Nr. 299 Erschein» lügllch, außer Sonn- und Feierlags, mit berSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatliche vezuqrpreife: 380 Mark und 20 Mark Trägerlohn,durch diePost 400 Mark,auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. — Jernsprech- Anschlüsse: für dieSchrist- kitung 112; für Derlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten Anzeiger Ziehen. poftschelttonlo: $tenffort a. m. 11686. \I2. Jahrgang Mittwoch, 20. Dezember 1922 GiehenerAnMer General-Anzeiger für Gberhesien vnttk und Verlag: vrühl'sche Univerfiläls-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchlllstratze 7. Annahme von 3n\e gen für die lagesnumnd bis zum Nachmittag vorher obnejebc Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno 27mm Breite örtlich 16 Mk, auswärts 20 Mk.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 60 Mk. Bei Platz' Vorschrift 20"/,'Aufschlag. Hauplschristleiler: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen Die Arbeit in der Weihnachtspause. Trotz ber Weihnachtspause arbeitet die politische Well eitrig an den Vorbereitungen für die Pariser Konferenz, die am 2. Januar beginnen soll, wenn nicht irgendein Zwischenfall die Vertagung dieses Termins erzwingt. 2Iuf die übertriebenen Hoffnungen, die sich an die kommende amerikanische Hilse knüpften, ist bereits der Rückschlag erfolgt. Aber dem Einsichtigen, der die große Wendung In der internationalen Politik ruhig überblickte, war tn>n vornherein klar, daß jede Ueberftürzung vom liebel wäre und das) wir erst am Anfang einer langen Neuentwicklung stehen. Es ist ganz selbstverständlich, bafj der Präsident der Vereinigten Staaten mit großer Vorsicht zu Werke geht. Har ding beugt fk^ nicht liebevoll über Deutschland wie der biblische Vater über den verlorenen Sohn und schlachtet ihm zuliebe ein Kalb, sondern er gibt allgemeine Anregungen, die yur Losung der europäischen Krise führen sollen. Er hält noch mit Kundgebungen zurück, aber er schickt einstweilen das Bankhaus H. P. Morgan vor. Morgan verhandelte mit dem deutschen Botschafter in Washington, W i e d s e l d t, und das Er gebnis dieser Konferenz ist durchaus erfreulich. Morgan stellt auf demselben Standpunkt wie schon während der Dankierkonferenz im Juli dieses Jahres. Er 'will Deutschland helfen und weih die ganze angelsächsische Bankwelt hinter sich. Aker er mus) noch warten, bis die politischen Voraussetzungen eines amerikanischen Schrittes gegeben sind. Man merkt hier deutlich die geheimen Weisungen Hardings und das intime Zusammenwirken der Finanzwelt mit der amerikanischen Regierung. Harding wartet auf die Ankunft seines Londoner Botschafters Harvey, der Ende Dezember in Washington eintreffen wird. Harding hofft auch noch auf — französische Vorschläge. Tardieu, der sich schon als der kommende Mann in Frankreich fühlt, veröffentlicht im Pariser „Echo Rational" eine kleine Enthüllung, wonach die amerikanische Regierung Herrn P o i n c a r 6 schon vor einiger Zeit dringend um einen französischen Plan für die Gesamtregelung des Wi<ä>erherstellungsproblems und der „verwandten Fragen" ersucht habe. Aber Frankreichs Ministerpräsident scheint auf diese freundliche Einladung — auch von einer grohen Wirtschaftskonferenz in Washington soll die Rede gewesen fein — nicht eingehen zu wollen. Er lieh sich vielmehr am vergangenen Montagabend amerikanische Journalisten kommen und diktierte den überraschten Herren eine geharnischte Erklärung: Frankreich lasse keinen neuen Plan gelten, der die Räumung des Rheinlandes vorsehe. Fünfzehn Jahre mindestens (der Versailler Vertrag sagt: höchstens!) dauere die Besetzung, und niemand dürfe daran rütteln. Frankreich wahre fich gegen jede Lösung der Reparationsfrage, die noch ausgedehntere französische Zugeständnisse vvrsehe. Das ist nach dem Umschteung der Londoner Konferenz und nach dem Eingreifen Amerikas ein starkes Stück. PoincarS baut also schon für die Pariser Konferenz vor. Er wehrt sich gegen jede Rachgiebigkeit, die man von ihm erwartet. Er will kein Kompromiß. Er weigert sich, Vorschläge zur Verständigung zu machen. Er hat sich nicht verändert. In London wich er nur einem Druck. Er bleibt der Mann der Hindernisse, der politischen Quertreibereien und des europäischen Unglücks. 3ft dies der englischen Diplomatie noch nicht klar geworden? Donar Law hat seinen Kriegsminister Lord Derby nach Paris geschickt. Hebet diesen Besuch Hub ein großes Rätselraten an. Die einfache Lösung: Lord Derby sollte sich über die Absichten der französischen Regierung unterrichten. Das Ergebnis dieser Sondierung scheint nicht günstig ausgefallen zu sein. Denn kaum war Lord Derby wieder zu Hause in London. da wußten die britischen Offiziösen nichts anderes zu sagen, als daß man das Heil nur noch von dem amerikanischen Eingriff erwarte. Man wünscht jetzt in London unmittelbare Verhandlungen zwischen Paris unb Washington. Poincare werde ja dann schon mer*Pn>toic ernst Die amerikanischen Pläne zu nehmensSien. England stellt sich also deutlich neben, um nicht zu sagen hinter Amerika. Der Besuch des britischen Staatskanzlers Baldwin bei Harding wird diese Haltung bekräftigen. Vom deutschen Standpunkt aus ist diese englisch-amerikanische Front nur zu begrüben. Die deutsche Diplomatie ist bei allen diesen Vorverhandlungen leider wieder so gut wie ausgeschaltet Morgan hat dem deutschen Botschafter Wied- feldt den amerikanischen Plan einer neutralen Kommission zur Festsetzung der deutschen Za'h- lungsmöglichLeiten vorgetragen und W'.edfeldt soll erklärt haben, daß Deutschland unter Umständen bereit fei, eiren solchen Schiedsspruch der nicht an ’ den Versailler Vertrag gebundenen Mächte an- zuerkennen. Heber diesen amerikanischen Plan müßte vor dem 2. Januar unbedingt noch etwas Genaueres bekarmgegeben werden I Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich? Paris, 19. Dez. (WTD.) Der „Reuhork Herald" erfährt aus Washington, daß zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich inoffizielle Verhandlungen in der Reparationsfrage im Gange seien. Die Vereinigten Staaten hofften, Frankreich; Zustimmung zu der Bildung einer Finanzkommission zu finden, in der die gesamten durch den Versailler Vertrag nicht gebundenen Länder vertreten wären, und die die deutsche Reparativnsfähigkeit besti-nmen solle. Diese Tatsache bleibe übrig von den Gerüchten über eine Anleihe für Deutschland. Deutschland sei ebenfalls sondiert toorben, und Botschafter Wiedfeld habe mitgeteilt, bat) seine Regierung bereit fei, den Spruch einer derartigen Kommission anzunehmen, wenn die Vereinigten Staaten glaubten, daß die Kommission Deut ch and Gerechtigkeit widerfahren lasse. Diese vorstehende Form der Zusage sei veranlaßt durch den Umflartb. daß die Vereinigten Staaten streng an dem Umstand fest hielten, Deutschland müsse bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit befahlen. Frankreich seinerseits habe keine Zusage gegeben, sondern inoffizielle Fragen gestellt, welche Sicherheit gegebenenfalls über die derzeit bestehenden hinaus vorhanden sei, daß Deutschland bezahlen würde, wenn die Kommission einen gerechten und erträglichen Reparationsbetrag festsehe. Das Blatt stellt fest, daß Einzelheiten Hber die französisch amerikanischen Verhandlungen noch nicht mi'»¥ilt werden Lunten, daß aber die Vereinigten Staaten unter keinen Umftänben in der Lage seien, sich dafür zu verbürgen, daß Deutschland zahlen werde. einzige positive Versicherung der Vereinigten Staaten sei wirtschaftlicher Art; mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten könnten aus traditionellen Gründen keiner Gewaltanwendung zur Erreichung deutscher Zahlungen zustimmen. Das Blatt bestätigt, daß Morgan und R o o t h wegen des Eintrittes in die geplante Kommission sondiert worden seien. Rach den neuesten aus Washington vorliegenden Informationen wolle Frankreich von der Unterstützung Deutschlands in unmittelbarer Form Ruhen ziehen. Auch die Verhandlungen über die neue Anleihe von eineinhalb Milliarden Dollar stelle nur den Ausgangspunkt dieser Diskussion bar. Auf alle Fälle wolle Amerika das Geld nur gegen ausgezeichnete Sicherheiten geben. 3n Dankierskreisen schätze man jedoch die alliierte Hypothek auf Grund des Versailler Vertrages auf 50 Milliarden Dollar, so daß die Freigabe des für die amerikanische Anleihe erforderlichen Slcherheitsbetrages seitens der Reparationskommission keine unüberwindlichen Schwierigkeiten böte. 3n Washington nehme man an, daß auch Frankreich keine ernstlichen Einwendungen mehr gegen die teilweise Freigabe der auf E^utschland ruhenden Hypothek erheben werde, wenn es die Gewißheit erhalte, daß es unmittelbar Vorteil davon habe. Der Berichterstatter hält es für wahrscheinlich, daß offizielle Mitteilungen über die Verhandlungen erst nach der bevorstehenden Pariser Konferenz erfolgen werden. Paris, 20. Dez. (WTD) Das „Echo de Paris" veröffentlicht folgende Rachricht: Wie wir es schon gesagt haben, hat die Regierung der Vereinigten Staaten in keiner ihrer offiziellen Mitteilungen irgendeine direkte 3nter- pellation in der Reparationsfrcvge in Aussicht gestellt, die ihr in einem Teil der Presse zugeschrieben wird. Aber im Laufe der verschiedenen Unterhaltungen und ohne seine Gedanken in sehr klarer Form zu geben, hat Staatssekretär Hughes Gelegenheit gehabt, seine Ansicht über die Prozedur auszusprechen, die am vorteilhaftesten vorgenommen werden könne, um der augenblicklichen Schwierigkeiten Herr zu werden. So habe er von einer Wirtschafts - und F i - nanzkonferenz gesprochen, an der nicht nur die ehemals kriegführenden Staaten, sondern auch die neutralen Staaten teilnehmen sollen, die einen unparteiischen Gerichtshof einsetzen tonnten, dessen Aufgabe es sei. objektiv die Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu prüfen. Das fei der Rahmen, in dem sich nicht eine 3ntervention, sondern eine Vermittlung der Vereinigten Staaten abspiele. London, 19. Dez. (WTD.) Reuter berichtet zu der Reuhorker Melduno, daß Morgan erklärt habe, er wünsche lebhaft bei der Besserung der Lage beh'lflich zu sein, jedoch sei sein Standpunkt derselbe wie zur Zeit der Pariser Dankierkonferenz im Juli, die Meldung verstärke den Eindruck, daß Präsident Harding versuchen wolle, auf diploma- tischem Wege eine Herabsetzung der Reparationssumme zu erreichen oder die Grenze von Deutschlands Zahlungskraft festzustellen, bevor die Deratung über eine Anleihe beginne. Die Lausanner Konferenz. Lausanne. 19. Dez. (WTD.) 3n der Sitzung der Kommission über die Meerengenfrage überreichte die türkische Abordnung folgendes Projekt: 1. Es wird eine Kommission gebildet, die ihren Sitz in Konstantinopel hat und den "Hamen Meeren gen kommifs io n üh t. 2. Sie steht unter türkischem Vorsitz und setzt sich aus Vertretern Frankrei^s, Englands, 3ta- liens. Japans, Bulgariens. Rumäniens. Zugo- slawiens, Rußlands, der Ufraine und Georgiens zusammen. Der Anschluß der Vereinigten Staaten an dieses Abkommen verleiht ihnen das Recht, ebenfalls Vertreter zu entsenden. 3. Die von den Delegierten in der Kommission verursachten Kosten werden von den betreffenden Regierungen getragen. 4. Die Kommission hat die Aufgabe, die Durchführung der Bestimmungen über die Beschränkung der Kriegsfchifse sicherzustellen. 5. Die Meerengenkommission übt ihre Tätigkeit unter den Auspizien des Völkerbundes aus, dem sie jährlich einen Rechenschaftsbericht über ihre Tätigkeit vorlegt. Lausanne. 19. Dez. (WTD.) Die heutige Sitzung über die Meerengenfrage wird in Kon- ferenzkreisen auf das lebhafteste fommentiert. Man stellt fest, daß das russische Projekt glatt abgelehnt ist und nicht mehr zur Debatte steht. Außerdem totll man in den Erklärungen Lord Curzons an bte Türken eine Art Ultimatum sehen, da er weitere Vorschläge ablehnte und kategorisch forderte, daß man keine Zeit mehr verlieren dürfe, und die auf morgen einberufene Meerengenfitzung als letzte bezeichnete. Eine Bestätigung für die Auffassung, daß die Alliierten ihre Haltung in der Meerengenfrage festgelegt haben, will man darin erblicken, daß die englischen Marine- und Militärsach-:er ständigen mach London zurückgekehrt sind und infolgebelfen die Engländer keine Aenderung des Projektes mehr ins Auge fassen. Die türkischen Kreise bewahren diesen Kommentaren gegenüber große Zurückhaltung, äußern sich aber dahin, daß sie die Haltung der Alliierien Nicht als ein Ultimatum aufsassen wollen, sondern sich das Recht der Diskussion wahren wollen. 3n russischen Kreisen sieht man die Lage sehr pessimistisch an. Man erklärt dort, daß die Verbündeten absichtlich die Russen von den Verhandlungen ausschalteten, um damit die Möglichkeit einer Verständigung und eines Kompro- mihvertrags zu beseitigen. Unter diesen ilmftän- den könne Rußland einen Vertrag über die Meerengen nicht unterzeichnen. Ferner mache man auf das brutale Vorgehen der Alliierten aufmerksam, die ihre Methoden auf den übrigen Konferenzen auch in Lausanne wiederholten, indem sie. statt auf der Grundlage der Gleichberechtigung zu verhandeln. weiter auf dem Wege der Ultimaten operierten. 3n russischen Kreisen könne man, so sagt man, nicht glauben, daß derartige Methoden den Frieden im Haben Orient sichern teerten. Man hält allgemein die für morgen einberufene Sitzung für die entscheidende in der Meerengenfrage. Tschitscherin über den Völkerbund und die Meerengensrage. Lausanne, 19. Dez. (WTB.) Heber die Erklärungen, die Tschitscherin in der heutigen Debatte über die Meerengenfrage abgab, erfährt man: Gr wies zunächst daraus hin, daß das alliierte Projekt dem türkischen Volke die Souveränität aus der Hand nehme und in den Meerengen eine antirussische Festung aufrichte, und daß sich die Meerengenkvmmissivn größtenteils aus Mächten zusamme.rsetze. die bisher ihre Beziehungen zu Rußland noch nicht teie» bei’b-'rgeftellt hätten und noch kürzlich eine anti- russisck^ Koalition bildeten. Besonders lebhaft müsse Rußland die Garantie der Sicherheit der Meerengen durch den Völkerbund ablehnen. Hierzu eillärte Tschitscherin wörtlich: ^Rußland, die ilhaine und Georgien haben den Völkerbund nicht anerkannt und werden ihn nicht anerkennen, da feine Verfassung völlig unannehmbar ist. Rußland, die llfraine, Georgien, die Vereinigten! Staaten von Amerika, Deutschland und andere Staaten gehören dem Völkerbund nicht an. Er ist in Wahrheit nur ein Bund gewisser Mächte. Es ist daher vottständiz unannehmbar, wenn man ihm irgendwelche Aufgaben für die Meerengen ändert raut." Diese Klausel, so erklärte Tschitscherin weiter, würde nur eine Täuschung bedeuten und selbst, wenn der Völkerbund handeln wolle, habe man Beispiele seiner Art zu handeln, genug vor Augen Der Völkerbund habe Litauen nicht geschützt: er blieb angesichts des Handstreiches des Generals Zeliaowski in Wilna ohn- mäch ig; seine Oh nrnach t sei sprichwörtlich geworden. Gegen eine internationale Kommission mit anderen Befugnissen und anderen Organisationen habe Rußland nichts cinyuaxnfei, sondern in seinem Gegmvrojekt ftgar solch? Kommissionen mit rein techn scheu Aufgaben vvrge- schlagen. 3n einer solchen Kommission müsse abe: Deuts chland vertreten sein, dessen Han- belSintercffen in dm Meerengen sehr bedeutend seien. Das alliierte Projekt sei dagegen eine Vergewaltigung der Sicherheit Rußlands, der Unabhängigkeit der Türkei und 3nt?reffen des wahren Friedens. Die Haltu g der Alliierten sei von de? 3dee beherrscht, name-.t.i^) jede wirksame Kontrolle der KriegsM.fe unmöglich zu machen. Sie lernte sogar die türkisch? Garnison auf Gallipoli ab. und sie entwaffneten sogar d'.e Dardanellen vollständig. Die geringen Konzessionen, die die Alliierten auf dem asiatischen Ufer des Marmarameeres zugestanden hätten, spielten bemgegenüber keine Rolle. Der Zugang 'au Konstantinopel sei ebenso offen, wie der zum Schwarzen Meere. Die Erklärungen Lord Curzons hätten gleichfalls nur das Ziel verfolgt, die Verteidigung der Meerengen zu verhindern und Rußland dem Angriff großer Flotten auszusehen. Curzon habe Rußland als isoliert hingestellt, aber es habe einen mächtigen Verbündeten, und das sei der Steuerzahler aller Länder, der begriffen habe, daß die Erweiterung des Se.kriegsgebietes, die Erhöhung der Rüstungen und die Drohungen gegen Rußland alle Völker größ en Entbehrungen aussetze Der Steuerzahler aber schaffe letzten Endes die großen Meinungsströmungen, die heute bereits Abrüstung und Sparsamkeit fordern, und morgen den Triumph der von Rußland und seinen (Berbün- beten vertretenen Grundsätze sichern würden. Ägyptische Forderungen. Lausanne, 20. Dez. (WTD.) Di? hier weilende ägyptische Abordnung feite der Konferenz einen ausführliche i Bericht über die ägyptisch? Frage zu. in dem sie kh en Antrag auf Zulassung zur Konferenz wiederholt and folgende Forderungen aufftellt: 1. Am.-rle mung der völligen Unabhängigkeit des Rilgebietes (Aegypten und Sudan), 2. Abzug der britischen Truppen, 3. wirkliche Reutralität des Suezkanals und Ueberroachung dieser Reutralltät durch Aegypten. Zur Ermordung des Präsidenten der polnischen Republik. Warschau, 20. Dez. (WTD.) Die Leiche des ermordeten Präsidenten der Republik R a r u- towicz ist gestern vom Schloß Belvedere nach dem Königsschloß überführt worden und wurde feierlich ausgebahrt. 3m ganzen Lande haben TrauerkundgÄungen stattgesunden. Hinrichtungen in Irland. Dublin, 19. Dez. (WTD.) Amtlich wird bekanntgegeben, daß heute sieben Männer hingerichtet worden sind, weil sie fich im Besitze von Waffen befanden. Schmuggel an der badisch-schweizerischen Grenze. Freiburg (Dreisgau), 19. Dez. (WTD) Der Schmuggel an der badisch-schweizerischen Grenze ist gegenwärtig wieder außerordentlich umfangreich. ES erhellt aus der Tatsache, daß allein die Staatsanwaltschaft Konstanz in der Zeit vom 15. Rovember bis 15. Dezember über elf Millionen Mark Geldstrafen auf Warenfchmuggel verhängt hat und für eine Mil ücn Mark Waren beschlagnahmte. Dabei bandelt es sich bei diesen Strafen im allgemeinen nur um sogen, kleinen Grenzverkehr und nicht um großen Warenschmuggel. Die Staatsanwaltschaften in Walds Hut und Lörrach melden gleichfalls große Zahlen über Geldstrafen. Aus dem Reiche. Der Verkehr mit Ausländern. Berlin, 19. Dez. (WTB.) Das Wolff- Bureau erfährt von zuständiger Seite: 3n letzter Zeit häufen sich die Beschwerden der hiesigen Vertreter fremder Staaten über unfreundliche oder gar feindliche Haltung einzelner Personen aus der deutschen Bevölkerung gegenüber den bei uns wellenden Ausländern. Dies gibt Veranlassung, auf die Folgen hinzuweisen, die Ausschreitungen gegen hiesige Ausländer für Deutschland zeitigen können. Jeder sollte sich im Verkehr mit Fremden vergegenwärtigen, daß sein Verhalten die ohnehin notleidende Allgemeinheit und unsere Landsleute im Ausland in ernste Schwierigkeiten bringen kann. Die Forderungen ter StaatSarbeiter abgelehnt. Berlin, 20. Dez. Den Spitzenorganisationen ber Staatsarbeiter, die gestern im Reichsfinanzministerium wegen eines abermaligen Teuerungszuschlags für die zweite Dezemberhälfte vorstellig wurden, wurde erklärt, daß die Nachzahlung auf die erst kürzlich erhöhten Bezüge wegen der allgemeinen Finanzlage des Reiches und aus außenpolitischen Gründen unmöglich fei. ßaut dem „Lokal-Anzeiger- haben die Gewerkschaften daraufhin gestern abend eine Besprechung abgehalten, in der beschlossen wurde, in den nächsten Tagen einen neuen, gemeinsamen Schritt zu unternehmen. Einer Korresponbenzmeldung zufolge sollen die Gewerkschaften die Absicht haben, der Regierung zu erklären, daß sie für etwa aus- brechende TeilstreikS der Staatsarbeiter keine Verantwortung übernehmen könnten. Krankenkassen und Aerzte. D e r 11 n, 20. Dez. Laut dem „Vorwärts" haben die Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und Aerzten im ReichSarbeitS- ministerium zu einer vorläufigenCini- gung geführt hinsichtlich der Honorarfrage. Lieber die Frage der freien Arztwahl konnte eine Einigung nicht erzielt werden. Anfang Februar soll unter Mitwirkung des Reichs- arbeitsminifteriums über den für Februar fälligen Teuerungszuschlag verhandelt werden. Sin Gastwiriestreik in Hamburg. Hamburg. 19. Dez. (WTB ) Am Donnerstag bleiben die Restaurants und die Küchen- betriebe der Hamburger Hotels anläßlich einer Protestkundgebung gegen das von der Reichsregierung geplante Schank st ätten- g e s e h von 12 Uhr mittags ab geschloßen. Die Hotels selbst sind jedoch zur Aufnahme von Fremden geöffnet. DaS Reichsgericht über die Preisberechnungen. Leipzig, 19. Dez. (WTB.) DaS Reichsgericht hat heute entschieden, daß bet der Preisberechnung von Ware n der Wiederbeschaffungspreis nicht gefordert werden darf, dagegen die volle Geldentwertung beim Einstandspreise berücksichtigt werden kann. Unter Anerkennung dieses Standpunktes hob das Reichsgericht zwei Urteile des Landgerichts Gera auf, wodurch zwei Kaufleute wegen Preistreiberei zu 3000 Mk. und 1000 Mk. Geldstrafe verurteilt worden waren. Aus Hessen. DuS dem Finanzausschuß. cm Darmstadt. 19. Dc?. Der Finanzausschuß des Landtags trat Heute vormittag unter dem Vorsitz des Äl>g. Dr. DeHl inner zu seiner diesjährigen letzten Tagung zusammen. Der Antrag des Abg. Dc. Werner aus Aus- dch.mng der schulärztlichen Untersuchungen auch aus die Schüler höherer Lehranstalten wird von der Regierung, wie von dem Aus- schuß freudig begrüßt. Allseitig wurde die Notwendigkeit einer solchen.Maßregel anerkannt und vom Ausschuß beschlossen, dem Antrag Folge zu geben. — Lieber das Ergebnis der Besichtigung der H e i l - u n d P f l e g e a n st a l t „P h i- . tp s h o s p i t a l" bet Goddelau wird hieraus Bericht erstattet, wobei se^tgestellt wurde, daß die Einrlchtungen wie die Leitung ganz vorzüglich sind. Versäumte Ernte von Feldfrüchten. rm. Darmstadt. 19. Dez. Auf die Kleine Anfrage des Abg Henzel zu Obbornhof.n über r,as Hofgut Obbornhofen vom 27. Ao- vember hat die Regierung erwidert: Durch die Gendarmerie wurde festgestellt, daß am 6. De- 5 e m b e r 1922 noch in 6bis ^Morgen die Kartoffeln steckten. Mit dem Aus- machen waren gerade 35 Mairn beschäftigt: tags zuvor sollen es etwa 70 Personen gewesen sein. Gleichzeitig waren am genannten Tage noch Leute mit R ü b e n a u s m a che n beschäftigt. Aach Aussage des Pächters sollten die Arbeiten bis Ende der vorige» Woche fertig sein. Erfrorene -Zuckerrüben wurden nicht festgestellt, dagegen viele faule Kartoffeln. — Lim künftigen Schädigungen der Bolksernährung vorzubeugen, wird gegebenen- falls von dec Verordnung über die Sicherung der Landbewirtschaftung Gebrauch zu machen sein Das Kreisamt Gießen habe entsprechende Weisung erhalten. Aus Stabt und Land. Dießen, den 20. Dezember 1922. Das soziale Hilfsrvcrk in nuferer Stadt, baS für unsere bedürftigen Mitbürger ein Sonnenstrahl in dem Grau der schwere i alltäg- lichen Lebenssorgen ist, hat bis jetzt em Resultat gezeitigt, mit dem sich unsere Stadt ohne rege schaffende, bedeutende Industrie sehr gut sehen lassen feiter zu helfen nach besten Kräftenl Die hessische Staatsregierung hat für unsere Stadt 1 Million Mark Aot Hilfespende in Aussicht gestellt. Diese Million, so dankbar sic auch angenommen wird, genügt aber noch nicht, um unsere leidenden Brüder und Schwestern in Gie .er über diesen schweren Winter hinwegzubringe i. Die tätige Hilfe der Bürgerschaft muß ty.er U eiter am Werke blllbeni Weihnachten, das Fest der Liebe, sttHt vor der Tür. Möge es locht vielen Erwerbskräftigen em Anlaß sein, den in schwerer Aot befindlichen Mitbürgern durch ei: e Weih- nachtsgabe ein h lle e3 Weihnachtsfest zu bereiten. Das städtische Wohlfahrtsamt ist sicherlich bereit, sich auch bie,e;n Dienst gerne helfend und beratend zur Verfügung zu stellen. •* Einspr6che«ieftcnGcmeinderatswahren vor dein Aretsansschnft. In einer öffentlich:» Sitzung des Kreisaus- schlstes, d'e gestern vormittag im Sitzungssaals des RegierungsgebäudLs stattsand, wurde über mehrere Einsprüche gegen Gemei.rderatswahlen entschieden. Den Vo:sitz führte Regierungsrat Hemmerde, als D.ll i^ec fungierten La:idtagSabge- ordneter Fenchel- Ober-Hörgern, Oekonom ©ottmann-Gießen, Rech sanwalt Hom- berger-Gießen und Prof. Weißgerber- Gießen. Vier Sachen standen zur Verhandlung. In allen Fällen war Einspruch erhoben word.m, weil auf dem Kopf von Wahlzetteln nicht der nach A tikel 35 des Gesetzes vvrgesch iebene Vordruck „Gerneinderatswahl" stand. In dec Verhandlung des Einipcuchs gegen die Gemeinderatswahl in Klein-Linden, die zuerst auf der Tagesordnung stand, entschied der Kreisausschuß dahin, daß die Stimmzettel trotz des Fehlens dieses Aufdrucks gültig feien, well es sich in dem Artikel 33 um eine sog. Soll- und nicht um eine Muß-Vorschrist ha'.rdle. Diese Interpretation habe das Mi nsterium selbst auf Anfrage g g.bm, und ihre Rich igkett gehe hervor^ aus Artikel 39 des Gesetzes, in welchem die G.ünbe, aus denen ein Stt.nmzettel ungültig sei, e schöpfend aufgeführt feien; der Llmstand, daß daZ Wort „Gemeinde attzwahl" auf den Stimmzettel fehle, werde nicht als Llngältigl'eitsgrund aufgeführt. Daraufhin zogen die Personen, die Einipruch gegen die Wahl in der Gemeinde Lang-Göns und in der Gemeinde Reiskirchen aus dem gleichen Grunde eingerelcht hatten, ihre Beanstandungen zurück, so daß über die e beiden Wahlen nicht verhandelt zu werden brauchte. Bezüglich der Wahl in der Gemeinde Reiskirchen war außerdem noch Einspruch eingelegt worden wegen eines angeb ich unzulässigen Ver- wandtschaftsve hältnisses zwi chen Gemeinderats- mitgliedem. Es handelt sich darum, daß zwei Gemeinderalsmitglieder Schwestern zu Frauen haben. Auf Belehrung des Vorsitzenden, daß dieses Verwandtschaftsverhältnis nicht unter das Verbot des Artikels 6 des Wahlgesetzes falle, wurde auch dieser Einspruch zu i ückgezogen. Die beiden Einsprüche gegen die Gemeinde- ratswahl in Beuern kamen zur Verhandlung. Sie waren von zwei verschiedenen Seiten eingelegt und betrafen vier Punkte. Zunächst war Las Fehlen des Ausdruckes „Gemeinderatswahl" auf den Stimmzetteln einer Partei bemängelt. Insoweit wurde der Einspruch zurückgenom- m e n. Dec zweite Anfechtungsgrund war darin gefunden, daß die W a h l z e t t e l einer Partei aus H o l z f a s e r st o s f hergestellt seien und nicht aus ordnungsmäß g Weitzen Papier. Der Kreisausschuß erklärte die Stimmzettel jedoch für gültig, da er der Meinung war, dieser Holz- a s e r st o f f stelle weißes Papier dar. Die beiden weiteren Einspruchsvuntte waren darin gefunden, daß eine a l t e, g e br e chl i ch e W ä h - lerin sich beim Ginstecken des Wahl- z e t t e l s in den Llmschlag hatte helfen lassen, und daß ein Beisitzer der Wahlkommis° i o n seinen Wahlzettel am Wahltisch. in den Llmschlag gesteckt und den LI m s ch l a g selbst in die 31 r ne geworfen hatte. Der Kreisaus- ch ß entschied auf Zurückweisung der beiden Einspruchspunkte, da durch den ersteren, selbst wenn das Vorgehen den gesetzlichen Bestimmun- gen nicht entsprochen hätte, eine Aenderung des Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von 2 i e S v e t Dill. 66. Fortsetzung. (Aachdruck verboten.) »Sie haben keine Karten geschickt, beim er ist Amerikaner, die zeigen nur die Hochzeit an, und bei Liane dst es auch besser so. Sie hat ihn auf dem Schiss kennen gelernt, sein Vater hat Brauereien in Nordamerika; er gibt jedem Sohn bei seiner Mündigkeit eine Million mit, und er hat fünf Söhne." Ernst begann mit der Zange Figuren auf die Decke xu zeichnen. „Lind was sie später erbt, ist sicher dreimal so viel." Aun, Liane konnte das geb rauchm und er war schon gang in ihren Händen. Sie hatte gar nicht gedacht, daß Amerikaner so verliebt sein könnten. Lind wie er die Mama verwöhnte. Diese Geschenke, die Ausstattung. Sie lag jetzt bei Meyers im Fenster. Sie blieben vorläufig hier und hatten sich eine Villa am Kurgarten gemietet, denn solange die Mutter lebte, ging Liane nicht nach drüben. Lutz war mit seiner jungen Frau jeden Sonntag hier, und es mußte ihm doch entsetzlich peinlich sein, wenn es geschehen sollte, daß er einem Von der Familie auf der Straße begegnete „Es ist geschehen," sagte Ernst, tu seine Figuren Verlieft. „Ach du lieber Herrgott. Wer war es beim?" „Die gute Großmama. Sie kutschierte gerade ins .Nachmittagskonzell und fragte mich, ob ich „glücklich alles hinter mir hatte"! Lind da sagte ich mit gutem Gewissen ja.“ „Es ist eine alte Frau,“ verwies ihn Fräulein Schmidt. „Lind so gut ist sie gar nicht, denn sie hat Grete während ihrer Sch.idungszeit feinen Heller gegeben, sondern ihr immer Vorwürfe gemacht. Änd früher wollte sie es doch nicht haben mit Ihnen, weil sie gegen Juristen etwas hatte. Denken Sie aber, wen i es- Ihr Bruder Lutz oder gar Liane gewesen wäret" Auch das war geschehen. Lind zwar gestern. Auf bei Kurhauspromenade gegen Abend. „Latz mit einer Dame am Arm, ich dachte erst, es sei meine einstige Gemahlin, aber es w.rd wohl seine junge Frau gewesen sein — und Liane mit einem Kavalier. Sie gingen vor mir her. und ich hörte gerade Lutz sagen: „Meinen Bruder haben wir aufgegeben.“ „Lind was taten Sie daraus?“ „Ich stieg bi eine Droschte, die gerade vor» überkam " „Sehen Sie, Ernst. Lind so was kann sich doch wiederholen. Es könnte doch auch mal Herbert fein, er ist jetzt auf Goldenbergs Bureau." „Was macht er denn dort?" „Er schreibt Adressen. Später wlll ihn Grler übernehmen." „Der Glückliche," sagte Ernst, und scheuchte die surrenden 5.legen von der Zuckerdose „Denken Sie doch an ihre arme Mama," fuhr sie fort, da alles nicht die gewünschte Erschütterung bei Ernst hervorzurufen schien. „Wenn sie wüßte, daß Sie hier wohnten! W.nn Sie die einmal träfen in der Stadt! Von so einem Schreck kann einen der Schlag rühren, Ernst." Aber er hatte schon wieder die Augen geschlossen, und seine Hand lag leblos uni) leer in der ihren. So entschloß sie sich zu dem letzten Stoß. Sie senkte ihre Stimme, um ihm das Bitterste zu sagen. Grete hatte sich verlobt. Mit einem Obciingenieur der großen Maschinenfabrik da draußen am Rhein, Heureka oder so. „Llmla," verbesserte Ernst. Ja, sie hatte sich rasch getröstet. Aber sie würde auch hier bleiben, in derselben Stadl... Ernst war zum erstenmal zusammengezuckt, als Gretes Aamen fiel. „Gehen Sie fort von hier, Ernst," fuhr sie eindringlicher fort. „Sie leben sich überall ein und setzen sich überall durch. Das ist Herweghsche All. Auch Lutz hat sich durchgesetzt und Liane, und dec Lümmel wird es auch. Aber Sie Ijaben Wahlergebnisses nicht herbeigeführt würde, und das Cinwerfen des Wahlum,chlages durch den Beisitzer nicht zu beanstanden fei, da dieser, wie der Bürgermeister bekundet hatte, von ihm mit dem Einwerfen der Wahlumschläge in die ilrne ausdrücklich beauftragt war. Die ErnspruchSerheber haben in allen Fällen die Kosten des Verfahrens zu tragen. Den Well des Streitgegenstandes setzte der KreisauSschuß jeweils auf 5000 Mark fest. L.L1. Von der Landesuniversität. Die venia legendi wurde an unserer ilnioerfität erteilt dem Dr. Phil Ernst R e u n i n g für das Fach der Mineralogie Petrographie und Lagerstättenkunde bei der Philosophischen Fakultät, dem Dr. Julius Lewy für das Fach der semitischen Philologie bei derselben Fakultät. Ferner wurde dem Privatdozenten Dr. Erich Stern die venia legendi für das Gesamtgebiet der Philosophie und Pädagogik bei der Philos. Fakultät ertoeitert. * D i e Teuerungszufchläge zu den Gebühren der Schornsteinfeger sind mit Wirkung vom 11. Dezember ab wie folgt festgesetzt worden: Für die Kehrbezirke der Städte Darmstadt, Mainz, Offenbach und Gießen auf 5200 v. H., für die übrigen Kehrbezille des Landes auf 6800 v. H. ** Die Feststellung des Provinzialtags » Wahlergebn isses wirb morgen, DvnnnerStag, nachmittag 5 Ahr, im S'tzungssaale des RegferungSgebäures, Land- graf-Ph.lipp-Platz Ar. 3, vorgenommen werden. "Die nächsten Zahltage der Kreiskasse sind wie folgt feftge.ejt worden: Hun » gen in der Wirtschaft „Zur guten Quelle", Bahnhofstraße 8, auf Donnerstag, 23. Dez., nachmittags von 2Vs bis 6 Llhc; Lich im Rathaus auf Freitag, 2d. Dez., nachmittags von 2xk bis 6 Llhr; Grünberg im Rathaus cuf Samstag, 30. Dez., vormittags von 9V2 bis 2 Llhr nachmittags. Die Zahltage an den genann en Orten anfangs Januar 1923 fallen dagegen aus. ** Nochmals d ie Llmlausszeit des oberhessischen Notgeldes. Der Provinzialdirektor gibt im neuesten Amtsver- kündigungsblatt bekannt: Die Llmlausszeit für das von Der Provinz Oberhe'sen angegebene Notgeld ist durch den Herrn Reichsfinanzminister weiterhin bis 5. Februar kommenden Jahres verlängert worden. Wegen der Einlösung der NotgelLscheine wird später eine besondere Bekanntmachung erfolgen. ** Versuchter Raub in der Iohanneskirche. Ein Kicchendiebstahl wurde am Montag abend zwischen 6—' 28 Llhr in der Iohanneskirche versucht. Diebsgesindel hatte sich während der Konfirmandenstunde in die Kirche eingeschlichen und sich einschließen lassen. Darauf drangen die lichtscheuen Gesellen in die Sakristei ein und versuchten h er, einen schweren eisernen Schrank, in dem das wertvolle AlbendmahlSgerät aufbewahrt war, - aufzubrechen. Von außen her war man aber auf das Treiben aufmerksam geworden, die Gesellschaft wurde gestört und ging schleunigst durch die Hintere Tur der Sakristei, die sie mit dem von innen steckenden Schlüssel öffnete, unter Mitnahme des Schlüssels flüchtig. Die Nachforschungen nach den Kerlen sind im Gange. Seitens des Kirchenvorstandes sind sofort besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. Das Schloß m der Sakristei yat man natürlich ärtbern lassen, außerdem hat man auch alle Wertsachen der Kirche aus dieser entfernt und an einem sicheren Orte zur Aufbewahrung untergebracht. ** Fest genommen wurde ein Hausierer mit Schreibpapier, der in einem Hause der Frankfurter Straße einen Herren- und Damenmantel entwendet chatte. < Tod auf dem Bahnhof. Gestern abend um 6 Llhr wurde ein Herr aus Bad- Ems, der aus der Marburger Klinik kam und von seinem Sohn begleitet tou.b-2, auf dem hiesigen Bahnhof von einem Herzschlag ereilt. Der Tod trat in wenigen Augenblicken ein. **DerZollamtsdienstamWeih- nachtsfest. Die Amtsräume des Haupr- zollamts Gießen werden am 25., dem ersten Weihnachtsfeiertage, vormittags von 10 bis 11 Llhr, zur Abfertigung von aus dem Auslande eingehenden Weihnachtspaketen geöffnet sein. turmhoch über allen gestanden. An Sie hab' ich geglaubt, als Sie noch nichts waren wie ein Gymnasiast, und damals, als sich alles gegen Sie erhob, alle —“ Sie deckte die ‘ Zuckerdose zu. „AIS es Ihnen am schlimmsten ging, da droben in dem Gefängnis, verzeihen Die —“ „O bitte.“ „Als alle Sie für schuldig hielten, hab' ich■ gesagt: Gr ist ohne Schuld. Als sie Sie in die Anstalt brachten, bin ich zu Doktor Rickert gelaufen und habe ihm unter Tränen gedankt. De m es ist besser, unser Geist ist krank, wie unser Charakter schlecht. Lind dann bin ich zum Notar gegangen und habe mein Testament gemacht. Gerad' tote ich's immer gewollt. Sehen Sie, Ernst," fuhr sie fort, „mein Bruder, der die Näh- Maschinenfabrik in der Pfalz hat, der braucht mein Geld nicht mehr, er hat nur einen Sohn, und sonst habe ich keine Verwandten. Wenigstens keine, die sich je um mich gefümmert haben, denn viele denken, um so ein altes Fräulein braucht man das nicht, nachher fällt einem ja doch alles in den Schoß. O nein, ich will mein Geld denen vermachet, die meine Freunde gewesen sind. Lind das sind Sie. Ihre Mutter hat sich um mich gekümmert, tote ich krank war, und in gesunden Tagen hat sie mich eingeladen. Lind nicht mal ein Zimmer hab' 'ich ihr tapezieren lassen und Feinen Ofen gesetzt..." Sie weinte. „Das tun mir jetzt leid, und ich mochte das alles gittmachen. Air Ihnen, Ernst. Wenn Sie das Geld jetzt brauchen sollten, es liegt ja da. Mit warmer Hand soll man schenken, nicht mit kalter, hat meine selige Mutter immer gesagt. Aber ich verlange ein Versprechen von Ähnen, eher gehe ich nicht aus dem Zimmer: Gehen Sie fort von hier, Ernst, und zwar bald." Fräulein Schmidt hatte einen Freudenausbruch erwallet. Aber Ernst blieb stumm. Er hatte ihr während der letzten Wolle die Hand entzogen und sie in die Tasch: gesteckt. Er schaufelte sacht auf feinem Stuhle hin und her und schaute an ihr Bornottzen. — Tages ka lender für Mittwoch. Stadtth.ater, 7 Llhr: „Die Hambarger Filiale". — Stadtkirche, 8 Llhr: Schützsches Weihnachtsoratorium. — Cas4 Leid, 8 illyr: Konzell und humo- listische Vorträge. — Palast-Lichtspiele: „Die Macht der Versuchung“ und „Wer wirft den ersten Stcin". — Aus dem Stadttheaterbureau. Am kommenden Freitag geht Anton Wild- g a n s' dramatisches Gedicht „K a i n“ hier erstmalig in Szene und wird am 1. Weihnachtsfeiertage wiederholt. Die Spielleitung bei Einstudierung dieser interessanten Neuheit führt Herr Telekh, in die darstellerischen Aufgaben teilen sich die Herren Juhnke, Schubert, From- mann und Fräulein Marcks. — Als nächste Neueinstudierung im Schauspiel steht Tolstois „Macht der Finsternis" auf dem Spiel- plan: in der Operette wird Mlllöckers „G a s p a- rone" vorbereitet, und zwar mit der dankenswerten Llnterstützung einer hiesigen gemischten Chorvereinigung. — Llm den Inhabern von Gutscheinen Gelegenheit zu geben, diese ^außerhalb der Abonnements unterzubringen, wird für die erste Hälfte des Januar Dario Aicodemis interessante Komödie „S c a m p 0 l 0“ wiedereinstudiert, die nicht ins Abonnement kommen soll. — In der Stadtkirche findet heute abend ein Weihnachtsvratvrium statt. (Siehe Anzeige.) Wettervoraussage für Donnerstag- Einzelne Regenschauer bei starken nvrdwestt lichen, später nördlichen Winden, kälter. Don der ausgedehnten Depression südlich Irlands, die noch immer unverändert an derselben Stelle liegt, hat sich ein tiefer Teilwirbel losgelöst, der noch im Laufe dieses Tages über uns hinwegzi.hen wird. Nach seinem Abzug wird sich das Wetter zeitweise aufheitern. Landkreis Gictzen. X W i e s e ck, 18. Dez. In einer von der Soz'aldemokratischen Partei einberufenen öffentlichen Versammlung sprach der frühere Hess sche Pfarrer Schultheis, zur Zeit in Gelnhausen, über „E Vangel iumundSo- z i a l i s m u S“. Als Cvangelischsozialer erwiderte ihm Pfarrer Sattler von hier. * Mainzlar, 19. Dez. In der letzten Nacht wurde dem Land- unö Gastwirt Heinrich Vogel IV. eine trächtige Kuh aus dem Stalle gestohlen. Die Gendarmerie- wachtme ster Brück und K n a u h von Lollar stellten fest, daß die Diebesspur durch Dau- bringen führt, von da ab gingen aber weitere Merkmale verloren. Die Hausbewohner hatten von der Gegenwart der Diebe nichts gemerkt. Kreis Schotten. n 2au bad?, 18. Dez. Gestern abend hiell der Zweigv^rcin Laubach des Vogelsberger Höhenklubs (Vorsttzender Dr. Wach'el) seine Weihnachtsbescherung ab. Der Singchor des Klubs verschönt» die Feier durch treffliche musikattsche und dramatische Ausführungen. * Wetterfeld, 18. Dez. Prof. Dr. Roeschen-L-iubach, der im Auftrage der staatlichen Denkmalpflege zur Zeit das Wet- terfelder Gerneindearchiv ordnet und verzeichnet, hielt hier einen für unseren Ort recht interessanten Vortrag über Sagen aus Wetterfeld und Hingegenb. Vorträge über die Geschichte unseres Dorfes, die Prof. Roeschen angekündigt hat, werden mit lebhaftem Interesse erwartet. Starkenvnrg und Rheinhessen. rm. Darmstadt, 22. Dez. Der 22jährige Kaufmann Weigand hat heute nacht seiner Braut, der 20jährigen Irmgard Kießling, in deren Hause, Alexanderstraße 8, nach einem Wortwechsel den Hals mit einem Rasiermesser durchschnitten. Der Täter ist flüchtig. Kreis Friedberg. * Friedberg, 19. Dez. Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft hat die Zahl der Mitglieder der Handelskammer Friedberg auf 17 festgesetzt. Der Wahlbezirk (Amtsgerichtsbezirk) Butzbach stellt 3 Mttglieder. Heutiger Stand des Dollars 10 Llhr vormittags: Berlin 6925, Frankfurt a. M. 6900. vorbei auf die blonde Nymphe, deren schlanker Rücken in der Sonne glänzte. Die Türe war offen geblieben, und es war, als hörten die Bilde! doll alle zu. „Ich danke Ihnen, Fräulein Schmidt,“ sagt« Ernst, „für Ihre Absicht, mich in Ihrem Testa^ ment zu bebmfen, und für das Vertrauen, bai Eie in mich sehen. Ich habe nie an Ihrer Gütc gezweifelt. Abei. ich muß Ihren Vorschlag, ver^ zeihen Sie, ablehnen, weil ich mit allem, was ftüher war, abzeschlossen habe.“ Er machte eine entschiedene Bewegung mit der Hand, die er bann wieder in die Tasche schob. „Ich denke gar nicht daran, fortzugehen.“ „Aber Herr Ernst!“ rief das verzweifelt« alte Fräulein, „wenn Ihnen Ihre eigene Familie gar nichts mehr bedeutet, so denken Sie doch an die Kvllins? Besonders den alten Herrn! Sv wissen wohl nichr., was ihn die Sache gekostet hat?" „Doch fünfzigtausend Mark," sagte Ernst. Fräulein Schmidt fand diese Bemerkung frivol, aber sie ging darüber hinweg. „Auch Grete hat viel durchgemacht. Nein, Herr Ernst, ich finde es nicht hübsch von Ihnen, daß Sie darüber lachen." „Aber ich lache ja gar nicht, Fräuleii Schmidt.“ „Doch Sie haben gelacht. Ich sehe, daß Sie alles noch viel zu leicht nehmen. Damals im Gefängnis haben Sie auch gefiedelt und gesungen. Das ist keine Lebensauffassung. Sie müssen die Kraft haben und sich auf raffen und hier fort’ gehen," setzte sie mit jener EntschiÄ>enhett hinzu die sie nur böswilligen Mietparteien gegen- über fand. „Warum soll ich denn follgehen, wenn eS mir hier gefällt?" sagte Ernst. „LliG warum finden Sie das so unbegreiflich? Es hat mir immer hier gefallen.“ 1 Fortsetzung folgte • Dubbach, IS. DeA. Die ^auSlormnlung für die Winternothilfe ifl im wesentlichen «bgefchlossen. Der Gesamtertrag einschl. der Spenden der Industrie beläuft sich auf 2 4 0 00 0 Mark. Das Gewerkschastskartell hat dem Rot HUfeaus schuh mitgeteilt, dah eS seine Hilfsaktion s e l b st durchzuführen gedenke. Don Str Geschäftswelt sind ansehnliche Warenmengen als Hilfsgabe in Aussicht gestellt. Man trögt sich jetzt auch mit dem Gedanken, eine Wohltätig- keitsveranstaltuna nach dem Vorbild deS Giehener .Dienenkorb" in die Wege zu leiten. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M. IS. Dez. 3n den beiden letzten Dächten haben Einbrecher in diesigen Geschäften und Privathäusern besonders schwer gehaust. Inmitten des flutenden Racht- verkehrS drangen Diebe am Kaiserplatz in das Lederwarengeschäfl von Schnell und stahlen hier mit sicherer fachmännischer Hand feine Wiener Lederwaren. Goldfüllfederhal ec im Gesamtwert von mehr als acht Millionen Mark. — Aus einer Wohnung der Rhein- st r a b e holte ein Dieb am Hellen Dormittag einen Perserteppich im Wert von einer Million Mark, am nächsten Tage aus einer anderen Wohnung, in die er durch ein offenstehendes Fenster eindrang, einen Gebetsteppich für eine Million Mark. — AuS einer Wohnung der Eschenbach st rahe Holle man nachts einen Disampelz für 300 000 Mark. — Der lSjäbrige Arbeiter Hermann Neuner und der 20jährige Däcker Friedrich Wolf stahlen aus einer Wohnung der Kant st rohe für 500 000 Mark Wäsche, der 23jährige Kaufmann Ferd. Hahne aus Elberfeld und der 19jährige Kellner © elfen b ö r f e r auS Dürnberg aus einem Lager der Gneisenaustrahe für 300 000 Mark Kleider: ein 20jähriger Arbeiter brach nachts in die Wohnung seiner eigenen Ellern ein und stahl hier Kleider für 200 000 Mark, und schliestlich entwendet« der 22jährige Arbeiter Heinrich H u s e r seinen hiesigen Derwandten Äfeitter für 200 000 Mark. — Der Dankbeamte Hermann Dick hat seiner Dank, einem hiesigen Groh- institut, Devisen im Werte von Dielen Millionen unterschlagen und ist damit flüchtig gegangen. Er konnte bisher nicht ergriffen werden. fpd. Frankfurt a. M., 19. Dez. Die Stadt F r a n k f u r t hot bei einer Gruppe, der 26 Frankfurter und zwei Derliner Dankhäuser anaeyören. einen dreimonatlichen Vor sch uh von 840 Millionen Mark ausgervmmen Dieser Dorschuh dürfte wahrscheinl ch die Vorbereitung für eine spätere Anleihe sein. * 3 bft e In, 18. Dez. Die hiesige Slabtverord- netentxisammlung hat zur Verbilligung deS Beerb igungswesens beschlossen: Minderbemittelte Familien erhallen das Holz zu einem einfachen Sorge zu dem Selbstkostenpreise. (Als minderbemittelt gelten diejenigen Personen, die nach ihrem Einkommen brotversorgungsberechtigt sind.) Ortsarme erhalten kostenlose Beerdigung. ES sollen 15 Fest Meter Holz gefällt und 15 Särge in Auftrag gegeben werden. Die Deerdigungs- ordnung wird dahin geändert, dah eS nunmehr Angehörigen des Verstorbenen erlaubt ist, an- ilelle des städtischen Leichenwagens die Heber- führuna der Leiche nach dem Friedhof selbst zu übernehmen. fpd. E a s s e 1, 19. Dez. 3n der gestrigen Stadtverordnetenversammlung kam es zwischen dem Stadtrat Rehn und dem Stadtverordneten St, Drill zu einer regelrechten Prügelei. Erst durch das Dazwischentreten anderer Stadtverordneten konnte dem Kampf ein Ende gemacht werden. Die Sitzung wurde für kurze 3eü unterbrochen, damit sich die Gemüter beruhigen formten. Schöffengericht. Giehen, 15. Dez. Gin Metzger aus Studern^vim in ter Pfalz ist angeilagt, mit einer Rei'.> anderer bereits abgeurteilten Personen sich zusammengervttet und mit vereinten Kräften einen gewaltsamen A u s - bruch aus dem hiesigen Landgerichts- g e f ä n g n i s unternommen zu haben. Mangels ausreichenden Beweises nut&te er freigespro- chen werden. Wegen Unterschlagung erhält ein Mechaniker aus Stuttgart 6 Monate Gefängnis. Gr Hot einen Koffer, den ihm ein Hilfsarbeiter zur Reparatur übergeben holte, mit seinem Inhalt, beskchrnd ou-Hem"«n, Unterbot en. Ta fchrn tüchern, Schuchen, Dürft«!, Zigarren, 3igaueLe.i usw., für sich be'hollen und verkauft. Betrugs Hot sich ein Händler von hier schuldig gemacht, indem er efctet Üefigen GewerkschaftS beamten unter te: falschen Dorspiege- lung, er wolle khm etn ande.eZ Fahrrad im Tausch besorgen, veranlagte, ihm sein Fahrrad gegen Hinterlegung einer Sicherheit von ZOO Mk. Y.'couszogeben, worauf er eZ alsbald für 3500 M. an einen Dritten verkaufte. Gr wird deshalb zu einer Geldstrafe von 5000 Mark verurteilt. Ein junger Turf4x2 im Alter von 15 Jahren aus Steele bei Ejsei hot dem Dachtwächter in Allendorf a._ d. Lda.. in dessen Wachtstube er Wiede.holt übernachte e die Messingteile einer Hh., wie Rädchen, Gewichte, Kelten und Zeiger, und den DochtbeHälter ei ec Petrvlcumlampe gestohlen. Zwei Tage darauf hat er in tem hiesigen Bahnhof ein Stück des Abslustrohres ei eEasch- deckens cntuxmiel. Der trotz feiner Jugend schon zw imal wegen Diebstahls vo.le'trajte Bursche muh feine mit grober Frech>it auSgefübrten Taten mit 3 Monaten Gefängnis büsten. Ein Dienftmädchrn aus Mardorf bei Kirchhain, doS in einem hiesigen Ho el in Stellung war, Hot seiner Herrschaft ein Deltuch jm Werte von 3000 Mark gestohlen und sich ein Hemd und einen Unterred daraus gemacht. Es war in grober Rot und konnte nicht einmal ein paar ganze Stiefel sein e'.gen nennen, muhte sich viel- m.h.-, als eS vorgeführt wurde, ein Paar leihen. Mit Rücksicht hierauf wurde es als rückfällige Di.bin mit der Mindeststrafe von 3 Monaten Gefängnis, die das Gesetz in diesem Falle zuläht, ktestraft. Wegen Beleidigung wurde ein Rohtabak- trönbler auS Hamlurg zu einet Geldstrafe von 1 000 Ma r k verurteilt. Er hatte den Inhabern einer hiesige i Zigarrenfab ik in einem D.i.-f .klcinstäbtischen Dünkel und äleoerhebung" voigeworfen. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. ** Das Amtsverkündigungsblatt Olr. 125 vom 19. Dez. enthält: Wahlen zum Pro- vinzialtag. — Ausgabe von Dotgeld durch die Provinz Oberhessen. — Gebühren der Schornsteinfeger. — Dolkshvchschulkurse. — Wahl des Reichspräsidenten. — Dienstvorschrift über den Waffengebrauch in der hessischen Polizei und Gendarmerie. — Unterstützung von Rentenempfängern der Invaliden- und AngestelltenoersichL- rung: hier: Abrechnung. — Zahltage der Kreiskasse. — Termin für die Einsendung der Gemeinde-, Mark- und Stiftsrechnungei für 1921. — Festsetzung des Wertes der Sachbezüge. — Errichtung einer Zwangsinnung der Wagnermeister des Kreises Giehen. — Baupoliteiordnung für die Gemeinde Beuern. — Wassergenossen- schaft „Maifeldgenossenschaft" zu Steinheim,' hier: Auflösung derselben. Strebe nnd Schule. ” Erledigte Schulstellen. Ärledigt sind: eine LehrersteUe für einen katholischrn LeHrer an der Volksschule in Dürstadt. K eis Bensheim. Dumstwohnung ist nicht Vorhanden, Familtenwdh.iung Bann in absehbarer Zeit nicht beschafft aterben; eine Lechrerstelle für einen katholischen Lehrer oder eine katholische Lehrerin an der Dvlksschule in Klein-Hausen, KreiS DmSheim. Dienstwohnung ist lUchi vorhanden, Mietwohnung für eine Familie kann in ab» barer Zeit nicht beschafst werde'i: je eine Schulstelle für einen evangelischen Lehrer und eine evangelische Ls'./ e in an der evangelischen Volks - schule in Lampertheim, Kreis Bensheim. Dienstwohnung ist nicht vorhanden, Familientoob- nung kann nicht beschaf.t werden: je eine Schulstelle für einen katholischen Lehrer und eine katholische Lehrerin an der Volksschule zu Lorsch. Dienstwohnung ist nicht vorhanden, Fa- mitten Wohnung kann in absehbarer Zeit schwerlich beschafft werden: eine Lehrerinstelle für eine katholische Lehrerin an der Dvlksschule za W a l l° d o r f, Kreis Groh-Gerau. Dienstwoh-.rung ist nicht vorhanden, Wohnung für eine alleinstehende Lehrerin kann beschafft werden. ri. Lich, 18. Dez. Bei der Wahl zum Landeskirchentag stimmten 4D Gemeinde- Vertreter ab. Auf Landtagsabgeordneten Fen - ch e l als Abgeordneten fielen 32, auf A l t v a t e r 6 Stimmen, auf Bürgermeister Fendr - Hrmoen als Stellvertreter 34. auf 3 u n g 6 Stimmen; Die übrigen Stimmen waren zersplittert. Bei der Wahl des geistlichen Abgeordneten vereinigten sich auf Lenz- Lich (Stellvertreter A u s f e ID- Giehen) 37, auf Dekan Guhmann (Stellvertreter K ö h l e r - Billingen) 3 Stimmen. Bei des Wahl der Landesliste erhielt die kirchliche Rechte 29, die Friedberger Konferenz 8, die Linke 3 Stimmen. Zum Dekanalstag wurde auf Zuruf gewählt Lehrer E r b als Abgeordneter, Schreinermeister Menge- als Stellvertreter. — In Rieder- bef f Ingen erhielten von 14 Gesamtstimmen Fenchel 7, Lehrer Rah 6, Fendt als Stellvertreter 13 Stimmen: ein Zettel lautete auf Rah als Abgeordneter, Fenchel als Stellvertreter. Der Wahlovrschlag Lenz-AuSfeld und die Landliste der kirchlichen Rechten ging einstimmig durch. Abgeordneter zum Dekanatstag tourbe Iohs. Hofmann, Stellvertreter Hch. Roth V. T Lang-Göns, 19. Dez. Für den Landes kirchentag wählte die hiesige Kirchen- gemeindcvertretung einstimmig mit 30 Stimmen als weltlichen Abgeordneten des Dekanats Gichen ben Medizinalrat Dr Walger in Giehen, als Stellvertreter den Professor Dr. Weimar da- seibst: als geistlichen Abgeordneten der Dekanate Giehen und Hungen den Dechanten Len» in Lich. als Stellpertreter den Pfarrer Ausfeld in Giehen: von der Landesliste den 8. Wahlvorschlag Fe n chel -B e r n beck. Für den Dekanatstag wurden ebenso einstimmig als Abgeordneter der Kirchenvorsteher Karl Doller unb als Stellvertreter der Landwirt Anton Müller XXX11. gewählt rr. Schlitz, 18. Dez Die gestern vorgenommenen kirchlichen Wahlen hatten hier folgendes Ergebnis: Durch Zuruf wurden in den Dekanalstag einstimmig gewählt: Geh. Iustizrat Wahl und Fabrikant Zöller: in den Landes- kirchentag als weltliche Vertreter Geh. Iustizrat Wahl und Ober-Amtsrichter Hoffmann- He b,lein mit 37 Stimmen: zum geistlichm Abgeordneten und Stellvertreter des Dekanats in den Landteskirchentag mit 38 Stimmen Dekan Müller- Lauterbach und Pfarrer ©engnagel- Stockhausen Von den Landeswahlvor schlagen für den Landeskirchmtag erhielten 19 Stimmen die Liste der „ Friedberger Konferenz", Lampas - Diehl: 18 S.iinmen die Liste der „Positiven Vereinigung", Fenche l - Bernbeck: 1 Stimme ungültig. fRitrhrrtucf). — Dom unbekannten Goethe. Eire neue Anthologie von Emil Ludwig. (Ernst Rowohlt Verlag, Berlin.) — Diese 400 bis 500 Gc'kh:worte, gesammelt meist aus entlegenercn D.ifen, Gesprächen, Werken, werden in ihrer Gruppierung auch manchem Kenner Reies bieten. — Paul Keller, sein Leben und sein Werk. Von Dr. Dust. W. S b e r l e i n. (Breslau, Berg stad tv?r lag.) — Der Leser 'fcat eine tiefschürfende Arbeit vor sich, die völlig ab- wricht von Werden ähnlicher Art. Das Buch liest sich fast selbst wie ein Roman. Es ist so gar nicht literarisch oder literarhistorisch. Llnd doch gibt es den ganzen Paul Keller in seiner Enlwicklung, l uchtet tief hinein in das reiche, vielseitige Schaffen dieses ernsthaften Lebens- bejahers unb* umschliesst die Persönlichkeit des bald Fünfzigjährigen aus seinem ganz graften Lebenswerk. — HannS Gün ther. Taten der Technik. Ein Buchunserer Zeit. In 20 Lieferungen mit 20 farbigen Tafeln, 40 ganzseitigen Porträts und über 500 teils ganzseitigen Bildern im Text. (Leipzig, Verlag Rascher u. Cie A.-G.) Erschienen: Lieferung 1 bis 3. — Das Werk zeigt sich ganz von dem brausenden technische i Leben unserer Zeit erfüllt. Die 1. Lieferung beginnt mit einer glänzend illustrierten Schilderung deS Herausgebers: „Quer durch den Lötschlerg — die Wunder der jüngsten Alpenbachn". Der nächste Beitrag führt in Wort und Bild ein modernes Eisenwal-.werk vor Augen. An diesen Beitrag schiiiestt sich eine Schilderung aus einem ganz anbem Gebiet: Die Technik im Dienste der Astronomie unter dem Titel „Sterngucker von einst und hrute". Der reiche Inhalt dieser drei Lieferungen gibt Grund, den weiteren Heften mit Spannung entgegenzuse^en. — Der eisernestZork. Don Paul Burg. (Verlag L. Staackrnann, Leipzig.) — Von deutscher Erhebung au 3 tiefster Rot will dieses Werk in Romanform, wahrheitsgetreu an die Ceschichts- schreibuny IoH. Gust. DrotzsenS cmgesechnt, künden. „Schafft iedem einen Spiegel für die Pflicht und für die Ehre' Lins fehlt ein VorkI Monarchie oder Republik — das ist nicht die Frage. Si« lautet: Freideit!" In diesen trefflichen Einsüh» rungSsätzen ist der Endzweck des Buches Nur und bündig gezeichnet In markiger Weife wird die hohe Mission erfüllt. Dori und fein weltgeschichtliches Wirken werden begeisternd und wuchtig dem Hause als Mahnung vor das nationale Gewissen gestellt. Möge das vortreffliche Buch bei allen vaterländisch Empfindenden einen Ehrenplatz erhalten I — Heilige Erde. Roman von Friedrich Castelle. (Bargstadtverlag, B eslau.) — Ein Zeitroman voll gesunder Kraft und freudiger Lebensbejahung. Keine quälende Problemkunst, sondern farbig und lebendig erzählte Wirklichkeit voll spannender Handlung. Ein deutsches Buch in seiner WAtanschauu ig und in seinem unerschütterlichen Glauben an die Erneuerung unseres DolkeS. — Das ferne Leuchten. Roman von Hagen Thürnau. (Verlag: Concordia Deutsche Verlags-Anstalt Engel Und Toeche, Berlin.) - Der Verfasser macht seine Leser mit dem wechsel- vollen Schicksal eines Glückssuchers bekannt. Die Handlung ist austerordentlich spannend, aber nicht frei von Schilderungen erotischer Situationen. Die Herausarbeitung von Charakterthpen ist In der Zczä'hiung famos gelungen. Es ist das Buch eines Modernen für gereifte Menschen. — Franz Herwig, Die Stunde kommt. Verlag Herder u. Co, Freiburg Im Breisgau. — Die Bewohner eines zerfallenen Palastes erscheinen als Disior.en des Dichters, der in formvollendeter Sprachr durch die verschiedenen Gestalten die verflossenen Zeiten lebendig werden lässt. — Manfred Kyber, Halbmast geflaggt. Verlag Walter Seifert, Stuttgart. — Der Verfasser bietet uns hier eine Anzahl Ro- vellen, die hinauf in den Rordostei DrutschlandS und in die Länder jenseits der Ostsee führen, zu Menschen mit tiefem starken Gefühl und ruhigem tatkräftigen Wollen. Die fesselirde Sprache halt das Interesse in angespanntester Aufmerksamkeit. — Morgensonne, Morgenland. Schilderungen von RodaRoda. (Wegweiser-Verlag G. m. b. Sy, Berlin.) — Lebendige Erzählungen aus dem Leben u'.tb Treiben im Orient, dessen DewoHner, Sitten und Cebräuche Roda Roda in sei-ec famosen Art lekenswcthr zu ^fil^em vxr» st ch, veskafet sirr ten enpfänglichen Leser einige gcnufifib^ Stunde i. Dieses Heine Büchlein wird gerne gelesen werden. — Klaus Tummeldich Er-zachkung von Anni Richter. Mit rei-chem DildeZchmuck von Walter Slebert-LemLn. (Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G. Stuttgart/Gotha.) — Ein vortreffliches Kinderbuch, das von viel Bebe und Sonnenschein erfüllt ist. Die köstlichen Bilder bereichern es in bester Weise. — Marlene Im Märchenwald. Don Helene ® iefe( berg. Mit vielen Bildern von Ernst Berger. (Verlag Friedrich Andreas Per- th.s A.-G. Stuttgart/Gotha.) — Eine Märchm- geschichte, aber eine von ganz besonderer Art! Die lieben anvertrauten Märchen, bei denen jede fühlende Seele mitschwingt, sie sei jung oder alt, sie alle klingen eins nach dem andern wieder an. Doch nicht erzählt werden sie, sondern leibhaftig erlebt. Das schöne Bucy wird der durch ihre .Lustige Sechs" und ihren „Peter Tschilperling" rasch bekannt gewordenen Dichterin viel neue Freunde zuführen. Bei Neigung zu Fettansatz sollten Sie eine Zehrkur vornehmen. Wir raten Ihnen, 30 Gramm echte Toluba-Kerne zu kaufen, die wirksame, völlig unschädliche: settzehrende Stoffe enthalten, davon nehmen Sie 3mal täglich 1—2 Stück. Sicher erhältlich: LlniversttätS-Apotheke zum goldenen Engel, Marktplatz. 952Iss WOMWM Stück 20 Mk. zu haben in der GeMtsslklle öes MtzemMeigers rvo BATSCHARI Wollen Sie Moll sparen? dann kaufen Sie einon 10747h Kachelofen. Jeder Brennstoff verwendbar! Alle Größen und Farben vorrätig! Kaiser & Roth, Marburg L. Griginal-Siehener Gesen und Herde, Gasherde werden kür jede» Brennmnterinl in drei (Si öhen u. warben annet-xtint. Wonichl erhältlich, verl man direktAngebol von h. Schön ö-So. 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