSsaalr statt. ** Erhöhung von Eisenbahn- Rebengebühren. Als Mindestfracht für Reisegepäck werten ab 15. November 40 Mk. erhoben. Der Preis für Fahrradkarten betragt ab 1. Dezember 30 Mark. *• Ermäßigung der Margarinepreise Die nieterrheinischen Margarinefabrikanten haben die Verkaufspreise ermäßigt, und zwar diesmal um 65—78 Mk., so daß ter Großhandelspreis für die billigste Sorte 850 Mk. und für die beste Sorte 1007 Mk. pro Pfund beträgt Diebstahl imWäschegeschäft. In der Nacht zum vergangenen Samstag wurden aus einem Wäsche» undHerren-- artikelgeschäst in hiesiger Stadt mittels Ginsteigens ein großer Posten Herrensocken, mehrere Dutzend Garnituren Hosenträger und Sockenhalter, mehrere Dutzend weiße Sport- und Stehumlegekragen, Größe 37, eine größere Anz-ahl Ober- und Normalhemten, gefütterte Lederhandschuhe, W ldlederhand- schuhe, und einige Dutzend Selbstbinder im Gesamtwerte von mehreren Hunderttausend Mark von noch unbekannten Täterin gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen. ’• Der erste Schnee In diesem Winter nxir gestern in der Mittagsstunde bei kaltem Winde hier zu verzeichnen. 3m Verlaufe des Nachmittags und tes Abmds wurde ter am Mittag sachte gekommene Winterbote durch Regenfälle toieter verdrängt. Heute früh halle die Mutter Erde jedoch ein zartes weißes Gewrnd angelegt und "gegen 10 älhr setzte bei einigen Kältegraden erneut feiner Schneefall ein. Wenn mit diesem WttterungsMech'el die Kvhlenfcage in Liebereinstimmung zu bringen wäre, tonnte es ja gefen, aber so . . . *♦ Eine hochherzige Spende. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Gießen, spendete ter Ortsgruppe Gießen tes Reichsvcrbantes deutscher Kriegsfeschädigter und Kriegerhinterbliebenen zur Weihnachtsbescherung den Betrag von 10 000 Mark. Vornotizen. — Tageskalender für Montag. Stadttheater, 7 älhr. «Der Herr Senator". — Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Äömigoeb, ter große ilnfefannte“, und „Die, die Lieoe suchen". - Lichtspielhaus, Bahnhofstraße ab heute: „Der Gras von Monte Christo": „Sie ToÄNhand", „Er im Hause des Schreckens" und „Ausnahmen rom Leipziger Arfeiterturnsest". — Palast-Licht- spiele, ab heute: „Ihr schlechter Ruf" und „Alexander ter Große". — Aus dem Stadttheaterbureau. Es sei nochmals auf das heute abend 7 älhr be- güinente Gastspiel Carl William Büller als „Der Herr Senator" hingewiesen. In wetteren Hauptrollen sind beschäftigt die Damen M a r ck s, Rubner, Iven (für das erkrankte Fräulein Türk), Keller, sowie die Herren L e u t h e i s e r, B e ch st e i n und Feigel, ter auch für die Spielleitung zeichnet. — Am Dienstag kommt „Doktor Klaus" mit Büller als Kutscher Lubvwski zur Darstellung, in tem fast das gesamte Schauspiel- personal beschäftigt ist. Spielleitung Karl V 0 l ck. Wettervoraussage Vorwiegend bedeckt, Schneefälle, Frost, Nordwind. Das gestern über ter Ostsee lag ernte TiH zieht nach Osten ab. Das westlich England ruhende Hochdruckgebiet gewinnt verstärkten Einfluß auf unsere Wetterlage. Es wird fälter, doch ist mit Aufklärung nicht zu rechnen. — Heute morgen tourten folgende Temperaturen gemessen: Gießen —4, Darmstadt —4, Lauterbach — 6 Grad. Kreis Schotten. * Schotten, 25. Nov. Der Haushaltsplan für 1922 ist in ter letzten Ge- meinteratSsitzung verabschiedet Worten. Er schließt mit 3 360 000 Mark (1921: 732 540 Mk.) ab. Unter Berücksichtigung ter voraussichtlichen Rückvergütungen tes Reiches bleiben noch 720 000 Mark zu decken, die durch eine Umlage auf Gebäude, Bauplätze, Gewerbe und landwirtschaftlichen Grundbesitz erhoben werden sollen. Kreis Friedberg. fpd. Bad-Nauheim, 26. Nov. Die Polizei ist augenblicklich mit ter Feststellung der Todesursache eines hiesigen jungen Mädchens beschäftigt, das an dem 2ll>end seines plötzlichen Todes, am 14. November, von Gießen nach hier gefahren und abends zwischen 7 und 8 Llhr mit einem Herrn in der Ludwigstrahe gesehen worden war. Wo sich das Mädchen zwischen der Ankunft deS Gießener Zuges abends 6.20 und 7 Uhr, dem Zeitpunkt des Zusammentreffens mit tem unbekannten Herrn, aufgehalten hat, konnte bisher nicht ermittelt werden. — ES hantelt sich, der „Bad-Nauheimer Zeitung" zufolge, um ein Frl. A n n a H u t h. Der Darmstädter Landsriedensbruch vor Gericht. rm. Darmstadt, 25. Nov. Vor ter Darmstadter Strafkammer tourte heute die zweite Gruppe der wegen Landfrietensbruchs, Haus- frietensbruhs, Sachfefchädigung, Mißhandlung ufto. Angeklagten abgeurteilt, die nach dem Demonstrationszug am 27. Juni d. I aus Anlaß tes Rathenaumordes sich schuldig machten. Diesmal sind es 16 Angeklagte, von denen einer, der 20 Zahre alte Schlosser Ludw. Bauer au- Rieter-Deerbach, abgetrennt und mtt den anderen Angeklagten abgeurteilt wird, da noch verschiedene Zeugen gehört werden sollen. Den Vor-sitz führt wieder Landgerichtsdirektor Dr. Stein, auch das Richterkollegium ist dasselbe, ebenso der Vertreter ter Anklage, Staatsanwalt Dr. Langenbach. Die heute Angeklagten sind hauptsächlich beschuldigt, sich an der Zusammenrottung in tem Anwesen tes Abg. Dingeldey und an dessen Mißhandlung und Bedrohung beteiligt ya haben. Es kommen besonders zwei Jugendliche, ter 17 Jahre alle Kammacher Jakob Wedel aus Oberramstadt. sowie ter 15 Jahre alte Spenglerlehrling Geora Gautner aus Seeheim in Frage, welche nach ihrem eignen Geständnis sich an der Mißhandlung Dingelteys betcUigt Hafen. Einige der Angeklagten leugnen ihre Teilnahme oder versuchen wieder ihre früheren AuZsagen afeuschwächen. Hier kam auch zur Sprache, daß sich einer der Hauptbeschuldigten, Kindinger, im Hnter- suchungsgefängnis erhängt hat. Als erster Zeuae ntirte ter Abg. Ding et- dey vernommen, der in einfachen, aber über» zeugenden Schilderungen ein lebendiges Bild der tief betrüblichen Vorgänge jenes Tages gibt Während bei früheren Demonstratwnen die Umzüge sich ruhig an der Wohnung oorüterfewrg- ten, schien es Anfangs, als ob die Strafe, in derer toc'bnt. diesmal verschont bleiben sollte, bis plötzlich Stimmengewirr, Geschrei ufto. au die Ofrren ter beim Tee sitzenden Familie D. drang, worauf alsbald die H 28-2,15 Vonöüii 31421,75 31578,25 32418.75 32581.25 Pariö 501,75 504.20 512,75 515,25 Schweiz 1321.® 1328,35 1327,65 1334,55 Spanien 1074,80 1080,20 1087,75 1002,25 Italien 331,15 332,8a 338,15 340,>5 Llssnbon-Oporto — Dänemark . . .. 1418,45 1425.55 1456,35 146365 Woriumctt .... 1276.80 1285,20 1331,65 1338,35 Schweden .... 1880,75 1880.25 1925,15 1934,85 ^elsinnfors. . . . 175.50 17(150 182-50 183,50 Nennork 7067,25 7102.75 723U5 7268,15 Denisch-Oesterr. 10,95 11,55 10.02 10,08 Budapest 303, - 305,- 3H- 311 - Vraa 227,40 22Ü60 23L85 233,15 Sofia....... — Märkte. Berliner Produttenmarkt. Berlin, 23. Rov. Am Produktenmarkt zeigte sich zwar im Inland« etwas mehr Qin» gebet, die Preisforkterungen waren jedoch meist zu hoch gehalten-um einen lebhafteren Umsatz zu ermöglichen. Die Stimmung war allerdings mit Rücksicht auf den Deoisenmartt vorwiegend fest. Weizen war für Süddeu sch.and begehrt. Roggen wurde teilweise zur Deckung des Bedarfs der Reichsget.eid.stelle gekauft. Die Preise für Brotgetreide stellten sich etwas höher wie gestern. Auch Gerste und Hafer hatten eine durchweg feste Haltung, obwohl von Hafer neue Anschaffungen der Aemter nicht mehr erfolgen. In Mais fanden auch heute vorwiegend Verkäufe auS zweiter Hand statt. Mehl unb öelkuchen begegneten vermehrter Kauflust. Futterstoffe blieben ruhig. Weizen, märkischen 12 000—12 300 Mk. (fester), Roggen, märkischen 11000—11200 Mk.. westpreuhischrn 10 900 Mk. (sehr fest), Sommergerste 11 200 bis 11 400 Mk. (Mt). Haser. märkischm 12 400-12 700 Mark, pommerschen 12 300—12 600 Mk. (sehr fest), Mais, La Plata, loco Berlin 13 500-13 800 Mk. (fest), Weizenmehl (100 Kg ) 33 000- 38 000 Mk. (fest), Roggenmehl (100 Kg ) 29 500-32 500 Mk. (fest). Weftenkleie 6500—6700 Mk (fester). Rog- gcnllcie 6500—6700 Mk. (fester), Raps 20 000 bis 21000 Mk. (behauptet), Lupinen, blau 15 000 bis 16 500 Mk., Seradella, alt 30 000-35 000 Mk.. Rapskuchen 7500— 7800 Mk Rauhfultcr: Weizen- unb Rocigenstroh, drahtgeb 5300—5500 Mk.. Haferstroh dvahtgepreht 5300—5500 Mk.. Stroh, strohseilgcbündelt 5100—5220 Mk., Wiesenheu, gut, gesund unb trocken, Vormahd 3300—3400 Mark, Rachmahd 2900—3000 Mk. Büchcrtisch. — Der Kaiser der Sahara. Roman von Otfrid von Haustein. (Stuttgart.Deutsche Verlags-Anstalt.) — Otfrid von Haustein hat die Idee einer eventuellen Urbarmachung der Sahara aufgegriffen und im Rahmen einer packend erfundenen und in tollem Wirbel dahinjagenden Erzählung ausgesponnen. — Märchen auS 1001 Rächt. Verlag Hermann Schaffstein, Köln. — Die schönsten dieser alten und ewig jungen Märchen die besonders auf unsere Jugend ihren ganzen Zauber ausüben, hat Wilh. Spohr nach bet Well'schen Heber- setzung aus bem Urtext ausgewählt unb bearbeitet Bilder von Gustav Traub schmücken das Werk, das Knaben und Mädchen in gleicher Weise ein hochwillkommenes Weihnachtsgeschenk sein wird. — Ferdinand v. Raesfeld: „Die B r a f f e n b u r a“. Verlag 3. Reumann, Reu- bamm. — Eine schlichte Familiengeschichte, bie aber in sehr ausgeprägter Charakterisierung Land und Leute Westfalens vor dem geistigen Auge des Lesers erstehen läht. — Thekla von Gumpert: Herzblättchens Zeitvertreib. Band 67 (1522). Heransgegeben von Josephine Siede Mit zahl- rerchea mehrfarbigen und en arbi gen Abbildungen. Te lag von C. F.emming und C. T. Wi .kott, A. G, Berlin. DteRamen von Mitarbeitern wie Friedrich Lienhard, Marte Renate Fischer, Ludwig Finckh, Luise Glast, Margarethe Dorländec unb andere zeigen, dah auch dieses Jahr sich wirklich die Besten zusamme.rsmdrn, um der Jugend etwas Wertvolles zu geben. Reben heiteren und ernsten Erzählungen stehen Märchen. Reime, Rätsel, belehrende Artikel. F a l k e n st e i n, 22. Rov. 1922. 3n dem Kreise Königstein haben nun bereits in den Glashütten und Fischbach die Protestversammlungen gegen die zwangsweise Einführung der Landbürgermeisterei- Verfassung stattgefunden und ist in diesen Versammlungen nachstehende Resolution einstimmig angenommen worden: Die am 22. Rov. 22. in Fischbach i. T. tagende Volksversammlung, besucht von den Einwohnern der Orte Fischbach. Kelkheim, Hornau, Eppstein. Ruppertshain, Eppenhain, Ehlhalten, Reuenhain, Schneivhain und Astenhain erhebt nach eingehender Aussprache nachdrücklichst Einspruch gegen die zwangsweise Einführung der Landbürger- meisterei-Verfaffung in der Provinz Heffen-Raffau. Die Einführung der Landbürgermeistereien würde nicht nur die bewährte Selbstverwaltung in den Gemeinden und Kreisen zerstören, sondern auch eine neue finanzielle Belastung bringen. Es muh auch weiter verlangt werden, dah die Vereinheitlichung der Gemeindeverfassung Halt macht vor der historischen und wirtschaft- ltchen Entwicklung in den einzelnen Landesteilen. Es wird erwartet, dah die bei der lieber- nähme der zur Provinz Hessen-Raffau gehörigen Landesteile im Jahre 1866 gegebenen Versprechungen auch von der jetzigen Regierung respektiert werden. Zum mindesten verlangt die heute tagende Dollsversammlung die in dem Gesetz für Hannover gewährte Vergünstigung auch auf die Provinz. Hessen-Raffau ausgedehnt, dah die Einführung der Landbürgermeisterei-Verfaffung durch Pro- vinzial-Gesetz überhaupt ausgesetzt werden ilann. Bürgermeister Hesselbach, welcher das Referat übernommen hatte und am Sonntag, dem 26. Rov., nachmittags 4 Uhr, in Oberhöchstadt, Gasthaus Sachs, für die Orte Falkenstein, Schönberg, Marn- melshain, Schwalbach, Weiskirchen, Stierstadt, Rieder- und Oberhöchstadt gesprochen hat, hat die Rachteile der Landbürgermeisterei-Derfassung erläutert und ist es auher Frage, dah nach der historischen und wirtschaftlichen Entwickung der Provinz Hessen-Raffau das angekündigte Gesetz einen Rückschritt bedeutet. Auf keinen Fall wollen die Bewohner die bisherige Selbstverwaltung der Gemeinde noch mehr beschneiden lassen. In allen Gemeinden kommen noch Listen zur namenllichen Unterzeichnung in Zirkulation, welche den Abgeordneten als Material übersandt werden. Rach dem Beschluh, der am 26. 10. in Sieben stattgefundenen Versammlung, soll das gleiche Vorgehen in allen Kreisen der Provinz Hessen-Raffau stattfinden. Die Regierung erhält auf diese Weise einen, wenn auch nicht offiziellen, Vollsentscheid. Wenn in der vom preuh. Staatsrat eingesetzten Kommisfion bei der Generaldebatte der Herr Vertreter des Ministeriums des Innern die Erklärung abgab, dah bei der Regierung keine Bedenken beständen, die für Hannover gewährte Ausnahmebestimmung betr.öer Landbürgermeisterei- Verfassung auch auf die Provinz Hessen-Raffau auszudehnen, so kommt diese Grllärung reichlich spät, denn alle Eingaben über diese Fragen wurden bisher nicht gewürdigt und auch in keinem Reudruck des Entwurfs berückfichttgt. 10331 IVO Vuhqnn^ BATOCHAR/^^ C/GARETTEN -in, höc/isten VoiZend™ Gießen (Liebigstraße 41 H.), 27. November 1922. Die Beerdigung erfolgt Dienstag, den 28. November, nachm. 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus. 010T91 Am 25 ds. Mts., nachmittags 6*/, Uhr, verschied sanft nach längerem, schwerem Leiden mein innigstgeliebter Gatte, unser treuer, unvergeßlicher Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herrjohannes Vogel Lademeister im nahezu vollendeten 69. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elisabeth Vogel geb. Kern. 010797 ■ Willingen, 25. November 1922. 10339D Für alle Beweise derTeilnahme an unserem schweren Verluste, besonders auch für die Liebe, welche unserer Entschlafenen während ihrer Krankheit aus den Gemeinden Villingen und Nonnenroth erwiesen wurde, sagen wir unseren herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Wilhelm Köhler, Pfarrer. Todes-Anzeige. Gott hat es gefallen, meinen innigstgeliebten Mann, unseren treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel LudwigSfamm Bremser i. P. im 74. Lebensjahre zu sich zu nehmen. In tiefem Schmerz: Elisabeth Stamm geb. Leun nebst allen Angehörigen. Großen-Linden, den 26. November 1922. Die Beerdigung findet statt am Dienstag, dem 28. November, nachmittags um 3*/a Uhr, vom Sterbehause, Junkergasse 15 aus Stndr Plnneb. unter 010790 ii. ö.tyietU'lnA. |Wohnungstau ch Bmlaü-Kikükit. od. 3 Zimmer' Wohn, in Breslin neben ebensolche t—.»-Zim. Wobn. in wiehcit zu tauschen gesucht. (£-utL Avschlun nn Ringtausch. HauS- tnnf nicht nn^ne-- schlosfen. Schr. Ang. it. 11*3'8 Da. d. (Si.SIn.i. Jung. Sauf» eil SontoÄ in Lieiiogiavbie u. Schreibmaschine ausgebildet. nesncht. Schr. Ameb. u. 10332 nn den Gieu. Ain. Wir suchen für unseren betrieb a11m alsbaldige» Eintritt einen an- neUcnb.m Bekanntmachung. . Die Anterstützungssätze aus der Er- werbslosensürsorge der Stadt Gießen sind Dom 20. Bovember 1922 ab wie folgt festgesetzt worden: Für männliche Personen - a) über 21 Jahre, soforn sie nicht in dem Haushalt eines anderen leben......QU!. 125.- b) über 21 Jahre,sofern sie in dem Haushalt eines anderen leben Mk. 90.— c) unter 21 Jahren. . . Mk. 45.— 2. Für weibliche Personen a) über 21 Jahre, sofern sie nicht in dem Haushalt eines anderen leben......Mk. 100.— b) über21 Jahre,sofern sie in demHaus- halt eines anderen leben Mk. 60.— c) unter 21 Jahren. . . ML 35.— 3. Die Familienzuschläge für a) den Ehegatten . . . Mk. 60.— b) die Kinder u .sonstigen unterstützungs- berechtigt. Angehörigen Mk. 45.— Die Familienzuschläge, die ein Erwerbsloser erhält, dürfen insgesamt das Zwei, fache der ihm gewährten Anterstühung nicht übersteigen. 103226 Giehen, den 24. Dovember 1922. Der Oberbürgermeister. 3. Du Dr. Frey. Die Schreinerarbeiten für den Reichsbankneubau Limburg a. d. Lahn sollen öffentlich vergeben werden, getrennt nach Fensterlieferung (rd. 165 qm) und Türen- lieferung (rd. 230 qm). Derdingungsan- schläge sind gegen Einsendung von je 120.—Mk. von der Bauleitung zu beziehen. Eröffnungstermin für die Fensterlieferung am 8. Dezember 10 Ahr vormittags, für die Türenlieferung am 9. Dezember 10 Ahr vormittags. Zuschlagsfrist für beide Lieferungen bis zum 16. Dezember einschl. Limburg a d Lahn, den 27.Rov. 1922. Untere Schiede 8. 10327D Die Bauleitung. Drehstrommotoren! WettnnterdeinTancSvreO. fofortnb«aner Schotten, 220/380B, 14 1-MTourewNuvfer ro t (f l n-, f a b r t f n., 1 j n b r. f^a b r if n n r u 3-WPS Schrot- undMahlmühlen Marke Adebe =^~ äusterftauntt.sos.abLagcrSckiottcn Itcfcrb zur Herstellung von garant.backiähig.^lelil' Ferner NreiSsägcublättcr. Kreisfäaen^ laiertntocii, Lcdertrcibriemcu ufw herstelluna von tompl. Kraftanlagen einschl. Wtllenlaaer u.Nicmcuschetbcn. Inftallationsqefchö.sl Heinrich Imhos, Schotten Telephon Nr. S48. [10J01D Weih nachts- Kerzen Feuenverks-Körper en gros Toilette-Seifen en gros hllMnss Probesevdnnn'IOKito Pake,lae.,.Noch«. tSmtl Liebermann, Frankfurt n. M. j Mietgesuche | Ausländer Cöttlnare), Student, sucht ein möbliertes Zimmer. Schrift! Angeb. nut. 010785a d tyiei).2ln>. 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