Nr. 69 Der Siebener Nnzeiaer erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. MonallichrSezugspreise: Mk 11.50 em|d)l. Träger- lohn, durch die Post Mk. 14.- einfdjl. Bestell- gelb, auch bet Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: fürbieSd)nftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Liehen. Poftfdjedtonto: Sranffurt a. Ifi. 11686. (Elftes Blatt 172. Jahrgang Mittwoch, 22. März 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: Vrühl'fche Univ.-Vuch- und Steinöruderci R. Lange. Sdfriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno 34 mm Breite örtlich 90 Pf., auswärts 120 Pf., für Reklame Anzeigen von 70 mm Breite 350Ps. Bei Platz- Vorschrift 20° ° Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug Goetz Verantwortlich für Polittk. Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in ®iefjen. Die Entscheidung der Reparationskommission. DaS Stcucrkompromih als nngcnügeud bezeichnet. Paris 22. März. (WTD.) Die Entscheidung der Reparativ nskommission geht dahin, baß Deutschland im Jahre 19 2 2 7 20 Millionen G oldmark in bar unb für 1450 Millionen Goldmark Sach - liefe r ungen zu leisten hat. Dis jetzt bat Deutschland 281 948 920,44 Goldmark gelci 'et. infolgedessen sind noch 438 051 079,51 Goldmark zu bezahlen, und zwar wie folgt: 18 051 079,51 Gold- mark am 15. 4.. je 50 Millionen am 15. 5.. 15. 6., 115. 7.. 15. 8. 15. 9. und am 15. 10., je 60 Millionen Goldmark am 15. 11. und am 15. 12. Don den Nachlieferungen gehen 950 Millionen an Frankreich, der Rest an die übrigen Alliierten. Als Sachleistungen werden die Erträgnisse des britischen Recoverh A t alle durch' ähnliche Dispositionen eingegangenen Deträge anderer alliierten Regierungen auf Grund der Entscheidung vom 3. 3. 1921 angesehen. Sollte eine Obstruktion der deutschen Regierung oder ihrer Organisationen in den Sachleistungen festgestellt werden, dann wäre cher dadurch entstandene Fehlbetrag Ende 1922 in bar zu entrichten. Hinsichtlich der Finanzresorm stellt die Reparationskommission in einem an frm Reichskanzler ge ichteten Schreiben fest, das; LarSteue' k^mpromitz wederdenDer- p f l i ch t u a c n Deutschlands noch seiner Zahlungsfähigkeit entspreche. Die Reparativ i^t mmission gellt de.hab in '[ar- st er Meise fest, ta') sie eine tiefergehende Finanz reform und ein Aufgeben der bisher begangenen Irrtümer erwartet. Das Dudget der aus dem Friedensvertrage entstandenen ^.Vten befasse ein Defizit von 171 Milliarden Papiermark, das mit dem Defizit aus dem außerordentlichen Dudget und dem Budget für den öffentlichen Dienst ein Gesamtdefizit von 1831 » Milliarden ergebe. Das Defizit von 171 Milliarden sei. das müsse anerkannt werden, hinsichtlich der Reparationsschuld auf dem bis jetzt bestandenen Zahlungsplan auf« aebaut. Der provisorische Aufschub, der von der Reparation: tommission für die Zahlungen des Jahres 1922 gewährt worden sei, werde dieses Budget um ungefähr 50 Milliarden vermindern. Aber die Dudgetberechnung sei auf Grund eineö Kurses von 45 Papiermark für eine Goldmark erfolgt, während der Tageskurs 70 Papiermark sei. Das Netto-Desi-it von 126 Millliarden werde also bald überschritten werden: es sei denn, eine wesentliche» Verbesserung der Papiermarl trete ein. Es sei erklärt worden, daß das Deutsche Reich sich anschicke, eine innere Zwangsanleihe auf zu nehmen, aber der RevarationSkommission sei kein Dlan vorgelegt worden, der genügende Garantie biete dafür, baf> den Verpflichtungen aus dem Friedensvertrage Genüge geleistet werden könne. Deshalb sei die Reparationskommission der Ansicht, das) die Lasten aus dem Friedensvertrage in das Dudget einbezogen werden müßten in vollem Matze, in dem die Einkünfte Deutschlands dazu imstande seien, und datz das Kapital Deutschlands die übrigen Lasten aufbringen müßte: sei es auf dem Wege der Anleihe oder direkter Erhebung. Die Reparationskommission sei der Ansicht, datz schon das Budget für 1922 einen bedeutenden Teil der herabgesetzten Zahlungen decken müsse und das der andere Teil durch eine Kapitalsteuer aufgebracht werden müsse. Um die Ausgabe der deutschen Regierung zu erleichtern, sei die jetzige Entscheidung getroffen worden. Es müsse aber wohl verstanden fein, datz der (Zahlungsplan für 1922 nur provisorisch sei und datz dessen endgültige Aufrechterhaltung von der strikten Beobachtung der Bedingungen abhängig sei, die Deutschland auferlegt wurden. (Viiic Kritik des „Temps^. Paris, 2L März. (Havas.) In einer Besprechung der deutschen Steuern bemerkt der ,T e m p s", datz im deutschen Haush-altsplan die Einkommen st euer mit 20 Milliarden eingesetzt sei. Im nächsten Steuerjahr solle sie 23 Milliarden einbringen. Der deutsche Fiskus c^'bc als Einkommensteuer 10 Prozent vom Einkommen des Arbeiters und Angestellten. Das Blatt stellt die Frage, auf wieviel sich diese Einnahmen für das gesamte Reich belaufen könnten. Rach den 'Berechnungen des deutschen Statistischen Amtes hätten industrielle und Handelsunternehmungen am Ende des Jahres 1920 etwa 10 700 000 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Rehme man an. datz jeder von ihnen durchschnittlich vom 1. April 1921 bis 31. März 1922 50 Mark pro Arbeitstag verdient habe, das Jahr auf 300 Arbeitstage gerechnet und lasse man die 700 000 Arbeiter oder Angestellten weg, so finde man eine Summe von 150 Milliarden Mark als Gesamtbetrag der Löhne für die Arbeiter und Angestellten der deutschen Industrie unb des deutschen Handels. Bei Erhebung einer Steuer von 10 Prozent des Arbeitslohnes würde sich unbeschadet der Lohnausfälle durch Streiks usw. ein Betrag von etwa 11 Milliarden Marl für das laufende Steuerjahr ergeben müssen. Da die Cinlommensteuern im ganzen nur auf 20 Milliarden veranschlagt seien, blieben noch 9 Milliarden aufzubringen. Run aber seien bisher eine ganze Reihe von Kategorien noch nicht in Betracht gezogen, so die Arbeiterinnen und weiblichen Angestellten der Industrie und des Handels, die selbständigen ländlichen Grundbesitzer unb Päch- I ter. die landwirtschaftlichen Arbeiter, die Beamten und Angestellten des Reiches, der ßän- | der unb der Städte, die Borsihenden der industriellen Unternehmungen, die selbständigen Handwerker usw. Diese Steuerpflichtigen hätten offenkundig alle zusammen viel mehr als 9 Milliarden zu bezahlen. Daraus geht hervor, datz die Einkommensteuer in Deutschland in einer ungenügenden Weise erhoben werde. Das Blatt schließt, für das lausende Steuerjahr erscheine eine Einnahme von 20 Milliarden lächerlich niedrig: die für das nächste Steuerjahr vorgesehenen 23 Milliarden erschienen in Anbetracht der Markentwertung als reine Absurdität. Die Absichten Lloyd (tzcorges. London, 21. März. (WTD.) Chamberlain bestätigte heute nachmittag im Unterhause, datz Lloyd George vor seiner Abreise zur Konferenz von Genua int Unterhause eine A b - stimmung über die Stellungnahme der Regierung auf der Konferenz stattfinden lassen werde. Chamberlain teilte ferner auf eine Anfrage Kenn- worthys mit, datz die Genueser Konferenz wie vereinbart am 10. April beginnen werde. Chamberlain fuhr fort: Ich ergreife diese Gelegenheit, um dem Hause mitzuteilen, datz der Premierminister nach der Ruhe, die er auf 'ärztlichen Ratschlag zu nehmen gezwungen war, auf seinem Platz im Unterhause am 3. April sein werde. (Lauter Beifall.) Er werde dann sofort die Ansicht des Hauses über die Politik der Regierung bezüglich der Genueser Konferenz einholen. Zur Ernennung Wicdfcldts zuin amerikanischen Botschafter. -Berlin,21. März. (WTD.) Der Reichspräsident hat Geheimrat Dr. W i e d f e l d t zum Botschafter in Washington ernannt, nachdem diesem das Agrement der amerikanischen Regierung erteilt worden war. Die Reichsregierung trug hierdurch den vielfach ge- äutzerten amerikanischen Wünschen Rechnung, datz für diesen Posten ein hervorragender Vertreter des deutschen Wirtschaftslebens in Aussicht genommen werden möge. Durch die Entsendung des für den Wiederaufbau Deutschlands bedeutungsvollen Mannes brachte die deutsche Wirtschaft den Interessen ihrer Politik ein dankenswertes Opfer. Ein Protest der Polizeibeamtcn gegen die Entente. Berlin, 22. März. Eine von dem Ver- band der Polizeibeamten Preußens einberufene Versammlung nahm gestern eine Entschließung an, in der es heißt, die Polizeibeamten Groß-Berlins erheben schärfsten Protest gegen die erneute Einmischung der Entente in die innere Organisation der preußischen Polizei und fordern, daß die preußische Regierung nichts unterläßt, das Polizeiwesen zu einer einheitlich gestalteten Volkspolizei umzugestalten. Die Antwort der Botschafter- Konferenz in der oberschlesischen Schadenersatzftage. Berlin, 21. März. Die Botschafter- k o n s e r e n z übersandte der deut s ch c n Botschaft in Paris folgende Rote: Herr Geschäftsträger! Sie haben der Botschafterkonferenz am 13. Dezember eine Rote zugehen lassen, in der die deutsche Regierung die Forderung an die alliierten Mächte stellt. Ersah für die Schäden zu leisten, die im Abstimmungsgebiet während der Desatzungszeit durch die verschiedenen volnischen Aus stände entstanden sind. Die deutsche Regierung stellt die Behauptung auf. datz die Vergütung für diese Schäden nicht aus den örtlichen Einnahmen geleistet werden darf, sondern datz sib von den alliierten Mächten selbst sichergestellt werden muh. Die Botschafterkonferenz beabsichtigt nicht im gegenwärtigen Zeitpunkt in eine Erörterung einzutreten, wer für die Unruhen in Oberschlesien als verantwortlich festzustellen ist, aber ihr Schweigen hierüber bary für Die Dotschafterkon- ferenz nicht dahin ausgelegt werden, als ob sie sich in dieser Frage irgendwie festlegte, aber ste hat die Pflicht, zu erklären, datz sie die in dem Schreiben tes deutschen Botschafters entwickelte These keinesfalls zulassen kann. Der Friedensvertrag sieht vor. datz die von der Kommission für die Verwaltung des Abstimmungsgebietes auszuwendenden Kosten aus örtlichenEin- no“mcn Gestritten werden. -Vergütungen für die fm Abstimmungsgebiet cntN.andenen Auf st a dsschäden müssen demnach selbstverständlich in diese Ausgaben einbezogen werden. Für den Fall, datz die örtlichen Einnahmen nicht ausreichen sollten, müßte festgestellt werden, unter welchen Bedingungen die Entschädigungen zu leisten wären, aber eine Verantwortlichkeit der alliierten Mächte kann niemals in Frage kommen. Keine Bestimmung des Friedensvertrages berechtigt die deutsche Regierung zu der von ihr aufgestellten Behauptung, datz die Vergütung für diese Schäden den alliierten Mächten zur Last zu legen sei. Ich habe die Ehre, Sie zu bitten, dieses Schreiben in Beantwortung der oben erwähnten Rote zur Kenntnis der deutschen Regierung zu bringen, gez. PoincarL Eine Kundgebung des gemeinsamen Provinzialtags vouAiedcrschleficu und Oberschlesicn. B r e s l a u, 21. März. (WB.) Der g e m e i n- same Provinziallandtag der Provinzen Riederschiesten und Oberschlesien hat in seiner Eröffnungssitzung folgende von allen Parteien beantragte Entschließung einstimmig angenommen: Als der Provtn- ziallandtag im April des vorigen Jahres auseinanderging, standen wir unter dem erhebenden Eindruck der glänzend verlaufenen Ad l immung in Oberschlesien, und deren unzweiselhastem klarem Ergebnis. Wir rechneten bestimmt darauf, datz unsere Heimatprovinz ungeteilt und unr ecstüm- melt bleiben würde. Diese Erwartung betrog uns. Wider Recht und Gerechtigkeit fiel der Genfer Entscheid gegen ans. ge .cn dm unzw i deutigen Volkswillen und gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages aus. Wenn wir auch machtlos, wie wir si.rd, uns der Gewalt fügen müssen, so wollen wir doch von Die,er Stelle aus einen weit vernehmbaren Lauten Pro e,l geg.n das uns widerfahrene Unrecht erschallen laßen. In tiefster Trauer gedenken wir der Hundert- tausende deutscher Brüder und Schauern, Die von uns und» ihrer Heimatprovinz lo^gech e i, Dem härtesten aller Schi äs a le v.r.ielen, ihr Vattrlanv zu verlieren. Wir vertrauen auch jezt auf Die Gerechtigk it der Weltgesa-iehte u.iD hatten unseren deutschen D.üD.rn Du dr ben Die Treue über Rot und Verfolgung, über Raum und Zett! General Smuts über das Eude das Aufruhrs in Südafrika. London, 21. März. (WTD.) Wie aus Kapstadt gemeldet wird, wurde General S m u t s, als er im südafrikanischen Parlament über die Rieder- werfung der Revolution berichtete, eine große Ovation bereitet. Der Premierminister erllürte, das Land sei einer ungeheuren Gefahr entronnen. Revolutionäre, die die Führung des anfangs industriellen Streiks übernommen, hätten gehont, bevor die Kräfte des Gesetzes und der Ordnung mobilisiert werden könnten, ihre eigene Regierutzg zu errichten, Hinrich ungen zu vollziehen und in Johannesburg ein Blutbad anzurichten. Sie hätten nach der Errichtung einer Sowjetrepublik gestrebt. Smuts sagte, die Regierung habe befchlofsen, die Schuldigen von den gewöhnlichen Gerichten des Landes aburteilen zu l a f- s e n. Zahlreiche Personen würden unter der Beschuldigung des Mordes vor die'Gerichte gebracht werden. — Ein Vorschlag, eine Untersuchung der Unruhen durch den Völkerbund vornehmen zu lassen, wurde von Smuts zurückgewiesen mit der Begründung, Südafrika fei vollkommen in der Lage, seine eigenen Angelegenheiten zu regeln. Eiu Attentat auf den chiucsischen Gesandten in Paris. Paris, 21.März. (WTB.) Der chinesische Gesandte in Paris, Chon Qu, wurde, als er kurz nach Mitternacht in Begleitung seiner Frau und eines befreundeten Ingenieurs von einer Gesellschaft im Auto nach Hause fuhr, durch eine auf ihn abgefeuerte Revolverkugel am Kopse verletzt. Der Chauffeur war in dem Glauben, daß ein Reifen geplatzt sei, unö fuhr noch um« gefähr 50 Meter weiter. Der Minister ließ den Wagen Halter und Dann bis zu Der Stelle zu- rückkehren, wo Die Schüsse gefallen waren. Er fanD Dort Den chinesischen Konsul Litkhin vor, Der zusammen mit Dem Gesandten die Abendgesellschaft verlassen hatte und Den Täter sah. Rach Der Aussage Litkhins gab ein Chinese v i e.r Revolverschüsse auf Das kleine Hintere Fenster und Die rechte Seite Des Wagens ab und ergriff Darauf Die Flucht. Der Gesandte muhte ins Krankenhaus gebracht werden, wo die Kugel Durch eine Operation entfernt tourDe. Paris, 21. März. (WTB.) Bei Dem Attentat auf Den chinesisschen GesanDten in Paris handelt es /ich um Den Studenten namens L i H e Ling. Der Attentäter hat sich heute Dorrn ttag der Polizei selbst gestellt. Die Schätze der russischen Städte nud Klöster. Kopenhagen, 21. März. (WTB.) Rach einer Dlättermeldung werden gegenwärtig in ganz Rußland die Schätze der Kirch en und Klöster beschlagnahmt. Im Iusjewski- kloster in Rowgorod wurden allein Gold, Silber und Brillanten im Werte von einer Million Goldrubel eingezogen. Rach in Moskau eingetroffenen Berichten wurden zahlreiche Klöster und Kirchen von Diebesbanden geplündert Minister Gröner über die Eisenbahnen. Berlin, 21. März. (WTD.) Im Haupt- ausschuß desReichstags hat bei der Beratung des Haushaltsplans der Reichseisenbahnen Reichsverkehrsminister Gröner üder die gegenwärtige Lage der Reichseisenbahnen berichtet. De>- ordentliche Haushalt für 1922 einschließlich des noch zu erwartenden Rachtragsetats schtteht mit 97 Milliarden ab, der außerordentliche Haushalt mit 17 Milliarden. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr betragen 11,6 Milliarden, die au8 dem Güterverkehr 83,3 Milliarden. Die sonstigen Einnahmen belaufen sich auf 2,1 Milliarden. Die Ausgaben für Gehälter und Löhne stellen sich auf 42 Milliarden und für sachliche Ausgaben sind 50,7 Milliarden notwendig. Der Schuldendienst beanspruchte 4,4 Milliarden, der Detriebsüberschuh betrug 4,5 Milliarden. Damit ist der Fehlbetrag, der noch 1921 vorhanden war, beseitigt. Aufgabe der Eisenbahnverwaltung müsse sein, im kommenden Wirtschaftsjahr mit aller Energie und Rücksichtslosigkeit Dafür zu sorgen, daß Der Haushalt im Gleichgewicht bleibe. Im Etat für 1922 hätten u. a. folgende Preiserhöhungen Der Eisenbahnmaterialien zugrunde gelegt werden müssen: Für Kohlen das 75fache des Friedenspreises, für Schienen das 64fache, für Msenschwellen das 70fache, für Holzschwellen das 50fache und durchschnittlich 68fad>c des Friedenspreises von 1913. Ab 1. April würden angesichts der riesigen Steigerung der Materialpreise und Gehälter die Gütertarife eine 40prozen- tigc Erhöhung erfahren. Auf die P e r s o n a l p o l i t i k der Reichseisenbahnen eingehend, betonte Der Minister, daß unzweifelhaft eine gewisse Beruhigung unter der Beamtenschaft eintrat. Er verschließe sich nicht der Ansicht, daß, wenn der Staat mit Recht fordere, daß die Beamten keinesfalls streiken Dürfen, Der Staat Dann auch Die unbedingte Verpflichtung habe, ausgiebig für Die Beamtenschaft zu sorgen, und zwar in einer Weise, daß die Beamtenschaft aus jeder wirtschaftlichen Rot herauskäme. An Disziplinarverfahren seien rund 350 anhängig und bisher 120 eingestellt. Von den Kündigungen bei den kündbaren Beamten wurden insgesamt 233 aufrecht erhalten. Ich bin felsenfest überzeugt, sagte der Minister weiter, daß das Unternehmen der deutschen Reichseisenbahnen in seinem inneren Kern absolut und auch finanziell gesund ist. Ratürlich bedürfe es einer gewissen Zeit, um Die Schäden wieder gut zu machen, Die der Krieg im Eisenbahnwesen verursacht habe. Auch was der Achtstundentag ausbrachte, muh wieder hereingeholt werden. Er sei überzeugt, daß die Reichseisenbahnen für das deutsche Volk Den wertvollsten Besitz darstellen, sofern es Geduld habe. Im neuen Jahre würden, nachdem der Etat nun balanciere, d e Leistungen von Monat zu Monat weiter steigen. Aus dem Reicde. Die Getreide- und Kartoffelversorgung. , Berlin, 22. März. Heber den Verlauf Der gestrigen Sitzung Der in Berlin tagenden Konferenz Der Ernährungsminister Der Länder teilt der „Vorwärts" mit, daß alle Länder mit Ausnahme von Bayern, dessen Vertreter sich eine endgültige Stellungnahme vor- behielt, für die Beibehaltung der ©ctrelbe- Umlage sich aussprachen. Von verschiedenen Seiten wurde sogar verlangt, daß der Ge,amt° bedarf an Brotgetreide durch Die Umlage gedeckt toerDen soll. In bezug auf die Kartoffel- Versorgung würben Maßnahmen festgelegt, um für das kommenbe Wirtschaftsjahr bie Versorgung ber Bevölkerung mit Kartoffeln zu angemessenen Preisen zu sichern. Die Verhandlungen werben morgen fortgesetzt. Die Honorarfrage der Aerzte. Berlin, 22. März. Mit dem 1. Aprst tritt für Preußen eine neue ärztliche Gebühr enorbnung in Kraft, bie vom Minister für'VolkSwohlfahrt erlassen worben ist. Die neuen Taxen lassen zwischen ben Minbest- unb Höchstsätzen, die der Patient zu zahlen hat, einen außerordentlich wetten Spielraum. So werden z. B berechnet für Beratungen in ben Sprechstunden 10—200 Mk., für Besuche im Hause bes Kranken 20-400 Mk., bei Rächt 40-600 Mk Heute beginnen unter bem Vorsitz bes Reichsarbeitsministers zwischen ben Spihenorgani- fationen der Aerzteschaft unb den Krankenkassen Verhandlungen über die Honorarfrage. Es soll versucht werden, zu einer Einigung zu kommen, um noch in letzter Stunde den drohenden Konflikt zwischen den Krankenkassen unb Aerzten zu Der- Anklagematerial des deutschen Roten Kreuzes unterdrückt. B e r l i n, 22. März. Auf bem 10. t n t e r n a tionalen Kongreß der Roten Kreuze vor etwa einem Jahre In Genf war die Einsetzung einer Kommission beschlossen worden, welche die während des Weltkrieges von ben beiben Kriegs- Parteien gegeneinanber erhobenen Beschulbigungen wegen Verletzung der Genfer Konvention nachprüfen sollte. ^)ie kriegführenden Länder sollten bis zum 15. Oktober 1921 dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz ihr Anklagematerial einreichen, damit es der Kommission zur Prüfung unterbreitet würde. Dieser Versuch, die von beide:' Kriegsparteien gegeneinander ei) ebenen Beschuldigungen vor einem neutralen Forum zum Aus- trag zu bringen, ist jedoch, wie die „©ermania“ hört, gefiltert Das Deutsche Rote Kreuz hat das deutsche Anllagematerial in Form einer Denkschrift dem Internationalen Komitee in Genf fristgerecht eingereicht. Angeb ih ist das Gleiche nur noch von fetten des Roten Kreuzes eines einzigen kriegführenden Landes geschehen. Das Internationale Komitee hat nun den Roten-Kreuz-Derbänden ein Rundschreiben übermittelt, in dem es erklärt, daß es sich außerstand e sehe, den Beschluß durchzuführen. In bem Runbschreiben wirb als Begrünbung für biefen Rückzug angeführt, baß, da bie Zeugen in alle Welt zerstreut ober verschwunden und dte Beweismittel zum Teil vernichtet seien, es nicht mehr möglich sei, ben Sachverhalt etntoanbfrei festzustellen. Außerbem würbe Die Untersuchung keine v-rsöhnende Wirkung haben, sonbern Die Haßgefühle ber früheren Krtegsparteten von neuem entfachen. Schillers an. indem sie ihr auch den literarischen Nachlaß ihres Ahnen Übergaben. Das hohe Vertrauen. das mit dieser Spende in die Fürstin gesetzt war, wurde von ihr vollauf gerechtfertigt, und es war die Erfüllung ihres höchsten Lebens- Wunsches. als sie ein Jahr vor ihrem Lode den stattlichen Dau des Goethe- und Schiller-Archivs einweihen konnte, das seitdem der Mittelpunkt alles Studiums unserer klassischen Dichtung geworden ist. Auch bei der Gründung der Goethe- Gesellschaft. bei der Ausgestaltung des Goethe- Sahrbuches war sie unermüdlich tätig. Um dir chätze des Archivs der Willenschaft und dem Volk nutzbar zu machen, faßte sie den großen Plan, sämtliche Werke des Dichters auf Grund der Handschriften herausgeben zu lassen, und diese Sophien-Ausaabe. die auf ihre Initiative hin begonnen wurde, ist jetzt mit ihren vielen hundert Bänden vollendet, das großartigste Denkmal, das je einem Dichter geschaffen worden ist. Sie ist selbst die erste Arbeiterin in ihreni Archiv gewesen, und ihr Name wird unvergessen bleiben, solange der schöne Bau und sein kostbarer Inhalt bestehen. * — „Mückentan von Eulenberg. Aus Düsseldorf wird uns geschrieben: In dem Spiel in 30 Bildern „Mückentan z", das im Düsseldorfer Schauspielhaus zur Aufführung kam, will Eulenberg ein Abbild unserer Zeit geben, schildert Metermenschen und Genieathleten, Sterngucker und Freudenmädchen, Idealisten und Realisten in kunterbuntem Tanz. Was sie aber zusammenkettel, ist so banal und seicht, das. was da geschieht, ist so trivial und alltäglich, das) man es in jedem Kolportageroman besser lesen kann. Hie und da blitzt einmal ein Wort, ein Gedanke auf, der in dem allgemeinen Geschehen wie Diamant glitzert, aber sein Glanz ist Talmi, ist, als ob man ihn irgendwann, irgendwo schon einmal hätte aufleuchten sehen. So zieht das ganze vorüber wie ein Schemen. Der Felsen zyklopenhaft zu türmen versprach, spielt heute mit Mückentanz. Und das soll Abbild, Konterfei, Kritik unserer -Zeit fein! Das Schauspielhaus machte durch erstklassiges Spiel das Unerträgliche zur Erträglichkeit: die Langeweile aber, die auf allen Bänken lagerte, konnte auch das nicht bannen. Am Ende .klang spärlicher Beifall, in den sich ein paar unwillige Zischer mischten, die den Widerstand resigniert aufgaben. Aus Stabt unv 9and. Dietzen, den 22. März 1922. ** Amtliche Personalnachrich- t e n. Ernannt wurde am 9. März der Kanz- leigehilfe Georg Orth zu Mainz zum Kanzlisten bei dem Amtsgericht Mainz. — Ernannt wurde am 15. März 1922 der Justiz- inspektor Julius Dahmer zu Ober-Ingelheim zum Jusrizinspettor bei dem Amtsgericht Offenbach. — Ernannt wurde am 15. März de. Elektrotechniker bei der Hessischen Eisenbahn- Aktiengesellschaft Oskar Wilhelm in Darmstadt zum zwecken Betriebsleiter an der Landes-Heil- und Pflegeanstalt „Philippshospi- tal“ bei Goddelau mit Wirkung vom Lage seines D.enftant.itts. — In te/i Rrh stand wurde versetzt am 13. März 1922 der Oberjustiz- sekretär Wilhelm Usinger bei dem Amtsgericht Ulrichstein auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1922 ab bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste. ** „Offene Sonntage“ vor Oflern Auf Grund des § 105 b Absatz 2 der Reichs- gewerbeocdnung (in der Fassung der Reichsver- ordnung vom 5. Februar 1919) ist an den beiden Sonntagen vor Ostern, den 26. März und 2. Apri! dieses Jahres für alle Geschäftszweige des Handelsgewerbes der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen und die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags zugelallen. ** Hessisches Berkehrsbuch. Die Teuerung trägt den Fremdenverkehr auf völlig neue Bahnen. Für Erholungsuchende kommt hinfort ^nur mehr das Nachbargebiet der engeren Heimat in Betracht. Oberhessen darf wegen seiner landschaftlichen Vorzüge aus einen starken Fremdenstrom während der Reise- und Ferienzeit rechnen. Gastwirten. Kaufleuten und Gewerbetreibenden ist eine Steigerung der Verdienstmöglichkeiten bitter not. Um nun möglichst jeden Ort zu fördern, beabsichtigt der Verband Hessischer Verkehrsvereine die Herausgabe einer wirkungsvollen Werbeschrift. Das in hoher Auflage erscheinende „Hessische Verkehrsbuch“ wird planmäßig versandt. Cs preist die Schönheit des Hessenlandes: Rhein, Odenwald, Wetterau. Vogelsberg und Umgegend. Von den 50 000 Mark betragenden Kosten sind zur Zeit etwa 25 000 Mark gedeckt. Alle Bürgermeistereien und Körperschaften, die den Verkehr zu fördern berufen sind, werden um Einzahlungen auf das Postscheckkonto des Hessischen Verkehrs-Verbandes (Nr. 12 622, Amt Frankfurt) gebeten. — Photographien malerischer Orte lWetterau, Vogelsberg), die den Abschnitt„Oberhessen" des Verkehrsbuches schmücken sollen, sind umgehend Professor F. Dreher in Friedberg zu übermitteln. Die Kosten für den Druck eines jeden Bildes betragen 300 Mark. *• Ortsgruppe Gießen herrnat-- t-r euer Oberschlesier. Vorgestern abend fand zur Feier der ersten Wiederkehr des L Jahrestages der Abstimmung in Öfter» schlesien im Postkeller eine gut besuchte Festver- * fammlung der hiesigen Ortsgruppe der heimat- r treuen Oberschlesier statt. Folgende - Protest-Be- ' schlüfse wurden bei der Sitzung gefaht: „Wir erheben den schärfsten Protest gegen den Genfer Schiedsspruch, weil er weder dem Ergebnis der Volksabstimmung entspricht und im Widerspruch zu dem Versailler Frirdensvertrag steht. Ober» schlesien ist eine anerkannte politische, geographische, wirtschaftliche und kulturelle Einheit. Eine -3ciTcit3ung dieses Gebietes muh für das dort wohnende Voll heute nicht absehbare Folgen zeitigen. Oberschlesien ist nur durch deutsche Kultur und deutsche Arbeit, deutschen Fleitz zu dem heutigen wirtschaftlichen Aufschwung gekommen, und durch die Zerreißung dieses Gebietes sind schwere Gefahren für Die Dortige Bevölkerung zu bejUrd)icn. Die Heimattreuen Oberschlesier im Reich stehen in Der Liebe zu unserer Heimat fest zusammen und rufen u feren Brüdern in Polnisch-Oberschlesien zu: Hartetaus, bis dieStundederGe- echtigkeit und desRechtes eingetreten ist! Im Auftrag der Ortsgruppe Gießen. >gez.) Dr. F. A. Wyneken, 1. Vorsitzender.“ •• Sie Demokratische Partei ließ gestern ab nd Geh. imrat Dr. M i 11 e r m a i e r Aber das Thema: „KannderDearntestrei- . c n", sprech n Leide shaft los sollte die F age :;act> den juri ischen Gesichtspunkten erörtert wer- en. Wns h.i ck streiken? Arb-itseinstel.ung ist ein Kampfmittel einer Gemeinschaft, ein Schlag er Arbeiterschaft gegen Arbeitgeber. Un er Ein- baltung Kündigungsfrist darf das mit vollem Recht gesehen. Ein Recht Dagegen ja streiken unter Vertrag b uch gibt es nicht, trenn auch uristisch der S.reik nicht vn'bote.r to rden k.mn. Das Reichsgericht entschied, der Streckende begeht zwar kein Unrecht, kann aber wohl zu Schadenersatz verpslich et fein. Wie steht es nun mit einem Beamten urcik? Wenn auch die Beschränkungen des Beamtenvereinsrechtes gefallen siird, so ist damit nicht ein Streikrecht ausgesprochen. Der Art. 159 D;r Reich v r as ung besagt ausdrücklich auf Betreiben der Sozialisten nichts von einem Koalitionsrecht. Absichtlich ist auch das Wort „Streikrecht“ weggelassen. sowie der Aasdruck „rech stoidr g" g.braucht. Also findet tz 152 der Gewerbe-Ordnung, der ein Streikrecht nicht kennt, verschärfte Anwendung b i Den Beamten. Arbeiter und Beamte sind in ijrer S el° lung völlig verschieden. Der Beamte ist Organ des Siaates. Dicker wieder ist keine Aktiengesellschaft. sondern das höchste Rechtsgeb.ld:, über Dem nichts steht. Die Gesamtheit. Wenn diese Gesamtheit Den Beamten anstellt, so ist das etwas ganz anderes, als wenn eine A.-G. einen Privat- angesieilten verpflichtet. Beamte find auf Lebenszeit angestellt. So wenig der Staat einen Beamten kundigen oder ihn ausfperren ka.m, kann Der Beamte kündigungslos streiken. Beamtenstreit ist Kamps gegen Den Gesetzgeber, gegen das Recht selbst, gegen das Volk, und wirkt in einem demokratischen 0'aate viel schlimmer als in einem monarchischen. Zulässig könnte Der Streik höchstens sein, wenn eine Eckstenz unter dem bestehenden Recht unmöglich werde: das sei aber nirgends Der Fall. Höher noch als das Recht mutz stehen Die Ordnung, Die ein Beamtenstr^ik verneinen würde. Aus alledem gehl hervor, Datz Der Beamte nicht streiken kann und darf, Da er sonst das ihn erhaltende Recht vernichten würde. ** Im Lichtspielhause in Der Bahnhofstraße geht seit gestern Der erste Teil des Filmwerkes „Das indische Gpabmal" in Szene. In Den Hauptrollen wirken bekannte Berliner Künstler nut, unter Denen in erster Linie Mia May genannt werden muh. Der Film stellt einen Abenteurerroman Dar, aber einen guten. Man bekommt trefflich gelungene Aufnahmen zu sehen, über Denen Der phantastische Zauber Indiens mit allen feinen Wundern und Schrecknissen .ruht. Ein Besuch der Vorstellungen — in Der I nächsten Woche folgt der zweite Teil — kann empfohlen werden. Bornotizen — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 7 Uhr: Heiterer Abend von Joseph Plaut. — Aus Dem Stadttheaterbureau. Arn Sonntag wird die Operette „Die blaueMazur" von Lehar zum ersten Male gegeben. Ein neues Werk vom Komponisten „Die luftige Witwe“ bedeutet stets für alle Freunde Der Operette ein Theaterereignis. Von Der „Blauen Mazur" kann behauptet werben, daß sich vornehme Musik mit hübschem Textbuch zu einem Ganzen vereinen, so daß sich bei der hiesigen Aufführung (Spielleitung: Goll, Dirigent: Knübel, Tänze: Oldini) derselbe Erfolg einstellen wird, wie überall, wo das Werk bisher gegeben wobden ist, z. B. in Frankfurt am Opernhaus. — Ueber Die Stellung Der höheren Beamten z u Den B e am tenfragen Der Gegenwart spricht morgen im Gesang- saale Des Realgymnasiums OberftuDienrat Alten- Dorf. (Näheres s. Anzeige.) Äceis Su)i)£tcn. ed. Eschenrod, 21. März. Heute morgen gegen 5 Uhr brach in der Hofreite des Baumwarts Schmidt aus noch unaufgeklärter Ursache Feuer .aus. Da günstiger Wind herrschte, konnte die Feuerwehr des Brandes rasch Herr werden und die Gefahr von den benachbarten Gebäuden abwenden. Nur der Hvlzstall mit größeren Mengen Brennholz wurde ein Raub der Flammen. Starkenburg und Rheinhessen. wd. Mainz. 21. März. Der Metallar b e i t e r st r e i k ist nunmehr vollkommen beendet. Die Arbeiter sind überall wieder in die Betriebe zurückgekehrt. In einigen grohen Betrieben kann die Arbeit jedoch erst in.den nächsten Tagen wieder ausgenommen werden, da Vorarbeiten für die Wiederaufnahme der normalen Tätigkeit in diesen Betrieben getroffen werden müssen. wd. Worms, 21. März. Eine Fliegerbombe, die wahrscheinlich von den Bombenabwürfen des letzten Kriegsjahres 1918 herrührt, wurde am Samstag nachmittag von einem Eisenbahner zwischen der Brun- hilden- und der Alzeyer Brücke gefunden. Die Bombe wird an der Fundstelle von einem französischen Posten überwacht. Hessen-Nassau. " F r a n k f u r t a. M-, 21. März. Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main hat bei der Stadtverordnetenversammlung beantragt. 10 0 0 0 0 Mark alsGabe d e r Stadt zur Goethewoche zu bewilligen. fpd. Dillenburg, 21. März. Auf der Eibelshäuser Hütte wurde der 16jäh- rige Arbeiter D i n s e l m a n n von den Puffern zweier Eisenbahnwagen t o t gedrückt. Schlichtnngsausschuj; der Provinz Oberhessen. Verhandlung vorn 21. März 1922. Die Oberhes fische Gruftengesell- schäft soll entsprechend ihrem Angebot vom 1. März an den Arbeitern ihrer Bauxitgrube in Stangenrod den Akkordsatz von 177 Mk. für die Tonne frei Waggon Grünberg um 10 v. H. erhöhen und die gesetzlichen Arbeitgeberanteile der Kranken- und Invalidenversicherungsbeiträge übernehmen. Die bisher von den Arbeitern selbst getragen wurden. Dom 15. März an soll sie jedoch weitere 10 v. H. und vom 1. April an weitere 5 v. H. des ursprünglichen Satzes zulegen. Gefordert waren 25 v. H. Zulage ab 1. Februar und Uebernahme Der Bettragsanteile. Für Die Arbeiter Der Freiherrlich Riedeselschen Ziegelei in Angersbach wurde gemäß Dem Arbettgeberangebot fol- genDes vorgeschlagen: Ab l.Wärz erhalten Die Maschinenarbeiter über 19 Jahren 10 Mark Stundenlohn. Die übrigen Arbeiter über 19 Jahren 9.40 Mark, über 18 Jahren 7 Mark ufto. Die Vllordgarantie Der OfenarbeUer beträgt 20 o. Sy, Die Der Maschinenarbetter 15 v. H. über Den Stundenlohn. Der Urlaub wird wie im vorigen Jahre geregelt, d. h. nach einem Jahr Beschäftigungsdauer 2 ‘Sage, nach jedem wetteren Jahr einen Tag mehr bis zu acht Tagen. Die grundsätzlich angebotene Lohnerhöhung ab 1. April 1922 wurde festgesetzt auf 50 Pfennig Stundenlohnzulage für alle Arbeiter über 19 Jahren, 40 Pf. über 18 Jahren ufto. Überstunden sollen gemäß der Forderung mit 1,50 M.. Sonntags- und Nachtarbeit mit 3 Mk. Stunden- lohnzulage vergütet werden. Im übrigen waren gefordert 11,90 Mk. Grundlohn ab 16. Februar, hierauf Zuschläge für die Ofen- -und Maschinen- arbetter, ein höherer Akkord und mehr Urlaub. Die jährliche Vergütung des Wasser- und R o h r m e i st e r s der Gemeinde Saasen bei ©rünbarg wurde entsprechend seinem Antrag ab 1. April 1922 auf 900 Mark, wettere 80 Mark für die Unterhaltung der Lampen und 100 Mark für Die Bedienung Der Uhren Der elektrischen Beleuchtung festgesetzt. Angeboten waren 370 QKL, 50 unD 30 Mk. ab 1. April 1921. Kirche und Schule. ' 2 5 j ä ft r i g e Lehrertätigkeir. In Diesem Jahre werden es 25 Jahre, Daß Lehrer K ö h r e s in Dorf-Gull seines Annes mattet. Eine ganze Generation hat er im Dorf he an» wachsen sehen und ihr jein Bestes gegeben. Lehrer and ©emeinDe verbindet Das schönste Einvernehmen miteinander. Wir wünschen dem Jubilar eine weitere, noch recht lange und gesegnete Wirk- famteit in seiner Gemeinde. ’ Sie erste Diesjährige Schluß» Prüfung Der Kandidaten Der evangelischen Theologie fand in Dm Amts» räumen des Obe.konsistoriums statt. Es beteiligten sich Daran 14 Examinanden, von Denen 5 aus Starkenburg, 4 aus Oberhes"s dr, 2 aus Rheinhessen und 3 aus P eucken sind. Sämtliche Kandidaten waren KckegTeilnehmer. X Wies eck, 21. März. Eine am Freitag abgehaltene Ve r sa mm lung evangelischer Männer und Frauen zeigte, daß es auch hier wohl möglich ist, beide Teile zur Besprechung kirchlicher Fragen ohne viel Aufgebot und Ausschmückung an einem Wochenabend zu vereinigen. Ein Vortrag von Pfarrer Sattler „Evangelischer Bund — Evangelische Gemeinde" gab in Anlehnung an das neue Arbeitsprogvamm Des Evangelischen BunDes Gelegenheit zur Besprechung brennenDer Kirchen- und Gemeindefragen. Gestreift wurden auch die Verhandlungen des Hessischen Evangelischen Landeskirchentages,dessen zu schaffende neue Kirchenverfassung später möglichst von einem Laien behandelt werden soll. Postsekretär i. R. Langohr berichtete über Die regelmäßigen Männeravenoe m tf.ieoberg und Lehrer Braunewell gab ein Bild von Den Einnahmen und Ausgaben Des hiesigen Zweig- Vereins des Evang. Bundes. Der neue Mitgliedsbeitrag von 10 Mk. wird auch hier für erstrebenswert gehalten. Doch sollen nach Der Lage Der Einzelnen auch geringere Beiträge willkommen fein. Mehr Veranstaltungen im nächstem Winterhalbjahr sollen Dann ermöglichen, den Verpflichtungen gegenüber Dem Bunv nacyzukommen.« In seinem Schlußwort erhoffte Der Vorsitzende von Der beide Geschlechter umfassenden Ortsgruppe Des Bundes, zu Der weitere Beitritte erfolgten, im Zusammenarbeiten mit Den anDeren kirchlichen Vereinigungen, weiteres Fortschreiten auf Dem Weg zur Leftendigmachung Der Gemeinde und Stärkung des evangelischen Ge- meindebewußtseins. h. Wenings. 20. März. Am gestrigen Sonntag konnte auch die hiesige Gemeinde ihr „Glockenfest" bei sehr starker Beteiligung der Bewohner von Wenings und Merkenfrih begeben. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Michel, legte feiner Weiherede die Worte, die die beiden Glocken tragen, zugrunde: „Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er fein Leben läffet für seine Freunde" und „Ehre sei Gott in Der Höhe und Friede auf Erden". Hierauf fang Der Männer- chvr von Wenings unter Der bewähren Leitung Des Lehrers Vogt Die Motette: „Der Herr ist mein Hirte", worauf Der Schülerchor Das Lied „Schon Die Abendglocken Hangen" vortrug. - Im NachmittagsgottesDienst sprach Pfarrer Iti m a n n - Mittelseemen über Das Thema: „Allerlei Glocken", worauf Lehrer Heusohn - Lor- bach einen Vortrag über „Die Geschichte Der Kirche zu Wenings" hielt. Der Redner schilderte besonders Die kirchlichen Zustände zur Zeit des 30jährigen Krieges, und wie aus der damaligen Stiftskapelle durch Anbau Die heutige Kirche entstanden ist. Ehe das Gotteshaus in seiner heutigen Gestalt entstand, befand sich die Mutterkirche in dem im 30jährigen Krieg zerstörten Orte Floßbach, eine halbe Stunde südöstlich von Wenings. — Die beiden neuen ©locken bilden mit Den Heiden alten ein harmonisches Geläute. Die eine Der alten, die sogenannte ..Hagelglocke", soll eine der ältesten ©locken von Oberhessen sein. Die andere trägt die Inschrift: „Ave Maria" und heißt Die „Marienglocke". Wietzener Srndtthealer. Romeo und Julia. Gießen, den 22. März 1922. Was uns Deutschen Shakespeare war und tfi. das soll hier nicht erschöpfend erörtert werden. Sein Einfluß auf die deutsche Dichtung seit Der Klassikerzeit ist bekannt. Die bahnbrechende Kunst Des großen englischen Dramatikers bestand darin, daß er zu einer Zeit, Die noch wesentlich anderen Anschauungen huldigte, in seinen Werken Menschen schuf, die nicht als tote Masken einherstolzierten, sondern mit Fleisch und Blut gestaltet waren. Alle Leidenschaften, Die im menschlichen Herzen stürmen können, in engster Verbindung mit durchaus individuell erscheinenden Trägern zeichnete das feine Charakterisierungsvermögen des Dichters. Darin liegt der unvergängliche Wert seiner Schöpfungen. Der äußere Kulturfirnis der Menschen ist dem Wechsel der Zeiten unterworfen, aber das menschliche Herz ändert sich nicht. Was wir im allgemeinen von der Lebenskraft der Werke Shakespeares sagten, das gilt in besonderem Maße von dem Trauerspiele „R o - meo und Julia“. Das klassische „Hohe Lied Der Liebe" wird in feiner erschütternden Tragik immer zu wärmster Teilnahme zwingen. Dieses Mitgefühl wird noch dadurch verstärkt daß im Gegensatz zu Den meisten übrigen Trauerspielen Shakespeares das Schicksal Romeos und Julias keine reine Charaktertragödie bildet. Beide Charaktere sind nicht so geartet, daß sie einen frühen und raschen Untergang bedingen. Die Möglichkeit eines glücklichen Ausganges stand durchaus offen, wenn nicht das Schicksal mit rauher Gewalt eingriff und den Boten Lorenzos an der lieber» Bringung des auftlärenden Briefes an Romeo hinderte. Unter der Fülle der Gestalten treten Die beiDen Liebenden scharf 6err>or. Die stärkste Sympathie erweckt Julia, Shakespeares Ibealgestalt des hingeftend liebenden Weibes. Wir vermöchten nicht zu lagen, daß Die Größe Der Liebe Julias übertroffen werden könnte, und doch erkennen wir. wie fein Der Dichter Die romanische Art berücksichtigt hat. wenn wir typisch deutsche Frauengestalten mit ihr vergleichen, wenn wir ihr Gretchen, K ithchen oder Ag"e8 Bernauer gegeniiEerfteDen. Der Charaller Romeos weist in seinem überaus raschen Wechsel der Gefühle zu große Schwächen auf, um in ans gleiches Mitgefühl zu erregen. Doch wir erkennen an dieser Gehalt besonders das bewußte Streben des Dichters, natürliche Menschen zu bilden, die ihre Schwächen nicht verbergen. Das gleiche läßt sich von den übrigen Personen des Stückes sagen, Deren Individualität ebenfalls so scharf umriffen ist, daß sie von dem verkörperndem Schauspieler ein völliges Cinleben verlangt. Diese Eindeutigkeit Der Rollen in den sh akespcarscheu Dramen bedeutet für den Schauspieler zugleich eine dankbare und schwere Aufgabe. Die Gestalten mit wirklich shakespearischen Geist zu beseelen, stellt an seine Kunst die höchsten Anforderungen. Das ist bei Der 'Beurteilung Der gelingen Ausführung zu berücksichtigen, um zu verstehen, warum manche Leistung nicht das gesteckte Ziel erreichte. Eine uneingeschränll gute Verkörperung fanDen Die Rollen des alten Hitzkopfes Capalet durch Georg Dadura, des Ähwadroneurs Mercutio Dird) Oskar Weigel, des frommen und doch verschlagenen Bruders Lorenzo durch Karl V o l ck und des haß- und zanksüchtigen Thftalt durch Karl Juhnke. Paul M e h n e r t zeigte als Peter und auch als Apotheker sein oft erprobtes Talent für komische Originale wieder im besten Licht. Auch Heinz B e ch st e i n s Fürst Escalus und Auguste M a r ck s Gräfin Capulet verdienen Anerkennung. "Georg H e d i n g bemühte sich mit Erfolg um die Rolle Benvolios. Auch die übrigen kleinen Rollen lagen in guten Händen. Nicht völlig meuterten Dagegen die Hauptpersonen alle Schwierigkeiten. Wladimir Brandes setzte ohne Zweifel seine ganze Kraft als Romeo ein, doch es gelang ihm nicht immer, Den von glühendsten Leidenschaften erregten Jüngling mit vollstem Leben zu beseelen. Ebenso fehlte Der Julia Karla Kellers das selbstvergessene Glück des zum ersten Male Die Liebe fühlenden Kindes. Doch das durch schwerstes Leid gereifte junge Weib tarn zu überzeugendem Ausdruck. Luise Ram- m e l war aL8 geschwätzige und gewiß auch ko- '.nische Anime oft nicht frei von starken ilebertrep b-ungen, worüber auch Die errungenen Heiterkeits- erfolge nicht hinwegtäuschen Dürfen. Willi Sim» m e r gab den alten Montagne mit zu viel Pathos und geriet in unvorteilhaften Kontrast mit dessen Widerpart Capulet. Die Spielleitung Adolf T r - lekhs hatte geschickt in 11 Bildern aus Den 5 Akten Des Trauerspiels, obgleich manche wert» volle Szene leider aus :echnischen ©runden gestrichen werden mußte, ein abgerundetes Ganzes zusammenzusteilen gewußt. Wenn man auf Kleinigkeiten eingehen will, so hätte vielleicht manchmal das Corps Der Statuten etwas lebhaftere Teilnahme zeigen können, was besonders für Die Szene auf Dem Marktplatz von Verona gilt. tr. * Eine Hüterin des Weimarer Geistes. (Zum 25. Todestage der Großherzogin Sophie, 23. März.) Weimar hat das Glück gehabt, eine Reihe edler Fürstinnen zu besitzen, die Dem Geist von Weimar Die schönste Pflege zuteil werden liehen. Die letzte dieser Reihe war nach Anna Amalia, nach Luise und Maria Paulowna die Großherzogin Sophie, eine niederländische Prinzessin aus Dem Hause Oranien, Deren Name fortlebt in Dem von ihr gestifteten Goethe- und Schiller- Archiv unD in Der Sophien-Ausgafte, Die in lückenloser Vollständigkeit Das gesamte Lebenswerk Goethes umfaßt. Dankbar müssen wir an ihrem 25. ToDestage Dieser gütigen unD tatkräftigen Frau gedenken, „einer Der freigebigsten und wohltätigsten Fürstinnen, Die es je gegeben, von einer fteftänDigen Schaffensfreude zum Wohle Der Menschen beseelt," wie sie Kuno Fischer genannt hat. Der geborenen NiederlänDerin fiel Die deutsche Sprache zunächst schwer, aber sie vertiefte sich in Das Studium der Weimarer Klassiker, die sie in ihrer ganzen Schönheit erfassen lernte. Ihre gemeinnützige Tätigkeit begann sie mit der Begründung des „Sophien-Stiftes", eines Pensionats, durch das die Grundlage für Die vielen Erziehungsinstitute Der StaDt gelegt wurde Im „Sophien-Haus" schuf sie eine Anstalt für Krankenpflegerinnen und hat überhaupt Anstalten aller Art, zur Bewahrung und Bildung Der Blinden und Taubstummen, zur Gesundheitspflege der Kinder, für Arme und Kranke ins Lebert gerufen. Schulen, Bibliotheken, Stiftungen wuchsen durch die Hilfe Der Herzogin, Die ihr großes Vermögen in vorbildlicher Weise ^verwendete Keiner klopfte unerhört an ihre Tür. Es ist buchstäblich richtig, wenn ein Landtags- aftgcorDneter einmal sagte: „In Weimar läßt sich niemand einen Rock machen, zu dem die Großherzogin nicht wenigstens die Knöpfe gibt." Das ..Göttliche“ im Menschen zu pflegen, war der Grundgedanke all ihres Tuns, und deshalb wurde sie auch zur Hüterin Der Geistesschätze, Die Weimar Der Welt geschenkt hat. Als Der letzte Goethe, Waller, starb, vermachte er Der Großherzogin Den gesamten hanDschriftlichen Nachlaß seines Großvaters, und Diesem Beispiel Des Goetheerben schlossen sich Enkel unD ilrenfel Hessischer Evangelischer Landeskirchentag. rm. Q r m ft o b t, 21 März PräsiLenl Dr. Diehl eröffnet die heutige Sitzung um 8 Uhr 40 Min. Das Gebet totrb durch "Selen 2Ibg Rheinfurth gesprochen Der Entwurf über Vie Kirchenoerfassung wird bei § 102. der die Kirchenregierung 5 stimmt, wntcrberaten Auch dem von dem VeriassungSausschuf) eriolgien Dorschlag soll d-r § 102 jetzt lauten .Die Air- chenreg erung besteht auö 1. einem Präsidenten, der in der Regel ein Geistlicher sein soll. 2. dem Stellvertreter des Präsidenten, er darf, wenn der Präsident ein Geistlicher ist, kein Geistlicher fein und umgekehrt. 3. dem LandesfynodalauSschus), der aus 5 Mitgliedern. 2 geistlichen und 3 nicht- geistlichen, zusammengesetzt ist 4. 3ft der Präsident oder Stellvertreter ein Geistlicher, so fuhrt er den Titel Prälat. An den Sitzungen der Kirchcnreg e.ung rönnen auch die Berichterstatter mit Sitz und Stimme teilnehmen." — 3n der Aussprache geht zunächst als Vertreter deS Kirchenregiinsnts Geheimrat Bern Heck aus die grob? Wichtigkeit der zu fassenden Beschlüsse ein; er bemängelt die obige Fassung und hält eS für richtiger, die Einrichtungen der früheren Zeit, soweit fie gut waren, in der neuen Verfassung Mitzuverwenden Es sei wohl keine Anmassung, au lagen, bat) sich die bisherige Einrichtung des Oo.'rkvnsistoriums bewahrt habe Ein grober Vorteil bestand vor allem in dem fielen Zusammenfein. wenn rasch wichtige Fragen zu erledigen waren, es werden nicht unwesentliche 'DerADgevungen cintrcten. wenn die Superintendenten in ihrem Sprengel wohnen müssen. Unbedingt wichtig sei. das) die Superintendenten in ihrer überaus verantwortlichen Stellung auch Ditz und Stimme in der Kirchenregierung habens ein eigenartiges Verhältnis entstehe sonst dadurch, daf) untergebene Psarrer des Superintendenten als in die Kirchenregierung gewählte Mitglieder wieder Vorgesetzte des Superintendenten sind. Hier müsse wohl eine geeignete Aenderung emtreten Abg Dr Schi an ist mit dem Vorredner von der groben Bedeutung dieses Kapitels der Verfassung überzeugt. Znnerhalb der Kirche, wie in weiteren Kreisen der Oeffentlichkeit, wie im Aus schuf) habe man sich seit einem Jahre eingehend mit der Angelegenheit befahl, so dah man wohl im Gegensatz zu dem Vorredner sagen könne, die Angelegenheit ist spruchreif. Gerade die Kir- chenversassung ist der Kernpunkt der Verfassung 3n dem von der groben Mehrheit angenommenen Komprvmibvorschlag habe man sich aus die Fassung geeinigt, dab der Prälat in der Regel ein Deist» licher sein müsse. Der Stellvertreter soll kein Geistlicher sein. Der Landessynodalausschuh soll nur aus 5 Mitgliedern bestehen, damit der Apparat nicht zu umfangreich wird. Die Berichterstatter des Landeskirchenamtes sollen Sitz und Stimme in der Kirchenregierung haben^ die Euperinlen- benten sollen so wenig wie möglich an den geschäftlichen Arbeiten leilnehmen. Dicht alle Wünsche konnte man erfüllen, die wesentlichsten Forderungen sind aber in dem neuen Vorschlag enthalten und es ist zu hoffen, dah die Einrichtung der Kirche zum Segen gereiche. Abg. Frech von Hehl begründet die Stellung- nähme seiner Gruppe. Eigentlich stehen ferne Freunde cuif der be itmmlcn Forderung, dah rrn ein Geistlicher an der Spitze der Ruxbenrcgierang stehen Fünnc. 3m 3ntettff« der Einigkeit haben aber seine Frourde ein Opfer gebracht und der Fassung zugestirnml. dah an der Spitze in der Regel ein Geistlicher sein soll. 6a nai man von der Gegenseite das Versprechen erhielt, dah diese Zusage auch ei ig'bitten werden solle. Es bitx v.ele Kämpfe geko lei, doch begrüjl er die jetzt erfolgte Einigung in der Hoffnung, dah sie zum Segen der Kirche au.schlagc. Prälat Euler ist der Auffassung, dah die beamteten Mitglieder der Kirche B Herde unbedingt auch Sitz und Stimme in der Kirchenregierung haben müssen, da sie grobe Verantwortung zu tragen haben. Dei der dann erfolgten Abstimmung wird der Kompromihantrag einstimmig angenommen. Es wird bann § 103 angenommen, der bestimmt, dah der Präsident und der Stellver tret ei' des Präsidenten von der Landes- shnode in geheimer Wahl auf Lebenszeit gewählt werden. Hierzu ist Zweidrittelmehrheit nötig. Weiter wird angenommen § 104, der die Vertretung betrifft §105 enthält Bestimmungen bei Rücktritt und das abzulegende Gelübde § 106 legt fest, dah die Mitglieder des Landessynodal- ausschusses auch Mitglieder der Kirchenregierung bleiben, wenn die Landessynode aufgelöst ist. bis ihre Rachfolger gewählt sind. Hier wird auch beschlossen, dah der Präsident und sein Stellvertreter nicht zugleich Mitglieder der LandeS- synode sein können. § 107 seht die Vertretung im Falle längerer Verhinderung des Präsidenten und seines Stellvertreters fest. 3n § 109 find die Ausgaben der Kirchenregierung festgelegt, es wird hierzu ein Antrag Dr. Schian angenommen, dah auch die Aufsicht über das Predigerseminar hierzu gehört, die Frage foll im Ausschuh nochmals geprüft werden. Ein Antrag der Äbgg. Wagner und Gen., dah die Superintendenten auch bei der Besetzung der Pfarrstellen und der Streichung' der Psarrkandidaten mitzuwirken haben, findet Annahme. §112 betr. bad Landeskirchenamt findet mit redaktioneller Fassung Annahme, ebenso §115. wonach die 3 Superintendenten für ihre Sprengel auf Lebenszeit ernannt werden. §117 behandelt die Ausgaben der Superintendenten und wird nach längeren Ausführungen des Abg Dr. Mathes nach der Fassung des Ausschusses angenommen. 3n § 120 sind die Aufgaben des Prälaten verzeichnet, nach Antrag der Adgg. Wagner-Schian soll hierzu eine besondere Dienstanweisung herausgegeben werden. Auch die weiteren §§121 und 122 über die Einführungs- und Uebcrgangdbefttmmungcn finden nach den Anträgen des Dersas- sungSausschusses Annahme. Hieraus werden die von dem Versassungsauslchuss nochmals beratenen §§ 15 und 19 betr. die Kirchengemeindeverlretung in neuer Fassung. § 55 betr die Benutzung von Gebäuden und Geräten. § 56. Besetzung bcrPsarr- ftellen auf Grund eines besonderen Kirchen- geseyes. § 59, betr. die Unterstellung der Pfarrer unter Dekane Superintendenten und Landes- lirchenamt. § 63 I, betr den Dekanalslag. § 64 1, betr. die Wahl der Kirchengemeindeverireter zum Dekanatstag, wobei ein besonderes Wahlgesetz geschafsen werden soll. § 65 11. § 83 II. der aber wahrscheinlich in zweiter Lesung wieder geändert wird und die Zahl der Synodalabgeordneten betrifft, angenommen. Zu § 99 wird dann ein Antrag auf Abänderung betr. die Zusammensetzung des Landesshnodalausschusses und ebenso zu § 22 ein Antrag auf die Zahl der zu wählenden Kirchengeineindevertreter, die bei 500 Seelen 12 und ansteigend bis zu 10 000 und mehr 70 betragen soll. angenommen Endlich findet noch der Antrag des Abg K a h l i ck Annahme, wonach es anstatt Dekanatstag Dekanatsausschuh und statt Landeskirchentag Landeskirchenausschuh heihen soll. Schluß der 1 Lesung Rächste Sitzung Mittwoch früh 8*/a Uhr. Turnen, Sport und Spiel. — F r ü h j a h r s w a l d l a u f des Bezirks Giehen-Wetzlar (Westd Spiel-Der- banb). Gruppe Giehen. Bei herrlichstem Frich- jahrswetter wurde am vergangenen Sonntag auf dem V s 2.-Sportplatz Trieb die diesjährige leichtathletische Saison durch einen Waldlauf eröffnet Da für diesen Tag Fuhballspielverbot erlassen war, hätte die Beteiligung der Vereine, besonders der Landvereine, stärker sein dürfen Znsgesamt waren es ca. 60 Läufer, die sich am Start einfanden. Gelaufen wurde in drei Gruppen: Jugendliche. Junioren und Senioren. Die Ergebnisse sind: Zugendliche (21/. Äm.). Einzellauf: 1. Pannecke. V s. 2. Giessen. Zeil: 8 Min. 12.2 öd 2. Muller, S E. 1900 Giehen. 3. Münch, S C. 1900 Giehen. 3. Heinrich, Hp. V Lollar. 5. Dirkenstock. S. E. 1900 ©icbcn — Mannschaftslauf: 1. 2 E. 1900 Giehen. 2 V s. 2. Giehen 3. Sp. V. Lollar und 6. E. 1900 Giehen. — Junioren (4*/- Km). Sinzeilaus: 1. Wagner, Sp. Vergg. 04 Giehen, Zeit: 12 Min. 38,3 Sek. 2. Pfeil, V. s. 2 Giehen. 3 Lehr, Sp. V. Lollar. 4. Reinhardt, Sp. 2 Lollar. 5. Muller, Sp. 2crgg. 04 Giehen. — Mann- schaftslaus: 1. Sp. V. Lollar. 2. Sp. Vergg. 04 Giehen. — Senioren (5 Km.). Einzellauf: 1. Gerstenhauer, V. f. 2. Giehen, Zeit: 12 Min. 55,3 Lek 2 Doglherr, 2. s. 2. Giehen 3 v. Eicken, S. E. 1900 Giehen. 4. Fischer, S. C. 1900 Giehen. 5. "Braubach, 2. s. 2. Giehen — Mannschaftslaus: 1. D s. 2. Giessen. 2. S. C. 1900 Giehen. — DaS zahlreich erschienene Publikum verfolgte mit größtem 3nteresse diese Veranstaltung, die dank guter Organisation seitens des veranstaltenden Vereins einen guten Verlaus nahm. Th. — Ungarische Fuhballer in Deutschland. (Sine ungarische Auswahlmannschaft des Fünfti rchener Vezirts. die noch durch einige der besten Spieler von Mittelungarn und "Budapest verstärkt ist, unternimmt z i Ostern eine Reise nach Deutschland, um in Berlin, Hamburg, "Bremen und Braunschweig Wettspiele aurzulragen. — Reue Dtartbestimmungen für Leichtathleten. Die "Weltlamps bestimm an - gen der Deatschen Sportverbände für Leichtathletik warben aus Beschluss der Wadlversamm- lung einer Aenderung unterzogen. 3n Zikansl kann ötarterluubnU für einen Verein eines Landesverbandes nur erteilt werden, wenn das Mitglied in dessen Gebiet seinen Wohnsitz Hai. Bei Wohnsitzwechsel von dem Gebiet eine- Landesverbandes in daS eines anderen Landesverbandes während ei.es Kalender.ahres gilt pic Startberech Igaag noch bis zum Abzmf bea Äa- lenderiahies. Bei Vereinswechsel vor dem 1 3a» nuar tritt Starterlaubnis ab 1. Januar ein. Bei Vereinswechsel während eines Kalenderjahres wird, wenn ein Start rn diesem Zähre für den bisherigen Verein noch nicht erfolgt ist, Starterlaubnis erst nach Ab auf von drei Monaten erteilt. Bei Vereinswechsel am gleichen Orte tritt, wenn ein Mitglied während des 3ahres bereits für den bizh.'ngen Verein gestartet hat, Startberechligu ig für den neuen Verein erst am 1 Zaiuar des folgenden Zahres ejn Was als gleicher Ort betrachtet wird, setzen die Landes verbände fest. -Donnerstag den 23. März, abends 8 Uhr pünhtlid), im ©cfangfaal des Realgymnasiums. Ciebigftr.il Dortrag des Oberftuöienbirebtors A Nendorf über: Die Slelliing öer neueren Beamten in den Beomtenfragen der Gegenmart. Vollzähliges Erscheinen aller höheren Beamten notwendig zwecks förfinönng einer örtwne ö.Belffls- tmnöes DM Beamten DentfiW. gez. Prof Dr. Dittmar, Stubicnrat; gez. Dr. Deppert, Univ.Prof; gez Dr. Düngerich, Landgerichispräsi. öent; gez. Dr Ostwald, Medizinairal; gez Weicker, Oberregierungsrat, u a M8O7 Miitlioie BWotiei Freitag, 24. März, abends 8 Uhr pünktlich Hotel Grogherzog, BiM-Wtins Tagesordnung. 1. Deschäftliche Mitteilungen; 2. Einführung und Vortrag des neuen Geschäftsführers Herrn Max Liebscher; 3. Verschiedenes. Unser Landesvorfltzender Herr Dr Karl Klingspor (Offenbad)) wird anwesend sein Zahlreichen Besuch erbittet 2857V der Vorstand. W Bdlttott w* ** Mitesser, vllliei B _ - verschwinden sehr schnell dfcj eL jfi .. n Fr . W SMltattolfeli abend- den wenn x\n «Heften tn der Droa. Winterboft, Kreuzvlatz Heimat «in Wiewen in urt irp«. , * . t i Winterbost. Kreuzvtatz jSetlttdt „ 9 10, iföiucn Troacrie und Pictoria Tronerte. fpjlQ «*crm. Plank Witwe •• und P. Joi. Möbs. Ferner treffen ein: /Sxliufflerfloti unß HorOöeut W W SMIWft Wafchstoffe — 9 10. und Victoria Troncrie, £»crnu Plank WiNve und P. 3oi. MSbs. und Bestellungen erbeten an Telephon 68V. Neustadt 46 Lieferung ins Haus! 2880 Am Klavier: Ludwig Marguth Heu 2877c einaetrofien. Prospekt frei. 'a Ankauf 9-6 Ubr. U ttAtitiAt* 11 Auktionator und Taxator^ *?• VVHllVr 11., Krofdorser Strasse 9. 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Wir halten keine Ware zurück, wir schließen nicht, sondern unsere Verkaufsräume sind ununterbrochen von 8V--6 Uhr geöffnet. Massen-Schuhverkauf SeltersrVeg 31, früher Central-Cafe Wir unterhalten ein großes Lager von Schuhwaren und täglich treffen neue Sendungen ein, die bei der günstigsten Konjunktur eingekauft wurden. Alle diese Schuhe und Stiefel verkaufen wir trotz der enorm gestiegenen Preise der Schuhfabrikanten zu den alten Preisen!! Nr. 69 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 22. März 1922 Deutscher Reichstag. 192. Sitzung, nachmittags 2 Uhr. Berlin. 21. März 1922. Auf eine Anfrage des Abg. Z ö r g i e b e l (Soz.) wegen der noch immer erfolgenden Der- wendung einer Briefmarke mit dem Bilde des früheren Kaisers erwidert Obcrpostrat Ledät: Die Herstellung der erforderlichen neuen Wertmarken hätte mit den mehrfachen Gebührenerhöhungen nicht gleichen Schritt halten können. Demgemäß war die Verwendung der Bestände von Freimarken früherer Ausgaben namentlich für höhere Werte nicht zu umgehen. Zudem stellen die alten Freimarkenbestände einen beträchtlichen Wert dar, dessen Dernichtuna angesichts der ungünstigen Finanzlage des Reiches nicht in Frage kommen konnte. Don den greimarfen zu fünf Mark, mit dem Bild des früheren Kaisers und der Aufschrift: „(Sin Reich, ein Volk, ein Gott!" waren Ende 1921 noch etwa l3/i Millionen Stück vorhanden An daS Publikum werden diese nicht mehr verkauft, sondern im inneren Betrieb verwendet. Sollten einzelne 6tüie doch noch an das Publikum abgefetzt worden sein, so geschah dies gegen die ausdrücklichr Anordnung der Reichspostverwaltung. Inzwischen dürften diese Wertzeichen völlig aufgebraucht sein. Sodann wird die zweite Beratung des DermögenSsteuergeseheS fortgesetzt. Die Abstimmung über den gestern beratenen Paragraphen 16 wird noch hinaus- geschob"», ebenso über die Paragraphen 20 und 21 (Taris) Paragraph 22 handelt von den Zuschlägen aus 15 Jahre, die an die Stelle des Rotopsers treten sollen. Die Unabhängigen und Kommunisten b antragen, bei den Zuschlägen anstatt big zu 200, bis zu 300 Prozent zu gehen. Abg. Dr. Helfferich ((D.-R.) protestiert gegen diese Anträge, da die Kommissionsbeschlüsse sch«n so hoch seien, daß die Zuschläge weit über daS Rotopfer hinausgingen. Er beantragt deshalb. die Destimmung einzusügen, daß dem Zuschlag nicht unterliegen sollen Deutsche Reichs-, Staats- und Kommunal-Anleihen, Pfandbriefe, Industrieobligationen usw., soweit diese Wertpapiere und Hypotheken sich seit dem 30. Juni 1919 ununterbrochen im Besitz des Steuerpflichtigen befunden haben. Nachdem Staatssekretär Zapf dem Anträge widersprochen hatte, wird über die ganzen bisherigen Paragraphen abgestimmt. Zu § 16 wird der Antrag Herold (Ztr.) angenommen, wonach bei Ermittlung des Ertragswertes insbesondere „auch" der Ertrag der letzten drei Jahre zu berücksichtigen ist. Im übrigen werden alle anderen Anträge abgelehnt und Die §§ 16 bis 22 in der Ausschuhfassung angenommen, ebenso eine Reihe weiterer Paragraphen. Rach kurzer weiterer Aussprache wird auch der Rest des Gesetzes genehmigt. Der Ausschuh beantragt noch eine Reihe von Entschließungen, in denen u. a. eine Gesetzesvorlage gefordert wird, durch welche für das Einkommensteuer- und das Erbschaftssteuergesetz und insbesondere für die Tarife diejenigen Aenderungen vorgeschlagen werden, die sich aus der QHartenttoertung als notwendig erweisen. Eine weitere Entschliehung verlangt, dah das Problem der Schaffung einer stabilen Werteinheit für das gesamte Wirtschaftsleben eingehend untersucht wird. Eine weitere Debatte ruft noch die vom Abg. Dr. Helfferich (Dntl.) empfohlene Entschlle- hung hervor, welche die Höhe des steuerfreien Vermögensb träges der Geldentwertung anpassen wlll. Diese Entschliehung wird gegen Den Protest der sozialistischen Partei angenommen, ebenso die übrigen Ausschußentschließungen, die zum Tell einstimmig, zum Teil gegen Die sozialistische Linke angenommen werden. Es folgt die weitere Beratung des Vermogenszuwachssteuergesetzes. Rach den Ausschuhbeschlüssen soll im Zusammenhang mit der Vermögenssteuer alle Drei Jahre Der Derrnögenszuwachs veranlagt werden. Steuerpflichtig ist Der Dermvgenszuwachs, wenn er 100 000 Mark übersteigt unD Das Endvermögen mehr als 200 000 Mark beträgt. Die Steuer beträgt für Die ersten 200 000 Mark Zuwachs 1 Proz und steigt bis zu lOPrvz. bei einem Zuwachs von über IV, Millionen. Ein Antrag Helfferich Vie Pforte der Paradieses. Roman von Zngeborg Vollguar h. Btretfitifile Uebersetzung au« d m Dänischen. 16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Da wurde sachte die Tür geöffnet, und Mogens stahl sich herein — sie hörte ihn nicht eher, alS bis er vor ihr auf den Knien lag und ihr die Hände vorn Gesicht zog. .Mutter, ich krnn'S nicht ertragen, dich toeinen zu hören," sagte er. »Die andern schlafen — das kann ich nicht, folange du weinst, und so leise du es auch tust, ich höre es doch — ich muh dafür ein inneres Ohr haben. Warum weinst du, Mutter? Du hast uns ja doch noch alle miteinander. Vater hat mich beauftragt, dir zu sagen, er komme bald wieder, u.rd als ich ihn fragte: ,Ist das auch wahr, Vater?' sagte er: ,Za, mein Zunge» sage der Mutter, ich komme bald wieder.'" Frau Dorris drückte ihren Zungen an sich. .Gott Lob u d Dank, mein Zunge, dah du hereingekommen bist und mir das gesagt hast!" ries sie. .Darm muht du dir auch keine Sorgen mehr machen, Mutter. Tenn trenn du auch noch — Wieder drückte Frau Borris ihren Zungen an sich. »Rein, Mogens, ich will versuchen, tapfer zu sein. Eine Mutter soll ja aushul'.en" — Frau Borris versuchte zu lächeln — „auch wenn sie nicht weih, wo sie die Kräfte dazu hernehmen soll," flüsterte sie vor sich hin. Sechstes Kapitel. »Wie geht es Tante Elllnor?" fragte Hauptmann Bonns und schaute von seiner Zeitung aif, als Inger hereintrat. Gegen seine Gewo'mheit war er nach dem Abendessen in der Wohnstube sitzen geblieben. Das ganze Haus war in großem Leid um die alte Dame, die in den letzten Zügen tag. i „Schlecht," sagte Inger betrübt. .Sie liegt immer noch so da, wie sie Den ganzen Tag gelegen hat." „Sie ist nicht wieder zum Dewuhtsein gekommen ?" Zens," sagte sie mit mehr Freudigkeit In der Stimme. „Aber Du könntest mir vielleicht beistehen, es zu erfüllen." „Ach Inger!" rief er; „wie kannst Du nur so - so -" „Was so?" fragte sie, als er innehielt. „So geduldig sein," vollendete er, ohne sie anzuschauen. „Well tllte t du aber Doch nicht fein, Zens. Freue dich Doch Darüber, Dah ich ihr ein kleiner Trost habe sein können. Du kannst Dir wohl lenken, dah sie sich häufig einsam gefühlt hat, während sie dort oben lag und auf Den Tod wartete." „Za, ja. du hast natürlich recht," seufzte et wieder. „Kümmere dich ru~ nicht um das, Waich vorhin gesagt Hude. Du gehst wohl wieder hinauf?" fragte er nach einer Welle. „Jawohl, denn sie überlebt biete Rächt nicht. Ich "tarn nur herunter, um zu sehen, wie es euch geht. Was machen die Kinder?" „S.e sind hn u gegangen —" Der Hauptmann hatte sich in Die Sofa ecke gesetzt. „Wahrscheinlich, weil sie gemerkt haben, daß ich D.elen Abend hierbleiben würde." „Aber Zens, wie kannst Du das meinen 1“ rief Frau Inger vorwurfsvoll. „Sie haben doch alle ihre notwendige Arbeit." „So?" „Za, das weißt Du wohl. Ellen hat es bittet nötig, fleißig zu fein, wenn sie ihr Eramen machen will, und Mogens ebenso, und Orla —“ „Run, Orla hat doch auf kein Examen zu lernen," beharrte Der Hauptmann eigensinnig. ..Warum bleibt er nicht im Zimmer? Er h.nDert Mogens nur Damit, daß er schiechen Ta bat in Dem Zimmer raucht, in Dem Mogens lernen soll." (Fortsetzung folgt) (Dntl.), den steuerfreien Betrag beim Vorhandensein von mehr als Drei unterhÄtspflichtigen Personen zu erhöhen, wird abgelehnt, ebenso Anträge der Unabhängigen und Kommunisten, die eine Verschärfung der Tarife verlangen. Das Gesetz selbst wird m Der Fassung des Ausschusses angenommen. Es folgt Die zweite Beratung des Gesetzes über eine Abgabe vom DermögenszuwachS aus der Nachkriegszeit. Der Ausschuß beantragte die Ablehnung der ganzen Vorlage. Die Deb tte über diesen Paragraphen führt zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen Den Unabhängigen unD Kommunisten auf der einen Seite und den Mehrheitssozialisten auf Der anderen Seite. Die Linkssozialiitcn machten Den MehrheitSsozialdemokralen den Vorwurf, dah sie jetzt auf die Besteuerung Der Kriegsschieber verzichten wollten, um Die Arbeiter um so mehr zu belasten. Als 2Ibg. Kahmann (Soz.) in Ver- binDung mit Betrachtungen über Steuermoral Die falsche Eintragung eines Kommunisten in Die Abwesenheitsliste auf das schärfste verurteilt, nimmt Abg Köhnen (Korn.) dies zum Anlaß, ganz allgemein Die Art Der Listeneinzeichnung aller Parteien als unmoralisch zu kennzeichnen. Auch in Der Nationalversammlung seien zwei ähnliche Fälle vorgekommen, an Denen auch ein ZentrumSabgeordneter beteiligt gewesen sei. ülebrigens möchten Die bürgerlichen Parteien sich ihren Minister Hermes ansehen. Solange sich ein Mann Minister sei, hätten auch Die Kommunisten keinen Grund, ihre Abgeordneten zu verleugnen. (Stürmische Pfuirufe bei der Mehrheit.) Minister Dr. Hermes legt unter lärmenden Zurufen der Kommunisten gegen die persönlichen Verdächtigungen Des Abg. Köhnen Verwahrung ein. Ich lehne es ab, mir mein An- stanDs- und mein Ehrgefühl von ihm bescheinigen zu lassen. Im übrigen sehe ich Dem Gcwich.s» versah cn und Der parlamentarischen Untersuchung mit großer Ruhe entgegen. Die infame Verleumdung scheint allmählich auf Der Seite, Die ihm (Köhnen) nahesteht, zu einem Werkzeug Der Bekämpfung seiner politischen Gegner zu werden. (Beifall! bei Der Mehrheit, Lärm auf Der äußersten Linken.) Abg. Dr. Hertz (il.) wendet sich gegen Die Erklärung des Ministers. Al 2 er sagte: „Wir legen Verwahrung ein gegen dieTinverschämtheii" bricht bei Der Mehrheit ungeheurer Lärm aus. Als Redner fortfährt. Die Deutsche Volkspartei könne mit feinem Minister jufammenarC eiten. an dessen Ehre ein persönlicher Makel hafte, bricht ein neuer Tumult aus. während dessen Viie- präsident Bell den Redner zur Sache ruft. Die weiteren Ausführungen gehen in dem erneuten Lärm unter. Der Ausschußantrag auf Ab'ehnung des Gesetzes wird sodann gegen die äu Herste Linke angenommen. Es folgt die zweite Beratung der Ro- vvlle zum Körperschaftssteuergcseh. Die Regierungsvorlage will Den Steuersatz für Die Erwei bsgesellschas len von 10 auf 30 Proz. erhöhen. Der Ausschuß beantragt 20 Pro-ent. Steuerbefreiung will Der Au s.Huß nur De ije Len Sparkassen gewähren, welche i ;re Geschäfte auf Den eigentlihei Spa. kassenaerLhr beschrän en. Bei Den Grwerbögesellschaften erhöht sich die Steuer auf 15 Prozent der verteil en Gewi manteile. Das Gesetz wird nach Den Beschlüssen Des Ausschusses nach kurzer Debatte angenommen. Morgen 2 ilfjr: Zen immeinterpellation ü’:er die Zuteilung der Weichseldörfer an Polen Kapitalverkehrs- und älmsatzsteuer. Schluß V.,8 Uhr. Der deutsche Handel in Mexiko. (FPS.) Trotzdem im mexikanischen Außenhandel die Bereinigten Staaten weitaus den ersten Platz vor allen anderen Staaten behaupten — der Handel zwischen beiden Ländern hatte noch im Jahre 1921 gegen das Vorjahr eine Wertzunahme um nicht weniger als 40 Prozent auf insgesamt 240 Millionen Dollar erfahren —. rechnet man amerika- nischerseitS doch für dieses Zahr zumindest mit einem starken Rückgang und zwar infolge des immer stärkeren Auftretens der Deutschen auf dem mex.kanischen Markt. Die Korrespondenten der amerikanischen Zeitungen in Mexiko City erstatteten alarmierende Berichte. AlS bezeichnend und immerhin fachlich führen wir einen Drahtbericht der New Bork World an: Mex.ko ist plötzlich von deutschen Reisenden überschwemmt, die so gut wie alle Artikel von schweren Maschinen bis zu Haarnadeln führen. Sie fingen seit Dezember etwa an hier einzutrcffen und verteilten sich über das ganze Land. Sie buchen viele Aufträge, da sie in der Lage sind, zu Preisen abzusetzen, die weit unter denen amerikanischer Firmen bleiben. ES verlautet, daß sie sogar in den Grenzstädten am Rio Grande Nuevo Laredo, Piedras NegraS und Zuarez Waren verkauft haben. Es ist bereits ein starker Rückgang an Verkäufen von amer.kanischen Bergwerks-, Mühlen- und landwirtschaftlichen Maschinen und von Eisen- und Messerwaren infolge der deutschen Konkurrenz zu beobachten. Sv gut wie die «ganze Groß- und Kleinhandelsorgani- saton sowie der größte Teil der Eisenwaren- Handlungen in Mexiko sind, mit wenigen Ausnahmen wie etwa in Tampico und Torrevn, in deutschen Händen- viele von ihnen befanden sich während deS Krieges auf der „schwarzen Gifte“. Rach Aufhebung der „schwarzen Liste“ kauften sie eine Zeitlang stark in den Vereinigten Staaten als dem einzigen Markt, der ihnen offen stand. Run sie ihre deutschen Beziehungen wieder aufnehmen können, tun sie das im weitgehendsten Maße. Neuerdings haben auch deutsche Hersteller von Bedarfsartikeln für Oelfelder versucht, in der Gegend von Tampico Verkäufe zu tätigen, haben aber bis dahin amerikanische Firmen noch nicht sehr aus dem Geschäft verdrängen können. Bezüglich der Entwicklung des deutschen Geschäfts in Mexiko ist noch zu berichten, daß öeutscherse.ts geplant wird, $u den verschiedenen großen Brauereien, Die es bereits im Lande gibt, weitere zu errichten mid in Betrieb zu nehmen. Cs hat sich ferner ein deutsches Syndikat gebildet, das beabsichtigt, die Sisalhanfproduktion von llZukatan aufzukau- fe.i und zu lonäollie en, die 'eit längeren Zähren hauptsächlich von der International Harvester Company in Chicago verwertet worden ist. Tagung des Landesverbandes Hessen deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener. Am ©onnlaa fand in Frankfurt a. M eine (U r rD n lich? .VatDe verbandstagung Des Ze itra t>erbanD:3 . eutsch". >rieg beschädig ter u.iD Kriegshinterbliebener «Sitz Berlin) Landes- ve.band Fr.i aat Hessen statt. Sämlliche Ortsgruppen des LanDesvwbanDes waren auf dieser Sa jung vertreten. Geleitet tource die Tagung ton dem 2. CanDevDe banDsvorsi enden Stadt- sekretär Friedrich Scheerer (Offe batz am Main). Lieber Die B schlösse Des Haupivorstandes unD TerbanD:?auffd,uf es b:tr. Ausbau des Verbandes, referierte der Landessekretär Hecker (Frank urt a. M). Den Beschlüs en des Haupt- torf'a Des und Verbandrau f .usses stimmte Der Landesverband?tag zu. Ei en gro en Raum Der Tagung nahm die Besprechung Der sozialpolitischen Forderungen der Kriegsopfer ein. lieber diese referierte Der LanDessekretär Hecker (Frankiurt a. Main- und Die Kriegerwitwe Frau Klara W a n D e l. (Offenbach a. M.). Die Aussprache hierüber war eine äu>erfl reie; es wurde auf die allgemeine Notlage Der Kriegsopfer hin gewiesen. Von Dem Vertreter Der Ortsgruppe Darmstadt wurde besonders gcHagt über die Behandlung Der kriegsbeichaoig en Poübediensteten durch Berufst:liegen, ite kine Dienstdesch-digu g erlitten haben Der Derbandstag wurde gebeten, geeignete Sch i.te zum Schulze Der kriege beschädigten Kameraden in S.aatsbetneben zu unternehmen, u iD Die Namen von selchen BerufSange- hörigen. Die sich eine unwürdige Behandlung der KiiegsbeschäNgten ;u schulden kommen ta'ten, sollen in der Presse v.röfse.it.icht werden. Dre Einsicht des Verbandsiages ->u den sozialpolitischen Forderungen der Kriegsopfer wurde in nachstehender Entsch ie u g - i de. c*. gt: „Der La de.v. binds ag »ordert von Der Regie-U'g und Volt.v rtretu g i- fofor tge Erhöhu g der Darb.z gt le. Kri g op e und bec-uf ragt Den Hauptvorstano des Zentralverbandes deutscher Krieas- beschädigter und KiegShtnter- b l i c b e n e r (2 i tz Berlin) ml a len zu Gebote stehenden Mi teln für diese Forderung einzutreten. Die G.Währung freier H ilb.Handlung für Die Ä- iegtrbintcrnhebenc i mutz umgehend tar.l.g sühn w rD n De Ci stel ungs- zwa-g für Schwerkr.ez.b schidi;te mjj aus- gebaut, ferne mutz in geig e er und duch- greifenDer Reife Der Schn i n Wntschnstslelxn auf i ie Krieg chi te b tob ne aus. ed hnt w t' Den. Mit Dem g su iben Ged mlen Der Aus' gleich'zulage erklärt sitz Der La De ver!a.ikS- tag einverstanden, verlangt aber die Abschaffung Der 2Iu*gI l Inge i t ihrer lehi'.er Ee tal- tung, Da diese nur eite reine Klassen- und Derufszuloge Darstcllt. Au Z re tztli h-n Grün» den mutz dir Forderung auf Bes Itigung der Paragraphen 63 unD 64 Des R V. G erhoben tocvDen. Mit allem Nachtz u k legt Der Ver- bandstag Te wah ung g gtn l ie B strebungen der Reichsrel-ie ung cm, Der Te forqung Den Recht "boden u -mtz ehen und nuj Die TeDürstiglest einzu^cll.n." Die Wahlen ?um Landesve banDS^orstand ergaben Die W-cst'l Der Kameradm Stad'sekre'är Friedrich Scheerer (Osferdrh a M) Be- t i aast ratze 5,0) als ersten, und Karl Funk (Offenbach a. M.) als zweiten Landesvtrbard voifitzenden. Dem bisherigen ersten Landesverbands- vo sitzenden Emil Fuhs (Ose.b>t) a. M ). Der aus beruflichen Gr ndm eine Wie^e Wahl ab- lehnte, wurde Der Dank des Verbunds ta es für seine im Interesse Der Kriegsopfer geleistete Arbeit ausgesprochen und wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Aus Stobt und Land. Gießen, den 22. März 1922. ' D i e Bezirkskonserenz von Vertretern des hessischen Handwerks, der Aufsichtsräte und Lehrerschaft hessischer Gewerbe» und Handwerkerschulen tagte dieser aTge in Frankfurt. Die Versammlung beschäftigte sich mit den Bestrebungen des hessischen Landesamts für das Bildungswesen, das gewerbliche Fortbildungsschulwesen auf Grund des Volks- schulgesehes seiner Leitung zu unterstellen. Diese Bestrebungen haben im Handwerk und Gewerbe die schwerste Deunrnyigung hervorgerufen. Verschiedene Einaaben Der Organisationen des Hand- Werbe- und Hrndwerkerschulen tagte dieser Tage tungen vermochten bis jetzt nicht, einen ilm- schwung in den Anschcmungen des Landes- bildungSamtes herbehuführen. Die Versammlung erhob mit aller Schärfe Protest gegen die Absichten des Landesbildungsamtes und fordert die gesamte Neuorganisation des gewerblichen Fortbildungsunterrichts zu verschieben, bis das beabsichtigte Berufsschulgeseh zur Beratung vorliegt. Die UnterfteUung des gewerblichen Fort- blldungsschulwesens unter das Landesbildungs- amt ist abzulehnew Nach wie vor wird Der Standpunkt vertreten, daß der gewerbliche Fortbildungsunterricht nur von Fachlehrern auSge- übt werden darf und als eng zusammenhängend mit dem Arbeits- und Wirtschaftsleben nach wie vor dem Arbeits- und Wirtschaftsministerium unterftettlt bleibt Die Zentralstelle für Die Gewerbe ist weiterhin als Aufsichtsbehörde des ge- toerl li i,e i Fcrt. il ursch l.eenz f ehure;ar en und als besondere Abteilung Dem Aroeits- und Wirtschaftsministerium einzugliedem. Von den „Nein, sie hat seit heute morgen nichts mehr gesprochen." Frau Inger suchte ihre Bewegung zu beherrschen, allein die Tränen rannen ihr unaufhaltsam über Die Wangen. „Za," nickte Der Hauptmann vor sich hin, indem er seine Zeitung tocglcgte. „Es ist traurig, daß ein Mensch wie sie erben muß — für euch — für ans andere, meine ich. Sie selbst wird sich wohl nach "Der Ruhe sehnen." „Wenn man einmal achtzig Zähre alt ist, hat man auch Das Recht, müDe zu sein," sagte Inger leise. Hauptmann Dorris sah hastig auf, unD sein Blick war scharf unD wachsam. „Warum hast Du Das so gesagt?" „Wie Denn?“ fragte Frau Inger and sah ihn erstaunt an. „In Diesem vorwurfsvollen Tone." „Aber Zens, wie tamrft Du Das sagen? Ich habe keinen Augenblick Daran gedacht, Dir einen Vorwurf zu machen." „Es Hang aber so. Du hast es in einem sehr verletzenden Ton gesagt." »Aber was sollte ich Dir Denn vorgeworfen haben, Zens?" °2lch — daß ich, Der ich zwanzig Zähre länger bin als sie, so oft gesagt — und gezeigt habe, daß ich müde bin." „ilrtö das, meinst Du, hätte ich dir vorwerfen wollen?" fragte Frau Inger und schaute ihn mit Augen an, die voll Tränen standen. „.UnD dazu sollte ich mir auch noch gern De Den heutigen Tag ausgesucht haben? Min, Ze s. da hast Du Dich geirrt, wie schon so oft." Und sie schüf.eltc betrübt Den Kops. „Olun, ich irre mich nicht gerade immer über Deinen Ton." Es lag eine merkwürdige zurückgedrängte Heftigkeit in Der S immc DeS H,.u7t- manns. „Du weißt es v.elleicht selbst nicht, aber dein Ton ist recht häufig vorwurfsvoll unD — spitzig." „So mußt Du nicht reDen, Zens." bat Frau Borris. „Du mußt dich nicht selbst so hinein- fletgem: Du Darf ft mir nicht so mißtauen. Ich würde Dir niemals einen Vorwurf machen, Zens, das weißt Du wohl." „Es wäre gar nicht wunderbar, wenn Du es tätest," tief er. „Aber Du meinst vielleicht, ich wisse nicht, was du denkst, weil Du nichts sagst!" Er war aufgeftatiden und hatte angefangen, auf und ab zu gehen, blieb aber nun vor feiner Frau stehen. „Ter Ausdruck deiner Augen unD Der Ton Deiner Stimme sagen mir alles, was Du zu sagen zu stolz bist." „Aber Zens —" „Za, meinft du Denn nicht, es wäre mir lieber, Du sagtest mir frei heraus, Daß Du meiner müde bist, als Daß Du aussiehst tote em Märtyrer. Der nicht zu klagen wagt, weit er gelobt hat, auszuhallen." ..Ich fühle mich durchaus nicht als Märtyrer," sagte Frau Inger unD sah ih en Mann liebevoll än. „Ich weiß nicht, was Du meinst, daß ich lieber frei heraus reden soll, oder Daß ich nicht wage, mich zu bellagen? Ich habe gar nichts, worüber ich mich "beflogen könnte." „Nein — natürlich,“ murmelte Der Hauptmann bitter. „Tu bist — vollkommen." Tas versetzte Inger einen kleinen Stoß. Diesen Ton hatte sie noch niemals in Der Stimme ihres Mannes wahrgenommen. „Ich glaube, jetzt bist Du spitzig, Zens," sagte sie mit erzwungener Ruhe, und er schlug vor ihrem Blick Die Augen nieDer. „Nein, denn Das ist ja wahr," fuhr er Dann etwas mehr beherrscht fort. „Du bist es Doch Nachfichäg bis um äw ersten, immer gleich gc- DatDir unD ausdauernd. Du hast dich vorhin darüber gewundert, wie ich Dir mißtrauen könne, wie in gesagt hast: ich meine, es wäre sehr begreift^-, wenn Dein Versprechen anfinge, Dich zu Drücken." „Aber DaS tat Doch nichts, Zens," versicherte Frau Inger und leg'e ihrem Mann Die Hand aut Die Schulter. „Wenn ich zuwellen betrübt aus- sehe, so weißt Du Doch wohl. Daß es nur Daher kommt, weil ich mit mir selbst unzufrieDen bin. daß ich mein Versprechen nicht bester halte." „Za natürlich," das flang wie ein Seufzer. Tann kehrte er sich um unD fügte müDe hinzu: .Wie oft habe ich dich nicht schon von Diesem Gelob ’xs freig sprachen." „Tavon kann mich niemand freisprechen. Landtagsabgeordneten wird ertixrrtet, daß sie mit allen Mitteln diese Forderungen des gesamten Hessische i Handwerks unterstützen und dahin wirken, das) bad Landesbildungsamt bei der ihm durch Verordnung des Gesamtministeriuins vom 25. Oktober 1921 übertragenen Ausführung des Dolksschulgesehes kxrs gewerbliche Fortbildungs- schulwcsen außer Betracht läßt. " Das Verschieben von Briefen und Postkarten in Drucksachensen- düngen bildet fortgesetzt die Ursache unliebsamer Vrierr^erich epvungen und B.iesverluüe. Ungeachtet wi d.rholter Anmahnungen durch die Presse und trotz unmittelbarer Einwirkung der Postanstalten auf die Absender werden viele Trucksachensendungen lekder immer noch in so mangelhafter Verpackung zur,Post eingeNesert, daß sie leicht zu Fallen für kleine Sendungen werden. Als besonders gefährlich in dieer Beziehung erweisen sich, wie neue Feststellungen bestätigen, di: h'.ufig zur Versendung von Drucksachen benu'-.ten offenen Briefumschläge, bei denen die Absender die am oberen Band oder an der Seite vorhandene Klappe nach innen ein» schlagen. Sn den dadurch entstehenden Spalt verschieben sich unbemerkt Briefe, Postkarten usw., die dann in der Drucksache oft weitere Irrfahrten machen. Sm eigensten Interesse des Publikums muß eindringlich davor gewarnt werden, die Klappe solcher Umschläge nach innen ein- zuschlagen; viel besser i st es, die Klapve überdieAückseiteloseüberhängenzu lassen. Als recht zweckmäßig haben sich ihn* schlüge bewährt, die an der Bersch'u «klappe einen zungenariigen Ansatz haben, der in einen äußeren Schlitz des Umschlages gesteckt wird. Verhältnismäßig häufig verschiebm sich auch Briefe usw. in Zeitungen, die unter Streifband vrrsch.ckt werden. Cs ist dringend zu ra en, die Streifbänder so fest wie möglich um die Zeitungen zu legen, nachdem diese umschnürt worden sind. Kreis Schotten. * Schotten, 20. März. Einen fesselnden Cßortrag veranstaltete in der gutbesuchten Turnhalle die hiesige Ortsgruppe der Technischen Nothilfe. Nach einleitenden Worten des Dors'ßenden, Landwirtschaftsrats Metz, entwarf der Volkswirt der Technischen Nothilfe, Schreiber-Stoltze (Frankfurt a. M.), in klaren Worten das Programm dieser reichsbehördlichen Organisation, die seit ihrem Bestehen über tausendmal Volksgenossen in höchster Lebensnot durch Aufrechterhaltung gemeinnötiger Betriebe ihre Hilfe geliehen hat. Daß selbst der Friedhof, wie z. D. in Hanau, zum Streikterrain wurde, so daß Nothelfer die Toten bestatten muhten, beleuchtet kraß den ganzen Wahnsinn des gegenwärtigen Streikradikalismus. Der Eisenbahnerstreik hat auch dem Gleichgültigen die Notwendigkeit der Nothilfe erweisen müssen, und der Bevölkerung Oberhessens sollte der hinter uns liegende Wölfersheimer Elektrizitätsstreik eine Lehre sein, daß es im Interesse von Leben und Gesundheit heute eine staatsbürgerliche Pflicht erster Ordnung ist, Nothelfer zu werden. Dem V, - Deutsche Bank . . . 595, 587, — 589,50 594, — Disconw-Gefellschaft 496,50 496, ■ 497,50 497,- Dresdner Bank. . . 365,— 365,— 368, — 368, - Mitteld.Creditbank. 305.- 301,- 303,• 300,- Nationalbank f. D. . 346, - 345, - 347, - 346,50 Doch. Gußstahlwerke ,- 1225,- 1225,- Bud.- Eisenw.- Akt.. 1035, 980, - 1U04, - 994,60 D.-Luxemb. Bergw.. H2a,— 1176,— 1140, — 1163, — Gelfenkirch. Bergw.. 1>75,- 12)0,- 1190,- 1202,- Harpener Bergbau. 1810, — 1830,— 1800,— 1840,— Oberfchl. Eifenb.°B. 1 > 50, - 1140,- 1155,- 1148,— Oberfchlef. Eisenind. 9i0,- 925 - 940,- 906,- Phönix-Bergb.-Alt. 1266,- 1270,- 1272,- 1252,- Bad.Anilin-u. Soda 760,- 765,— 750,- 755,- Höchster Farbwerke. 730,— 125,- 730,- 730,- Allg. Elektr.-Ges. . . 850,- 842,- 840,- 830,- FeltenL Guilleaume 1200, - -,— -, — Schuckert-Werke. . . 750,— 755, — 760,— 769,60 Adlerwerke 575,— 569, — 575,— 572,— Daimler 567, - 562, — 560,25 658, 4° 0 Hess. Staatsanl. 76,25 76,- 76,25 76,10 Electron Griesheim §45, - 925,- 910, — 921, - DIsche. Dereinsbank 244,50 243,- —— ,- Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Brief Datum: 2o. Marz. 21. März. Amitd.-Rotterd. 11263,70 11286,40 11013,95 11036,05 Brüflel°Antw. . 219 ,40 25^,60 2415,05 2449,95 Christiania . . . 5254,70 6 6o.,0 5084 90 509d 10 Kopenhagen . . 6 <93,60 64ü6,»0 6153,89 616b,20 Stockholm.... 7932,65 7947,95 7562,40 7567,60 Helsingfors. . . 619,35 62u,25 Italien 1548,15 1551,55 147.,30 Neuyork 304,69 30-5,31 288,21 268,79 Paris 2747,25 275z,75 26u2, 5 2607,65 Schweiz 5944, 5966, - 5644,uo 5655,65 Spanien *71r,25 4724,75 4465,50 4475, 0 Deutsch. Oesterr. 3,98 4,u2 3,93 4,02 Prag 510,45 511,55 496,t0 49/,50 Budapest.... 3b,b6 37,04 35,86 35,y4 Buenos Aires . 105,35 Iu5,o5 Dulanrion . 195,80 196,20 194,30 194,70 Züricher Devisenmarkt. 21.3. 22.3. Wechlel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. — 194.jU ly4.3o Deutschland 100 Mk. — 1^0 1.785 Wien 100 Kr. — 0.07 0.06 Prag 100 Kl. — 8.90 8.875 Paris 100 Fr. — 46.05 46.30 London 1 £ == 22.47 22.51 Italien 100 2. = 26.06 26.15 Brüssel 100 Fr. — 43.30 43.40 Budapest 100 Kr. — 0.64 0.63 Neuyork 100 $ — 513.25 513.75 Agram 100 Kr. — 1.65 1.55 Warschau 100 Kr. = 0,135 0,125 Marknolieruugea. Datum: 1.7.14. 20.3. 21.3. Zürich Fr. 125.40 1,68 1,77 Amsterdam Fl. 59.20 0,88 0,91 Kopenhagen Kr. 88.80 1.61 1,67 Prag Kr. 117 80 20,- Stockholm Kr. 88.80 1,32 1,35 Wien . Kr. 117.80 2582, - London Sh. 97.80 6,50 6 25 Paris Fr. 125.40 3,66 3 85 Neuyork 4 23.80 -,34 -.35 (Sn einem Teil der Auflage wiederholt.) Die Sachverstandiaenkonferenz. London, 21. März. (WTD.) Den Blättern zufolge ist es unwahrscheinlich, daß die Preße über den Gang der Verhandlungen der Sach - Verständigenkonferenz Mitteilungen erhalten wird. Nach Schluß der Konferenz werden die Sachverständigen ihren Regierungen Bericht erstatten. Delcasse für die enqlisch-fran^ösische Entente. London, 21. Marz. (WTB.) Der Londoner Berichterstatter des „Manchester Gu rdian" wcch darauf hin. daß zwischen der D.endigung des Erhvlungru 1-mbes Lloyd Georges ind d m Beginn der Genueser Konferenz 10 Tage liegen. Lloyd George werde wahrscheinlich m dieser Zeit zur Wiederherstellung seiner Autorität ein Vertrauensvotum vom Parlament verlangen. Es könne kaum bezweifelt werden, daß er dieses Vertrauensvotum erhalten werde. Zedeittal's könne eine Debatte über Genua erwartet werden. Ein Vertrauensvotum für Lloyd George? Paris, 21. Mürz. (WTD) Ein Vertreter des ^Petit Pansien" hat gestern D e l c a s f e m Nizza aufgesucht. Dieser weigerte sich, eine Er» klärung über seinen Abgang im Jahre 1905 ad- zugeben. Delcasse sagte jedoch England und Frankreich müßten ihren Weg gemeinsam fort- setzen. Es gebe kein höheres Interesse, das England und Frankreich hirdern forme, sich miteinander zu verständigen. Im Gegenteil, das höher. Interesse gebiete, sich zu verständigen, wenn die interessierten Mächte davon überzeugt feien, daß das höhere Interesse es erfordere. Frankreich und England müßten sich über alle Punkte verständigen. Der deutsche Botschafter in Washington. Paris, 21. März. (WTB.) Nach einer Meldung des „Matin- aus Washington hat das Staatsdepartement das Agrement zur Ernennung Wiedfelds zum deutschen Botschafter gegeben. Professor Einstein in Paris. Paris, 20. März. (WTB.) Wie der „Temps" mitteilt, wird Professor Dr. Einstein aus T erlia im Eollöge de France Ende des Monats eine Serie von Konferenzen abhalten. P a i n l e v e wird in der Akademie der Wissenschaften ein Kommentar zu den Vorträgen Einsteins geben. Es sind sechs Konferenzen vorgesehen. Einstein soll sich zehn Tage in Paris aufhalten. Der „Temps" nennt ihn einen SchweizerMa- t h e m a t i k e r. Ein Bruch des Versailler Vertrags. Königsberg, 20. März. Die Zeitungen veröffentlichen folgenden Aufruf über OstpreußenSNot: - Ein schwerer Bruch des Versailler Vertrages: Der Versailler Friedensvertrag sichert in Artikel 97 dem durch den polnischenKor- r i d v r vom übrigen Deutschland abgeschlossenen Ostpreußen freien und ungehinder- tenZugangzur Weichsel. Trotzdem belegte am 13. März die interalliierte Grenzfest- setzungSkommission die Grenze östlich deS Stromes und schlug eine Reihe von Dör- fernausdemöstlichenWeichselufer zu Polen und nahm Deutschland die selbst bei der vorläufigen Grenzfestsetzung im Zähre 1920 noch gelassene, völlig unzureichende letzte Zugangsmöglichkeit zum Strome in Gestalt eines wenige Meter breiten Aferstückes bei Kurzebraß. Die neue Grenze durchschneidet an vier Stellen den Damm, der die ftuchtbare Marienwerder Niederung vor Lleberschwem- mung schützt. Die Abtrennung Ost - preuhens von der Weichsel wurde damit v 0 l l st ä n d i g und der Ring um die belagerte Feste geschlossen. Wache auf Deutschland! Richte den Blick auf den letzten Auhen- posten jenseits der Weichsel. Entrüstung, heiliger Zorn über den Gewaltbruch, über den Bruch des Versailler Vertrages durch die Grenzkommission flamme hoch empor. Die Stimme des ganzen deutschen Volkes, aller Stände, Stämme und Parteien vereinige sich zu dem stärksten Widerspruch gegen den Vertragsbruch zu einem entschlossenen Nein! Woran weder daö Gerechtigkeitsgefühl des neutralen Auslandes noch der Dotschafterrat und der Völkerbund vorübergehen können, auf daß unsere Regierung den Resonanzboden gibt für die unbedingte Ablehnung des neuen Raubes an deutschem Land." Die Sommerzeit in Amerika. Neuyvrk, 20. März. (WTD.) Am letzten Sonntag tm April wird die Sommerzeit in Amerika eingeführt. Die Normalzeit beginnt wieder am letzten Sonntag im ■ September. pfeifferäOin«; ist ckie echte, feine und sparsame fiaffee~€flenz für jede Küche? Origfnaldofen u-SHbcrpah.etc zu haben in den 6eschatten! Grkftein Mo. 8 oäS« vrrrüte arrk ZO pro GtürS erhöht werde«. Dafür rauchen Sie die bekannte snse Mo.Z ans edEien-OrZentsabaZen. Friihjahrspscrdcinarkt zu ßiwn. Am Mittwoch, den 29. März 1922, vormittags l'i,, Uhr beginnend, findet auf den städtischen Marktanlagen an der Rodheimer Straße Pferdemarkt statt. Der Auftrieb von Pferden aus Sperrbezirken ist verboten. Bezüglich der in der Nähe des Marktplatzes vorhandenen Stallungen erteilt Herr Hoflohnkutscher Huhn Auskunft. Mit dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung des besten Tischtücher - Servietten - Teegedecke W H Kaffeedecken • • • Künstlerdecken g | in reicher Auswahl | I Fritz NowackSSLL | Biiiiiiiihiiimiiiiiiiiiiiim Vermittler höbe Provision. 02362 ■ Lebensversichcrung sollten Sie nicht «bschliehen bevor Sie Offerte von unS cinnebolt haben. Höchste Tiuiöcnbe. (Beneralagentur H. Reinschmidt Westanlage 51 I. Telephon 1267 C. SchwaU), Hillebrandstr. 1 F. Schmidt, Friedrichftr. 5 fragt den anderen, wohin mit dem Sohne, der Tochter? Die Privat - Handels- Schule „Hermes“ Gießen, Bahnhofstr. 60 Tel. 1097 :: Gegr. 1909 beginnt das neue Schuljahr am 2. Mai. | Halbj.- u. Jahresklassen. Tages• u. Abendkurse. Prosp. fr. 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