172. ZahrgMg Dienstag, 25. Zuli 1922 GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesien druck und Verlag: vröhl'fche Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. tätige. Schriftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: 5chu!stratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen o 34 mm Breit« örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für-Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 500Pf. Lei Platz. Vorschrift 20 °/0 Aufschla g. Hauptschriftleiter: Auo. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil Ernst Blums-Hein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen pr. 172 «Erscheint täglich, außer [Sonn« und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GisßenerFamilienblätter Monatliche Bezugspreise: Mk. 22.50 und Mk. 2.50 /Trägerlohn,durch diePost MK.25.—, auch bei Nicht« erscheinen einzelner Nummern infolge höherer \ Gewalt. - Fernsprech' Anschlüsse: flsrdieSchrift- Üitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51 Anschrift für Drahtnach' richten: Anzeiger Gietzen. postschecttonto: Frankfurt a. !H. 11686. Die Krise in Bayern. Die bayerische Krisis, die schon auf die Reichs- «lls- und Reichstags-Verhandlungen über die Schuhgesetze ihre ©dritten warf, ist inzwischen ein» getreten. Die Koalition ist am Zerfallen, da die bayrischen Demokraten aus der Regierung aus- treten, und das Parlamentär ische Bild schwankt «roch zwischen Regierungsneubildung und Auflösung des Landtages. Deutlich erkennbar ist aber [schon jetzt, wie der bayerische Kurs gehen soll. Sie bayerische Regierung schlägt Mahnahmen vor, Lurch die sie sich zwar den Inhalt des Gesetzes arnn Schuhe der Republik zu eigen macht, jedoch Die Ausführung vollkommen in die eigene Hand «nimmt und dadurch sowohl die Reichszentral- Sbehörde wie auch den Staatsgerichtshof zum Schuhe der Republik ausschaltet. Die bayerische Regierung will alle Vergehen und Derbrecherr, die unter das Schuhgeseh fallen, durch ihre eigenen ^Staatsanwälte verfolgen lassen und die Fälle zur »Entscheidung vor die bayerischen Volksgerichte Ebringen. Die bayerische Regierung beruft sich dabei «uf Artikel 48 der Reichsverfassung, der den Lan- Eresregierungen das Recht gibt, im Falle bringen» Der Gefahr Bestimmungen der Verfassung außer ^rast -usetzen. Aber bei dieser Berufung auf einen (Artikel der Verfassung handelt es sich nur um [einen Rotbehelf, der seine Schuldigkeit nur für Kurze Zeit tun kann. Tatsächlich tritt Bayern Durch die Maßnahmen, die es in Aussicht stellt, E Gegensatz zu einem Reichsgesetz, und seine Hal- ng ist mit dem Gedanken der Reichseinheit nicht wehr völlig in Einklang zu bringen. Von diesem Gesichtspunkt aus wird man die ^bayerische Krisis zu betrachten haben. 'Dir Gefahr, 8>ie hie:, emporwächst, bedroht tatsächlich die lReichseinheit. Wenn es dazu gekommen ist, so Tieg» die Schuld daran nicht nur auf einer Seite. Wir erinnern daran, daß bei den Reichstags- Verhandlungen die Fraktion der Deutschen Dolks- lpartei zusammen mit der Bayerischen Vollspartei Anträge gestellt hat, die bezüglich des Staats- jgerichtshoses das Recht der einzelnen Länder »wahren sollten. Dr. Stresemann hat in feiner Rede noch darauf aufmerffam gemacht, daß [fachlich nicht der mindeste Grund vorlag, diese !2lnträge abzulehnen, da ja im Reichsrat Bayern sucht allem herrscht und die Beschlüsse hätten mit Mehrheit gefaßt werden müssen. Aber alle Arit äge, die das Mitbestimmungsrecht der Länder wahren sollten, sind im Reichstag abgelehnt worden. Man kann also die Stimmung in Bayern Verstehen. Auf der anderen Seite aber muh man hervorheben, daß dem Schuhgeseh im Reichstag doch eine Gestalt gegeben worden ist, die eine mißbräuchliche Auslegung des Gesetzes zum mindesten außerordentlich schwer macht und die deshalb auch für die widerstrebenden Länder annehmbar wäre. Wenn Bayern der Ausfüh-- rungsge'walt des Reiches seine Tore schließt, wenn es das Reichskriminalgeseh zurückweist, so könnte ein solches Verfahren, sobald es Nachahmung findet, zu den bedenklichsten Folgen führen. Denn es wäre denkbar, daß nach dem bayerischen Beispiel man vielleicht nun auch in Thüringen oder Sachsen auf den Gedanken kommt, Volksgerichte mit der Aburteilung zu betrauen und die Reichs- -gewall auszuschalten. Zu welchen Folgen das in Den Ländern mit sozialdemokratischer Mehrheit führen müßte, vermag sich-jeder selbst zu sagen. Deshalb ist die Dahn, bte Bayern beschritten hat, rein sachlich gesehen, von schwer übersehbaren Folgen begleitet. , Aber jetzt, wo die Streitfrage mit allem Ernst onlfgewrrsen gi jein scheint, ist es unbedingt nötig, Den Gedanken der Reichsein Herr oben» ö n z u stellen. Wir hoffen dringend, daß alle reichstreu en Bevölker rngss chichten in Bayern — mnd sie werden der Zahl nach wohl überwiegen — Die Äotwendigkeit nicht aus dem A lge verlieren, Das Reichsgcfüge unbedingt aufrecht zr erhalten. Gin bayerischer Vartikularismus, der in der Blütezeit des Reiches schon gefährlich genug war. würde heute für den Bestand des Reiches tödlich sein. Auch auf der Seite der Reichsregiering hoffen. wii auf valles Verständnis für die gefahrdrohende Lage. Marr wird der Reichs- ■tegictiing nicht Limiten dürfen, arf die Macht- befr.gmifc des Reiches gegenüber einem einzelnen -SaTifce. zu- verzichten; aber man wird unbedingt Verlangen müsseir, daß dieser Machtbegrift nicht bannt wird, sondern daß in Berlin dieselbe tDerständnisberellschaft vorhanden ist, die man in München beweisen muß. Rur wenn dieses gegenseitige Einlenken vorhanden ist. kann die schwere Gefabr der bayerischen Krisis abgewendet werden. Die Kundgebung und Verordnung des bayrischen GesLMtkabinetts gegen die Reichspolitik. München, 24. Zuli. (WTD.) Das bayerische Gesamtmini st erium gibt folgen- Des bekannt: Der deutsche Reichstag hat am 18. Oui 1922 ein Gesetz zum Schutze der Republik erlassen. Darin ist zur Aburteilung gewisser politischer Straftaten ein Gericht eingesetzt worden, das im Ganzen weder mit Berufs! ichtern, noch mit Schöffen oder Geschworenen, sondern zum größten Teil mit Personen besetzt ist, für deren Auswahl politische Gesichtspunkte in Frage kommen Das bayerische Volk erblidt darin in seiner überwiegenden Mehrheit eine Verletzung der Grund rechte der Staatsbürger, der Grundsätze echter Demokratie sowie auch ein Verlassen der Grund- la g»c n der Weimarer Reichsverfas- sun.a Der Inhalt des Gesetzes und die Art feines Zustandekommens entgegen dem toof)[begründeten Einspruch der bayerischen Staatsregierung haben in Bayern eine derartige Erregung hervorgerufen, daß wenigstens im Gebiete des rechtsrheinischen Bayerns unmittelbar mit einer erheblichen Störung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu rechnen ist, wenn das Gesetz ohne jeden Vorbehalt vollzogen wird. Es ist somit Gefahr im Verzüge. Aus diesen Gründen sieht sich das bayerische Gesamtministerium veranlaßt, auf Grund pes § 64 der Derfassungsurkunde des Freistaates Bayern, des Artikels 48 Abs. 4 der Reichsverfassung und auf Grund der staallichen Hoheitsrechte Bayerns zur Aufrechterhaltung der öffenllichen Sicherheit und Ordnung die folgenden Anordnungen zu treffen: Das bayerische Gesamtministerrum verordnet was folgt: An die Stelle des Reichsgrfehes zum Schatze der Republir (R.G.Bl. 1922 1. Seite 585) treten für das rechtsrheinische Bayern bis auf weiteres die folgenden Vorschriften: Artikel I. Die Bestimmungen m den §§ 1, 2, 3. 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 15, 16, 18, 19, 20, 21 Abs. 1, Abs. 2, 22, 24 und 25 des Reichs- gesetzes zum Schatze der Rrpablik sind in Bayern anzuwenden. § 24 Abs. 1 gilt mit der Maßgabe. daß an Stelle der Reichst: egierung das bayerische Gesamtministerium zuständig ist, soweit es sich um den Aufenthalt in Bayern handelt Ärtikel 0. Für die in Pen 1 bis 8 des Reichsgefetzes zum Schuhe drr Republik bezeichneten Handlungen, gleichgültig, ob sie nach diesem Gesetz oder anderen Gesetzen strafbar sind, für Hochverrat sowie für Tötung und Töt rngs- versuch, begangen gegen Mitglieder einer früheren republikanischen Regierang, sind die Volks- gerichte zuständig. Sie sind auch zuständig für Handlungen, die mit nach den nach Satz 1 za ihrer Zuständigkeit gehörenden Handlangen in tatsächlichem Zusammenhang stehen. > Für Verfahren gelten entsprechend die Artikel 6 bis 17. 20 bis 24 des Gesetzes vom 12. Juli 1919 über bte Einsetzung von Volks« gerichten bei inneren Unruhen. (G.Bl. Dl. Seite 365.) Die Ausführung der Vorschriften erläßt das Staatsministerium der Justiz im Einverständnis mit dem Staatsministerium des Innern. Diese Vorschriften find auch anzuwenden auf die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnungen begangenen strafbaren Handlungen. Ist in der Sache bereits ein Urteil ergangen, gegen das die Revision zulässig ist, so entscheiden über die Revision die ordentlichen Gerichte. Artikel HL Das Verbot--von Versammlungen, Auszügen und Kundgebungen, von Vereinen und Vereinigungen, sowie das Verbot in Bayern erscheinender periodischer Druckschriften wird durch das Staatsministerium des Innern oder die von ihm bezeichneten Stellen erlassen. Gegen diese Anordnungen ist binnen zwei Wochen von dem Tage der> Zustellung oder der Veröffentlichung ab die Beschwerde beim Obersten Landesgericht (Strafsenat) zulässig. Sie hat keine aufschiebende Wirkung. Me Beschwerde ist beim Staatsministerium des Innern oder der von ihm bezeichneten Stellen einzureichen. Wird der Beschwerde nicht abgeholfen, so ist sie ausdrücllich dem Obersten Landesgerichte zur Entscheidung vorzulegen. Das Staillsminist erium des Innern ist berechtigt, nähere Äbsführungsvorschriften im Einverständnis mit dem Staatsministerium der Justiz zu erlassen. Artikel IV. Auf Zuwiderhandlungen gegen die Verordnungen des Reichspräsidenten vom 26. und 29. Juni 1922 (RGBl. 0.521, 523, 532) finden die Vorschriften der gegenwärtigen Verordnung Anwendung, soweit nicht beim Inkrafttreten dieser Verordnung die Anklage beim Staatsgerichtshof zum Schuhe der Republik bereits erhoben war. Artikel V. Richtbaye rischen Poli zei- Organen ist gegenüber des Geltungsbereiches dieser Verordnung die selbständige Vornahme von Amtshandlungen in Bayern verboten. Artikel VI. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung des Reichsgesehes zum Schuhe der Republik in Kraft. München, 24. Juli 1922. (gez.) Graf Lerchenfeld, Dr. Schweher, Dr. Matt, Krausneck, Wutzhofer, Oswald, i.V.: Dr. Meyer. Die offizielle Mitteilung der Verordnung an das Reich. Berlin, 25. Juli. Wie die Blätter mit» teilen, erschien gestern abend der bayrische.Gesandte in Berlin von Preger beim Reichskanzler und teilte ihm den wesentlichen Inhalt der von der bayrischen Regierung beschlossenen Verordnung mit Der Wortlaut der Verordnung lag gestern abend bei den amtlichen Berliner Stellen noch nicht vor. Die Reichsregierung konnte infolgedessen dazu noch keine Stellung nehmen. Das Reichskabinett wird heute vormittag eine Sitzung abhalten, in der die durch den Erlaß der Verordnung der bayrischen Regierung geschaffene Rechtslage geprüft werden soll. * * * München, 24. Juli. (Wolfs.) Zar Krise in Bayern schreiben die „Münchener Reuesten Rachrichten", der Ministerrat habe sich in der Angelegenheit der Schulgesetz? mit ihrer An- tL-enbung in Bayern die Vorschläge der Bayrischen Volkspartei zu eigen gemacht die dahin gehen, daß in der Verordnung, wie sie Artikel 48 der Reichsverfassung vorsieht, der Kern dei Reichsschuhgesetze mit einig:: Erweiteren- gen bezüglich des Verjcimmlungs- and Vereins- rechtes von Bayern übernommen und der Rechtsprechung der bayrischen Gerichte überwiesen würden. Die Verordnung werde Helle Montag die Fraktionen der Koalllionen und die aif dem Boden der Regierung stehenden Mittelpartei beschäftigen. Dann, wenn diese Parteien ihre Meinung dazu geäaßert hätten, würde sie wohl auch dem Landtage vorgelegt werden. Wie das Blatt weiter berichtet, liegen die Schwierigkeiten darin, daß die Demokraten diesen Weg nicht für gangbar hallen, weil dir Reichsgesetze die bereite rechtsgültig sind, nicht durch Sonder verordn-angeil amgeformt werden könnten. Es sei fraglich, ob. die Demokraten diese Auffass ang nicht zrm Anlaß nehmen, aas der Koalition ausz-a scheiden. Der Dauern band werde feine Entscheid ang Helle treffen. Die Meldungen, welche bereits von einer gefallenen Entscheidung sprechen, seien natürlich nicht zutreffend, denn erst die Annahme oder Ablehnung der Vorschläge Bayerns durch das Reich stelle Bayern vor eine endgültige Entscheidung Dazwischen werde die allerdings sehr wahrscheinliche Landtagsneuwahl mit der Regierungsneubild ang liegen, da wohl wichtige Entschlüsse allen Parteien eine neuerliche Befragung des bayrischen Volkes als ratsam erscheinen liehen. Kundgebungen in München. München, 24. Juli. (Wolfs.) Eine Grippe von 60 jüngeren Leuten dirchzogen rnter Ad- sir gung von antisemitischen Liedern einige Münchener Straßen und pöbelten den zufällig vorüber kommenden Landtagsabge ordneten Auer an. Erhebungen übet die Rahestövrr sind eingeleitet. Einige Stunden später d irchzog ein Zrg von Leuten, die die Arbetterrnarseillaise sangen, die gleichen Straßen. Mit Rücksicht auf diese Vorkommnisse hat die Polizeidirektion angeordnet, und ihre Sicherheitsorgane angewiesen, künftighin Züge, die Kur Rach tzeil rn rahestörender oder provozierender Art die Straßen durchziehen, an zu halten and die Teilnehmer fest- zunehmen. Eine Entschließung des bayrischen Bauernbundes. München, 24. Juli. (WTD.) Der Landes- vorstand des Bayerischen Dauernbundes hat in seiner heutigen Sitzung folgende Entschließung angenommen: Der Bayerische Bauernbund steht seit seiner Begründung auf dem Boden des Föderalismus und hat diesen seinen Standpunkt nach der Tlmwälzung von 1919 und bei der Abstimmung über die Verfassung in Weimar beibehalten und zum Ausdruck gebracht Er stimmte wegen Preisgabe namentlich der Hoheitsrechte der einzelnen Staaten in Weimar gegen die Verfassung. Angesichts der unverkennbaren Bestrebungen zur Beseitigung der republikanischen Staatsform und ihrer Träger hüll er eine entschiedene Abwehr der sich aus diesen Bestrebungen ergebenden Gefahren für dringend notwendig. Zu seinem Bedauern erhiell das vom Reichstag und Reichsrat angenommene, diesem Zweck dienende Gesetz eine Form, die einen Eingriff in die bundes staatlichen Hoheits- r e ch te bedeutet Er billigt daher alle verfassungsmäßig zulässigen Versuche der bayerischen Regierung, die geeignet sind, den vom Reichstag und Reichsrat angenommenen Gesehen ihre die bundesstaatlichen Hoheitsrechte bedrohende Wirkung zu nehmen. Dabei hebt er ausdrücklich hervor, daß er die Treue zum Reiche und die Einheit des Reiches unter feinen älmftäoben vreis- geben wird. Berliner Pressestimmen. Berlin, 25. Juli. Mll Mrsnahme der deutschnationalen Presse bezeichnen sämlliche Blätter die Verordnung des bayerischen Staatsministeriums zum Schutze der Verfassung her Republik als einen Verstoß gegen die Reichsverfassung. Die „Deutsche allgemeine Zei- tu ng“ schreibt: Die bayerische Sonderverord- nung ist der erste Fall einer. offenen Auflehnung eines Landes gegenüber dem Reich, dessen Glied es ist. Die Reichsgesehe zum Schutze der Republik sind, da sie möglicherweise Verfassungsänderungen darstellen, mit der für solche erforderliche Zweidrittelmehrheit angenommen worden. Demgegenüber hat kein Land das Recht, feine Staatsangehörigen zur offenen Widersetzlichkeit gegen die Reichsgesetze aufzufordern. Die bayerische Regierung hat sich mit der Rotverordnung auf einen äußerst gefährlichen Weg begeben, der zum Auseinanderfallen des Reiches und zum Bürgerkrieg führen Fann. Die „Germania" führt aus: Bayern stützt sich bei seinem verhängnisvollen Schritt auf den Paragraph 48 der Reichsverfassung, der den Landesregierungen bei Gefahr im Verzüge für ihr Gebiet die Verordnung einstweiliger Maßnahmen zubilligt Aber es kann nicht der Sinn dieser Bestimmung sein, den Regierungen der Länder die Befugnis zu geben, soeben beschlossene Reichsgesehe wieder aufzuheben. Wenn man Bayern dieses Recht einräumt, bann kann man den Staaten mit sozialistischer Mehrheit, wie Sachsen und Thüringen, nicht verwehren, daß auch sie in der nächsten Zett ihnen unbequeme Gesetze nach ihrer Art auslegen. Reichspräsident und Reichstag haben auf Grund der Reichsverfassung die Befugnis, die bayerische Verordnung unverzüglich wieder aufzuheben. Die Sonderaktion des Freistaates Bayern kann nur als eine politische Demonstration gegen das Reich auf gefaßt werden, deren Folgen schwerwiegend fein werden. Das „Berliner Tageblatt" ist überzeugt. daß eine solche Haltung der Länder wie die Bayerns zur Untergrabung der Staatshoheit, des Reiches, und zur Auslösung der Reichseinheit führen muh und daß deshalb die Reichsregierung auf Beseitigung der AusnahmLoerord nung drängen muh. Auch die „V off. Z t g." bezeichnet das Unternehmen der bayerischen Regierung, das sie unter Zustimmung der Mehrheit der bayerischen Kammerparteien begonnen hat. als den Anfang der inneren Auflösung des Reiches. Der europäische Anteil am amerikanischen Außenhandel. Bon O.P. ft in, Statistiker an der Rational City Bank zu Reuhork. (F.P. S.) Die Handelsbeziehungen zwischen den Bereinigten Staaten und Europa kehren offensichtlich auf den normalen Stand von vor dem Kriege xurüd. Das bedeutet freilich nicht, daß der Wert des amerikanischen Handels mit Europa im Fiskaljahr 1921/22 in Dollars ausgedrückt sich dem aus Borkriegs- jahren vergleichen liehe; denn der starke Preissturz in den Ausfuhr- wie den Einfuhrerzeugnisfen hat im letzten Fiskaljahr, das am 30. Juni zu Ende gegangen ist, einen am reinen Geldwert gemessenen, sehr erheblichen Rückgang des Außenhandels mtt sich gebracht. Seinem prozentualen Anteil nach aber nähert sich der amerikanische Handel mit Europa rasch wieder Borkriegsverhältnissen — das ist bei einer Uebersicht über den Außenhandel des letzten Jahres die auffälligste und wichtigste Tatsache. Bor dem Krieg erhielten die Bereinigten Staaten etwa die Hälfte chrer Einfuhr aus Europa und sandten dorthin rund zwei Drittel chrer Ausfuhr. In dem mit dem Fiskaljahr 1912/13 endigenden Jahrzehnt belief sich der europäische Antell an. der Gesamteinfuhr der Union auf 51 Prozent, und der Europaanteil am amerikanischen Gesamtexport auf 66 Prozent. Diese Borkriegsverhältnisse änderten sich rapid während der Kriegszeit, viel rapider natürlich als bie Verhältnisse im Handel der Bereinigten Staaten mit anderen Weltteilen; denn Europa hatte in den Kriegsjahren wenig zu verkaufen und vielfach auch keine Zett und keine Gelegenhett, seine Erzeugnisse abzusetzen, während es andererseits gezwungen war, in größtem Umfange im Ausland Ankäufe zu machen, die am besten und ehesten bei den Bereinigten Staaten zu decken waren. Dieses Verhältnis wurde noch ausgesprochener dadurch, daß die europäischen Länder vordem erhebliche Menaen von Erzeugnissen anderer Teile der Welt, pie zum größten Lett aus chren Kolonien stammten, an die Bereinigten Staaten weiterverkauft hatten, während nunmehr die Schwierigkeiten und Gefahren des Transportes manche von diesen Ländern veranlaßten^ diese chre Erzeugnisse unmittelbar nad) den Bereinigten Staaten zu senden und sich dafür mtt amerikanischen Industrieerzeugnissen bezahlen zu lassen, die durch die Schiffe ttans- portiert wurden, die eben die Rohstoffe nach amerikanischen Häfen gebracht hatten. Ferner hat auch die Eröffnung des Panama-Kanals zu dieser Berschiebung der großen Handelswege mttgeholfen und die Union mtt manchen Ländern in Beziehung gebracht, die bor-- her chre Erzeugnisse nach Europa geschickt und im Austausch dafür europäische Waren bezogen hatten. Infolge aller dieser, hier kurz angedeu- deten Verschiebungen im internationalen Handel während der Zeit des Weltkrieges ging der 2lnteil der europäischen Länder cm der amerikanischen Einfuhr sehr start zurück, während gleichzeittg der amerikanische Llntell an der europäischen Einfuhr bedeutend stieg. Der Anteil der europäischen Staaten an der amerikanischen Einfuhr in Höhe von 52 Proz. im Fiskaljahr 1913/14 fiel auf 37 Proz. im Fiskaljahr 1914/15, auf 28 Proz. im Fahre 1915/16, auf 14 Proz. im Zähre 1917-18 und auf 12 Proz. im Zahre 1918/19; er stieg dann wiederum, und zwar auf 22 Prvz. im Fiskaljahr 1919/20; im folgenden auf 28 Proz. und nach den ersten Ermttllungen auf 33 Proz. im soeben geendeten Fiskaljahr. Demgegenüber ftteg der Anteil Europas am Export der Bereinigten Staaten, der im Jahrzehnt vor dem Kriege sich auf durchschnittlich 66 Proz. belaufen hatte, 1914/15 auf 71 Prvz., betrug 1915/16 und 1916/17 nahezu 70 Prvz., fiel mtt dem Rückgang der Kaufkraft Europas auf 60 Proz. im Zahre 1919/20 und auf 52 Proz. im Zahre 1920/21 und hat, soweit die vorläufige Feststellung reicht, im letzten Fiskaljahr wiederum 55 Prvz. betragen. Diesen prozentuellen Verschiebungen gegenüber ging infolge der Preisveränderungen der Wert der amerttanischen Einftihr aus Europa von 1 179 000 000 Dollar im Fiskaljahr IS 19/20 auf 825 000 000 Dollar im Zahr 1921/22 zurück und gleichzeitig die Ausfuhr der Vereinigten Staaten nach Europa von 4864 000 000 Dollar tm Fiskaljahr 1919/24 tanb 3 4080DÖ000 Dollar im Jahre 1920/21 lauf etwa 2 075 000 000 Dollar, was, wie fchoa Les öfteren betont, noch feinen Rückgang der «US- und eingeführten Warenmengen bedeutet. Eine Aussprache im englischen UnLerhause. London, 24. 3uIL (WLB.) 3m Un- sterhau se sagte Sir Robert Horne in Erwiderung auf eine Anfrage bezüglich der Kosten für die britische Besatzungs- karmee, daß Großbritannien ungefähr 50250 000 Pfund Sterling an Reparationszahlungen «halten habe, wozu noch 60 Mill. Papiermark kämen, die im Rheinlande eingegangen seien. Die gesamten Kosten der Be- satzungSarmee betrügen bisher ungefähr 54 Millionen Pfund Sterling; somit entsprächen die Einnahmen ungefähr die Besapungskosten. Kenworthy fragte rm UnterhOllse, ob Die britische Regierung der französischen Republik ein Angebot gemacht habe, nach welchem Frankreich seine Schulden an England erlassen werden könnten unter der Bedingung, daß die LeparationSforderungen herabgesetzt würden. Hörne verneinte diese Frage. Er könne rm Augenblick den früher gegebenen Erklärungen nichts hinzufügen. Kenworchh fragte: Sind somit die in der Presse, besonders die in der amerikanischen, erschienenen Berichte unbegründet? Hörne erwiderte: Es würde besser fein, sich in dieser Frage nicht toif Presseberichte zu verlassen. Die italienische Kabinettskrisis. Rom, 24. 3ult (WTD.) Orlando hat den ihm erteilten Auftrag, das Kabinett zu bilden, abgelehnt, weil die Sozialisten sowohl wie die Katholische Dvlkspartei rächt mit den Abgeordneten der Rechten in das Kabinett ein« treten wollen. Der König hat heute den Kammerpräsidenten Dicola empfangen. --------V----------- Aus dem Reiche. Der Staatsgerichtshof. Leipzig, 24. Juli. (WTB.) Die endgültige Zusammensetzung des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik ist folgende: Den Vorsitz führt der Senats- Präsident Hagen, fein Stellvertreter ist Se- natspräsidmrt Richter. Zu Mitgliedern des Staatsgerichtshofes sind Reichsgerichtsrat Baumgarten und Reichsgerichtsrat Zeit- l e r ernannt Zum Untersuchungsrichter wurde Landgerichtsdirektor A l ck e n vom Landgericht Frankfurt a. M. bestellt. 35 Mark Stundenlohn. Magdeburg, 24. Juli. (WTB.) Die „Magdeburgische Zeitung" berichtet, daß die Arbeitgeber im mitteldeutschen Baugewerbe den vom Bezirkslohnamt Sachsen- Anhall gefällten Schiedsspruch auf Erhöhung des Stundenlohnes um sieben auf 35 Mk. abgelehnt haben. Der Bauarbeiterverband beschloß, sofort in allen Orten der Provinz Sachsen und in Anhalt die Arbeit eiuzustellen. t Sine Beschwerde im badischen Landtag. r Karlsruhe, 24. Juli. (WTB.) 3m Landtag begründete Dr. Mayer fbntl.) die '«förmliche Anfrage der Deutschnationalen betreffend Veröffentlichung der Unterlagen für einen Geheimbericht» den das stellvertretende Generalkommando des 14. Armeekorpsimvierten Kriegsjahr an das Kriegsministerium erstattete. Finanzminister Äbg. Köhler verlas dann den ihm zur Kenntnis gelangten Geheimbericht vom 11. Aovemöer 1917. Darin wird dem Zentrum die nationale Zuverlässigkeit abgesprochen. Die Geistlichkell habe korumpierend auf die DvlkSstimmung gewirkt. Der Bericht spricht von verderblichem Einfluß an Freiburger Stammtischen unter Hinweis auf die Person des jetzigen Reichskanzlers Dr. Wirth und andere, von der ungeheuren Schädlichkeit dieser Organisation und deren objekttv landesverräterischem Charakter. Gezeichnet ist der Bericht von Ahlefeld, Oberst. Der Redner hebt hervor, das "Zentrum habe das Recht, gegen eine derartige Verleumdung aufs schärfste zu protestieren. Die Abgeordneten sämtlicher Parteien bedauern diesen Bericht. Die iMato wa tanos. Roman von Ernst Scheitel. 18. Fortsetzung. (Aachdrack verboten.) Perzelius beschloß, der Sache jedenfalls ait den Grund zu gehen, wozu ihm ja die bevorstehende DilfaHrt bis Assuan in Gesellschaft Hechle! ben Zehubs die beste Gelegenheit versprach. Der Dollar Halle ja von Anfang an den Plan gehabt, nur solange auf dem Schiffe zu verbleiben, bis er beurteilen tonnte, ob von hier aus eine Spur nach dem gesuchten Ziele führte. Einstweilen kehrte Zechiel den Zehud schimpfend und flachend aus das Doot zurück, löste das Tau vom Ufer und raunzte Eduard und Perzelius an. weil diese nicht rasch genug das Segel hißten. Das Schiff trieb in die Mitte des Stromes und bald entschwand die Stelle der ßanbung in der dunstigen Ferne. 3n Schweigen ging die Fahrt dahin, nur der Zude brummte von Zell zu Zell etwas in seinem zahnlosen Mund, und seine Laune schien endgültig verdorben. Bald war ihm das Tempo zu langsam unb er blickte mürrisch nach dem wolkenlosen Himmel, bald ruhten seine Argen auf den Sacken und schienen seinem Aerger Ausdruck zu geben, daß es nicht mehr waren. Perzelius brannte vor Ungeduld, hinter das Geheimnis zu kommen, und er tonnte die 'Rächt kaum erwarten, wo er eine genaue Untersuchung der Waren vornehmen wollte. Eduard fragte ihn dann unb wann, ob er sich etwas von der Reise verspreche. Er lill Qualen unter der Untätigkeit, zu der er die meiste Zeit über nun wieder Der urteilt war, und Aus Hessen. Die Siedluugstätigkell in Hessen. D a r m st a d t, 24. Zuli. Unter dem Vorsitze des Finanzministers Henrich fand eine Sitzung des Beirats beim Landessiedlungsamt stall, in der zunächst Bericht über die Siedlungstätigkell in Hessen erstattet wurde. Das Landessiedlungsamt war in der Lage, zu zeigen, daß troh aller sachlichen Hemmnisse und trotz Personalmangels und öfteren Personalwech- sels die Arbeiten im letzten Zähre ein gutes Stück vorwärts gekommen find. Rund 8300 Morgen tonnten im letzten Zahre an Landbedürftige verteilt werden. 97 Gemeinden wurden neu in Bearbeitung genommen, in 52 Gemeinden wurde das Verfahren zu Ende geführt. Der Stand der Siedlung am 1. April 1922 ergibt folgendes Bild: Anträge auf Durchführung des Landverfahrens sind aus nicht weniger als 524 Gemeinden gestellt. die Bearbeitung ist in insgesamt 337 Gemeinden in Angriff genommen und in 128 dieser Gemeinden bereits förmlich abgeschlossen. Zn weiteren 43 Gemeinden ruht das Verfahren, in 101 Gemeinden wird ein solches voraussichtlich nicht zur Durchführung kommen, entweder weil bereits außerhalb des Verfahrens den Landbedürftigen Gelände zugeteill werden konnte, oder weil Gelände, das zu Siedlungszwecken in Anspruch genommen werden kann, nicht vorhanden ist. 43 Gemeuiden harren noch der Znangriff- nahme der Siedbrngsarbeiten. Zugeteill wurden im förmlichen Landverfahren 16 900 Morgen und durch die staallichen Oberförstereien 5600 Morgen, zusammen 22 500 Morgen. Lieber 11 000 Landbewerber in 220 Gemeinden konnten mit Land bedacht werden. Eingehende Erörterungen fanden u. a. die letzten Ereignisse im Kreise Büdingen. Der Beirat war übereinstimmend und im Einklang mit der Regierung der Meinung, daß man Vorgänge, wie sie in Büdingen vorgekommen sind, in keiner Weise billigen dürfe. Die dort getroffenen Vereinbarungen könne man lediglich als Wünsche der Landbewerber ansehen. Man möge diese Wünsche prüfen und soweit sie im Rahmen des Gesetzes als berechtigt anzu- erkennen seien, im ordentlichen Verfahren weiter bearbeiten. Den Vertretern der Landlieferer wurde dringend empfohlen, doch in ihren Kreisen alles aufzubieten, damit dort dasjenige Maß von Bereitwilligkeit gezeigt werde, das notwendig ist, wenn die Durchführung des Landgesetzes weiter reibungslos von statten gehen soll. Eine Abänderung der Vollzugsvrdnung auf Grund der Erfahrungen, die eine 2V2jährige Siedlungspraxis gezeitigt habe, wurde in Aussicht gestellt. 3n den Spruchausschuß beim Landessiedlungsamt wurden einstimmig gewähll die Herren Land- tagsabgeordneten Knoll, Lux und Zvst sowie Herr Fürst zu Zsenburg-Dierstein, die beiden letzteren als Vertreter der Landbewerber und Landlieferer. Der Erweiterte Vorstand der Deutschnationälen (Hess.) Vvlkspart-ri hat in einer Sitzung zu Frankfurt a. M., die außerordentlich stark aus allen drei Provinzen besucht war, nach eingehender Aussprache über die politische Lage und die letzten Vorgänge im Reiche und in Hessen einstimmig folgende Entschließung gefaßt:- . "Der Erweiterte Landesvorstand erhebt schärfsten Widerspruch gegen die bereits erlassene und noch Weller geplante Ausnahme- gesetzgebung zur Riederhaltung nationaler und völkischer Bestrebungen, insbesondere von Organisationen, wie den Deutschvölkischen Schutz- und Truhbund und andere, die, ohne den Boden der Verfassung zu verlassen, oder gegen die Gesetze zu verstoßen, für sittlichen und geistigen Wiederaufbau tätig stnd. Gleicher Weise legt die Parieivertretung Verwahrung ein gegen das Verbot von Regimentsfeiern, der Versammlungen von K iepe vere nm und gegen jede re.fassungswidrige Entrechtung von Beamten aller Stufen. Ferner wendet sie fich gegen die zahlreichen und auf Grund unkontrollierbarer Denunziationen erfolgten Haussuchungen bei Parteiführern und der Parteigeschäftsstellen, sowie gegen das überall jetzt schon well verbreitete Angeber- und Spitzelsystem. Der Vorstand ruft alle Mitglieder der Partei auf, dem schon lange vorbereiteten Kamps gegen den deutschnationalen Gedanken durch verdoppelte Arbeit und Opferwilligkeit zu begegnen und um so fester und treuer zu unserer Sache zu stehen, je mehr sie Gegenstand maßloser Angriffe ist. Dem deutschnationalen Gedanken gehört doch die Zukunftl“ Ein ZentrumSparteitag. rm. Darmstadt, 24. Zull. Der heute im Konkordiasaale in Darmstadt veranstaltete Landesparteitag der Hessischen Zentrumspartei war gut besucht. Es wurden geschäftliche Angelegenheiten erledigt; dann sprach der Reichstagsabgeordnete Hof- ........... *> । ui —n— Perzelius gab sich verschlossen und einsilbig. Er fbrad» nicht gerne über seine Gedanken, sondern liebte es, erst im Augenblick des Gelingens seine Karten zu zeigen. So gestaltete sich die Fährt recht peinlich für die drei, die sich so plötzlich und unter so absonderlichen Umständen zusammengefunden hallen. Endlich ließ die Schwüle Las Tages nach und eine kurze Dämmermg lellete über in eine sternklare Rächt. Aber der Zude schien gewohnt zu sein, erst spät den Schlaf zu suchen, Unentwegt faß er am Steuer, als wollte er nienunb an denn die Obhut über sein Schiff amxnra.tcn. Erst als Mitternacht vorbei war, gab er Per- zeliuS den Auftrag, statt seiner das Steuer zu führen. Er selbst kroch auf einen Harfen von Lumpen, wo er sich zusammenlaueite wie em altes Tier unb bald in tiefen Schlaf verfiel. Der Doktor wartete in höchster Spannung eine halbe Stunde und noch eine. Dann weckte er Eduard, der schon lange eingenickt war und hieß ihn sich statt seiner an das öieuer sehen und nm erst tonnte er seine Wißbegiecde bc- friedigen. Er schlich an dem Zeiten vorüber, hm zu den Dollen mb verbarg sich zwischen biefea und der Schiffswand. Dann versrchte er einen Spalt in der Umhüllung der Säcke za finden und schob seine Hand hinein. Aber er fühlte nrr einen derben, leberateigen Stoff. So zog er denn fein Messer und bohrte mit diesem weiter in das Innere. Er durchschnitt ein? der Umhüllungen nach der andern, bis er mit dem ganzen Arm einzudringen vermochte. ■ Da spürten ferne Finger einen weichen, tlebrigen G.g.nstand. der sich kühl anfühlte. Er griff nun mit der Hand mann- Ludwigshafen über Die allgemeine Politik. Seine Ausführungen gipfelten in der Zustimmung zu der von der Reichstagsfraktion des Zenttums bisher in den verschiedenen Fragen eingenommenen Stellung, die ausdrücklich gebilligt wird. Seine Worte wurden mit großem Beifall ausgenommen. lieber Die hessische Politik sprach Domkapitular 2lbg. Lenhart. Sine lebhafte Aussprache schloß sich an. Aus StKÄt und Lnnd. Gieß en, den 25. Zuli 1922. Um deu Schiffenberg. Herr Prof. Dr. H. Äraenter schreibt uns: Im Gießener Anzeiger, Ar. 162 vom 13. Zuli, waren Bedenken gegen die Pläne geltend gemacht worden, wMach der Schiffenberg zur Begründung 'einer Tierzuchtstativn dienen sollte. Inzwischen wurde in Ar. 170 vom 22. Zuli ein Bericht über die zehnte Sitzung des hessischen Landtags veröffentlicht, der von einem Tier- seuch en instllut spricht. Man gestatte mir hierzu einige erläuternde Worte. Damit die Bürgerschaft Gießens sich nicht beunruhigt fühle, darf ich betonen, daß von einem Seucheninstitut keine Rede gewesen ist. Es handelt sich um die Schaffung eines Mustergutes, an dem auch die Gießener Bürger Gefallen finden, sowie einer Tierzuchtstation mit ausgedehnter Haltung von Geflügel und allerlei Versuchstieren zum Studium von Dererbungserscheinungen und anderen biologischen Fragen. Der Schiffenberg wird dadurch als Ausflugsort nur gewinnen, und an eine Absperrung desselben ist nie gedacht worden. Im Gegenteil! Alles, was wir irgendwie tun können, um in diesen schweren und sorgenvollen Zeiten eine liebliche Erholungsstätte zu schaffen, soll in reichstem Maße geschehen, unb auch die Gastwirtschaft wird sich gewiß allen Wünschen anpassen. Wir können den Mitbürgern schon heute in aller Oeffentlichkeit versprechen, daß nicht nur ihre guten alten Rechte gewahrt bleiben, sondern daß sie ihre helle Freude an all dem neuen find interessanten haben, das mit der voraussichtlichen Verpachtung des Schiffenbergs an das Tierzuchtinstitut der Universität Gießen geplant ist. Der Kampf gegen die Wohnungsnot. Die Wohnungsfrage ist noch immer eines der schwierigsten Probleme unseres gesamten öffentlichen Lebens. Trotzdem nun schon seit Kriegsende mit allen verfügbaren Mitteln an der Linderung Der Mißstände auf diesem 'Gebiete gearbeitet wird, sind wir noch weit davon entfernt, ein Ende der Schwierigkeiten voraussehen zu können. Za. wenn man die Zahlen der Wohnuung-' suchenden überblickt, ist man versucht zu glauben, daß eine Verschärfung der Roklage, stall eine Milderung eirrgetreten sei Unb doch wird nun schon mehrere Zahre hindurch an der Erstellung neuer Wohnungen mit höchster Intensität gearbeitet, da mit Woh nunx^beschlagnahme und Zwo: g ieinquartierung bet weitem nicht alle Bedürfnisse befriedigt Serben konnten. Die Aachfrage nach Wohnungen steigt rm allgemeinen mit der Größe des Ortes. In den Großstädten ist die Zahl der Wohnungsuchenben am größten. Aaturgemäh müssen dann auch hier die größten Anstrengungen zur Beschaffung neuen Wohnraumes gemacht werden. Ein Ueberblick über die ‘Sautötigteit in 35 Großstädten des Deutschen Reiches, den die Zettschrift „Wirtschaft und Statistik" veröffentlicht, veranschaulicht sehr deutlich den Kampf gegen die Wohnungsnot Es wurden neuerstellt: Im 1. Vierteljahr 1920 insgesamt 528 Wohngebäude unb 3508 Wohnungen; im 1. Vierteljahr 1921 insgesamt 2147 Wohngebäude und 5404 Wohnungen, und im 1 Vierteljahr 1922 insgesamt 1767 Wohngebäude uni) 5267 Wohnungen. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich, baß die Abwehrmaß- nahmen gegen die Wohnungsnot im Zahre 1921 ihren Höhepunkt erfliegen und im Zahre 1922 nicht unerheblich nachgelassen haben. Es dürfte zu einem Trugschluß führen, wenn man aus dieser Tatsache auf eine wesentliche Besserung der Aot- stände schließen wollte. Die Erklärung für die verminderte Bautätigkeit ist vielmehr darin zu finden, daß die Verschlechterung der Finanzlage die einzelnen Stadtverwaltungen zwang, ihr Bauprogramm einzusch.anten. Die, gemeinnützige Bautätiglett mußte dadurch Nachlassen. Mit wenigen Ausnahmen trifft diese Gesamterscheinung auf jede einzelne der bei dieser Auf stell ung berücksichtigten Großstädte zu. «Auch in dem nahegelegenen Frankfurt a. M. konnte man dieselbe Entwicklung beobachten. Dort wurden im 1. Vierteljahre 1920 12 Wohngeböude und 370 Wohnungen, im 1. Vierteljahre 1921 164 Wohngebäude und 385 Wohnungen, mb im 1. Vierteljahre 1922 nur 12 Wohngebäude unb 71 Wohnungen errichtet. nach oben unb unten, um van dem fraglichen Gebilde durch den Tastsinn eine Vorstellung z i gewinnen. Bald glaubte er große, überreife Früchte vor sich zu haben, von deren Vorkom- men und Beschaffenheit er sich teilte Rechenschaft geben konnte, bald schien es ihm wie der Leib eines länglichen, unbehaarten Tieres. Er schob den Arm nach, so tief es ging und da fühlte er ganz deutlich ein Knie. Er zog Die Hand zurück, tastete nach dem andern Ende hinauf, und da blieb kein Zweifel mehr, es mußte cm totes Mädchen fein, was in dieser schauerlichen Umhüllung vor ihm lag. Wäre er nicht von Ratur mit einer großen Unempfindlichkeit begabt gewesen, Ekel und Grauen müßten ihn vernichtet haben. So aber verzeichnete er feine scheußliche Entdeckung nur unter die sicheren Tatsachen, die er Bei weiteren Schlußfolgerungen z u berücksichtigen haben würde. Was aber mochten die andern Ballen bergen, die äußerlich diesem einen so ähnlich waren — vielleicht enthielten sie wirklich das, was der Zude vorgegeben Halle, und war jener Ballen nur eingeschmuggelt? Ober tag hier die grauenhafte Tatsache eines ganzen Transportes von Toten vor? Und zu welchem Zweck? Und woher stammten sie? Perzelius überlegte. Die letzte Frage schien ihm verhältnismäßig am leichtesten b? tntwortbar. In Svkkara waren sie in das Schiff gebracht worden. Und in dem unterirdischen Grabraum nahe bei Abusir hatte er selbst eine Anzahl flüchtig präparierter Mumien gesehen. Sollte bte unglückliche Tote eine von diesen fein? Statt weiterer Ueb erß gungen b gönn er nun auch die beiden andern Säcke zu untersuchen anb, sand, daß jie den gleichen Inhalt bargen. Amtliche Personalnachrich- t e n. Ernannt wurde am 18. Zuli der Studienassessor am 'Realgymnasium in Darmstadt Dr. Anton Buchner aus Pfungstadt zum Studienrak mit Wirkung vom 1. August 1922 ab. — Ernannt wurde am 22. Zuli der Lehrer Peter Bergoint zu Brensbach zum Lehrer an der Volksschule zu Spachbrücken, ** Abgefaßte Wäschediebe. Zn bei Rächt zum 24. Zuli wurde ans einer verschlossenen Waschküche Die eingeweichte Wäsche vollständig entwendet. Die Diebe konnten sich nicht lange ihrer Beute freuen. Einer Polizeipattouille fielen in jener Dacht zwei Personen mit vollbepackten Rucksäcken auf. Die Untersuchung förderte Daß wüsche in den Rucksäcken zutage. Es handelt sich um zwei übelberuchtigte Personen, die erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen wurden, nachdem sie ihre ‘Strafe für Diebstähle in den Jahren 1918/19 abgebrüht hatten. Der eine dieser beiden, der in Düsseldorf- wohnt, hatte einen Abstecher nach Gießen gemacht und wollte nun wieder zuruckkehren. ”* Erfrischungen für minderbemittelte Reisende auf den Bahnhöfen. Ein Erlaß des Reichsverkehrsministers verpflichtet die Dahnhofswirte, in Zukunft neben den üblichen Reiseerfrischungen auch frisches Trinkwasser und trockene Brötchen zu führen und anzubieten, damtt auch minderbemittelte Reisende die Möglichkeit haben, unter» Wegs Erfrischungen zu sich zu nehmen. Die Dahn- hofswirtschasten sind gehalten, diese einfachen Erfrischungen zu billigen Preisen abzugeben, unb bei der ständig wachsenden Benutzung der vierten Klasse wird dieser Erlaß des Reichsverkehrsministers zweifellos als eine verständnisvolle Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage der meisten Reisenden begrüßt werden. y‘* Don der Waldbühne wird uns geschrieben: Die für den 21. Zuli in Aussicht genommene Aufführung der „Versunkene Glocke" von G. Hauptmann wurde von der Zn- hoberin des Aufführungsrechtes verboten. Die Waldbuhne hatte ihren Aufführungsanttag an den Buch Verlag S. Fischer, Berlin, anstatt an die wahre Znhaberin, Fa. F. Bloch Erben, gerichtet. Ehe noch Fischer geantwortet hatte, traf das strikte Verbot der Fa. Bloch Erben ein, und die Zeit reichte nicht mehr aus, telegraphisch die Angelegenheit zu ordnen. Da eine frühere Aufführung des Werkes durch Die Waldbühne tm Zahre 1914 von zuständiger Stelle gutgeheißen worden war, kam das nun. mehrige glatte Verbot gänzlich unerwartet und in hohem Grade Befremden erregend. LZorrrotjzen. — Tageskalender f ür Dienstag. Stadttheater, 7 Uhr: „Ein idealer Gatte". — Aus dem Stadttheaterbureau. Auf das heute abend ? Uhr ftatt- findende Gastspiel des staallichen Kurtheaters Bad-Dauheim mit „Ein idealer Gatte" von Oskar Wilde sei nochmals hingewiesen. Wettervoraussage für Mittwoch. Aufheiternd, wärmer trocken. Die Depresfion, die wahrend der letzten Tage unsere Wetterlage beeinflußt hat, ist ostwärts abgezogen. Der Druck hat allgemein za genommen, so daß mit wärmerem Wetter zu rechnen ist. * Landkreis Gieszen — Hungen, 24. Zuli. Rachdem sich am Der« gangenen Sonntag hier ein Hausbesiherverein gegründet Halle, beschlossen auch die Mieter, einen Mieterschuhverein zur Wahrung ihrer Interessen zu gründen. Zu diesem Zweck fand gestern nachmittag im „Darmstadter Hof" eine Mieterversammlung statt, zu der Reallehrer Hebeimehl, Gießen, das Referat übernommen Halle. Der Redner sprach über die herrschende Wohnungsnot und Wohnungsteuerung, über die Mieteinigungsämter, Verordnungen über den Wohnungsmangel während des Krieaes, über ZwangsbrNvirtsHaftung und das Reich ßmieten- gesetz. Unter Berufung au' die außerordentlich wichtige Aufgabe, die die Mieterschuhvereine auszuführen haben, betonte er, wie notwendig die Gründung eines solchen Vereins am hiesigen Platz sei. Der Vortrag wurde von den Zuhörern mit großeim Beifall ausgenommen, und alle Anwesenden erklärten ihren Beitrill zu dem Verein, dessen Vorstand sich sofort aus der Versammlung zusammensetztc. Rachdem Perzelius diese Ergebnisse gewonnen hatte, verwischte er sorgfältig jede Spur feiner Rachforschungen, vergewisserte sich, daß der Jude noch schlief unb schlich Samt langsam za fernem PlÄtz am Steuer, um Ebaarb abz ilvsen. „Haben Sie etwas gefunden?" fragte dieser gespannt. „Allerdings." entgegnete der Doktor. ..ich glaube, daß tr.tr ans aaf guter Fährte befinden." „Und was haben Sie herausgrdracht?" fragte Eduard Wetter and hing mit seinen Blicken an den Lippen des Doktors. „Wgs befindet sich denn in den Bündeln, die wir verfrachtet haben?" Der Doktor nxir noch unentschlossen, ob er Eduard in das Geheimnis einweihen sollte, aber nachdem er ihn nun einmal als Gehilfen bei feiner Erkundangsarbeit angenommen Halle, maßte er ihm auch die wichtigsten Pankte anvertraaea Er sagte also kurz entschlossen: „Leichen sind darin." Eduard erblaßte. Für ihn war es fast sicher, daß Silly sich unter diesen befinden müsse, denn die Angst ließ ihn überall das Schlimmste ahnen „Doktor, ich beschwöre Sie, was hat es für eine Bewandtnis Damit V Glauben Sie, daß Silly unter diesen Ermordeten ist?" stieß er hastig, aber tonlos hervor. „Beruhigen Sie sich nur etwas," erwiderte Perzelius fast anberührt von der Angst des jan- geiT Mannes „so schnell gebt das Umbringen nicht, unb ich habe Ihnen ja schon gesagt, daß die Baronesse vor Ablauf von drei Wochen tr Sicherheit ist." „Aber Sie können sich ja täuschen, Herr Dov tor," fuhr es Eduard heraus. fFortfetzung folgt v t Hattenrv d, 24. Juli. *2tun ist auch un- i lere Kirche wieder in den Defih eines Ge -1 läut es pelommen. Zwei Glocken hatten wir ab- (lefern müssen, und nur die unter Denkmalschutz aus dem Kloster Arnsburg stammende, mittlere Glocke war uns geblieben. Zu ihr goß die Firma Dinker in Sinn zwei neue Glocken, die trefflich geraten sind, so daß wir jetzt ein harmonisches Geläute haben 3m gestrigen Festgottes-- dienst, zu dem die Gemeinde, der sich auch noch diele Gäste von auswärts angeschlvssen hatten, vollzählig erschienen war, wurden die Glocken geweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Chor des hiesigen Gesangvereins, wie sie auch durch zwei Ktnderchöre verschönt wurde. Die WeihePrediHt deutete die Glockeninschriften, nach denen die Glocken Trost und Mahnung in das Alltagsleben und Erdenleiden rufen wollen. Möge ihre «stimme den Weg finden zu Ohr und Herz der Hörer. Eine reiche KolleÜe legte Zeugnis ab von der dankbaren Freude der Gemeinde, die nach langem Entbehren nun den Klang der Glocken — auch ein Stück „Heimat" — nicht mehr zu missen braucht. Dank sei auch gesagt dem Ortsvorstand, der die Mittel zur Anschaffung der Glocken bewilligte. LJ Lang-Göns, 24. Juli. Gestern fand hier daS Hugendfest statt. Die Schuljugend zog unter Führung ihrer Lehrer geschlossen durch die Ortsstraßen, der Posaunenchor svielte die 'MrrsHbegltttung Wegen der ungünsti en Witterung fand das Fest in der Turnhalle statt. Lehrer S ch w i n n hielt die Festrede. Die Schulmädchen führten einen Reigen auf; Gedichte und Gesänge der Schulkinder und Vorträge der Gesangvereine trugen zur Verschönerung des Festes bei. Kreis Alsfeld. § Ermenrod, 24. Juli. Gestern nachmittag fand hier auf unserm Friedhof die Einweihung des Denkmals für unsere Gefallenen unter recht zahlreicher Beteiligung statt. Der Posaunenchvr aus Ginter-Seibertenrod eröffnete die Feier, die einen recht würdigen erhebenden Verlauf nahm. Die Festrede hielt Herr Pfarrer Georgi auf Grund des Schriftworts: „Herr, Dein Wille geschehe!" Sodann sprach der Vorsitzende des Denkmalausschusses, Herr G e m m e r. Vorträge des Gesangvereins und Gesänge der Schüler unter der Leitung des Lehrers Müller von hier gaben der Feier die rechte Weihe. Don der Gemeinde und den Vereinen wurden Kränze niedergelegt. Allgemeiner Gesang schloß die eindrucksvolle Feier. § Dieder-Ohmen, 24. Juli. Zwei Weißbinder waren auf dem Gerüst einer hiesigen Mühle beschäftigt. 'Der eine von ihnen b e - rührte die elektrische Ortsleitung mit der Hand. Dabei bekam er einen Schlag, daß er vom Gerüst stürzte. Mit zerbrochenem Schädel blieb er liegen. Ob der Tod infolge des elektrischen Schlages oder durch die Schädelver- lehung eingetreten, muh dahingestellt bleiben. Kreis Schotten. ed. Erchelsachsen, 25. Juli. Ein nicht alltägliches Erlebnis hatte etn hiesiger Imker. Er fand im Wabenschrank einen zugeflogenen Schwarm, der schon Honig und verdeckelte Brut hatte. Lau 6 ach, 22. Juli. Der hiesige Gesangverein Harmonie wird in 8 Tagen ein Gesangsfest ab halten, wozu die benachbarten Bundesvereine in größerer Zahl erwartet werden. Unfere landschaftlich so ansprechende Gegend wird dazu beitragen, daß die Feier sich eines regen Besuches von auswärts erfreut. Die Vorbereitungen sind eifrig im Gange. Ruppertsburg, 23. Juli. Daß unser kleines Pfarrdorf im Laufe der acht Hahr- hunderte, die es erlebt hat (das Gründungsjahr ist nicht festzustellen, da es überhaupt erst nach und nach entstand), teilweise recht interessante Ereignisse gesehen hat, zeigt eine lesenswerte Broschüre von 35 Grohoktavseiten, die soeben erschienen ist, betitelt: „Das Dorf Ruppertsburg". Don Lehrer Debus. Der Verfasser hat mit großem Fleiß und mit großes Sorgfalt unser Gemeindearchiv benutzt; auch hat er eifrig die geschichtlichen Zeitschriften und sonstige Werke öurchgearbeitet. Wir Einheimische finden vielen wertvollen Lesestoff in diesem Büchlein, und jeder G^chichtsfreund wird gerne das eine oder andere mii Vergnügen kennen lernen. ed. Aus demBogelsberg, 25.Juli. Infolge der feuchttoarmen Witterung der letzten Tage findet man auf Wiesen und Hut- weiden den Champignon in großen Men- ^n- Die Landbevölkerung legt von Jahr zu Iahr die Furcht vor den „giftigen Schwäm- men immer mehr ab und sammelt eifrig die Champignons. Starkenburg und Rheinhessen. rm. Darmstadt, 23. Juli. Die Kriminal- SÄ1 veryaftete hier etn junges Pärchen, das sich durch große Geldausgaben verdächtig machte Der junge Mann ift ein Darmstädter, der sich eine Hamburgern mitbrachte und es stellte sich Jeraue, daß sie gemeinsam mit einem jungen Bremenser in Bremen einem jug er elften Amerikaner die Brieftasche mit 1080 Dollar gestohlen hattmi. Für die eingewechselten Paptermark führten sie nun ein flottes Leben Man formte noch 82 000 Mark retten. Rach dein Rest wird noch gesucht. C n Kreis Wetzlar. ra. Wetzlar, 24. Iuli. Die Errichtung einer Jugendherberge in der ehemaligen Haupt- wache am Domplatz haben unsere Stadtväter wieder aufgegeben. Es war vorgesehen, Betten aus der Unteroffizierschule dort aufzustellen. Man will nunmehr die Wanderherberge in dem demnächst freiwerdenden Lyzeum unterbringen. Letztere Anstalt wird mit der neu errichteten Aufbauschule (insgesamt 14 Klassen) in der Unterofsizierschule untergebracht. Hessen-Nassau. Der Totschlag in Bornhechi. fpd. Frankfurt a. M., 24. Juli. Die Polizeilichen Ermittlungen in der Totschlags fache des Malers Brauer haben heute dahin, geführt, daß als intellektuelle Urheberin die Witwe Probst, bei der der Erschlagene wohnte, in Frage kommt. Die Probst befand sich in der Mordnackt in der Gesellschaft des Brauer und forderte den Spengler Berg mit den derbsten Ausdrücken auf, den Brauer totzufchlagen. Das tat dann (Outf) der angetrunkene Berg mit einer großen ßatte. Die Probst wurde nach ihrer 'Vernehmung durch den Untersuchungsrichter wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen die Freigabe des Milchhandels. wb. Frankfurt a. M., 24. Iuli. In einer Besprechung, die kürzlich zwischen 'Vertretern des Kleinhandels, der Molkereien und der Stadtverordnetenversammlung stattfand, wurde die Frage geprüft, ob sich eine völlige Freigabe der Milch an die Bevölkerung empfehle. Mit der Begründung, daß die zur Verfügung stehenden Mengen noch zu gering seien und voraussichtlich nur von den begüterten Bevölkerungskreis en aufgekauft werden würden, wurde jedoch gegen die Freigabe des Milchhandels Stellung genommen. ♦ mc. Frankfurt a. M., 24. Juli. Rach amtlichen Mitteilungen der Eisenbahndirektton geht der Umbau des Hauptbahnhofs seiner Vollendung entgegen. Man hofft, alle neuen Gebäude noch vor Herbst unter Dach und Fach zu bringen. Die Kosten belaufen sich jetzt schon auf 120 Millionen. Sie werden sich in nächster Zeit aber noch bettächtlich erhöhen. tob. Frankfurt a. M., 24. Juli. Am Samstag fand man in dem Flur eines Hauses der Mainluststraße die angekohlte Leiche eines neugeborenen Kindes. Die Ermittlungen nach der Mutter führten zu keinem Ergebnis. Gießener Strafkammer. Gießen, den 21. Iuli 1922. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen ein Dienstmädchen von BU>-Rauhrim, die Trchter seines früheren Dirnstherrn und eine Hebamme wegen Abtreibung verhandelt. Rach umfangreicher Beweisaufnahme wurden alle Angeklagten mangels Beweises sreigesprochen. Der Hausierer Philipp Z. von Wißmar hatte sich im Oktober 1921 bei einem hiesigen Geschäftsmann Zigarren im Wert von etwa 1000 Mk. ers chto indelt und war deshalb vom Schöffengericht zu einem Monat Gefängnis per art eilt toorben. ©eine Berufung Wirde verworfen. Zwei Händler von Gießen batten Anfangs des Iahres ein Pferdegeschirr und eine Decke, die von einem Diebstahl herrührten, gekauft und waren deshalb wegen Hehlerei bestraft worden. Ihre Berufung hatte Erfolg; sie wir- den mangels Beweises sreigesprochen. HochschuLnolchmchteru um. Darmstadt, 24. Iuli. Von der Technischen Hochschule: Geh. Regiwings- rat Prof. Dr. Rudolf Kautsch in Franksrrt a. Main wurde auf Antrag der Abteilung für Architektur der Technischen Hochschule in Darmstadt in dankbarer Erinnerung an seine Lehrtätigkeit in den Iahren 1903—1911, in Anerkennung seiner Mitarbeit bei den Aufgaben der Denkmalpflege in Hessen und der Gründung des Denkmalarchivs und in Würdigung seiner grundlegenden Forschungen über die Baugeschichte der mittelrhein.schen Dome zum Dr.-Ing. ehrenhalber ernannt. Ebenso wurde dem Geheimrat Dr. L. Rebel, Oberkonsistorialpräsident tn Darmstadt in Würdigung der tatkräftigen Unterstützung, die er in ferner Eigenschaft als Präsident des Oberkonsistoriums den Bestrebungen und A if- gaben der Hessischen Denkmalpflege und des neuen protestantischen Kirchenbaues verständnisvoll gewährt hat, die Würde eines Dr.-Ing. ehrenhalber verliehen. Landwirtschaft. Stützt die Obstbäume! Die meisten Obstbäume sind mit Früchten schwer beladen und neigen chre Zweige bereits ttef zur Erde herab. Da ist es an der Zeit, den Aesten Stützen zu geben, damit sie nicht brechen und die Kronen aus- einanderreißen. An der Zahl der Stützen zu sparen, wäre verkehrt. Als solche eignen sich Stangen aus Lohholz mit Astgabelung am besten. Wer über Stricke verfügt, braucht an einem Baum nur eine starke Stange zu befestigen und die Aeste an diese aufzubinden. Das Stützen der Obstbäume sichert auch gegen starken Fruchtabfall bei windigem Wetter. Die Roggenernte hat begonnen. fpd. Vom Main, 23. Iuli. Die Kornernte hat dieser Tags ihren Anfang genom- m e n. Im allgemeinen ist man mit ihr zufrieden. Die Sommerfrucht, Hafer und Gerste, stehen weit besser. ♦ Born oberen Wettertat, 23. Iuli. Gestern abend ging ein starker Gewitterregen über unsere Gegend nieder. Es fiel teilweise sogar Hagel. Jedoch ist kein bef anderer Schaden durch das Untoetter entstanden. Die häufigen Regengüsse der letzten Woche smd andererseits dem Graswuchs sehr zu statten gekommen. Die Heuernte ist jetzt zu Ende. Einzelne Wiesen, besonders die tiefgelegenen, sind dieses Jahr d r e i s ch ü r i g. Man sieht öfter die Landleute Grünfutter mähen; trotzdem darf man auch hier auf eine gute Grummeternte hoffen. Die feineren Gräser, die hn vorigen Iahre abgestorben waren, sind ganz überraschend wieder erstanden. Rur an Klee mangelt cs allerorten. An die Ernte von K l e e h e u ist gar nicht zu denken. Die eßbaren Schwämme und Pilze sind dieses Iahr um 2—3 Wochen früher eingetroffen. Sie fallen jedoch umsomehr der Fäulnis anheim. Besonders gilt dies vom Steinpilz und vom Champignon. * Schlitz, 24. Iuli. In dem benachbarten Uellershausen hätte der Land- und Gastwirt Schäfer beinahe beträchtlichen Schaden unter feinem Viehstand erlitten, wenn nicht sofortige Gegemnaßregeln ergriffen worden wären. Unter dem den Kühen gereichten Klee befanden sich nämlich zahlreiche Klatschrosen oderroter Mohn, deren Milchsaft für Menschen und Vieh giftig ist. In Indien und im Orient wird bekanntlich aus dem eingetrockneten Milchsaft dieser Pflanze das Opium gewonnen, oieben Kühe des Landwirts, die bereits umgesal- len waren und wohl verendet wären, konnten nur durch den herbeigeeilten Tierarzt gerettet werden. Deshalb ergeht an alle Tierhalter die Mahnung, beim Füttern von Klee und Gras die Mohnpf lanzen zu entfernen, toenn sie sich vor Schaden bewahren wollen. Turnen, Sport und SpteL | — Sportklub .Vorwärts" Gießen und D. f. R. L i ch traten sich am Sonntag mit ihren 1. und 2. Mannschaften in Lich gegenüber. Ilm i/34 Uhr begann das Spiel der beiden 2. Mannschaften. Dis zur Halbzeit wurde' 0:0 gespielt; nach der Halbzeit sank die Wagschale zu Gunsten der Licher. Gießen wurde mit 3:0 geschlagen. Um 5 Uhr begann das Spiel der beiden 1. Mannschaften. Lich trat vollständig, Gießen mit Ersatz an. Rach langem unentschiedenen Spiel konnte Rechtsaußen Gießen zum ersten Male ein» senden. Aber kaum hatten die Licher wieder das Spiel ergriffen, als auch Linksaußen Gießen ein zweites Tor erzielt, denen noch zwei weitere für Gießen folgten. Vei Halbzeit stand das Spiel 4:0 für Gießen. Run gelang es V. f. R. Lich durch einen Elfmeter das erste Tor zu buchen, dem kurz vor Ablauf der Spielzeit ein zweites Tor folgte, so daß das Spiel mit 4:2 für Gießen abschioh. Bücherlisch. — Hermann ßint: .Der Weg zur E i n s a m k e i t“. Sibyllen-Verlag zu Dresden. — .Der Weg zur Einsamkeit" ist ein moderner Wahlverwandlschaftcnroman. Hermann Lint weiß in die subtilsten Zellen ehelicher Probleme ein» zudringen, er schreibt, tote zwei weltmännisch kluge, gereifte Menschen, jeder in seiner Art, von der ursprünglichen Bahn abgedrängt werden. Bühnenleben und Geschehnisse einer international verwöhnten Gcfel schaftsatmvsphäre, zusammenfallend mit lebendigen Schilderungen unserer Zeit, geben den Hintergrund für die vier interessanten ringenden Menschen. — Turnerjugend. Von Otto Brüning, Mitglied des Iugendausschusses der Deutschen Turnerschaft. — Hanseatische Verlagsanstalt,Hamburg 36. (Aus der Schriftenreihe .Deutsche Iugend", herausgegeben von Frank Glatzel.) — SophieHoech st etter: „DasKrv n- g u t". Sibhllen-Verlag zu Dresden. — In diesem Buch ist mit unerschrockener Kühnheit die Erkenntnis gestaltet daß der Weg zu einem Erlebnis Gottes durch das Elementarereignis des Eros und all seine leidenschaftlichen Erschütterungen führt. Der Leser sieht diesen Weg in einer Fülle von Gestalten und Bildern, bis er weiß, diese Bilder sind Spiegel, und in jedem der Spiegel erblickt er auf eine rätselhaft neue Weise eine Beleuchtung seiner geheimsten Dinge, seines my- sttschen Ichs. Handel. Berlin, 24. Iuli. Börsen st immungs- bild. Bei der noch immer bestehenden Unflarijeit über die Moratoriumsfrage sowie infolge der ungünstigen Beurteilung der Vorgänge in Bayern von der Spekulation blieben am Devisenmärkte Schwankungen bestehen mit dem Ergebnisse, daß Devise Reuyork vom Vormittagskursstand 513 bis 496 vor Festsetzung des amtlichen Kurses zurückging. Am Effektenmärkte fand die ant Freitag so unvermittelt zum "Durchbruch gekommene Aus- wärtsbewegung in Montanwerten zunächst keine Fortsetzung. Die Spekulation sowohl wie das Publikum verhielten sich wegen der Abschwächung der Devisenpreise zurückhaltend. Immerhin ist die Allgemeintendenz als widerstandsfähig und im Verlaufe als befestigt zu bezeichnen, wobei am Montanmarkte besonders wieder in Harpenern, die bis 3275 anzogen, teilweise größere Umsätze stattfanden. Auf den anderen Märkten blieb im Gegensätze hierzu eine ziemliche Geschäftsstille vorherrschend Die Kursveränderungen hielten sich hier zwischen 10 und 30, wobei Besserungen überwogen. Auch der ausländische Rentenmarkt hat hinsichtlich des Geschäftsumfanges seine bisherige bevorzugte Stellung eingebüßt. Die Umsätze sind hier wesentlich geringer geworden. Die Kurse vermochten sich nach anfänglichen Schwankungen gut zu behaupten und teilweise — wie für Mexikaner, einige Ungarn» und Ballanwerte — zu erhöhen. Frankfurt a. M., 24. Iuli. Börsen» st immungsbild. Das Geschäft an der heutigen Börse, die eine feste Haltung einnahm, beschränkte sich wieder auf einige Spezialpapiere. Die schwankende Haltung der Devisenpreise hemmte die regere Geschäftstätigkeit. Der Dollar stellte sich am Vormittag auf 516—506; an der Vörse setzte er aber mit 502 ein und schwankte zwischen 497 und 495. Im freien Verkehr wurden folgende Kurse genannt: Decker-Stahl 545, Benz 525—520, Gebr. Fahr 580. Am Montanmarkt lagen die ersten Kurse fast durchweg höher. Kali-Aktien, Auto-, Maschinen- und Metallwerte fanden verschiedentlich zu höheren Kursen aufnahme. Anilinwerte wurden rege gehandelt. Dei kleineren Umsätzen konnten sich Elektrizitätspapiere behaupten. Zuckerfabrikaktien wurden reger gehandelt. Im Verlaufe blieb das Vörsenbild unverändert fest. — Privatdiskvnt 5 Prozent. Frankfurt a. M., 25. Juli 1922. Börsenkurse. Frankfurt Derlin 1-Uhr- 1-Uhr- Schluß- Ans.- Kuxs Kurs Kurs Kurs 386,- 391, 795, 2S8, 244, 273. 715,- 496,- 430,- 73,60 826,- 180,- 805 731 754, 21.7. 77,60 118 50 200,- 78,50 443,- 327,«® 286,- 277,- 480,- 755,- 1220,- 1325,- 3250,- 910,- 735 - 1470,- 820,- 743,- 760,- 840,- 739,— 600,- 450,- 73,53 840,- 180,- 24.7. 77,50 117,25 206,- 79,- 449,- 32u,75 285,- 271,- 475,- 390,- 299, - 245,- 275,- 1315,— 800,- 1236,- 1325,- 3275,- 91C,- 725,- ISuO,- . 825,- 740,- 759,- 840,- 750,. 490.50 451,- 74,50 8d0,- 195 - 77, - 450,- 337,- 284, — 271,- 480 - 394'- 294,- 246 — 271'- Datum: 5% D tsch. Krieg sank. 4°/» Disch. Reichsanl. 3°/„Dtsch. Reichsanl. 4°/0 Preuh. Konsuls Hamburg-Paketf.. . Norddeutscher Lloyd Lomm.u.Privatbank Darmstädter Dank . Deutsche Dank . . . Disconlo-Gesellschaft Dresdner Dank. . . Mitleid. Creditbank. Aationalbank f. D. . Boch. Gußstahlwerke 290, - 246,- 275,- 2265, - 687,- 1150,- 1243,- 2825,- 880,- 675,- 1400,- 816,- 735,- 742,— 840,- 700,- 491.« 425,- 200,- 78,50 460— 334,- 284,- 270,- 480,- Bud'.-Eisenw'-Akt.. 700 D.-Luxemb.Bergw.. Gelsenkirch. Bergto.. Harpener Bergbau. 2835 Oberschl. Eisenb.-B. ^00 Oberschles. Eisenind. b"5 Phönir-Bergb.-Akt. ^6°. Bad.Anilin-u. Soda Höchster Farbwerke. Allg. Elektr.-Ges. . . Selten & Guilleaume Schuckert-Werke. . . Adlerwerke Daimler 4°/0 Hess. Staatsank. Electron Griesheim Dtsche. Dereinsbant 21. (. 24. 7. 77,60 77,50 117,50 117,50 Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Dries Datum: 22. Juli. 24. Juli. Amstd.-Rotterb. 19725,3019744,7a 19625,4019674,60 Brüssei-Antw. -*018 95 4030 05 4013,95 4030,05 Ehristiania . . . 8564,25 8583 75 8514,30 8535,70 Kopenhagen . . 10911,30 10938,'. 0 10861,40 10888,60 Stockholm. . . . 13183,50 13216,60 13005,70 13041,30 HelsmgforS. . . 1063,65 1066,35 1033,70 1036,30 Italien *2357,05 2362,95 2337 05 2342,95 London 2252,15 2267,85 2237,20 2242,80 Reuyork b07,86 509,14 502,37 503,63 Paris 4254,65 4265,35 <224,70 <235,30 Schweiz 9697,85 9722,15 9468,10 9511,90 Spanien 7890,10 7309,90 77?b,z5 7779,75 Deutsch. Oesterr. 1,38 1,<2 1,63 1,67 Prag 1088,60 1091,40 1086,60 1089,40 Budapest.... 21,96 32,04 31,96 32,04 Buenos Aires . 184,50 185,- 182,75 183,25 Bulgatten . . . 322,55 323,45 326,65 327,45 Japan 238,50 259,50 Rio de Ianeirv -6816,- 6834,— Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14 22.7. 24.7. Zürich Fr. 125.40 1,04 i,05 Amsterdam Fl. 59.20 — ,51 -,61 Kopenhagen Kr. 88.80 -,94 — ,95 Stockholm Kr. 88.80 -,82 -,7y Wien Kr. 117.80 -,- Prag Kr. 117.80 9,10 London 6H. 97.80 Reuyork $ 23.80 -,‘20 ,,20 Patts Fr. 125.40 2,37 2,37 Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M.. 24. Iuli. (Amtlich.) Marktverlauf: Ruhiger Handel. Bei Rindeim unb Schweinen Ueberstand. Im einzelnen ist zu bemerken: Aufgettieben waren 1345 Rinder, darunter 211 Ochsen, 40 Bullen, 1094 Färsen und Kühe. Ferner 327 Kälber. 141 Schafe und 917 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: für Ochsen 2800—4IOC Mark, für Dullen 2800—3000 Mk., für Färsen und Kühe 2700-3900 Mk. für beste Färsen, 1700 bis 3100 Mk. für beste Kühe, für Kälber beste Qualitäten 4100—4500 Mk., für mittlere Qualitäten 3500—4000 Mk., für geringe Qualitäten 3000—3400 Mk., für Schafe 2600—320 Ms., für Schweine unter 80 Kilo Lebendgewicht 6000 bis 6600 Mk., von 80—100 Kilo Lebendgewicht 6600 bis 7100 Mk., von 100- 120 Kilo Lebendgewicht 6600-7200 Mk., von 120—150 Kilo Lebendgewicht 6800—7100 Mk., für Fettfchweine über 150 Kilo Lebendgewicht 6800—7100 Mk., für Sauen und Eber 6000—7000 Mk. Die Preise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt n. M, 24. Iuii. Im Frühverkehr war die Haltung des Getreidemarktes fest, Größeres Geschäft vollzog sich nicht, da die Unternehmungslust zu wünschen übrig läßt. Man nahm eine abwartende Stellung ein, was mit der Bewegung der- Devisenschwankungen in Zusammenhang gebracht wurde. Die Preise für Weizen stellten sich gegen ihre letzten Qllotierungcn gut behauptet. Roggen zeigte größere erhöhte Preise, da sich Rachfrage bemerkbar machte. Sommergerste findet bessere Aufnahme, das Angebot ist aber bescheiden. Hafer liegt fest. Mais ruhig und wenig beachtet. Die Rachfrage nach Weizenmehl ist wieder größer, auch zeigt sich ein Anziehen des Preises. Käufer wie Verkäuker verhalten .sich zurückhaltend. Roggenmehl wenig verändert. Erbsen fanden Beachtung, auch Oel- faalen sind stärker gesucht. Futterstoffe fest. Reis blieb bei guter ^kachfrage höher im Preise. - Amt liche Notierungen der Frankfurter Getreide-Dorse vom 24. Iuli. (Getreide, Hülsenfrüchte und Biertreber ohne Sack. Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit Sack. Preis je 100 Ka, alsbaldige Lieferung, Parität Frankfurt a. M.) Weizen 2500—2550, Roggen 1900—1925, Sommergerste für Brauzwecke 2300—2325, Hafer 2200—2300, Mais Plata 2100, Mais Mixed 1975—2000, Weizenmehl, südd. Spezial 0 3275—3450 bei Waggon bezug ab Mühlenstation, Roggenmehl 2400—2450, Weizen- und Roggenkleie 1325, Biertreber 1375, Heu, füto., gut, gesund, trocken 1500 Mk. Tendenz, stetig. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Das Programm der Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Voincare. Paris, 24. Iuli. (WTD.) Rach einer Havas- rneldung werden bei der Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Poincare außer der Reparationsfrage noch andere Angelegenheiten zur Sprache lammen, so die von der griechischen und der türkischen Regierung vorgeschlagene Regelung der Orientfrage, doch scheint dieses Problem nicht von Grund auf in London besprochen werden 311 sollen. In der Tanger-Frage we;de ein vorläufiger Meinungsaustausch erfolgen, jedoch sei eS wahrsHein- lich, daß das Problem wegen seiner zahlreichen technischen Gesichtspunkte Der gründlichen Prüfung eines sranzösisch-englischen-spanischen Sach- verständigenauslausches unterbreitet wird. Endlich soll der Borschlag der englischen Regierung, der sich auf Oesterreich bezieht, erwogen werden. Besprechungen in der Reparattonsfrage London, 24. Juli. (WTB.) Der diplo- mattsche Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Wie ich höre, wird btnn ß|| sbrnv Flasche^.llll Brombeer 9ß isst syruvSlasche OO.UU *>< Öres- cnö ftüöjen;n^u]en sofort gesucht. 6941 KrankeubauS Fried richsbeim, Niederrad, Schleusenweg 2. g Gu-itnatitt. &vezi osa -Buro-Ei nrichtun gshau s Frankfurt am Main ££ Kaiserstrasse -- das Kochen und HauS- ,arbeit versteht, zum Mit- ,nehmen nach Neustadl et d. Haardt (Rheinpfalz) gesucht. Kl. Haushalt, A erwachs. Personen, gute .Behandlung und hoher Lohn. Hilfe vorhanden. 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