Nr. 22 Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. MonatlicheYezugspreise: Mk. 9.50 einschl. Träger- lohn, durch die Post Mk. 10.- einschl. Bestell, gelb, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsp rech - Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei. Verlag unb Geichäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. postscheütonto: 5rankfurt a. Ui. 11686. Erster Blatt 112. Jahrgang Donnerstag, 26. Januar 1922 SieheimAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univ.-vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher obnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 70 Pf, auswart» 90 'Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 3 OPf. Bei Platz- Vorschrift 20 Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für ben übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Das Steuerkompromiß zustande gekommen. Nach den letzten Meldungen aus Berlin scheint im Verlaufe der gestrigen Verhand- hingen eine EinigungüberoieSteuer- Vorlagen und die Zwangsanleihe zustande gekommen zu sein. Anscheinend sind zwar noch nicht alle Meinungsverschiedenheiten beseitigt, aber ernstlicher Widerstand wird wohl von keiner Seite mehr geleistet werden. 3m einzelnen liegen folgende Meldungen vor: Berlin, 26. Jan. (WTD.) Die bürgerlichen Parteien des Reichstags: die Deutsche Volkspartei, das Zentrum, die Bayerische Volkspartei und die Demokraten, traten im Reichstag zur Besprechung des Steuerkvmpromisses zusammen. An den Besprechungen nahmen wiederum der Reichskanzler, Hermes und Rat Henau teil. Das Ergebnis der Besprechungen war, daß eine einmalige Zwangsanleihe im begrenzten Betrage von 40 Milliarden Papiermark zur Deckung des Etats von 1922 erhoben und auf Einziehung des zweiten Drittels des ReichSnot- opfers verzichtet wird. Die Zwangsanleihe soll in engste Verbindung mit den Steuervvr- lagen gebracht werden, aber wegen der technischen Schwierigkeiten erst später zur Durchführung gelangen. Die Entscheidung liegt zunächst bei den einzelnen Fraktionen, die heute nachmittag zusammentreten werden. Um 5 Uhr werden die interfraktionellen Besprechungen wieder aufgenommen, um, wenn irgend möglich, auf dieser Grundlage noch heute das Steueickvmpromiß fertigzustellen. Berlin, 25. Jan. Das Wolffbureau erfährt aus parlamentarischen Kreisen: Während der interfraktionellen Besprechung im Reichstag über das Steuerkompromih, die heute nachmittag in Anwesenheit des Reichskanzlers stattfand, wurde die Grundlage zur Einigung gefunden. Die Zwangsanleihe soll bis zu einer Milliarde Goldmark gehen und niedrig verzinslich sein, wahrscheinlich auch sofort verzinslich. Die Anleihe soll bis zum 1. Juli durchgeführt fein. Das zweite Drittel des Reichsnotopfers soll die erste Anzahlung auf die Anleihe bilden. 3n der Reichstagssitzung, die morgen nachmittag 3 Uhr beginnt, soll ein Ermächtigungsgesetz für die Regierung in diesem Sinne vorgelegt oder wenigstens angekündigt werden. Die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion und der Fraktion der Deutschen Vollspartei steht noch aus. 3n parlamentarischen Kreisen wird bestimmt erwartet, daß beide Fraktionen zustimmen. Die Stellungnahme der Unabhängigen. lieber den Verlauf der Besprechung des Reichskanzlers mit den Vertretern der unabhängigen Fraktion veröffentlicht die Zentralleitung der Reichstagsfraktion der U. S. P. D. in der „Freiheit" eine längere Erklärung, in der mitgeteilt wird, daß der Steuerkomprornihvorschlag der bür- lichen Parteien in einer gestern nachmittag abgehaltenen gemeinsamen Sitzung der Zentralleitung und der ReichstagsfrÄtion einstimmig abgelehnt worden ist. Bei dieser Stellungnahme war für die Fraktion entscheidend, daß die Zwangsanleihe in keiner Weise geeignet sei, eine Sicherung der Reichsfinanzen uni) damit einen Stillstand der Notenpresse mit ihrer preissteigernden Wirkung herbeizuführen. Diese Zwangsanleihe würde nicht ausreichen, die Reparationsverpflichtungen zu decken und somit den inneren Etat weiter belasten. Abgesehen von den schweren Mängeln des Kompromisses, könne die Zwangsanleche nur eine gewisse Entspannung der Valutaschwierigkeiten im Augenblick bringen. Eine Steuerreform, die geeignet sei, die Verschuldung des Reiches zu beseitigen, erscheine der U. S.P. D. nach wie vor nur durch folgende Maßnahmen möglich, die außer den von der Regierung vorgeschlagenen Desitzsteuern notwendig seien: 1. sofortige Erfassung der Goldwerte, 2. sofortige Erhebung des Restes des Reichsnotopfers, 3. sofortige Erhöhung der Ausfuhrabgabe und 4. schärfste Erfassung der Auslanddevisen. Fertigstellung der Antwort an die Reparationskommission. Berlin, 26. Jan. Wie die Blätter melden, soll die Antwort der deutschen Regierung an die Reparationskommission soweit fertiggestellt fein, daß nur noch die Punkte ergänzt zu werden brauchen, deren endgültige Formulierung vor dem Zustandekommen des Steuerkompromisses nicht möglich war. Wie der „Lokalanzeiger" hört, soll die Antwort an die Reparationskommis- sion bereits im Laufe des heutigen Tages der KriegSlastenkvmmisfion übermittelt werden. Die amerikanischen Vorbehalte für Genua. Paris 25. Jan. (WTB.) Der „Temps" weist in seinem heutigen Leitartikel auf die Bedeutung des Berichtes hin den eine Abteilung der interamerikanischen Obeckommission unter dem Vorsitz des Handelssekretärs Hoover angenommen habe. Nach seiner Mitteilung sind die Mitglieder dieser Kommission der Präsident der Handelskammer der Bereinigten Staaten, der Präsident der Bereinigung der amerikanischen Bankiers und der Präsident der Federal-Reserve Board. Nach der amerikanischen Presse sei dieser Ausschuß der Ansicht, die Reparationszahlungen Deutschlands müßten so abgeändert werden, daß sie die wirkliche Zahlungsfähig- des deutschen Volkes enthalten. Des ferneren müßten die Streitkräfte der europäischen Volker herabgesetzt werden, da der Unterhalt dieser Heere eine der Hauptursachen für die Inflation sei und die Wiederherstellung des budgetären Gleichgewichts verhindere. Der „Ternps" weist ferner darauf hin, daß PräsidentHarding und seine Minister entschlossen zu sein schienen, nicht an der Konferenz von Genua teilzunehmen. Sie gäben hierfür zwei Gründe an: Einmal müsse sich Sowjetrußland des größten Teiles seiner Roten Armee entledigen und Bürgschaften für die Legalität geben; andererseits sei Präsident Harding der Ansicht, daß Frankreich sein Heer vermindern und lein Budget ins Gleichgewicht bringen müsse. Solange diese Bedingungen nicht erfüllt seien, werde die Regierung der Vereinigten Staaten sich weigern, an der Konferenz von Genua teilzunehmen. London, 25. Jan. (Wolfs.) Der Washingtoner Berichterstatter der „Times" schreibt. Amerika widersetze sich der Anerkennung der Sowjetregierung. Man sei der Ansicht, Rußland habe in Genua nichts zu bieten. Die Herrschaft Lenins, Trotzkis und des Roten Heeres habe Rußland in seine augenblickliche Lage gebracht, und es könne nur eine Vermehrung des russischen Elends erwartet werden, solange die Bolschewisten und das russische Rote Herr die Lage kontrollierten. Mit Bezug auf Frankreich herrsche in den führenden Kreisen ein Gefühl der Bitterkeit und Bestürzung. Don allen Seiten werde auf die unmöglichen, selbstsüchtigen Forderungen der französischen Politiker und auf die unverantwortliche Isolierung, zu der sie ihr Land zu verurteilen bereit scheinen, hingewiesen. London, 25. Jan. (Wolff.) Der diplomatische Berichterstatter der „Daily News" schreibt, die Konferenz von Genua werde so gut wie ein Fehlschlag sein, wenn die Bereinigten Staaten nicht daran teilnehmen. Der „Daily Herald" weist auf die vor kurzem von Trotzki abgegebene Erklärung hin, daß die Teilnahme der Vereinigten Staaten an der Konferenz von Genua von vitaler Bedeutung sei. Die Alliierten-Schulden bei Amerika. P a r i s, 26. Ian. (WTD.) Nach einer Havas» Meldung aus Washington hat Senator Borah im Laufe einer Debatte über den Gesetzentwurf der Konsolidierung derAlliierten-SchuI- den erklärt, die alliierten Nationen könnten durch eine Revision des Versailler Friedensvertrages und durch eine Einschränkung der Armeen auf ein vernünftiges Maß nicht nur die Zinsenzahlungen für ihre Schulden bei den Vereinigten Staaten ermöglichen, sondern auch einen Teil der Schulden selbst zurückerstatten. Borah hat hinzugefügt, daß die amerikanische Regierung, solange man in Europa die heutige Politik verfolge vollkommen im Rechte sein würde, wenn sie die Frage der AllüertenSchulden vom rein kaufmännischen Standpunkte betrachte. Borah behauptete, er könne nicht begreifen, daß Frankreich eine Armee von 850 000 Mann oder 1 Million brauche, um sich gegen ein Deutschland zu schützen, dessen Armee auf 100 000 Mann eingeschränkt sei. Die französisch-englischen Verhandlungen. Paris, 25. Ian. (Wolst.) Der „Petit Parisien" beschäftigt sich in einem Leitartikel mit den bevorstehenden Verhandlungen zwischen Frankreich und England. So wie die Oefsentlichkeit in Frankreich und England augenblicklich gestimmt sei, werde man nichts gewinnen, wenn man in brüsker Weise den Schuhvertrag abschliehe, jedoch wäre es überraschend, wenn man die Verhandlungen, die dem Abschluß des Schuhvertrages vorausgehen sollten, beschränken wollte auf die drei großen Fragen: Konferenz von Genua, Vertrag von Angora und Statut von Tanger, denn es gebe noch eine Frage, über die sich die beiden Länder einigen mühten; das sei die Frage der endgültigen Festsetzung der Grenzen von Polen, genauer gesagt, der Grenzen von Ostgalizien. Eine weitere Frage, die man nicht vergessen dürfe, sei die Aufhebung der Kontrolle über die ägyptische Schuld. Oluch weniger wichtige Probleme würden noch zu regeln fein, so daß es scheine, daß der Meinungsaustausch notwendigerweise lange dauern werde. Deshalb sei es unwahrscheinlich, daß die drei Regierungen das Ende der gesamten Aussprache abwarteten, um den geplanten Schuhvertrag zu unterzeichnen. Die Unterzeichnung müsse erfolgen, sobald der Text des Vertrages feststehe und so bald klar fei, daß in keiner anderen Frage ein Konflikt zu befürchten fei. London, 25. Jan. (Wolff.) Der Pariser Berichterstatter der ..Daily News" weist daraus hin, daß bei der Absendung der französischen Note eine gewisse Besorgnis bemerkbar gewesen sei. Die Anhänger Poincares seien der Ansicht, daß die künftigen Beziehungen zu Großbritannien in Gefahr ständen. — Der „D a i- l y Telegraph" berichtet, daß Poincare Inst ruktionen an den französischen Botschafter in London, dagegen keine Note gesandt habe, damit die Verhandlungen mit einer gewissen Elastizität geführt werden könnten. ($in französischer (tzeneralinspekteur der Armee. Paris, 26. Ian. (WTD.) Vor dem Kriegsausschuß der Kammer hat gestern der KriegSminister Maginot Erklärungen abgegeben über die Ernennung einesGe- neralinfpekteurS der Armee. Nach seiner Ansicht hat dieses Dekret nur eine Lage wiederhergestellt, die vor dem Kriege bestanden hat. Die Befugnisse des Generalinspek- teurS seien nur rein technisch. Seine Machtbefugnisse erstreckten sich nicht auf andere Fragen. Der Ausschuß hat die Prüfung der Erklärungen auf eine spätere Sitzung vertagt. Die litauisch-polnischeu Beziehungen. Kowno, 25. Ian. (WTB.) (LitouischeTele- graphenagentur.) Die litauische Regierung beantwortete die Entschließung des Völkerbundes vom 13. Januar, in der die weitere Behandlung des litauisch-polnischen Streitfalles abgelehnt wird. Die litauische Regierung will diplomatische und konsularische Beziehungen mit Polen anknüpfen, sobald die litauisch-polnischen Beziehungen auf der Grundlage gegenseitiger Anerkennung der Unabhängig eit und Souveränität beider Staaten beruhen. Die litauische Regierung stimmt der neuen Demarkationslinie nicht zu und bittet, nach Abberufung der Kontrollkommission einen Kommi sar zurück- zulassen. Die Anordnungen des Völkerbundes zum Schuhe der MinderAiten will die litauische Regierung annehmen. Kaifer Karls Apanage. Paris, 26. Ian. (WTD.) Wie das „Echo de Paris" meldet, hat sich die Dot- schafterkonferenz gestern mit der Frage der Apanage für Karl von Habsburg beschäftigt. Nach Gerüchten soll sie 6 Millionen Frank im Jahre betragen. Sie geht zu Lasten von Oesterreich, Ungarn, der Tschecho-Slo- wakei, Südflawien, Italien und Rumänien. Um die Abdankung König Konstantins. Paris. 26. Jan. (WTB.) Wie der .Mattn" aus Belgrad meldet, hat König Alexander von Sul^lawien anläßlich seines letzten Beaches beim rumänischen Königspaar in Sinaza dem anwesenden Kronprinzen von Griechenland nahegelegt, er möge seinen Vater Konstantin zur Abdankung veranlassen. Sowohl der König von Serbien wie auch, der König von Rumänien hätten für den Fall, daß Kronprinz Gwrg baldigst den Thron von Griechenland bestiege, die Ausnahme Griechenlands in die kleine Entente und den Ab'chfttß einer Militär- konvention zwischen Rumänien, Düdslawien und Griechenland in Aussicht gestellt, am den Status quo ante zu sichern. Prinz Georg habe die Mission übernommen. Man warte augenblicklich in Bukarest und Belgrad mit Ungeduld auf das Ergebnis feiner Bemühungen. Preußischer Landtag. 93. Sitzung. Berlin, 25. Ian. 1922. Die ‘Beratung des Etats für 1922 wird eingeleitet durch den Finanzminister Dr. v. Richter: Das Bestreben der Finanzverwaltung, sagte der Minister, gehe dahin, die Etatswirtschaft wieder in die Dahnen der parlamentarischen Ordnung zu lenken. Die Betriebsverwaltungen werden jetzt gesondert von den staallichen Hoheitsverwaltungen geführt, so daß sich die Einnahmen und Misgaben jeder einzelnen Derwaltung klar überblicken lassen. Der ^lushaltplan schließt in Einnahme und Ausgabe ab mit über 29 Milliarden. Das bedeutet dem Dorjahre gegenüber eine Steigerung von 3519 Millionen. Aus der Reichseinkommensteuer fließen uns zu rund 2800 Millionen. Der Haushaltsplan für 1921 wies einen Fehlbetrag von 2400 Millionen auf, der eingestellt wurde mit dem Titel „Aus der Erhöhung steuerlicher Einnahmen". Don dieser Erhöhung ist bisher noch nicht ein Pfennig eingegangen, und wir müssen heute noch den Fehlbetrag von 2,4 Milliarden decken. (Hört, hört!) Der Minister weist dann auf die ungeheure Belastung hin, die dem Staat aus der durch die Geldentwertung bedingten Erhöhung der Teamtengehälter erwachse. Dio Länder können unter diesen Umständen ihrer Pflicht nur Nachkommen, wenn sie vom Reich nicht mir Vorschüsse, sondern auch Zuschüsse erhalten. Das Reich knüpft' daran allerdings schwierige Bedingungen. Bei der schlechten Finanzlage des Reiches aber ist cs selbstverständlich, daß es von den Ländern die allersparsamste Wirtschaft verlangt Einige Gemeinden haben tatsächlich bei der Bemessung ihrer Beamtengehälter nicht das Maß gehalten, das durch die schlechte Finanzlage geboten war.' (Sehr richtig!) Das Sperrgeseh muß jetzt nachdrücklich durchgeseyt werden. Darüber waren sich die aus allen Parteien, einschließlich der Unabhängigen, zusammengesetzten Finanzminister der Länder einig. Es geht nicht an, daß die Staatsbeamten schlechter bezahlt werden, als die Gemeindebeamten in gleichen Stellungen. Der Standpunkt, den der Reichs)inanzmini- ster der Finanzwirtschaft der Gemeinden gegenüber eingenommen hat, wird auch von mir durchaus geteilt. Wir sind jetzt Kostgänger des Reiche-, daS sich durch seine Steuerhoheit neue Einnahme- quellen schaffen kann. Nur durch einen Zuschlag zur Einkommensteuer kann die Wirtschaftskaft der Länder und Gemeinden gewahrt werden, und die Länder und Gemeinden werden dieses Ziel nie aus den Augen verlieren, wenngleich nicht verkannt werden darf, daß im Augenblick da- Reich kaum dazu in der Lage fein wird. Dieser bewegliche Steuerfaktor für die Gemeinden muß auch ein erzieherischer Faktor fein, der sie vor überspannten Ausgaben warnen wird. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist heute kein Vergnügen, preußischer Finanzminister zu sein. Die Ergebnisse der staatlichen Betriebsverwaltungen sind recht entmutigend. Wir brauchen eine neue Grundlage, um eine, wirklich lebendige Betriebsverwaltung zu erhalten. Sie muß losgelöst werden von gewissen staatlichen Fesseln. Die staatliche Bergverwaltung müßte die gleiche kaufmännische Bllanzaufstellung haben wie Die privaten Bergwerke. Es muh möglich fein, die staallichen Betriebe beweglicher und kaufmännisch moderner zu gestalten. (Zuruf deS Kommunisten Katz.) Ich sollte meinen, ein Kommunist, und Sie sind doch ein Kommunist, Herr Katz, mühte es doch begrüßen, wenn die staat- lichen Betriebe sich ebenso gut rentieren wie die privaten Betriebe. Die durch den Krieg entstandenen Kosten müssen Preußen schneller als bisher durch das Reich erstattet werden. Trotz der erhofften Mehreingänge an Steuern bleibt immer noch ein Fehlbetrag von rund einer M i ll ia r.de. Die Folgen des Londoner Ultimatums waren geradezu latastrophal für Preußen und daS Reich Fast die Hälfte des Zufchaß- bedarfs deS Reiches mußte durch den Rotsn- umlauf gedeckt werden. Die in London übernommenen Lasten haben sich durch das S eigen deS Dollars schon um mehr als das Dreifach? vermehrt. (Höri, hört!) Die wachsenden A beits- losenziffern im Aurland werden auch diejenigen Cänber, die nicht eine geradezu sadistische Niederschlagspolitik treiben, zu der ilcbcijeuging bringen, daß die Rechnung des Londoner Ultimatums ein L)ch hat, und daß Deutschland nicht ais der Weltwirtschaft ausgeschalket toeiben kann. Die letzten Stimmen aus London zeigen die Ansicht, tuß eine gewisse wirt cha.tliche Harmonie u: ter den Völkern herrsch en ma’,'. Nich irgendwelche Sympathie für Deutschland, aber die eigenen Interessen der Länder werden sie zwingen, sich Die Frage vorzulegen, ob sie bei der Fortse.n mg der Irsinnspolitik fegen Deutschland nicht ihre eigenen Völler selbst auf das schwerste schädigrn. Aus England and auch aus Amerlla kommen immer mehr verständige Stimmen. Alles das läßt die Möglichkeit für die kleine Hoffnung, daß wenigstens in absehbarer Zeit eine kleine Besserung kommen wird. Auch dann noch werden wir unendlich schwere Lasten zu tragen haben. Wenn aber das deutsche Volk sieht, daß es nicht vernichtet werden soll, dann wird es fein Aeußerstes tun, um sich eine Stellung »4m Rate, der Völker Europas wieder zu gewinnen. (Unruhe bei den Kommunisten.) Sie kennen je kein deutsches Volk: Wir aber hoffen, daß das deutsche und das preußische Volk diese Kraft aufbringen werden. Wir können nur durch Arbeit zeigen, daß wir in dieser schweren Zeit alles tun wollen, um wieder zu geordneten wirtschafllichen Verhältnissen zu kommen. (Lebhafter Beifall.) Um 121/2 Uhr vertagt sich darauf daS Haus auf Donnerstag vormittag 11 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die aHgemebte Aussprache über den Etat. Die Vorbereitungen zum Konklave. Rom. 25. Ian. Heute vormittag begab sich trotz des regnerischen Wetters eine ungeheure Menschenmenge nach St. Peter, um die Leiche des Papstes zu sehen. Im Vatikan arbeitet man eifrig an der Vorbereitung des Konklave. In der Höhe der dritten Loggia wurde eine Glocke angebracht, um die verschiedenen Zeremonien des Konklave anzukündigen. Auch in der Sixtinischen Kapelle, wo die Stimmenabgabe stattfindet, haben die Arbetten begonnen. Der Fußboden ist mittelst eines Holzbelages, der die Stufen vor dem Altar verdeckt, ausgeglichen worden, so daß die Kapelle in einen riesigen Raum umgewandelt worden ist. Mit Rücksicht auf ben bevorstehenden Sufam* mentritt des Konklave sind die nachstehenden geschichtlichen Erinnerungen von Interesse: Eine Papstwahl tonn heute nicht mehr Die Pracht unb ben Pomp zeigen, den sie in früheren Jahren hatte, als Rom noch die Hauptstadt eines selbständigen Kirchenstaates war. Die politische Umwälzung von 1870 hat auch bewirkt daß baä Konklave sich noch mehr als sonst tatsachllw hm- ter verschlossenen Türen abspielt, unb alle Die. I-i-rlich-n F°st,üg> und Auffahrt->^unt-«-ib°n di bae Ereignis zu einem malerischen Feste ge*. (falteten. Freilich sind zugleich manche unersreu- liche Begleiterscheinungen einer Papstwahl mit der Zeit verschwunden. Sv kann es nicht mehr Vorkommen, wie im Mittelalter, das; das Volk nach Dekanntwerden des Todes eines Papstes zum heiligen Palaste, der damals der Lateran war, zog, um sich durch Plünderung einen Teil des Vachlasses zu sichern. Auch können nicht mehr die von deir einzelnen Parteien organisierten Demonstrationen des Volkes Vorkommen die dazu bestimmt waren, einen Druck auf die Abstimmung hervvczurusen. Liederhaupt wird auch die Sedis- Vakanz nicht mehr zu einer Ärt Festzeit für das niedere Volk, das es sich zunutze machte, da seine Geistlichen und zugleich weltlichen Obern durch die Papslwahl abgelenkt wurden und so die Zügel der Herrschaft nicht so scharf anzogen. 3m Mittel- alter und der Renaissancezeit war das Interrex, des „Camerlengo" erste Idee daher, sofort bei dem Eintritt der Sedisvakanz für die Sicherheit der Stadt zu sorgen, indem er die Wachen in der Gngelsburg und in der ganzen eigentlichen Papst- fladt der „Cittä Levnina" zu verstärken uird die Engelsbrücke durch die fürstliche Familie Mattei, die dazu das Privileg hatte, sperren zu lassen befahl. Diese Brücke, die einzige, die zum Vatikan führte, durfte dann nur noch nach Vorzeigen der Medaille passiert werden, die der Camerlengo prägen lieh. Außerdem muhte wahrend der Kon° klavezeit jeder Bürger ein Licht zur Nacht an sein Fenster stellen, oenn mit dec Strahenbeleuch- tung in Rom stand es zu jenen Zeiten sehr schlimm. Die letzten LInruhen, die sich trotz aller Dorsichtsmahregeln dennoch ereigneten, verzeichnet die Chronik von 1829 und 1831. 3m ersteren Jahre stürmte das Volk nach dem Tode Leos XN. alle Kneipen, weil der strenge Papst zu seinen Lebzeiten angeordnet hatte, dah sie durch Verschlage abgeteilt würden, die nur einen Steh- Irunf erlaubten. 1831 platzte aber nach Pius' VIII. Tod vor dem Vatikanportal eine Bombe, und sieben Tage später eine Petarde. Aber mit den Ausschreitungen sind auch, wie gesagt, die malerischen Auf üge und Prozessionen st>rtgefallen, die das Stadtbild so schön belebten. D'e berühmteste Prozession war die des römischen Welt- und Ordensklerus, die jeden Tag während der Wahl von der Kirche St. Apostoli zum Vatikan zog und dort fragte, ob schon der neue Herr ge- üxÜjlt worden sei, und dann, wenn die Antwort negativ ausfiel, desselben Weges unter Anrufung des heiligen Geistes und dem Gesang „Deni Creator Spiritus" zurückkehrte. Seit 1870 fällt auch der feierliche Transport der Speisen an die eingeschlossenen Kardinale fort, der stets Gelegenheit zu pomphaften Aufzügen gab. Aach der Neuordnung der Dinge hat man in jebem Konklave im Vatikanpalast selbst eine Küche eingerichtet, so dah sich die Purpurwähler nicht mehr das Essen bringen zu lassen brauchen. Von dieser Küche machte 1878 aber Kardinal Hohenlohe nicht Gebrauch, er zog es vor, am alten Brauche festzuhalten. 3m Jahre 1903 wich auch der Kardinal Daszarh von diesem Brauche ab, weil man ihm nicht gestattet hatte, seine ungarische Köchin mit in den heiligen Derschbih mitzunehmen, und so wurde auch ihm das Essen auswärts zu- bereitet. Aach einer alten Chronik verlief ein solcher Speisentransport folgendermahen: Die Edel- leute der Kardinale holten die Mahlzeit in dem Galawagen ihr«' He rren ab. Begleitet aber würben ' sie vom „Oberseneschal-Dapifer", der mit seinem . Kopfe für die Giftfreiheit bes Essens bürgte. Er folgte mit anderen Lakaien in anderen Wagen, so - dah jeder Kardinal einen eigenen Festzug hatte, den „porta-pianzo". Das Diner befand sich in einem Korb oder Dlechtopf, die mit einem violetten Tuche bekleidet waren, wenn der betreffende Kardinal von dem letztverstorbenen Papste ernannt worden war, mit einem g&nen, wenn ihn einer von dessen Vorgängern kreiert hatte. So fuhr man mit langsamer Feierlichkeit bis zum Konklareort, gewöhnlich den Quirinalpalast, und nun bildete sich ein neuer Zag. Voran gingen zwei Lakeien, die Stäbe mit dem Wappen be3 Kardinals trugen, deren Farbe wieder entweder violett oder grün waren. Ihnen folg e ein „Mazziere", ein Diener, der eine silberne Keule mit dem K)lben nach unten trug. Daranf kam der Sperteträger, die Serviette auf der Schulter und links und rechts gefolgt vom Stallmeister und dem M:n s^ert. Ten Schuß b L beten die Küchendiener, die die Schüsseln aus Silber und die Zukost tragen. An einer der vier Drehscheiben (Rote), an deren der Verkehr mit der Au e tee t gestattet war, er. p fingen den Zug die mit ihrem Kardinal ein geschlossenen Begleiter, die sog. Konklavisten, nahmen die Sveisen in Empfang und überreichten sie den Türwächtern, meist höheren Geistlichen, die untersuchten, ob in den Gerichten keine Zettel oder Briefchen versteckt waren. Solche Ein- schmuggelung ist streng verpönt, und auch heute noch ist die Vorschrift des Papstes Pius IV. in Kraft, die die strengste Ueberwachung aller Dinge anbefiehlt, die in den abgeschlossenen Konklave- raum eingeliefert werden. * * * Die hessisch« Regierung zum Ableben des Papstes. Darmstadt, 25. Jan. Auf die Mitteilung des Bischofs Dr. Ludwig Maria Hugo in Mainz vom Ableben des Papstes Benedikt XV. hat das Ge samt - ministerium in einem Schreiben an den Bischof die herzlichste Teilnahme der hessischen Staatsregierung an der Trauer ausgesprochen, in welche die kathv lischen Volksgenossen durch den Verlust ihres kirchlichen Oberhauptes versetzt worden sind. Alle Telle der Bevölkerung werden das Ableben des Papstes Benedllt XV. schmerzlich empfinden, eines Mannes, der sich durch seine unentwegten Friedensbemühungen und seine unermüdlichen Anstrengungen, die Völker der Welt wieder einander näher zu bringen, unvergängliche Verdienste erworben hat. Als Vertreter der Landesregierung wird an dem am Donnerstag, 26. d. Mts., im Dome zu Mainz stattfindenden Tvauergottes- dienst der Minister des Innern v. Brentano tellnehinen. Wettervoraussage für Freitag: Wolkig, strichweise Schneefälle, kühl, wech- felnbe Winde. Das östliche Hochdruckgebiet nimmt weiterhin an Intensität ab. Aur langsam macht sich ein allmählicher Witterungsumschlag gdtenb Aus Stabt uns ttanb. | Dietzen, den 26. Ian. 1922. Wechsel in der Provinzialdireltion. Laut „Darmstädter Zeitung" erfolgten am 23. Januar folgende Ernennungen: Der Provinzialdirektor der Provinz Rheinhessen und Kreisdirekwr des Kreises Mainz. Ge- heimerat Wilhelm Best, zum Provinzial- direkwr der Provinz Starkenburg und Kreisdirektor des Kreises Darmstadt; der Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen und Kreisdirektor des Kreises Gießen, Geheimerat Dr. Karl LI s i n g e r. zum Provinzialdirektor der Provinz Rheinhessen und Kreisdirektor des Kreises Mainz; der Staatsrat im Ministerium des Innern Ludwig Matthias zum Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen und Kreisdirektor des Kreises Gießen, sämtlich mit, Wirkung vom 1. Februar 1922 an. In den Ruhestand versetzt wurde der Provinzialdirektor der Provinz Starkenburg und Kreisdirekwr des Kreises Darmstadt, Geheimerat Friedrich Feh, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste. Durch Entschließung des Ministeriums des Innern soll er zum stellvertretenden Vorsitzenden einer zu bildenden Kommission für die Verwaltungsreform bestellt werden. » Geheimerat Dr. Llsinger erfährt mit seiner Versetzung nach Mainz die gleiche Berufung wie sein Vorgänger Dr. Breidert, der vor 12 Jahren ebenfalls die Hauptstadt Oberhessens mit dem „Goldenen Mainz" vertauschte. Dr. Llsinger übernahm in Gießen am 4. März 1910 die Geschäfte des Pro- vinzialdirektors. In seine Amtszeit fallt die Vollendung der elektrischen Liebe clandanlage und des Kraftwerks Wölfersheim, denen er seine besondere Förderung zuteil werden ließ. Während der Kriegsjahre, die bei vermindertem Deamtenstab die Verwaltungsarbeiten häuften, wußte Dr. Llsinger durch geschickte Organisationen, Heranziehung geeigneter Hilfskräfte . und eigne rege Tätigkeit allen billigen Anforderungen gerecht zu werden. Wer mit ihm in Berührung kam, erfuhr sein von starren bureaukratischen Formen freies Wesen, seine Neigung, in geeigneten Fällen auch durch offene Auseinandersetzungen seinen Standpunkt sowie Interessen oder Ziele seines hohen Amtes zu vertreten. — Dr. Llsinger ist 1864 in Mainz geboren und war vor seiner Llebersiedelung nach Gießen Ministerialrat und Vorsitzender der Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe. Der neue Provinzialdirektor, bisher Ministerialdirektor, Staatsrat Ludwig Matthias, ist geboren am 11. August 1872 in Echzell (Oberhessen), wo sein Vater Arzt war. Sein Großvater, Matthias, war Direktor der Taubstummenanstalt in Friedberg. Staatsrat M. hat eine sehr rasche, glänzende Karriere im Ministerium des Innern hinter sich; er war lange Jahre Vortragender Rat im Ministerium, sodann im Kriege und nachher Bundesratsbevollmächtigter, und zuletzt hessisches Mitglied des Reichsrats sowie stellvertretender hessischer Gesandter. * ♦* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 18. Januar die Polizclwacht- meister auf Probe Julius Barth aus Gießen, Heinrich Farr aus Wolferborn bei Gelnhausen, Ernst Kohn aus Funkenhagen (Kreis Templin), Heinrich Liebermann aus Grebenhagen(Kreis Homberg), Richard Pietsch aus Hungen. Otto Rau aus Eichelsdorf (Oberhessen), Wilhelm Walther aus Eckartshausen (Kreis Büdingen), Josef Wieder aus Roth a. d. Roth (Württemberg), Karl Zimmer aus Groß-Eichen (Kreis Schotten) zu Poll-eiwachtmeistern mit Wirkung vom 7. Januar 1922 an bei dem Polizeiamt Gießen. ** Schulaufnahme. Die Anmeldung der in Gießen wohnenden Kinder, die bis zum 1. Mai 1922 das 6. Lebensjahr zurucklegen, zur Volksschule hat zu erfolgen für Knaben am Montag, cem 30. Januar, vormittags 9—11 Llhr, in dec Stadtknabenschule, für Mädchen am Dienstag, dem 31. Januar, in der Stadtmädchenschule. ** Kleinrentner. Man schreibt uns: Die Ortsgruppe Gießen des Deutschen Rentnerbundes ist bestrebt, die Interessen dieses Standes sowohl durch Raterteilung in Einzelfällen und Lurch Besprechungen in den jeden Donnerstag stattfindenden Vorstands- und WirtschaftSauSschuhsitzungen, wie in den all- monallich abgehaltenen allgemeinen Monatsversammlungen zu behandeln. Die Ortsgruppe zählt gegenwärtig 300 Kleinrentner zu ihren Mitgliedern. Als wichtigste Aufgaben betrachtet die Vereinigung die Erreichung wirtschaftlicher Vortelle durch gemeinschafllichen Bezug von Lebensrnitteln und Hausbedarfs- gegenstänüen, Verbilligung des Bedarfs an Kleidung und Schuhwerk, ärztliche und zahnärztliche Behandlung, ünd schließlich die Gewährung von Beihilfen durch die Gemeinden, die Länder und daS Reich. Denn die Notlage der Kleinrentner hat ihre Hauptursache in der ohne Verschuldung der Betroffenen eingetretenen Entwertung des Geldes. Auf Grund von Fragebogen konnte in Gießen festgestellt werden, daß 8 Prozent der Rentner noch nicht 1000 Mk. an jährlichem Einkommen hatten, 26 Prozent hatten 1—2000, 15 Prozent 2 bis 3000, 15 Prozent 3—4000 Mk. Der Rest bis auf 2 Prozent, der über 10 000 Mk. Einkommen hat, verfügt über Einkommen von 4000 bis 10 000 Mk., wobei zu berücksichtigen ist, daß etwa 20 Prozent der Rentnerfamllien aus zwei und mehr Personen bestehen. Der Zahl nach überwiegen die Rentnerinnen, das Verhältnis ist 73 ßu 27 gegenüber den Rentnern. Dem Alter nach haben die meisten Rentner daS 60. Lebensjahr überschritten. Bornotizen. — Tageskalender für Donners" 11 a g. Höcsaal des Anatomischen Instituts, Bahn- I hvfstraße 84, 8y< Llhr: Vortrag der ObechessischM Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Kach. Deceinshaus. 8 Llhr: Vortrag Dr. Stählin: „Untere geistige Lage". — Astoria-Lichtspiele, ab heute bis einschließlich Sonntag: „Der große Chef" und „Präriestürme". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße, ab heute: „Jacks Geheimnis" uno „Was tat ich dir?" — Aus dernStadttheaterbureau. „Peter Brauer", das neue Werk Gerhart Hauptmanns, das am Mittwoch, 1. Februar, zum ersten Male hier zur Aufführung gelangt, hatte bei seiner Llraufführung im November vorigen Jahres in Berlin am Lustspielhaus einen durchschlagenden Erfolg. Die Berliner Kritik schrieb damals: „Bei dieser Porträtstudie, der es nicht an niederländischer Saftigkeit fehlt, verweilt Hauptmann mit seiner ganzen künstlerischen Freude und Liebe. Cs gibt keinen deutschen Dramatiker der Gegenwart, der Hauptmann eine Gestalt wie diesen Peter Brauer nachzuschaffen vermöchte." — Konzertverein. Das nächste Konzert am Sonntag den 29. Januar bringt eine feingewählte Auslese aus dec allzu selten in den P og ammen berih fichtt;ten Trioliteratu c. Bargeboten werden die Vorträge von dem Kölner Trio bet'Herren Llzielli (Klavier). Dram-Eldering (Violine) und Em. Feuer- mann (Cello). Das Verlangen nach einem Klaoiertrio-Abend ist in Gießen besonders rege, weil die früher so beliebten regelmäßigen Trio- Abende der Herren Trautmann, Redner und H e g a r zum großen Leidwesen aller Freunde vornehmer Kammermusik seit Jahren eingegangen sind. Für das bevorstehende Konzert find vorgesehen: Dvoraks f-Moil-, Brahms C-Moll- und Schuberts 8-Dur-Triv. Für dieses köstliche, an Melodien so reiche Weck, bet dem selbst die göttliche Länge nicht ermüdet, werden alle Hörer dankbar sein, ebenso für das in der Mitte stehende Brahmssche Trio, das kompositorisch wohl den Höhepunkt des Programms bedeutet. Bei der abgeklärten seelenvollen Act, wie sie den Vorträgen des Kölner Trios zu eigen ist. darf man einen hohen künstlerischen Genuß erwarten. Freunde guter Musik mögen sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Eintrittskarten sind bekanntlich bei Ernst Challier und abends an der Kasse zu haben. — Vortrag Liman v. Sanders. Der Vorverkauf hat begonnen und xeigt schon setzt das rege Interesse, das dem Verteidiger von Konstantinopel entgegengebracht wird. Konstantinopel — das Ziel dec englischen und rassischen Polttll, der Pol der deutschen Tagdadbahn — and leine Verteidigung während des Krieges werden unter der Mo bereu Berücksichtigung der Dez eh ing n Deutschlands and Eigands zu der Tucker ans nahergebcacht werden, bildlich sowohl wie besonders durch den Vortrag des Mannes, der wohl am ehesten berufen ist, aus seiner Erfahrung heraus dieses Gebiet zu behandeln. — Die Deutschnationale Volks- Partei häll am Donnerstag, dem 2. Februar, abends 8 Llhr. im Postkeller ihre Hauptversammlung ab. Landkreis Gießen. * Watzenborn, 25. Jan. Am nächsten Sonntag begeht der Gesangverein Sängerkranz dahier das Fest seines 45jährigen Bestehens. Aus Anlaß dessen veranstaltet der Verein ein Gesangs- und Musikkonzert, bei dem Kunstchöre und'Volksweisen zum Vortrag kommen. Die Leitung deS Konzerts liegt in den Händen des bewährten Dirigenten H. Blaß. x Wieseck, 25. Ian. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde das Wassergeld erhöht auf etwa das Doppelte das Sprunggeld beim Rindvieh auf 20 Mk., bet den Ziegen auf 8 Mk. und bei Schweinen a if 30 Mk.; auch die Verpachtungspreise der Gemcindeplätze erfuhren eine zeitgemäße Hera lf- setzuna Beschlossen wurde das Einrahmen der Gedenktafeln mit den Bildern uns2ter Kriegsopfer in der Kirche, wodurch ihre bessere Erhaltung gesichert ist. Die endgültige Kriegerehrung unserer Gemeinde können aber und sollen diese Tafeln nicht lein. Haupt sächlich aus künstlerischen Gründen soll hier jedoch nichts übereilt werden; unser Dorf ist nicht reich an geeignten Plätzen, und man wird wohl auch diesmal wie 1871 auf dem Friedhof einen solchen suchen. Vielleicht kommt man auch hier, wie anderswo, zunächst zur Verbindang des Gedankens dec Kriegerehrung mit einem andern durch Beschaffung einer Kriegergedächtms- g l o ck e. Die Glockenfrage ist mit der ablehnenden Haltung des Gemeinde ats in seiner letzten Sitzung noch nicht erledigt. Andere Gemeinden — so Großen-Bulcck mit vier Glocken — gaben hier ein gutes Beispiel, das nachzuuhmen im so leichter gewesen wäre, als fast ein Drittel der bet längerem Warten sich steigernden Anschaffungskosten durch freiwlllige Spenden aufgebracht werden; solche gehen aus allen Kreisen der Bevölkerung noch immer ein, werden aber nie reichen, am die Baupflicht der bürgerllchen Gemeinde bei dieser Sache nicht in Anspruch zu nehmen. Kreis Alsfeld. § Nieder-Ohmen, 25. Ian. Einem hiesigen Iagdpächter gelang es. einen Edelmarder zu erlegen. Wenn er für den Balg 3000 Mark erlangt, wie jüngst über einen solchen Preis berichtet wurde, so hat er eine gute Deute gemacht. § Ober-Ohmen, 25. Ian. Ganz er» staunlich hohe Preise wurden bei der Brenn holzver st eigerung aus den Ried- eselschen Waldbezirken zu Llnter-Seibertenrod erzielt. Das Meter Duchenscheit, das auf dem Tarifpreis von 110 Mark stand, wurde mit 200 bis 250 Mk. bezahlt, also 4 Raummeter mit 1000 Mk., die im Friedenspreis auf 30—40 Mk. gestanden. Buchenprügel kosteten das Meter 170 bis 200 Mk., Reiser das Meter 20 Mk., Stocke bis 100 Mk. Holzhändlec waren wohl auch anwesend. aber sie machten das Holz nicht teurer, sie boten nicht mit. Ja. die Leute, die Geld haben! § Aus dem Ohmtal, 25. Ian. Wenn die Ohm, ein pures Quellwasser, z u f r i e r t, wie es seit vorgestern der Fall, dann krachen dem Fuchs und dem Hasen die Rippen im Leibe. Eine Kälte von —10 Grad Reaumur bei schneidendem Nordvst, das ist lange nicht dagewesen. Die Diehbesitzer verwahren ihre Ställe mit dichten Strohbelegen, ja in einem Schweinestalle wurde ein Ösen aufgesetzt, um die Tiere gegen die Kälte zu schützen. Strenge Herren regieren nicht lange. Hoffentlich! Kreis Lauterbach. § H ö r g e n a u. 25. Ian. Die Mitteilung aus dem Vogelsberg über den Niedergang der Flachsindustcie trifft für unseren Ort nicht zu. Hier steht dieses Hausgewerbe noch in vollem Schwung. Abends gehen die Mädchen, oft zu zehn, mit dem Spinnrade zur Spinnstubc und spinnen ihren Flachs wie zu Großvaters Zeit. Wir kennen Familien, in denen alle erwachsenen Glieder abends mit dem Flachsspinnen beschäftigt sind. Die Männer spinnen den Flachs zum Anzug, die Frauen den Einschlag zum Tuch- weben. In unserem Ort hört man denn auch den Schlag der Webstühle. Es gibt kaum ein Haus, in dem Winters nicht 2—3 Stücke Lein wand gewoben werden. Hier gilt noch der alte Dauecnkernspcuch: Selbstgespvnnen. selbslgemachi — das ist reine Dauern tracht. Kreis Friedberg. fpd. Friedberg, 25. Ian. Die beiden Galizier Moses Rottenberg und Moritz Horowiz, in Frankfurt wohnhaft, haben in einer der letzten Nächte aus der hiesigen Synagoge zehn Gebetmäntel und verschiedene silberne Gegenstände gestohlen. Man nimmt an, daß die beiden Diebe auch die in der letzten Zeit in Worms und Mainz vor- gekommenen Synagogeneinbrüche verübt haben. Starkenburg und Rheinhessen. fpd. Offenbach, 25. Ian. Ein hiesiger Maurermeister führte beim Provinzialausschuh Klage gegen d i e Stadt Offenbach, weil er für feine Haushälterin zur Angestelltensteuer hecangezogen wurde, obwohl er durch den Tod seiner Frau für die Erziehung seiner 6 Kinder und die Ordnung des Haushaltes eine Person benötige, wofür er die gesetzliche Steuerfreiheit beanspruchen könne. Die Stadt Offenbach ist da gegen der Ansicht, dah der Meister sehr wohl in der Lage sei, den geringen Betrag von 100 Mk. zu zahlen und erreichte auch die kostenpflichtige Abweisung des Mannes. Hessen-Nassau. Ein Familiendrama. fpd. Frankfurt a. M„ 25. Ian. Ein blutiges Farnlliendraina spielte sich heute nachmittag im Hause Friedberger Landstraße 214 ab. Der hier wohnhafte etwa 40jährige Invalide Konrad Kuhn geriet mit seiner Frau in Streit und tötete sie im Verlauf desselben durch mehrere Beilhiebe auf den Kopf. Dann wickelte er die Leiche in Bettücher und klemmte sie unter das Bett. Hierauf zündete er die Wohnung an. Alsdann erhängte er sich an der Türklinke. Die Feuerwehr löschte in kurzer Zeit den Brand und fand erst bei den Auf- räumungSarbeiten die Leiche der Frau vor. Da Kuhn schon wiederholt in Heilanstalten war, nimmt man an, daß er die Tat in einem Anfall geistiger Llmnachtung vollbracht bzw. in solchem den Streit mit seiner Frau herbeigeführt hat. mc. Frankfurt a. M., 25. Ian. Ein höherer Reichsbeamter war von Magdeburg nach Frankfurt versetzt worden und suchte eine Wohnung. Mit Hilfe eines Tausch- bureauS erhielt er für seine Magdeburger Wohnung eine solche in Dresden. Diese wurde wieder mit einer Wohnung in Stuttgart vertauscht. Die Wohngelegenheit in der württem- bergischen Hauptstadt nahm ein Cölner Kaufmann in Besitz, dessen Wohnung am Rhein ein Frankfurter bezog. Der Magdeburger Beamte zog nun in die für ihn fteigewordene Frankfurter Wohnung. — Durch ihre Scheinwerfer gegenseitig geblendet, kamen auf der Friedberger Landstraße zwei Kraftwagen nus der'Fahrtrichtung. Das eine Auw fuhr auf den Bürgersteig und überrannte einen gerade nach Haufe gehenden städtischen Beamten. Der Mann erlitt einen doppelten Schädelbruch, an dessen Folgen er verstarb. * Frankfurt a. M., 25. Jan. Der landwirtschaftliche Vortrag Skur- sus, ijj dem hier über die verschiedensten die praktischen Landwirte interessierenden Gebieten anerkannte Fachauwritäten aus ganz Deutschland sprachen, war von außerordentlichem Erfolg begleitet. In den erstatteten Referaten wurden die neuesten Forschungen behandelt. Von der hiesigen Universität hat Prof. Dr. K r a e m e r einen interessanten Vortrag über: „Formalismus in der Tierzucht" gehalten, der bei den Zuhörern lebhaften Beifall fand. fpd. Fulda, 25. Ian. Beim Kornrösten fingen in Stellberg die Kleider der 15jährigen Maria Karges durch eine plötzlich hervorstechende Herdflamme Feuer. DaS Se Mädchen sprang, am ganzen Leibe bren- , auf die Straße, wo man ihm Hilfe zuteil werden ließ. Seinen furchtbaren Verletzungen ist es in kurzer Zeit erlegen. Vermischtes, Theaterbrand in Dessau. Setfau, 25. Ian. (Wolff.) 1 Llhr 40 Win. mittags: Das Friedrich-Theater, das frühere Hvftheater, steht feit einer Vier eir unde tn Flammen. Dec defige ©ebäate'.omple): bildet ein einziges Flammenm.ec. An eine Re lang ist nicht zu denken. Auch das Elektrizitätswerk ber Stadt Dessau Ist gefährdet. Dessau, 25. Ian. (Wolff.) Zu dem Brandt des Friedrich-Theaters wird weiter gemeldet: Das Theater ist völlig vernichtet. Dec Brand brach während bei- Probe aus. Er entstand durch Kurzschluß und sand an den zahlreichen Theaterrequisiten reichliche Llahrung und breitete sich mit rasender Schnelligkeit auf d e angrenzenden Räume aus. Llm 12y3 Llhr bereits waren die an das Theater angrenzenden Kammerspiele von dem Feuer ergriffen und eine halbe Stunde später vernichtet. Die Dessauer Feierwehr sieht dem Element machtlos gegenüber. Deshalb sind die Wehren der umliegenden Städte zur Hilfeleistung herbeige rufen worben. Das Feier E-rettete sich weiter aus unb droht, den gingen umliegenden Häuserblock zu verrichten. Dw beliebte Kammersängerin Frau Hecking wurde ein Opfer der Flammen. * Theater stellungsloser Schau* s p i e l e r. Llm der großen Arbeitslosigkeit unter | den englischen Schauspielern in etwas zu steuern. Gerhard - ;Zh W- xr ■ K § H , L, 25. 3aii. Ein Dar von Magdeburg vorden und suchte Hilfe eines Tausch' feine Magdeburger resöen. Dich wurde g in Stuttgart tyr- ieü in der württem- n ein C-viner KauV- LchMNg am Rhein x Magdeburger Re- t ihn fteigewordene - Durch ihrr nfeitlg iedbrign fianifttW' ^Fchitiich«?. Büwtfteigw»*; uh tollte 9**" Snedüteto" ibtu». Ml™ ®„ 25. I>,to SÄ SSg Kir von außerorvenl °«S P l«ten Leider der > «W Ä * me Mbre°- oo lna« M- *tW^‘** schier- Klff.u A E g ift iäfiÄ“ s-AAW ^^hr K--^b-> 5 aegcn^«M P • *£& *J?!> * Kvt» en. Acha^ Mi- ®ä2'"b«“ * 7 Ä ^in^6iinn(n Dachs Es gch.> auch ' 12~3 6to* ™ ' «iü A*. berg. **d?JF* berÄ” Wenin le gVffS °-W«- ’n» ^^bruche^, ^cinheffen. bt Offenbach. 'Jg ^M^steuer Almer 6 kicher Nün Tivlriinchn, 1 Deister sehr vch ,.Wen Betrag von nchle auch die losten ilameö. üau. Drama. 25. 3an. Ein leite sich heute nachher Landstraße 214 itoa 4vsährige 3n= A mit seiner Frau n Verlauf desselben ruf den Kopf. Dann rttücher und klemmte ■auf zündete er die rrhängte er sich an »ehr löschte in kurzer d erst bei den Aus- riche der Frau vor. lvlt in Heilanstalten daß er die Tat in mnachtung vollbracht reit mit seiner Frau chrn ohne eine Besserung der Ernährungsverhäl in den 5>unaerzentren gefährliche Seuchen und Sabbatfeier, 28. 3a n. 1922. 5 ei tag abb. 4.50 brei^> Nch Dondbort über das Land aus. Eholera, Samstag vonn. 830. Predigt, ^achrn. 3 30 Dysenterie, Rücklall-- llnd Flecksieb-rr sind nicht nur Sabbatausgang 6.05. — Wvchengvttesdienst : für Rußland selbst, sondern sürganzGuropa' nrorg 7.00, adds. 4.30 Adr. 0816 Gießen, den 26. Januar 1922. Blumenspenden dankend verbeten. 916 D [Vermietungen nisse unmöglich ist. Es gelang dann auch, andere Organisationen mit Lebensmitteln zur Hilfeleistung in Kasan zu veranlassen. So verbacken wir zur Zeit 230 Tonnen Mehl, die von einem schwc- bischen Handelstvnsortium unserer Mission zur Verfügung gestellt wurden, in Kasan zu Zwieback, der in den am meisten leidenden Kantonen Spask Anß. tndif. MMn bet hohem Lohn u. guter Verpflegung gesucht. 908 Lndn. Frankfurt a.M. Grünestrahe 40. Kunst und Wisienschast. — Grillparzer - Rachlatz Die (Eröffnung der De Heimpapiere aus dem Rachlasse Drrll- parzcrs hat in literarischer Hinsicht nichts Besonderes zutage gefordert. Bon wesentlicher Bedeutung sollen nur einige Gedichte, sowie Auszeichnungen und Briese fein, die sich auf feine „ewige Braut" Katharina Fröhlich beziehen. Zeichenlehrer im Alter von 61 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Gerhard geb. Arnold. Gießen, den 25. Januar 1922. Die Beerdigung findet Montag, den 30. Januar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Statt besonderer Anzeige. Heute morgen entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein geliebter Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Schwager Die Zustände Im russischen Hunger- und Seuchengebiet. iDe richt der Hilfserpedition des Deutschen Roten Kreuzes für Ruhla n d.s Der auf kurze Zeit in Berlin anwesende ärztliche Leiter der deutschen Hilfsexpedition Prof. Dr. Mühle ns teilt folgendes mit: Untere Mitte September in Petersburg ein» getroffene Expedition hatte die Aufgabe, im Rahmen des von Frithsof Ransen geleiteten intecnatroralen Hilfswevks in den von Hunger und Seuchen betroffenen Gebieten ärztliche Hilfe zu leisten. Auherdem lag es im Interesse der Seuchenabwehr von unseren Reichs- und Tetfuschi verteilt wird. — Die Kranken in den von uns mit Medikamenten versorgten Krankenhäusern Kasans werden jetzt von der Internationalen Arbeiterhilfe ernährt. DaS Elend in den Hungerkanlonen des Gouvernements Kasan ist ebenso wie In S a- mara und Saratow — herzzerreihend Täg- Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unsres lieben, teuren Entschlafenen sagen wir innigen Dank. In tiefem Schmerz: Frau Auguste Kern und Kinder. SIMrtM das ähnliche Stelle schon begleitet hat. z. sofortigen Eintritt gesucht. 0836 Zuschriften erbeten an Krau G. Wolf, Kaufhaus. Bad Nauheim. Fürstenstratze 26'/,» Zuverläss.. anständiges Mädchen bis nachm. gesucht. w Frau Direktor Vogt, Gr. Steinweg 23 l l. Kirckttiche Nachrichten. Israel Religionsgernetnde Gollee- dienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag 28. Jan 1922. Borado. 5. Morg 9. Predigt. Abds. 5.25 und 6.05 llhr. ' Israel. Religions-Gesellschaft 9rö. WA» gesucht. 096S Täubert, SelterSweg 70. Wegen Erkrank, meines Mädchens suche p. L Febr. tüihtMs Maxell evtl. Ausbitte. 0826 Frau Carl Baer. Neustadt L WgtlW sacht zum 1. April d. I. Lehrling mit guter Schulbildung, mindestens Obcr- sefnnoareise. Echristl. Angeb. unter 0805 au d. (Äeß. Anz. Suche auf sofort oder 1. Februar ein solides, ehrliches 0811 Mädchen. zrao Oberst Mllwllttl). Neue Kaserne. Mr Zäbrik der Lisendranche zur Unterstützung des Magazinverwalters twetjflnfletet Benfmana sgeleruterEiseuhäudler) zum baldigen Eintritt gesucht. Schristl. Angebote mit Lichtbild und Neserenz- angabe unter 928 an den Gießener Anzeiger. Todes-Anzeige. Heute früh entschlief nach langjährigem schweren Leiden meine innigstgeliebte, treubesorgte Frau, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Frau Sophie Lazarus geb. Katz an ihrem 54. Geburtstage. Die trauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Ludwig Lazarus. Gießen (Asterw.53), Cassel, Frankfurt a.M., San-Bernardino (Cal ), den 25. Januar 1922. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 27. Januar 1922, vormittags 1 PA Uhr, vom Portale des Israel. Friedhofes aus statt Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine herzensgute Frau, unsere treusorgfende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Luise Marie Erb geb. Heckroth am Mittwoch vormittag 9 Uhr im 51. Lebensjahr sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: Jobs. Erb August Erb Familie Ludwig Erb Familie Anna Reuter Witwe geb. Erb Familie Karl Erb Familie Otto Erb. Wieseck, Cuxhaven, Annerod, Frankfurt a.M., 26.Jan.1922. Die Beerdigung findet statt: Freitag, den 27. Januar, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause Obergarten 11 aus. •86 pat öle englisch« Dühnengenossenschaft einen Fonds für stellungslose Schauspieler geschaffen und eine Organisation ins Leben gerufen, die den brotlosen Künstlern Beschäftigung zu vermitteln sucht Man will aus den stellungslosen Schauspielern Thcater- truppen zusammenschliehen, die in den Londoner Dorstädten und in den kleineren Städten Grvh- britanniens Borstellungen geben sollen. Bei dielen neuen Theaterorganisationen werden nur Mitglieder der englischen Dühncngenostenschaft beschäftigt. Die durch die Gesellschaft gegründeten Theatertruppen sehen ein Mindesthonocar von drei Pfund die Woche vor. Bon allen überschüssigen Gewinnen sollen 40 Proz. an den Fonds abgeführt werden. Die neuen Theater- truPDcn werden die verschiedenartigsten Gattungen pflegen und imstande sein, sowohl ein Shake- spearesches Trauerspiel als auch eine Revue vor- zu führen. lich sterben Tausende an Hunger und Seuchen. B.'rge von Leichen türmen sich stellenweise auf. Protokollarisch steht fest, datz Mütter Leichenteile ihrer Kinder gegessen haben und bah auch sonst Leichenteile zur Stillung des Hungers benutzt worden sind, nachdem man sich lange Zeit mit einem „Brot" begnügen mutzte, das aus gemahlenen Baumrinden, Steppengras, Eicheln (mit Schalen) oder dergleichen hergestellt war. Andere hatten das „Lehmessen" (eine Magentäuschung!) als Brotersah begonnen. — Die noch in Aussicht stehenden Hungerhilfen kommen zum Teil zu spät. Auch sind inzwischen die meisten Transporttiere verhungert oder aufgezehrt, so datz jetzt schon ungeheuere Transportschwierigle.ten bestehen. Dieh- futter ist also auch dringend notwendig. Als Begleiterscheinungen des Hungers wüten in den Hungerzentren gefährliche Seuchen und Wer gibt an hiesigen mohnungslofen Polizei» beamten setzt oder in nächster Zeit ein oder zwei leere Zimmer ab? Schristl. Angebote unter0933 a. d. Gish. Anz. Schön möbl. Zimmer ver 1. Februar gesucht. Schristl. Ang. unter 0809 an d. Gieneuer Anzeiger. Gut möbl.Zimmec Nabe Wilbelmstr. für sofort ob. 1. Februar von Herrn gesucht. Schristl- Angeb. unter 925 an d. Gieh.Anz. scheu Hungerkomitees in einem für alle Ckpe- ditionszwecke mustergültig eingerichteten Sanitäts- zuge an die „Hunger- und Seuchenfront", in das Gouvernement Kasan (Zentralrutzland), wo wir nunmehr seit 212 Monaten tätig sind. Die Einrichtung des uns als Heim und Wohnung dienenden, aus 24 Waggons bestehenden Sanitätszuges hat sich dabei autzervrdentlich gut bewährt. Der Zug enthält u. a. Laboratoriums-, Apotheken-, Operations-, Desinsektions-, Bade-, Wasch-, Küchen-, Bureau-, 3 Wohn- und Bor- rätcwagen. In unseren hygienisch einwandfreien Wohnwagen — bei sorgfältiger Verpflegung — sind die Expeditionsmitglieder am sichersten vor Flecktyphus und anderen Infektionen geschützt. Zwei bisher erfolgte Flecktyphus-Infektionen sind im Außendienst entstanden: im übrigen sind wir von Seuchen verschont geblieben, trotzdem unser Arbeitsgebiet enorm von Flecktyphus, Rückfallfieber, 592enterte, Unterleibstyphus und anderen Seuchen heimgesucht ist. Als Hilfeleistung bei der Ermittlung und Bekämpfung der Infektionskrankheiten haben wir — anher unserem Laboratoriumswagen — in Kasan ein bakteriologisches Laboratorium eingerichtet, in dem zwei Aerzte unserer Mission arbeiten. Leider fehlten unserer Expedition zunächst _______ _ Lebensmittel für die Hungernden. Wir durf- grenzen^ dah die Expedition zuverlässige Infor-1 ten sie ja aus Deutschland (abgesehen von einigen mationen über den Stand und Gang der Infek- Stärkungsmitteln für Kinder) nicht mitnehmei. tionskrankheiten in Rutzland in Zusammenarbeit > Umsomehr war es von vornherein unser Bestreben, Elul. möbl. Zimmer in. voll- Pens, z.vm. Bammstr. 15. | Mietgesuche | Für einzelstebendeberuss- lofe Daine inittl. Alters zwei Zimmer mit Kochgelegenheit (für Frühstück il Abendessen) seHucht. Schr. Anaeb. mit 886 an d. Giest. Anz. eine grobe Desahr, auf btt nicht cmbringltd) genug hingewiesen werden kann. Die ganze Welt hat schon allein aus diesem Grunde das gröhle Interesse daran, auch diese Seuchengesahren zu erkennen, zu verfolgen und zu bekämpfen. Grundbedingung hierfür sind fortlaufende zuverlässige Infr-rmatiouen über den Seuchengang in Rutzland, sowie Bekämpfung der Hungerseuchen mit dem Haupthungermittel, mit Brot. Als Arzt und Mensch möchte ich nochmals der ganzen Well, wie in meinem vor zwei Monaten an Ransen gerichteten Funkfpruch zurufen: Sendet so schnell und so viel als möglich Lebensrnittel in die Hunger- und Seuchenzentren, wenn Ihr nicht wollt, datz der russischen Hunger- eine Seuchenkatastrophe auch für andere Länder folgen und dah im Inneren Rutzlands eine unendlich weite menschenleere Wüste entstehen soll. sofort gesucht. 837 Wilhelm Zimmer G. m. d. H. Babnbosstrane 12. junges MM?n Ium Aus- und Aufbau einer Lebensgeneralagentur mit Genehmigung der Führung der Sachschadenzweige für Oderhessen von alter, vornehmer Gesellschaft gewandter Inspektor oder Oberinspektor zu günstigen Bedingungen gesuchy Schristl. Angeb. mit Lebenslauf unter 0987 an den Gießener Anz. In Deiatl- und EngroS- gelchäu gesucht. |Ron- seklionsbranche bevor-. 0618 V. etüblcr, ______Frtedrichstrane 13 Fräulein sucht Stelle alS An siingerin in Wefcbäft, gleich welcher Branche evtl, auch bei Arzt ober Photograph. Schr.Angeb. u. 0040 an den Ostest. VInv 2 gut möbl. Zimmer sofort oder später gesuchL Schristl. Angeb. unter 0823 an den Äieh. An-. 1 oö. 2 uiööL Siminft mönL ver sofort von bei), kinderlosen Ehev. in ruh. Hause ges. Wäsche vorh. Schr. Ang, u. 0829 a. G-A. Zwei solide Herren suchen sofort Rimmer nut 2 Mc» evtl. ein». Zimmer. Schr. Ang. u.0838a. d. Giey-An^. mit den russischen Sanitätsbehövden einholen I Lebensmittel, vor allem Brot, von anderer Seile sollte. I heranzuziehen in der Erkenntnis, datz auch eine Eine umfangreiche' Betätigung unserer Expe- I wirksame Bekämpfung von Krankheiten und ®eu- dition in Petersburg kam zunächst nicht in Frage, da wir ja in erster Linie zur ärztlichen Hilfeleistung in den Hungergebieten entsandt waren. Der Hauptteil unserer Expedition reiste daher Ende Oktober auf Wunsch des russsi- Bekannte untersränkische Brauerei mit künftigen Frachtverhältnissetr sucht für den Absatz ihres vorzüglichen dunklen ExvortbiereS für Gienen und Umgebung einen rührigen Vertreter, Schristl. Angeb, unter 918D an den Gienener Anz. 1 ülodellfchreiner 1 Fräfer und 2 bis 3 Dreher selbständige Arbeiter, zum sofortigen Eintritt für dauernde Beschäftigung gesucht. 931V Hubert Jettelmeyer Maschinenfabrik, Tonz bei Trier. MWtO (bejto. HauShälterini, in Hausarbeiten und im Kochen durchaus bewandert, wird für kleineren herrschaftlichen Haushalt in (Sieben gesucht. Schrift 1. Angeb. unt 91a an den ®tefw Anzeiger. MMtii zur Aushilfe ,o,ort ßimfrl. junn.'JJiäHrtt für nachm. zu 2 kleinen Kindern gesucht. 0840 Srnt Dr. Äldolvb. Moltkeitraste 24. । Stellengesuche} Kaufmann i Cisenhändler, 22 I. alt. nicht Dauerstellung auf Bureau. Lager od. dergl.. übernimmt auch Filiale od. Vertretung. Off. unt. H. W. 100 HeckMolxhaneei (Cbertabnhetai, voftlag Öür anfaew. Jungen Sofortige Dauerlteilung flnoel junger Kaufmann mit etwas Reiseersab' ruua. Kavttalbeteiligung Bedingung. Angeb. unt. 2075 an Herlo, Mitteld. Ann.-Eroed., Plockftr. 5. Solid.ig. Mann, 15- bis 19jäbr., mit angen. Aeuy. und guten Manieren als Diener *. einz. Herrn lDarmstadt) für mögt. sof. gef. Zeugn. u. Bild crio. Zed. Bewerb. 10. Portounk. aurücterft Näh. z. er fr. i.d. Geschästd« stelle d. Giest. Anz. 930 Tüchtig. Mädchen für einige Wochen zur Aushilfe geiucht. 926 L. Benner, Babnbofstraste 40. IQdjfiges yneinmöOdien für BrivathauShalt nach Bad Homburg bei hohem Lohn zum 15. Februar gefuchL Boraustellen 0925 LudwigSvlav 1. lidit.ioliiit^röükin das etwas kochen kann, al» Stütze gefuchL 9ul A. Bnfch Wwe., Hotel». Ritter. Herborn. Mig.Madlliell nach Frankfurt-Eschersheim geiuchL Näheres LudwigSvlat» 14 l- Ehrliches, tauberes Dienstmädchen für kleine Familie für tagsüber ver sofort gef. hu Stevhanftrafre 34 L ( Verkaufe ] Vl: Anftraggedrr kleiner Verkaufs- Anzel-en wtrDm o«be:«n, nntrr affen derart qen 9Inqtboten ihre '21 örefft (Strafte, Qauinummer ui hStodk* rerlthueeröil« itlitben. Soll die tibr/,- Kognaksl., nur grünere Posten au kaufen gesucht. Allhändler, die das Ankäufen übernehm., wollen sich wenden an F.C. Küchen, Weinhdlg., Mainz. 933 • Färberei Braubach & Fischer Chem. Waschanstalt Gegründet 1848 Läden: Gießen : Neuenweg 4 Seltersweg 79a I*"" 127. I. S'/, Uhr: 1 1 Vortrag des Br. H. Stadttheater Leitung: H. Steingoetter. Freitag. 27. Januar: 16. Jretlag-Abon.-Borst. Sie MglliD. Anfang 6'/» Ende ö'/.UH^ Ganzer Bogen ---120 Ps., bei IO Stück =• 110 Ps. (für 117 Arbeitnehmer ausreichend!. Zu beziehen durch LrU'MnimWtg-Buch-u.LteiMFttti Lchulstrane 7. BtM-tant. Zur Vorbereitung auf das Doktor-Examen sucht ein cand. rer. pol. Unterricht bei einem Priv.-Dozenien. Schriftl. Angebote unter 912 an den Gietz. Anzeiger erbet. (Lin älterer Herr sucht schriftliche oder sonstige leichte Arbeiten zu über* nehmen. Schr. Angebote unt. 0837 an den G. Anz. Vavaria. SamStag, 28. Jan.: kmrMrsmitlm. Haben Sie Geb, Wein, Pack-, Benzin-, Petrol-, Lvrit- säsfer ans Holz u. Eisen, auch beschädigte? Ich lade dieser Tage hier Waggons und bitte um Adressenniederlage unter Nr. 0807 im Gietzener Anzeiger. «Xerb.Scuter, Wiesbaden, Göbenstrahe 16, Tel. 597L * rMmlm 10/15 und 25 P.S., 208 Volt Drehstrom, häufen 860D Gebr. L!oo§, Vstzlar. PeldNchmlcde zu kanken gesucht. 896 Otto Abt. Installateur, Nidda (Oberhessen). Gebr. Schlafzimmer, Büfett, Salon ufw. zu kauf. ges. Schr. Angeb. ». 0831 an den Gietz. Anz. 'S— Indianer-Film, 5 Akte. 911c Hansa- Schule Gießen Seltersweg73. Femr.821 Priv.'Handelslehranstalt von J. Kunzeimann, Diplom-Kaufmann und Diplom-Handelslehrer. EinzigeSchuleamPlatze, deren Inhaber Schulleit., Lehrer u. Fachmann ist. Bis 3. Februar noch täglich Aufnahme für die neuen Kurse. Prospekt frei, Bieter Sporl-Club von 1900 e. V. Onterahteilang: Akademischer Sportcluh 3u dem am Samstag, dem 28. d. llllts., abends 7 Uhr, in der Turnhalle am Os° Waldsgarten slattfindenden Wintervergnügen mit Ball werden die Mitglieder des Clubs hiermit nochmals herzlichst eingeladen. Neues, dunkelblaues Kostüm für mittelgrobe Person preiswert zu verk. (0841 Wolkengasse 23 II. 1 br. Herrenans., Gr. 1,76, mißetr.. teldgr. Stolt s. eine Hose, sebw. Stott fgeschn.) s. 1 Hose, 1 teldgr. Waffen- rock, ürdsw., getr, f. stark. Herrn, IP.Qeblrgsschuhe, Gr. 44, »ngetr., Schaft u. Sohlen Dovvelleder, mit Tuchans. vrsw. zu vk. O«16 Zn ctfr. Licher Str. 59. Kaufgesuche | ^eißdampf- Lokomobile mit ca. 50 P. 8. Normalleistung, zu kaufen gejucht. 90öD J. Rumpf & Sohn, Bnübach. Suche gebrauchten Flügel Steinway & Sons gegen Barzahlung zu kaufen. Schr. Augeb. unt. 712D an den Gien. Anz. Donnerstag, 2. Febr., 8 Uhr abends, im Postkeller: MM Fliigttm KnMlitr Fabrikant: P. Jos. Mobs, Gießen Seifenfabrik. SAecker'VE" ob. wer gibt Grabstücke ab? Schriftl. Angeb. mit Gröhe und Preis unt. 425 an d. Gietzener Anzeiger. Boni) odttkradM'ten Gut erhaltener Mtnungen zu kauf. ges. Schr. Angeb. unt. 0827 an d. Gietz. Anz. LmpfShiungsn^ 20-25000 MI. sucht EngroS-Geschäft. Hohe Vergüt., evtl, stille oder tätige Beteiligung. Off. u 2076 an Hcrjo, *$c. A.-E., Plockjtr. 5. 923h Lediger Landwirt, 45 I., 25 000 Mt. Berm., möchte einheiraten in eine kl. Landwirtschaft. Witwe mit Kindern nicht auSgeschl. Schr. Angeb. unt. 932 an den G. Anz. | Vereine | Vereinigter Männerchor ßarmonie-Gemnlliehkeit SamStag, 28. Januar, abendS 8*/3 Nbr, findet unsere kencralmstimlNg im Vereinslokal ^Zum Löwen", Neuenweg, statt, wozu wir unsere Mitglieder etnladen. 929 Um zahlreich. Erscheinen bittet der Vorstand. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Nr. 22 Zweites Blatt Donnerstag, 2b Zamrar fy22 und Dcneckes baut des für sie arbeitenden Geldes, (Rachdruck verboten.) 13. Fortsetzung. ; eilen fluch- worden sein, er hält noch ein paar Karten in den ' Tische und I zitternden Händen - wenige Schritte wer» kommen sation, verbunden mit einem guten 'Nachrichtendienst. Lind als dann am 14. Januar 1922 dir Abg Quart (D. Dp.) betont, datz sich die Reichseifenbahnverwattu: g leider ihrer Au gab? nicht gewachsen gezeigt habe. Sie habe sich, wir Die Blüchernichten. Roman von HannsvvnZobeltitz. sich über sie — 'Ta. plötzlich, schraken sie beide zusammen. Cm gellender Schrei schlägt zu ihnen, noch einer, ein dritter. Gleich darauf ein @eü>irr verängstigter Stimmen, ein Durcheinander von hasten- . den Schritten, kurze scharfe Rufe. Jäh bricht die Musik ad. Schon huscht, lauft es, £,"J' tenöc Gestalten an ihnen vorüber, Tische blick zu durchschneiten Soll man die Kinderfragen alle beantworten < Wieviele Menschen haben sich darüber schon ten Kopf zerbrochen, wie verschieden waren die Ergebnisse ihres 2iachdenkens. Die Geduldigen, bic zu dem Ergebnis kamen, das) das Kind das absolute Recht auf Deairtwortung aller fragen habe, erziehen sich kleine Fragemaschinen, die, einmal aufgezogen, kaum mehr zum Stillstehen zu bringen sind. Wieviele Kinder trifft man, die bei dieser Methode nicht mehr fragen, um etwas zu erfahren, sondern nur — ja eben um zu fragen. Die andere Erziehungsform in ihrem Extrem ist aber wohl noch bedenklicher. Wenn so ein kleines Wesen aus echter Witzbegierde etwas fragt und ein paar Mal abgewiesen wor- deii ist, vielleicht noch mit unfteundlichen Worten, so kann es leicht die Lust am Fragen überhaupt verlieren. Man sagt, datz die geistige Dumpfheit bei manchem Kinde aus eine derartige Abschreckung zurückzuführen sei. Ter richtige Weg scheint, wie meistens, so auch hier, in der Mitte zu liegen. Es kann ge° Witz nicht günstig auf die Kleinen wirken, wenn jede von ihnen spielend hingeworfene Frage miy einem lehrhaft trockenen Dortrag beantwortet wird, denn entweder gewöhnen sie sich daran, gar nicht mehr richtig hinzuhören, weil sie sich langweilen (und zwar mit Recht!) oder wenn sie es doch tun, wird ihr kleines Gehirn mit vielem Ballast beschwert, Len man ihnen noch ersparen sollte. Roch ängstlicher aber sollte man sich vor dem unwirschen, so gern gebrauchten: „2af> doch das dumme Gefrage," hüten. Wenn es wirklich nur dummes Gefrage ist. so kann man natürlich ein Kind gut lachend abweisen: wie- viele verständige Fragen aber, die echtemWissens- durst entspringen, werden auf diese Weise erstickt Warum? Ha, da gibt es gar vielerlei sonderbare Gründe. Dielleicht sind die Mütter bequem, oder sie sind gerade schlecht gelaunt, oder aber sie wissen auch keine Antwort. Das alles sind aber gewitz keine stichhaltigen Entschuldigungen, die Kinder mit heftigen, clnschüch- ternden Worten abzuweisen. Wenn man aus schlechter Laune oder Unwissenheit tm Augen- blick nicht red>t antworten kann, soll man die Kleinen freundlich auf später vertrösten und nicht nur vertrösten, sondern auch das Dersprechen halten, damit das Kind nicht das Dertrauen 1471.50 und 500, Leihgestern 327, Lich mit Hof Albach, Colnhausen und Mühlsachsen 1650.75, Lindenslruth 235, Lollar 1000, Londorf 629, Lumda 200, Mainzlar 349, Münster 335.50, Rieder- Dessingen 600, Ronnenroth 400, Obbornhofen 302, Ober-Dessingen 344, Ober-Hörgern 830. Oppenrod 303.50, Queckborn 50, Rabertshausen mit Ringelshausen 441, Rodheim mit Hof Grat; 539, Rödgen 650, Röthges 100, Rüddingshaufcn 300.50, Saasen mit Dollnbach. Deitsberg und Wirberg 485 und 449, Stangenrod 136, Staufen berg mit Friedelhausen 290.50, Steinheim 602, Stockhausen 100, Treis a. d. Lda. 1834, Utphe 795. Dillingen 563, Watzenborn mit Steinberg 1624, Weitershain 543, Gesamtergabnis: 33 095.95 Ml Hb. Leihgestern, 25. Jan. Am Sonntag fand die Jahresversammlung des h'esig-n Kriegervereins bei Kamerad Schröder statt. Der Dorsitzende Gg. Arnold II. begrüßte die Er> schienenen und gedachte der im verflossenen Jahr aus dem Leben geschiedenen, sowie der in fremder Erde ruhenden Kameraden. Der Derein zählt 105 Mitglieder, von denen 20 im Jahre 1921 neu bei- traten. Dier Kameraden, die über 40 Jahre dem Derein angehören, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Dorstand wurde einstimmig wiedergewählt und durch Zuwahl um zwei Mitglieder vermehrt. An Unterstützungen verausgabte der Derein seit seinem Destehen an Kranke, Witwen und Waisen über 4000 Mk. Am 26 Juni des Dorjahres wurde eine in unserer Kirche angebrachte Gedenktafel für die im Weltkrieg Gefallenen ein- geweiht. Sie weist die Ramen unserer 40 fürs Vaterland Gestorbenen auf. Getreu an seinen altbewährten Grundsätzen und feinem Wahlspruch: „Einigkeit macht stark!" tritt der Derein in sein neues Vereinsjahr ein. Wagenmangel besonders bemerkbar. Handel. Industrie und Landwirtschaft litten m gleicher Weite darunter, und eine Gütersperre befreite nichts anderes als eine Bankrotterklärung. Abg. Ten Hompel (Ztr.) macht der Reichseitenbahnverwaltung den Dorwurf, datz he zur Beseitigung des Warenmangels, der sich schon in Dorkriegszeiten unliebsam bemerkbar gemacht habe, nicht rechtzeitig eingetreten fei. Was solle es werden, wenn erft der Derkehr nach dem Aaslande and namentlich derjenige nach dem Osten wieder stärker ausgenommen werde. Der Derkehr sei das Nervensystem des Wirtschaftslebens. Der^ sage das Rervensyslem. so sei der ganze Körper kram. Eine gesteigerte Produktion sei vollkommen unmöglich ohne gute Derkehrsverhältnisse. Zar Wagenbeschaffung sei vor allen Dingen Grotz- zügigleit erforderlich. Jede Sparsamkeit an dieser Stelle sei von grötztem Uebel. Darauf wird die Besprechung der Interpellation abgebrochen und das Haus vertagt sich nach der Erledigung einiger Ausschutzberichle a.if morgen nachmittag 3 Uhr zur Entgegennahme einer Regierungserklärung. Schluß 3 Uhr nachmittags. Erlanger Verfassung durch Einspruch der in Erlangen unterlegenen Grotzdeutschen wieder auf- Gießener Strafkammer. G i e tz e n, 24. Han. 1922 Ein Arbeiter aus Rieder-Ofleiden war vom Schöffengericht Homberg zu einer Gefängnisstrafe von 6 Tagen verurteilt worden, weil er mehrere Gebund Roggen in der Rächt vom 25. auf 26 Juli 1921 von einem fremden 2lcker ent- wendet hatte. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt mit der Begründung, er sei es nicht gewesen, der den Roggen gestohlen habe er habe sich zur Zeit des Diebstahls zu Hause aufgehalten. Der Feldschütz und ein weiterer Zeuge bekundeten aber wiederum, datz sie den Angeklagten erkannt hätten, wie er mit einer Traglast von der Richtung des Grundstücks, von dem der Roggen entwendet worden war, her- kommend, auf seinem eigenen Grundstück gerastet habe und dann, nachdem er sich vergewissert habe' datz die Luft rein war, mit eiligem Schritt seiner am Ausgang des Dorfes gelegenen Hosreite zugeeilt und in seiner Scheune verschwunden sei. Die Strafkammer kam daher wieder zu der lieber- zeugung, datz der Angeklagte der Dieb gewesen sei und' verurteilte ihn za einer Geldstrafe Stühle werden umgestürzt, es klappt und klirrt, es tobt und tost — „Feuer: Feuer!" „Um des Heilands willen! Kommen Sie, Luise! Kommen Sie!" Er fatzt sie, er zieht sie. Durch den Wintergarten, der schon fast leer ist, in dem nur noch einzelne Männer und Frauen stehen, fast wie vor Schrecken und Entsetzen versteinert, erstarrt. In den Tanzsaal hinein, in eine drängende, schiebende, schreiende Menschenmenge — „Feuer . . . Feuer . . Furchtbar! Schon züngelt es an den Wänden, in den rotgoldenen Draperien, zwischen den damastenen Vorhängen an den hohen Fenstern bis zur taffettierten Decke hinauf. Die Flammen lecken an den Holzboiserien, kleine Funken sprühen, spritzen auf die wogende Menschenmasfe, auf die lichten, leichten Gewänder der Frauen, auf die samtenen, seidenen gestickten Uniformen. Und die Menge staut sich, die weiten Flügeltüren reichen nicht aus zur schleunigen Flucht. Ein wildes, wüstes Durcheinander. Dorwärts drängen die einen, rückwärts andre, Ausgänge suchend die andern. Ratlose Männer, hilflose Stauen. Ein die deutschen Studentenschaften Deritsch-Oester - i-eichs und Böhmens auszuschlietzen und die Deutsch- Studentenschaft zu einem wirtschaftlichen Konsumverein herabzudrücken, der vielleicht so nebenher noch Leibesübungen treibt. Roch ist allerdings die Göttinger Rotversassung nicht über all anerkannt. Roch hat der alle völkisch denkenden Kreise umfassende Hochschulring den Zusammenhang mit Deutsch-Oesterreichs und Böhmens Studentenschaften gewahrt. Und wenn der Hochschul' ring deutscher Art, der jetzt die kulturellen und nationalpolttischen Aufgaben der Deutschen Stu- dentenschaft übernommen hat. seine Mitglieder einmal zu Kämpfern für die staatliche und t-ilta- teile Einh.it aller Deutschen erziehen und weiter sich so finanziell organisieren kann, datz er für bic in das Elend hinausgestotzenen Si ute ttenschaft en Deutsch-Oesterreichs zu sorgen und sie wirtschaftlich sicherzustellen vermag, so wird vielleicht doch eines Tages eine Studentenschaft werden, die nicht nur Konsumverein, sondern tatsächlich Dorkämpferin für das grohdeutsche Reich ist, das mit Ausnahme der in der Diaspora wohnenden alle umfatzt, die deutschen Stammes und deutscher Muttersprache sind. Dazu aber braucht der Hochschulring die Mitarbeit aller derer, die ihn wirtschaftlich und geistig unterstützen können. die Gardisten, gleich verschlingt sie die rasende Masse. Don hoch oben her beginnt es zu tropfen. Die tausend Lichter in den Kronen schmelzen, glühend heih fällt das Wachs auf tief entblötzte Racken, auf Schultern und Arme. Es wimmert, es kreischt. Lohe von Rauch und Qualm schlägt auf, wächst und wächst, jagt erstickend über d e Hunderte hin, über den dichten, dicken Knäuel der Unglücklichen. Luises Knie wanken, brechen. Martinez halt sie hoch, hält sie. willenlos liegt sie in seinen Armen. Gewaltsam drängt und schiLbt er vorwärts, dem Ausgang, der Rettung zu. Er bahnt sich mit aller Kraft den Weg Es geht um das Leben . . . um das teure, geliebte Leden . . . Immer wieder mutz er halten, atemlos, spähend, wo ein kleiner schmaler Spalt in der Menschenwoge sich bildet. Er spricht zu Luise, aber sie hört ihn kaum. Jetzt, endlich, endlich ist er hart an einet der groben Flügeltüren, sieht schon die marmorne Austria. sieht die breite Treppe Der russische 2Lar scheint ihm zuzuwmken, ein kühler Luftzug weht von unten herauf . . Das ist die Rettung — Doch grab, als er über die Türschwelle schreiten will löst sich oben ein wilbftatternder, in Flammen und Rauch gehüllter ungeheurer Dor- Hang Er fällt, er stürzt, er begräbt mit schwerem Schlag, wie mit einem Leichentuch, die unter ihm stehen In die Knie bricht Martinez, so heftig ist der Schlag. 2lber er lätzt Luise nicht frei. Fest umklammert er sie, deckt fte mit dem eigenen Serbe, hort unter den Iammerrufen zum ersten Male auck ihren Schmerzensruf. Rafft sich wieder auf, verzweiflungsvoll, sch.er hoffnungslos, taumelt Wetter. Wetter, über die Schwelle, über öie brennenden, qualmenden Fetzen, schiebt und stößt und verliert fentern immer wieder mit feinen Fragen zu der Mutter kommt, die die nächste daza ist, sie ihm zu beantworten. •* 3m Eiscnbahnexpreßgutvcr- kehr wird vom 1. Februar ab der bisherige Kilometertarif durch einen Staffeltarif ersetzt, der durch einen bvprozenligen Zuschlag -tun jeweiligen Eilguttarif gebildet wird. Die Mindestfracht beträgt 12 Mk., das Mindest gewicht für Frachtberechnung 10 Kilogramm, die Mindestentfernung 10 Kilometer. Die Beträge werden auf volle Mark aufgerundet. Auch die Fracht für beschleunigtes Eilgut wird ab 1. Februar nicht mehr durch Verdoppelung des Gewichts, sondern nach detzi einfachen abgerundeten Gewicht für gewöhnliches Eilgut unter Zuschlag von 60 Prozent berechne,. Die Mindestfracht beträgt 12 MI., das Mindergewicht 20 Kilogramm. Damit sind die Tarife für Expreßgut und beschleunigtes Eilgut mit Rücksicht auf die Gleichartigkeit der Beförderung gleichgestellt, ausgenommen die geringen Unterschiede im Mindestgewicht. Landkreis Gießen. - Das Ergebnis der Sammlungen für Oppau Aus ben nachstehenden Gemeinten sind für bic durch das Oppauer Explosionsunglück Geschädigten folgende Beträge bei dem Kreisamt (Sieben eingegangen: Allenfrorf a. d. Lahn 890M!., Allertshausen 275. Annerod 650, Bellersheim 1168, Beltershain 342. Bersrod 542, Bettenlmusen 203, Beuern 1000. Birklar 1300, Burkhardsfelden 1035.50. Elimbach 601. Geilshausen 150. Göbelnrod 505.50. Grotzen-Linden 2597, Hausen 184, Heuchel heim 808.50, Hungen 5 (von älnbekannt nachträglich), Inheiden 1202 20, Kesselbach 657, Langsdorf Ein englischer Jurist über die Frage der Kriegsverbrecher. Die Haltlosigkeit der Anschuldigungen gegen die Rechtsprechung des Reichsgerichts in Sachen der Kriegsverbrecher kann nicht besser dargetan werden als durch einen Bericht von englischer Seite, den Dr. D e l l o t, der Sekretär des vom englischen Generalstaatsanwalt wegen der Leipziger Gerichtsverhandlungen eingesetzten Ausschusses über die in England angestellte Prüfung der zcchl- ■ rei'chen Anschuldigungen wegen Kriegsverbrechen erstattet hat. Aus der Denkschrift dieses Mannes, der sich gewitz ein Urteil bilden ivnnte, bringen die „Foreign Affairs" einen Auszug, der folgende Feststellungen macht: „Meine eigene Erfahrung bei dem Ausschutz pes' General-Staatsanwalts hat mich zu dem Schluh gebracht, datz es viel leichter ist, eine Beschwerte zu machen, als sie zu beweisen. Mein Ausschuh behandelte eine ungeheure Anzahl von Anklagen gegen deutsche Angeschuldigte, auherdem eine beträchtliche Anzahl von Anklagen gegen türkische Angeschuldigte und einige wenige gegen österreichische und bulgarische . An geschuldigte. Mein Ausschuß untersuchte jeden Fall, in dem Kaufsahrtei-Schiffe durch äl-Boote oder Minen Dorf en ft worden waren, und jede Klage wegen schlechter Behandlung von Kriegsgefangenen und alle Angriffe durch Luftschiffe oder Flugzeuge in England. Dies brachte eine eingehende Prüfung der Berichte der Admiralität, des Kriegsministe- riums und des Luftministeriums mit sich. Heber» dies wurden einige 250 000 Erklärungen von Kriegsgefangenen geprüft und geordnet. Diese Prüfung wurde durch drei Sonder-Unterausschüsse ausgeführl, die sich mit den Derbrechen zur See, zu Lande und in ter Luft befahlen. Der vierte Unterausschuß verhandelte Rechtsfragen. Alle diese Ausschüsse unterbreiteten ihre Berichte dem Hauptausschuh, ter diese Berichte annahm, veränderte oder zurückwies. Jeder Ausschuh umfaßte nicht nur wohlbekannte Juristen, sondern auch See-, Heeres- und Luftoffiziere. Der Prozentsatz ter Fälle, in denen man es möglich fand, die An- klagccrhebung zu empfehlen, war außer- ordentlichllein. Selbst mit Unterstützung der Regierungsstellen war es in der Mehrzahl ter Fälle unmöglich. Beweise zu erhalten, die wahrscheinlich zu einer Ueberführung geführt hätten. 3n der großen Anzahl der Fälle war das Beweismaterial von der dürftigsten Art. In vielen Fällen brach der Beweis unter dem Kreuzverhör ter Zeugen zusammen. In zahlreichen Fällen war es unmöglich zu ermitteln, wer der wirkliche 03er- brecher war, der verklagt werten mußte. In anderen Fällen war ter wirkliche Verbrecher im Kriege getötet worden oder war seit dem Waffenstillstand gestorben. Mehrere Anklagen von einer fürchterlichen Art die in ter Presse erschienen, erwiesest sich bei der Prüfung als g r u n d l o s." Flehen und Bitten und Betteln. ,Rettet mich: Rettet mich!" Oluf dem parkettierten Fußboden krampfen ein paar Mädchengestalten. werten überrannt, mit Füßen getreten. An einem der Pfeiler lehnt eine Matrone in kostbarem Gewand, reißt sich die dreifache Perlenkette vom Hals: „Erne Million Gulden ist sie wert!" gellt fte. ”©ie gehört dem, ter mich hinausbringt." Drei Schloßgardisten schleppen einen alten Mann vor- üter Der Greis muß vom Spieltisch aufgescheucht drängt sich wieder durch die Flüchtenden, schaut nicht rechts, blickt nicht links, taumelt endlich am Erzadler vorüber, hinaus in den weiten Garten, in dem wohltätig ter Schnee in dichten Flocken riefelt — Die Flammen, die jetzt schon aus huntett Fenstern in die Winterluft emporschlagen, leuchten Einen Bretterstapel, der wohl noch vom Bau stehen geblieben, findet er, hält immer noch die Geliebte im Arm — und sieht erst jetzt, was gc- sctehen Sie ist ohnmächttg. Gottlob, datz eine gnädige Ohnmacht sie umfangen hat Denn ter brennende Dorhang hat ihr ein furchtbares Mal ins Gesicht geschlagen. Eine Brandwunde, rot wie Blut und schwarz von Rauch, reicht fast über frie ganze rechte Seite des Antlitzes vom Auge, um das Wimpern und Brauen verdorrt sind, bis zum Kinn und tief über den Hals hinab. Entsetzt starrte et auf das furchtbare Brand» mal — Sie wimmerte leise aus ter Ohnmacht heraus. Schwere Schmerzen mußte sie leiten. Und sie würden wachsen, sich steigern. Wenn nur das Auge, das teure liebe schöne Auge, erhalten blieb Einmal neigte er sich und küßte Verzweiflungsvolt die heile Wange. Du 21rme . . . du Aermste . . du Geliebte. . . Dann fiel ihm auf die Seele: sie mußte vor der Kälte geschützt werten. Er riß feinen Dotman von den Schultern und Legte ihn um ihren Hals Sein Taschentuch tränkte er im Schnee unfr bettete es auf die Brandwurte. Wohin aber jetzt? Wohin? Er spähte rach einem Fuhrwerk. Endlich kamen die Spnhenzüge, es kamen Hilfsmannschaften. Truppen rückten im Eilschritt teran, die Brandstätte abzusperren. (Fortsetzung folgt) Don Würzburg nach Göttingen! Wege der Deutschen Studentenschaft. Dom Dorsihenten des hiesigen Hochs ch u l - ringes deutscher Art. dem in Gießen sämtliche Korporationen angehören und der im Allgemeinen Studentenausschuß über 92 Proz. ter Sitze verfügt, canb. med. Jung, wird uns über die jüngsten Kämpfe in ter Deutschen Studentenschaft folgendes geschrieben: Der Geist der Front und des Schützengrabens war es, der im Juli 1919 über alles Trennende hinweg alle deutschen Studierenden sich zu einem einheitlichen Verbände zusammenschließen ließ. Waren auch viele Volksgenossen durch den Ver- sailler Derttag vozn Reiche getrennt und unter fremder Herrschaft, die akademische Jugend, die deutscher Abstammung unfr Muttersprache war. schloß sich zu einem einheitlichen Verbände trotz der staatlichen Grenzen zusammen, um durch ihn nicht nur die studentischen Interessen zu vertreten, sondern auch um sich zu gleicher Zeit für den völkischen Gedanken einzusehen. Gegen diese in Würzburg geschaffene Studentenschaft wurde nun seit dem Augenblicke ihres Bestehens mit allen Mitteln Sturm gelaufen, und zwar von einer Seite, die stark unter dem Einfluß des preußischen Kultusministeriums stand. Mit rücksichtsloser Zähigkeit griff eine Heine Gruppe unter Führung der Herren Deneckc (jetzt Hilfsarbeiter im preußischen Kultusministerium>. van Aubel (Referent im preußischen Wohlsahrtsministerium) und Pulvermann (Minderheit) die bestehende Verfassung an, und sie erreichte es auf dem Stuben tentag zu Göttingen, daß sämtliche Studierenden. die . die Staatsangehörigkeit der deutschen Republit hatten, zur Deutschen Studentenschaft zugelassen wurden. Die Verweigerung ter staatlichen Anerkennung war der Popanz, mit Hilfe dessen man die rein völkisch Denkenten geschreckt und zum Rachgeben gezwungen hatte. Roch bestand allerdings die großdeutsche Studentenschaft und unsere deutschen Stammesbrüder gehörten noch zu uns. lind so holte man von feiten der Beneckes in Erlangen im Juli des Jahres 1921 zu einem neuen Schlage aus. Inzwischen war ja die Rot ter Studierenden ganz erheblich gestiegen, unfr es war einem Teil nur möglich, mit Hilfe ter vorhandenen Wohlfahrtseinrichtungen ihr Studium fortzusetzen. Diese Einrichtungen aber befanden sich einmal in starker Abhängigkeit vom Staate unfr waren zum anderen Teil durch die Wirtschaftshilfe in Dresden abhängig von Kapitalien, deren Besitzer fast durchgängig auf feiten der die großdeutfche Verfassung bekämpfenden Minderheit standen. Man drohte in Erlangen von feiten dieser Minderheit, diese staattiche und privatkapitalistische Unterstützung den schwächer gestellten Kommilitonen zu entziehen. Und wiederum beugten sich Teile ter völkisch Denkenden, und es gelang auf diese Weise, die auf rein deutscher Grundlage aufgebauten StudentenschaftenDeutsch- Oesterreichs und Böhmens von ter gesamten Deutschen Studentenschaft abzulösen und an Stelle des einheittichen Verbandes ein lockeres Bündnis treten zu lassen. Der großdeutsche Gedanke war durchbrochen. Aber man ruhte und rastete von selten der Minderheit nicht. Mit großen Geldmitteln schuf sich diese eine glänzende Orgam- „Darvnesie . . begann er, „darf ich Ihnen sagen, wie sehr Sie meiner Mama gefallen haben? ..." Sie fuhr aif. Sprach bann doch karz, fest und ehrlich: .Das macht mich glücksich —" Oh wenn Sie wüßten, wie es mich beglückt hati" Meine gute Matter hat ein so scharfes Auge Ich habe oft empfunden, als ob sie in Seelen und Herzen zu lesen verstünde." Wieder fentte sie ten Kopf „Fräulein Luise . . . liebe ßnfe . . . schauen Sie mich einmal an. Bitte, bitte. So . . . Run mutz ick. fragen, ob Sie Vertrauen zu mir haben? Volles, unbedingtes Vertrauen!" Sie hat die schönen großen Augen voll auf- geschlagen. Feucht schimmern sie. Unfr nentat. „Sprechen Sie es aus, Luise! Ich mochte es hören." Ja! Ja!" „Luise, Sie wissen es selbst, datz ich Sie liebe1 Wohl vorn ersten Begegnen an. Luise, reichen Sie mir Ihre Hand . . . bette Hande . - lassen Sie es für das ganze Leben gelten . . .“ Tie Hände bebten. Aber sie hob fte leicht an. Er faßte und umspannte, fest, fester. Er beugte Aus Stabt und Land. Gießen, ten 26. Jan. 1922. Kinderfraqcn. Hinterfragen! Viele Erwachsene, besonders Mütter, halten sich beim Klange dieses Wortes schon die Ohren zu. denn bet der bloßen Dorstellung summt and dröhnt es in ihren Kopsen. „Sie fragen einem Löcher tn ten Kops," nagen sie wohl, und in der Tat, man muß sich wintern, wie Mütter dieses oft vielstimmige Kreuzverhör Tag für Tag vom Morgen dis zum Abend aushalten. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung. daß bei den wißbegierigen kleinen Geistern eine Antwort meist eine ganze lange Kette neuer Fragen hinter sich herzieht, die endlos wird, wenn wir es nicht verstehen, sie im rechten Augen- Deutscher Reichstag. 154. Sitzung, nachmittags 1 Uhr. Berlin, 25. Ian. 1922. Die Interpellation ter Deutschnationalen über ten Wagenmangel ter Reichseisenbahn begründet ter Abgeordnete Vogt (Dntl.). Gante mirtschaft, Industrie und Hantel leiden in gleicher Weise an einer unz alänglichen Dagengestellang. Viele Betriebe müssen infolge Kohlenmangels Feierschichten einlegen. Es fehlt ter Reichseifenbahnverwaltung an kaufmännischem Geist. Andererseits leiden wir an übergroßer Zentralisation. zum Schaden namentlich Suddeutschlands. Die Landwirtschaft muß schließlich jede Verantwortung für die Volksernährung von sich ablehnen. (Beifall rechts.) Reichsverkehrsminister Gröner: Durch das völlige Versagen des Wassersttaßenverkehrs ist frie Anforderung von gedeckten und offenen Wagen ganz gewaltig gestiegen. Die Mehr- anforterung von Wagen für die Landwirtschaft war im September um 209 Proz. höher als im gleichen Monat des vergangenen Jahres. Auch sirr die Beförderung von Kohlen haben wir mit einer starken (Steigerung ter Wagenanforterung zu tun. 3m Oktober 1921 hatten wir die höchste Wagengestellung feit Kriegsende erreicht. Auf baulichem Gebiete wird eine ständige Verbesserung vorgenommen. Die Zahl der Wagenneubeschaffung wird demnächst 20 000 erreichen. Der Reparaturzustand ist durchaus günstig. Wir haben jetzt das Verhältnis wie vor dem Kriege. Lediglich bei den Lokomotiven ist dieses Verhältnis noch nicht so günstig. Der Bedarf der Landwirtschaft an Düngemitteln für das Frühjahr wird zweifellos gedeckt werden. jeder Kaufmann, nicht auf Mindestleistungen, son- langen unterlegenen Großdeutschen wieder auf dem aus Höchstleistungen ci, z astellen. Ramentlich gehoben wurde, da gelang cs den Pulvermann in ten See- und Binnenhäfen mache sich der i ' ~ * Berlin 1-Uhr- l-Uhr-Schluß-Schlutz» gezahlt: Saturn: 1,90 949. 925. 942. 1.7.14. 125.40 59.20 88.80 117.80 88.80 117.80 Fr. Fl. Kr. Är. Ar. Ar. 24. L 2.42 l,3ü 2,40 2ldlerwerke Daimler 4% Hess. Staatsanl. Electron Griesheim Dtsche. Dereinsbcrnk Kurs 25.1 Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag.... Stockholm . Wien.... London. . . Paris. . . . Reuyork . . Börsenkurse. Stantfurt Sh. 97.80 Fr. 125.40 1 23.80 8.94 5,78 -,47 Kurs 25.1. 77.50 87,50 105,- 71,50 420,- 318,- 297,50 270 - 487,- 40-1,- 324 - 291 - 282’- 630,- 620,- 525,- 74,90 748,- 229,- 680,- 650,- 551,- 74,10 770,- 229,60 Harpener Bergbau. 1445, Oberschl. GiseÄ.-B. 805, Oderschles. Eisenind. 715 Phonix-Bergb.-Akt. IOl'O, Bad.Anilin-u. Soda 629, Höchster Farbwerke. 600, Allg. Glektr.-Ges. . . 720, Kurs 24.1. 77,50 88,- 103,50 72,- 440 - 324,- 292,- 27G,- 490,- 411, — 324,60 294,- 282,- 885 855 887 1427' 775' 663, 965, 610, 594 690.' Datum: 5% Dtsch. Kttegsanl. 4' g Dtsch. Reichsanl. 3°/, Dtsch. Reichsanl. 4"/0 Preuh. Konsols Hamburg-Pakets.. . Norddeutscher Lloyd Comm.u.Privatbank Darmstädter Dank . Deutsche Bank . . . Discvntv-Gesellschaft Dresdner Bank. . . Mitleid. Ereditbank. Aationalbank f. D.. Boch. Gußstahlwerke Bud.- Eisenw.- Akt.. D.-Luxemb. Bergw.. Gelsenkirch. Bergw.. Marknotierung«. Für 100 deutsche Mark wurden Felten & Guilleaume 1005, Schuckert-TDerke. . . 25.1. 2,55 1,35 2,50 25,25 2,- &55 6,06 -.49 Zdirs 24. I. 77,50 88 40 105,- 72,25 440,50 324 - 299,- 381 - 492,- 415 - 324.- 298,- 285,- 1024,— 910,- .903,- 92$ - 1450,- 794,— 700,- 1041,- 640,- 600,- 712,- 970,- 670,- 639,50 537,- 72,- 775,- von 600 Mark, hilsSweise b Lage Gefängnis indent sie ausfüchrte, daß in vorliegendem Falle der Strafzweck auch durch eine Geldstrafe erreicht werden könne. Weiter wurde gegen einen Mühlenbesitzer von Echzell verhandelt. Dieser war durch eincur Strafbefehl des Amtsgerichtes Ridda in eine Geldstrafe von 1500 Mark genommen worden well ec im April und Mai an drei §ain4 sterer aus Reu-Iseuburg mr ganzen 210 Pfund- Weizenmehl zum Preise van 3,50 Mart das« Pfund verkauft batte. Der Höchstpreis betrug damals 1,25 Qliai! das Pfund' Aus seinen Einspruch hin setzte das Schöffengericht die Strafe auf 150 Mark herab. Hiergegen verfolgte die Staatsanwaltschaft 'Berufung. Die Strafkammer hob das Urteil erster Instanz auf und verurteilte de.t Angellagden zu einer Geldstrafe von 1500 Mark: zugleich wurde auf Einziehung des übermäßigen Gewinnes in Höhe von-472 Mark erkannt. Die Mindeststrase wurde um deswillen erheblich überschritten, weil festgestellt, worden war, daß in dec Mühle des Angeklagten oft ein sehr reger Hamsterverkehr stattgefunden hat. Turnen, Sport und Spiel. — DeutscheKampffPiele. DieWinter- tcrmpfspielwcrche in Garmisch-Panenkirchen brachte am Montag die Entscheidung im Olympia- Bobfahren. Don den 22 gestarteten Bobs fdjieben verschiedene durch Stürze aus, so u. a. die beiden Garmifcher Fahrzeuge und der Bob „Michel" mit Gras Montgelas-Frankfurt a. M. am Steuer. 3m ersten Lauf fuhren die Bobs ..Sckaftderg" (Moro-Wien) mit 1:41,2, „MSC. ]“ .Endres-München) mit 1:44, „Blau-Weih" (Dr. Aull-Aschafsenburg) mü 1:44,6 und ,Unschuld" .Klemm-Leipzig) mit 1:44,8 die besten Zeiten. Der Bob „Gothataube" (Zacvbs-Derlin). der im ersten Lauf 1:47,6 benötigte, fuhr im zweiten Lauf mit 1:43.4 die schnellste Zeit, unterlag aber im Gesamtergebnis gegen den Bob des Münchener SportclndS i mit Endres-München dm Steuer, der mit 2:29 Sieger wurde. „Gothataube" belegte mit 3:31 den zweiten Platz vor „6pan" (Dlt. Sehf- arth-Vtuttgart) 3:37,6 und «Elli Kauz" (W. von Hillern-Flirisch, S. C. Risiersee) 3:40. — 3m zweiten Sauf traten Klemm-Leipzig. Fritz von Opel, Engelberth-Derlin mit Bob „Deutschland", Dem dritten Garmischer Bob .Spinne" undMoro- Wien mit Bob „Schastberg" wegen Sturz aus dem Rennen geschieden. — Die beiden Zu nivr - schnellaufen über 1000 und 3000 Meter fielen an den Berliner Grund in lt 55 bzw. 6:12 jedesmal vor Freytag (M. E. D.). — 3m Eishockey- spiel holte sich Die kombinierte Wiener Eishockeymannschaft zwei Mederlagen. Gegen den S. C. Ehaclortenburg unterlag sie mit 1:2 (0:0) und gegen den Berliner Schlitt'chuhclud 1:5 (0:1). — 3m Paar-Kunstlaufen triumphierte das österreichische Meisterpaar Frl. Engelmwrn-Derger >'W. E. D.) über die deutschen Meister Frl. Weise- Dehlisch (S. C. Rifsersee) und Ehepaar Metzner (D. S. E.). — Auch im Zuniorkun st laufen fiel der Sieg an Wien. Bestallanffy (W. E. D.) gewann gegen Danzig (M. E. B."). — 3m E i s- schiehen holte sich Ditz-Garmisch die Bayerische Meisterschaft für 1922. — Einen StSdlewettkarnpf im Kunst-Turnen wollen die Städte Koblenz, | Marbura Wetzlar und (Sieben in Marburg । am 26. Februar veranstalten: Koblenz und Marburg stellen je eine, Wetzlar und (Sieben eine zusammengesetzte Mannschaft von 8 Mann in je 2 Hebungen am Deck, Barren, Pferd und einer Kür-Freiübung Zwei Turner aus Kassel und je einer aus Limburg und Frankfurt a. M. bilden das Kampfgericht in diesem Siebenkampf. — Die Amateurbestimmungen im Westdeutschen Spielverband wurden auf der in Duisburg ftattgefanbenen Wahlversammlung einer Revision unterzogen. Vereine und Spieler, oie etwaige Verstöße gegen den Derufs- spielerparagraphen dis zum 1. März melden, gehen straffrei aus. Spätere Verstöße sollen um fv strenger geahndet werden. 3m besonderen wurde noch beschlossen, bah bei Reisen den Spielern keinerlei Spesen aesablt werden dürfen, daß Lohn» auSfall infolge Teilnahme an Spielen von den Dereinen nicht ersetzt werden darf und die Spieler ihre Fubballkleidung selbst stellen müssen. Mit diesen Bestimmungen hofft man, den auch in unserem Volkssport eingedrungenen Geist des Materialismus zu treffen. — Deutsche Fußball - Länder- ireffen. DaS Rückspiel im Fubballkampf Ror dhvlland—Rorddeu tschland soll am 14. Mai in Groningen stattfinden. Den letzten Kampf in Hamburg gewann Äorddeatsch- land mit 5:1. — Die Repräsentativen Südschwedens werden das Rückspiel gegen Rorb- deutschlaud im Juni in Hamburg austragen. — yür den Fuhballlampf Mitteldeutschland—Rorbdeutjchland, der zwischen den beiden Verbänden vereinbart wurde, ist vom Rorddeutschen Fustballverband der 13. August als Termin vorgeschLagen worden. Das Spiel soll in Hannover ausgetragen werden. Vermischtes. Die Grippe im 18. Jahrhundert. Ein Bild von der Grippeepidemie des 'Jahres 1781, die in vieler Hinsicht an das ^heutige Wüten der Seuche erinnert, findet sich in dem bekannten „Gemälde von Paris" von Sebastian Mercier. „Fast alle Jahre", heißt es da, „nehmen um die Mitte des Rovernber die Erkältungen außerordentlich zu infolge der feuchten und kalten Witterung und der Rebel, hte den Schiveiß unterdrücken. Mele sterben daran. Aber der Pariser, der über alles lacht, nennt diese gefährlichen Erkältungen „Ma gnppe, la coquette", und der Lacher Ist ouer Tage später von dieser „koketten Grippe" seDst ergriffen und steigt ins Grckb. Die neue Mode, große Mäntel zu tragen, ist vortrefflich, denn auf diese Weise erhält man einen Schutz gegen die Kalte. Aber die Damen, die Herrn Verlassen des Theaters oder der Vergnügungslokale auf ihre Wagen oder Sänften warten müssen, zittern trotzdem unter ihrer leichten Deklerdung und sollten bedenken, daß ihre Mmhänge nicht genügend dicht sind, um sie Dor der Grippe zu schützen." * Ein neuseeländisches Di «eta. Die „Rotten undWeihenTerrassen" von Rotorua waren früher eine der größten Raturschönheiten von Reu- seelcmb. Es waren malerische, in rotem und Weibern Gestein sich aufbauenbe Felspartien, die sich innerhalb einer wundervollen Vegetation an den Ufern des Rvtomahana-Sees erhoben. Dieses Wunder der tropischen Statur ist im Jahre 1886 durch einen Ausbruch des Vulkans Taraweca zerstört toorben, indem die Terrassen, wie einst das sagenhafte Dineta, auf den Grund des Sees nie- berfanieR. Der Vulkan spaltete sich bei jenem furchtbaren Ausbruch in zwei Teile, und am Morgen nach der Rächt des Grauens waren die Roten \ und Weist«' Terrassen verschwunden. Man will mm festgestellt haben, bah sie nur von ben Wassern bes Sees überflutet würden unb bat deshalb beschlossen, pen See abzukeiten unb so die weltberühmten Terrassen wieder ans Licht zu heben. * 3m größten Gvldbergwerkd er Welt. 3n den Goldbergwerken von Transvaal ist jetzt ein Streik auSaebrochen, der die Förderung dieses für die Weltwirtschaft so wichtigen Metalls auf einige Zeit lahmlegt. Aus diesem Anlaß gibt Richard Eurle in einem Londoner Blatte eine anschauliche Schil- derung eines Besuches in diesem größten Goldbergwerk der Welt. Die Gvldlager dehnen sich auf einem Gebiet von Iohannisburg bis nach dem Ort Heidelberg in einer Entfernung von etwa 60 Kilometern, und von dem Dach eines hohen Gebäudes in IohanniSburg aus kann man deutlich die riesigen Haufen von weißem Geröll überschauen, die bis zu drei Millionen Tonnen wiegen und ihrer gangen Länge nach mit Gold gesprenkell sind. Da liegen sie bleichend und glitzernd in der Sonne; der feine Staub ihrer Oberfläche wirbell im Winde, und die spärlichen Versuche des Grases, sich hier festzusetzen, werden vereitelt durch das Zhanii, das sich darin befindet. Die Maschinen, die hier arbeiten, lassen ununterbrochen ihren Lärm ertönen, wenn nicht ein Streik, wie jetzt, plötzlich an die Stelle des regsten Lebens Totesstille setzt. Tag und Dacht fressen sich die Bohrer und Sägen in den Fels ein, und es gibt Stellen in Zv- hannisburg, wo man m den Frühstunden das dumpfe Dröhnen des Bergwerks hört, wenn man noch im Bell liegt. BiSwellen vernimmt man auch ein donnerndes Stürzen von Felsen, das die Häuser in ihren GrundfestLN erschüttert und an ein Erdbeben gemahnt. Die Bergwerke in IohanniSburg selbst sind jetzt schon fast völlig ausgebeutet, und von Jahr zu Jahr dehnt sich der Bergwerksbetrieb weiter nach Osten aus. Die einzelnen Berg- inerte dieses riesigen Unternehmens sind wie kleine Städte für sich. Es gibt große Stollen, in denen 20 000 Menschen beschäftigt sind, und diese unterirdischen Arbeiter nehmen alles, was sie an Ausrüstung und zum Leben brauchen, mit hinunter. 3n diesen Tiefen entfaltet sich ein Treiben so unruhig und vielgestaltig wie in einer Großstadt. Da sieht man elektrische Züge dahinsausen, Pumpmaschinen arbeiten, und ganze Scharen von Menschen gehen eifrig ihren verschiedenen Beschäftigungen nach. Änd unterdessen zerstäubt der Fels Än zu Pulver und gibt immer mehr n goldenen Schätzen her, die er so fest umklammert häll. 3n diesen Bergwerken gibt es bestimmte Viertel für die weißen Arbeiter und andere für die Eingeborenen, gibt es ganz modern ausgestattete Küchen und Bäckereien, ja sogar Krankenhausanlagen. So ist jede Mine eine Stadt für sich. Handel. Frankfurt a. M., 25. Jan. Dörsen- stimmungsbild 3m Zusammenhang mit der Erleichterung des Devisenmarktes war der heutige Börsenverkehr ruhig, unb die Spetulation zeigte geringe Unternehmungslust. Die Schwierigkeiten, Denen bas Zustandekommen eines S euerkornpro- misses begegnete, waren ebensowenig geeignet, einer Belebung Platz zu machen. 3m freien Verkehr war bas Geschäft ruhig bei vorwiegend schwächerer Tendenz. Deutsche Petroleum 1800 dis 1850, Mansfelder Kuxe 24 500, Benz 605 bis 607. Es notierten ferner: 3nag 820, Rastatter Waggons 710, Ehennsche Rhenania 1000 dis 990. Aus den variablen Märkten zeigte die Tendenz eine ziem- lich widerstand fähige Haltung Die Kursbewegung der Montanwette war bescheiden. Schwächer tagen bei Beginn Montan-, chemische und Elek- trizitätSaktien. Rectattullnrr 1200, Kleyer 620 biS 630, Daimler 525. Matte Tenbenz bei Angebot zeigten Mannesmann, Buderus. Phönix sowie Kali^Aitien. Anllirwerte schwächer. Mexikaner schwächer. Der Dollar wurde mit 209 dis 295 ge= i nannt. 3m Gegensatz zu den meisten a oberen Werten wurde 3proz. Deutsche Reichsan^eihe lebhaft gehandelt, 105. Die Stimmung blieb auch weiterhin schwach. Privatdistont 4j/2 Prozent. Frankfurt a. M^ 26. Januar. Derliner Devisemnartt. Geld Dries Geld Dries Datum: 24. Ian. 25. Jan. Amsterdam-Rotterd. 7792,20 7807,80 7442,53 7457,45 Brüssel-Antwerpen. 1623.35 1625,65 1598,<3 1601,60 Ehristianta 3326,65 3383,35 3196,80 32 3,20 Kopenhagen. .... 4225,70 4234,3-9 408>,9U 4096,60 Stockholm...... 626 ',70 5280 JO 5104,85 5115.15 Helstngror» 404,65 405,45 381,60 382'40 Italien 324,05 925,96 874,10 875,90 London 891,60 883,40 862,10 863,90 Reuyork z09,79 210,21 202,79 203,21 Paris 1706,25 1711,76 1655,801659,20 Schweiz . 0 4115,85 4124,16 3936,05 3943,96 Spanien....... 3151,80 3158,20 3026,95 3033,05 Wien (alteS) . ... Deutsch-Oesterr.. .. 5,48 6,5’2 5,48 5,52 Prag 421,55 422,45 380,60 38',40 Budapest 28,97 29,03 27,87 27,93 Buenos Aire» . . . 72,65 7235 7932 70,72 Bulgarien 126,80 127,90 1 26,85 129,15 Konstantinopel . .. ——, — —, — Züricher Sebifenmarft Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. = 18739 188.— Deutschland 100 Mb — 2,425 2.626 Wien 100 Är. = 0.16 0.14 Prag 100 Ät. = 10.025 9.70 Paris 100 Fr. = 41.85 42.10 London ....... 1 £ — 21.71 21.73 Statten ....... 100 L. =• 22.50 22.60 Brüssel 100 Fr. * 40.10 40.30 Budapest 100 Kr. — 0.70 0.725 Reuyork 100 $ = 514.- 518.60 Agram ....... 100 Kr. = 1.70 1.70 Warschau 100 Kr. — 0,17 0,16 (3n einem Tell der Auflage wiederholt.) Angebliche deutsch-russische Verhandlimgeu. Paris. 25. Jan. (MTV.) Das .Echo dc Paris" weist bar auf hin, bah zwischen Vertretern der deutschen Regierung unb Sowjetdelegierten schon Verhängungen über die Konferenz Genua angeknüpft worben feien. Kratinski wirb der offizielle Wortführer Moskaus feiTL Es fei leicht zu ergründen, nach welcher Richtung hin diese Derhanblungen feführt würben. Ruhlanb unb Deutsch- a n b seien durch gemeinsame Interessen einander näher gebwacht worden. Beide Länder seien Gegner deS Versailler Friedensvertrages unb hätten besonders durch die Wiederaufrichtung des polnischen Staates gelitten Alle territorialen Abmachungen feien gegen sie oder ohne sie erfolgt, und was Rußland anbetreffe. so müsse die Regierung Lenins die gleichen Pläne der Kompensation der europäischen Schuld, von der so viele Angelsachsen sprechen, begünstigen. Auch in der orientalischen Frage hätten die Rachfolger des Zaren das Mitbestimmungsrecht verlangt. On Deutschland aber werde man nicht zögern, offen gegen die bestehenden Verträge Stellung zu nehmen und sich zu bemühen, so diel wie möglich die Sprache Lloyd G e o r g e's zu führen. Arbeitervertreier fat Genua. Paris, 25. Zan. (WTV.) Das (Setoert- schaftsblatt „ Le Peuble" glaubt zu wissen, daß der italienische Ministerpräsident V o n o m i an alle zur Konferenz von Genua etngelabenen Regierungen appelliert habe, in die Delegation einen VertreterberArbeiherbewegung ur.6 einen GenosfenschaftsDertreter mitcmsi zunehmen. Em achtzigjähriger Brandstifter. Verl in. 25. Zcm. (WTV.) Der „ßofab anzeiger" meldet aus Halle: 3n Jecha bei Sondershausen legte der 80jährige Landwirt Teichmann Fever an sein Gehöft, um in den Besitz der Verstcherungs- summe zu gelangen. Dem Brand ist die Scheune mit sämtlichen Vorräten und die Stallung zum Opfer gefallen. Der Brandstifter kam in den Flammen um. Setr.' An den n ßaut Jts. zn worden, Delräge (ommcnlt1 §en teilen. Sie f® Mein ÜrJ Inhalts' 400'Bit,' Birklar < Jaubrino Sarbentc Göbelnro 6600 Dk 200 X Mark, H' Kesselba-t Lang-Gö' gestern 21 WM. QUarf,® 200 Ml. Dessingeo Oppenro! Reinhard Rödgen Müersh otaufenb Stockhau Lumda 200 M. Hain 4Ö Detr.: An di« An: 1920 - - sehe 6. Febr Ti Detr.: toitb feit aus Grr KENBREMtRQ VTUTTG/7RT- 5. nichtrechtsfähig« Personenvereinigrmgen unb Zweckvermögen mit Ausnahme der offenen Handelsgesellschaften, der Kommanditgesellschaften unb bet sonstigen ErwerhSgesellschaf- ten, bei denen die Gesellschafter als Unternehmer (Mitunternehmer) des Betriebs anzusehen sind. Die Steuerpflichtigen werden ferner darauf hingewiesen, daß sie jeweils nach Ablauf ihres Geschäftsjahrs (Wirts cha f ts j a hrg) eine Steuererklärung abzugeben haben. Wenn Ihnen eine besondere Aufforderung hierzu nicht zugeht, ist die Steuererklärung binnen der Frist von drei Monaten nach Ablauf des Tages abzugeben, an dem das Zahresergebnis (bet ZahreSabschluh) von ben zuständigen Organen fest gestellt worbe nist. Die GrwerbSgesellschaften (Abs. 4 Rr. 1) haben ohne besvndere Aufforderung binnen einem Monat nach Feststellung der Bilanz oder des sonstigen Abschlusses durch die zuständigen Organe zehn vom Hundertz des Reingewinns als vorläufige Zahlung auf die Körperschaft-- ft c u e r 3 u entrichten. Richt rechtzeitige Entrichtung hat einen Zuschlag von zwanzig vomHundertder endgültig festgesetzten Steucv zur Folge. 922B Gießen. Butzbach, Grünberg, Hungen, den 24. Januar 1922. Die Finanzämter. Behördliche Anzeigen Körperschaftssteuer Aufforderung zur Anmeldung steuerlich wichtiger Dorgange. Die LörperschaftSsteuerpflichtigen Personenoereinigungen unb Zweckvermögen, die im Bezirke der Finanzämter Gießen, Butzbach. Grünberg, Hungen den Ort der Leitung oder, wenn der Ort der Leitung im AvSlcmd liegt, ihren Sih einen »rach §71 der Reichsabgabenordnung bestellten Vertreter oder den größten Teil ihres inländische Vermögens haben, werden daraus hingewiesen baß sie verpflichtet sind, folgenbe für bie ©teuer- Pflicht wichtige Vorgänge jeweils binnen drei Wochen nach ihrem Eintritt dem zustänbigen Finanzamt anzuzeigen: 1. ihre Gründung sowie ben Eintritt von Tatsachen, die ihre Steuerpflicht ober eine veränderte Steuevpflicht zur FcLge haben: 2. den Erwerb der Rechtsfähigkeit, den lieber» gang au£ einer Rechtsform oder Gesellschaftsform tu eine andere sowie die Derschnielzung (Fusion) mit einer anderen Gesellschaft: 3. die Verlegung des Ottes der Leitung ober des Sitzes in das Inland sowie die Der- leguug beider 'm das Ausland; 4. die Beschlußfassung über die Auflösung ober den Eintritt der Auflösung aus anderen (Siünben; 5. bie Beendigung der VermögenSauseinander- setzung (Liquidation) und die Löschung im HandÄS-, Verein-- ober Genossen schafts- regifter. Die Pflicht zur Anzeige trifft die gesetzlichen Vertreter, Drrstande, Geschäftsführer oder, wo solche bei Personenvereiniaungen nicht vorhanden sind, die Mitglieder ober Beteiligten (§§ 84,86 bar Reichsabgabenorbnung). Die Unterlassung der Anzeige ist nach §27 deS Körperschaftssteuergesehes unb § 377 der Reichsabgabenordnung mit einer Ordnungsstrafe von 5 bis 500 Mk. bedroht. Sie kann eine Haftung für den Steueranspruch zur Folge haben (§90 der Reichsabgaben Ordnung). Körperschaftssteuerpflichtig sind: 1. die Erwerbsgescllschaften (Aktiengesellschaften), Kommanditgesellschaften auf Aktien, Kv- lvnialgesellschasten, bergbautreibende rechtsfähige Vereinigungen unb nichtrechtsfähige Berggewerkschnften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, sonstige- Personenvereinigungen mit wirtschaftlichem Geschäftsbetriebe deren Zweck bie Erzielung wirtschaftlicher Vorteile für sich oder ihr-e Mitglieder ist), 2. bie Erwerbs- und Wirtsch-aftsgenvssenschasten Dersicherungsvereine auf Gegrnse tftlleit unt> die politisch m Parteien unb Vereine mit eigenem (Seircrbebetriebe, 3. svnstige juristische Personen bei bürgerlichen ■Rcpt#, msb iondere eingetragene Vereine, rechtsfähige Z stallen unb Stiftungen, 4. juristische Personen bes öffentlichen Rechtes insbesonbere kirchliche Körperschaften, Anstalten und Stiftungen. Dar si Än, 2i & SÄ si« tMe. A ? ’ iW 6«n5‘rJln,2 vollrjchule zu Gießen (Schulausnahme). Die Anmeldung der in Gießen wohnenden Kinder, die bis zum l. Mai 1922 dar 6. Lebensjahr zurück- gelegt haben, hat zu erfolgen; 1- Für alle Knabe»: Montag, den 30. Januar, vormittags 9-11 Uhr, m der Stabt,Knaben, schule, Nord-Anlage 8. 2. Für alle Mädchen.: Dienstag, den 31. Iammr, vormittags 9-11 Uhr, in der Stadt-Mädchenschule, Schikerstraße 8. Bei der Anmeldung ist der Impfschein unb bet auswärts geborenen Kmdern auch der Geburtsschein vorzulegen. In besonderen Ausnahmcsällen können zu der, selben Zeit auch solch« geistig und leiblich genügend entwickelt« Kinder angemeldet werden, die bis zum 30. September 1922 das 6. Lebensjahr vollenden. Gießen, den 24. Januar 1922. 914g Der Vorsitzende des Schulvorstandes. I. V.: Dr. Seid, Beigeordneter. Bekanntmachung. 3n unser Handelsregister Abt. A wurde am 10. Januar 1922 bezüglich der Firma Groh- hanöelsgesellschaft Strauß & Eo. tn Gießen' eingetragen: Die Kaufleute Gttauß, Siegmund Rosenbaum. Hermann Mayer sind vom 1. Juli 1920 ab, Siegbert Wellerhahn vom 1. Januar 1922 in die Gesellschaft als persönllch haftende Gesellschafter cingctreten. 9108 Gießen, den 24. Januar 1922. Hessisches Amtsgericht, . iw»