rrr. 278 Erscheint täglich, außer Sonn, vnd Feiertags, mit derSamstaqsbeilage: GiebenerFamilienblätter Monatliche Veznakpreise: MK. 185.- u. MK. 15.- TrSgerlohn,durch diePost Md 200. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner dummem infolge höherer Gewalt.- Fernsprech« Anschlüsse: sürdieSchrifi- kitung 112, für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Lntelger Siehe». poftschecttonko: Zranksutt a. M. 11686. Erstes Blon 172. Zayrgang Samstag, 25. November 1922 SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvtk vnd Verlag: vrühl'sche Un!versitSt§-yuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriflleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 8 MK., auswärts 10 MK.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 32 MK. Bei Platz« Vorschrift 20°/, Aufschlag, ^auptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen. Totensonntag. ®er diesmalige Gedenktag für den Gottesacker der Toten gehört nicht restlos der Ver- fenfung In Vergangenes. Scharf weht uns die schneidende Luft der Gegenwart ins Gesicht; schnell durchdacht und dem Volke durch die Me Reichstagssitzung wie mit Fanfaren iederbesinrmng vorgelegt, führt uns die programmatische Rede des neuen Reichskanzlers zur Vorschau in die nächste Zukunft. Da muh Entscheidendes geschehen und mit Spannung neues Geschick erwartet werdon. Der Reichskanzler Cuno hat, wie zu erwarten war, die letzte Rote des Kabinetts Wirth an den ReparationSauSschuh zur eigenen Programmbasis gemacht. Das ist die neue Zeit, die der abgetretene Erfüllungskanzler bejaht und verkündet hat, die aber nun mit voller tönendem Klang das deutsche Volk erschüttert. Roch konnte Herr Dr. Cuno nur Am- risse geben, mit knappen Andeutungen die Richtung weisen, denn seine Politik wird vom ersten Tage an gefährliche Spitzen und Klippen umschiffen müfsen, im innerpolitischen Fahrwasser wie auf der hohen See des Auswärtigen. Das Wort ist nur der Bahnbereiter für die Tat. Was morgen geschieht, welche Schwierigkeiten sich dem neuen Kurs entgegentürmen, mit wieviel Mut und Kraft der neue Steuermann ihnen zu begegnen weih, wissen wir nicht. Was er gestern gesagt hat, klang nirgends wie eine Fehdeansage. Der neue Reichskanzler will das ganze Volk zur Mitwirkung ausrufen, betrachtet sein Amt nicht etwa als eine Abrechnung mit der widerstrebenden Partei der Sozialdemokratie. Diese konnte vielmehr manches vernehmen, was in der Richtung ihrer eigenen Wünsche liegt. „Wir haben unproduktive Arbeit in Staat, Volk und Privatwirtschaft. Durch unsere ganze Wirtschaft wird Stück um Stück der Abbau dieser unproduktiven Arbeit anzustreben fein.“ Auch die sozialdemokratische Partei hat unter Wirth noch diese RvtNx-ndigkeit unterschrieben, aber sie mit Taten durchzuführen, dazu war sie zu ängstlich. Denn das bedeutete und erforderte einige GesinnungSgemcinschaft mit der Deutschen VvlkSpartei. Dr. Cuno gab im allgemeinen Aeberblick über die zu bewältigenden Aufgaben sich als warmherziger Volksfreund. D.e Armen und Schwachen will er stützen, soweit der arme Staat es irgend vermag. Er rechtfertigte seinen Ruf durchaus: keine Parteivoreingenommenheit blickte aus seinen RuMchrunaen. Wir wurden nicht enttäuscht. Ftellich, Die Durchführung des Programms erfordert feste Hände und energischen Willen. Darauf kommt nun alles an. Dem Mutigen gehört die ganze Welt heute vielleicht nicht, wohl aber die große Mehrheit des eigenen Volkes, wenn sie erkennt, dah sie mit sicherem Ziel und Willen wirklich geführt wird! Der Schwerpunkt der Kanzlerrede lag im Amschwung unserer auswärtigen Politik. Auch hier lieh er jedoch keinen Kampfruf erschallen, knüpfte er v elmehr vorsichtig an die, freilich an ihrem Ende angelangte. Ge° dankei'.kette seines Vorgängers an. Wir haben erfüllt, geduldet, probiert; nun wissen wir und weih die vernünftige Welt, was nottut. und nun fordern wir Rücksicht, Einsicht und Schonung der stark angegriffenen Volksgesundheit. Der Reichskanzler Dr. Cuno schuf ein grohes Gemälde der Wirkung des Versailler Ter» träges und unserer nationalen Verelendung. Jetzt soll das aktive Rettungswerk beginnen. Der deutsche Kabinettschef richtete seine Forderungen mit ruhiger Bestimmtheit an die Adresse des Auslandes. Dort mögen sie sich auswirken in den Lausanner Anfängen der neuen Reparatwnslxrhandlungen! Die Wetterwolke von Brü sei z-eht näher, die Zukunft rauscht mit gewaltigen Fittichen über der noch nirgends friedlich durchdrungenen Welt und ballt unserem verzweifelnden Volk die Hände zu Vorsätzen gewaltiger Art. „Am Himmel ist geschäftige Bewegung“; dem Kabinett Cuno müssen wir die Anterstützung, die Gewährung aller Schaffensmittel durch das ganze Volk, nicht nur für Tage und Wochen, sondern für ausdauernden Kampf, wünschen, sofern es sich demnächst auch durch entschlossenes Handeln legitimiert vor der Macht und List deS ein wenig aus seinen Dahnen gelenkten alten Feindbundes. And nun lassen die dumpfen Glockenschläge des Totensonntags uns das Ohr neigen zu dem v elstimmigen Chor verklungener Sphären. Altes wird lebendig in fragender Gestalt, und die Toten erwachen, um mitzuraten in der Bedrängnis des neuen Tags. An den Gräbern sollen wir lauschen dieser unermeßlich großen Mehrheitspartei, die über das Gewirr deS Reichsparlaments majestätisch hinauswächst. Mit ihnen ruht unter der Erde ein Arsenal von Waffen, stärker als Kanonen und Gewehre, die Waffen geistiger und moralischer Aeberlieserungen. Auch daS Ende dieses Jahres stehl noch ganz im feurigen Widerschein und in der noch nicht erloschenen Glut des Weltkrieges; wie nahe also auch finden wir bei uns die lautlosen Heldengestalten der großen toten Armee! Die Staubwolken der Jahre des Zusammenbruchs verziehen sich langsam und allmählich; wir sehen in diesem Jahre noch klarer vor uns als vordem, was uns im Kriege getäuscht und bezwungen hatte. Wir ehren die Abgeschiedenen und Gefallenen mit geläuterten Gefühlen; sie hatten keine Leidenschaften des Amsturzes mit ins Grab genommen. Da draußen auf den Gottesäckern wohnen mir Ruhige und Einige. Man stritt sich auf ihren Gräbern über den Wert oder Anwert der früheren Staatseinrichtungen, heute muß es schweigen, das Gezänk, denn es ist doch wohl erwiesen: unsere Helden fielen in gerechtem Kampfe. Der Reichskanzler Cuno erwähnte die Tatsache deS von Deutschland zwar verlorenen, aber nicht verschuldeten Krieges. Jeder Schritt zur Wahrheit solle auch ein Schritt zur Beseitigung des Anrechtes sein. Diese Sätze hallen »mit den Glocken des Totensonntags harmonisch zusammen. Ansere vorwärts stürmende Zeit, mit allen Triebkräften hingelenkt auf Aenderung und Erneuerung, braucht doch als Herz einer nationalen Fortentwicklung die Pietät, ohne welche ja auch das einzelne Menschenleben nur Gerippe und Scheusal wäre. Gerade die Erinnerung an die Toten, an die in sich abgeschlossene Vollendung ihres Erdenmühens, in der die Begriffe von Glück und Zufriedenheit wohl geordnet ruhen, ist uns eine Quelle der Kraft. Freudig tragen wir fraß selbsterlebte Stück Vergangenheit, das Freud und Leid einschließt, mit in die Arbeit des Tages — von Liebe verklärt und nicht durch Haß verzerrt. Der Tod, „der des Lebens wirre Knoten löst“, ist ein Mahner zur Friedfertigkeit. Der große Friedensgedanke sttahlt uns jedoch nur aus der Rahe, er sitzt heute trauernd auf den Gräbern unserer Lieben, während er draußen in der Welt verblaßt oder die polittsche Fata Morgana her- vorruft. Wenn wir die Graber schmücken, legen wir auch auf das Grab des vielgeschmäh- ten a l t e n Deutschland den Kranz der Erinnerung. Der gemeinsamen großen Arbeit der Wiederbefreiung gelte dann der neue Tag! Blatterstimmen zur Programmrede Cunos. Berlin, 25. Rov. 3n der deu tschnatio- nalen Presse fehlt diesmal die Einhcrtl'lLh- keit bei der Stellungnahme zu der geftxigen Programmerklärung des n-tiien Reichskanzlers. Die „Deutsche Zeitung", als Sprecherin für den äußersten rechen Flügel der Deutschnationalen, findet zwar in der Programmrede Cunos üiel Anerkennenswertes, nimmt aber Anstoß daran, dah Cuno die Erfüllu'.igspolitik, allerdings mit der Einschränkung: „Soweit es unsere Kräfte erlauben", fortsetzen wolle. Das Blatt rückt sogar von dem deutschnativnalen Redner Hergt ab, der die Rote an die Reparationskommissron, welch: die Politik der neuen Regierung bilden soll, als einen Schritt vorwärts bezeichnete und zuversichtlich in die Zukunft sieht. Anders die „DeutscheTageszeitnng": „Wir können es uns in der jetzigen Sstuatton nicht leisten, jeden Sah seiner programmatischen Erklärung die Möglichkeit irgendwelcher Kritik zu erproben. Es handelt sich Darum, die Gesamttendenz zu erfassen und zu würdigen, zu üh-r sich zu stellen, unb diese Stellungnahme ■mit) im wesentliche eine ausgesprochen positive sein müssen. Soweit das Programm der neuen Regierung auf der Rote an die Reparationslom- miffion basiert, wird man ihm zu stimmen, vorbehaltlich der Art der praktischen Durchführung. Daß für diese selbst neue und bessere Voraussetzungen geschaffen sind, das ist aus dem Programm Cunos, w.migstens soweit der ernste Wille in Frage kommt, zu entnehmen.“ Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" urteilt über die Ausführnrngen Cunos folgendermaßen: „Der warme nationale Unterton der Rede, die wiederholt ernste Aufforderung an alle Kreise des Volkes, ohne die Scheuklappen der Parteien in Sirth-.-it urtb Artist für das große Ziel der Rettung des Vaterlandes zusammenza» stcHen, wird Verständnis und Zustimmung bei allen Gutgesinnten im Lande finden. Die neue Reichsregierung darf das Vertrauen des 3n= and Auslandes beanspruchen, daß sie den festenWillen hat, die ungehru en Schwierigkeiten der Lage zu überwinden. Die neuen Männer werden in praktischer Arbeit zu beweisen haben, daß sie der verantwortungsvollen Arbeit gewachsen sind.' Das „Tageblatt" begrüßt es daß die Grundlage der Politik der neuen Regierung dis republikanische Staatsfvrm fein werde. Weiter finbet in dem Blatte Anerkennung das Bemühen Cunos, die Tür des Kabinetts möglichst weit nach links offen zu halten. 3n der Tatsache, daß sich die neue Regierung ohne jede Einschränkung auf den Boden der Rote an die Reparationskvmmisfion stellt, sieht das Blatt den Willen, den Faden der Wirthschrn Politik -fortzusetzen. Das Blatt hebt schließlich hervor, daß Die Aeußerungen Cunos über bie besetzten Gebiete, die das Reich nie im Stich lassen werde. daS Haus zu temperamentvollem Beifall hingerissen haben. Der „Vorwärts" enthält sich einer sachlichen Beurteilung der gestrigen Regierungserklärung. Er nennt sie eine gute Geheimratsarbeit, bei der alles auf Kugellagern laufe und daher keine Reibung und Stoß: gibt. Infolgedessen ent- stehe auch keine Warme. Das Blatt unterstreicht dann noch einmal die Ausführungen Breitscheidts, daß in Deutschland ohne oder gegen die Arbeiter nicht mehr regiert werden könne. Die „Rote Fahne" faßt ihr Urteil über das Regierungsprogramm in die Worte zusammen: Gegen das Stinnes-Programm steht das Programm des kämpfenden Proletariats. Ein Spardiktator? Berlin, 24. Rov. (Privatt.) Wie die Deutsch? Allgemeine Zeitung hört, beabsichtigt die Reichsregierung den Präsidenten des Reichsrechnungshofes S ä m i s ch zum Spardiktator zu machen. Der Amtsantritt Oesers. Berlin, 24. Rvv. (WTB.) Der neue Reichsminister des Innern O e s e r begrüßte heute die versammelten Beamten und Angestellten seines Ministeriums. Auf die von dem Staatssekretär Freiherrn von Welser an ihn gerichteten Worte des Empfanges erwiderte der Minister, indem er in kurzen Zügen ein scharf umrissenes Bild seines Arbeitsprogramms entrollte. Er betonte, daß das Reichsministerium des Innern das für den Schutz der republikanischen Verfassung Verantwortliche Amt sei, und sprach h eran anknüpfend die Erwartung aus, daß seine zukünftigen Mitarbeiter sich für die Republik nicht nur lippenmähig erklären, sondern diese Staatsform durch tätige Arbeit freudig unterstützen möchten. Er schätze ein offenes Wort und hasse Intriquen. Er verlange Pflichterfüllung bis zum Aeußersten und hoffe, mit allen, die darin mit ihm eines Willens seien, vertrauensvoll zusammenarbeiten zu können. Das Echo in Frankreich. Parls, 25. Rov. Rur wenige Blatter nehmen bereits Stellung zu der Programmart igen Erklärung der neuen deutschen Regierung. Erne scharfe, aber nur plumpe und anmaßende Kritik übt der Berliner Koinespondent des „Iournal" Er schreibt: Der Direktor der Hamburg-Amerika- Linie ist geradezu schlecht gewesen (franchemant mauvais), und ferne Rede war von einer Ungeschicklichkeit, die Schlimmes für die Zukunft erwarten läßt. Er hat mit allen Gebräuchen und Traditionen gebrochen. Reichskanzler Dr. Cuno wolle mit seiner Programmrede, der ersten, die er als verantwortlicher Leiter des Reiches hielt, gegen den französischen Ministerpräsidenten polemisieren. Das war für ein Debüt eine große A n- maßung und zeugt von wenig Taktik. Der Reichskanzler wird wohl bald bemerfen, dah man auf diese Aut und Weise nicht den Interessen seines Landes dient, und daß manchmal ein wenig Diplomatie nichts schaden hrnn. Die Lausanner Konferenz. L a u f a n n e, 24. Rov. (WTB.) Der Abend- bericht der Konferenz hat folgenden Wortlaut: Der Ausschuß für territoriale und militärische Fragen hat von dem Bericht des Unterausschusses Kenntnis genommen. Dieser Bericht setzt die Bestimmungen fest, unter denen eine Zone vom Schwarzen Meer zum Aegäischen Meer entmilitarisiert werden könnte. Er sieht andererseits die Bildung eines internationalen Ausschusses vor, der den Bau eines Freihafens in Dedeagatsch oder in der Umgebung sicherst eilen mühte. Dieser internationale Ausschuh würde für die Leitung und Ausbeutung des Hafens sowie die Ueberwachung und Ausbeutung der Eisenbahn Sorge tragen. Der Bericht greift der Regelung der Grenzfrage nicht vor. Dvr Ausschuß nahm von diesem Dokument Kenntnis, wobei er sich die Lösung der Frage, ob eventuell eine Entmilitarisierung mfi Garantien verba.rden fein soll, vorbehält. Die bulgarisch: Qlborbnvn i wurde über den toirt- schnfilich-n Zugang zum Argäijchen Meer vernommen. Der Ausschuß wird morgen um 11 Uhr die Debatte über die europäisch? Grenze der Türkei wieder aufnehmen. In Ergänzung dieser amtlichen Mitteilung erfährt man, dah die Türkei fordert, dah die entmilitarisierte Zone unter die Garantie der Signatarmäch.e gestellt werde. Anläßlich der Frage eines Korridors für Bulgarien sollen Meinungsverschi^enheiten zwischen der griechischen und bulgarischen Abordnung entstanden fein. Die Türkei teilt die Auffassung der bulgarischen Abordnung. Bulgarisch-griechische Gegensätze. Lausanne, 24. Rov. (WTB.) Die Rach- richten über die bulgarisch-griechischen G e g e n s ä h e in der heutigen Kommissionssihung bestätigen sich. Die bulgarische Abordnung lehnt den Plan eines Freihafens in Dedeagatsch unter Leitung einer internationalen Kommission ab, in der die Alliierten und die Dalkanstaaten vertreten fein würden und die auch die Eisenbahn bis zur bulgarischen Grenze =tu überwachen hätte. Sie forderte, daß der Hafen von Dedeagatsch in bulgarischen Besitz übergeht, und dah die Zone bis zur bulgarischen Grenze autonom wird. Beni- selos wies diese Forderung zurück, da, wie er sagte, Bulgarien Griechenland noch nicht geschlagen hätte. Abends versammelte Deniselos d.e Tert.eter der Presse, um ihnen die griechische Auffassung darzulegen. Er erklärte, dah Griechenland bereits Ostthrazren verliere und man ihm keine territorialen Opfer mehr zumuten dürfe. Der bulgarische Anspruch sei nicht zu rechtfertigen, denn auch andere Staaten, wie Ungarn, di eTschechoslow^ej und Pole nhätten keinen eigenen Hasen. Die Vorarbeit für die Brüsseler Konferenz. Pari«. 25. Rov. (WTB) Wie die „Chicago Tribüne" mitteilt, sind die französischen Finanzleute der Ansicht, dah man ferne Zuflucht zu einer Anleihe nehmen müsse, um das Reparationsproblem zu lösen. Sie setzen große Hoffnung auf das Eingreifen Morgans, der nach ihrer Ansicht der einzige Mann sei und die Fähigkeit besitze, Europa aus der Verlegenheit au ziehen. Morgan wird heute oder morgen in Paris erwartet, um mit den französischen Finanzleuten über die Anleihe, die man Deutschland bewilligen will, zu beraten. Der amerikanische Finanzmann wird einige Tage in Paris verweilen, um seinen Plan in Ordnung zu bringen, den er der Brüsseler Konferenz unterbreiten will, der er als Beobachter der Vereinigten! Staaten beiwohnen wird. Das neue französische Steuerprogamm. Paris, 24. Rov. (WTB) Der Kammerausschuh für Finanzen bat eine Rachmittagsslhung abgehalten, um die nachträglichen Steuervor? s ch l ä g e des Finanzministers zu prüfen. Mit 13 gegen 5 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen hat der Ausschuh beschlosjen. die von dem Finanzminister vorgeschlagene Kontrolle der Einkommensteuererklärungen von dem Gesetzentwurf abzutrennen! und infvlgedefsen von den vorgesehenen 1285 Millionen Francs neuer Steuern nur 730 zur Debatte gestellt. Der Finanzausschuh hat mit 17 gegen 4 Stimmen einen Antrag des Sozialisten Blum über die Kontrolle von In Haber pa p leien angenommen Lord Grey über die Lage. London, 24. Rov. (Wolff.) Im Ober» Haufe erklärte gestern Lord Grey, es fehle die Einsicht, wie verhängnisvoll die Lage in den auswärtigen Angelegenheiten im allgemeinen auch sei Man befinde sich nicht weit von dem Standpunkte entfernt, wenn man ihn nicht bereits erreichte, wo die Türkei. R u h l a n d unb Deutschland eine gemeinsame Kombination bilden. Vor vier Iahren, bei dem Abschluß des Waffenstillstandes würde eine solche Lage für unglaublich erschienen sein. Die einzige Aussicht auf Lösung der Frage des nahen Ostens ohne Katastrophe liege in der Aufrechterhaltung der gemeinsamen Front durch die Al>- liierten. Lloyd George als Führer der Nationalllberalcn. London, 24. Rov. (Wolfs.) Die national- liberalen Mitglieder des Hinterhauses wählten gestern in einer Versammlung Lloyd George zu ihrem Führer. Cicmencean und sei» Echo in Amerika. Paris, 24. Rov. (WTB.) Rach ei^er Hadas» Meldung aus Reuyork erklärt die „Reuhork World" zu der Rede C lemenceaus, wenn er auf die öffentliche Meinung in Amerika einen Einfluh gewinnen wolle, müsse er beweisen, daß es in Frankreich politische Kräfte gebe, die einen Frieden auf Grund durchführbarer Reparationen undgegenseitigerGa- rantien wünschten Der Gedanke einer wahren Wiederau ssohnung fei in der Rede Clßmenceaus zwar vorgezeichnet, aber er verleihe ihm nicht die Kraft einer unerläßlichen lle'er^ea'unq. Paris, 24. Rov. (DTD.) Rah einer Havas- meldung aus Washington hat im Senat gestern eine kurze Debatte über die internationalen Beziehungen statt gefunden. Sena or Hitchcok, der im Laufe der Verhandlungen über den Versailler Vertrag die Politik des Präsidenten Wilson vertreten „hatte, erklärte, Sie Haltung (Sie- rnenceaus Deutschland gegenüber sei ungerecht und verbiete ihm, heute an Amerika zu appellieren, obwohl feine Haltung noch viel milder gewesen sei, wenn man sie mit derjenigen der französischen Regierung von heute vergleiche Senator B o r a h erklärte, die hervorstechende A ußerung der Rede Cl.menccaus bestehe in der Beschuldigung Amerikas, dah es wenig Ehrgefühl habe. Es sei dies eine Beschuldigung, die ebenso unbegründet sei, wie sie von Undankbarkeit zeuge. Dorah verurteilte dann Sie Haltung der französischen Regierung auf der Washingtoner Konseren; u rd zählte die plngerech- tigteiten des Versailler Vertrages auf. Heute, fügte er hinzu, seien Frankreich und England im Begriffe, Mesopotamien und Syrien auszubeuten. Der republikanische Senator Sterling scheint der einzige gewesen zu fein, der (Slemencraa verteidigte. Rach einer Meldung aas englischer Quelle haben auch die Senatoren R o r r i s, Cara wa h und Ca p p e r B rah and H tch:ok unterstützt. Rach ihnen müsse die Frage gestellt werden, welche praktischen Mittel es gebe, u n Frankreich zu Hilfe zu kommen. Hierüber habe sich Cie- toffiNW tr**®TT TWr Wj p^priD aueyeypr»d)en. 6k betrauten die Reden Clen.enLeaut al>3 a l armieren». ; '--- Oesterreichs Selbsthilfe. Dien 24 Roo. (WTV.) Der Rational- rct erteile nach hivacr Debatte m namenllicher Adstimm'mg mu 104 Stimmen der Lhristlich- Sozinkn, der Drotzdeutschen und der Deutschen Bauernpartei gegen 68 Stimmen der Svzialdemo- ■ taten den drei Genfer Protvkallen seine Genehmigung. Der Bundeskanzler stellte im Liuse der Debatte unter Hinweis auf die verschiedenen 2leugerungen ausländischer Staatsmänner die Z u- nähme deS Vertrauens fest, das sich seit Ablchluh der Genfer Vereinbarungen gezeigt habe, und erklärte, dah ihm auf Grund dieses Vertrauens der Mut wachse, an das grobe Werk der Selbsthilfe. das nach der Erlangung der Auslandshilfe durchgeführt werden müsse, mit allem Ernst heranzutreten. Wir können, fd>loß der Bundeskanzler, den Genfer Vereinbarungen mit gutem Gewissen die höchste parlamentarische Sanktion geben. Wir leisten damit die Vorbedingungen, die und einen ferneren Anspruch darauf sichern, dah nun auch das Ausland tut, was eS uns versprochen hat. Der Bundeskanzler sprach die feste Hoffnung aus. dah jetzt, nach dein Abschluh der politischen Erörterungen, alle diejenigen, die dazu berufen find, an der Rettung des Vaterlandes mit- ^arbeiten, mit allen Kräften an die Arbeit gehen. Die Ausführungen des Bundeskanzlers wurden mit lebhaftem Beifall der Mehrheitsparteien aufgenommen. Das Haus wies sodann einen Antrag der Sozialdemokraten auf Einführung der Bestimmung, dah auf Verlangen eines Viertels der Mitglieder des Hauses dieses sofort und zu jeder Zeit einberufen werden könne, an den Ver- sassungsausschah zur Berichterstattung für morgen. Hieraus begann der Rationalrat die zweite Lesung des WiederaufbaugesetzeS. Aus dem Reiche. Die Rot der Privatdozenten. Berlin, 24. Rod. (WTB.) Der Haupt- auSschuh des Canbtaged hat einen Antrag angenommen. der R o t der Privatdozenten durch angemessene Llnterhaltungsbeihilsen sowie durch Erteilung von Lehraustragen mit Vergütung in Höhe der Einkommen von Stufe 10 abzuhelfen, einstimmig angenommen. Aus Stabt und Land. Sieben, den 25. Rovern der 1922. Vorschläge zur Einschränkung bed Lirasjeitdal)nbetriebst. Dem Drucke ber steigenden Wirtschaftsnot Rechnung tragend, beabsichtigt man in den Kreisen der StabtixrlDa[iung, Den immer unwirtschaftlicher arbeitenden S t ra h e n ba h n b e t r i e b den veränderten Zeit- und Wirtschaftsvrrhält- niffen anzupafsen. Wie jedermann schon feit geraumer Zeit beobachten konnte, ist bei der Straßenbahn mit jeder notwendig gewordenen FoHrpreiserhöhung eine Zunahme der Salyrgäfte- flucht ct rigetreten. Die freute in Kraft tretende neue lOOpiojcntige Heraufsetzung der Fahrpreise dürste diese Flucht wohl stärker beim je gestalten. Aii eine Stillegung des ganzen StraBenlKifrn- bttriebd ist zunächst nicht gedacht. Einstweilen will man. wie wir erfahren, eine Betriebs- eTn schränkung vornehmen. Die vom Bahnhof durch die Bahnhof st rabe bis zum Marktplatz füfrrenbe Linie soll eingezo - gen werden. Die grüne Linie vom Bahnhof durch den Seltersweg soll weiter im Betrieb bleiben, da sie die verkehrsreichste Geschäfts- st r a b e der Stadt berührt, was von der Bthn- hofstrahe nicht im gleichen Ausmabe gesagt werden kann. Der Verehr durch den Selters weg soll auch fernerhin bis zur Marburger Straße durchgefüchrt werden. Die rote Linie soll zwischen dem Marktplatz und dem Schützen Haus im Pendelverkehr fahren. Wer also künftig von der Schützenhausstrecke aus zum Bahnhof fahren will, mub am Mar-ktplcrtz in die grüne Linie umsteigen. 3m Pendelverkehr Marktplatz—Schützen Haus und zurück soll der 7r/2-Miimtenverk e n a r b e i t städtischer Beamten und Qlnge» siellten aushören. Soweit die aus l^m Strahenbafrnbetrieb gezogenen -Personen bei der ;Stabt nicht unterzubringen sind, soll deren Aus- •na'frme in der Privatinbustrie angefhebt werben. 1 Diese Maßnahmen bedingen die Zustimmuig der Stabtverordneten-Versammlung, die sich damit wohl in Kürze befassen wird. Zu welchem Feuilleton. Eine Komödie von Max Brod. Man schreibt uns aus Königsberg: Max Drob als Lustspieldichter — das ist die neueite Firma! Das von Richard Rosenheim geleitete (Heue Schauspielhaus in Königsberg hat schon zwei Urauf Führungen des Prager Dichters gebrach!, aber beide Male hatte es sich um schwere, mit ethischen Problemen ringenbe Gebankenweike gehandelt. Diesmal aber überreicht der Grübler lächelnd eine heitere, handliche Komödie „KIa - rissens halbes Herz", um deren saubere 2lrbeit ihn so mancher „pom Fach" beneiden könnte. Es ist ein dichterischer Beitrag zur Psychologie ber großen Schauspielerin, wie ihn ähnlich etwa Hermann Bahr im „Star" ober in feinem Roman »Die Rahl" geliefert hat. — Brods Kla- rissa ist eine schöne, große Tragödin die mit Phädrci und Iphigenie volle Häuser macht und pom Publikum wie Kritik auf Händen getragen wirb. Das Geheimnis, die Erklärung, ja die Voraussetzung ih-er Erfolge ist em ziemlich leb ha, ter Wechsel in den Objekten der Liebe. Sie nennt sich selbst „wüst", setzt aber hinzu, wüst fein zu müssen well sie sonst nicht Theater spielen könne, was doch alle Welt von ihr verlange. Sie müsse nun einmal aus dem Leben auf die Bühne springen, wie aus eiuem brennenden Haus ins rettenbe Freie. Rur daS Sichfinden, nur die Anfänge der Liebe seien schön, unb deshalb muh die Aermste yeft|>unrt Die Mnschrcnmmg in Krayr tritt, hängt von ber Entscheidung deS Stabt- Parlaments ab. Der Weingelfigehalt und die Bezeichnung von Trinkbranntwein und Likören. Das neue Dranntweinrnonopolgesetz, da« am 1. Oktober ds. Hs., teilweise bereits am 1. Mai, in Kraft getreten ist, enthält wichtige Bestimmungen über den Weingeistgehalt und die Bezeichnung von Trinkbranntweineii und Likören. Es dürfen In Zukunft Trinkbranntweine unb LiDre nur noch unter beutlicher Kennzeichnung des Weingeistgehaltes in den Verkehr gebracht werden. Der Weingeist gehalt muh tu halben oder ganzen Raumteilen unter Aufrundung nach oben auf Den Flaschenschilbern angegeben werben. Er must bei Arrak, Rum, Obstbranntwein sowie Verschnitten derselben unb Steinhäger mindestens 38 Volumprozent und bei sonstigen Trinkbranntweinen mindestens 35 Volumprozent betragen. Ausnahmen von diesen Stärken sind zugestanden für: Bier- unb Schokolabenliköre mit einem Mist- destgehalt von 20 Volumprozent Weingeist: Kaklv-, Tee-, Kaffeeliköre unb schwebischer Punsch mit einem Mindestgehalt von 25 Volumprozent Weingeist. Für alle übrigen Liköre einschliehlich Bitter- liköre mit einem Mindestgehalt von 30 Volumprozent. Als Liköre gelten nur solche süsten Branntweine, die mindestens 20 Prozent Extrakt enthalten. Die Vorschriften des WeingesetzeS, nach denen Weinbrand und Wembrandverschnitte mindestens 38 Volumprozent Weinbrand enthalten müssen, bleiben unberührt. Eine Angabe deS Weingeistgehaltes auf den Flaschen schildern ist daher nicht erforderlich. Don wesentlicher Bedeutung sind die Dor- schriften über die Bezeichnung ber Trinkbrannt- weine. Je nachdem der Trinkbranntwein in Deutschland oder im Ausland fcrtiggeftellt ist, ist er als »Deutsches" ober ..Ausländisches Erzeugnis" zu bezeichnen. Ausländische Erzeugnisse, die einen Zusatz von Wasser lediglich zu dem Zwecke erhalten haben, um den Weingeist gehalt auf die übliche Trinkstärke herabzusetzen sind als ,,Ausländisches Erzeugnis, in Deutschland fertiggestellt" zu bezeichnen. Findet irgendein andever Zusatz statt, so muh die Bezeichnung »Deutsches Erzeugnis" lauten. Aus den Flaschenschildern sind außer- dem Fertigsteller unb Ort der Fertigstellung in deutscher Sprache anzugeben. Verstöße gegen vorstehende Bestimmung werden mit empfindlichen Geldstrafen geahndet. w ’* * Vorläufig keine Streckung deS BrvteS mit Kartoffeln. Auf eine Eingabe des Ausschusses ber Reichsmüllerei-Der- oänbe hat das Relchsernährunasminister-ium mit- geteilt, dah einstweilen eine erhöhte Ausmahlung des für Markenbrot bestimmten Brotgetreides unb eine Streckung des BroteS mit Kartoffeln ober Äartoffelfabritaten nicht in Aussicht genommen ist. •• Kleingelbverkehr. Bei ber allgemeinen Geldentwertung besteht die Absicht, zur Vereinfachung des Geschäftsverkehrs alle P s e n- nigbeträge in Wegfall kommen zu lassen. Die Der hiesigen BanKnvereinigung angehörigen Banken weisen bn Anzeigenteil hieraus hin unb bitten daS Publikum bei allen Zahlungen, Lleberweisungeii und Vergütungen auch an Behörden, die aus diese Reuerung ebenfalls hingewiesen werden sollen, die Psennigbeträge für die Folge wegzulassen bzw. nach oben abzurunden. ** D i e ElektrizitätSpreise sind nach einer Bekanntmachung in unserer gestrigen Ausgabe für Beleuchtung auf 90 Mk. für Die Kwst., für Kraft auf 80 Mk. für die Kwst. erhöht worden. *• D i e Trauerseier für unsere Gefallenen, die morgen auf dem Friedhof flatt- f hi bet, beginnt pünktlich um 11 >/-> älhr vormittags. 3m Anzeigenteil unseres heutigen Blattes wird noch einmal zu reger Anteilnahme an Der Feier eingelabcn, ein Appell, den wir bringend unterstützen möchten. ** „Unfall, Unfallverhütung unb Unfallentschäbigun g" Lieber bieses Thema spricht Universitätsprofessvr Griesbach im Laufe ber Wintermonate in einer Reihe von volkstümlichen Vorträgen. An den beiden ersten Vortragsabenden erörterte ber Vortragende den Unterschied zwischen Unfällen und Bnniss- kocmkh.'iten in Handwerk unb Fabrikbetrieb. Da zur Vorbeugung von Unfällen in gewerblichen Betrieben nicht nur eine genaue Bekanntschaft mit diesen, sondern auch einige Kenntnis über den Dau unb bie Verrichtungen des menschlichen Körpers erforbcrlüf) ist, zeigte ber Vortragende am Lebenden diejenigen änderen Körpergegenden, an denen Unfälle am häufigsten einzusetzen Pflegen. Darauf wurden die verschiedenen Arten von Wunden vvi geführt, die durch Einwirkung scharfer Instrumente, stumpfer Gewalt und Der- tmmer wieder anfangen. Das Unbegreiflichste für den Philistiker ist dabei, dah Klarifsa zugleich eine aufrichtig liebende Ehefrau ist. Sie schenkt denn ihren Anbetern grundsätzlich auch nur die eine Hälfte ihres wertvollen Herzens, während die andere unweigerlich Im festen Besitz des Gatten verbleibt Sie braucht eben drideZ: die Stille der Ehe wie den berauschend unheilvollen Liebe Zsturm. Die Verwicklungen, die sich daraus ergeben, hat Drob mit sicherer unb leichter Hand sehr reizvoll geschildert. So wenig es im allgemeinen stimmen mag, bah die künstlerische Leistung so stark von erotischen Erregungen abhängig ist, so ist dem Dichter der RachweiS in diesem besonderen Fall doch sehr lustig geglückt. Das Publikum ging vortrefflich mit unb bereitete dem Lustspiel bie denkbar freundlichste Aufnahme. Die ebenso an- spi-uchsvolle wie dankbare Hauptrolle, um derentwillen das Stück wohl noch lange leben wirb, wurde von Hedda Berger ausgezeichnet gespielt. * Dr. G. — Die „Gesangs-Geheimnisse" der Melba. .Geheimnisse des Gesanges" so nennt die grobe Sängerin Rellie Melba eine Reihe von Aufsätzen, die sie m der „Daily Mall" veröffentlicht und in ben»n sie zum Ruhen angehender Sänger und Sängerinnen ihre Theorie urtb Methode de« Gesanges auseinandersetzt. Sie gibt in ihrem ersten Absatz wichtige Ratschläge für jeden, bar sich un Samen auÄbUbcn n>uL Mädchen TFuerminig auj vte syemt htervorgevvacht toernen. Auch der Wundbehandlung und Wundinfektion, die zu gewissen Unfallkrankheiten führt, wurde gedacht. Uebergehend auf das Knvchensystem erläuterte der Vortragende am menschlichen Skelett zunächst die Formen der Knochen und deren Q)erbinbung?r Leisttingsfähig- keit, an ben Srart gebracht hat. Die Herren Dotsch und Hack mack had?n sich durch ausgezeichnete Flüge auf diesen Apparaten ganz be- fond/rs fxinorg^tnn und sind bei der Prcisver- teilun t d rh 7erleibuni 2 unb 3. Präses a'S die nah der ^a.iauDirin- m e<1> lgreichsten Flieger anerkannt worden. An ber Freube und dem Stolz über diele Leistungen unserer jungen hessischen Landsleute teilzrmehrn-en, haben auch wir Giestener ölen Grund. Es ist ba5er wohl zu er- warten, dast bet Vortrag be« Herrn Bätsch, der am Donnerstag. 30. Rov., 8»/. Uhr abends, in sollen nach ihrer Ansicht sich nicht früher dem Ge- sangsstudlum wibmen. als bis sie 17 Jahre alt slnb. Vorher sollen sie Klavierspiel unb Musiktheorie lernen unb sich vor allem eine gute All- gemelnbflbung erwerben. Beim Studieren darf man nicht „nach der Laune" sich richten. Regel- mährge beständige Arbeit ist unbedingt notwerrdig Erne große Bedeutung schreibt die MUba ber „Anspannung" unb „Entspannung" zu: „Anspannung bedeutet nicht Zusammenziehen der Brauen uno Spannung jedes Muskels. 3m Gegenteil es gibt L.ne Anspannung ohne Entspannung. Wir müssen beim Singen ruhig und gelassen sein und tvir alle erregenden Gedanken m-fernen, unS EH ln Gleichgewichtslage befinden, dann fchwin^n alle Schwierigkeiten, die früher mritber- windltchfchienen Die Fähigkeit, jeden Teil des Kör- pers nach Belieben zu entspannen, beruht auf der vollkommenen Beherrschung aller Muskeln unb ^>enn wlr diese Beherrschung erlangt ßaben, sinb wir auch imstande, uns ohne Gewalt- sarnkeit anzuspannen, unb nur bann können wir muheloS unb schön singen. Diese Fähigkeit des Entspannen« ist mit da« Wichtigste beim Studium deS Singen« tote es auch so wichtig i't für die Erdal .ung der Gesundheit unb die Lebenstunst über- daupt Es ist eine so einfache Sache, dast eS schwer iß. begreiflich xu machen, wie diese Entspannung erfolgt. Wan darf sich damit keine Mühe geben, sondern sie must von selbst kommen. ES ist ein« der der "JTcöen 2tulo der Unwersitär fVttifhiöet, (mit Vorführung v)n Lichtbildern und 5ilm>*S sein kann, verwetse» wir aus den Anzeigenteil. * Wettervoraussage für Sonntag: Wechselnd bewölkt, fället, in höheren Sagen schwache Schireesälle, Winde aa« nördlichen Richtungen. Zwischen dem über Finnland liegenden Tief und dem über der enalischen Westküste liegenden Hoch herrscht eine Luftdi uckdifseren'z von 40 mm. An den skandinavischen Küsten sind starke Stürme gemeldet; es ist daher mit Schneefällen unb stärkerer Lustbewegung zu rechnen. • Landkreis Gießen. is. Steinbach, 24 Rod ObwM tot vvri- gm OHve z >rBs i g ng d^rWasse rkna p p. beit in unserer Qkmelnbe eine neue Quelle gefaßt und an die Wasserleitung angeschlossen wurde, besteht die Wassernol bi« heute weiter, weil die zum Wasserbetrieb erforderliche und schon im vorigen Jahve bei einer Rürnberget Firma bestellte Pumpe noch nicht geliefert ist. Die Anzahlung auf diese Pumpe muhte öfter be> reits im vorigen Jahve geleistet werden. Hetzt ist die Waffelleitung morgen« unb abends nur je eine >/» Stunde zur Wasserentnahme geöffnet. Dieser Zustand wird hier sehr beklagt. — Für bie Minderbemittelten der Stadt Diesten wurden von hesigen Einwohnern 65 Zentner Kartoffeln gespendet Ferner wurden noch durch Schulkinder für Dielefell) etwa 30 Zentner gesammelt. • Harbach, 24. Rov. Giae Sammlung für daS Elisabethen st ist in Darmstadt ergab hier 16 Zentner Kartoffeln und 4 Zentner Gemüse; die Sachen werden mit der Sammlung des Kirchspiels Ettings- Haufen gemeinsam verladen. * Wirberg, 24. Rov. 3n atlen Orten des Kirchspiel« wird gegenwärtig eine Datu ra- llensammlung für das El i f a be t henst i f t in Daim'ladt Dctanfta tet. DaS E gebnü ist nach den Anmeldungen befriedigend und wird der not- leidenden Anstalt der 3nneren Mission eine gute Hilfe bringen. Starkenburg und Rheinhessen. rrn. D a r m st a d t, 24. Rvv. Die P r p v i n • zialtagswahl für die Pipvinz Starfen- bürg, deren Feststellung jetzt eifolat ist. ergab folgendes Resultat: Zentrum 36 013 oImmen mit 7 Sitzen (1919: 9 Sitze). SPD und USP 99 330 Stimmen mit 21 Sitzen (22). KPD 20 847 Stimmen mit 4 Sitzen (—), Dntl. und Dbd. 37 599 Stimmen mit 8 Sitzen (7). D.V.P 32 422 Stimmen mit 1 Sitzen (7), Demvkr. 18153 Stimmen mit drei Sitzen (5). Hessert-Nassarl. fl>b. Fron ksurta. M„ 24 Rov. Fn Tür- kl« m ü h l e verhaftete bie Polizei bret Russen, bie seit Monaten zwischen Fvankfurl unb Frankreich hin unb her fuhren unb lediglich vorn Schmuggel lebten 3n Frankfurt kaufte das Trio feine Leibwäsche ein, wickelte sich diese um ben Leib, wenn es die Reise nach Frankreich antrat, unb schmuggelve auf diese Weise die Ware über die Grenze. fpd. Frankfurt a. M., 24. Rov. Auf Grund gefälschter Ausweispapiere verschaffte sich ein etwa 30jähriger Marm Zutritt zu den verschiedensten Sportvereinen, wo er sich jedesmal einen anderen Ra men zu legte. 3n ben jeweiligen Derelnslokalen plünberte er bann bi unbewachten Augenblicken bie Garderoben aus. Endlich wurde er auf frischer Tat ertappt. Der Durschr nennt sich Josef SchnLide r, doch scheint auch dieser Rame nicht zu stimmen. wd. Wiesbaden, 24. Rod. Ein Komitee, bestehend aus einigen Holländern und Amerikanern, hat e« sich zur Llufgabe gemacht, in den hiesigen Hotels in AuSländerkreisen für die „M ittelstandfürforge Wiesbaden" Geldbeträge zu sammeln. 3n kurzer Zeit waren 1 825 0 0 0 Mark beisammen, die zur Deschaffung von Kohlen für Bedürftige Verwendung finden dürften. Die Sammlung wird fortgesetzt. < Heutiger Stand des Dollars 10 Ußr vormittags: Berlin 7300, Frankfurt criunlicv. Lebrliuae: 1 Kaufmann, 2 Autoschlosser, 2 Schlaffer, 1 Svengler, 1 Mechaniker, 1 Schneider, 3 Elekiromonteare. ein Schuhmacher mit Käst und Wohnung, 1 Schreiner de«gl. WclegenbcitSarbciten werden ebenfalls entgegen genommen. Weibliche A b t e i I n n rtn»nrbeit er* fnbreu ist. gcf. Liebigstrahe 36. Äl.. feilte MW gesucht. 10317 Frau Dr. Weerth 6)octl)cftrnQc 33. Tüchtiges, öiircbniio ielbitriiiblne-) llw Mädchen vom Lande für stüche n HgnS° gi beit vor 1. De.ibr. iür togSiiber ges. Anna Kramer Had)L Vöberiimiie 11 v. 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CtaMeZeiM* Sparsamster l/tr brauch. 7ie uns in London auferlegte Leistungspslicht ist lestgelegt worden, ohne dab Deutschland ein Einblick in die Berechnung gegeben worden wäre. Der Streit um die Erfullungspvlitik hat seither die öffentliche Aussprache beherrscht. Es ist vielfach zu n Schaden für unseren innerpolitischen Frieden aus einer Frage nüchterner wirtschaftlicher Abwägung eine Frage der Gesinnung gemacht worden. Heute ist die Frage der Erfüllu^gspolitik und ihrer Grenzen geklärt. In Cannes, Genua und später haben sich die in der Aeparationskornmission vertretenen Mächte Überzeugt, dab die Deutschland auf- erlegte Last unerschwinglich ist. Aber obwohl Gläubiger und Sachverständige erklärt haben, dab Deutschland nicht zahlen könne, sind uns die Goldzahlungen für Reparationen und Besatzung mir bis Ende dieses Jahres gestundet worden Das Schwert der Ungewihheit hängt drohend über Deutschland, und in den besetzten Gebieten sowie tn den drei rechtsrheinischen Städten, die ohne einen im Friedensvertrag gegebenen Titel besetzt worden siird, steht immer noch eine Armee, die wesentlich gröber ist als das deutsch? Heer. Die Abtrennung wichtiger landwirtschaftlicher und industrieller Gebiete im Osten, Westen und Norden hat Deutschlands Produktionskiast auss tiefste geschwächt. Die Wegnahme unserer Auslands- Vermögen, dec Kolonien und unserer Flotte hat unsere Zahlungsbilanz passiv gestaltet. In enger Verstrickung von Wirkung und llrfache ist im Innern die deutsche Leistung und der Wirkungsgrad der deutschen Arbeit erheblich gesunken. Die Mark ist bis auf einen winzigen Bruchteil Ides Friedeilswertes gesunken. Dadurch wird die Einfuhr von Rohstoffen unb Lebensmitteln geschmälert, und die Preise im Inland schnellen sprunghaft in die Höhe. Die Folge ist trotz des auf die Papiermark gegründeten irreführenden Scheins der Prosperität mancher Unternehmungen fortschreitende Minderung der Substanz, steigende Kreditnot und Tötung des alten Sparsinnes. Es liegt im Wesen der Wirtschastsgesetze, dab der wirtschaftliche Zustand Deutschlands cuf fortwirkende Ursachen weiter sinken mub So wird Preiserhöhung zu Lohnerhöhung, Lohnerhöung zu Preiserhöhung. Die Verdreifachung des Brot- Preises, das Anschwellen der Kohlenpreise und die Tariserhöhung der Eisenbahn sind die besten Beispiele für die Zwangsläufigkeit dieser Entwicklung.- So ist das Deutschland, für dessen Regierung das neue Kabinett nun die Verantwortung übernimmt. 3m Vordergründe unserer Verantwortung steht die Reparationsfrage. So sehr die Regierung es für ihre Pflicht betrachtet, alles dazu beizutragen, um ein gerechtes Urteil über die Schnldfrage herbeizuführen, so sehr betrachtet sie es als notwendig, hinsichtlich der nach diesem MIMWiWM—MI». .......Ml— Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von L i e S b e t Dill. 46. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Man hatte von der Ter-rasse aus gerade die Haltestelle der DampfM>’.fie vor sich, die grüne, im Rhein schwimmende Insel, und einen weiten Blick auf verschwimmende Höhenzüge und die über den Rhein sich fpamiende stolze CB rüde, unter der die Schiffe zierlich wie Spielzeuge durchglitten. Lutz fab Grete gegenüber Sie verkehrten korrekt miteinander, nur zuweilen schauten sie sich verstohlen über ihren Bowlengläsern an. lieber Lutz' Wesen lag etwas wie eine leise Melancholie. So wenigstens fand Grete. Und es war das einzige, was sie mit ihrem Schicksal aussöhnte. Sie war augenblicklich sehr unglücklich denn der Marineoffizier schrieb nicht mehr. Die Stimmung an allen Tischm war fröhlich, man hörte zwischen dem Lachen und ©läferHinen die schwebende Musik. Die Schrammeln spielten entzückend, man summte die Melodien mit. Ach wenn das der Petrus mühte . . Und der General stimmte mit einem Augenzwinkern nach Grete an: »Ach wenn das Herr Herwegh wüsste . . Liane erzählte von Rom. Sie war zurück- gekehrt, zwar wieder ohne Verlobungsring, wie Fräulein Schmidt fest st eilte, aber „in Stom heiratet man nicht", sagte Liane. „Was tut man nicht in Rom?" fragte die neugierige alte Kollin. Und Herbert schrie ihr ins Ohr: „Heiraten!" Dec dicke Weinhändler hatte Streit mit einer aufgeregten Dame am Rachbartisch, die fortwährend aufstand, um sich einen anberen Stuhl heianzurücken, auf diesen erst ihren Schal legte, blM ihn wieder fortnahm und ein Kissen heranverlorenen Kriege Deutschland auserlegten Verpflichtung. insbesondere in bezug auf den Wiederausbau der zerstörten Gebiete Frankreichs, zu leisten, was nach Deckung der deutschen Lebensbedürfnisse möglich ist. Dies entspricht dem Vertrag von Versailles ebenso wie den durch die Wirtschaftsgesetze begründeten Rotwendigkeiten. Kein Gläubiger, dem die Reparationsfrage eine Wirtschaftsfrage ist, wird dieser Pclrtik entgegentreten können. Redner hofft, die Einsicht von der Rvtaendiakeit einer solchen nüchternen D.hanblungsweise der Frage werde sich auch in den ßänbern unserer früheren Gegner immer mehr Da Hit brechen, und rechnet hier besonders mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Hm- sichtlich des bedeutsamen Schrittes, den die vorrge Regierung durch ihre Rote v-om 13. November an die Reparationskvmmifsion getan hat, erklärte Redner, dab die neue Regierung ohne Einschränkung auf den Boden dieser Rote trete und fest entschlossen sei, das in ihr enthaltene Pro^ gramm zur Durchfühtung zu bringen. Um einen Zusammenbruch zu vermeiden, müssen wrr mit allem Ernst alle Voraussetzungen der Rote auf- nahmen. Deutschland must auf 3—4 Jahre von allen Dar- und Sachleistungen aus dem Vertrag von Versailles betrett werden, wobei die 6a d>- leistungen für den Wr^erausbau insoweit ausgenommen sein sollen, als sie ohne Vermehrung der schwebenden Schuld erfüllt werden können. Außerdem mutz Deutschland weiter für die Stützungsaktion einen ausländischen Bankkredit von 500 Millionen Goldmark erchalten. Die Annahme dieser Vorschläge wäre nur die notwendige Folge der Erkenntnis, die Herr Poincare In seiner letzten Kammerve de selbst zum Lllisdruck gebracht 'bat. Herr Poincare sagte, die Aufnahme einer oder mehrerer Anletyen im Ausland werde das Einfachste zur Abhilfe sein. Vorher aber müsse die Mark stabilisiert werden. Dte Regierung stimmt dem Gedanken einer Auslandanleilhe durchaus zu, stimmt aber mit den Sachverständigen darin überein, datz die Mark nich' stabilisiert werden kann, solange die Politik der Ultimaten Deutschlaird keine Wirtschaft auf lange Sicht und der Welt kein Vertrauen auf die deutsche Wirtschaft erlaubt. Das must das Ausland cinfe'fym. Für uns aber gilt es, jeden Augenblick zu nutzen, um die Wirtschaft zu höheren Leistungen zu führen. Wir erwarten die Steigerung der Leistungen von allen Beteil,gten. von den Unternehmern wie von den Arbeitnehmern aller Berufe. Wir haben unproduktive Arbeit in der Volks- und Privatwirtschaft. Stück um Stück wird dieser Abbau anzustreben sein. Das liegt auch im Interesse der Konsumenten, zumal die Möglichkeit starker Zwangsmatznahmen zum Zwecke der Preisregelung eng begrenzt ist. Die Bekämpfung des Wuchers ist eine dringliche Ausgabe. Da, wo mächtige Vereinigungen in Industrie und Handel durch unbillige Preis- und Umsatzbedingungen die Freiheit des Wettbewerbs unterdrücken, soll die Gegenwehr der Verarbeiter und Verbraucher notfalls unterstützt werden Dabei darf die Gesetzgebung und Gesehanwendung nicht dazu führen, die Erhaltung der Betriebe in ihrem volkswirtschaftlich gebotenen Bestand zu gefährden Damit will die Regierung besonders auch den Wünschen des Handwerks entgegen kommen Als wirtschaftlich nolweirdig ist bereits erkannt, bah das Arbeitszeit recht alsbald gesetzlich — und zwar unter Festhaltung des Achtstundentags unter Zulassung gesetzlich begrenzter Ausnahmen — geregelt werden must. Die Anspannung aller Kräfte ist angesichts der schwierigen Ernähtungslage besonders dringlich für unsere Landwirtschaft. Der Redner appelliert an die Landwirtschaft, der Volksgemeinschaft weiter ihr Opfer zu bringen und die Ablieferung der fälligen Getreideumlage möglichst zu beschleunigen. Bei der Preisfestsetzung für die weiter zu liefern- den Getreidemengen fei die Regierung bereit, den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Aber trotz aller Bemühungen um die Gesundung unserer Wirtschaft wird von weiten Kreisen unseres Volkes Entbeh- ruiig nicht fernzuhalten sein. Aber auch das verarmte deutsche Volk wird die Pflicht bc/ft- möglicher Hilfe denen gegenüber erfüllen, die, wie die Kriegsbeschädigten, selbst ihr Bestes für Deutschland gegeben haben, sowie gegenüber den Sozialrentnern und endlich den weiten Kre.sen des brachte, das aber zu hart war. Er bedeutete ihr. bah er nicht Lust habe, sich fortwährend den Hut vom Kops stohen zu lassen. „Und ein Plüsch- sosa wird ja doch wahrscheinlich nicht —", als plötzlich an diesen Tisch zwei Herren traten, die eben mit der Strcchenbahn gekommen waren. „Haben Sie schon gehört, der Rechtsanwalt von Herwegh ist eben verhaftet worden!" • Es hatte sich alles so überraschend abgespielt, daft Herwegh sich erst auf die Einzelheiten besinnen konnte, als er im geschlossenen Wagen neben dem Polizeibeam'en sah, um ins Untersuchungsgefängnis überführt zu werden. Er war am Nachmittag vom Bahnhof in sein Haus gekommen und dort von Polizeibeamten empfangen und verhaftet worden. Der Haftbefehl ging vom Gericht aus, auf Antrag der S.aatSanwaltschast, die Fluchtverdacht annahm. Der Bureauvorsteher war nicht mehr auszuinden. weder im Bureau noch in ferner Wohnung, Rene Gimpel war verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Kollege Ehrlich hatte ihn zu Fall gebracht. Auf eine Anzeige dec Witwe Adelheid Rumpf und einer Kapitänleutnaniswitwe, deren deran- flL-rte Verhältnisse der Gegenstand verwickelter Verhandlungen zwischen Gimpel und dieser im Ausland umherreiseuden Dame war. Sie konnte sich nie entichsteftm. ihre Adresse anzugeben und die Briefe folgten ihr halbe Jahre lang nach ohne sie zu finden. Sie befand sich in steter Geldverlegenheit, wollte hohe Zinsen haben, aber kaum war das Geld festgelegt, als Telegramme von ihr einliefen. ihr umgehend Geld zu schicken, und man mutzte die Papiere wieder mit Verlust abstotzen. Sie brauchte immer zu den ungeeignetsten Zeiten Geld und überlieft eS ihrem Anwalt, es M beschaffen. Gimbel hatte diese aufregende Korrespondenz geführt und Herwegh war froh, nichts mehr davon zu höry^ in Kummer und Sorge sinkenden alten Mittelstandes. Infolge der Rot des Reiches werden diese Mittel begrenzt sein. Aber mit den Ländern zusammen wird die Zersplitterung der öffentlichen Fürsorge zu begegnen sein. Doch der (Staat kann nicht alles Notwendige leisten. Ich rufe alle auf, tnach besten Krästen den notleidendenVo k genossen zu helfen, vor allem den deutschen Kindern. Von Herzen dankt das deutsche Volk den menschenfreundlichen Spendern aus anderen Ländern. Gegen die Wohnungsnot müssen wir durch Verbilligung und Vereinfachung des Bauens wenigstens ein beschränktes Dauyrogramm durch ühren Die Not der deutschen Geistesarbeit ist auch im Ausland durch hochherzige Spenden anerkannt worden. Auch das Reich wird die Kulturgüter Deulschlands schützen und seinen geistigen Besitz vor dem Zerfall bewahren. Die gröfjte Sparsamkeit wird die Regle.ning im öffentlichen Haushalt durchführen. Die Behörden werden bis auf das unbedingt Notwendige abgebaut werden Die Slaatsbetiieoe sollen zu höchstmöglicher Leistung bei möglichst geringem Kräftever. rauch wester- aeführt werden. Gehalts- und Lohnpolitik sollen dem Aufstieg der Tüchtigen dienstbar gemacht werden. Damit soll der alte Deamtengeist gefestigt werden. Zur Steigerang der Reichseinnahmen wird die Steuergesetzgebung, die Veranschlagung und Erhebung vereinfacht, die Steuer möglichst an der Quelle erfaftt und die Einziehung beschleunigt werden. Den säumigen Schuldnern soll aus der verspäteten Zahlung mit schlechter Mark fein Vorteil erwachsen. Auch schwerste Opfer der ßeiftungdfäbigen dürfen nicht gescheut werden. So wollen wir in der Wirtschaftspolitik die Gebote der Wirtschafts- vernunst mit warmem Sinn für Volkswohl und sittlichen Erfordernissen vereinigen. Den nationalen und kulturellen Zusammenhang mit dem abgetretenen Gebiet im Auge wird die Regierung ihre Kraft dem friedlichen Zusammenleben mit den Völkern widmen. aus deren Wirtschafts- beziehungen Deutschland nicht ohne schwersten Schaden der anderen Völker gestrichen werden kann. Das gilt für alle Länder Europas ohne Ausnahme. (Sbenfo wird die Regierung alle über- sceischenBeziehungen pflegen, insbe ondere m.t den groften Nationen, mit denen entzweit zu werden, das Unglück Deutschlands und Europas war. Mir persönlich wird es eine Freude sein, die vertrauensvollen Beziehungen, die ich mit Wirtschaftsführern des Auslandes gewonnen habe, nun unmittelbar für den Dienst des Reiches fruchtbar zu machen. Die Auslanddeutfchen muffen wir entschädigen in einer Weise, welche die Wiederaufnahme kultureller und ökonomischer Pionierarbeit ermöglicht. Wir wollen eine ehrliche schlichte deutsche Politik treiben, die nichts mit dem Schlagwort einer Ost- oder Westpolitik zu tun hat. Srlche Gegenüberstellung erweckt den Llltsche'.n, als wollten wir den Osten gegen den Westen oder den Westen gegen den Osten ausspielen. Aus dem Unfrieden anoeter Mächte wird Deutschland keinen Vorteil ziehen sondern lediglich verhängnisvolle Nachteile erfahren. Die Welt und die Weltwirtschaft brauchen nicht Uneinigkeit, sondern Einigkeit und Arbeit. Deutschland insbesondere braucht den Blick uts Freie und in eine bessere Zukunft. Gewift kann keines der deutschen Länder im Herzen von 'Deutschland abgetrennt werden, aber es gibt Bestrebungen jenseits der Grenzen, die auf neue Bedrückungen und Eingriffe ab- zielen Mil Sorgen blicken wir auf die schwergeprüfte Bevölkerung des besetzten Gebietes am Rhein, die mit harten Leiden eine Besetzung trägt, deren Art vielfach dem Kulturempsinden Der gesitteten Welt widerspricht. Wir bauten unseren deutschen Landsleuten für ihre Treue und wollen ihr Los nach Kräften erleichtern. Ich wiederhole, was Minister Rathenau zwei Tage vor seinem tragischen Ende hier erklärt hat: Die Regierung wird niemals bereit sein, besetztes deutsches Gebiet, das Rheinland oder die Pfalz oder das Saargebiet freizugeben. ihre Befreiung zu gefährd -n oder auch nur einen Tag hinausschieben zu lassen. Jetzt ist keine Zeit zu Derfassungsstreitig- Eeiten. Wem Deutschland Herzenssache ist, diene mit uns auf dem Boden unserer Reichsverfassung. Ausruhr und Gewalt würden nichts bessern, sondern die Not dieses Winters steigern. Sie würden deshalb die volle Kraft des Staates auf dem Plaue finden. Ich bitte alle, die Einfluß haben, sich für Ordnung und ruhige Einsicht etn- zusetzen. Kein Staat kann ohne Autorität sein. Die Sorge für die Staatsglieder, die die Autorität auszuüben haben, wird der Regierung immer wich ig und mir eine persönliche Herzenssache fein. Von Adelheid Rumps war ihm nur eine ungewisse Vorstellung geblieben an einen feberge- schrnückten Turban und einen feisten Mops, mit dem sie zu ihm auf das Bureau kam, an verworrene Prozetzgeschich'en mit nichtzahlenden Mietsleuten, sie überiordernden Handwerkern und ungetreuen Bankiers, die sie eine Räuberbande nannte. Sie warf mit diesen Titeln sehr freigiebig um sich und war sich mit Herrn Gimpel schon oft deshalb in die Haare geraten, denn dieser war auch nichi auf den Mund gefallen. Die beiden Witwen hatkdn sich zu ällii im Vorzimmer getro fen und ihr Geld zurückverlangt. Herwegh plädierte auswärts und so hatie.t sie Gimpel mit einer Klage gedroht Es hatte einen erregten Disput gegeben, und die Sch eiber erbleichten, denn sie wurden alle samt und sonders von Frau Rumpf „Schubjacke" getauft. Dann gingen die zwei Witwen kurzentschlossen zu Rechtsanwalt Ehrlich, um ihre Klagen vorzubrrngen, das! man sie betrogen hatte. Es waren in der letzten Zeit von mehreren Seiten ähnliche Klagen über die entsetzliche Unordnung, die in dem Herweghschm Bureau herrschte, eingelaufen, und Ehrlich fackelte nicht lange, er zeigte die Sach? der Staatsanwaltschaft an, und dtese schritt zur Verhaftung. Man fand schon den Bureauvorsteher nicht mehr, aber Herwegh war ihnen gerade in die Arme gelaufen. Der Stein war nun im Rollen. Er konnte nichts mehr daran ändern. Ser Wagen bog in die enge Dadhausgasse ein, plötzlich sah man viele Menschen Dorüberlaufen und hörte aus der Ferne ein Stimmengebraus und Hurra . . . Der Wagen mutzte Schritt fahren. „Was ist beim los?" fragte Herwegh den Polizisten. Dieser bog sich zum Wagenfenster hinaus: „Der Kaiser ist eben angekommen." In demselben Augenblick hielt der Wagen und Herwegh erblickte ein Schaufenster mit blinkenden Instrumenten. Wie ein Lichtstrahl glänzte Reichswehr unb ReichSrnarine haben ein Recht auf gleiche Fürsorge und Achtung. In der Rechtspflege ist die Erhaltung einer unparteiischen, vom Dertoauen des Volkes getragenen Rechtsprechung erstes Gebot. Die Rechte der Länder wird die Reichsregierung aus Ueberzeugung wahren, ihre verfassungsmähige Mitarbeit p,legen undWünsche nach freier Entfaltung möglichst erfüllen. Für diese unsere Arbeit werbe ich bei Ihnen, wie über die Fraktionen dieses Hauses hinaus bei unserem ganzen Volke, rxift alle lebenbigen Kräfte sich zur Rettung Deutschlands vereinigen. Deutschland ist in schwerer Gefahr. Wir wissen nicht, ob ihm aus dem übermäch igen Willen der vormaligen Kriegsgegner neue Not beschieden, oder ob es ihm ermöglicht wird, ben Weg der Gesundung zu beschreiten. Was uns auch beschieden sein mag, unsere Arbeit wird nicht vergebens sein. Deutschland kann bedrückt und bedrängt werden, aber es kann nich untergehen, wenn es sich nicht selbst aufgibt. Die Aussprache über die Regierungserklärung wird eingefettet durch den Abg. Dr. B i e l t s ch e i d (S ). Er wirft einen Rückblick auf die Entstehung der Regierungskrise, die dadurch hervorgerufen wurde, datz die bürgerlichen Parteien angesichts des wachsenden Selbstgefühls des Kapitalismus bestrebt waren, ihren Einfluft in der Regierung zu stärken und den der Sozialdemokraten zurückzudrängen. Als sich nach der Ermordung Rathenaus die Unabhängig gen bereit erklärten, zum Schuh der Republik in die Regierung einzutreten, beantworteten die bürgerlichen Koalitionsparteien den Zusammenschluft der beiden sozialdemokratischen Fraktionen durch ein Bündnis freier Liebe mit der Deutschen Volks Partei Das Ersuchen, die Volkspartei in die Regierung aufzunehmen, muffte von der Sozialdemokratie abgelehnt werden. So kam das Kabinett Wirth zu Fall. Nicht aus irgendwelcher persönlichen Voreingenommenheit gegen Dr. Wirth, oder um dem Zentrum einen Affront anzutun, sind wir so vorgegangen, sondern aus freien sachlichen Erwägungen. Mit der Volks- Partei konnten wir nicht zusammen regieren, weck wir sie mit Herrn Stinnes identifizieren müssen, der für den Zehnstundentag und gegen die Stabilisierung der Mark kämpft. Freilich sitzen bei den Demokraten viele Mitglieder, die sich von Herrn Stinnes kaum unterscheiden. Aber mit dieser kleinen Partei in der Regierung konnten wir leichter fertig werden als mii der stärkeren Dolkspartei. Das Kabinett. Cuno ist nur em Notbehelf. Auch ist es mit dem parlamentarischen System kaum vrL- einbar, datz ein Nichtpa rlammtarrer zum RetchL- kanzler bestimmt wurde. Die Legende ist bereits zerstört, daft das Kabinett Eune ein KrbineL. über den Parteien sei. Herr Cuno ist nur bas Feigenblatt, mit dem die Dtötze der Arbetts- gemeinschaft verdeckt werden soll. Es wäre besser gewesen, wenn die Kanzlerrede kürzer und inhaltsreicher gewesen wäre. Das jetzt so besonders notwendige Bekenntnis zum Schutz der Republik wurde inur 'm einem kleinen Nebensatz erledigt. Wir billigen es, datz bie neue Regierung die Reparationsnvte des Kanzlers Wirich aufmmmt, drücken damit aber nicht das Vertrauen aus, datz der neue Reichskanzler diesen Kurs einzuchalten imstande ist. Wenn er von diesem Kurs abweichi, wird et unseren lebhaftesten Widerstand (inben, ebenso wenn er den verhängnisvollen Versuch machen sollte, die Zwangswirtschaft vollständig zu beseitigen. Dre Steigerung der Produktion ist eine alte Forderung der Sozialdemokratie. Degen jeden Versuch jedoch, am Achtstundentag zu rütteln, werden wir entschieden ankämpfen. Redner unterzieht alsdann die einzelnen neuen Minister einer Kritik und greift den Ernä'hrungs- miniftcr Müller-Bonn heftig an, weil er nicht nur ein Vertreter der agrarischen Interessen, sondern der ausgesprochene Füchrer der rheinischen Sonderbündler sei, und fordert den Reichskanzler auf, zu prüfen, ob Herr Müller übestyaupt tn der Regierung der deutschen Republik sitzen bm c An Dr. Decker schätze er seine Ehrlichkeit unb Kampsbereitschaft. Weil er aber als Freund Helfserichs mckhr das GegenteU der Wirtschaftspolitik der früheren Regierung bleiben werde, werde seine Partei ichn auf das schärfste bekämpfen. Für den Minister des Aeutzern von Rosenberg sei es keine Empfcch.ung, daß man ihm nachüHme, sich die diplomatischen Sporen m den Verhandlungen von Drest-Litowsk urrb Bukarest verdient zu 'haben. Die Legende, datz das Ausland eine Regierung der Vvlkspartei mit Huber begrüben werde, sei bereits zerstört. Hetzt w>rde die weitere Legende zu zerstören fein, datz in es in seiner Seele auf. Musikalien . . . Er öffnete den Schlag, sprang heraus, stürmte die Treppe hinauf an dem verdutzten Stolzenberg vorüber, ritz eine Geige von der Wand, rief Stolzenberg ein paar Worte zu und sprang in den Wagen zurück. Das war so schnell geschehen, datz der Beamte es erst merkte, als der Anwalt ihm mit seiner Geige im Arm wieder gegenübersatz. Der Herwegh sch; Zusammenbruch hatte die ganze Stadt in Bewegung versetzt Die Kellner erzählten es den Stammgästen, die Bademeister ihren Patienten, und es war nich! ein Briefbote, ein Schreiber, ein Gerichtsdimer oder ein Schutzmann, der nicht kopfschüttelnd sein Urteil abgab. „Und es war unser bester Verteidiger, den hätten Sie mal hören sollen. Alle Kollegen waren neidisch auf ihn." Die Klienten und Gläubiger stürmten das Bureau. Sie verlangten ihre Gelder zurück. Die Wohnung im ersten Stockwerk war wochenlang der Schauplatz erregter Austritte zwischen Gläubigern und Gerichtsbeamten. In seinem mit Säcken vollgepfropften Hinter« zimmer machte Goldenberg dem schonen Lutz eine Szene. „Von Ihnen hab' ich ja nie etwas anderes erwartet, aber auf Ihren Bruder hätte ich Häuser gebaut. Jetzt kann ich sehen, wie ich mein Geld Wiederkrieg'. Ich kann's mir aus den Fingern saugen. Sorgen Sie nur, datz es erscheint, Sie wissen ja, wie man das macht. In der Metropole sind neue Amerikanerinnen eingetroffen. Dis zum Herbst muft das in Ordnung sein." Mit seiner Verlobung war es nichts. Aber 2ut> wartete nicht erst, bis ihm die geborene Oppenheim dm blauen Cb rief schickte, sondern er setzte seiner Verlobten in einem elegant geschüe- benen Dries auseinander, datz er „um meines Bruders willen" auf sein Glück verzichten mü[[^ [ DiesR6r % I _ öe9inn: i Monatsbeitrag Glauben ziehen ®H guteZ Mittel zum Schutze des Gepäcks ift das Aischliehen der Stucke mit einer Das Treiben dieses Aktionsausschusses, in dem bart und bis bis biS bis bis bis bis bis bis bis bs bis bis 26003 324 000 432 0.0 576 003 720 0 0 8400.0 60 ICO 173 280 420 600 820 1 150 1 690 2 340 3 100 3 970 4 £43 kommt 14 403 Mk. 28 £00 Mk. 50 400 Mk. 72 030 Mk. 108 0C0 Mk. 144 033 Mk. Höhe: Klasse 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. neuer- Während jeder auS dem Zusammenbruch in der Kochbrunnenstrahe daS ©einige zu retten juchte, fanden oben im Gefängnis täglich Verhöre Aus vem Amtsverkündigungsblatt. •• Das Amtsverkündiaungsblatt Ar. 118 vom 24. November enthält: Gebühren für amtstierärztliche Dienstverrich:ungcn. — Satzung für die Krankenversicherung der Haus- gewerk^treibenden für den "^zirk der Allgemeinen Ortskrankenkasse des Land'reifes Gi'sten in Greben. — Erhöhung der Ertverbslosenunierstützung — Viehseuchen. — Dienstnachrichten — Feldbe eini- gungen Steinheim. Londorf. Holzheim und Allen- Dorf a. d. Lda. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Sie war zu ihren Eltern übergesiedelt. Solange die Verhandlungen über die 'Betrügereien ißteß Mannes schwebten, wollte sie nichts mit ihm zu tun haben. Die Schmach lastete schwer auf ihr, sie wurde ganz mager. Die HauS^echie machten einen weiten Bogen um Herrn Kolkin, wenn er im Hof erschien mit seinem zerzausten Knebel- Schöffengericht. Gieben, 22. Rov. Zu Beginn dieses JahreS wurden in der hiesigen Cisenbahnbeiriebwecksiäte fortgesetzt D i e b st ä h l e von Maschinenteilei,. Rohmaterial u dgl. bemerkt. Mehrere Beamte der Werkstücke hielten fcapjuf bei sämtlihen Atthänd- lern Dietzens in deren Lagern Syxu suhungen 3 a zahlreichen Fällen wurden Maschinenteile, die sofort von den Beamten als Eisen xlhngu^ erkannt und beschlagnahmt wurden, ebenso S'.ücke von sog. Lurgimetall, das nur von der Eisenbahn verwendet wird, gefunden Als einer der Diebe wurde ein Maschinenschlossergehilfe aas S ein'.erg festgestellt, der an einen Althändler Diebsgut verkauft hatte. Gr wurde an Stelle der an sich verwirkten Gefängnisstrafe von sechs Wochen zu einer Geldstrafe von 6300 Mk. verurteilt, während dec Althändler wegen Hehlerei an Stelle sie ihre Haube aussrhte: , Siehst du, Anton. ich hab s dir immer gesagt, die Schreibtischgeschichte damals war mir schon nie geheuer." Von diesem Sch eibtischdiBstohl sprach auf einmal alles in der Mainzer Stratze. Er war lange wie in einer Versenkung verschwunden gewesen, jetzt steckten die Dienstboten die Köpfe zusammen aus den Treppen, man mutzte sie immer suchen und auseinanderschnichen 3m Whistkränz- chm fairen hitzige Debatten statt. Nur Fräulein Schmidt blieb wie ein FelS in diesem brandenden Meer von Nachreden Hari und trotzig und sagte barsch: »3ch glaub' nit an seine Schuld, und wenn sie ihn hängen." Sie hatte sich im Kränzchen mit sämtlichen Damen deshalb verfeindet, besonders aber mit der Eich- acker, deren Schwiegersohn sie einen Tugendbolzen genannt, und am nächsten Donnerstag im ,Trou- badour" waren die Parkettplätze in der dritten Ncihe des Königlichen Opernhauses zum ersten Male seit zehn Jahren leer. Jeden Abend, wenn Fräulein Schmidt ihre Lampe löschte, lag sie noch lange wach und sah im Dunkeln Ernsts überfüllte Wandschränke, aus denen die Staatsanwaltschaft jetzt die Beweise hecvorholte, und sah ihren armen Jungen droben in seiner kalten, engen Zelle sitzen, von allen verlassen. Eine toaste Wut hatte sie auf den verruchten Gimpel, dec sich aus dem Staub gemacht hatte, samt seiner zweifelhaften Frau. Mit dem Schreibtischdiebstahl war auch wieder bet Smaragd lebendig geworden, er funkelte an allen Kaffeetischrn „Glaubt ihr mir's jetzt, dah ich eS nicht war?" triumphierte Grete. Der Verdacht war doch auf ihr hangen geblieben. In Eppenhausen legten die Arbeiter die Ar- I bett nieder Man hatte ihnen die Löhne nur xur ** Schutz vor Diebstählen im Eisenbahn zu g. Während die Diebstähle und Deau- bungen von aufgegebenem Reisegepäck erfreulicherweise auftcrorbentüd) selten geworden find, wollen die Klagen über Diebstähle von Handgepäck In den Zügen nicht aufhören Dir Reichsbahnverwaltung lätzt bereits die Bahnsteige. Wartefäle und Züge scharf überwachen, und eine ganje Reihe gefährlicher, berufsmäßiger Gepäck- und Tasch.'ndiebe ist durch besondere Beamte unschädlich gemacht worden. Die Diebe sind ausschließlich Nichteiseir- bahner gewesen, unter denen Galizien wieder den Hauptanteil stellte. Nach den Beobachtungen der Üeberwachungsbcamten trägt, wie die Reichszentrale für Deutsche Derlehrswerbung mitteilt, die Sorglosigkeit dec Reisenden die gröhte Schuld; vor der Abfahrt des Zuges wird dec Platz mit Handgepäck, mit kostbaren Koffern oder wertvollen Pelzen belebt: dann verlassen die Reisenden vielfach das Abteil, um sich za verabschieden oder mit Lesestoff zu versorgen; erst kurz vor der Abfahrt wird dec Zug wieder bestiegen. Bei jedem Aufenthalt auf einer Station wiederholt sich das Bild, und in Zügen mit Speisewagen lassen die Reisenden, um zu speisen, ihr Gepäck ohne Aufsicht im Abteil zurück Es ist beobachtet toor- den, dah der Dieb die Abwesenheit eines Reisenden abwartet, dann schnell das Abteil betritt, um es mit den Worten „3$ werde doch lieber weiter vorn etnftelgen I“ und mit dem wertvollen Gepäck ebenso schnell wieder zu verlassen Der Mitreisende. der gebeten worden war, auf das Geväck zu achten, hat höchstens ganz flüchtig das Gesicht des wirklichen Eigentümers gesehen und lätzt den Aus Stabt und Land. Dietzen, den 25. November 1922. Die Erweiterung der Augestellteu- Versicherung. Seit dem 1. November werden in die Ange - stelltenversicherung alle Personen mit einem Jahreseinkommen bis zu 840 000 Mark eingeglieberi. Die Versicherungsbeiträge haben dadurch eine wesentliche Veränderung erfahren. Nach ihrer jetzigen Staffelung nach 13 GehaltS- tlaffcif erreichen die Monats beiträge folgende der an sich verwirkten Gefängnisstrafe von drei Wochen mit einer Geldstrafevon 3150 OHL bestraft wurde. Zwei weitere der Hehlerei an- getlagte Althändler, darunter der Inhaber einer Altwarengrohhandlung. wurden mangels Beweises freigesprochen. Ein wegen Diebstahls. Betrugs und Unter- schlagung mehrfach vorbestrafter Mechaniker verkaufte ein Fahrrad, das er von einem Manne aus Lollar zur Reparatur erhalten hatte, nachdem er den Eigentümer vorher noch veranlaht hatte, zwei neue Mäntel und Schläuche zu bringen. Mit Rücksicht auf den groben Vertrauensbruch und die Vorstrafen wurde dec Angeklagte zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis DenirteUt 3m Sommer L I wollte eine Dame bei einem hiesigen älhrmacher eiste Weckeruhr kaufen. Sie suchte sich eine aus. die 530 Mk. kosten sollte, und die sie für kurze Zeit zurückgestellt haben wollte. Der älhrmacher lieh sich hierauf nicht ein. Als die Dame einen oder zwei Tage später wieder in das Geschäft kam, wurden ihr für dieselbe ilfor 983 Mk. abverlangt. Sie erstattete daraufhin Anzeige bei der Preisprüfungsstelle, woraus der-älhrmacher wegen Preistreiberei angctlagt wurde. Der Angeklagte wies nach, dah fein Angebot von 530 Mk. weit unter dem Tagespreis lag, und dah dies auch bei seiner Forderung von 980 Mk. noch der Fall war. Da es dem Kaufmann erlaubt ist. einen angemessenen Gewinn zu nehmen, und bei Waren, für die, wie bei übten, eine normale Marktlage besteht, der Verkauf za Tagespreifen angemessen erscheint, wurde der Angeklagte frei» gesprochen, zumal er sich an die Richtlinien hielt, die ihm in feiner Zachzeitung von dem juristischen Berater seiner Organisation gerade im Hinblick auf die Preistreiberei-Verordnung gegeben worden »waren. Ein Kriegsbeschädigter von hier hat an das Versorgungsamt dahier zwei Briefe geschrieben, die schwere Beleidigungen der Beamten dieser Behörde enthalten. Mit Rücksicht darauf, datz der Angeklagte in der Zwischenzeit den größten Teil der Beleidigungen mit Bedauern zurückgenommen bat. tat« er trotz deren Schwere mit einer Geldstrafe von 3 0 00 W k. davon. Die Neubauten hatten so viel Geld verschlungen. datz nur Schulden vorhanden waren, die Aktien waren von hundertzwanzig auf fieben- undsiebzig gesunken. Die üeb rzeugungskünste der Direktoren bet» hallten ungehört Nach ihrem Geld schrien die Betrogenen. Sie wollten sich nicht Hinhalten und vertrösten lassen auf das Frühjahr und die neue Dahn. Die Bauleute brachten ihre Rechnungen und verlangten Geld, die Dahnverwaltmrg stellte ihre Forderungen, die Beamten verlangten Auszahlung ihrer Gehälter, um sich nach neuen Stellungen umzusehen, und die Banken weigerten sich, neue Kredite zu geben. Die groben Ringos en standen leblos auf freiem Feld, sie rauch en nicht mehr, und die frifchgestrichrnen neuen Güterwagen, die zwischen den beiden Fabriken die Verbindung aufnehmen sollten, hielten leer auf den blanken Schienen. Die Direktoren waren machtlos diesem Ansturm gegenüber. Es war eine Katastrophe, ein Wolkenbruch, der sich auf ein blühendes Land entlädt und alles zusammenschlägt, was gestern noch in der Sonne geglänzt. Auch Herbert war von dem Schlag schwer betroffen. ES war jetzt peinlich. Herwegh zu heitzen, die Lehrer machten so erhabene Gesichter, und der Direktor lieh ihn inS Konferenzziinmer rufen. „Hören Sie, Herwegh, wenn Sie im Herbst wieder sitzenbleiben, wie mir scheint, bann werden Sie geschwenkt. Verlassen Sie sich daraus." Die Tonart kannte er. denn eS war nicht daS erste Gymnasium, daS er drückte. Zweitens blieb jetzt das money au», daS ein Gentleman so dringend braucht, und schlietzlich tat ihm .unser Emst" sehr leid, denn eS war so ein guter Kerl. Jahresentgelt 7 200 Mk. Vermischtes. Zahlreiche Ueberfalle auf Güterzüge bei Köln. Köln. 24. Nov. (WTB.) Zu dem bereit» gemeldeten Raubüberfall auf ben Güterzug zwischen den Stationen Kalk und ® rem berg wird noch gemeldet: Nach den bisherigen Feststellungen wurden Zigarren im Werte von etwa 700 000 Mk. und eine Kiste Fleischwaren im Werte von etwa 50 030 Mk. geraubt. Die Bande konnte nicht überwältigt werden, weil von sieben Schutzwasfen der Bahnpolizeibeamten fünf versag len. Unter der Bande, deren Mitglieder gröh- tenteils bekannt sind, besinden sich ehemalige Zuchthäusler und Sträflinge. Wie weiter gemeldet wird, wurden in den letzten 14 Tagen in dem hiesigen Bezirk fast jedeNachtUebersälle auf Güter-üge ausgeführt, wobei den Räubern Güler im Gesamtwerte von zehn Millionen Mark in die Hände fielen. So wurde in der Nacht zum 17. November ein Güterzug zwischen Kirberg und Kalscheuren überfallen, nachdem bereits vier Nächte büitereinanber an derselben Stelle Züge beraubt worben waren. 3n diesem Falle gelang es. ben Räubern die einen Wert von bieieinlxitb Millionen Mark darstellenden Güler wieder abzujagen. Die Bande selbst konnte allerdrngS nicht mehr gefaßt werden. Erdbeben in Ungarn. Buda pe st, 24 Nov. (Wolff ) 3n Fünfkirchen unb Kaposvar UniVben heute früh vier Erdbeben in westlicher Richtung verspürt und, von unterirdischem Grollen begleitet, Beben auch im Südteil der Komitate Biranha und Tolna und in der Gegend von Baja wachr- genommen. — Nietzsche a IS Musiker. Die Musst hat im Leben und im Schaffen Nietzsches eine grobe Rolle gespielt: sie hat nicht nur sein Erstlingswerk »Die Geburt der Tragödie" und sein so wichtiges Verhältnis zu Wagner entscheidend bec nflubt, sondern auch auf die Ausbildung seiner Philosophie eingenürft. 3n einer vortrefflichen Niehsche-D ogrnphie. die Karl Haeckel soeben m „Reckams Llnirersal^Bibliot^ek" erscheinen läßt, wird diese Tatsache besonders hervorgehoben. Haeckel, der Sohn deS Intimen Freundes von Richard CG^igner, Emil Haeckel, steht der Wagnerischen wie der Nietzeschen Familientradition besonders nahe und hat dadurch so nmnche neue Einzelheiten in der Darstellung des Lebens ver» werten können. Er widme! dem Musiker Nietzsche em eigenes Kavitel, in dem er seine Komvosi» t onm und sein Musizieren würdigt. VpnN-.etzsches Landwirtschaft. Die Maul- und Klauenseuche. 3n Beuern ist die Maul- und Klauenseuche amtlich feftgeftellt worden. Die Gemarkung Dauern ist Sperrbezirk, das Beobachtungsgebiet besteht aus ben Gemarkungen Bersrod und Gr.-Buseck. 3n bei Gemeinde Kloppenheim (Kreis Friedberg) ist die Maul- und Klauenseuche glcld>- falls amtlich festgestellt worden. Die Gemeinden Groh-Karben und Okarben wurden zum Sperrgebiet erklärt. Angelegenheit zu klären. Abg 6 o 11 m a n n = Köln (S.) erklärt, er wolle ohne jede persönliche Voreingenommenheit tm Interesse der geschichtlichen Wahrheit die Sache richtigstellen. Als Im Jahre 1919 die Rheinlande am meisten vor der Gefahr standen, der französischen Eroberungslust zum Opfer zu fallen, hätten sich die rheinischen Vertreter aller Parteien, auch des Zentrums, dahin verständigt, datz eine Volksabstimmung über eine Loslösung von Preu he n in diesem Augenblick im nationalen Interesse einer zweijährigen Sperrfrist unterworfen werden solle. Gegen diese In der Verfassung festgelegte Sperrfrist leitete Dr Müll:r- Donn eine Bewegung ein, welche der Verfassung zuwider sofort eine Volksabstimmung über die Gründung einer rheinischen Republik vornehmen, wollte. Zusammen mit Dr. Kuckhvff, Kober, .----- --- Kastner und anderen separatistischen Putschisten stets elegant und sicher auftretenden Dieb rn guten war Dr. Müller Leiter des Aktionsausschusses. C' ' i e Die blonde Oberstentochter war darüber so unglücklich datz sie nach Aegypten reifte. Er wollte seinen Bruder au suchen Aber der General hielt ihn zurück. .Nee, mein Junge, das lassen Sie mal lieber. Sie tragen Uniform und man weih noch nicht, was bei der Geschichte herauskommen wird." Frau von Heiwegh war gebrochen. Sie wollte niemand sehen und nichts hören Sie weinte, sobald jemand Ernsts Namen aussprach. Und.jeder sprach jetzt von ihm. Trina ging mit roten Augen im Hause umher, sie hatte immer io grohe Stücke auf Herrn Ernst gehalten, er hatte kürzlich erst .ihrer Taut" aus einer grohen Bedrängnis geholfen, in die eine Hebamme dank ihres heiklen MetierS zuweilen geriet. Frau Kollin muhte Tag unb Nacht die Vorwürfe ihres Mannes über sich ergehen lassen, weil sie ihn überredet hatte, Grete einen Juristen heiraten zu lassen, statt diesen Vetter in Rüdes- heim. der ein Schloh am Rhein besah und ein Geschäft, das Millionen einbrachte. Hatte man dafür ein Lebtag geschuftet. um daS Geld einem Manne In den Rachen zu stecken, der eS zu nichts besserem brachte wie zu einem, der Strohmatten flocht? „Ja, hattest du ben Rüdesheimer Karl geheiratet," sagte die gute Grohmama, „ba wußte man, was man hatte, ober in Gottesnamen ben altkatholischen Forst reserendar. er konnte ja übertreten, die 3ann hat eS auch gemacht." Die arme Grete, von allen Seiten bedrängt, wagte sich kaum noch unter die Menschen. > Deutschland oyne ober gegen btt Sozlaldemvkvatte (regiert werden kann. (Beifall bei den Soo>al- dcmokraten.) Abg. Dr. Schiffer (Dem.) bemerkt, die Rede Dreitscheids habe weder den Interessen deS Landes noch dem Ernst der Stunde entsprochen. Die Art, wie der Reichstag immer mehr an Achtung verliere, bilde bei der jetzigen grohen Verantwortung des Parlaments eine Gefahr für das Reich. Dem müsse durch eine Aenderung des Wahlrechtes entgegengewirkt werden, welche ben Wähler wieder mehr in engere Berührung mit feinem Abgeordneten bringt. DerRedner wendet sich bann gegen die Behauptung von der moralischen Schuld Deutschlands am Kriege, sieht in der Politik Poincares die Fortsetzung der Politik eines Frankreichs der Elemenceau und Napoleons und klagt über die schwarze Schmach und die Politik der Ultimaten und Sanktionen und fordert eipe nationale Einheitsfront und eine klare Richtung in der Auhenpolitik. Die notwendige Verminderung des Deamtenstabes dürfe nicht ausschliehlich auf Kosten der weiblichen Kräfte geschehen. Mit der scherna- ttschen Gleichstellung der Löhne müsse ein Ende gemacht werden, damit nicht die ungelernten Arbeiter eine Vorzugsstellung auf Kosten der qualifizierten Kräfte genieben. Man müsse aus dem Pessimismus und der Apathie zum Optimismus her Tat und zur Aktivität kommen. Denen, die uns die Lebensnotwendigkeiten nehmen wollen, rufen wir zu: Hütet Euch, ein 60 Millionenvolk zur Verzweiflung zu bringen. (Beifall bei den Demokraten.) Abg. K o e n en (Komm.) nennt die Aufnahme des neuen Kabinetts durch ben Reichstag eine Komödie und protestiert gegen die Sozialdemokratie, insbesondere gegen ben Abg. Dreitscheid. denen er die Schuld daran zuschiebt, dah sie vor der Bildung eines sozialistischen Kabinetts zurück- geschreckt seien. Nur so sei es mit Hilfe des sozialistischen Reichspräsidenten möglich gewesen, bah eine kapitalistische ^Regierung gebildet werden konnte. Durch das Liebäugeln mit der Arbeitsgemeinschaft und durch die Festlegung auf deren Programm, das die Beseitigung der Zwangswirtschaft und die Wiedereinführung des Zehnstundentages bedeute, habe die Sozialdemokratie Verrat an der Arbeiterschaft begangen. Inzwischen ist ein Antrag Dr. Petersen (Dem.) eingegangen: Der Reichstag wolle be- schliehen: Der Reichstag hat die Erklärung der Deichsregierung zur Kenntnis genommen und billigt, dah sie die Note vom 13. November d. I zur Grundlage ihrer Politik machen will. Ernährungsminister Dr. Müller- Bonn weist den Vorwurf des Landesverrats, den der Abg. Dreilfcheid gegen ihn erhoben habe, auf bas entschiedenste zurück und fordert ihn auf, sein Deweism-aterial uor-ulegen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Hier liegt esi) 3n Jahr: 1919 hätten dem Rheinlandproblem viele angefereie Männer im gleichen Sinne gegenübergeslanden, nämlich dem Rheinland im Verbände des Deutschen Reiches eine feiner Eigenart entsprechende Stellung zu sichern. Niemals habe er einer Bewegung angehört, die auf eine Abtrennung von Gebietsteilen vom Deutschen Reiche oder aus eine Gocferurtg des Reichsge.uges hinstelten Als Persönlichkeiten in die Bewegung eingebrungen seien, mit denen er nichts zu tun haben wollte, habe er sich von dieser Bewegung getrennt, ©eine Kölner Mitbürger hätten ihm ihr Vertrauen durch seine Wahl zum Stadtverordneten bewiesen. Er habe vor zwei Jahren als mittelbarer Staatsbeamter die republikanische Verfassung des Reiches und Preutzens beschworen. Die Getreide- UFilage habe er als Vertreter der Landwirtschaft bekämpft, er habe als Minister die Pflicht, die .Umlage hereinzuholen und würde das im vollsten Einverständnis mit der Landwirtschaft tun. 3m übrigen habe ihm der Reichskanzler zugesagt, die statt. Man legte Emst Aktenstöhe und Kontobücher vor. von deren Eintragungen er nichts wühle, denn Gimpel hatte sie geführt. Er sollte angeben, wo die ihm von den Witwen anvertrauten Summen hin verschwunden waren Aber sie waren fort, wahrschtinlich hatte sie Gimpel mitgenommen auf seine Reise. Warum hatte er diese wichtigen Sachen einem Manne überlassen, von dem er nichts wutzte, alS datz er Rens Gimpel hieß? Oder hatte er gewuht, dah dieser Mann ein» mal wegen ^echfellälschung gesessen hatte? GS waren schon au-tzehn Jahre her, und in Stratzburg hatte Gimpel seine Strafe verbützt. Vs stand zwar zwifchm dem rechten 21 beinufer und dem Elsaß eine fast unübersehbare Mauer, aber Gimpel hatte doch Papiere besessen . . . ilnb Herwegh gestand, datz er die« allerdings gewußt, er hatte ben Mann trotzdem genommen, weil er an die DesferungS^ähigktll der Menschen glaubte. Gimpel war in seiner Art ein Genie. Herwegh war noch heute davon überzeugt, datz diesen begabten Kaufmann nur ein verschwenderisches Weib zu seinen Vergehungen Derlei et hatte. Selbst Gimpel hatte sich.'r nicht geahnt, in welch beispiellosem Durch?inalrder er sein Bureau zurückge- lassen . . - Aber jedes Wort der QkrteiMgung war hier umsonst. Wenn c« ihm auch gelang, aus diesem Prozesse seine Ehre zu retten, so würde man ihn als Anwalt beim Gericht nicht mehr zulassen, seine Stellung war hin. Er war nun unmöglich geworden, die Gesellschaft hatte ihn ausgeslohen. Wie toücbe Grete das tragen? Ein bittere« Lächeln überschlich sein müdeS Gesicht Er sah sie vor sich. Mit blitzenden Augen, entsetzt. alS habe sie eine schmutzige Hand berührt, würde sie sich von ihm abwenden, ilnb feine arme Mutter! Wie würde sie eS tragen? Wer Lutz' Schulden bezahlen und den Lümmel beaufsichtigen? Wer seiner Mutter Helsen auS allen Verlegen- beiten? (Fortsetzung folgt.) dSnnen Kette an MS Gepäcknetz. Bei dem aufgegebenen Gepäck ist besonders auf die Derpa^ung zu achten: es werden immer noch häufig Reiselörbe aufgegeben, deren Verschluhstange leicht durch die Oesen gezogen werden kann, oder deren Oefen so mangelhaft beschaffen sind, datz Stange unb Schloh keinen diebessicheren Dersch'.uh mehr bilden: auch Koffer mit schadhaften oder nicht verschlossenen Schlössern sowie gebrechliche ober nicht genügen!) zugenagelte Kisten sind keine Seltenheit. Die Eisenbahn tonn für die Sicherheit des Gepäcks mit ganzem Erfolg nur sorgen, wenn sie von den Reisenden im Kampfe gegen Diebstahl unb ‘Beraubung unterstützt wird. Verschiedene Neuerungen Im Post verkehr sind mit der letzten Gebührenerhöhung am 15. November eingeführt, aber kaum beachtet worden. Der Mindestsatz für Drucksachen im Inland geht bis zu 25 Gramm, bisher nur 20 Gramm. Dies gilt auch für Danzig, Memel, Luxemburg unb Oesterreich. Zeitungspakete zu ermäßigter Gebühr sink) nicht mehr nur in der Nahzone, fonbern auch in der Fernzone zulässig. Bei P o st a n to e i f u n g e n unb Zahl karlen ift eine Vorstufe bis 50 Mk. eingeführt. die für die bisherigen Gebühren, Postanweisungen 6 Mk., Zahlkarten 3 Mk., bestehen bleiben. Die nächste Stufe ist von 100 auf 203 Mk. erhöht worden. ®er Meistbetrag einer Postanweisung tm Inland ist jetzt 10 000 Mk., ebenso nach Da^tzig unb Memel. •• Der ZuckerprelS. Die hessische Landesversorgungsstelle hat den Preis für den Zucker (gemahlener Zucker und Kristallzucker), der auf Grund der Reichszuweisung für die Monate Oktober und November zur Verteilung kommt, auf 115 Mark für daS Pfund festgesetzt. Für Würfelzucker erhöht sich der Preis um 10 Mark, für Grtetzraffinade um 5 Mark für das Pfund. ** D i e Gebührenordnung für amtstierärztliche Verrichtungen betrifft eine Bekanntmachung im neuesten Amtsverkündigungsblatt, aas die wir 3ntereffenten hiermit aufmerksam inacheu. Die Bestimmungen treten am 1. Dezember in Kraft. ** Die Satzung für die Krankenversicherung der Hausgewerbetreibenden im Bezirk der Allgemeinen Ortskrankenkasse des Landkreises ©leben wird im neuesten Amtsverkündigung rblatt zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Als Zeitpu ift des Inkrafttretens ist der 1. Oktober d. I. bestimmt worden. auch bte intimsten Freunde Dr. Sorten« Taften, und von dem sich verschiedene Mitglieder mit dem französischen General Mangin in Verbindung gesetzt hatten, wurde von der damaligen Reichsregierung als Hochverrat gekennzeichnet. Das Zentrum ist von dieser Bewegung, die von Dr. Müller geleitet wurde, entschieden abgerücktz und die „©ermania" hat sein Verhalten als schtnählich bezeichnet. Als Rheinländer müsse er erklären, dah Dr. Müller, der Kamerad Dortens, nicht in eine Regierung der deutschen Republik gehöre. Reichskanzler Dr. E u n o erklärt, er könne im Augenblick auf diese Angaben nicht eingehen. Der Fall werde objektiv untersucht und das Ergebnis dem Hause mitgeteilt werden. Hm ‘/jlOUbr wird die Weiterberatung auf Samstag vormittag 10 Ubr vertagt. Die Altersgrenze von 63 Jahren dings in Fortfall Bei der E.itrichtong der Monatsbeitrage entfällt die Hälfte auf den Arbeitgeber, die andere auf den Arbeiti Lhmer. Für An- g.stellte, die von der eigenen DeitragSleistung befreit sind, die sogenannten Halbverjichrrtert, entrichtet der Arbeitgeber ben Betrag in der Ge- hacksllasse des Ha bjahrsa b.itsprrdienstes. Sine Befreiung von der eigenen Beitragsleistung kommt nur für Angestellte in Frage, die erstmalig m die Versicherung eintreten, zur Zeit des Eintritts das 30. Lebensjahr überschritten haben unb eine ausreichende Lebensversicherung besitzen, die min- bestens schm seit drei Jahren läuft. Als ausreichend Litt die Versicherung, toenn die monatlich: Prämie mindestens dem Deitragsteil deS Versierten entfpri4>t- Hos erfebien mit seinem zerzausten Knebel- , Halste auSzahlen können, und der rnd die Generalin sagte deS Abend«, wen« 1 nicht, sie zu vesänstigern. r> - Johann« Mflreuje«“ -ie Zett der erst« Roman. Vichleris i der Mrlyrec F! Mler ltrgrissenh sal folgt - ZullaS Verlag Friedrich L fialfungötruft Hai MnsAa gelöster sicher Heben oerlie der nüchternen H - Franz $ tumern der i AorvoU ^rlin. diesen SiMring fl«» mil ® Unfeine« 8” ZU W SÄ, SA Mgnec vorsplel Lösche abelw babca >md ff Mv, der iM^ schrieb und dre - voll, taU scharfe Urteil er! ihn so vohlvwllenderen daz Aomponiers mit I* immer noch n«i CT on W 5tt cher StotirM. je QKuHter ktnl Külieben. 3uurre kompoM zu em seinen .HMms c Jeuten&M bekamt ist. Seine: dessen Leidenschos Aamdton seiner Dell«rschcruun4 fenllichkeii erschlie! Wv der Hhm,ius edle und vohlkling den. Msches fein and seine leikensch sich an schönsten m ic^ Je ttteil ungen verstreut sind. XfaBtetfptel, feinem improvisieren und Planta- fieren am Flügel, sprechen alle, bie ihm lauschen tonnten, mit Begeisterung Dach der Schilderung seines Freundes, des Komponisten Peter Tast, war sein Anschlag von grober Intensität, ohne dabei daN zu sein. Man tonnte bei ihm, wenn es sich um die Wiedergabe von Orchester- Werken handelte, statt von einem Klavierspiel geradezu von einem Partiturspiel sprechen, - denn fein Spiel war so polyphon, dah sich auf dem Flügel deutlich das Horn oder die Flöten und Geigen oder die Posaunen heraushoben. Er toubte also im Klavierspiel daS Orchester an-udeutea. ,Er spielt mit der andersten Ausdrucksfähigkeit und em ei tiefen Uebrrzeugmg. die oif den Hörer unwiderstehlich eindringt," sagt Scydlitz. ilr- sprünglich wollte er jo Musiker werden and hat auster einem Oratorium eine grobe Anzahl anbei er Kompositionen geschrieben, so eine Klaoier- phan taste „3m Mondschein auf der Putzte", ein schlichtes Lied mit eigenartigen Liebergängen zu bern Ehamisfoschen Gedicht ,Das Kind an die et* lofcbene Kerze" und einen 1870 komponierten Männerchor „Ach, ich must rran gehen". Arch eine Opernskizze sowie eine Rhapsodie, beide durch die (Zrmanarichssage angeregt, sind im Riehsche-Ar- chiv vorhanden. 3n späterer Zeit komponierte er nur toenisj. 3m Gegensatz zr Schumanns Manfred* Musik, die ihm immer weniger zusogte, schuf er eine „Manfred-Meditation", die, als er sie bei Wagner verspielte, freundliche Aufnahme fand. Rietzsche aber wollte ein entscheidendes Urteil haben und wandte sich deshalb an HanS von Bülow, der ihm denn auch mit größer Offenheit schrieb und die Musik „hohl, farblos, anspruchsvoll, kalt und äusterst gesucht" fand. Dieses über- scharfe Urteil erschreckte Rietzsche und machte auf ihn so starken Eindruck, dah er trotz der sehr viel wvhlwollenderen Beurteilung von Mszt beschloh, das Komponieren ganz aufzugoben. „Sie haben mir sehr geholfen — eS ist ein Geständnis, das ich immer noch mit einigem Schmerz mache," schrieb er an Bülow. Diesem Gntschlust ist er. trotz mancher Stotzfe«rfzer. wie „Ich mochte jetzt mehr als je Musiker fein!" mit wenigen Ausnahmen treu geblieben. Austier einer vier händigen Gelegeaheits* konrpofition zu einer Hochzeit schrf er nur noch feinen „Hymnus an das Leben", Wohl fein bedeutendstes Musikwerk, obwohl es leider wenig bekannt ist. Seine Hoffnung, datz dieses Chorwerk, dessen Leidenfchaft und Ernst einen wichtigen Grund ton seiner Philosophie anschlägt, seiner Weltanschauung den Weg zu einer breiteren Oef- fenllichkeit erfchltesten werde, erfüllte sich nicht. Aber der Hymnus ist von allen Kennern als eine edle und wohlklingende Schöpfung anerkannt worden. AietzscheS feinstes Verständnis für die Musik und ferne leidenschaftliche Liebe zu ihr offenbarte sich am schönsten in feinen musikalischen Wertungen und Beurteilungen, die überall in seinen Werken verstreut sind. Bttckerttsch. — Johannes Wehrmann: »Könige desKreuzes". Ernte-Beriag, Hamburg. — Jn die Zeit der ersten Christen versetzt ui8 dieser Roman Dichterische Kraft verleiht den Gestalten der Märtyrer Fleisch und Blut, bab man in höchster Ergriffenheit und Spannung ihrem Schicksal folgt. — Julius Levin: „Der Panzer". Verlag Friedrich Linh. Trier. — Mit höchster Gestaltungskraft hat hier der Dichter einen jungen Menschen geschaffen, der sich ganz , in sein innerliches Leben verliert und darum im Konflikt mit der nüchternen Wirklichkeit zugi-unde gehen mub. — Franz Hersel: „Von den 3 r r - tümern der Liebende n.“ Verlag Emst Rowohlt, Berlin. — Der Veisasser lüstt hier iu diesen Erzählungen während einer Nachtwache LiebeSschicksale, die nicht zum glücklichen Finden führen, an uns vorüberziehen und gibt in dem Gesamtwerke ein getreues Spiegelbild des menschlichen Lebens, wie eS sich in vielen Fällen abzuspielen pflegt. — PaulSleinmÜller: „Durtrüborn". Dovelle. (Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart.) — Ferdinand Zacchi: „Klaar Kim- ming". Ernte-Verlag. Hamburg. — Diese Erzählung wurzelt tief in der Heimaterde. Land und Leute erstehen in höchster Anschaalichfeit vor dem geistigen Auge des Lesers, der von den zahlreichen lyrischen Stellen des Buches aber wieder über den Alltag hinausgehoben wird in wahre Feiertagsstimmung — Flemmings Knabenbuch, 3. Band (1922). Herausgeaeben von G. Gellert. Mit zah reichen Ai bi düngen (Ter ag ton C. Flenming u.iö C. T. WiökoU, 21. G., Ber.in ) Berühmte Zeitgenossen haben zu dem mannigfaltigen, belehrenden und unterhaltenden Buche beig?tragen, in dem Knaben jeden Alters vortreffliche Lektüre finden. — Schauspielergeschichten. Herausgegeben von Rudolf Kraust- Verlag Strecker & Schröder, Stuttgart. — 3n der vorliegenden Sammlung hat Rudolf Straub Dovellen von Armin, Gutzkow. Seidl, Riehl. Weigmid, Strobl, Salten, Hede.istjerna zusammengest.ült, die trotz der gewollten Brschränlung auf Schicksale und Charak- terzeichnungen einzelner freierfundener Bühnenkünstler beiderlei Geschlechts den ganzen Farbenreichtum im Dasein des Theatervölkleins von der ungetrübten Heiterkeit bis zur sorgenvollen, ent- täuschungsreichen Tragik wiederspiegelt. — Karl Hanns Wegener: „Das grobe Opse r", Lagebuchblätter einer Frau. (Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart) — SophieKloerh „DerneueGei st". Verlag von Behiend & Boldt in Rostock. — Der Roman verseht den Leser in bie Resormations eit und führt an seinen Augen die Hauptgeschchnisse vom Auftreten Luthers an bis zu seinem Tode in eindrucksvollen Bildern vorüber Es ist nicht ein landläufiger Roman, sondern ein mit tiefem historischen und psychologischen Verständnis gezeichnetes Kulturbist» auS einer groben Epoche der deutschen Geschichte. — L. Starklof, Sirene. Eine linksrheinische Geschichte aus alter Zeit. Mit vier Vier- farbenbilbevn und zahlreichen Tektillustrationm. (Te?'ag von C. Flemming und E. T. Vi fett, A G. Berlin.) — Die packend erzählte Geschichte einer Hofdame am Hofe zu Zweibrücken, die durch Hof- kabalen in eine einsame Felsenburg an der Rahe oerbannt, dort in ein feingesponneneS 3ntrigen- spiel verwickelt und im 2lug?nE lief, als sie das Dey siegreich zerreibt, um dem geliebten QHmme zu folgen, zugleich mit diesem von einem tückischen Schicksal zermalmt wird, spielt zu der Zeit kurz vor dem Einbruch der Revolutionsheere in das linksrheinisch: Lanb. und beansprucht somit auch kulturhistorisches Interesse. Handel, Berlin, 24 .Aov. (WTB) In der nächsten Woche findet die Wertpapierbörse am Montag, Mittwoch und Freitag statt. An den übrigen Tagen werden nur Devisen und Roten notiert Der Produkten- und Metallmarkt bleibt wie gewöhnlich. Frankfurt a. M„ 24. Rov. Börsen- stimmungsbild Die Börsenräume blieben heute wieder für jeden Effektenverkehr geschlossen. Am Devisenmarkt war das Geschäft ziemlich rege, und die Tendenz war fest. Der Dollar, der mit 6600 einfetjte, befestigte sich im Verlause aus 6900 und verkehrte zeitweise 7000—7025. Aus den im Effektenverkehr von Bureau zu Bureau genannten Kursen zu fchliebrn, waren diese gegen gestern entschieden hoher. Allerdings bemerkte man gröbere Zurückhaltung, was vielfach auf die Börsenseiertage und die politische Situation zuiückgeführl wird. 3m Vordergrund des Interesses standen Spezialpapiere. Valutapapiere auf das neue Anziehen der Devisenpveife wieder gesucht. Frankfurter Devisenmarkt. (Telegraphische Auszahlung.) Amtliche Rotierungen. Datum: Antw.'Vrüssel . frollanb London Paris Schweiz Svanien Jialien...... i'issabon'Ovorto Dänemark . . .. 'Jiortueiicn . ... Schweden . . .. HelsinaiorS. . . . diennorf Deuisch-Oesterr. Budapest Prag........ Sona 23. November 24. November Geld Bries Geld Briek 41S95 421.05 458,85 4(1115 2501.25 2513.75 2753,10 2700.80 23428.75 28571.25 31421.75 31578D 454^5 457,15 501.75 504.20 1182,- 1188,- 1321.05 1328,35 972,55 977,45 1074,80 1080,20 206,25 297,75 331,15 3320to 1274X) 1281,15 1418,45 1425255 1152.10 1157,90 1270,80 128120 170äk75 1714,25 18-0.75 1889,25 178.05 178,95 175,50 170,50 6421,40 045:3,60 7067,25 7102.75 9.08 9,12 10.95 11,55 265.- 207 — 303,- 305.- 20350 204,50 227,40 228,00 9525 95,75 — Derllner Produttenmarkt. Berlin. 24. Rov. Für Devisen machte sich heute vermehrte Kauflust geltend, die auf eine üxniger günstige Beurteilung der Aussichten der bevorstehenden Brüsseler Konferenz zuzuschreiben war. Der Dollar hat wieder den Kurs von 7000 überschritten. Märkte. Berlin, 24. Rov. 3n Jiückwirkung der Aufwäi tsbowegung der Deviseniurse herrschte am Produktenmarkt eine feste Stimmung. Weizen war seitens der Mühlen sehr begehrt und stellte sich bei knappem Angebot höher. Für Roggen machte sich vielfach Kauflust geltend, teils für die ReichZgetreidestelle, teils für Hamburg. Auch die zum 1. Dezember bevorstehende Steigerung der Frachtsätze bildete die Veranlassung zu Käufen in naher Ware. Gerste war gleichfalls fest. Hafer war wiederum knapp und besonders in falb greifbarer Ware gesucht. Mais wurde bei ruhigem Verkehr teurer bezahlt. Mehl war noch aus zweiter Hand angeboten. Weizen, märkischen 11 900—12 100 Mk. liest), Roggen, märkischen 10 600—10 800 Mk. (fest), Sommergerste 11000 bis 1t 300 Ml. (behauptet), Hafer, märkischen 12 000—12 300 Wk., pommerschrn 11 800-12 100 Mark, Mais, La Plata, loco Berlin 12 400 bis 12 600 Mk. (fest), Weizenmehl (100 Kg.) 32 500 bis 37 500 Mk. (still), Roggenmeh! (100 Kg.) 29 000-32 000 Mk. (still), Weizenkleie 6200 bis 6400 Mk. (behauptet). Roggenkleie 6200—6400 Mark (behauptet), Raps 20 000-20 100 Mk. (fest). Viktoliaerbsen 23 000—24 000 Mk.. kleine Erbsen 20 000—20 100 Mk., Pelusch en 16 000-17 000 Mk., Wicken 19 500—20 500 Mk., Lupinen, blau 15 000 bis 16 500 Mk.. gelb 16 500-18 000 Mk.. Raps- kuchrn 7200—7300 Mk., Trockenschnitzel 5300 bis 5400 Mk.. Kartoffeln,weihe und rote 450—470 Mark, gelbe 550 Mk Rauhfutter: Weizen- und Roggcnstroh, drahtgeb. 5300—5500 Mk.. Hascr- slrvh. drahtgepreht 5300—5500 Mk, Stroh, stroh- feitgcbünbelt 5000—5200 Mk., Wicsrnheu, gut, gesund und trocken, Donnahd 3200—3400 Ml.» Rachmahd 2850- 2930 Mk. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Entrüstete Ablehnung der Erklärungen Clämenceaus in Amerika. London, 24. Rov. (WTB.) Aus Washington wird gemeldet: Die (Srflärungen 6 lernen- ceau«, dah Deutschland einen neue» Krieg vorbereite, riefen einen Protest sturm seitens amerikanischer politischer Führer hervor. Clemenceau wurde von zahlreichen Senatoren, ebenso von Mitgliedern des Repräsentant en Haus es, heftig angegriffen. Sie sagten, das), wenn Deutschland einen neuen Krieg vorbereite, Frankreich die Verantwortung dafür trage. Clemenceaus Reise nach den Vereinigten Staaten sei ein Versuch, die Vereinigten Staaten mit in einen solchen Krieg hineinzuziehen. Senator D o r a h erklärte, kein Mann fei mehr verantwortlich für da- europäische Unglück als Elemenceau. Keiner trage mehr die Schuld für die zerstörenden Bedingungen des Versailler Friedensvertrages als er. Öenatoc Hit- chock erklärte, es sei wahr, dah Deutschland, RuhlandunddieTürkeiallmäh- lich zusammenrückten, aber Frankreich sei die Ursache hierfür. Gr forderte Clemanceau auf, die Reparationsfrage offen darzulegen. Die Anwesenheit von schwarzen Truppen am Rhem sei eine Schmach. Um bie Sympathien der ^Bereinig- ten Staaten zu gewinnen, hätte Frankreich eine geeignetere Persönlichkeit schicken müssen als Els- menccau. Die auswärtige Politik der französischen Regierung müsse abgelehnt werden. Deutschland befinde sich am Rande des Au f st an- des infolge der französischen Reparationspolitik. Es sei vollkommener Unsinn zu erwarten, dah Deutschland den von Frankreich gestellten Bedingungen nachkommen könne. Die französische Politik sei eine Politik des Krieges und nicht deS Friedens. Differenzen zwischen Frankreich und Amerika in der Floltenfrage. Pari«, 24. Rov. (WTB.) Die .Chicago Tribüne" meldet aus Washington, dah die De» cinigten Staaten binnen kurzem bei der französischen Regierung vorstellig werden würden wegen der französischen Haltung gegenüber dem W a- shingtonerAbkommen über bie Abrüstung zur See. Hochgestellte Persönlichkeiten in Regierungskreisen hätten ihr Erstaunen gezeigt über die Erklärungen Leygues. dah das Washingtoner Abkommen nur mit sehr weitgehenden Abänderungen von der französischen Kammer ratifiziert werden könne. Sonnino f. Rom, 24. Rov. (WTB.) Der ehemalige italienische Ministerpräsident Sonnino ist gestorben. Die Dienstzeit in Frankreich. Paris, 23. Rov. (WTB.) Der Heeres- ausschuh des Senats hat sich mit 16 gegen zwei Stimmen bei zwei Enthaltungen grundsätzlich für die 1 8m onatige Dienstzeit ausgesprochen ES handelt sich um den neuen französischen Militärgesetzentwurf, den bie Kammer in der ersten Hälfte dieses Jahres beraten und in seinen grundlegenden Bestimmungen angenommen hat. Kopfschmerz Erhältlich iti Apotheken Rasch u.vof züglichwirk. 2712c Das Geld hat noch immer feinen Wert. Man muh eS nur richtig an- wenden. DaS erkennt mnn am beiten, wenn man feine Kleider, Binsen, Gardinen, Srrumvse uho. mit den weltberühmten „Hcitmann'S Karben", Dl arte „Fu chS- kopf im Stern" selbst färbt und bann sieht, weich' prachtvollen Erfolg mnn durch die kleine Ausgabe erziel! hat. (6073ss Ferner: Verwalter der Universität. IWIIy Nur noch heute Ssum**tag und morsen Drucksachen aller Art lief"* !n jeder gewünschten Aunttltung stilrein end preiswert die Brdhl’Khc Unhr,-Druckerei, R. Luge. - ! 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Streichquartette von Mozart, A-Dur (Kochel Nr. 464) — C£sar Franck, D-Dur — Schumann op. 411, A-Moll. Eintrittskarten: 100, 80. 00 und 40 Mark einschl. Steuer bei Ernst ChaHier (Telephon 071) und abends an der Kasse. Stud. ntenkarten Mk. 25.— nur im Voi-verkauf beim Haus- Wrtt rine Ie(Tc ffdfft#, Ttt. Mao »sw. bHonbtr« ®ohttum>. 3uw 6u6f» »treenhrt men »»tirilstast Sürtorf lobkttm 6xfln6 guf, »ülifl un»fct,dmmlid). Oin« leblrtlt gtnugf ftr dnt XofTe. 6dwd>itm mit t. 2 u. 500 6fud. drb mfloirnialaior/n , V'vgenhandlim-m unb SpetbcUn Palast-Llchtsplele — Lindcnplal« — M0SM Grüßte« B.vornehmsiesTlisater am Pialze Versänmen 8 e bitte nickt den letzten Tug !ttr = Fatty= imwildeiiWesten r Frldsricus Rex, 1. und 2.Tell 1 ■ Ein Königsschicksal. S Wy Dieser Film wird jedem unvergeßlich bleiben. Ä g» Beginn: V»4 Uhr, 6 Uar und 8.15 Uhr, W ■■■■— Große* reretUrkte* Orehe*tcr! ---------- W Scbttler haben 11 d. Mnchm.-Verstell. erettlgtea Datrltt. Z| I Ab Montnsr, den 27. 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