Nr. 225 Erscheint täglich, äuget Sonn- und Feiertags, mit berSomshiqsbeilagc: ViehanerFamilienblätter Rmnttliche vezuqspreist: Mit. 75.- und MK.5.- TrLgerkochu, durch dieDost LDlk 75. -, auch bei Nnht- erscheinen einzeln sr Nummern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech- Auschwfft. MrdieSchrist- lettmtg 112, für Verlag «nb EeschäfiLfieÄe 51. Anschrfft für vrobtnach- nchte«: Anzeiger liegen. QrenWU®. ti®6. Montag, 25. September 1922 172. Zahrgang Erstes Bktt GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dorf mrt> Dedeg: Brfi^fW UnK.-Smh- tut» Sfchtfrnttterti «. £eliert> Vorstand besprach am Freitag bereits in einer ausaedoittnten Sitzung bie für ben Parteitag eingegangenen Anträge und Vorschläge. Der SarnS tagvormittag gehörte ben Unterausschüssen Der Lanbesf rauenausschuß befaßte sich mit ber Frage ber Werbearbeit, worüber Frau Dr. Schrnibt (Fechenheim) referierte, währenb ber Iugenbausschuß, ber sich neu gebildet bat, sein Aufgabengebiet in lebhafter Diskussion besprach. In 14 Tagen soll in Frankfurt a. M. noch, mals eine eingehenbe Aussprache des Landes jugenbausschusses ftattfinben. Um 11 Uhr am Samstag wurde ber Parteitag durch ben Lanbesvorsihenben Dr. Karl K l i n g s p o r (Offenbach a. M.) eröffnet. Er begrüßte zunächst bie Vertreter ber Reichspartei leitung und benachbarten Lanbesverbände, unb gab daraus einen Ueberblick über bie Stellung er Partei zu ben großen Fragen ber äußeren unb inneren Politik. Der Rebner schloß unter stürmischem Beifall mit den ^Worten, baß bie Deutschnationalen unbeirrt von Schuhgesehen zusammenhalten werben im Kamps für ben beutschen Gebauten in beutschem Lande. Für bie Orts gruppe Bad-Nauheim hieß Pros. Dr. Webe, die Gäste aus bem ßanbe willkommen. Von der Reichsparteileitung überbrachte Prof. Dr. Pflug (Berlin) die besten Glückwünsche, während vom Badischen Landesverband Geh. Oberkirchenrat D Mayer unb vom Landesverbanb Hessen-Rassau Rcferenbar Huch (Wiesbaden) die freund-nachbarlichen Beziehungen zu den hessischen Partei^ freunden hervorhoben. Für bie Frankfurter Orts gruppe grüßte Lanbtagsabgeorbneter Martell, im Rainen ber Arbeitsgemeinschaft Hanau-Geln hauscn-Schlüchtern Oberßteutnant a. D. Wil helmi Es folgten darauf bie Berichte bes Lanbesgeschäftsführers Frhr. v. F o r.ft ner und ber Provinzialvorsihenden, die alle feste Zuversicht in bie Zukunft ber Partei zum Ausdruck brachten. Heber die Aufgaben ber Frau im Dienste ber Dcutschnationalen Vvlkspartei sprach die Vorsihenbe des Landessrauenausschusses Frau Klara K l i n g s p o r. Gin Bericht vvn stad, jur Zimmer (Gießen) befaßte sich dann mit bem Thema Student und Politik". Er begründete unter bem Beifall ber Versammlung, warum bie Beschäftigung ber studierenden Jugend mit der Politik unbedingte Rotwendigkeit fei. — Rach kurzer Mittagspause begann bie Rachmittags sihung mit einem ausführlichen Bericht bes Abg Kinbt (Dam,stabt) über bie Arbeiten des Hessischen Landtages unter besonderer Berücksichtigung der Ausnahmegesetze. Ausführliche kam er dabei auf bie Arbeitsgemeinschaft mit bem Hessischen Dauembunb zu sprechen, verteibigtt den Dauernbunb gegen ben Vorwurf, er verfolge eine rein materialistische Interessenvertret ung, indem er an Hand des Abstimmungsmateriate betonte, baß die Mitglieder des Hessischen Bauernbundes allezeit mit großem Interesse sür die Kultuvaufgaben eingetreten seien. Bei den Ausführungen des Redners über die Ausnahmegesetze unterstrich er ganz besonders die Tatsache, daß durch bie Annahme einer von ihm eingebrachten Entschließung es jedem deutsch- nationalen Beamten möglich sei, auch weiterhin Heutiger Stand des Dollars 10 Uhr vormittags Berlin 1420, Frankfurt a. 1 1400—1428. für fite PirM zu arbeiten unb bei Wahlen zu Eaublbteren. Anschließend gab Abg. Dr. Deh - Itnger die Versicherung, daß die Mitglieder der Fraktion des Hessischen Bauernbundes von dem Willen beseelt feien, auch fernerhin mit den Abgeordnetem, der deutschnationalen Partei Schulter an Schuller zu kämpfen und für einen friedlichen Ausgleich zwischen Stadt und Land zu arbeiten. — Stadtverordneter Streb (Offenbach), der Vorsitzende des Bundes deutschnatronaler Gemeindevertreter des Landesverbandes, berichtete dann über Gememdepolitik und Gemeindewahlen. 3m werteren Verlauf der Tagung erfolgte die einstimmige Annahme einer Reihe von Entschließungen. Gefordert werden u .a.: Die Beseitigung des Ortsklassensystems, Beseitigung der prozentualen Teuerungszuschläge und Förderung von kinderreichen Familien: Vereinfachung der Staatsverwaltung, Abänderung des Ministerruhe- gehaltsgesehes und Verminderung der Zahl der Landtagsabgeordneten: größere Selbständigkeit der Gemeinden und fürs Land und die Gemeinden eine größere steuerliche Unabhängigkeit: durchgreifende Maßnahmen zur Steuerung der Rvttage der Kleinrentner, Ruhestandsbeamten und Sozialrentner. Ein Protest wendet sich gegen das Verbot nationaler Vereinigungen, Regimentsfeiern usw. Die darauf erfolgende Reuwahl des Vorstandes bestand zum größten Teil in einer Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Reu wurden hinzu- gewahlt stud. jur. Zimmer (Gießen) und Wein- gutsbrsitzer Schmitt (Rierstein). Ferner wurde ein Vertreter der Iugendgruppe Gießen in den erweiterten Landesvorstand gewählt. Oberpostsekretär K o h l h a s e (Gießen) dankte im Hamen der Partei dem Vorstand für die geleistete mühevolle Arbeit und ließ diesen Dank in ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Landes- vorsitzenden ausklingen. Dieser danlle seinerseits in bewegten Worten und schloß mit einem Hoch auf das Vaterland. 3n einer anschließenden Sitzung der Dearn - t c n wurde ein vorläufiger Ausschuß gebildet, der sich mit den Standesfragen der Beamten besonders beschäftigen soll. Zum vorläufigen Vorsitzenden wurde Lehrer Dern (Reu-3senburg) bestimmt. Am Abend fand ein von der Ortsgruppe Bad-Rauheim veranstalteter besonderer Be- grühungsabend statt. Rach Degrüßungsworten von Kohlhase (Gießen) bildete eine An- chrache von Pros. Pflug den Höhepunkt des Abends. Dem starken Beifall folgte, von vielen hundert Festgästen begeistert gesungen, das Lied ,3ch hab' mich ergeben“. Sehr stimmungsvoll wirkte auch ein von dem Abg. Kindt ver- aßtes und selbst vorgetragenes Gedicht „Die Fahne". Am heutigen Sonntag nahm bei überaus zahlreicher Versammlung der Parteitag seinen Fortgang. Rach Degrüßungsworten für die erschienenen Abgg. des Hess. Bauernbundes Diehl ,Hochweisel) und Wolf, und dem Reichstags- ■ibgeoebneten Dorsch (Wölfersheim) sprach der letztere über die Arbeiten des Reichs- ' a g s. Er berichtete eingehend über die Tätigen der deutschnationalen Reichstagsfraktivn und schilderte besonders ausführlich das Verhalten der Sraftion bei der Abstimmung über die Getreideumlage, die als eine Sonderbesteue- . nrag der ländlichen Bevölkerung von den Deutschnationalen einmütig abgelehnt worden sei. l Lebhafter Beifall.) Landtagsabg. Prof. D- Dr. Diehl (Friedberg) sprach darauf über das Thema: .Sind wir Deutschnationalen * reaktionär?". Er betonte die Unrichtigkeit «-des Vorwurfs, die Deutschnationalen seien renk- tionär unb Entwickelte das, indem er die Zu- v sammensehung der Partei in ihrer Organisation and Frccktion llarlegte, die alle Stände des deutschen Volles umfaßten. Er hob ferner hervor, daß die Deutschnationale Vollspartei auf Grund ihres nationalen, sozialen, völkischen und christlich-religiösen Programms eine Politik des gefunben Fortschritts vertrete. Damentlich wies der Redner auf die ausschlaggebende Mitarbeit der Partei in den Fragen der Dollsbildung hin (Lebhafter Beifall.) Mit zwei eindrucksvollen öffentlichen Vorträgen fand der Parteitag heute nachmittag seinen Abschluß. Zwei der kenntnisreichsten und beflen Redner der Partei im Reiche waren dazu als Redner gewonnen: der hessische Führer und Abgeordnete Prof. Dr. Werner und der Kölner Universitätsprosessor Dr. Marttn Spahn. Daß es sich bei beiden um Ql amen von Klang in den Reihen bei Partei handelt, das bewies der stürmische Beifall, mit dem beide von den anwesenden Parteifreunden aus Stadt und Land begrüßt wurden, die den großen Saal des Sprudelhotels bis zum letzten Platz füllten. Professor Dr. Werner sprach über die hessische Landespolitik. Eingehend schilderte er die hessischen Finanzen in Einnahmen und Ausgaben und anschließend den Apparat der Staatsverwaltang. Die Demokratisierung bezeichnet er als eine sozialdemokratische Parteisekretariatisierung unseres ganzen Derwaltungsbetriebes. Wenn auch die Gewerkschaftsbewegung gezeigt habe, daß eine Fülle von Intelligenz nach oben gehoben werden tanne, so sei das noch kein Beweis dafür, daß das Berufsbeamtentum durch Parteileute zu ersetzen sei. Seine Partei wolle eine unpolitische Polizei, ein unpolitisches Derufsbeamtentum. Scharf verurteille der Redner die Darmstädter Vorgänge, die gezeigt haben, wohin politischer Fanatismus führen könne. Unter lebhaftem Beifall gedachte er der Parteifreunde in Rheinhessen wo die deutschnationale Sache erfreuliche Fortschritte mache. (Stürmischer Beifall.) — Prof Dr. Spahn, der geistreiche Historiker, betrachtete in tief angelegten Gedankengängen die politische Lage. Ausgehend von der gegenwärtigen Lage in Dorderasien und am Bosporus, deren Entwicklung sich letzten Endes bei uns am Rhein auswirken werde, unterzog er die Erfüllungs- Politik einer scharfen Kritik. (Stürmischer Beifall.) Beide Redner der öffentlichen Versammlung sprachen je über eine Stunde und ernteten stürnnschen Beifall. Rach Dankesworten schloß Dr. K1 i n g s p o r die Tagung, bte aus klang in dem Liede „O, Deutschland, hoch in Ehren", das von den An- wesenden stehend gelungen wurde. Landesparteitag der Deutschen demokratischen Partei Hessens. Gießen, den 23. September. Der Landesparteitag der Deutschen Dcmokratis ch e n Partei He ssens begann heute hier mit Sondertagungen des Lan°- desvcibandes demokratischer Beamten. Lehrern. Angestellten und Arbeiter im „Felsenkeller" und des Landcsausschusses demokratischer Frauen im „Hotel Schütz". 3m Landesverband demokratischusr CEeamlen ysw. erstattete zunächst der Vorsitzende Steuerinspektor Knaup den Hahresbericht. 3n den geschäftssührenden Vorstand wurden die bisherigen Herren Steuerinspektor Knau p-Darmstadt, Oberjustizsekretär Koch- Darmstadt und Justiz- Inspektor Richter gewählt. Zum Reichsarbeii- nehmer-Ausschuß wurden gewählt Steuerinspektor Knaup- Darmstadt. Eisenbau ninspettor Winkes- Mainz. Kaufmann Cordier- Mainz und Gewerkscha tosek:etär Meschkat - Wo ms. Darauf referierte Rektor Schäfer- Darmstadt über die „Deamten-Desolbungsre- f o r m“. Das zweite Referat über „Beamte undPolitik" hielt Pros. Dr.D ergsträsser- Potsdam. Rach kurzer Diskussion wurde eine Entschließung angenommen, die dem Parteitag dorgelegt werden soll. Die Versammlung der Landesfrauengruppe toar hauptsächlich der Erörterung komu- naler , Fragen gewidmet. Die Berichte der Stadtverordneten aus den verschiedenen Städten gaben ein anschauliches Bild von dem Arbeitseifer unb dem 3ntereffe, mit dem die Frauen in den Gemeindeparlamenten tätig sind. ihn 51/. Uhr schloß sich eine Landes- Au s s chu ß s i h u n g an, die interne Fragen behandelte. Abends 8 Ähr fand in der „Turnhalle" am Oswaldsgarten eine öffentliche Versammlung statt, die sehr gut von Delegierten unb anderen TeilneHmern besucht war. Rach einer kurzen Sinleitungsansprache des Gießener Vorsitzenden. Schulrat Fischer, argiiff Gräfin Marie zu Dohna als erste Rednerin das Wort zu ihrem Thema „Demokratische Weltanschauung". Demokratie sei nicht öde Gleichmacherei, sondern freie Bahn für alle Tüchtigen, seien sie nun Arbeiter oder Prinzen, Christen oder Suben. Sv würden wir zu einer noch nie BaalsfempeL Roman von Margarete v. Oertzen» F ü n f g e l b. 31. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Sie sah ihn gespannt an. „Du weißt nichts?" Er schüttelte den Kopf. Da machte sie sich bedächtig daran, bte Fleischbrühe auf einem Spirituskocher zu erwärmen, und er sah ihren ruhigen Bewegungen mit Behagen zu. Sie hatte so etwas Mütterliches: das »schlichte graue Kleid, das aschblonde Haar, ihr ganzes Wesen toirften auf fein Gemüt, so etwa, wie in alten Zeiten das Harmonikaspiel des Rasch» barsohnes auf dem Hof zur Feierabendstunde. Es paßte alles zusammen. Er nahm die Brühe in großen, durstigen Schlucken. „Die Frau Doktor!" sagte er dann langsam, als er ihr bte Tasse zurückgab, „das ist die alle Dame, die am Klavier sah, unter dem roten Lampenschleier. Genc sah ihn zweifelnd an. „Wahrscheinlich! Sie war es doch, die mir geschrieben hat! Es scheint" — Gene errötete — „es scheint, bah du nach mir gerufen hast. Aber das war natürlich nur hn Fieber!" „Ratürlich!" sprach er mit einem sonderbaren Gefühl der Enttäuschung. 3hm fiel ein, bah er an jenem Abend einer fremden Frau seine ganze Seele offenbart hatte. Dann war er in einem Freudenrausch durch die Straßen geirrt, glückselig wie noch nie, und barm . . Mit einer hilflosen Bewegung strich er sich über Stirn und Schlafen. „Richt wahr, ich bin unter ein Auto geraten T* „Du hast ein paar Rippen gebrochen," sagte die Lene gernütsruhig, „ilnb eine hatte die Lunge verletzt. Das war eine ganz dumme Geschichte! Unb — nicht wahr, Syeiiu — du muht kurz vorher sehr krank gewesen fetn'r „Ach ja, ach ja,“ wehrte er gelangweilt „Aber nun erzähle mal im Zusammenhang! Du lieber Gott, ich muh doch am fünf ins Hotel — Siegried Wagner wird da sein." Seine Wangen röteten sich dicht unter den Augen, und diese Röte bildete zwei rote Flecken, wie auf den getünchten Backlein wächserner Weih- nachtsengel. „Es war mir ja schlecht gegangen!“ flüsterte er vertraulich. „Hundeschlecht! Aber dann wurde mir das Glück wieder hold — das Höchste, was unsereiner erreichen kann, ist doch Bayreuth! Da weht Schopferatem! Unb sollt ich als der Geringsten einer da droben stehen auf dem geweihten Boden! 3ch stünde doch dort! Erlcwte es mit! Das, mein Kind, das kannst du nicht verstehen —“ „Du solltest nicht so viel reden,“ wehrte die Qene sanft. „Sonst kommt der böse Husten wieder!“ „Wenn es aber fünf ist —“ ..Es ist noch lange nicht fünf,“ sagte sie mit stoischer Ruhe, unb nahm ihr Strickzeug wieder vor. „Was strickst du da?“ „Einen Brust- und Seelenwärmer für dich!“ Gr lachte laut auf, unb ein furchtbarer Hustenanfall durchschütterte seine Brust. Sie hob ihn unter ben Achseln hoch und stützte ihn bis er Luft bekam. „Verflucht! Werde kaum fingen können heute — ich werde dir einen Brief diktieren an Frau Doktor Bode —“ „Ach," sagte Lene mild, „das hat ja gar keinen Zweck, Heinz. Die ist ja schon lange abgereift I“ Seine Finger krampften sich in die Decke. „Was? Abgereist? Ohne mich gesprochen zu haben? Und — und Siegfried Wagner?" „Auch. Aber Frau Doktor hat mir aufgetragen: Warte mal . . Lene leierte herunter: „Du sollst recht vernünftig sein — und nicht zu früh heraus — unb wenn du genesen bist — ja, genesen, sagte sie — cmn würdest du zum Vorsingen aufgefordert werden „3n Bayreuth?" „3n Bayreuth." Ausatmend sank er in die Kissen zurück. „Dann müssen wir zusehen, daß ich bald reisefähig bin. Vielleicht Anfang nächster Woche?" Er schielte Qene lauernd an. Die wechselte bte Radeln. „Vielleicht." „Unb die guten Sachen da? Du sagtest doch, Stau Doktor Bode habe sie geschickt?' „Hat sie auch! Sie hat einem großen Hause hier ben Auftrag gegeben —". Lene nickte stolz ba gerne fern en Auslese der '.ßeften kommen. Demokratie sei Glaube an das Gute. Demokratie könne auch mn sozial gerichtet sein. Sie wolle unter ben Völkern Gerechtigkeit. „Dazu bekämpfen wir die Sch-uldlügc. W:r sind Friedmsfreunbe. lehnen aber den Pazifismus Frd. Wich. Försters ab. Wir wollen durch Tüchtigkeit unseren Platz von neuem erobern." Aufgabe- namentlich bei Frauen sei es, die Worte Arndts ben Kindern einzuprägen: „Seid stark im Lieben, schwach im Hassen, so wird Gott seine Deutschen nicht verlassen". Wahrer Patriotismus sei das Zeichen, was für das Vaterland am besten sei. Wir Igssen uns' unsere Vaterlandsliebe nicht absprechen. Es ist ein Hammer, daß Liberalismus unb Demokratie nicht zusammengehen können. Es gäbe bei ihnen nur ein Unter- schied des Temperaments und nicht des Weges. 3n diesem Sinne begrüßte sie die parlamentarische ArbeitSgcmeinschast, die sich aber nicht zu einem Dürgerblock gegen die SOzialdemokratie auswachsen dürfe. Hierauf ergriff, von lautem Beifall begrüßt, Reichstagsabg. P'arrer Korell das Wort, um in knappen Strichen die nationalen und sozialen 3deale der Demokraten zu zeichnen. Furchtbar sei es, den Untergang wertvoller Schichten unseres Volkes mitansehen zu müssen. Hier seht unsere Ausgabe ein und dementsprechend wollen wir im Reichstag vorgehen. Traurig sei auch die Rot der geistigen Arbeit, der Professoren, Dozenten, Rechtsanwälte. Schriftsteller,, kinder- reicher Bearntensamllien. Auch weite Teile der Geschäftswelt geraten unter die Räber. Hier helfe kein Kommunismus und Sowjetismus, der bankerott geworden sei. Ebenso falsch sei die An- schauung. baß es sich hier nur um Gesetze banble, die man abrollcn lassen müsse. Der soziale Politiker müsse die Schäden zu mildem helfen. Die Wiedereinführung der Zwangswirtschaft sei unmöglich. Wenn wir eine Wirtschaft des Zwanges ablehnen, so fordern wir um so mehr eine Wirtschaft der Pflicht. Redner wandte sich u. a. gegen die hohen Löhne junger Arbeiter im Gegensatz zu denen der alten verheirateten Leute Hier könne aber die Hilfe nur aus der Einsicht der Arbeiter selbst kommen. Der schematische Achtstundentag sei in unserer wirtschaftlichen Rot abzulehnen Die Aushebung des Bankgeheimnisses sei nötig, um die Geldknappheit zu bessern. Keine neue volkswirtschaftliche Theorie kann uns helfen, sondern fortgesetzte Hilfsarbeit Erlöst können wir nur werden durch eine Revision des Versailler Friedens. Hauptgrund für die jetzige Teuerung, die unsere Alten und Kinder rumiert, ist der Friebensvertrag mit feinen Reparationen. Die dringendste nationale Ausgabe sei die Stabilisierung der Republik. Wer dem deutschen Volt helfen wolle, müsse ihm einen starken Staat wünschen. Die Existenz dieses Staates sei bte Hoffnung der abgetrennten Deutschen. Stellen wir über alle Unterschiede der Anschauung bieten Glauben an die Zukunft Deutschlands. Wir wollen deshalb auch die Mitarbeit der Deutschen Volkspartei nicht zurückweisen. Gießen, 24. September Der zweite Tag des Landes Parteitag es der Deutschen Demokratischen Partei Hessens wurde am Sonntag früh in Gegenwart von 150 Delegierten aus den drei Provinzen im „Felsenkeller" durch ben Landesvors ihendsn Finanzminister Henrich mit einem Ueberblid über die politische Lage eröffnet. Sodann erstattete Lan- besparteisekretär Kuhlmann ben Geschäfts- unb Kassenbericht Ein Antrag des Vorstandes, den Beitrag der Ortsvereine an den Landesverband auf 10 Mk. pro. Mitglied monatlich festzusehen, wurde einstimmig angenommen. Bei der Vorstandswahl wurde der bisherige Vorstand mit Fmanzminister Henrich- Darmstabt, Iustizrat Reh -Alsfeld, Frl. Poep- p e r I i n g = Alzey als Vorsitzende wiedergewählt. Reu gewählt tourben als Beisitzer Rektor Dcchtvlsheimer - Offenbach. Studienrat Dr. De g gan- Worms, als Kontrolllommissionsmtt- glieder wurden neu gewählt Fabrikant Ek - färbt- 0ber=3ngelfjeim unb Ministerialdirektor Urstad t-Gießen. Somit war der geschäftliche Teil erledigt und Reichstagsabgeorbneter Pfarrer Korell erhielt das Wort zum Bericht über die politische Lage im Reich, lieber die politische Lage in Hessen referierten dann Ministerialdirektor U r ft a b t - Gießen und Rek- mtt dem Kopfe. „Eine noble Dame!“ Heinz errötete peinvoll. Und nach einer Weile verlegen: „Du! Wie steht es denn übrigens mit meiner Kasse? Es war schon vor drei Wochen nicht mehr allzuviel darin! 3ch muh jetzt doch mein bißchen Geld daheim abheben —“ Lene strickte. „Das hat keine Eile. 3ch habe ja bei beinen Krawatten einen blauen Lappen gefunden." „3a, aber ben letzten!'' „Unb bet ben Taschentüchern eine Seifen- schachtel mit zwei Zehnmarkstücken, unb bei deinen seidenen Socken —“ Das Wort „seidenen" betonte sie mit leichtem Vorwurf. Er lachte. „Was denn bei denen?" „Drei Kupferpfennige und eine Biermarke," sagte die Lene ernsthaft. Heinz betrachtete sie seufzend. Ein bitteres Wehgefühl stieg in ihm auf, das er nicht dämpfen konnte. „Du bist so gut. Lene!" Bei dem Lob schossen ihr die Tränen in die Augen, unb sie strickte eifriger. Er aber beugte sich vor unb legte sanft seine abgezehrte Hand auf ihren Arm. „Zch habe dir deine Liebe schlecht gedankt! Und — das Schlimmste ist — ich tarm niemals diesen Dank an dich ab trag en !li Da hob sie ihre klaren Augen zu ihm auf unb legte die Strickerei beiseite. „Ich weiß, Heinz! Das, was du unter Dank verstehst, das nähme ich ja gar nicht an. Wär' ich sonst hier? Als ich zu dir kam, da war das — andere abgetan! Und ich bin gekommen, als deine Schwester, als deine Magb! Du hattest damals ganz recht, Heinz: zur Künstlerfrau taug’ ich nicht, dazu bin ich viel zu lleinlich! Aber waschen, putzen unb kochen für dich — dir dienen — ja, Heinz, so daß du es gar nicht merkst — das kann ich! Bis du wieder gefunb bist — und barm verschwinde ich eben einfach wieder — Er streckte ihr die Hand hin. „Ich muh wohl ein trauriger Egoist fein, daß du mir zutraust, ich würde — das — von dir annehmen," flüsterte er. Und während die Lider über seine müden Augen fielen, flog seine ungebrochene Sehnsucht zu Lllh. Er wußte jetzt alles ganz genau. 3ene Szene tori Reiber- Darmstadt. Adg. -Keiber 5e-* tonttc bas unbedingte Eintreten der Partei für das besetzte Gebiet unb beleuchtete dann das Problem der* Arbeitsgemeinschaft vom Staudpunkt hessischer PoKtik aus. Er kritisierte dabei die Haltung ter Deutschen Vvlkspartei und lehnte insbesondere einet Uebertragung bei Arbei:rgemeinschast im Rei chstag auf Hessen ab. — Die dann einsetzende Auessprache dreht sich hauptsächlich um die parlamentarische Arbeitsgemeinschaft. Es beteiligen sich baragi eine große Anzahl Redner. Mehrere An- träga (Vertrauensvotum für Psr. Korell und toeityre aktuelle politische Fragen) wurden angenommen. Zum Schluß hielt bann Frau Stabtv. Ap »laut° Frankfurt einen Vortrag über die „ Fra« in der Kommunalpolitik'. Starauf wurde der Parteitag durch den Dvi- sitzentten, Finanzminifter Henrich, mit ci.i.m Hoch «uf die Republik geschlossen. W. Aus Stabt unb Land. Gießen, ben 25. Sept. 1922. Unser neuer Roman. Mit dem heutigen Tage geht der Abdruck des RomanS „Baalstempel" in unserem Blatte zu Ende. 3n Unserer morgigen AusMbe werden unsere Leser btin Anfang oct neuen Erzählung finden. Diese Arbeit entflammt der glänzenden Feder laqgiÖ* uaua^pßpia .iaq Dill. Dir Verfasserin stellt uns darin „Die Herweghs“ vor, unb sie erzählt dabei ihren Lesern inj außerordentlich frischer unb spannender Schreibwgiss „eine rechtsrheinische Ge - schichte^, der man mit stets wachsendem 3nter; esse folgt. Wiesbaden^ist der Ort der Handlung, seine herrlichen Qlnlagen, seine wunderbare Umgebung und das goldene Mainz sind geschickt in die EiJaHürng verflochten. Prächtig ist bei Verfassern» die Zeichnung der Persönlichkeiten khrer Geschichte gelungen, lebenswahr und warm pulsierend ersteht frohes, zuweilen auch tolles rheinisches Leben neben der ernsten unb imponierenden, von lebendigem Pflichtgefühl und edler Wu s ifbegeifferung durchglühten Gestatt der Hauptperson. Die Awsft«Üuug für Grabmalkmift, die gestern im Oberhessischen Kunstverein eröffnet wurde, zog bereits am ersten Ausstellungstage die berechtigte Au^merksam^it der hiesigen Bürgerschaft auf sich. 3n der Tat verdient diese Wrs- ftetlimg in hohem Maße beachtet zu werden, denn sie bringt in all ihren Abteilungen so außerordentlich ®ebtegcne§ und Reichhaltiges, daß man nur wünschen fcnn, die dort in großer Fülle gegebenen Anre^.ngen möchten überall auf fruchtbaren Boden fallen. Von besonderer Wichtigkeit kann diese Schau namentlich auch für unsere Stadt insofern werden, als sie eine große Anzahl Entwürfe von Äripgerbenfrialem enthält, die für die geplante Errichtung eines solchen Denkmals in unserer Stadt richtunggebend sein konnten. Was man daneben an Entwürfen für private Grabmäler sieht, kann auch hochgespannten künstlerischen Anforderungen gerecht toerben. Man tann der Bürgerschaft dringend taten, diese Ausstellung in Augenschein zu nehmen. Reiche Anregung und Belehrung wird der Gewinn der Stunde fern, die man diesem verdienstvollen Werbe der Wiesbadener Gesellschaft für Grabmalkunst widmet. Die Ausstellung ist bis zum 8. Oktober täglich von 11—1 Uhr, mit Ausnahme von Samstags, Mittwochs außerdem von 3—5 Uhr nachmittags geöffnet. 3m kleinen Saale hat Fritz R i e m s ch n e i- der eine Anzahl Bilder ausgestellt, deren künstlerische Wirkung einen sehr guten Eindruck hinterläßt. Heimatliche Motive geben diesen Schöpfungen einen besondeven Reiz. Wettervoraussage für Dienstag: Bei südwestlichen Winden erneut Trübung unb Regenfälle. Mäßig warm. Das flache Tief, das gestern über Süd- und Westdeutschland lag, ist ostwärts weitergezogen, so daß wir aus seinem Bereich gekommen sind. Ein neues, sehr ausgedehntes Tief zieht von England her langsam näher und wird erneut schlechtes Wpcker Hervorrufen. am Brandenburger Tor — das Entzücken in Lilys Gesicht —. Vorsichtig forschte er bet Lene nach Einzelheiten des Unglückssalls. Doch sie wußte nur von der Frau Doktor zw erzählen, die seinen Unfall erst am nächsten Tage durch die Zeitung erfahren unb dann sofort bie erste Sorge für ihn übernommen hatte. Da gab Heinz es auf, noch einmal im Leben mit ferner ihm stets entschwindenden und ihn immer wieder lockendem Liebe zusammenzutreften. Er machte einen glatten Strich hindurch und ergab sich mit fieberhaftem Eifer den Vorbereitungen zu seiner bevnrstehenden Reise. Daß der Arzt ihn noch immer im Bett hielt, daß der Husten nicht Zeichen wollte, und daß es chm von Tag zu Tag schuvrer wurde, sich ohne Hilse aufzurichten — was bedeutete das alles gegen die goldene Herrlichkeit, die ihm an dem fernen Wunderort winkte? Aus seinem Bett batte er die Klavierauszüg« von Lohengrin, Tristan, den ganzen Ring aus gestapft. Stundenlang studierte er dann, bie er tobmatt hinsank, zu mibe zum Essen, zu müde sogar zum Schlafen. Sein Körper wurde letcht federleicht. Lene ging still hin und wieder, er konnte sie tagelang überhaupt uergeflen, so gut verstand sie es, sich auszulöschen. zu «tschwinden, toenn seine Augen ben abwesenden Ausdruck annahmen, den sie nachgerade so gut kannte. Es war ein traumhaftes Dasein, nur unterbrochen durch die Besuche des Doktors und dic kurzen, aber freundlichen Zellen, die der Engel aus Wahnfrieds Umgebung an den kranken Sänger sandte. Und es kam der Tag, a$i dem der Arzt Lern einen Wink gab, ihn bis vor die Tür zu begleiten. „3ch fürchte, liebes Fräulein — bereiten Sie ihn langsam vor — er hängt sehr an seinem Beruf?" „Sehr," sagte Lene heiser. „Er reibt sich auf mit dem — Zeug! Unb es ist ganz zwecklos, lenten Sie seine Gedanken auf andere Bahnen. Wenn er es noch einmal durch- drückt — vom Singen kann gar keine Rede meh> fein! Bereiten Sie ihn schonend vor!" „Rein, Herr Doktor." fayte bie Seite fest „Alles, was Sie von mir vergangen — nur bas Eine nicht! Das tann ich nicht!" «Schluß folgt im zweiten Blatt.) 2 mimg nm# biefl nn e veH einim mit i metft' S sPsse grefii Dic Solle. $urd Mix stzlNNÜ ’0 Pv Kindei fein E pro - trifft i lerblie dieser heutig« ist und brachtl selbst e teti. 3 800 fr tracht, l allem auch fei Ss ich d ans b- he in i sicht, di versorg und na W MM gebend viel Freiü). IW ein tot Hrige m tot Qh21 1 Ühr Mark« Tage, dahier 2m 2i Nuni k Die Mt 1.10.; . kf JWfi btr& Srnti 5» ftaibt । ®tr für KürgS-esch^igte und -Hinterbliebene. W