Nr. U9 Erscheint täglich, anfeer Sonn« und Feiertags, mit berSamstagsbeilage: ®iefeener5amilienblätter Monatliche vezugrpreise: Mk 18.— und *TPk. 2.— Trägerlohn,durch diePost MK.20—, auch bei Nicht, erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Ferniprech. Anschlüsse: für die Schrift- lertung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Giefeen. Poftfaeafonto: lftanftart a. M. 11686. Erster Blatt 172. Jahrgang Montag, 22. Mal 1922 GieheimAiizeiger General-Anzeiger für Gberhesien Drad und Verlag: vrühl'fche Umv.-Vnch- und 5teindruckerei R. Lange. Zchriftleltung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer ois zum Nachmittag vorher odne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm hohe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 120 Pf., auswärts 150 Pf.,' für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 450Ps. Bei Platz. Vorschrift20 «Ausschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Karl Walther: für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gieszen. Eine neue Hetzrede Poincares. Lloyd George hat am Ende der Genueser Konferenz erklärt: „Wir haben das Gekläff der Kriegshunde -um Schweigen gebracht." Er wird sich heute sagen müssen, düh es in gewissen nationalistischen Hundezwingern noch sehr laut und stürmisch hergeht. Seine Aeuße- rung hat im Gegenteil die Meute offenbar wieder neu entfesselt. Nach neuesten Erklärungen des englischen Ministerpräsidenten hat er auf seiner Genueser Reise nur Franzosen gesprochen, denen, wie den anderen Völkern, der Friede heilig ist; und er hat wieder sehr deutlich durchschimmern lassen, daß Pas französische Volk anders denkt als die augenblickliche französische Regierung. Herr Poincare wollte nun offenbar für die indirekten »Qlugriffe Lloyd Georges Vergeltung üben, und er hat in Straßburg gestern vor einer wohl von offiziöser Hand inszenierten Versammlung von „Frontkämpfern" eine Rede gehalten, die wieder jenen aggressiven Geist gegen das deutsche Rachbarreich zeigt, der den dauernden Frieden in Frage stellt. Man darf cd ruhig aussprechen: Eine so unerhörte, streitsüchtige Herausforderung durch ein Staatsoberhaupt hätte sich selbst nach dem verunglückten großen Friedensakt von Genua wohl niemand träumen lassen! Poincars arbeitet mit den alten Verdächtigungen, und er reißt auch die alten und halb verrosteten Schwerter der Zwietracht aus den Gräbern. Wiederum schleudert er dem Reiche, mit dessen Vertretern eben erst eine französisch Deputation friedliche Beratungen gepflogen hat, alte und neue Be- schfmpfunqen ins Gesicht. Bei aller berechtigten Mäßigung der deutschen Regierung gerade in diesen Tagen wird sie doch nicht ohne entschiedenen Protest gegen diese Anrcmpe- lungen auskommen können. Wir sind aber auch gesvannt aus die große AnterhauSrede Pes britischen Premierministers und darauf, ob das englische Kabinett nunmehr dahin gelangen wird, diejenigen Schuldigen aller Welt mit sicherer Hand zu zeigen, die das Friedensbedürfnis der Völker immer wieder gefährden und unterwühlen. Paris. 22. Mai. (WTB.) Ministerpräsident P o i n c a r 6, der am Sonntag nach Straßburg zum Kongreß der Vereinigung der ehemaligen Frontkämpfer reiste, hielt ihnen dort eine Rede, in der er sagte: Den Frieden, den ihr erkämpft habt, wollt ihr nicht gestört oder in Frage gestellt wissen, gber ihr wollt auch nicht, daß er eine Täuschung werde, und daß seine wesentlichen Bedingungen und Bestrebungen verletzt werden. Keiner von euch ist von dem Gefühl der Rache und der Gewalt'beseelt, keiner von euch hat imperialistische Absichten, die interessierte Verleumder uns so gern zuschreiben. Keiner unter euch wünscht, daß unsere Beziehungen zu Deutschland arg vergiftet bleiben durch die Erinnerungen an die blutigen Jahre; im Gegenteil, ihr wollt alle eine Entspannung der Geister. Aber hier in unserem Elsaß sind wir so nabe der Grenze, daß wir uns keiner Täuschung hingeben dürfen. Wir bemerken noch am Horizont beunruhigende Wolken. Wenn wir vor Per Wirklichkeit die Augen schließen würden, so gäbe es keinen Elsässer, der sie uns nicht wieder Offnen würde. 3n Straßburg, Kolmar und Mülhausen kennt jeder die Alldeutschen; jeder weiß, wessen sie fähig sind, und was sie tatsächlich unternommen haben, um sich der Ausführung des Versailler Vertrages zu entziehen. Das Elsaß wird niemals die Sabel von der Entwaffnung Deutschlands als Wahrheit annehmen. Das Elsaß fühlt zu leicht heraus, was sich hinter der Maske der Polizeikraft verbirgt. Es weiß zu gut, welche Waffenlager jeden Tag auf deutschem Gebiete entdeckt werden. Das Elsaß kann nicht an die Entwaffnung Deutschlands glaube n. Es ist zu genau unterrichtet über die Geistesrichtung unserer Rachbarn. Es bemerkt zu klar ihre fortgesetzten Kundgebungen. Hat nicht am 6. Mai die Frankfurter Universität mit Pomp das 50jährige Bestehen der Straßburger Universität gefeiert, als ob die deutsche Einrichtung noch lebendig und nicht für immer durch das französische Institut erseht wäre! Sehen wir nicht anderwärts in vielen Ländern, namentlich aber in Amerika, die deutsche Propaganda durch Drucksachen und Broschüren zugunsten der Autonomie und der Reutralität von Elsaß und Lothringen am Werk? Vor und während deS Krieges, zu einer Zeit, als die LInabhängigkeitserklirung des Elsaß ein Beweis des Wohlwollens gewesen wäre, und ihm in Ermangelung eines Besseren einen relativen Vorteil verschafft hätte, hat Deutschland brutal eine • Maßnahme beiseite geschoben, deren Folgen es befürchtete. Der französische Ministerpräsident wies auf die Veröffentlichung eines gewissen Eharles Schmidt hin. daß ein Referendum zur feierlichen Derurtei ung^der Autonom e geführt haben würde. Heute verlangen die Alldeu'schen 1 Reutralität. Aber jedesmal, wenn die Bevölkerung gefragt werde —das sei noch diese Woche bei den Kantonalwahlen der Fall gewesen — habe das Elsaß laut seinen Wunsch hina is- geschrien, französisch zu sein. Gegen diese einmütige Kundgebung könne keine Machenschaft wie diese etwas unternehmen. Das Elsaß habe zu gut gefühlt, von welcher Seite schon vor dem August 19 14 der Geist der Eroberung und des Angriffs gekommen fei. Hier an dieser Stelle werde man kein Glück mit einer Entstellung der Geschichte haben. Während 48 Jahren habe Frankreich die elsässische Bevölkerung leiden sehen. Wenn wir zu ihnen kamen, fuhr Poincare fort, fragte sie uns: Wann wird uns Frankreich befreien? Wir antworteten gar nicht oder wir antworteten: „Geduldet Euch! Wie können wir einen Revanchekrieg führen? Wir werden es nicht über uns bringen, eine derartige Katastrophe zu entfesseln. Geduldet Euch! Ein Tag wird vielleicht kommen, wo Deutschland, berauscht von seiner Macht, sich dazu verstehen wird, uns anzugreifen. wie es daran 1875 und 1887 gedacht hat. Wenn dieser Tag anhebt, dann wollen wir bereit fein, nicht nur zu widerstehen sondern um zu siegen, euch zu befreien! Rur deshalb blieben wir bewaffnet und nur deshalb haben wir Allianzen und Freundschaften abgeschlossen. Habt Geduld!" And Elsaß und Lothringen hatten Geduld. Beide hofften unentwegt. And trotzdem hatten wir ihnen nie mehr gesagt, niemals hatten wir eine Geste unternommen oder ein Wort ausgesprochen, die den Laus der Dinge hätten überstürzen müssen. Als das Elsaß "oefreit war, war unser Glück unbegrenzt. Heute, nachdem lange die Angerechtigkeit. von der das Deutsche Reich der Welt ein verabscheuungswürdiges Beispiel g e g e - ktzk n hat, ein Ende gefunden hat, werden wir nicht dulden, daß die Vergangenheit aus dem Grabe emporsteigt. Wir haben die elsässische Erde zurückgcwonnen. und man wird sie uns niemals mehr entreißen. Die alten Känipfer halten gute Wacht um das Elsaß, wie sie auch gute Wacht halten über die Rechte, die der Versailler Vertrag unteren verwüsteten Gebieten gibt. Das besiegte Deutschland hat versprochen, uns zu entschädigen für das Aebel, das es uns angetan hat. Ihr. die Ihr Zeugen der Verwüstung gewesen seid, ihr werdet nicht dulden, daß dieses Versprechen gebrochen wird. 3 ch danke Euch, daß ihr so eifersüchtig um die Interessen Frankreichs besorgt seid, und daß ihr mit einem so erleuchteten Eifer seine gerechten Forderungen verteidigt. Ihr habt Frankreich Ruhm gegeben, ihr wollt ihm jetzt einen Frieden der Wiedergutmachung sicherstellen und wollt Ruhe und Wohlergehen. Die Regierung der Republik ist euch dankbar für den Beistand, den ihr ihrem nationalen Werk in Erfüllung ihrer schwierigen Aufgabe habt zuteil werden lassen. Sie ist stolz, auf euer Vertrauen zählen zu können und sich auf eure herzliche Zustimmung zu stützen. Das „Recht auf Sanktionen". Paris. 20. Mai. (Wolff.) Der Abgeordnete Klotz, ehemaliger Finanzminister im Ministerium Clemenceau und einer der Anterhändler bei den FriedensveiHandlungen in Paris, hat an den Ministerpräsidenten Poincare einen Brief geschrieben, in dem er ihn aufmerksam macht auf die Erklärungen, die der Lordkanzler Chamberlain im Anterhause abgegeben hat. Er sei der Ansicht, daß es sich hier um ein Mißverständnis handele, das eiligst beseitigt werden müßte. Ministerpräsident Poincare hat darauf dem Abgeordneten Klotz geantwortet: Ich habe die Ehre Ihnen zur Kenntnis zu h.ingcn daß di: sranzösische Regierung nieikials auf irgendwelche 2le^ic. üte sie aus dem Vertrage von Versailles Verleitet, verzichtet hat. Es hat sicher keinen Augenblick im Gedanken der englischen Regierung gelegen, von uns einen derartigen 'Verzicht zu verlangen, ebenso wenig wie es der französischen Regierung möglich gewesen wäre, ihn auszusprechen. Es ist wahr, daß in Monat April 1920 nach der Besetzung von Frankfurt a. M. und vier anderer deutscher Städte ein Meinungsaustausch zwischen den Kabinetten von Paris und London stattgefunden hat. Die englische und die französische Regierung haben gemeinsam das hervorragende Interesse anerkannt, das in der Einigkeit der Alliierten und in der Gemeinsamkeit der Handlungen bei interalliierten Fragen, hervorgerufen bei der Ausführung des Friedensvertrages von Versailles. liegt. Zu jener Zeit handelte es sich um eine Debatte über eine Maßna hme. die Frankreich im Interesse des Völkerrechtes allein durchgeführt hat, und die nicht ausdrücklich im Friedensvertrage von Versailles vorgesehen war. Wenn am 31. Mai die Reparationskommission ein beabsichtigtes Verfehlen Deutsch- festgestellt un>toenn gemäß § 17 des Anhanges 2 und des Abschnittes 8 des Vertrages die interalliierten Regierungen damit besaht wurden, könnten sie alsdann nach dem Wortlaut des § 18 das Recht herleiten, respektiv notwendige Sanktionen zu ergreifen. Sie, der Eie an der Redaktion des Friedensvertrages teilgenommen haben, kennen belfer dessen Bedeutung und Tragwette, und ich danke Ihnen dafür. Die Regierung hat die Absicht, sich mit ihren Alliierten ins Benehmen zu setzen und sie wird alles tun, was von ihr abhängt, um ihre Mitwirkung bei einer Handlung zu erzielen, die die Haltung Deutschlands notwendig machen fönntc. Bei dem Fehlen eines Einverständnisses wird sie die Rechte aufrechterhalten. die die §§ 17 und 18 ihr und jeder der respcktiven Regierungen zuerkenizen, und auf diese Rechte wird sie nicht verzichten. Paris. 22. Mai. l WTB) Der sozialistische Abgeordnete Leon Blum schreibt im ,PoPula i r e" zum Briefwechsel Klotz-Poincare: Poin- core verlangt zum Rutz en Frankreichs aA Grand des Friedenövei ttages von Versailles das Recht auf militärische Sanktionen. Er bestreite, daß Millerand gegenüber Lloyd George nach der ab- furden Besetzung von Frankfurt a M. 'Verpflichtungen übernommen habe, die auch n.ir den geringsten Verzicht auf dieses Recht in sich schlössen. Es handele sich nicht datum zu wif- sen, ob die vor zwei Jahren durch Millerand übernommenen Verpflichtungen heute noch Poin- card binden. Es handelt sich sogar nicht darum, zu wissen, ob die strittigen Artikel des Versailler Vertrages diese oder jene Auslegung erfordern sollen. Was wir immer sagten, was tolr fester als je in vollem Einvernehmen mit unseren englischen und belgischen Kameraden wiederholten. sei dies, daß das System der militärischen Sanktionen im ausgesprochenem Widerspruche zu dem Grundsätze des modernen Rechts steht, daß es eine fortgesetzte Bedrohung für den Weltfrieden bedeutet und daß die Gefahr noch wesentlich ernster und unmittelbarer würde, wenn dieses System sich durch isolierte Haltung gegen das Gefühl der übrigen Signatare des Vertrages offenbare. Paris, 21. Mai. (WTB.) Der hier erscheinende „Reuyork Herold" schreibt zu dem Briefwechsel zwischen Klotz und Poincare, die Lage fei nicht so düster, wie sie beim ersten Blick erscheine. Die französische Regierung sei durchaus gewillt, über die Angelegenheit mit den Alliierten zu beraten, falls am 31. Mai eine Vertragsverletzung Deutschlands notifiziert werde. Die französische Regierung werde nicht mal auf einer übereilten Regelung bestehen, solange die Dankierlon- ferenz über den internationalen Anleihevorschlag berate. Das bedeute, daß vor Ende Juni keine tatsächliche Krisis wahrscheinlich sei. Die Heimreise der Konferenzteilnehmer. Genua, 20. Mai. (Wolff.) Der Haupt- teil der deutschen Delegation unter Führung des Reichskanzlers trat heute vormittag 9.30 Ahr mit einem Sonderzuge die Heimreise nach Berlin an. Auf dem Bahnhof hatten sich zur Verabschiedung eingefunden: Facta, Schanzer, ein Vertreter des Bürgermeisters von Genua und zahlreiche Mitglieder dec deutschen Kolonie. Das Publikum bereitete der Delegation sreundlicheKund- gebungen und rief: „Es lebeDeutsch- land!" In Mailand wurden die Delegierten auf pem Bahnhof von der deutschen Kolonie begrüßt. Die französische Delegation fährt heute vormittag nach Paris; die Russen bleiben voraussichtlich noch einen oder zwei Tage hier. P a r i s, 20. Mai. (Wolff.) Lloyd George ist mit den Mitgliedern der englischen Delegation heute vormittag aus Genua in Paris auf dem Lyoner Bahnhof angekommen. Der englische Botschafter in Paris, Lord H a r d i n g , hat den Premierminister auf der Weiterreise bis Calais begleitet. Der Salonwagen. in dem die englische Delegation Platz genommen hatte, wurde in Paris, ohne daß eine Begrüßung stattgefunden hatte, nach dem Rordbahnhof umgeleitet, von wo die Weiterreise nach Calais erfolgte. Wirth und Rathenau beim Reichspräsidenten. Berlin, 21. Mai. (WTB.) Der Reichspräfident empfing heute im Laufe des Rachmittags den Reichskanzler Dr. Wirth und den Reichsminister des Aeuhern Dr. Rathenau, die ihm über den Konferenz von Genua Bericht erstatteten. Bei dem Empfang war auch der ReichSwirtschaftS- minister Schmidt anwesend. Aeuherungen Lloyd Georges. London. 21. Mai. (WTB.) Havas. Im Laufe der Erklärungen, die L lvydGevrge bei s seiner Ankunft in der Dvwningstteet machte und bei denen er erklärte, daß er überall auf den glühenden Wunsch nach Frieden gestoßen sei, stellte ein Journalist die Frage: „Besteht dieser Wunsch sowohl in Frankreich als auch in Deutschland?" Lloyd George antwortete: „Ich habe nicht den geringsten Zweifel darüber, daß die Mehrheit des französischen Volkes den Frieden will. Alle Franzosen, die ich getroffen habe, haben mich dessen versichert." AlS man Lloyd George über die Bolschewisten befragte, ob diese auch einen wahren Wunsch nach Frieden hätten, sagte Lloyd George: „Ich habe diesbezüglich keinerlei Zweifel. Ich denke nicht im allergeringsten daran, die Aufrichtigkeit ihrer Friedenswünsche zu bezweifeln. Ra- türlich haben sie Schwierigkeiten mit ihrer öffentlichen Meinung, wie sie die anderen Rationen auch empfinden." Asguith über die Lage. London, 20. Mai. (Wolff.) Asquith hielt auf der Konferenz des nationalliberalen Bundes in Blackpool eine Rede vor einer 3000 Köpfe zählenden Zuhörerschaft, in der er über die Koalitionsregierung und Lloyd Georges I ©enuefer Konferenz sprach Er fagte, es fei einp Tortur, daß der Zweck der Genueser Konferenz: | die Wicderhei-stellung des europäischen Wirtschaftslebens, des Handels zwischen den verschiedenen Ländern und die Schaffung von Deziebun- gen zwischen allen Ländern auf der Grundlage eines dauernden Friedens immer noch als erörte- rungsbedürstig verkündet werden nzüsse, und dies mehr als drei Jahre nach dem Waffenstillstände, öo viel geurteilt werden Eon ne, fei in Genua nicht ein einziger dieser Zwecke erreicht worden. Rußland sei keineswegs das Grund- und Hauptproblem, mit dem sich die Staatsmänner Europas und der Welt befassen müßten. Die Genueser Konferenz fei ausdrücklich daran gehindert wor-, den, das große Problem des europäischen Wiederaufbaues und die Frage der Repa r a t i o n foaric der internationalen Schulden zu erörtern. Heber die durch die Genueser Konferenz erzeugte Spannung in den englisch-französischen Deziehu ngen sprechend, erklärte Asguith, nichts sei grundlegender für die Zu-s fünft Europas als die Aufrechterhaltung einer I wahrhaft herzlichen Freundschaft zwischen Großbritannien und Frankreich (Sine solche Freundschaft brauche keineswegs die Identifizierung der Politik und der Methoden in jedem, internationalen Problem zu bedeuten. Er würde beispielsweise zu den französischen Freunden ganz offen sagen, daß die Engländer die Teilnahme Großbritanniens an irgendwelchen Zwangsmaßnahmen zur Erzwintwng unmöglicher Zahlungen nicht unterstützen könnten und nicht unterstützen würden. Die Wiederherstellung der französisch-englischen Beziehungen hänge ab von der unverzüglichen Regelung der Reparationsund Entschädigungsfrage. Wenn man ihn (Asguith) fragte, was er tun würde, so würde er antworten, daß die gesamten deutschen Papierschulden auf die materiellen Schäden, die tatsächlich durch den Krieg verursacht worden sind, herabgesetzt Serben sollten Dann würde er versuchen, mittels des Völkerbundes den Zahlungsmodus und die Zahlungsbedingungen festzustellen, die Deutschland durchführen könne, ohne feinen eigenen Handel ober den Handel des übrigen Teiles der Well zu zerstören. und die Deutschland instandsehen könnten, eine intematipnale Anleihe zu erhalten. Außerdem würde er zu Dunsten Frankreichs und Belgiens auf dtt englischen Reparationen und Ansprüche verzichten, und die französisch-belgischen Schulden an England streichen. Asguith sagte, so würde bald die Politik Englands sein. Pariser Stimmen, Paris. 20. Mai. (Wolff.) Heber daS Ergebnis der Konferenz von Genua urteilt bet „Temps" wie folgt: Alle, die versuchen würden, die Verträge niederzureißen, arbeiten gegen bie Konferenz und gegen den Geist, der die Delegierten der Rationen auf der Konferenz befeeüe. Minister Dr. Rathenau hat in seiner gestrigen Rede vier wirtschaftliche Wahrheiten gefeiert, die er als Erbschaft der Konferenz entdeckt hat und von denen er die glücklichsten Ergebnisse erwartet. Lloyd George feinerfeit» hat den Pakt des Richtangreifens gefeiert, der zwischen Sowjetru! land und den Rachbarstaaten abgeschlosien worden ist. Diele Moralprediger hätten mehr Erfolg, wenn der Vertrag von Rapallo nicht unterzeichnet worden wäre und wenn Deutschland während der Konferenz nicht offiziell erflärt hätte, daß es darauf beharre, die Teilung Obers chles ien s/nicht anzuerkennen. Das „Journal des Debats" schreibt, die Konferenz von Genua habe in Wirklichkeit mit. dem 3 u f a m mm enbruch des angeblichen europäischen Wiederaufbauplans geendet, der auf Revision der Friedensverträge und Versöhnung mit den Sowjets abgezielt habe. In London und in Rom werde man bald inne werden, daß die: von Lloyd George und Schanzer hartnäckig be-, folgte Methode au jämmerlichen Resultaten führe. Während 6er Konferenz habe sich die Kleine E n t e n te , die gewisse Leute gern ausgefchattet hätten, befestigt. Sie werde nicht dulden, daß man „zum Ausgangspunkt des Waffensttllstandes zu- rücttehre". Die „2ibertä“ urteilt über das Ergebnis der Konferenz folgendermaßen: In Europa fei nichts geändert und nichts verbessert. Die französisch-englische Entente sei noch immer in derselben Verfassung einer recht unsicheren und recht wenig ftabilen Lage. Dafür sei die d e u t f ch- russische Allianz eine vollendete Tatsache. Die Reparationsverhandlungen in Paris. Paris, 20. Mai. (Wvlff.) Havas. Die offiziösen Besprechungen zwischen den Alliierten Verttetern bei der Reparativns- k o m m i s s i o n, die in eigenem Ramen handeln, und dem deutschen Finanzminister Hermes werden fortgesetzt. Die Bevollmächtigten Frankreichs. Englands. Italiens und Belgiens bei dem Wiedergutmachungsausschuß werden heute zusammenkommen und sich die Eindrücke mitteilen, die jeder von seinen Besprechungen mit Hermes hatte, und sich so Rechenschaft zu geben über die im Laufe dieser Einzelbesprechungen erzietten Fort^ schritte. Rach einem Berliner Telegramm deS „TempS" sollen die Vorschläge, die der deutsche Finanzminister dem WiÄ)erguttnach- ungsauSschuh unterbreitete, auf folgender Grundlage beruhen: 1. Zwischen dem Wieder» gutmachungsausschuß und der deutschen Re Gierung soll ein Wkommen getroffen werden vfiber die Art der Erhöhung der Einnahmen junt) der Verminderung der Ausgaben, sowie die Autonomie der Reichsbank, mit dem Ziele, den deutschen Haushalt ins Gleichgewicht zu 'bringen und der Inflation (Einhalt zu gebieten. 12. Deutschland lehnt die Finanzkontrolle über daS Reich ab, ist jedoch unter gewissen Bedingungen damit einverstanden, daß der Wiedergutmachungsausschuß eine Prüfung der Abrechnungen vornimmt. 3. Die deutschen Vorschläge sind von dem Abschluß einer inneren Anleihe abhängig. Der ,^LemPS" fügt hinzu, die Verhandlungen hätten noch- nicht M einem endgülttgen Ergebnis geführt. Die Ergebnisse 'btt Generakratswahlen in Frankreich. Paris, 22. Mai. (WLD.) Bei den fgeftrigen Stichwahlen für die Gene- ralräte waren 1 6 7 S i tz e zu vergeben. Die Orgebnisse verteilen sich für die einzelnen ^Parteien wie folgt: Konservative 4, demokratisch-republikanische Entente 16, Linksrepubli- kaner 30, Radikale und Radikal-Sozialisten ,47, sozialistische Republikaner 8, Sozialisten .42, Kommunisten 12, noch nicht bekannt 5. Mit den Ergebnissen .des ersten Wahlganges haben also die einzelnen Parteien erhalten: Konservative 108, demokratisch-republikanische Entente 231, Linksrepublikaner 508, Radikale und Radikal-Sozialisten 460, sozialistische Republikaner 67, Sozialisten 83, Kommunisten 29, unentschieden.5. Die Gewinne und Verluste verteilen sich, wie folgt: Konservative (verlieren 14, die demo- krattsch-republikanische Entente gewinnt 18, die Linksrepublikaner verlieren 10, die Radikalen und Radikal-Sozialisten gewinnen 23, die sozialistischen Republikaner 2, die Sozialisten 19, die Kommunisten 8. Der Wiener Mannergesangverein in Leipzig und Berlin. Leipzig, 21. Mai. (WTD.) Heute Vormittag besichtigten die Wiener Sänger das Völkerschlachtdenkmal und veranstalteten am Denkmal gemeinsam mit dem Leipziger Mannerchor em Konzert, das mit dem von beiden Ehören borgetragenen „Sanctus" von Franz Schubert schloß. 3m Anschluß daran wurde auf dem neben dem Denkmal liegenden Südfriedhof ein Gedenkstein für die gefallenen Mitglieder des Leipziger Männerchors emgeweiht. Am frühen Rachmittag erfolgte die Weiterreise der Wiener Gäste nach Berlin. Berlin, 21. Mai. (WTB.) Der Wiener Männergesangverein traf heute nach- ' mittag gegen 4V2 übr in der Reichshauptstadt ein. Auf dem Anhalter Bahnhof, in den angrenzenden Sttaßen, auf den Dächern und in den Fenstern der Häuser harrten Tausende der l Ankunft der Wiener Sanger. Als der Sonderzug langsam in die Halle einfuhr, erschütterten brau- äsende Heilrufe die Luft, die die lieben Gäste aus der Stadt an der blauen Donau ebenso erwiderten. ' Dann llang den Ankommenden der „Sängergruh", vorgetragen von der deutsch-österreichischen Liedertafel in Berlin unter ihrem Chormeister Lei- bingen, entgegen. Run streckten sich tausend Hande den aussteigenden Sängern entgegen. Bon offiziellen Persönlichkeiten sah man unter anderen den österreichischen Gesandten Riedl, Geheimcat Rümelin vom Auswärtigen Amt, den Reichslagspräsidenten unb Vorsitzenden des österreichisch-deutschen Vollsbundes Loebe mit Gemahlin. Weißgekleidete junge Mädchen mit großen Fliedersträuhen geleiteten die Gäste auf den großen freien Platz hinter dem Bahnhöfe, wo die Mitglieder des Berliner Sängerbundes mit ihren Dannern Aufstellung genommen hatten. „Grüß Gott mit Hellem Klang" scholl den Ankommenden aus dem Munde der Berliner Sänger entgegen. Dann nahm' Oberbürgermeister B 0 e ß das Wort zu einer Begrüßungsrede, in der er an die vorjährige Reise der Berliner Sänger nach Wien erinnerte, an die Herzlichkeit, womit sie dort Aufnahme gefunden hatten und an die Freude, die sie darüber heute noch empfinden. Cr schloß: „Wir werden erreichen, was wir erreichen muffen: Ein einig Voll von Brüdern." Dann rief der zweite Vorsitzende des öfter» reichlich»deutschen Vollsbundes und Vorsitzende des Deutschen Sängerbundes. Rechtsanw. Friedr. L i st den Wienern ein herzliches Willkommen zu. Er sagte unter anderem: Einem Triumphzug gleichet Euere Fahrt durch die deutschen Lande, aber nirgends soll Euch die jubelnde Freude über Die 5a kramentshex. Roman von Marie Kerschen st einer. 25. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) »Dich hätt' es dahin drängen müssen, wo ich versteckt war ... sonst war es das Rechte nit!“ »Ader immer bist du letz gegangen,“ fügte sie traurig hinzu. „Mein Hüttle hätf dir dem Herz weisen müssen, wenn es auch sonst keinem gelingt, es zu finden! — Tu hättest es finden müssen, du mochtest wollen oder nicht!" Er wußte nicht, wie es gemeint war, aber er fühlte sich beschämt, denn Lenes Worte zeigten ihm, wie tau doch all fein Suchen bisher gewesen war. „Wo steht es denn, dein Hüttle?" fragte er, ,ein wenig verwirrt. Sie schüttelte trotzig den Kopf: „Das sag ich Niti Find's l" „Lleberm Moor halt," fügte sie noch Hinz i. „Ader gestern. Lene, gestern hattest dc mich doch gesucht? Du selbst hast es ja gesagt!" „3a. Weil ich dich nimmer getroffen hab' in der Heide, hat's mich gewundert, ob du noch jhn Dorf bist . . ." „Weil du nit bleiben kannst, wo's dich nit zaubrig festhäll!" schloß sie blitzenden Auges. „Es hält mich zc-ubrig fest, Lene!" rief cr auf wallend aus." „Glaubst du mir's nicht?" 3hr zweifelnder Blick streifte ihn. Sie ließ .sich jetzt auf die Erde nieder und strich mit der Hand sinnend über das taufrische Moos 3a, feit gestern, seit er gesagt hatte, daß eine unsichere Hand ihn führte, glaubte sie, daß es ihn zaubrig hielt. Aber ob sie die Rechte war, an die die Kraft ihn band, des war sie noch immer Euer Kommen und die begeisterte Hingabe an den in Euerer Reise verkörperten Gedanken, daß Oesterreich und Deutschland einLand und ein Volk werden müssen, in mächtigeren Akkorden begrüßen, als hier in Berlin, in der Reichshauptstadt, im Brennpunkt des Politischen und künstlerischen Lebens Deutschlands. Der Glaube an unsere Zukunft, und der feste Wllle, ein größeres Deutschland vorzubereiten, hat den Oesterreichisch-deutschen Vollsbund und den Berliner Sängerbund zusammengeführt zur Vorbereitung Eueres Besuches. Deutschland, Deutschland über alles sei der Ruf dieser Tage. Vereinigen wir uns zum weihevollen Beginn dieser Tage in dem brausenden Ruf: des deutsche Vaterland ünd das deutsche Lied, sie leben hoch Tiefergriffen sprach zum Schluß der Vorsitzende des Wiener Männergesangvereirrs Dr. Heinrich Krückl herzliche Dankesworte die ausklangen in dem Rufe: Deutschland und Oesterreich zusammen für immer! Run intonierten die Wiener Sänger „Frei und treu in Lieb und Tat", als Antwort, gleichsam als helliges Gelöbnis fangen die Berliner „Das deutsche Lied". Unter endlosem Hubel und nur zögernd lösten sich die Menschenmasten auf. Die so herzlich begrüßten Gäste wurden dann ihren Quartieren zugeführt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 22. Mai 1922. •• Amtliche Persvnalnächrich - ten. Am 12. Mai wurde der Regierungs- assessor Bernhard Morneweg zu Darmstadt mit Wirkung vom 16. sflkai 1922 an zum Ministerialamtmann bei dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft mit der Amtsbezeichnung „Regierungsrat" ernannt. — Ernannt wurde am 15. Mai der Schulamtsanwärter Ernst Müller aus Dromersheim zum Lehrer an der Völls schule zu Dor nd iel, Kreis Dieburg. — 3n den R"hestand versetzt wurdr am 12. April der Lehrer an der Volksschule zu Lonsheim, Kreis Alzey, Theodor Cre - celius auf fern Nachsuchen unter Anerkennung seiner oem Staate geleisteten Dienste mtt Wirkung vom 16. April 1922 an. ** Eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses findet am 24. ds. Mts., vormittags 9 Uhr, im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes dahier statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Klage des 3oh. Heinr. Schmidt II. und Genossen in Lich gegen einen Beschluß des Gemeinderats daselbst wegen Richtzuweisung von Holz 2. Klage des Christ. Eisenseller II. zu Hattenrod gegen einen Beschluß des Gemeinderats daselbst wegen Richtzuweisung von Holz. ** Die Gießener Waldbühne eröffnete gestern ihre Sommerspielzeit mit einer Freilichtaufführung des E. s.mmärchenspieis „Das F r ü h l i n g s f e st" von Else Speckhardt, der man für di^es sehr hübsch ersonnene kleine Werk, wie für ihre Spielleitung zum Dank verpflichtet ist. Rach einem Vorspiel, in dem von jungen Mädchen zu Volksliedern Reigentänze aufgeführt wurden, tummelte sich auf der Waldbühne eine Schar luftiger Kobolde, an deren frischem Spiel man seine Freude haben konnte. Herta Silzer (Frau Sonne), sowie Walter Blank (Märzwind) und Hans Meyerhofs (Rvrdwind) müssen vor allem lobend genannt werden, doch auch Lulu Klein, die den Lenz verkörperte und selbst wie der leibhaftige Frühli g aussah, im D rein mit den Lenzesblumen (Dertlies Hornberger, Elsbeth 3 ä g er, Grete Rändel und Christel Holstein) trug ihr gutes Teil zum GeliiHen des Spieles bei.--Die bösen Lästermäuler, die da behaupteten: „Die Waldbühne spielt, also wird es regnen", sind gestern-gründlich als Verleumder überführt worden; das Verhältnis der Waldbühne mit dem Wettergott scheint in diesem 3ahr durchaus befriedigend zu fein, weniger ihre Stellung zu den Schnaken, die bei den unschuldigen Zuschauern gestern wahre Orgien feierten. Hier hätte der garstige Rvrdwind, der unten auf her Bühne ein so übles Spiel mit den Blümchen trieb, seine Blaskräfte im Kampfe gegen die Plagegeister einfehen sollen. —r. *• Die Oberhefs ischen Gemeinschaften hatten gestern im Zelt der Deutschen Zeltmission einen Zugendtag. Wohl 2000 junge Leute beiderlei Geschlechts hatten sich eingefunden. Die Redner verstanden es, in fesselnder Weise der Zugend zu zeigen, was wahre 3ugenbfreube ist und wie man im Zugendkampf bestehen kann. Auch der Abendvortrag über das Thema „Vergessen oder vergeben" hatte sich eines vollbesetzten Zeltes zu erfreuen. Der Vortrag für Montagabend, Thema: das Problem des Glaubens, wird viele interessieren. Prediger Volkmann wird auch diesem Thema gerecht werden. Wie toir hören, ist das Zelt nut noch diese Woche bis zum kommenden Sonntag hier. ** Zu einer Frühlingswanderung durch den Hangelst ein hatte die Fünfziger- nicht gewiß. Wäre sie es, hätte er sie längst erkannt I Sie fentte traurig den Kopf. Doch bald übersonnte ein Freudenschimmer wieder ihr Gesicht. War er soeben nicht ahnend ihrer Spur gefolgt? Hatte er nicht ihr absichtliches Versteck diesmal entdeckt? Ob Das ein Zeichen war? älnb noch einmal schlug der Zweifel ihre Zuversicht nieder. Es war wohl keines! Denn es war nichts geschehen . . . alles war beim Alten geblieben . . . Rur das. Beben ihres Herzens, das war neu! Hätte sie wenigstens gewußt, ob sie schön war, wie die Mägdlein fein mußten, die Königssöhne befreien . . .? 'Sie war es nicht! Bitter warf sie den Gedanken von sich. •Unb mit einem Male peinigte sie das Stillfein zwischen ihm und ihr, es bellemmte ihr De- müt. Sie warf einen scheuen Blia Zu Heiner auf, desten Blick unverwandt auf "ihr ruhte. „Was schaust mich an und red'st kein Wort!" warf sie ihm trotzig hin. „Weil km so süß und so schön bist!" entstürzte es Heiners Lippen. Unb kaum hatte er es gesagt, da sah er, daß eine innere Wandlung sich in dem Mädchen vollzog. Fassungslos beglückt starrte Lene ihn an. Selig tote ein Kind, dem ein reifer Apsel unvermutet in den Schoß fällt. Eine mächtige Blatwelle schoß in ihr auf, sie fühlte, wie die Knospe ihres Herzens sprang. „Sag's noch einmal!" bat sie, stammelnd vor Glück. „Schön bist du, Heckenröslein! Hold wie ein junges Reh! Rank wie ein Frühlingsreis! Ach, was rede ich denn daher — V Nichts kommt dir gleich! Eine Waldfee kann nicht lieblicher fein!“ Lene war in einem Sah auf den Beinen. „And du!" jauchzte sie, „du bist der Königsvereinigung 18 6 9/1919 ihre MitgliÄ>er am gestrigen Sonntag eingeladen. Zahlreich waren die Altersgenossen dieser Einladung gefolgt und wurden überrascht durch die Mitwirkung einer Musikkapelle, die durch ihre fröhlichen Weisen die Stimmung der Teilnehmer bestens steigerte. Rach einer Wanderung durch Wies eck und Besuch der verschiedensten Aussichtspunkte im Han- gclfteiner Wald, die manchem Teilnehmer die Offenbarung brachte, daß es in unserer engeren Heimat nicht an Raturschönheiten und prächtigen Ausflugs- und Erholungsplätzen mangelt, marschierten die Teilnehmer unter den Klängen der Musik in Lollar ein, wo unter Anwesenheit der Lollarer Altersgenossen noch manche schöne Rede der Begeisterung und gegenseitigen Wertschätzung gewechselt wurde. BornoLizen. — Tageskalender für Montag. 3m Zelt der deutschen Zeltmission, Oswalds- garten, 4 Ahr nachm. Bibelerklärung; abends 8V2 Ahr: Vortrag Pred. Volkmann; Thema: „Das Problem des Glaubens". — Kaufmännisches Vereinshaus, 8V2 Ahr: Hauptversammlung des Lierschutzvereins. — Astoria- Lichtspiele: „Zulot der Apache", „Chaplin auf der Walze", und „Am das Erbe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Kinder der Zeit". Landkreis Gießen. * Wieseck, 22. Mai. DaS Fest derSilber° n en Hochzeit feiern morgen die Eheleute Heinrich Weller XIV. ünd Frau Marie geb. Kolb. rt. Lich, 21. Mai. Die alte Synagoge wurde v e r st e i g e r t. Es wurden Über 20 000 Mk. erlöst. Der Käufer will sie zu einer Wohnung und zu einer Stallung umbauen. Die israelitische Gemettlde hat ein Wohn- und Gasthaus in der AmtsgerichtSsttahe käuflich erworben. Letzteres soll im Herbst als Synagoge eingerichtet werden. = Hungen, 20. Mai. Don einem b e - bäuerlichen Anglücksfall wurde dieser Tage der 'hiesige Dentist R. während der Arbeit betroffen. Der Spiritusch)parat explodierte und die brennende Flüssigkett ergoß sich, über den Unglücklichen. Er hatte noch die Geistesgegenwart, das Gesicht mit den Händen zu schützen, erlitt jedoch erhebliche Brandwunden am Oberkörper, bevor es seiner auf die Hilferufe herbeigeeilten Frau gelang, die Flammen durch Wolldecken zu ersticken. Kreis Büdingen. bs. Berstadt, 20. Auch hier wurtze der Girlitz, dessen Auftteten neulich aus dem Vogelsberg gemeldet wurde, seit einigen Wochen zum erstenmal beobachtet. Er scheint kein Freund des Kleingärtners zu sein, da er sich hauptsächlich von Sämereien nährt. Starkenburg und Rheinhessen. wd. Offenbach, 21. Mai. Wie es möglich ist, seinen Schülern billige und doch fröhliche Wandertage zu bereiten, das zeigt folgender eigenartiger Einfall eines Offen- bacherLehrers. Der Lehrer will diesen Sommer seine Schüler, weil sie so tüchtig und freudig gearbeitet haben, zur Belohnung in das schöne Neckartal führen. Aber da infolge der teueren Gestehungskosten manche Eltern ihren Kindern dieses Vergnügen hätten versagen müssen, hat sich der Lehrer zu helfen und seinen Kindern eine neue Freude zu machen gemußt’ indem er ein Kinderkonzert unter dem Namen „(Sin Wandertag“ in Szene setzte und die Kinder das Reifegell» sich erfingen lieh. Zn Offenbach weiß man zu berichten, daß die Mühen des £d>rerS und der Kinder nicht ohne Erfolg geblieben sind. Das Haus, in dem das Kinderkonzert stattsand, war bis auf den letzten Platz besetzt und der finanzielle Erfolg so gut, daß die Kinder und der Lehrer ihre Freude daran hatten; nun können sie ihren Ausflrg machen. Wer macht's nach? Kreis Wetzlar. ra. Braunfels, 20. Mai. Der Wild- be ständ im hiesigen Tiergarten war in der Nachkriegszeit durch Anverstand und Roheit verloren gegangen und damit der Tiergarten, der früher ein Anziehungspunkt für unser Städtchen war, wildleer geworden. Am aber den Wildpark als Tiergarten zu erhalten, hat der Fürst mit einem ungeheuren Kostenaufwand wieder Dammwild einsetzen lassen.f Hessen-Nassau. ra. Rvdheim a. d. Bieber, 20. Mai. Nachstehende Beträge sind in den Gemeinden unseres Bezirks für die Altershilfe gesammelt und abgeführt worden: Bieber-Rod- heim 1267 Mk., Crumbach 356 Mk., Fellingshausen 528.50 Mk., Frankenbach 306 Mk., Hermannstein 470 Mk., Königsberg 314.30 Mk., sohn! — Zch hab' es gleich gewußt! Du hast das Glück gebracht!" Ein kurzes Zaudern noch, dann flog sie wildjubelnd in Heiners Arme. Er fühlte ihre bebenden Glieder, die den seinen entgegenbrängten, fühlte ihren heißen Mund, der seine Lcppen preßte. And er schlang die Arme um diesen hingebenden Leib, bettete in heißer Ergriffenheit an seiner Brust das liebe Haupt, das vertrauend, selig und schwer sich ihm zuneigte. Unb der stille Gotteswald schirmte den Liebestraum zweier seliger Menschen. Heiner wußte nicht, daß der Alois ihm nachgegangen war. Der wollte wißen, was den Schulmeister des Nachts in die Heide führte. Er trank sich gehörig Mut an, bevor er loszog, denn es war für der Schlupfline Sohn ein Heldenstück, nachts die Heide zu betreten. Draußen flieg ihm der Fusel bös zu Kops, so daß die Welt vor ihm zu schwanken und sich zu drehen begann, und die Gedanken in feinem Hirn schwankten uno drehten sich mit. Planlos stolperte er dahin, vergaß in der Dunkelheit fast, was er sich vorgenommen hatte. Nur die lauernde Ge- mütdfiimmung die blieb, an die klammerte er sich fest. Schließlich berfagten die unsicheren Dein» den Dienst, schlaftrunken fetzte er sich auf einen Stein. So verschlief er Stunde um Stunde. Lene war, nachdem sie sich von Heiner getrennt, traumverloren in die Heide zurückgegangen. Sie fühlte sich nicht mehr als das geächtete Heidekind, von allen verkannt und gehaßt. 3u fühlte sich im tiefsten Herzen erlöst. Anders als der Glaube ihrer Kindheit sie gelehrt. Es war kein Goldregen über sie gefallen und hatte ihre Naunheim 529.50 Mk„ und Waldgirmes 228.50 Mark. Das Gesamtergebnis der Sammlung im Hinterlandkreis ist 45 855.85 Mk. jl Marburg, 21. Mai. Zn der Aula der Uniberf ität fand gestern die endgültige Zmma- trltulatlon der Studierenden des diesmaligen Sommerfemeslers statt. Der Rektor der Universität, Geh .Rat Prof. Dr. Gadamer, wie auch der Vorsitzende der Marburger St 1= dentenschaft, richteten mahnende Worte an die Studierenden. — Geh. Rat Prof. Dr. Ennecoerus beging heute mit seiner Gemahlin das Fest der goldenen Hochzeit. — Zn der Lahn bei Wehrda ertrant am Freitag abend ein Student namens Nagel aus Drachthausen in West- Slen infolge Kenterns seines Bootes. — Die tarburger Straßenbahn erhöht den Fahrpreis vom 1. Zuni ab auf 1.50 Mk. ][ Marburg, 19. Mai. Gestern meldete sich in der hiesigen Kaserne jp größter Aufregung ein 34 Jahre alter Mann namens Schick aus Mardorf und erzählte, daß er im Walde seinen Bruder im Streit erschossen habe. Da sich die Erzählung bewahrheitete, wurde der Mann der Polizei Übergeben. — 3n einer Gemeinde unseres Kreises wurde dauernd über Holzdieb- stahl geklagt. Als eines Tages aufgepaßt wurde, erschienen zwei Männer mit einem Wagen, die unbefugt einen Haufen Holz abfuhren. Der eine der Beteiligten war der Gemeindewaldaufseher. Die Strafkammer verurteilte die beiden Männer zu je 3000 Mk. Geldstrafe. fpd. Frankfurt a. M., 21. Mai. Samstag nachmittag erfolgte im Holzhausenpark eine starke Detonation, die weithin in die Stadt gehört wurde. Zunächst glaubte man an eine Explosion. Die nähere Antersuchung ergab jedoch, daß ein bis jetzt nicht ermittelter Mann eine Stielhandgranate/ die er mit einer festen Schicht von Mauersteinen Umgeben, zur Entladung gebracht hatte. Personen kamen nicht zu Schaden. mc. Frankfurt a. M., 21. Mai. Auf dem hiesigen Markte war am Samstag infolge der schönen Tage in letzter Woche eine Menge Spinat angefahren. Trotzdem verlangten die Händler am Vormittag' noch 7 Mk. für das Pfund, weshalb niemand kaufen wollte. Gegen Mittag kostete dann der Spinat nur 2Mk. bis 1,50 Mk. und bei Marktschluß waren die spekulattven Verkäufer recht froh, als man ihnen ihre Ware für I Mark für das Pfund annahm. Limburg a. d. L a h n, 18. Mai. (Wolf.) Einer internationalen Diebesbande ist die hiesige Polizei auf die Spur gekommen. Der Führer, ein Ausländer, sah in Wirges (Westerwald) und unternahm von dort aus mit Hilfe seiner Komplizen Diebesfahrten in die Umgebung. Beim Eintreffen der Polizei war der Vogel leider schon ausgeflogen. Die Haussuchung förderte reiches Diebesgut aller Art ans Tageslicht, das aus Einbrüchen in Limburg, Ems, Montabaur, Diez usw. stammt. Die Komplizen saßen in anderen Städten. Wettere Ermittlungen sind im Gange. gn. Eschwege, 20. Mai. Die seltene Feier der Diarnantnen Hochzeit beging in körperlicher und geistiger Rüstigkett das Ehepaar Bürgermeister a. D. Gries in dem benachbarten Dorfe Motzenrvde. — Das dreijährige Kind des Lehrers H 0 l z a p f e l in dem RachbardorfeHitzel- rode stürzte beim Spielen in den Dvrfteich und ertrank. Kunst und Wissenschaft. „Deutsche Kunst Darmstadt 1922." Darmstadt, 20. Mai. (Wolff.) Heute vormittag ist die von der hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst auf der Mathildenhöhe veranstaltete Ausstellung der „Deutschen Kunst Darmstadt 1 922“ eröffnet worden. Die Ausstellung die durch Zuschüsse von Stadt, Staat und Reich unterstützt wurde, ist von mehr als 200 Kunst lern aller Richtungen aus Hellen und dem Reiche beschickt und umfaßt Werfe der Malerei, Graphik und Bildhauerkunst, im ganzen 260 Nummern. Die Ausstellung bleibt bis zum 1. Oktober geöffnet. Ein neuer Komet. fpd. Frankfurt a. M., 21. Mai. Die Frankfurter Sternwarte teilt mit: Ein von Slellerut entdeckter Komet wurde am 17. Mai im Sternbild der Zwillinge als schwaches Objekt aufgefunden. Er bewegt sich in nordnordöstlicher Richtung täglich etwa 2 Grad. Zur Zeit steht der Komet in der Mitte der Verbindungslinie vom Pollux nach der Krebsgruppe. Armut verwandelt in unbeschreibliche Prachk. Zhr Röcklein war immer noch dürftig und bünn und doch war es unaussprechlich herrlich geworden, denn es hatte feine Nähe gefühlt. Unb er hatte keine Krone auf ihr Haupt gedrückt, aber mit liebreichen Händen es umfaßt, daß fte es jetzt noch lastend schwer darauf ruhen füllte vor Glück! Kein Königsschloh war ihr za eigen geworden, und doch fühlte sie sich königlich reich, denn sie hatte den Schatz der Liede in sich entdeckt unlfr fühlte, daß er unerschöpflich war. Unb sie hatte davon gegeben mit reichen Händen und hatte selig gemacht. Unb eine tiefe Ahnung sagte ihr, daß in dem Brunnen ihres Glückes noch Träume ruhten, die einmal erwachen würden und daß sie bc-rm noch reicher würde zu geben wissen! Zn dem Ueberschwang ihres Gefühles kniete sie nieder und netzte das heiße Gesicht mit Tau der Nacht, sprang auf und reckte die Arme zum Himmel in heißer Tankes freudigfeit. Zu gleicher Zeit erwachte der Alois aus dem trunkenen Schlaf und es war ihm als höre er einen Fuß, der durch bas Heidegras strich. Da - fiel es ihm wieder ein, daß er hatte den Aufpasser spielen wollen. Schnell duckte er sich hinter einen Dusch, rechtzeitig genug, am sich *bem Blick eines Weibes zu entziehen, das versonnen daher- kcmr. Erkennen konnte er es nicht, dazu war's ihm zu neblig im Kopf. Aber er sah an der Schlankheit der Ilmriffe, daß es ein junges Weib fein mutzte. Unb als der letzte Strahl des Mondrs, der eben seine Scheibe hinter einer Wolle za bergen suchte, den Scheitel des Mädchens traf, sah der Krugwirt ein wirres Durcheiirander von blitzenden Zöpfen und einen kraftvoll schönen, weißen Hals. (Fortsetzung folgt.) Gerichtssaal. Was die Droftstädler essen muffen. mt. ^rontf ur t o. M, 21. Mai. Eine unerhört niedrige Handlung beging der Mrtzger Siegfried Hei; aus Q5ergen, intern er einem Srontfurtcr Metzger eine an ®ebämuitter-1kr- «Iterana verendete Äub verkaufte, die dieser an seine xanbcn abfetjte. Hetz behauptet, da- Tier notgeschlach.et and die einzelnen Stüde nach Frank art zur Stempelung ins Schiachttzars ge- dracht zu haben. Tatsächlich waren die Fleischst ücte geftembelt, ober wer die Stempelung vor- nahm ifl heute noch nicht feflgeftellt. Mich Urteil der Sachverständigen muhte jeder sehen, dav das Fleisch, für das Heft 3000 Mt. erhielt, von einem Deren beten Tiere stammte, wie auch der Angeklagte sich tatsächlich dadurch verriet, datz er sagte, er sei der Meinung gewelen, d.ns Fleisch werde zur Fütterung im ^Alogischen Garten verwandt Hetz erhielt 3 Monate Gesang- n i- und 1 0 000 M k. Geldstrafe, sein ebensallS angeklagter Onkel Moritz Hetz aaS Bergen wegen unerlaubten BiehhandelS 1000 Mk. Geldstrafe Ein ungetreuer GewerkschaftSanaestellter. mc. Frankfurt a. M., 21. Mai. Bei tem sozialdemokratischen Transportarbeiter- Verband war als Ginkassierer der Ausläufer Bruno Schindler beschäftigt und unterschlug dvrtselbst 19 000 Mk. DerbandSgelder. Bei seiner Firma, wo er noch tätig war, lxiitc man ihm den Hvlzderkauf an die An- «gcstellten übertragen und auch hier lieh er unberechtigter Weise 4000 Mk. in seine Tasche fliehen. Seine Verfehlungen muh er nun mit 6 Monaten Gefängnis bühen. Turnen, Sport und Spiel. * T.-V 1846 Giehen Gaumeister im Faust ball. Am gestrigen Sountag wurde auf dem Osii»albSgarten die Gaumeisterschaft im Faustball des Gaues Hessen der Deutschen Turner- schast ausgetragen. Dem Dauspielwart Paul, Dietzen, stellten sich die Bezirk-meister Akad. Turnverein Marburg, T.-D. Dietzen, Turngem. Friedberg und Scmtnarturnherein Frankenberg. Schöne vptb spannende Kämpfe wurden gezeigt. Da- Ergebnis ist folgendes' Marburg—Frankenberg 88: 110, Franken berg 2 Punkte: Dietzen- Friedberg 101: 98, Dietzen 2 Pkt.: Marburg— Friedberg 63; 77, Sriebberg 2 Pkt.: Dietzen— Krankenberg 108: 105, Giehen 2 Pkt.: Dietzen- Marburg 34: 54, Giehen 2 Pkt.: Friedberg—Fran- berg 89:81, Sfriebberg 2 Pkt. Somit gruppieren sich die Mannschaften der A - Klasse: Giehen T.-D. 1846 6 Pkt., Friedberg Turngem. 4 Pkt , Frankenberg Sem.-T.-B. 2 Pkt., Marburg A. T.- D. 0 Pkt. Die hohen Ballziffern beweisen, bah sich fast gleichwertige Gegner mähen, jedoch hat die jugendliche Fünf des Giehener CBereine verdient den Sieg errungen und somit da- Recht und die Pflicht erworben, den GaU bei den kommenden Delband-spielen zu vertreten. Möge die Mannschaft auch dort ihren Mann fielen. — Unter Leitung von Dezirksspietwart Hoffmann traten sich die Meister der R-ÄIaffe aus dem M.-T.-V. Ssziclplatz gegenüber. T -V. Hai n a errang die Meisterschaft in der 8-Klasse. Gs spielten Haina— Münchhausen 83:*68, Haina 2 Pkt.; Haina—Reiskirchen 87:85, Haina 2 Pkt.; Reiskirchen—Münchhausen 68:54, Reiskirchen 2 Pkt. Somit: Haina 4 Pkt., Reiskirchen 2 Pkt., Münchhausen 0 Pkt. Mit dem Ergebnis her Z-Klasse ist der Rachweis erbrach:, datz unsere Landvereine recht wohl schöne und spielstarke Mannschaften hervorbringen können. — Hungen, 20. Mai. Der gestrige Sonntagnachmittag war wieder auSgefüllt von drei Fu tz da l l - D e s e l 1 schäft s s p i e le n, zu denen sich trotz des Heiden Wetter- zahlreiche Zuschauer auf dem Sportplatz in den .Ollewiesen" eingefanben hatten. Die drei Riddaer Mann- schäften spielten gegen die drei Mannschaften deS hiesigen Sportvereins. Das zuletzt vorgeführte Spiel der 1. Mannschaften, bei dem Ridda An- stotz hatte, hatte anfangs einen guten Drrlaus, nahm»aber bald äusserst scharfe Formen an, die leider auch zu Anstössigkeiten führten. Gs muh sestgestellt werden, datz die Gästeelf in Kombination und Technik Bortrefsliches leistet, weshalb sie eS gor nicht nötig hat, sich durch Gewaltakte im Spiel Erfolge zu sichern. Der Sport mutz bleiben, was er sein soll: Kräftigung des Körper- im friedlichen Wettstreit und bars nicht ausarten in einen Kamp, bei dein man dir gegnerischen Spieler rücksicytslos an- und überrennt. Die Platzelf ging auf diese Spielweise nicht ein, so datz der Ausgang nicht zweifelhaft wai. 3n der 18. Minute kann R. das 1. Tor buchen, diesem folgt in der 30. Minute boS 2. und in der 40. Minute das 3. Tor, so datz Halbzeit mit 3:0 für Ridda schliesst. Rach Seitenwechsel sendet R. in der 40. Minute zum 4., in der 6. Minute zum 5., in der 8. □Kirnte zum 6. und in der 12. Minute zum 7. Mal ein. Endlich Tann H., das ungünstigen Umständen ausgesetzt ist und auS günstigen Sit lationen nichts erzielt, in der 15. Minute den 1. Ball in- Reh schicken. Ader schon rückt R. wieder auf und erzielt in der 25. Minute sein 8., in der 30. Minute sein 9. und in der 40. Minute fein 10. Tor. Durch schwere Anrempelung im Strafraum wird gegen I R. in der 48 Minute ein Elfmeter verhängt, der von H. zum 2. Tor verwandest wurde. Ecken-1 Verhältnis ausgeglichen. Schiedsrichter korrekt und einwandftei. — Die 2. Mannschaft mutzte den Gasten mit 6:0 den Sieg übeilassen, worunter sich aUerbingt 2 Elfmeter durch Hand befanden. — Die 3 Mannschaft HungenS hatte die geringste Rieder läge mit 2:1. v Friedberg, 20. Mai. Die Wettspiele um die Bezirksmeisterschaft im Fau st- ball im 5. Bezirk deS Turngaues Hessen wurden hier auf der Seewiefe ausgetragen und nahmen einen öutzerst anregenden Verlauf. 10 Mannschaften nahmen daran teil. 11. a. waren die Turnvereine von Friedberg, Dad-Rauheim, Butzbach Holzheim, Lang-DönS vertreten. In der A-ÄlaHc hatten Turngemeinde Fidberg u. Turnverein Holzheim daS besonders interefsanteSchluh- spiel auszutragen. SS brachte mit 67:56 Punkten Friedberg wieder wie seit drei Jahren die Be- zirkSmeisterfchast, zeigte aber auch den ländlichen Turnverein als einen beachtenswerten Gegner. Auch die 2. Mannschaft der Turngemeinde blieb in allen Spielen Sieger und errang damit die Meisterschaft der Z-Klasse 2$. Butzbach 20. Mai. Der Turn- und Sportverein betreibt neben dem Turnen besonder- intensiv das Handballspiel. Die Butzbacher Turnsportler haben sich in diesem Zweige der sportlichen Betätigung im Rhein- Maingebiet schon einen geachteten Ramen erworben. Am Sonntag beteiligten sich die hiesigen Mannschaften wieder an einem Handball- Werbetag des Turnvereins Kesselstadt bei Hanau. Die Werbespiele bedeuteten einen vollen Erfolg für die Handballfache Die Spiele zeigten folgende Resultate: 1. Jugend T. u. Sp.-D. Butzbach—1. Jugend T.-V. Kesselstadt 2:1 (0:0): 2. Jugend Butzbach 2. Jugend Kesselstadt 0:2 (0: 1) für Kesselstadt; Damenelf Butzbach—Damen- els Kesselstadt 2:0 für Butzbach Das fällige Rückspiel der 1. hiesigen Mannschaft gegen die l.Kessel- ftäbter Mannschaft endete mit 10:2 (6:0) für Butzbach Beim ersten Spiel in Butzbach hatte die Platzmannschaft mit 7:1 gegen Kesselstadt gewonnen. — Wacker München schlägt Arminia Bielefeld 5:0 (3:0). 3m Vorrundenspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft trafen sich am Sonntag in Karlsruhe die Meister von Süd- und Westdeutschland, Wacker München und Arminia Bielefeld. Wie $u erwarten war, blieben die Münchener Sieger, ledoch stellten ihnen die Westdeutschen unerwarteten Widerstand entgegen. Das Torverhältnis wäre nicht so groß gewesen, wenn die Bielefelder nicht den größten Teil des KamvfeS mtt 10 Mann au-fechten muhten. Für die Güte der Arminen spricht am besten daS Ecken- verhältniS von 9:4 für diese. — Die Begegnung in Hal 1 e a. S. zwischen dem vorjährigen Sieger 1 F -E. Rürnoerg und dem mitteldeutschen Meister Spielvereinigung Leipzig, die vor 20 000 Zuschauern stattsand, sah den deutschen Meister mit 3:0 (0:0) al# Sieger. Bi- zur 'Paule konnten die Leipziger den Kamps offen halten, hatten zeitweise sogar mehr vom Spiel und gaben dem süddeutschen Torwart reichliche Arbeit. Rach dem Wechsel änderte sich jedoch das Bild und eine llcberlcgenbeit bet Rürnberger wurde unverkennbar. Drei Tore, zwei von Popp, ein- von Trag geschossen, stellen den Sieg der Meisterelf sicher. — Der Futzballstädtekampf Halte gegen Bremen, der am Sonntag in Bremen entschieden wurde, sah die beimische Mannschaft mit 4.3 als Sieger, nachdem sie bei der Pauke mit 3:1 gesührt hatte. UmdieDeutscheHochschul- Fuft - ballmeisterfchast standen sich am Sonntag die Tech" M"1* Hvchlch 'le München und die Uni- txrfität Freibuig tn Freiburg gegenüber L.tztere, die übe. e.iuge gute vigafpteler verfügen, siegten mit 2:1 und gewannen damit die Südgruppen- meisterschaft. — 3n Karlsruhe begegneten sich um die Westgruppenmetsterschast die Unioer- ft tat und die Technische Hochschule Karlsruhe. Die Kölner schlugen den Sübwestdcutschm Weister Karlsruhe nach, schönem Spiele mit 2:1. CA1M0N -REIFEN QUALITÄT-KEINE REKLAME! OtnS.rr Sot* QrU eines der seinstnnigsten MtnDCt DCt V)CIT, Schauspiele des letzten JalireS. wird im VicUtfvlelbau» von heute bis Donnerstag etnfchlietzlich nornefübrt. DaS vertnnerlikhte Sviel von Lllndy (Lbrüiianö hebt dieses ganz aufs seelische gestellte Stück weit über ähnliche Themen. ,U>r Gegenspieler 'Baut Hartmann bewahrt ganz die erforderliche Haltung des edlen und vornehmen Wannet- In den anderen Rollen wirken noch mit: Paul Bild', Ludwig Harlan, Leopold von Ledebour. Miiller’sche Badeanstalt ist eröffnet! Wasserwärmßd.Lahn 22. Mal E ig° k. Behördliche Anzeigen Bekanntmachung. Srasverfteigerung der Stabt (bietzen. Die Stabt Giehen lässt Dienstag, den 23., Mtttwoch, den 24., Freitag, den 26. und Samstag, den 27. Mai dS. Is. folgende GraSnuhungen für das ganze Hahr öffentlich meistbietend versteigern: Am Dienstag, dem 2 3. Mai, 1. vormittags 9 Uhr, an Ort und Stelle die Wiesen beim städtischen Freibad in fünf Abteilungen, oesgl. die frühere Ockel'sche Wiese an der Rod- Heimer Strafte in vier Abteilungen, hieran an- schlieftend sämtliche städtische Feldwege, Gräben usw. im Reu stöbt er Feld. Am Mittwoch, dem 2 4. Mai, 2. vormittags 9 illyr, an Ort und Stelle die Grasnutzung von den Wieseckböfchungen, Zusammen- lunft in der Dartenstrafte an der Wieseckbrücke, anschlieftend verschiedene städtische Grundstücke bei der Kläranlage und sämtliche Feldwege, Gräben usw. zwischen der Lahn und der Kreisstrafte nach Schiffen berg gelegen. Am Freitag, dem 2 6. Mai, 3. vormittags 9 Uhr, an Ort und Stelle die frühere Haubach'sche Wi^e am Schiffenberger Weg vor ban Bahnübergang in fünf Abteilungen, anfchlie- ftend sämtliche Feldwege und Graben usw. zwischen der KreiSstras)e nach Schiffenberg und der Wieseck sowie die Grasnuhung vom Friedhof auf dem Rahrung-berg in 20 Abteilungen. A m Samstag, dem 2 7. Mai, 4. vormittag- 8 Uhr, an Ort und Stelle die Gras- nnhung von der Wiese an der Wiesenstrafte in 17 Abteilungen, von den Wiesen beim Iustiz- gebäubc in 16 Abteilungen, ebenso von den Wie- fen am Fürstenbrunnen in 23 Abteilungen, anschlieftend sämtliche Feldwege, Gräben usw. zwischen bei Wieseck und der Lahn: 5. vormittags 10' .> Uhr. die Gra-nutzung vom Friedhos am Rodtberg: 6. vormittag- 12'. Uhr, die Wiesen in der Schwarzlach in 19 Abteilungen. 4924B Gieften, den 19. Mai 1922. Der Oberbürgermeister. 3. B.: Dr. Rosenberg. Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Londorf für 1922 Rj. liegt vom 24. Mai ds. Is. ab eine Woche lang auf der Amtsstube des Bürgermeisters zur Einsicht der Beteiligten .offen, woselbst innerhalb dieser Frist Einwendungen schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden können. 50140 Es werden Umlagen erhoben, zu denen auch die Ausmärker beizutragen hobst. Londorf, den 21.2llai 1922. Bürgermeisterei Londorf. Aumann. Der Voranschlag der Gemeinde Garben- leich für das Rj. 1922 liegt vom 24. d. M. ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters offen. Innerhalb dieser Zeit kann der Voranschlag wahrend der Bureaustunden ein- gesehcn und auf der Bürgermeisterei schriftlich oder zu Protokoll Einwendungen gegen seinen Inhalt angebracht werden. 50020 Es ist die Erhebung einer Umlage beschossen, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden. Garbenteich den 21. Mai 1922. Bürgermeisterei Garbenteich Kissel. Hast Du Deine Wäsche gern So Kernseifen-Pulver Lindenstruth, den 19. Mai 1922 4912D Bürgermeisterei Lindenstruth. Fatum. 1. 3. Dr.Mabuse,derSpieler 1. Teil 10 Akte. 4994c Besuchen Sie bitte die X«chmlttaKrVorat«lIanj;eD. Sollen güostigeGelegenheit! »nn Regler 554 A Eisengießerei. Zahnräder. Hebezeuge. c O JD <8 £ * S- CT n Kentieifen- Pulver mildem riuaditem. N u V JD odjen bad ilS wi mit dem «uödruck ■i Eiedauernd hier* ntftanhenen Kosten, eine &* «g [L die w wov^ ■ rden iis ^enIV-AvnlE ,) Untetfdjrihen- ?«s? ueopolh SO#, äsa^: bltn J" ftrte. ..ÄK ’■ tii1* 'taÄW '«/«■iS’ RE W** Wö 08t UM ' £&S 'obeniee. iM UWch to Wloger h- ift ?elevh, 1612, >- morgen nhaü eMe ist Wallenfefc Marktpla, 17 largel itiid) timrefieub, ebh zu bidißften ^geivreifen n ^ch'AkÄ, Heu rüfien.Sleliwerlmil1 : (ßcilfu«, SBefianl. Jobs. DlnOet. s^er5- Nr. >19 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejsen)Montag, 22. Mai (922 Deutscher Reichstag. 215 Sitzung, vormittags 10 Uhr Berlin, 20. Mai 1922. Ernährun sfragen. Der Gesetzentwurf über die Autonomie der Reichsbank wird in 2 und 3. Lesung angenommen. Sin Gesetzentwurf über Mieter schütz und Mieteinigungsamtcr wird dem Ausschüsse für Wohnungs- und Siedlung-wesen überwiesen. Sodann wird die 2. Lesung des Etats de-. Mini steriumS für Ernährung und Landwirtschaft fortgesetzt. ReichSrninister für Ernährung und Landwirtschaft Zehr hielt darauf folgende Redet Die Ernährungsschwierigkeiten und Röte der Landwirtschaft haben nurtgften Zusammenhang, weil die Grnährungs- schwierigkeiten zunächst in den Röten der Landwirtschaft begründet find. Mein Amtsvorgänger ba. die Mittel zur Lösung der Dersorgungsfragc auf dem einzig möglichen Wege der Förderung Ser Produktion gesucht. Seine Mahnahmen zur Aufhebung der Zwangswirtschaft säst aller wichtigen Lebensmittel waren von dem Gedanken getragen, den Schafsensdrang des einzelnen zu wecken, konnten aber natürlich nicht in kürzester Zeit Erfolge zeitigen. Dennoch sind schon im laufenden Wirtschaftsjahr erhebliche Fortschritte in der Steigerung der Produktion zu verzeichnen. Di-^ gesamte landwirtschaftlich benutzte Fläche hat eine Zunahme erfahren. Dazu kommt eine gesteigerte Derwendung künstlicher Düngemittel. Die deutsche Landwirtschaft wird, wenn es gelingt, die ganze Produktionskraft zu entfalten, in absehbarer 3eii in der Lage sein, unseren Lebensbedarf in den wichtigsten Nahrungsmitteln zu decken. Selbstverständlich ist die Deckung des Bedarss aus dem eigenen deutschen Boden nicht von heute auf morgen zu erwarten, mutz vielmehr das Endziel eine- langen und anstrengenden Weges vor- fteilen. Deutschland ist non 120 Einwohnern pro Quadratkilometer auf 131 gestiegen. Dabei sind die f/ielen valutastarken Fremdlinge, die sich behäbig an unserem Tisch breitmachen, gar nicht in Be- i uMchtigung gezogen. Darum wird das deutsche Lolk vorerst aus der eigenen Produktion auch bei siärkster Einschränkung noch nicht leben können, und die Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln ist daher für uns eine Rgtwendigkeit. Der Abbau de. Ei'f.ihrverbote ist pla.imä ig svrtgeseh worden. Schwierigkeiten zeigten sich dabei erst, als infolge des überraschenden und katastrophalen Rückganges der Mark die Preise stark anzogen. Es wird auch fernerhin das Bestreben obwalten, durch Abbau der Einfuhrverbote Erleichterungen unferer Ernährungslaie herbeizuführen D i e Kosten der Ernährung sind vom 11,2- fachen im Monat April 1 92 0 b i s heute auf das 43,6 fa che gegenüber demFrie- denge stiege n. Die Hauptursache der Teuerung liegt in dem starken Bedarf an ausländischen Nahrungsmitteln. Hedoch mutz bemerkt werden, dah eine nicht geringe Anzahl Einzelner aus den Kreisen der Erzeuger sowohl als auch deS Handels die allgemeine Notlage deS Volkes und die Knappheit der Lebensmittel zur Befriedigung ihrer Geldgier ausnutzen, damit die Teuerung verschärfen und die öffentliche Meinung ganz allgemein zu Um echt gegen die Erzeugerwirtschaft und den Handel aufbringen. Die überaus grvtzen technischen Schwierigkeiten, die sich aus der Zwangswirtschaft für die Kartoffeln, und wenn es sich auch nur um eine Umlage handelt, ergeben würden, widersprechen der Wiedereinführung einer Derartigen Mahnahme. Vorsorglich wird schon jetzt versucht, die Belieferung der Hauptverbrauchs- gebiete auf dem Wege von Lieferungsver- trägen zu sichern Eine scharfe Konzessionierung des Auskaufs ist ins Arge gefatzt worden. Die Getreideumlage ddj 2,5 Millionen Tonnen ist bis auf geringe Rückstände erfüllt. Die Landwirtschaft hat mit dieser Leistung auch dann ein unstreitiges Riesenopfer gebracht, wenn man die mit der Erfüllung der Umlage vielfach errechnete Geldeinbuhe nicht anerkennen kann. Die Verhandlungen über die künftige Gestaltung der Brotversorgung stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Die Reichsgetreidestelle hat die Badarfs- mengen bis zum 31. August in der Hand Und ist daran, die Sicherung bis zum 31. Oktober durch- Aufübren. Der nötige Zu kauf von ausländischem Getreide macht uns in der Preisgestaltung vom Stande des Dvllarkurses abhängig. Die Mahnahme, die gegen diese Beeinflussung des Preises durch Verbilligung des Brotes mit Reichsmitteln 1 getroffen war, muh künftig fallen, so dah es tm tommenben Wirtschaftsjahr leider nicht möglich sein wird, die bisherigen Drotpreise zu ballen. Der mit bestimmter Absicht in die Oeffentlichleit getragenen Unrichtigkeit, die öffentliche Bewirt- schaftung, insbesondere die Tätigleit der Reicps getreidestelke trage die Hauptschuld an der Höhe c>es Brvtpreises, muh entgegenqelreten werden Auf das Pfund Brot berechnet, betragen die Unkosten der Reichsgetreidestelle nur l1 , Pfennig I Ein recht unerfreuliches Bild zeigt sich g20211= -närtig in der- Zuckerversorgung Entgegen der (kiufig vertretenen Auffassung, datz I 3uder ausgefi hrt sei. ist festzustellen, datz uxbei Zucker noch auS Znlandszack?" hergestellte Zucker-1 waren oder Schokolade au-geführt wurde. Die derzeitigen Zustande beanspruchen die größte Aus- ; merksamkeit der Regierung Die Verhältnisse auf dem Gebiete der Fttischv r'orgung konnten bis in den Spätherbst des vergangenen Jahres als Be- siiedigend bezeichnet weid.n aber die Der schie ch icrung des deutichen Geldwertes machte die Zu- fufrr aus bem Ausland mehr und mehr unmöglich. Die starke Preissteigerung wird erst bann gebessert werden, wenn vom Sommer ab die Weidemnastgebiete wieder mit ihren Lieferungen einsetzen. Auf dem Gebiete der M i ' verlor- gung hat der gänzliche Mangel an Futtermitteln während deS Krieges und die unglückliche Preispolitik. die in der Zwangswiitichaft getrieben werden muhte, die Abmettwirtschaftrn, aus di. sich die Versorgung der grvtzen Sttidte stützte, zerstört. 3m laufenden Wirtschaftsjahr sind 400 Millionen Mark zur Milchperbilligung bereit- gestellt worden. Diese Hilfe weiter zu gerähren, verbietet unsere finanzpolitische Lag.- Hingegen soll die dem gleichen Ziel dienende hcchberzig.? Aktion der Kinderspcisur. ?, durch die amerikanische Kinderhilfsmission der Oaarer durch unentgeltliche Hergabe von Mehl und Zucker weiter unterstützt werden. Die Einführung der freien Wi-rb schäft auf fast allen Gebieten ermöglichte es, der Förderung des Abbaues derKriegsorganisationen Rechnung zu tragen. Dem Ministerium unterstanden bei seiner Errichtung insgesamt 3 8 Kriegsorganisationen, jetzt nur noch 13, von den übrigen 25 Organisationen sind 18 völlig ausgelöst und 7 als reine Ab'a.ickln . -> das Reichsschahamt abgegeben worden. Die bei dem Ministerium noch verulriycnoen 13 u.gam- fationen befinden sich gleichfalls in der Auflösung oder Liquidation. Lieber den 1. Juni hinaus wird lediglich die Reichsgetreidestelle und die Ueberwachungsslelle für Ammoniakdünger und phosphorsäurehaltige Düngemittel verbleihen. Mit besonderem Nachdruck wird das Ministerium dem Hilfswerk der deutschen Landwirtschaft, dieser vorerst geistigen Aktion, Ausmerksamkeit und Unterstützung leihen. Die gesteigerte Versorgung der Landwirtschaft mit fünft- lichen Düngemitteln war eine Hauvtsorge des Reichslandwirtschaftsministeriums. 1921 ist es möglich gewesen, für die Landwirtschaft annähernd die doppelte Menge Phosphorsäure be» reitzustellen als an Zähre vorher, und, bezogen auf die heutige Fläche des Deutschen Reiches, annähernd die Hälfte der Mengen der letzten Vorkriegsjahre. Die Landwirtschaft wird drei Fünftel der vor dem Kriege verbrauchten Phvs- phorsäuremengen erhalten. Kali wird wie bisher in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Der Minister streift dann die Frage der K u n st - düngerpropaganda, der Versuche über Pflanzenzüchtungen und Schädlingsbekämpfung, berichtet von der Gründung zweier milchwirtschaftlicher Forschungsinstitute neben dem Prüfungsamt für milchwirtschaftliche Maschinen an der Universität Halle und fährt fort: Gemäh dem Deschluh der Nationalversammlung ist beim Reichsministerium für Ernährung uno Landwirtschaft ein Ausschuh für Moorkultur und Oedland- erschliehung geschaffen worden. Zur Zeit wird im Einvernehmen mit den beteiligten Ländern eine umfassende Statistik zwecks einwandfreier Feststellung der im Reichsgebiet vorhandenen Moor- unb Heideslächen vorbereitet. Es ist gelungen, bic Verluste der Hochseefischerei an Fahrzeugen während des Krieges auszugleichen. Leiber war die Kohlenzufuhr u.rzureichenb, so dah eine volle Ausnutzung nicht möglich war. Es werben aber alle Mittel zur Hilfe eingesetzt. Die Frage bes Fortbestandes des Ernährungsministeriums beantwortet sich im Hinblick auf die wichtigen Aufgaben für bas Volksganze selber. Sie sollte aber auch im Interesse der Autorität des Ministeriums der Oeffentlichkeit gegenüber sowie im Interesse der Erhaltung der Arbeitsfreude bes Deamtenkörpers gar nicht geftellt werben. Tüchtige Arbeitskräfte sind nötig, wenn es gelingen Otto Ubbelohde Das Treppenhaus des Landgrafenhauses. des vor wenig Jahren neu errichteten grvtzen Hörsaal- gebäudes der Universität zu QHarburg, schmückt fett etwa 3 Wochen ein grobes Bild in leuchtenden Temperafarben. 3m Vordergründe der grauenberg mit der Ruine der Burg, die ihren Ramen von der Herzogin Sophia von Brabant trägt, der heiligen Elisabeth Tochter und Mutter Heinrichs des Kindes, darüber hinaus die weiten Wälder und eine Berglinie hinter der andern bis zu der schlotzbekrömen alten Llniversitätsstabt, der Wald im bunten Herbstschmuck, ein Bild eines heihen, sonnigen Epätsommertages unter schwer ^ulammengeballten bewegten Wolken. Von ergreifender Gröhe und Schönheit. Der das Bild gemalt und bar es ber Unioerfität feiner Dater- ftabt geschenkt hat als Dank dafür, dah sie ihm in Anerkennung seiner Verdienste um unser Land vor Jahresfrist die Würde eines Ehrenbürgers der Alma Mater Philippina verliehen hat, ist tot! Otto ilbbelobbe ist tot! Zeder Marburger fühlt, was das kleine Wort bedeutet: jeder Hesse, ob aus bem Ober- ober bem Niederfürstentum. muh es empfmben als einen Schlag, ber ihn persönlich betroffen hat. wenn er auch den Meister nicht von Angesicht zu Angesicht gekannt hat. Otto Ubbelohbe ist am 5. Januar 1867 in Marburg als Sohn eines Professors aus alchannoverscher Familie geboren. Dem Stamme nach Niedersachse, der Geburt und bem Serien nach Hesse, ein Hesse, der seine Heimat liebte, ber sie kannte wie kaum ein anderer, ber sie erobert hat in hei hem Bemühen, nicht nur für sich, fonbem für uns andere alle; denn, was in diesen Tagen so oft gedacht und ausgesprochen ist: wenn wir heute und eine hessische Landschaft vor stellen, bann sehen wir immer und überall mit den Augen Ülbbelohbes; er hat vielen Tausenden gezeigt, was wir an unserem Lande haben. Geliebt haben wir Hessen immer mit allen Fasern unseres Herzens das Heimatland, warum, haben viele erst durch den nun von uns Geschiedenen gelernt. Ubbe- lohde hat in Marburg das Gymnasium besucht unb den grünen Iägerrock getragen, nach ga»iz kurzem Aufenthalt in Weimar hat er seine Kunst auf ber Akademie in München bei Löffh und Herterich gelernt. Ob er zu den richtigen Lehrern gekommen ist, wer weih? Er selbst war sich wohl oft zweifelhaft. Seine ganz ausgesprochene charakteristischL Künstlerpersönlichkeit hätte sich aber wohl burchgeseht, ganz einerlei, in welcher Schule er gewesen wäre. Um 1893/94 weilte er wenige Monate in Worpswebe. aber es trieb ihn aus ber nieberdeutschen flachen Landschaft in die bergige Heimat, er wuhte. wohin er gehörte. 3n Gohfelden, nahe bei der Vaterstadt unb doch weit genug davon, um in Ruhe arbeiten zu können, baute er sich zusammen mit seiner gleichgesinnten Gattin, die er 1897 heimgeführt hatte, ein kleines einfaches Haus, bas eigentlich nur aus einem grvtzen Hellen Atelier unb ganz wenig Wohnräumen bestand. Aus bielem Häuschen hat sich durch mehrere Anbauten im Laufe der Jahre ein Künstlerheim gebildet, wie man es stimmungsvoller und seiner und seiner Frau Persönlichkeit (beim beide waren ihrem Sinnen und Denken nach eins) entsprechenber sich nicht denken kann. Don hier aus burchwänderte er bas Oberhessische Land Dickt am Hause, bas im Schatten alter Bäume liegt, flieht die Lahn vorbei, gegenüber nach Süden erhebt sich ber Abl-ang des /Berget mit ben Häusern bes Dorfes Gohfelden, über ben hinunter ber Weg nach Marburg führt; auf ber anbei en Seite >in wunlxnvoller Blick all bie sich auftitrmenben Berge des Hinterlandes mit ber beherrschenden Kuppe des Rimberges, unb dann ber lang sich hinstreckende Rücken des Wollenberges über Wetter, dicht dabei die malerischen Trümmer ber Melnau Eigentlich trotz stiller Gröhe eine anspruchslose Lanbschaft, aber ein echt hessisches Dilb. An der Lahn ein paar schöne Pappeln, die. ihr Weiterleben lange Jahve soll. Verbraucher und Erzeuaer zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen und die Kluft zwischen Stabt und Land zu überbrücken. Danach ergriff Adg. Thomsen (Dttchntl ) das Wort and bantte dem Minister für bie Anerkennung der Leistungen der Landwirtschaft Sine u';ier Verantwortung bemühte Regierung müf c alles daran setzen, die Landwirtschaft aut der Höhe ihrer Lcitzangsfahigkeck zu erhalten, damit mir vom Aaslande unabhängig werden Dahm gehöre auch die Frage ber Siedlung, unb deshalb müfte bo-e siedla .gswe en dem Rrichslandwrrt- schaftsministeriam unterstellt werben. Der Redner protestierte gegen die Ansicht des Ministers, das Getreideumlageverfahren cui, für das kommende Hahr belzubehalten, nachde n Minister Hermes im Vorjahre ausdrücklich unb wiederholt gesagt habe, datz es damals das letzte Mal sein sollte. Durch dieses Versprechen war es möglich, den Widerstand gegen bas llmlagcber- tafjien zu brechen. Zwangswirtschaft unb Um- lageverfahrcn seien eine besonders ungerecht- feJigte Belastung und Besteuerung eineS Berufs- üandes, und fast alle länd.ichen Vereine hätten sich bemgemät, gegen die Umlage ausgesprochen, welche auch die tnoralischen und sittlichen Werte zerstöre. Auck bie einmütig gefällte Entschlie- tzung der ^lusschüsse ber Landwirtschaft beweis:, wie die Landwirtschaft über bie (Sctreibeumlag: denkt. Auck in der Z u ck e r f r a g e habe b e Landwirtschaft im vergangenen Jahre Zuckerrüben zu ben entsprechenden Preisen abgegben. Auf die Entwicklung ber Zuckerpreise unb des Zuckermangels habe die Landwirtschaft keinen Etnsluh. Die Landwirtschaft wolle nicht besser behanb.'lt werden als bic anderen Bwufe, aber auch nicht schlechter. Gcm-ri ifam mit der Deutschen Volks- tXTTtei legen wir daher dem Hause folgende Ent- schliesntng zur Sicherstellung der Versorgung mit Getreide vor: Die Sicherstellung ber Versorgung mit Brotgetreide in Form einer Umlage ist nicht mehr möglich. Hebe Zwangsmatznahme verhindert bie notwendige Vermehrung ber landwirtschaftlichen Erzeugung unb gefährdet bic Sicherstellung berVersorgung. DieDeibehaltung des U^tlageverfahrens würde biefe bedenkliche Folgen noch verstärken, baher finb Maßnahmen zu ergreifen, um bie Brotversorgung auf anderer Grundlage zu gewährleisten unb um baS Brotgetreide für bic wirtschaftlich schwächere Bevölkerung zu verbilligen. Aba. Schmitt (6.): Vor ben Wahlen hat bic Rechte bie Verbilligung bes Preises für Brot unb Sinter versprochen. Jetzt aber nimmt bie Landwirtschaft keine Rücksicht auf bie Not ber breiten Massen, unb trotz bes gleichbleibenden Standes des Dollars halt die Preissteigerung an. Dieser ungeheuere W u che r sei nicht mehr zu ertragen. Darum fordere seine Partei in einem Anträge Beibehaltung der Getrside- umlage, bedingte Bewirtschaftung ber Kartoffeln unb Zwangsbewirtschaftung für Zucker. Der Redner verlangt aber auch anderseits bie gleichen wirtschaftlichen Formen für Textilwaren, Eisen unb chemische Fabrikate. Abg. Bl u m (Z.): Seine Partei sei bereit, die Politik des Ministers so weck als möglich zu unterstützen. Der Düngemittelfrage mützte grötzte Aufmerksamkeit zugewandt werden, denn sie fet dl? Grundlage der 3ntenfität der Wirtschaft. Sie hänge aber in erster Linie von der Kohlenfrage ab. Das Zentrum halte das Hmlageoerfabren tm Interesse der Produktion nicht mehr für notwendig. es mühte aber Vorsorge für die Sicherstellung des erforderlichen Brotgetreides getroffen und auf eine Verbilligung hingewirkt werden. Redner fordert zum Schlutz besondere Beachtung ber landwirtschaftlichen Berufsausbildung und eine vermehrte Qlnlage von Musterbetrieben. Abg. Dr. Hertz (^ISP.) erklärt, datz er von dem Wechsel im Ministerium keinen besonders günstigen Eindruck erhalten habe. Es wäre Aufgabe des Ministers gewesen, gegen bie Drohungen ber landwirtschaftlichen Organisationen Stellung zu nehmen, bie sich aus purem Eigennutz gegen die Sicherung der Volksemährung wenden. Abg. Gö brich (D. Vp.): Nicht mir bie Unabhängigen, auch die Mehrheitssozialisten sagen der Landwirtschast den Krieg an. Sie wollen eine neue Zwangswirtschaft einführen. Erfolg werden sie damit nicht Haden, beim auf diese Weise kann eine innere Verständigung nicht her- beiges ührt werden. Helfen kann uns mir Erleichterung ber Reparationslasten. Die Landwirtschaft ist willens, auch jetzt noch bie hauptsächlichsten Produkte unter Selbstkostenbem Künstler zu Derbanfen hatten: bamit sie nicht dem Geschäftssinn ber Ortsbewohner zum Opfer fielen, hat sie ^Ibbelohde jahraus, jahrein für eine ziemlich grohe Summe gepachtet, bis sich endlich die Besitzer nicht mehr mit diesem geringen Zinsertrag ihrer Bäume begnügen wollten. Unb hier in seinem Hause, bas allem Schönen offen stand unb das Gleichgesinnte unb Freunde so oft m feinen Mauern sah, entstand bann im Laufe der Jahre in ehrlichem Ringen unb in unermüdlicher Aickeit aus einem Herzen voll Liebe so manches Werk, bas ihn, ben be* scheibdnen Menschen, in ganz Deutschlanb bekannt machte, das ihm namenttich aber bei uns daheim die Liebe feiner Landsleute gewann, auch der, die ihm persönlich nicht nahe standen. Als wir ihn vor wenig Tagen zu Grabe trugen, waren nicht nur die Vertreter der Universität Marburg, Rektor und Professoren und die Chargierten der Marburger Verbindungen mit 28 wehenden Fahnen, sowie die Vertreter der Universität Giehen, deren philosophische Fakultät ihn, die Rachbaruniversität beschämend, schon vor einer Reihe von Jahren zum Ehrendoktor ernannt hatte, und viele Bürger erschienen, nein es waren Angehörige aller Stände da. das ganze Land nayn; an der Trauer teil. Als sich dos Trauergefolge etwas zerstreut hatte, kam von Marburg her noch eine Schar Wandervogel mit fliegendem Fähnlein anmarschiert, fang dem Toten ein Lied am frischen Grabe arid legte einen dunklen Tannenkranz nieder. Er gehorre eben uns allen I An feinem Sarge ist uns ein Bild von seiner grvtzen Kunst, vvn feinem lauteren Charakter entworfen, von feiner unbestechlichen Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit, von seiner Innerlichkeit und Bescheidenheit, von seiner Freude an der Natur, von feiner Andacht zum Kleinen, wie Ehrfurcht vor dem Grvtzen, von seiner fröhlichen kindlichen Art unb seiner Treue. Einer Treue sonbergleichen, einem Pflichtgefühl, einer Arbeitfamkeit unb einem Flritze, tote man es feiten findet. eSaffet uns preisen abzugebeii Sic kann aber nicht burd)- nxg unter Produktionskosten arbeiten, beim diese sind um das 100- bis 200sache gestiegen. Abg. Böhme «Dem.) begrübt den neuen Minister unb hofft, datz er seine schwierigen Auf gaben fachmännisch losen werde Die Erl>altung des Ministeriums sei notwendig, ebenso sei» weiterer Ausbau durch Angliederung deo Sieb- lungswesene. Beim Unüagegctivtbe erhalten bic Landwirte 2000 All für die Tonne, während tm Freihandel 17 000 Mk erziell wurden Trotzdem haben die Landwirte ihre Ablieferungspflicht voll erfüllt. Das war in der Tat eine grobe Leistung Der Landwirt arbeitet mit feiner Familie im Sommer 16 bis 17 Stunden täglich, und wenn er dann forlgesehl von Streiks liest, wird er unzufrieden über die ßonberbcfteucrung bei Umlage. Der Mässe mub bas Brot mit Hilfe einer Belastung ber Leistungsfähigen verbilligt werben. Nachbem fobann bic Qlbbg. Birnreiche 1 (Dayr. Vp.) und Buchmeister tBanr. Qbb.) bic Bedürfnisse ber sübbeutschen Landwirtschaft an Kunstdünger unb lanbwirtschaftlichen Geräten seslgestellt unb nachgewiesen haben, bab bic Unkosten dafür allein wesentlich höher seien als bic burch bic Umlage erzielten Einkünfte, nimmt ber Abg. Heibemann «Komm.) bas Wort zu scharfen Angriffen auf bie Grobagrarier, bic in rein kapitalistischer Weise bie grobe Masse aus- bcuteten. Der Rebner bemüht sich, bic Kleinbauern bavon zu überzeugen, bah sie nichts von den Grobagrariern zu erwarten hatten und darum ihre Interessen seiner Partei anvcrtrauen sollten. Nach mehr als sicbenstünbiger Sitzung spricht ber Abg. Heibemann um 7 Uhr abenbs vor völlig leerem Hause weiter. Nächste Sitzung Montag vormittag 11 Uhr Stapellauf des Dampfers „Legion". Wilhelmshaven. 20. Mai. (Wolss.) Heute vormittag traf ber Rcichspräsibcnt in Begleitung bes Rcichswehrministcrs Gebier, des Chcss der Marinelettttng Admiral Behnke unb bes Ministerialbircktors Mcibncr hier ein, um eine Besichtigung bet neuen Reicks- marine vorzunehmen Der Reichspräsident wurde durch ein Minensuchboot zu dem wieder in den Dienst gestellten Linienschiss „Braunschweig" gebracht und unternahm auf der „Braunschweig" eine Fahrt m die Iademündung. Aus ber ..Braunschweig" erstattete ber Chef ber Marincstation ber Nordsee. Vizeadmiral Zenker. Meldung. Als der Reichspräsident die „Braunschweig" verlassen hatte und sich wieder auf dem Minensuchboot nach dem Hasen zurückbegab, feuerte die „Braunschweig' einen Ehrcnsalut ab. Gleichzeitig besichtigten unter der Führung von Stinncs ber preutzischc Ministerpräfibent Braun unb Ober» präsibent N 0 ske bie Hafen- unb Werftanlagen von Wilhelmshaven. Mittags fanb im Beisein bes Reichspräsident ten auf ber Marinewerft ber Stapellauf bes Dampfers „Karl Legten" statt, ber für bie A.-G. Hugo Stinncs gebaut worben war Geheimrat Bücher vom Reichsverband der Deutschen Jnbustrie hielt die Tauftebe. in der er darauf hinwics, datz der Name des Schiffes eine Erinnerung an die grohe Not Deutschlands fei, sowie ein Beispiel dafür, datz. als das deutsche Volk sührer- los unb in Verzweiflung vor Abgrund utb EhaoS stand, sich die Vertreter der Gewerkschaften und ber Industrie für ben Gedanken einsetzten, datz nur eine Arbcitsgemcinschast aller werktätigen Kräfte bas beutsche Volk vor bem brohen- den Untergang bewahren könne. Geheimrat Bücher feierte bie Periönlichkett Legiens. in bem er barauf hinwics, batz Lcgien. obwohl in ber Masse wurzeln!) wie selten einer, es trohbem verstanden habe, bie beutsche Arbeiterbewegung nach eigenem Willen zu formen. Die freien Gewerkschaften In Deutschland verbankten ihre von aller Welt anerkannte straffe Organisation unb ihren mächtigen Aufbau in erster Linie Lcgien. Weil Lcgien ber Organisator bet Gewerkschaften, unb ’bant seiner zahlreichen internationalen Beziehungen besser als irgenb ein anderer wuhte, dah die deutsche Arbeiterschaft in ihrem persönlichen Lose untrennbar mit bem Los bes gesamten beutschen Volkes ver- banben wäre, unterzeichnete er ben Palt, der die Zentralarbeitsgemeinschaft ber industriellen unA gewerblichen Arbeitgeber unb Arbeitnehmer be- grünbete. Schliehlich führte Bücher aus. bas neue Schiff „Karl Lcgien" solle allzeit ein Symbol dessen fein, bah in Deutschlanb bic Arbeitgeber unb Arbeitnehmer trotz aller Kämpfe gewillt seien, bem schäften, solange es Tag ist", an bics Wort muhte man immer toieber benten, besonders seitdem ihm und uns ein dunkles furchtbares Geschick bie Mahnung vor Augen stellte: „Es kommt bie Nacht, ba rrieminb schäften mag I“ Dah er in seiner eigentlich glücklichen Veranlagung fast 25 wundervolle Schaisensjahre in ber geliebten Heimat wirken bürste mit bem innerlichen Dewutztfein bes bleibenden Wertes feiner Tätigkeit, mit bem berechtigten Gefühl, bah er burch Tat unb Wort, ja burch sein ganzes Leben vielen eine Hilfe, eine Stühe, ein Vorbilb sein konnte, unb auch wirklich war, dafür müssen wir von Herzen oantbar sein, bas mag mit bem herben Ausklang feines Lebens versöhnen, besten Enbe uns alle, auch bie, bie barauf gefatzt fein muhten, furchtbar schwer getroffen hat. Das Haus, in bem er schaffte unb feine völlig mit ihm verwachsene ihm ebenbürtige Frau in vollem Derstänbnis für bic Grohe bes geliebten Mannes 1 chattete, toirb uns Hessen eine geweihte Stätte bleiben. — Als Maler ist Hbbc- lohbc leider nicht so bekannt geworden, wie er cs verdient hatte. Er hat wenig ausgestellt, viele seiner Bilder sind von der Staffelei sofort in Piivatbefih übergegangen. Glücklicherweife sind drei seiner schönsten Gemälde in Hesten geblieben. Ein wundervolles grvtzes 5!anbfchaftsbild, bas manche Motive von ber alten Burg Melnau entlehnt hat, iTt noch vor bem Kriege nach Gießen gekommen, zum Schmerze mancher Marburger, bie es ihrer Stabt gern erhallen gesehen hätten: ein zweites, bas bie mächtigen Formen bes Melibokus barstellt, hängt m erftoü rb i gertoeife nicht m Darmstadt, fonbem in ber neu eingerichteten stäbtlschen Galerie in Kastel. Unb bas britte, von bem sich eine ausgeführte Wieber- holung in Fransturter Privatoesih befinbel, ist das vorn beschriebene Dilb in ber Marburger Universität. Seine Oelbilber finb schwer, meist nicht m leuchtenbcn Farben: Gewitterfttmmung, herbstliche Färbung, eine gewisse Schwermut un’ Mederaufbau der Dolkswirischaft zu Menen. Hai) I der Taufrede wurde das Schiff den Nuten über=' geben. Anfchließend daran fand ein Festakt statt, bei dein Stinnes eine Rede hielt, in der c: u. a. sagte: Beim Stapellauf des Dampfers „Karl ßegien" huldigen wir dem Gedanken der Arbeite gemeinschaft der deutschen werktätigen Bevölie^ rung, das Heißt dem Gedanken, daß in Zeiten der Rot und Gefahr die häuslichen Meinungen Verschiedenheiten zurückzutreten haben vor der Rotwendigkeit, erst einmal den Dau des S t a a ts- Hauses vom Fundament bis zum Dach zu sichern. Im Herbst 1918, als der Krieg einen un glücklichen Ausgang nahm, das staatliche Gebäude bis in die Grundfesten erzitterte, und Deutschland in ein Chaos zu stürzen drohte, wurde Karl Legien einer der Lebensretter Deutschlands. Er gab den Ausschlag, dah eine Zentralarbeits- ?emernschoft paritätisch durchgeführt werden onnte. und erklärte, daß die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer die Demobilmachung selbst in die Hand nehmen würden, wenn nicht wenigstens die schlimmsten partikularistifchen Hindernisse vor der gemeinsamen Lebensgefahr zurückträten. Das war eine Großtat weiser Selbstbeschränkung im Dienste des Vaterlandes. Damals drohte die Gefahr eines völligen Chaos, die Gefahr, dah das dichtbevölkerte Deutschland in dieselben bolschewistischen Zustärche geriet wie Rußland. Zustände, die einen noch ungleich entsetzlicheren Ausgang hätten nehmen müssen, als im Agrarland Rußland. Legien verdanken wir mit an erster Stelle, daß wir heute zwar ein verstümmeltes, nieder- geworfenes, aber doch noch in feinen Hauptteilen zusammenhängendes Reich und Volk bilden. Wir stehen heute wieder vor einer schweren Zeit. Möge diese Zeit wieder Männer wie Legien finden, denen der Wille zur Tat nicht fehlt und denen bei ihren Handlungen das Wohl des ganzen Volkes ausschlaggebend ist. Ich bitte, dem Andenken Legiens das erste Glas zu weihen! Reichspräsident Ebert ant wo r - tete u. a.: Ich habe den Entschluß, dieses Schiff „Karl Öegien“ zu taufen lebhaft begrüßt. Legien war einer der bedeutendsten deutschen Arbeiter- frchrer. Dabei hat er niemals den Zusammenhang der Arbeiterbewegung mit dem Leben der gesamt e n Ration aus den Augen verloren. An tßfndjrttreue gegen das Vaterland hat er sich von niemanden übertreffen lassen. Mit Zähigkeit war er stets bemüht, in der Arbeiterschaft den Gedanken zu vertiefen, daß die Gewerkschaften neben ihren sozialen Aufgaben auch kulturelle, Wirtschafts- und staatspolitische Pflichten zu erfüllen haben. Allerdings galt ihm die Anerkennung und Gleichberechtigung der Arbeiter inb ihrer Organisationen dabei als erstes Prinzip. In der O^rtretung der Arbeiterinteressen auf dem Verhandlungsweg zwischen Arbeiter» und Arbeitgeberorganisationen sah er dabei den ersten Schritt zu diesem Ziel. Deshalb war er ein eifriger Verfechter der Tarifgemeinschaften. Von dieser führte ihn die Entwicklung geradezu zur Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen und dafür hat er in schwerster Zeit seine ganze Kraft eingesetzt. Die Erhaltung unseres Wirtschaftslebens war ■ ihm dabei die wichtigste Aufgabe. In den Or> ' gonifot tonen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sah er die Träger unserer Volkswirtschaft. Die Nlsammensasfung dieser Organisationen zur Ret- l tunq unseres Wirtschaftslebens war für ihn unerläßlich llnb wenn 1918 diese Arbettsgemein- F schäft vom Rat der Volks beauftragten in amtlicher Form publiziert werden konnte, so gebührt Legien » das Hauptverdienst daran. Der Wiederaufbau unseres Vaterlandes ist in der Hauptsache wirtschaftlicher Ratur. Schon deshalb muhte den schaffenden Kräften größerer Einfluß auf unser staatliches Leben eingeräumt werden. Mit Recht wurde in der ReickSverfassung zum Ausdruck gebracht, daß Arbeiter and Unternehmer gleich- berechtigt in Gemeinschaft berufen sind, an unserer gesamten wirtschaftlichen Entwicklung mitzuarbeiten, ein Grundgedanke, der in der Schaffung des Reichswirtfchaftsrats seine Auswirkung gefunden hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich die Arbeitsgemeiufchast der Organisationen der lln- ternehmer und Arbeiter in unserem wirtschaftlichen und staatlichen Leben bewährte. Diese Arbeitsgemeinschaft zu pftegen und zu festigen, muh unsere gemeinsame (Aufgabe sein. Sv begrüße ich namens des Reiches „Karl Legien". das jüngste Schift unserer wiedererstehenden Handelsflotte. Möge es seinen Ramen tragen als Symbol der Zusammenfassung aller schaffenden Kräfte unseres Wirtschaftslebens zum Wiederaufbau unseres Vaterlandes, als Symbol unerschütterlicher Pflichttreue und Schaffensfteude im Dienste der DoW- gemeinschaft. Für die Zentralarbeitsgemeinschaft sprach Reichstagsabgevrdneter Wiener, der ebenfalls das Lebenswerk Legiens würdigte und für Zu- Trauer liegt oft auf ihnen, aber es ist eine Tiefe darin, dah man im innersten Herzen bewegt wird. Jemand in Marburg sagte einmal vor dem wunderschönen Giehener Bilde: „wenn ich das Bild ansehe, muh ich weinen." Unverändert ist Ubbelohdes Malerei in den langen Jahren seines Schäftens nicht geblieben. Er hat immer an sich gearbeitet und er ist immer fortgeschritten. Es ist ungemein interessant und lehrreich, die Entwicklung an einer Reihe seiner Bilder zu beobachten. Oft hat er schweren Herzens und mit Bitterkeit die für ihn nicht verständliche neuere Malerei betrachtet und dabei doch mit einer Gerechtigkeit und Unparteilichkeit, die bewundernswert war, bei jedem neuen Bild der Art. das ihm zu Gesicht kam. versucht, eS zu verstehen, es ohne Voreingenommenheit zu betrachten und zu würdigen. Es gab Momente, wo er unsicher war. ob sein Weg der richtige sei. ob feine Kunst nicht überlebt fei und, wie er wohl herbe äußerte, zum allen Eisen geworfen werden müsse. Wev seine Bilder genau betrachtet, wird finden, dah er auch von den neuen Anschauungen nicht ganz und gar unbeeinflußt geblieben ist, aber Gottlob ist er sich doch immer treu geblieben und hat sich nicht auf Pfade verirrt, die doch nur als Irrwege angesehen toerben können. Deutsch und ehrlich ist seine Kunst immer geblieben. Und das zeigt sich nach viel mehr in seinem Schaffen als Künstler der Feder und Radiernadel. Wenn es ihm auch schmerzlich war, dah er in weiten Kreisen als Graphiker einen viel größeren Rus und Freundeskreis hatte, als als eigentlicher Maler, so ist das ja ganz natürlich: die wenigsten fannten feine Gemälde, die Hunderte von feinen Radierunaen und Zeichnungen, Exlibris und Postkarten aber flogen über das Land und konnten Hoch und Riedrig, Gelehrt und Ungelehri in aleicber Wells sckreuen und erbauen und ausrich- unseres Volkes! Wenn man die drei Bände durchblättert, erlebt man auf Schritt und Tritt heimatliche Ueberraschungen. Die Landschaften muten vertraut an, da erhebt sich plötzlich die alte Veste Spangenberg, dort meint man einen Anklang an bekannte Marburger Oertlichkeiten zu entdecken. Jeder Hesse hat die Empfindung, dah gerade seine engste Heimat dargestellt sein müsse. Und die Staffage, die so eng mit der Landschaft verwachsen ist, dah man sie nicht herauslösen kann. Die Märchenfrau, die auf dem Titelblatt hessischen Bauernkindern erzählt, hat die seltsame Haube lHemmschuhmütze) der Biedenkopfer Gegend auf, das brave Mädchen bei der Frau Holle, das der Tracht nach ebenfalls aus dem Hinterland stammt, schüttelt das Bett so fleißig, dah die Federn auf die winterliche Landschaft fliegen: Berg und Dörfer kommen uns bekannt vor, es ist der Rimberg mit Caldern und Sterzhausen. Der Däumling reitet auf dem Taler von einem romanischen Pallas in die Lande, der wie die weithin ragende Burg Münzenberg an- mutet, das Haupt der „Falada, die du hangest" hängt im Gewölbe des Kalbstores, unter dem man über dem schlanken Dachreiter der Kugelkirche in der Ferne den Frauenberg sieht, die kluge G-etel ist ein stämmiges Schwälmermädchen, wie auch Schneeweißchen und Rosenrot deren engere Landsleute sind. Allerleirauh auf ihrer Flucht wendet sich noch einmal nach den heimatlichen Dächern in der Ferne um, wir erkennen in der Silhouette das uns wohlvertraute Marburger Schloß. Im Hintergründe des Galgens im Märchen „Die beiden Wanderer" erhebt sich die malerisch aufgetürmte Gruppe der Büdinger Burg, und das Dreiteilige barocke Grabmal in den „drei Brüdern" ist das der Familie Lyncker auf dem Darfüher Friedhöfe in Marburg. So Sann man auf jeder Seite Anklänge finden, und doch ist kein Bild von der Ratur einfach ab- geschrieben, man empfindet nur immer und überall das völlige Aufgehen des Künstlers im Leben und Fühlen feines Landes und Volkes. Text und Bilder der Märchen find em antrennliches Ganzes geworden. Auch hier ist's so, unsere lieben alten Märchen stehen uns nur noch mit der Seele und dem Herzen Ubbelohdes vor Augen — Eine feiner letzten Gaben sind seine Bilder zu der Reuausgabe des dem Kurhessen vertrauteren und von jedem alten Marburger Studenten ein ft immer und immer wieder gelesenen Prinz Rosa Stramin von Ernst Koch, die in ähnlicher Weise wie bei den Grimmschen Märchen kongenial die übermütig* sentimentalen Gefchichtchen und Stimmungen aus de - Zeit kurhessischer Irrungen und Wirrungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in uns wieder lebendig werden lassen. — Dieser Mann wellt nun nicht mehr unter uns. Seine letzte Ruhestätte hat er oben am Berge auf dem Friedhöfe seines Dörfchens Goßfelden gesunden. In den holperigen Straßen Marburgs wird man nicht mehr seiner schnell dahinschreitenden hohen charakteristischen Gestalt mit den Kniehosen begegnen. Otto Ubbelohde mit Den leuchtenden Augen, den man sich nicht krank denken konnte, ist, unfaßbar für uns. die wir ihm nabeftanben. plötzlich niedergestreckt. Aber tot ist er darum für Gins nicht. Wie er Tausende im deutschen Lande erquickt und gelautert und erhoben hat, so wird seine Kunst noch späten Geschlechtern Helsen und sie aufrichten und ihr Herz erfreuen. In tiefster Trauer, aber auch in höchster Dankbarkeit, stehen wir an feiner Bahre. Hessen hat einen treuen Sohn verloren, einen großen gottbegnadeten Künstler. Wir werden ihn nicht vergessen. C. K. fammenarbeit der Arbeitnehmer und Arbeitgeber eintrat. Der Reichspräsident verließ nachmittags Wil- helmshafen und "begab fich nach Oldenburg za einer Besprechung mit der dortigen Regierung. Abends kehrt der Reichspräsident wieder nach Berlin zurück. Kirche und Schule. * Freie Lehrerstellen. Erledigt sind zwei Schulstellen an der Volksschule zu Reu- Isenburg, Kreis Offenbach, wovon eine mit einem katholischen und eine mit einem freireligiösen Lehrer zu besetzen ist, und zwei Schulstellen an der Volksschule zu Hausen, Kreis Offenbach, wovon eine mit einem katholischen Lehrer und eine mit einer katholischen Lehrerin zu besetzen ist. — Erledigt sind die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Eichenrvd, Kreis Lauterbach, eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Altenschlirf, Kreis Lauterbach, und eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Planig, Kreis Alzey. • Kirchliche Die n st na ch ri ch t. Am 17. Mai lfd. Hs. wurde dem Pfarrer Otw Vogel zu Reichelsheim i. d. W. die evangelische Pfarrstelle zu Bruchenbrücken übertragen. is. Steinbach b. Gießen, 20. Mai. Hnfer Ortsgeistlicher, Pfarrer Otto Köhler, wurde heute zur letzten Ruhe gebracht. Ein überaus zahlreiches Trauergefolge, Schulklassen. Kriegerverein. Gesangverein. Amtskollegen und Freunde aus der näheren und weiteren Umgegend sowie fast sämtliche zur Pfarrei Steinbach und Albach gehörige Gemeindeglieder gaben ihm das letzte Geleit. Die Trauerfeier wurde in der hiesigen Kirche abgehallen. Die- Gedächtnisrede hielt Pfarrer Groth von Rödgen, der auch die Einsegnung am Grabe vornahm. Außer ben üblichen Ehrungen der beiden Vereine wurden noch von verschiedenen Setten Kränze niedergelegt, so von den beiden Schulklassen, den Gemeinden Steinbach und Albach, dem Kirchenvorstand, dem Dekanat Gießen, dem Frauenverein, dem Kirchen- vorfland, der Pfarrei Rohrbach (Kreis Büdingen) und den hiesigen Kameraden. — Pfarrer Köhler wurde von der Pfarrei Rohrbach im Jahre 1909 nach hier versetzt, und wirtte hier 12 Jahre in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit. * Dauernheim b. Aidda, 20. Mai. Richard 'Jordans Meisterbilder-An- dacht fand hier vor einer überaus zahlreich erschienenen Gemeinde statt. Die von Künstlern gemalten Bllder aus dem Leben Jesu, in ihrer Reihenfolge von Liedern und Bibelworten verbunden, machten den tiefsten Eindruck. Landwirtschaft. bs. Aus der mittleren Wetterau. 21. Mai. Jetzt läßt sich ein Ueberbfict tun über die Sommers aa t. Dank der überaus gün* fügen Witterung ist der Stand sehr gut Der zeitig gesäte Hafer duscht bereits kräftig. Gerste hat fetten Wuchs, und wenn das Wetter weiter gut bleibt, wird es viel Lagerfrucht geben, da infolge der Trockenhett der Vorjahre manche Düngstosfe nicht angeschlagen sind. Das Korn treibt eben die Aehren. Rur Wetzen steht schlecht, die Weizenernte wird hier än der Wetterau knapp ausfallen. Endlich gibt es auch Grünfutter; es war höchste Zeit. Heustall and Dickwurzkeller zeigten öde Leere. Bereits holt man Wagen voll Luzerne und Grasgärten und Baumstücke Haden die erste Schur hinter sich. — Die O b st b ä u m e haben ausgeblüht. Den geringsten Dlütenbehang zeigen die Apfelbäume. Gewöhnlich pflegte man nach trockenen Jahren ein gutes Obstjahr zu erwarten, feier ist es ober gerade umgekehrt. Infolge der zu großen Trockenheit hatten die Bäume nicht die nötigen Stoffe zum Knvspenanfatz. Am üppigsten blühten die Birnbäume. Hier xft es wieder das Wirtschastsobst, das, svwett es sich übersehen läßt, gut angesetzt hat. Steinobst hat gut geblüht. Doch sagt das Sprichwort, daß Donner und Regen den Blüten schade. Durch Rachtfröste ist bis jetzt kein Schaden emgetreten und die drei Eisheiligen sind gnädig vorübergegangen. In den Gärten wird sehr geklagt über das starke Auftreten der Erdflöhe, die die langen Gemüsepflanzen kahl fressen. BücherLisch. — Adam. Eine Liegende von Erich Scheur° mann. Felsen-Verlag, Budenbach-Baden. — Auch mit diesem Buche hat der Verfasser des an dieser Stelle eingehend gewürdigten Werkes „Der Papalagi" wieder ein köstliches Zeugnis feines Könnens abgelegt. Man liest das Buch in einem Zuge durch, hat einen Gewinn davon und greift gern wieder danach. — DieWirtschaftskurve. Verlag der Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt am Main. — Die vierteljährlich erscheinenden Hefte haben stch zum Ziel gesetzt, den jeweiligen Stand der Witt- schaff widerzuspiegeln. Das Januarheft beleuchtet die wirtschaftliche Lage zu 'Beginn des Jahres 1922. — Vom gesunden und kranken Herzen von Univ.-Prof. Dr. Kerschensteiner, München. 122 Seiten. 18 Abbildungen. Max Hesses Verlag, Berlin W 15. — Rach einer kurzen anatomischen Einleitung bespricht der bekannte Münchener Herzspezialist die einzelnen Formen der Herzkrankheiten (Klappen- fehler, Entzündungen, nervöse Störungen), verbreitet sich über die Gefäßerkrankungen, unter denen die Arterienverkalkung zu den zum Teil mit Unrecht gefürchtesten gehört, bespricht die Folgezustände und Beschwerden der Herzkrankheiten (Atemnot, Herzbe- Hemmung, Pulsunregelmäßigkeiten usw.) und behandelt erschöpfend die Ursachen der Herzstörungen. SanbeL * Friedri ch-W ilhelm-Lebensver- sicherungs-A-G. in Berlin. In der Sitzung des Aufsichtsrates vom 16. Mai ds. Is. wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1921 bekanntgegeben. Der Ueberschuh beträgt Mark 21 703 362,38 (L V. 14 538 382,09 Mark). Davon werden vorbehalllich der Genehmigung der Generalversammlung 20 539 035,67 Mk. (im Vorjahre 13 183 091,37 Mk.) den Versicherten überwiesen. Die Aktionäre erhalten 540 360 Mk. gleich 135 Mk. auf jede Aktien (wie im Vorjahre); zugunsten der Angestellten werden 105 741 Mk. verwendet, dem Ausgleichsfvnds 220 000 Mk. und der Reserve für eventuelle Verluste und Dedürfnisfe der Rest von 1856,35 Mk. zugewiefen. Der Dermö- gensbestand bezifferte sich Ende 1921 auf Mark 657 411 443, das sind 118 840 092 Mk. mehr als am Ende des Vorjahres. Die ordentliche Generalversammlung ist auf den 14. Juni 1922 festgesetzt. Frankfurt a. M., 22. Mai. Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Dries Datum: 19. Mai. 20. Mai. Amstd.-Rotterd. Brüstel-Antw. . Ehristtania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helstngfors. . . Italien London Reuyork. . . ; . Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr. Prag Budapest.... Buenos Aires . ‘Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro 11535,55 11564 45 11685,35 11714,65 2461,90 2468 10 2526,80 2533,30 5523,05 5536.95 5553,05 5556,95 6337,05 63,2,95 6411,95 642 ,05 7620,45 7639,55 7750,30 7769,70 617,20 618,80 621,20 622,80 1523,05 1526,95 1557,05 1560,95 132-;,8C 1326,23 1314,30 1317,70 2-6,12 296,-.8 30 ,12 303,88 2691,60 2698,40 2752,55 2759,45 5682,85 5697,15 5792,75 5807,25 467^,10 4698,90 4798,95 4811,05 3,03 3,07 3,- 8,04 572,25 573,75 573,75 575,25 37, — 37,10 36.45 36,55 107,97 108,27 109,72 110,02 224,45 245,05 225,95 226,55 140,17 141,17 4081,50 4303,50 Züricher Devisenmarkt. 20. 5. 22. 5» Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. = 203.40 204.- Deutschland 100 Mk. -- 1.755 1.70 Wien 100 Kr. --- 0.05 0.05 Prag 100 Kr. — 9.975 12.57 Paris 100 Fr. — 47.55 47.55 London 1 £ --- 21.33 23.35 Italien 100 L. = 26.75 26.95 Brüssel 100 Fr. -- 43.50 43.55 Budapest 100 Kr. = 0.65 0.63 Reuyork 100 $ — 524.25 524-75 Agram 100 Kr. — 1.85 1.86 Warschau 100 Är. -- 0,13 0,13 Marknotiernngen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 19.5. 20.5. Zürich Fr. 125.40 1.75 1,73 Amsterdam Fl. 59.20 0,87 0,85 Kopenhagen Kr. 88.80 1,51 1,60 Stockholm Kr. 88.80 1,32 1,30 Wien Kr. 117.80 Prag Kr. 117.80 17,40 London Sh. 97.80 1,32 1,33 Reuyork $ 23.80 -.,33 -,33 Paris St. 125.40 3,69 3,67 Mainzer Produktenbörse. Mainz, 19. Mai. Die heutige Börse verlief bei mittlerer Nachfrage ruhig aber fest. Die Forderungen für Getreide stno etwas höher. In Braugerste war das Angebot verhältnismäßig gering und die Stimmung etwas belebter. Das Saatengeschäft ist wenig nennenswert, da die Saison als beendet angesehen werden kann. In Hülsenfrüchten war die Nachfrage eine etwas bessere. Cs notierten per 100 Kilo loco Mainz: Weizen 1525, Roggen 1175, Hafer 1325, Braugerste 1400, Futtergerste 1250, ml. Weizenmehl 00 2300, ml. Weizenmehl Spez. 0 2100, Weizenmehl mit Auslandsmehl gern. 2200, amerif. Weizenmehl 2300, Roggenmehl 70p rvz. 1550, Weizenkleie ohne Sack 885, Roggenkleie ohne Sack 885, Mats 1250, Maisschrot 1275. Futtermehl 975, ital. Luzerne 7800, provenc. Luzerne 8000, ital. Rotklee 8000, inl. Rotklee 6000, Deutsche Linsen 2600, weiße Bohnen 1475, LViktvria-Erbsen, gesch^_1850, Vik- toria-Erbsen, ungesch., 1550, Burma-Reis II 2000, Auslandszucker 3100, Haferflocken 2150, Graupen 2150, Wiesenheu lose 750, Kleeheu lose 740, Haferstroh 365, Roggenstroh 360. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Die Rede Rathenaus. Paris, 20. Mai. (WB.) Der „Petit Part* sien" schreibt: Minister Dr. Rat he naa habe gestern in Genna erklärt, daß, um Europa wieder aafzurichten, das Vertrauen wieder bergen stellt werden müffe. Unglücklicherwnje habe aber diese schöne Maxime nur dann Wert, toznn sie sich in Handlungen tunbgebe. Deutschland liefe aber in dieser Beziehung viel zu wünschen übrig. Um das gegenseitige Vertrauen herzustellen, fei es nötig, dah man das Gefühl habe, daß Deutschland aufrichtig die Klauseln des Frte- densvertrages ausführe.. Glaube Dr. Rathenau wirklich, dah es ein gutes Mittel sei, auf einer internationalen Konferenz, zu der man durch ein außerordentliches Wohlwollen erngeladen worden sei, einen Vertrag wie den deutsch- russischen unter Bedingungen zu unterzeichnen, die befürchten ließen, er bewirke eine Bedrohung für die Unabhängigkeit Polens und den Frieden Europas? Vor wie nach Genua müsse man in Frankreich Vedauerlicherweise feststellen, dah das Ministerium Wirth-Rathenau nur schöne Reden halten könne, daß es aber in der Praxis sich genau so benehme wie alle Regierungen, die in Deutschland seit dem Waffen;ttUftand aut= einander gefolgt seien. Tschitscherin beschwert sich Lber Lloyd George. L o n b o < 20. Mai. (WTB.) In einer Unterredung mit dem Sonderberichterstatter der „Daily Rews' in Genua gab Tschitscherin seinem UnwillenAusdrucküberLlohdGeor- ges nicht herausgeforderte Angriffe auf die Sowjetregierung. Er sagte, die Russen hätten gehofft, daß man sich ohne Rücksicht auf die bestehenden Meinungsverschiedenheiten in Gutem trennen würde, und er selbst habe sorgfältig alles vermieden, was zu einer polemischen Debatte hätte führen können. Er müsse offen gestehen, daß das Geschehene den Russen große De- sorgnis wegen der Zukunft einflöße. Man müsse befürchten, daß die französische Regierung erneut daraus bestehe, im geeigneten Moment die Elemente des Problems herauszustellen, die zu Meinungsverschiedenheiten führen, statt zu versuchen, die Schwierigkeiten zu vermindern. Es wäre sehr leicht gewesen, daß die Worte, der Trennung in Genua Worte der Versöhnung und nicht des Streites gewesen wären. Trotz- alledem sehe er noch große Hoffnung auf die Konferenz im Haag. Für die kommenden Verhandlungen sei Uebereinstimmung notwendig, zu deren Herbeiführung die Russen es nicht an gutem Willen fehlen lassen würden. Aber sie hätten es nicht nötig zu drängen, sondern sie könnten es sich leisten zu warten. Lloyd Georges großer Fehler sei gewesen, dah er geglaubt habe, seine Beschlüsse diktieren zu können, weil die Russen in einer verzweifelten Lage seien. Abreise der Engländer. Genua, 19. Mai. (WLB.) Die britische Delegation unter Führung von Lloyd George ist heute nachmittag V20 Ahr nach London a b g e r e i st. Ein neuer französischer Botschafter m Berlin. Paris, 20. Mai. (WTB.) Das „Journal" berichtet aus Berlin. Botschafter Laurent werde heute nach Paris abreifen, um den Tag fest- zufehen, an dem er seinen Berliner Posten verlasse. Der Berichterstatter will in diplomatischen Kreisen erfahren haben, die Wahl Poincares werde auf Maurice Her bette, den Direktor im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, fallen, der feinen Posten im Monat Juli antreten werde. ten. Ob es nun die langhingestreckten Hügel seiner nächsten Umgebung mit ein paar mächtigen alten Eichen waren oder ein Abhang mit den ihm sehr liegenden Kiefern, oder die alle Steinbrücke in Goßfelden mit dem mächtigen Sichenstamm als Eisbrecher, der dann einer ausrangierten allen Eisenbahnschiene hat weichen müssen, oder die Melnau oder der Frauenberg mit feinen großartigen Dasaltsäulen, oder die wie eine Insel die weite Ohmebene überragende Amöneburg oder fein geliebtes Marburg mit dem Landgrafen- schloß und dem Forsthof und der Elisabethkirche und den lauschigen Ecken und Winkeln, oder die beiden Bruderburgen des Gleiberg und Vetzberg, oder der Christenberg, die uralte heilige Stätte Oberhessens, — überall brachte er die Heimat, und damit flutete ein Strom von Liebe und Glück zu dielen Herzen. Wer kann die vielen Einzelbilder aufzählen, die er unermüdlich schuf, keins seelenlos, keins ohne Geist. Weit verbreitet sind die Mappen und Hefte „Aus All-Marburg", „Rings um Marburg", „Burgen und Städte an der Lahn", „Alt-Kafsel", „Der Rhein" ufw. Die fast unzähligen Kcnften von fast ganz Oberheffen, von Lich anb Arnsburg, von Lauterbach und Gisenbach, von Schlitz und Alsfeld, von Friedberg und Büdingen haben feinen Ramen weit in die Lande getragen. Ein wahrer Schah ist uns Hessen in den von Ubbelohde illustrierten Jahrgängen des von Christtan Rauch in Gießen 1906 ins Leben gerufenen und bis heute trotz der Ungunst der Zeiten fortgeführten Kalenders Heffenkunst geschenkt. Beim Durchblättern empfindet man immer wieder von neuem das Glück, daß gerade unser Land einen solchen Künstler hervorgebracht hat. Und bann seine Märchenillustrationen. Hätten das die Gebrüder Grimm erlebt, dies völlige Sichversenken eines begnadeten hessischen Künstlers in die uralten Märchen