Nr. M Erscheint täglich, auh« Sonn« und Feiertags, mit bttSamstagsbeilage: GietzenerFamilienblätter Monatliche vejuqrprcise: Ml« 20.— und Mk. 2.- Trägerlohn.durch diePost Mtz.22.—, auch bei Nicht« erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.^ Fern sprech- Anschlüsse: fürdieSchrist- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt o. M. 11686. Montag, 26. Juni 1922 Erstes Blatt 172. Jahrgang General-Anzeiger für Gberhessen vruck und Verlag: vrtthl'sche Umv.-Vuch- und Ztetndnickerei H. Lange. Lchrlftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeiae» für die Tagesnummer oi» zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 34 mm'Breite örtlich 150 Pf..auswärt, 180 Pf.; für Rekl ame« Anzeigen von 70 mm Breite 500 Pf. Bei Platz. Vorschrift20* .Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen TeÜ: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Bech, sämtlich in Giehen. Ermordung des Reichsministers Rathenau sich unter der 12.20 Hhr tarn es im Sihungs- die sich erhöht wird. Rathenau. Um faale zu einem Hier drangen ein, entrissen Handgemenge, deutsch vvlksparteiliche icf)tD{crifl» Republik! Reichskanzler Dr. Wirth: Wochen sind vergangen, da versammelt« in Genua die Vertreter aller Rationen, da gemeinen Mord begangen haben, und inan wird bei aller Trauer, allem berechtigten Zorn über das entsetzliche Geschehen doch Zurück- haftung und Mäßigkeit sich auferlegen müssen, bis die Motive der Tater und diese selbst bekannt lein werden. Solche LeibenschastSszenen. wie sie am Samstag und Sonntag im Reichstag und Landtag vorgekommen sind, wie sie eines tief empfundenen ..Kummers Kleid und Zier- verzerren, verschlimmern ,anz unnütz die politische Lage für a 11 c Parteilager. Wollte Gott, die schuldigen Mörder würden bald ergriffen werden! Die Tatumstände sind derart, daß man wohl hoffen darf, es werde gelingen, Licht in diese dunkle Sacke zu bringen. Heber den Wert und btc Wirkungen der vom Reickspräsidenten erlassenen neuen Ausnahmebestimmungen zum Schulz der Republi und ihrer Führer wollen wir unser Hrteil noch zurückhalten. Daß etwas geschehen durste und sollte, ist anzuertennen. denn die Leidenschaften sind aufgewühlt, und ein Ausnahmezustand besteht eben schon in unserem politischen Leben nach einer so ungeheuren Freveltat. Wir sirck auch davon überzeugt, dah die Deutschnationale Bollspartei jetzt die Stunde gekommen erachten wird, vor verblendeten Auswüchsen des Parteifanatismus zu warnen, fofern dadurch die Gewissen abgestumpft, die Sine tiefe Trauer über die furchtbare, ruchlose Tat legt sich über ganz Deutschland. Denn der ermordete Minister Rathenau war, einem 1 8 jährigen jungen nach den Wandelgängen gebracht, sofort mehrere Personen auf ihn bei dem der reinen und erlaubten Waffen des politischen Kampfes beschmutzt und besudell werden. Die Wahrheit wird sich Bahn brechen, ohne Gewalttat und unlautere Mittel; ihr bestes 'Rüstzeug ist strenge Sachlichkeit und Selbstüberwindung im Drange der lodernden Zeil. 'Der Geist wird siegen über Gewalt, den Taumel und die Mache. Mnb der Reichskcurzler Dr. Wirth hat in der gestrigen ReichStagS- siyung sein Bestes gegeben, als er einenAppell an die Entente einleitete mit dem Satze, daß eS für ein Sechzigmillivnenvoll auf die Dauer unmöglich sei, unter der Herrschaft der Kommissionen ein demokratisches Deutschland überhaupt leistungsfähig zu halten. Eins ist notwendig, erstens, oah wir nicht eine Politik mit Ultimaten und Terminen erleben und zweitens, dah Deutschland von politischer Diktatur frei wird. Freilich, dah der Kanzler dann etwas unoermittelt aufbrausend damit schloß, der Feind stehe Rechts, beeinträchtigte wieder die Wirkung auf das Ausland und wird ihm auch im Innern nicht gerade neue Sympathien erwerben. Der Hergang bei dem Mord. B e r {i n, 24. Juni. (Wolff.) 3 Uhr nachmittags. Rach neueren Feststellungen wurde Rathenau sterbend nach seiner Wohnung gebracht, wo er alsbald ver- tarb. Das Auto, aus dem der Mordanschlag )crübt wurde, ist angeblich nach der Stadt ge- ahren. Eine Rümmer konnte nicht festgestellt werden. Des weiteren wird bekannt, dah auf den Minister vier Schüsse aus einer Para- bellurnpistole abgefeuert wurden; außerdem wurde eine Handgranate ohne Zeitzünder geworfen. Das Auto fuhr etwa tausend Meter hinter dem Wagen des Ministers her. Zwei Personen sahen rm Fonds des Wagens, der Chauffeur vom. Die Schüsse sollen von dem größeren der beiden Männer, der links saß, abgegeben worden sein. 'Beide Personen sind b ar t l o S. Die Täter sind drei jüngere Leute von etwa 25 bis 30 Jahren. Sie trugen Lederanzüge, Lederkappen und Autvbril- len. Der Wagen ist ein dunkelgefärbter, viersitziger Privatwagen. Berlin, 24. Juni. (Wolff.) Heber das Attentat erfahren wir noch von anderer Seite: Rathenau fuhr in Begleitung einer Dame in einem Privatauto, das von seinem Chauffeur gelenkt wurde, die Königsallee entlang in der Richtung auf Halensee. Aus einem vorbeikommenden Auto, das angeblich von drei jungen Leuten besetzt war, sollen mehrere Schüsse abgegeben worden sein. Ra - thenauwarsoforttot. Die Leiche wurde nach der Wohnung tranSporttert. Rach einer weiteren Meldung soll nach Abgabe der Schüsse noch eine Handgranate geworfen worden sein. Zeugenvernehmungen. Berlin, 24. Juni. (Wolff.) Zu dem Attentat auf Rathenau wurden bereits einige Zeugen vernommen. Rach den Aussagen wurde der Minister um 10.50 Uhr ermordet. Die Täter, es sollen insgesamt vier Personen in Frage kommen, saßen in einem bläulichen Auto, das nach dem Attentat in der Richtung Schmargendorf davonfuhr. Sämtliche Insassen hatten Autokappen über die Gesichter gezogen, um sich so unkenntlich zu machen. Das Auto ist zuletzt 'm der Warm- brunncr Straße gesehen worden. Eine MMon für Ergreifung der Täter ausgesetzt. Berlin, 25. Juni. (WTB.Z Aut die Ergreifung der Rkördcr Rathenaus sind vorläufig 300 000 Mark ausgesetzt worden. Berlin, 24. Juni. (WTD.) Der Polizeipräsident veröffentlicht über die Ermor- Berlin. 24. Jmn. (Wolff.) Der Reichs, Minister des Aeußern Dr. Rathenau wurde heute vormittag in 11. Stunde, während sein Auto die KönigSallee in dem Villenviertel in Grünewald passierte, auf der Kreuzung der Grdener» und der Wallotstraße erschossen. Die Täter haben in einem Kraftwagen die Flucht ergriffen. Tine von der Kriminalpolizei gebildete Mordkommission hat sofort die Verfolgung der Täter übernommen, nachdem bereite eine Streife der Schutzpolizei unmittelbar nach dem Attentat das AutomobilderTäterverfolgt hatte. Drei Männer sotten sich in dem Kraftwagen befunden haben. Diese haben bei dem Heberholen des Autos des Reichsminifier« etwa 10 Schüsse abgegeben und außerdem eine Stielhandgranate ge- schleudert. Gin Schuß, der Dr. Rathenau durch den Mund ging, war tödlich. Der Ort der Tat war um die Stunde des Attentats sehr wenig belebt. abgegeben worden!" Darauf erhebt sich lauter Widerspruch Bon allen Seiten wird gerufen „Pfui, die Mörderbandei" Der Strauß wurde von Menschen Der Beginn der heutigen Sitzung verzögerte Rachwirtung des Attentats auf Präsident Loebe fuhrt aus: WaS diese Szene berrorgerufen hak, ist eine Tat von solch ungeheuerlicher Grausamkeit und Roheit, daß sie uns das Blut in den Adern aus wallen macht. Wer roaren die Meuchelmörder? (Stürmische Zurufe von der gesamten Linken „Dort sitzen fiel"! Ich brauche der Trauer und dem Entsetzen, das dieser Mord hcrvorgerusen hat, nicht Ausdruck zu gebert aber es steht mehr auf dem Spiele auf dem Spiels steht das deutsche Land das deutsche Boll und die deutsche Ehre. Die Täter- Haden einflußreiche Helfer. (Bon den Kommunisten wird bei diesen Worten lärmend auf die Rechte hingewiesen.) Sie haben eine Organisation von Mördern hinter sich, die sie schützen und die sie für ihre Taten bezahlen. Anders wäre dis Tat nicht möglich gewesen und das Blut des Ermordeten falle auf die, die zu dem Morde aufreizten. Es falle auf die, die frühere Anschläge, wenn sie nicht gelungen sind, verspotteten und auf die, die die Opfer zu besudeln bestrebt warst». Seit zwei Zähren habe ick versucht, mein Präsidentenamt in aller Hnparteilichkcit zu erfüllen, aber aus dieser Unparteilichkeit heraus darf ich lagen, dieser Stuhl Rathenau- stände heute nicht leer, ohne die schamlose Hetze gegen die Manner, die an der Spitze der Regierung stehen. Hier hat eine Presse bewußt gehetzt, bis. zu dem Attentat auf Scheidemann, das nicht gelungen ist und weiter gehetzt bis heute, wo das Attentat gelungen ist, und es scheint keinen -Schatz dagegen zu geben. Die Täter haben Helfer, die ste verschwinden (affen und immer wieder von neuem, schützen. Einer nach dem anderen wird taltblütlg ermordet. Dieses Wal hat der Mordstahl den Mann getroffen, der auf dem besten Wege toar,. die Fäden wieder alszulnüpfen, die der Ärlcg zerrissen hatte, und der dabei den ersten Erfolg auf« wies. Sie haben dem Manne ihren Dank ausgesprochen. der sich persönlich eingesetzt hat, um dem Lande und dem Bolle zu dienen. Sie haben Ihr Delleid bezeugt der betagten Mutter, der . deutsche Patrioten" den Sohn vor die Füße fegten. Möge das deutsch-- Bolk and) diesen furchtbaren Stoß überwinden. Die Abgeordneten der Linken brachen nach Beendigung dieser Rede in den Ruf auS: Es lebe Dung Rathenaus eine Bekanntmachung, in der die Belohnung für die Ergreifung der Täter auf 1 Million Mark rauschten die Reden der Staatsmänner, der cche- mals feindlichen Staaten an unseren Ohren vorbei. Da erhob sich unser Freund Dr. Rathenau und aus seinem Munde kamen edle Worte, getragen von höchster humanitärer Gesinnung. Seine Worte der Verständigung haben auch die Herzen derer erobert, die uns bis dahin vielleicht in starker Abneigung gegenüberstanden. Man hat seinen Worten in diesem Palazzo Reale mit großen, Interesse gelauscht, unb ein nie gehörter rauschen der Beifall dankte dem Manne, der über die Grenzpfähle seiner Ration hinaus der Welt den .Weg der wirtschaftlichen Derständigung und damit zum Frieden gezeigt hat. Run liegt er tot vor uns. Er fiel nicht nur für sein Volk, er fiel um die Menschenversöhnung Wehe aber denen, die dieses große Wmck der Versöhnung durch diesen Word/ störten. Daä.Werk darf nicht unterbrochen werden, denn es ist das Werk der Rettung unseres Volkes, aber auch der Rettung von ganz Europa. Gewiß hat Dr. Rathenau viele Gegner gehabt. Ich weiß nicht, auf wessen Gegnerschaft er gestoßen ist. Aber von dem Augenblick an. too er öffentlich in den Dienst deS deutschen BolleS und ter deutschen Republik trat, hatte er nicht nur Feinde, da hatte er Todfeinde. (Zuruf links: Helfferich!). Dieses Werk, daS er sich vorgesetzt bat, die Rettung des deutschen Volkes unter der Staatsform der Republik darf durch diesen Mord nicht unterbrochen werden. (Dcisall.) Jin Gegenteil, alle republllanischen Deutschen, die eS gut meinen mit dem Vaterlands und ihrem Bolle, werden aus diesem Word die größte Kraft schöpfen, mit denen abzurechnen, die unterem Volke den Tod bringen wollen. (Stürmischer Deisall und Händeklatschen vom Zentrum bis zu den Kommunisten.) Die Arbeiterschaft hat in den bitteren Tagen, wo das Chaos über uns hinwegging, keinem, der der alten Staatsform treu geblieben war, auch nur ein Haar gefrümniL Gegen die Männer, die in diesem neuen Staats- wesen dienen, wird ein Gift mit Millionen Geld in daS Volk hineingegossen. Von Königsberg bis Konstanz bedroht eine Mordhetze unser Vaterland. Der tote Freund, den wir kannten, hat gegen die, die ihm als Mrderer der Republik und Bahnbrecher einer Verständigung der Völler angegriffen haben, nie ein böses Wort gesprochen. Er hat nicht nur mit den Lippen verziehen, ep hat auch mit den Herzen allen denen verziehen, die ihn geschmäht batten. Er war eine kindliche Seele. Roch gestern hat er den ihm angebotenen Schutz neuerbin gd abgelehnt. Wenn wir einen Staatsmann« und Freund verloren haben, wenn das Doll einen großen Sohn verloren hat, wollen wir aus dieser entsetzlichen Tat noch das ®me lernen: Verehrte Herren von rechts, so. wie es bisher ge gangen ist. geht es nicht mehr! kann die Sitzung noch nicht eröffnen, da der Aettestenrat noch beisammen ist. Ich muß Sie aber dringend bitten, daß Tällich- feiten in diesem Saale unterbleiben. (Große Unruhe links und fortgesetzte Zwischenrufe: Raus mit den Mördern!) Ich möchte alle Parteien bitten, den Sitzungssaal zu verlassen, bis die Sitzung anberaumt ist." Eine ganze Anzahl Abgeordneter folgt der Mahnung des Präsidenten, es bleiben aber immer noch erregte G. uppen im Saale zurück. Um 12.40 Uhr ist die Sitzung imn^er noch nicht eröffnet. Zu diesem Zeitpunkte kommt durch eine ßeitentür der Abgeordnete Mntcrleitner (U) mit einem Strauß von Rosen und Eichenblällern mil einer langen seidenen Schleife in schwarz-wreih-roten Farben. Gr ruft dabei laut in den Saal: „Dieser Strauß ist für den Abgeordneten Helfferich umringt, die ihm mit drohenden Fäusten immer wieder den Ruf: „Mörder!" inS Gesicht fchleu- schleuderten. Der 2lbg. He rg t (Dntl) versuchte die erregten Abgeordneten der Linken von Helf- serich abzuwehren, auch einige andere Deutsch- nationale stürzten hinzu Helfferich verlieh darauf den Saal und die Sitzung wurde abgebrochen. Die Vollsitzung. Bewegte Tagung des Reichstags. Derlin, 24. Juni 1922. Eine erregte Szene im Steucransschuß Der Steuerausschuß des Reichstages beriet den Gesetzentwurf über dis Zwangsanleihe weiter. Plotzlichwurde die Rachricht bekannt, daß Rathenau ermordet worden sei. Die Abgeord- neten Hartleb (S.) und Bernstein (S.) springen darauf auf und rufen dem gleichfalls sich erhebenden Abeordneten Helfferich (Dntl.) zu: „Sie sind der Mörder, das ist die Wirkung ihrer gestrigen Rede!" Helfferich versuchte nun den Sitzungssaal zu verlassen, er wurde aber von den Abgeordneten der Linken wen ist, ausgestalten im sozialen ©elfte. Mein Mahnruf von Biberach: „(Sorgt dafür, baß im Deutschen Lande die Mordatmosphäre vrruck- geht", war vergebens Ich rufe alle, die zim Schutz wahrer Freiheit und Bürgerlicher Auffassung bereit sind, auf: „Schützt die RepiblU und unser teures gutes deutsches Vaterland!" (Stürmischer Difall und Händ. latschen.) 3lbg. Dittmann (USP.): Zur Geschäftsordnung: Die Zentrale der unabhängigen Partei ^ot verbürgte Nachrichten, daß der f-.ige Mord das Signal zum Sturze dec Republik ist. 3n der ersten Nacht nach der- Ermordung eines Ministers sollen die monarchistisch mlitärischen Verschwörer ohne weitere Benachrichtigung losschla-- gen. Abg. Müller (Soz.) beantragt öffentlichen Anschlag der Bede des Reichs- Kanzlers. Abg. Adolf Hoffmann (USP.) dehnt dies aus auf die Rede des Präsidenten. Mit Ausnahme der D:u schnationalen und der Mehrheit der Volkspartei stimmen sämtliche Parteien den Anträgen zu. Nächste Hitzung 61/2 Uhr. Schlusj gegen 4 Uhr. Ein Ausruf der Reichsregierung. Sitzung vom 24. Juni, nachmittags 7 Uhr. Der Sitzungsbeginn verzögert sich bis 8 Uhr. Die Tribünen sind stärker beseht als in der Vor- mittagssihung. Auch die Diplomatenloge ist voll besetzt. Präsident Lobe gibt zu einer Erklärung das Mort dem Reichskanzler Dr. Wirth. Reichskanzler Dr. Wirth: Die Rcichsregie- rung richtet an das deutsche Volk folgenden Aufruf und Mahnruf: Die Republik ist schwer bedroht durch eine ruchlose und nichtswürdige Verhetzung, die die Diener der Republik für vogelfrei erklärt. Ein Netz von Verschwörungen arbeitet hinter dem Mord an Rathenau. das nur ein Glied in der Kette wohlvvrbereiteter Anschläge gegen die Republik ist. (Lebhafte Zustimmung.» Erst sollen die Führer der Republik getroffen werden, dann die Republik selbst. Die Beleidigung der Republik muh durchgreifend geschehen. Dem Terrorismus und Nihilismus, der vielfach unter dem Deckmantel nationaler Gesinnung auftritt, darf nicht mehr mit Nachsicht begegnet werden. Da Gefahr- im Verzüge ist, mutz schnell gehandelt werden. Die Regierung hat deshalb dem Reichspräsidenten empfohlen, von seiner verfassungsmäßigen Befugnis Gebrauch zu machen und durch eine Verordnung den Schuh des Staates und der Revublik und des Lebens seiner durch politische Mordorgonisationen b.drohen Vertreter zu sichern. Die Regierung wird für deren strengste Durchführung Sorge tragen und sofort eine Vorlage der gesetzlichen Vorschrift entsprechend einbringen, um der moralischen und politischen Zersetzung Eirhr.lt 51 gebieten. Die Reichsregierung versteht die Erregung des Volkes und bedauert die wirtschaftlichen Rückschläge eines solchen Wahnsinns, der die arbeitenden Klassen am meisten trifft. «Sehr wahr links.) Die Reichs- regieruna hofft, das) das deutsche Volk in seiner »verständlichen Erregung sich nicht zu Schritten verleiten läßt, welche di- wirtschaftlichen und politischen Schaden noch vermehren würden. Sie erwartet vielmehr, daß das beutfdje Volk sich hinter die Regierung stellen wird und richtet daher an die Beamtenschaft, an die Arbeiter aller Parteien und an das ganze freiheitliche Bürgertum die ernste und dringende Mahnung, in Not und Gefahr zusammenzustehen. Es lebe die Republik! Die Reichsregierung. (Beifall.) Die Rcichsregierung har dem Reichsprästden- ten empfohlen, von seinen verfassungsmäßigen Rechten des Artitels 48 der Reichsverfasfung 'Gebrauch zu machen. Der Reichspräsident, der sofort nach Berlin zurückgekehrt ist, hat sich entschlossen, eine Verordnung zmn Schutze der Republik zu erlassen, durch die auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung der Ausnahmezustand verhängt wird. (Von der Linken werden mit besonderem Beifall die Bestimmungen begrüßt, wonach Beschimpfungen der Republik und der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge bestraft werden sollen. Als der Reichskanzler mitteilt. daß der neu eingerichtete Staatsgerichtshof für die Republik dein Reichsgerichtan^eglie- dert werden soll. LDm.men von der äußersten Linken Rufe der Enttäuschung, die sich in Beifall umwandeln, als mitgeteilt wird, daß neben drei Berufsrichtern vier von dem Reichspräsidenten ernannte Laienrichter den Staatsgerichtrhof bilden sollen. Aus der zweiten Verordnung werden mit besonderem Beifall von der Linken die Stellen begrüßt, die das Verbot der auf den 28. Juni einberufenen Kundgebungen gegen den Friedensvertrag und das Verbot aller Regimentsfciern ousdrücken.) Präsident Lobe erbittet und erhält die Ermächtigung, die nächste Sitzung auf morgen, Sonntag mittag 12 Ähr, einzuberufen. Schluß 81 . Uhr. Ein deutschnaLionaler Schriftführer im preußischen ßanMag von seinem Platze vertrieben. Berlin, 24. Juni. 155. Sitzung am Samstag, 24. Juni, vvrm. 11 Uhr. Weiterberatung des Haushalts des Finanz- vrinisteriums. Während der Ausführungen des ersten Redners Abg. Dr. Berndt (D.) unterbricht der Vizepräsident' von Gries die Ausführungen des Redners mit der Mitteilung, daß der Reichsminister des Aeuhern Dr. R a t h e n a u ermordet worden sei, und vertagt darauf das Haus. Es entsteht auf allen Seiten der Kammer große Aufregung. 'Bald darauf besteigt der Abg. Meier (11, die Tribüne und ruft mit schallender Stimme in den Saal: Escherich, von der Tann, Professor Schlösser, v. Reichert und v. Reichenberg sind heute früh im Hotel Kaiserhof abgestiegen, das ist die Gegenrevolution!" (Ungeheurer Lärm links. Einzelne sozialistische Abgeordnete gehen drohend zu der Rechten hinüber und rufen: „Wartet, ihr Mvrdbuben, wir werden es mit euch ebenso machen!" Andere rufen: ..Raus mit den Mördern!") Als gegen 3.4 vor ein Uhr das Zeichen zum Besinn der Sitzung ertönt, nimmt der deutschnativnale Abgeordnete Oelze seinen S ch r i f t f ü h r e r p l a » am Präsidi im ein. Sofort erhebt sich tosender Lärm und die linksgerichteten Abgeordneten rufen: „Herunter mit dem Mordbuben, wir wollen keinen Deutschnationalen am Präsidium." Unter Füh- rung des Abgeordneten Meier (11) stürzen sich die Abgeordneten nach dem Präsidiumstisch, um den Abgeordneten Oelze herunterzuholen, wahrend sich Mitglieder der Rechten sich ihnen ent» gegenwerfen, um ftc von dem Präsidiumstisch abzudrängeir. Zieht erscheint der Präsident Leine r t, der die Versammlung zur Ruhe ermahnt und den Abgeordneten Oelze ersucht, angesichts der großen Erregung seinen Platz zu verlassen. Dieser verläßt darauf seinen Schriftführerplatz mit den Worten: „Auf Ihren Wunsch, Herr Prast- bent, gehe ich!" Präsident Leinert eröffnet darauf die Sitzung mit bewegten Worten Über das furchtbare Verbrechen gegen Rathenau. Zudem er hervorhvb, daß diesem Morde, dem zweiten an einem Reichsminister, zweifellos politische Beweggründe unterliegen, gedachte er der Hoffnungen, die das deutsche Volk auf Rathenau zu ctjen berechtigt gewesen ist. Der unauslöschliche Dank des deutschen Volkes gebühre ihm für seine von Erfolgen gefrönte Tätigkeit als Minister des Auswärtigen. Dieser Word zwinge zu der lieber» Zeugung, daß die Republik tatsächlich in Gefahr' ei. Es sei notwendig, diesem schändlichen Treiben gegen die vorn Vertrauen des Volkes getragenen Minister endlich ein Ende zu machen. Ausgabe des ganzen Volkes sei es, sie vor den Meuchel- morbern zu schützen. Der Präsident schlug dein Hause vor als Zeichen der Trauer die Sitzung ür heute abzubrechen. Das Haus hatte die Worte des Präsidenten stechend gehört. Namens der ozialdemokratischen Partei erklärte Heilmann sein Einverständnis mit der Vertagung. Namens der Unabhängigen Partei und der Kommunistischen Partei riefen Rabold und Katz die Arbeiterschaft zu rücksichtslosem Kampf gegen das monarchistische Verbrechergesindel auf und verlangten die Schaffung von wirksamen Mordgesehen. Heß (Z.) erklärte, es fehlten die Worte, um der tiefen Empörung und der schweren Besorgnis wegen der Folgen, die dieses Verbrechen innenpolitisch und außenpolitisch haben könne, Ausdruck zu verleihen. Als nächster Redner soll W i n k l c r (D.-N.) das Wort erhalten. Es erhebt sich ein ungeheurer Lärm. Der Präsident versucht immer wieder, dem Abgeordneten Gehör zu verschassen, muß aber schließlich aussprechen, daß es unmöglich sei, Winkler sprechen zu lassen. Darauf verlassen sämtliche Deutschnationalen den Saal. Kahle (D. Dpt.) führte aus, auch seine Partei spreche ihr tiefstes Bedauern aus. Immer wieder werde die Entwicklung des Vaterlandes von Wahnsinnigen, die nicht verstehen, was allein uns helfen kann, gefrört. Es mühten Mittel und Wege gefunden werden, unser Vaterland von diesem Wahnsinn des politischen Mordes zu befreien. P r e u ß (Dem.) erklärte, wolle man unser unglückliches Vaterland nicht völlig in den Abgrund stoßen -lassen, so werde gerade nun in ernsterer Weise, als es nach dem Verbrechen an Erzberger geschehen sei. auf geordnetem Wege ein durchgreifender Schutz für die Republik geschaffen werden muffen. Nachdem Leinert noch namens des Landtags der Demokratischen Partei sein herzlichstes Beileid ausgesprochen hatte, wurde die Sitzung geschlossen. Beerdigung Rathenaus ans Reichskoften. Berlin. 26. Juni. Wie die „Montagspost" meldet, hat das Deichskabinett beschlossen, daß die Beerdigung Rathe- naus auf Deichskoften erfolgen soll. Die Leiche des Ministers wird Montag abend im Reichstag aufgebahrt werden. Dienstag nachmittag findet unter Teilnahme der Reichsregierung und des Reichstags die Beisetzung statt. Die Reichswehr bildet Spalier. Die Leiche Rathenaus wird nach dem Erbbegräbnis der Familie in Oberschöneweide gebracht werden. Kundgebungen. Berlin, 25. Juni. (Wolff.) Anläßlich der Ermordung Rathenaus versammelten sich heute vormittag im Lustgarten etwa 250 000 Mitglieder der drei s 0 z i a l i st i s ch e n Parteien und der 12 republikanischen demokratischen Verbände zu einer großen Kundgebung für die Republik. Der Aufmarsch bot das bekannte Bild. Nach ein-, halbstündiger Dauer war die Demonstration beendet und die Massen zogen in bester Ordnung zwischenfalloS ab. Berlin, 26. Juni. Am Tage der Beerdigung Rathenaus werden, wie die Blätter melden, in Berlin uitü im ganzen Reich die Angestellten, Beamten und Arbeiter durch halbtägige Llrbeitsruhe und große Kundgebungen protestieren. Verhandlungen mit dem Reichspräsidenten. Der ^Vorwärts" meldet: 'Vertreter der Vorstände des Allgemeinen Deutschen Ge- werksschaftsbundeS, drs Afa-Bun- des, der Sozialdemo kratischen Partei, der Anabhängigen und der Kommunisten traten Sonntag nachmittag zu einer Besprechung zusammen, in der die politische Lage und die zu ergreifenden Maßnahmen, insbesondere die Verordnung des Reichspräsidenten und das zu erlassende Gesetz zum Schutze der Republik erörtert wurden. Eine 'Abordnung begab sich zur Reichsregierung, um dieser zunächst einige der dringenden Forderungen bezüglich der Verordnung des Reichspräsidenten zu unterbreiten. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Verbote der sächsischen Regierung. Dresden, 24. Juni. (Wolff.) Der Staatskanzler teilt amtlich mit: Auf Grund des Art. 48 der Reichsverfassung hat das Gesamtministerium monarchistisch-nationalistische Veranstaltungen und Kundgebungen jeder Art bis auf weiteres verboten. Lutter das Verbot fällen besonders auch Regimentstage und Somtwendfeiern. Die schändliche Ermordung Rathenaus ist dazu angetan, die verfassungstreue Bevölkerung Sachsens um so mehr zu erregen, als sie durch die häufigen nationalistisch- monarchistischen Kundgebungen der letzten Wochen schon schwer beunruhigt ist. Girr Nachruf des Auswärtigen Amtes D e r (i n, 25. Juni. (WTD. »Amtlich wird miigeteitt: Das Auswärtige Amt sieh: sich durch den an seinen Minister verübten Oliorb jäh und unerwartet des Ehefs beraubt, der in den wenigen Monaten feiner Amtsführung sich nicht nur Bewunderung sür sei e überragende Begabung erworben, fonbern auch die Herzen feiner Beamten und Angestellten gewonnen Hal Qltit großer internationaler Erfahrung und bem Verständnis fremder Völker verband sich bet ihm ein treues und tapferes Deteimtnis zu deutscher Art und zum neuen Deutschen Reich, so daß er wohl berufen erschien, Deut sch and wieder in die durch den Krieg zerrissene Gesellschaft der Völker zurück- zuführen. Die ihm näijergetreten fi d, tre. den auch der persönlichen Züge feines Wesens stets gedenken: feiner Güte feinet Wohlwollens gegenüber allen Angehörigen des Amts, feiner gewinnenden und liebenswürdigen Art im amtlichen und persc^i ichen Verkehr, seines starken sozialen Empfindens und seiner echten Freundestreue. Mit tiefer Wehmut scheidet das Auswärtige Amt von seinem Ches, in dem es einen reinen und großen Menschen ehrt. Rathenau und Sünnes als Gäste des amerikanischen Botschafters. Berlin, 26. Juni. Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" mitteilt, brachte Rathenau den gestrigen Abend dis in die erste Morgenstunde als Gast besamerikanischen Botschafters Hougthon in der amerikanischen Botschaft zu. Unter den Geladenen befanden sich auch Hugo Sünnes, den Rathenau in feinem Automobil nach helfen Berliner Wohnung fuhr. Dorr trennten sich beide Herren gegen 2 Uhr und wohl erst eine Stunde später ging der Minister zur Rahe. Lvucheur über Rathenau. Paris, 25. Juni. (Wolff.) Havas. 3m „Echo öe Paris" berichtet Marcel Hütin von einem Gefpräch mit Lvucheur anläßlich der Ermordung Rathenaus. 3n Wiesbaden drückte der deutsche Staatsmann im August letzten Jahres dem französischen Minister gegenüber die Ueberzeugung aus, daß ihm in kurzer Frist ein gleiches Schicksal wie Erzberger beschert sein werde. Die Nachricht von dem Mord hat also den ehemaligen Oltinifter der zerstörten Gebiete, Lvucheur, nicht weiter überrascht. Er erklärte, daß er, der sein Partner im Lause der arbeitsreichen Verhandlungen gewesen sei, eine der brauchbarsten Intelligenzen bargestellt habe. Es war ihm gegeben, sagt Lvucheur, Rathenau als einen äußerst gebilbeten Menschen unb als Soziologen kennen zu lernen, ber mit ber Klarheit bes Geschäftsmannes bie germanische Nebelhaftigkeit verband. Als ich mit Rathenau verhandelt hatte und wir mit ihm in Wiesbaden fertig waren, hatte er 10 Aber. Er war in dieser Zell sicherlich für bi» Ausführung des Vertrages, aber seine Hoffnung hatte sich indessen immermehr gesondert. Im Dezember, als die in Rammen stehende politische Lage ihn zum Rücktritt zwang, hat Lauch eur Rathenau ermahnt, Deutschland feiner ebenso idiotischen als auch für Frankreich nachteiligen Finanzpolitik zu überlassen. Diese Worte machten ben beutschen Minister betroffen, aber sie hatten keinen Grund zu dem Widerstand und ber Vor- eingenommen^eii gegeben bie Lvucheur als augenscheinlich betrachtet. Lvucheur antrrwrtct auf die Frage nach dem möglichen Zusammenfällen des Mordes mit dem Äbtammensabschlnß von Wiesbaden, baß bie Abkommen von Wiesbaden mir einen unbebeutenben Nebenumstanb für den Tob Rathenaus bebeutet haben. Aber das beweist, daß alle diejenigen, die in Deutschland eine Politik ber (Erfüllung treiben wollen, ja selbst bie maßvollen sich abschlachten lassen müssen. Die Wahrheit iß, baß bas uns zeigt, bah Deutschlanb vor einet Revolution steht. Poiucar^s Beileid. Paris, 25. Zuull (WTD.) Ministerpräsident Poincare hat heute nachmittag dem deutschen Botschafter Dr. Mayer sein Beileid anläßlich der Ermordung des Reichsminifters für auswärtige Angelegenheiten, Dr. Walter Rathenau, aussprechen lassen. Lloyd George über Rathenau. London, 25. Juni. (WTB.) In einer Ansprache in der Walliser Daptistenkapelle zu London sagte Lloyd George heute nachmittag : Rathenau war einer der fähigsten Minister Europas. Er tat sein Bestes, um die guten Beziehungen zwischen seinem Lande und den anderen Nationen, denen Deutschland Unrecht zugefügt hatte, wieder herzustellen. Er tat fein 'Bestes, und deshalb wurde er ermordet. Ich kann nur meinen tiefsten Abscheu aussprechen über das Verbrechen und dem Vertrauen Ausdruck geben, daß Deutschlandnrchtleidenwird unter d e m U n r e ch t, daß diese Leute ihrem Lande zugesügt haben. Aus Dem Reiche. Ucberfaü auf einen Beamten der Reparationskommission. Berlin, 24. Juni. (Wolff.) Vergangene Nacht wurde vor seinem Wohnhause der Franzose Jean G 0 w a r d, Beamter dec Reparationskommission, von mehreren Männern überfallen und zu Boden geschlagen. Goward vermißt eine Brieftasche mit 8000 Mark Inhalt. Er ist so schwer verletzt, daß er in das Krankenhaus geschafft werden muhte. Eine demokratische Interpellation gegen Die Lüge von der Kriegsschuld. Berlin, 24. Juni. Von ber bernokritisch e n Fraktion bes Reichstags ist folgcrbe Interp'lll-tion cvigebradjt toorben: „Die w i offen Kreis ? un er s Volkes sind erfüllt von dem unwiderstehlich-en Verlangen, bah ber Vorwurf ber alleinigen Schuld am Kriege vorn deutschen Dolle genommen wirb. Es handelt sich dabei nicht nur um bie Erschütterung des Versailler Vertrages, um wirtschaftliche Erleichterungen, sondern vor allem um eine ethische Frage ersten Ranges. Es tarn nicht Friede unter ben Vollem worden, solange nicht bie Wahrheit über bie Schuld am Kriege fest gestellt unb vor allen Völkern anerkannt wirb. Der Prozeh Fechenbacb in München hat diesem 'Verlangen des deutschen Volles neue Nahrung gegeben. Regierungen beutscher Länder, u. a Württembergs unb Hessens, haben bie Behandlung der Frage durch Li R.idsregiermg für gebeten erklärt. Ferner muh in diesem Zu- ammenhange ber Ausspion ierung unb Bespitzelung Den tschlo nd s Erwähnung geschehen. Von französischer Seite, u. a. von dein Lager Griesheim bei Darmstadt wird eine planmäßige Spionage organisiert, die Material über bie Böswilligkeit Deutschlands liefern soll und vvr keinem Mittel zurückschreckt. Auf diese Weise wird das Verhältnis der Nationen, bas am Vertrag vvr Versailles genugsam leibet, noch weiter vergiftet. Wir fragen an: 1. Ist bie Reichsregierung bereit, für Aufklärung ber Kriegsschuldfrage Sorge zu tragen und ben in diesem Sinne an- gestellten Bemühungen von Orgarrifadonen unb Privaten ben nötigen Nachdruck zu verleihen? 2. Will sie Einspruch gegen bie Spionage bei ben zuständigen Stellen erheben? Aus Hessen. Erleichterungen für das Handwerk. Die Hessische Handwerkskammer schreibt uns: Im Zusammenhang mit ben Bestrebungen ber Hanbwerkskammer, bei ben gegenwärtig bestehenden ungeheuren Schwierigkeiten in ber benötigten Geldbeschaffung Erleichterungen für bie Handwerker herbeizuführen, hat bie Staatsbauverwaltung nach vorausgegangenen Derhand- hingen ihre untergeorbneten Behorben unb Beamten angewiesen, für bie Dauer ber gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnisse bei Vergebung von staatlichen Lieferungen und Leistungen von ber seither vor geschriebenen Stellung einer Sicherheitsleistung burch ben Un ter - neunter allgemein abzusehen. Bestehen Be- benfen gegen bie Zahlungs- unb Leistungsfähigkeit, ober ist im Einzelfall eine Benachteiligung ber staatlichen Interessen zu besorgen, so kann eine Kaution von höchstens 2 Prozent der Vertrags summe geforbert werben. Um angesichts ber herrschenden Kapitalnot bem Bauhanbwerö bie flüssigen Betriebsmittel zu erhalten, sind nunmehr Vorschußzahlungen ber Bauverwaltung zur sofortigen Ermöglichung des Anlaufs ber Baustoffe auf entfprechenben Antrag vorgeschrieben. Das Eigentum ber so erworbenen Baustoffe ist an ben Staat zu übertragen, ober ein staatliches Pfandrecht zu bestellen. Tie Baubehörden finb ferner angewiesen, Anträgen auf Abschlagszahlungen im Verlauf des Baufortg angs zu entsprechen und die Prüfung unb Anweisung ber nach Fettigstellung ber Arbeit vorgelegten Rechnungen soweit wie möglich zu beschleunigen Aus Stabt und Land. Gießen, ben 26. Juni 1922 Wettervoraussage für Dienstag: Wechselnd bewölkt, strichweise Regen, westliche Winde. Ern kräftiger Tiesbmckwirbel über ber Nord- ec beherrscht noch immer unsere Wetterlage. -» •" Gießener Goethe-Feier. In dem mit frischem Grün unb Gvctbebildern festlich gc chmückten Saale des Gesellschastsvcreins voran faltete ber Gvethe-Bunb anläßlich seines 8. Stiftungsfestes unb zur Erinnerung an das Wetzlarer Gvethejahr 1772—1922 unter starker Beteiligung eine Morgenfeier. Der junge Goethe. Sri. Karla Keller vorn Kurtheater in Bab-Nauheim gab mit feinem Verstänbnis Stimmungsbilder aus ber Iugenbzeit Goethes von feinen letzten Schuljahren, feiner Stubienzeit in Leipzig unb Straßburg unb seiner Tätigkeit am Wehstirer Kammergericht in einer gut zu- ammengestellten Reihe von Dichtungen toieber. Herr Professor Henle verstaub es, in feinsinniger Form burch feine Musikvorträge am Flügel, Brahms Intermezzo op. 118 Nr. 1 unb die Rhapsodie op. 119 bie für eine solch» literarische Morgenanbacht erforberliche Stimmung hervor- zumsen unb ebenso ben älcbergang vom ersten zum zweiten Teil ber deklamatorischen Darbietungen herzustellen, wie auch bie Feier mit ber Sonate in ii-NLoll von Chopin op. 58 vor allem mit ihrem wuchtigen Finalsatz ausllingen zu lassen. In ber Festansprache, bie ben Mittelpunkt bes Festprogramms bilbctc, schilderte Herr Dr. L i st die Bröeutung Wetzlars für bie menschliche Entwicklung bes jungen Goethe. Mit einem kurzen Rückblick auf Goethes Straßburger Zeit unb feinem Verhältnis zu Friederike Brien ließ ber Rebner ben Wetzlarer Goethe vor uns er- stehen. Wetzlar ist für ihn eine Zeit ber Entsagung, ber Selbstbezwingung unb Prüfung. Der Rebner fanb für seine verstänbnisvotten unb fein’ burchbachten Ausführungen reichen Beifall, wie auch ben übrigen Mitwirkenbeii warmer Dank von ben Hörem gespendet, wurde. Dem Goethe- Bund aber sei für diese schone unb genußvoll^ Veranstaltung gebankt mit bem Wunsche, bah ihm weitere Goethefreunbe gewonnen worden finb, bie ben Geist Goethes hinaustragen in unser Volk. 0. Bornotizen. — Tages kalender für Montag. Astoris-Lichtfpiele, ab beute; ..Die Flammen- fahrt des Pacific-Erpreß" unb „Ein Wann der Tat". — Lichtspielhaus, Dah’hofftraße. ab heute: „Bajazzo" unb „Amor am Steuer". — Die Deutsche Volkspartei hält am Donnerstag, ben 29. Juni, 81/2 Uhr abends im „Hindenburg" ihre ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Rechner und der Geschäftefirhrer werden Rechenschaftsbericht geben. Daran cmschließen werden sich Voistandswahl unb Vorbesprechung über die Wahlen zur © tabtoct or bnetcnherfammlung. Gleichzeitig wird sich der scheidende Geschäftsführer Dr. Krause von ben hüsigen Parteifreunden verabschieden 'und sein Nachfolger ein- geführt werben. — Die vereinigten Gießener Frauenvereine laden ihre Mitglieber. wie aus bem heutigen Anzeigenteil zu ersehen ist, noch- mals besonders zu ber Festvvrstellung im Stabttheater zu Gunsten ber wohllätigen Einrichtungen bes Vereins Studentenhilfe ein. Abgesehen von bem wohltätigen Zweck verbient auch bie Aufsührung an sich schon in Hinblick auf ben vaterländischen Gedanken — Verherrlichung bes deutschen Volksliedes — einen allseitigen Besuch Kreis Friedberg. ss. Friedberg, 23. Ium. Die gestrige Stadtverordnetenversammlung genehmigte die Wahl bes FvrtbilbungsschulauSschuf- lnd Land. n, bcn 26.X 1922 mssagc i8tag: ckchlreisc Äegen, W' kvirbel über der Mb- unsere DrtterlM uh in &JI für tOMcr 'n”6 3j- lanba m : a boi »va Ml Sciijt* ' die sSSftif n ^ltniz VE ttArsaillez tftet 5 Semig' -M? äss* «»oÄJt“'- en, )a? Wtoctl Lbntoetr8fammet . den (imm, in ifl Hrleichierungrn für lten> füU die Llaale Mmh- ’ Morben uni 2e, der aegrnrö. ’ ^'/krgebung von Whmgen von h- Fettung unet urchdenLntrr. sehen. Destchw De. c und Qeiftungifäiig: eine 'Senud)teiTigung besorgen, so tau eine Dozent der Vertrags n angesichts der Herr *nbtoetf die flüs halten, sind nunmehr ubertDolhing zur so- Anlaufs der Vaustosse vorgeschrieben. Dar n Saufloffe ist an bei- ein staMches Pfands ubehörben sind ferner f Äbschlagszah^ # ‘Baufortgang« ifunfl und Anweisung ir Arbeit vvrgeleglen «glich zu beschleunigen Dc = Seiet 3n bem ethebildern Mich y ffiÄÄ «ran' Unb anlWch c Erinnerung ■ r e. Mannheim. Zeichnungen Lohnschnitt 5929D in kürzester Zeit. 6030 D Ab heute bi* inkL Mittwoch: | „Bajazzo“ | M nach der gleichnamigen Oper von ■ Leoneaval lo ein herzergreifendes Drama in 5 Akten. fTX In der Hauptrolle: Olaf Fön6. z/a Astoria-Lichtspiele Hauptrolle: Stoffe können zu- gegeben werden- werden, sich an kämpfen des F. D. Wallau am tag entsandte der Gießener 2,95 Festmeter 14,18 28,12 46,24 9L7 2,22 1,18 0,44 0,09 Sonn- 1900 Mögensverwaltung ihre Pflicht gegen Stadt Wiesbaden nicht erfüllt habe. „ 5. Lärche 5. aller ArlJör Kleider,Decken,ten, Handarbeiten aller Art, Gardinen dsv. werden 59i8c schnellstens aosgelührl QT/odchcus Qalomon, Die glückliche Geburt eines strammen Sonntagsjungens zeigen hocherfreut an er seine Schuhe lieb hat, Fichten 3. Klotze „ 4. „ „ 5a „ » 5 b „ Fichten-Derbstangen Kiefern 3. Klaffe seine 2.Aennrnannschäft, nerftärft durch AWallenfels. und feine 1. Zugendrennrnannschast. - Die Jugend gewann die 3x200-Meter- Staffel in der Besetzung M. Fischer. Birkenstock und Lange mit 70 Meter vor V. f. D. Marburg und Wallau. Sigurd Lange wurde mit 119 Punkten 1 Sieger im Dreikampf der Leistungen: 100 Meter in 12,9 Sek., Standweitsprung Oeffnung der Angebote bekannt gegeben Wegen Besichtigung des Holzes wolle man Forftwart Pauli wenden. Langsdorf, den 24. Juni 1922. Bürgermeisterei Langsdorf. Dender. Heffen-Nastau. Das Snde einer Lokalbahn. fpd. Frankfurt a. M., 25. Juni. Die Frankfurt • Offenbacher Lokal- bahn, die im Derkchr zwischen den beiden Städten von hervorragender Bedeutung ist, soll nach Meldungen aus Berlin nach Offenbach mit Ende Oktober d. 3- ihren Betrieb gänzlich einstellen. Ebenso soll man an amtlichen Stellen bereits in Erwägungen über den Verkauf des eisenbahnfiskalischen Grundbesitzes in Frankfurt und Offenbach getreten sein. Das Gelände wurde seinerzeit vom hessischen Staat für einen außergewöhnlich billigen Preis erworben. Die Bahn war über 50 5ahre im Betriebe. Ferner: O*el Oswald» und Victor Janeen in ihrem neuesten Lustspiel in 5 Akten Amor am Steuer Ab Donnerstag, den 29. Juni: Deutschlands schönster Film Hannele’s Himmelfahrt von Gerhart Hauptmann. Rockenberg - Gießen (Kath. Schwesternhaus) ........................................... Turnen, Sport und Spiel. — Zu den leichtathletischen Wett> Heinz Münch ; und Frau Magda geb. Sprosser Holzsubmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Langsdorf soll nachstehend verzeichnetes Holz auf dem Submisstons- wege verkauft werden: Flexilis-Werke A.-G. Dampfsäge- und Hobelwerk Halsdorf WohrafOberh.) von 8 Zimmern mit Zubehör und Garten oder Mietshaus mit mehreren Etagen, jedoch nicht unter 4 Zimmern und Küche, sofort von Kotza-Küufer zu kaufen gesucht. Bedingung ist jedoch, daß wenigstens eine Wohnung im nitchsten Vierteljahr beziehbar ist. Vermittler J,ll.S.lZrikb ™Ärßflmbfld) M| Fernsprecher Amt Bubbach Nr. 19 Hochschulnachrichlen. * Grnamrt wurde am 21 Zuni der Privat» dvzent Diplom-Ingenieur Professor Dr Johann Dacrwald zu Darmstadt zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor für Physik an der Technischen Hochschule zu Darmstadt. nehme Schahputz lligrin denn er erhält die Sch uh 1 Schwarz, braun, gelb u. weiß. 2,85 Meter, Kugelstoßen 9,30 Meter H. Birke n st o ck blich hinter Lange Zweiter tm Drei» kamvf (100 Meter 13,1 Sei.. Gian breit 2.75 Meter Kugel 9.70 Meters. B. blieb auch 3ttxticr im Sch cubcrbaLtocrfc.t mit 36,6^Meter De t Zugendhochsprung gewann Georgi mit 1.40 Meter, Lange wurde Dritter, auch mit 1.40 Meter (durch Stechen entschieden,. — Die Senioren wurden in der Schwedenstaffel (Ausstellung: Kechem '.00, Wagner 300, Butterow 200, A Wallenfels 100 Meter) 1 Weier hinter Turngemeindc Lüdenscheid!, vor V. s. B. .Marburg. 2L Wallenfels aewann den Fünfkampf überlegen. Insgesamt brachtt der Klub 1900 also 4 erste, 3 zweite und einen dritten Sieg mit Die Zahl der Erfolge der Athletik-Abieckung des Klubs ist damit in diesem Zahre bereits auf über 50 gestiegen. — Wetzlar, 25. Zuni. Das in den Tagen vom 1.—3. Zuli hier ftattfmbcnbc diesjährige Gauturnfest dü, ste zu einer turtterischen Veranstaltung erster Ordnung werden. Zu den turnerischen Wettbewerben hat sich bereits eine große Zahl von Tunrem angemeldet, denen sowohl im Einzel wie im Vereins- und Aiimenwetturncn vor allem aber im McisterschastSturnen die weitgehendste Gelegenheit zur Betätigung ihrer Fähigkeiten und Kräfte geboten ist. Dolks- unb Lchultui-nen wird die Wettbewerbe ergänzen: auch Schwimmer und Radfahrer werden ihre Künste zeigen. Die vereinigten Gesangvereine Wetzlars haben sich dankenswetterweise in den Dienst der guten Sache gestellt und werden die Eml.itung des F ste; durch Massenchb^e schmücken. Auch sonst sind alle Vorbereitungen getroffen, um das Fest würdig zu gestallen. — Der Haupttag der Deutschen Kampfspiele in Berlin verlief btt herrlichem Wetter ohne jepe Störung mh bot ein wundelvollcs, die 30 000 Z^scharer tief bewegendes Bild. Ein unendlicher Strom deutscher Jünglinge und Mädchen, ein geteilt in die verschiedenen Gruppen der Turn- rnd Spottverbände, entgioll mit dem Schlage der dritten Stunde den Ein- marschräuxnei'. und entfaltete sich im Bahnten ter t iefigen Arena. Unter ungeheurem 3 ihet begrüßten die Zuscha ter tu stattlichen Abordnungen der Ausländsdeutschen. Wohlgerichtet umwandctten die Züge 2>m 3nnenra.tm and schwenkten zur Haaptseite hin aitd nebeneinander ein. Samt hielt der Präsident des Attchs- ausschasses, Staatssetretär z. D. L e w a l d, eine Ansprache. Auch die Regierungen des Reiches und der Länder, sowie die fremden Gesandtschaften waren mit den zuständigen Referenten erschienen. Rach dem großen eindrucksvollettWeiheakt entwickelte sich nn Znnenraum des Stadions ein reiches turnerische Leben. Es begannen die gemeinsamen Freiübungen von 4000 Turnern rnd Turnerinnen. Darckn schlossen sich Spiele, Freiübungen. Massenturnen an 50 Barren, Äürt imen am Reck, Hindernislausen. Den Abschluß bildetr das Spiel um die Handballmeisterschaft. Süddcutschland gewinnt den Fußball-Kampfspielpokal. Der erste Teil der Kampfspielwoche wurde am Freitag mit dem Fußball-Endspiel um den Kampfspielpokal zu Ende gebracht. Die Sieger der Zwischenrunde, West- und Süddeutschland, lieferten sich vor recht gutem Besuch ein spannend^ Spiel, das mit 4:1 (0:1) für den Süden endete. 3n der ersten Halbzeit hatte man das Gefühl, als wenn Westdeutschland den Pokal an sich reißen würde. Die Süddeutschen machten einen ermüdeten Eindruck, Ab beete bis ein sohl. Mittwoch: i. Oie Plammenlahrt des Pacific-Eipreö Erlebnisse eines amerikanischen Abenteurers in 6 Akten. 2. Ein Mann derTat Sensations-Schauspiel in 5 Akten. In Vorbereitung: (6090c Edmund Zcharlinski Bina Scharlinski geb. Löb Vermählte Gießen, Steinfttaße 15 Trauung: Dienstag, den 27. Juni, Synagoge Steinfttaße, P/t Uhr Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 *”*0 Fichten-Reisstangen — 0,14 „ Angebote sind getrennt nach Sortiment und Klaffen verschlossen bis Freitag, den 30. Juni d. I., nachmittags 1*/, Uhr an die unterzeichnete Bürgermeisterei einzureichen, woselbst alsdann in Gegenwart etwa erschienener Bieter die Oeffnung der Angebote stattfindet. Mit der Einreichung der Angebote unterwerfen sich die Bieter den Derkaufsbedingungen, welche vor Billen Mls, WM sucht Gagels Immobilien- Zentrale, Toblenz, Löhrftraße 97. 6086c Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungens zeigen an in dankbarer Freude Dr. med. Helmut Schmidt und Frau Luise geb. Roch aller Art übernehmen fpd. Franks urt a. M., 25. Juni. 3n den letzten drei Monaten gingen in Frankfurt etwa 200 Häuser in den Besitz von Saarbewohnern über, meistens Bergleuten, denen die Frankenentlöhnung den Erwerb derartiger Objekte ermöglicht. Auch Amerikaner und Spanier haben sich verschiedentlich schon in Frankfurt anqesiedelt. gn. Eschwege, 22. Zuni. Aus dem benachbarten eichsseldifchen Kalibergwerk Sollstedt wurde vorgestern der Kasfcnbotc der Kaliwerke von zwei Männern überfallen, als er auf dem Wege nach dem Schacht zur Auszahlung der Löhne war. Die Räuber nahmen ihm die gesamten Lohngelder im Betrage von 460 000 Mk. ab. Trotz der von einigen Radfahrern sofort aufgenommenen Verfolgung entkamen die Räuber in einem Walde. Während der Flucht schossen sie auf ihre Verfolger, jedoch ohne zu treffen. Während der vergangenen Rächt gelang es den Landjägern, einen der Räuber in dem Dorfe Bischofferode festzunehmen. Bei ihm wurden 330 000 Mk. von dem Raube noch vorgefun- den; den Rest soll der zweite noch flüchtig« Räuber haben. tob. Wiesbaden, 24. Juni. Bei der gestrigen Beratung des Haushaltsplanes der Stadt Wiesbaden erklärte Bürgermeister Travors, daß die Befatzungsbe- Hörde bisher rund 700Wohnungenb2- schlagnahmt hätte. Demgegenüber hat daS Reichsvermögensamt nur 115 Wohnungen neu erbaut. Er müsse in aller Oeffentlich- keit den Borwurf erheben, daß die Retcbsoer- toaim aber technisch in jeder Beziehung besser, doch fehle Westdeutschland durch energisches und eifriges Spiel alle# daran, den Kampf als Sieger xu beenden 3n der 33. Minute fiel das erste Tor für den Westen, bei welchem Stande eS auch bis zur Pause blieb. Rach dem Wechsel kam die Heberlegenheit des Südens so recht zur Geltung. Schon in der 6. Minute konnte Franz den Ausgleich erzwingen und ein weiteres Tor zwei Minuten später, von Reubauer getreten, brachte den Süden in Botteil. In der 29. Minute gab Seiderer den Ball an Franz ab und dieser verwandelte zum dtttten Tore für den Süden, der bald noch durch ein weiteres Tor seinen Vorsprung auf 4 erhöhte und mit 4: 1 als Sieger au« dem Kampfs - e -Poka tumier ter o gi g. - Da« Fuhball - MeisterschaftS - spiel in Leipzig. Der Spielausscßah des Deutschen Fußball-Bundes hat stch jetzt entschlossen, die Fortsetzung des FußballkampfeS um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem 1 5- ff-. Rürnberg und dem Hamburger Sportverein am 6. August in Leipzig anläßlich der Sinweihang des neuen D. f. B.-Platzes stattfinden zu lasten. — Deutschland- Mannschaft gegen Ungarn. Für den am 2. Zuli in Bochum zum AuStrag kommenden Fußball-Länderkampf Deutschland- Ungarn hat der Spielausschuß des D. F.B. folgende Mannschaft gewählt: Löhrmann (Dpielverw Fürth): Mohns (Rorden Rordwest Berlin). Müller (Hamburg); (Hagen (Sp. Da. Fürth). Teweö (Viktoria Berlin). Riegel (1. F S Rürnberg); Strobel (1. F. E. Rürnberg). Franz (Sp. Dg. Fütth). Jäger (Altona), Träg (1. F. ff. Rürnberg). Esser (Holstein Kiel). — D ie erste Entscheidung in der TenniSkampsspielen. Am Freitag fiel die erste Entscheidung im Kampf spiel tenniStarnier. Die deutsche Mcisterin 3roj F.idleben unt> Frau Reppach lieferten sich im Endspiel der Damen einen barten Kampf, aus dem Frat Friedlrben mit 11/9, 8 6 als Siegerin hervor ging Don Den sonstigen Kämpfen ist vor allem der überraschende Erfolg von Rahe tm Herreneinzelspiel über Froitzheim 6/3. 7 5 hervorzu heben. Rahe spielte äaßerst geschickt, während Froi^heim etwas überanftrengt schien Auch sonst gab eS einige unerwartete Resultate. 3m Gemischten Doppelspiel mißten Fra^ Oleppach- -H. Klei..schroth gegen Frau Käber— DemasiuS 16, 1/6 die Segel streichen und Frau Friedleben verlor mit Kreuzer als Partner den Kampf gegen Frau Galvao Rahe 6/1, 2 6, 3/6. Kreuzer konnte im Einzelspiel gegen Gast 61, 6 1 triumphieren, nachdem dieser den Berliner Lüdtte 12/10, 6 1 b:zwungen h'tte. R. Klein- schroth schlug MoldenhaE 6 4, 6 3. der vorher Böllitrg 6 2, 4 6, 6 1 aus dein Felde geschlagen batte. — Erne weitere Sensation gab es am Freitag im Herrendop Pestviel. Hier siegten Grandn- Dchomblirgk ubei Fr itzhttm K e izer 8 6, 7 5 und sicherten sich dadurch die Teilnahme an der Schlußrunde. Ebenfalls in die Schlußrunde. mb zwar zrm Gemisch'.en Doppelspiel, gelangten Frau Käber Demasius bird) ihren Sieg über das Wiener Ehepaar Relly 6/0, 6 Mark. Brauerei ° Ausschank Krone, Darmstadt, Schustergasse 18. 6051 Suche auf sofort od. l.Jüli ehrliches, solides Mädchen tyrauCberfi Wöllwartb, 9iei:>' litaferne. 06418 Zav. Leuimäilehcn ob. Fran ges. goethezlr. 4V» OH3BJ ZUerläWsMiiWeu oder einfache Stütze zu älterem Chevaar für jetzt oder sväter gesucht. 6080 Iran Pros. Jromme, Bleichstratze 20 I. Sauberes 6084 MWM» findet nute Stelle bei Svielmann, Offenbach a. M.» Louisenstr. 30 II. Brave« Ulidchen für kl. Haushalt, sucht zu baldigem Eintritt Pfarrer Zimmermann, Darm^ ttadt, Aleranderstr. 1. TWt.MädlßeiigksE Iran Rofenberaer, (M1434 Löberstrafie 20. Biebertalbahn Vorbehaltlich der Ge« ttehiiiigung der Aufsicht?» behörde tritt mit Wirkung vom 1. Juli 1922 eine Erhöhung der Frachtsätze im Güter- und Tierverkehr ein. Nähere Auskunft.erteilen die Dienststellen. Berlin, den 21. Juni 1922. 6078V Tie Direktion. Ein Sofa L>s°ib» Serä^taiiotnÄ': 06426 Schanzenftr. 1. Pflastersteine können unentgeldlich abgeholt werden. 06420 Marburger Str. 34. betanntmachung. Ein Hund, Rasse Forterrier, Farbe weingelb, zugelaufen. Näheres Polizeiverwaltnng 6077V Krofdorf. Junger Hund SUrMMe zu kaufen gesucht. Schrift- Angebote mit Preis unter 06435 an den Giefi. Anz. Mpp-Ahr^ V»Sekund.30Min.zeigend, zu kauf. ges. Schriftl. Ang. unt. 06437 an d. Gieh.Anz. und Damenvei-eln Gabelsberger. Dienstag, 27. Juni 22, abdS. 9 Uhr, im Poslkoller: veremsabend. Ausgabe der Festschriften znm Berbandstag. l««v AiicesAWereiil Die allgemeine findet Mittwoch, den 28. d.M., 6 Uhr, Brandplatz 4 p., statt. Tagesordnung: Set- abschiednng der 1920er Rechnung. — Borstatrds- wähl. — Mitteilungen. Der Vorstand. 6079D] vr. Fromme. Rr. HZ Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)Montag, 2b. Juni 1922 Die weitere Besprechung im Reichstag. (236. Sitzung.) Berlin, den 25. Juni 1922. Bei starker Besetzung des Saales und der Tribünen wird die Sitzung zur Besprechung der gestrigen Erklärung der Reichsregierung um 12 ; Uhr eröffnet Dor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Präsident Lobe, die in der gestrigen Vor» miktagSsitzung des Reichstages Dorgelommencn Tätlichkeiten seien in einigen Leitungen falsch dargestellt worden. In München sei sogar an» geschlagen worden, dah General Schoch i>a!brot ge Laagen worden sei Tatsächlich habe Abgeordneter Schoch die Mordtat nicht oerteidigt, sondern verurteilt Er sei auch «ach sein.n eigenen Angaben nicht geschlagen, fon* ??tn bei seinem Versuch. dem Abgeo'dneten Brü- nnghaus beizuspringen, nur am Rock hin und her gezerrt worden. Die durch ein Mift.erstänbnis bev- vorgerufene Auseinandersetzung zwischen b;n A:> geordneten Bruninghaus und Stampfer fei inzwi- ichen durch Stt(är.:noen beigelegt werden Dbg Wels (6): Wu> und Syav> dermi'te Herr Helsferich am 23 Juni in der Rede Rathc- nauS Wut und Hab, fanatischer Haft, haben jetzt istr Opfer gefordert. Zu Wut uird Hatz aufrufend, haben organisierte Mörderbanden ein Menschenleben gefällt das sich opferwillig und ganz in den Dienst s i es Volkes und Vaterlandes ge e l! hat Die deusicyvöltische Hetze feiert ihre Erfolge (Zu- ruf: Wulle!) und die Bevölkerung unseres Landes zieht das Unk aut hvch, das durch die wüsteste Hetze gesät ist. Dieser Jude war ein so guter Deutscher, wie nur je einer in Deutschland geboren wurde. Dieser Jude war ein wahrer Christ, weil er durch die gefallen ist, die sich so nennen und jetzt Mörderbanden bewaffnen und besolden. Demagogie sind die völkischen Kundgebungen, durch welche Urteilslose und Leidenschaftliche notgedrungen n Ausschreitungen verleitet werden. Die Deutschnitirnalen haben niemals die Deutsch- völkischen avgeschüttelt, aus deren Reihen die Mörder gekommen sind. Darumm machen wir die Deutschnatstmale VollSpartei verantwortlich für den Mord. Diese Verantwortung wird sie erst los werden, wenn sie einen Schnitt zwischen sich und den Deutschvöllischen macht und den Behörden beisteht. die dculschvölkischen Mordnester aus-uheben. Sind Sie bereit, dies zu tun? (Ruse bei den Sozialdemokraten! Sie schweigen, die Mörder!) Helsferich war der Führer der persönlichen Hetze r.cgen Erzberger, bis ’u dem Tage, wo Erzberger tot am Boden lag Das hätte ihn zur Vorsicht mahnen sollen bei seiner Heye gegen die Regie- mnq von Rath mau. Gin Mann wie Helsferich, tei unser Volk in so tiefes Unglück gefloßen hat, möge endlich aus dem politischen Leden verschwinden, das ist der einzige Dienst den er dem Vaterlande nvch erweisen kann. Wir verlangen rücksichtsloses Vorgehen gegen die militaristischen C-cbrimorganifationen, geaen die monarchistischen Äunbgebungen von Militärs und gegen diejenigen, welche dafür haftbar sind. Wir kennen die Schwierigkeiten, die in dem reaktionären Deamtenheer dem Schuhe der Republik bereitet werden. Aber wer der Republik nicht dienen will, soll auch daruf verzichten, von ihr Gehalt zu beziehen. Wir verlangen, an diese Stelle der Verordnung schleunigst gesetzgeberische Maftnahmcn treten zu lassen und fordern den Ausgleich der Sünden der Justiz, die politische Amnestie. Der Prozeh Killinger und das Auftreten der Staatsanwaltschaft in diesem Prozeh war bei- eilte Fall für den Staatsgerichtshvs. Aus keinen Fall darf die Verordnung gegen die linksgerichtete Arbeiterschaft angewandt werden. Heute ist die scliwar.'-weih-rote Fahne zur Mörderfahne geworden. Die Geldgeber der Mörderzentralen müssen unschädlich gemacht werden. Wir haben jetzt die Beweise, dah in mehreren Städten Mörder geworben wurden. Der Bruder des Erz- bergermördcrs, Tillessen. hat einen Agenten geworben. ihm das Bild seines Bruders gezeigt mit den Worten: „Das ist mein Brüderchen er bat das erste Schwein abgekehlt" (stürmische Entrüstungskundgebungen) und ihm 3000 Mark gegeben, damit er einen Herrn nach Kassel begleiten solle. Für uns besteht kein Zweifel, dah das derjenige war, der Scheidemann beseitigen sollte. Dieses Attentat gab der deutschnaiior.alen Presse Gelegenheit zu Spott und Hohn. Die »Deitsche Tageszeitung" schrieb: .Das At en a mit der Klhstierlprihe". Wir fordern Verfolgung unb Aushebung aller Ge^eimorganilationen und aller Mitschuldigen, Verbot o'ier Regimen:, feer n und der lchw.'.rz-wcth-ro!e.i Fahne, Reiiigung Da: Reichswehr und der Schupo, Reform der Justiz und ter StaaL antra' scha t S aakf k . tär Mir- gel, der Vertreter des Pr-eutzischen vtuftiynin:fk- ririms, ist Vorsitzender des deutsch a i analen WahlvereinS Landwiy An die Ar bei'.erschuft aber appelliere ich, die Hoffnungen der Rechten auf Putsche und Gewalttaten zuschan.en zu gta- chen. (Bcisall links.) Abg Mar r (Ztr.): Wir sind in einer Acra der politischen Morde, wie sie d.e deutsche Geschichte der letzten Jahrzehnte nicht mehr gekannt tat. Hierzu kommt, da' tt? Tät r v,n heute lö Heren kulturellen und g se ls^a t ichen Sch ch- ten angehören. Die Vorwurfe gegen die m.tiz, welche der Abg. Weis erhob, waren aber dach recht lückenhaft, namentlich auch die gegen die Staatsanwaltschaft. Mit Rathenau ist einer der Besten mit aus unserer Mitte genommen worden. Er war ein untadelhafter Charakter, ein Mann von hohem Gedankengtng und ausgezeichnet in seinem idealistisch gerichteten Streben. Er war von vornehmer und ruhiger Gesinnung und ein Vorbild der Pflichttreue. Dein Verlust ist überaus schwer für uns zu e s hen Ci ie reinliche Sch idung zwischen Repu bll anem und Arders denken en ist dringend noti wendig. Ohne einer Partei die Schuld an der Tat zuzuscyreiben, ist doch zu sagen, dah seit Monaten die deutschnationale Pre se die politische Leidenschaft in einer Weise anzuspornen sucht, wie es unverantwortlich ist. Rationale Phrasen sind nicht nationale Gesinnung. Sie vergiften nur unsere Jugend. Auch gegen die, welche die Reichssarben beschimpfen, find schwere Strafen auszusprcchen. Regimentsfeiern mögen in ruhigerer Zcii ftatti finden. Das Zentrum steht treu zur Verfassung und sieht jeden als Verbrecher am Staatsrecht an, der Hand an legt zur gewalt amen Ae iberung der Verfassung. Darum verlangen wir heute von den Parteien ein klares Bekenntnis für ober wider die Republik. Wir im Zentrum sind stolz darauf, feit dem Bestehen der Republik nie aus der Regierung ausgetreten zu fein. Darum nennen wir jeden einen Verleumder, der uns die nationale Gesinnung absprechen will. Die letzte Rede des Dolksparteilers Becker war für mich ein Lichtblick. Aber, warum hat er sich gestern bei der Abstimmung über den Antrag Müller von den Kvalitionsparteien getrennt? Wir sind stets zu einer Verbreiterung der Koalition bereit gewesen. Von Helsferich war es geradezu unverantwortlich, eine solche Rede in diesem Saal zu halten. An die Entente aber müssen wir den Ruf richten: Run seht, wohin wir kommen durch die enge Fesselung an den Versailler Vertrag. Wir stellen uns einmütig hinter die Politik deS Reichskanzlers. Als Abg. Hergt (Dnll.) das Wort erhalt, verlassen die Abgeordneten der Mehrheitssozialdemokratie ihre Plätze Abg. Hergt verliest sodann, fortwährend durch lärmende Kundgebungen der äuhersten Linken unterbrochen, eine Erklärung seiner Fraktion, wonach die Deutschnationalen den Mord auf6 schärfste verurteilen und rücksichtsloses Vorgehen gegen die Mörder verlangen. Sie billigen auch grundsätzlich Ausnahmeverordnungen zum Schuhe des Staates und seiner Vertreter, die vorliegende Verordnung aber lehnen sie ab, well sie sich einseitig gegen die politisch rechtsgerichteten Kreise wende. (Schmährufe links.) Reichsjustizminister Dr. R a d b r u ch: Die Rotlage, die uns zum Crlah der Ausnahmeverordnung zwang ist entstanden durch Ausschrei- tunaen rechtsr^ikaler Kreise. Sie richtet sich deshalb bewuht gegen rechtsradikale Gewalttaten und die Defünchtung ist ganz unbegründet, dah sie gegen linksgerichtete Kreise angewendet werden konnte. Die lange Liste der ungesühnten Verbrechen gegen linksgerichtete Politiker lassen eine Amnestie unerlählich erscheinen. Das Gesetz zum Schutze der Republik, das dem Reichstag bald zugehcn wird, wird deshalb die politische Amnestie enthalten. Ich gebe der festen Erwartung Ausdruck, dah sie durch weitgehende Amnestie der Länder ergänzt werden wird. Abg. Crispien (11): Als Abgeordneter Hergt sprach. war deutlich das Kainszeichen der Mordschuld auf feiner Stirn zu sehen. Rathenau war unser politischer Gegner, aber er hat durchaus unsere Achtung genossen. Die Versuche der deutschnationalen Presse, die Blutschuld von sich abzuwalzcii, sind eitel Spiegelfechterei. Die gan^e Deutschnationale Volkspartei mit ihrem An Hang ist eine ausgesprochene Mör» d e r orga n i sa t i on 01L- Vizepräsident Riesser den Redner ersucht, sich zu mäßigen, erwidert er: Ich spreche noch viel zu milde zu diesem Mord- gesindel, das aus Feigheit und Schulddewuhtscin den Saal verlassen hat. Es muh sosort etwas geschehen. Deshalb sind wir für die Ausnahmeverordnung. bis eine gesetzliche Massnahme ftatt- sinden kann. Beim Siaalsgcrichtshof haben wir die Befürchtung, dah er die Arbeiterschaft wieder enttäuschen wird. Die Reichswehr muh von allen monarchistischen Elementen gesäubert werden. Die Hohenzollern sollten zum Canbe hinausgetrieben werden. Reichskanzler Dr. Wirth: Der Mord an Rathenau hat die grobe Entwicklung unterbrochen, die seine Arbeit zur Zerstörung der Lüge von der Alleinschuld Deutschlands genommen hat Di' Verantwortung tragen die Mörder und ihre Helfer. Ich hatte erwartet, dah diese Aussprache auch die Parteien der Rechten veranlassen würde, einen dicken Strich zu ziehen zwischen sich und der unverantwortlichen Hetze, die so furchtbare Folgen gehabt hat. Richts habe ich davon gehört. Schütteln Sie nur nicht den Kopf, Herr Wulle! Wir wissen, was Sie in Ihrem Blatt geschrieben haben. Sie haben die in der Presse auftretenben Hetzer nicht zur Ordnung gerufen. Ein Rlann, der es gewagt hat, in feinem Deutschen Tageblatt zu sch leiben, die deutsche Regierung sei die Angestellte der Entente und sie verliere ihr Brot ohne das Wohlwollen der Entente, dieser, Herr Kollege Reinhold Wulle, ist Mitglied Ihrer Fraktion. Die elende Hetze hat in Deutschland geradezu zu einer politischen Verkehrtheit geführt. Das beweisen die schmählichen Zuschriften an die Witwe Erzbergers und an mich. Ich war heute Zeuge der gewaltigen Massenkundgebungen. Sie verliefen in vollster Disziplin und Ruhe, aber täuschen Die (nach rechts) sich nicht über die grobe Energie, die in dieser Ruhe steckt. (Stürmischer Beifall auch auf den Tribünen.) — Der Reichs- kanzler geht dann unter Würdigung der hervorragenden Tätigkeit Rathenaus auf die außen - politifche Lage ein und erklärt: Unter der Schi- Innenpolitik, die wir jetzt im Rheinland und an der Saar erdulden, kann ein demokratisches Deutschland nicht gedeihen. Aber der Artikel, den General Luden- d v r f f in einem deutschfeindlichen Blatte veröffentlicht .und in dem er die Diktatur für Deutschland fordert, war eines deutschen Generals unwürdig Warn Sie einen solchen Mann als ihren Gott betrachten, dann zeigen diese Träger des alten Systems, dab sie für die politische Atmosphäre weder Verständnis noch Fingerspitzengefühl haben. Das Reparationsprvblern, an dem Rathenau mit so grobem Verständnis gearbeitet hat. kann nicht durch nationalistische Kundgebungen gelöst werden. Dazu brauchen wir eine Zusammenarbeit der weitesten Kreise auf der Grundlage der A ileit^denkfch-i t. Wi mü sei !ie K äste des Mordes, des Zornes und der Verhetzung zerstören. Da wo dieses Gift in das Volk gebracht wird da stecht der Feind. Wir wissen, wo er sich befindet. Dieser 5 e j n b steht rechts! (Stürmischer Beifall und Händeklatschen im Saal und auf den Tribünen.) Abg Dr. Heinze (D. Vp.) betont die Rotwendigkeit, aus der Atmosphäre der politischen Morde heraus-ukornrnen. Deshalb müsse aber erst die Ursache dieser Stimmung beseitigt werden, nämlich der Versailler Vertrag. Die Anwendung der Ausnahmemaftregel sei in» erlästlich. Die Verordnung müse aber in gleicher Weife gegen rechts und links angetoenbet werden Mit btm ausnahmslosen Verbot aller Regiment-- feiern schüre man nur den Brand der Opposition Die Vol.Spariei fei xu einem 3u!ammenarbeticn mit der Regierung bereit, sie habe gestern nir gegen die Antrag Müller gestimmt, weit er ibr vorher nicht mitgeteilt Ux>r und de Volkspariei grobe Teile der Rede auf sich beziehen tonnte. Die Verordnung dürfe at>.r unter leinen Umständen zu einem umgekehrten Sozialistengeseh werden. Dr. Heinze würdig' w itci die Persönlichkeit de- Errnoid.-ten in Dorten höchster 2n- eriemutng. Abg Dr Peterfen (Dem । Rathenau ist ermordet worden, weil er Minister der demo» kritischen Republik war Dab wir als Demokraten an der Republik hängen, ist selbstverständlich. Aber auch die Kreise der Rechten haben es seinerzeit begrübt, bah die demokratische Republik sie aus der Gewall der Arbeiter Hnd Soldatenräte befreite. Sic ist das einzige Mittel zum Wiederaufbau Deutschlands und zur Wiederherstellung des Friedens in der Welt Die Hoffnung auf das nationale Verantwortlichkeitsgefühl der Rechten hat bitter getrogen Richt die Rede Helfserichs hat die Ermordung Rathenaus verschuldet, aber Helsferichs Reden in ihrem ganzen Zusammenhang. Wie muh das wirken auf Die Gehirne der jungen Menschen, die in geheimen und nicht geheimen völkischen, antisemitischen, nationalistischen und militaristischen Organisationen verbunden sind? Da mub Schlub gemacht werden. DaS ist cinsach Rotwehr. Wir stehen vollkommen hinter der Politik der Regierung. Auch Minister Gebier steht ohne Vorbehalt auf dem Boden der Verfassung. Wenn aus diesem furchtbaren Geschehen Deutschland und die Welt mehr zur Einsicht kommen, wird auch dieses furchtbare Ereignis sein Gutes für die Zukunft haben iDeifall links.) Abg. Gerstenberger (Bayer. Dpt.) gibt namens seiner Partei eine Erklärung ab, in der der Abscheu über die furchtbare Tat an dem verdienstvollen opferwilligen Staa:Smann ausgesprochen wird. Der Redner steht darin ein tief* trauriges Zeichen des Schwindens der öffentlichen Moral und der menschlichen und politischen Vernunft Die Bayerische Volkspartei sich! auf dem Vvden der Aeichsveriassung und lehnt jede gewaltsame Acnderu g der Staats'v'.m ab. Deshalb billigt sie die Mabnahmen der ReichSregierung. zumal die (Sintoirfung der Einzelstaaten gesichert ist. - Abg. Alvers (Deutsch-Hann.) spricht namens seiner Freunde und deS DaherischenBauern- bundeS den Abschni über die feige Mordtat aus und billigt alle Maftnahrnen. die zur Lllisdeckung der Täter und ihrer Genossen dienen und den Boden für ähnliche Taten beseitigen. Abg Könen (Komm) schildert die tiefe Erregung in der kommunistischen Arbeiterschaft, toenn sie auch dem Ermordeten nicht nahegestanden habe. Er befürchtet aber, dab unsere „Klassenrichter" die Ausnahmeverordnung nur gegen die Arbeiterschaft anwenden werden. Württemberg und Or- gefch-Dahern würden sich den Teufel um die Verordnung kümmern. Der Staatsgerichtshof werde naturnotwendig ein reaktionärer Gerichtshof fein. Die einzige Möglichkeit zur Beseitigung der Rea- aZtton bietet der rücksichtslose Klassenkampf. Reichsjustizminister Dr. Rabbruch Ich bin ermächtigt, zu erklären, dah der Reichspräsident mit der Aenderung der Verordnung dahin einverstanden ist, dab alle Mitglieder deS Staatsgerichtshofes vom Reichspräsidenten ernannt werden ohne die Voraussetzung richterlicher Befugnis. Damit schliesst die Aussprache. In einer persönlichen Bemerkung stellt Abg Dr. Decker- Hessen (D. Vp.) fest, dab die Deutsche VolkS- partei auf dem Boden der Derfastung stehe. Damit ist die Tagesordnung erledigt Rächste Sitzung Montag mittag 12 Uhr. — Interpellationen und kleine Vorlagen Schlub 5l/< Uhr. Hessischer Landtag. AitS dem Finanzausschuß. nn. D a r m st a d t, 23. Juni. Der Finanz- a u s s ch u b des Landtags genehmigte heute zuerst Kapitel 13 des HauptvoranschlagS, Aus- Mein Vetter Jolua. Roman von Richard Skowronnek. 0. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) ..Anderseits aber/ fuhr Maggie philvst»- phierend fori, .tarnt ich auch die Frau begreifen, datz sie den Liebesbeteuerungen des andern Glauben schenkte. Sie hielt sich für vernachlässigt von ihrem Manne — das kommt ja so häufig vor wenn man erst längere Zeit verheiratet ist. Unb wenn dann jemand kommt und spricht Ihr von Liebe, bann empfindet sie zuerst eine Genugtuung darüber, dab sie noch ein solches Gefühl einftoben kann, allmählich fängt sie an, Vergleiche anzu stellen zwischen dem, was di-:ser ihr verspricht und dem eintönigen Leben an der Seite ihre« Mannes — der Liebhaber ist ja immer ein Held, der die Sterne vom Himmel reiften möchte um damit seine Angebetete zu schmücken — na schließlich bildet sie sich ein, sie ist unglücklich und folgt dem, der ihr ein neues Glück verlockend verspiegelt. Nachher aber trenn es zu spät ist, sieht sie natürlich mit Reue, dab fte ihr wirkliches Glück einem Phantom geopfert hat. .Ich konnte mich nicht enthalten zu bemerken, sie spräche gerade so. als toenn" fte schon einmal ökwas ähnliches erlebt hätte. o^ie lachte hell auf. T>aft ihr« weihen Zahne blitzten. . . „Mr. Daumlehner, Sie fragen tote em Kind. Aber ich will es Ihnen sagen: beinahe wäre es mir einmal so gegangen vor ein paar Jahren, als ich auch hier drüben war. Ich sah aber rechtzeitig meine Torheit ein und kehrte wieder zu meinem guten Manne zurück. Rein, mein lieber Rath braucht um mich keine Angst zu haben. Er hat auch keine!' schloft sie wiederum lachend. .Eine Ahnung dämmerte mir auf, dab diese ganze Auscinandersetzung einen bestimmten Zweck verfolgte, nur vermochte ich mir nicht zu fagin, welchen? Wollte sie mich vor törichten Hoffnungen warnen, ober sollte das hri -en: warum greisst du nicht zu, bi Tropf? Vielleicht — toenn bu ber wirkliche ,§elb‘ bist? . . .Das letzte war wohl "das richtigere, benn ich hatte Maggie noch nicht mit einem Wort ober Blick verraten, dab all mein Sinnen und Fühlen und Denken sich nur mit ihr beschäftigte. Eine gewisse Scheu hielt mich davon ab, ich belog mich selbst, bab ich so in Wirklichkeit meinen Treu- schwur ja noch nicht gebrochen hätte. Ader auch bie|et letzte Strohhalm sollte nicht lange Vorhalten . . . .Wir hatten uns einen Wagen genommen. AlS wir Unter ben Linden waren, lieb Maggie halten. .Ich habe noch keine Lust, nach Hause zu gehen — führen Sie mich ein Stück spazieren.' .Wir gingen die Linden entlang burch das Brandenburger Tor in ben Tiergarten hinein, der vom Monblicht übergossen hell wie bet Tag balag .Plötzlich blieb sie stehen unb sah mich aus brenn en ben Augen an: .Sie lieben jenes Mädchen noch immer?' ..Maggie!' erwiderte ich halb trunken. „®tn triumphierendes Lächeln flog über ihr Gesicht, sie schlob die Augen und lehnte sich an mich. Da war es ganz aus mit meiner Besinnung and Selbstbeherrschung, ich umschlang sie mit bebenden Armen und bedeckte ihr Gesicht mit glühenden Küssen. Sie schvb mich sonst von sich und sagte leise: .Ich touftte es schon heute mittag, als ich Sie wiedersah.' „Sie schauerte leicht zusammen. Es fängt an, kühl zu werden. Lassen Sie ms umkehren und führen Sie mich nach Hause.' „(Sag an mich geschmiegt ging sie neben mir her und lauschte meinen wahnwitzigen Schwüren und Beteuerungen, ohne rin Wort zu erwidern. „An ber Tür des Hotels bot sie mir die Hand: .Dis morgen. Wir wollen nachmittags einen Ausflug machen — wenn Sie nichts Besseres vorhaben/ fügte sie lächelnd hinzu. „3d) sprach mit förmlichen Worten meine Bereitwilligkeit aus und verabschiedete mich mit abgemessener Hö flickest, beim ber Portier stand in ber Rähe und beobachtete uns mit misstrauischen Augen. .Wie im Taumel ging ich nach Hause, ich dachte nichts und versuchte auch nichts zu beiden, nur ein unnennbares Wohlgefühl, eine Art von geschwelltem Sclbftbctouf tfein füllte mir die Brust. Wir war es. als sollte ich ben ersten besten auf der Strafte anhalten und ihm sagen: Sehen Sic mich mal an. was ich. Josua Daumlehner, für ein Kerl bin! Alle Weiber laufen mir nach — ich brauche nur die Finger auszustrecken . . . „Am andern Tage als ich erwachte, kam ber unausbleibliche Rückschlag auf diesen Rausch, ein aschgrauer Äaherjammcr, ein Ekel vor mir selbst, der mich schier erstickte. Was war aus mir geworben unb wo waren meine, wie ich geglaubt hatte, für alle Zeiten gefestigten Grund- fähe geblieben? Wie Staub herblasen und wie Rohryalme geknickt gleich beim ersten Wehen, in dem sie ihre Standhaftigkeit erproben s)lllen. Unb wo war 7er stolze Kerl bon gestern abend, ber sich wie ein Sieger auf sein Lager gestreckt hatte? . . . Der hätte sich heute. Wenn s gegangen wäre, am liebsten selbst ins Gesicht ge* spreen! Unb wieberum ein paar Stunben später stand dieser selbe Kerl vor dem Spiegel und schlang seine Krawatte in einen zierlichen Knoten, weil es Zeit war, zu Mittag zu gehen „Rkaggie erschien bereits zum Ausgehen an- gefleibet bei Tische. Sie sah entzückend aus in dem leichten lustigen Sontmerkleide unb dem kleinen zarten Hütchen, das tote ein Diadem auf ihren schwarzen Haaren thronte. „Ui s e Unterhaltung war ziemlich einsilb g Sie hatte mir gleich zu Beginn mit den Augen ein Vorsicht gebietendes Zeichen gegeben und bei ber ersten sich bietenden Gelegenheit raunte sie mir unauffällig zu: .Rehmen Sie sich tn acht, man beargwöhnt uns schon. Gehen Sie nachher zuerst fort und erwarten Sie mich in einem ge- schlos enen Wagen am Brandenburgrr Tor.' „Sie mochte dabei ein so gleichgültiges Gesicht. als wenn sie gesagt hätte. .Bitte, wollen Sir mir noch einmal die Kompottschüssel reichen, und unwilllürlich fam mir der Gedanke, als toenn sie in beriet Liebeshändeln eine ungewöhnliche Uebung b.sähe . . . „Als ich nach dem Kaffee ihrer Weisung gemäb auf "taub, um a'l ii fortzngehen, sah sie mich mit gespieltem Erstaunen an unb sagte. ,A. Mr. Daumlehner, Sir gehen schon? Gerade heute hätte ich gern noch ein Viertelstünd- chen länger geplaubert . . / ,Das klang so wahrhaftig, bab ich Mühe hatte, mich in bie mir vorgeschriebene Rolle zu finden unb mein Fortgehen mit einer dringenden Arbeit zu entschuldigen. Deinahe hätte ich mich wieder gesetzt . . . .Am Drandenburger Tor nahm ich mir einen Wagen. Der Kutscher schüttelte mit dem Kopfe als ich bei dem schönen Wetter bas Derbea Hochziehen liest, aber seine Verwunderung wandelte sich in ein widerwärtig vertrauliches Grinsen. als Zaum zehn Minuten später eilfertige» Schrittes Maggie erschien unb rasch zu mir tn den Wagen schlüpfte. Sie saft schon neben mir. als mir einfiel, baft ich dem Kutscher noch nicht das Ziel unserer Fahrt genannt hatte. Aufs Geratewohl rief ich ihm zu: .Rach dem Potsdamer Dahnhofe!^ „Maggie klatschte vor Vergnügen tn bft Hände. „.Ach bas ist reizend, fahren wir nach Potsdam, da 6tn ich schon einmal gewesen!' „Mir war es gleichgültig, wohin unsre Fahrt ging, mich beherrschte nur der eine Gedanke allein mit ihr, mit Maggie, ben ganzen Rach- mittag! — .AIS wir im Coup4 saften, verlangte Maggie von mir. baft ich ihr meine Geschichte erzähle Ich weigerte mich, beim ein letztes Re st chen von Schamgefühl verbot es mir, zu ihr von Helene zu fprechen. Sie toj-.be böse und erklärte, sie würbe in Potsdam sofort umkehren und wieder nach Hause fahren. Als ich standhaft blieb, sagte sie: .Ich fordere es als einen Deweis für Ihre Liebe Sonst must ich glauben, bab Ihr Herz noch immer jenem Mädchen gehört und Sie mich nur wie ein Spielzeug betrachten/ „Unb ba gab ich nach unb erzählte ihr kurz, was sich seit einem Jahre in meinem Leben ereignet hatte, nur bemühte ich mich, meine Liebe zu Helcne als eine oberflächliche Tändelei htn- zustellen. Was nach meiner Entlassung aus ber Festungshaft passiert war. verschwieg ich ihr ganz, unb so war es eigentlich gerechtfertigt, baft sie. als ich zu Enbe war, mit einer gewissen Geringschätzung sagte: .Das ist alles? Und deshalb machen Sie immer so ein trauriges Gesicht? Rein. Mr. Daumlehner, das ist wahrhaftig kein Grund, griesgrämig zu toerben und der Welt zu entsagen. dazu noch in Ihren Jahren! ülebrigens, fuhr sie fort, ,wo ist jetzt dieses Fräulein Helene Dähne?« (Fortsetzung folgt) (3n einem Tell der Auflage wiederholt.) Reichsminister Dr. Rathenau erschossen! (Berlin, 24. Juni. (WTD.) Nach amtlicher Mitteilung an den Reichstag ist Reichsminister Dr. Rathenau heute vormittag auf der Straße, kurz nachdem er seine Villa in Grünewald verlassen hatte, erschossen worden. Die Ermordung WilsouS. London, 24. Juni. (WTD.) Marschall Wilson wird in dec Paulstathedrale beigesetzt werden, wo zahlreiche Mitglieder des englischen Adels ruhen, die sich -um ihr Land verdient gs- macht haben. Landwirtschaftllche Konflikte in Japan. Paris, 24. Juni. (WTD.) Rach einer Havasme'lbung aus Osaka stnd landwirtschaftliche Konflikte im Südwesten Japans zwischen den Grundbesitzern und den Pächtern ausgebrvchen, die sich jetzt infolge einer anhaltenden Trockenheit vergröbert Haden. Es hat seit mehreren Monaten fast nicht geregnet, und die Pächter geben in verschiedenen Dezir- len bereits die Reiskultur auf. würtige Verhältnisse. Hierbei kam der Wohnsitz des Reichskommissars für die besetzten Gebiete zur Sprache, der jetzt in Mainz Wohnung hat, aber zweckmäßiger in Koblenz, dem Sitz der Alliierten Kommission, sitzen würde. Infolge Wöhnungsmangel kann aber dieser Anregung leine Folge gegeben werden. Die Kapitel 19, Ministerium des Innern, und 20 finden Annahme. 3m Kapitel 23. Provinzial- und Kreisämter, wird bcf .1 Tfcn. die Reimte israre iemncch't du.ch den gewählten Drei-Ausschuß behandeln zu lassen. Bei Kapitel 24, Landgendarmerie. entsteht über die weitere Fortfüh.ung der Einzelstationen eine Aussprache. Die Regierung erklärt, daß mit Rücksicht auf die großen Kosten dieses System all- mählig auägebaut werden soll. Zu Kapitel 25, Polizei, wird eine Reorganisation und insbe- ^ndere gewünscht, daß die Schupo ebenso, wie In Darmstadt, auch in Offenbach und Gießen mehr als bisher zur sinterstützung der blauen Polizei herangezogen werde. Auch die Schul- vorfü'hrung der Kinder soll nach, einer Zusage der Regierung lyär als bisher durch die Polizei ermöglicht werden. Eine längere Auseinandersetzung entspinnt sich dann bei Kapitel 12 a, Staaäverlag. Don der Regierung wird auf Grund von Zählenausstellungen nach^ewiesen, daß eine Hnterbilanz vorhanden ist, die durch Ersparnisse im Verlag gemindert werden solle. Von anderer Seite wird dagegen gefordert, daß in der Redaktion gespart und überhaupt derTon der Darmstädter Zeitung ein anderer werden müste. Die Regierung sagt dies zu. Das Kapitel wird dann gegen die Stimmen der D. Vp. und des Bauernbundes genehmigt. Dann finden noch die Kapitel 26, Arbeitshaus Dieburg, 27, LandcÄvaisenanstall und 28 Erziehungs- und Des- serungsanstalten Erledigung. Hier wird der Zuschuß von 60 000 Mk. auf 150 000 Mk. erhöht. Aächste Sitzung Dienstag. * * * Aus dem Gesetzgebnngsausfchutz. Der Gesetzgebungs - Ausschuß drs ßoni>tag5 setzte heute nachmittag zunächst den auf der Tagesordnung stehenden Antrag des Abg. Dr. Osann über den Erlaß des Staatspräsidenten wegen des Ausfalles des Hnterrichtesam 1.Mai ab, dec Gegenstand soll im Penum verhandelt werden. Desgleichen der Antrag des Abg. Kindt hierzu. Die Regierungsvorlage zur Ried erschlag ung der Strafsache gegen den Lehrer Klingler in 'JKör» seiden wegen Delcidigung des Rektors und des Kreisschulinspektors wird gegen eine Stimme angenommen. Die Regier'ungsovrlage betu Abänderung des Derggesetzes soll noch einmal mit der Bergbehörde b:"sprochen werden. Sie Vorstellung der Arbeitsgemeinschaft der Dezrrks- verbände des Hess. Handwerks und Gewerbes, bett, die Reugestaltung des gewe blichen Fortbildungsschulwesens wird gutgchei^en. Verschiedene Vorstellungen betr. die Umwandlung von Strafen usw. werden für erledigt erklärt. Zu der Vorstellung des Verwaltungsassistenten R. 3. in Mainz wird einer Bewährungsfrist zugestimmt. Die Vorstellung der hessischen Berufsbürgermeister zur Verwaltungsreform bzw. Wahl d urch die Ge- • meinderäte wird nach der Regierungsantwort für erledigt erklärt. Die Vorstellung betr. die Fideikommisse wird abgesetzt. Den« Eingänge. Dem Landtag sind eine Anzahl vvn Vorlagen, Anfragen usw. zugegangen, darunter Vorlagen über die Regelung der Stadtschulämter in Darmstadt, Offenbach, Mainz, Worms und Gießen, über die Ermächtigung zur Regelung der Gehälter der hessischen 'Beamten nach den Reich idschäissen, zur Regelung der Hnkosten der Oberförster, zur Erweiterung des Physikalischen Institutes in Darmstadt. Eine weitere Vorlage bringt die Desoldungsordnung für die Beamten der staatlichen Ortspolizei, die mit Gruppe III Amtsgehilfen beginnt ulrb mit Gruppe XI Pvlizeidirektoren endet. Durch eine andere Regierungsvorlage werden für die Erbauung des evang. Pfarrhauses in Kleestadt i. O. ein Teilbetrag von 300 000 Mk. gefordert. Zur Erbauung von Mietwohnungen für 'Beamte werden in einer anderen Vorlage 22 540 000 Mk. an= gefordert, die im Budget eingestellt werden sollen. Als Beihilfe für einen Staatsbeamten zur Tilgung einer Frankenschuld beantragt die Regierung die Bewilligung eines zinsfreien Darlehns. Eine weitere Regierungsvorlage fordert für den Ausbau des Alten Palais in Darmstadt, in welchem jetzt schon 152 Bureauräume, davon 80 für das Ganbegfinanjamt, u.tergeb acht sind, zur Herstellung weiterer Bureauräume die Summe von 2 668 400 Mk. Der Abg. Dr. S ch i a n beantragt zu Kap. 58, Landesuniversität, eine Reihe von Aenderungen in Gehaltsfragen und anderen Ausgaben. Die Abgg. Knoll. Herbert u. Gen. beantragen Streichung einer Ministerialratsstelle im Kap. 66, Landesernährungsamt. Die 700-Iahrseier der Stabt Alsfeld. Alsfeld, 25. Juni. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung, man nennt etwa 25 000 BZucher, fand hier der Hauptfestakt der 700-Jahrf^ier statt. Bachdem am Samstag bereits um 11 Hhr vormittags m der neuen Stadtschale die Gewerbe-Ausstellung eröffnet worden war and abends im »Deutschen Kaiser" die Feier des 25jährigen Bestehens des Geschichts - unb Blter» tumsvereins stattgefunden battet fand heute, Sonntag vormittag, zuerst ein Festgottesdienst in der Walpurgisllrche am 91/2 Hhr statt mit darauffolgendem Ködert auf dem Markt inb LudwigZplah nebst baranschlietze.chem F stzug der historischen Gruppen, gegen 2 Hhr na ,mtLag3. Die Stadt hatte reichen Fahnerschnruck angelegt. Fast alte Gebäude der Stadt waren mit den hessischen Lardesfarben und mit den alten Reichsfarben geschmückt und die öffentllchen Gebäude zeigten die Farben der Republik. Unter den erschienenen Gästen 5efpetit anregen, so Kola Dultz die Energie. Das Blut strömt danach schneller unb leichter durch die Adern unb versorgt das Gehirn besser. Dadurch allein schon fühlt man sich verjüngt und gekräftigt. 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