Dienstag, 2i. Juni 1922 Erstes Blatt 172. Jahrgang geführt werden kann. Kreise der äußersten Rechten, von mgeo. 26.6, Süd gen anstaltet werten. .7.14. 25.40 >9.20 &S0 8.80 150 -,2S 3,49 -,77 1,4C W 655,85 34(35 123,17 231«80 W <730,- - 654,15 34,25 122,82 231,20 167,- 4719,- in die Reichsregierung ernzutreten. Schärfffte Bedenken der bayrischen Volkspartei. München. 26. Juni. (Wolff.) Die Land Selbst die verständigen der Deutschen tagSfraktwn der Bayrischen Volks- Partei hat im Landtag eine Interpellation eingebracht, in der qu der vom Reichspräsidenten erlassenen Verordnung -umSchuyo der Republik vom 24. Juni 1922 Stellung genommen wird und in der die schärfsten Bedenken gegen diese tief in die Hoheit- rechte der einzelnen Länder eingreifenden Br siim7nungen geltend gemacht werden. Unruhen und Schießereien in Hamburg Hamburg, 26 (Juni. (WTB. > Die De - mnnftrationcn auf dem Heiligen G ei st f e l d haben sich im allgemeinen prvgrammähig abgespielt. Lediglich nach Schluß der Demonstra- tionen kam es beim Abmarsch der Masse zu einer Schieberei -wischen Demonstranten und Heb nen Abteilungen dec Schutzpolizei, die am Bis- marckdenktnal Abfverrdienste rersab. Die Schutzpolizei nahm entgegen den Anweisungen des Senats mit Gewehren und Maschinengewehren Aufstellung und stellte ein Plakat mit der Inschrift aus: weitergeht, wird erschos- ich!“ 'Dnc Demonstranten fühlten sich durch das Plakat betroffen und versuchten, es zu entfernen, wobei es zum Zusammenstoß tarn. Die Schutzpolizei gab zunächst Schreckschüsse ab, wodurch die Demonstranten sich in ihrem Vorgehen nicht aushalten lieben. Der Zusammenstoß förterte leitens der Demonstranten einen Toten u n t> sechs Verwundete. 1.M 6345,- 11.80 1'3,82 97.80 UJ 23.80 -30 [25.40 3^3 Berlin. 26. Juni. (WTB.) Der preu- ßische Minister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung ordnete drahtlich an. daß am Tage der Beisetzung Rathenaus oder an einem der nachstfvl- aenden Tage in sämtlichen Schulen Preu- 34,15 11,65 122,56 59,50 *06,- $01 ft SO ta. )0,40 6516(30 6533,20 61,'5 5343,30 6356,70 2,07 1.88 ‘" Ur. U8 Erscheint :äglich, außer Sonn- und Feiertags, mit berSamstagsbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche Bezugspreise: MN. 20.— und TI ft. 2.— Trägerlohn,durch dieDost MK.22.—, auchbeiNlcht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech- Anschlüsse: für dieSchrift- lething 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. poftschecktonto: Frankfurt o. M. 11686. 1.45 003 10- 44.45 23.45 24.45 42.46 053 529.6b MO 0,117 1,48 -,7S 1,45 1,» Der Nachhall der Mordschüsse. 3n der gesamten deutschen Presse aller Parteien ist nicht nur die Ermordung Rathe- naus scharf verurteilt worden, sondern es wurde überall mich aufrichtig bedauert, daß der hochbegabte Minister ein so jähes, schreckliches Ende gefunden hat. Den Mördern scheint man auf der Spur zu sein; so lange man ihrer noch nicht habhaft ist. kann man eigentlich die vollen Konsequenzen aus der Mordtat nicht ziehen. Was geschehen kann und muß. ist die Aufforderung an alle politischen Extreme, die Leidenschaften zu zügeln, die Gemüter von unheilvollen Haßgefühlen zu reinigen. 3n diesem Sinne schreibt heute Dfe „Statt Ko rre sp.": „Fruchtbar« politische Arbeit läßt ftch nie bann leisten, wenn man nicht durch Begünstigung oder mindestens Beschönigung ter Auspeitschung Der Reichskanzler Geschäftsführer für das Auswärtige. Berlin. 26. Juni. (WTB.) Der Reichspräsident hat den Reichskanzler Wirth bis auf weiteres mit der Wahrnehmung der AmtSgefchäfte als Reichsminister des Auswärtigen beauftragt. Cnn Protest der Dentschnationalc». Berlin, 27. Juni. Der Vorstand der Deutschnationa len Vollspartei erläßt eine Kundgebung an die Parteimitglieder. in der die alte Behauptung zurück gewiesen wird, daß die Partei für den 'Mord verantwortlich sei 3n der Erklärung heißt ce: Mit Verbrechern und Mordbuben hat dte deutfchnationale Freiheit nichts gemein. — Die Kundgebung verlangt von der Regierung, daß ie die Deutschnationale DolkSpartei und die in ihr vereinigten Wähler und Wählerinnen gegen verlogene Behauptungen und Verleumdungen in Schutz nimmt. (Sitte Kundgebung der Deutschen Volkspartei. Sani spätere" tu. Mstch,, A Ibät in bei tronj^r met ®eeEfWtte er, ohne ne» Span- megtan ötiLSer W einez vevvhn! lehr lebenStLchtia ist cwtngenben Äon» beschlagnahmt Worten Student Bern Hard Flesch, der im Reichstag tem Abgeordrreien Helfterich einen Blumenstrauß überreichte, ist nach seiner ursprünglich erfolgten Freilassung wieder verhaftet worden da belastendes Mat-nnal gegen ihn vorliegen soll. Er soll auch sehr intim mit Ehrhardt befreundet fein. 3u ter Verhaftung Ka r l L r l l e s s e n bemerkt Weih, dah sich verschone Zeugen gemeldet batten, die T illeff en am Montag in Berlin gesehen haben wollen. Die .ter „Lola5-Anzeiger' mitteilt. ist bei Volkspartei ganz zu schweigen, haben sich auf den Toden der Republik gestellt, um von dort aus das Vaterland zu retten und sind der Meinung, daß eine Aenterung der Staatsform nur späteren, glücklicheren Zeit Vorbehalten fein kann. Wer also jetzt die Staatsform zum Gegenstand eines Kampfes macht, der schädigt sein Vaterland. Das gilt für die Reckte, ater besonders für die Linke. Die falsche Darstellung ter politischenTagesfragen bildete die Handhabe für die parteipolitische Zerfleischung, die im Anschluß an die Ermordung Dr. Rathenaus heute von ter gesamten Linken und bemerkenswerterweise mit besonderer Schärfe von dem Demokraten Dr. Petersen betrieben wurde. k tourten gezahlt: 23. & 24.6 ’f 6.21. MM -markt. Dries Gell» Lief 24.3unl 5,9513083,6013116,46 '0,90 276o.50 277150 16,85 5622,95 5637*05 18,90 7270,99 7289,10 30,60 8724,05 8745-5 31,95 752,05 754# 37,- 160.,15 1007,05 54,35 1508,10 1611,90 11,92 34»,56 345,44 36/15 2111,35 2918,65 Darmstadt. 25. Juni. Die westdeutsche Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Vollspartei (umfassend die Wahlkreise Baden, Pfalz, Württemberg. Hessen-Rassau und Hessen-Darmstadt) erklärt auf ihrer heutigen Sitzung in Heidel- » kurze würdige Trouerfeiern der- den Haussuchungen ein umfangreiches Material n c n ? cur^ h | -unhcn Dorten, das Finaerzerge enthaft, bte vermullich auf die Spur der Mörder führen. Die Spur soll auf deutfchv öl tische Verschwörerkreise hinweifen Die ter „Lokal-Anzeiger' meldet, hat gestern auch im Bureau des Landesverbände«. Berlin derDeutfchnationalen Volk» Partei eine Haussuchung statt gefunden Helsingsors, 26 Zuni (WB.) Auf Am trag der deutschen Gesandlschafl hat die Polizei in Helsingfors auf dem heute eingelaufenen Dampfer „Rügen" drei unter dem Verdacht der B e t e i l ig u n g an tem Word an Ralherau Stehende f c ft gen ommen, die sich für englische Matrosen ausgaben, die nach Wilborg unterwegs seien Die Untersuch ingea dauer n fort. Berlin. 26. Huni. (Wolfs.) Einer Meldrng ter „B Z." ans München zufolge tonte all Veranlassung der Staatsanwaltsü-aften in Berlin und Kassel Kapitänleutnant H o s s in a n n als verdächtig des Anschlags aus Scheidemann und ter Beteiligung an ter ErmordungRa- thenaus.verhaftet und sestaenommen. Ferner wurde wie aus Flensburg genreldet wird, dort Kapitänleutnant Karl T rl kessen, der ältere Bruder tes am Morde Erzbergers beteiligten Oberleutnant a D. Heinrich Title s s e n. festgenmnmen. Versammluugsverbotc uttb ^eitungSbcschlaguahmuttgcu. fpd. Frankfurt a. M., 26. ;juni. Der Polizeipräsident verbot die für heute abend angekündigten Versammlungen des Deutschvölkischen Schutz- und TrutzbundeS und der nationalsozialistischen Arbeiterbewegung. Ferner wurde auf Grund der neuen Verordnung zum Schutze der Republik die letzte Rümmer der „Völkischen Rundschau" wegen Beschimpfung der ReichSflaggen beschlna-, nahmt und eingezogen. Die sächsische Regierung an den Reichskanzler Dresden, 26. Zum. sWolff > Die sack i rsche Regie, ung richtete an den Reichs Kanzler folgentes Telegramm Die Bolfchast tet Ermordung Rathenaus erfüllte die R^ierung tes Freistaates Sachsen mit tiefer Trauer unb Empörung. Rach dem Aichlosen unb ungesühnten Mord an Erzberger wurde jetzt ein neues, un erhörtes Verbrechen von nationalistischen Kreisen verübt. Roch ist ter Anschlag auf Eche »bemann ungcQärt. Der Meuchelmord an Rathenau wirft um so erschütternder, alS er einen Mann traf, testen reiches Wissen anertamtt tourte unb der mit festem Willen im Begriff war, einen ganq - baren Weg für Deutschland ans dem Elend der Kriegszeiten zu finden. Die Regierung tes Freistaates Sachsen ist mit dem Reichskanzler ter Meinung, daß bei dem Mordanschlag eS sich um einen besonders Angelegten organisierten Plan hantelt, der von den nationalistisch- monarchistischen Parteien begünstigt wurde. Sie spricht die Erwartung aus, daß die Reichsregierung alles tun wird, neue Mordanschläge zu vereiteln und glaubt, daß bei aller Wahrung ter Meinungsfreiheit doch alles getan werden muß. um der nationalistischen Heharbei t Einhalt zu tun und die geheimen oder offenen staatsfeindlichen Organisationen zu urtTerbrüden Die Regierung tes Freistaates Sachsen traf von sich aus bereits alle vorbereitenden Maßnahmen unb ist bereit, die Reichsregierung in den Kamps gegen die tontet revolutionären Bestrebungen mit Hilfe der Arbeiterschaft zu unterstützen. Sie spricht der Reichsregierung ihre herzlichste Teilnahme an tem schwe ren Verlust aaS und bittet, dies auch der Familie Rathenaus zu übermitteln. Die Unabhängigen in der Reicksregierung? Berlin. 26. Juni Wie nach tem .,B T" verlautet, beschlossen die Unabhängigen mit beträchtlicher Mehrheit, unter gewissen Betengun- Das zweite Moment, das mit spitzfindiger I Gehästigkeit in den Vordergrund geschoben wird, list die angebliche Sorge um die Republik. Es gehört entweder ein starkes Maß von Verlogenheit zu ter Behauptung, die gegenwärtige Staatsfvrm stünde auf dem Spiel, oder eine maßlose Unterschätzung der inneren Starke ter Republik und der polftischen Macht derjenigen, die hinter ihr stehen und die bei anderen Gelegenheiten nicht genug rühmen können, daß ihr starker Arm alle Räter stillstehen lassen kann. Bis in die Reihen der Deutschnationalen hinein ist unser ganzes Volk davon überzeugt, dah ein Streit um die Staatsform nur auf Kosten des Staates selbst Annahme von Anzeigen für die lagtinummer bis zum Nachmittag vorher ohnejed« Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höbe für Anzeigenv 34 mm zkeite örtlich 150 Vf., auswärts 180 Vf; für Reklame- Anzeigen von 70 mm •Breite 500 Vf- Lei Platz- vorschrift2O Aufschlag. .Hauptschriftleiter: Aag. woetz. Verantwortlich ftir Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil fiarl Walther; für den 'Anzeigcnterl: Hans Deck, sämtlich in Gießen jjw**'111 Dr. Rathenau ijen! , MZ f»nü r Mckseue yp $#» berg: „Die Deutsche Volkspartei steht aus dein Boden der verfassungsmäßigen Weiterentwicklung unseres Staatswesens auf friedlichem Wege Sie verurteilt deshalb jede politische Gewalttat und spricht ihre liefste Entrüstutrg aus über den an dein Reichsminister Rathenau verübten Mord. Sie legt aber gleichzeitig schärfste Verwahrung ein gegen jeden Versuch, die Tat auszubeulen zu einseitigen Maßnahmen und Rechtsbeugungen gegen Staatsbürger, die der Politik der derzeitigen Regierung nicht zustimmen können." Die Todenfeier. Berlin, 26. Juni. (WTB. i Die T n = tenfeier für Rathenau ftndet Dienstag mittag 12 Uhr im Sitzungssaal des Reichstags statt. Am Sarge werden ein Vertreter des Präsidiums tes Reichstags, der Reichspräsident und cm Vertreter der Demokratischen Fraktion sprechen. Auf Wunsch der Familie wird von allen weiteren Feierlichkeiten abgesehen. Rach Abschluß der Feier im Reichstag wird ter Sarg sofort nach Riederschöne- weide zum Erbbegräbnis gebracht, wo die Berseyung im engsten Familienkreise erfolgt. Berlin 26 Zwnj. (Wolff.) Amtlich. Wegen ter am 27 Juni 12 Uhr mittags statt- findenden Trau er feier für den ermordeten Reichsminister Rachenau wird zur ausdrucks^ vollen Bekundung der Anteilnahme der Reichsbahnen Punkt 12 Uhr mittags auf fünf Minuten der gefamte Zugverkehr auf alten Strecken still- gelegt Die Angabe von ante.äiaulenbcn Zeiten für diese Stillegung ist ungültig. Die mit ten Reichsflaggen ausgestatteten Amtsgebäute flaggen am 27. Zuni auf Halbmast. Trauerfeierindcn preußischen Schulen. tes Rasscnhasies, antiseinilischer Pöteleicn und Spekmationen auf die niedrigsten Instinkte der Masse immer von neuem wieder Zwiespalt, Streit und Hader in das Leben tes Alltags bineinträgt. Von den Kommunisten und ten ihnen geistesverwandten ' Elementen kann man eine Besserung nicht verlangen — diese Leute sind hofftningslos. ES wird nun aber dringend notwendig, daß man sich auf ter anderen Seite mit einem kräftigen Ruck von der Gesellschaft befreit, die wie ein Bleigewicht ten nationalen Aufstieg verhindert. Man farm auch nicht gerate sagen, daß die Erkenntnis für die Rotwendigkeit des Zusarnmen- sasiens aller schöpferischen Kräfte, die der Rcichs- Haäizler selbst so stark betont hat. bei der Reichsregierung besonders stark sich durchgefetzt hätte. Las geflifsentkiche Betonen der Ausfassung, daß von Unks gar keine_ Gefahr drohe, sondern mir non red}f6rabilaler Seite, durch ten Reichskanzler sowohl wie MonterS durch ten Reichssastiz Minister läßt befürchten, daß die Hoffnung aus eine unparteiische, gleichmäßig nach allen Rich hingen angewandte Durchführung ter Ausnahme Verordnung, die Hem Dr Heinze fordert, kaum Müllt werden wirb La.>u trägt die schnelle -SinnCharterung nid?' inw lenlftch bei, die sich i'mln «eigt daß ursprünglich von den sieten Mitgliedu tes Staaisgerichtsbofs drei 'Berufs nchtei sein sollten, während keine 24 Stunden 'päter ter Reichsfustkzminister mit offensichtlicher Tzefriedigung verkündete, alle steten Richter soll ten oder könnten Laienrichter sein. Wenn die Iftiswahl ber Mitglieder iran noch nach Partei- politis^eu Gesichtsvunkten erfolgt, bann wächst btc Gefahr daß die Vvn ten Sozialdemokraten angeblich f’o schart bekämpfte Klassenjustiz ungeahnten Umfang an nimmt." Es muß unumwunden ausgesprochen werden, daß große Teile der Linken unserer Berliner Parlamente sieb aus Anlaß des furchtbaren Ereignisses höchst unwürdig und unreif benommen haben. Vernünftig und rechtlich denkende Menschen — und die sind ja wohl auch im arbeitenden Volke sehr zahlreich zu finden müssen sich abwenden von der häßlichen Hetze und Mache, die den politischen Gegner ganz im allgemeinen treffen und besudeln soll. Sv hat die ..Kölnische Zeitung", ein immer maßvoll schreibendes und die Volksgemeinschaft verfechtendes Blatt, ganz recht, wenn sie schreibt: Die Reichstagssitzung. die aus ter (Srmot bimg Rathenaus die. nächsten volttifchen Folgerungen ziehen sollte, hinterläßt einen peinlichen Nachgeschmack. Sic bot tes Bild, das man an- gcsichts ter chronischen Erkrankung unseres inner = vvlitischen Lebens befürchten mußte. Die tiefe Erregung über die sinnlose Mordtat, die allen Parteien gemeinsam ist, wurde in einer Weise p a r- teipolitisch ausgemünzt, die tem außer- pvlitischen Druck, der auf uns lastet und der uns zur Einigung zwingt, in keiner Weise Rechnung trägt Die gesamte Linke verfälschte btc politische öagc, die durch den Mord gotchaften worden ist. um mit dem unedeln Material, das sie daraus gewann, parteipolitische Falschmünzerei zu treiben. Rach zwei Richtungen hin fällt bas sofort ins Auge Einmal sucht man. aus tem Fall Rathenau mit leitenschaftlicher Kraft und Gewissenlosigkeit einen Fall Helfterich zu machen. Aus ter Psychologie des Agitators ist das begreiflich. Dte Mussen wissen zu tnemg von Rathenau (Sr toar nicht ter Monn ter gemeinverständlichen Rede unb des Schlagworts, tes sich m tes Gcbtm der Massen einhämmert. Er sprach nid)t die Sprache der Straße. Er war nicht aus ihrem Holz und stammte nicht aus ihrer Klasse. Ec war Der Mann aus dem Voll findet zu ihm nicht die Brücke, die ihn mit Erzbcrgcr verband. 2Iuhcrtem war Rathenau Hute, unb man darf nicht nbcr'ehen, daß auch bei einem großen Teil der ‘3?affen das anti- femitische Gefühl der Voltstümlichkeit entgegenwirkt. Da also ter Ernrordetc für die Parlcipolittk nicht das geeignete Objekt bot. machte man Hel' ferich zum Mörder unb glaubt bxUnit eine sichere Wirkung der Spekulation auf die Mallenleiben- schaft gefunden zu haben. Wir aehören nicht zu ten polftischen Freunden Helsferichs und unterliegen nicht dem Verdacht, für ihn aus Sympathie ein- zutreken. Erst am ketzt.cn Freitag haben wir seine demagogischc Art gekehnzeichnet. Aber von dem System, aus einem mißliebiaen Poliiiler einen Mörder zu machen, um ihn des agitatorischen Ruhens wegen durch alle Go^en zu ziehen, muh sich jeder anständige Mensch mit Ekel und Verachtung aBtoenten, Die Spuren der Mörder. Rach Berliner Pr^semitteilungen hat ein | Potsdamer Oberförster die Täter vor tem Ucter- fall genau beobachtet. Bei genauerem Zusehen bemerkte er, daß sowohl der Chauffeur, Der Zivillleidung trug, loie einer ter beiden jungen Männer, die fpäter im Wagen saßen, den Gang des MotcrS ängstlich übeiprüften, um sich zu Überzeugen, daß alles tadellos funktioniere. Stutzig machte den Beobachter auch, daß ter zweite der jungen Leute immer scharf nach der Königsulkee hinfah und feinem Gefährten wieder holt etwas zuries. Dar veranlaßte den Oberförster, bi? Leute Ichai > zu'beobachten, so teß er eine sehr genaue, bis in bie Einzelheiten gehende Defchreibung, sowohl der beiden Leute wie tes Charfseurs und des Wagens geben konnte. Der Oberförster gibt felgende Beschreibung der Täter: Die erste Person ist etwa 168-Ztm. groß, schlank, narskrlös. mit tentclburinem, fast schwarzem und in der Mitte gescheiteltem, an ten Seiten des Hinterkopses säst ins Schwarze geh entern halb- lang gehaltenem, vollem Haar Auffallend starke, schwarze, über ter Rasenwurzel fast zusammengewachsene Olugenbiajcrt, duickelbra rne Augen, vorstehende Adlernase, Heiner kuirkler Schurr- bau, gestutzt «Dürste), fast mit dem Gesichtswinkel abschnerdend. blasse Gesichtsfarbe, ovales hageres Gesicht mit scharf angebeuteten Backenknochen. Alter schätzungsweise 24 bis 26 Zähre. Bekleidung: Brauner, lederner Automobilmantel, m der Mitte durch einen 3 bis 3' Ztm. breiten braunen Lederrieinen zusammengehalten. TMantel war oben geschlossen. Man sah aber einen wcrßen Stehkragen, dunkelbraune Schrhe von breiter Form, hellbraune Ledergamaschen, bie unten zam Cinstecken und oben z i schnallen waren. Der Mantel war vorne unb braten um- gefd)logen wie beim Reiten, so daß man die hellbraunen Stiefelhosen mit 'Besatz, anscheinend von Loder, sehen konnte. Der Mantel war un» gefuttert. Auto kappe von hellbrauner Farbe mit Ohrenklappen Der Qliann mochte in seiner ganzen Erschernung fast den Eindruck eines Ais länders; er trug eine nach oben geschobene bmunc Aakobrille tn ter Farbe tei- A ikvkappo Die zweite Person Furttc nach ter Be Schreibung des Oberförsters fcblantc Statur, war ahev fletncr als Rr 1, blonde CJJuacnbrauen, inane Lütgen, «eine zierliche Rase? so baß das Gesicht ein fast mädchenhaftes Aussehen hatte Auf ter linken unteren Wange, ober halb tes lurfen Kinnbackens, nicht weit vom linken Mundwinkel entfernt deutlich sichtbare Harte, die ten Eindruck einer Schußnarbe machte, schlanke zierliche Hände. Alter 24 bis 26 Zahre. Bekleidung: Lftitomanlel von Loder, etwas Heller wie von Rr. 1, hellbraune Autokappe mit Ohrenklappen (sonst wie Rr. 1). Der- Chauffeur war dunkelbraun gekleidet und trug eine hellgraue Roisemühc mit Schir-m. Wie der Zeuge noch bekundet, sah er plötzlich, daß ter nach ter Königsallee auslugende junge Mann eiligst auf das Auto zu lief und hinclnsprang. gleichzeitig mit ihm sein Gefährte und sodann der Chauffeur. 3n derselben Sekunde kam das Ministerauto in voller Fahrt lang. Das verdächtige Auto, dem ein anderer Kraftwagen folgte, fuhr tem Ministerwagen nach. Wie das ..Achtuhi-Abendblatt" hört, werden Spuren verfolgt, wobei Flugzeuge in Betracht kommen. Kurz nach ter Mordtat soll ein Flugzeug non Staaleu abgefahren fein. Man recknet mit ter Möglichkeit, daß die Mörder es zur ;Fl^cht benutzten. Es wurden fofort Beamte ausgcfandt, um festzustellen, welche Flugzeuge Staaten oder andere Plätze verließen. Von zehn im Laufe tes gestrigen Tages verhafteten Per Tonen wurde feine in Haft behalten Berlin, 26. 3unt lWB.) Vom Luftschiffbau Staaten wird milfleteilt: Dos Gerücht, daß die Mörder Rathenaus in einem FI j q - zeug von Staaten aus entkommen seien, entspricht nicht ten Tatsachen. Verhaftungen und Haussuchungen. Berlin. 27. Zmri. Der Chef der Berliner polftischen Polizei, Oberregierungsrat Dr. Weih, erklärte in einer Unterredung mit einem Mit- artertcr des „B. L.", daß die Rachforschungen nach chen Mortem bis in die kleinsten Details organisiert seien 3m Laufe tes gestrigen TagcS feien in Berlin mehrere wichtige Verhaftungen vorgenommen worden. Die Haupt- tätigtet! ter Polizei besteht in ter Durchsicht ter zahlreichen Drohbriefe, die Dr. Rathenau betonter» m ten letzten Wochen erhalten hatte. Di-- Vorlucte die Verfaffer dieser Schriftstücke zu ermitteln, nehmen außerordentlich viel Zeit in Anfvruch Wie Dr. Weiß weiter crfTärte, hoben m Berten tei politischen Organisationen, insbesondere bei antisemitischen Verbänden Haussuchungen ftattgefunten Es sei sehr wichtiges Material beschlagnahmt Worten. 3n ten Räumen ter Organisation Roßbach in Wanfee tei Berlin seien ebenfalls wichtige Papiere GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrShl'sche Univ.-Vnch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: 5chulstrahe 7. lifeomarkt.^ Schweizer Franks, . „202^0 2012? M- MS - 0J)3 t -- 10.10 7 - 44.90 » e 23.28 i , 24.95 ; s 4170 J 7 0.535 - 528.- u = 1.71 °'117 Mk. unzulässig SflDirarten Pntinohme- vorzetgegevSyr 2.- Mit den einzelnen Staaten Sonder-Vereinbarungen Werl- fenönnqen leie- sromme 1 Wort mindestens 3.60 3.85 4.85 4.70 7.25 4.50 4.50 4.58 4.50 5.- $ofl- lMMlsUIl- nen Meistbetrag 5000 M Stadt Giehen .... Offenbach . . Worms.... Mainz .... Darmstadt . . Bad-Rauhenn Friedberg . . Frankfurt. . . Gaffel..... Wetzlar.... Marburg. . . Dillenburg . . Hanau .... 1.50 15.- Gewichts- gebühr für Wertkästchen 50 gr 2.50 mindestens 12.- Die Inlandsgebühren für Briefsendungen, Wertsendungen, Postanweisungsgebühren und Pakete gelten auch nach dem Saargebiet (jedoch Päckchen nicht zu- gelaffen), sowie dem Gebiet der Freien Stadt Danzig und dem Memelgebiet, ferner nach Luxemburg und Oesterreich (Päckchen nach beiden Ländern nicht zn- gelassen). 1.- 10.- Der Berkehrsftreik in Oesterreich. Berlin, 26. Juni. (WTB.) Zuverlässigen amtlichen Bachrichten aus Wien zufolge dauert der in Oesterreich ausgebrochene Verkehrs- st r e i k an, wobei es sich lediglich um Lohn- differenzen handelt. Zur Stunde sind jedoch noch alle Aussichten vorhanden, ihn raschestens beizulegen. Die Verhandlungen, die nach längerer Dauer am Samstag gescheitert waren, sind wieder' ausgenommen. Es muff sestgestellt werden, daff im übrigen in Wien sowie in den Bundesländern vollständig Buhe herrscht, um so mehr, als die Finanzpläne der Regierung, die im wesentlichen die Billigung aller Parteien fanden, auch in der Bevölkerung hoffnungsvoll beurteilt werden und man den angelunoigten durchgreifenden Maffnahmen der Regierung mit QSertraucu entgegensieht. Die hier und da im Ausland aufgetauchten Gerüchte über ausge- brvchene Wirren entbehren jeder Grundlage. Die Ankunft der russischen Delegation im Haag. Haag, 26. Juni. (Wolff.) Niederländische Korr.-Dureau. Die drei Mitglieder der russischen Delegation Litwinow, Kresinsky und So- kolnikow sind heute nachmittag 1 Ahr 18Min. über Berlin und Amsterdam am Haager Bahnhof eingetroffen. Sefleibsausbrudt der Italienischen Kammer. Rom, 26. Juni. (WTB.) In der Kammer widmete der Ministerpräsident Fakta Rathenau Worte der Erinnerung und gedachte des hohen Geistes und der tiefen Kul- tiir, die dem Dohingevpferten eigen waren, Eigenschaften, deren Wert er während der Genueser Konferenz ermessen konnte. Der Ministerpräsident schlug der Kammer vor, der deutschen Regierung das Mitgefühl zu bekunden. Der svzialistisclie Abgeordnete Modigliani feierte das Friedenswerk Rathenaus während der letzten Jahre und seine im höchsten Sinne humanitäre Tätigkeit, die ihn das Leben kostete. Der Abgeordnete Miglioli (Dollspartei) und der Abgeordnete Grazia- dei (Kommunist) schlossen sich namens ihrer Parteien den Worten Modiglianis an. Die Kammer nahm den Antrag, der deutschen Regierung das Beileid auszusprechen, an. bis 100 M | 100-250 „ I 250-500 „ L 500-1000 „ (1000-1500 „ [ 1500-2000 „ Die neuen Postgebühren vom 1. Juli 1922 ab. Wettervoraussage für Mittwoch: Doltry, mäßig warm, trocken, West- bis Süb- w-est-Wind. Der tiefe Druck verlagert sich langsam nordwärts. Sem Stern liegt über dem mittleren Skandinavien. Der nachfolgende hohe Druck bringt uns allmäblich Besserung der Wetterlage. Bornotizen. Lageskalender für Dienstag: Astvria-Lichtspiele: „Mit Büchse und Spaten" und „Der Silberkönig". — Zum Festabend der Theatergemeinde am Donnerstag, 29. Juni, abends 7 Ahr, im Philosophenwald, bittet der BühnenKolksbunv seineMitglieder, demAbend durch regen Besuch zu gutem Erfolg zu verhelfen. Gilt es doch, den Bestand der Theatergemeinde und deren weiteren Ausbau zu sichern. Dem Künstler des Abends, Herrn v. Hunyady, geht als Sänger der beste Ruf voraus. (S. Anzeige.) Aus Stadt und Land. Gieffen, ten 27. Juni 1922. Erhöhung der EaS- und Wasterpreife. Infolge weiterer Verteuerung der Kohlen sLnd Betriebsmaterialien, der Frachten und Auhrlöhne usw. muff der GaSpreis aus 1.25 Mark, und der Wasserpreis auf 2.25 Ml. ft Kubikmeter ab 1. Juli d Zs. erhöht werden. Landkreis Gießen. ' Annerod, 25. Juni Das K l rchen - gesangvcreinsfest des Dekanates Giehen. das heute in der hiesigen Kirche stattsand, war wohl gelungen. Es nahmen daran teil die Kirchen- gesangvereine von Beuern. Burkhardsfelden. Giehen, Groffen-Linden. Heuchelheim, Klein- Linden, Leihgestern und der Fraik^n-Ehvr von Annerod. Das Festprogramm war von Pfarrer S chu l t e - Groffen-Linden entworfen und brachte in der Hauptsache Lieder Über die christliche Freude. Die Leitung der Gesamtchörc lag in den bewahrten Händen von Professor Traut- mann- Giehen. Die schlichte und eindringliche Predigt hielt Pfarrer Bechtolsheimer von Giehen im Anschluff von Psalm 57. Vers 8—10. An den Gottesdienst schloh sich nach fur^er Kafsee- pause die Rachversammlung im Saale von Gastwirt Engelhardt. Rach einer kurzen Begrüßung durch Dekan G u ff m a n n trugen die einzelnen Vereine selbstgewählte Chöre vor, die teils dem Gebiet des Volksliedes, teils dem Chvralgesang entnommen waren. Gesanglich und technisch standen die Leistungen auf einer überraschenden Höhe und fesselten bis zuletzt die Aufmerksamkeit der zahlreichen Zuhörer. Das Schluhwort sprach der Ortsgeistttche. Mit Stolz und Befriedigung dürfen die Vereine auf die Veranstaltung zurückblicken. Hochelheim, 26. Juni. Das erste Krieger vereinsfest dem Kriege in der Nähe der beiden C.. jtc Giehen und Wetzlar wurde gestern hier abgehalten und war von den Militärvereinen aus der Lim- gegend der beiden Städte stark besucht; nafc men doch 26 Vereine an dem Feste teil. Der hiesige Kriegerverein verband mit dem Bundesfest des Hüttenberger Kriegerverbandes sein 50jähriges Stiftungsfest. Am Gefallenendenkmal wurde eine kurze Gedächtnisfeier abgehalten. Auf dem Festplatze hielt Lehrer Drescher die Festrede und überreichte den beiden Gründern und Altveteranen Sch teer st ein und Viehmann die Auszeichnung des KyffhäuserbundeS. Der Gesangverein ang das Lied: „Och glaub an dich, ment' Vaterland". Der Vertreter des Kreiskrieger- Verbandes Wetzlar überbrachte die Glückwünsche des Kreises und der Vorsitzende Grasse vom Verband Hüttenberg sprach über Zweck und Ziel der deutschen Kriegerverbände. ri. L i ch, 2h juni Am gestrigen Sonntag eierte untre Stadl ihr Hugendfsft. Rach einem Festgottesdienst in der Stiftskirche, der durch eine Liturgie und Cyöre des Gesangvereins „Cäzilia" und dcS Rothschen Mannerchors Verdis 100 J6 j 100-250 „ J 250-500 „ S 500-1000 „ , 1000-2000 „ | 2000-5000 „ chönt war. zog ein großer Festzug durch die fefl- lich beflaggten Strahen zum Hardtberg hinauf. Einen herzerfreueirden Anblick boi die Schul jugend mit bunten Fähnchen und ihren von der Stadt gestifteten Bretzeln in der Hand, die Mädchen in weihen Kleidchen und mit Blumenkränz- leiii im Haar. Auf dem Festplatz hielt Bürgermeister Völker eine Ansprache, in der er auS- führte was wir an unserer Heimat haben und was wir für sie tun können. Kinder trugen Gedichte vor. Die Lieder „Ich hab mich ergeben" und „Deutschland, Deutschland über alles" wurden gemeinsam unter Musikbegleitung gesungen Die Schulklassen verteilten sich auf dem Festplah zu fröhlichen Spielen und Turnübungen. Die Beteiligung der Gemeinde an dem Fest war allge- ; mein. Leider bereitete ein kräftiger Regen dem Fest ein vorzeitiges Ende. Es ist geplant, der Jugend einen Ersah für die dadurch gestörte Freude zu geben, indem bei günstiger Witterung am nächsten Srnntag nachdem Rachmittagsgottes dienst die Spiele und Ausführungen auf dem Hardtberg fortgesetzt werden sollen. ri. L i ch, 26. Juni. Die hiesige Spar-" unk Kredit-Aktiengesellschaft hat sich umgebildet zu einer „VolksbankLi ch", die mit einem nahezu siebenfachen Grund- und Haftkapital ausgestattet ist. Das Gcschäftslokal bleibt, wie seither, bei dem Rechner Altbürgermeister Dörmer. X Wieseck. 25. Juni. Am Rachmittag des Hugendfeiertags zog unsere Schuljugend, jede Klasse hinter einer Fahne mit den neuen Reichsfarben, mit Sträuben und Kränzen geschmückt in den Heegwald: dazu der Schulvorstand und viele Eltern, besonders Mütter mit kleinen Kindern. Rach M. Claudias' „Deutscher Hochgesang" wies Lehrer Braunewell, ter stellvertretende Rektor, in eindrucksvoller Rede hin auf die Rot der Zeit, deren ernste Sette nicht die wirtschaftliche, sondern die geistige und moralisch'' Rot sei, der zu begegnen Elternhaus and Schule sich stützen und unterstützen mufften. Die Ais- sührungen schlossen mit einem freudig «ufgrnom menen Hoch auf Wieseck. Schnell verflog die Zeit bei Spielen. Reigen, Stab- und turnerischen Hebungen, auch einem Märchenspiel ter einzel neu Klassen, bis nach einem Scheidelied um 6 Ufn der gemeinsame Heimmarsch angetreten wurde, der eine Bretzelverteilung in der neuen Schule beem bete. Die angeschlagenen Töne klangen int Gottes' dienst des folgenden Morgens nach bä einet Predigt über ,.Die Sendung Jesu an unser CBotf* Kreis Büdingen. nd. Nidda, 26. Juni. Bei der Heu- grasversteigerung von den hiesigen städtischen Wiesen kam der Morgen bis über 4000 Mk. Die Stadt erzielte einen Erlös von 520 000 Mk. Dazu kommen noch die Pachtbeträge von einer Anzahl Gemeindewiesen, die auf mehrere Jahre verpachtet sind, und der Erlös von bereits früher versteigerten Grasnutzungen an Wegen, Gräben und Böschungen. ge. Geiff-Ridda. 22. Juni. Das ® a u ■ turnfcfl des Gaues Wetterau, verbunden mi' Bannerweihe des hiesigen Turnvereins nahm bet allerbesten Verlauf. Trotz Gewitterregens träfet schon am Samstag 400 Preisturner ein. Bürger- qua ickiere und Rotunterkiotft waren überfüllt. Rock am Vorabend bewegte sich ein Festzug nach den Festplatz. Am Sonntag Vormittag trafen bann ar 5Q Vereine ein. lieber 700 Preisturner mähen w Einlagsbogen des Steuerbuchs zu Tieren. 'Für Arbeitnehmer, die neben Bar lohn volle Vor pslegung einschließlich Wohnung, Heizung und Beleuchtung beziehen, hat vom 1. Iali 1922 ab ein Steuerabzug nur bann nicht stattzufinden, wenn der Bar lohn 50 Mk. und weniger im Monat beträgt. Z Don der Eisenbahn. Ab I.Iuli wird versuchsweise in Frankfurt den Reisenden Gelegenheit gegeben, Plätze in den D» Zügen zu belegen. Die Ausgabe wird auf >ie in Frankfurt beginnenden v-Züge und die ilanmößig daselbst beigestellten Kurswagen beschränkt. Telegraphische Vorausbestellung zur Benutzung ab Frankfurt ist zulässig. Die Preise betragen für l. Klasse 9QIif., 2. Klasse 6 Mk., 3. Klasse 3 Mk. — Am Samstag wurde auf Bahnhof Gieffen dis elektrischeWei- chen - und Signalbedienung auf dem großen 'Befehlftellwerk im Personenbahnhof ein geführt. Die Umstellung vom Handbetrieb, die unter Aufrechterhaltung des Zugverkehrs vor sich gehen mußte, wickelte sich ohne Störung und ohne Zugverspätungen ab. Die Einrichtung, die mit den neuesten technischen Errungenschaften ausgestattet ist, bedeutet eine nicht unwesentliche Personalersparnis und eine geringere körperliche Kraftentfaltung bei der Bedienung. — Zu den Berliner Kampfspielen im Stadion passiert ein Sonderzug die hiesige Station. ♦* Der gesamte Fernsprech- und Telegraphenverkehr wird heute nachmittag von 2 Uhr bis 2.10 als Trauerkund- gebung für Dr. Rathenau ruhen. ** Die Männer- und Frauenvereinigung derMatthäusgemeinde veranstaltete in Verbindung mit der Kinderkirche am vergangenen Sonntag einen Familientag im Phi- losophenwald. Der groffe Saal konnte die Erschienenen nicht alle fassen. Rachdem Landgerichts- ral Funk die Versammelten herzlich begrüfft hatte, trugen zwei Kinder schöne Gedichte vor. unb Frau Flimm brachte mit ihrer hübschen, ansprechenden Stimme einige Lieder zu Gehör, die stürmischen Beifall auslösten. FräuleinW e h r- h e i m hatte die Begleitung des Gesangs übernommen und führte sie mit Verständnis und Geschick aus. In einer Ansprache hob Pfarrer Mahr die Bedeutung des deutschen Familienlebens hervor, sprach von der Gestaltung des Ver- lältnisses zwischen Vater, Mutter und Kindern in christlichem Leiste und betonte, daff ein Aufbau deutschen Volte- von der Familie aus kommen müße. Rachdem sich der Himmel aufgehellt hatte, wurde im Walde mii den Kindern eine Schnitzel- jagd mit Preisverteilung veranstaltet. Rach den Spielen wurde jedes Kind mit einer Brezel beschenkt die zu großem Teil von Bäckermeistern der Matthänsgemeiade in hochherziger Weise gestiftet waren Auch beträchtliche Geldspenden waren zum Ankauf von Brezeln eingegangen. 3m 2. Teil erfreute Pianist Hahn die Zuhörer durch einige Klavier »träge, die von einer feinen Auffassung und großer Technik zeugten. Richt unerwähnt sollen zwei Kinder bleiben, die zwüstim- ' miq sehr hübsch einige Lieder vvrtrugen. Gegen 7 Uhr schloff Herr Riebel mit Dank an alle Mitwirtenden die wohlgelungene Veranstaltung. I oh a n n i s f e i e r. Der Ortsverein „T y p o g r a p h i a" . Gießen, im Ver- i band der Deutschen Buchdrucker, beging am > Samstag abend, dem RamenStag feines Altmeisters Gutenberg, auf der Karlsruhe sein -alljährliches Z o h a n n i S f c st. 3m Vorder- . I gründ der Veranstaltung stand die Ehrung Vermischtes. * Ein transportables Haus aus der Tudor-Zeit. Ein Haus, das im Jahre 1485 erbaut wurde, als Richard 111. bei Bos- aoorth besiegt unb erschlagen wurde und als Heinrich VII. auf den Thron gelangte, wird in einem englischen Blatt zum Verlaus ausgeboten und zwar wird cs als „transportabel und überall wieder aufzubauen" bezeichnet Das altehrwürdige IBautoert ist im Tudor-Stil errichtet und besitzt eine Banketthalle mit schönem Schnihwerk sowie verschiedene Wvhn- und Schlafzimmer, eine Bibliothek und ein Frauengemach. Ein groffer Teil der inneren Einrichtung stammt noch aus der Zeit vor 1500. Der Verkäufer versichert, daff sich alle Einzelheiten des Hauses. Ziegel, Fensterrahmen, Dackschiefer usw. auseinandernehmen und an einer beliebigen Stelle wieder aufbauen lasten. Vielleicht findet sich ein begüterter Amerikaner, der den Ehrgeiz besitzt, in einem Haus im echten Tudor-Stil Ji wohnen tnb das Bauwerk über den Ozean verfrachten läfft, um es in der neuen -WÄt wieder aufzurichten. jWrttein W miftröge 2.- 3.- 4.- 5.— 6.- 7.- 0.75 1.50 3.- 4.- 5.- 6.- von dret Zubilaren (50jährige bzw. 25jährige. Verbandszugehörigkeit) durch Aeberreichung von Gedenkblättern und Geschenken. Ein Prolog leitete die Feier ein und darauf kam ein ausgewähltes, reichhaltiges Programm zur Abwicklung. Die Veranstaltung nahm in allen Teilen einen wohlgelungenen Verlauf und dürfte alle Teilnehmer befriedigt haben. ** Das deutsche Volkslied". Zu der Festaustührung im hiesigen Stadktheater am 1. und 4. Juli wird uns geschrieben: 3n Dessau entstand der Gedanke, unser schönes deutsches Volkslied in eine äußere feste Form zu bringen in Form eines Festspieles eines Singspieles. Dort ging es zum ersten Male in einer schlichten aber begeisterten Form über dtte Bühne, als Wohltätigkeitssestvorstellung des Vaterländischen Frauenvereins vom dortigen Roten Kreuz. Bei dem Llufbau des Werkes führte Kapellmeister Fr. Seelmann in 6 lebensvollen Bildern der, Einfluff des Volksliedes auf das deutsche Gemüt vor Qlugen, Gustav Partheil durchwebte das Ganze mit einer tief empfundenen Dichtung und Musikdirektor Gerhard Dreih legte ihm eine klangvolle Musik zugrunde, aus der uns die Innigkeit unseres deutschen Volksgesanges entgegentönt. In allen Städten wurde es begeistert und dankbar aus- genommen und immer stand die Veranstaltung im Zeichen vaterländischer Wohltätigkeit. Auch, für unsere Stadt Gieffen ist die Ausführung des Liederspiels für Samstag, den 1. und Dienstag, den 4. Juli im hiesigen Stadttheater durch den Goethe-Bund, verstärlt durch den Ehvr des Cängerkranzes und durch weitere hiesige Mu- sikkräste. im Radmen einer Werbeveranstaltung zu Gunsten der StudontenhUfe beabsichtigt. Da von Seiten unserer hiesigen Studentenschaft ber Aus- fübiung ein grostes Interesse entgegengebracht wurde, ist eine nochmalige Ausführung auf den 4. Juli angeseht worden, zu der alle Freunde deutschen Volksgesanges eingeladen sind. Die musikalische Leitung bat Herr MusiftehrerK a ft en übernommen, während die Spielleitung in Händen des Herrn Spielleiters K. Dolck vom Kur- tHeater Bad-Rauhcim liegt. Die Aufführung selbst sowie jedes Bild wird eingeleitet durch einen Vor sprach, in dem uns das Volkslied als menschliches Wesen vor uns treten Unrd, um uns zu mahnen am schönen deutschen Lied, an deutschen Sitten und Gebrauchen festzuhalten. 5.40 4.60 Hierbei ist zu bemerken, daff die Pumpen in den Wasserwerken Eassel und Marburg mittels Wasserturbinen angettieben werden. vergleichende Tabelle über die Gas- und Wasserpreise der hessischen und Rachbarstädte bringen wir nachstehend: Mit den einzelnen Staaten Sondcr- Aeretnbanmgen für Briefe 1.25 Gas je cbm Wasser je cbm Juni 1922 Juli 1922 Juni 1922 'JuTU_922 Lloyd George über Deutschland und den Völkerbund. London, 26. Juni. (Wvlff.) In einer Ansprache in der Waliser Baptistenkapelle in London kam Lloyd George auch auf die Zulassung Deutschlands zum Völkerbünde zu sprechen und sagte, daS wichtigste sei, Friedensstimmung unter den Nationen zu weckem Die Völker aller Länder mühten dazu gebracht werden, zu verlangen, daß ihre Regierungen Friedenswege einschlügen. Lloyd George betonte, daß er alle Völker, einschließlich Deutschlands und Rußlands, und die Vereinigten Staaten im Völkerbunde sehen möchte. Wenn der Antrag auf Zulassung Deutschlands vor dem Dölkerbundsrat in Genf gestellt werde, würde die britische Regierung für die Annahme des Antrags stimmen. Lloyd George schloh seine Ansprache mit der Erklärung, dah der Frieden hergestellt würde, wennn sich der Sinn der Menschen wieder zu gegenseitigem Wohlwollen gewandt habe. Paris, 26. Juni. (WTB.) Der ^Temps" bemängelt die gestrigen Erllärungen Lloyd Georges über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und stellt die Frage, warum der englische Ministerpräsident sich gerade am Tage nach der Ermordung Rathenaus in diesem Sinne ausgesprochen habe. Er habe offenbar geglaubt, daff die demokratischen Parteien in Deutschland stärker werden, wenn er ihnen eine Perspektive auf Genf eröffne. Vielleicht habe er sich auch daran erinnert, da ff Rathenau den Völkerbund nicht geliebt habe, und daff ein neuer Außenminister mehr als er geneigt sein könne, die Zulassung Deutschlands zir verlangen. Der Kanzlei- habe"' gestern ebenfalls ivom Völkerbund gesprochen, und zwar so, daß man sagen könne, bte (Rede sei nicht für den Völkerbund, ober so, daß man ihm Vorschlägen würde, die Zulassung Deutschlands zu verlangen. Dann würde er polnische Gebiete reklamieren. Rachdem sich die Er- Härungcn Lloyd Georges und Wirths gekreuzt haben.' erwartet der „Temps" Aufklärungen von der deutschen Regierung. Aus alledem siebt aber der „Temps", daß der Gegenstand noch nicht reis sei. Rach dem ^Temps" ruft man in Berlin rächt »Völkerbund", sondern »Oberschlesien". ** Zahlung der Militärrenten für Juli durch das Postamt (Bahnhof st r a h e). Alle Militärrenten (H. P. u. R.) für Juli werden am Donnerstag, den 29. Juni, von 7Vs Ahr vorm. bis 1 Ahr nachm., und von 2—7 Uhr nachm. an den besonders für die Rentenzahlung eingerichteten Zahlstellen — Eingang zur Paketannahme — gezahlt. Es wird nochmals daraus hingewiesen, daß auf Anttaa der Zahlungsempfänger die Beträge durch die Besteller kostenfrei ins Haus gebracht werden. Vordrucke zu den Anträgen können bei der Rentenzahlstelle während den Schalterdienststunden in Empfang genommen werden. ** Die nÜch ste Brotmarkenaus gäbe und eine Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung für die Körperschastssteuer und Kapitalertragssteuer werden im heutigen Anzeigenteil befannt gegeben. *• Die ReufestsehungBes Wertes der Rat oral- und sonstigen Sachbezüge bei dem Steuerabzug wird im heutigen Anzeigenteile brfanirtgcgebeir Zar Ec- läuterang der Bestimnvlngen diene folgendes Beispiel: Für ein Dienstmädchen, eine Magd öder einen Knecht mit 250 Mi. Moncttslohn . unb voller Verpflegung cinschl. Wohaung, Heizung und Bleuchtang berechnet sich der Steieiabzug Dom 1. Juli 1922 ob wie folgt: Barlohn im Monat 250 Mk., Geldwert der vollen Verpflegung einschl. Wohnung, H-iz^ng und Beleuchtung 600 RN., zusammen 8o0 Mk. Hiervon 10 Prozent Steuer -- 85 Mk. Dieser Betrag er- mäffigl sich um die aus dem Steuerbuch ersichtlichen Abzüge, die für ledige Personen für den Monat bet tagen für den Steuerpflichtigen selbst 20 Mk.. für Wetbiingstoften 45 Ml., zusammen 65 Wk. Der vei bleibende Steuerbetrug von 85 Mk. 65 Mk. 20 RN. ist in Swuermarken in die für alle Sendungen 1.50 1.50 Gebühr rote Einschreibebrief und 1.50 Briefe: Gebühr wie bei Einschreibesendung. u. Der- sicherungsgebühr: Tür je M00 Mb.. . 1.50 Pakete: Gebühr wie bei Ein- ' schrcibesendung. u. Der- stcherunqsqebühr: für je 100Ö Mb. . 2.- mindcstens . . . . 9.— 4.25 1.50 2.25 — 2.50 — — — 4.55 - —' —— — 3.50 — — 2.50 — —— 2.— 5.30 1.80 2.60 5.50 2 — — 5.50 4.— — 6.- 1.10 — 6.50 2- 2.85 5.- 2.70 3.10 Gattung Gewicht Inland Ausland Tschechoslowakei und Ungarn Ort;- verkehr Fernverkehr Briefe bis 20 gr L 20-100 „ lS 100-250 „ ! 1 r t4 n co : I 1 1 6.- fiir je 20 e 4.50 weitere 3.- Werfen - .75 Ansicht mit l)ö 5 Worten 1.50 .harten dlfteni' (MrShe) 50 3.50 | 2.75 Weihnacht, und Neujahr-jkarten mit 5 Worten (Wünschen! 1.29 grntffaflien bis 20 gr ( 20-50 „ J 50-100 100-250 „ 250-500 „ | 500-1000 „ -.50 -.75 1.50 3- 4.- 5.- je 50 gr 1.25 GesSüsts- onpiere u. »- fenöungea bis 250 gt 8 250-500 „ Z 500-1000 „ 3- 4.- 5.- je 50 gr 1.25 mindestens 6.- waren- proöen bis 250 gr üb. 250-500 „ 3.- 4.- je 50 gr 1.25 mindestens 3 - Würsten bis 1 kg 6.- unzulässig Watete* *) Dringende Pakete 9-fache Pakctgebichr bis 5 kg über 5-7' , „ „ 7'/J-10 „ „ 10-15 „ „ 15-20 „ 7.- 10.- 15.- 20.- 25.- 1 I I I l# 'tdood —< 03 CO Tf i.O Mit den einzelnen Staaten Sonder-Vereinbarungen Glnfdirelö. für jede Sendung mehr 2.— 2- Eilbestell- geölihr für jede Brief- scndung mehr vrt-.bestellbcz. 3.- Land- „ 9.- 12.- für jede Poket- sendung mehr l OrtsbesteNbez. 6.- jLond- „ 12. SW festplah ->ui ^ntc etiv- ?gÄten < ■:dS wurde ai ihtQ«!)01" unh ii qaltungcn «n0 ^wiesen ed ö4® Jlf rciM - Laubac ünsÄerzte m ^rrn A D-chtelnSler ,tir D Dchcll. «M». Da cm TOC-rrt und ein - aus Ulrichstein) Mündiger, in sanitärer W iuf das Auss ^ativnalfesl sanzledrcr) kkigc cchudem nrm Trafen ges > ÄchMrigen 1540 slaMiende? Auch 'mtereliiert au her dem Keßeiltli ßk Abgabe d töiperschastsst« A. 1. Zur Q ffllärung incrbei ü Jlmstische bürgerlichen schaffen: beicht recht Inhalten, ( Ggen. mH schäften, Kl schaftm, h< llniernehmei Ausiändischi einem die Gesellschaft eine Betriebsstc Die Steue 1- Das Cm schastsjal tom 1. ' fällt: 2. in ®rm< Wstsjab kommen! big für r ®ttt, m d liegt. Sie Steuer J. 3u(i bis 31. Manzamt einz g .^nanjämi W wr Ab, ^dann, wer ist. Die Steuert NMM schris^;, 58 Sen ©teuer M mit Tew Mberichte ? Bild flU erläutern. Men undd tz, Der die 3 I lö h 1» fri,it Si iKtbti 1 I toil hs? I H ® I I^TUo 1 I ÄTi W (frai au her drin Hammsl au vehSrdliche Anzeigen 61248 Gießen, den 27. Juni 1922 2 6118» (5823B Gießen, den 16. Juni 1922. Der Oberbürgermeister. 3. B.: gez Krenzien. a) 16134a emtre^fenb. b) c) Gießen, den 24. Juni 1922. 2 6125 D die fftWCTU ftrrr# arrben der GefchSftSv^t Herr! gefährdet wird fassen: 1 18,50 Mk., 37,- . 55^0 . von mehr als einschließlich: für 1 Familie..... „ 2 Familien .... „ 3 und mehr Familien . für Gebäude mit Dohrmngen 3 Zimmern für 1 Familie..... „ 2 Familien .... „ 3 und mehr Familien . für Gärten jährlich mindestens Gebr.Berdux Babnbofftr. 27, Sernivrecher 1631. Bekanntmachung. Kirschenversteigerung. Mittwoch, den 28. Juni d. FS.» nachmittags DiSlontbeträge von Wechseln und Anweisungen einschließlich der Schoßwechsel, soweit cs sich um Kapitalanlagen handelt, alle Erträge aus ausländischen Kapital baumwcisc meistbietend versteigert. Auswärtige Steigerer sind vom Mitbieten aus« geschlossen. Zusammenkunft an der Kailerollee bei der Wirtschaft »Zur Germania". Gießen, den 23. Juni 1922. <60306 Der Oberbürgermeister. 3. V. Dr. Rosenberg Ga§- und wafferpreise. Infolge weiterer Verteuerung der Kohlen und Detriebsrnaterialien, Erhöhung der Frachten, Fuhr- löhne usw. wird vom 1. Juli ds. 3$. ab der GaSpreis auf 4,25 Mk. und der Wasserpreis auf 2,25 Mk. für den Kubikmeter erhöht. Für Wasser wird vierteljährlich mindestens erhöhten Gesamtbetrag binnen einem Monat nach Feststellung deS Abschlüsse« zu zahlen. B. Die unter Ar. A la, b genannten körper- schaftsstcucrpflichtigen Personenvereinigungen und Zwcckvermögen werden aufgefordert, gleichzeitig mit der KörperschgftSsteuererklärung eine KapitalertragfteuererNLrung abzugeben. Die Kapitalertragsteucrerklärung hat zu um-- Städtisches Gas. und Wasserwerk Gießen. Eteding. Beamtenbesolduntz und Teuerung. Die Ortsgruppe Gießen der „ § a ch g e w e r f- schaft der deutschen E i senbabnver- kehrsbearnten in gehobener Stellung" bittet uns um Abdruck folgender Zuschrift: 3n der gestrigen Aumme Ihres geschaßten Blattes war zu lesen, daß die Regierung angeordnet habe, der Beamtenschaft unter Berück- sichugung ihrer Aotlagc das Gehalt für 3 uIi bereits am 24. Juni, also beute, auszuzahlen Alle Beamte würden dies mit Freuden begrüßt haben, denn lie hätten das Geld bei der derzeitigen ganz unbeschreiblichen Neuerung für die allernotwendigsten Lebensbedürfnisse wirklich nötig' Aber wie ist es in Wirklichkeit: Die Ausführung deS Äegierungsbeschlusses ist so rasch gar nicht möglich. Die Kassenbeamten arbeiten sieverhast Dag erhoben: für Gebäude mit Wohnungen bis zu 3 Zimmern Frische Fische Mittwoch irüb 9 Ubr erste Sendung VOWN, Ville« Akels, WM sucht Gagels Immobilien - Zentrale, Coblenz, Löhrsttahe 97. 6086c Ini gestrigen öonidng : ^ugtndsest Aocd n der Stiftskirche, b" i.'DÖre tri Manffoeran# dien Mmierchors her- • durch bic ft1?- * irbtbrrg fanau1 Uhr, wird ein Teil der Kirschenernte von den Bäumen auf dem Trieb, ca. 90 Bäume, möglichst |Um tyirNörrg mnuu- IxxbWa bot btt W teit tutb ihren vvn dn bi b:t 5Mb, dir » i und mit C&lumenfcäni’ , frfW hielt Mrgw Insprache, in der er ^r Heimt haben und vak Binder tmgci' hab mich ergebens un» d über alles" lvurdrux- Turnübungen, we " an dm wr al^ ein fräitif * S. |&f Es iN galant, oee i>;f dodurt gksioste Mqünftiqcr Wg L'ussuhrungen ans Landwirtschaft« ed. Aus dem BogelSberg, 25 3*tnt Der Grünfuttermangel wirb immer fü6A- barer Die Hutwetden sind längst Loht. KI« tü kaum vorhanden man siebt Klee mr in Lästern oder auf Schiebkancm nach Haase hjtagen viele Heu wiesen mieten bereits aasge füttert wer- den Zufolge des Grünfuttermang-'l.' gebt bei Milcher:rag dauernd zurück, zumal viele Stühe, du doch nicht burd) den kommenden Winter ge fircnht werden können, verkauft werden. Fj Aus dem oberen Wettertal. 26 Juni. Durch den Regen der lechten Woche bat die diesjährige Heuernte eiivas bessere Aussichten bekommen, aber es fehlt gar fehl noch an den feineren Gräsern Dagegen bar man wohl eine bessere Grummet ernte er warten, wenn nicht wieder eine solche Trockenheit wie im vorigen Zahr die Hoffnungen zunichte macht. Sehr schädigend tritt diest^ Jahr hier die Kamille aus. Sie überwuchert besonders die Has er-A eck er 2tuch den Klee erleidet hierdurch einen starken AuSsall. wodurch die ohne hin große Futterno> (viele Landwirte haben fein vorjähriges Heu mehrt sehr gesteigerr wird. D-s I»alb hat man in einzelnen Orten unfera Ge- hg Ulrichstein, 26. Juni. Gestern wurde auf dem schön gelegenen „Gaden" unser diesjähriges 3 u g e n d f e st" gefeiert. Sin Schülerchor eröffnete die Feier, Lehrer Breitw ieser hielt die Festrede und betonte insbesondere, wie not uns ein« wahre Volksgemeinschaft und treue Arbeit aller in edlem, selbstlosem Wettstreit zum Wohl des Vaterlandes tue. Dir Festversammlung stimmte begeistert das Lied ..Deutschland über alles!" an. Ss folgten Gedichworttäge, Zeigen, Spiele aller Art und turnerifebe Darbietungen Auch ein liebliches Märchensplel, „Schneewittchen", wurde durch die Kleinen allerliebst aufgeführt. Kreis Friedberg. " Bob-Rauheim. 26. Juni. Wie uns die Leitung von Hupseld's Kurtx»rk-Easmo mtiteilt, findet morgen. Mittwoch, aberib ein Gastspiel von Richard von Schenck vom Opernhaus Frankfurt a. 'M. statt. ie 1 ■ Stunde zu erreichen. Die Pachtbedingungen haben vom 29. Mai bis einschl. 12. Juni im GesihSft-zimmer des Unterzeichneten öffentlich ausgelegen und werden im Termin nochmals bekannt gemacht werden. Leidenhofen, den 25. Juni 1922. Der Jagdvorsteher. Kutsch. gend den Klee ganz umgepflügt und an seine Stelle Dickwurz gepflanzt um bat Ausfall einigermaßen zu decken. Der Mangel an Grün futter macht sich sehr bemerkbar in em-elnen 26 3uni 1922. Die Finanzämter. Neu erschienen! „Herso" F e rn f p r e ch ° Teilnehmerverzeichnis Gießen 1922 D. A. G. M. (in Blattform, wie früher). So lange Vorrat reicht, pro Stück Mk. 8.—, zu haben bei Her so, Mitteld. Annoncen» Eztpedttion, Plockstr. 5, Fernruf 1335. (ei,:h Pensionäre usw. darstellen. aufhört waS zweisel- , s u rr c r moajt iuy jcyc wrowm ui vin4=■*, r^d 5 ^5 »«! * sSM ÄSB vesientliche Aufforderung yvr Abgabe der Steuererklärung für die Körperfchastssteuer und Kapitalerttagsteuer. A. 1 Zur Abgabe einer Körperschaftssteuer- incrb.'n nfMCim-bcrt Z'i nist ische 'Br ’n neu de öffentlichen und bürgerlichen Rechts sowie alle Berggewerk- schäften. b> nicht rechtsfähige Perwnenverenngung.m. )Inf denen die Gefellschaster als Unternehmer des 'Betriebet anzusehen sind Ausländische Gesellschaften llnd mit ihrem Strricmnwn au> inländischem Grundbesitz unb au« ,'tnem Gewerbebetriebe, für den im 3nlanb durch bie Gesellschaft selbst ober einen ständigen Vertreter eine Betnebsstätte unterhalten wird, stetlerpfltchtig Die Steuererllärung hat zu umfassen: 1. Das Einkommen des Geschäftsjahres (Wirtschaftsjahres). beffen Ende in die Zett vom 1. April 1921 bi« 31. Dezember 1921 2 in'" Ermangelung eines besonderen Geschäftsjahres ^Wirtschaftsjahres) das Etn- kvmmen des Kalenderjahres 1921. Zuständig für die Beranlaaung ist das «Finanzamt. in beffen Bezirk der Ort der Leitung liegt. Die Steuererllärung ist in der 3cit vom 1 Zuli bis 31. August 1022 bei dem zuständigen «inanzaml cinzuretchen. Vordrucke können bet len /rinanzämtern empfangen ti^erben. ^.tr «flicht zur Abgabe der Steuererklärung besteht auch dann, wenn ein Vordruck nicht zuqesanb! «wöben ist Dte SteuerDflichtigen können Me Steuererlla ringen schriftlich zweckmäßig eingefchrteben - einreichen oder mündlich vor dem «Finanzamt abgeben _. Den Stenererklärunaen find betzufugen: öv lanzett mit Gewinn- und Verlustrechnungen. De- ßchästsberichte. Mitglielerversammlunasproto - lotk Die Bilanzen muffen ein volllstandtges unb klare? Bild des nach 3 de« Körperfchafts- ; fieuaa€f?hce. der Körperschaftssteuer unterliegen- len Gesamtbetrages ber in Geld oder Geldes- l wert bestehenden Einkünfte ergeben (Srforbe^ lichenfalls find fie entsprechend zu ergänzen und zu erläutern. Es ist zu versichern, daß dte Angaben nach bestem Wissen unb Gewissen gemacht sind Jaul *Btrtangcn f?aben die Steuerpflichtigen dte Rtch-- itolrif imb Vollständigkeit der Angaben nach mweifen unb die Geschäftsbücher usw. vorzuleg«!. Wer die Frist zur Abgabe der Steuererlla- mnq versäumt, kann mit Ordnungsstrafen znr Ibaabc u g c n t> f e ft statt Mit großem Beifall spielten xe Schäle, rerfchiedene Märchen unb Reigen und ibrten turnerische Hebungen vor. 3n den An prachen wurde auf bie Bedeutung dieser Beran- lalfungcn unb ihren erzieherischen Wert hin H wiesen Ärci4 Schotten. rb Od>o11 e n, 26. 3uni Die ffeinen Bäche Ks Vogelsbergs sind bereit* so wasserarm. >ib der infolge der außergewöhnlichen Waller- irmut des vorigen Zahres ohnehin geringe • i | b c ft a n b in Gefahr ist zu sterben, wenn i kleinen Dasterläufe nicht schleunigst ausgefischt rerben. Laubach, 25. Zuni. Wir haben jetzt j nT 2 erzte in unserem Städtchen, nämlich außer den drei Dr. mcd. (Geh. San.-Rat Vogel, Fiet), Herrn Mafsing), und Dr. meb. vet Nachtel neuerdings auch einen Zahnarzt Dr W. Wetzels. Sohn des Pros. Dr. W. Wetzest wierfetbft). Da außerdem ein Zahndentist hie, ivohnt unb ein ,3nl)nbentift noch von auswärts aus Ulrichstein' herkemmt. und außerdenr cjn Heilkundiger' (Homöopatl), hier wohnt, so ist an sanitärer Hilfe kein Mangel mehr. j3u bezug auf das ,An sschnß fest", bas Laübachcr r? a 11 n n a I f c ft. ist noch nadxjutragen, daß Herr Tanzlehrer Schneidt junior der dies- iLhrigc Schützenkönig ist. Er gewann damit den iwnm Ginten gestifteten Hammel und wird beim , ' ■ barwlb- losen 11ebennetfungen vor dem 27.. bic Barzahlungen vor dem 29. Zuni auSzuführcn. Ein Vorarbeiten ist wohl möglich und geschieht auch. Aber zum Abschlüsse ber Gehalt-listen fännen die Unterlagen von den 3entraffte!len für Kindcr- zulagcn. Abzüge ^sw wegen des sich iortwäbrend ändeinden Familienstandes der Empfänge, auch kaum vor bem letzten Drittel des Monats bei Bekanntmachung. Der Geldwert der beim Steuerabzug vom Arbeitslohn zu berückstchttgenden Natural« und sonstigen Sachbezüge (der sogcnanMen freien Station) ist für den Dienstbezirk des Landesfinanzamts Darmstadt mit Wirkung vom 1. Ivlt 1922 an bis auf weiteres auf die unten aufgeführten SStze neu festgesetzt worden. 1. Arbeitnehmer, denen gewährt wird: a) volle Verpflegung einschl. Wohnung, Heizung und Beleuchtung ..... b) nur volle Verpflegung ....... c) nur Wohnung, Heizung und Beleuchtung ..... 2. Arbeitnehmer, denen nur eine teilweise Verpflegung gewährt wird: a) 1. Frühstück . . . d)2.Frichs'ück . . . c) Mittagessen . . . ä) Vesperbrot. . . . e)Abendeffen.... 3. Für sonstige Sachbezüge gilt der Kleinhandelspreis. Die vorstehenden Wertfestfehungen find vorn 1. Juli 1922 ab bei allen Lohnzahlungen amgu: wenden. Die SStze gelten im übrigen nur für den Steuerabzug vom Arbeitslohn. Die Steuerausschuffe sind bei der Festsetzung des steuerbaren Einkommens im Deranlagungsverfahren an fie nicht gebunden. Darmstadl, den 21. Juni 1922. Landesfinanzamt. Abteilung für Besitz- und Verkehrssteuern ______________Dr. Hellwig.__________61198 Jagd-Verpachtung. Bekattntmachnn^. Die Zagdnntzung in dem gemcinichaftlichen Jagdbezirk Leidenhofen (Kreis Marburg) in Gröhe von etwa 580 ha Grundfläche, einschl. 200 ha Wald, wird am 5. Juli d. Z., nachmittags 4 Uhr, im Gasthaus Weidemüller hierfelbst öffentlich meistbietend verpachtet werden. Da hauptsächlich das Waldrevier reich an Waffer- ouellen ist, deshalb kommen viele Rehe zum Vorschein. Der Jagdbezirk ist von 'BahnRation Allendorf an bet Lumda und von ber Bahnstation (Ebsborf in 33,50 Mk , 56.- „ 78,- . 110,- . 61206 Der Oberbürgermeister. (LebenSmittclamt.) Bekanntmachung. Die diesjährige ÜffentlichE Chnpftmq Jeichsa gegen einige schienen Srundgedan Regierung auch schon 2lbg- * Jusschnh 1 Pachtschuhe bestehen bl des Pachw wirtschustli^ Wirtschaft Luhniehun 2Ibg. S tei Spielu mehrere b< fordert lre an die kratischen < W § Grafischen C die währen pachten mu eigene bchc senen SW llchkeit gesc auch für d men. Sonst tar herabsei Qßg.0 paritätische Sie Dedeni grenze feiei sie für den stimmen. Wg. Wucher, der Preisen trä seitigt. Unter wird die ' angenvmmi Darus Sitzung ab; naus im ( Präsident S Mchst 8ilhr D 238. Si Der gwsten Ä im ^leno: Dr. Datt, Qiuf: Wurf betr tvlmschen Kommissb) Die Dorlc Mng, daß gen Dergek Weilten d mssen des dürfen. Die ei Eckardt wegen fo'j Eder int Übergabe! Avwmissioi- fugest inimt möglich erj es a.twfej, «m ft®1’" «C 40 68 Sona » •fnX "^Nl fit Mn es W tviede -Atzt; PZ ZSL fc» s°uc^. lsgen «ir Dienstag, 27. Juni 1922 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen) Nr. 148 Zweites Blatt Deutscher Reichstag. 235. Sitzung, mittags 12 tibr. noch vor wenigen Sogen bewies« überwiesen. aumeister. Merseburg Hallesche Stich * Äs Maggie nach Hause zurückkehrte, da ging ich mit. Auf dem Schiffe verdoppelte sie ihre Zärtlichkeiten, als wenn sie mich den Abschied von der Hei mit vergessen machen wollte, und als wir bi den Hasen von Neutzori einliefen, da sagte sie mit einemmal so ganz nebenher — wir standen zusammen aus dem Verdeck —. .In einer Stunde, mein Freund, hat unser schöner Traum ein Ende.' .Ich säh sie verständnislos an. „Nun ja.' fuhr sie fort, .mein Mann kommt mich ab ho len, er erwartet mich am LandungS- vlatze Wenn du ihm vorgestellt sein willst? . . Meinetwegen. Aber ich glaube, es ist besser, wir nehmen hier Abschied von einander.' Jur Frage des Alkoholverbotes in den Vereinigten Staaten. Auf den Artikel-vom 24. Juni im Gießener Anzeiger erhalten wir folgende Zuschrift: Den allgemein gehaltenen Behauptungen des Deutschamerikaners in dem unter obigem Titel gebrachten Artikel im Gießener Anzeiger vom 24. Juni, daß unsägliches Unglück, Arbeitslosigkeit, Verbrechen und sonstige Schikanen das Alkoholverbot den Amerikanern gebracht hätte, stellen wir folgende Tatsachen gegenüber: In Detroit haben nach Mitteilung deS Polizeichefs im Jahre 1919 20 die Fälle unerlaubter Bettelei um 90 Prozent, der Diebstähle um 35 Prozent, der Mordtaten um 43 Prozent, der Fälle von Prostitution um 54 Prozent abgenommen. In einem Gefängnis in C h i k a g o ist die Zahl der Gefangenen seit 1919 auf ein Drittel gesunken. Ursache: Das Rauschtrankverbot vom 30. Juli 1919. In Massachusetts können nach Aussage des SttafanstaltenkommifsarS die Insassen von 26 Reichsstrafanstalten heute in fünf Gebäuden untergebracht werden. In Philadelphia berichtet der leitende Arzt des Allgemeinen Krankenhauses, daß die Alkoholikerabteilung anstatt 300 vor 1919 heute nur noch 15 bis 20 Insassen zähle. In Peoria waren vor 1919 in der Branntweinbrennerei 1000 Arbeiter beschäftigt. heute in demselben, auf Verarbeitung von RahrungS- und Futtermittel umgestellten Betrieb 4000. In Washington hat die National« Kapitalbrauerei vor 1919 für 130 000 Dollar Rohstoffe verbraucht, heute, in eine Eiscremefabrik umgewandelt, für mehr als 400 000 Dollar. Ursache dieser Tatsache: DaS Rausch- trankverbvt vom 30. Juli 1919. Im Staate Ohio find die Sparkassenaul. haben in Vierteljahresfrist um fast 6l/t Millionen Dollar gewachsen, das sind 27-, > Millionen G o l d m a r f. oder etwa 1100 Millionen Papiermark. Und das in einem Vierteljahr in c i n e m der Vereinigten Staaten. Ursache dieser Steigerung des Volksvermögens: Das Rauschtrankverbot vom 30. Zuli 1919. Den deutschen denkenden Lesern stellen wir folgende Tatsachen im Blick auf die Alkoholfrage zur Erwägung: In Deutschland werden täglich26500 Zentner Getteide in Alkohol umgewandelt, das sind nach Professor Gaupp-Tübingen täglich rund 30 Millionen Teller nahrhafte Gerstensuppe, die unserem hungernden Volk entzogen werden. Während des Krieges sollen durch die Wirkung der Hungerblockade ungefähr 500 000 erwachsene Deutsche verhungert sein, dies hätte zum größten Teil verhütet werden können, wenn nicht in der gleichen Zeit über 50 Millionen Zentner Gerste verbraut, und über 1 60 Millionen Zentner Kartoffeln zu Spiritus verbrannt worden wären. Für jeden Verhungerten wären dadurch 100 Zentner Gerste und 320 Zentner Kartoffel verfügbar gewesen. Im Bremer Krankenhaus wurden beispielsweise 1913 noch 176 Alkoholiker eingelie- fert, 1914 wegen zunehmender Einschränkung von Herstellung und Verkauf geistiger Ge- ttänke nur noch 137, 1915 nur 111, 1916 nur 67, 1917 nur 37, 1918 nur 13. Seit her Beseitigung der Einschränkung steigen die Zahlen bedenklich: 1919 17, 1920 60. Deutschland hat über 6 Millionen Geschlechtskranke, größtenteils infolge von Alko- Derlin. 26. Iuni 1922. Die Vorlage, durch welche das Wohnungsmangelgesetz bis zum 31. Dezember nächsten Jahres verlängert wird, wird in allen drei Lesungen angenommen, ebenso das Gesetz über Kündigungsbeschränkung zugunsten Schwerkriegsbeschädigter uno der Entwurf über die Erhöhung der patentamtlichen Gebühren. ES folgt die 2. Beratung des Entwurfes zur (Berlängernng der Pachtschutzordnung. DerAuSschuh schlägt verfchiedeneAenderungen vor. Der von der Regierungsvorlage für Grundstücke unter fünf Hektar vorgesehene Ausschluß der Pächtkündigung wird vom Ausschuß aus ©runb- stücke bis zu zehn Hektar ausgedehnt. In Zweifelsfällen soll Den Pachteinigungsämtern die Entscheidung zustehen. Reichsarbeitsminister Braun wendet sich gegen einige Abänderungsanträge, die von verschiedenen Parteien eingegangen sind. Dem Grundgedanken ei es Der Pächterschuhes stehe die Regierung nicht ablehnend gegenüber, aber er sei auQ schon in der Vorlage gegeben. Abg. Dr. David lSoz.) hofft, daß die im Ausschuß beschlossene Ausdehnung des sozialen Pachtschuhes auf Wirtschaften bis zu 6 Hektar besteben bleibe. Er beantrage eine Erweiterung des Pachrschuhes insoweit, daß das Deputat landwirtschaftlicher Arbeiter bis zum Ablauf des Wirtschaftsjahres dem Deputanten zur vollen Nutznießung verbleibt. Abg Hagemann (Z.) wünscht einen größeren Spielraum für die Vertragsfreiheil, empfiehlt mcHrere dahingehende Abänderungsanträge und fordert weiter eine Anpassung der Pachtverträge an die © d atwertung noch vor Ablau ie. Pachtverträge. Abg Horn (II.) unterstützt den sozialdemo- W WÄ Port * von Sotoedg w SktitaS'K %«>''' $ortR üf”W .1«? n 6$#° .Ich schwor bei allem, was mir noch heilig war. ..Beweise es. «widerte fie. .Morgen fahre ich nod> Schlangenbad auf vier Wochen — komm nritl* „Das geht nicht so leicht, Maggie, ich nrüßte doch hier erst verschiedenes ordnen .Die ganze Zeit über hatte ich mich begehrlich mit dem ©eba.tlen getragen, sie bet ihrer Abreise, die allerdings, wie fie am Nachmittag gesagt hatte, erst in einigen Tagen erfolgen sollte, zu begleiten, jetzt ober, wo sie selbst es mir anbot und eine Entscheidung verlangte, fehlte mir der Mut des kecken Zrgreifens. ..Das geht asto nicht?' fragte sie und trat mit fböttifdjem Lächeln auf mich zu: .Herr Da im- lehner, Sie haben das Zeug zu einem deutschen Schulmeister, ober nicht zu einem Liebhaber!' .Ich ftonb noch eine Weile allein und'starrte ihr nach, wie sie erhobenen Hauptes und rasch die Straße hinäbschritt. Dann ging ich langsam nach Hause . . . ,2m andern Morgen erkundigte ich mich beim Portier, ob sie wirklich abgereift sei Mit einem diskreten Lächeln, für das ich den Kerl hätte abwürgen mögen, erwiderte er: .Das willen Sie nicht. Hem Daumlehner? Mrs. Bl wer ist heute ganz früh fortgefabven, nach Schlangenbad. Adresse: Hotel Ci.ibenberg .Ich ging in die nächste Kneipe, ließ mir Papier und Tinte geben und schrieb Maggie einen langen Bries — ein wahnwitziges Schriftstück, indem ich sie beschwor, mir zu erlauben, daß' ich ihr nachkommen dürfte. .Ein paar Tage schleppte ich mich in einer seltsam benommenen Stimmung umher und wartete auf eine Antwort, da erhielt ich durch die Stadtpost einen Brief, dessen Ad.e se eine mir unbekannte weibliche Handschrift trag. Ich zer- rif) den Umschlag — es war weiter nichts dann, alS mein Dries an Maggie. die während des Krieges ihre Wirtschaften verpachten mußten, die Möglichkeit geben will, ihre eigene Schalle wieder mit den inzwischen erwachsenen Söhnen selbst zu bebauen. Wenn diese Möglichkeit geschaffen toirix könnten die Demokraten auch für die zehn Hektar-Pachtschuhgrenze stimmen. Sonst müßten sie diese Grenze auf Z1 /.. Hektar hercrbsehen. Aba G i l d e m e i st e r (D. Vp.) fordert streng paritätische Anwendung der Pachtschuhvrdnung. Die Bedenken seiner Partei gegen die 10-Hektar- grenze seien noch nicht beseitigt. Deshalb werde sie für den demokratischen Antrag auf Z1/2 Hektar stimmen. Abg Heidemann (Kom.): Der Landwucher, der die Hauptschuld an den Lebensmittel- preisen trägt, wird durch die Vorlage nicht beseitigt. Unter Ablehnung aller AbänderungSanträgc wird die Vorlage nach den Ausschußbeschlüsfen angenommen, ebenso auch in dritter Le'ung. Darus wird um 4*/2 Uhr nachmittags die Sitzung abgebrochen, well die Ausbohrung Rathe- naus im Sitzungssaale vorbereitet werden soll. Präsident Lobe wird den Zeitpunkt der nächsten Sitzung bestimmen. Nächste Sitzung wahrscheinlich heute abend 8 Uhr Deutsch-polnisches Abkommen. 23 8. Sitzung, 2 6. 3u nl, 8 Uhr abends. Berlin, 26 Zum. Die Sitzung findet im großen Saale des Dberg4d»fTti statt wegen der im Plenarfitzungssaal bereits zur Tra uerseier für Dr. Ratl^ei au getroffenen Vorbereitungen. Aus der Tage-ordnung steht der G.setzeitt- wurf betreffend Vereinbarung der deutschen und polnischen Regierung mit der Interalliierten Äonuniffvon für Oberschlesien. Die Vorlage enthält als locs-enllichste Bestimmung, daß die vom Oppelner Sondergericht wogen Vergehens gegen die alliierten Mächte Verurteilten den Rest ihrer ©trafen in Gefängnissen deS besetzten rheinischen Gebietes abbüfen dürfen. Die erste Lesung begründet Gesandter von ©darbt, welcher auSsührt: Die Vorlage ist deswegen so eilig, well es sich um einen Teil des mit der interalliierten Kommission abgeschlossenen Hebcrgabeabtonrmen8 handelt. Die interalliierte Kommistion habe nur unter der Voraussetzung zugestimmt, daß die Ralisikatwn so schnell als mögtid) erfolgt und auch gedroht, daß das Los Die Ermordung Nathenaus im preußischen Landtag. Berlin, 26. Iuni. Auf der Tagesordnung steht die Entgegennahme einer Regierungserklärung in Verbindung mit mehreren Anträgen, die sich mit der Reichswehr und der Schutzpolizei befaßen, sowie mit der Auflösung der monavhistifck^n Organisationen. Ministerpräsident Braun gibt der Entrüstung Ausdruck über die feige Mordtat, der einer der Besten zum Opfer gefallen ist. Dieser Fall zeige besonders, wohin wir gekommen feien. Könnte es so weiter gehen? Bisher habe es gerade Deutschland ausgezeichnet, daß der politische Meuchelmord nicht zur politischen Waffe wurde. Den rechtsstehenden Kreisen fei dies Vorbehalten geblieben. Wir müssen zu Mitteln greifen .die wir lieber vermieden wissen möch'en, und er lasse keinen Zweifel, auch den crusf ährenden Organen gegenüber, daß sich diese Maßnahmen lediglich gegen d i e rechtsstehenden Gruppen richten, die den Meuchelmord begünstigen. Der Ministerpräsident sch'.eßt mit bem Rufe: „Kamps gegen alle Feinde der Republik". Minister beß In nein Severing: Dieser Mord bedroht unser Wirtschaftsleben wie der Kapp-Putsch. Mich schweben in Berlin die Verhandlungen der Bergarbeiter. Eine Hv'f aunz hinsichtlich des Ueberfchchtenabko-nmens habe ich feil dem Morde an Rathenau nicht mehr. Wir bedürfen aber dieses Uebei sächchtenak lvmmens. wenn wir das Reparationsabkommen Halten und den Hausbrand sccherstellen wallen. Da.,u kommt eine neue Gefahr. Ve r sp ren gte Selbstschutz- ko l o n n e n haben die Ruhe und Ordnung in Schlesien derart untergraben, dah Vertreter der Sozialdemokratischen Partei beim Staats» miniflcrium und beim Rcichssabinett vorstellig geworden sind, um den Ausnahmezustand für Oberschlesien zu verlangen. Die Aus- führungsbestimmungen sind heute früh an die Oberpräsidenten ttxntergepeben worden. Dic Pro- vinzialbcchörden können nicht im Zweifel sein, dah diese Maßnahmen nur gegen rechtsradikale Stellen anMittxmben sind. Verboten werden alle Regimentsfeiern und die für den 28. Iuni geplanten Frieden sreriragskundgebun- gen. Die Verordnung wird nicht auf dem Papier stehen bleiben. Ich spreche nicht vom Kampfe gegen die Rechtsparteien, sondern vom Kampfe gegen jeden Verbrecher, der sich mit parteipolitischer Etikette schmückt. 21 bg. Heilmann lEoz ) Di: M rdtat wur ein Ausfluß der Iadenhetze. Geist red Geld der Mord buben stammt aus den rechtsstehenden Kreisen. Nun wird ein neucs Geritzt für de bisher v:l k mimen ve s g nde, > p eu istze Ge lichte geschaffen. Das ist ange ichrs bei '.leber- griffe gegen so i.rldemvt a ische Terfammluncc’. die höchste Zeit Die Zustände in der Deichs- tr-ehr erfüllen uns mit ernsterer Sorge als den Reichs tr-ehrminister. Die schwarz-wcih- rote Reichswehr sahne mu1' Im Interesse der Reichswehr selber beseitigt w rden. Abg. Winkler (Dntl.), unterbrochen von fortwährenden Zwischenrufen, Verwünschungen und Beschimpfungen der Äomuuitriften, führt aus. Wir haben ..Doch bo, unter meinem Namen, da stand noch eine Zeile von derselben H«rd, die die Adresse geschrieben hatte. Es waren nur drei Worte. .Absenderin Helene Dähne.' ,Es dauerte eine Welle, bis ich den Zusammenhang begriffen hatte. Das war- MaggieS Antwort. ^Noch in derselben Sturrde packte ich meinen Koffer und fuhr mit fern nächsten Zuge nach Schlangenbad. Ich wollte sie zur Rede stellen, mich an ihr rächen, fie umbringen was weih ich. was alles für halbverrückte Gesunken damals unter meiner Schädeldecke kreisten. .Ich tarn in ihr Hotel, ich pochte an die Tür — ,Come in!' erklang ihre Stimme, ich riß die Tür auf, und lachend inb und jubelnd flog sie mir an die Brust und lieh mich mit ihren Küsten nicht zu Worte kommen. ,Ich wußte, daß di nicht eher kommen würdest, als bis ich dich ganz frei gemacht hätte. Nun aber wirst du bei mir bleiben, denn du bist mein!'“ — Iosua schwieg einen Augenblick, schenkte sich sein C-las voll und stürzte es hastig hinunter. 2lls er wieder zu sprechen begann, klang seine Stimme heiser. .Es wird mir nicht leicht, mein (Jungchen, mich vor dir in meiner ganzen Erbärmlichkeit auszuziehen, aber erstens wollte ich mir selbst ritte e spuren und barm auch mit möglichster Treue ausschlldern und dir zu erklären verbuchen, ttn? ich in ein paar Tagen ein so an- speienswürdiget Lump wurde. Und wenn ich fertig bin — es dauert nicht mehr lange — dann wirst du einfehen, daß ich mir noch fange nicht genug an Buße auferlegt habe. Eigentlich mühte ich nächstens auf spitzen Steinen liegen und tagsüber mich blutig geißeln . . . .Na, kommen wir zu Ende, es zieht schon grau hinter den Scheunen herauf, und du wirst müde fein vom langen Eitzen. .Also ich blieb natürlich in Schlangenbad, ließ mir von meinem Bruder unter irgend einem Eie beraubt es nicht nur eines in diasem Augen- ' blick besonders wertvollen Minsters, sie ist geeignet, die schwersten Erschütterungen bervor- zurufen. IErneuter Lärm, aus dem die Worte „3ubälter' und _He u chle r" hervorllingen. Die kommunistischen Abgeordneten Meier, Kay und Neumann ci halten Ordn ungsrufe.) Wir werden die Regierung in allem Notwendigen unterstützen. Der Nli ü'terpräsident Hut f.stre- stellt, daß er sich nicht gegen eine politische Partei wende, sondern gegen die Mörder Dic Verordnung aber richte sich nur gegen die Rechte Dabei weih niemand, ob die Täter nicht etwa Ausländer sind. (Eme iter Lärm, wobei die Abgg Schulz. Katz und Scholem (Komm.) weitere OrdmtngSrufe er holten. Präsident Ceinert droht, von den Machtmitteln der Geschäftsurd- mtng Gebrauch zr machen.) Mtt Gewalt kann Liebe zur Republik nicht erzeugt werden. (Zwischenrufe, Zischen und Pfeifen links.) Abg. Dr. Heß (Ztt.): Die vollständig veränderte Situation macht neue politische Mittel notwendig. Es handelt sich nicht darum, daß ein Verbrechen begangen ist, sondern darum, wie dieses zu erflären war. Für den Mord sind nicht nur die Täter haftbar zu machen, sondern auch diejenigen, welche die Stimmung erzeügtcn, aus der der Mord geboren ist. Die Herren von rechts können sich nicht damit herausreden, dah sie die Folgen dieser Hetze nicht hätten voraussehen können. Der Mord am Kniebis hat nicht zur Umkehr geführt, well er die Hetze noch verstärkt Da gewinnt auch der unerhörte Mißbrauch, der von der Rechten mit Hindenburgs Person in Ostpreußen getrieben wurde, ein anderes Gesicht. Helfferich rief nach dem Staats- gerichtshof für Rat Henau und am nächsten Tage fielen die Schüsse. Ieht kann es nicht mehr so weitergehen. Die Minister der Republik sind fein Freiwild Sie (nach rechts) haben unsere Toleranz in schlimmster Weise mißbraucht. Sic haben die Hetze getrieben, weil Sie nicht verschmerzen können, daß Sie die unumfchränlte Kommandogewalt in diesem Hause verloren haben. Es ist das Gebot der Stunde, daß ein fest gefügter Block der Mitte uns aus diesem Zustande befreit Abg. Dr. Kalle (D. Dpt): Wir find keine Freunde von Ausnahmebestimmungen. Aber nach l iefem furchtbaren Ereignis find sie leider notwendig. Wir muffen in dieser schweren Zell des Vaterlandes zusammenstehen durch gemeinsame Abwehr der gegen unter Vaterland gerichteten Schläge. Wir billigen die Verordnung, rechnen aber darauf, daß das Gesetz gleichmäßig gegen alle angewendet wird, die sich gegen den Staat t-ergeben. (Zuruf: Warum sagen Sie nicht Republik?) G'gen den Staat, der zufällig Republik ist. In dieser schweren Zeit muß der innere Streit zurückgestellt werden, auch der Streit um die Staatsform (Zuruf: Ein glatte*- Monarchist!) Alle Freunde des Daterlandes müssen, sich jetzt zufammenschliehen. damit wir herauslommen aus dem Elend, das diese Verordnung notwendig macht. Abg. Obuch (U.) protestiert gegen denStaats- kommissar WeiSmann, der trotz der ihm zur Verfügung stehenden großen Mittel die Morde nicht zu verhindern wisse, und bezweifelt, dah die Iustiz der Verordnung zur Durchführung verhelfen werde. Abg. M e y e r-Ostpreuhen (K.) wendet sich ebenfalls gegen Weismann, dessen Tätigkeit gerade ein Anreiz für die Orgeschleute zu Morden sei. Ein Vertreter des Iustizministeriums erklärt, daß dic nottoenbigcn Maßnahmen hinsichtlich der Durchführung der Verordnung des Reichspräst- denten bereits veranlaht sind. Abg. Dr Schreibe r-Halle (Dem.): Der Mord ist aus der Atmosphäre entsprungen, welche durch die rechtsstehende Presse erzeugt ist. Wir haben nichts gegen eine Opposition, aber sie muh loyal sein. Wir verlangen rücksichtslosen Kampf gegen jedes Verbrechen gegen die deutsche Republik. glrichgültrg, auf welcher Seite der Verbrecher steht. Abg. Dr. Dredt (Wir-tschaftspartei) gibt ■ seiner Entrüstung über den Mord Ausdruck und betont, dah er bereits vor einigen Tagen Gelegenheit hatte, einen scharfen Strich zwischen seiner 1 ^irtci und den Deutschnationalen zu ziehen. ^.fichanderheulk irjammlung jafjbl oalitionsparteieil »en 29. i.HUhttj getan en, über die noch! mg erfolgt. W Pottti gen. MM eV,Gietzta ; 8 lU)r, fhtM kereinshauses" ammtanJ gemeinsame Front des ganzen Volkes herbei- i—---------- fuhren wollten. Wir stimmen mit dem Minister-1 2lbg. Leidig (D. Dpt.) dem DerfafsungsauSschuß prafibenten überein in der Verurielluna der Der- wilderung der politischen Sitten. Die Ermordung dieses Mannes trifft unser Vaterland fchw-r. . Willi« slssssS holgenuß, 30 000 Menschen versinken alljähr- Lch in die Nacht des Säuferwahnsinnes, 150 000 Trinker verfallen als Llebertreler der Gesetze and Verbrecher dem Arm des Strafrichters. Ans Deutschlands städtischem Leben entrollt der Direktor des Lübecker Statist. Amtes ein trübes Bild: Die Zahl der Trinker schwillt ununterbrochen an, in vielen Familien haben sich Zustande entwickelt, die jeder Beschreibung spotten, die Trinkerfürsorgestelle kann kaum noch ihrer Aufgabe genügen. Vielsagend sind folgende Nichtlinien, welche die AuSschuhsihung des Brauereibundes im Oktober 1921 in Berlin festgelegt hat: Als Mittel zum wirksamen Abwehrkampf gegen die Antialkoholbewegung wurden empfohlen: „Wir müssen trachten, Aussprüche von berühmten Sportsleuten zu erhalten, daß nach Llebermüdung der Alkohol eine günstige Wirkung auf die Belebung der Sportfreudigkeit nicht verfehlt. Der Unterricht über Alkohol- schäden muh entsprechend in unserem Sinne in Zukunft gefärbt werden. Wir müssen insbesondere die Schulbehörden gewinnen. Die Wissenschaft muh für unsere Zwecke dienstbar gemacht werden. Es muh ein eigenes Pressebureau eingerichtet werden, das die gesamten Zeitungen Deutschlands, natürlich in unauffälliger Weise, mit unseren Artikeln versieht. Diese müssen so gefärbt sein, dah nicht einmal die interessierten Kreise merken, dah die Artikel im Interesse der Brautndustrie geschrieben sind. 3n Zeitungsartikeln, Flugschriften, Broschüren, Postkarten Kinos muh die gute Wirkung des Alkohols hervorgehoben werden. Der Nährwert des AlloholS muh in allgemein verständlichen Worten insbesondere in den Blättern der Hausfrauen erläutert werden. Auch die Drauindustrie muh sich an der Bekämpfung der Trunksucht aktiv beteiligen, dann werden die Waffen den Alkoholgegnern aus der Hand geschlagen, ohne dah sie es merken. Zur Erreichung dieses Zieles brauchen wir Zeit und Geld. DaS Alloholverbot in Amerika wird sehr schwer wieder rückgängig zu machen sein, sorgen wir dafür, daß wir hier im alten Europa nicht in dieselben Fehler verfallen." • . 6 Anmerkung der Redaktion: Selbstverständlich treten wir nach wie vor für eine vernünftige Mäßigkeitsbewegung im Alkoholverbrauch für Deutschland ein. Gerade well man gegenwärtig leider wieder eine Zunahme der leidigenTrunksit- ten insbesondere bei der Studentenschaft wahrnehmen kann, wobei vielfach Klagen über nächtliche Ruhestörungen und Ra- dauszenen Betrunkener einlaufen, sollte man ’ dem Alkoholmißbrauch scharf entgegenwirken. Der Artikel über die Wirkung des Alkoholverbotes in Amerika sollte nur ein Bild geben, wie ein unvermitteltes, gesetzliches Verbot jeglichen Alkohvlgenusses von schädlichsten Wirkungen begleitet sein wird. Ein solches Verbot haben wir für Deutschland ja aber nicht zu befürchten. Kirche imb Schule. )( Nidda, 26. Juni. Der gestrige Tag hatte eine große Anzahl auswärtiger Kirchengescmgver- eine nach unserem schön gelegenen Städtchen geführt. Vormittags um 10 Uhr fand die Hauptprobe für die Massenchöre unter Leitung von Pfarrer Stumpf (Eschenrod) statt. Um 2 Uhr begann der Festgottesdienst. Als erster Massenchvr wurde von etwa 400 Sängern und Sängerinnen ein Dachscher Chor „Du Friedensfürst, Herr Jesu Christ" vorgetragen. Die Predigt hielt Pfarrer Lenz aus Lich über das Psalmwort „Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein": in äußerst frischer, jedermann verständlicher Weise wuhte er die Zuhörer zu packen unb das Gotteslied aufzuzeigen als Tröster und Freudebringer in jeder Lebenslage, auch in jeder Not. Am Schluß des Gottesdienstes kam unter der Leitung von Pfarrer Stumpf der Chor „Herr nun selbst den Wagen hall" ebenso machtvoll zum Vortrag. Nach einer kurzen Kaffeepause und Aufstellung der einzelnen Vereine am Marktplatz ging es unter Vorantritt des unermüd- llchen Obermockstädter Posaunenchors, der schon morgens im Freien konzertiert hatte, unter Ab- stngen von fÄhlichen Marschliedern in langem Zuge nach dem Festplah. Leider setzte schon gleich nach dem ersten gemeinsamen Lied und der Ansprache des Dekanatsstellvertreters Pfarrer Scriba (Sichetsdorf) ein gewitterartiger Regen ein, der die Abhaltung des Festes im Freien unmöglich und seine Verlegung in die Kirche nötig machte. Hier trugen dann die einzelnen Vereine geistliche und wellliche Volkslieder vor, die von der zahlreich versammellen Zuhörerschaft beifällig und dankbar ausgenommen wurden. Dazwischen waren Ansprachen von Pfarrer Stumpf, Pfarrassistent Wichmann und Vorträge des Posaunenchors eingestreut, bis schließlich die Feier um 6 Ahr mit einem Schlußlied der Gemeinde geschlossen wurde. Die anwesenden Vereine schlossen sich zu einem Vezirlsverband zusammen. Im nächsten Jahr wird so Gott will der Verband einer Einladung nach Ortenberg folgen, vielleicht auch noch hier unb da ein kleineres Kirchengesangvereinsfest abhalten. Turnen, Sport und Spiel. — Lang-Göns, 25. Juni. Der hiesige Turnverein beteiligte stch mit 18 Zöglingen und Turnern am Dezirkswetturnen in Steinfurth und alle kamen preisgekrönt zurück. — 1898 wurde der Verein gegründet, der jedoch stets unter dem Mangel eines geeigneten Turnlokals litt. Schon 1908 wurde ein Daufonds gegründet. Im Jahre 1921 lebte die Baulust wieder auf und eine Baracke wurde gekauft, die aber einer Erweiterung bedurfte, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Unter Mitwirkung der ganzen Gemeinde wurde daher eine größere Halle errichtet, die demnächst eingeweiht werden wird. - Die Spiele der Deutschen Turnerschaft im Schlagball, Faustball, Trommelball. Schleuderball und Dar laus hatten I folgende Ergebnisse: Schlagball: Oberschles. Spiel- und Lausverb and gegen Verein für Körperübungen Königsberg 73: 61; Berliner Stadte- mannschaft gegen Kaufm. T. V. Tondern 48:41; St. Bonifacius Köln gegen Evang. Zungmännerverein Gütersloh 63:51; Preuß. Hochschule für Leibesübungen gegen M. T. D. Köln 93: 53; Kaufmännische T. V. Tondern gegen St. Bonifacius Köln 60: 44; T. V. Saarbrücken gegen Oberschles. Spiel- und Eislcrufverbcrnd 87:78; Derl. Städtemannschaft gegen M. T. D. 79-München 74:59; Hultschwer Lengen gegen St. Bonifacius Köln 97:59. — Faust ball der Männer: Derl. Turnerschast gegen Oberschles. Spiel- und Eislauf- vcrband 62:37; Verein Licht- und Luftbad Frankfurt a. M. gegen Gütersloh 49:18; Derl. Turnerschaft gegen Deutsche Zugendkraft, Abt. Char- lottenburg, 43:32; Turnklub Hannover gegen T. V. Pankow 35:31. — Frauen: Hamb. Turnerschaft gegen Damen T. V. Brühl-Berlin 52: 47. — Trommelball: Frauen: Oberschl. Spiel- und Cislaufverband West gegen Ost 140:134. — Darlauf: Turn gern. in Berlin gegen V. f. L. 58 50:43. — Schleuderball: Oldenburger Turnerbund gegen Allg. T. V. Rodenkirchen 7:6. — Das Tennis-Kamps spieltur- n i e r auf den Grunewakdplätzen ist am Sonntag mit der noch ausstehenden Entscheidung des Herreneinzelspiels zwischen Kl.isch'oth und Kreuzer zu Ende geführt worden. Nach dem sensationellen Sieg von Rahe über Froitzheim wurde Rahe in der Vorschlußrunde wider Erwarten von R. Kleinschorth 4:6, 6:1, 6-2 geschlagen. Auch. im Endkampf gegen Kreuzer zeigte Kleinschroth das bessere Spiel und sicherte sich in einem scharfen Kampfe 8:6, 8:6, 5:7, 6:3 den ersten Preis. Das Herrendoppel- spiel getrann Schomburgk-Grandh ge en Ko len - Moldenhauer 6:2, 4:6, 6:1, 6:0 und das gemischte Doppelspiel sicherte sich das Ehepaar Schomburgk nach hervorragendem Zusammenspiel gegen Frau Käber-Demasius 6:8, 7:5, 6:1. — Die Turnerischen Meh r- kämpfe hei den deutschen Kampfspielen, die wegen der riesigen Deteiligungszisfern geraume Zeit zur Erledigung gebrauchten, zeitigten in allen Wettbewerben ausgezeichnete Leistungen. Im einzelnen gab es folgende Sieger: Vierkampf der Männer: Reck: Z. H Felsina (Dortmund) und M Gebhardt (Frankfurt a. M.) je 76 Punkte Barren: 1. Ehrhardt (Derl. Turn- genossenschaft) 78 Punkte. Pferd: 1. Schaffert (Pilsen) 75 Punkte. Neunkampf der Frauen: 1. Marg. Furchheim (Jahn Neu- Vlln) 171 Punkte. Zwölfkampf der Männer: 1. Kobe (T. V. Vorwärts Breslau) 233 Punkte. Vierkämpfe der Frauen: Reck: 1. Marie Opitz (Bremen) 79 Punkte. Barren: Ofenbrunner (München), Meiser (M T. V. München) und Bickenbach (Köln) je 75 Punkte. Pferd: 1. ©örtner (A. D. T. 2. Gvatz) 76 Punkte. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Fortbildungsschule für Mädchen. Unser Dienstmädchen, das die Haushaltsabteilung der hiesigen Fortbildungsschule besucht, muh nach der neuen Stundenplanfestsetzung Montags und Donnerstags, jedesmal am Vormittag von 8 bis 12, resp. 1 Uhr den Unterricht besuchen, wird also der Hauswirtschaft zu einer Zell entrissen, in der gerade am meisten zu tun ist. Ich kann mir nicht denken, dah die staatliche Verfügung derartige Schäden für den Arbeitgeber tm Gefolge haben soll. Ich kann mir auch keinen stichhalligen Grund denken, warum man den Unterricht nicht ebensogut auf den Nachmittag legen kann, an dem doch eiegntlich mehr Lehrkräfte zur Verfügung stehen dürften, als an dem durch den Hauptdienst besetzten Vormittag. Wenn die Heranziehung der Mädchen zum Fvrt- bildungsunterricht mit sieben Stunden (mit Einrechnung des Schulwegs 8—9 Stunden) wöchentlich an sich schon eine bedeutende Belastung sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer darstellt, so sollte sie wenigstens zu einer günstigeren Zeit vorgenommen werden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch bemerken, daß in der am 15. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, anberaumten Besprechung des Lehrerrats mit den Eltern, bei der ich als Vertreter der Eltern unseres Dienstmädchens zugegen war, von einer derartigen „Besprechung" nichts, aber auch gar nichts zu spuren war; hier wäre Gelegenhell eines Mei- nungsaustauschs zwischen Ellern und Centern über günstigste Lage der Unterrichtszeit und ähnliche Fragen gewesen. N. ♦ ♦ * { „Die Erfahrungen in der Einheitsschule." Dem Herrn 2erfaffer des t-Eingesandts betr. „Erfahrungen in der Ginhellsschule" diene folgendes zur gefälligen Kenntnisnahme: Der beste, kürzeste und sicherste Weg zur Lllifklärung über die ungezogenen Fragen, gegebenen Falles auch zur Herbeiführung von 2erbefferungen ist der, der öhne alle Umschweife unmittelbar in die Amtszimmer der in Betracht kommenden Rektoren führt, Gießen, 26. Zuni 1922. Die Rektoren der hiesigen Volksschule. Handel. Frankfurt a. M., 26. Juni. (Börsen- stimmungSbild.) Zurückhaltung ist das Gebot der Stunde. Wohl selten war das Geschäft der Börse so schleppend und in so engen Grenzen gehalten, wie an dem heutigen Tage. Man stand unter dem Zeichen des Mordes an Rathenau. Das Gefühl der Unsicherheit drückte sich in den Kursen aus. Am Devisenmarkt war die Haltung nicht mehr so erregt wie am SamStag. Der Dollar ging bis auf 360 biS36< herauf und schwankte dann zwischen 350, 358 bis 352. Von der Geschäftsstille waren nur vereinzelte Spezialpapiere ausgenommen. Benz 445, Inag 340 bis 350. Becker-Stahl 400. Am LRontanaktienmarkt war die Tendenz vorwiegend zur Schwäche neigend. Maschinen- und Metallaktien zeigten ein uneinheitliches Aussehen. Still lagen ferner Elektrizitätspapiere, Anilinwerte erhielten mäßige Befestigung. Der Schluß gestaltete sich uneinheitlich bei schwankenden Kursen. Privatdiskont ,4V> Prozent. Frankfurt a. M., z6. Zuni Jcr Börsen- vorstanb gibt bekannt: Am D i e n s t a g, 27. Juni, ist die Frankfurter Wertpapie r-D o r s e ür jeden Verkehr geschlossen. Auch D e ö i - en und Noten werden nicht notiert. Derlin, 26. Juni. Börsen st immungs- b i l d. Im Anschluß an die ausländische Markentwertung erfuhren die Devisenkurse heute vormittag eine scharfe Steigerung. Die Bewegung war jedoch in der Hauptsache spekulativ, was sich durch eine beträchlliche Abschwächung bei Beginn des offiziellen Verkehrs kundgab. Die Hallung des Effektenmarktes war unsicher. Große Zurückhaltung wurde allerdings beobachtet. Kaliaktien setzten vorwiegend erheblich niedriger ein. Sonst hielten sich am Industrieaktienmartte mäßige Rückgänge und Besserungen etwa die Wage. Späterhin schrumpfte der Verkehr mehr und mehr zusammen, bei uneinheitlicher Kursbewegung. Bankaktien und Schiffahrtsaltien konnten sich im allgemeinen gut behaupten. Ungarische und österreichische Anleihen chwächten sich meist etwas ab. Oesterreichische Goldrente verlor 55 Prozent, Valutapapiere wurden entsprechend der Devifensteigerung höher bezahlt. Deutsche Anleihen schwächten sich meist ab 3prozentige Reichsanleihe verlor 8 Prozent. Die Devisenkurse unterlagen bet nervösem Geschäft Schwankungen. Frankfurt a. 'M.. 27. Juni. Börsenkurse. Frankfurt Berlin Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- Kurs Airs Kurs Kurs Datum: 5 °/„ Disch. Kriegsanl. 4°/o Disch. Reichsanl. 3"/g Disch. Reichsanl. 4°/o Preuß. Konsuls Hamburg-Pakets.. . Norddeutscher Lloyd Comm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconw-Gesellschast Dresdner Bank. . . Mitteld. Creditbank. Äationalbank f. D. . Boch. Gußstahlwerke Bud.- Eisenw.-Akt.. D.-Luremb. Bergw.. Gelfenkirch. Bergw.. Harpener Bergbau. Öberschl. Gisenb.-D. Oberschles. Eifenind. Phönir-Bergb.-Akt. Bad.Anilin-u. Soda Höchster Farbwerke. Ällg. Ciektr.-Ges. . . Felten & Guilleaume Schuckert-Werke. . . Adlerwerke Daimler 4° 0 Hess. Staats anl. Electron Griesheim Dtsche. Dereinsbank 23. 6. 26.6. 77 50 77,50 108,- 106,50 147 - 145, - 88,50 81,20 398,- 393.- 292,50 290,25 294,- 295, - 286 - 285,- 522,- »14, - 414,50 312, — 308,- 249.25 248,- 283,- 5»0'- 575'- 960 - 952,- 990 — 1000,- - - 1785,- 845'- 835,- 592 - 600 - - - 1160,- 710,- 718,- 618,- 625,- 632,- 630, - -,- 710,- 630,- 639,- 429,- 420,- 408, - 400, - 80, - 80,- 720,- 730,- 189,- 185.- 23. 6. 26.6. 77,50 77,50 108 75 107,56 149,- 146, 83,50 82,10 392,50 396,- 287,- 295,- 296,- 295,50 288 — 287,- —, 525, 416, - 410,- 315,- 314, - 248,75 247,50 288,- 287,- 11158,- 1051,- 546,- 560,- 961,- 951,- 999,75 10C0,- 1792,- 1798, - 835,50 830,- 587,- 586,- 1165,- 1163,- 719,- 712,- 615,50 620,- 630,- 639, - 715,- 711, - 634, - 629,- 428,- 420,- 401,- 402,- 80,- 80,- 730,- 740,- Derlmer Devisenmarkt. Saturn Amstd.-Aotterd. Brüssel-Antw. . Christiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helsingfors. . . Italien London Neuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr» Prag Budapest .... Buenos AireS . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro Geld Dri< 24. Juni. 3083,60 13116 40 2766,50 2773,50 5622,95 5637,05 7270,90 7289,10 8724,05 8745,95 753,05 754,95 1602 15 1607,05 1508,10 1511,90 341,56 345,44 2’411,35 2918,65 6516,80 6533, :0 5343,30 5356,70 1,88 1,90 654,15 655,87 34,25 34,32 122,82 123,10 231,20 231,85 167,- 163,55 4719,- 4730, - s Gelb Brief 26. Juni. .3483 10 13516,90 2776,90 2783,10 5682,85 5687 15 7440,65 7459'35 8909,85 8931,15 780,- 782, - 1588,- 1602, - 1538,15 1541,05 348,56 349,44 2866,40 2873,60 6516 80 6533,20 5328, 0 5341,70 ',93 1,97 673,15 674,85 34,95 35,05 124,82 125,17 234,70 235,39 16?,50 166,50 4694,- 4706,- Marknotterungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 24.6. 26.6. Zürich Fr. 125.40 1,55 1,52 Amsterdam Fl. 59.20 -.77 -,75 Kopenhagen Kr. 88.80 1,40 1,37 Stockholm ...... Kr. 88.80 1,13 Wien Kr. 117.80 Prag Kr. 117.80 14,80 London Sh. 97.80 1,50 1,51 Neuyork $ 23.80 -,28 -,28 Paris Fr. 125.40 8,49 3,45 Züricher Devisenmarkt. 28. 6. 27. 6» Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. = 202.25 202.10 Deutschland 100 HU. = 1.45 1.52 Wien 100 Kr. — 0.03 0.027 Prag 100 Kr. — 10.- 16.125 Paris 100 Fr. — 44.45 44.- London 1 £ = 23.45 23.25 Italien 100 L. = 24.45 24.80 Brüssel 100 Fr. = 42.45 41,85 Budapest 100 Kr. — 0.53 0.535 Neuyork 100 $ — 529.50 527.75 Agram 100 Kr. --- L70 1.687 Warschau 100 Är. --- 0,117 0,117 Märkte. Frankfurter Getreidemarkt. Frankfurt a. M., 26. Mai. Die inner- politische Lage die in letzter Zeit einen stärkeren Druck auf die allgemeine Geschäftslage ä is- geübt hat hat sich durch die Ermordung des Reichsministers Dr. Ralhenau noch verschärft. Dadurch kam es zur weiteren Devisensteigerang, infolge der Entwertung des Markkurses. Die Forderungen der Getrcidep reise ftnb trotz der Besserung des Suatenstandes in Deutschland höher. Im Frühverkehr herrschte iroch große Ge'chöfls- unlust und die Preiserhöhungen konnten nicht durchdringen, da es an Kauflust fehlte und die Forderungen den Angeboten gegenüber zu hoch waren. Die Haltung für Weizen war fest, Roggen war ebenfalls nur zu besseren Preisen erhältlich. Zurückhalteird verhielt man sich in Maisabschlüs- fen. §afer tag ruhiger. Gerste bleibt gesuchter. Mehl stellt sich höher. Hülsensrüchte sirw knapp. Futterstoffe behaupteten ihren Preisstand. Nachträge "bestand infolge der Rege ifälle für Kleesaaten. Lupinen und Seradella bevorzugt. — Preise: Wri .en. alsbaldige Lieferung, 1850 bis 1875 Mk., Roggen dto. 1475 bis 1500 Mk., Sommergerste dto. für Drauzwecke 1750 bis 1800 -ncaat, Hafer dto. 1600 bis 1650 Mk., Mais bto. (Mixed) 1600 bis 1650 Mk., Weizenmehl dto (sudd. Spezial 0) 2425 bis 2500 Mk., Äoggen- mehl dto. 1700 Ml., Weizen- unö Roggenlleie 1000 Mk.. Erbsen für Speisezwecke 1500 bis 1800 Mark, Heu. sudd., gut, gesund, trocken, 880 Mk. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 26. Juni. (Amtlich) Marktverlauf: In allen Viehgattungen langsamer Handel. Schweine hmterließen ileberftanb. Im einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 849 Rinder, darunter 107 Ochsen, 41 Dullen, 701 Färsen und Kühen, ferner 369 Kälber, 14 Schafe, 1480 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: für Ochsen von 2000 bis 3350 Mark, für Dullen von 2200 bis 3000 Mk., für Färsen und Kühe von 2400 bis 3250 Mk. für beste Färsen und von 1400 bis 2500 Ml. für beste Kühe, für Kälber beste Qualitäten von 3000 bes 3600 Mk., für Kälber mittlerer Qualitäten von 2500 bis 2800 Mark, für Schweine unter 80 Kilogramm Lebendgewicht von 4400 bis 5000 Mk.. von 80 bis 100 Kilogramm Lebendgewicht von 5200 bis 5400 Mk., von 100 bis 120 Kilogramm Lebendgewicht von 5300 bis 5500 Mk., von 120 bis 150 Kilogramm Lebendgewicht von 5300 bis 5500 Mk., für Fett- schweine über 150 Kilogramm Lebendgewicht von 5300 bis 5500 Mk., Sauen und Eber von 4700 bis 5000 Mk. — Die Marktpreise Hegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Hchidler- gewllme in sich schließen. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Die Verordnungen zum Schutz der Republik. Gießen, 26. Juni 1922. Das nächste Amtsverkündigung S- blatt des Kreisamts Gießen vom 27. L Mts. enthält die Verordnungen, welche der Herr Reichspräsident aus Anlaß der ruchlosen Ermordung des Reichsministers des Aeußeren Dr. Rathenau erlassen hat. Das Amtsblatt weist darauf hin, dah bei dem KreiSamt der feste Wille zur Durchführung dieser Maßnahmen besteht und empfiehlt dem Polizeiamt Gießen, den Bürgermeistereien und der Gendarmerie des Kreises gewissenhafteste Mitarbeit. Dem Kreisamt ist durch diese Stellen unverzüglich Mitteilung zu machen, wenn Veranstaltungen im Sinne des 8 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten geplant sind, welche Besorgnisse der im § 1 ebenda genannter Art entstehen lassen können. Zuständig für das Verbot solcher Veranstaltungen ist das Ministerium des Innern in Darmstadt, in Eilfällen, wenn Gefahr im Verzug ist, auch das Kreisamt. Englische Pressestnnmen. London, 26. Zuni. (WTD.) Sämtliche Blätter nehmen in Leitartikeln zu der Ermordung Rathenaus Stellung. „Daily Telegraph" sagt, die Nachricht von dem Mord an Rathenau sei allgemein mit aufrichtigem Bedauern und Entrüstung ausgenommen worden. Man sei der Ansicht, daß Deutschland es sich schlecht leisten könnte, in einem Zeitpunkt wie der gegenwärtige, eine so hervorragende Persönlichkeit zu verlieren, man empfinde aufrichtige Teilnahme mit Reichskanzler Wirth und seinen Kollegen, deren Persönlichkeit selbst sehr ernst bedroht fei. Man hoffe und glaube in London, daß nicht nur alle demokratischen Elemente in Deutschland, sondern auch alle ordnungsliebenden Bürger sich um Wirth scharen werden, gegen die neue Anarchie, die von der äußersten Rechten drohe. Bei dem Versuch, diesen Aufruhr zu unterdrücken, werde die Stellung der deutschen Regierung die vollste moralische Unterstützung der zivilisierten Welt erhalten. Die „Time s" schreiben, der abscheuliche Mord an Rathenau sei ein neuer Schlag für die Hoffnung auf ‘eine allmähliche Befestigung des Friedens. Es bestehe kein Zweifel, daß eine weitverbreitete Verschwörung gegen die deutsche Republik im Gange sei. Man dürfe wohl glauben, daß die Mehrheit des deutschen Volkes Frieden und Ruhe wünsche. Es gebe jedoch in Deutschland eine entschlossene Minderheit, die eS sich in den Kopf gesetzt habe, durch "biefe Morde und durch Einschüchterung der Führer der Demokratie bei demokratischen Sache Abbruch zu tun. Sie werde das Land in Streit und Einordnung stürzen und in diesem Durcheinander eine despotische und aggressive Herrschaft auf dichten. Ihre Methoden seien denen der Bolschewisten verwandt. Wenn das deutsche Volk ssich nicht entschlossen an strenge, diese Versuche, Deutschland und ganz Mitteleuropa tn die Anarchie zu stürzen Widerstand zu leisten, so müßten die Aussichten für die unmittelbare Zukunft dünke» sein. „Daily Chronicle" bemerkt a. a: Es könne kein Zweifel daran bestehen, daß die strenge Haltung der französischen Regierung gegen Deutschland den deutschen Reaktionären viel geholfen habe. Sie habe Oel in das Feuer des Hasses gegossen. Sie habe verhindert, dah die Regierung Wirth-Rathenau tn der Lage war, einen augenfälligen Gewinn als Ergebnis ihres guten Betragens aufzuweifen. Die Alliierten brauchten eine positive Politik der Unterstützung und der Förderung des Fortschrittes und der versöhnlichen Elemente tn Deutschland. „Westmtnster Gazette" bezeichnet den Mord als einen grausamen Protest der deutschen Reaktionäre, deren Zukunft ebenso schlimm sei, wie die ihrer Gegner. Der Mord könne die deutsche Politik nicht ändern, denn es gebe keine andere Regieruna die irgend eine Hoffnung auf die Wiederherstellung des Friedens erhalten als in der Lage der Erfüllung der Forderung der Alliierten. Das linksliberale Blatt kommt zu dem Schlüsse, keine deutsche Regierung könne wirksam bewaffnet werden gegen die Wiederholung dieses auf Umsturz gerichteten Angriffes, bevor sie nicht mit einer Reparationsprobe versehen werde, die nicht nur gerecht, sondern auch durchfüh bar sei. Solange Deutschland gezwungen werde mit einer Ausgabe zu ringen, die sein Vermögen übersteige, müsse es den Weg gehen den seine Sieger bezeichnet haben. ^udcUiiQ-^RuIuer V2zs