m.iür Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSclNistagsbeilagc: Gießener Familienblätter Monarli'hevez.lgspreife: 9Jlh. 22J50 und Mk. 2.50 Trägers ohn,durch diePost Mk.25,^—, auchbeiNicht- erscheinen einzelner Num- mern infolge höherer (Bemaß.- Fernsprech. Anschlüsse: sirr dieSchrift« leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Rnzeiaer Eiehen. postschecttonto: firffflffurt a. M. 11686. Mittwoch, 19. Juli 1922 Erster Blatt 172. Jahrgang GietzenerAnzetze General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univ.-Buch- und 5teindruckerei K. Lange. Schristlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchul^ratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 500Pst Bei Platz. Vorschrift 20 °/0 Ausschlag. Hauptschriftletter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen TeU: Ernst Blumschein; für den Anzeigentett: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Neue (Erklärungen zum Reparationsproblem. London, 18. Juli. (Wolff.) Der Pariser Korrespondent des „Daily Telegrcchh" schreibt, Sir John Bradburh habe ihn er- mächtigt, zu erklären, es sei u n r i ch t i g, das) rr '' Reparativnskommlssivn Vorschläge hr 'ich der Behandlung des deutschen Er- \\141 . für die Ausdehnung des Moratoriums gemacht habe. Ebensowenig sei es richtig, daß er annehme, es werde dec Fall eintreten, das) die Frage durch Mehrheitsbeschluß erledigt werde. Der britische Delegierte sei der Auffassung, daß der Bericht des Garantiekomitees sorgfältig abgewogen werden müsse. Soweit er die Lage überblicken könne, erscheine ihm die Gewährung eines Moratoriums mindestens bezüglich der Barzahlungen im Jahre 1922 unvermeidlich. Da aber seines Erachtens die gegenwärtige, sehr ernste Lage im hohen Grade die Folge des Scheiterns der von ihm bezüglich des Bankierausschusses empfohlenen Politik sei, sei er der Ansicht, daß «die Initiative bei dem Vorschläge der notwendigen Abhilfemahnahmen dem französisch en Delegierten in der Reparativnskommission ü b e r l a s s e n werden sollte. Bevor er also einen Entschluß bezüglich des einzuschlagenden Kurses fasse, warte er Vorschläge ab, die sein französischer Kollege zweifellos nach dem Empfang des Berichtes des Garantiekomitees machen würde. Anschließend an.diese Erklärung Brad- burhs füljrte der Korrespondent noch aus: Von j her Entscheidung der Reparativnskommission wie auch von der Prüfung des Berichtes des GarantiekomiteeS werde die Frage des Besuches Pvincares in London abhängen, bezüglich dessen, wie man glaubt, Erkundigungen beim Quai d'Orsay eingezvgen werden sollen. Die Andeutung des „TernpS", wonach Pvincare nicht sonderlich geneigt sei, mit Lloyd George zusammenzutreffen, stimme, wie er von verantwortlicher Stelle höre, nicht mit den Tatsachen überein. Der französische Ministerpräsident werde bezüglich seiner Zusammenkunft mit Lloyd George erst eine Entscheidung treffen, wenn der Beschluß der Repgra- tionSkommission vorliege. Wenn in der Re- parativnSfrage keine neue .Entwicklung zu verzeichnen sei, so werde die Zusammenkunft beider Staatsmänner nach der Ansicht Pvincares überflüssig sein. Paris, 18. Juli. (Wolff.) Der „Reuyork Herald" gibt folgende Aeuherung wieder, die gestern ein Mitglied der Reparation s- k 0 mmissi 0 n getan habe. Alles deute auf einen Wiederzusammentritt des internationalen Anleiheausschusses als Lösung der Zukunft Deutschlands hm, selbst wenn ein Moratorium gewährt werde. Morgan und die anderen Geldgeber würde es wahrscheinlich mehr befriedigen, wenn die Kontrolle, wie die Franzosen sie vorschlügen, und andere finanzielle Sanktionen beiseite gelassen würden. Wenn die Anleihe über die ganze Welt verteilt würde, so bedeute das einen allgemeinen Druck, der Deutschland veranlassen würde, zu zahlen. Dieser älmftand erweise sich vielleicht als der entscheidende Faktor bei der Beseitigung der französischen Einwände. Paris, 18. Juli . (Wolff.) Havas. Das Staatsdepartement in Washington ist der Ansicht, es mühten die französischen und englischen Schulden auseinandergehalten werden. Es werde die Verhandlungen mit Frankreich fortsehen und zu Ende führen, ohne auf die englische Delegation, welche im September nach Amerika kommen soll, zu warten. Die deutschen Forderungen. Berlin, 18. Juli. (WTB.) 3n der der Reparationskommission am 11. Juli in Paris übergebenen Rote über das Moratorium für die bis 1924 fälligen Reparatrvns-Darzahtungen war angekündigt worden, dah wegen der übrigen Barzahlungen auf den Friedensvertrag, für deren Regelung nicht die Reparationskommission, sondern die beteiligten alliierten Regierungen selbst zuständig sind, an die Regierungen eine weitere Rote gerichtet würde. Diese Rote wurde Ende der vorigen Woche in London, Paris, Rom und Brüssel übergeben. Den Botschaftern der Vereinigten Staaten und Japans in Berlin ist gleichzeitig eine Abschrift der Rote mündlich übergeben worden. Zn der Rote wird auch auf den an die Reparatwnskommission gerichteten Mora- ttftrumsantrag Bezug genommen und für die Zeit bi| Ende des Jahres 1924 beantragt, dah die monatlichen Clearingraten zur Zeit zwei Millionen Pfund Sterling betragend, a u s eine halbe Million herabgesetzt werden, und dah Barzahlungen auf den Abschnitt 4 des Teiles 10, insbesondere auf § 297 des Vertrages von Versailles in dieser Zeit nicht zu leisten sind. Die Neuwahl für das Reichspräsidium. , Berlin, 18. Juli. (WTB.) Der Reichspräsident hat wiederholt gebeten, eine R e u - Wahl des Reichspräsidenten vorzunehmen, so- 1 bald rechtliche und tatsächliche Hindernisse nicht mehr im Wege stehen. Nachdem nunmehr der deutschverbleibende Teil Oberschlesiens abgegrenzt I und geräumt ist, ersucht der Reichspräsident den Reichskanzler erneut um Anberaumung der Wahl | durch den Reichstag. Der Reichskanzler besprach, da nach dem Gesetz der Wahltag vom Reichstage festgesetzt wird, die Frage eingehend mit den Parteiführern. Diese waren einmütig der Auffassung, dah es Mizweckmähig sei, den Wahltag noch vor dem Auseinandergchen des Reichstages festzusehen, dagegen die Deschluh- fassung des Reichstags hierüber alsbald nach dem Wiederzusammetttritt im Oktober vorgenommen werden soll. Danach findet die Wahl voraussichtlich im Dezember oder Januar statt. Die Mörder Rathenaus. Berlin, 18. Juli. (Priv.-Tel.) Zu dem Selbstmord der Mörder Rathenaus bemerkt das „Berl. Tagehl.": Wäre die Entdeckung des Schlupfwinkels der Mörder nur einige Stunden später erfolgt, so wären sie wieder entschlüpft, denn sie hatten bereits durch Telephon Fühlung mit München genommen. Von dort waren schon mehrere Helfer mit Geldmitteln und falschen Pässen nach Burg Saaleck unterwegs. Die Helfer sollten Kern und Fischer auch andere Kleidung bringen und sodann beide, aber getrennt, über die tschechoslowakische Grenzen bringen. Der „Lokalanzeiger" sagt: Dr. Stein ist ein Mann, der sich besonders durch Verdienste um die Pflege des deutschen Burgenwesens einen hervorragenden Namen gemacht hat. Er ist Anhänger der Deutschnativnalen Partei, bestreitet aber, von dem Aufenthalt der Beiden etwas gewußt zu haben, wie er denn überhaupt mit ihnen nie etwas zu tun gehabt habe. Er wurde heute morgen mit einer Frau zur Staatsanwaltschaft nach Naumburg bestellt. Berlin, 18. Juli. (WTB.) Der Mieter der Saaleckburg, in welcher sich die Mörder Rathenaus erschossen haben, ist wegen Verdachts der Begünstigung fest genommen worden. Er wird nach Berlin übergeführt. Die Ermittlungen der Berliner politischen Polizei erstrecken sich jetzt weiterhin darauf, ob noch weitere Personen der Begünstigung schuldig sind. Es wird festzustellen sein, welche Helfershelfer die Flucht von Fischer und Kern in den Tagen vom 9. bis zum 17. Juli unterstützten. Zn dieser Hinsicht ist folgendes bemerkenswert: Die Leiche Kerns weist auf beiden Oberschenkeln halbverheilte, etwa acht Tage alte Schußwunden von Schrotschüssen auf. Derjenige, welcher in den letzten acht bis zehn Tagen mit Schrot auf verdächtige Personen geschossen hat, wird gebeten, dem Berliner Polizeipräsidium, Abteilung 1 a, Mitteilung zu machen. Hebet die Aufspürung und den Selbstmord der Rathenaumörder aus der Burg Saaleck bei Kösejn melden die Blätter noch folgende Einzelheiten: Bevor die Beamten gewaltsam in das Turinzimmer der Burg Saaleck, in dem sich die beiden Mörder befanden, eindrangen, gaben sie Fester auf die Fenster ab, wobei Kern verwundet worden zu sein scheint. Fischer hat darauf anscheinend Kern erschossen und sich selbst durch einen Schuß den Tod gegeben. Bei der Durchsuchung des Geländes um die Burg fand man an einer versenkten Stelle Kleiderbündel die offenbar von Helfershelfern der Mörder osrthin gelegt worden waren, um diesen durch neue Kleidung die Flucht zu erleichtern. Bei den Leichen der Mörder fand man eine Generalstabskarte und bares Geld inHohevon 3000Mark. Zn der Wohnung des Dr. Stein, wohin die beiden Mörder geflüchtet waren, wurde ein Karabiner, eine Pistole und die dazu gehörige Munition gefunden.. Die Nachforschungen der Polizei bewegen sich jetzt hauptsächlich rn der Richtung, inwieweit Dr. Stein möglicherweise als Begünstiger und Helfer der beiden Mörder in Frage kommt und ob ihm ein Zusammenhang mit irgendwelchen rechtsradikalen Organisationen nachgewiesen werden kann. Berlin, 19. Juli. (Privattelegr.) Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, ist heute vom Oberreichsanwalt in Leipzig ein besonderer pl n t ersuch u n g s r i ch t e r für die Sache Rathenau ernannt worden. Er hat bereits gegen die ihm vorgeführten 23 Personen die Voruntersuchung eröffnet. Ludendorff über die Ermordung Rathenaus. Berlin, 19. Zuli. General Ludendorff hatte dem „Daily Expreß" auf dessen Anfrage nach der Ermordung Rathenaus mitgeteilt, daß erden Mord auf bolschewistische Znitiative zurückführe. Die Blätte? veröffentlichen jetzt ausführlich die Darlegungen Ludendorffs, in denen er diese Ansichten zu begründen versucht. Er führt an, daß sich unter den bei dem russischen Oberst v. Frey- berg Vorgefundenen kommunistischen Geheimpapieren ein Bericht orgefunden habe, nach dem die Sowjetregierung ihre Berliner Vertreter angewiesen hatte, unter deutschnationaler Maske in die extremsten nationalistischen deutschen Organisationen bolschewistische Agenten einzuschmuggeln, die fanatische Mitglieder derartiger Organisationen zum Morde an Mitglieder der Reichsregierung verleiten sollen. Diese Morde sollten die deutschen Linksparteien gegen die Rechtsparteien aufstacheln und dadurch Maßnahmen veransassen. die den Zwiespalt in Deutschland vertiefen und schließlich den Bürgerkrieg heraufbeschwören, als dessen Endergebnis Moskau die Errichtung der Räteherrschaft erhofft. Während der „Lokalanz." diese Behauptungen als. durchaus plausibel erklärt, hall die »Vofsische Zeitung" das von Ludendorft angeführte Zn- dizium für schwach und nicht überzeugend. De" „Vorwärts" bezeichnet die Ludendorfs- schen Enthüllungen als einen Teil der bewußt geführten deutschnationalen Entlastungsoffensive. Die Mörder des Feldmarschalls Wilson zum Tode verurteilt. London, 18. Juli. (WTB.) Heute fand die Verhandlung gegen die beiden 24jährigen Irländer Regino Dünn und Joseph O ' S u l l i v a n statt, die der Ermordung des Feldmarschalls Wilson beschuldigt werden. Nach dreistündiger Verhandlung wurden beide zum Tode verurteilt. Aus dem Reiche. Ein Essen beim Reichskanzler. Berlin, 18. Juli. (WTB.) Beim Reichskanzler fand heute abend zu Ehren des Präsidenten C a l 0 n d e r und der übrigen Mitglieder der gemischten Kommission für Oberschlesien ein A b e n de s s e n statt, an dem auch der Reichspräsident tellnahm. Anwesend waren ferner Mitglieder des Reichsund preußischen Kabinetts, sowie zahlreiche Beamte der Reichsregierung. Die Einigungsbestrebungen der Linksparteien. Berlin, 19. Juli. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der Allgemeine freie Angestelltenbund, die S. P. D. und die il. S. P. D. veröffentliche^ einen A u f r u f an ihre Mitglieder, in dem sie eine Darstellung der Vorgänge geben, die zur Bildung der Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Fraktionen geführt haben und in dem sie ihre Haltung zur Frage der Auflösung des Reichstags rechtfertigen. Die Auflösung hätte zu einer Verschärfung der außenpolitischen Krise geführt, zu einer,Erschwerung der dringendsten Lösungen der Reparationsfrage, sie hatte die wirtschaftliche Nollage infolge der politischen Ansicherheit verschärft, den Sturz der Mark beschleunigt, die Preissteigerung gefördert und so die Arbeiterschaft besonders geschädigt. Deshalb hätten sie dieses Mittel nicht angewandt: Der Aufruf schließt: Aber der Kampf ist nicht abgeschlossen, er dauert fort. Das Werk der Einigung ist begonnen, es muß vollendet werden. Dr. Simons Präsident des Reichsgerichts. Berlin, 18. Juli. (WTB.) Der Reichspräsident hat den Reichsminister Simons zum Präsidenten des Reichsgerichts ernannt. Aus Hessen. Der Deutschvölkische Schutz - und Trutzbund ist bekanntlich durch Anordnung des Hessischen Ministeriums des Innern für Hessen verboten und aufgelöst worden. Ebenso ist es für Hessen-Nassau. durch Anordnung des Oberpräsidenten geschehen. Eine Auflösung ist .auch für ganz Preußen erfolgt. Gegen diese Anordnung hat, wie er uns schreibt, Dr. Lenz- Gießen als Gautpart für Hessen und Hessen- Nassau Beschwerde bei der Landes-Zentralbehörde eingelegt. In der Begründung heißt es: „Noch niemals ist innerhalb seiner Gliederungen zur gesetzwidrigen Beseitigung ter rep r- blikanischen S aatsform oder zu Gewalttaten gegen irgendwelche Mitglieder einer Regierung oder sonstige Menschen aufgereizt oder sind solche Handlungen g billigt oder verherrlicht. oder sind die republik.'nischen S aatseinrichtungen in einer den inneren Frieden des Staates gefährdenden Weise verächtlich gemacht worden. Sollte es wahr fein, daß das eine oder andere Mitglied oder einige Bundesmitg ieder zusammen entgegen den Zielen und Anordnungen ihres Bundes gesetzwidrige Handlungen begangen oder geplant haben, so kann der Bund selbst- verständlich hierfür ebensowenig verantwortlich gemacht werden, wie die sozialdemo- tralischen oder kommunisttschen Parteien, wenn so- ziald Anokra tische oder kommunistische Partei- aitgehorige strafbare Handlungen begangen haben oder begehen." ---- .„BgnaaxMiz*—1 —----- ‘ Hessischer Landtag. 17. Sitzung. Darmstadt, 18. Juli. Am Regierungstische: Finanzminister Henrich Minister Raab und Regierungskommiisare. 'Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10,10 älhr. Rach Erledigung einiger Kleiner Anfragen tritt das Haus in die Beratung der Regierungsvorlage, den Staatsvoranschlag betr., ehr Zn Verbindung damit werden die Anfragen und Anträge der Abg. Dr. Osann, Dingeldey, Kindt, Widmann. Storck usw. beraten. Die grotze politische Aussprache eröffnet Finanzminister Henrich Er spricht namens ,^ed Gesamtministeriums und zugleich als Vertreter der in Berlin ab- wesenden Mllglieder der Regierung, des Staatspräsidenten und des Ministers des Innern, sein Bedauern über die Vorgänge vom 27. Juni ds. Is. in Darmstadt sowie sein Mitgefühl mit den Abgeordneten Dr. Osannund Dingeldey wegen der ihnen bei dieser Gelegenheit zugefügten schweren Unbill aus und gibt im übrigen wegen dieser Vorgänge die folgende Erklärung des Gesamtministeriums ab: 1. Die am 27. Juni in Darmstadt anwesend gewesenen MitHiedei deS GesamtminisleriumS waren übereinstimmend der Meinung, daß es angesichts der bestimmten Versicherungen der 'Gewerkschafts- und sonst iger. Arbeiterführer, sie könnten sich für Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung voll verbürgen, zu verantworten sei. wenn die in Bereitschaft gehaltene Mannschaft auf die notwendige Mindestzahl beschränkt würde. Die anwesenden Minister konnten um so mehr der erwähnten pleberzeugung sein, als keinerlei ernste Anzeichen dafür sprachen, daß der vorgesehene Demonstrationszug zu Ausschreitungen führen würde. Die Haltung, welche die gesamte Darmstädter Einwohnerschaft seither bet allen ähnlichen Veranstaltungen gezeigt hatte, konnte eine Bürgschaft auch für den 27. Juni sein. Riemand konnte wissen, dah anarchistische, offenbar von auswärts geleitete Bestrebungen, den seitherigen Ruf Darmstadts gefährden würden. Tatsächlich bewegte sich auch der Zug in überwältigender Mehrheit seiner Mitglieder ruhig durch die Straßen, und nur die hintere Gruppe zweigte sich plötzlich, wohl auf eine vorher geplante Vereinbarung hin, ab und verübte Die Roheitsdelikte gegen Perlon, Eigentum und Freiheit, wegen welcher sofort eingehende Unter- fuchung eingeleitet wurde. Die ün Bereitschaft stehende Schutzpolizei und die blaue Polizei schienen bei geeigneter Führung und Einsatz zur Aufrechterhaltung der Ordnung genügend. Von einer besanderen Beurlaubung der Beamten der Schutzpolizei zwecks Teilnahme an der Demonstration kann keine Rede sein. Diese Beamten waren nach dem allgemeinen Beschluß des Gesamtministeriums, wie alle tzbrigen Beamten Hessens, von 12 älhr ab dienstfrei. 2. Das Gesamtmini st erium billigt deshalb in Erwägung dieser Tatsachen unb in der ileberseugung, daß ein richtiges Einsetzen der vorhanden gewesenen Kräfte die Ausschreitungen verhütet hätte, die Verfügung der Minister, welche am 27. Juni anwesend waren und die erwähnten Verfügungen erlassen haben. III. Heber die Handhabung des Polizeischutzes ist eine Untersuchung angeordnet. Abg. Dr. Schian (Drsch. Vp.): Zch bitte, überzeugt zusein, daß ich mir der großen Verantwortung gewußt bin. die darin Hegt, als Redner meiner Fraktion die Aussprache hier einzuleiten. Zch werde durchaus sachlich bleiben. Meine Fraktion hat zwei Anträge eingebracht. Der eine betrifft den l.Mai als schulfreien Tag, den andere den Fall Bornemann. Zch gestehe, daß beide Anträge heute als unwichtig oder überholt scheinen. Dennoch haben sie ihre Bedeutung. Der 1. Mai ist durch Verordnung schulfrei gemacht, also zum Feiertag gemacht worden, trotzdem der Landtag sich gegen diese Absicht ausgesprochen bat., Zum Fall Bornemann will ich darauf verzichten», hier Persönliches aufzurollen. Rein Sachliches ist: für uns maßgebend. Herr Dornemann ist entgegen- den Landtagsbeschlüssen zum Ministerialrat ernannt worden, ohne daß er die Funktionen eines solchen ausübt. Er übt vielmehr nach wie vor die Funktion aus, für die er durch Privatbienstvertrag verpflichtet ist, damit ist unser Antrag begründet. Redner geht dann auf die allgemeine politische Lage ein. Zn einer Zeit, da wir unter drohenden Sanktionen schwer zu leiden hatten, kam der Anschlag auf Scheidemann und das leider gelungene Attentat, auf Rathenau. Meine Fraktion verabscheut diese Tat aufs tiefste, nicht allein der Mordtat selbst willen, sondern mehr noch um der Persönlichkeit Rathenaus, die ihr zum Opfer fiel. Rathenau als Mensch und Schriftsteller steht für uns und für mich persönlich durchaus groß da. Aber auch seine großen politischen Taten, das Abkommen von Wiesbaden, der Vertrag von Rapallo, seine ganze sonsttge Tättgkeit rechtfertigen auch nicht den Gedanken an seine Beseitigung. Ganz gleich, ob man mit dem Abkommen von Wiesbaden einverstanden war oder nicht. Wir verabscheuen diese Wahnsinnstat, die eine völlige politische Torheit war. Man hat nun von Mordorganisationen gesprochen. Auch unser Führer im Reichstag, Reichstagsabg. Stresemann, hat erklärt, daß er nicht mehr wie früher lächeln könne wenn von Mordorganisationen gesprochen, wird. Wir denken wie er. (Hört! Hört!) Aber wie ihm ist auch uns nichts von solchen Organisationen: bekannt gewesen, und an eine weit verbreitet^ Organisation können unb wollen wir nicht glauben. Zn der Atmosphäre, die durch die Mordtat geschaffen wurde, tarnen bann die Vorgänge in Darmstadt. Sie werden uns nachsützlen können, daß diese Vorgänge uns tief ergriffen und empörten. Es handelte sich bei den Opfern in erster Linie um unsere Führer. Zch will a ich hier streng bei den festgestellten Wahrhellen bleiben und jede Uebertreibang vermeiden. Fest steht^ bafr Darmstadt in letzter Minute bewahrt blieb von einem politischen Mord. Dank dem Eingreifen von Polizei unb dank dem Eingreifen einiger besonnener Arbeiter. Die beiden Betroffenen Osann und Dingeldey, sind getroffen worden als politische PersönlA- keiten, durch ihre Tätigkeit hier im Harfe. Die ganze' Art des Vorgangs läßt mit Si cherheit darauf schließen, daß an irgend einer ©teile die Parole ausgegeben wurde, gerade diese beides eine f d>tt> er e iCtt Das Bedenklichste und Unglaublichste aber an diesem Tage war das Fehlen des polizeiliche n Schuhes. 2 Stunden lang formte der 2lKg. DingeldÄ) durch die Straßen geschleift wer- den. 2 Stunden konnte geplündert und zerstört werden. Die Erklärung des Herrn Finanzministers in dieser Richtung ist durchaus ungenügend. Dem Leiter der Polizei gegenüber wurde ein Beschluß des Gesamtministeriums geltend gemacht. Ein solcher Beschluß lag nicht vor. Das hat auch der Herr Finanzminister heute zugegeben. Der be't"-"^«x» ™ SMoaro zu treffen, gerade ihre Sy3hfer zu fin- i>en uatö ji zerstören. Hinz-ttommt, bofc die Ra- men dieser Beiden in Augenblicken höch- cher Erregung der Massen von einem RednerinBerdindungimitHelfserich usw. genannt w irden. Das ist angchraer wichtig. Entweder geschah dieser d&emeflzoufr if absichtlich oder der Redner war ein sehr schlechter Psychologe, er hatte keine Ahnung von der Psychologie der Massen. Wettervoraussage für Donnerstag: 'Wolkig, trocken, etwas wärmer, Westwind. DaS Ties über der Ostsee sich verflacht, der hohe Druck von Frankreich her zugemmuMn. Die Witterung wird sich allmählich bessern. Ans St&M iinv ßmü). Greß en, den 19. 3uli 1922. Verai dcro»g rm Kreistage. Herr Kaufmann. Karl Seibel aus wurde, ist vie! Mjarrer von anderen '.Blättern, namentlich der Rechten, geübt worben. (Redner berliefl hierzu zahlreiche Presseäutzera»qgen und verteidigt besonders Dr. Strecker.) . Redner kommt dann auf die DartnstLdter Hvischenfälle zu sprechen. Es sei durchaus anzu- erkennen, tote scharf der Redner der Deuts^hnatio- nalen hier Len Word an Rathenau verdammnt und Rathetrau selbst Gerechtigkeit widerfahr«t ließ, ^vohdem karm nicht geleugnet werden, daß lewiffe ZdeenverbinSungen bestehen zwischen den deutschen älebcrnationalisten und jenen Antisemiten, die sich im deutschvölkischen Schutzbund zusammensch'rissM. Der Abg. Schian hat auch versucht, den RctthEau- Mord als eine Kulisse vor die Darmstädter Ereignisse zu stellen. Ich möchte eins von vornherein fest stellen : Wir sind unbedingte Gegner jeder «Gewaltpolitik und verurteilen den Mord an Rathenau genau so scharf wie die Darmstädter Ausschreitungen. Unsere persönlichen Empfindungen zu dem, was die Aügg. Dingeldey und Ofäim erdulden mußten, sind die gleichen wie die oEüa: Parteien: aber wir wenden uns dagegen, diefe Vorkommnisse politisch auszuschlachten. Man kamn die Dinge, die sich in Darmstadt abspiLften, rnu? bu^ch biL hier geschaffene Atmosphäre erklären. Wenn man die Singe mm auf den Mangel am polizeilichen Schutz zurückfwhrt, muh ich doch lagen, wenn man hier mit großem Machtausgebot rnd dswaffnetem Vorgehen auf» getreten wäre, bann wäre es zu schweren Bluttaten gekommen and der Opfer toärai rm^ezühlte geworden. (Hort, hört! Widersprich älnruhe.) Wir werden ins mit allen Mitteln dagegen wenden, Laß hier die Dinge politisch avsgernünzt werden, and werden sie so dar» stellen, wie sie sich wirklich a-dgssptett haben Wenn MNfevr- Antrags zum Schutze der RepMV nicht zum Resultat werden, sind wir von 6e Parteileitung beauftragt, mit allen Mitteln etn Land tag saufböfung unb Volts befragu n g herdeizuführen Dinge, die itn auf dem Papier stehen, sind für ans nichts am- deres als eine Farce. Die 3L-fgab2 d:r tom# menden Tage ist der rucksichtslvfeste Schutz de» Republik. Redner bespricht dann 'Angehend b* FiMNAen Hesfrns und im Verhältnis zum Reich Er fordert tie Fssths-äung der Grzbergersche» Steuer- und 'Finanzpolitik. Rächst« Sitzung Mittwoch fli Uhr. - Schluß 2 Achr. Abg. Brauer (Dbd.): gibt namens seiner Partei folgende Erklärung ab: Wir mißbilligen jede Gewalttat gegen einen politshen G.gnar, iru vera> .scheuen im-sbe viide.e den Meuchelnrsrd a.i Rat he.ar, eine Untat, dvr nicht bloß ein Verbrechen gegen dis nationale Bewegung, sondern a uch gegen die politische Gesundung des dettfchen Volkes ist. Wir weifen jede Gememschoft mit den Tätern weit von uns. In nicht geringerem Grade verurteilen wir aber Lis Gewalttaten der arfge- hetzten Volksmenge, die am 27. Juni in Darmstadt gegen die Kollegen Dingsldey und Osann, wie gegen die „Hessisch e Lan deszei t u n g'* and Len „Täglichen Anzeiger^ und sonst verübt worden sind. Wir versichern auch hier die betten schwer geschädigten Herrn Kollegen Dingeldey und Osann unserer 1 raget eilten Teilnahme rnd Hochachtung. * Wir erklären es miß allem Rachdruck als eine schwere Verletzung b:r öffentlichen Sicher- heit, daß unter alleiniger Derantwort/ng des Gescrmtminifteriums an einem solchen Stinntag mehrere hundert Sch itzposizistsn und Offiztei-e c.t einem Demonstrattonszug trilgenommen hoben der in nicht mißzuverstehender Weife im „Vocks- freund" als „M o bi luta ch ing“ bezeichnet worden ist. Wir verlangen und fordern, daß die Sch ltz- Polizri als politisches Organ jebem Staatsbürger Schutz angedeihen läßt, und das Veispiel vom 27. xjum sich niemals mehr wiederholt. Wrr lehnen aber iricht minder scharf jede Ausnahmegesetzgebung gegen die Beamtenschaft, jedes Spitzel- und Angeb-ertam, isten Brach and jede gewaltsame Aendcmang der Verfassang ab. Wrr erhaben feierlichen Wider sprach gegen eine Rebenregierung der Straße und der Gewerkschaften die nur die beabsichtigte Diktatar Les Proletariats herbeiführl unb Las Ende gerade bec demokratischen Republik bedeuten müßte, za deren Schutz jetzt überall verfassungswidrig: Ausnahme- gesetze erlassen werden. Wir fordern und vertreten nach wie vor eine ausgleichende Politik ter dratschen Volksgemeinschaft und hoffen auch in diesen (Zeiten, in denen ein schweres Schicksal unser Volk and Vaterland bedroht, daß diesem aufrichtigen Q3enriti?en der endgültige Erfolg nicht versagt bleiben wtrü. JCur Volksgemeinschasl, nicht Diktatur einer Klasse bedeutet Deutschlands Rettrng. Möchte Rußlands Beispiel uns eine ernste Mahnung fein und möchten sich zum Dienst am Volke alle, die guten Willens sind, die Hände reichen! Abg. Kaol (Soz.): Wir wollen uns erinnern, woran es liegt, daß wir uns so scharf gegenülkrfieficn mit den Rechtsparteien. 3d; will daran erinnern, datz ein Führer der Rechtsparteien seine .Tätigkeit hier begann mit der Feststellung, daß die Regierungsbildung eine Schiebung des Staatspräsidenten war. (Zurufe: Das war der Vizepräsident des Hauses!) Sät will erinnern an di? Radel- stichpolitik der sonst innerlich ft> kalten Abgeordneten Osann und Dingeldeh, an das eichte Auftreten des Abg. Kindt und vor allem an die Tätigkeit der Presse dieser beiden Parteien. Dann auch an die vielen hier künstlich aufgerollten „Falle", wie Cetreideumlage, I. Mai, Bornemann u. v a. Alles Dinge, die sich planmäßig gegen dte Regierung richteten und die jeweils verschiedene Volksschichten auf Len Plan riefen. Zu jeder Ernennung wußte, die Presse der Rechtsparteien etwas zu kritisieren. aber wohl die Situation sehr verschärft. Wir srnd der festen Lieberzeugung, daß ein Minister, der unter Berufung auf einen nicht vorhandenen Ministerialbeschluh die Polizei in einer so gefährdeten Situation so schwächt, unmöglichfein Amt behalten kann. Rach der Tat hat die Regierung den beiden schwer betroffenen Abgeordneten ihr Bedauern ausgesprochen. Das und die heutige Erklär« ng der Regierung hat es uns ermöglicht, wieder an den Sitzungen des Hauses teilzunehmen. Wir danken dafür, doch muß ich auch dazu noch einiges lagen. Wir haben vermißt, daß nach Ser Untat alsbald eine öffentliche eirrrüftete Erklärung kam, daß vor allem alsbald öffentlich erklärt tourbe* daß mit aller Energie nach den Tätern und ihren rntellefhielten Anstiftern gefahndet wurde Vergleichen wir doch einmal, was grichehen ist nach dem Attentat auf Rathenau. Auch die beiden hier Dettoffenen sind Vertreter des Volkes, find Mitglieder dieses Hauses. Warum blieb hier die öffentliche Sühne aus? Geradezu unverantwortlich und unverständlich aber war d i e H a l t u n g des amtlichen Organs der hessischen Regierung. Für dieses Blatt ist die Regierung verantwortlich Dieses amtliche Regisrungs- yrgan hat für die ganze Angelegenheit in Darmstadt 10 Zeilen übrig mit 2 Worten des Bedauerns. Am anderen Tage aber berichtet dieses Blatt über einen nicht geschehenen reaktionären Anschlag auf das sozialdemokratische vrgan aber ganz anders. In Sperr- und Fett- Ittnd und mit höchster Entrüstung. 3m ganzen »srnde hat man den Eindruck, daß die Darm- Mdter .Zeitung nicht Regierungsorgan, sondern Parteiorgan des extremsten linken Flügels ist. Die Vorgänge in Darmstadt sind nicht ver- emzelt geblieben. Es 'hat sich ähnliches auch anderswo ereignet, so z. B. m — Wimpfen. (33 liegt doch wohl Anlaß vor. die Djnge ernst zu neHmen. ES geht nicht an, ‘gu sagen, die Schuld tragen die Mörder Rathenaus. Wo bleibt die --jf-r™—■iiiiiiiii i —-■ -— ihr Können als Hauptdarsteller vor die Rampe zu bringen, wobei aber Gretel Sälzers jugend- frisches Gesicht durchaus nicht mit der Rolle als silberhaarige Großmutter harmonieren wollte. — „Auf der Atm" fand man sich im fünften Bilde wieder: Verth Zeutzen, Kurt Schoklmaier und Karl Doller sorgten hier für gutes Gelingen des Bildes. — Das sechste und letzte Bild (..Mn Rhein") hätte man sich nach Ser packenden Sprache des Dorspruchs in der Herausarbeitung doch etwas gehaltener wünschen können. Es sei nicht verkannt, datz auch bet diesem Bild verschiedene Mitwirken-e ernstes Wollen als Leitmotiv des Handelns beobachteten, aber es darf auch nicht verschwiegen werden, datz manche andere Darsteller etwas zu auffällig neben den Rahmen gerieten und dadurch das Gesamtbild in seiner Wirkung beeinträchtigten. Ein weiteres trat hier unliebsam in Erscheinung. Am deutschen Rhein beim ..deutschen Fröhlichsein im Rhein- und Wrin- tande" tanzte man anstelle des vorgeschriebenen Reigens einen — Schieber! Das 'durfte nicht vorkommen, hier wird die Spielleitung wenigstens bei der heutigen Aufführung vorbeugend wirken muffen. Abgesehen von diesen Beanstandungen bot die Ausführung, als Ganzes aefehen. einen wertvollen Genuß, und man wiro allen Milwirkenden nur zu danken haben für die selbstlose Hingabe an die große Aufgabe. Besondere Anerkämung verdient aber Musiklehrer Albert Ä affen, und mit tfjin gebührt warmer Dank dem Orchester und ebenso den Mitgliedern des Sängerkranzes. -Um die Erstellung der schönen und wirkungsvollen Bühnenbilder machten sich Theatermeister K. Löffler und Beleuchtungsinspektor L. Keim, um die Einstudierung der Tänze Tanzlehrer B ä u l k e verdient. Für die Spielleitung zeichnete Karl V o l ck verantwortlich. Die Anregung zu dem Abend ging von dem Vorsitzenden des Goethe- dundes Henning aus. in dessen Händen auch die gut funktionierende organisatorische Leitung lag. Die wohltätigen Einrichtungen der Studentenhilfe. zu deren Gunsten die Veranstaltung ins Wert gesetzt wurde, durften auf eine wesentliche Förderung zu rechnen haben, wenn der Besuch heute abend ebensogut ist wie gestern. -Uebrigens sei dieses Liederspiet, das mit ein» achen und überall vorhandenen Mitteln in Szene gesetzt werden kann, auch anderen Plätzen zur Bv- achtung empfohlen, wo sicherlich auch noch manchs» zur Pftege des deuffchen Liedes getan Werder* ' kann» -An. abzustreifen und das ursprünglich Deutsche allem in der Welt vorarzufte le r Rur dadurch wird das Volk begeistert und gestählt, den uns aufgezwungenen großen Kampf ums Dasein auch im Ortnern siegreich zu Ende zu führen. Zur Erreichung dieses hohen Zieles ist die Pflege des Volks- gesanges in hervorragender Weise geeignet." . . ..Sich mit dem Dvlkslieöe zu beschäftigen, ist reinster Genuß: das Volkslied dem deutschen Volke erneut zu bringen, ist eine Tat, Ser jeder Deutsche seine Hilfe unbedingt leihen sollte." Die Kritik hat nun zu fragen, wie diese erhabenen Grundsätze der Verfasser in«dem Werke zur Verwirklichung gelangt sind. Und die Kritik hat sich weiter mit der Frage zu beschäfttgen, in welcher Weise die gestrige Aufführung den Zielen der Autoren entsprochen hat. Die Verfasser haben ihre Ausgabe zweifellos in tiefgründiger Weise angesatzt und sie auch im großen und ganzen in bester Weise zur Durch- führung gebracht. Zn den sechs Bildern, Sie uns den veredelnden Einfluß des deutschen Volksliedes in alten Ständen, allen Gegenden an& bei den verschiedensten Gelegenheiten greifbar vor d-e Blicke und das Mitempfinden stellen sollen, kommt im Wollen des Dilderschöpfers Fritz Seel- inann eine klare, einheitliche und saft durchweg wohlgetungene Linie zum Ausdruck. Die Dichtung Gustav Partheils legt Zeugnis ab von ttefem Empfinden, mehrfach ersteigt sie außerordentliche Höhen, die zu gut begründeter Begeisterung für bi: hohe Sache des Werkes hinreißen. Auch die Dichtung als Einleitung zu dem dritten Bilde „Studentenzeit" sprich: eine hochstehende Sprache. Dieser Vorspruch, den wir hier mit besonderer Genugtuung hervvrheben, ist von Herrn Medizinalrat Sommer versaht, der in ihm die Schönheiten der Gießener Heimat besingt. Zn die Musil hat Gerhard Preitz eine Fülle von Klangschönhett und Zrmigkeit gelegt. Der Ge° samt: in druck von dem „Liederspiel" ist jedenfalls der eines schön abgerundeten Werkes von besonderer Geltung. Wie war nun die Gießener Ausführung? Man muß sich bei deren Beurteilung vor Augen halten, daß man. ausgenommen Frl. Karla Keller KurkHeater Bad-Ra uhrim, ein Dilettanten- Ansemble vo> sich hatte, das noch 2azu nur eine ■ einzige Bühnenprobe hatte halten können. Beachtet man diesen Umstand in gebührender Weise, so wird man die Aufführung trotz mancher Aus- fieiftrngzn int einzelnen doch als eine sehr beachtenswerte Gesamtleistung bezeichnen muffen, die es lohnend machte, ihr die Zeit zu nStbmen. Die ■ Das deutsche Volkslied. Mberfpiel in 6 Bildern von Fritz Srrlmann, Gustav Parttzeil, Gerhard Preitz. Das deutsche Vollslied! Wer hätte seinen Zauber nicht schon selbst verspürt? älnzähligemal, als Kind, in den Blütejahren des Lebens, im Alter, in Sturm und Drang, in Freude und Glück, kuy überall und zu ieber Zeit? Wen hätte es nicht mit feiner schlichten Innigkeit tief erfaßt? Wohl feiner wird wagen, diese Fragen mit Rein zu beantworten. Allen ist das schöne, gemütvolle deutsche Lied ein guter Weggesell m frohen Stunden gewesen, allen auch ist es sicher- llch als Tröster und Ausrichter in trüben Tagen erschienen. Wir brauchen den Blick gar nicht all- Mweit zurückzulenken, um das zu erkennen. Denken wir nur an frohe Wanderfahrten, als es mit Sang und Klang durch die deutschen Gaue ging; erinnern wir uns aber weiter z. B. ber schweren Kriegs-eit en. in denen Hunderttauseitde in Sturm und Rot ihre Zuflucht gerade auch im deutschen Volkslied gefunden haben, das den Schmutz vertagte und mit seinen lieben, trauten Melodien, mtt seiner schlichten, innigen Sprache die Herzen erhob. Das deutsche Lied ist eines der stärksten Bindeglieder zwischen Rord und Süd, West und Ost, es ist ein Band, das Millionen von Dent- Ichen in Begeisterung zusammenschmiedet, das Stände umschließt, die sonst — leider! - nichts oder nicht diel einander zu sagen haben. ist Gemeingut unseres Volkes, eine Kostbarkeit, die non allen mit der größten Liebe und Sorgfalt gehütet und geschäht zu werden verdient — gerade in der heutigen schweren Zeit unseres Volkes! Dieses schöne deutsche Vollslied im hellsten Glanze erstrahlen und wirken zu lassen, seine hohe Bedeutung für unser Voll nachdrücklich N unterstreichen, hatte sich der Goethe- Bund in Gemeinschaft mit dem „Sänger- krau z" und weiteren hiesigen Mufitträften gestern abend zur Aufgabe gemacht. ..D^is deutsche Volkslied", ein Liederspiel in sechs Bildern, auf- «fuhren, sah man als den geeignetsten Weg zur Verwirklichung feiner Pläne an. In würdigem Rahmen, im Stadttheater, ging diese Ausführung vor ausverlauftem Hause vor sich Was dieses Liederspiel Dill, sagen uns di: Verfasser in folgenden programmatischen Hätten ..Es ist in dieser ernsten Zeit von höchster Wich-' f tigfeit. unsere vaterländisch:n Ideale im Herzen Les deutschen Volkes lebendig zu erhalten, ihm effe deutsche Sitten und Gebrauch? vor Augen zu ".en es anzuhalten, alles Fremdländisch: Gießen, lyat sein Amt als KrerstagsMitglleL nisLe.rgelegt. An seine Stelle ist der Landwirt Herr Richard Schäfer aus Hungen getreten. Gietzeaer PferdeMarMotterie. Das Ministerium des Innern hat der Gießener städtischen Pferdemarktdeputatton die Erlaubnis erteilt, anläßlich des nn Herbst Ö. IS. stattfindenden Pferdemarktes in Gießen eine Berlofung von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten usw. zu veranstalten. Ziehungstertnin: 28. September. Es dürfen bis zu 25 000 Lose zu 3 Mark das Stück (2,50 Mk. reiner Lospreis und 50 Pf. Reichsftempelabgabe) ausgegeben werden. Der Wert der Gewinn gegenstände muß mindestens 40 Prozent der Einnahme aus dem Verkauf der Lose (reiner Lospreis, ohne Reichsstempelabgabe) betragen. Der Vertrieb der Lose ist in Hessen gestattet. Logck, wenn A dem D. etwas tut, daß 3 dafür büßen stmß? Glaubt denn irgendein Mensch, datz Milchen unserer Pariei unb den Mördern des Mtnifters Rathenau irgendeine Verbmöung besteht ? Das wäre Wahnsinn. Rur Verblendete können uns in Verbindung bringen mit irgendwelchen Konspirationen gegen die Republik. Hn= fere Stellung zu dieser Frage und zur Weimarer Berfas,ung ist am 23^Juni 192! hier ganz klar und bi utlich durch den* Abg. Dr. Osann fest gelegt: das gleiche ist von ans allen oftmals draußen im Lande geschahen. Wir können nur aufs tiefste bedauern, toemt irgend jemand der Ansicht ist, daß er uns bekämpfen muß, wenn er die Republik sch ätzen will. Untere Partei beteiligt sich in Preußen und cmch im Reich tote hier an den Qiegie- rnngsarbeitsn. Will man sagen, daß dadurch di: R^publil gefährdet wurde! Freilich wahren wir unfye» Ueberzeugung. ParteigegLnsätze gibt es überall. Aber ieß-er, 2er arbeiten will am Wohls des Volkes, muß sich sagen, daß dieses über allen Parteiprinzipien steht. Das Recht der äleber- zsugrmg ist in der Verfassung gLwährleiftet. — Redler schließt: Ich seh? die Dinge so an, Saß, wenn wir bei der Sisdehlhe 6er' "(eilten Wochen bleiben, in eine Lage kommen, die unerträglich ist. Es ist in DeutschlanS so. Laß ferner cchn: den andern leben kann. Die Burger nicht ohne den Arbeiter, aber auch dieser nicht ohne den Bürger. Es geh't nicht an, daß der «ine oder der anders Teil sich selbst Teßchlsgewalt anmaßt gegenüber dem anderen. Der SeLstschutz des Staates darf nie dazu führen, daß weite Kreise des Volkes entrechtet werden. Zwei Dinge sollten hier über allem festgehalten werden: 1. Gemeinsame Arbeit in Ruhr und Ordnung und 2. Ge- rechingkeit gegen all- Gerechtigkeit ist das Fun- Sament aller Streife, auch Ser Republik! (Lebhafter Beifall rechts.) Aufführung der sechs Bilder, deren jedes durch einen Vorspruch von Karla Keller ein geleit et wurde, zeigte alle Mitwirkenden mit viri Begeisterung am Werk. Karla Keller personifizierte das deutsche Volkslied als gütig und ernst mahnende, an das nationale Gewissen und Empfinden rüttelnde Fee in vollendeter Weife. Das erste Bild („Zm Wrnkel am Tore"), bei dem Leny Lynker, Ferd. Meyer und KarlDoller die führenden Partien inne hatten, kam sehr sympathisch heraus, obwohl die darstellerische und auch die gesangliche Wirkung durch Konzessionen an das Dühnenfieber zum Teil etwas lttt. — Zm feiten Bild („Auf der Wanderschaft") kam eine natürliche, ungezwungene Spiel- und Geiangsleistung vor das Publikum. Berty Zentzen, Leny Lynker und Kurt Scholl- tnaier waren hiei Träger der Hauptrollen, denen sie sich in glücklicher Weise gewachsen zeigten: namentlich gefiel Berty Zentzens klangvolle Stimme in hohem Miße. Kurt Schollmaiers Wanderer, der nach den Worten und dem Sinne des Werkes von einem Lande zum andern prlgert, hätten wir in der Kostümteruna allerdings anders gewünscht, als wir ihn gestern sahen: ein solcher „Zugvogel" kommt nicht im Stuher-Wanderanzug ohne Rucksack daher: er sieht in seinem Aeuhern natur- burschenhaft aus, mehr nach Landstraße, trägt einen handfesten Stock, derbe Schuhe, einen Wandersack aus dem Rücken: der „Wanderer" von gestern abenb konnte nur die Zllusion stören. - Das interessanteste und. dankbarste Bild war das dritte („Studentenzeit"). Es wäre unnatürlich gewesen, wenn man hier den Lokalpatriotismus ausgeschaltet hätte, aber man beging diesen Fehler nicht. Der Dorspruch von Mä>.-Rat Sommer, von Karla Keller mit viel Liebe und Wärme des Tones gesprochen, bildete den glücklichen Auftakt, dem sich dann das Bild in dankbarster Szeneriegestaltung würdig anreihte. Vorn Studentenbum- mel und -kneipe. Ort Schiffenberg, im Hintergrund das Panorama von Gießen mit dem Gleiberg. War allein schon hieraus eine Erhöhung der freudigen Stimmung zu verstehen, so wuchs sie noch.alÄ dann das vorgeschriebene Pensionat herzuspazierte und sich, ganz nach dem Willen der Autoren, im Handumdrehen ein flotter Walzer auf der Bühne als finnfälliges Zeichen des „Feste feiern, wie sie fallen" cnftotcfelte. Tosender Beifall zeigte, auf wie dankbaren Boden die Verfasser hier in Gießen mit ihrem Einfall geraten waren. — Eine „Spinnstube" als viertes Bild gab Else Seyfferth, Karl Voller und Gretel S L l & e r Gelegenheit, eran twortung auf sich geladen. Der Staat allein ist für Schutz und Sicherhrit des Lebens seiner Burger verantwortlich. Er durfte sich diese Verantwortung nicht durch Gewerkschaftsführer abnehmen lasten. Wan hat die Polizei beurlaubt, wie der Herr Finanzmrnister sagt, nickt zur Teilnahm: an der Demonstration: tatsächlich hat sie aber tsilgenvmmen, und in der amtlichen Darmstädter Zeitung war das unterstrichen Hetont. Der Regierung war auch der Mo^lmachungs- sufruf des sozialdemokratischen Organs bekannt, der keinen Zweifel darüber ließ, daß die hinter dem Aufruf Stehenden (der nicht unterzeichnet war) sich Regierungsgewalt nr- >7raßtei7. Die Regienueg mußte gegenüber dieser ungeheueren ÜlngesetzliArit des Aufrufes sich auf ihre Pflicht besinnen, den Schutz der üfienllichen Sicherheit so stark zu machen, als es irgend möglich war. nicht aber so zu schwächen, wie es geschehen ist. Es ist bis heute nicht geflätt, wie ter Sah, daß auch die anderen Koalitionsparteien zur Teilnahme an der Demonstration aufforder- len. in den Aufruf hjnei-nkam. Denn beide Parteien. Zentrum und Demokraten, haben ihn für falsch erklärt. Gerade dieser gefästchte Satz bi aber wohl die Situation sehr verschärft. W Wenn Herr Aba. Schian erklärt, datz die Er- Nennung des Abg. Sernemann zum Ministerialrat der Bruch einer Vereinbarung war, so fermen tote das nicht zugeben. Wenn Dvrnemann noch nicht aus irgendwelchen Hemmungen, die nicht in ferner Person liegen, die Funktionen des Mim- sterialrates ausüben kann, so werden wir dafür sorgen, daß diese Hemmungen bald verfchwindsn. Dann der 1. Mai. Früher war man bei gesetzlichen Feiertagen nicht so feinfühlig. Man hat früher an Kaisers Geburtstag auch zwangsweise die Schulen geschlossen. Der 1. Mai aber ist dec Tag, da die Sozialdemokraten den Sieg ihrer Ideale ^'ern. Tatsache ist, datz am l.Mai eine ganze Reche Kmder und Lehrer nicht hätte zur Schule kommen können, der älnterricht wäre also unvollständig gewesen. Dec Staatspräsident hat afft nichts getan, als was seines Amtes unb ferner Pflicht ist. wir bekennen uns nach wie vok zu dieser Koalition als einer Arbeitsgemeinschaft. Wenn wir aber in der Koalition bleiben, sollen, ist unerläßliche Voraussetzung, daß die Koalitionspartrien ganz und vollständig auf dem Boden der Republik stehen. Für uns in Hessen ist eine Koalition mit der Deutschen Vvlkspartei gang ausgeschlossen, besonders nach der Entwicklung der letzten Wochen. Für uns ist die Deutsche Volkspartei, dis früher dis führende Rechtspartei war, nach wie vor mit der TatsachL belastet, daß sie dis Trägerin des atter Regtoies ünd der alten Rechts-Reaktion irr Hessen ist. Die Behauptungen, di: an die Rede, Dr. Streckers auf dem Marktplatz geknüpft wurden, sind durchaus falsch und unfjatibar, ebenso wie die Verdächti- guirgejr. Darüber wird ein anderer Redner meiner Partei auch aus Eigener Anschauung sprechen. Ich möchte aber daran erinnern, daß Abg. Dr. I Becker-Hessen geholfen hat, die Siedehitze zu schu-1 ren. Hier hat der Abg. Dingeldey der Regierung I eine offene und -scharfe Kampfansage gegeben in einer programmatischen Erklärung in fernem Parteiorgan. Die dann geübte Radelstichpolitik war noch viel verletzender als offener Kampf. Wir muhten uns angesichts dieserHa tung schützend vor die Regierung stellen. Es ist nicht richtig, datz die Aufmerksamkeit der Menge auf die Herren Osann undDinge.dey erst durch SieMarktplatzreden gelenkt wurde. Die Haltung der Deutschnal. Volkspartri §u der Getreideumlage and in Verbindung damit gegen die Regierung setzt uns in gleiche scharfe Gegnerschaft zu dieser Partei. Gs liegt hier eine Bekanntmachung des Ortsvvrstandes Viernhsim vor, in der offen aufgefordert wurde, Sie Pflichtflächen nicht zu bebauen. (Zwischenruf:.' Hört, hört! links unS Apostrophierung des tSbg’ Dr. Müller.) Wir werden den Kampf durchaus parlamentarisch fuhren, aber wir verstehen andererseits, wenn eine parlamentarisch nicht so wie der Dbg. Dr. Müller geschulte Menge ihr Recht angclsichts der Provo^tionen auf anderem als parlamentarischem Wege^ucht. (Hört, hört! rechts, llnruhe links.) Die Hetze, Sie den ftzialSemokcatischen Blättern vorgeworfen Regelt bk Nmqeh«ng bet Nauhelmer Kurtaxe. Das Kreisamt veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt eine Bekanntmachung, die Maßnahmen gegen die Umgehung der Nauheimer Kurtaxe anordnet. Es heißt da: Die Kurverwaltung Bad-Nauheim hat die Wahrnehmung gemacht, daß in den benachbarten Städten und Orten Fremde Wohnung nehmen, von da aus die Kurmittel in Bad- Nauheim gebrauchen, die Kvnzette und das Kurhaus besuchen und die Zahlung der Kurtaxe auf diese Weise zu umgehen suchen. Daher ist ungeordnet worden, daß die Abgabe von Bädern in den Badehäusern zu Bad-Narcheim an die Ortsansässigen von Bad-Nauheim und der benachbarten Städte und Otte zukünfttg nur dann noch erfolgen soll, wenn von denselben Ausweiskarten dem Aufsichtspersvnal in den Badehau- feni vorgezeigt werden. Diese AusweiSkatten sollen durch die Bürgermeistereien auf Ansuchen der Ottsansässigen ausgestellt werden. Die Abgabe der Ausweiskarten darf nicht an solche Personen erfolgen, welche zufällig nur zu Besuch anwesend sind. Nur für die Ottsansässigen, die mindestens drei Monate in dem bett. Otte wohnen und auch Steuer bezahlt haben, dürfen derarttge Karten ausgestellt werden, diese Ausstellung hat jedoch zu unterbleiben, insofern diese Ortsansässigen in Bad-Nauheim Wohnung genommen haben und nicht nach genommenem Bade an demselben Lage in ihren Wohnott zurückkehren. Die jeweils ausgestellten Katten sind nur für das Kalenderjahr, in dem sie auSgeferttgt sind, gültig. Don denjenigen Personen, die die Kur- mittel gebrauchen wollen, aber nicht im Besitze einer Ausweiskarte sind, werden jedesmal die doppelten Kurmittelpveise (und nicht mehr, wie seither, ein Aufschlag von 5 Mark) erhoben. * * Amtliche Personalnachrich- t e n. Am 8. Juli wurde der NechnungSrat bei der Hauptstaatskasse Hartmann Bätz zu Darmstadt auf sein Nachfuchen unter An«cken- nung der dem Staate geleisteten Dienste vom 1. Oktober d. Z. ab tn den Ruhestand versetzt. ** Als Feldgeschwotener für die Gemeinde Gießen ist Heinrich G ott- mann von hier verpflichtet worden. ** Diebstahl. Aus einem Gattenhäus- chen am Wißmarer Weg wurde ein Spros- schenschubkarren aus Holz entwendet. Bor Ankauf wird gewarnt. ** Oberhessischer Kun st verein. Die Otto Abbelohde-Gedächtitis-AuLstellung, deren Gr- öffnung am kommenden Samstag erfolgen soll, wird mit einer besonderen Eröffnungsfeier verbunden sein. •* 3n der Gesellschaft für deutsche Bildung wird am nächsten Freitag ©tibiarrat Dc. Georg Faber sprachen über: »Drs jungen Herders Bekenntnis zum Deutschtum". (Siehe gestrige Anzeige.) — „5>te Gesellschaft für deutsche Bildung will," so schreibt man uns, „bekanntlich das Deutsche in den Mittelpatckt der Erziehung stellen: sie will Sinn und Verständnis für deutsches Volkstum, insbesondere für deutsche Sprache, deutsches Schrifttum und deutsche Kunst fördern. Die Bestrebungen der Gesellschaft sind nicht neu. Wer die Geschichte unserer Erziehung und unseres DildungswIens Lemrt. der weiß, wie sehr sich daS Deutsche seinen Platz darin hat erkämpfen müssen: der weiß, wie bescheiden diese Stellung auch heute noch ist. Schm vor Jahrhunderten erhoben sich Stimmen, die aus das Anerträg- llche und Anwürdige dieser Zurücksetzung unseres eigensten Wesens gegenüber dem Fremden, bewiesen. Aber diese Stimmen wurden übertönt. Einer der ganz Großen, die für die Förderung deutschen Wesens eintra'jen, ist Herder. Die erste freudige Degeisterung des jungen Herder für alles Deutsche, die ihn im Bewußtsein seiner Kraft und seines Könnens hoch empor trug und an die Erreichung des Zieles glauben ließ, wenn er auch die Stärke der Hindernisse nicht übersah, — diese erste freudige Begeisterung reißt uns auch heute noch mit sich sott, wie sie schon den jungen Goethe mitgerissen hatte. And möge dre Zeit nicht allzu fern sein, die an der Zielbestimmung Herders festhält. Der Vortrag von Dr. Faber wird auch Herders Stellung zur Fremde vor Augen führen: wird zeigen, wie Herder trotz seiner Liebe zum klassischen Altertum sein Deutsch- tum nicht vernachlässig!, in welcher Weise er ftey die Nachahmung des Fremden, besonders der Gttechen und griechischen Wesens, denkt, und welche Stellung Herder zur Frage nach einer deutschen Bildung einnimmt. And gerade daß Herder, der große Bewunderer der Welt der Griechen, der die reichen Bildungsschähe des Altertums wohl kennt, zur deutschen Bildung dufruft, zeigt, daß man sehr wohl griechisches Wesen lieben und trotzdem dem Deutschen geben kann, was des Deutschen ist!" Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, Zx/2 Ahr: „Das deutsche Volkslied". — Astvtta - Lichtspiele: „Fttede- riois Rex". Landkreis Gießen. — Reiskirchen. 19. Juli. Der hiesige Gisendreher Ludwig Jünger kann heute auf eine 25jähttge Tätigkeit im Betriebe der Gießener Eisenbahn-Nebenwerkstätte zurückblicken. Hessen-Nassau. Aufdeckung einer Falschmünzerwerkstätte. fpd. Frankfurt a. M., 18. Juli. Durch Zufall wurde heute nachmittag im Keller des Hauses Kaiserstraße 58 eine mit den besten Hilfsmitteln eingettchtete Werkstätte für den Druck von falschen Zehn- und Zehntausendmarkscheinen von der Polini entdeckt. Der Falschmünzer, ein im Hause wohnender Malermeister, legte, als er für den Druck der Scheine in einer Fabrik Farben kaufen wollte, sich den Namen eines anderen Frankfutter Bürgers bei, den ein zufällig anwesender Hett aber genau kannte. Man benachrichtigte die Polizei, der der Malermeister dann ein volles Geständnis ablegte. 3m Keller fand man eine ganz neue Steindruckhandpresse, zahlreiche Klischees und diele bereits * bedruckte Dogen nahezu fertiger Zehnmarkscheine. Die Anfertigung der Zehntausendmarkscheine befand sich noch in den Anfängen. 3n die Angelegenheit dürften noch andere Personen verwickelt sein. Gin Scheck- und Zuwelenschwindler. fpd. Frankfurt a. M., 18. Juli. 3n ganz Mittel-, West- und Süddeutschland hat der 30jähttge Kaüfmann Heinrich Niemeier aus Lübbecke in Westfalen Schwindeleien großen Amfangs verübt. 3n jeder Stadt, wo er eine Gastrolle gab, legte er sich einen anderen Namen bei, mal Durgmeyer, mal NiehuSmann, dann Vatteroch, Wehl, Otto, Lorenz usw. Sein Trick besteht darin, daß er sich bei Gvldwarenhändlern Ringe vorlegen läßt, sie über den Finger stteift und dann einen Scheck als Bezahlung gibt. Auf diese Weise erschwindelte er sich in Würzburg für 100 000 Mk. Ringe. Es ist nicht unmöglich, daß er auch anderswo derartige Betrügereien verübt hat. 3n Würzburg wurde er verhaftet. Die Fahrraddiehe in Frankfurt. mc. Frankfurt a. M, 18. Juli. Nach Mitteilungen der Polizei werden täglich in Frankfurt 10—12 Fahrräder ge- stvhlen und 3—4 Fahrraddiebe festgenommen. Die Gerichte besttasen eben jeden Fahrraddiebstahl mit sechs Monaten Gefängnis. Dom Arbeitsmarkt. wb. Frankfurt a. M., 18. Juli. Aus dem Bericht des Städtischen Arbeitsamtes geht 'hervor, daß die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Monat Juni recht günstig war. Die Zahl der Anterstützungs- empfänger ging gegenüber dem Bormonat um wettere 100 zurück. Bezeichnend ist, daß es in dielen Berufen an tüchtigen Spezialarbeitern fehlt, während in den ungelernten Berufen der Bedarf an Arbetts- kräften dauernd gedeckt werden kann. Neue Kaufmannsgehälter in Frankfurt. fpd. Frankfurt a. M., 18. Juli. Nach langstündigen Verhandlungen fällte in der vergangenen Nacht der Schlichtungsausschuß die Entscheidung über die im Monat Juli zu zahlenden Gehälter für die kaufmännischen Angestellten. Danach bettagen die Höchstgehälter für Lehrlinge 1100 Mk., für Gehilfen 3400 Mk., für Angestellte über 30 Jahre in Klasse A 6500 Mk., in Klasse B 7XJ30 Mt.» tn Klasse C 7600 Ntt„ tn Klasse 1) 8350 Mk., in Klasse E 9300 Mk. Das bedeutet eine wesentliche Verbesserung gegen die Iunieinkommen. Ein Frankfurter Haudwerkerprotest. wb. Frankfurt a. M., 18. Juni. Gegen heu Beschluß der Stadtverordnetenversammlung, sich an der „Bauhütte" zu beteiligen, hat das Handwerksamt im Namen von ca. 10 000 Handwerkern Protest eingelegt mtt der Begründung, daß der Beschluß einen Verstoß gegen die Reichsverfassung § 164 bedeutet, der der Gesetzgebung und Verwaltung die Pflicht auferlegt, Handwerk und Gewerbe vor der Aufsaugung zu schützen. * si Marburg, 18. Juli. 3n den Stadtsälen beschäftigte sich eine von den Gewerkschaften einberufene öffentliche Einwohnerversammlung, der auch viele Bürger und Studenten beiwohnten, mit den Vorgängen am 4. Juli. Die Schuld an den Vorkommnissen wurde auf Mitläufer und auf die vorher künsllich in die Einwohnerschaft getragene Aufregung zurückge- fühtt, besonders auch auf den verbotenen Schützenfestzug. Ebenso wurde auch die Meldung von den Besuch der Ruhlaer Arbeiter als Ansinn bezeichnet. 'Die Versammlung, in der auch mehrere Studenten sprachen, hatte das Ergebnis, daß die Teilnehmer sich mtt den Ausführungen, in Zukunft mehr auf Einigkeit zwischen Studenten- und Arbeiter schäft Wert zu legen, einverstanden erklärten. Es wurde seitens der Arbeiterführer auch dringend ersucht, die studentischen Festlichkeiten in keiner Weise zu stören. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. ** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 81 enthüll: Auslösung des deutsch-völkischen Schutz- und Truhbundes. — Wahlen zum Kreistag. — Schulzahnpflege. - Preise für Brennstoffe. — Kurtaxe und Dadegelder. zu Bad-Nauheim. — Veranstaltung von Verlosungen. — Erweiterung des Anschlußgleises der Buderus- schen Eisenwerke. — Besoldung der Beamten. — Aebernahme der persönlichen DolkSschullasten. — Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge. — Dienstnachrichten des Kreisamts. — Bekanntmachung des Polizeiamts. — Feldbereinigung Heuchelheim und Wieseck. HochschuTnachrichten. Der Deutsche Studententag in Marburg verboten. * Marburg, 18. Juli. Der auf den 21., 22. und 23. Zuli hierher einberufene ordentliche Deutsche Studententag 1922 ist von dem Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe der Republik d e r b o t e n worden. * i ][ ifiarburg, 17. Juli. Zum Rek- tvr der Aniversität für das Amtsjahr 1922/23 wurde der Direktor der medizinischen Klinik, Professor Dr. Alfred Schwenken- becher, gewählt. Turnen, Sport und Spiel. Akademische Wettkämpfe der Aniversität Gießen. Am Sonntag Nachmittag nahmen die Wettkämpfe der Studenten (Endlämpfe) auf dem Tum- und Spielplatz der Aniversität einen sehr erfreulichen Verlauf. Trotz der Verschiebung und trotz großer gleichzeitiger sportlicher Veranstaltungen batte sich eine zahlreiche Zuschauermenge eingefunden, darunter Der Rektor und mehrere Professoren der Landesuniversität. Der Platz bot wieder ein schönes Bild, wenn er auch unter den Regengüssen der letzten Tage gelitten hatte und von dem Leiter und einigen Helfern nur mit großer Mühe rechtzeitig hatte in Ordnung gebracht werden können. Die Leistungen waren durchaus gut, obwohl Wind und Regen teilweise störte: sie zeugten von tüchtiger körperlicher Ausbildung eines großen Teils der Studierenden durch den verdienten Turn- und Spottleiter Dr. Werner. Hervvrgehoben werden muß das Stillaufen zu Beginn, bei dem die Damenabteilung durch feine Körperbeherrschung sich bemerkbar machte: auch sonst verdient gerade die Damenriege nicht nur wegen der Resultate, sondern auch wegen der Form der Aussühruna Lob. Dann seien die spannenden Stasfelläufe und der 5000 Meter-Lauf erwähnt: bei diesem kamen alle Tttmehmer an« Ziel, die meisten, darunter der Sieger, ohne sichtbare Ermüdung. Bon den Verbindungen zeigten besonders die Burschenschaften Frankonia und Germania und die Tumerschaft Hasso-Nassovia in der Art ihres Auftretens und Zusammenwirkens, daß eine kräftige akademisch« Tradition auf dem Gebiete der Leibesübungen sich auszubilden beginnt, die in die Zukunft weist. Möge die Veranstaltung dazu beitragen, das Ver- tänonis für die Bedeutung dieser Seite der studentischen Erziehung in wette Kreise zu tragen. Ergebnisse der Endkämpfe. 1. Kugelstoßen (r. Hand 71., Kilogramm, l. Hand 5 Kilogramm, r. und l. Hand zusammengerechnet): 1. Deck (Frankonia) 18,30 Metern 2. Metzger (Chattia) 17,55 Meter: 3. Detter (Adel- phia) 17,40 Meter. 2. Diskuswerfen (r. und l. Hand zusammengerechnet): 1. Detter (Adelphia) 50,80 Öltet er; 2. Deck (Frankonia) 47,50 Meter: 3. Hagen thau (Frankonia) 45,95 Meter. 3. Speerwerfen (r. und L Hand zusammengerechnet): 1. Ehmann (Hasso-Nassovia) 53,50 Meter: 2. Mayer (Frankonia) 53 Meter: 3. Vetter (Adelphia) 51,80 Meter. 4. Weitsprung: 1. Deck (Frankonia) 5,60 Meter: 2. Leuchter Silvania) 5,55 Meter; 3. Pfeiffer (Frankonia) 5,50 Meter. 5. H o ch fp r u n g: 1. Detter (Adelphia) und Kraft (Germania) 1,60 Meter: 2. Hofferber (Germania) 1,55 Meter: 3. Leuchter (Silvania), Ehmann (Hasso-Nassovia) und Hagenthau (Frankonia) 1,50 Meter. — Im Vorkampf übersprangen alle 1,60 Meter. 6. Stabhochsprung: 1. Deck (Frankonia)- 2,80 Meter: 2. Decker (Germania) 2,60 Meter; 3. Wüst (Frankonia) 2,50 Meter. 7. 100 Meter-Laufen: 1. Ehmann (Hasso-Nas-> sovia) 11,5 Sek.; 2. Leuchter (Silvania) 11,6 ©et.: 3. Detth (Wingolf). 8. 400 Meter-Laufen: 1. Ehmann (Hassv-Nas- sovia) 62,3 Sek.: 2. Kochem (D. D. St.) 63,5 Sek.' 3. Leuchter (Silvania). 9. 5000 Meter-Laufen: 1. Stichler (Hasso-Nas- sovia) 20 Mtn. 581 -5 Sek.: 2. Körbel (Germania); 3. Buh (Frankonia). 10. 4 mal 100 Meter-Staffel: 1. Burschenschaft Frankonia I. 53-,5 Sek.: 2. Burschenschaft Germania 53Vz Sek.: 3. Burschenschaft Frankonia (II Mannschaft). 11. 10 mal 100 Meter-Staffel: 1. Burschenschaft Frankonia: 2. Burschenschaft Germania. 12. 5000 Meter-Mannschastslaufen: 1. "Sur* schenschaft Frankonia: 2. Burschenschaft Germania; 3. Tumerschaft Hasso-Nassovia. Studentinnen. 1. Kugelstoßen (5 Kilogramm, rechte und linke Hand zusammengerechnet);: 1. ßangenefe; 2. Karbe: 3. Thiele. 2. Speerwerfen (r. u. (. Hand zusammengerechnet) : 1. ßangenefe 35,60 Meter: 2. Thiele 29,70 Meter: 3. Kurtz 25,85 Meter. 3. Diskus wer f e n (r. und L Hand zusammengerechnet): 1. Langeneke 26,90 Meter: 2. Karbe 24,10 Meter: 3. ferner 23,78 Meter. 4. Hoch, prung: 1. Karbe 1,35 Meter; 2 Dreher und Müller 1,30 Meter; 3. ßangenefe 1,25 Meter. 5 Weitsprung: 1. ßangenefe 3,70 Meter: 2. Müller 3,56 Meter; 3. Kurz 3.50 Meter. 6. 75 Meter-Laufen: 1. Dreher 10% Sek.: 2. Karbe 11 Sek.; 3. Thiele IP/s Sek. Die Deutschen Hochschulmeisterschaften in Turnen, Leichtathletik und Schwimmen, die am Sonntag in Darmstadt auf dem neuen Ani- versitätssportplatz ausgetragen wurden, hatten ttoh des schlechten Wetters gute Leistungen aufzuweisen. Die neuen Meister sind: Turnen (Zwölfkampf): Fielmayer-München; Zehnkampf- Fielmayer; Darren: Fielmayer; Reck: Nagel und Fielmayer; Pferd: Fielmayer. Schwimmen: 4 mal 40-Meter°Staffel: 1. Darmstadt; 100 Meter Damen: Frl. Reiher-Frankfurt a. M.; 100 Meter Rücken: Strasser-Berlin; 1000 Meter bei.: Hotzel- Dortmund; 100 Meter Seite: Hilmar-Darmstadt 4 mal 100-Meter-Stafsel: Darmstadt; 100 Meter bei.: Hilmar-Darmstadt; 100 Meter Brust: Ka lb-> sleisch-Gießen; Springen: Blessinger-Mün- chen; 400 Meter bei.: Hotzel-Charlottenburg; 4 mal 100-Meter-Lagenstaffel: Darmstadt; Wasserball: Aniversität Göttingen gegen Technische Hochschule Darmstadt 3:1.— Leichtathletik: 100 Mir.: Zörner-Bonn 11,2 Sek.; 200 Meter: Zörner 23 Sekunden: 400 Meter: Braun-Darmstadt 52,9 Se°> künden: 800 Meter: Lehmann-Berlin 2:06; 1500 Meter: Helfer-Berlin 4:16; 5000 Meter: Lutz- München 17:13; 110 Meter Hürden: Krause- Freiburg 18,2 Sei.: 4 mal 100-Meter: Bonn 46 Sek.; Schwedenstaffel: Bonn 2:07; 3 mal 1000- Meter: Hamburg 8:30; Olympische Staffel: Berlin 3:50,2; Weitsprung: Krause-Freiburg 6,42 Meter: Hochsprung: Krause-Freiburg 1,70 Meter; Stabhochsprung: Rüssen-Freiburg 3,10 Meter; Diskus. Lignau-Hannover 36,17 Meter; Speer: Rüssen-Freiburg "48,57 Meter; Kugel: Lignau- Hannover 11,63 Meter; Fünfkampf: Lignau-Hannover 258 Punkte. Max Liebermanns künstlerisches Glaubensbekenntnis. Mar Liebermann, dessen 75. Geburtstag am 20. Juli gefeiert wird, veröffentlicht im neuesten Heft von „Kunst und Künstler" ein höchst bedeutsames künstlerisches Bekenntnis, das er „Ein. Credo" nennt. Der greife Meister, bet hier auch zu den neuesten Kunstrichtungen temperamentvoll Stellung nimmt, läßt uns in diesen Auszeichnungen einen tiefen Blick in den Argrund schöpferischen Schaffens tun. „@S. leuchtet von selbst ein, daß die Form die Grundlage aller bildenden Kunst ist", schreibt er. „Aber sie ist viel mehr: sie ist auch das Letzte und Höchste. Ohne sie wären um die spezifischsten Qltater zu nennen — Tizians oder Tintorettos. Rubens oder Rembrandts, Goyas oder Manets Bilder — persische Teppiche. Es wären lebende Bilder aber feine Bilder, die leben. Denn sie hätten keine Seele. aber flößt der Form die Seele ein ? DaS bewirkt, daß ein paar Hieroglyphen auf einem Stück Papier oder ein paar farbige Flecken auf der Lein wand uns höchstes seelisches Empfinden suggerte- ren können? Was amders, als der Geist, der dem Stift, -'em Pins k Leben eingesiößi hat. Nur der G'is' schafft die Wirklichkeit. Diese Ertenntnis, die feit unsc:c.i ck.7'sischen Kunst schriftstellern, feit der Lessing, Sck:'"'l?r. - rkling zum eisernen Bestand i>r Kui7.^ästhLtil gehört. wird in neuester Zeit ebenic nwßrrpKonden wm mißbraucht, um mit ihr O3JT; Dümmste -m'ö Albrrnstr nicht nur zu ent- schul Zig fn, fpr-iirrr. st,gar als vorbildlich hinzustel- len." st - 7 wrstercr, ‘/nbc:. sich bann Liebermann gegen 5fc falsche und einseitige Auffassung dessen, was man Impressionismus nennt: „Es ist einer der schwerwiegendsten und deshalb kaum zu entschuldigenden ästhetischen Denkfehler, anzunehmen, daß der Maler, je getreuer er die Wirklichkeit barst elle, desto weniger visionär wäre, daß der Realist oder Impressionist nur die Natur ab male, der Idealist oder Expressionist feine Vorstellung der Natur gäbe. Nicht die mehr oder minder getreue Wiedergabe der Natur ist das Kriterium für Wahrnehmunasbild oder Vorstellungsbild, sondern die Größe und die Kraft der künstlerischen Persönlichkeit ist das Entscheidende. Die exakte Wirklichkeitswiedergabe der Eamera macht ebenso wenig ein Kunstwert wie die Verzerrung ein Pferd zu einem Rhinozeros. Ob sich ein Künstler der objektiven Wirklichkeit, so viel er's vermag nähert oder sich von ihr entfernt, ist ganz gleichgültig. Ob er ein Künstler ist oder nicht, ob er Kopist der Wirklichkeit oder Schöpfer eines Neuen, seiner Wirklichkeit: das ist das Entscheidende." And für das Wesen der bildenden Kunst findet er die wundervollen Sähe: „Alle bildende Kunst (ebenso die Poesie) ist Gleichnis. Woher anders als aus der Natur kann das Symbol für das Gleichnis genommen werden? Die Phantasie des Künstler- muß den Stoff zu ihren Symbolen von den Sinnen und diese wieder müssen ihn von der Natur nehmen. Wenn es keine Wirklichkeit gäbe, könnte es keine Kunst geben, wie es keine Sonne gäbe, wenn unser Auge sie nicht sähe." — W i e Goethe seiner „letzten Liebe" Schokolade schenkte Im Grgrn- satz zum Kasfee unb T'e, die in Gottyes Wetten nicht ganz feiten erwähnt werden, findet man in ihnen die Schokolade, die Wieland schon im Amadis nennt, die auch in Schillers „Fiesco" vorkommt, überhaupt nicht. And doch hah Goethe auf sie in seinem Alter ein paar Reime gemacht, und die süße Leckerei, die heutzutage so hoch im Preise steht, daß schon eine 100-Gramm-Tafel ein anständiges Geschenk ist, gerade vor hundert Jahren seiner „letzten Liebe" in anmutiger Weise als Gabe dargebracht — freilich ein ganzes Pfund. Als Goethe im Juni Juli 1822 in Marienbad weille, verkehrte er. wie auch in früheren Jahren, mit einer Frau von Drösigke und ihren Enkelln- nen, zwei jungen Fräulein von Levetzow. Die ältere von ihnen, Alrik, erzählt uns nun, daß die jungen Mädchen gerne den Gesprächen zuhörten, die Goethe mit dem großen Chemiker Derzelius und einigen anderen Naturforschern führte. „Alle waren so freundlich, uns, was wir nicht verstanden, deutlich zu machen: meine jüngste Schwe- ft er Berta, die nur erst 14 Jahre war, interessierte sich für die Mineralogie, und die von mir genannten Herren und Goethe stellten ihr eine nette Sammlung von Steinen zusammen. Ein anderes Mal ri’f Goethe uns zu sich, wo er auf einer langen Tafel alle Steingattungen, welche sich in der Gegend von Marienbad finden, geordnet hatte, er führte mich zu einer Stelle, wo er zwischen den Steinen ein Pfund Wiener Schokolade gelegt hatte, woraus geschrieben stand: Genieße Oles nach deiner eignen Weise, Cffir nicht als Trant, doch als beliebte Speise. Taß Goethe die Schokolade für mich zwischen die Steine gefegt, wa> Scherz, weil ich den Steinen kein Interest abgcw'nnen tonnte." Für Goethes Verhältnis zu Alrike sind noch deren folgende Worte kennzeichnend: „Auch in diesem Sommer war Goethe sehr freundlich zu mir und zeichnelL mich bei jeder Gelegenheit aus; ost sagte er zu meiner Großmutter, wie sehr er wünschte, noch einen Sohn zu haben, denn er müßte dann mein Mann werden, mich würde er ganz nach seinem Sinn ausbilden, er habe eine große und väterliche Liebe für mich." Ein amerikanischer Werkbund. Die Ausstellung des deutschen Kunstgeweirbes, die gegenwärtig tm Museum zu Qletoart im Staate Neuyort statcfindet, hat wichtige Folgen gezettigt. wie dem „Eicerone" aus Neuyort berichtet wird. Auf einer Versammlung, die im Anschluß an dis Ausstellung veranstaltet wurde, beschloß man, auf die Gründung eines Kunstgewerbemuseums hinzuarbeiten, und nahm eine Vereinigung aller am Kunstgewerbe Beteiligten in Aussicht. Es sollen also die Künstler und Fabrikanten in einem amerikanischen Wertbund zusämmengeschlossen werden, Der sich den deutschen Werkbund zum. Muster nimmt. „Kommt es während der nächsten Saison zu dieser Gründung," so schreibt der Berichterstatter, „so ist es auch möglich, daß der Aufforderung des deutschen Werkbundes anläßlich der Neuyorter Ausstellung zur Zusammenarbeit Folge geleistet wird, was einen großen moralischen Sieg deutscher Arbeit unb Organisation dar-, stellen würde, gleichgültig, ob "das nun hier gleich öffentlich anerkannt werden würde oder nicht, ilnb. ein solcher Sieg würde sicherlich nicht ohne wertvolle Folgen bleiben, wenn er mit Takt und Klugheit weiterverfolgt werden würde.'' Gießen (Wiesenstraße 4), den 19. Juli 1922. 6772V oroie i Behördliche Anzeigen stöhlen hat. 07067 Ed. Klinke! & Söhne, Kunstmühle, «Sieben. ■ofort lieferbar 60K>A ► 12 Akte! 2 Akte! Verstärktes Orchester! %7n Seltersweg 73. 6774V Die Verlobung ihrer Tochter Hildegard mit dem Kaufmann Herrn Dr. Hermann Baumgarten zu Harburg a.d.T. beehren sich anzuzeigen Oberstudiendirektor Dr. Heinrich Schnell und Frau Katharina geb.Kern. Gießen, im Juli 1922. Meine Verlobung mit Fräulein Hildegard Schnell gebe ich bekannt. Dr. Hermann Baumgarten. Professor Huntemüller und Frau Elfriede geb. Höhe Astoria-LichtspieSs Einige OamMsctaschim mit Lokomobilen od. Selbstfahrer sowie Strohpressen dazu Die Beerdigung findet Donnerstag, den 20. Juli, nachm. 3 Uhr von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. Wlin-Unterricht Stunde 30 Mk., erteilt wo« Hermann Wilke, Schanzenstr. 1,b. Georges. Gebrüder Lutz A.-G., Darmstadt 13 Gegründet 1858 Fernspr. 406 u. 407. Drahtanschr.: Lutzwerke. | Frische Fische I Feinste Bratschellfische Schellfische zum Kochen ff. Nordsee Cabliau und Seelachs ohne Kovf. Rauchschellfische, Bücklinge, i-W Lachs in Stücken und LachS-Heringe Gebr.Berdux Bahnhofstraße 27. (6789a Die Geburt eines kräftigen Jungen zeigen hocherfreut an Noch bis einschließlich Sonntag '/,4, 6 und */o9 Uhr: A Der größte Erfolg i ► Heritis fei R Ein Königs-Schicksal. Am Montag abend 81/* Uhr verschied nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden unsere innigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Wilhelmine Engel geh. Hehr im 77. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Kraft. fciiÄscispem*! Sie sparen viel Geld, Zeit und Aerger, falls Sie in die Auto-, Motor- und Fahrradschläuche das vielfach prämiierte IHVULMER füllen. Invulner schließt augenblicklich während der Fahrt Schlauchdefekte bis zu 5 mm Durchmesser. Begutachtungen, wie Adlerwerke Frankfurt a. M., Automobilklub Wiesbaden usw., sowie praktische Vorführungen können ohne Kaufzwang besichtigt werden bei der Alleinvertretung Göbel & Appel, Automobile,Gießen Margarine (feinste Tafel - Margarine) ohne Salz, Pfund Mk. 58,—, 60.— ff. Nußbutter-Margariue Pfund Mk. 60.- Kokosfett lose......Pfund Mk. 58.- in 1-Pfund-Paketeu „ „ 60.— Wer EmMiltLl.Köse"Ui.80.- 300 Bit wmi demjenigen, welcher den Täte^ namhaft macht, der auf unserer Insel 35 schwarze junge Hühnchen von Montag auf Dienstag ge- । y, « . Nahrung bei; Brechdurchfall, Diarrhoe, Gießen - inno 7=--7-----r~NN Juli 1922. Harburg a.d.E. Vergleich zwischen den Unterzeichneten: i. Fräulein Marie Schuchmann in Lützellinden, Privatklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Leopold Katz in Gießen, einerseits 2. Friedrich 2lßmann, Hüttenarbeiter in Lützellinden, Angeschuldigter, andererseits. Der Angeklagte bedauert, die Privatklägerin beleidigt und körperlich mißhandelt zu haben, zahlt eine Sühne von 200 Mart und übernimmt sämtliche entstandenen Kosten. Gießen, den 28. Juni 1922. (gez.) Unterschriften. Vorstehenden Vergleich bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis. 6773D Dr. Leopold Katz, Rechtsanwalt. Buttenverkauf. Die Gemeinde Göbelnrod beabsichtigt Freitag, den 2l.d.M., einen fetten Simmentaler Dullen auf dem Submissionswege zu verkaufen. Angebote sind mit der Aufschrift „Bullenverkauf" bis längstens Freitag, den 21. l. Mts., nachmittags l‘/2 Llhr, bei unterzeichneter Stelle einzureichen, wo die Eröffnung der Angebote im Beisein der etwa erschienenen Bieter stattfindet. Bedingungen sind vorher einzusehen. Göbelnrod, den 18. Juli 1922. 6790D Hessische Bürgermeisterei. Weber. Gesellschaft„Liebigmuseum“ Oeffentlicher Vortrag am Sonntag, dem 23. Juli 1922, vormittags HVt^hr, im Hörsaal des Liebigmuweunis Herr Direktor Steding: „Die Wasserversorcnno der Stadt Gießen“. Für Nichtmitglieder 2 Mark Eintrittsgeld. 6775 Der Vorsltiende: Tret Dr. Sommer. Selbstverbraucher sucht Vorkommen an la Findlingsquarzit ebenso laufende Lieferungen sowie Vertreter zum Ankauf. Angebote erbeten an Rudolf Mosse, Essen a. d. Ruhr, unter F- S. T. 307. 6?84as | Mäetgesuche | Student (Examenskandidat» sucht z. 15. 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Im I, Niffe zurück, lie uiu> meldete sich L^^nb«Sisches W e^elt abc Bfam heraus d Natt von der ’Ntbtnt Lobe 5 td) to» t «nting (inti •TL ^NN M Löbe dch ÜÄ Roman Sortierung.' EZich 6 "w* Ln 1 nur nnA • illUr Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, (9. Juli (922 Zweiter Blatt Nr. (67 X1 tm Juli 1922, W- Dem Vorschlag des Präfi^enteir Lobe, dm Der kommunistische Einspruch wird nicht ais- ieg 73. 657«) in (Nachdruck verboten.) 15. Fortsetzung. (Fortsetzung folgt.) um auf läge in standen, einseitig die Sitzung neue Sitzung 1 ,6 7'1« Gesetzentwurf gegen Dersamw.lungssprengung auf die Tagesordnung z i setzen, wird von den Kommunisten widersprochen. Der Präsik-ent schlägt vor, kiesen Antrag aus die Tagesordnung einer nach 5 Min uten stattsindenden neuen Ätzung z.t setzen. Abg. Müller-- Fra gen (Sozi erklärt dazu, seine Fraktion ser zwar gegen den Antrag, werde aber nicht Einspruch dagegen erhben, bat] er ans die Tagesordnung gesetzt wird. Abg. K o e n e n (Komm.) erhebt Einspruch da- Üt ‘200-300900 Mk. m nut erstklassigem lluteruebmeu. SAstl. Angebote unter 07052 an sin Giehener Anzeiger. der Ausschuhfassung sind wir einver- Sie kann in dieser Fassung nicht mchr irach einer Richtung angewandt werden. Abg. Fehrenbach (Z.): Ich will auf die Persönlichkeit des Herrn Dazille nicht eingehen, aber seine Ausführungen verdienen eine kurze und entschiedene Zurückweisung. Was der Abg. Bazille hier vorgebracht hat, war sorgfältig präpariertes Gift, das er verspritzt 'hat zum Schaden des ganzen Volkes. (Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Sie (nach rechts gerichtet) haben diese Rede gehört. Können Sie sie billigen? (Abg. Graf Westarp: Jawohl! Stürmische Entrüst ungskundgebungen bei der Mehrheit.) Ich beneide diese Partei und diese Gemeinschaft nicht. Das deutsche Volk wird dafür lein Verständnis haben und es irirb auch in Ihren Reihen manchen geben, der mit einer solch verhetzerischen Rede nichts zu tun haben will. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit, Widerspruch bei den Deutsch- nationalen.) Abg. Emminger lVayr. Vp) begründet hierauf nochmals die ablehnende Haltung, die seine Fraktion aus Gründen der bayerischen Staatshoheit gegen die Vorlage einnimmt. Abg. Keil (Soz.): Es steht sest, das, der Abgeordnete Bazille von der württembergischen Verwaltung Gehalt verlangt und erhalten bat unter Verschweigung der Tatsache, daß er gleichzeitig von der belgischen Zivilerwaltung besoldet wurde und daß er auch dec belgischen sjrvrlver- waltung den Empfang des württembergischen Gehaltes verschwiegen hat. (Hört, hört! links.) Es trist: nicht zu, daß rch meine Kenntnis dieser Tatsachen aus gestohlenen oder Geheimakten geschöpft hätte. (Lauter Widerspruch rechts, laute Zwischenrufe der Abgg. v. Gräfe und Dr. Vecker (D. Dp.>. An dieser Stelle bin ich keinem Rechenschaft über die Quelle meiner Wissenschaft schuldig. (Lärm rechts: Vizepräsident Dr. Dell ersucht um reichend unterstützt. Um 6.20 ilfjr beraumt Präsident Lobe dk nächste Sitzung auf 6.25 Utyr an. Der Antrag wird hierauf gegen die Stimmen der Sozialisten dem Rechtsausschrtz überwiesen. Ohne Aussprache wird in allen drei Lesungen die Vorlage angenommen, durch die die Diäten der Abgeordneten auf 1OOOO Mark monatlich erhöht werden. Rach Erledigung von Petitionen nimml Abg Stresenrann (D. Vpt.) das Wort, um unter all- seitiger Zustimmung des Hauses dem Reichstags- Präsidenten Loebe den Dank auszusprechen für die ausgezeichnete Leitung der Verhandlungen, eine Aufgabe, der er sich mit Takt, Energie und Humor unterzogen habe. Präsident Loebe dankt für die Anerkennung und schließt um 1/48 Ähr die Sitzung mit dem Wunsche, das) künftig ruhige Zeiten für Reich und Reichstag kommen mögen. Der Präsident erbittet und erhält die Ermächtigung, den Reichstag einzuberufen, wenn es die politische Lage verlangt, spätestens jedoch am 17. Oktober 1922. Fälle geprüft sein werden, wird das Disziplinarverfahren eingeleitet werden. (Lärm rechts.) Es ist ein Gebot der politischen Reinlichkeit und Rotwehr, solchen Moralhelden die Maske vom Gesicht zu reihen und sie zu entlarven, als moralisch verkommene politische Brunnenvergifter. (Deisall linls, Pfuirufe rechts.) Abg. Fehrenbach (Zentr.) beantragt, dieser unerträglichen Debatte ein Ende zu machen, wenn Abg. Dazille noch einmal antworte.. Der Reichstag sei nicht das Forum zur Entscheidung jeder persönlichen Angelegenheit. Abg. Dazille (Dntl.) erllärt, drh er mit Rücksicht aus das angekündigte Disziplinarverfahren auf weitere Aeuherungen zu dieser Angelegenheit verzichte. Die Abstimmung ergab in allen Fällen die Annahme der von den Regierungsparteien gestellten Aendcrungsanträge mit einer Mehrheit, die aus den beiden sozialistischen Fraktionen, dem Zentrum und den Demokraten besteht. Für die Beschlüsse in der zweiten Lesung stimmt auch die Deutsche Dolkspartei. In der namentlichen Schluh- abstimmung wird das Gesetz mit 303 gegen 102 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen angenommen. Dagegen stimmen neben den Deutschnationalen, den Kommunisten und den beiben bayerischen Fraktionen noch einige Mitglieder der Deutschen Volkspartei, darunter Abg. Koch, (Abg. Stinnes fehlt), Ernährungsminister Fehr stimmt im Gegensatz zum Bayerischen Bauernbund, dem er angehört, mit Ja. Präsident Löbe stellt fest, daß die ver- fassungsmähige Zweidrittelmehrheit für das Gesetz erreicht ist. (Beifall.) Die Einsetzung des ttntersuchungsausschausses für die gegen die Reichswehr erhobenen Anschuldigungen wird mit der verfassungsmäßigen Mehr- ^h-ett schlossen. Das Gesetz über die Pflichten der Beamten zum Schutze der Republik wird mit einigen Abänderungen in namentlicher Schlußabstimmung mit der nach der Verfassung nötigen Zweidrittelmehrheit angenommen. Dafür werden 278, dagegen 137 Stimmen abgegeben bei einer Stimmenthaltung. Cs .folgt die dritte Beratung des Reichs- kriminalgesehes. Abg. Siemvns- Franken (11.) verwert zur Begründung der Rot Wendigkeit des Gesetzes auf einen Bericht des „D. T", wonach dir beiden Rathenaumörder vor ihrer Entdeckung schon Fühlung mit Münchener Helfern genommen haben sollen, die sie mit falschen Pässen Über die tschechische Grenze schaffen wollten. Abg. Hamm (Dem.) legt Verwahrung dagegen ein, dah eine durch nichts bewiesene Zeitungsnotiz zur politischen Drunnenvergiftung benutzt wird. Das „Diesen Gedanken habe ich natürlich erwogen", entgegnete Perzelius, „habe ihn jedoch nach kurzer llebeclegung wieder verworfen. Der Fellache ist sicher nicht in die Wüste geflohen, und wenn wir seiner habhaft werden können, ist es am Rll." „Ich verstehe das durchaus nicht", antwortete Eduard kleinlaut, „der Möglichkeiten sind doch unendlich viele." „In diesem Punkt nicht", meinte der Doktor, „denn Sie müssen bedenken, dah wir keinen gewöhnlichen Mädchenrüuber vor uns haben, sondern einen ganz bestimmten, sozusagen einen ritu- ellen. Der Fellache verkaufte seine Beite nicht nach dem Sudan hinüber." „Ich sehe aber nicht ein", erwiderte Eduard, „woraus Sie das so sicher annehmen könnten." „Dann will ich es Ihnen sagen", sprach nun Perzelius. „Sie erinnern sich des Ortes, wo wir die erste Rächt auf unsrer Reise zubrachten?" Eduard nickte. „Weiter erinnern Sie sich natürlich unsres unangenehmen Zusammenstoßes mit dm Eingeborenen in jenem Grabraum. Dies» Eingeborenen waren Fellachen, wie man an ihrer Kleidung erkennen konnte. Sie mochten eine schöne Wut bekommen haben, als wir ihren entwischten. — Warum haben sie uns nicht weiter verfolgt? Weil.sie sonst auch in die Hütte des Dorfvorstehers hätten eindringen muffen, wodurch brr dem entstehenden Lärm natürlich der ganze Ort alarmiert worden wäre. Damit wäre das Geheimnis verraten gewesen. — Aber weiter. Wenn Eduard erstaunt. Drei Wochen dauern die Vorbereitungen zu dem "Fest für welches die Baronesse bestimmt ist. Bis dahin ist sie so sicher, wie man nur wünschen kann," erwiderte der Doktor,, „das weih ich aus meinen ethnologischen Studien." Eduard war bläh bis in die Handwurzeln. So ricktig ihm auch alles erschien, was Perzelius vorbr/tzte die Ruhe des Doktors vermochte er dennoch nicht in sich aufzubringen. Wenn nur ciu einziges Glied in der langen Kette von Schlüssen n3Sttten. drei Wochen vorbeigingen. ohne dah man an ein Ziel kam? Eduard schauderte inneklich, wenn er diese Gedanken verfolgte. „Wir haben heute Wache gestanden," frhr Perzelius weiter, „um keme Möglichkeit außer acht zu lassen. Es hätte ja sein können, dah der Räuber seine Beute erst hier irgendwo in Sicherheit hätte bringen wollen. Da heute nichts derartiges erfolgt ist, scheint es mir auch weiterhin ausgeschlossen. Ich glaube vielmehr jetzt dah sich der Fellache nach den oberen Ril- gegenden gewendet hat." „Aber Aegypten ist groß, wie sollen ton da ein geraubtes Mädchen finden?" gab Eduard trostlos zurück. „Wir werden es finden, weil wir die Spuren haben. Wichtig ist nur, dah wir den ZeitpunS nicht versäumen," entgegnete Perzelius sachlich Eine Pause entstand. Der semitische Schiffer redete immer noch heftig auf die Fischer und Bovtsknechte ein, die an seinem Tisch sahen. Da öffnete sich die Türe, und ein braun« Knabe trat herein in seltsamem Auszug. Er war fast unbekleidet, nur um die Lenden trug er einer» klirrenden Zierrat aus kleinen Dronzeplatten. Ge- sicht und Körper waren über und über in der kunstvollsten Weise bemalt, das halblange schwarze Haar fiel in steifen Locken herab. Eduard und der Doktor beachtefer den Ein- tretenden kaum, und auch die Seeleute schienen wenig Rotiz von ihm zu nehmen. Bettelnd« Gaukler konnte man oft genug in den Schenker sehen. Aus Stabt und Land. Gießen, den 19. Juli 1922 Neue Poft-Beftimmungeu. der Republik erklärt Stöcker (K.), die jetzt beschlossenen Gesetze zum Schuhe der Republik seien im Gegensatz zu der ersten Regierungserklärung nicht zu Kampfinstrumenten gegen rechts geworden, sondern die revolutionäre Arbeiterschaft sei dadurch bedroht. Die Vorlage wird hierauf ohne weitere Aussprache mit groher Mehrheit angenommen. Der ersten Beratung eines Antrags der Mittelparteien auf Abänderung des Strafgesetzbuches (Mahnahmen gegen Sprengung von Versammlungen), dar nachträglich eingebracht wurde, widersprechen die Kommunisten. Präsident Löbe schlägt vor, aus die Tagesordnung einer neuen Sitzung diesen neuen Antrag zu setzen. Auch das wird durch den genügend unterstützten Einspruch der Kommunisten unmöglich gemacht. Ruhe.) Die Hauptsache ist, dah Herr Bazille - • <. ~ . die Richtigkeit meiner Angaben nicht bestreiten ^n, dah der Antrag aus dre Tagesordnung kann. (Sehr wahr! links.) Sobald alle einzelnen ^i .uitg g^Öt ixnrö. Präsident Löbe schlieht Uhr und beraumt eine Uhr an. 255. Sitzung, 1 ,6 ^maschinen Sßihsttalirer sssen dazu epbar > Oarmstadt 13 1858 ianschr.: Utzwerke, d, Zeit und Aerger Mot-- unb Fahrrad- muerklHVULMER W augenblicklich 5chlauchdefekte bis r. Adlenverke Frankfurt Wiesbaden ujm., sowie i können ohne Kauf- leider Alleinvertretung utombile,Metzen Allmählich begann sich das Lokal zu leeren. Auch an dem Tisch, wo Perzelius und Eduard sahen, erhoben sich die Männer und wankten singend und knurrend zur Ture. Schließlich war nur noch ein einziger der Tische vollbesetzt. Es waren Fischer, wie man sie alltäglich mit ihren plumpen Kähnen auf dem Ril fahren sehen konnte. Dronzefarbene Eingeborene, Mohammedaner, wie man an ihrer Kleidung und ihrer Enthaltung vom Alkohol beobachten konnte, an dessen Stelle sie einem Getränk zusprachen, das Samuel Chajim als Selterwasser verkaufte. Rur ehr einziger unter ihnen, der semitischer Abkunft schien, hatte ein grohes Glas Grog vor sich stehen, aus dem er in gierigen Zügen trank, während er eifrig auf seine Genossen einsprach Perzelius benützte die Gelegenheit, mit Eduard unbehvrcht sprechen zu können und sagte: „Wenn unser Wachestehen auch morgen zu keinem Ergebnis führt, müssen wir zum Angriff Vorgehen." Eduard schien nur die Anrede des Doktors erwartet zu haben und begann nun sofort: „Ich sehe noch absolut nicht, woraus Sie hinaus wollen. Wenn wir, wie es doch allen Anschein hat, in dem Fellachen den Räuber vor uns haben, können wir doch nicht annehmen, dah er so töricht sein wird, uns fein Opfer hier in Kairo in die Hände zu spielen. Er wird viel eher damit in die Wüste geflohen fein." werden, wenn die am Kopf der Vorderseite stehende Absenderangabe auf die rechte Hälfte der Vorderseite übergreift. Es macht dabei keinen Unterschied, ob auf der Karte ein Teilungsstrich angebracht ist oder nicht. Ferner soll, um den Aufbrauch von Vorräten, die den Bestimmungen nicht entsprechen, zu ermöglichen, bis auf weiteres auch bei Postkarten und Drucksachen in Kar- tenform mit geteilter Aufschriftseite, deren linke Hälfte für Mitteilungen verwendet ist, über das Uebergreifen der Absenderabgaben auf die rechte Hälfte der Vorderseite hinweggesehen werden. Es ist jedoch davor zu warnen, beim Reudruck von Karten mit geteilter Vordersette die Llbfenderangabe mit auf die rechte Hälfte setzen zu lassen, well so beschaffene Karten keinen genügenden Raum zur Anbringung der Stempelabdrücke und der pvstdienstlichen Vermerke bieten, wenn die Karten nach- oder zurückgesandt werden müssen. 'Diese Erleichterungen gelten nicht für den Verkehr mit dem Auslande, well die Bestimmungen des Weltpostvertrags ent- gegenstehen. Postkarten zu 75 und 150 Pf. stellt die Reichsdruckerei jetzt her. — Als G e - SZL--. Bei Postkarten und Drucksachen Kartenform, deren Vorderseite nicht für Mitteilungen, sondern nur für die Anschrift verwendet wird, soll es künftig im Inlandsverkehr nicht mehr beanstandet Dir Wünsch? Bayerns sind weitgehend^ berücksichtigt worden. Immerhin bringt das Gesetz empfindliche Eingriffe in die bürgerliche Freiheit. Wir werden alle dafür sorgen müssen, dah bei der Durchführung nicht schikanös und parteiisch vorgegangen wird. (Beifall rechts.) Es geht nicht an, dah wegen eines Angriffes gegen einen Polizeipräsidenten ein Blatt, Li. die Magdeburger Zeitung, auf längere Zeit verboten wird. (Zustimmung rechts.) Die Mehrheit meiner Frcunde wird deshalb der Vorlage zustimmen, weil sie den Ersah des unsicheren Zustandes, der Rotverordnung, durch den gesetzliche Zustand wünscht. Wir bedauern, dah der Staatsgerichts- r-f nicht aus einem Senat des Reichsgei ichts besteht. Die Laienbeisitzer- sollten nich' nach Partei- politischen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Der Gedanke der- Reichseinheit sollte auch in Bayern lebhaft beachtet werden. (Lebhaft.- Zu- flin-.mung.) Wir werden zu einem Wiederaufbau niemals kommen, wenn zu all dem ilnglürf der Zerrüttung noch der Streit um die Staatsform tritt. (Beifall.) Verlangen Sie nicht von uns, dah wir Rovember-Republikaner werden. Ich freue mich, dah auch die deutschen Burschenschaften einen Aufruf an die Jugend erlaffen haben. (Beifall.) Abg. Eisenberger (Dayr. Bbd.t erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu allen drei Maßnahmen, die geeignet sind. Gewaltangriffen gegen die Republik entgegenzutreten. Wenn der Bauernbund trotzdem nicht der Vorlage zustimmen könne, so deshalb, weil er darin einen Eingriff in die Selbständigkeit der Länder und in die Justiz- und Polizeihoheit erblicke. Abg. Ko en en (Komm.) macht dem Abg. Bazille den Vorwurf, dah er mit seiner Rede die Mordstimmung unreifer Hakelkreuzler geschürt habe. Es sei bezeichnend, dah die Mörder sich in der Rühe der deutschen Kapp-Städte Raumburg und Kösen aufgehalten haben. Abg. Henke (11.): Das Gesetz bedeute trotz aller Mängel einen gewaltigen Fortschritt gegen den bisherigen Zustand. Das werde durch den erbitterten Widerstand der deutschnationalen Regierung Bayerns bestätigt: Jetzt müsse durch eine geschlossene Front des Proletariats die Durchführung des Schutzgesehes gesichert werden. Die Arbeitsgemeinschaft der sozialistischen Parteien diene diesem Zweck, und den Kommunisten werde es nicht gelingen, die Einheitsfront des Proletariats zu: zerreihen. Der Schutz der Republik sei notwendig nicht nur gegen die Deutschnationalen, sondern auch gegen die anlackierten Republikaner der Deutschen Volkspartei, wie Professor Kahl. Der Geist, der die Mörder geleitet habe, fei der Geist der beiden Parteien Der Rechten gewesen. So lange die Deutschnationalen Leute bei sich behalten wie Wulle und Bazille, sind sie verantwortlich für den Mord. Bei der Deutschen Vollspartei findet man genau dieselbe deutsch-völkische Hetze. Schon der drohende Zusammenschluß der beiden sozialistischen Parteien hat die Feinde des Proletariats enger zusammengeführt. Redner fährt fort: Wir werden in den nächsten Monaten mit Argusaugen die Durchführung des Schutzgesetzes überwachen, und wir werden die Arbeiterschaft zum Kampf auf- rufen, wenn es gegen die Arbeiterschaft mißbraucht wird. (Lebhafter Beifall bei den Sozialisten.) Abg. Bazille (Dittl.): Der Abg. Ä.ii hat hier als württembergischer Arbeitsministrr gesprochen, der gegenwärtig die Ehre hat, mein Vorgesetzter zu sein. (Zuruf: Schöne Ehre!) (Große Heiterkeit.) Er hat Auszüge aus meinen Personalakten vergeb rächt. Herr Minister Keil, Sie waren nicht berechtigt, das Amtsgeheimnis I8I.W* - rÄ E5*- •* Die ttMen W Mgs. Roman von Ernst Scherte!. S*n"l geb, WM wöchentlich zweimal ein- lreffend. empfiehlt mc J. M. Schulhof Mrklstrabe 1 &LÜ9- $ei BorauSbestelliM Lieferung frei Haus.— MM ist nicht durch Gewalttaten zu verwirklichen. Auch wir leben in der schwersten Sorge, dah sich solche Attentate wiederholen könnten. Abg. Di tt mann (tt. Soz.) iurt Wulle hetzt schon wieder! Auf einen Zwischenruf des Abg. Löwenstein (tt.Soz.) antamrL-t^ Der Redner: Sie, lieber Freund aus dem Alten Testament, sollten ganz ruhig sein! (Zuruf des Abg. Kuhn t (tt. Soz.): Sic unverschämter Lu,np! Präsident Löbe ruft die Abg. Bazille und Ksthnt zur Ordnung.) Redner such' unter stürm sche H i er ei! de'. Linken aus dem Alten Testament nachz.iweisen, dah die Juden den politischen Mord verherrlicht hätten, wie dies der Fall Iudtth beweise. (Abg. Stampfer (Soz.) wird wegen eines Zwischenrufes zur Ordnung gerufen.) Die Sozialdemokraten verlassen den (5aaL Redner richtet heftige persönliche Angriffe gegen den Reichskanzler, (□teuer Entrüst urgs- fturm links.) Abz. Giebel «Soz ) ruft: Elender Heuchler und Verle rinder! Präsident Löbe erteilt Ordnungsrufe ind bedauert, dah der R-dre in dieser Stunde so schwere persönliche Angriffe gegen die Mitglieder der Regierung gerichtet habe, dah sie auf der Rechten Entrüstung erregt hätten. Er ersucht den Redner dringend, nicht von neuem Sturm im Hanse und im Land? zu entfachen. Redner erklärt, er würde es bedauern, wenn seine Ausführungen als persönliche Angriffe auh gefaßt würden. Die Deutschnationale Volks Partei wolle weder den gewaltsamen ttmsturz noch den Revanchelrieg Das Recht der Kritik jedoch w?rde sie sich nichi nehmen lassen. Abg Keil (Soz.): Der Abg Bazille ist besonders Berufen, hier gegen die internationale (Sfef Innung zu wettern und seine deut ch-völk^che Auffassung zu betonen. Ich mache nich: ism zmn Vorwurf, dah er französischer Abstammung ist, dah er sich als wärttsmbergischer Staatsbeamter in jedem Jahre regelmässig beurlauben lieh zu Reisen in Frankreich und zum Stidium in der llntoerfität Grenoble. Als der Krieg aus- brach, wurde Herr Bazille Zivilgouverneur tn der belgischen Provinz Limburg. Dort hot er während des ganzen Krieges neben seinem Be- amtengehalt eine Tageszulage von 4) Mk. bezogen. Dafür hat er das Eiserne Kreuz 2. Kl. und den württembergischen Hausorden bebmmen. Er hat sich tapfer versorgt mit den Rahrungs- mitteln, die für die Truppen drauhen bestimmt waren. (Rufe bei den Kommunisten: Etappenschwein!) Im Dezember 1918 kehrte der Abg. Bazille zurück, lieh sich zum Abgeordneten wählen und meldete sich zum Wiedevettttritt in sein toürttembci gisches Amt. Er tat zwar keinen Dienst, erhielt aber seinen Gehalt. Erst nachträglich kam heraus, dah er zu derselben Zeit noch den Gehalt von der belgischen Zivilverwaltung bezog. Ich nenne den Abg. Bazille einen Betrüger. (Präsident Löbe rügt diesen Ausdruck.) Dann nenne ich seine Handlungen Betrug. (Lebhafte Zustimmung links.) Die Alten über diesen Fall sind merkwürdigerweise bei der Zivilverwaltung Belgiens verschwunden, 'mb Herr Lewald hat auch diese Beträge an Herrn/Bazille als Sonderzulagen nachträglich bewilligt. (Hört, hört, ttnks.) Der Mann will hier als Moralheld auf treten; ihm muh der Spiegel vorgehalten werden. (Präsident Löbe bedauert, dah bi? Ausführungen des Abg. Bazille eine so unerq sittliche Aussprache hervorgerufen haben.) Deutscher Reichstag. 254. Sitzung vom 18. Juli, 10 tt!hr norm. Das Luftverkphrgeseh wird ohne Aussprache tn allen drei Lesungen angenommen, ebenso in dritter Beratung das Gesetz gegen die Rotlage der Presse, dieses gegen wenige Stimmen der Deutsch-nationalen. Darauf folgt die dritte Beratung des Gesetzentwurfes zum Schutze der Republik. Abg Bazille (Dnt.) wendet sich gegen das Gesetz Der Reichskanzler habe in seiner Kampfansage gegen rechts in einer Minute mehr gesagt als er in fernem ganzen Leben verantworten könne (Gelächter links.) Alle unheilvollen Folgen fielen auf sein Haupt, (Unruhe und Ruse bei den Sozialdemokraten: Das war eine B.- drohung des Reichskanzlers!) Wtt haben f:it Jährzehnten zwei Deutschlands: ein monarchistischnationales und ein republikanisch-intemati males. Ohne die tteberwindung dieses Gegensatzes ist der Wiederaufbau Deutschlands unnröglich. Das vorliegende Gesetz hindert aber jede Verständigung In diesem sog. Gesetz zum Schutze der sog. deutschen Republik . . . (Stürmische Ent- rüstungskundgebungen links. Präsident L ö b e ersucht den Redner, die Stimmung im Hause nicht unnötig zu verschärfen. Der allgemeine Lärm leg! sich erst allmählich.) Die dcutsch-völkifch^ Bewegung ist die notwendige Reattion gegen den Internationalismus. Der republikanische Gedante Abg. Dr. Stresemann (D. Vp.) wendet sich scharf gegen die Rede des Abg. Bazille, die nur dazu geeignet gewesen fei, die Leidenschaft zu schüren. (Beifall rechts.) Mit der^Vor- zu verletzen. (Stürmisches Gelächter links und Zurufe: Das ist Verteidigung.) Arherdem sind die gegen mich erhobenen Vor würfe unwahr. Die Lebensmittel aus Belgien habe ich in Belgien gekauft. (Gelächter links und Rrfe: Schieber!- Rach Beendigung meiner Tätigkeit in Belgien traten für die belgische Zivilverwaltung noch immer einige Aufgaben z t erledigen, md dafür habe ich die Hälfte eines Monatsgehaltes, nämlich 500 Mari erhalten, dir mir später als rechtmässige Zuwendung z rgebilligt wurden. (Hört, hört! rechts.) Wenn ich für eine im Auto eines Betannten zurückgelegte Fahrt die Eisenbahn- tcflen 2. Klasse liquidiert habe, so war das kerechsigt, denn ich muhte doch dem Ebaufse rr ein Trinlgeld zahlen. (Stürmisches Gelachte, bei der Mehrheit, ironisches Händeklatschen links.) Das Ministerium des Innern hat entschied.n, dah meine Auffassung richtig ist. (Stürmisch»? Hö 1, hört! rechts. Gelächter links.) Abg. Höll.in (Komm.): Es lebe die Schieberei! •** kwih^ JadhpUn9 b«i: echdurchfaH, D*dnnhöQ| wmkafaprk Reichskriminalgesetz wird dann mit großer Mehrheit angenommen. Zur dritten Beratung der Vorschläge über die Bewilligung von 75 Millionen zum Schutze »..i .................................... det, glauben Sie dann, daß das ganz ohne Zusammenhang mit jenen unterirdischen Ereignissen steht? Der Zusammenhang ist natürlich absolut sicher. Jener Fellache war ein Abgesandter der Rotte, die uns verfolgt hatte. Unter einem erlogenen Vorwand gelang es ihm, für kurze Zeit in den Dienst des Barons zu treten, um seinen Raub ausführen zu können. Aus diese Weise nahm er Rache an uns und setzte sich obendrein in -den Besitz des schönsten Mädchens, das je einem Gölte dargebracht worden ist." Eduard erblaßte bei diesen Worten. Die Erwägungen des Doktors schienen gar keine andre Schlußfolgerung zuzulassen. „Sie brauchen deshalb nicht gleich zu erschrecken und sich der Verzweiflung zu überlassen," begütigte der Doktor. „Es ist sogar besser' so als wenn wir den Knecht irgend eines SNavenh'ändlers vor uns hätten. Denn erstens haben wir nun eine genaue Fährte und zweitens können wir mit aller Ruhe und Vorsicht unfern Plan verfolgen, denn wir haben Zeit. In drei Wochen läßt sich viel erledigen." Wie tommen Sie auf drei Wochen?" fragte SeEf mf Briefumschlags «WS Heirat *V ,u treten. Verschisdeneii Fräulein empfiehlt sich in UWi.UA 07055 Neustadt 771. nun am nächsten Tage bei uns ein Fellache a if= taucht und nach Mitnahme einer so kostbaren . .. x Beute, wie die Baronesse ist, wieder verschwin-1 nicht Stich hielt, was dann t ttnd teeren die von Kurzschluß in der Scheune des Landwirts V60, 1093, 645 - 673, 1300, - 1260, 826, der 803, Brief 17. Juli. Datum 18. Juli. 3uli 19. 7, Schweizer Frank« Handel. 1 das Geschäft bei ftcige.ivm Kursen onMiernö Einlegegurken das Hundert 60—130 Mk^ Sa-! I bedeutend ist. Adch heute fcfcte sich hier die latgurken das Stück 8—1.2 Mk. und Rettich! 18.7. 1,10 -.22 2,52 10 0 000 Mk. und veräußerten es weiter Hehler. Die Diebe wurden festaenvmmen. Dar lieblich sind Am meisten gib! 100 Sr. 100 Kr. Fr- Fl. Kr. St. r 100 i 100 100 100 100 -.87 9,75 . Sr. . St. . Sh. . r . Sr. als an 202.8» 1.13 0.015 11.65 44.60 23.21 24^5 41.95 0.395 520.50 1.52 0,095 100 5L = 100 Mk. = 100 St. - 100 Sr. = Brüffel°Antw. . Christiania. . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . HelfingforS. . . Italien .... London . ... . Aeuhvrk Paris Schweiz Spanien Deutsch »Oeste«. Prag Budapest.... Buenos Aires . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro Fr. = .£ ao 2, 3B2 2067,60 2015,05 455/):- 3799,75 8816/25 7108,90 1,32 10ü9,30 36,30 162,10 286,40 202.25 1.15 0.01 11.70 43.75 23.20 23.95 41.15 0.41 521.25 1-525 0,095 17.7. 1,14 -.57 1,06 -,87 10,95 -*22 2,72 726 - 775,- 865 - 700,- 495,- 430,- 77,- 820,- 185,- 800, 728, 750, 71CJ 500, 420,. 75, 814, 185, 248.- 290,50 2062,40 2009,95 <53,93 3790,25 879395 7091,10 1,28 1006,70 36,20 161*65 285,60 Zurich . . Amsterdam Kopenhagen Stockholm Wien. . . Prag . . . London. . Aeuhvrk . Paris. . . Wechsel auf Holland Deutschland .... Wien Prag Paris London Italien Brüste! Budapest Aeuyork Agram Warschau Fischer Feuer auSgebrvchen war. Trotz der Bemühungen unserer Wehr konnte nicht Der» hindert werden, daß neben der Scheune noch sämtliche andere Oekonomiegebäude mit zahlreichen landwirtschaftlichen Maschinen dem Feuer zum Opfer fielen. Auch der Dachswck des Wohnhauses des Brandbeschädigten brannte ab. , rr. Schlitz, 17. Juli. Auf dem gestern in Blitzenrvd bei Lauterbach stattgefundenen Sängerwett st reit errang der hiesige Männergesangverein „Harmonisches Kränzchen" in der „Stadtkkasse" den ersten Preis. Höchster Farbwerke. Allg. Glektr.-Ges. . . Felten & Guilleaume Echuckert-Werke. . . Adlerwerke Daimler 4°/0 Hess. StaatSanl. Electron Griesheim Dtsche. Bereinsbank Kirche und Schule. D. Burkhards, 17. Juli. Nachdem seitherige Lehrer der zwetten Schulklasse, die O b st b ä u m e anzuschauen, es Depfel und Zwetschen. Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld 802,- 725,- 720,- 850,- 700, - 491,- 423,- 75,- 803,- Landkreis Gieße«. " Großen-Linden, 18. Juli. Die Schul- 8 & nJLf1 e fl c ^r Schulkinder in den Gemeinden Mendorf (Lahn), Großen-Linden, Lana- Göns und Leihgestern hat Zahnarzt Dr Adam von hier übernommen. Die Sprechstunden finden im Ginvernehmen mit den Lehrern statt. Kreis Lauterbach. Schlitz, 17. Juli. Unsere freiwillige Feuerwehr wurde am Samstag um die Mittagsstunde nach dem nahen Har- Datum: 5°/0 Dtfch. SriegdanL 4°/gDtsch. Aeichsanl. 3°/g Dtfch. Aeichsanl. 4°/o Preutz. Konfols Hamburg-Pakets.. . Norddeutscher Lloyd Gomm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconto-Gefellfchaft Dresdner Dank. . . Mitteld. Ereditbank. Rationalbank f. D. . Doch. Gußstahlwerke Kurs 18. 7. 77,50 117, — 185, - 83,10 455.- 335,* 286,- 271,- 490,- 3yG, - 294,- 249,- 294.- 1200,- 690 - 2134,80 438,45 3995,- 9198.45 7400,70 1,28 107 5^65 36,20 156,42 304.60 228, - 6431,- 666, 1270, 806, 720, 720, 810, 716, 481, 424, Kurs 17. 7. 77,50 117,- 185,- 7950 446,- 330,«* 284,- 286,50 490,- 394,- 296,- 250, — 290 - Landwirtschaft. Fl Dom oberen Wettertal, 16. 2202,75 21,0,26 439,55 4605,- 9221.55 7419l30 1,32 1079,35 36,30 156,82 305,40 229,- 6509,- -Lufwärisvewsgung aus Den genugsam erörterten Gründen fort, so öaft für türkische, ungarische und österreichische Renten sow-re für bosnische iui> Dagdaddah. obligat.vne i, f.rncr sü. .ombarvische Prioritäten weitere Kurserhöh mgc.’. von ungefähr 50 bis 100 Prozent für das eine oder andere Papier eintraten. Auf anderen Gebietcri einschl. der zu Einheitskursen gehandelten Industrie- vLpiere bewirtte die starke Geschäftsstille ein Aach- geben der Kurse um 10, vereinzelt bis 40 Pro- zeiä, teilweise noch darüber. Kurssteigerungen für wenige Papiere änderten am lustlosen Bilde der Börse nichts. Das Geschäft schleppte sich träge dahin. Am Devisenmarkt trat unter Schwankungen eine mäßige Befestigung ein. Frankfurt a. M., 18. Ouli. Börsen- stimmungsbild. Die Zurückhaltung, welche schon seit längerer -Zeit an der Börse zu beobachten ist. machte auch heute keiner lebhafteren Bewegung Platz. Auf den meisten Gebieten mit Ausnahme des Marktes der ausländischen Rentenwerte herrschte Geschäftsstille. Die Privatkundschaft trat aus ihrer Reserve nicht heraus. Eine ungleichmäßige Tendenz stellte sich ein. Im allgemeinen überwog bei Beginn die schwächere Verfassung. Dvlarrnoten wurden im Frühverkehr 445 genannt, später stellten sie sich auf 456—465. Im freien Verkehr wurden u. a. folgende Kurse genannt: Brown- Boweri 390, Gebr. Fahr 620, Hansa Llvyd 270, Deutsche Petroleum 2150—2175, Rastatter Waggons j70, Benz 510. Am Montanaktienmarkt war die Tendenz uneinheitlich. Mchchinen- und Metallwerte lggen ruhiger. Am Bankenmartt blieb die Kursbewegung bescheiden. Der Kassa-Jndn- strieaktienmartt lag still. Aus die weitere Dvllar- steigcrung bis 475 zogen Auslandspapiere an, sonst blieb der Markt lustlos. Privatdiskvnt fünf Prozent. Kurs 17. t. 77.50 117,- 185 - 80,50 450,- 334,- 286.50 286,- 494,50 391,- 294 - 250,- 1.7.14. 125.40 59.20 88.80 88.80 117.80 117.80 97.80 23.80 125.40 1091, 1176,- 1189, 2220,- 2220, 888,50 676, Infolge der starken Regengüsse der letzten Wochen stehen die Hackfrüchte sehr gut. Besonders den Kartoffeln ist das erfrischende Aaß sehr gut bekommen. Auch die Dick wurzeln stehen vorzüglich. Die Aussichten auf eme gute Getreideernte haben sich gebessert: besonders gilt dies vom Weizen. Recht schlimm sieht es dagegen in einzelnen Teilen unserer Gegend -mit dem Hafer aus: den Pferden steht eine schwere Zeit bevor. Dte Heuernte ist hier noch nicht beendet: das Einbringen ist wegen des wechselnden Wetters recht schwierig. Die Mahden müssen fortgesetzt gewendet werden. Die Quantität des He res ist als mittelmäßig, die Qualität dagegen als gering zu bezeichnen. Doch darf man auf eine gute Grrmmeternte hoffen: die feineren Gräser, die in den verflossenen Jahren verdorrt waren, beginnen sich wieder zu erneuern. Die Obsternte eröffnet gute Aussichten. Die Kirschen sind im allgemeinen gut geraten. Sie werden von den Händlern massenhaft aufgekauft, und die einheimische Bevölkerung hat daS Nachsehen. ra. Von der mittleren Lahn, 18. Juli. (Stand der Felder.) Die letzten Regentage haben die Aussichten in Feld und Wiese noch gebessert. Der Roggen 6at seine normale Länge erreicht und besitzt vollentwickelte Aehren, ebenso verspricht der W e i z e n eine vorzügliche Ernte. Auch H a s e r und G e r st e sind mächtig heraus- gewachsen und zeigen vollen Ertrag an. Ganz prächtig sehen jetzt die Kartoffelfelder aus. Am vorteilhaftesten aber hat der Regen auf das junge Feldgemüse eingewirkt. Wenn nicht noch die Raupen ihren Tribut holen, gibt es im Herbste viel Gemüse. Dohnen und G u r- ken haben sich in den letzten Tagen gut „heraus- Schulverwalter Pfaff, wieder nach Wieseck zurückversetzt wurde, ist Schulverwalter Hans Loos aus Wölfersheim zu seinem Nachfolger ernannt worden. ra. Dorlar 18. Juli. Infolge der Nei- besetzung der hiesigen zweiten Schulftelle drrch Lehrer Drückmann, einen geborenen Atzbacher, traten die meisten Kinder der Klasse auf Geheiß, der Eltern in den Streik. Man wollte den bisherigen Schulverwalter Schmidt mit der Stelle betraut haben. Die Gemeinde war bei Neubesetzung der Stelle nicht gefragt worden. Kreisschulrat Deiß- Wetzlar hatte nun a if vorigen Sonntag eine ElternDerfammlung einberufen, und es ist ihm gelungen, den Streik beizulegen. Mit der Regierrngsversügrng will man sich aber nicht zufrieden geben. Kreis Schotten. fpd. Ulrich stein (Vogelsberg), 18. Juli. Auf dem nahen Selgenhof wird von der hessischen Landwirt schaftskam- mer eine sogenannte „Beispielsw irisch a f t" eingerichtet, die als ihre Hcmptcmf- / rbe die Wiederverbrettung des Vogelsberger Rindes und die Einführung einer rativ- nellen Vogelsberger Schafzucht ins Auge gefaßt hat. Getteidebau soll auf dem Gelände nur soweit betrieben werden, als es die klimatischen Bedingungen zulassen. Starkenburg und Rheinhessen. ".Darmstadt, 17. Juli. In feiner Gefängniszelle erhängt hat sich der 22 Jahre alte Steinbrucharbeiter Philipp Kindinger aus Weschenbach bei Eberstadt, der wegen Beteiligung an den Tumultszenen am 27. Juni und wegen Mißhandlung des Abgeordneten Dingel- d e h in Haft genommen worden war. Er hat vor seinem Tode ein volles Geständnis abgelegt. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M., 18. IM. Erst vor wenigen Wochen war der zu 10 Jahren Zuchthaus v-rurtellte 25jährige Former Ph. Riedel aus Darmstadt aus dem Butzbacher Zellengefängnis auSgebrvchen und hatte seitdem zahlreiche Einbrüche verübt. Vor kurzem griff man ihn hier in Frankfurt auf und sperrte ihn ein. Hier ist es ihm mm in der Nacht zum Montag trotz schärfster Sicherheitsmaßnahmen gelungen, die Gitter des Zellenfensters zu durchsägen und wieder zu entweichen. fpd. Frankfurt a. M., 18. Juli. Aus einer chemischen Fabrik im Osthafengelände stahlen zwei dort angestellte Kraftwagenführer Benzin im Werte von mehr gemacht". Wenn sie aber reichlich Früchte liefern sollen, muß es warm bleiben. ~ 1286, . w, 682,25 639, Frankfurt a. M. 19. Juli. Börsenkurse. Frankfutt Berlin Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- dendenpapierc auszubreiten beginnt, ist die Mehrzahl der dort tätigen berufsmäßigen Händler nach--—m---—- —w u«> dem Auew dörentenmarlk abgewa.id.-rt, aus dem Mark, Gelberüben das Pfund 3,20—3,60 Mk * Oes f entliehe Sammlung für das notleidende Alter. DaZ Ministerrum des Innern hat dem Landesverein für Innere Mission, dem Diakvnissenhaus Elisadethenstift und "dem Verband der evangMch-N.-chlichrn F anen- vereine in Hessen, Darmstadt, die Erlaubnis zur Vornahme einer öffentlichen Sammlung für das „notleidende Alter" durch Aufrufe, Sammellisten und Zeitungsmitteilungen bis zum 30. September für das Gebiet des Dvlksstaats Hessen erteilt. *• Die Vereinigung jugend- licher Musik- u. Literaturfreunde veranstaltete am SgmStagabend ihren zweiten Abend „Deutsche Kunst", der in bester Weise verlief. Zuerst spielten Hans Eise (Violine) und Herbert Weber (Klavier) einen Satz aus dem Klaviertriv in Es von Schubert, das den jugendlichen Musikern reichen Beifall einbrachte. Dann erfolgte die Begrüßung der Erschienenen in Form eines Prologs durch Rudi Jung, der, ebenso wie die Deklamation „Der Lod des LkberiuS^ gute Aufnahme fand. Darauf sang Tenorist Schuchardt, der über eine volle und reine Stimme und eine klare und deutliche Aussprache verfügt, zwei Lieder von Wolf. In der nun folgenden Ansprache drückte Prof. D. Schian sein Bedauern aus über die sittliche Verrohung in manchen Teilen unseres Volkes, gab aber anderersetts auch seiner Freude Ausdruck, daß die Jugend das Edle und Gute noch nicht ganz vergessen habe. Der Redner schloß mit den Worten: „Möge deshalb die deutsche Jugend dazu beitragen“, daß unser Doll durch die deutsche Kunst wieder aufgerichtet werde und unsere Jügend zu echten deutschen Männern heranwachse. Reicher Beifall belohnte den Redner für seine packenden Ausführungen. Daran schlossen sich noch zwei Gesangsvorträge, die ebenfalls starken Anklang fanden. Die den Abend schließenden Deklamation „Sankta Julia" und das „Bouree“ (Bach) verfehlten ihre Wirkung nicht. Märkte. Obst- «ad Gemösemarki. mc. F r a n k f u r t a. M., 18. IM. überreich mit Gemüse und vor allem mit Obst, war der heurige Markt beschickt. Es kosteten ausländische Kartoffeln der Zentner 750 bis dis 850 Mk., einheimische, neuer Ernte 700 Kurs 18. 7. 77,50 119,- 186,- 79,50 446,- 329,- 289,- 272,- 492 - 396'» 295, - Amstd.-Rotterd. 17503.0517546,95 18626,6518673,35 ------- 3550.55 3559,45 3795 25 3804.75 7500.60 7519,40 7990,- 8010 - 9677,35 9702,15 10287,10 10312*90 .1690,35 11719,65 12*59,40 12490*60 945.80 948,20 963,75 986 25 2197,25 Bud.- Eifenw'. Akt.. 69°, D.-Luxemb. Bergw.. 1052, - Gelsenkirch. Bergw.. 1^20,“ 1160, Harpener Bergbau . 2215, — 2210, Oberschl. Eisenb.°B. 910, - 800, Oberschles. Eisenind. 670, Phönir-Dergb.-Akt. 1270, Bad.Anilin-u. Soda 825, Züricher Dedisenmartt. 18.7. Fernuitterricht verschickt werden. Sie sind nach einer Erklärung des Reichspostministers Schülerarberten gleichzuachlen. Die Sendungen dürfen aber keine Angaben enthalten, die sich nicht unmittelbar auf die Ausführung der Arbeiten beziehen. #^är versorgungsberechtigte Eltern gefallener Krieger. Die Jahreseinkommensgrenze, bis zu der Bedürftigkeit im Sinne der Vorschriften über die Gewährung der Elternrente angenommen werden darf, ist mit Wirkung vom 1. April ab von 3000 Mk. auf 11 000 Mk. für ein Elternpaar, und auf 8000 Mk. für einen einzelnen Elternteil erhöht worden, wenn das mutmaßliche Jahreseinkommen von 1922 zugrunde gelegt wird. Bei den neuen Einkommensgrenzen sind aber die entsprechend der Veranlagung zur Einkommensteuer für jeden einzelnen Ver- sorgungsberechttgten zugelassenen Abzüge (2 X 2400 = 4800 Mk. für ein Elternpaar, 2400 Mk. für einen einzelnen Elternteil) bereits berücksichtigt. Die Nachprüfung der bisher wegen Äeberschreitung der Einkommensgrenzen abgelehntenAnträgeauf Gewährung von Elternrente erfolgt nur auf Grund eines neuen Antrages. Derartige Anträge sind an das zuständige Versorgungsamt — nicht an das Hauptversvrgungsamt — zu richten. Dienftbezügc der Beamten, Lehrer usw. Die Teuerungszuschläge zu dem Grundgehalt, den Vergütungen und dem Ortszu- schlag der planmähiaen und außerplanmäßigen ReichSbeamten, soweit diese Bezüge den Betrag von insgesamt 10 000 Mk. nicht übersteigen, sind, wie das Finanzministerium in einer Regierungsvorlage mitteilt, mit Wirkung vom 1. Juni ab auf 160 v. H., im übrigen auf 105 v. H. festgesetzt worden. Die Kinderbeihilfe in gesetzlich nicht geregelten Fällen durfte bisher grundsätzlich nur denjenigen Beamten usw. gezahlt werden, die am 31. März 1920 für ihre 21—24 Jahre alten Kinder einen Kinderzuschlag erhalten hatten. Abgesehen von der Erweiterung des Kreises der Empfänger, ist der Höchst- betrag von bisher monatlich 50 Mk. auf den jeweiligen Betrag des gefetzlichen Kinderzuschlags einschließlich TeuerungSzuschlags erhöht worden. Zur Vermeidung von Härten kann in Fällen, in denen nach den früher gültigen Richtlinien eine Kinderbeihilfe gewährt worden rft, nach den neuen Grundsätzen eine Beihilfe aber nicht mehr gezahlt werden darf, ein Bettag von monatlich höchstens 50 Mk. vorläufig weiter gewährt werden. Der Regierung ist bereits die Ermächtt- gung erteilt worden, die rm Reiche beschlossene Neuregelung der Dienstbezüge der Beamten usw. alsbald auch für die hessischen Beamten usw. in Anwendung zu bringen. Mit • Zustimmung des Gesamtministeriums hat der Finanzminifter daher angevrdnet, daß die erhöhten Teuerungszuschläge nach den gleichen Grundsätzen und in der gleichen Höhe, wie es für die Reichsbeamten geschieht, auch an die hessischen Beamten vom vorbemerkten Zeitpunkte ab ausgezahlt werden. schäftSpapiere dürfen auch Bearbeitun-iterSyaujen zur Hilfe gerufen, wo infolge gen von Aufgaben und verbesserten Arbeiten Kex" 6s.v,f^r,.F> o— für und von Teilnehmern an einem sogen. Marknotterunge«. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum bis 800 Mk., Kernerbsen 650—850 Mk., Rö- 'n- I «4 smischkvhl 350—380 Mk., Wirsing 480—500 Bei l in, 18. Juli. Do rf enstimm ngs-Bodnen 700 800 Mk tv»«* bild. Infolge der GeschäftsMUe, Vie in, zunehmendem Ma^-e auf dem Markte der Divi- DA * - - - - 1,20—1,40 Mk., Zwiebeln der Zentner 800 Mark, Kopfsalat die Staude 60 Pf. bis 1,20 das Stück 1—3 Mk. Auf dem Obstmarkt kostete der Zentner Kttschen 550—750 Mk„ 5>ei bei beeren 1300- 14