Nr. 121 Erschein» täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit bcrSamstaqsbeilage: GiehenerFamilienblLtter Monatliche vezngspretse: Mk. 18.- und Mk. 2.— TrLqerlohn,durch diePost MK.20.—.auch bei Nicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech. Unldjlfifie: fürdieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger SiefjOL Postscheckkonto: Kran kirnt a. M. 11688. Mittwoch. 24. Mai 1922 Erstes Blatt 172. Zahrgcmg Annahme von Anzeige» für die Taqesnummer oi, zum illad) mittag vorher ohnejedcAerdiildlichKeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm 'Breite örtlich'120 'Pt, ausrodrts 150 Pf.; für NeKIam«. Anzeigen von 70 mm Breite 450Pf. Bei Dlatz. Vorschrift 20 Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Bedt, sämtlich in Gießen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vn«r tmb Verlag: vrtthl'sche Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. Schriftlettung. Geschüftrstelle und vruckerei: Zchulftratze 7. Die auswärtige Politik in der französischen Kammer. Paris, 23. Mai. (WTB.) Kammer und «Senat habe heute nachmittag ihre Arbeiten wieder ausgenommen. In der Kammer hielt der Kammerpräsident Rault P e r e t die Trauerrede für den während der Ferien verstorbenen lang- ‘ jährigen Präsidenten des Hauses Paul Deschancl. RarnenS der Regierung widmet ihm Poincare Worte der Anerkennung u. Trauer, als dem ehemaligen Präsidenten der Republik. Zu den vorliegenden 9 Interpellationen über die auswärtige Politik der Regierung und über die Konferenz von Genua ist eine 10. hinzugekommen, die der Sozialist Marcel Sembat eingebracht hat. Vor der ‘Beratung dieser Interpellationen stand zur Debatte eine Interpellation deS ^lbg. Lacotte über die Petroleumfrage, eine Interpellation des Abg Ehappedelaine über bie O r l e n t f r a g e, sowie eine dritte Interpellation über die Zwischenfälle in G l e i w i h und Petersdorf in Oberschlesien Nachdem Ministerpräsident Poincare sich zur Diskussion dieser Interpellationen der Kammer zur Verfügung gestellt hat, ergreift das Wort der Abg. Lacotte, um in der ihm eigenen scharfen Weise über den Petrvleumkrieg zwischen England und Amerika, dessen Kosten auch Frankreich zu tragen habe, zu sprechen. Im weiteren Verlaus der Kammersitzunz erklärt Abg Lacotte, Minister Varthou >ibe sich in der Petroleumfrage von England «Schlepptau nehmen lassen. Srantrdl) solle direkt mit Amerika, ohne die Vermittlung von England verl.-andeln. Rachdem Abg. Epappede- laine aus die Begründung seiner Interpellation über die Orientpolllik vorher verzichtet, hat, er- greift Andre Tardieu ba? Wort. ($r erinnert daran, bdF,. ein ameri- fonilcfer Sch.iststeller crflärt habe, der Vertr-i z von R r» p a l l o leNnzcichve, tar Ruhland u. b Deutschland glaubten, bie durch den Lieg geschah ferc Lage fei beseitigt. Entspreche dieses amerikanische Won der Wahrheit? Diele Drrhand* lungen feien zwischen den Alliierten und Deutsch" lanb geführt worden. Sie hätten die Rache vermindert, tie Frankreich aus dem Friedens- Vertrag vo:i Versailles hätte erwarten fönneii und schlie' lich h-be man sich in Genua an die gleiche Tafel mit den Vertretern der Sowjets gefetzt. Das Trume nicht so nxitergehen. Der jeder diplomatischen Verhandlung werde bas französische Recht der Gegenleistung verstümmelt. Es sei eine angelsächsische These, bah es weder Sieger noch Besiegte geben soll, bah man über die Vergangenheit bA Vlantel ber Deigessenheit lege und bat} man nur den wirtschaftlichen Materatismus m Betracht ziehe. Das feien die Argumente von Keynes, der einer bei stärksten Propagandisten der angelsächsischen Thesen sei. Diese Thesen tixtben auch von Finanzleuten unterstützt .die ebensowenig wie die Sozialisten Grenzen kennen. (Lebh. Widerspruch der Sozialisten.) Trotz dieses Widerspruchs bleibt Tardicu bei feiner Behauptung, indem er mit Ramen englische und amerikanische Bankiers nennt, die sich bemühten, diesen Thesen zum Siege zu verhelfen. Frankreich behindere diese 5inan-Lute, deren Ausgabe durch die Tatsache erleichtert worden sei, daß die Regierenden in Frankreich oft dazu beige- trägen hätten, die Verträge zu diskreditieren, die die Rechte Frankreichs sicherstellten. Das alles sei in Genua stärker denn je in die Erscheinung getreten. Die Wirtschaftsthese von Keynes fei dadurch bestätigt worden, daß man die Wiederaufrichtung der beiden Besiegten verlangte, bevor Deutschland und Rußland Hütten daran denken wollen, das ülnrecht wieder gutzumachen, das sie der zu Anrecht angegriffenen Ration zugefügt hätten. Tardieu weist auf den ernsten Charakter des Vertrages von Rapallo hin. Er sei nicht nur ein Zweibund, sondern durch die Regierung von Angora auch ein D r e i b u n b. Er habe um so gröbere Tebeutung, als durch bie wirtschaftliche Hilfe Ruhlands bie Entwaffnungklausel unnütz werde. Er wundere sich dah nach der Veröffentlichung dieses Vertrages Frankreich die Lieferung von Waggons und Lokomotiven an Rußland habe ins Auge fassen Kimen. Er befürchte, dah die französische Delegation nach der Veröffenllichung dieses Vertrages nicht die Haltung eingenommen habe, die notwendig gewesen wäre. Wenn Frankreich nicht drei Tage verloren hätte, bevor es sich der These Iafpars angeschlossen habe, hätten Frankreich und Belgien noch andere Mächte für ihren Standpunkt gewinnen können. Ministerpräsident P o i n c a r 6 bemerkt, die französische Regierung fei vollkommen frei, nicht nach dem Haag zu gehen; sie werde jedenfalls nichts ohne die Zustimmung des Parlaments unternehmen. Tardieu hält trotzdem feine Behauptung aufrecht, dah Frankreich gegenüber dem Vertrag von Rapallo und der Zusammenkunft im Haag keine genügend starke und klare Stellung eingenommen habe. Er spricht alsdann von der wirtschaftlichen Solidarität, die während des Krieges die QCIiierten gerettet habe unb die jetzt nicht mehr vorhanden sei. Er beklagt, dah die englische und die amerikanische Regierung dem Drucke ihrer Kaufleute nach- gebat Darauf erklärte sich die Wechlellurskrise und auch die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten. Tardieu bedauert, dah die französische Regierung in Genua die angelsächsische Taste vom wirtschaftlichen Materialismus nicht dadurch bekämpft habe, daß ^allein die interalliierte Solidarität mehr dazu hätte beitragen können, den Wirtschaftsftieden wieder herbeizuführe i, als d e Wiedevaufrichtuna der Besiegtem Die Regierung hätte erklären müssen, dah der Krieg keine Frage I des wirtschaftlichen Materialismus gewesen fei, sondern dah sie gesiegt habe, um die Völler | von Elsah-Lothringen, von Böhmen und von Polen zu befreien und dah bei den französischen Soldaten die wirtschaftlichen Fragen niemals den Sieg über die Frage der internationalen Moralität davongetragen hätten. Wenn Frankreich verlangt, dah man sein Recht nicht antaste, so sei das nicht wegen des eigenen Autzens, sondern wegen der allgemeinen Sicherheit Europas halte man die Wacht am Rhein. Die Weiterberatung wird darauf auf morgen Mittwoch vertagt. Paris, 23.Mai. (WTB.) Der .Temps" beschäftigt sich in feinem heutigen Leitartikel mit der gestrigen Rede Donar Laws vor der Vereinigung der französisch-britischen Gesellschaften, in der auch der frühere Führer der englischen Konservativen der ftanzösischen Regierung das Recht bestritten hat, allein Sanktionen gegen Deutschland zu ergreifenODonar Law erhält vom »Temps" die Antwort: Das größte Unglück, das Frankreich und England zustöhen könne, wäre vielmehr, dah Deutschland wieder an sich reihe, was es durch den Krieg verloren habe, die Herrschaft auf dem europäischen Festland und die Möglichkeit der Weltwirtschaft für sich in Anspruch nehme. Damit 'Deutschland sich nicht in den Kops setze, das alles wieder zu erobern, müsse es sich ständig einer überlegenen Macht gegenüber befinden. Wenn es England ablehnt, sich an der gemeinsamen Aktion zu beteiligen, so würde das Interesse des britischen Reiches es selbst erfordern, dah die Franzosen allein handeln. Wenn Frankreich ins Ruhrgebiet cinmarschiert . . . Paris, 23. Mai. (WTB.) Eine Persönlichkeit aus der Umgebung des Vorsitzenden des von der Reparationskommission eingesetzten Anleihe- ausfchusses. des belgischen Delegierten Delacroix, erflärte einem Redakteur des Coe nou- velle:^ Wenn. Frankreich ins Ruhrgebiet einmarschiert, ist die ganze Arbeit der -Finauzkvnferenz umsonst. Wir können dann die neutralen Vertreter nach Hause schicken und das Komitee auflösen. Trotz des begreiflichen und berechtigten Wunsches, den die Belgier und Franzosen empfinden mögen, sich der grohen Zentren Deutschlands zu bemächtigen, ist es heute an der Zeit, die Vorteile dieser Operationen genauer zu besehen; denn es wurde berechnet, dah die Besetzung des Ruhrgebiets uns nur einen belanglosen Ruhen lassen würde. Die Besetzung kann sogar zum Ülnheil ausschlagen, wenn England es will. England hat den Kvhlenmarkt in der Hand. Es kann die Preise herabsehen und die Ruhrkohle wird unverkäuflich. Aber noch mehr. Die Marl wird sinken. Wenn sie auf eine Centime fällt, wird das Problem nicht nur noch unlösbarer, sondern unsere Länder werden auch unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen. Privatpersonen und Staaten, insbesondere der belgische Staat, besitzen ungeheure Mengen von Mark, die dann nichts mehr wert sein würden. London, 24. Mai. (WTB.) Die „Westminster Gazette" schreibt in einem Leitartikel, Genua habe das Wohlwollen zwischen Frankreich und England ernstlich gefährdet. England wünsche, wenn möglich, dieses Wohlwollen wieder in der alten Stärke herzustelllen. Das liberale Blatt ist mit Donar Law der Ansicht, dah die Schwierigkeiten beseitigt werden könnten. Frankreich werde es sich wahrscheinlich reiflich überlegen, bevor es zu einer Sonderaktion schreiten tperde. London, 23. Mai. (Wolff.) Der Pariser Berichterstatter der „Times" meldet, dah, falls die britische Regierung es ablehnt, zuzustimmen, dah der Versailler Vertrag Frankreich irgendein Recht gibt allein zu handeln, eine neue Krise in der Entente bevorsteht, die vielleicht die ernsteste aller bisherigen sein werde. Picrpont Morgan in Paris. Paris, 23. Mai. (WTB.) Pierpvnt Morgan ist heute nachmittag aus London in Paris cingetrvffen. Paris, 23. Mai. (WTB.) Havas berichtet: Anter dem Vorsitze des belgischen Veickretorö in der ReparattonSkommission D e- lacroitz ist ein europäisch-amerikanischer Finanzausschuß zusammengetreten, um die Mittel zu prüfen, mittels deren Deutschland seinen Verpflichtungen Nachkommen könne. Die Finanzleute werden versuchen, sich über die Bedingungen zu einigen, unter denen eS möglich ist. Deutschland die pekuniäre Hilfe zu bringen, deren es bedarf. Neue Instruktionen für Hermes. Berlin, 24. Mai. Die Beratungen des ReichSkabinettS über die Besprechungen des ReichSsinanzministerS Dr. Hermes mit den Mitgliedern der ReparattvnSkom- Mission in Paris sind den Blättern zufolge gestern abend zu einem vorläufigen Abschluß gelangt. Man einigte sich auf neue Instruktionen an Dr. Hermes, die ihm sofort ;kach Paris übermittelt worden sind, und die ihm als Richtschnur für gewisse Erklärungen an die Revarationskvmmission dienen sollen. Besprechungen mit den Koalitionsparteien. Berlin, 24. Mai. Die Fühlungnahme des Reichskanzlers mit den Koali- tionsParteien wurde gestern nachmittag fortgesetzt. Aach den Führern des Zentrums empfing der Kanzler die kettenden sozialdemokratischen und demokratischen FrakttonSmit- glieder. In den Besprechungen ergab sich laut „Boss. Ztg.“, dah die Parteiführer in der ReparationSsrage die Auffasiung des Reichskabinetts teilen und mit den Instruktionen an den Reichsfinanzminifter einverstanden sind. Deutsche fragen im englischen Unterhaus. London, 23. Mai. (WTB.) Im il n - terhause fragte Hall, ^1. ob die deutsche Behörde, die mit der Z e st ö r u n g des Kriegsmaterials betraut ist, kürzlich die Stuttgarter Abteilung der alliierten Kommission eingeladen habe, der Zerstörung von 2000 Waffen beizuwohnen, 2. ob der die alliierte Kommission verttetende Offizier später festgestellt habe, daß das zerstörte Material aus alten britischen und russischen Flinten bestand, 3. ob derselbe Offizier ferner entdeckte, dah 2000 deutsche Flinten in einem Güterwagen auf einem Rebengleis versteckt waren, 4. ob man daher vernünftigerweise annehmen könne, dah für jeden Fall, den man entdecke, viele Fälle ähnlichen Betruges unentdeckt bleiben und ob eS deshalb angebracht wäre, oah die brittsche Regierung eine Denkschrift vvrbereite, die sich mit der von der alliierten Kommission bisher ausgeführten Arbeit beschäftige und die Ausdehnung angebe, bis zu der die vertragsmäßigen Verpflichtungen Deutschlands, soweit sie die Zerstörung deS Kriegsmaterials betreffen, unerfüllt blieben. Worthington Evans antwortete, auf die ersten drei Teile der Anfrage laute die Antwort: I a. Das den letzten Teil der Anfrage betreffe, so fühle er sich außerstande, sich der Annahme anzuschliehen, dah viele ^Fälle unentdeckt blieben. Aber er wolle erwägen, ob durch Ausgabe einer Denkschrift irgendein guter Zweck erreicht werden könne. In Beantwortung einer anderen Anfrage erklärte Chamberlain, dah die verbündeten Regierungen jetzt beraten, wie man am besten in der Frage der deutschen Kriegsbeschuldigten vorgehen solle. Er möchte deshalb in dieser Angelegenheit Angaben nicht machen. Benesch über die Ergebnisse von Genua. Prag, 23. Mai. (WTB ) Das Tschechoslowakische Pressebureau meldet: Im Abgeordnetenhaus erstattete der Minister des Auswärtigen Dr. Benesch Bericht über die Ergebnisse der Konferenz von Genua. In der Besprechung der russischen Frage betonte Dr. Benesch: Dis zur wirklichen Einigung gibt es unter den heutigen Um« ständen nur einen Weg, das Kompromiß, und in allen in Genua gestellten Fragen ein offenes Bekenntnis der Sowjets, daß Sow;etrußland aüf seinem konsequenten Standpunkt nicht mehr beharrt und daß es sich im klebrigen nicht mit der kommunistischen Welt akkvmodiert. Wenn die Konferenz in Genua in der russischen Frage keinen größeren Erfolg gehabt hat, so ist dies dem ilm- stand zuzuschreiben, daß auf ihr z w e i e x t r e m e Standpuntte zusammensttehen (die grunb- sähliche Regation oder die sofortigen diplomatischen Beziehungen). Der mittlere Weg, den auch die tschecho-llowakilche Regierung vertritt, die allmähliche Zusammenarbeit, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiete, Hätte mit unverhältnismäßig größerer Raschheit und mit vie^größerem Erfolge zur Rekonstruierung Europas und Rußlands beigetragen. Es gibt jedoch keinen Grund, a priori die Konferenz im Haag pessimistisch zu betrachten. Der Kampf um das russische Problem hatte auch einen starken Roller auf alle aktuellen Fragen der europäischen Politik. Zwei große politische Strömungen treten hier in die Erscheinung. Die eine die revolutionistische, vertritt die schrittweise Heranziehung der gewesenen Feinde zur Mitarbeit die zweite Strömung will rasch mit den Traditionen des Krieges brechen und will sofort alles vergessen lassen, indem sie die Rot- wendigkrit vorbehaltsloser Zusammenarbeit mit allen b^nnr. Richt ganz richtig wird die evolu- tioni'rif-.e St omu g mit der französischen Politik identifiziert, die zweite mit der englischen und italienischen Politik. In Konsequenz dieser beiden politischen Richtungen bildete sich auf der Konferenz der Zustand, den man »K r i s e d r r A l l i- a nz" zu nennen pflegt. Infolge der Meinungsverschiedenheiten zwischen England und Frankreich erörterte man die -Frage, ob die früheren Allianzbande zwischen England und Frankreich noch andauern oder nicht. Die Tschecho-Slowakei gehe aus der Konferenz in ihren Interessen und mehren Positionen unberührt hervor. Eine Revolution in Bulgarien? Paris, 24. Mai. (WTB.) Die „Chicago Tribüne" veröffentlicht trotz des Dementis der bulgarischen Gesandtschaft in Paris heute eine Nachricht aus Delgra d, der zufolge das bulgarische Heer gegen die Revolutionäre ziehe, die sich der Städte in der Umgebung Sofias bemächtigt, sie befestigt hätten unb das Kabinett Stam- bukinsti zu stürzen versuchten. Die neue Regierung in Braunschweig. Braunschweig, 23. Mai. (WTB.) In der Rachmittagssitzung des Landtags hatte die Frakttvn der USP. einen Initiativantrag auf Auflösung des Landtags und Vornahme von Reuwahlen eingebracht. Der Antrag wurde mit 33 gegen 26 Stimmen abgeleynt. Es folgte die Wahl der neuen Regierung. In namentlicher Abstimmung wurden gewählt die Abgg. Dr. Jasper (SPD.) Vorsitz, Steinbrecher (SPD.) Arbeit, Rönneburg (Dem.) Inneres und Käfer (D. Vp.) Unterricht. Die MehrheitSsozialisten, die Demokraten und die Deutsche VvlkSpartei haben sich also zu einer sogenannten großen Koalition zusam- mengeschlvfsen. Die neue Regierung stützt sich auf eine Mehrheit von 33 Abgeordneten gegen 27 Oppositionelle. Braun schweig, 23. Mai. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Landtagssitzung gab der Präsident bekannt, daß sich die Fraktion des Landeswahlverbandes in die Frakttvn der Deutschen Volkspartei mit 15 Abgeordneten und in die Fraktion der Deutschnationalen VvllsP-artei mit 8 Abgeordneten umaruppiert habe. Der Besuch der Wiener Sänger. Berlin, 23. Mai. (WTB) Im Fesffaale der Staatsvper fand heute nachmittag der feierliche Empfang des Wiener Männergesangvereins durch den preußischen U n - terrichtsminister statt, bei dem der Minister die Wiener Gäste herzlich begrüßte. Rach dem älnterrichtsrninister sprachen Dr. Hermann Kienzl als zweiter Vorsitzender des Oesterreichisch- deutschen Dolksbundes und der Vorsii'ende des Wiener Männergesangvereins Dr Heinr. Krueckl warme Worte des Dankes und der Freud« über den Empfang. Zu Ehren der Wiener Gäste gelangte die Operette Strauß' „Die Fledermaus" unter der musikalischen Leitung des Generalmusikdirektors Blech zur Ausführung. Eine besondere lleberraschung wurde allen Zuhörern dadurch bereitet, daß die Sänger aus Wien im zweiten Akt als Konzerteinlage den Walzer »An der schonen blauen Donau" sangen, wofür sie rauschenden Beifall ernteten. Am Abend gab der Sängerbund im Konzert Haus den Sangesbrüdern vom Donaustrand einen Kommers, in dessen Verlauf der Berliner Lehrergesangverein und der Crksche Männergesangverein »ilnfcce Wiener, Wiener Freunde" fangen. Berlin, 23. Mai. (Wolff.) Der Wiener Wännergesan averein ist hmte vormittag von der Stadt Berlin feierlichsl zu G a st geladen worden. Vom Turm des roten Hauses wehte die Ctadtflagge, die große Freitreppe deS Märchensaals, die Bibliothek und der Senatoren» saal p> angten im wundervollen Schmuck von Frühlingsblumen. Als die Wiener Gäste die breite Treppe heraufschritten, fang der Beethsven-chor ihnen zum Gruß seinen Wahlipruch: »Was Edles, Hohes 4,'nfere Brust durchzieht, das singt und klingt im deutschen Lied". Dann erklang ergreifend der 123. Psalm: »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln" Rach Ansprachen von Dr. Heinrich Krueckl fang der Deethovenchor untte feinem Ehormeister Hans Mießner das Lied »Das treue deutsche Herz". 3m Festsaal fand an Heinen Tischen, die mit frischen Fliedersträußen geschmückt waren, ein gemeinsames MaA statt. ' Gegen die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands. Halle a. d. S., 23. Mai. (WTD.) Hier fanden gleichzeitig in fünf der größten Säle Massenversammlungen statt, welche auf Veranlassung weitester Bevölkerungskreise zum Protest gegen dieLüge von Deutschlands Alleinschuld am Kriege einberufen worden waren. An diesen, von jeder Parteipolitik freigehaltenen Versammlungen nahmen alle Schichten der Bevölkerung, Wirtfchaftsverbände, Gewerkschaften, Innungen, Angestellte und Beamte in so großer Zahl teil, dah die Polizei die schon vor Beginn der Dorttäge schließen muhte. Die Vorttäge nahmen durchweg einen glänzenden und ungestörten Verlauf. Einstimmig wurde in allen Sälen eine die Behauptung von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege zurückweisende Entschließung angenommen. D e r l i n, 23. Mai. (WTB.) Unter dem Titel „Die große Politik der europäischen Kabinette von 1871 b iS 1914“ beginnt demnächst eine Sammlung der diplomatischen Akten des Aus». ,,DeutscheKunstDarmstadt1922" 3m Olbrichschen Kunst tempel auf der Mctthil- tenhöhe zu Darmstadt wurde in Gegenwart..des Hessischien Staatspräsidenten, des Reichsftrnst- warts Dr. Redslvb, zahlreicher hiesiger und auswärtiger Vertreter vor Behörden und Kunstvrga- nisationen die Ausstellung „Deutsche Kunst Darmstadt 1922" eröffnet. Die Ausstellung ist von der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst mit älnter- stützung von Reich, Staat, und Stadt ins Leben gerufen und umfaßt ausschließlich neue und neueste Werte aller Richtungen deutschen Kunstschaffens. Wenn auch offenbar der Titel „Deutsche Kunst 1922“ kühn gewählt scheint, denn eine umfassende älebersicht über das gesamte deutsche Kunstschaffen kann die Ausstellung naturgemäß nicht geben, so ist sie doch von unleugbar starker künstlerischer Bedeutung und von außerordentlichem Interesse durch die Tatsache, daß ausschließlich jeder Künstler nur mit einem Werke vertreten sein durfte. Eine strenge Iurie unb, soweit juriefreie Einladungen bi Frage kamen, das Selbsturteil des Künstlers bieten immerhin gewisse Gewähr dafür, Haß jeder Künstler das bedeutsamste und für sein Schaffen charakteristischste Werk zur Verfügung stellte. Sv ist erreicht, eine Phase und zwar eine aus der jüngsten Kunstentwicllung deutscher Malerei, Graphik und Plastik zu zeigen, die ein Urteil über das heutige Können deutscher Künstler ermöglicht. — So ward das Gesamtbild der Ausstellung etwas bunt und unruhig. Die berufene Kritik aber darf mit Fug und Recht feststellen, daß die Stil gebende unö verinnerlichte Sntwictluirg modernen deutschen Kunstschaffens leugbar einen starten Schritt auf dem Wege zur Gesundung, zur Wahrheit, zum ehrlichen Bekenntnis und — tue Abstandnahme von Richt- tönner- und Mitläufertum vorwärts geschritten I ist. Das ist für jeden ehrlichen Kunstfreund, der | den Irrsinn moderner und hypermoderner Stilschöpfungen als das empfunden, was sie tatsächlich waren als Krankheitserschernungen geboren aus der Ävt des Volkes, eine immerhin erfreuliche Feststellung. Was am Expressionismus gut und lebenskräftig toar wirft sich immer mefyr aus im Kunsthandwert, wovon die deutsche Gewerbeschau München überzeugenden Beweis gibt. Man muß zugeden, daß das K rnsthandwerk vor der Kunst die zwingende Rotwendigkeit erkannte, daß das ausschließliche Schaffen von QualitatsWerken deutsche Kuftur wieder aufbauen und propagieren kann. Der Kunst, so scheint es, ist diese Erkenntnis jetzt ebenfalls gekommen. Die Ausstellung „Deutsche Kunst Darmstadt 1922" erfüllt insofern ihr Programm, als sie tatsächlich ein geschlossenes Bild, einen Querschnitt des zeitgenössischen Schaffens der deutschen Künstlerschaft in ziemlicher Vollständigkeit gibt. Auf die Einladung „großer Kanonen" von Schlagwortwirkung hat man verzichtet, die anerkannten großen deutschen Künstler aber kommen mit wenigen Ausnahmen zu Wort, und zwar in charakteristischster Handschrift. Außer fast allen bekannten Hessen sind die Führer des Impressionismus und Expressionismus mit guten Werken vertreten. Paul T h e s i n g, der Führer der Darmstädter Sezession, malte, stark an der Grenze der Karikatur, ein lebensgroßes Bild des hessischen Staatspräsidenten, das Herrn Ulrich in starker Farbigkeit mehr als den politischen Kämpfer, denn als würdevollen Staatspräsidenten charakterisierte Willy I ä ck e I (Berlin) ist mit einem farbig fesselnden Frauenbildnis vertreten, Walter 3 l l n e r (Darmstadt) mit einem Bildnis des I Grasen Hardenberg, das den geistvollen Kopf sehr fern charakterisiert. Mit einem ausgezeichneten Akt ist Lothar Dechstein (München) vertreten, der typisch ist für die in ruhige Dahnen gelenkte Stilentwicklung. Ein Bild von sehr starker Kraft ist Rud. Schellers (Oberstdorf) „Hirte mit Stier". In der Lösung des Vorwurfs im Kolorit wie in der glänzenden Zeichnung und Komposition (antikisiert) ein Bild von monumentaler Größe. Kokoschka, Korinth, Deck mann (Frankfurt) Spiro, sandten ebenfalls Bilder, die das Dorgesagte belegen. Alles ist ruhiger, dabei kraftvoller im Ausdruck geworden. Wenige nur der Modernsten, wie Pechstein, Päschke. Ewald, Ebers und andere, wandeln weiter expressionistische Wege ohne Konzessionen, aber auch deren Sprache und Handschrift ist llarer und deutlicher geworden. Don bekannten Malern sind noch vertreten: Dabberger, Dantzer, Daudrexel, Breyer, Büttner, Kaspar Filser, Zissarz, L. Seltmann (Berlin), Ernst Eimer, O. H. Engel, Fritz Erler, Dollmar, .Ubbelohde, Wilh. Thieliyann, Edmund Stopper, Schwalbach, Schmoll v. Eisenwerth, SchmidttRottlu f, Schiamerer, Roh fs, Leo Puh, Kay Sy Rebel, dessen farbenreiches Bild „Schönheit", allerdings sehr verflächt erscheint, Kröh. Lud'w. v. Hoffmann u. a. Die Graphik ist mit nicht sehr zahlreichen aber recht guten Blättern vertreten, zu denen ebenfalls die besten Ramen Deutschlands beigesteuert haben. Die Schwierigkeit der Transportverhältnisse bedingte wohl, daß die Plastik nicht in erwünschtem Maße zu Worte kam. Plastiken in echtem Material größeren Formats fehlen fast ganz. Majoliken, Kleinbronzen und interessante Holzplastiken sind vertreten. Eine ausgezeichnete Arbeit sandte L. Habich (Stuttgart) (Steigendes Pferd, Bronze) der sich ganz zum Raturalisten entwickelt hat. P i l l a r h (Darmstadt) ist mit einem weich gearbeiteten Marrnor- wärtigenAmteSzu erscheinen. Die Drucklegung der ersten sechs Bände dieses großen Aktenwerkes der deutschen Regierung ist jetzt De«rdet. Das Werk ist das Ergebnis der Oeff- nung der deutschen Archive. Das diplomatische Aktenmaterial des Deutschen Auswärtigen Amtes zur Geschichte der europäischen Politik in der Zeit vom Frankfurter Frieden im Jahre 1871 bis zum Beginn des Weltkrieges soll hier der Oeffenllichkeit übergeben werden. Die fertigen sechs Bände werden nach Erledigung der letzten technischen Arbeiten durch die Deutsche Derlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin am 20. Juni dem Buchhandel ausgeliefert werden. Das gesamte Aktenwerk wird einen Umfang von 20—22 Bänden haben und vier große Gruppen bilden, deren jede einen entscheidenden Abschnitt der Geschichte des letzten halben Jahrhunderts umfassen wird. Die erste, jetzt fertiggestellte Gruppe enthaft das Attenmaterial der Zeit vom Frankfurter Frieden bis zur Entlassung des Fürsten Bismarck. Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie. Hamburg, 23. Mai. (WB) Der heutige zweite Derhandlungstag der deu.schon Industrie wurde von Generaldirektor Frowein-Düsieldorf eröffnet Im Rahmen der Diskussion sprach Staatssekretär August Müller über das russische Problem und über pkne in längerem Aufenthalt in Rußland gewonnenen persönlichen Kenntnisse der dortigen to'.r schäft- lichen und polittschen Verhältnisse. Er führte aus, es lleße sich nicht sagen, daß der Zusammenbruch Des bolschewistischen Regiments erwünscht fei, weil diesem Zusammenbruch ein anarchistisches Ehaos folgen müsse. Wir mühten den Grundsatz beobachten, es jebem Lande zu über- lassen, seine Regierungsform zu finden and zu bestimmen. Dann aber könnten und müßten wir umso nachdrücklicher uns dagegen verwahren, daß die Bolschewisten sich tn die westeuropäischen Verhältnisse ein mischen, um uns mit ihrem System . zu beglücken. Heber den Grad der Zerrüttung der russischen Volkswirtschaft macht sich kaum jemand eine zutreffende Vorstellung. Riemand in Rußland wechsele bei der Staatsbank Geld ein, nur harmlose Deutsche! Denn diese Dank habe einen von ihr selbst bestimmten Zwangs-auswechselkurs, der etwa ein Sechstel des Privatkurses' ausmache. Ebenso bedenklich feien die Bestimmungen für eine Konzessionsübertragung. Der Konzessionär müsse als Entschädigung an den Staat nicht nur einen Teil seiner Produktion, sondern auch eine bestimmte Geldsumme zahlen: er sei also steuerpflichtig. Aber das direkte Steuersystem in Rußland sei von niemand zu erfahren. Wichtig sei auch das Gebiet der Rechtsprechung. Man bemühe sich, aus dem Stedium der völligen Rechtslosigkeit herauszukommen und Gesetze zu schaffen. So sei auch ein allgemeines Obligationsrecht erlassen worden. - Aber dieses Recht enthalte die Bestimmung, daß der Vertrag für nichtig erklärt werden könne, wenn seine Beobachtung für den Staat offenbar 'nachteilig wirke. Es sei für die deutsche Industrie . ein Gebot lluger Vorsicht, das russische Problem 1 als eine große Aufgabe anzusehen, an der sie f beteiligt fein müsse. Man müsse aber wissen, daß die Dinge tn Rußland außerordentlich schwierig lägen, weil die Volkswirtschaft durch ben Kommunismus außerordentlich ruiniert sei. Rach Staatssekretär Muller sprach Direktor Hans Krämer, Mitglied des Präsidiums des Reichsverbandes der deutschen Industrie und des Reichswirtschaftsrates, über „Industrie und Welthandel". Professor Dr. Warmbold- Berlin referierte über „Industrie und Landwirtschaft". Die Vorschläge zur Gesundung der Eisenbahn. Berlin, 23. Mai. (WTB.) Der Organt- fationsausschuh tm Reichsverkehrsministerium hat die Beratungen zu dem vom Reichsverband der deutschen Industrie als Vorschlag zur G e s u n - dungderReichsbahn berau? gegebenen Abhandlung über die deutsch? (Nsenbahnfrage fortgesetzt und in einer endgültigen Stellungnahme abgeschlossen. Die vom Deichsverband der deutschen Industrie herausgegebene Denkschrift zerfällt tn zwei schaif voneinander abgegrenzte Teile. Im ersten Teil wird die derzeitige Lage der Reichs- bcchn auf Grund einer vergleichenden Gegenüberstellung der Leistungen der Dor- und der Rach- kriegszeit einer scharfen Kritik unterzogen. Der gtoeite Teil baut sich auf dieser Kritik auf und versucht positive Vorschläge für die künftige organisatorische und wirtschaftliche Reugestaltung der Reichsbahn zu bringen. Die vom Organisationsausschuß zu beiden Teilen bestellten Bervchtersiat- k ter kamen zu folgendem ©rgebniä: Hinsichtlich der derzeitigen Lage der Reichsbahn nxirbe fest- gestellt, daß die Sachverständigengutachten nicht zu einer objektiven Darstellung getommen .sind. Sie machten keinen ernstlichen Ersuch, ben in der Denkschrift errechneten ungünstigen Zahlenergebnissen in ihren tieferen, tx>r allem tn den Folgen des Krieges und den Rachwirkungen liegenden Gründen sachlich nachzugehrn. Dor allem aber ist bte statistische Beweisführung sehr einseitig aufgestellt und teils falsch, -teils unvollständig ausgewertet. So wird beispielsweise bei dem Vergleich zwischen den Leistungen der Eisenbahnen in der Dor- und Rachlriegszeit nicht einmal die erhebllche Verringerung des Dahnnetzes nach dem Kriege be- rücssichtigt. Besonders^ muh auffallen, daß die Denkschrift die schlechte finamiette Lage der Reichsbahn lediglich auf die Erhöhung der persönlichen Aufwendungen und den Rückgang der Leistungen des Personals zurückführt, aber mit keinem Wort auf die starke absolute, ja sogar relative Steigerung der sachlichen Aufwendungen eingeht. Die im zweiten Teil gemachten positiven Vorschläge für die Umstellung der Reichsbahn in eine gemeinwirtschaftliche Gesellschaft mit überwiegender Beteiligung der freien Wirtschaft werden durch die Feststellung der falschen Dvraus- setzungen der Kritik erschüttert. In einer Hinsicht kann zwar eine ilebereinstimmung der Densschrift mit den Ansichten und Absichten des Organisationsausschusses feftgestelft werden. Der Organisationsausschuh hat von jeher die Anwendung privatwirtschastlicher Grundsätze zur Führung eines so großen Betriebsunternehmens wie die Reichsbahn und eine gröbere Bewegungsfreiheit in dem Einsatz von Material und Personal vertreten. Der Ausschuß hält aber zur Erreichung dieser Ziele eine Aenderung der Wirtschaftsform, wie sie die Densschrift vorschlägt, nicht für notwendig. Die von der Reichsbahnverwaltung vorgesehenen Maßnahmen hält der Organisationsausschuh nach wie vor für die geeignetsten Grundlagen zu einer nachhaltigen Ge- funbung der Reichsbahn. Aus Stabt und Land. Gießen, ben 24. Mai 1922. •* Amtliche Personalnachrichten. Das ®efam tminift erium hat am 19. Mat 1922 den Ministerialdirektor Dr. Hermann Kratz in Darmstadt für die Dauer des von ihm bekleideten Amtes zum Mitgliri) des Verwaltungsgerichtshofs ernannt — Ernannt wurde der Stellenanwärter Georg K r e i m zu Dingen zum Steuer- wach ttneist er beim Finanzamt Dingen. — Am 15. Mai 1922 wurde der Forst wart der Kom- munalforslwa- tei Bingenheim, Cberförftevei D n« genheim, Karl Hinkel zu Bingenheim unter der Amtsbezeichmmg „Förster" vom 1. April 1922 ab in den Staatsdienst übernommen. — Am 13. Mai wurde der Kanzlist bet der Gewerbe Inspektion Offenbach Max Oehler mit Wirkung vom 20. Februar 1922 an aus dem Staatsdienste entlassen. ** Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege. Wie uns die Cisenbahndirektivn Frankfurt mitteilt, ist bei der Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege insofern eine Erleichterung eingetteten, als dent- nächst die einzelnen Vereine die Ermäßigung auf Grund besonderer AnttagSfvrmulare an den Fahrkartenschaltern erhalten können und die Anttäge nicht mehr die Bescheinigung der staatlich anerkannten Verbände oder der Gemeindebehörden bedürfen, wenn die be- tteffenden Vereine in das von der Eisenbahn- dttcklivn aufgelegte Verzeichnis ausgenommen sind. Die Fertigstellung dieses Verzeichnisses und dessen Aebersendung an die Fahrkarten- auSgaben lieh sich aber bisher noch nicht durchführen, weil noch täglich zahlreiche Anttäge von Vereinen um Ausnahme bei der Eisenbahndirektion eingehen. " Fahrscheine werben ab 1. Iani in der Elektrif chen Straßenbahn benutzt. Dies bisher aaErgebenen Fahrmarken verlieren damit ihre Gültigkeit Näheres über deren Um- stand und über ben Erwerb von Fahrschein Heftchen ist aus dem heutigen Anzeigenteil zu ersehen. * * Ein bedauerlicher Llnglücks- fall ereignete sich in der Nacht von Sonntag zum Montag. Der Pvlizeiwachttneister Reinhardt, der erst in der vorigen Woche sein 25jährigeS Dienstjubiläum feierte, erttank durch einen unglücklichen Zufall in der Lahn. * * Fahrraddieb stahl. Am vergangenen Montag wurde ein in einem Hausgang in der Diezsttaße ausgestelltes markenloses 'Fahrrad mit schwarzem Rahmenpau, gelben Felgen, neuen gellten Schutzblechen und hochgebvgener Lenkstange, im Werte von 1500 Mark gestohlen. •* Feierliches Glockengeläut. Morgen, am Himmmelfahrttage, mittags 12 iiljr wird in Wittenberg am Grabe Luthers in der Schloß- tirche der Kirchenbunbvertrag, ben die evangelischen Landeskirchen Deutschlands miteinander schließen, unterzeichnet werden. Aus Anlaß dieses bedeutsamen Ereignisses soll morgen tn der Stunde der älnterzeichnung in unseren beiden evangelischen Kirchen, wie überall in Deutschland, mit allen Glocken geläutet werden. ** Der Kriegervereinsbezirk Gießen umfaßt jetzt 30 Vereine, die Mit- gliederzahl ist auf 'rund 2300 angewachsen. Der Bezirkstag, der am kommenden Sonntag in Grvhen-Buseck stattfindet, wird sich hauptsächlich mit Angelegenheiten des Bezirks und mit der Tagesordnung befassen, die den am 2. Juli in Alsfeld stattfindenden Verbandstag der Kriegerkameradschaft Hassia beschäftigen wird. *• Der Wartburgverein veranstaltete einen llnterfjaÜungSabenb, der zugleich als Iu- aendwerbeabend gedacht war, ein Zweck, der durch das einzigartige Gelingen der Veranstaltung wohl auch erreicht worden ist. Ein De- grüßungsgedicht gab dieser Bedeutung des Abends einen feierlichen und zugleich sinngemäßen Ausdruck. Das übrige Programm wurde von schönen musikalischen Darbietungen, zu deren guter Ausführung auch die dankenswerte Mfthilfe älterer Freunde des Vereins beitrug, umrahmt. Außerordentlichen Beifall fand das sorgfältig ein- studierte und durch wirssame Szenerie geschickt veranschaulichte Theaterstück „Die verwunschene Prinzessin". Den jugendlichen Schau'pielern und Schauspielerinnen kann für ihre Leistungen, dj» sie in der Bewältigung der mitunter nicht leichten Rollen an ben Tag legten, nur vollste Anerkennung ausgesprochen we-den. Auch der Beifall, der den von den Turnern eindrucksvoll und stilgerecht zusammengestellten Marmorgruppen 'gespendet wurde, war ehrlich gemeint und redlich verdient. Im Mittelpunkt des Abends stand eine Ansprache, in der Pfarrassistent Decker in lebendigen Worten der Jugend ihre hohen Aufgaben und Ziele, zu denen in der Gegenwart vor allem die christliche Jugend berufen fei, barlegte. "IndenAstoria-Lichtspielen wird augenblicklich der erste Teil des Großfilms „Dr. Mabuse, de r Spieler" gezeigt, für den das Manuskript von der Schriftstellerin Thea von Hanbou nach dem bekannten Roman Norbert Jacques bearbeitet wurde. Der Film stellt vor allem eine erstaunliche Leistung auf photographischem Gebiet dar, seine Einzelbilder sind mit denkbar vollendetster Technik hergestellt. Doch auch darstellerisch ist ganze Arbeit geleistet worden, wobei namentlich die Massenszenen in der Börse und die an den Spieltischen äußerst wirksam sind. ** Müllersche Badeanstalt. Was- serwärme der Lahn am 24. Mai: 19° R. Vornotizen. — Tageskalen der für Mittwoch: Im Zelt der Deusschen Zeltmission, Oswaldsgar- ten: Nachmittags 4 Llhr: Bibelerllärung. abends 8Vs Ahr, Vortrag über bas Thema: „Das Geheimnis der Wiedergeburt". — Astvria-Lichtspiele: „Dr. Mabuse der Spieler". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kinder der Zeit". — Tageskalender für Donners - tag: Im Zell der Deutschen Zellmission, Os- a>atbSgarten; nachmittags 3 Uhr, Vortrag über das Thema: „Die Gedanken Gottes mit ben Seinen"; abends 1/29 41hr: Gvangelisationsvor- trag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Hafenlore". — OperngaftspielamSamstag, dem 2 7. Mai. Wie wir hören, sind noch auf allen Plätzen Eintrittskarten in reichlicher Zahl für die FraDiavolo - Aufführung bei Herrn Challier zu haben. — Aus dem Stadttheater- Bureau. Auch für diesen Svinrner find eine Anzahl Gastspiele des Bad-Nauheimer Kur- theaterS geplant unter der Voraussetzung, daß der Besuch derartig ist, daß wenigstens die nicht unbedeutenden Spesen gedeckt werden. Diese Gastspiele dürften umso stärkeres Interesse erwecken, als hauptsächlich Stücke gegeben werden sollen, deren Aufführung für den Winter nicht beabsichtigt ist, da bei ihnen in Hauptrollen Kräfte beschäftigt sind, die nur für den Sommer zur Ergänzung des Gießener Personals nach Bad-Nauheim verpflichtet wurden. Das erste dieser Gastspiele findet am Diens- I tag, den 30. Mai, statt und bringt Heinrich IlgenstetnS hübsches Lustspiel, „Der Tenor ter Herzogin", mit dem am 5. Mai die dieSjay- rige Sommerspielzeit des KurtheaterS in Dad-Nauheim erfolgreich eröffnet worden ist. Die männliche Haupttolle spielt als Gast Herr Oberregisfeur Pape vom Staatetheater in Easfel, während Frau Orczy vom Intimen Theater in Nürnberg die weibliche Hauptrolle übernommen hat. Regie Hofrat Stein- gvetter. — Oberhessischer Kun st verein. Die Gemälde-Ausstellung ist auch morgen, Donnerstag (Himmelfahrttag), von 11 bis 1 Ahr geöffnet. — Gießener Hoch sch ulgesell- schäft. Einer der ganz großen (Strategen ter Weltgeschichte, dessen Feldzugsplan die ersten Wochen des Weltkrieges bestimmte, toar Feld- marschall Graf von Schlieffen. 'Iss- kleinerem Kreise hat Oberst W ö l l to a r t h, der Kommandeur des hiesigen ReichStoehrregimentS, über den Feldmarschall vor kurzem hier gesprochen. Die Ausführungen machten großen Eindruck. Es ist sehr zu begrüßen, daß eS der Hochschulgesellschaft gelungen ift, den Redner zu einem am Freitag abend 8V$ Ahr im großen Hörsaal des VvrlesungSgebäudes stattfindenden, weiteren Kreisen zugänglichen Doi> trag über Schlieffen zu gewinnen. Gäste sind willkommen. (S. Anzeige.) — Reit- und Fahrklub Gießen. Der am 28. d. Mts. ftattftntente Rett- und Fahrwettbewerb hat ein glänzendes Nennungsresultat zu verzeichnen. Reber 160 Teilnehmer kommen hier zusammen, um in friedlichem Wettkampf ihr reiterliches Können zu erproben, um zu zeigen, auf welche Höhe sich die deutsche Pferdezucht nach dem Kriege wieder einporgeschwungen hat und um zu zeigen, welche Zuchtrichtung einzuschlagen ist, um eine möglichst vielseitige Verwendungsmöglichkeit tes edlen Pferdes zu erzielen. Der Kartenvvrverkauf ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen. Die Ehrenpreise sind bei der Firma Jul. Bach, Seltersweg, ausgestellt. -r Die Iugendgruppe des Zen - tralverbandes der Ange ft eilten in Gießen veranstaltet morgen eine Himmelfahrttour (Näheres siehe Anzeige.) Landkreis Gießen. * Kle in-Linden, 24. Mai. Der Gesangverein „Eintracht" veranstaltet morgen "vormittag einen Ausflug zum Schiffenberg, nachmittags findet ein Waldfest im Walde zwischen hier und Großen-Linden statt (Siehe Anzeige.) A Steinbach, 22. Mai. Die Vereinigung des ehemal. Landwehr-Regiments 116 gab ihren Kameraden hier ein Stelldichein, das aus der gesamten Umgegenb gut besucht war. Im Saale des Regimentskameraden Deuker entwickelle sich ein echtkameradschaftliches Treiben, wobei die Kriegsecinnerungen ausgetauscht wurden. ,Im Juli wlll die Vereinigung in Klein- Linden ein Sommerfest abhallen. △ Holzheim, 23. Mai. Auch hier wird an einem Eh renmale für die im Weltkriege gefallenen Söhne der Gemeinde gearbeitet. Das Denkmal kommt vor die Kirche in eine Nische der alten Kirchhofsmauer zu stehen. X Wieseck, 22. Mai. Unter stärkster Teilnahme der Gemeinde wurde die sterbliche Hülle des prakttschen Arztes Wilh. W ö h r - mannzuGrabe gebracht. Die Gesangsabteilung des Turnvereins und der Gesangverein „Iugendgrund" sangen Grablieder. Dieser, und im Namen der Aerzteschast Geh. Sanitätsrat Dr. Kaeh-Gießen legten mit ehrenden Worten Kränze nieder. Der im 48. Lebensjahr einem tückischen Leiden Erlegene war über 20 Jahre unser Arzt und leistete noch in der letzten Grippeepidemie, ringend mit seinem eigenen Leiden, Bewunderungswürdiges. Während des Krieges stand er zuerst als Bataillvnsarzt mit dem Landsturm- Infanterie-Bataillon Gießen im Westen und von 1916 ab als Arzt am KriegSgefangenen- Lazarett, dann am Reserve-Lazarett zu Gießen und zuletzt als Bataillvnsarzt beim Ersatz-Bataillon des Inf.-Regiments. Kreis Alsfeld. △ Alsfeld, 23. Mai. Auf dem Herzberg fand bas Orbensfest des Iungdeutschen Ordens statt. Die Bruderschaften der gesamten Umgegenb hatten sich eingefunden, z. D. aus Lauterbach, Heblos, Dlihenrvd, Alsfeld, Schwalmblock (Schlaf), Renes Einten is (Berlin) mit gut beobachteten Kleinbronzen, W. Lehmbrück mit einem Porträt Fritz v. Unruhs, Benno Elkan mit einem Drvnzeporttät Eugen b'Alberts, Beruh. Höttcher mit einem Frauenbildnis in Marmor gut vertreten. Max Streese. ♦ .* Frankfurter Arauffuhrung. „Der blaue Heinrichs — man denkt an die bekannte vielgelästerte Soldatensuppe und findet, daß die beiden Schwankautoren Otto Schwartz und Georg L e n g b a ch mit dem Titel eine völsig verkehrte Assoziation hervorriefen. Denn gezeigt wirb tn diesem Stücke auf ziemlich derbe und nicht gerade tiefer nachspürende Weise, der Gegensatz zwischen „Bürgerlich" und „Adlig", und der Titelträger ist ein hvchfeudaler ahnen- stvlzec Graf, dem sich der tüchtige Papiersabrikant Sch. als Schwiegersohn nicht fügen und beugen will. Es kommt zur Scheidung, und nachdem die Gräfin-Tochter eine ssüchtige Heiratsepisode mit dem Onkel ihres ersten Mannes gehabt hat, findet sie in einem Selfmademan und Grvhtier- bänbiger endlich den „Richtigen". „Ende gut, alles gut“. Das gilt hier auch in technischer Beziehung, denn ein paar gut gearbeitete Aktschlüsse, die von der lebendig forschen Darstellung des Neuen Theaters noch herausgehvben wurden, mußten über manche ftad>en Stellen des Dialogs bintreghelfen. Immerhin gibt der Schwank mit seiner reichlich genutzten Situationskomik Gelegenheit zur Unterhaltung, und so war der Erfolg dieser älraufführung, die vor allem an Otto Wallburg einen vergnüglichen Darsteller hatte, besiegelt: Delustiguna, starker Beifall und viele Hervorrufe der beiden Autoren. Die Kritik darf mit ben Stimmen aus dem Publckum feststellen: „Man lachte" .... G. Sch. in gemahlener Form [öosd laut Analysen HarlerHausen mit 97,68 bis 99,47" kohlensaurem Kalk ist durch ®c« nossenschasten u. handel gegenwärtig sofort lieferbar. Wo nicht erhältlich, direkt durch: Nalkoertrieb g.in.i.f?., Zritzlar Ruiniert nicht die teuren Schuh'Gebraucht Schuhputz CtmKBtr'« Dtcbutw.il» folftfctbjtoA1 tt. 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Das Opfer eines Schwindlers ist eine hiesige Witwe geworden. Sie lernte einen Unbekannten kennen, der mit ihr ein Derhülmis einging, das zur Ehe führen sollte. Die Witwe vertraute ihm chre gan^e Barfchaf. an, mit der der Schwindler dann verschwand. Kreis Vetzlar. * Salzböden, 23. Mai. Gestern geriet beim Baden in der Salzböde. die noch stackeS Dalser führt, der Sjähriae Sohn des Bahnarbeiters 61 e i h in den Strom und versank in den Wellen. Durch dis Hilferufe anderer Äinber herbeigerufen, sprang kurz cntschlossrn der 13jährige Sohn des Hegemeisters Sa leck, Rudi S a l e ck, nach und brachte den dem Tode Rahen ans Land. Den vereinten Demühurgen der Familie Saleck gelang eS. den verunglückten Knaben ins Leben zurückzurusen. Hcfsen-Naffau. Die Aussperrung der Metallarbeiter. fpd. Frankfurt a. M.. 23. Mai. Die Aussperrung der Metallarbeiter im Wirt- schafrsbezirk Frankfurt, die Montag abend begann. wurde heute pormittag in allen dem Verband der Metallindustriellen angeschlofse- nen Betrieben durchgeführt. Rur in einigen kleineren Werken, die der Arbeitaeberorgani- sation nicht angeschlossen sind, wird gearbeitet. Unter der Arbeiterschaft macht sich schon heute eine starke Stimmung dahin geltend, sobald als möglich wieder in die Betriebe zu gehen. ES ist nicht ausgeschlossen, dah schon in den nächsten Tagen eine Einigung in Frankfurt auf Grund der Münchener Beschlüsse doch noch zustande kommt. Gefährlich« V^Zugdiebe. fpd. Frankfurt a. M.. 23. Mai. Zur Zeit verübt in den Schnellzügen eine aus drei Männern und Aaxi Frauen bestehende Taschendiebsbande Verbrechen. Die Bande arbeitet mit Be- ;äubungsrn.ttcln. Sie reicht den Fahlgästen weihe Pilsen, die gegen Husten und Heiserkeit helfen sollen, die aber schlafwirkend sind. Ein amerfta- nischer Reisender ist auf diese Weise das Opfer der Bande geworden und um 80 Dollar bestohlen worden. ♦ ss Marburg. 21. Mai. Heute wurde die Leiche deS am Freitag ertrunkenen Studenten Ragel, die am SamStag geborgen werden konnte, mit akademischen Ehren zum Bahnhof gebracht, um von da nach der Heimat überführt zu werden. Wie sich herausstellt, ist der junge Mann im Boot vorn Herzschlag getrogen worden. J! Amöneburg, 2l. Mai. Der 66 Jahre alte Hauptlehrer und Kantor Schick kam auf der Treppe seines Hauses so unglücklichzu Fall, dah er bald darauf starb. ]f Frankenberg, 21. Mai. Durch Herausnehmen eines Fachwerks gelangten Einbrecher in ein hiesiges Geschäft und stahlen für 70 000 Mk. Waren. • $ r a n f f u r t a. M., 23. Mai. Ein Disziplinarverfahren auf Entlassung aus dem Amte ist gegen den Studienrat Dr. Jung von der Wöhlerschule eingeleitet worden. Die Einleitung dieses Verfahrens ist auf die Waffen- f u n de in dem Wöhlergymnasium zurückzuführen. Mit der Leitung der Untersuchung ist ein Regierungsrat in Kassel betraut worden. ' Hanau, 23. Mai. Eine sensationelle Erfindung soll in der Platinschmelze der hiesigen Heroldwerke gemacht worden sein. ES soll gelungen sein, eine Metall-Legierung her- zustellen. die die Fähigkeit besitzt, als E r s a tz für Platin dienen zu können. Man hat bereits den Dau einer großen Dakuumschmelze in Angriff genommen, um die Erfindung auszuarbeiten. Wenn sich die Erfindung bewähren sollte, so nurte sie eine Monopolstellung in der Weltwirtschaft einnehmen. Kirche und Schule. ' Der Verband evanaelisch-kirch' sicher Frau en-Vereine in Hessen hielt im ..Hindenburg' seine Harrptverfammlung für Oberheksen ab, bei starkem B«iuch auch t*om Lande Rach Eröffnung des Leiters, Dekan G u fj m a n n, mit Gebet gab die Vorsitzende. Fürstin zu Erbach-Schönberg, den Hah^esbeiicht von 1921, der bei reicher Arbeit ein Wachstum auf 109 Vereine mit über 20 000 Mitgliedern zeigte. Rach Miitcilung der günstig abfchliehenden OahreS- rcchnung hielt Psarrer Wagner- Mockstadt einen bei dem scheinbar nüchternen Thema durch Lebendigkeit überraschrnte,' Dortraa über.P r a k- tifche Folgerungen auS ihrer neuen Kirchenverfassung für die evangelischen Frauen Hessens". Es klang darin die Zuversicht, dah die Frauen bei der Ueber- führung der neuen Verfassung vom Papier inS Leben nicht versagen axrben. Die ersten Paragraphen vorn ökonomischen Eharakter der Kirche, an der die hessische ein Glied, erweckten den Optimismus, die Ziele der Einzelge- meinde Teciciflcrung: Pflanzstätten evangelischen Glaubens und Leverrs und Gemeinschaft brüderlicher Liebe und Zuck-l. Die Kirchengemeinden sind zu grohen Familien zu machen. DaS Frauen st immrecht und Recht de rW ä hl- bar k e i t, gewährt im Glauben an die in den Frauen wirksamen Kräfte soll gebraucht werden unter UeberWindung aller Abneigung. Die Kirchengemeindevertretung r.u nv-chr bedeutsamer als früher must auch genügend Frauen haben. Die Frauen müssen ihren Hausgenossen die Erfüllung ihrer kirchlichen Pflichten erleichtern. Die Frau fei deS Hauses schlagendes Herz. Der Schluh brachte Worte der Königin Luise: _§s kann in der Welt nur gut werden durch die Eulen" und des alten Gncisenau: ^Begeistere du daS menschliche Geschleck' für seine Pflicht zuerst und dann sein Recht". Eine rege Aussprache lohnte den Redner, an der nutzer ihm und dem Leiter Pfarrer Sattler- Wieseck, M a h r- Eietzen, Frau Pfarrer Rebel- Laubach stch beteiligten. Der Vortragende empfahl noch die ,E i e r k o hl e l t e" für daS Rettungswerk des ^Magdalen'iums" in Darmstadt, was Pfarrer A u s f e l d und Mahr mit einer Schilderung der (Siebener Verhältnisse bekräftigte. Gegenüber dem Antrag des FrauenvereinS der Gießener Matthäusgemeinde. die Hälfte dieser Kol- lelte dem (Siebener Heim zu bewilligen, wurde der der Vorsitzenden auf ein Drittel Giehen (alleS durchs Evangelische Schwesternhaus) angenommen. Line zweite Versammlung soll an gleicher Stätte Im Herbst stattfinden. Warm zugestimmt wurde der Eingabe deS Hessischen Verban- deS an den Reichstag, die fordert, datz die künftige Ernte vorz'üalich der direkten Ernährung und nicht den Schnapsbrennereien und Brauereien zugeführt werde, dah Wucher- und Schiebertum energischer bekämpft werde, und dah der Zucker nicht über die Grenze gehe. Turnen, Sport und Spiel. Gau-Frauenwetturnen. Ein turnerisches Ereignis, das weite Kreise unserer Gegend interessieren wird, steht am kommenden Sonntag in Bad-Rauheim bevor. Es ist das Frauenwetturnen des Gaues Hessen der D. T. Die besten Turnerinnen deS Gaues Hessen werden in friedlichem Wettkampfe ihre Kräfte messen. Auch von G i e h e n ist eine stattliche Turner- innenzahl gemeldet. Die von der staatlichen Kurverwaltung unterstützte Veranstaltung findet morgen- und nachmittags in den Trinkkuranlagen statt — 3m Tennisturnier des Berliner Schlittschuh-Elubs, das auf den Plätzen am Reichskanzlerplah einen ungestörten .Verlauf nimmt, konnte am Dienslag Larsen mit Fr. v. Skopnek im gennschten Doppelspiel einen Erfolg über das deutsch-dänische Paar Fr. HamU- Rieften mit 6 4, 6 4 feiern Rieften mit feinem Partner Berg—Rieften schlugen das deutschschweizerische Paar Holzbvci -USninski 6: 3, 6:2 und im Damen-Stnzcftpiei interessierte das Auftreten von Fr. Kaeber, die ihre beiden Gegnerinnen Frl. Langen und Fr. v Skopner '6/10, 6/0 schlug. Von Mittwoch an werden die ersten Entscheidungen vor sich gehen können. — Dle Handball-Vorrunde der Deutschen Turnerschaft kam in Forst und in Eöthenzum Austra a. 3n Forst schlug der vorjährige Meister Tumsportverein 1860 Spandau den Turnverein DorwärtS BreSlau mit 2:1 (1:1) und in Eöthen blieb A. T. D. Leipzig-Eonnewitz mit dem gleichen Resultat von 2:1 über den T.D. Magdeburg-Buckau erfolgreich ' Rund durchs mittlere Lahn tal (102 Km ). Veranstalter R. D. Germania 03 Wist- mar (D. D.). Bei herrUchem Wetter traten von 54 gemeldeten 42 Fahrer die schwere Reise an. Sofort vom Start weg war eine schwere Steigung zu nehmen. W a a n e r (Wihmar), Deibel und R ö d i g e r (Gietzen) legten ein sehr scharfes Tempo vor und rissen das Feld auseinander. Die drei genannten kamen mit grtiherein Vorsprung auf der Höhe an, hier fiel .Wagner etwa» zurück, Deibel und R ö d i g e r bildeten die Spitze. 3n Dorlar fiel Rödiger durch Reifen- defekt zurück und gab infolge weiteren Defektes hinter Glehen auf. Rach 3 Stunden 6 Minuten Fadheit ging Deibel unter ftadtem Beifall der überaus zahlreich enschienenen Zuschauer als überlegener Sieger mit 4 Minuten Vorsprung übers Ziel. AlS Zweiter folgte Reitberge r. Rach weiteren 4 Minuten folgte Kleikarnpals Dritter. Die Alterspreise errangen: Senior I: Fr. M ö l l e r, R. D. 1887 Wetzlar, 3 6t. 46 Mln Senior II: Auinüller, R. V. 1891 Marburg, 4 St. 02 Min. Sonderpreise für die Fahrer von Wihmar errangen Karl Wagner und August D i 11 e n d o r f. 3n Ansch-luh an die Fahrt sand eine 40-Kilometer-Vereinswanderfahrt statt, die eine Beteiligung von 8 Vereinen aufwicS. Rach- mittagS folgte in dem schön gelegenen Garten der Restauration Dittendorf Stegesseier verbunden mit Radball-Wetlspielen und 5mn ft fahren. — Sparta-Prag schlägt Eeltic - Glasgow 2:1 (1:1). Vor 30 000 Zuschauern absolvierte der schottische Futzbalimelster ^eltic- Glasgow das erste Spiel aus seiner Europareise in Prag gegen den tschechischen Meister Sparta und muhte sich gleich eine Riederlage gefallen lasten Sparta fcjing durch eine Meisterleistung von Pilat, der aus 30 Meter Entfernung auf das Tor schotz, in der 25. Minute tn Führung, doch glich« n die Schotten 10 Minuten später aus. Kurz nach dem Wechsel fiel der siegbringende Treffer für Sparta durch Ianda. Die Schotten enttäuschten etwas: sie nahmen das Spiel scheinbar zu leicht. ^lühnctdiHjcn TWvzen. flrzrlld Millionenfach )n y1porhetnA Ein neuer^jirohhni für 5.- Unter den HAnden wird der schmutzigate und verftilbteste Strohhut blütenweiß und wie neu bei der Behandlung mit Strobln mit seiner verblüffenden Blelchkraf . 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Viehmann im Alter von 26 Jahren nach längerem schweren Leiden im Glauben an ihren Erlöser selig entschlafen ist. Heinrich Alt Heinz und Wolfgang. Kinder Herren- und Damen- kleidcr. Teppiche, Decken nfto. werden in kürzester Zeit tadellos chemisch gereinigt Die Beerdigung findet Freitag, den 26. Mai, nachmittags 3ya Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. Suche per 15. Juni. eotL trüber, ein in Küche und Haus erfahrenes Mädchen mit guten Empfehlungen. Frau M. Habenicht, et« Westanlaae 32. M ■I Beileidsbesuche dankend verbeten. Die Beerdigung findet am Freitag, 26. Mai 1922, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. Krieger-Verem Gießen. Gießen, Kinzenbach, den 24. Mai 1922. Die Beerdigung findet Samstag, 27. Mai, nachm. 3 Uhr auf dem neuen Friedhof statt. Im Namen der Hinterbliebenen: Kar! Zink, Kriminal-Oberwachtmeister. Die trauernden Hinterbliebenen; i. d. N. Karl Pfeifer nebst Kindern Familie Wilhelm Viehmann Wichtige Neuheit t für Hühnerhalter l WiMmern Kein UeberNiegen mehr! Paar Mk.4.-. [4reoD Edgar Vsrrmann Eisenbandluna, (Sicken fcrn.EiiittÄn All kaufen gesucht. Schriftl. Singebote unter 05378 an den Giefiener Anzeiger. Stadttheater Leitung: H. Etolngoetter. Dienstag, den 30. Mai, abends 7 Uhr: Der Tenor Der Herzogin Lustspiel in 3 Akten von Heinrich Jlgeustein. Ans. 7 Uhr. Ende 9'/, Uhr. Vorverkauf an der Theaterkasse: Sonntag 11 bis 12V» Uhr, Montag 10 bis 1 Uhr. Dienstag 10bi»1 !Ubr u.3V, dis 5 Uhr. Statt besonderer Anzeige. Heute morgen entschlief sanft nach langen, schweren Leiden meine liebe Gattin, unsere unvergeßliche, treubesorgte Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Louise Zink geb. Kraus im Alter von 57 Jahren. Plötzlich und unerwartet starb am 21. Mai 1922 infolge Unglücksfalles mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegervater Polizeiwadrtmstr. Richard Reinhardt Die trauernden Hinterbliebenen: Katharina Freitag geb. Volkmann und Kinder. v- ■ . . " ' Gestern entschlief sanft nach langem Leiden mein lieber, unvergeßlicher Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Herr Ferdinand Freitag im 47. Lebensjahr. Mcbrere Tafeln gutes Zinkblech und ein zwei- spännigerKnstenwagen gut erhalt-, zu verkaufen. 5109 Nenenweg 50. Warne hiermit jedermann meinerTochter Elisabeth Kubl auf meinen Namen etwas zu borgen oder zu leiben, da ich für nichts Ernstgemeint! Handw.in Lebensstellung, 27 Jahre, gebildet, solid, sucht eins., gutes Mädel, schlank, ruhig, von 20 bis 24 Jahren zwecks spät. Heirat kennen zu lernen. Off. mögt, mit Bild, io. zurllckgesandt wird, unt. 2312 an Her io, M. Ann.- Exped., Piockstr.5. 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Burschen preiswert abzugeben g der 'M 1- sterlohre, Ausbau der Innungsbefugnis e Handwerks» und Gewerbekammern und paritätische Beteiligung der Gesellen bei der Regelung des Lehr-- lingswesens. Die Interpellationen sprechen sich gegen die Versuch: *v?r tarifvertraglichen Regelung des Lehrlingswesens aus. Staatssekretär M ü r s ch: Die Reichsregierung begrüßt die Maßnahmen der Selbsthilfe, die der gewerbliche Mittelstand getroffen hat und wird sie unterstützen. Das bn Entwurf gestellte Gesetz wlll das Lehrlingsverhältnis und die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter regeln. Die Handelskammern, die Handwerkskammern und Landwirtschaftskammern sollen die höheren Bestimmungen des Lehrverhältnisses unter Mitwirkung der Arbeitnehmer regeln. Der Lehrlingszüchterei soll entgegengetreten werden. GelegenhÄt zur Lehrlingsprüfung solle gegeben werden. Erzieherische Beeinflussung des Lehrherrn muh in Anlehnung an die heutigen Anschauungen gewahrt bleiben, jedoch darf körperliche Züchtigung nicht möglich fein. Im Laufe der Debatte sprachen die Abgg. Haavemann (D. Vpt.) und Sievers (Hannoveraner) sich im Sinne der Interpellativnsfor- derungen aus, während Abg. Krüger (S.) und Frau Wurm (US.) gegen die Lehrlingszüchterei Front machen und gegen die Aufrechterhaltung der alten überlebten Verhältnisse protestierten. Damit schlieht die Hauptaussprache und die Besprechung der Interpellationen. Rachdem ekne Reihe eknzelner Kapitel angenommen sind, vertagt das Haus die Weiter- beratung auf morgen Vormittag 11 Uhr. Außerdem: Finanzetat. Schluß nach 7 Uhr. ♦ Derlin, 23. Mai. (MTB.) Der A e l t e ft e n- ratdesReichstages beschloß, daß der Auswärtige Ausschuß am Freitag vormittag und Sonnabend vormittag Sitzungen zur Besprechung der Konferenz von Genua abhalten wird. An diesen beiden Tagen soll im Plenum die zweite Lesung des Etats beendet werden. Die große politische Aussprache im Plenum wird voraussichtlich am Rlontag und Dienstag der nächsten Woche ftatt- finden, bei der auch der deutsch-polnische Vertrag über Oberschlesien und der dänische Handelsvertrag zur Erledigung gelangen werden. Am 31.Mai Nr. 2\ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ivberhessen) Vereine (Rachdruck verboten.) 21. Fortsetzung. t»mklhast Nein, ein Etwas, das Heiner vordem rriht bemerkt teetft» (Srft allmählich ließ es sich iucht bemerkt hotte. Erst allmählich lietz es sich c '.tscherden, daß es ein menschliches Wesen war. scheÄL 'n. Gegen Leloh- biuneben. Di® :uen Laue 2911 DieSakramentshex Roman von Marie Kerfchen st einer. sich wohl in der Tendenz zum Steigen oder doch wenigstens zur (relativen) Stabilisierung der Preise. Dies wird besonders insofern segensreich wirken, als es die Zahl der möglichen Lohn- iämpfe mit ihren verhängnisvollen Rückwirkungen aus die Geschäftsgestaltung verringern wird, zum wenigsten so lange die Bereitwilligkeit des Publikums, sich in die festeren Preise zu finden, nicht überschätzt wird. Die Eifenbahnen haben trotz der gegenüber dem letzten Jahr geringeren Betriebseinnahmen erfreuliche Steigerungen ihrer Rettoernnahmen erzielen können und zwar durch die Durchführung von Einsparungen. Diese gesteigerten Einnahmen haben es ermöglicht, sich in gewissem Umfange auf den gesteigerten Verkehr vorzubereiten, auf den man in der Folge einer weiteren Besserung der Geschäftslage meint rechnen zu können. Es ist dementsprechend eine starke Zunahme der Antäufc von Eifenbahnmaterial zu beobachten gewesen. Die auffällige Zunahme von Reu bauten darf als besonders bedeutsam bezeichnet werden, toeu die jetzige, lebhafte Bautätigkeit ihren Ausgangspunkt schon in den toten Monaten hat. Der Wert der in zwanzig erften Städten der Union erteilten Bauerlaubnifse belief sich auf insgesamt 178 000 000 Doll, für Januar und Febrar, das sind allein für 8 000 000 Doll. Dauerlaubnisse mehr, als im ganzen ersten Quartal 1921 in denselben Städten zur Ausgabe gelangt sind. Die in den 27 Staaten des Rordostens tm ersten Vierteljahr 1922 abgeschlossenen Baukontrakte haben gegenüber dem gleichen <).iträum des Jahres 1921 ehren Mehrwert von 63 Prozent, und schließ- lich sind nach mehreren übereinstimmenden Schätzungen die Ausgaben für Baumaterialien im Monat März gröber gewesen als überhaupt je in einem früheren Monat der amerikanischen Geschichte. r»e hiermit »ermann rochier Elisabeti iuf meine« Aamn ju borgen ober zu da ich fit mchlt IM Peter Kuhl, laubtedititrahe 9. SW ■•Sk’U I W-i MW' Sltzckoilk BflientoöBoiiiDiti ooö) Wi fahrt 630 Ubr 00m Inälofal MA «r )tag,27.VMmttt08l hr: senchn». M- rooju ‘Diitglieb. bet unb Luiab ein- in werben. (05355 >ag,2S.s, br: Fum'itlnetz: LatzunMibkiM Deutscher Reichstag. 217. Sitzung, vormittags 11 Uhr. Berlin, den 23. Mai 1922. Aus der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen. Auf eine Anfrage der Kommunisten wegen Auslieferung des italienischen Kommunisten Doldrinj und der Verhaftung der Italiener Ghezzi und Dachi wird regierungsseitig erwidert, Auslieferung sei auf Grund des mit Italien bestehenden Auslieferungsvertrages wegen Mordes erfolgt. Die Frage, ob es sich hier um ein politisches Verbrechen handele und Doldrini das Asylrecht zu gewahren sei, sei nach eingehender Prüfung verneint worden. Die Schweiz nehme übrigens den gleichen Standpunkt ein und habe deshalb den Durchtransport gestattet. Die Verhaftung von Ghezzi und Vachi sei richtig. Im ersteren Falle liege die Frage der Auslieferung den preußischen Behörden zur Beschlußfassung vor. Der Italiener Vach? habe ein Dombenatten- tat und weitere Straftaten begangen, über die das Material noch nicht vorliege. Ob das Auslieferungsbegehren begründet sei, werde die Prüfung ergeben. Rach Erledigung weiterer Anfragen wird die Beratung des MrtschaftSetats fortgesetzt in Verbindung mit den Interpellationen über den Warenverkehr aus dem besetzten ins unbesetzte Gebiet unb über die Regelung deS Lehrlings-- wesenS tm Handwerk. Abg. Simon- Franken (USP.) meint, wenn es so schwer sei, Lehrlinge für das Handwerk zu bekommen, so liege das daran, daß das Handwerk immer mehr zurückgehe und für die Zukunft keine rechte Existenz mehr btete; gehe ja auch die Bezahlung der Gehilfen ständig zurück. Redner wendet sich dann gegen den Ruf nach der freien Wirtschaft. Schon jetzt seien alle Befürchtungen bei weitem übertroffen. Das Getreide .habe den 86fachen Stand des Friedenspreises erreicht und der allgemeine Ausverkauf treibe uns der Katastrophe um so schneller entgegen. Augenblicklich habe das Steigen des Dollars sie noch einmal aufgeschoben, aber sie komme mit Sicherheit, und dann versinke alles, vor allem die Arbeiterschaft, in einem Meer von Elend. Die Annahme, man könne unsere Produktion durch Verlängern der Arbeitszeit retten, sei ein Irrwahn, aber der Uebermut und Machtkitzel der Arbeitgeber sei inzwischen schon wieder so gewachsen daß sie glaubten, den Arbeiter wieder zur Arbeit zwingen zu können. Redner Protest-rct schließlich gegen das Arbeüszeitgefeh im Bergbau und fordert dessen Sozialisierung. Abg. Gildemeister (D. Vp ) betont, daß man sich den wirtschaftlichen Problemen gegenüber nüchtern und sachlich aus den Boden der Tatsachen stellen müsse. Aich die Regierung der Erfüllung müsse mit der Tatsache rechnen, daß unsere wirtschaftliche Entwickelung rückwärts gehe W.M liniineN* »ft- 1, beftfhbQfl0"i' 'Ma« Ö AM 2 8k?,, frr '.'""u-evia,' 'bUfotb® ' K'lder, 8vic 1 ^otrnfiaibet lrttnMle «nb -LLL Ktiksel. «• und Damen r °°d verschied, nannte. 5^ seruagbrstzvmt Althott1 «uftionatot. ttünltii* 6 M am Kontor- Der Vorslavd- bei in langsamer Fortbewegung auf den Wald i^ibieU. Heiner war es. als ob eine kalte Hand un sein Herz griff. Die Augen beschattend, ber- fxlgte er in äußerster Sparr,rung das Räher- fimnren des wllkühnen Wesens, das er schließlich als Lene erkannte. Einen Augenblick fühlte läi) Heiner hin und her geworfen zwischen den Polen seines Gemüts, aber das heiße Glücks- : g-ksühl verschwand unter der lähmenden Angst, Ifrte ihn erstarren ließ. Behutsam trat er ms Jungholz zurück, damit sein Anblick sie nicht der inneren Sammlung entrisse, ohne die sie verloren war. Jetzt unterschied er, daß Lene den Rock hoch «fgeschürzt trug. Streckenweise rückte sie. mit Den Füßen vorsichtig tastend, in unregelmäßigem Zickzack vorwärts. Zuweilen blieb sie un chlüssig stehen, den Boden ihrer Umgebung prüfend. Dann Zersprang sie in einem großen Sah die Wasser- fl1'2 Prozent (dem seit September 1917 niedrigsten -mssah) Überzeichnet worden find, läßt die viel leichtere Kreditlage erkennen, Die sich auch aus- zcich: in der weitgehenden Flüssigmachung des »mdesreserve-Svstems mit dem gleichzeitigen Steigen der Goldreserve und der Reserven all» xanetn. Die Anzeichen, daß relativ ftabile Preise in 1 gehbarer Zeit sich herausbilden werden, hat viel ^-izu beigetragen, das Vertrauen der Käufer wie- ö-erherzustellen. Das Steigen der Preise für land- i tiDtrtschaftliche Srzeugnrsie, zunächst für Baumwolle und dann auch für Getreide unb Vieh, betautet für die Farmer die Rettung vor großen Verlusten an ihren Vorräten: es hat weiterhin Hre Kaufkraft gestärkt, den Bankkredit vor allem in Süden und Westen durch die Rückzahlung von 1 Darlehen aus feiner „Erstarrung" befreit, hat mancherlei Mißvergnügen infolge der ungerechten Ccci8geftaltung beseitigt und schließlich auch ver- b’ütet. daß zum Schuh der Farmer geplante, höchst bchenlliche gesetzliche Ma^iahmen zur Annahme g> Hängten. Feinerhin hat die Besserung fast aller europäischen Valuten (mit Ausnahme der zentral- enropäischen) den auswärtigen Käufern wieder ebnen Anreiz gegeben, amerikanische Erzeugnisse eknzukausen, und hat dazu beigetragen, die Preisunterschiede auszugleichen, die den amerikanischen Außenhandel so schwer beeinträchtigt hatten. Als eines der haaptsächllchsten Erfordernisie erwartete die amerikanische Inbustrie die Her- ß tllung eines richtigen Verhältnisses zwischen «llroduktionskosten und den Lebensunterhalt>lngs- taflen. Der erste Schritt dazu war der Preis- > ridgang, auf welchen die Herabsetzung der Löhne , gefolgt ist. Daß dieser Ausgleich weitergeht, zeigt EÄ über neto^ nte. Sehr enttäuscht strebte er schließlich einer Znhöhe zu, um von dem erhöhten Sta.ndpunkt aus tod Gelände noch einmal zu übersehen. Lind liehe! Am Rand des Horizontes zeigte sich. Wm» ntnelf«br«a9- Mittwoch, 24. Mat (922 soll die dritte Lesung des Etats im Plenum stattfinden. Berlin, 23 Mai. (WTB.) 3m HauShallS- ausschuh des Reichstages wurde der P e n s i 0 nS- kür^ungsgesehentwurf angen mm n, der bestimmt, daß den RuhegehaltSempsängem, die ein steuerbares Emloininen außerhalb des ReichS- oder ^andesdienstes beziehen, daS Ruhegehalt einschlteßlich des Teuerungs uschlages entsprechend gekürzt wird, wobei aber ein Arbeitseinkommeit bis zur Höhe von 60 000 Mark bei der Kürzung unberücksichtigt bleibt Die Auskunftspflicht für die Umsatzsteuer. Von der Handelskammer Gießen wird uns geschrieben: 'Bekanntlich haben in letzter Zeit mehrere hessische Finanzämter tm Einvernehmen mit dem Landes-Finanzamt Darmstadt die Au forberung an eine größere Anzahl Gewerbetreibender ergehen lassen, innerhalb einer meist kurz bemessenen Frist Lieferanten- und Kunden-, Waren-, Mengen- und P.viöverzcichnis c einzureichen. Im Falle der nicht rechtzeitigen Einreichung wurde Destralung gemäß 8 202 der Reichsabgaden- Ordnüng angedroht In einer ganzen Reihe von Fällen wurden trotz der Defchwerde der Beteiligten nicht nur einmal, sondern wiederholt Ordnungsstrafen verhängt. Alle Vorstellungen der hessischen Handelskammern, in denen nach- getoiefen wurde, daß das Vorgehen der Steuer- dehördcn an den vorhanden-m gesetzlichen Bestimmungen keine Stütze finde und deshalb ungesetzlich sei, sind bisher ohne Erfolg geblieben. Run hat eine Firma die Beschwerde bis zum Reichsfinanzhof durchgefochten, der am 21 April 1922 die Verfügung des betreffenden hessischen Finanzamts nicht nur ausgehoben, sondern auch das Vorgehen der Steuerbehörden als Mißbrauch bezeichnet hat. Die Entscheidung deS Reichssina.z:,oss ist wie folgt begründet: „Die Entscheidung hängt allein davon ab, ob 8 177 Absatz 1 der Reichsabgabeordnung dem Finanzamt die Befugnis gibt, zur Ermittelung- von unbekannten llmsatzsteuerfällen von jedem beliebigen Gewerbetreibenden eine Liste seiner Lieserer einzufordern. Diese Frage ist zu verneinen. § 177 der Reichsabgabeordnung schreibt die Auslunftspflicht von Personen, die nicht Steuerpflichtige sind, für solche Tatsachen vor, die für die Ausübung der Steueraufsicht oder in einem Ermittelungsverfahren für die Feststellung von Steueransprüchen von Bedeutung sind. Von der Ausübung der Steueraufsicht gegen den Beschwerdeführer oder in einem Ermitte- lungsverfähren ist im vorliegenden Falle nicht die Rede: das Finanzamt geht vielmehr davon aus, daß die unbekannten Lieferer des Beschwerdeführers nach 8 32 des llmsahsteuerge- seyes 1919 der Steueraufsicht unterliegen, da sie eine gewerbliche Tätigkeit ün Sinne des § 1 Ar. 1 des Gesetzes ausüben. Aus diesem Grunde sieht die Dorinstan^ die Fo-'d-'-nng be» Fin""i- amts an den Beschwerdeführer, seine Lieserer namhaft zu machen, als das Verlangen nach Eingabe einer Tat|ache an, die |ür 01c Ausübung einer Steueraufsicht von Bedeutung ist. Ebenso wie sich indessen ein Vermittlungsver- sahren stets gegen einen bestimmten Steuerpflichtigen richtet, so beziehen sich auch die ileber- wachungsmahnahmen der Steueraufsicht in jedem Falle auf ein bestimmtes Unternehmen, daS der Aufsicht unterliegt. Bei Ausübung dieser Aufsicht kann die Steueroehörde, wie § 115 Abs. 1 Rr/2 der Ausmhrungsbestimmungen zum llmsaysteuer- gesetze 1919 richtig hervorhebt, gemäß § 177 a. a. O. auch die Kunden des beaufsichtigten Betriebes über dessen Lieferungen an sie als AuskunftS- personen vernehmen. Weller aber reicht die Bedeutung der genannten Vorschrift, soweit die Steueraufsicht in Frage kommt, nicht Die Vor» schrill macht die Auskunslspslicht Dritter zu einem Mittel der Aufsicht über den aufsichtspflichtigen Betrieb: sie darüber hinaus dcuu zu verwenden, um unbekannte Umsaysteuerfälle zu ermitteln, stellt sich als ein Mißbrauch dar, der durch den Zweck der Gesehbestirnmunng nicht gedeckt wird. Soweit Unbeteiligte verpflichtet sind. Finanzämter bei der allgemeinen Erforschung steuerpflichtiger Fälle zu anterstühen, hat das Gesetz Sondervorschriften wie die §§ 186, 189 der Reichsabgabenordnung erlassen, die mir gewisse Klassen von Unternehmern betreffen und deren Verpflichtungen, die ihnen im öffentlichen Interesse zur Durchführung der Steaergesetzgebing auf erlegt sind, genau umgrenzen. Auch dieser Umstand beweist, daß eine Verpflichtung aller der Steuerhoheit des Reichs unterworfenen Personen, die Finanzämter bei 'der allgemeinen Rachsor- schung nach unbekannten Steuerfällen durch Auskünfte zu unterstützen, nicht besteht. Sowell der von der Vorinstcmz angeführte Erlaß deS Reichs- Lenes Miene verfinsterte sich. Es lag etwa- von der früheren mißtrauischen Feindseligkeit in dem Blick, de nfie jetzt zu ihm aufhvb. ..Hast es am End' gar nll lieb?" entfuhr es ihr bart. Und kann in werbendem Ton: „Guck doch, wie nett es is! — Akrat wie du sieht es her. - Guck, die [orteten Härle! So weih, gell! — AIS wie ein Häslein liegt es drin!" Und um das Kind für die Gleichgültigkeit des Vaters schadlos zu halten, preßte sie es mll doppeller Heftigkeit an ihre Brust. Da erwachte es und blinzelte mit der Blickunsicherheit des Reugeborenen ins Licht. Und Hemer sah. daß daS Menschlein die Augen ferner Lene hatte. DaS brachte ihn zu sich, verwischte mit einem Wate das Gefühl des Fremdseins gegen das Kind. Er fühle plötzlich, dtaß es fein Kind war. die Verkörperung der seligsten Stunde feines LebenSi Rur weil er nie an die Möglichkeit einer Vaterschaft gedacht, hatte ihn die Tatsache so gänzllch überwältigen können. Jetzt nahm er das Kind unaufgefordert aus ihrem Arm, setzte sich mit ihm auf die Erde hin, küßte das eine Händchen und das andre und wieder das eine und wieder das andre. Und Lene kauerte daneben, von feinem Arm umschlossen und mit beiden Armen den Mann und das Kind umfangend. In ihrem Herzen war wieder lauter Sonne. Und die beiden Eltern sprachen fein Wort, fühlten nur umso inniger, wie ihre Seelen in diesem dritten Wesen aneinander glühten. (Sm Funke des Lichts, das nicht von dieser Erde ist, glomm in ihrem Herzen auf, — dann nahm daS Leben sie wieder in seinen Arm. (Fortsetzung folgt) Büchertisch. — Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm. Aus den Aufzeichnungen, Dokumenten, Tagebüchern und Gesprächen. Herausgegeben von Karl Rosmer, 3. G. Cottafche Buchhandlung Aachf., Stutt- gart. — In wechselnder Stimmung, aber immer mit Heimweh und Sorge um Deutschland im Herzen, sind diese Erinnerungen des Kronprinzen in der Einsamkeit seiner Verbannung geschrieben. Der Leser, der ohne Voreingenommenheit zu dieser Bekenntnisschrift greift, wird in dem so oft oberflächlich und unreif Gescholtenen und Geschmähten einen von Aatur warmherzigen und tief empfindenden, durch Leid gereiften, seinem schweren Schicksal gewachsenen, Eitra einen ganzen Mann entdecken. Einen Menschen der sich ehrlich mit sich und der Welt auseinandersetzt, eine Persönlichkeit, die eigene Fehler nicht verschweigt und fremde fein abwägend beurteilt, ohne Hatz und Verfolgungssucht. Dah das Buch autzerdem von beträchtlichem geschichtlichen Wert ist, versteht sich bei der Stellung, dir sein Verfasser eingenommen hat, von selbst. — Kanzlist Krehler. Tragikomödie in 3 Akten von Georg Kaiser. Verlag Gustav Kiepenhauer. Potsdam. — Georg Kaiser, dessen poetische Fruchtbarkeit in letzter Zeit einigermaßen beängstigend wird, ruft auch mit diesem Werk ein zwiefaches Gefühl hervor: Bewunderung für seine Erfindungsgabe, seinen Ideerrreichmm, Verwunderung über die Gesuchtheit seiner Sprache und darüber, wie er seine Gedanken zerflattern läßt, ohne sie zu einem einheitlichen Ganzen zu formen. — Die rechteHand des Kaufmanns (Teismans KontvrhandbuH). Das gesamte kaufmännische -Wissen nach dem neuesten Stande. 6. verbesserte Auflage 1922. Gebr. Teisman Verlag, Osnabrück. Das Buch ist für den praktischen Kaufmann ein Aachschlagewerk in allen Fragen des täglichen Geschäftslebens, für ben werdenden Kaufmann ein praktisches Lehr-- und Lernmittel, das ihm in mehr als 15 Kapiteln das gesamte kaufmännische Wissen einschließlich Kontorpraxis vermittelt. (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Bonar Law für dis französisch-englische Entente. London, 23. Mai. (WTB.) 3n einer unter dem Vorsitz Dort Lord Derby tagenden Versammlung der englisch-franzö fischen Gesellschaften führte Bonar Law aus: Es würde eine f cl st undenkbare Tragödie fein, wenn eine Schwächung des englisch-französischen Bund- nisses und 'eine Lockerung der Entrnte stattfinden würde. Dies würde ein grotzes iln- glüd für die beiden Ländern sowie eine Bedrohung des künftigen Weltfriedens sein. Undenkbare Dinge seien jedoch schon vorgekommen. Wenn die Entente ausrechterhalten werden solle, müsse auf beiden Seiten des Kanals nicht nur Sympathie, sondern auch Verständnis auf Seiten der einen Aation für die Gedanken und Gefühle der anderen Aation vorhanden fein. Seiner Ansicht yach sei die Verkennung der Verhältnisse Groß-Britanniens in Frankreich noch eher erträglich als die Verkennung der Gefühle Frankreichs in England. Bonar Law legte sodann dar, daß er bei seinem sechsmonatigen.Aufenthalt in Frankreich Tag für Tag in den Blättern gelesen habe, daß England aus dem Kriegs viel gewonnen habe, und erklärte, England habe eine Steuerlast zu tragen, bie schwerer sei als die der anderen Aationen. Auch "Sie Zahl der E r werbslosen zeige, was der Klieg England gekostet habe. England habe Palästina und Me sopotamien erhalten, und die Franzosen hätten Syrien bekommen. Bonar Law fuhr fort, wenn er andererseits in England Angriffe auf den französischen Militarismus bedroht werde. Er bäuerlich wären und nicht durch ähnliche Angriffe auf den englischen Premier gerechtfertigt seien, so sie dies schlimm genug. Es gäbe jedoch etwas Schlimmeres, wenn er läse, daß man vom französischen Miliarismus bedroht werde. Er glaube das nicht. Ein Land, das vor so kurzer Zeit über l’i Million der Besten seiner Bevölkerung verloren habe, kenne keinen anderen Wunsch, der so stark sei wie der Friedenswunfch. Es sei nicht Militarismus, es sei'Furcht. Und'das sei kern Wunder: denn während der Lebensdauer jetzt lebender Menschen sei Frankreich zweimal von demselben Volke überrascht und verwüstet worden. Aber die Franzosen wüßten wie die Engländer, dah, wenn der Krieg vorüber fei, Frieden fein müsse. Es könne kein größerer Fehler gemocht werden, als zu glauben, daß bte britische Regierung oder das britische Volk wünschten, ihre früheren Feinde zu Freunden yi machen, indem sie zugleich Gefahr liefen, ihre bisherigen Freunde zu Feinden z i machen. Bonar Law fuhr fort: 3ch würde gern über eine andere Seite dieser Frage ein Wort sagen. Während einer ganz kurzen Zeit nach dem Kriege hat man sich in England einer Täuschung hingegeben. Jedermann, den man getroffen hat, sprach davon, dah Deutschland die gesamten Kriegsschulden zahlen müsse. 3ch habe dies alles durchgemacht. Eine ganze Zeit lang habe ich die Sympathien meiner eigenen Anhänger im ilnterljaufe verloren. Aicht etwa, dah ich es nicht gern gewollt habe, aber ich habe gewußt, dah es unmöglich ist. Jedermann weih, dah es unmöglich ist. Die Deutschen sind dagegen in das andere Extrem verfallen: das ist ebenfo töricht, wenn nicht noch törichter. Die Deutschen können die gesamten Kriegsschulden nicht bezahlen, sie können jedoch einen groben Teil davon bezahlen. Jedermann muh sie bezahlen, und es ist nur gerecht, dah die Deutschen bezahlen, was. sie bezahlen können. Die internationale Anleihe für Deutschland. Paris, 23. Mai. (WTB.) Unter dem Vorsitz des belgischen Vertreters in der Aeparations- kommission ist ein europäisch-amerikanischer Finanzausschuh zusammengetreten, um die Mittel zu prüfen, mittels deren Deutschland seinen Verpflichtungen nachkommen könne. Die Finanzleute werden versuchen, sich über die Bedingungen zu einigen, unter denen es möglich ist, Deutschland die pekuniäre Hilfe zu bringen, deren es bedarf. Ministers Ser Finanzen vom II. Mar 1921 — fli U 5343 — (Reichssteuerblatt 1921 S. 272- orit der hier vertretenen Auffassung un Widerspräche stehen sollte, kann er als zutreffende Auslegung des § 177 der Aeichsalxiabenord- krung nicht anerkannt werden. Die Verfügung des Finanzamts, die die Aus- runftserteilung onorbnet und eine Geldstrafe zur Erzwingung dieser Anordnung androht, sowie die Vorentscheidung, die diese Matznai-men billigt, waren daher auf die nach §§ 283, 202 der Deichsabgabenordnung statthafte, frist- und formgerecht eingelegte Dechtsbcfchwerde des Betroffenen aufzuhehen." Schkichtungsausschutz der Provinz Oberhessen. Sitzung vom 2 3. Mai 192 2. Die Gerbereien Becker und Lotz in Gießen sollen vom 1. Mai an den gehonten Arbeitern 16,25 Mk., den Angelernten 15,20 und den Ungelernten 13,50 Mk. Stundenlohn zahlen. Die bisherigen Löhne waren 12,50, 11,70 und 9,30 Mk. Aach einem Jahr ununterbrochener Tätigkeit in demselben Betriebe so'nen zwei Werktage Urlaub unter Fortzahlung des Lohnes gewährt werden und nach jedem weiteren Zahr ein Tag mehr, bis zu 8 Tagen. Der geprüfte Heizer des BAciebes Becker soll, soweit er als Heizer tätig ist, als gelernter Schlosser entlohnt werden. Für die Arbeiter derWebereienin Alsfeld, Lauterbach und Schlitz werden 25 v. H. Lohnerhöhung ab 1. Mai vorgeschlagen. Soweit darüber hinaus eine Aufbesserung der Arbeiterinnen und Zugendlichen angezeigt erscheint, sollen die Parteien sich darüber verständigen. Die Leinen- und Wollweber über 23 Zähren kommen nach dem Schiedsspruch im Zeitlohn auf 14,69 Mk. Stundenlohn, die Scheuertuchweber auf 13,38 Mk. Der Akkordgrundlohn beträgt 3,00 Mk. Die Woll-Spinnerei und Weberei A. G o - dosarr in Georg en Hammer bei Lauter soll ihre Löhne ob 8. Mai um 20 v. H. erhöhen. Die Arbeiter über 33 Zähren erhalten hiernach 14,22 Mk. Stundenlohn. Die Arbeiter der „H e s s i s ch e n Hutstoffindustrie" in Lauterbach sollen vom 1. Zuni an 30 v. H. Zulage und damit 15,60 Ml. Stundenlohn erhalten . 3m Akkord sollen 20 v. H. darüber verdient werden. Die Lohnregelung soll 'erstmals spätestens am 15. zum 30. Zuni kündbar sein. 3n allen Sachen erhielten die Parteien eine Woche Grkläru"gsfrist. 3n der Lohnsirci fache eines Quarzitbruch^ in Steinberg verständigten sich die Parteien vor der Verhandlung. Der Schlichtungsausschuh erklärte sich für unzuständig, eine nachträgliche Erhöhung der vertraglich feftgI?gten Vergütung des Dul len- halters d.r Gemeinde Burg-Gemünden vorzuschlagen, und verwies den Antragsteller zunächst an das Kreisamt. Aus dem AmtÄ»erkündigungsblatt. *• Das Amtsverkündigungsblutt Ar. 65 vom 23. Mai enthält: Deparationsliefe- .rungen, — Wohnungsbauabgabe. — Verkaufspreis für Tetanusserum, Meningokokkenserum und i Diphtherieserum. — Gebühren der Schornsteinfeger. — Einkommensteuer vom Arbeitslohn. — I Personenstandsaufnahme der in Hessen ansässigen österreichischen Staatsangehörigen. — Fortbil- ' dungsschule. — Walzarbeiten. — Eisenbahnunfälle. — Dienstnachrichten. — Feldbereinigung Ullendorf a. d. Lahn. Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die Kreisst raße Gießen — Reiskirche n von der Abfahrt Oppenrod bis zum Bahnübergang vo^n 19. ds. Mts. ab bis auf weiteres für jeden Auto- und Fuhrwerksverkehr gesperrt. Der Berkehr wird über Oppenrod— Durchardsfelben oder Beuern—Bersrod und um- gekehrt geleitet. Die Sperrung vorn Bahnübergang im Gießener Wald bis zum Abzweig der Kreisstraße nach Annerod wird aufgehoben. 3n der Gemeinde Düdelsheim (Kreis Büdingen) ist die Maul- und Klauenseuche ausge» brochen. Die erforderlichen Sperrmahnahmen sind angeordnet. — Aachdem die Maul- und Klauenseuche in der Stadt Lauterbach erloschen ist, wurde n^h Ablauf einer Schutzfrist die Sperre über den Händlerstall des Michael Zakob aufgehoben. Ebenso wurde der Sperrbezirk Steinweg in Lauterbach aufgehoben. Das Beobachtungsgebiet Lauterbach-Stadt wurde mit sofortiger Wirkung aufgehoben. — Die Maul- und' Klauenseuche in den Gemeinden Buchenau, Obereisenhausen und Rvdheim a. d. Bieber (Kreis Biedenkopf) ist erloschen. Die Schutz- und Sperrmaßnahmen sind aufgehoben. — Die Maul- und Klauenseuche 'm der Gemeinde Krofdorf (Kreis Wetzlar) ist erloschen. Die Eperrmaßnähmen sind aufgehoben. Heinrich A tz b a ch aus Steinbach wurde zum Feldschützen der Gemeinde Steinbach ernannt und verpflichtet. Kirche und Schule. i. Mücke (Oberhessen), 22. Mai. Heute fDtsch. Reichsanl. 95,90 94,- 94,75 95 - 3°/>fch.Reichsanl. 1'2,50 113,- 113,50 215,- 4"/« Preuß. Kvnsols £5,- 84 - 83,50 84,75 Hamburg-Pakets.. . 409.— 412,- 40d,- 408,- Aorddeutscher Lloyd 325, — 324 50 327, — 318,75 Comm.u.Privatbank 301,- 302,- -301,- 301,- Darmstädter Bank . 297,— 297,— 299,- 299,- Deutsche Bank . . . 604,— 603,^» 600, — 591, — Disconw-Gesellschaft 433,— 433,— 435,— 434, - Dresdner Bank. . . 321,— 318,* 324,50 324,56 Mitteid. Ereditbank. 262,— 262,— 261,50 262,— Uationalbank f. D. . 300, — 299, — 300, — 302, — Boch. Gußstahlwerke ■“»— —,— 1148,75 1065,— Bud.-Eisenw^Akt.. 829,- 820,- 818,- 822,- D.-Luremb. Bergw. 1008, — 9)5,— 1020,— 995, — Gelsenkirch. Bergw.. 1045, — 1035,— 1050, — 1055,— Harpener Bergbau . 1830,— 1820,— 1830,— 1835,— Oberschi. Eisenb.-B. 840,- 840,- 848,- 835,- Oberschles. Äsenind. 6 6 - 650,- 660, - 635,— Phönft-Bergb.-Akt 1170,- 1165,- 1175,- 1140,- Bad.Anilin-u. Soda 770,- 762,- 761,- 764,- Höchster Farbwerke. 699,— 690,50 689,— 681,— Allg. Siektr.-Ges. . . 679,60 682, - 676,- 675,- Felten L Guilleaume 878,- 861,- 840,- Schuckert-Werke. . . 630,— 627,50 635,— 645, — Adlerwerke 515,— 510,— 514,50 512,— Daimler 440,- 433,- 429,50 429,75 4° ° Hess. Staatsanl. 78,75 79,- 78,- 78,- Clectrvn Griesheim 775,- 775,- 788,— Dtsche. Dereinsbank 223. 214,— — Berliner Devisenmarkt. Datum: Geld Brief Geld Dries 22. Wal 23. Mai. Amstd.-Rotterd. 12109,8012140,20 11760,2511789,75 Brüstel-Antw. . 2586,75 2593,25 2516,85 2523,15 Christiania . . . 5694,85 5712,15 5458,15 5471.85 Kopenhagen . . 6651,65 6665,35 6441 90 6458 10 Stockholm. . . . 8064,90 8685,10 7830,20 7849 83 Helstngfors. . . 645,15 646,85 637,20 637,80 Italien 1598,- 1602,- 154»,05 1551,95 London 1393,25 1396,75 1345,80 1349,2) Aeuyork 311,35 314,15 30),12 301, 8 Paris 2821,15 2828,55 2726,55 2 <33,45 Schweiz 5967,50 5982,50 5762,75 5777,25 Spanien 4993,75 5006,25 478- - 4801,- Deutsch-Oesterr» 3,3ä 3,34 3,15 3,19 Prag 589,25 590,75 575/25 576,75 Budapest.... 36.55 36,65 35,35 35,45 Buenos Aires . 113,47 113,77 109,85 110,15 Bulgarien . . . 227,70 228,30 224,20 224,80 Japan 146,75 149,75 142,25 143,25 Rio de 3an«ro 4294,- 4306,- 4144, - 4156, - Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag, 25. Mai, Ehristt Himmelfahrt. In der Stadtkirche. Bonn. 9y2 Ahr: Psarvassist. Becker. In der Z o Hannes kirche. Sorin. 9y2H1)r: Pft. Dechtolshettner. In der alten Friedho fska peile. Aachm. 2 Ahr: Psarrafsist. Müller. Himmelfahrt, 25. Mai, Dorrn. 10: Kirchberg. — Sonn. 10: Lollar. Katholische Gemeinde. Mittwoch, den 24. Mai, nachm. 5 la. abds. 8 Ahr: Gelegenh. z. t)L Deichte. — Donnerstag, den 25. Mai. Christi Himmelfahrt. Bonn. 61/2 Ahr: Gelegenh. z. hl. Beichte. 7: Hl. Messe. 8: Austeilung d. hi .Kommunion. 9: Hochamt m. Pr. 11: Hl. Messe m. Pr. Aachm. 2y3: Feiettiche Vesper. Kathol. Gottesdienst. 25. Mai. Lich, Dorrn. 10, nachm. 2 Ahr. — Hungen, Dornt 8 Ahr. Handel«. Berlin, 23. Mai. Börsenstim- mungsbild. Heute vorliegende Nachrichten lassen die Aussichten für eine Verständigung über die Regelung der Reparationszahlungen sowie für das Zustandekommen einer internationalen Anleihe für Deutschland günstiger erscheinen. Daraufhin gaben die Devisenpreise schon im Vormittagsverkehr nach, worauf der Effektenmarkt gleichfalls mit Llbschwächung reagierte. Hierunter litten besonders einige Montanwerte, wie Kattowitzer, Köln-Deuesse- ner, Phönix, Rheinische Braunkohlen und Rheinstahl, die bis zu 70 Prozent verloren. Für einige Papiere bestand aber zu höheren Kursen Nachfrage, so.für Hanover Waggon und Rathgeber Waggon, Kaliwerke Aschersleben und Westeregeln Alkali. Im allgemet- nen aber bröckelten auch wetterhin bei nur ver- Zü cicher Devisenmarkt. 2d. 5. 24. 5» Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. — 203.75 204.- Deutfchland 100 Mk. — 1.66 1.775 Wien 100 Är. — 0.05 0.05 Prag 100 Kr. — 9.925 9.95 Paris 100 Fr. --- 47.30 47.35 London I £ = 23.33 23.34 Italien 100 2. = 26.77 26.90 Vrüffel 100 Fr. — 43.65 43.90 Budapest 100 Kr. — 0.60 0.615 Aeuyork 100 $ — 524.22 524-50 Agram ....... 100 Kr. — 1-85 1.875 Warschau 100 Kr- = 0,12 0,12 Marktkotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 22.5. 23.5. Zürich Fr. 125.40 1,66 1,73 Amsterdam Fl. 59.20 Kopenhagen Kr. 88.80 1,55 1,60 Stockholm Kr. 88.80 1,26 1 24 Wien Kr. 117.80 -,- Prag Kr. 117.80 17,05 17,22 London Sh. 97.80 -,- 132 Aeuyork $ 23.80 -,31 -'33 Paris Fr. 125.40 3,54 3,63 Märkte. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. mc. Frankfurt a. M, 23. Mai. Durch ansehnliche Zufuhren aus Erzeugergebieten mußten schon am letzten Samstag die Preise für Spinat, Salate usw. stark Nachlassen. Das setzte sich auch heute bei reichem Angebot fort. — Das Kartoffelgeschäft ist, obwohl der Preis etwas nachlieh, noch sehr schleppend. Der Zentner stand auf 270—310 Mark. Spinat kostete im Zentner 150—200 Mark (beim Großhandel) und 280—350 Mark (bei Erzeugern). Rhabarb«: 150 bis 180 Mark, Lattich das Pfund 3—6 Mark, Kopfsalat die Staude 3—5 Mark. Die Kräuter für Sauce 5—7 Mark. Der mittlere Preis für GemüsesparMl stand auf etwa 9—11 Qliarf. Die Butter hatte den Preis von 88—00 Mark. Eier kosteten das Stück 4^0—4,40 Mark. M GolLstiuK Bezirksvertreteri August Weidig, Gießen, WalltorstreBe 48, Fernruf 2078. ANWKÄIZMZA Gießener Hochschulgesellschaft 4931V Programm Friseur Gath, Bahnhofstraße. 8104V 4935 empfiehlt 1 der französische Genosse 5103 Nei Behördliche Anzeigen Es ladet recht höflich ein Willi Kleinerte. Erstklassige gesunde sm- LNNiM Morgen TonoerStag verschiedene Sorten, bifliett 4765 Sinter der Westanlage 11, Teleph. 178 Snr noch heute: Ab Donnerstag bis in kl.Sonntag der große Sittenfilm I Die Hafenlore V mit Maria Ze lenk» in d. Titelrolle- Ab Donnerstag bis inkl.Sonntag ht werde, lst ) ähnliche 2N' er zerechtsertid'! Es gäbe jedoch Sah man von V tDCtbe. 5r ' vor fo W en feiner Dr- einen ander« TicDcnStDii^'^' Ltd)l Hnö'b^ bei Ledens- mnkreich ischi and ver- en wüßten «k größerer W* Doll «Xi machen, * r-x >*'£*!* & LZ nen 9 6 |ts - sgs v «5^ sgSz Moderne 5- bis 6-Zimmer- l5032ss Villa mit V<—x/i ha großem Garten, baldigst beziehbar, bei sofortiger Auszahlung gesucht; eventuell ein Bauunternehmer welcher passendes Grundstück an Hand hat und darauf eine bis Herbst beziehbare Villa bauen Kann. Auss. Angebote u. E. D. 10757 an RudolfMosse, Hannover, Georgstr. 22. 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Heinr. Fast, Kaiseralle« 20. Otto Römer, Kaiserallee 117 (Rest. .Zur Germania"). Hans P. Petersen, Kveuzplast 11. Hans P ^Petersen, Ludwigstraste. Franz Bette, Mäusburg 10. Karl Heckel, Marburger Sttahe 25. Wilh. Möser, Markt fttaste 9. 'Hans P. Petersen, Marktplatz 15. Edgar Dorrmann, Reu stabt 11. A. Salomon & Eo., Schulstrahe 4. Wilh. Möser, SelterSweg 38. Brüder Schmidt, Seltersweg 83. Heinr. Glges, Seltersweg 68 (Rest. Hindenburg). ' Hier findet auch der Verkauf der Marken für die Monatskarten statt. 5107c Dieben, den 23. Mai 1922. Direktion der Elektrizitätswerke und Sttastenbahn der Stadt Dieben. _______________Stolle.________________ Bekanntmachung. Die Zahlkasten in den Wagen der Sttastenbahn werden ab 1. Zuni d. Z. geschlossen. Es gelangen Fahrscheine zu Mk. 1.— und Mk. 1.50 zur Ausgabe. Beide Linien sind in Teilstrecken eingeteilt. Dis zu 9 Teilstrecken, das sind 9 Haltestellen, kosten Mk. 1.—, dariib