nt. 224 Erscheint läglict), außer Sonn- unh Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GiehenerFcmilionblätter Monatliche vezuaspreife: MK.75.- und Mk.5.—' Trägerlohn,durch diePost Mlr. 75. -, auch beiNicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrift- lettung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. Samstag, 25. September 1922 1(2. Jahrgang Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univ. Such- und Zteindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v.27 mm Breite örtlich 300 Pf., auswärts 400 Pf.; für Reklame Anzeigen von 70 mm Breite 1200Pf. Bei Platz Vorschrift 20 e/0 Aufschlag Hauptschriftleiter: Aug Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen WochenrÄckblick. Wohl in keiner Stunde der Nachkriegszeit ist die innen- und außenpolitische Zerrissenheit aller Geschehnisse so in die Erscheinung getreten wie heute. Wie unbestimmt und ratlos sind gegenwärtig die parteipolitischen Besinnungen in Deutschland! Die sozialistischen '-Parteitage in Augsburg und Gera geben uns davon ein Bild. Bon der mehrheitssvziali- stischen Heerschau in Augsburg läßt sich wahrlich nicht sagen, daß in dieser Partei ein kraftvoller, den Zeitumständen angemessener Zielgedanke zu finden gewesen wäre! Nur um taktische Fragen drehte es sich zumeist, um Derlegenheitsauskünfte, wie es zu erklären fet daß die Mitgliederzahl der Partei ab- g^nvmmen habe und was geschehen müsse, um dem abzuhelfen. Die Mißerfolge bei den Wahlen in Braunschweig und Thüringen haben stark zu denken gegeben. Welche Parole hat nun die Parteileitung ausgegeben? Einigung der beiden sozialistischen Gruppen, Ber- ständigung mit den Unabhängigen auf der Basis eines „Aktionsprogramms". 2llso Stärkung zum Klassenkampf! Mit 180 Mandaten im Reichstag glaubt man Schlachten zu schlagen und Siege gewinnen zu können. Das gemeinsame Aktionsprogramm wurde in Augsburg angenommen, ohne daß eine große, interessante Debatte darüber entstanden wäre. Es fehlen eben der Schwung und die Belebung zu neuen Erkenntnissen. Der Reichs- wrrtschaftsminister Schmidt ritt auf den Schlagworten Sozialisierung und Sachwerterfassung herum; Adolf Braun und der Reichstagspräsident Lobe taten desgleichen. Aber Bernstein setzte sich für Steigerung der Produktion und schrittweise voran- oeherckie Sozialisierung ein. Ein Frankfurter Redner klagte über Parteimaschinengeist, ein Hannoveraner über gedankliche Schwäche der Partei. Einsichtsvolle Führer sind sich auch dessen bewußt, daß das geistige Niveau der sozialdemokratischen Presse allzuoft mehr der Arbeit der Fäuste als der Köpfe angepaßt ist und verlangen Abhilfe in solchen Propaganda- leiftungen. Das ist leicht gesagt und schwer getan. Denn die Reden der Parteigröhen kehrten doch immer wieder nur zurück zu der „bewährten" Agitationsweise. Otto Wels, der die Einigungsentschließung begründete, sagte: „Die Klassenkampfidee wollen wir nie verleugnen." Demgemäß traten auch die üblichen Anklagen gegen Klassenjustiz und Reichswehr in den Vordergrund. Von den Görlitzer Anregungen zur Anbahnung einer wirklichen Vollsgemeinschaft war nicht mehr die Rede. Die Sozialdemokratie liefert somit bedauerlicherweise den Beweis, daß die Gesamtinteressen des deutschen Volkes auf wenig Verständnis bei ihr stoßen. Wie dürftig waren in Augsburg die Betrachtungen über die deutsche Außenpolitik und die „internationalen Aufgaben"! Es ist bezeichnend, daß auch die Heerschau der Unabhängigen in Gera, die ebenfalls einen Rückgang der Parteimitgliederzahl seit dem l.Ianuar von 10 000 konstatieren muhte, ebenso unfruchtbar an die Lebensfragen unseres von außen her tyrannisierten Volkes herantrat. Ein kleiner Fortschritt ist darin wenigstens anzuerkennen, daß der Augsburger Parteitag ziemlich schnell und anscheinend geringschätzend über die internationalen Aufgaben pazifistischer und völker- bündlerischer Natur hinwegging. Welche Lehren drängen sich aber auch bei der heutigen Betrachtung der Weltereignisse auf! Wie widerspruchsvoll sind die Worte und Taten der maßgebenden Staatsmänner! In der Völkerbundsversammlung bliesen bei der Abrüstungsfrage im Zusammenhang mit dem ReparaiivnSproblem die Franzosen und die Engländer ein verhältnismäßig gefälliges Friedensstücklein. Der französische Vertreter de Iouvenel polemisierte mit einer etwas zögernden und gedehnten Zustimmungserklärung des Engländers Fisher gegen die deutsche Zahlungsweigerung und stellte fest, die Verträge dürften nicht revidiert werden, es genüge, daß man bezahle und daß man das Reparationsproblem mit dem Problem der internationalen Schulden gemeinsam behandle. Lord Cecil konnte sich in der weiteren Debatte eines sachten Bedauerns über die Mißerfolge der Versailler Politik nicht enthalten und gab dem Franzosen zu verstehen, daß in Wirklichkeit niemand den Krieg gewonnen habe, sondern daß „einige ihn nur weniger verloren hätten als die andern". Aber die Katzenfreundlichkeit zwischen den Vertretern der beiden Großmächte, wie sie hier auftrat, wich in der Pariser Orientkonferenz zwischen Lord Curzon und Poin- care einem denn doch viel deutlicheren Zerwürfnis. Was beweist die gemeinsame Formel, die in den Zeitungen, besonders den englischen, angepriesen wurde! Eine Konferenz, ja, in Gottes Namen, wird in Aussicht genommen, aber eine Liebereinstimmung ist nicht vorhanden. England ist mit seinen Truppen auf der asiatischen Seite der Dardanellen isoliert. Die französische Politik hat es soweit gebracht, daß zur Abwechslung einmal das mächtige Inselland als Störenfried vor der Welt dasteht. Lloyd George hat den Ansturm seiner eigenen Arbeiterparteien auszuhalten. Bei einiger Mäßigung und Abdämpfung der anfänglichen Kriegstrvmmelschläge würde es ihm wohl gelingen, die Lage noch einmal zu retten — aber da rollen die eisernen Würfel in Kleinasien o schnell und drohend, daß plötzlich neue große Erschütterungen über das geprüfte Europa losbrechen könnten. Die Angora-Regierung hat den Mächten eine Art Ultimatum überreicht, das seine Spitze gegen die Griechen richtet, von denen verlangt wird, daß sie binnen 48 Stunden Thrazien zu räumen hätten; aber diese türkische Forderung bricht in Wirklichkeit zunächst einen Konflikt mit den Engländern vom Zaun. Noch stehen diese mit ihren Truppen auf der asiatischen Seite der Meerengen. Lloyd George und sein Kabinett wiederholen täglich das Gebot, daß die Meerengen frei und unabhängig bleiben mühten. Kemal Pascha und die Seinen wollen unbedingte Souveränität der Türkei in Konstantinopel und den Meerengen und ferner auch in Thrazien bis zur Maritza. Was tun! spricht heute nicht der alte Griechengott — das griechische Heer ist aufgelöst, die Kemalisten stehen bei Brussa schon an der Grenze der neutralen Zone — nein, die schwierigsten Entscheidungen, bei denen es um Sein öder Nichtsein der bisherigen Entente geht, müssen jetzt in Paris und London gefaßt werden. Bis zur Stunde ist noch unentschieden, was geschieht. Die Londoner Meldungen lauten viel weniger kriegerisch als die scharfe Aufforderung zum blutigen Tanz, die das Kabinett Lloyd George vor 8 Tagen an die brittschen Dominions gerichtet hatte. Von militärischen Vorbereitungen hört man wenig, die Engländer erklären, daß sie nicht kämpfen wollen, wenn sie nicht angegriffen würden. And was die p o l i t i s ch e Seite anlangt, so läßt Lloyd George versichern, daß er nur die Freiheit der Meerengen wünsche — im übrigen wird ein vorsichttges diplo- mattsches Schweigen ergossen über die Art und Weise dieser Freiheit und wie sie erreicht werden soll. Frankreich scheint der Angora-Regierung über die Revision oder Amstohung des Verttages von Sgvres Zusicherungen machen zu wollen, die den türkischen Forderungen annähernd entsprechen würden. Nur soll die Türkei gegen diese Versprechungen mit ihren Truppenvormärschen warten, bis die Friedenskonferenz das endgültige Wort gesprochen hat. Sollten die Türken wirklich mit den Engländern in blutige Auseinandersetzungen geraten, dann wäre Poincarä in der heikelsten Lage. Er übt seine Vermittlertätigkeit, um durch die englische Vorherrschaft am Bosporus einen Strich zu machen . . . Das Kaiserbuch. Unfer Derli»ner Mitarbeiter schreibt uns: Am 24. September beginnt die Veröffentlichung der Memoiren Wikhelms II., betitelt „Ereignisse und Gestalten 1878—1918“, und zwar geschieht der Abdruck des Kaiserbuches in der gesamten Weltpresse ziu gleicher Zeit. Ursprüngliche war geplant, die Auszüge aus dem Werke schon am 1. September der Aus landpr esse zukommen zu lassen und das deutsche Buch erst am 1. Oktober herauszugeben. Die Folge dieses nicht mehr Ungewöhnlichen Geschäftstncks wäre gewesen, daß ein trüber Strom schlechter, gefälschter oder gefärbter und aus dem Zusammenhang gerissener Uebersetzungen die deutsche Presse überflutet hätte. Dies ist nun glücklicherweise vermieden. Die deutsche Buchausgabe besorgt der bekannte Verlag K. F. Köhler in Leipzig, der das Buchverlagsrecht für die ganze Welt mit Ausnahme von Deutschland und Oesterreich dem ReuyorkerVerlag Harper Brothers übertragen hat. Der amerikanische Verlag ist derselbe, der bereits die Werke von Ludcndorff und Hindenburg, sowie das Verlagsrecht auf die englische Uebersetzu"g des dreibändigen Bismarckwerkes besitzt. Während aber der Ertrag der ebenfalls im Verlag K.F. Kohler erschienenen „Vergleichenden Geschichtstabellen“ des ehemaligen Kaisers für die „Rvtgemcinschaft der deutschen Wissenschaft" bestimmt wurde, ist bis jetzt nichts darüber bekannt geworden, wie die 2 5 0 0 0 0 Dollar festes Honorar (gleich 350 Millionen Mark!) und die voraussichtlich eine weitere Million Dollar (gleich 1400 Millionen Mark! !) betragende Tantieme, die Harper Brothers an den Kaiser zahlen, verwendet werden. Ueber diese beachtenswerte Ver- meHrung des Hohenzollernvermögens infolge der schriftstellerischen Tätigkeit des Kaisers wird sich in der Oeffentlichkeit noch manche Auseinandersetzung entspumen. Eine lebhafte Meinungsverschiedenheit ist bereits entstanden über die Frage, ob der frühere Kaiser wirklich als der l i t a r a - rische Urheber seinerErinnerungenanzusehen ist oder ob der ehemalige Scherl-Direktor Eugen Zimmermann, der als Handlanger fungierte, als der eigentliche Autor zu gellen 'hat. Zimmermann bestreitet die letztere Auffassung. Es handle sich bei der jetzigen Publikation um das eigenste Werk Wilhelms II. Man werde das bei Erscheinen des Buches nicht nur an den darin niedergelegten Ansichten, sondern auch am Stil und an der allgemeinen persönlichen Rote mühelos erkennen. Die Hilfe, die er dem Kaiser bei der Herausgabe der Memoiren geleistet 'habe, seien rein „manueller“ Art gewesen. Es 'habe sich lediglich darum gc- 'handelt, die Aufzeichnungen und Notizen des Kaisers, die zum Teil zeitlich sehr weit zurückliegen und sich an verschiedenen Stellen befinden, owic Niederschriften über wichtige politische Ge- präche zusammenzubringen und zeitlich zu ordnen. Auf Grund dieser Stoffsammlung, gestützt auf ein gutes, vielfach überraschendes Gedächtnis, 'habe der Kaiser sein Wett selbständig versaht. So Herr Zimmermann. Von ihm stammen auch wie es scheint, die Erläuterungen, die die Blätter des Berliner Scherl-Verlages ihrer Veröffentlichung der Kaisermemoiren vvrausschicken. In diesen Erläuterungen heißt es u. a., die Kaiserin sei es gewesen, die vor ihrem Tode ihren Gatten bewog, die Erinnerungen noch bei seinen Lebzeiten erscheinen zu lassen, Ursprünglich waren die Notizen als politisches Vermächtnis für die Söhne, insbesondere für den Kronprinzen, bestimmt. Damit 'Hot der ehemalige Kaiser, wie wir hinzufügen möchten, eine Tradition wieder aufnehmen wollen, die einst Friedrich II. begründete. Der große Preußenkönig hinterließ bekanntlich eine ganze Reihe von politischen Testamenten, die aus Notizen, Kritiken und Erinnerungen bestanden und an seine Nachkommen und Nachfolger gerichtet waren. Im Testament von 1752 sind der „Prinzenerziehung" die geistvollsten Wahrheiten gewidmet. („Die von mir vorgeschlagene Erziehung verfolgt nicht den Zweck, einen Dheaterkonig heranzubilden, sondern einen König von Preußen. Was bei einem Privatmann nur ein Fehler ist, wird bei einem Könige zum Laster“.) Es wird den Memoiren Wilhelms II. schwer fallen, den Vergleich mit den politischen Testamenten Friedrich des Großen auszuhalten. Aber in Beurteilung dessen, was man von den kaiserlichen Erinnerungen bereits kennt, kann man sagen, daß das Buch Wilhelms II. eine ergreifende und menschlich nicht unsympathische Bemühung ist. den furchtbaren Sturz des deutschen Volkes von seinem Standpunkt, dem der mit in den Abgrund der Demütigung und des Leidens gestürzten Dynastie, aus zu verstehen und gegen die feindliche Verfälschung der Schuldfrage zu verteidigen. Keine Klage über das eigene Leid, kein Haschen nach Mitleid soll sich in dem ganzen Buche finden. Dios allein schon wäre ein Grund, das Werk ernst zu nehmen. Der Konflikt im Orient. P a r i s, 22. Sept. (WTD.) Heber die V e r - Handlungen in der Orientfrage verbreitet Havas folgenden Bericht: Curzon, Sforza und P v i n c a r 6 haben in der heutigen Sitzung die Frage untersucht, unter welcher Voraussetzung an Angora eine Einladung im Hinblick auf die Friedenskonferenz zu richten wäre. Sie fahren mit der Prüfung dieser Frage in einer weiteren Sitzung fori, die morgen nachmittag zwei Uhr beginnt. Dazu meldet Havas offiziös: Die heutige Sitzung der Orienckonferenz war kurz vor sechs Uhr beendet. Beim Verlassen der Sitzung erklärte Lord Curzon, man werde morgen nachmittag wieder beginnen, denn es bleibe viel zu erörtern. Der französische Ministerpräsident wünsche zunächst, einen Ministerrat einzuberufen. Es sei zu hoffen, daß die Arbeit der Konferenz morgen abend beendet sein werde. Nach den ersten Informationen bezogen sich die heutigen Verhandlungen vor allem auf die Form, die der Einladung an die Türken zur Teilnahme an der Friedenswnferenz gegeben werden soll. Es handelte sich namentlich darum, ob man sich in dieser Einladung in bestimmter Form über gewisse territoriale Verbesserungen des Vertrages von Sevres aussprech?n solle, namentlich bezüglich Thraziens. P a r i s, 22. Sept. (WTB.) Wie die Abendblätter melden, ist die am Mittwoch unterbrochene Besprechung zwischen Poincars Lord Curzon und Sforza heute nachmittag zwei Uhr im Quai d'Orsay wieder ausgenommen worden. Wie der „Times“ ankündigt, hat gestern eine einstündige Besprechung zwischen Curzon und dem rumänischen Gesandten in Paris stattgesunden. Die Unterhaltung sei sehr herzlich gewesen. Die Haltung Englands. L v n d o n, 23. Sept. (WTB.) Reuter veröffentlicht eine Mitteilung betreffend die Haltung Großbritanniens in der Orientfrage, in der betont wird, wenn es nochmals zum Kampfe kommen sollte, sei dies lediglich die Schuld der Kemalisten. Wenn die Kemalisten das neuttale Gebiet achten würden, werde es zu keinem Kampfe kommen. Weiter heißt es, herrsche eine^verkehrte Auffassung über die Ziele Großbritanniens hinsichtlich der Meerengen. Großbritannien wünsche die tatsächliche Neutralisierung der Meerengen und eine siche re Garantie für die Freiheit der Schiffahrt für alle Länder unter dem Protektorat des Völkerbundes oder irgend einer anderen, wirklich neutralen Organisation. Die Isoliertheit der englischen Truppen. P a r i s, 22. Sept. (Wolff.) Die „Daily News" schreibt, die fortdauernde Anwesenheit der englischen Truppen an der asiatisch en Küste nach dem Abzug der französischen Truppen sei ein Wahnsinn. Das Blatt fordert den chleunigen Rückzug der englischen Truppen. Washington, 22. Sept. (Wolff.) Funk- spruch Zu den Mitteilungen in den Zettungs- depeschen, England würde die Anwesenheit der Vereinigten Staaten bei der bevorstehenden Kon- erenz über die Dardanellen begrüßen, wird von amerikanischer Seite gemeldet, daß die T e i l- nahmeAmerikasnichtinDetrachtge- zogen werde. Paris, 22. Sept. (WTD.) Rach einer Havasmeldung machte die gestern nachmittag veröffentlichte englische Mitteilung, daß die englischen Truppen we'tter auf dem Secufer der Dardanellen, besonders in Tschanak, bleiben würden, in französischen und italienischen politischen Kreisen einen etwas ungünstigen Eindruck. Man sei sich darüber tlar, daß eine der artige Entscheidung nicht geeignet sei, eine Abmachung zu erleichtern. Aus den Unterhaltungen, die Kemal mit französischen Vertretern hatte, geht hervor, daß die Angora-Regierung nicht zu einer Friedenskonferenz kommen werde, wenn sie nicht vorher förmliche Zusicherungen bekommen habe, daß auf dieser Friedenskonferenz ihre An - sprüche auf die Maritza-GreNze und die Zurückgabe Adrianopels im Cin- klang mit dem Akt der Nationalversammlung anerkannt werden. Es wäre daher gut, wenn die Alliierten sich darüber verständigen würden, die Friedenskonferenz auf der Grundlage der Bc friedigung dieser territorialen Wünsche der Türkei in Thrazien einzuberufen. Im Saufe der Verhandlungen würde b'* Freiheit der M e e r engen in der Weise geregelt, daß die türkische Souveränität nicht berührt werde, daß aber die Sicherheit der Durchfahrt feststehe Ziemlich leicht werde man über die Maßnahmen sich einigen, die bezüglich des Schuhes der Min derheiten und über den Gerichtsstand für Fremde notwendig wären. Havas weist darauf hin. daß bezüglich de' Meerengen die Außenminister Frankreichs, Englands und Italiens bei der Zusammenkunft im März sich darüber einig waren, daß die an die Meerengen grenzenden Gebiete aus 6cib:n Ufern entmilitarisiert werden und daß alliierte Streitkräfte nur aus der Halbinsel Gallipoli stehrn sollten, während alliierte Militärinspektoren nur die Aufrechterhaltung der Neutralität des Süd- ufers überwachen würden. Havas betont, daß im Gegensatz flu dem, was einige Blätter gemeldet hätten, Lord Curzon sich vorgestern nicht auf den Pakt vom 5. September 1914 wegen des Abschlusses eines Sonderfriedens bezog, als er sein Erstaunen über die Zurückziehung der französischen Truppen aus Tschanak ausgedrückt habe, sondern daß er sich auf die Abmachungen vom 19. September 1920 betr. das interalliierte Oberkommando int Orient bezogen habe. Run sollle nach den Festlegungen dieser Abmachung der englische Obettommandant nur nach vorheriger Verständigung mit den Oberkommifsaren der drei Mä<Äe, d. h. letzten Endes nicht ohne die Zu stimmung der drei Regierungen über die Truppen bestände verfügen; Frankreich sei daher voll kotnmen im Recht gewesen, seine Truppen aus Tschanak zurückzuzieyen. Kabinettsrat in London. London, 22. Sept. lW. B.) Heute abend 5.30 Uhr wurde im Kolonialministerium wiederun' eine Sitzung der Kabinettsmitglieder ab gehalten. Wahrscheinlich wurden dabei die Truppenverschiebungen zum Schutze det Meerengen erörtert. Das Feuer in Smyrna. Angora, 22. Sept. (WTD.) Nach einer amf lichen Mitteilung ist das Feuer in Smyrna am 14. September abends durch türkische Truppen gelöscht worden. — Einer weiteren Meldung zufolge ist General Vlachagolos in Kleinasien gefangen genommen worden. Es handelt sich um den früheren Oberbefehlshaber der griechisch. TruppeninThrazien. Kanada und der russisch-englische Vertrag. Moskau, 21. Sept. (Wolff.) Zwischen den Derttetern der Sowjetregierung und den Vertretern der kanadischen Regierung wurde in London ein Abkommen unterzeichnet, wodurch sich Kanada dem r u ff i s ch - e n g l i s ch en D e r- trag von 1921 anschließt. In den näckp flen Tagen reift die russische Delegation unter Wolkow nach Kanada ab. Der sozialdemokratische Parteitag. Augsburg, 22. Sept. (Wolff.) Auf dem sozialdemokratischen Parteitag erklärte Reichsjustizminister Dr. R a d b r u ch, das Wichtigste sei die Reform des Straf Prozeßverfahrens. Eingeführt werden müffe die Berufung gegen Strafkammerurteile und die Laienbeteili' gung auch in höherer Instanz; ferner die Schaf - Heutiger Stand des Dollars 10 Uhr vormittags: Berlin 1400, Frankfurt o. M. 1390. funfl einer rechtlichen ©arantte dafür, daß aus allen Dokkskreisen Laien auf die Richterbank gelangen. Das Gesetz über diese Neuordnung müßte möglichst schnell verabschiedet werden, denn die bayerische Regierung habe bereits zugesagt, daß mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes die Volksgerichte verschwinden. Ferner feien vorbereitet das Iugendgerichtgeseh, das die Strafmündigkeit herauffetzt, und das Auslieferungsgeseh. Endlich sei es zur Vorbereitung eines neuen Strafgesetzbuches gekommen und zwar unter Beteili- gung Deutsch-Oesterreichs. Es besteht die beste Aussicht, daß wir als ersten Schritt zur deutsch- österreichischen Rechtsausgleichung ein gemeinsames deutsch-österreichisches Strafgesetzbuch herausgeben werden. (Lebhafter Beifall.) Verschwunden seien in dem Entwurf, der noch dem Kabinett vorliege, die Ehrenstrafen, Zuchthausstrafen und Todesstrafen. (Erneuter Beifall.) Gleichzeitig müsse ein neues Strasvollzugsgefeh verabschiedet werden. Weiter wolle er durch- führen eine Erleichterung der Entscheidung und eine Neuordnung des Rechtes der unehelichen Kinder. Das unbegrenzte Verwandtenerbrecht solle eingeschränkt und das Zufallserbrecht beseitigt werden. Eine der wichtigsten Aufgaben fei die Schaffung neuer Arbeitsgerichte. Die Arbeitsgerichte sollen alle Vorzüge der Gewerbegerichte und Kaufmannsgerichte behalten, auch die besondere Art der Laienbeteiligung und Entbindung von der Iustizverwaltungstätigkeit. Die Spitze bilde das Reichsarbeitsgericht mit den Laienbeisitzern. Das dem Reichstag vorliegende Mieterschutzgeseh sei ein erheblicher Fortschritt int Interesse der Mieter. Augsburg, 22. Sept. (WTB.) Der sozialdemokratische Parteitag lehnte nach der vom Vorsitzenden Wels vorgelegten Zusammenstellung der Abstimmungen folgenden Antrag Barth ab: Der Parteitag möge beschließen, daß die Partei mit der Deutschen Volkspartei eine Regierungskoali- tion nicht eingeht. Bei der Vorstands- wah l wurden fast einstimmig HermannMül- ler und Wels zu Parteivorsihenden gewählt. In die Kontrolllommission wurde u. a. Reichs- tagspräsident Löbe gewählt. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, die scharf gegen die Ausweisung der beiden sozialistischen Redakteure in Saarbrücken protestiert. Nach einem Schlußwort tzon Wels wurde der Parteitag ge- kchlossen. Das Finanzabkommen mit Belgien. Paris, 22. Sept. (WTB.) Wie der Temps" aus Brüssel meldet, handelt es sich bei den Bonds, die die deutsche Regierung der bclgischeu Regierung au: händigen wird, richtiger gesagt um Wechsel, die fünf Prozent Zinsen i tagen und in sechs Monaten fällig werden, iaif zweier Abschnitte von je 50 Millionen Soldmark habe die belgische Regierung um zehn Abschnitte von je zehn Millionen Goldmark gebeten. Auf diese Weise werde man den Wechseln leben politischen Charakter nehmen, um sie leichter '»kontieren zu können. Wahrscheinlich werde die 1 elgifche Regierung sich bemühen, die Bonds unter die Banken verschiedener Länder zu ver- i eilen. Sie soll, wie man sagt, bereits günstige Angebote erhalten haben, die es gestatten, die Diskontierung der 100 Millionen Goldmark als i ich er zu betrachten. Aus dem Reiche. ? Die Segelflieger vor dem Reichs- '• Präsidenten. ' Berlin, 22. Sept. (WTB.) Beim Reichs- oräsidenten hat heute ein Empfang zu Ehren , Öcr Rhönsegelflieger stattgefunden, von denen u. a. Henhen und Mertens erschienen waren; außerdem waren erschienen: Vizekanzler Bauer mit den in Berlin anwesenden Mitgliedern der Reichsregierung, für die preußische Regierung Kultusminister Boelih, als Vertreter der deutschen Hochschulen und der Rektoren der Uni» versität Berlin Geheimrat Nernst, der Technischen Hochschule Professor Dr. Rothe, ferner Vertreter der Industrie-, Finanz-, Wirtschafts- und Handelskreise, sowie die Presse und der Vorsitzende der Rhöngesellschaft, Konsul Kotzenberg. Der Reichspräsident wies in kurzen begrüßenden Worten auf die Leistungen der deutschen Flieger hin. Allen, die den Segelflug in der Rhön veran- Baalsfempel. Roman von Margarete v. Oerhen- F ü n f g e l d. 30. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Ter Papa war auch mit einem Male dagewesen, obwohl doch ausgemacht war, daß Tante Kordula sie auf der Heimreise bis Berlin begleiten und sie dann allein weiterfahren solle. Aeberhaupt — da lag bai Dunkel — dieses Dunkel, das sich über sie gesenkt und das sie nicht durchfichten konnte. Sie grübelte und grübelte. Heimlich und für sich, wie sie es ja von frühesten Kinderjahren her gewohnt war. Nach außen hin war sie höflich und freundlich und zeigte sich dankbar für kleine Näschereien, Blumen und Geschenke. Aber ihre Dank- barkeil hatte etwas Aeuherliches, Freudloses, unb ihre Freundlichkeit etwas Totes. Niemand konnte den Panzer durchbrechen, der ihre ganze Person umhüllte wie Erz und Eisen, und der doch nur aus der Seide sanften Eigensinns und scheinbarer Gefügigkeit bestand. Als der Papa wie täglich ausgegangen war, richtete Gilt) sich auf. „Tantchen!" „Herzchen?" -Wenn du so gütig fein willst — laß die Orchideen fortschaffen — sie schneiden so gräßliche Fratzen!" „Aber, Herzchen!" Indessen beeilte sie sich, zu gehorchen. „Sag' mal, Tante —“ „3a." Die alte Hofdame kniete mit der antiken Anmut der Damen Heiner Fürstenhöfe von früher neben Lilys Decken und Fellen und streichelte ihr schmeichlerisch die Hand. Doch im Grunde ihrer noch schönen Augen unter der aristokratisch schmalen Stirn erwachte die Angst. „Tu warst doch neulich dabei, Tante Kordula?" „Wobei, Kind?" „Als — sag' mal — bin ich eigentlich über- /ähren wordrn?" Sie lächelte trostlos. „Es ist nämlich so sonderbar. Soviel ich mich auch quäle — ganz stallet und an ihm teilgenommen hätten, gebühre Dank und Anerkennung. Hieraus gab Diplom- Ingenieur Henhen eine Darstellung vr»t 'der Technik des motorlosen Fluges und der rr.bleme, die auf diesem Gebiete noch zu lösen ilnu. Als Vertreter des Reichsverkehrsministers sag e Ministerialdirektor Bredow die Bereitwilligkeit der amtlichen Stellen zu, die Bestrebungen der motorlosen Duftfahrt nachdrücklich zu unterstützen. In angeregter Anterhaltung fand ein lebhafter Ge- dankenaustaufch statt. Der Abend gestaltete sich somit zu einer schönen Ehrung für die erfolgreichen Vorkämpfer des Segelfluges. Besoldungserhöhungen. Berlin, 22. Sept. (Wolff.) Heute vormittag fand in der Reichskanzlei unter dem Vorsitz des Vizekanzlers Bauer und in Anwesenheit von Vertretern der preußischen Staatsregierung eine Besprechung mit den Führern der Parteien des Reichstages und des preußischen Landtags über die Besoldungserhöhung der Beamten, Ange stellten und Arbeiter statt. Vom Reichsfinanzministerium wurde mitgeteilt, daß heute nacht nach schwierigen Verhandlungen mit den Spiyenvrganisationen eine Einigung erzielt worden sei. Es sei in Aussicht genommen, den allgemeinen Teuerungszuschlag von 437 Prozent auf 67 7 Prozent, und den Kopfzuschlag, d. h. den erhöhten Teuerungszuschlag auf die ersten 10 000 Mk. v o n 4 9 2 P r o z e n 1 a u f 7 7 7 Prozent zu erhöhen. Die Arbeiterlöhne sollten entsprechend festgesetzt werden. Die Reichsregierung habe zugesagt, daß schon am nächsten Donnerstag in die Beratung über die grundsätzliche Neuregelung der Gehälter, insbesondere des Grundgehalts, und der Ortszuschläge eingetreten werde. Vizekanzler Bauer erklärte, daß noch heute der Ausschuß des Reichstags um die Zustimmung zu den genannten Erhöhungen ersucht werden würde, und daß die Auszahlung der Bezüge mit größtmöglicher Beschleunigung vor sich gehen werde. An die Mitteilung schloß sich eine kurze Aussprache. Das Reichsministerium hat bereits in seiner um 11 Ahr vormittags stattfindenden Sitzung der Neufestsetzung der Teuerungszuschläge zugestimmt. Abgelehnte Bergarbeiter-Forderungen. Berlin, 23. Sept. Blättermeldungen aus Essen zufolge hat auf Ersuchen der Bergarbeiterverbände um Verhandlungen über neue Lohnerhöhungen für Oktober der Reichsverband der deutschen Industrie, Fachgruppe Bergbau, geantwortet, daß die Notwendigkeit einer Lohnerhöhung zum 1. Oktober nicht eingefefjen werden könne. Die letzte Lohnerhöhung sei mit Rücksicht auf das damalige scharfe Anziehen des Dollarkurses sehr reichlich bemessen worden und müsse für Oktober, ausreichen. Eine weitere Erhöhung der Kohlenpreise, die für die geforderte Lohnerhöhung Voraussetzung fei, sei für die deutsche Wirtschaft untragbar. Der Ivprozenttge Lohnabzug. Der DeutscheGewerkschaftsbundhat beim Reichsfinanzminister beantragt, daß bis zu einer Höhe von 250 000 Mark Jahreseinkommen eine besondere Veranlagung unterbleiben und es bei dem lOprozentigen Lohnabzug sein Bewenden haben soll. Zum Rathenau-Prozeß. Berlin, 23. Sept. Wie die Blätter mitteilen, hat der Staatsgerichtshof den Haftbefehl gegen den Schriftsteller Dr. Stein, den Bewohner der Burg Saaleck, ohne Stellung einer Kaution auf. gehoben. Dr. Stein ist aus dem Antersuchungs- gefängnis entlasten worden. Eine Wiederaufbaugruppe in Bayern. München, 22. Sept. (Wolff.) Eine Gruppe von Interessenten gründete für Sachleistungen auf dem gesamten Gebiete des Wiederaufbaues im Sinne des Demelistans-, Gillcts- und Wiesbadener Abkommens zwecks freien Zusammenschlusses eine Wiederaufbaugruppe Bayern G. m. b. H. mit dem Sitze in München und einem vorläufigen Kapital von 300 000 Mark. Wie den deutlich kann ich mich'nicht erinnern. Wir standen doch am Brandenburger Tor?" „Jawohl," erwiderte Tante Kordula mit stockendem Atem. „Unb er? Wo ist er geblieben? Was ist mit ihm geschehen?" Tante Kordula erhob sich langsam und strich ihr Kleid glatt. „Ich weiß nicht, was du meinst, Lily!" Sie lehnte den Kopf zurück in die Kissen, resigniert und müde. „So, du weiht es nicht! So will ich es dir sagen — ich habe ihn toiebergefeben.“ Ihre Augen glommen wie Sterne. Sie umschlang ihre Knie mit ben Armen und sah so geduckt, ein verscheuchter Vogel. ..Ich kann das alles nicht geträumt haben. Es war wie damals — so wunderbar — bis dann die Dunkelheit kam —“ „Liebes Kind." sprach Tante Kordula und rückte ihr die Kissen zurecht. „Ein Auto hat dich erschreckt, und du wurdest ohnmächtig. Weiter weih ich nichts — alles andere ist eine Chimäre — ein Gebilde krankhafter Phantasie." Lily griff sich an den Kopf. „Es ist ja möglich. Es war solch ein helldunkler Berliner Abend — ich hatte es den ganzen Tag gefühlt. Wozu Komödie spielen, Tante Kordula? Ich hab' mich die ganze Zeit bei Euch unglücklich gefühlt.“ „Danke!" sagte die Tante trocken. „Ich bin gewih nicht undankbar! Aber alles war Lüge! Weil ich zu feige gewesen bin! Zu feige!“ Sie schlug die Hände vors Gesicht. „Ihr alle halst mir lügen, du — und der Papa — und ihr tut es jetzt noch —“ „Aber, erlaube mal . . .“ Lilys Finger zupften fieberhaft an der Decke. „Wir standen am Brandenburger Tor," wiederholte sie wie suchend. „Er rief meinen Namen. Es war doch das letzte, was ich hörte — ich höre es jetzt wieder ganz deutlich —" Sie sprang mit beiden Füßen zugleich vom Sofa und rannte an die Tür. Die Hofdame drückte in nimlosem Schrecken wie wahnwitzig auf den Klingelknopf. Das Dienstt personal stürzte herbei — zwei, drei Personen. „Münchener Neunten Nachrichten" mitgeteilt wird, gehören der Gruppe eine größere Anzahl bedeutender süddeutscher Werke, darunter auch die DaimlerMotorengesellschaftin Stuttgart, an. Süt diese bayerischen Sach l ief erungen lomme nach Zusage des französischen Wiederauf- bauminifteriums de r^ französische Minimalzoll zur Anwendung. Mit S t i n n e s habe ök Gruppe ebenfalls Fühlung genommen und bereits ein ilcl ercintommcn dar in erzielt, daß auch die buy- rifch>:n Lieferanten durch die Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbau Reparationskohle erhalten. Der Niedergang der Presse. München, 23. Sept. Die bisher zweimal täg" lich erscheinenden „Münchener Neuesten Nachrichten" werden infolge der Papierteuerung vom 1. Oktober ab nur noch einmal täglich erscheinen. Aus dem besetzten Gebiet. Die Zensur. Paris, 22. September (NW). Nach einer Havasmeldung aus Coblenz hat die interalliierte Rheinlandkommifsio ndasBuch „Elisabeth" von Arthur Landsberger und die Broschüre von Mar Brunnermann „Schurkenbriefe" verboten, da sie geeignet seien, der Würde und Sicherheit der Besahungstruppen Abbruch zu tun. Letzte Nachrichten. Gießen, den 22. September 1922. Gießener Wochenmarktbericht. Die Preise auf dem heutigen Wochen- markt stellten sich wie folgt: Weißkraut das Pfund 1,80—3 Mk., Wirsing 1,80—4 Mk. Rotkraut 3,50—6 Mb. Blumenkohl das Stück 2,50 bis 20 Mk., Anterkohlrabi 1,50—3 Mb, Obertohl- rabi 0,80—2 Mk., gelbe Rüben das Pfund 3—6 Mark, rote Rüben 2,50—5 Mk., Stangenbohnen 5,50—10 Mb, Salat (Kopf) 1—1,50 Mk. Endivien (Kopf) 1,50—5 Mk., Kürbis das Pfund 1 Mk., Zwiebeln 12—15 Mk., Salatgurken das Stück 4—15 Mk., Einmachgurken 1—2 Mk., Tomaten das Pfund 12—15 Mk , Aepsel 4—8 Mk., Birnen 3,50—10 Mk., Zwischen 2,50-4 50 Mk., Kartoffeln 3,60—4 Mk., Butter 290—320 Mk., Eier das Stück 14—15 Mk., Käse 5—7,50 Mk. Die höheren Preise sind als H ä n d l erpresse anzusehen. Es wird jedoch auch in vielen Fällen von den Erzeugern versucht, die Händler- Preise zu nehmen. Dieses ist unstatthaft, weil der Erzeuger nicht mit den hohen Spesen usw. zu rechnen hat, wie der Händler. Wettervoraussage für Sonntag: Wolkig, meist trocken, mild, Neigung zur Nebelbildung. Bon unbedeutenden Druckstörungen abgesehen, ist die Luftdruckverteilung über Mitteleuropa ziemlich gleichmäßig. Das bestehende Wetter wird anhalten. itiornot t3.cn. — Tageskalender für Samstag und Sonntag: Demokratische Partei, heute abend 8 Uhr in der Turnhalle, Oswaldsgarten: Oefsent- liche Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen: „Die Prinzessin von Kahirah". — 1900-Sportplatz an der Hardt: Sonntag nachmittag Fußball-Wettspiele. — Waldgottesdienst. Der Gvang. Arbeiterverein veranstaltet morgen Sonntag vormittag in Gemeinschaft mit dem Evang. Bund und dem Wartburgverein auf dem Schiffenberg einen Waldgottesdienst (siehe heutige Anzeige). — Pferde - Rennen, Trabreiten und Prämien fahren wird am 1. Oktober in Reiskirchen bei Wetzlar stattfinden. Näheres im Anzeigenteil. — Die Gießener Herbstmesse wird von den beteiligten Geschäftsleuten in unserem heutigen Anzeigenteil zum Besuch empfohlen. — Eine Obst» und Gartenbau-Ausstellung sindet von Samstag, 30. September, bis einschließlich 2. Oktober in Gieß en statt. Näheres im heutigen Anzeigenteil. — Der Gesangverein Heiterkeit Hält am Sonntag, 8. Oktober, nachmittags 4 Ahr, in der Neuen Aula der Unwcrfität sein diesjähriges Konzert unter Leitung seines Dirigenten Heinrich Blaß ab. (S. Anzeigenteil.) • ** Sitzungen des Schwurgerichts für das 3. Vierteljahr 1922. Montag, 25. Sept., Aber Lily stand ganz ruhig, nur marmorweiß im Gesicht. „Was wollen die alle? Schicke sie hinaus, Tante! Mir ist wieder ganz wohl!" Gin geisterhaftes Lächeln schlich um ihre Lippen. Eine Stunde später faßte Tante Kordula den heimkehrenden Geheimrat vor der Tür ab. „Sie erinnert sich. Sie hat nach ihm gefragt!" Der Vater eilte, ohne zu antworten, an der Schwester vorüber in Lilys Schlafzimmer. Denn man hatte sie wieder zu Bett gebracht. Er legte ein Kästchen auf ihre Decke, es enthielt einen einzigen großen Brillanten, an einem dünnen Platinkettchen zu tragen. Sie drückte ihm sanft die Hand: „Danke, Papa!" And so blieb es immer zwischen ihnen — immer. Als Heinz die Augen aufschlug, sah er sein altes Kinderzimmer vor sich, die freundlichen, helltapezierten Wände, die Schwarzwälder Ahr mit dem Drosselschlag und in der Ecke das bunte Marienbild — den großen, runden Tisch, an dem genäht und geflickt and gegessen wurde, ind den Armsessel von schwarzem Leder: Vaters Sessel. In dem rauchte er seine lange Pfeife. Ein stiller Frieden, der Frieden höchster Weltabgeschiedenheit lag über den blanken Dielen. In den grünen Kacheln des Ofens, um den eine Holzbank lief, spiegelte sich die Sonne, und draußen wantte und schwankte cip grüner Zweig an die Scheiben, und die knorrige Rinde des Apfelbaums stemmte sich gegen das eiferne Treppengeländer. Dicht neben seinem C&ett aber sah — feine Mutter. Ihr Strickzeug klapperte leise die Musik zu all dem Sonnenschein, und über ihrem Gesicht lag jener helle Glanz, der des Morgens mit ihr erwachte und des Abends mit ihr schlafen ging. Aber feine Mutter war doch schon lange tot? Wie seltsam seine Kinderzeit zu ihm zurück» kehrle! Die Glocke der weihgetünchten Dorstirche läutete elf Ahr ein, und nun schollen aus den offenen Fenstern der Häuser die vielstimmigen Ulittf;’"1 * der Familien. vorm. 9V» Ahr: Angeklagte: 1. Kath Kaiser, geb. Lind, 2. Hugo Schmieder, 3. Lina Schmieder geb. Funk, alle von Geiß-Nidda, wegen Meineids. — Dienstag, 26. Sept., vorm. 81 Ahr: Angeklagte: 1. Heinrich Weidling, 2. Heinrich Knas, beide von Büdingen, wegen Meineids. — Mittwoch, 27. Sept., vorm. 8'... Ahr: Angeklagte: Marie Lang von Alsa wegen Kindestötung. — Donnerstag, 28. Sept., vorm. 81/.- Ahr: Angeklagter: Konrad Otterbein von Anterfchwarz wegen Notzuchtversuchs. — Freitag, 29. Sept., Dorrn. 8' 2 Ahr: Angeklagte: 1. Balthasar Hofmann, 2.' Wilhelm Pfeiffer, 3. Heinrich Henß, 4. Wilhelm Herzberger, alle von Grohen-Buseck wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg. — Montag, 2. Oft., vorm. 9' 2 Ahr. Angeklagter: Konrad Wagner von Maulbach wegen Ntt>rd- versuchs. — Dienstag, 3. Oft., vorm. 8l/2 Ahr Angeklagter: Konr. Herrn Seitz von Grünberg wegen Notzuchtverfuchs. Mittwoch, 4. Oft., vorm. 81/» Ahr: Angeklagte. Anna A^rrie Elisr betha Nagengast von- Bamberg wegen Kindestötung. △ Goldene Hochzeit feierten gestern Schreinermeister Johannes Lenz und seine Ehesrau, Frankfurter Straße hierselbst wohnhaft. Der Posaunenchor Klein-Anden brachte dem Jubelpaar ein Ständchen, da Herr Lenz geborener Klein-Lindener und ältestes Mitglied des Posaunenchors ist. ** Die Derkaufsbedingungen der Gießener Kohlenhändler werden von den beteiligten Firmen im Anzeigenteil unserer heutigen Nummer zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Man achte auf diese wichtige Mitteilung. ** Wegen Kettenhandels verhaftet. Hier wurde ein im besetzten Gebiet wohnhafter deutscher Kaufmann wegen Kettenhandels festgenvmmen und dem Gericht zugeführt. Er war in letzter Zeit wiederholt in hiesiger Stadt erschienen, hatte Teppiche aufgekauft, an einem Tage sogar 12 Stück, und sie dann ins Ausland verschoben. ’* Die Obst-Trocken anlage im Elektrizitätswerk ist am Montag geschloffen. ** Neue Preise für Backwaren auf Brotmarken werden vom Oberbürgermeister in unserem heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben. Das 1900-Gramm-Brot kostet vom Montag ab 33 Mk. ** Oberhessischer Kunst verein. Obgleich gestern und heute noch Sendungen für die Ausstellung der „Grabmalskunst" eintrafen, wttd doch die Ausstellung, die nahezu 200 Entwürfe aufweist, noch fertig gestellt, so daß morgen, Sonntag, die Eröffnung erfolgen kann. Anser einheimischer Künstler, Bildhauer 3. Köddiug, ist mit vier plastischen Arbeiten dertteten. — 3m kleinen Raum stellt hier zum erstenmal der bekannte Berliner Landschaftsmaler Fritz Riemschneider aus, der mit 11 Oelgemälden und zwei Aquarellen vertteten tft, deren Motive der hiesigen Amgegend (Badenburg. Gleiberg und Kloster Arnsburg) entnommen sind. Diese Werke werden wohl besonderes Interesse auf unsere Kunstfreunde ausüben. Die Ausstellung, die nur 14Tage dauert, ist täglich (außer Samstags) von 11—1 Ahr und Mittwochs auch noch von 3—5 Ahr geöffnet. ** Die Gießener Freiw. Feuerweh r, die F r e i w. G a i l 'sehe Feuerwehr sowie die Sanitätskolvnne werden morgen, Sonntag, in Gegenwart der Behörden ihre diesjährige Schlußübung abhalten. Am 11 Ahr vormittags nehmen die beiden Wehren und die Sanitätskvlonne im Hofe der Zeughauskaserne Aufstellung. Nach Vorführung der einzelnen Geräteübungen erfolgt an einem größeren Gebäude ein Brandangriff. Die Aufgabe, die die Wehren und Sanitätsiolonne. auszuführen haben, wird erst nach Alarmierung bei Ankunft am Brandobjekt bekannt gegeben. Außer den Behörden werden auch Mitglieder auswärtiger Wehren dieser Aebung beiwohnen. All das hatte er vergessen gehabt. Auch das klingende Sausen der Sägemühle drunten am Wehr, das in den Mittag hineinsang, und das Dengeln der Sensen auf nahen und fernen Matten. In den Wäldern rief der Kuckuck: und jetzt begann auch die Drossel in der Ahr. Heinz ermunterte sich mit aller Gewalt. Oeff- nete die Augen und musterte angestrengt alle Gegenstände rings umher, bis der Zauber von ihnen fiel ui0 sie zurücksanken auf das Gebiet der Wirklichkeit. Er lag zu Bett in feiner Berliner Wohnung, hoch droben in der Wilhelmsaue, und nur die klappernden Nadeln und das friedliche Gesicht an feinem Bett blieben auch jetzt. Ein Strahl freudigen Erkennens zuckte durch fein Herz. Ach, mit ihr war er doch an schönen (Sommertagen durch die Wälder gegangen, auf den einsamen Hochwiesen hatten sie gestanden schweigend, in naiver Zufriedenheit, frohe, dam bare Gotteskinder. „Lene," sagte er ganz klar und deutlich, „wie kommst denn du hierher?" „Herr Jesus!" tat sie einen kleinen Schrei, ließ ihr Strickzeug fallen und beugte sich über ihn. „Gott sei Dank, daß du nur wieder bei dir bist!" Er suchte angestrengt in seiner Erinnerung, aber er sand nichts, als eben die sommerlichen Wälder und Wiesen and die Lene. „Was ist denn los mit mir?" fragte er gespannt. „Tut dir was weh?" „Keine Ahnung." „Dann ist's schon gut. Jetzt schimpfe nur nicht, daß ich da bin. Die Tanf hat nämlich gemeint, ich hätte bei dir nichts mehr zu suchen. Aber diesmal hab' ich meinen Kopf durchgeseht. Ach, ich bin ja so froh! Willst du was offen?“ „Hast du denn was da?" „Ach, die gute Frau Doktor schickt doch jeden Tag für dich die feinsten Sachen — Hühner» brüh' und Tauben und Fleifchgelee —" „Die Frau Doktor!" Seine Wangen färbten sich. „Hör' mal, Lene —, ja, gib mir die Hühnerbrühe — aber — aber — zuerst erzähle mal ordentlich!" (Fortsetzung folgt.) •• Höherer landwirtschaftlicher Staat 6bi cn ft. Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft gibt soeben eine Verordnung über den Vorbereitungsdienst und die Staatsprüfung für den höheren landwirtschaftlichen Staatsdienst bekannt. 2lach § 1 ist die Fähigkeit zu einem Amte des höheren Landwirtschaftlichen Staats- dienfies vvn der Ablegung einer Staatsprüfung abhängig. Als höherer landwirtschaftlicher Staatsdienst gelten 1. die Tätigkeit als Lehrer der Landwirtschaft an einer landwirtschaftlichen Schule: 2 die Tätigkeit als landwirtschaftlicher Fachberater für allgemeine oder besondere Gebiete: 3. die Tätigkeit als akademisch gebildeter ßanbtoirt an einer landwirtschaftlichen Landesanfialt (Versuchsstation, Wern- und Obstbau-- fchulen) und 4. die Tätigkeit als höherer- landwirtschaftlicher Verwaltungsbeamter im öffentlichen Dienst. Vor der Zulassung zur Staatsprüfung ist ein zweijähriger Vorbereitungsdienst mit mindestens gutem Erfolge abzuleisten. Voraussetzung für die Zulassung zum Vorbereit rngs- dienst ist u. a. die Reife einer neunklassigen höheren Lehranstalt, zweijährige praktische Ausbildung auf geeigneten landwirtschaftlichen Gütern, dreijähriges Studium auf einer landwirtschaftlichen Hochschule, davon mindestens zwei Semester an der L a n d e s unive r s i t ä t Gie- en, die Ablegung der landwirtschaftlichen Di- plomprüsung an der hessischen Landesunioersität. Alter unter 32 Jahren, Besitz der zur Ausübung des Amtes des höheren landwirtschaftlichen Staatsdienstes erforderlichen körperlichen Rüstigkeit. Die Staatsprüfung findet jährlich einmal in Darmstadt statt und zerfällt in einen mündlichen und einen schriftlichen Teil. Die erste Staatsprüfung ftnbet im Jahre 1923 statt. Landkreis Gießen. > Wies eck, 22. Sept. Dem schon betagten Schreiner Gottlieb Barthel brach beim Aepfel- abmachen die Leiter, auf der er stand, mitten entzwei. Der Mann stürzte vom Daum und scheint dabei ernste innere Verletzungen davongetragen zu haben. Kreis Schotten. ed. Aus dem Vogelsberg, 22. Sept. Bei den zahlreichen Ob st Versteigerungen, die In jden letzten Tagen von Gemeinden und dem K«is abgehalten wurden, stellte ftch der Zentner Aepsel auf 200—250 Mk. Große Scharen von Steigerern aus den höher gelegenen Dogelsbergorten kamen mit Wagen zu den Versteigerungen in die Täler und nahmen das gesteigerte Obst sofort mit. Das „Aepfel- und Zwetschenfahren" in den Vogelsberg hat sich überlebt. Die Vogelsberger holen sich jetzt ihr Obst selbst und bekommen es dadurch wesentlich billiger. Große Mengen Kelterobst wurden von einheimischen Wirten zur Aepfelweinberei- tung getauft. Kreis Friedberg. sf. F r i e d b e r g, 22. Sept. 3n der gestrigen Stadtverordnetensitzung berichtete vor Eintritt in die Tagesordnung Beigeordneter! Langsdorf über den Besuch von Professor Baruch aus Reuyork, der 50 000 Mark für die AltersWfe und die in Äot geratenen alten Handwerker gestiftet Hat: Wetter teilte der Bürgermeister mit, daß die Söhne des früheren Stadtverordneten Oppenheimer, Ernst und Louis Oppenheimer, 300 000 Mark für Mohltätige Zwecke gestiftet haben. — Der Voranschlag der ZS ch i l l e r s ch u le für 1923 wurde genehmigt; er beansprucht einen städtischen Zuschuß von etaxi 1 300 000 Mk. Die Versammlung faßte eine Resolution, welche den Staat ersucht, die Lasten der Höheren Schulen zu übernehmen oder den Städten neue Einnahmequellen zu erschließen. — Um die Kosten der Handwerkskammer zu decken, soll bei den Handwerkern eine Umlage erhoben werden. — Die Strahenbenuhungs- gebühren wurden pro Woche und Quadratmeter auf 1 Mark festgesetzt. — Die Sähe der Erwerbslosenunterstützung wurden nach den staatlichen Sätzen erhöht: es wurde hierbei mitgeteilt, daß sich in Friedberg zur Zeit keine Erwerbslosen befinden. — Für die Errichtung einer Treppe im Schulhofe des Stadtteils Fauerbach wurden 40 000 Mk. bewilligt: für weitere, notwendige bauliche Arbeiten 28 000 Mk. — Die Anschaffung von Holzstäben für den Turnunterricht in der Mädchenschule wurde genehmigt. — Da die Kosten für bie Friedhofskapelle im Stadtteil Fauerbach 400 000 Mk. betragen sollen, wurde beschlossen, die Frage der Rotwendigkeit ihrer Errichtung dem Friedhofsaus- schusse zur erneuten Beratung zu überreifen. Für die Reuanlage des alten Friedhofs wurden {5—20 000 Mk. zur Anpflairzung von Hainbuchenhecken bewilligt. — Die Gebühren für die Ankäufe von Gräbern wurden um etwa 100 Prozent erhöht, ebenso die Deerdigungsgebühren. Es wurde weiter beschlossen, auch von der israelitischen Gemeinde die vollen Sätze zu erheben, vorbehaltlich genauerer Verabredung mit der israelitischen Religionsgemeinde. — Den Ziegen- 'fjaltern der Stadt sollen einzelne Wiesen nach der Grummetemte. zur Verfügung gestellt werden. — Der seither bestehende Vertrag zwischen der Stadt und den Zeitungen ist von letzteren gekündigt worden: nach der neuen Vereinbarung erhalten sie vollen Zeilenpreis mit 60 Prozent Rabatt. Die Zeitungen verpflichten sich, 25 Abdrucke der städtischen Bekanntmachungen an verschiedenen Stellen der Stadt öffentlich auszuhängen. ss. Friedberg, 21. Sept. Die rührige Abteilung des V. H. C. „Zweig verein Schillerschule Friedberg" unter Leitung des Studienrats Dr. Riedel veranstaltete gestern abend wieder einen der allgemein beliebten Unterhaltungsabende, diesmal zum Besten der wanderlustigen Jugend: der Erlös soll zum größten Teile den zu errichtenden Wanderherbergen zukommen. Das Programm bot in reicher Abwechslung Szenen und Bilder aus dem Wanderleben. Der Saal war bis zum letzten Platz gefüllt. Dem guten Zwecke können nahezu 6000 Mark zufliehen. * Bad-Rauhei m, 22. Sept. Bis heute betrug der Gesamtbesuch 36 942 Personen. Hessen-Nassau. ss. Frankfurt, 15. Sept. Rach einer zehnjährigen, durch die Kriegszeiten veranlaßten Pause, sand gestern im Gemeindesaal der deutsch- reformierten Gemeinde der 10. Familientag der Familie Scriba statt. Die Familie, die besonders in Hessen stark verbreitet ist, führt ihren Stammbaum bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück, viele Mitglieder derselben gehören dem Geistlichen- und Deamten- stande an. Die Tagung war von über 150 Fa- milienmitgliebern besucht. Aus dem Bericht des Schriftführers, Pfarrer Scr iba zu SichÄs- dors, war zu entnehmen, daß 45 Mitglieder im Felde gestanden haben, von denen 13 auf dem Felde der Ehre geblieben sind. Der seitherige Famiiienvorsitzende, Fabrikant Ludwig Scriba von H ö ch st a. M. legte sein Amt nieder und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, an seine Stelle trat Professor Carl Scriba von Darmstadt, zum Schriftleiter des Familienblattes wurde Pfarrer Scriba von Obermossau gewählt. spd. Frankfurt a. M., 22. Sept. Einer hiesigen ersten Seidensirma unterschlug deren Lagerist vor geraumer Zeit Seidenstoffe von erheblichem Werte und veräußerte sie an Hehler weiter. Durch eine Haussuchung in einer von dieser Sache unabhängigen Diebstahlsangelegen- beit kam es dieser Tage heraus, daß der Mann seinem Geschäft weit mehr Seidenwaren gestohlen hat. als man ursprünglich angenommen hatte. Der Wert der entwendeten Stoffe wird heute auf etwa fünf Millionen Mark geschäht. In die Affäre sind außerdem noch etwa 30 Angestellte zweier hiesiger Firmen verwickelt, die von den Hehlern Seidenstoffe kauften und für sich verwendeten. — Die Kriminalpolizei hob in der vergangenen Rächt die Wirtschaft von Schipp, Kleiner Kornmarkt 7, aus, in der sich eine große Spielergesellschast allnächtlich zu ausgedehnten Spielen zusammenfand. Die Mehrzahl der Spieler bestand aus H o t e l a n gestellten und deren Angehörigen. spd. Frankfurt a. M., 22. Sept. Ein Landwirt der Umgebung bezahlte dieser Tage seinen Friseur in Eierwährung. „Heute müssen Sie mich mal zum Friedenspreise rasieren", meinte der Landwirt und überreichte dem Verschönerungskünstler zu dessen freudiger Ueberraschung .zwei frische Eier. Beide Teile waren zufrieden! Frankfurt a. M., 22. Sept. (Wolff.) Die Handelskammer Frankfurt a. M. teilt mit, daß der Reichssinanzministec dem Antrag auf Ausgabe von Rotgebd fettens der Stadt Frankfurt a. M. entsprochen hat. Schöffengericht. Gießen, 19. Sept. Ein vicllach vorbestrafter Mobelhändler aus Hannover hat in einer hiesigen Wirtschaft einer Frau eine Handtasche mit Papieren gestohlen und wird deshalb zu 2 Monaten Gefäng- n i s verurteilt. Am hellen Tage flieg ein junger Bursche durch ein offenes Fenster in eine zu ebener Erde gelegene Wohnung ein und entwendete aus einer unverschlossenen Kommode 650 Mk., von welchem Betrag er etwa 250 Mk. für Räschereien verausgabte. Wegen schweren Diebstahls wurde er mit 3 Wochen Gefängnis bestraft. Gin Eisenbahnbeamter aus Elimbach war beschuldigt, Ferkel „aus dem Kreise QHarburg eingeführt zu. haben, ohne im Besitz eines Ursprungszeugnisses zu sein. Da diese Vorschrift nur für Viehhändler, aber nicht für Private gilt, wurde er f r e i g e f p r v ch e n. Ein Händler aus Hörnsheim hat Käse, den er selbst hergestellt hat, an Wiederoerkäufer veräußert, ohne die Grohhandelserlaubnis zu besitzen, und wird deshalb zu einer Geldstrafe von 100 M k. verurteilt.______________________ Wegen Diebstahls von Brttetts aus einem Eisenbahnwagen wurde ein bereits mehrfach vorbestrafter Kohlenauslader von hier unter 2bv nähme mildernder Umstände zur Mindest ° strafe von drei Monaten Gefängnis verurtellt. Ein Schausteller von hier erhielt wegen Beleidigung eines Kaufmanns zwei Geldstrafen von je 100 Mk. Die Witwe eines hiesigen Heilkundigen veröffentlichte im „Gießener Anzeiger" eine Anpreisung eines von ihr vertriebenen elektrischen Apparates zu Heilzwecken und versprach darin Heilung durch den Apparat bei verschiedenen Kränksten, z. B. bei Asthma, Gicht, „Herz' usw. Da eine Heilung, d. h. endgültig. Behebung der angegebenen Leiden, durch den elektrischen Strom .nach wissenschaftlichen Ersatz rungen ganz unmöglich ist, erstattete das Kreis gesundheitsamt Anzeige. In der heutigen Haupt Verhandlung wurde festgestellt, daß der angc priesene 2ft)parat sich nur in Äußerlichkeiten von anderen Galvanisiermaschinen unterscheidet, daß seine Wirkung keine andere als die aller derartigen Apparate ist, und bah die hier erfolgte Anpreisung eine Irreführung desPubli k u m s und eine Empfehlung des Apparates weit über feinen Wert hinaus bedeutet. Die Angeklagte wird daher wegen Vergehens gegen die Polizei-Verordnung betr. den Schutz gegen Unlauterkeit im Heilgewerbe zu einer Geldstrafe vvn 300 M k. verurteilt. Aus dem Amtsvcrkündiguugsblatt. ** Das AmtsverkündigunqS- blatt Ar. 100 vorn 22. September enthält: Zinsen der Hess. Staatsschuldbuch-Forderungen. — Regelung des Verbrauchs von Brot und Mehl. — Hundesteuer. — Straßensperre. — Vergütung für den Unterricht an der Fortbildungsschule. - Schweinemarkc in Lich. Einsendung der KreiSabdeckereiverzeichnisse. — Erweiterung des Gleisanschlusses der Firma Berkenhvff u. Co. zu Kinzenbach. Maßnahmen gegenüber Betriebsabbrüchen und -stillegungen. — Feldbereinigung Grü- ningen. Sviclplan der frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, den 24. September; Tannhäuser. Montag, 25.: Carmen. Dienstag, 26. Cavalleria rufticana; hierauf: Der Bajazzo. Mittwoch. 27.: Die Fledermaus. Donnerstag, 28.: Tief land. Freitag, 29.: Einmaliges Gastspiel des rufi. Kammerballetts Alex. Gavrilov mit seinem En semble. Samstag, 30.: Die Afrikanerin. Sonntag den 1. Oktober: Tannhäuser. Montag, 2.. Hofs mann« Erzählungen. Dienstag, 3.: Figaros Hoch zeit. Mittwoch, 4.: Der fliegende Holländer Schauspielhaus. Sonntag, den 24. Sept. Borm. 10', . Uhr: Tanzaufführung von Riddtz Impekoven. Abends 7' . Uhr: Emilia Galotti Montag. 25.: Der Richter von Zalamea. Dienstag, 26.: Gespenster. Mittwoch, 27.: Die Weber. Donnerstag, 28.: Iphigenie auf Tauris. Freitag. 29 : Die Weber. Samstag, 30.: Emilia Galotti (Sonntag, den 1. Oktober: Die Weber. Montag. 2 : Der Richter von Zalamea. Dienstag. 3.: Ge- spenster. Mittwoch. 4.: Iphigenie aus Tauris. z. Zt. Berlin Rostock i. Mecklenburg •902!L Gießen, den 23. September 1922 w I Statt besonderer Anzeige. (ersiD Z. 3- verreist. Telephon Wr. 2104. ..................... ...... Obstversteigernng. MWS BtflößßllS Githkll Wer übernimmt Tüchtige Familie Kirzinger. 09061 Schrift!. Angeb. um. 08964and.Gieß.Anz. 8663V Ihre Vermählung zeigen an Dr. phil. Heinrich Klenk Marta Klenk geb. Georgi BeacMtn Sie Sonntags unter« Annence. Der Bürgermeister. Weber. Karl Hartmann Käthe Hartmann geb. Peter geben ihre Vermählung bekannt Wegen Geschäftsverlegung nur noch 3 Tage ^8 Weizenbier im Ausschank Montag Abschied. Wir laden ganz er» gebenst zu diesen Tagen unsere Weizenbier- trinker und Stammgäste freundlichst ein. ___23. September 1922 Darmstadt (Hemrichstr. 124) Wir haben uns am 10. September in Rostock verlobt Hanna Ribeaucourt Georg Koch SWöerin reMSMs- Ä Ä»’ MlMllW? Dentist Otto F. I. Crotz u. Frau Alma Crotz geb.Möbus verw.Enders geben hiermit von ihrer Vermählung Kenntnis. Gießen, Wetzl. Weg 1511 Bad-Nauheim - Freiburg i. B. Hause. Sehr. Angeb. unt. 09019 a. d.G.Anz. Bekanntmachung Infolge Erhöhung der Kohlenpreise, Bäckerlöhne und der sonstigen Unkosten im Bäckereigewerbe werden unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 18. August 1922 folgende Höchstpreise für auf Brotmarken abzugebende Backwaren gemäß Beschluß der städtischen Lebens- mitteldeputativn vom 22. September 1922 mit Wirkung vom 25. September 1922 festgesetzt: Brok . Mk. 33.— für 1900 Gramm Brötchen „ 1.30 „ 50 Gießen, den 23. September 1922. Der Oberbürgermeister. [8774B 3. D.: Dr. Seid, Beigeordneter. NB. Auch kann ein Wirt den Alleinverkauf von Gießen bekommen und werde ich mein Weizenbier aus Nürnberg zum billigsten Preis berechnen. Hans Kirzinger. wegen den Kniebeulen läßt Du mich stehen? Morgen laste ich Fesers Knieschutz in alle meine Hosen einnähen, um eine Dauerbügelfalte zu haben und um mich vor solchem Pech zu schützen. In jeder Schneiderei und einschlägigen Geschäften zu haben. Preis Mh58,- (Porto Mk 3 —) FRITZ FESER Erfinder and Alleiniger Fabrikant, Frankfurt a. M. Vertrieb für Heesen-Nassau, Rheinland-W e'Halm, Baden, Württemberg, für alle anderen Platzs der Gmeraloertr. FRED PELZ, G.m.b.H., Magdeburg, l. Treff & Co. Walltorstraße 17. Dienstag, den 26. d. M., soll die Obsternte an der Kreisstraße Bettenhausen- Bellersheim, bestehend aus nur Birnen zweite Poiteau, Hofratsbirnen und Mundnetzbirnen) versteigert werden. Anfang 10 Uhr vormittags an Baum Nr. 1. Desgleichen am 27. d. M. das Obst (Pastorenbirnen) an der Kreisstraße Grünin- gen-Lang-Göns. Anfang 10 Uhr norm, bei Baum Nr. 1. 8752B Gießen, den 22. September 1922. Kreisbauverwalluiig Gießen Cellarius. Aufgebot Die Erben des am 25. Juli 1921 in Düsseldorf verstorbenen Kaufmanns Adam Klein, nämlich: , ' Emma Emilie und Paul Klein, alle in Düsseldorf wohnhaft, haben das Aus- gebot des Hypothekenbriefs vom 6. Mai 1920 über die für den Erblasser auf dem Grundbuchblatt Rr. 54 der Gemarkung Watzenborn - Steinberg der Grundstücke Rr. 1 und 2 Abi. III Rr. 5 eingetragene, zu 41/4% verzinsliche Darlehensforderung von 10000 Mark beantragt. Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens in dem auf Donnerstag, den 28. Dezember 1922, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer 105 anberaumten Aufgebots- termin seine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, andernfalls deren Krastloserklärung erfolgen wird. Gießen, den 16. Juli 1922. Hessisches Amtsgericht. (8750B Neue National- Ml-Ku Allein-Vertreter; Gustav Wilhelm Schäfer Franklin! a. M.-Nietad Schwarzwaldstr. 77. Kostenlose Auskunft üb. Verkauf, Umtausch, Rückkauf u. Umänderung von [09028 gebrauchten National-Kassen. Original - Ersatzteile, Scheckrollen ______usw.______ Großer Posten Oefen, Herde u. Knpferkesael eingetroffen. 8675 Wilb. Tiirbeck Nacks.. MändbnrgS, 'Jieiiennum 18 Behördliche Anzeigen iKartoffelliesernng. Die Lieferung des Winterbedarfs an guten lagerfähigen Speisekartoffeln insgesamt 6000 Zentner für die medizinische, Frauen- u. Hautklinik, für die chirurgische und Obren» klinik, für die Augen- und Kinderklinik und für die Klinik für psychische und nervöse Krankheiten soll öffentlich ver- geben werden. Angebote sind an die Verwaltungen jeder Klinik bis zum Eröffnungstermin: Montag, den 2. Oktober 1922, vor- mittags 11 Uhr zu richten.______8678B Bekanntmachung Betr.: Trockenanlage. 7G6D Die Trockenanlage ist am Montag den 25. ds. Mts. für die Annahme und Ausgabe von Früchten geschloffen. Gießen, den 22. September 1922. Direktion der Elektrizitätswerke und Straßenbahn der Stadt Gießen. Holzsnbmisfion. Die Gemeinde Frankenbach verkauft tm Submifsionswege einen Fichtenbestand von zirka 1000 Fstm. Angebote sind pro Fstm., verschlossen, mit der Aufschrift „Holzsubmission" bis 30. d. M. mittags 12 Uhr bei dem Unterzeichneten einzu- reichen: dieselben werden nachmittags um 2 Uhr im Beisein etwa erschienener Bieter auf dem Gemeindehaus geöffnet. Die Bedingungen werden im Termin bekannt- gegeben, können auch vorher auf hiesiger Bürgermeisterei eingesehen werden. Genehmigung bleibt Vorbehalten. Wegen Besichtigung des Holzes wolle man sich an den Gemeindeförster Jeser ich dahier wenden. Frankenbach eiä Biedenkopf), den 19. September 1922. Vorsicht beimWaschen! 961 sSS Seifenpulver Schneekönig schont die Wäsche. Dome aus ersten Kreisen 25Iahre, vermög-,wünscht Heirat mit gebild. Herrn gleichen Standes mit gutem Einkommen. Gediegener Kaufmann bevorzugt. Schttftliche Anknüpfungen unter 08963 an den Gieß. Anz. erb. Filmoperette in 5 Akten unter Mitwirkung namhafter Sänger und Sängerinnen. Premiere Montag, den 25. September nachmittags 4 Uhr. 8740c 1900-SporIplalzanderHardt Sonntag, den 24. September: MM-NllWe MS. MW gegen 8748V 5.6. HOB 1900 Liga-Reserve: 2 Ahr. Liga: 3.30 Ahr. Gießener Sport-Elub v. 1900. gegr. 1878 [09038 Wieseck (Kirchstraße 28), den 23. September 1922. Die Beerdigung findet Montag, den 25. September, nachmittags 2 Uhr, statt. 8781D Saalöffnung 3V, Uhr. 09031 Karl Fries 8756 gesuchte 8758 Ebelttrake 32. Slindlanger gesucht. 09069 gesucht. 09034 gesucht. 851 ID Kunstoewerblenn Brinkmann, 09064 bittet 8776 der Borüand. üLuwer. nur aus gutem Hause z. tauf. ges. Ang. unt. 09059 a. d. Gieh. An- Dachdeckermeister Kröck, Weserstr. 19. Piano oder f Flügel kauft Q. Müller, Frankfurt s.M.,Unterlindau48. Die trauernden Hinterbliebenen Gießen, den 22. September 1922. Die Beerdigung findet in der Stille statt. Blumenspenden sind nicht im Sinne der Verstorbenen. 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Paris. . . . 100 FI. 100 aut 100 Kr. 100 Kr. 100 Fr. 1 £ 100 L. 100 Fr. 100 Kr. 100 r 100 Kr. 100 Kr. 207.40 0.38 0.0075 16.85 40.70 23.66 22.50 38.57 0.21 535.75 1.82 0,07 ... Fr. 125.40 Mainzer Dorfe. 77,50 165,- 460,- 80,25 665.- 498,- 315,- 218,- 601,- 407,- 330,- 300,- 77,50 205,- 498,- 81,50 671,— 499,75 314,- 301, — 598,- 410,- 335,- 300 - 77,50 140,- 480,- 76, - 674,- 498,- 314,- 301,- 585, ~ 409,- 332,50 300,- Wechsel auf Holland....... Deutschland . . . . Wien........ Prag........ Paris........ London ...... Italien....... Brüssel....... Budapest...... Reuyvrk....... Agram....... Warschau..... 21.9 -.38 — ,18 -.36 — ,28 stellungssriedhof vertretens. Man darf lagen, kurz vor dem Kriege schien der Sieg des künstlerischen Gedankens bereits ist seitdem, wenigstens zum Teil bemüht, allmählich die alten Geschmacklosigkeiten auszumerzen. Der sog. „Friede" von Versailles hat freilich dec ganze m Bewegung schweren Rückschlag gebracht, vor allem durch die Verarmung des gebildeten Mittelstandes, der auch hier Hauptträger der neuen kulturellen Bestrebungen war,' so gilt es, durch neue Propaganda weitere Kreise Mahr. — Hugendvereinigung der Matthäusge- meinde: Jeden Montag, abends 8 Uhr: männliche Abteilung: jeden Dienstag, abends 8 Uhr: bis 14 000, Wiesenheu, lose, 1800—2000, Wiesenheu, gepreßt, 2400—2600, Kleeheu 2050 bis 2200, Haferstrvh 1650, Roggenstroh, geb., 1500, Rvggenstroh, drahtgepr., 2100, Kartoffeln 750 bis 760, weihe Dohnen 9000, ungesch. Erbsen 11 500, Linsen 14 000—15 000, Durma-Reis 10 200, Haferflocken 12 000, Graupen 9000. Auslandzucker 14 000—14 200, Futtermöh- ren 600. Warum ist Ihre Nachbarin immer so elegant gekleidet? Weil sie ihre Kleider, Blusen usw. nur mit den weltberühmten „Hcitmann'S Warben", Marke „Fuckskopf im Ttern", selbst färbt, die als die besten anerkannt sind. Tun Sie es auch und Sie sind ebenso elegant gekleidet. (e073ss weibliche Abteilung. In der Iohanneskirche Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Reukonfirmierten aus der Iohannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. — Vorm. 9l/2 Uhr: Pfarrer Bechtols- Heimer. — Vorm. 11 Uhr: Kmderkirch: für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Iohannes- saal: Pfarrer Becker. — Freitag, den 2Z. Sep- Datum: 5°/, Dtsch. Kriegsanl. 4°/aDtsch. Reichsanl. 3°/o Dtsch. Reichsanl. 4°/0 Preuh. Konsols Hamburg-Paketf.. . Norddeutscher Lloyd Comm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconto-Gesellschaft Dresdner Bank. . . Mitteld. Creditbank. Datum: Amstd.-Rotterd. - Brüssel-Antw. . ‘ Christiania . . . ■ Kopenhagen . . ■ Stockholm. . . ,: Helsingfors... Italien ..... London ..... Reuyvrk..... Paris...... Schweiz..... Spanien..... Deutsch-Oesterr. Prag...... Budapest.... Buenos AireÄ . Bulgarien . . . Japan...... Rio de Janeiro ™I den Jahren vor dem Kriege veranstaltet wurden, W 20. Jahrhundert beschränken wollen! Gleich rechts hinter dem Eingang begegnen wir zwei charakteristischen Beispielen der Kunst des Empire aus ter Biedermeierzeit, ich meine jenen Rundaltar mit dem großen, auf die eine Ecke gestellten Würfel und das Grabmal des Professors Rumpf vom Mainzer Bildhauers Schott mit einem präzisierenden Relief: ter Tod als Iüngl-ng vorn und einem feinen dekorativen Schmuck der Rückseite. Niemand mit empfänglichem Sinn wird diese anmutigen Stücke betrachten, ohne von ihrem Zauber berührt zu werden. Ie weiter man aber den Hügel hinausgeht, um so nüchterner und frostiger mutet uns alles an, und wer sich die kleine Mühe nimmt, auch die Inschriften zu vergleichen, wird leicht bemerken, daß von ihnen ganz dasselbe gilt und zwar nicht nur, was die Form, sondern auch, was den Inhalt anlangt. Schon um die Mitte des vorigen Iahrhunöerts setzt fast plötzlich der Verfall des künstlerischen Fühlens ein — genau wie in der Großarchitektur und in ter Innendekoration. Dann aber erleidet um die achtziger Iahre ter Friedhof noch ein eignes trauriges Sonderschicksal: ter polierte schwarze Granit aus Schweden (gewöhnlich schwarzer Marmor genannt) kommt auf, und das Grabmal gerät in die Hände einer künstlerische Erwägungen überhaupt nicht kennenden, rein kapitalistisch geleitete Groß-Industrie-'). Die In- tzabrr der Grabmalgeschäften sanken dabei allmäh- lig zu bloßen Händlern und Kommissionären der Grvßsirmen herab, die sich damit begnügten, die bekannten, wie Reklameschilder den Beschauer anschreienden, knallgoldenen Inschriften in stimmungslosesten Typen ohne jedes Gefühl für Raumverteilung einzumeißeln Dank der Gewerbe- sreiheit drangen zugleich immer weniger vor- gebiltete Elemente in das Grabmalwesen ein, und schließlich herrschte nicht einmal mehr eine degenerierte Kunst, nein, ein völliger künstlerischer Analphabetismus auf den Friedhöfen. Der „Hausgreuel" des „Kunstwort" ward übertroffen von den Friedhofsgreueln, als da sind: sog. künstliche Felsen, d. h. Granitblöcke mit eingehauenen Rillen, wodurch Felsflücke vorgetäuscht werden sollen, oder Kreuze aus Stein, die zwei unbehauene Stücke eines Eichenh olz- stammes imitieren (epidemienhaft z. B. in Berlin verbreitet), Photographien auf Porzellan u. dgl. mehr. Hier einzusetzen und das alte ortsansässige Steinmetzgewerbe vor den Friedhöfen wieder ernster künstlerisch geläuterter Handwerksarbeit zuzuführen, war die Aufgabe, die sich die Wiesbadener Gesellschaft für Grabmalkunst stellte. Zwei Jahre vor dem deutschen Werkbund gegründet, stellt sie den ersten Versuch dar, eine systematische Zusammenarbeit von Kunst und Handwerk durch eine feste Organisation zu erreichen. Zunächst wurde eine Reihe führender Künstler gewonnen, die der Gesellschaft nicht nur fertige Entwürfe überließen, sondern sich auch verpflichteten, jederzeit auf Anforderung unverbindlich für die Gesellschaft heue Entwürfe unter Berücksichtigung ter Sonderwünsche und Bedürfnisse etwaiger Interessenten zu liefern. Das war möglich, weil auch für zurückgewiesene Entwürfe sich immer noch die Aussicht auf spätere Verwendung ergab. | Zur Zeit verfügt die Gesellschaft über rund zwei- | einhalbtausend Originalentwürfe und Photo- ■ graphien ter bereits ausgeführten Denkmale Dem Publikum stehen zunächst hieraus für den besonderen Fall passend zusammengestellte Ansichtssendungen zur Verfügung. Wo ein eigner besonders zu schaffender Entwurf gewünscht wird, hat ter Interessent zunächst die Möglichkeit, an Hand solcher Sendung sich zu orientieren und den- jenigen Künstler für die Ausführung zu wählen, dessen Eigenart ihm am meisten zusagt. Von bekannten Namen seien hier angeführt: Prost W. Kreis (Dismarcktenkmal), Prof. Max Hans Kühne (Erbauer des Leipziger Zentralbahnhofs), Prost Georg Metzendorf (Erbauer der Kruppschen „Margaretenhöhe" in Essen) und sein Bruder Heinrich, Prof. Ernst Haiger, Prof. Carl Sattler, ferner die Bildhauer Pros. Hans Schwegerle, Pros. Erwin Kurz usw. Nachdem das Vorlagematerialgesichert war, galt es, ausführente Firmen dafür zu interessieren, was in überraschend kurzer Zeit gelang, da, wie sich herausstellte, viele besser geschulte Steinbildhauer selbst unter "der Würdelosigkeit ihres Betriebes litten, so daß bald ein Reh von Zweigstellen ganz Deutschland überzog: gegenwärtig sind es einige fünfzig, darunter auch solche in Wien, Zürich, St. Gallen. Die Firmen übernahmen die Verpf lichtung, ein kleines Musterlager zu errichten. Es folgten zahlreiche Ausstellungen in Gestalt ganzer Musterfriedhöfe, die meist auf Einladung staatlicher und städtischer Behörden in Rationalbank f.D. Doch. Gußstahlwerke 2200, - Dud.-Eifenw.-Akt.. 1245,- 1228, D.-Luxemb. Bergw.. 2365, — 2347, Gelsenkirch. Bergw.. 2425,- 2425,■ Harpener Bergbau. 4875.- 4800, Oberschl. Eisenb.-B. 1110,- 1119, Oberfchlef. Eisenind. 975,— 1022, Phönir-Bergb.-Akt. 3025,- 2890, Bad.Anilin-u. 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Zutaten rum Ouß: 140 g Mehl, 80 g Zucker, 1 Eßlöffel voll Butter oder Margarine, 1 Teelöffel Dr. Oetker’s Backpulver „Backln“, ll« Päckchen Dr. Oetke ’s Milch-Eiweißpulver, y< Liter Milch oder wasser. Zubereitung: Ve-arbeite das Mehl, Milch-Eiweißpulver, Butter, Zucker und „Backin“ mit der Milch zu einem festen Teig, rolle ihn aus und belege damit eine Obstkuchenform. 3—4 Pfund Aepiel werden geschält, in.Scheiben geschnitten und gezuckert auf den halb angebackenen Boden gelegt. Die Zutaten zum Guß rühre zu einem flüssigen Teig an, gieße die Masse über die Apfelscheiben und backe die Torte 30—40 Minuten, Nach dem Backen bestreue man sie mit Zucker.