nr. |20 Lrscheml täglich, anfjtt Sonn» und Feiertags, mit berSamstaqsbeifage: viehenerFamiliendiötter M-natlichr Btjogsprtife: Mk 18.— und Mk. 2 — Trägerlohn,durch diePost Mk. 20.—, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Ferusprech- Anschlüsse: ftir die Schrift- lettung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anteiaer Siehrn. postscheälonlo: Kranksurt a. M. 11686. Erstes Blati 1Z2. Jahrgang Dienstag, 25. Mai 1922 GieheiierAWiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- nnd Steinöruderei R. Lange. Zchriftletttmg, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerdindlichkcit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigenv 34 mm ‘Breite örtlich 120 Pf . auswärts 150 'Pf.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 450Pf. Bei Platz. Vorschrift 20“, Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen. Der deutsch-russische Vertrag. Halbamtlich werden folgende Ausführungen verbreitet: Aus der Aot wurde der Vertrag von Ra» pallo geboren, jener Vertrag, der den beiden meistgeprüften Staaten und Völkern dazu verhelfen soll, sich gegenseitig in ihren Wirtschaftsnöten durch Hebung des Handels- und Wirtschaftsverkehrs beizustehen und der unter die Vergangenheit einen Strich zieht. Schon seit Wochen war der Vertrag in Vorbereitung. Bereits in Berlin hatten zu einer Zeit, als noch niemand an die 2lbreise nach Genua dachte, Vertreter des Auswärtigen Amts und der Sowjet-Regierung den Entwurf fertig- gestellt. Als man am deutschen Volke einen neuen Aderlaß vornehmen und seine Wirtschaft erneut fesseln wollte, kam er zum Abschluß. Sein Inhalt bezweckt nichts weiter, als den Wirtschaftsverkehr zwischen beiden Völkern zu regeln. Was Auslandszeitungen deutsch-feindlicher Tendenz dem Wirtschaftsabkommen politisch oder gar militärisch noch unterschieben wollen, ist nichts als böswillige Verleumdung. Artikel I des deutsch-russischen Vertrages regelt die Beilegung des Kriegszustandes zwischen Deutschland und Rußland. Beide VertragSkvntrahenten v e r z i ch - ten auf Ersatz der Kriegskosten und der Privatkriegsschäden. Sie verzichten auf die Erstattung der für die Kriegsgefangenen gemachten Auslagen. Die russische Regierung verzichtet auf die Erstattung des Erlöses aus dem von Deutschland vorgenommenen Verkauf russischen HeeresgutS. Artikel IIstellt einen deutschen Verzicht ;auf Ansprüche dar, die sich aus von der Sowjettegierung gegen deutsche Reichsangehörige getroffenen Maßnahmen ergeben haben. Artikel III fixiert die Wiederaufnahme der diplomatischen und konsularischen Bezieh- ungen zwischen beiden Ländern. Artikel IV enthält das sMeistbegünsti- gungSrecht. Artikel V versichert, daß beide Länder ihren wirtschaftlichen Bedürfnissen in wohlwollender Weise entgegenkom- men werden. Die deutsche Regierung erklärt sich bereit, die ihr mitgeteilten, von Privatfirmen beabsichtigten Unternehmungen nach Möglichkeit zu unterstützen und ihre Durchführung zu erleichtern . . . Deutschland und Rußland hatten wirtschaftlich bis zu den Unglückstagen von 1914 denkbar enge Beziehungen miteinander. Wohl war ftanzösischeS und belgisches Kapital in gewaltigen Summen in Rußlands industriellem Leben investiert. Aber auch deutsches Unternehmertum war nicht minder stark vertreten. Vor allem aber war der Deutsche des Russen liebster Arbeitskamerad. Deutschfeindliche Hetzarbeit und Kriegsstimmung hat den Deutschen dem Russen nicht entfremdet. Ueberall, ob in Moskau, ob in Petersburg, an der Wolga oder in Sibirien, ist die Achtung vor dem Deutschen Hie gleiche geblieben wie vor den Iulitagen 1914. Und auf dieser Achtung, die zu erhalten unser Bemühen sein muß, wollen wir den durch den Verttag von Rapallo fanltionierten Wirtschaftswechselverkehr mit Rußland wieder aufbauenl Gewiß ist das Problem Rußland auch heute noch eins der schwierigsten: Verkehrszerrüttung, Hungersnot, soziales Elend. Hilfe von außen aber — und sie braucht keineswegs nur in klingender Münze zu bestehen oder in Lebensmittelzügen, sondern kann noch wirksamer sein durch Einführung gutdurchdachter Organisation — kann der Verelendung steuern und, wenn es auch langer Jahre dazu bedarf und schier übermenschlicher Arbeit, Rußland wieder zu dem machen, was es einst war: zur Kornkammer Europas und zum europäischen Rohstofflager. Daß man heute, nach sicherlich zu langer Zett innerpolittscher Takttk, im Kreml gewillt ist, Wiederaufbaupolitik zu treiben, selbst unter Hintanstellung einst sakrosankt gepriesener Prinzipien . . . das wird jedem offenbar sein, der Rußlands Entwickelung in der jüngsten Periode mit offenen Augen verfolgt hat. Wohl fordert der Hunger immer noch eine überaus große Zahl von Opfern. Doch in Moskau, Petersburg, an der nördlichen Wolga, überall, wo es Onbuftrie gibt, werden die Maschinen wieder instand gesetzt, wird nach Jahren qualvollster Agonie versucht, das Leben wiederzugewinnen. Und da eS an allem fehlt im Sowjetreiche, an allem, was ein Volk braucht, um sich wieder aufzuhelfen, darum geht die Sowjetregierung eifrig darauf aus, durch ftemdeS Kavi- tal, durch technisch durchgebildete Kräfte und ausländischen Unternehmungssinn und Organisation ihrer zerstörten Volkswirtschaft neues Lebensblut zuzuführen. Das will sie, indem sie dem Außenhandel die Bahn! f r e i g i b t. Dieser Umstand wird den gemischt-! wirtschaftlichen Gesellschaften au- gute kommen, um deren Gründung sich die Sowjettegierung bemüht hat, und deren Zulassung im Außenhandelsdekret der Sowjetregierung (bzw. Allrussischen Zenrial-Cxeku- tiv-Komitee) vom 13. März 1922 genehmigt wird. Ihnen wird das Recht eingeräumt zum Export- und Importhandel mit der R. S. F. S. R. die bestehenden Organe des Volkskommissariats für Außenhandel zu benutzen, oder aber — was einer vollkommenen Oeffnung des russischen Markts gleichkvmmt — sich eigene Apparate zu schaffen, d.h. Riederlassungen und Filialen zu gründen. Der Schlußsatz des Arttkel V des deutsch-russischen Abkommens enthält eine Erklärung der deutschen Regierung, „die von Privatfirmen beabsichtigten Unternehmungen nach Möglichkeit zu unterstützen".; Schon vor dem Abschluß des Rapallo- Verttages waren zwischen der Sowjettegierung und deutschen Unternehmungen gemischt-wirtschaftliche Gesellschaften gegründet worden, von denen inur die Deutsch-russische Luftverkehrsgesellschaft, die in Kürze den Luftverkehr Moskau—Königsberg i. Pr. aufnehmen wird, und die Deutsch-russische Transportgesellschaft erwähnt sein mögen. Wohl behält die Sowjettegierung dadurch, daß sie die Hälfte des Stammkapitals der gemischten Gesellschaften aufbringt und ihren Vertretern im Aufsichtsrat und in der Direktion Parität sichert, entscheidenden Einfluß. Immerhin aber ist dem Unternehmungsgeist und wirtschaftlicher Privatinitiative die Bahn nach Osten freigegeben. Kauft vorläufig der Westen, kauft das valutastarke neutrale Ausland gewaltige Posten deutscher Waren, so wird der Absatz doch dann Stockungen erleiden, wenn die deutsche Mark sich ihrem Friedenswert nähert und die Erzeugnisse deutscher Industtie und deutscher Werkmannsarbeit sich -richt mehr unter dem Weltmarktpreis halten werden. Dann aber kann das ttiegs- und revvlutionsverwüstete, warenhungrige Rußland mit seinen Menschenmassen und Entwicklungsmöglichkeiten wieder als aufnahmefähiges Absatzgebiet für deutsche Waren und Industtieerzeugnisse in Frage kommen und uns Rohstoff-Gegenwerte liefern. Drum ist der Abschluß des deutsch-russischen Vertrages mehr als ein politischer Akt: eine politische Tat, die Deutschland ein neues weites Absatzgebiet erschließt und der deutschen Arbeiterschaft, deutschem Handel und deutscher Technik Schassens- und Entwicklungsmöglichkeit bietet. Günstiger Verlauf der Reparationsverhandlungen? Berlin, 23. Mai. Meldungen mehrerer Blätter aus Paris zufolge nehmen die Besprechungen des Reichsfinanzministers Dr. Hermes mit der Reparationskommission einen günstigen Verlauf. Sv seien nach einer Meldung der „Voss. Ztg." die italienischen Delegierten in der Reparativns- kommission davon überzeugt, daß eine Einigung zwischen Deutschland und der Kommission zustande kommen werde. Paris, 23. Mai. (WTB) Der .Petit Parisien" schreibt: Die Verhandlungen zwischen dem Reichssinanzminister Dr. Hermes and den Mitgliedern der Reparativnskvmmiftion sind gestern fortgesetzt worden. Aus diesem Meinungsaustausch wie aus demjenigen, der zwischen den Mitgliedern der Kommission selbst statt gesunden hat. scheint sich zu ergeben, daß die Standpunkte sich etwas geändert haben. Jedoch wurde ein Einverständnis noch in keinem Punkte erzielt. Das „Echo Rational" schreibt, es fei un Ministerium des Auswärtigen auf Befragen erklärt worden, daß der optimistische Eindruck des gestrigen Abends über die Verhandlungen, die Dr. Hermes geführt habe, sich nicht b e st ä t i g t habe Man habe geantwortet, bis jetzt lasse sich noch "keinerlei Schluß auf einen günstigen Ausgang der Verhandlungen machen. Morgan in England. London, 22. Mai. (WTB.) Laut .Times" soll'Morgan vor seiner Abreise nach Paris sich noch 1—2 Tage in London aufhalten. 2aut „Daily Chronicle" erklärte Morgan in England, er sei nach Europa gekommen, um die Frage der Aufnahme einer Repavationsanlrihe für Deutschland zu erörtern. Aus der Pariser Presse. Paris, 22. Mai. (WTB.) Der ,L e m p s" schreibt in Besprechung der gestrigen Rede Poincares: Wenn Deutschland die Streitig- keilen der Vergangenheit wieder ausgräbt, anstatt seine Anregungen den Aufgaben des Friedens und den Weltfragen zu widmen, die die I Zukunft der Menschheit bedeuten, führt es eine neue Katastrophe heran. Die Stimmen von svl- | d)en. die sich seine Freunde nennen, ermutioen es vielleicht, ein solches Wagnis zu versuchen. Die Bolschewisten hoffen ohne Zweifel auf einen französisch-russischen Konflikt. Andere haben vielleicht ähnliche Gedanken, ohne es zu gestehen. Was uns anbetrifft, ist unser Gewissen ruhig. Wenn Poincar^ in Straßburg die gestern vernommene Sprache führte, wenn Frankreich sein Heer behält, stark genug, um Deutschland jeden Angrift untunlich erscheinen zu lassen, so erweisen unsere Regierung und unsere Soldaten der Sache des Friedens, der Wohlfahrt Europas und dem deutschen Volk selbst wichtigere Dienste, als viele sogen. Wiederauf bauer. Das „Journal des Dtzbats" schreibt: Es scheint, als warte man eine Unvorsichtigkeit von unserer Seite ab, um uns offen als Urheber des Krieges an den Pranger zu stellen. Wir werden uns hüten, diese Unvorsichtigkeit zu begehen, aber wir wollen aufs neue die Verantwortlichkeit feststellen. Die wahren Urheber des Krieges sind die Leute, die Deutschland zum Widerstand ermutigen oder, die ihm die Hand reichen, in der Hoffnung, dadurch verschiedene Profite zu fischen. Die führenden Männer Englands haben ihren Scharfsinn daran gewandt, das wirtschaftliche Los Englands an dasjenige Deutschlands zu knüpfen: ja noch vielmehr. Sie haben, um Europa wieder aufzubauen, an die Zerstörer Rußlands appelliert, an die Diebe und Mörder, die das russische Volk bedrücken. Die menschliche und göttliche Moral wird verhöhnt. Die Liberte schreibt: Da Wirth und Rathenau verbraucht sind, ist Hermes an ihre Stelle getreten. Wir sind nicht beim System Wirth, den Zahlungen im Bereich des Möglichen, noch beim System Rathenau, den Sachleistungen. Wir sind bei den Kombinationen der a us l ä n d i s ch en Anleihen, die es Deutschland gestatten werden. seine Mark wieder zu heben, u b Frankreich eine Kleinigkeit auf seine Reparationsforderungen zu erlangen. Rach dem Blatt würden vielleicht die Sanktionen die Lösung beschleunigen, aber eine Lösung, die nur dazu dienen würde, die Sanktionen zu beseitigen, wäre eine reine Scheinlösung. Anfragen im englischen Unterhaus. London, 23. Mai. (WTB.) 3m Unter- häufe fragte ClYnes, ob die Aufmerksamkeit der Regierung auf die am 16. Mai aus der Konferenz in Genua abgegebene Erklärung Tschitscherins gelenkt sei, in welcher der russische Minister Japan mit teilte, daß jeder Angriff 'Japans auf die Republiken des fernen Ostens automatisch einen Kriegszustand mit Rußland herbei- führen würde: ob zweitens angesichts der Tatsache, daß solche Gefahr solange drohe, als Japan das sibirische Gebiet beseht halte, und angesichts des von Japan gegebenen Versprechens sich aus Sibirien zurückziehen za wollen, die britische Regierung nicht freundschaftliche Vorstellungen bei der japanischen Regierung erheben werde, die japanischen Truppen aus Sibirien zarück- zuziehen. Chamberlain erklärte, daß seine Aufmerksamleit auf diesen Punkt gelenkt sei. Die Antwort auf den zweiten Teil der Frage laute verneinend. Die britische Regierung vertraur darauf, daß die japanische Regierung zu gegebener Zeit ihr Versprechen erfüllen würde. London, 23. Mai. (WTB.) 3m Unter« Hause erklärte Chamberlain in Erwiderung auf verschiedene Anfragen, die Debatte über d i e Genueser Konferenz werde am Donnerstag stattfinden. Sir Worthington Evans werde die Erörterung seitens der Regierung er- eröffnen und eine allgemeine Erklärung abgeben. Der Premierminister werde auf die Kritik warten, cHe er weitere Darlegungen geben werde. Ein Blaubuch würde bezüglich der Genueser Verhandlungen vorbereitet und befinde ftch bereits im Druck. Er hoffe, daß das Blaubuch den Mit- gliedem des Hauses morgen nachmittag torgelegt werden könne. Ein Parlamentsmitglied fragte, ob das Dlaubuch Mitteilungen enthalte, woraus die genaue Art und die genaueren Zwecke der Haager Konferenz sowie die Aufzeichnungen über die Erörterungen in Genua ersichtlich seien, und ob es den Wünschen des Hauses nicht mehr entsprechen mürbe, daß der Premierminister die Debatte über Genua eröffnen werde. Chamberlain erwiderte, das Blaubuch werde alle notwendigen Abschnitte enthalten. Worthongton Evans könne besser die Darlegung der in Genue erreichten Abmachungen geben als der Premierminister. Chamberlain erwiderte weiter, er wolle dem Hause nicht verheimlichen, daß der Premierminister die Art der Kritik kennen lernen wolle, die gegen ihn gerichtet werden würde, bevor er das Recht zu sprechen für sich in Anspruch nehmen wolle. Darauf wurde an Chamberlain die Frage gerichtet, ob er wisse, daß dies für einen Premierminister ein völlig neues Verfahren sei, der von einer Konferenz, die die Welt intereffiert, zu- rückkommt, ohne selbst die genauen Mitteilungen zu machen, die er zu geben imstande ist, und ob Chamberlain sich Rechenschaft darüber ablege, daß die Ansicht, der Premierminister solle die Diskussion eröffnen, weit verbreitet sei. Chamberlain erwiderte, Evans würde die nottoenbigen Erklärungen für die Regierung abgeben. Italien und England. Paris, 22. Mai. (Wolft.) Der Berichterstatter des „Marin" will von gut unterrichteter Seite erfahren haben, bah t einer (ei Vertrag zwilchen England und 3 t a I i e n unterzeichnet worden sei, allerbings seien bic gepflogenen Verhandlungen mit der Aufstellung von vier Entwürfen zu wirtschaftlichen und Handelsionoentio- nen abgefchlofsen worden. Diese Entwürfe bezögen sich 1. auf die kommerzielle Tätigkeit Englands und Italiens in Rußland und die im Verhältnis der beiderseitigen Kapitalbeteiligungen vorzunehmetide Verteilung des etuxrigen Ruhens aus gemeinsamen Unternehmungen, 2. auf gegenseitiges Einvernehmen bezüglich der italienischen Politik in Libyien und in der ägyptischen Frage, 3. auf englische Unterstützung Der italienischen Handelsunternehmungen in Kleinasien, Smyrna und Qlbalia, 4. auf die Frage, in welchem Rahmen das gemeinsame Vorgehen 3talienS und Englands in Der Türkei und die Verteilung des Einflusses beider Länder im östlichen Mittelmeer zu regeln seien. Rach dem Berichterstatter sollen diese Abmachungen durch die Vorlage eines Protokolls in den Parlamenten bjiber Länder bekannt gemacht werden. Amerika und die Haager Konferenz. Paris, 23. Mai. (WTB.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne- aus Washington verlautete gestern aus Kreisen der Regierung, daß, obwohl die Vereinigten Staaten sich nicht aktiv an der Konferenz im Haag beteiligen würden, die Regierung zweifellos durch einen i n o f f i z i e l - lenBeobachter vertreten sein würde. Das Blatt nennt den amerikanischen GeschäftSriä- ger als für diesen Posten bestimmt. Oesterreich und seine Nachbarn. Wien, 22. Mai. (WTB.) Die „NeuS Freie Presse" veröffentlicht eine Unterredung mit dem rumänischen Minister Diamanti, der gestern gleichzeitig mit dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober in Wien eingetrvffen ist. Diamanti erklärte, er nehme an, daß die Aufhebung der Generalpfand- rechie seitens Rumäniens binnen einer Woche erfolgen dürfte. Rumänien lege großen Werk darauf, in guten, freundschaftlichen Beziehungen mit Oesterreich zu stehen und Oesterreich, soweit es möglich sei, zu helfen. Vor allem möchte Rumänien Oesterreich Vieh, Getteide, Holz und Pettoleum liefern, wenn eS gelinge, die Durchfuhr durch Ungarn zu ermöglichen. Wien, 22. Mai. (WTB.) Zu Ehren des heute aus Genua hier eingettoffenen polnischen Außenministers S k i r m u n t fand im Bundesministerium für AeuhereS ein Frühstück in Anwesenheit deS Bundeskanzlers Schober, des Vizekanzlers B r e i S k h und der Minister Hennet und Greunberger statt. Hennet und Skirmunt betonten in Trink« sprächen, daß die bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen die Beziehungen beider Staaten vertiefen würden. Die polnische Herrschaft. Posen, 22. Mai. (WTB.) Polnische Telegmphen-Agentur. Die Liquidationskommission in Posen, die auf Grund des Versalller Vertrages ihre Tätigkett ausübt, hat zehn deutschenEigentümern mitgeteilt, daß sie bis zum 10. Juli auf dem Liquida- tionswege ihre Güter zu verkaufe» haben. Aus dem Reiche. Deratungen deS Reichskabinetts. Berlin, 23. Mai. Die Beratungen des Reichskabinetts über die Genueser Konferenz, die Besprechungen des ReichSstnanz- ministers Dr. Hermes in Paris und die bevorstehenden Anletheverhandlungen der Re- parationskommission wurden gestern nach- mtttag bis 8 Uhr abends fortgesetzt. Die Beratungen sollen heute vormittag weitergeführt werden. Die Einfuhr von AuSlaudSzucker. Berlin, 22. Mai. (Wolff.) Mit Rücksicht auf den außerordentlichen Zuckermangel, unter dem die Bevölkerung seit einiger Zeit in zunehmendem Maße leidet, hat das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Einfuhr vvnAuSlandSzucker bis auf weiteres freigegeben. Zur Frage der Schuld am Kriege. Berlin, 21. Mai. Die deutsch- nationale Fraktion des Reichstages hat eine Interpellation eingebracht, die auf Grund der Erg^nifte des Prozesses Fechenbach folgende Frage an die Reichsregierung gestellt: Ist die Regierung bereit, 1. das durch den Prozeß gelieferte Material den beteiligten Staaten mitzutellen, 2. die deutschen Ar- chive des Auswärtigen Amtes, aus denen sich unsere Richtschuld zweifelsfrei ergibt, zu öffnen und vpn dem Feindbund die Oeffnung seiner Archive zu fordern, 3. dem Ausland gegenüber sowie auch gegenüber den in diesem Jahre zu erwartenden zahlreichen Ausländern, die Deutschland besuchen werden, eine wirksame Propaganda behufs Aufklärung der Kriegsschuld zu rieiben, 4. gestützt auf das bet Beifall nach jedem Vortrag und als der letzte, stellt ein gutes Spiegelbild der Gegenwart Ton verhallt toar, zogen spontan die Massen ihre | bar und zeichnet sich namentlich durch eme Reihe schöner Innen- und Naturaufnahmen erobert. Tücher aus der Tasche und schwenkten sie unter Hoch- und Heilrufen. Keine Lorbeerkranze bildeten den Lohn der Wiener Gäste, aber sie hatten sich die Herzen der Berliner im Sturm amtliche Material von dem Feindbund die Revision des Friedensvertrages von Ver- ftlilles zu fordern?" Wahlen zum Waldeckschen Landtag Corbach, 22. Mai. (Wolff.) Bei den tzestrigen Wahlen zum Waldeckschen Landtag entfielen laut „Waldeckscher Lan- deszeitung^ auf die Liste der Sozialdemokraten 3773, der Demokraten 2339, die Liste der Unabhängigen 1330, des Landeswahlverbandes 9064, und der Wirtschaftlichen Bereinigung 1587 Stimmen. Die 'Abgeordneten verteilen sich auf die verschiedenen Parteien wie folgt: Sozialdemokraten 4, Demokraten 2, Anabhängige 1, Landeswahlverband (Deutschnationale, Deutsche Volkspartei und Handwerkerbund) 9, Wirtschaftliche Bereinigung 1. die Söhne des mit uns innig verbundenen österreichischen Brudervolkes. Möa» I'^ Besuch das uns umschliessende Band fester knüpfen und zeigen, daß wir als Träger deutscher Kutter, Arbeit und Kunst weiter zusammen den Weg gehen wollen, der durch das Dunkel der Gegenwart uns einer schöneren Zukunft entgegenführt. Der Präsident des Vereins K r u e ck l dankte namens der Wiener Sänger dem Reichspräsidenten für diefreundlichen Worte und führte aus: Seitdem wir zuletzt 1906 in Berlin waren, haben wir dasdeutscheLiednach Amerikagetragen, haben es an Weimars Fürstengruft, in Rom und zuletzt in München gesungen und weil man innnmer wieder zu seiner alten Liebe zurückkehrt, haben wir nach München unsere Reise ins Reich wieder begonnen. Rach Deutschland zog uns das Herz und im deutschen Lied zeigt sich auch die Kullurgemeinschaft der beiden Länder, denn Zeidler in Berlin ist es gewesen, der zuerst die Sänger versammelt hat zu „Liedertafeln" und in Oester- § Kirschgarten, 22. Mai. Die Rückkehr eines Kriegsgefangenen aus Rußland, wie sie von hier gemeldet wurde, hat sich als eine bloße Aufbauschung erwiesen. Wahr ist mir, daß die betreffenden Leute eins Depesche mit der gemeldeten Nachricht empfingen, die gleichfalls erfunden war. Nun steht der Verheiratung der Kriegerwitwe mit ihren landwirtschaftlichen Gehilfen nichts mehr entgegen. Kreis Schotten. □ Laubach, 22. Mai. Am verflos- enen Samstag hielt der Hiesige Zweigverein des D. H. C. eine außerordentliche Hauptversammlung ab. Der wichtigste Gegenstand der Beratungen war die Neuwahl des Vorstandes, wozu die Bersetzung von Prof. Weißbart an das Gymnasium zu Büdingen die Beranlassung gegeben hatte. Die hohen Verdienste des Scheidenden wurden durch seine Ernennung zum Ehrenvorsitzenden gewürdigt. Zum Vorsitzenden wurde Tierarzt Dr. Wachtel gewählt. — Nunmehr beginnt der Wahlkampf für die Stichwahl zum neuen Bürgermeister. Zu dem Zweck hielt der eine Kandidat, Architekt Schmid, gestern abend im Schützenhof eine Versammlung ab, worin er sein Programm eingehend erörterte. Lieber den voraussichtlichen Ausgang der Wahl läßt sich noch nichts sagen. Starkenburg und Rheinhessen. wd. Offenbach a. M., 22. Mai. Ein schwerer Anfall ereignete sich am Haupt- bahnhvs. Ein Postschaffner, der den abschüssigen Weg zu den Bahnsteigen mit seinem Karren fuhr, glitt aus und fiel so unglücklich, daß ihm die Aufstellstütze des Karrens in den Rücken drang. Er trug schwere innere Verletzungen davon und mußte durch das Santtätsauto ins Stadtkrankenhaus überführt werden. machten. tt. Areis a. Lda., 22. Mai. Bei dem gestern in Angersbach stattgefundenen Sängerwettstreit erhielt der hiesige Männergesangverein Liederkranz, der unter der Leitung des hiesigen Lehrers Eberle steht, den 2. Preis, bestehend aus einem Diplom und einer silbernen Fruchtschale. Kreis Alsfeld. Heiter, trocken, warm, Neigung zu Gewittern, südliche Winde. Der hohe Druck über Mittel- und Osteuropa, dessen Kern jetzt im Osten liegt, bedingt weiter das Einströmen warmer Lustmasten. Landkreis Gießen. i. Ettingshausen, 22. Mai. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, feierte heute der hiesige Gesangverein Concordia sein 40jährigesStiftungSfest, zu dem die Vereine des Sängerbundes Ehattia, dessen Mitglied unser Gesangverein ist, vollzählig erschienen waren. Am Mvrgengottesdienst nahm der Verein, der den Stamm des Kirchenchors bildet, geschlossen teil und verschönte den Gottesdienst unter Leitung von Lehrer Dörrn e r (Lich), seinem früheren Dirigenten, durch einen wohlvvrgetragenen Ehor. Der Ortsgeistliche begrüßte den Verein mit dem Wunsche, dah er auch weiterhin seine kirchlichen Dienste zur Erbauung nicht versage. Am Nachmittag bewegte sich ein großer Festzug durch das Dorf nach dem Festplatz. Nach einleitenden Worten des Bürgermeisters Keil begrüßte der Bereinspräsident Zoh. O p P e r die Festversammlung und gab einen Aeberblick über die 40jährige Geschichte des Vereins. Sodann ergriff der Verbandsvvrsitzende der Ehattia, Lehrer Wolf (BerSrod), das Wort zu einer Ansprache, die die Aufgaben und Ziele dieser Sängergemeinschast schilderte. Ein Lied leitete über zur Festrede des Pfarrers Nies, der die Glück- und Segenswünsche für den feiernden Verein zum Ausdruck brachte. Vorträge von Massenchören und von den Einzelvereinen folgten in bunter Reihe. tt. Treis a. L., 21. Mar. Am ihre Leisttingen gegenseitig kennen zu lernen und zu erproben, hielten heute dahier die unter der Leitung des Dirigenten Nikolaus- Großen - Buseck stehenden Gesangver- einen von Albach, Burkhardsfelden, Grvßen- Buseck, Mainzlar und Treis ein Probe- singen ab, wobei Musikdirektor Professor Trautmann - Gießen die Kritik ab hielt. Jeder Verein sang zwei vorgeschriebene und zwei selbstgewühlte Chöre, die durchweg als gute Leistungen anzusprechen waren und den Vereinen und ihren Dirigenten alle Ehre Kreis Wetzlar. ra. Kinzenbach, 22. Mai. Am Sonn» tag nachmittag fand die Generalver- ammlung der hiesigen Spar- und Darlehnskasse statt, die ttotz des herrlichen Maienwetters recht gut besucht war. Als Vertteter des Verbandes der rheinpreu- zischen landwirtschafttichen Genossenschaften und der Genossenschaftsbank in Bonn nahm Der Geschäftsführer der neuerrichteten Ge- chäftsstelle der Genossenschaftsbank in Wetz- ar, Herr W a l d s ch m i d t, teil. Den Vorsitz führte der Präsident des Aufsichtsrats, Gemeindevorsteher Schäfer. Den Jahresbericht erstattete der Rechner Lehrer Eberhard. Der Amsatz in 1921 betrug 1 780 000 Mt. Der Stand der Mitglieder war Ende 1921 108 und ist heute 112. Die aufgestellte Vermögensbilanz wurde einstimmig angenommen. Heffen-Nasian. Aussperrung in der Frankfurter Metallindustrie. fpd. Frankfurt a. M., 22. Mai. Di« Gewerkschaften haben heute nachmittag nach langen Verhandlungen die Vorschläge des Verbandes der Metallindusttiellen für Hessen- Nassau, Hessen und die angrenzenden Gebiete auf Einführung der WvchenarbeitSzeit bis zu 48 Stunden abgelehnt. Das bedeutet nunmehr die Aussperrung von rund 46 000 Metallarbeitern in dem Bezirk Frankfurt a. M^ zu dem die Orte Frankfurt o. M., Offenbach, Hanau, .Darmstadt, Oberursel und Bad-Hom- burg gehören. Mit der Aussperrung wurde bereits heute abend begonnen. Frankfurts Schulden. fpd. Frankfu rt a. M., 21. Mai. Der Stand der schwebenden Schulden der Stadt Frankfurt hat sich nach Mitteilungen, die der Stadtkärnmerer im Hauptausschuß machte, erheblich vermindert- Cs ist im Zähre 1921 gelungen, 140 Mill. Mark Schulden in langfristige Darlehen umzuwandelm Die Obligativnsschulden der Stadt betragen rund 339 Mill. Mark, die schwebenden und langfristigen Darlehen ungefähr 330 Mill. Mark. Dei der Bewertung vor dem Krieg stehen einem Vermögen von 794 454 000 Mark Schulden in einer Gesamthöhe von 697 458 500 Mk. gegenüber. — Der bei der Aufstellung des diesjährigen Etats sich ergebende ungedeckte Betrag von 76 Mill. Mark dürfte sich durch die Erhöhung der Gehälter und Löhne auf 150 Mill. Mark erhöhen, für dm eine Deckung durch Tariferhöhungen und Steuer- fleigcntngen erfolgen soll. — Es kann damit gerechnet werden, dah 27-30 Proz. des Ergebnisses der Reichseinkommensteuer und Körperschaftssteuer auf die Stadt entfallen. Es werden ca. 175 bis 200 Mill. Mark erreicht werden gegen 120 Millionen Mark garantierten Mindestertrag. Landwirtschaft.» HAusdemOhmtal,22. Mai. Der reicher Dlütenpracht unserer Ob st bäume hat der altgewohnte Hintergrund im Felde, die Rapsvlüte, vollständig gefeh't. Der Raps ist völlig im Winter zugrunde gegangen. Damit sind die Dienen um ihre beste Frühlingstracht gekommen. Wohl ist die Obstbaumblüte herrlich, aber sie ersetzt niemals die Rapsblüte. Das Obst hat sehr günstig abgeblüht, nun erschließen die Qlepfa aus. ’* Müller'fche Badeanstalt. Wasserwärme der Lahn am 23. Mai: 18 Grad R. Bornotizen. — TageskalenderfürDienstag. Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Dr. Mabuse, der Spieler". _ f. — Operngast sPiel des Hess rs chen Landest Heaters. Wie man uns mitteilt, war der Vorverkauf für die „Fra Diavolo"- Aufsührung am kommenden Samstag, den 27. Mai, bis Montag astend noch so gering, daß die Veranstaltung von Operngastspielen im nächsten Winter in Frage gestellt wird. Der Theater- verein ist nicht imstande, die durch ungenügenden Besuch der Vorstellungen entstehenden bedeutenden Fehlbeträge zu decken. Sollen diese Operngastspiele bestehen bleiben, was doch wohl in den weitesten Kreisen gewünscht wird, so müssen die Mitglieder des Theatervereins von denr ihnen zustehenden Recht, Eintrittskarten für bestimmte Plätze zu bekommen, auch Gebrauch machen. Der Vorverkauf für die Mitglieder lauft bis Dienstag abend. Am Mittwoch früh beginnt der Vorverkauf für Richtmitglieder. Wettervoraussage < Svnderzüge zu ermäßigten Preisen. Die Reichsbahn wird, um weiten Kreisen eine Erholungsreise zu ermöglichen, in der Zeit von Juni bis August, also unabhängig von den Ferien, Svnderzüge zu ermäßigten Preisen fahren. Die Züge führen nur 3. Kl-asse. Auf der Hinfahrt müssen die Svnderzüge benutzt werden, während auf der Rückfahrt die gewöhnlichen Züge benutzt werden können. Bei Schnellzügen ist der übliche Zuschlag zu lösen. Die Preise der Fahrkarten sind um rund ein Viertel ermäßigt und berechnen sich nach den zur Zeit geltenden Tarifen mir ov Pf. für das Kilometer Hin- und Rückfahrt. Die Geltungsdauer der Karten bettägt 2 Monate. Die Fahrtausweise können nach bekannten Erholungsorten auch dann ausgegeben werden, wenn dies: mit dem Sonderzug nicht unmittelbar zu erreichen sind. Die Svnderzüge werden demnächst bekanntgegeben. < Verlegung einer Eisenbahnbrücke. Am Sonntag wurde am Bergwald die eiserne Eisenbahnbrücke, die über die Frankfurter Straße führt, mehrere hundert Meter in südlicher Richtung auf die neuen Brückenpfeiler verschoben. Zu diesem interessanten Vorgang hatte sich eine größere Anzahl Zuschauer eingefunden. Drei schwere Eisenbahnwagen von je 700 Zentner 'Tragkraft waren am alten Standort mit Gerüsten unter die Brücke geschoben worden und wurden dann von einer Lokornottve nach dem neuen Standort gebracht. Die Verlegung ging ohne jegliche Störung des Zugverkehrs und ohne Anfall vor sich. ♦* Gerichtspersonalien. Ernannt wurden die Kanzleisekretäre Otto Geilfus und Franz Tippel und die Kanzleiassistenten Banse und Gartenschläger zu Iustizsettetären, die Kanzleiassistenten Konrad Lauer und Josef Geck zu Oberassistenten, alle am Landgericht Gießen, mit Wir- rm. Gernsheim, 22. Mai. Ein i if>te Blütenkelche. Der Maikäfer tritt in letzteren Eisenbahnunfall ereignete sich an dem 1arit b auf la auf. Maikäferjahr — ein gutes Jahr Bahnübergang bei Klein - Rvhrherm. Ed» Fuhrwerk mit einem Ehepaar aus Stockstadt wollte den Aebergang benützen, ba_ die Schranke nicht geschlossen war, als plötzlich ein Güterzug herankam und den Wagen zertrümmerte. Beide Personen wurden verletzt und kamen nach dem Krankenhaus Worms. Lebensgefahr scheint nicht vorhanden zu sein. Antersuchung über die Arsache des Anglücks ist im Gange. * Mainz, 20. Mai. Verkehrsun- all. Gestern abend rannte von Wiesbaden ommend, ein Mainzer Laustauto mit vier Halbstück Wein beladen in Biebrich in die Wiesbadener Straße hinein und stieß gegen ein Haus. Durch den Anprall stürzten die Fässer vom Wagen und entluden ihren Inhalt auf die Sttaße. Dann rannte das Auto wetter und stteh mtt einem landwirtschaftlichen Fuhrwerk zusammen. Der Lenker desselben wurde am Bein schwer verletzt. Das Fuhrwerk wurde zertrümmert und das Pferd verletzt. Der Chauffeur des Autos erlitt leichtere Verletzungen. Der Schaden ist bedeutend. Der Wiener Mannergesangverein beim Reichspräsidenten. Berlin, 22. Mai. (WB.) Der Reichs ° Präsident empfing heute nachmittag den Wiener Männergesangverein zum Tee im Garten seines Hauses. Erschienen axircn der Reichskanzler, die Reichs- und preußischen Staatsminister, der Präsident des Reichstages Löbe, als Vorsitzender des österreichisch-deutschen Dolksbundes mit zahlreichen Freunden dieses Bundes der österreichisch? Gesandte Riedl, Mitglieder des Reichstages, sowie Vertreter der Literatur, Kunst, MM and Der Presse. Der Reichspräsident hielt folgende Ansprache: Es ist mir eine große Freude, Ihnen hier einen recht herzlichen Willkommengruß entbieten zu können. Der Empfang, den Sie aus Ihrer Reise durch Deutschland and gestern in Berlin fanden, hat Ihnen gezeigt, daß mit Ihren Lands- leuten das ganze deutsche Voll Sie freudig begrüßt. Der- Wiener Männergesangverein steht nach seiner Geschichte und nach seinen hohen Leistungen in den ersten Reihen der deutschen Sänger. Er hat nicht nur für Wien und Oesterreich, sondern für die gesamte deutsche Sängerschaft in friedlichen Zeiten den Ruhm des deutschen Männergesanges und den Klang des deutschen Liedes weit in die Welt, hinausgetragen. Schon deshalb begrüßen wir Sie nicht als Fremde. Wir bringen Ihnen von Herzen brüderliche Empfindungen entgegen und freuen uns, nun selbst zu hören, daß trotz der Röte unfern- schweren Zeit der Ruf des Wiener Männergesangvereins auch heute noch wohlbegründet ist, daß Ihre uns allen so liebe Heimatstadt, der unsere Musik so viel schönes verdankt, weiterhin ein Hort deutschen Geistes und edler Kunst ist. Wir wissen, wie sehr Ihre Kunst in Wien volkstümlich ist, daß sie nicht auf einsamem Gipfel thront, sondern ihre starken Wurzeln in den Massen des Volles hat: Volk und Kunst waren stets in engstem Bunde. Heute aber kämpfen das schöne lebensfrohe Wien und Oesterreich einen schweren Kampf. Groß ist die Rot in Ihrer Heimat: wir ringen schwer um unser Dasein. Durch den Krieg und seine Folgen verarmt, gefesselt und mit Lasten überbürdet, sind unsere Schwesterrepubliken gehindert, ihre staatlichen Beziehungen so zu gestalten, wie es der Wille unserer Völler unzweifelhaft V verlangt. Geblieben ist uns aber die G ewi ß - -He i t untrennbarer Zusammen gehö- * r i g f e i t. Den Glauben an unsere gemeinsame Zukunft lassen wir uns aber nicht nehmen. Das gemeinsame Geschick muß unsere beiden Völker immer enger zusarnmenführen. Brüderlich wollen wir, wie bisher, einander helfen mit allen Kräften und unser gemeinsames köstliches Gut, unser Deutschtum, hochhalten. Sv danke ich Ihnen denn, meine Herren, daß Sie gekommen sind, und begrüße in Ihnen die Vertreter schönster deutscher Kunst • Marburg, 22. Mai. Am 3., 4. und 5. Juni (Pfingsten) soll hier der 2. Zäger - tag stattsinden. Alle Kameraden vom früheren Kurhess. Jäger-Bataillon Nr. 11 und seiner Kriegsfvrmationen, sowie alle Angehörigen der im Weltttiege 1914—1918 Gefallenen der Marburger Jäger-Bataillone und der aus ihnen hervvrgegangenen Feld- fvrmationen sind dazu eingeladen. (Nähere Auskunft erteilt It. heutiger Anzeige für Gießen, Kamerad Marquardt, Bahnhvfstt. 27.) fpd. Frankfurt a. M., 22. Mai. Der 19jährige Metallarbeiter Heinrich Hardt zog sich bei einem Kopfsprung im Freibad am Osthafen derart schwere Kopfverletzungen zu, dah er kurze Zett nach der Einlieferung ins Krankenhaus verstarb. wd. CBi eß haben, 21. Mai. Einen eigenartigen Besuch hatte am Donnerstag das hiesige neue Museum, dessen Leitung es den Zöglingen der Blindenanstalt erntog- lichte, zunächst einige Abteilungen von Steindenkmälern aus älterer und neuerer Zeit unter Leitung ihrer Lehrer zu besichtigen oder richtig gesagt, zu betasten. Die dort aufgestellten Gegenstände — Grabdenkmäler, Opfersteme, tastbare Inschriften, Meilensteine, römische Wasserleitung, Taufbecken — waren ausnahmslos der Wahrnehmung durch den Tastsinn zugänglich und es war eine Freude, zu sehen, mtt welch l^haftem Interesse, oftmals mit dem Ausdruck des Staunens und der Bewunderung in Wort und Geparde die Blinden das Dargebotene in sich aufnahmen, ihnen bereits bekannte Lebensformen am kalten Stein wieder erkannten oder ihre Führer mit immer neuen Fragen bestürmten. kung vom 1. April 1920 ab. ; ** Pflichtfortbildungsschule für : Mädchen. In Bezug auf die Verpflichtung ' zum Besuch der Mädchenfortbildungsschule cheinen, wie man uns von unterrichteter Seite chreibt, vielfach noch irrige Meinungen zu be- tehen. Insbesondere scheint die Ansicht ver- >reitet zu sein, daß der Besuch einer Handelschule oder einer ähnlichen Anstalt, die für >aS nachschulpflichtiqe Alter bestimmt ist, ohne weiteres von dem Besuch der Mädchenfort- rildungsschule entbinde. Dem ist jedoch nicht v. Vielmehr sind alle zu Ostern d. I. aus >er Schule entlassenen oder ausgetretenen Mädchen meldepflichtig. Die Schulbehörde entscheidet dann, ob die Betreffenden ganz oder nur teilweise vom pflichtmähigen Fortbildungsunterricht befreit werden sollen. Die Mädchen, die sich bis jetzt noch nicht gemeldet haben, haben daher die Meldung alsbald nachzuholen, wenn sie sich Weiterungen ersparen wollen. ** Zur Weitergabe der Kontrollabschnitte an die Kohlenhändler und Bezugsvereinigungen wird in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteile aufgefordert. Gießener Waldbühne. Bei der gestrigen Besprechung des Erosfnungsspieles blieben aus Versehen zwei Aurnenelfen unerwähnt, die sich ebenfalls in den Rahmen des Gesamtbildes allerliebst einfügten: Liselotte Roll als Gänseblümchen und Herta Spatz, die als Schneeglöckchen mit kindlicher Anmut den Frühling einzuläuten wußte. ** Die Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Infanterie- Regiments Nr. 118 und seiner Ersatz- und Feldfvrmationen hielt im Hotel Kobel eine Versammlung ab, zu der auch einige auswärtige Gäste eingeladen und erschienen waren. Die Versammlung verlief recht gemütlich. Leutnant ©ebb von der Reichswehr hielt einen Vorttag über die Anteilnahme des ' aktiven Regiments am Weltkrieg. Im Laufe ' des Monats August ist eine Familienfeier der . ehemaligen 118er geplant. > •* Der Mady-Christians-Film in der Philharmonie sein erstes öffentliches Konzert unt->r Leitung des Chormeisters Karl ßu re. Der große Raum war biß auf den letzten Platz gefüllt und feierliche Stille herrschte, als die herrlichen ßieber eines Schubert, Reiter, Brückner und Hegar ertönten, als „Lühows wilde Jagd" durch den Saal brauste und einige alte Volkslieder die Herzen der Tausenden mit Wehmut erfüllten. Vier-, fünf- und achtstimmige Chorwerke, bald in zartestem Pianissimo, bald in rauschendem Fortissimo, legten Zeugnis ab von der hehren Kunst der Wiener Sänger. Professor ßafite spielte u. a. die 12. ungarische Rapsodie . mit einer Meisterschaft, die alle Zuhörer zu be-- ] ..Äinber bet Zeit »der aug«^^^!^ tm Licht- geisterten Ovationen hinriß. Aeberwältigend war l sptelhause tn der Bahnhofstraße gezeigt wird, reich, in Salzburg, hat Haydn ein Männerquartett gegründet. Beide Ströme flössen zusammen in ein und demselben Geiste. Wir Sänger haben den Wahlspruch: Deutsches Lied und deutsche Kehle klingen in des Volkes Seele, klingen in des Volkes Mark, macht es einig, frei und stark. Solche Harmonie soll uns ein Zeichen fein innigeh Zusammenhangs aller Deutschen, wenn sie auch hinter verschiedenen Grenzen wohnen, und soll auch einen Zusammenhang bedeuten nicht zuletzt zwischen Deutschland und Oesterreich. Wir sind, seitdem wir in Deutschland reifen, viel mutiger geworden in unseren Röten, denn überall sehen wir deutsche Arbeit, deutschen Fleiß und deutsche Kultur ein- sehen: und so wollen wir gern in die deutsche Arbeit eihtlingen und mit den deutschen Freunden ein Lied fingen, das ein österreichischer Dichter uns gesungen hat: Blut und Eisen mögen trennen, was im tiefsten Wesen gleich, aber freie Geister kennen keine künstlich-ird'schen Schranken und im Reiche der Pedanten sind wir doch ein Volk und Reich." Pie Reden wurden von den Anwesenden mit lebhaftem Brifall ausgenommen. Die Wiener Gäste erfreuten die Anwesenden durch einige Darbietungen ihrer Kunst. Berlin, 22. Mai. (WTB.) Der Wiener Männergesangverein gab heute abend Aus Stabt und Land. G ießen, den 23. Mai 1922. ** Das Adreßbuch der Stadt Gießen 1922 ist erschienen und gelangt durch den Adreßbuchverlag (Brühllsche Uni- versttäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange) zur Ausgabe. Es enchält das alphabetische Einwohner- und Firmenverzeichnis, das Verzeichnis der Sttaßen und Häuser von Gießen, und ein Gießener Geschäftsverzeichnis; ferner unterrichtet es über die Behörden, die Universität, Schulen, Anstalten usw. Der Plan, auch die Vereine wieder aufzunehmen, mußte aufgegeben werden, well sich trotz mehrfacher öffentlicher Aufforderungen nur ein Bruchteil der Vereine mtt den erforderlichen Angaben meldete. Ebenso muhte diesmal von der Einfügung der Sttahenskizzen abgesehen werden, da verschiedene Sttaßen neu benannt und umnummeriert werden. — Auch der neue Band des Adreßbuches stellt wieder ein zuverlässiges, unentbehrliches Nachschlagewerk dar, das angesichts der starken Veränderungen bei den Behörden und im Geschäftsleben, sowie vieler Wvhnungsveränderungen, die seit dem Erscheinen des vorjährigen Bandes eingetreten sind, in verstärktem Maße notwendig ist und begrüßt werden wird. »bi 6^faibt L di? ehrsun. Diesbadea 'mit vier N.dl die N gegen lhren 3n, bdirtschaft. Denker des. erletzt. das Pferd erlitt letch- bedeurend. 2m Sonn« ralver. at« unb des hen. Nt war. rheinpreu- ^enfchasten Sonn nähnr cheteu De. int in Deh. Den Dvrfjh luffichtsrais. den Zahres. tret Eber. 21 betrug tglieder nxn : 112. Die ude einstim- er Metall« !. Mai. Di< mittag nach schlüge des n für Seifen« nden Debiete ritSzeit bis zu ulet Mmnehr >000 Metall- itt a.L, zu >ffenbach, Ha- d Dad-Hm- ing wurde be- Hai Der Ltand abt Sranfiurt itabtfammer« ) terminbal uw^wbeVi betragen rund unb langfrifti- Mack Dei der en einem Der- hulden in einer gegenüber. — Wägen AtS । von 76 Mill mg der Gebälier erhöhen, für die ,en und Steuer- kann damit deS Ergebnis Aörperfchai^ werden co. W -den gegen W mdeftertrag. am 3. «•mt -i 2- 3«9“ m oom W Olt. 11 £ ie die W' -«-2K iS« SahnE' L# 22. äch??FreÄ s.'.fc 3‘»nat ^Hoiversl^ anst^ 6tcil1. "Lt un^ richtig erstew^leitlUtS' he slos unb es t wel^ Stau' Ä« JS*-* ,r®» KM )lute oy5 Ätrd)t unb Schule. § Da- Zeilwaldfest, das alljährlich im hochgelegenen Zeilwald gefeiert wird, und daS sich als ein echtes Vvl.'stest auf religiöser Grundlage eingebürgert hat, soll wieder am letzten Mai- fvnntag gefeiert werden. Pünktlich 2 116r nachmittag- beginnt daS Fest und dürfte sein Ende gegen 5 Upr finden. 3m Mittelpunkt steht die Rede eine- vertriebenen Lothringer Pfarrers. Der erste Teil de- Festes ist als ein Waldgottesdienst im Sinne des Gustav-Adolf- Festes gedacht. Der zweite Teil bringt mehrer« Ansprachen. Schülergesänge, Borträae von gemischten Chören und Gesangvereinen, darunter Preischöre Dom Angers- bacher Gesar^gswettstreit, Posaunenchor geben dem Feste die würdige Umrahmung. vermischtes. ©in Brand in Spandau. Berlin, 22. Mai. (WTB ) Die Gummi- warenfabrikinder LazaruSst raste in S p a n- dau steht in Flammen. Dre gesamte Feuerwehr wurde Aum Löschen und zur Sicherung der Rachbargebäude ausgeboten. Die Ursache des Brandes ist bis jetzt unbekannt. ®in neues Heilmittel für Syphilis? Paris, 22. Mai. (MTB.) Havas Dr. Rux hielt vor der Akademie der Wissenschaften einen Bortrag über die Behandlung der Syphilis durch ein Produkt, das er „19 0" nennt. Der Syphilis- ecreger wurde gleichzeitig einem Mann und einem Assen eingeimpft. Der Mann nahm „190“. 28 Tage später bewiesen die Reaktionen, dah der OKtym immun war, wahrend der Affe alle Anzeichen der Krankheit hatte. Eingesandt. IFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) G i e st e n, den 22. Mai. Schon vor längerer Zeit ist an dieser Stelle Klage erhoben worden über die Störungen der Rachtruhe von Angehörigen der Universität. Damals hat es daraufhin Ruhe gegeben. Doch scheint die Wirkung nicht lange vorgehalten zu haben. ReuerdingS ist das nächtliche Lärmen und selbstherrliche Gebaren der Studenten wieder aufgelebt Wollen die Ruhestörer, dah man mit Anzeige und Strafe gegen sie vorgeht? Angesicht- dieses Benehmens der Studenten kann man es der Bürgerschaft nicht übel nehmen, wenn sie keine Zimmer mehr für sie freimacht. Einige Einwohner der Wilhelm - und Sbelstrahe. Handel. ' Spek^lat ionS käufe von .A uszahlung Moskau“. Aus Dankkreisen geht uns die Anregung zu, angesichts einer mehrfach in letzter Zeit beobachteten Erscheinung darauf hinzuweisen, dast die Spekulation mit Rubeln ihre nicht zu unterschätzenden Bedenken hat. Es ist heute zwar ein Leichtes, durch das Risiko von einigen hundert Mark Rubelmillionär zu nerden, ober «S must jedem Sachkundigen klar sein, das) dieses so ungeheuer entwertete Papier selbst bei dem gröstten Optimismus bezüglich der wirtschaftlichen Zukunft Rustlands doch mit berechtigtem Mitztrauen betrachtet werden mutz. Sodann ist vor allem nicht zu übersehen, dast die Käufer von Sowjetrudeln nicht etwa russisches Papiergeld erwerben, dos wie die Banknoten anderer Länder ohne Schwierigkeiten wieder in Umsatz gebracht werden kann, sondern dast mit dem Qkrmert „Auszahlung Mos la i“ an die Veiäusjerung erhebliche Schwierigkeiten gcknüpft find selbst in dem Fall, dah die Sowjetrubel beträchtlich im Werte steigen sollten. Alle diese Bedenken lassen es angebracht erscheinen, eine verlockende Gelegenheit, Millionär zu werden, n^ht allzu stürmisch zu ergreifen. Berlin, 22. Mai. Börsen st irn- mungSbild. Das beträchtliche Anziehen der Devisenkurse gab Anlatz zur festen Haltung der Effektenbörse. Für Industrieaktien trat aber nur geringe Unternehmungslust hervor, weil man einerseits politisch beunruhigt ist, und andererseits bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung nicht klar sieht. Dagegen waren ausländische Anlechen wieder sehr stark begehrt und wurden bei lebhaften Umsätzen beträchtlich höher bezahlt. Dies galt nicht mir für die eigentlichen Valutawerte, wie Mexikaner. Chinesen und namentlich Lissaboner Stadtanleihe, sondern auch für ungarische Renten und türkische Staatspapiere. Schiff- fahrtsattien zogen um Kleinigkeiten im Kurse an. Danken blieben unverändert. Die Devisenkurse hielten sich ungefähr auf dem am Vormittag erreichten hohen Stand. Frankfurt a. M, 22. Mai. Börsen- stimmungsbild. Der Devifemnorkt lag im Frühverkehr fest. Der Dollar eröffnete mit 308 310 und wurde später unter Schwankungen 307 — 313 — 310 genannt. Auf den Aktienmärkten hielt sich das Geschäft in engen Grenzen. Der Kasfa- Industrieaktienmarkt lag Im groben und ganzen ruhig. Im freien Verkehr wurden folgende Kurse genannt: Benz V5. Deutsche Petroleum 2175— 2187. Ufa 245 Montanaktien eröffneten bei vorwiegend befestigter Haltung. Elektrizitätsaktien konnten mäßige Kursbefestigungen eraielcn. Auf den sonstigen variablen Märkten blieb die Kursbewegung bescheiden. Zuckerfabrikaktien neigten zur Abschwächung. Autoaktien waren schwankend. Echifsahrlsaktien hatten bei regerer Rachfrage Kursbesserungen zu verzeichnen. Die Börse schloß ruhig bei behaupteter Tendenz. Privatdiskont 4* 2 Prozent. Frankfurt a. M.. 23. Mai. Börsenkurse. Frankfurt Berlin Schiust- Schlutz- Schiust- Schlutz- Kurs Äurä Kurs Kur- Datum: 13.» 22. S. 1-1.5 22.5. 5°/, Disch. Kriegsanl. 77,50 77,50 77,50 77,50 4'.Disch. ReichSanl. 95.50 95,90 95 40 94.75 3' .Disch. ReichSanl. 106,- 112,50 110,75 113,50 4*/0 Preuh. KonfolS ~ “ 05 - 83,- 83,50 Hamburg-Pakets.. . 405,— 409.- 400,- 40s,- Rorddeutscher Lloyd 32«,?5 325, — 320,25 327,— Eoinm.u.Privatbank 300,— 301,— 301,— 391,— Darmstädter Dank . 297,— 297,- 299,- 299,- Deutfche Dank . . . 600,- 604,- 605,- 690,- Disconto-Gesellschast 433,50 433,— 436,- 435,- Dresdner Dank. . . 320,— 321,— 324,* 324,50 Mitleid.Ereditbank. 262,— 262,— 262,— 261,50 Aaiionalbank f. D. 800,— 300,- 300,- 300,- Doch. Guhstahlwerke —,-1110,- 1148,75 Bud.- Eisenw.-Akl.. 837,- 829,- 820,- 818,- D.-Luremb.Brrgw.. 1000,- 1003,- 999,84 1020,- Gelfentirch. Dergw.. 1041,— 1045, — 1035,— 1050,— Harpener Bergbau. 1840,— 1830,— 1820,— 1830,— Obcrschl. Eisenb.-D 820,- 840,- 810,- 848,- Oberfchles. Sifentnd. 648,- 6 8 - 650,- 660,- Phönix-Bergb-Akt. 1165,- 1170,- 1169,- 1175,- Bad.Anilin-u.Soda 754,- 770,- 751,- 761,- Höchster Farbwerke. 697,50 699,— 685,— 689,— Allg. Elektr.-Ges. . 680,- 679,50 679,- 676,- Felten L Guilleaume —820,- 861, — Schuckert-Werke. . . 620,— 630,— 605, — 635,— Adlerwerke 515,— 515,— 5(5,- 514,50 Daimler 444,- 440,- 444,- 429,50 4" ° Hess. Staatsanl. 79,- 78,75 77,- 78,- Electron Griesheim 766,50 775,- 775,* Dtfche. VereinSbank 224,— 223. • ,• — Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Dell» Brief Datum: 19. Mai. 22. Mai. -Amstd -Rotterd. 11535,55 11564,45 1L109.80 12140,20 Drüffel-Antw. . 2461,90 2468,10 2586,75 2593,25 Ehristiania . . . 5523,05 5536.95 5694,85 6712,15 Kopenhagen . . 6337,05 63 >2 95 6651,65 666 ,35 Stockholm. . . . 7620,45 7639 )5 8064,90 8685,10 Helsingfors. . . 617,20 618,80 645,15 646,85 Italien 1523/15 1526,96 1698,- 1602,- London 1324,80 1326,20 1393,25 1396,75 Reuyork 296,12 296,'8 313,35 314,15 Pari- 2691,60 2698,40 2821,15 2828,55 Schweiz 5682^85 6697,15 6967,50 6982,50 Spanien 467y,lü 4698^0 4993,75 5006,25 Deutsch. Oesterr. 3,03 3,07 3,3ü 3,34 Prag 572,25 673,75 589^5 590,75 Budapest .... 37,- 37,10 36,65 36,65 Buenos Aires. 107,97 108,27 113,47 113,77 Bulgarien . . . 224,45 245/15 227,70 228.30 Japan 140.17 141,17 148,75 149,76 Rio de Janeiro 4081,50 4093,60 4294,- 4306,- Züricher Devisenmarkt. 22. 5. 23. 5. Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. = 204.- 203.75 Deutschland 100 Mk. — 1.70 1.66 Wien 100 Str. = 0.65 0.05 Prag 100 Str. = 12.57 9.925 Pari- 100 Fr. — 47.55 47.30 London 1 / — 23.35 23.33 Italien 100 2. --- 26.95 26.77 Brüssel 100 Fr. — 43.56 43.65 Budapest 100 Str. — 0.63 0.60 Reuyork 100 $ — 624 75 624.22 Agram 100 Str. — 1.86 1.85 Warschau 100 Str. = 0,13 0,12 Warknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 20.5. 22.5. Zürich Fr. 125.40 1,73 1,66 Amsterdam Fl. 59.20 0,85 Kopenhagen Str. 88.80 1,60 1,55 Stockholm Str. 88.80 1,30 1,26 Wien Str. 117.80 -,- Prag Str. 117.80 -,- 17,05 London Hh. 97.80 1,33 Reuyork $ 23.80 -,33 -,31 Pari- Fr. 125.40 3,67 3,54 Märkte Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Mai. (Amtlich.) Marktverlauf: Bei lebhaftem Handel wurde der Martt geräumt. 3m Einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 1060 Rinder ein- schlietzl. 23 Ochsen «aus der Tschechv-Slowa- lei, und 12 Färsen und Kühe aus Dänemark, darunter 130 Ochsen, 44 Bullen, 886 Färsen und Kühe, ferner 442 Kälber, 75 Schafe und 1344 Schweine. 4 Ziegen und 7 Schaflämmer. An Preisen wurden angelegt p. Ztr. Lebendgewicht: für Ochsen 2000—3100 Mk., für Süllen 1600- 2800 Mk., für Färsen und Kühe 2000 bis 3000 Mk. für beste Färsen, und bis 2200 Mark für beste Kühe: für Kälber, beste Qualität, 2600—3000 Mk., mittlere Qualität 2300 bis 2600 Mk., geringe Qualität 1800—2200 Mark; für Schafe 900-1500 Mk.; für Schweine unter 80 Kilogr. Lebendgew. 2900 bis 3200 Mk., von 80—100 Kilogr. Lebendgewicht 3300—3600 Mk., von 100 -120 Kilogramm Lebendgew. 3400—3600 Mk., von 120 bis 150 Kilogr. Lebendgew. 3400— 3700 Mk.; Fettschweine über 150 Kilogr. Lebendgewicht 3400—3600 Mk.; Sauen und Eber 2090 bis 3300 Mk. Die Marktpreise liegen um so viel Über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen. Frankfurter Getteidemartt. Frankfurt a. M., 22. Mai. Heber das Getreidegeschäft ist heute wenig zu sagen. Die festere Stimmung des Dollars regte die Kauflust etwas an. Man hörte im Frühverkehr teilweise höhere Preise, doch war die Hrnsatztätigkeit zunächst ruhig Bessere Preise erzielten Weizen; auch Mais war höher genannt. Roggen findet schlanke Aufnahme und ist gesuchter. Gerste und Hafer gut behauptet. Hülsenfrüchte hatten mäßige Hmsähe zu verzeichnen. Speiseerbsen, gute Qualität, finden schlanke Aufnahme. Futtermittel werden höher genannt. 3m Mehlgeschäft ist das Geschäft still. Es fehlt an Kauflust. Heu und Stroh finden schlanken Absatz. — Preise: Weizen 1600 Mk., Roggen 1250 Mk., Sommergerste für Brauzwecke 1500 Mk., Hafer 1325 Mk., Mais Mixed 1110—1135 Mk., Weizenmehl, südd. Spezial 0 bei Wagaonbezug ab Müh-- lenstativn 1950—2110 Qllt., norod. 70proz. AuSlandSmehl 1825—1900 Mk., Roggenmehl 1350—1425 Mk., Weizen» und Rvggenkleie 860—870 Mk., Speiseerbsen 1100—1425 Mk., Heu, südd., gut, gesund, trocken 700 Mk., Weizen- und Roggenstroh, drahtgepretzt, 350 Mark, Biertreber, getrocknet, 870—890 Mk. (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Die Wiener länger in Berlin. Reichsminister Dr. Köster über den Berfailler Vertrag. Berlin, 22. Mai. (WTB.) Die Wiener Musikw 0 che fand gestern abend ihre offizielle Einleitung mit einer Feier im Plenarsaal des Reichstagsgebäude-, an der u. a. zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, darunter die Minister Braun und Siering, der ehemalige Reichskanzler Fehrenbach, ferner der Oberbürgermeister Doeh, teilnahmen. In seiner Degrühungsrede führte Reichstagspräsident Loebe u. a. aus: ,Offen und rückhaltlos wollen wir vor dem In- und Ausland bekennen: Wir erstreben die Vereinigung Oesterreichs und Deutschlands, die volle politische und staatsrechtliche Vereinigung, trotz aller Hindernisse, die heute noch bestehest. Wie aridere Fesseln fallen werden, so werden auch die künstlichen Schranken zusammensinken, die die Deutschen des alten Landes und an der Donau trennen.“ Hierauf begrühte der Reichsminister des Innern Dr. K ö st e r im Ra men der Reichsregierung die österreichischen Gäste. Er betonte u. a.: „Ich will hier keine politische Rede halten, aber das muß gesagt werden, und alle Welt muß es einmal hören: Wo Deutsche und Oesterreicher zusammentreten, da steht zwischen, ihnen ein gebeugte- Recht, ein georochenes Versprechen. Wir haben Waffenstillstand geschlossen auf ein ganz bestimmtes Programm hin. Große Teile des Versailler Vertrages aber beruhen aus einem Rechtsbruch Diese Erkenntnis wächst überall in der Welt." Rachdem sodann der bische Minister Severing den Wiener Gästen im Ramen der preuhischen Regierung einen Will- kommengruß entboten hatte, brachte lhr Dor» sitzender Dr. Heinrich Kräckl den Dank der Wiener Sänger in bewegten Worten zum Ausdruck. Der tosende Beifall und da- Hän^klatschen wollt» fast kein Ende nehmen, al- Präsident Loebe dem Redner stumm dte Hände reichte. Hieraus folgte in der Wandelhalle ein gesellige- Beisammensew. Französifche Flottenrustungspolitik. Paris, 22. Mai. fWTB.> Im Laase der bevorstehend«! Tagung der Kammer wird dieser das bekannllich in Washington getroffene Flvttenprogramm vorgclcgi w.rden Dia „Chicago Tribüne“ schreibt, datz die französischen Einwendungen gegen das Ablommen sich hauptsächlich aus folgenden Punkten z isnferenz, mit der er begeisterten Beifall erntete, s e r die bei weitern beste der auf der Konferenz gehaltenen Reden gewesen. Raihenaus Eintreten für die Demobilisikrung der Kriegsidee und für eine w rMche Versöhnung ba Geister habe die Zuhörerschap mltgerissen. Gar- Dhi schreibt weiter, datz eine Besetzung des Ruhrgebietes nicht stattfinden werde. Frankreich wisse jetzt, datz seine Politik eine Aenderung erfahren^ müsse, da sonst die Entente nicht aufrecht erhalten werden könne. Ein neuer Anspach im Dienst der französischen Spionage. Berlin, 22. Mai. (Privattelegramm.) Laut „Montagspost" wurde vom Bochumer Landgericht der Pole Franz Iendrichewskt zu aner längeren Gefängnisstrafe verurteilt, well er nach dem Vorbilde des Meisterfälschers Anspach die französischen Besatzungsbehörden mit einer Flut falscher Berichte überschüttete. Von einem Spionagebureau in Düsseldorf hatte er den Auftrag erhalten, einen Bericht über die Gesinnung b$r Bevölkerung im Ruhrgebiet gegenüber den französischen Truppen, über die Stärke der Reichswehr, dec Schutzpolizei und deren Waffenbestand zu liefern. Bei der Ausführung dieses Auftrags lietz Iendrichewski seiner Phantasie den weitesten Spielraum. So ] eilten in Bochum allein 800 junge Leute im Alter von IZVe bis 23 Jahren für ein geheimes preuhisches Truppenkontingent angeworben fein. Die Zahl der in den anderen Städten des Ruhrgebiets verpflichteten Rekrüten bezifferte er auf mehr als 5000. Auch Über eine geheime Studentenverbindung m Berlin, die militärischen Zwecken dienstbar gemacht werde, wutzte er zu berichten. Hm seine Meldungen durch Dokumente glaubhaft zu belegen, fälschteereineganzeAnzahl von Schriftstücken. Die Besetzung des Ruhrgebiets würde von den Einwohnern gleichgültig ausgenommen werden. Rur die Presse mützte mundtot gemacht werden. Dor Gericht gab Zen-, drichewstt zu, datz feine Meldungen erfunden und feine Belege gefälscht seien. Öanflaoln- Vastillen («1 iffiV !•» OntaMDm w ntnk- *4 Vdonkp bd «rtoe. •** Ä** ■« 4'HSUllch le Ire l»il|tl e <> Bnadanien Jkitschkr 5chäserhund am Halsband den Namen „fRfibl" tragend. Eigentümer kann denselben geg-Erstaitung der Kosten abholen. Lelhceetcrn. RaihauSftrahe 4. 05296 <> <> O Vuntseidenes MüerweslA» m. lila Bändern, verloren auf dem Dege Cais Helt- ter, »Iranksurier, Alice-, Bahnhofstrabe, Unterführung öurHammstrahe bis Güterbahnhof. Abzugeb. gegen Belohnung 5050 rtmfjurttt etr. 3II. BOtgemeiftet fireylen. 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Hetzt erst sah sie, wer den Spiegel ihrer Glücks st immun g zertrümmert hatte. Der Alois war's! Der '^einiger ihrer Kindheit! Der häßlichen Schlupfline Sohn-'Der, Bezwungen! Unter ihr! Was eben noch ihre Seele erleuchtet hatte, versank. Das Bild ihrer Vergangenheit stand vor ihr, deutlich, wie eine aas dem Erdboden gestampfte Wirklichkeit. Es kehrte die Untiefen in Lei^s Herzen hervor. Lautlos rang sie mit dem Burschen, bis sie seine Arme gefesselt und seinen Kops gefasst Hütte, den sie mitten hineinstietz in das lrrnchernde Brennest eibeet, das zur Seite wuchs. Und dann lieh sie ihn liegen und ging davon, nicht flüchtend. sondern wie ein Wen sch, der Kraft und Lust genug in sich fühlt, mit einem Schock Krugwirten den Kamps aufzunehmen. Frohlockend genoß sie das Gefühl der Bache. — Auf jene mondhellen Aächte folgte eine regenschwere Zeit. An ein Wiedersehm der beiden Liedenden war dabei nicht zu bentea. Das Moor war unter solchen Umständen nicht zu überschreiten. Heiner muhte sich mit der Sehnsucht noch Lene abfinden. Auch brachten Umstände and Zufall ckllerhand Abwechslung in sein Leden. Eines Tages wurde er an das Bett seiner schwer erkrankten Mutter gerufen. Er traf sie mit dem Tode ringend und in einem Zustande hilflosester Verlassenheit. Wochenlang blieb er bei ihr und übte seine Sohnespflicht Nachdem sie so weit genesen war, dah sie die Beile trogen durfte, nahm er sie trotz feiner ursprünglichen Bedenken mit sich. Und als er heimkam, da war die Feldarbeit der Dauern beendet, str bedurften der Mithilfe ihrer Kinder nicht mehr, und für den Lehrer begann die Hauptzeit seines Schaffens. Auch die Pflege der Mutter nahm ihn noch weitgehend in Anspruch, so baß er vor lauter unerbittlichen Notwendigkeiten für seine eigenen Wünsche keine Zeil fand Vergebens besuchte er in den mondklaren Nächten den Ort, wo sie sich gefunden hatten. Lene tarn nicht wieder und Heiner wusste nichts von ihrer Begegnung mit dem Alois, die sie die Heide von neuem meiden lieb. Und ehe er es recht glauben wollte, war der Winter da. Er setzte mit ungewöhnlicher Strenge ein. Bekümmert sah Heiner von der Turmstube ans, wie die weißgewordene Heide täglich an Undurchdringlichkeit gewann. wein Herz flog darüber hin, die Hütte zu suchen, die der Liebsten irgendwo in der Einöde ein kümmerliches Obd«h bot. Dort wußte er sie, ein ärmliches Dasein führend, vom Schnee begraben and in der sehnsüchtigen Erwartung, das) die Eiszapfen, die das Hüttlein umhingen, tote zottige Bärte, und 'die der Frost wachsen lieh Tag um Tag. unter dem ersten Sonnenstrahl wieder za schmelzen begännen. Was nützte es ihm aber, datz er ingrimmig die ^stuste ballte und seine Ohnmacht verwünschte, die ihn zwang, ge'chehen zu lassen, was er mit seinem Herzblut hatte ändern mögen. Bitter empfand er dir Wahr bett. Deutscher Reichstag. Berlin, 22. Mai 1922. Ne Interpellation der beiden Bechts- ^artrien über Veröffentlichung des Materials 8 u r Aufklärung der Schuldfrage am Weltkriege wird innerhalb der geschäftsord- «UNgsmäßigen Frist behandelt werden. Sodann totrb die Beratung des Ernährung eiatS fortgesetzt Minister Fehr betont gegenüber Vor- «jürfen, bat) er auf die Frage der Br Ölversorgung nicht näher eingegangen sei, weil dem Reichstag demnächst eine Vorlage darüber zugehen werde, die im Beserentrneni- Wurf bereits vorliege und mil den Landesregierungen durchberaten sei. Damit solle eine dem vcrsähriqen Betrag entsprechende Nlenge Brotgetreide in öffentliche Hand gebracht werden. Äe Landwirtschaft solle dafür die Erzeugungskosten und einen angemessenen Gewinn erhalten. Sv solle die Drotversorgung zu erträglichen Preisen gefiebert 'werden. Zchte Beichränkung auf Minderbemittelte wäre sehr schwierig. aber vielleicht mcht unmöglich Vielleicht könnten die Brot- tarten auf begründete Anträge abgegeben ©erben. 3m übrigen habe sein Vorgänger die 'Beseitigung der (Setreibcumlage mir unter der Vor- «mSsetzung zugesagt, dah sich die Wirtschaftslage nicht weiter verschlechtern würde. Das sei aber leider nicht der Fall. Gr habe niemals daran gebarbt, einen Schutzzoll gegen die Einfuhr von Getreide einzuführen. Abg Hammer (Dntl.) geht auf die Frage der Zuckerversvrgung ein. Troy guter Ernte könne die Bevölkerung keinen Zucker erhalten, weil alles für Konfitüren und Likörfabri- Tatton aufgekauft werde. Deshalb müsse die Zuckereinfuhr unbedingt freigegeben werden. Nicht der Kleinhandel trage die Schuld an dem Zuckerwucher. die Zuckerlieferanten steckten meist mit den Großhändlern zusammen und die Einkaufsgenossenschaften der Kleinhändler würden shste- mattsch vom Großhandel boykottiert. Demgemäß müsste diesen Genossenschaften und Konsumvereinen die Einfuhrerlaubnis für Zucker gegeben werben unter Bedingungen, die es verhüteten, dah auch dieser Zucker zu Schieberware werde: andererseits müßte auch der Übermäßigen Konservenausfuhr ein Ende gemocht werden. Abg. Dr. MoseS (USP.) verlangt eine beträchtliche Erhöhung des Fonds, der für die Forschungsarbeiten der Sr - uährungSwirtschaft ausgeworfen ist. Der hierfür angeseyte Betrag sei im Verhältnis zu den Ausgaben für Ausbildung von Brieftauben und Sanitätshunden geradezu lächerlich. Ein inzwischen eingegangener Antrag der Linksparteien will die Au sfuhr von Spar- gelkonserven in gewissem Umfang zulasten. Der Vertreter Braunschweigs im Reichsrat v. Dodemer wendet sich gegen ein allgemeines Ausfuhrverbot für Konserven. Die Ausfuhr sei viel kleiner als vielfach angenommen werde, und die Spargellvnserven könnten beispielsweise im Ausland gar nicht verbraucht werden. Abg. Schiele (D.-Natl.) hält dem Minister gegenüber die Behauptung aufrecht, dah Minister HernreS unzweideutig die vorjährige Getreideumlage als letzte Zwangsmah- regel bezeichnet habe. Die öffentliche Bewirtschaftung habe das Brot so verteuert, dah das marferrfreie Brot billiger sei, alS das Markenbrot Wenn wir uns in der Ernährung vom Ausland freimachen wollten, mühten wir aus der Gebundenheit heraus. Abg. Krätzig (Soz.) widerspricht der Behauptung, dah das markenfreie Brot billiger sei alS das Markenbrot. Biele Lebensrnittel hätten die Weltmarktpreise schon überschritten, ohne dah Löhne und Gehälter der Geldentwertung gefolgt seist. Schreite die Regierung nicht sofort ein, barni kämen wir zu einer Katastrophe. Redner polemisiert gegen daS Zuckerkartell und fordert Beschlagnahme des Zuckers und seine Bewirtschaftung durch das Reich. Sin Vertreter des Ministeriums erwartet von einer Beschlagnahme des Zuckers keine Abhilfe, da dann kein Zucker mefcr vorhanden sein würde, und sieht nur in der Einfuhr einen Weg zur Linderung der Rot. Abg. Lern et er (Dtschntl.) wünscht, daß im Ministerium die Nichtfachtechniker ersetzt werden, um das Vertrauen zum Ministerium zu heben. Minister Dr. Fehr erwidert, daß fachtechnisch durchgebildete Beamte schon jetzt in an- .gemessenem Umfang im Ministerium vorhanden seien, nämlich 20 unter 56. Abg Lind (Dtschntl.) greift die Reichs- getreidestelle an, die allein im Kriege den Produktionswillen der Landwirtschaft gelähmt habe. Der Umlagepreis bedeute für Die Landwirtschaft ein Opfer von 40V» Milliarden. Solange sich der Kleiepreis höher stelle als der Urnlageprers. werde Getrci.e verfüttert werden Adg. Hoch iSvz.) ersucht den Vorredner um Vorschläge für einen einfacheren und billigeren Apparat wie die Reichsgetreidestelle. Staatssekretär H e n n r i ch bezeichnet den Ersatz der Bcichsgetreidestelle durch eine andere Organisation zur Zett als unmöglich. Die Abstimmungen werden zuruckgestellt. Damit ist der Etat deS Landwirkschafts- Ministeriums erledigt. Mit der Besprechung verbunden wird eine Interpellation drr Recht. Parteien, Demokraten, Bayern and Hannoveranern über Regelung des Lehr- lingswesenS im Handwerk. Reirhswirischafisminister Schmidt: Bei dem sinkenden Wert der Mark geht die Preisbildung bei uns nicht.mehr unter normalen Druck Der einwirkenden Konkurrenz Die Kauflraft der Mark ist im In lande noch nicht ebenso tief gelungen als auf dem Auslandsmarkt. Nichts wäre törichter, als wenn wir auch im Inland an den Weltmarktpreis herankommen wollten: .mfere Konkurrenz mit dem Ausland wäre bann erledigt and die Ausfuhr der mit der Inlands- kaaskraft der Marl hergestellten Warm würde schnell zurückgehm. Für Beschwerden über Kartelle und Syndikate haben wir eine besondere Stelle errichtet Die Ausfuhr muh noch immer beschränk! bleiben. In der Einfuhr können wir uns etwas freier bewegen, doch ist die Einfuhr von allzuviel Luris nicht erwünscht. Die wirtschaftspolitischen Fragen wurden in Genua sehr eingehend geprüft Bezüglich der Behandlung der Ein- und Ausfuhrfrage war man sich einig, daß alle B.-schränkungen, soweit sie nicht unbedingt erforderlich sind, beseitigt werden müssen. Ein einheitlicher Zolltarif wurde vorgeschlagen. In der Frage der Meistbegünstigung haben selbst die Gntentever- treter anerkannt, daß man uns nicht dauernd einseitige Verpflichtungen auferleaen kann. Im Außenhandel werden wir in absehbarer Zeit noch immer mit einer starken passiven Handelsbilanz rechnen müssen. Auch werden wir die Kohlenförderung nicht so regeln können, daß sie bei unseren Abgabeverpflichtungen an die Entente dem inländischen Dedarse genügen können. Leider können wir somit die Wirtschastskonjunktur nicht restlos ausnühen. Wir müssen versuchen, neue Kohlenfelder zu erschließen, neue Schächte zu bauen, und darum werden die Kohlenpreise steigen müssen. Der Bergarbeiter muh eine berechtigte Ausnahmestellung unter den Arbeitern einnehmen, auch in bezug auf seine Entlohnung. Längere Arbeitszeit können wir von ihm nicht verlangen, so lange die großen Haldenbestände unabgefahren daliegen. Bezüglich der Papierwirtschast taten wir im Sinne der Entschließung des Hauses, was in unserer Kraft lag. Die Eisenbahntarife find herabgesetzt: die Auhenhandelsstclle hat ein Eingreifen zugunsten einer Verbilligung des Papiers als gänzlich unmöglich abgelehnt. Undenkbar ist es, daß die Regierung noch einmal Mittel zur Senkung des Papierpreises zur Verfügung stellt. Aber das Mögliche soll geschehen, denn es ist ehre unbedingte Notwendigkeit, besonders für die kleine Presse, dah wir zu einer Ermähigung der Papierpreise kommen. \ Abg. Hammer (Dntl): Das Sinken der Kauflust stellt Heimindustrie und Kunsthandwerk vor schwere Zetten. Untere Steuern stellen sich schon jetzt unter dem Ententedruck ins Unerträgliche. Dabei will die Entente unS zu einer weiteren Verteuerung der Kohlen zwingen und zu einer Steigerung der Post- und Eisenbahntarife. und zwar lediglich, um die Konkurrenzkraft der deutschen Industrie zu schwächen. Der Redner fordert, Angliederung der Reichsbauabteilung an das Reichs wirischaftsministerttim und größeres Entgegenkommen gegenüber dem Bauhandwerk bei der Vergebung von Arbeiten. Das deutsche Handwerk müsse an den großen Messen teilnehmen können. Im Kunst Handwerk sind wir allen voran. Der Redner tadelt die Höhe der Gewerbesteuer und verlangt Desettigung der SvzialisierungÄ!ommissivn. Abg. H o ch (S.): Die Aufhebung der Zwangswirtschaft hat die Wirtschaft nicht befreit. Diese liegt in den Fesseln der Kartelle, die unter Führung der Rechten die Ausbeutung des Volkes besonders des Mittelstandes betreiben. Die Erhöhung der Spiriluspreise am 1. April wurde von kapitalkräftigen Firmen benutzt, um sich zu niedrigen Preisen noch einzudecken. Unerlaubte Einfuhr sollte konfisziert werden. Die Papier- fabrifen müssen unter die Kontrolle der Regierung geteilt werden. Die Forderung der Zeitungsverleger auf Sicherstellung einer ausreichenden Druckpapiermenge zu erträglichen Preisen fei gerecht. Um 63/4 Uhr wird die Wetterberatung auf moraen 11 Uhr vertagt. Gießener Strafkammer. Dich en, 19.MailS22. Ein Gießener Alt Händler war vorn Schöffen- geridjt von der Anklage der He h le re i frei- gefprvchen worden. Er hatte einen Rock und eine Weste, beides geftobfen, um einen geringen Preis gekauft, und die Anklage nahm an, daß er den Ilm stäuben nach von der Unredlichkeit deS Er- werbs hätte überzeugt fein müssen. Das Schoffen- erich: hatte geurteilt, dah zwar Verdacht, aber rein ausreichender Beweis für eine strafbare Handlung vorliegc. Hiergegen verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung. Die neue Verhandlung verlies günstig für den Angeklagten. Er hatte einen Bekannten, dem er i rauen durfte, mit Nachforschungen über die Herkunft der Kleider beauftragt, und von diesem, der inzwischen von dem Dieb bestochen worden war, eine beruhigende Auskunft erhalten. Danach konnte, wie auch der Vertreter der Staatsanwult- schaft ancriannte. von einem Beweis der Hehlerei keineRede sein und daS erfteUrteil wurde bestätigt. Aus Wunsch des Wohnungsamtes zu Alsseld verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung gegen ein freisprechendeS Urteil Dos Schöffengerichts Alsfeld. Den verwickelten Tatbestand hier wiederzu geben, verbietet der Raum: als grundsätzlich wichtig möge aus den Entscheidungsgründen des DerufungSurteils indeS hervorgehohrn werden, daß die Strafkammer d a S Wohnungsamt nicht für berechtigt hält, einen von ihm gefaßten Beschluß über die Zuweisung einer Wohnung einseitig und ohne die Zustimmung der Beteiligten wieder aufzuheben. Bereits der Amtsanwalt hatte in Uebereinftimmung mtt dem Erkenntnis des Schöfsengerichts diesen Standpunkt vertreten, und auch die Staatsanwaltschaft erkannte ihn als richtig an. Eine Frau war vom Schöffengericht Bad- Nauheim wegen Mißhandlung ihres unehelichen Kindes zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden und verfolgte dagegen B e - r u f u n g. Das Verfahren muhte eingestellt werden, da Körperverleyangen mittels gc- sährlichen Werkszeugs ober mit grausamer ober boshafter Behandlung nicht festgestellt werden tonnten und Strafantrag wegen einfacher Mißhandlung nicht gestellt war. Turnen, Sport und Spiel. Das Dad-Rauhettner Automobil-Turnier. 4 Bad-Nauheim, 21. Mai. Sin großes sportliches Ereignis war bas Automobil- Turnier, bas von Freitag bis heute hier ftatt- fanb. Die Kurverwaltung unb der Allgemeine Deutsche Automobilklub hatten die Veranstaltung trefflich vorbereitet, unb mit gespanntem Interesse verfolgten Kurgäste unb viele Tausenbe auswärtige Besucher die interessanten Wettkämpfe. Schon seit acht Tagen stand bas Leben bes Babes im Zeichen beö Autos unb bes Motorrades. Denn zahlreiche Fahrzeuge wellten schon zum Training hier, wozu vor einigen Tagen die benötigten Straßen von der Polizei ahgesperrt waren. Nach einem Begrühungsabend am Freitag begann bas Turnier am Samstag morgen mit der Derg- prüfung. Etwa 100 Fahrzeuge, Autos unb Motorräder alle, Art, starteten am Kurhause, um von hier die etwa 5 Kilometer lange Strecke burch die Neuanlagen unb ben Frauenwald nach bem Johannisberg zu burchfahren. Für ben Sportsmann war biefer Programmmpunkt unstreitig ber fesselndste Teil der ganzen Veranstaltung, da die Bergstraße reich ist an schwierigen Kurven, Ne an die Geschicklichkeit unb Geistesgegenwart ber Fahrer hohe Anforderungen stellen. Nachmittags fand die Flachgeschicklichkeitsprüfung statt. Sie ging vom Kurhaus aus, führte durch den Park unb einige Straßenzüge ber Stabt, um bann wieher am Kurhaus zu enben. Eine nach vielen Tausenden zählende Zuschauermenge umstand die Rennstrecke, besonders die Haltestellen, an denen die Fahrzeugführer ihren Wagen verlassen und Kontrvllzettel an die Turnier lei tung abgeben mußten. Ein großartiges Feuerwerk beschloß am Abend den ohne Störungen unb nenneswerte Un- alücksfälle verlaufenen ersten Turniertag. Der heutige Sonntag, ber bei bem herrlichen Frühlingswetter dem Bade einen Massenbesuch brachte, bot bem Auge bes Zuschauers mit einer Korso- fahrt durch die Stadt eine seltene sportliche Heberrafcbung. Eine Geschwindigkeits- Prüfung auf der Kurhausterraffe schloß sich an. Sie stellte an die Geschicklichkeit ber Fahrer unb die Beweglichkeit ber Fahrzeuge befonbers hohe Qlnforberungen unb gab in ihren Ergebnisse vielfach ben Ausschlag bet 'der Gesamt be Wertung. Die Siegerverkündigung, wozu von auswärtigen unb hiesigen Firmen und Behörden toertoolle Preise gestiftet worden waren, wurde heute abend mit Ansprachen von Kur- , Direktor von Boe hm er, Bürgermeister Dr. Tr.y ser und dem Vorsitzenden des GuueS lh a lcä A.D.A.E eingeleitet Ein Tanz vereinigte die Teilnehmer anschließend im Kui Haufe. Nachfolgend das Ergebnis ber Gesamtdewtt:- tung: Motorwagen über 10 PS.: l K 1 ee- man n-Homburg v b. H «Adler): 2. Schultz- S'eprath (Adler ß 3. S. Irion - Frankfurt a M (Adler): 4. M Folville- Frankfurt a. M. Steiger): 5. A. Kö11ner - Franksuri a. M (Adler). — Motorwagen b \*4 10 PS.: 1. Frau 3. Folville - Frankfurt a. M. (Steiger): 2. G. Wallrefs - Frankfurt a. M. (Adler): 3. Hauptmann a. D. Reiter- Frankfurt a. M. (Protos). — Motorwagen dis 8 PS.: I. W Glöckler- Frankfurt a. M (N.S.U.); 2. F. Rasche- Frankfurt a .M. (Dür- kopp): 4. V. Heß- Eberstadt «Brennabor). — Motorwagen bi s 6 PS.: 1. W. Wald- Mannheim (Benz): 2. H. Engel-Wiesbaden (Wanderer): 3. van EyS - W.esbvden (Wanderer). — Motorräder bis iy< Pb.: 1. Kar- rcr-Wiesbaden (D.K.W.); 2. A Levy- Frankfurt a. M (N.S.ll.). — Motorräder biS 3 PS.: 1. W. Engler-Dad-Naulxim (N.S-tt); 2. R. K r u g - Frankfurt a. 'M. (Ohble); 3 2. Lanzendorfer» Ansbach (Ariie). — Motorräder bis 4 PS.: Mencnheimer- Königsiein (Ql <5.11.); 2. V. Schön- Frankfurt a. M. (31.6.11.); 3. Hartmann- Wiesbaden (N.S.H.). — Motorräder mitBeiwagen: 1. D. Schön (01.0.11); 2. Kalinowski- Oberursel (Wanderer); 3. W. Kindhofen- Wiesbaden (Wanderer). e * Das 3. Dergtumfest deS Main- Rodgaues wurde auf dem SrarJenjlLüi bei Darmstadt abgehalten: geturnt wurde Weithvcß- sprung, Freihoch, Kugelstoßen aus bem Sport - ring unb 100-Meterlaus. Punkt 6 Uhr morgen# traten 320 Turner Mm Turnen an. Dom Surncr- bunb Lahn-Dünsberg nahmen 10 Turner teil, wovon 9 Turner als Sieger zurückkehrten. GS erhielten ben 5. Preis mtt 65 Punkten August D e st (Waldgirmes), den 6. Preis mit 61 Punkten Karl Agel (Lollar), ben 11. Preis mtt 55 Punkten Karl 0 i f fei (Waldgirmes) und Paul Zöller Hausen), ben 13. Preis Erb (Vollbringen) und Frank (Wieseck), den 19. Preis Faulstich (Allendvrf). In der Unterflufe erhielt den 1. Preis Lepper (Waldgirmes), ben 4. Preis Karl Winter (Launsbach). — Westfälische Kampfspiele. Ein neuer beutscher Rekorb. Die dritten Westfälischen Kampfspiele in Dortmund erfreuten sich bei schönem Wetter eines Massenbesuches. Die sportlichen Leistungen standen trotz des Saisonbeginns auf ber Höhe. So schuf bet Sportclub Charlottenburg in der Olympischen Staffel mit bet Mannschaft Dein (800 Meter), Zirpel (200), Krüger (200), Düncker (400) mit 3:36,8 Sek. einen neuen beutfdjen Rekorb. Der alte gehörte Eintracht Frankfurt a. M. mit 3: 38,1. Die Ergebnisse: 100 Meter: 1. Düncker (S. C.CHarl.) 10 9 Sek., 2. Ebelstein-Essen 11 Sek., 3. Zirpel (S. L Chari). Wettsprung: 1. Fickel-Dortmunb 6,61 Meter 2. Golbeberger-Geestemünbe 6,46 Meter 800 Meter: 1. Bein (S. C. Charl.) 2:00,2, 2. Gut- zett-Dvrtmunb 2:05,2. Hock-sprang: 1. Lauffers- Iserlohn 1.69 Meter, 2. Hübner-Dortmund 1,59 Meter: 3000 Meter: 1. Neumann-Dortmund 9:38,6, 2. K^rn-Dortmund. 400-Meter-Staffel: 1 Duisburg 48 43,9 Sek. 2. Essener Tumerbund 2 Meter zur. Dreckampf: 1. Kruhn-Essen 163 P, 2. Fickel-Dorttnund 162 P. Olympische Staffel. 1. S. C. Eharlottenburg 3:36,8 (neuer beutscher Rekorb), 2. V. f. B. Lehe 3:43, 3. Preußen-DuiS' bürg. Kugelstoßen: 1. Krüger (V. f. B. Waltrop« 11,47 Meter; DiSkuSwerfen: 1. Hofmeister-Münster 36,25 Meter. — Frvih Heims erstes Auftreten In bem vorn Berliner Schlittschuh-Klub veranstalteten Internationalen Tennistur nier am Reichskanzlerplatz wurden am Sonn tag in der Hauptsache die beiden Herreneinzrl- spiele gefördert, wobei das erste Spielrn deS Deutschen Meisters Froitzheim besonders m- teresfierte. In drei aufeinanberfolgeirben Spielet de wies Froitzheim, daß er glänzender denn j« in Form ist. Sein lebhaftes Spiel am Netz sein harter, präziser Schlag, feine überlegen» Taktik lösten lauten Beifall unter den zahlreich erschienenen Besuchern aus. Zu ben Geschlagene! gehörten TL Koken und ber Deutsch-Schweizer Holzboer, die 0/6, 3/6 bzw. 1/6, 1/6 den Kamp gegen Froitzheim verloren. Auch die Dänen absolvierten ihre ersten Spiele. Bis auf Berg- Nielsen, der im Dreisatz kämpf gegen v. Krogf unterlag, konnten sie sich siegreich behaupten Larsen schlug später seinen Doppelpartner Mor» Ville 6/2, 6/0. Sine Lieberraschung bedeutet du Niederlage von Laasch gegen Raabe, ber nach schwachem Spiel 3/6, 6/4, 6/3 siegte daß, wem Glück gegeben, dem auch schon drs Leides erste Spur ins Herz gesenkt wird. An ben langen Winterabenden, wo die Stunden endlos langsam sich in die Vergangenheit stahlen, saß et bei ber Mutter und sie sprachen zusammen von Lene unb entwarfen friedliche, schöne Bilder der Zukunft, so daß er vor ingeduldiger Erwartung sich kaum zu lassen wißte Im Geiste sah et sich schon an seinem Ziel und bedachte nie, daß auch das Leben seinen Willen hat. Unb endlich hatte der Winter em Einsehen, er besann sich nicht lange unb ging davon! Die lachende Sonne hatte es in wenigen Tagen zuwege gebracht, daß Heide und Wald in einem See schwammen. Aber noch immer hieß es Wochen hindurch warten, bis die Erde den See geschluckt hätte, ilnb endlich, endlich streckten die Schneeglöckchen die ersten Spitzen aus der Erde hervor. Nun hielt es ihn nicht länger, er mußte hinaus, sich fein Weib zu holen. Es scherte ihn nicht, daß er nicht sicher wußte, wo Lenes Hütte stand, ileberm Moor hatte sie gesagt. Unb fein Herz versprach ihm, baß er es finden wurde. Am frühen Morgen zog er aus. Sein Weg führte durch den Sakraments wall), frohmütig schmetterte er fein Lied in den grünen Dom hinein. Er kam an dem Wurzelungetüm vorbei und an ber Waldkapelle. Freundlich grüßte ihn der rote Amprischrin, das ftosteittbundene Wundrrbrünn- lein plätscherte ihm entgegen, ein Kuckuck schrie, und Heiner hörte aus allen Waldstimmen ftohes Verheißen. Ze weiter er vordrang, um so mehr zeigte ber Wald das Bild einer unbefleckten Wildnis. Felsig war der Weg, auf dem das abgeworfene Smnmerkleib des Waldes langsam verweste. Junge Bäumlein, von der Härte des Winters zur Erde gebogen, aüetäoefällie Rielenstämme quer über das Gelände gestreckt, motxzrnb Reste längst entwurzelter Bäume, vom fetchtei Wirrsal des WaldbodenS umbettet, erschwerte, ihm ben Weg. Unb vor allem des Strauch« Werks Dickicht, das sein Skelett ihm hemmenk entgegenstreckte. Doch allmählich llchtete sich "ber Wald, Der Weg führte talab, und als Heiner den freier Himmel gewonnen hatte, bemerkte er, daß di Gegend gänzlich verändert war. Vor ihm dehnt sich, soweit er sehen tonnte, der dunkle Zug des Moores. Kein Baum, kein Strauch unterbrach die Einförmigkeit der weiten Fläche. FarbloS noch stand das Gras auf der zerklüfteten Moordecke, und die dunkeln Moortümpel säumte da unb dort noch ein Kranz von Eis. Eine tot- stille Einsamkeit fiel Heiner an, die sein leicht* bewegtes Gemüt zur Trauer stimmte. Einen Uebergang suchend, ging er lange am Rand des Moores hin. Er erschrak heftig, alS plötzlich ein Sumpfhuhn, durch seinen Schritt aus- gescheucht, fich kreischend erhob und schwerfälltg über bas Moor hinstrich. Auf gutes Glück wagte er sich nicht auf das unsichere Gelände. Ein paar Versuche, die er in knabenhaftem Trotz dennoch unternahm, zeigten ihm das Vermessene semes Unterfangene. Er fing an einzu sehen, daß auch der Wegkundige das ileberseyen der tückischen Steppe, auf deren Grund hundertfältig ber Tod lauerte, noch nicht wagen durfte. Grauen packt» ihn unb Bewunderung zugleich, wenn er daran badjte, daß Lene um seinetwillen den Weg über das Moor gewagt hatte. Wohl mochte es leichter fein im Sommer, wenn die Erde burftiger geworden war. allein ein Wagestück blieb es trotzdem. (Fortsetzung folgt) Beste Bezugsquelle für Wiederverkäuser [ (503218 $ Verkauf 1. Stock Sport-Kragen w.iß m 17.50 Strick-Binder Zg.OO 5052c] 5048c < in la Qualität, zu noch sehr günstigen Preisen. 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W HWMW wird an der Dicken Eiche bei Blasbach von 3 Uhr nachmittags an ein «Wes MW gefeiert werden. Festansprachen werden halten Pfarrer Grundier von Wilsbach und andere, gum Besuche ladet herzlich ein ___________i. A.: O h l y, Pfarrer. voriv Aus nach Sieber! gu der am Himmelfahrttage stattfindenden Tanzbelustigung bei Gastwirt Verlach ladet freundlichst ein Die Burschenschaft in Bieber. Erstklassige gesunde SM-MSAWMOW verschiedene Sorten, billiaft 4765 Hinter der Westanlage 11, Teleph. 178 Behördliche Anzeigen Vergebung von Bauarfrdten Zu den Neubauten von drei Doppelhäusern für die Stadt Hungen werden die Erd-, Maurer-, Zimmer-, Dachdecker-, Spenglerarbeiten, sowie Kunststein- und Kleineisenzeuglieferung getrennt nach Losen zum öffentlichen Wettbewerw ausgeschrieben. Pläne und Vertragsbedingungen liegen vom 22. Mat 1922 ab bei der Kreisbauverwaltung. Zimmer Ar. 18, zur Einsicht offen. Angebote, zu denen die Vordrucke gegen Erstattung der Selbstkosten ebendaselbst erhältlich sind Ö gegen Nachnahme), sind knit entsprechender hrift versehen, verschlossen und postfrei spätestens bis zum 3. Juni 1922. vormittags 10 Ubr, bei uns etnzureichen. Die Eröffnung der Angebote erfolgt auf Zimmer Ar. 18 zum gleichen Termin in Degen- wart erschienener Vewerber. Zuschlagsfrist 14 Tage. 4945D Dietzen, den 19. Mai 1922. Kreisbauverwaltung. Cellarius. 5tädt. Brennstoffamt. Detr.: Weitergabe der Kontrollabschnitte an bte Kohlenhändler und Dezugsvereinigunaen. Die Dersoraungsberechtigten werden dringend gebeten, die Kontrollabschnitte der Kohlen- mrten urrverzüglich an die Kohlenhändler und De- zugsvereinigungen weiter zu geben, andernfalls eine geregelte Belieferung unmöglich ist. Dietzen, den 23. Mai 1922. 50298 Der Oberbürgermeister (Drennstvffamt). Gräserei-Verpachtung. Mittwoch, den 2 4. Mai L 3-. vormittags 1IV«Uhr. soll in der Gastwirtschaft .ZumTrePPchen" bei FerdinandKrei- ling zu Heuchelheim dieGrasnutzung an der Lahn in den Gemarkungen GietzenundHeuchelheimfür das laufende Iahr öffentlich versteigert werden. Mainz, den 17. Mai 1922. 4963V Hess. Wasserbauamt Mainz. Schmitz. Bekanntmachung. Am Samstag, dem TL. Mai dS. H., vSkmit- tags 10 Uhr, wird im hiesigen Amtszimmer die Fischerei in der Gemarkung Hörnsheim auf sechs Jahre öffentlich an den Meistbietenden verpachtet. G r o tz r e ch t e n b a ch, den 19. Mai 1922. Der Dürnermeister 50360