Nr. M Erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertags, mit derSamstaqsbeilage: GiehenerFamilienblötter Monatliche vezuarpreife: Mk. 18.- und Mk. 2.— Trägerlohn,durch dirPost Mk. 26.—.auch bei Nichterscheinen einzelnerNum- mtrn infolge höherer Gewalt. - Ferniprech» Anschlüsse: für dieSchrist» leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Sranffurt a. M. 11686. Freitag, sy. Mai 1922 Erster Blatt 112. Jahrgang Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höbe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 120'Pf. auswärts 150 'Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 450'Pf. Bei Platz- Vorschrift 20" , Aufschlag. Hauptfchriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Giessen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlck nnb Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- und Steinöruderci R. Lange. 5christlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrasse 7. Bon Genua zur Dollarmilliarde? Don einem Berliner Mitarbeiter wird uns geschrieben: „Genua liegt wirklich in den letzten Zügen". Das Zitat aus Schillers „Fiesko" ist zur Tatsache geworden, und die Bilanz der „Weltwirtschaftskvnferenz" ist für die mehr als fünf Wochen, die sie seit dem 10. April getagt hat, dürftig. Ihr Hauptprogramm- punlt, der Wiederaufbau Europas, ist auf dem Theaterzettel stehen geblieben, der heiss umstrittene Burgfriedenspakt wurde zu einem Dreimonatswechsel mit etwaiger Prolongation degradiert, und die Verhandlungen mit Ruh- land sind vertagt, sind nach dem Haag verlegt worden. Anter erschwerenden Amstän- den; denn Sowjetruhland macht Vorbehalte, Frankreich Obstruktion und die Rordamerika- nische Union macht nicht mit. So bleibt für Deutschland als positives Ergebnis das Abkommen mit Russ - land, das nach Ansicht der Kvnferenzeinbe- rufer ja programmwidrig war. Die Verhandlungen im Haag aber sollen nicht etwa nur unter Ausschluss Deutschlands, sondern zunächst auch ohne die Vertreter Moskaus vor sich gehen, die man erst später zuzuziehen gedenkt. Auf deutscher Seite wird man keineswegs dem bequemen Standpunkt huldigen dürfen, „sei im Besitze und du bist im Recht", denn der Rapallo-Vertrag würde uns an sich nicht davor schützen, dass wir bei etwaigen Abmachungen zwischen Russland und den Alliierten benachteiligt werden. Man steht denn auch in den leitenden Stellen auf dem Standpunkt, dass parallel mit den Besprechungen im Haag unsere Verhandlungen mit Russland weiter geführt werden müssen, um zu einem wirklichen Wirtschaftsvertrag zu gelangen, zu dem das Abkommen von Rapallo gleichsam nur den Rahmen barstellt. Trotz alledem wäre es nicht richtig, von einem völlig negativen Ergebnis der Genua- Konferenz zu sprechen. Wir wollen dabei etwa nicht in die Phrase von dem „Anfang einer gegenseitigen Verständigung durch die gemeinsamen Beratungen bisher getrennter Kontrahenten" verfallen, sondern wir denken mehr an die Klärung der politischen Atmosphäre durch die Feststellung, wer wirklich ernsthaft an dem Wiederaufbau Europas arbeiten und wer sich ihm unter Berufung auf den Anfriedensvertrag von Versailles widerfttzen will. Aber zu diesem allgemeinen Ergebnis gesellt sich doch wenigstens ein praktisches, nämlich der Kvmmissionsbeschluss, wonach im Juni eine Notenbankkonferenz in London zusammentreten soll, an der die Vertreter der grossen Danken der Welt, frei von politischen Hemmungen wirklich wirtschaftliche, weltwirtschaftliche Fragen beraten wollen. Immerhin ist auch das noch Zukunftsmusik, während die auf den 24. Mai angesetzten Beratungen der Studienkvmmifsion für die internationale Anleihe zwar auch noch nicht Gegenwartsmusik sind, aber es doch werden könnten. Ebenso wie die Verhandlungen, zu denen sich der Reichsfinanzminister Dr. Hermes nach Paris begeben hat. Freilich wird auch hier vorsichtige und skeptische Bearbeitung am Platze sein, und die aus Paris verbreiteten optimistischen Darstellungen sind mit dem stärksten Vorbehalt aufzunehmen. Zunächst muss beachtet werden, dass es sich hierbei gar nicht um die große Anleihe zwecks Kapitalisierung der sogenannten C» Bons, also eines Hauptteiles unserer Repa- rativnslaften, handelt, sondern vielmehr um eine „kleine Anleihe", die freilich nach den Meldungen aus Paris eine Milliarde Dollar betragen soll und bei der man vor allem auf die Amerikaner als Geldgeber rechnet. Run liegen aber die Dinge so, Dass der bisher von englischer Seite vertretene Standpunkt, erst Revision des Friedensvertrages und dann Anleihe, ebenso den deutschen Interessen wie denen der etwaigen Geldgeber entspricht. Denn es ist klar, dass durch eine Anleihe, die es Deutschland ermöglichen würde, seine Barverpflichtungen in den nächsten Jahren ohne Inanspruchnahme des Devisenmarktes zu erfüllen, das Gleichgewicht hi per deutschen Zahlungsbilanz vermutlich nur so lange hergestellt werden würde, als der Erlös der Anleihe reicht. Eine Anleihe in Verbindung mit einem Moratorium würde in der Tat die Finanzkatastrophe nur hinausschieben, und die allgemach totgerittene Phrase von der „Atempause" würde sich zweifellos als ein schöner Wahn entpuppen, wenn nicht die absolute Gewissheit besteht, dass das Moratorium durch den Schuldennachlass abgelöst wird. Das wird der Finanzminister Dr. Hermes bei den Verhandlungen in Paris sich zur Richtschnur machen müssen; denn andernfalls würde Anleihe und Moratorium nur eine vorübergehende Lockerung der ! Deutschland um den Hals gelegten Schlinge bedeuten, die sich nach dem Verfallstermin gleichsam automatisch umso fester zuziehrn müsste. Die letzten Sitzungen. G e n u a, 18. Mai. (Wolff.) Die Schlusssitzung der Vollkonferenz ist für morgen vormittag vorgesehen. Die deutsche Delegation mit Reichskanzler Dr. Wirth wird voraussichtlich Samstag früh abreisen und am Sonntag abend in Berlin eintreffen. Genua, 18. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTB.) Aeber die Vormittagssitzung der ersten Kommission verlautet noch: Der Burgfriedens Pakt wurde nicht unterzeichnet, sondern nur in Form einer Resolution angenommen. Zeder Staat verpflichtet sich darin, den Pakt zu respektieren. Von italienischer Seite wurde mitgeteilt, dass die italienische Regierung eine Antwort auf das Telegramm Hughes gesandt habe. Daraufhin sei heute eine neue Mitteilung der amerikanischen Regierung eingetroffen, wonach sich die Vereinigten Staaten ihre endgültige Entscheidung bezüglich einer Teilnahme an der Sitzung der Sachverständigenkommission im Haag Vorbehalten, bis die Situation klarer geworden sei. Der Haag als Konferenzort. Genua, 18. Mai. (Spezialberich: des Vertreters des W. T. D.) Vor Beginn der gestrigen Rachmiltagskonferenz halte Schanzer eine längere Anterredung mit Dar t hou und Ia - spar, um beide vom Verlauf der Vormittags- sir.ung zu unterrichten. Beide erklärten sich mit dem Verlauf der Verhandlungen einverstanden. Anlass zu einer Diskussion gab die Wahl des Ortes für die Kommissionsverhandlungen. Tschitscherin bestand hartnäckig darauf, dass Russland nicht nach dem Haag gehen könne. Schliesslich gab der holländische Minister Pa- t i j n e dem Präsidenten die Erklärung ab. dass die Russen im Haag von der holländischen Regierung in der gleichen Weise behandelt würden, wie die anderen Delegierten und dass auch für die persönliche Sicherheit der Russen in weitestgehendem Masse gesorgt würde. Erst nach längerem Zögern liess Tschitscherin den Antrag auf Verlegung der Kommission fallen und erklärte sich mit dem Haag einverstanden. Eine weitere Debatte entspann sich wegen der Frage des Friedenspaktes und der umstürzlerischen Propaganda. Weiterhin beantragten die Russen, dass der Pakt auch gegen die Banden schützen müsse. Polen und Rumänien gaben beruhigende Zusicherungen ab und wiesen darauf hin, dass die Gefahr in dieser Beziehung von russischer Seite grösser sei, als von ihrer. Dennoch wurde beschlossen, die Bestimmungen des Friedenspaktes in weitestgehendem Sinne auszulegen. Mit dieser Erklärung beruhigten sich die Russen und beschlossen endlich, in den Go'.tesfrieden auch die mit Russland verbündeten Sowjetrepubliken, Weissrussland, die Akraine die Republik W fernen Ostens und die drei kaukasischen Republiken einzubeziehen. Schanzer erklärte, dass der Friedenspakt in keiner Weise die Frage der de jure-An- erkennung der Srwjetrepubl len Präjudiz'e e. Der schweizerische Delegierte Motta machte den Vorschlag, die Dauer des Friedenspaktes von drei Monaten auf ein Jahr zu verlängern. Schanzer dagegen verlangte einen Friedenspakt von unbegrenzter Dauer. Schliesslich wurde bestimmt, dass der Gottesfriede bis auf die Dauer von vier Monaten nach Schluss der Kommissionsarbeiten ausgedehnt werden solle, so dass er im ganzen sieben Monate umfassen kann. Auf Grund dieser Verhandlungen soll nun der Text des Friedenspaktes endgül'ig redigiert werden. Morgen vormittag findet die Plenarsitzung der politischen Kommission statt. Man hofft, dass sie die Arbeiten morgen beenden kann, so dass man am Freitag vormittag die letzte Plenarsitzung der Konferenz abhalten kann. Lloyd George legt grossen Wert darauf, die Konferenz am Freitag mittag zu beenden, da er am Freitag nachmittag nach London abreisen möchte. Genua, 18. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTB.) Aeber die heutige Plenarsitzung der politischen Kommission wird noch Berichtet: Der Vertreter Litauens erklärte bei der Beratung des Garantievak es, day dieser Pakt durchaus keine Möglichkeit biete, Litauen gegen Polen zu sichern. Der polnische Minister des Aeussern, Skirmunt, erklärte, datz Polen bereits im Januar in dem Memorandum an den Völkerbund die Gimndzüge seiner Politii dargelegt habe. Es denke nicht daran, gegen irgend einen Staat, welcher es auch sei, Angriff sabsich en zu hegen. — Der Vertreter Estlands machte ähnliche Einwände. Doch wurde schliesslich zur Tagesordnung üb-erg-'gangen. Der Holländer Patijo dankte der polit.schen Kommission, dass sie Haag als Sitzungsort der Kommission gewählt habe. Lloyd George wiederum dankte für die Bereitschaft der Rieder- lande, iie Schwierigkeiten auf sich zu nehmen Lloyd George schlug dann vor, dass man einen Modus für die Behandlung der Beschlüsse der Konferenz von Genua für spätere Konferenzen finden müsste. Lloyd G.o"ges Vorschläge wurden im allgemeinen angenommen. Sodann entspann sich eine kurze Debatte über die Frage beS Garantiepaktes. Von französischer Seite war gestern erklärt worden, dass der Ga- I rLrntiepakt sich auch auf Angora ausdehne. Diese Ansicht wurde von der politischen Kommission als irrig bezeichnet. Es wurde festgestellt, dass der Garanliepakt nur für die acht S.aats- wefen gelten sollte, die sich auf dem Territorium des ehemaligen Russlands bildeten. Bei der Abstimmung wurden alle Vorschläge angenommen. Es wurde beschlossen, die Plenarsitzung der De- scnnlkonferenz morgen vormittag abzuhalten. Wirth und ))iat()cimu bei Lloyd (ücorgc. Berlin, 19. Mai. Wie die Blätter aus Genua melden, hat Lloyd George gestern nachmittag nacheinander Schanzer, Barthou, Motta und sodann Reichskanzler Dr. Wirth mit dem Reichsminister des Aeussern Dr. Rat Henau, die beide von dem englischen Premierminister zum Tee einge- laden worden waren, empfangen. Der Besuch der Führer der deutschen Delegation dauerte etwa eine Stunde. Anmittelbar darauf hat Lloyd George eine Vermittlungsaktion zwischen Italien und Südslavien fortgesetzt, deren Delegationen zu diesem Zweck in der Villa d'Alberti erschienen waren. Eine Rede des italienifchenMinisterpräsidenten Genua, 18. Mai. (WTB.) Auf dem heute abend von ben italienischen Journalisten zu Ehren des Ministerpräsidenten de Fa:ta und des Ministers des Auswärtigen Schanzer veranstalteten Bankett hielt de Facta eine Rede, in der er u. o. sagte: Die ganze Welt wird die Ergebnisse dieser Konferenz besprech n Der Gegensatz gewaltiger Interessen, der sich hier gezeigt hat. wird die Kommentare besonders lebhaft gestalten. Wenn man an die ungeheure Fülle von Fragen, Prinzipien und neuen Formen denkt, die hier aufgetaucht sind, und wenn man den geradezu phantaf'ischcn Am'aig der Gegenstände in Betracht zieht, die hier in kurzer Zeit behandelt worden sind, erkennt man, dass hier nicht alles auf einmal geordnet werden konnte. 'Denn man die vernichtenden Wirkungen des grossen Krieges heilen will, bedarf cs der Zeit und langwieriger Arbeit. Die Schwierigkeiten und Zwi- scheirfälle, der Wechsel des Geschehens and die 0c- sahren traten gross. Es gib Augenblicke grosser Spannung, grosser Enttäuschung a :b begründe er Furcht. Der gute Wille ober hat stets gesiegt. Wenn man sich t>erg<*gentoär!igt, in welchem Geisteszustand s i ch Europa vor der Konferenz befand, und wie die Stimmung ist, die hier he ran refft, fühlt man unschwer den Fortschritt, dw hier erreicht worden ist. Anmöglich erscheinende Krntatte wurden tatsächlich hergestellt, und schwerwiegende Fragen erschienen nicht mehr unlösbar, sondern wurden geprüft und studiert. Die Geister, die noch aufs tiefste ausgerührt waren, gewöhnten sich an weniger heftige Formen in der Diskussion. So zeigte die Konferenz bereits den Weg zu neuen Zusammenkünften and zu ihrer Fortsetzung, d. h. zur Verständigung. Hier rn Genua find hervorragende und hochherzige Männer zusammengetreten aus ganz Europa. 3 alten ha'te die Ehre, hier Peisonlickikeiten zu versammeln, die für eine grosszügige Auffassung und für ttef- , gehende Erwägungen vorbereitet waren. Die Italiener hoben alle Hochachtung vor diesen Männern. Wir dürfen ans sagen, dass sie hier die Keime für ein neues Leben ausgesät haben. (Brei) ge en Lloyd George. London. 18. Mai. (Wolff.) Lord Grey of Fallodon hat ein Schreiben an den Sekretär des nationalliberalen Bundes gerichtet, in dem es heisst, die Genueser Konferenz habe ein Beispiel d ssen geboten, was vermieden werden müsse. Der Wied?raufbau Europas und die allgemeine Friedensstiftung seien dringende und bewundernswerte Ziele. Es fei jedoch sehr bedauerlich, dass die angewandte Methode von Anfang an zum Scheitern und nicht zur Förderung dieser Ziele führen mühte. Am das Erreichen des Zieles zu sichern, wäre ein enges Einvernehmen mit Frankreich und die Mitwirkung der Vereinigten Staaten unerlässlich gewesen. Er (Grey) könne sich nicht denken, dass diese beiden Mächte nicht aufrichtiges Wohlwollen gezeigt hätten, wenn sie zuvor gesagt worden wären. Die (Senuefer Konferenz fei damals als eine Aeberrafchung verkündet worden und sei von Anhängern des Premierministers als dessen persönliches Projekt begründet worden, dessen Erfolg feiner politischen Ehre angerechnet würde. Auf diese Weise sei der Eindruck hervorgerufen worden, dass die Konferenz einen nicht nur entfernten Zusammenhang mit einer politischen Frage habe. Durch diesen unglücklichen Beginn seien ihre Aussichten auf Erfolge sehr beeinträchtgit, wenn nicht zerstört worden. Frankreichsei von Misstrauen erfüllt gewesen. Die Vereinigten Staaten ti>ci werten sich überhaupt teilzunehmen. Aus dem einen ober anderen Grunde sei bei Zusammentritt der Konferenz ein ilebereinfommen njit den Bolschewisten als der Prüfstein des Erfolges der Konferenz angefehen worden. Aber anscheinend habe man die Konferenz zusammentreten lasten, ohne irgend einen Versuch zu unternehmen, festzustellen, welche Haltung die bolschewistische Regierung in Wirklichkeit annehmen werde. So sei die Genueser Konferenz zu einer Art von politischem internationalen Glücksspiele geworden, und moi habe ihre Verhandlungen mit wachsender Besorgnis und Furcht verfolgt. Enges Einvernehmen mit Frankreich und das Wohlwollen der Vereinigten Staaten feien der einzig richtige Beginn und die einzig ,este G.undloge des wirtschaftlichen und finanziellen Wiederaufbaues sowie eines Friedens, an dem alle Rationen Anteil haben. Diese beiden wesentlichen Bedingungen seien durch die Genueser Konferenz erschwert, bzw. weniger wahrscheinlich gemacht worden. Wenn aber eine aufrichtige und verständige Politik, die Ermutigung und Entwirrung des Völkerbundes verfolgt worden waren, so wäre Deutschland jetzt MitgliedbesVölker- bundes und Europa würde fii) der its auf dem Wege zur allgemeinen Beruhigung befinden, statt, wie es jetzt schiene, auf dem Wege zu bewaffneten, einander gegenüber- stehenden Gruppen. Es fei allerdings wahr, dass die Vereinigten Staaten kem Völkerbünde nicht beitreten wollten. In Europa bilde jetzt der Völkerbund die rechte und die einzige Aussicht zur Förderung eines stetigen Fried ms. Er (Grey) sei nicht der Ansicht, tatz diese Po- lillk, den Vereinigten Staaten weniger angenehm gewesen sei, als die Politik, die tatsächlich verfolgt worden sei Rach einer kurzen B Handlung der Frage der Sparsamk i sma'mahnen, St uern sowie der irischen Frage kommt Grey zu dem Schlüsse, dass die Koalitionsregierung, die zur Fortfüh- ung des Krieges gebildet war, jetzt ausschliesslich ein Grund der Anstetigkcit und Gefahr werde, wenn sie lange in der Zeit des Friedens fortgesetzt würde. (5'inc Anfrage im englischenUntcrhanse über die (Erwartung deck 31. Mai. London, 19. Mai. (WTB.) OrmSby Gore fragte im Unterlaufe, ob von der Regierung der Vereinigten Staaten irgend eine Mitteilung eingetroffen wäre bezüglich einer von dieser Regierung zu ergreifenden Aktion im Zusammenwirken oder ohne Zusammenwirken mit den anderen Alliierten, wenn Deutschland den Forderungen der ReparationSkommission am 31. M a i nicht Genüge leisten sollte, und ob Amerika schon bekannt gegeben hätte, ob es an der Besetzung des Ruhrgebietes teilnehmen wolle, wenn diese Massregel von den Alliierten sowohl wie von Frankreich beschlossen werden sollte. Lhamberlain antwortete verneinend. Cine deutsche Rede im dänischen Parlament. Kopenhagen, 18.Mai. (Wolff.) In der F o l k e t h i n g - Debatte über die Wehrvorlage führte der deutsche Abgeordnete Schmidt- Wodder u. a. aus, die Wehrvorlage sei in noch höherem Masse eine nationale als eine staatliche Angelegenheit. Da er für sein Teil national anders fühle als das dänische Volk, habe er eine schwierige Aufgabe. Es sei sicher, dass das Verhältnis zu Deutschland bei der Wehrordnung eine bedeutende Rolle spiele. Deutschland sei zur Zeit militärisch ohnmächtig; das sei unbestreitbar. Ebenso unbestreitbar sei auch, dass die Entente sich bei allen Massnahmen von der Furcht, dass hierin eine Aenderung eintreten könnte, leiten lasse. Es sei unflug und verletzend, wenn auch die dänischen Politiker Deutschlands militärische Ohnmacht als einen wünschenswerten Zustand betrachteten. Sicher sei, dass ein gedemütigtes Volk gefährlicher sei als ein Volk, das in seiner Riederlags mit Achtung behandelt werde. Lloyd George wisse das, wenn er auch nicht danach handle. Man habe aber nicht den Eindruck, dass auch Dänemark es wisse. Wenn Dänemark hierin klar sähe, so würde es nicht Vorschlägen, die Truppen so zu verteilen, wie es die Regierungsvjorlage tue, nämlich, dass der grösste Teil der ganzen Heeres- macht nach Jütland, und zwar eine verhältnismässig grosse Zahl gerade nach den von Deutsch- land abgetretenen Gebieten verlegt werden solle. Deutschland werde vielleicht in seiner militärischen Schwäche keinen Protest dagegen einlegen, aber ba« deutsche Volk würde in dieser Anordnung eine Herausforderung erblicken, und das muffe man in Dänemark als durchaus unerwünscht ansehen. Er, der Redner, hoffe dass Deutschland doch wieder eine Macht erhalten werde, die seiner Devölkerungszahl und seinem Werte entspreche, aber er hoffe auch bestimmt, dass künftige Streitfragen zwischen Deutschland und Dänemark nicht mehr mit den Waffen ausgetragen würden. Er glaube auch nicht, dass dies der Fall fein werde, solange sich Dänemark nicht auf die Seite der Gegner Deutschlands stelle. Zwischen Deutschland und Dänemark stehe ja die Grenzfrage, die durch den Versailler Vertrag in unheilvoller Weise gelöst worden sei, aber der Grundsatz, nach dem sie gelöst worden sei, sei von beiden Seiten anerkannt worden. Dieser Grundsatz sei das Selbst- be stimmungsrecht. Dieses solle bestehen bleiben, wenn auch die Grenze nicht bestehen bleibe. Es sei bekannt, dass er, Schmidt-Wodder, und seine Wähler eine andere Grenze erstrebten, aber nicht durch Waffengewalt. Was seine Stellungnahme zur Heeresfrage bett ffc, so habe er zunächst für eine vollkommene Abrüstung stimmen wollen. Er werde sich bei der Abstimmung der Stimme enthalten, wolle aber noch einmal den Wunsch aussprechen, dass Dänemark und Deutsch.and nicht wieder die Waffen miteinander kreuzen mühten und Dänemark klug genug sein werde, allen Verhetzungen zu widertehen, die es auf diese Dahn bringen könnten. Dom Dölkerbundsrat. Genf. 18. OHai. (Wolff.) Am Schluß der Tagung erledigte der Völkerbundsrat schnell und ohne Debatte den von Hymans im Namen der- Dreierkommission des Völkerbunds^ rates für Minderheitfragen vorgelegten Bericht über die Beschwerden des Deutschtum- bundes in Polen. Er beschloß, den Berichi der polnischen Regierung zu übermitteln, damit diese genauere Angaben über den sachlichen und rechtlichen Tatbestand mache. Er forderte außer- dem den polnischen Vertreter beim Völkerbund auf, gemeinsam mit dem Generalsekretär des Völkerbundes die verschiedenen Rechtsfragen, die der Bericht aufwirft, zu prüfen, damit der Rat gegebenensalls des .Urteil des ständigen Internationalen Gerichtshofes einholen könne. Bis zur Regelung der Frage durch den Rat soll Polen auf alle gerichtlichen Schritte oder Vergeltungs- Maßnahmen verzichten, die die normale Stellung der deutschen Landbevölkerung polnischer Rationalität beeinträchtigen könnten. Dieser Beschluß soll auch für die Landbewohner gelten, deren polnische Staatsangehörigkeit von der künftigen Entscheidung des Rates abhängt. Somit dürfte diese wichtige Frage leider erst im Herbst kurz vor der Dölkerbundsversammlung wieder im Rate zur Sprache kommen. Diese Hinausschiebung ist um so bedauerlicher, als der umfangreiche Bericht trotz der ausführlichen Gegendenkschrift in seinem sachlichen Teil von dem starken Eindruck zeugt, den die Klagen des Deutschtums hier gemacht haben und bei aller Vorsicht in der Form eine ernste Kritik an den meisten polnischem Maßnahmen gegen die Deutschgesinnten darstelle. Auch aus der Antwort Bourgeois' ging deutlich hervor, daß der Widerstand geaen die Behandlung des englischen Mandatsprojektes mir von einigen Mächten im Rate ausgegangen war, die glaubten, das; noch Besprechungen slatt- finden mühten, da man nicht eine einzige Mcm- datssrage losgelöst von den andern verhandeln könne. In Deantwol'tung einer Bemerkung Balfours über die durch die Verzögerung geschaffenen Verwaltungsschwierigkeiten sagte Bourgeois ferner: „Wir, die wir auch Mandate besitzen, leiden in den Gebieten, die uns anvertraut wurden. unter denselben Verwaltungsschwierigkeiten, und Lwar besonders in der Nähe des Gebiets, auf das Jicfr Lord Balfour bezieht (Palästina), nämlich in Syrien, wo wir bisher auf die größten Schwierigkeit gestoßen sind. Die gegenwärtige Auseinandersetzung über die Mandatsfrage wird noch besonders beleuchtet durch die verschiedenen Aktenstücke, die dem Völ- kerbundsrat bei dieser Gelegenheit zugegangen sind, darunter Eingaben arabischer Organistionen, die gegen das englische Mandat protestieren, katholischer Organisationen, di^ um den Schutz ihrer Religion bitten, sowie jüdischer Gruppen, die eine Bestätigung der Mandate verlangen. Die Bewirtschaftung der notwendigsten Lebensmittel. Berlin, 18. Mai. (WTB.) Ein dem Reichstag zugegangener Antrag von Müller-Franken und Gen. (Mehrheitssoz ) ersucht die ' Reichsregierung, dem Reichstag mit tunlichster Beschleunigung Gesetzesvorlagen zu unterbreiten, wonach für das Wirtschaftsjahr 1922 23 das U m° lageverfahren für die Erfassung des l Brotgetreides bcibeh'lten wird, wobei der Gesamtbedarf an Brotgetreide für die Ernährung K der verforgungsberechtigten Bevölkerung aus der Inlandsernte in Höhe von 4Vs Millionen Tonnen sicherzustellen ist. Der Kartoffelbedarf der versorgungsberechiaten Bevölkerung soll auf dem Wege privatrechtlicher Lieferungsverträge sichergestellt werden. Damit die Lieferungsverträge auch tatsächlich eingehalten wer^n, ist der Erfüllungszwang gesetzlich festzulegen. Den schrankenlosen Aufkäufen von Kartoffeln ist durch geeignete Maßnahmen, wie Konzessionierung des Handels und schärfere Kontrolle, entgegenzutre- ten. Im Interesse der Allgemeinheit ist die Bewirtschaftung des Zuckers durch das Reich wieder einzüführen. Der Bevölkerung ist pro Kopf und Woche ein halbes Pfund Zucker zur Verfügung zu stellen, für Säuglinge pro Kopf und Wache ein Pfund extra. Berlin, 19. Mai. Im Kuratorium der Reichsgetreidestelle fand gestern eine Besprechung mit Vertretern der Landwirtschaft, des Handels, der Mühlenindustrie Und der Verbraucher über den Referentenentwurf der Reichsgetreidestelle betreffend die G e t r e i d e o r d- nung im neuen Erntejahre statt. Der Entwurf wird in den nächsten Tagen dem Reichsernährungsministerium. dem Reichsrat und dem Reichstag zugehen. Das Gesetz soll möglichst noch in der ersten Hälfte des Juni in Kraft treten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird, der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge, die Getreideumlage als solche bestehen bleiben, jedoch soll die Landwirtschaft bei der Aufbringung und Verteilung des Getreides in stärkerem Maße als bisher herangezogen werden. Der Preis für Getreide dürfte sich im kommenden Getreidejahr nicht um wesentlich erhöhen. Das Urteil im dralle Petersdorf. Oppeln, 18.Mai. (WTB.) Der interalliierte Gerichtshof hat heute nachmittag In öffentlicher Sitzung das Urteil im Falle Petersdorf gefällt. Wie die „Oppelner Mor- gcnzeitung" meldet, wurde der Abg. Saczek wegen Teilnahme an dem Ueberfall in Peters- borf und wegen Ermordung des Spitzels Seichter zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, ferner Krömer, Eisenbahninspektor in Gleiwih, als Führer des Selbstschutzes zu a ch 1 Jahren Zuchthaus, Woura zu zehn Jahren Zuchthaus, P h t t l i k und M a l e s k a wegen Ermordung des Seichter zu zehn bzw. fünf Jahren Zuchthaus, Möbius, ebenfalls als Führer des Selbstschutzes, zu zehn Monaten Gefängnis der Geschäftsführer der Deutschnationalen Volkspartei, Riemann, zu zwei Monaten Gefängnis. Die übrigen Angeklagten wurden zu niedrigeren Gefängnisstrafen verurteilt. Untersuchungshaft wurde nicht angerechnet. Die Angeklagten Rektor Urbanek-Gleiwitz und Bühl- mann-Gleiwitz, gegen die die Todesstrafe beantragt war, wurden freigefprochen. Aus dem Reiche. Einziehung und Verbot des Notgeldes? Berlin, 18. Mai. (Priv.-Tel.) Die „Deutsche Allg. Ztg." meldet: 3m Reichsfinanzministerium ist ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worden, nach welchem alle Marken, Münzen, Scheine und sonstigen Urkunden, die auf einen Geldbetrag lauten und als E r- satz für Geld im Zahlungsverkehr verwendet werden, bis 30. Juni durch den Aussteller einzulösen sind. Um auch die spätere Herausgabe des Notgeldes zu verhindern, verbietet der Entwurf, daß künftig weiteres Notgeld ausgegeben wird. Der Reichsfinanzminister kann jedoch, falls das Berkehrsbe- dürsnis es erfordert, nach Anhörung der obersten Landesbehörden Ausnahmen zulassen. Für die Nichtbefolgung dieser Dorsch nften werden verhältnismäßig hohe Strafen angesetzt. Die höchste Geldstrafe beträgt 100 000 Mk. Zeitungsdruckpapier und Gütertarif. Berlin, 18. Mai. (WTB.) Zur Stützungsaktion für die Presse infolge der hohen Materialpreise gab der Deichsverkehrsminister dem Antrag des Vereins deutscher Zeitungsverlegcr statt und versetzte mit rückwirkender Kraft vom 1. Mai das Zeitungsdruckpapier aus der Tarifklasse a in Tarifklasse b des Eisenbahngütertarifs. Die Altersgrenze. Berlin, 18. Mai. (WTB.) Der Preußische Staatsrat hat den gemeinsamen Antrag der beiden Rechtsparteien, des Zentrums und der Demokraten angenommen, dem Staatsministerium und dem Landtag einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem das Gesetz vom 13. 12. 1920 über Die Einführung der Altersgrenze einstweilen außer A ch t z u s e tz e n ist, die Außerkraftsetzung bis zur einheitlichen Regelung der Materie durch das Reich, jedoch längstens auf zwei Jahre, erfolgen soll. Ein neuer Stinnes-Dauipfcr. Berlin, 18. Mai. (WTB.) Am 20.Mai findet in Wilhelmshaven der Stapellauf des neuen Dampfers von Hugo S t i n n e S statt, der den Namen des bekannten Gewerkschaftsführers und Befürworters der Arbeitsgemeinschaft Karl Legten tragen wird. Der Reichspräsident, der am gleichen Tage zum Besuche der Marine in Wilhelmshaven weilt, wird dem Stapellauf beiwohnen. Ankunft einer deutsch-amerikanischen Reisegesellschaft in Hamburg. Hamburg, 18. Mai. (Wolff.) Eine aus über 1000 Personen bestehende deutsch-amerikanische Reisegesellschaft, unter der sich Angehörige aller Deutsche Dvlksstämme aus allen Teilen der Vereinigten Staaten befinden, namentliche auch Mitglieder des arnerikaan Ischen plattdeutschen Dollsfestvereins, ist heute vormittag auf dem Hapagdampfer „Hansa" von Reuyork kommmd, nach ^uter und schneller Ueb rfahrt f;i r eingetroffen. Auf der in den frühen ^Morgenstunden gemeinsam angetretenen Fahrt elbaufwärts nach Hamburg wurden die deutschen Landsleute durch den Vertreter des Senats, Dr. Krause, den Präsidenten der Bürgerschaft, Roß, den Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein, Kürbis, der namens der preußischen Staatsregierung sprach, sowie den Vertretern mehrerer plattdeutscher Vereine herzlich in der alten Heimat willkommen geheißen. Der deutsche Strom. Ein zeitgemäßes Weserlied. Hier hab ich so manches liebe Mal Mit meiner Laute gesessen . . . Aus Kass el wird uns geschrieben: Bei Hannoversch-Münden, dort, wo die Werra und die Fulda sich in einem innigen Kusse finden, der zum Vater der Weser wird, treten die Berge dicht an den Strom heran, und an einem besonders schönen Plätzchen wird gegraben und gebaut, damit demnächst vollendet ist, was vor dem Feldzug bereits begonnen wurde. . . Das Denkmal für den Dichter Dingelstädt und seinen Tonseher Pressest die Schöpser des unsterblichen Weserliedes. Man singt es heute mehr denn je. Auf den Oberweserperionendampsern, die soeben wieder ihre Fahrten bis zur Rattenfängerstadt Hameln ausgenommen haben, bilden sich ähnliche Bräuche aus wie auf dem Rhein, wenn der Dampfer an der Loreley vorübersuhr. Hier darf man ja deutsche Lieder fingen, die von der fremden „Wacht am Rhein" verboten sind. Und es wird reichlich davon Gebrauch gemacht und gern! Seit der Feind am deutschen Strome steht, ist die Weser der deutsche Strom geworden. Ueber ihn allein gebieten wir noch vollkommen frei. Auch natürlich ist er von je der einzige rein deutsche Strom von der Geburt bis zum Ende im Meer gewesen. So steht auch an dem Stein, der am Zusammenfluß der Werra und Fulda auf dem sog. Tanz- werder bei Hann.-Münden errichtet ist, eingegraben : Wo Werra sich und Fulda Listen Sie ihre Namen büßen müssen Und hier entsteht durch diesen Kuß Deutsch bis zum Meer der Weserfluh. Von Jahr zu Jahr nimmt unter solchen Umständen der Fremdenverkehr zu. Die reizvolle Natur mit ihren Gebirgen und Wäldern und grünen Wiesen tragt das ihre dazu bei. Noch etwas Größeres tyird aber die Weser auszeichnen. Große Staustufen sind im Entstehen begriffen. Sie werden nicht nut die weiße Kohle, den elektrischen Strom weit ins Land senden, sondern gnch den Wasserstand der Weset, der seichet zu wünschen übrig ließ, verbessern. Im kommenden Jahre wird auch die Diemeltal- Spetre fertig und bann wird diese im Verein mit der größten und landschaftlich schönsten Talsperre Europas, der Waldecker Ebertalsperre, Groß- s ch i f f a h 11 auf der Weser ermöglichen. Gegenwärtig reift auch der große Kanalplan Nordsee- Weser—Donau—Schwarzes Meer. Eine gewaltige Zukunft steht der Weser bevor. Schon ist sie angebahnt. Erstmalig in diesem Jahr wehte an diesem Sonntag wieder die beut- sche Flagge an den eleganten Raddampfern der Oberweser Personen-Dampstchistahtt Hameln. Bereits jetzt liegen zahlreiche Fremdenanmelbungen vor und.... diese Fremden sind durchweg Deutsche, die Sommeretholung finden wollen In Hamburg wurde den amerikanischen Gästen ein geradezu überwältigender Empfang zuteil. Bereits von Schulau aus umsäumten große Menschenmengen, die den Amerikanern zujubelten, das Elbuser. In Blankenese wurde der Dampfer mit Böllerschüssen begrüßt. Zahlreiche, stark besetzte kleinere Dampfer und Motorboote belebten den Strom und geleiteten die „Hansa" elbaufwärts zum Liegeplatz. An den Landungsbrücken und in den umliegenden Straßen hatten sich mindestens 100 000 Menschen eingcfun'oen, die ihrer Freude über die Airkunft unserer Landsleute durchTücher- schwenken und Hurrarufen Ausdruck gaben. Aus Braunschweig. Braunschweig, 18. Mai. (Wolff.) Der mehrheitssozialistische „Volksfreund" teilt zur Frage der Regierungsbildung den Briefwechsel der sozialdemokratischen Landtagsfraktion mit der demokratischen Fraktion und der unabhängigen Fraktion mit, aus dem hervorgeht, daß die Demokraten die sogen. Heine Koalition (Unabhängige, Mehrheitssozialisten und Demokraten) wegen der Haltung der Unabhängigen in der Frage der Regierungsbildung ablehnen. Sie erklären, daß sie sich nur an der sogenannten großen Koalition der Mehrheitssozialisten und der Rechten beteiligen werden und schlagen vor, die darüber begonnenen Verhandlungen in Kürze fortzuführen. Die Unabhängigen erklären, daß für sie nach wie vor nur eine rein sozialistische Regierung in Betracht käme. Der „Volksfreund" schreibt hierzu, die (Situation sei nun geflärt. Es würden wahrscheinlich noch keine Neuwahlen erforderlich fein, sondern es würde zur Bildung der sogen, großen Koalition kommen. Aus Stabt und Lond. Gießen, den 19. Mai 1922. * Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden die Zollafsistenten Peter Enger t beim Hauptzollamt Mainz, Heinrich M a- g e l beim Hauptzollamt Gießen, Karl Langgöns zu Wimpfen und Johannes Wetzel zu Lorsch zu Zvllsekretären. — In den R iheft anb versetzt wurde am 28. März der Lehrer an der Volksschule zu Langen, im Kreise Offenbach, Georg C l a r i u s, auf fein Dachs ichen unter Anerkennung seiner dorn (Staate während mehr als 50 Jahren geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Mai 1922 ab. ** Der neue Fahrplan der Eisen- bahndirektivn granffurt (Main) liegt nunmehr im endgültigen Entwurf mit Gültigkeit vom 1. Juni vor. Wie schon mitgeteilt, ist er diesmal als ZahreSfahrplan gedacht, so daß im Winter höchstens geringe Aenderungen eintreten werden. Der Fahrplan, der auf dem hiesigen Bahnhof zur Einsicht aufliegt, wird rechtzeitig im „Gießener Anzeiger" kostenlos als Vellage erscheinen. "-Wem gehören die Kartoffeln und der Spinat? In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde einem hiesigen Bewohner von einer Polizeibeamtenpatrouille ein Sack mit ca. 1 Zentner Kartoffeln abgenommen und beim Polizeiamt sichergestellt, die den ilmftänben nach als gestohlen angesehen werden müssen. In dem Sack befindet sich ein blauer Streifen. — Ferner wurden am Abend des verflossenen Dienstags zwei hiesigen Bewohnern oa. 50 Pfd.. Spinat abgenommen, der zweifellos auch von einem Diebstahl herrührt. Die Eigentümer werden ersucht, sich dieserhalb mit der hiesigen Kriminalpolizei ins Benehmen zu setzen. * * Fe st genommen wurde auf telephonisches Ersuchen in einem von Kassel kommenden O-Zuge ein Hotelangestellter eines Hotels in Bad Wildungen, der 6000 Mk. unterschlagen hat und sich auf dem Wege nach Frankfurt a. M. befand. 5700 Mk. wurden noch bei ihm vorgefunden, die dem Eigentümer wieder zurückgegeben werden konnten. Bei der Festnahme zeigte der Dieb sich ziemlich renitent und legte sich auch einen falschen Namen bei. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Großer Hörsaal der Universität, 873 Ahr: Vortrag über „Land- und Luftreifen durch Palästina". — Im Zelt der Deutschen Zeltmission, OSwaldsgarten: Nachmittags 4 Ahr Bibelerklärung; abends 81/2 Ahr Vortrag, Thema: „Religion oder Versöhnung". — Astvrra - Lichtspiele: „Inlot, der Apache", „Eharly auf der Walze" und „Das Panzergeschoß". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Das Ende der Ärtiftin ßuigi Ber- tolini“ und „Der Sklavenhalter von Kanfas- Cith". — Oberheffifcher Kun st verein. Die für die neue Ausstellung angemeldeten Kunstwerke sind ein getroffen, so daß die Eröffnung der Ausstellung am nächsten Sonn-- lag bestimmt erfolgt. — Die GiehenerWaldbühne beginnt ihre Somrnerspielzeit 1922 am 21. Mai nachmittags um 5 Ahr mit der Araufführung eines von Frl. Elfe Speckharbt aus Darmstadt verfaßten Märchenspieles für Kinder „Das Frühlings- f e st". Diesem geht ein Vorspiel voraus, bas zeigen soll wie jungen Mäbchen aus ber Pflege des Volksliedes, ber Volkstänze unb Reigen reine Freude erwachst. — Sollte biefe ober eine ber nächsten Aufführungen infolge schlechten Wetters ober aus irgendeinem anderen Grunde verschoben werben müssen, so wird dies durch Aushang am alten Stadthaus (Südanlage) eine Stunde vor; dem auf den Theaterzetteln unb in ber Anzeige angegebenen Anfang bekanntgegeben. Die gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit zum nächsten Aufführungstage. (Siehe heutige Anzeige.^ — Deutschnationale Volks- Partei. Gemütliches Zusammensein der Familien morgen (Samstag) ttn Schützenhause (Näheres siehe Anzeige.) AuS jOberhessen. Aus dem neuen Staatsvoranschlag sind für Obephessen außer den bereits von uns veröffentlichten noch folgende Zahlen von Interesse: Für die Draunkohleniverke Ludwigs Hoffnung, Wölfersheim und Weckes heim sind bei einer durch den Ausbau ber Betriebe, die Anlage neuer Betriebspunkte unb 'den Bau von Seilbahnen veranlaßten erhöhten Abschreibung von 1 181190 Mk. (1921 = 555 990 Mk.) die Einnahmen zu 15 468 786 All., die Ausgaben zu 15 009 703 Mk., der Aeberschuß also zu 459 083 Mk. (235 614 Mk.) veranschlagt, für das Kraftwerk bei 2 000 000 Mk. 2ll>- schreibung (1921 = 789 884 Mk.) die Einnahmen zu 12 193 000 Mk., die Ausgaben zu 11 299 225 Mark, der Ueberfchurh also zu 839 775 Mk. (384 978 Mk.). Die Anlagewerte verzinsen sich danach dort mit 4,8 v. H., hier mit 4,34 v. H. Diese Verzinsung entsprich allerdings infolge ber fei.Irrigen ungenügenden Strompreise bei weitem nicht der Rente aus dem Anlagekapital bei anderen Unternehmungen ähnlicher Art, insbesondere bei Vergleich unb Berücksichtigung ber Abschreibungen unb Rückstellungen, die bei anfenax staatlichen Werken nur in geringem Umfang der Entwertung der Anlagekckpi'allen und den spateren hohen Ersatzkosten Rechnung zu tragen vermögen. Die gewaltige Steigerung aller Preise und die Erhöhung der Löhne unb Gehalle wirkt sich besonders auch in dem Voranschlag ber 05abeauflag Bad-Nauheim aus. Die Verwal- tungsausgabc.i erhöhen sich um 2 454 785 Mk. aus jetzt 4 180 300 Mk., die Ausgaben für den laufenden Betrieb, für Unterhaltung der Gebäude, des Inventars, des Parks, der Anlagen, Kanäle, Leitungen usw. !um 5 469 760 Mk. auf jetzt 8 331 760 Mark Zur Deckung von einmaligen Ausgaben sind 1 264 150 Mk. eingestellt. Hierwegen wird auf die Regierungsvorlagen vom 23. «September und 3. Oktober ds. Is., Drucksachen Nr. 862 und 868, Bezug genommen, auf Grund deren die Regierung ermächtigt wurde, die technischen Einrichtungen und Anlagen des Bades, die während des Krieges und nachher infolge Wangels an Material unb Arbeitskräften nicht in ber erforderlichen unb früher üblichen Weise instand gehalten werden konnten, nunmehr einer gründlichen Wiederherstellung zu unterziehen, um ihre volle Leistungsfähigkeit wieder herbeizuführen und zu erhallen. Die sich hieraus ergebenden Ausgaben sollen aus den laufenden Einnahmen des Jahres 1921 und der folgenden Jahre jeweils in dem Umfange bestritten werden, wie dies nach Deckung der lausenden Ausgaben im übrigen möglich wird. Insgesamt stellen sich die Ausgaben auf 13 861 210 Mark. Zur Erzielung eines Betriebsüberschusses, der neben Aufbringung des Fehlbetrages für Bad-Salzhausen die Mittel darbieten soll zur Bestreitung der dem Bad obliegenden Verpflichtungen (Verzinsung und Tilgung der früher vom Staat zu den Neu- und Erweiterungsbauten gewährten Darlehen) unb weiter zu einer Sonderabschreibung für Ersah und größere Instand- sehungsarbeiten bei den Bade-, den technischen unb baulichen Anlagen, mußten die Einnahmen durch bedeutende Erhöhung ber Bäderpreise, der Kurabgabe unh der Preise für Salz, Eis, elektrische Kraft und Wasser entsprechend gestaltet werden. Sie sind mit einem Mch-r gegen 1921 von 9 949 442 Mk. vorgesehen, also mit insgesamt 15 310 768 Mk. Der Ueberschuß stellt sich danach auf 1 449 558 Mk., wovon 115 945 Mk. zum Ausgleich des Voranschlags von Bad-Salzhau- s e n benötigt werden und 1 333 613 Mk. dem Er- neuerungsstock zufliehen. Dieser hat die erwähnten Zins- und Tilgungsverpflichtungen im Betrag von rund 430000 Mk. zu bestreiten und die Rückstellung für Ersatz unb größere Instandsetzungsarbeiten bei den Bade- usw. Anlagen mit 800 000 Mk. zu bewirken. Seine Mittel werden sich Ende 1921 auf 228 800 Mk. belaufen; die Schuld an die Staatskasse wird sich zu dieser Zeit auf 6 619 100 Mk. stellen. an der Weser mit ihrer blitzenden Welle und am einzigen deutschen Strom! Rudolf Hehnemann. * Aus Tschaikowskys Erinnerungen. Der berühmte russische Komponist Peter Tschaikowsty hat sehr interessante Erinnerungen, in denen er seine Begegnungen mit berühmten Kollegen beschreibt und oie jetzt durch eine neue von Heinrich Stümcke besorgte Ausgabe bei Reclam allgemein zugänglich werden. Don seiner ersten Begegnung mit Brahms erzählt er: „Zum ersten Male im Leben hatte ich Gelegenheit, dem berühmtesten unter der zeitgenössischen deutschen Komponisten gegenuberzustehen. Brahms ist nicht groß und wohlbeleibt. Sein hübscher grauer Kopf erinnerte mich an einen seelensguten, ältlichen russischen Geistlichen. Für einen Deutschen charakteristische Züge hat Brahms meines Erachtens gar nicht, und mir ist es unbegreiflich, wie ein gewisser gelehrter Ethnograph (ich stütze mich dabei auf eine eigene Mitteilung des Komponisten) gerade feinen Kops für baä Titelbild eines Buches wegen feiner charakteristisch germanischen Züge wählen konnte. Eine gewisse Weichheit und sympathische Rundung der Linien, ziemlich langes, dünnes, graues Haar, gerade, freundliche Augen, ein dichter, graumelierter Bart, alles das erinnert weit eher an den Typus des echten Grohrussen, wie man ihn besonders oft unter Personen geistlichen Standes antrifft. Brahms bewegte sich äußerst einfach und ungeniert, ohne allen Hochmut, und die Stunden, die ich in feiner Gesellschaft verbringen durfte, haben mir eine sehr angenehme Erinnerung hinterlassen." Von Schumann erzählt Tschaikowsky nach den Mitteilungen seines Jugendfreundes Reinecke einige Züge: „Schumann war ein echter Melancholiker; feine Schweigsamkeit war erstaun sich; es schien, als ob ihm jedes Wort große Anstrengungen kostete. Auffällig in feiner musikalischen Organisation war auch, daß er ganz unfähig war, zu dirigieren. Reinecke erzählte mir Fälle, aus denen hervorgeht, daß er sogar den Klang der einzelnen Instrumente nicht gut unterscheiden konnte und daß das für den Kapellmeister so unentbehrliche angeborene rhythmische Gefühl bei ihm nur ganz unbedeutend entwickelt war. Wie schwer sind diese Anomalien bei einem Musiker zu begreifen, der. nach feinen Kompositionen zu urteilen, gerade in bezug auf den Rhythmus so erfinderisch war!" Zu G r i e g trat der russische Meister in ein enges Freundschaftsverhältnis. Der norwegische Komponist war sehr klein und von schwächlichem Aussehen, hatte große blaue Augen mit dem Blick eines unschuldigen Kindes, und seine von ihm unzertrennliche Gattin war nicht viel größer. Als daher Tschaikowsky in einem Konzert mit dem Griegschen Ehepaar erschien, sagte man: „Da sitzt Tschaikowsky, und neben ihm seine Kinder!" „Das wurde ganz ernsthaft gesagt," meint der Meister, „und ist auch gar nicht so wunderlich, wie es auf den ersten Augenblick sich ausnimmt, denn ich bin grau und greisenhaft, und Grieg, der 45 Iahrq' alt ist, und feine Frau sehen, zumal sie beide klein find, von weitem sehr jugMdlich aus." StreiS Lauterbach. n. Schlitz. 17. Mai. Der Gräflichen VlarrdeSherr schäft wurde vom Stadtvorstand wieder die Zagdpacht der Schützer Gemarkung zugesprvchen. Der jährliche Pachtpreis erfuhr dabei aber eine Erhöhung Den 5000 Ml. auf 10 000 Mk. — Anstelle von Frau Kimpel, die ihr Amt niedcrlegte, wurde als neue Handarbeitslehrerin und Leiterin der im Herbst hier ins Leben tretenden Mädchenfortbildungsschule Fräulein Win he im aus Grünberg hierher berufen. Für den Unterricht im Nähen genehmigte der Stadtvvrsland die i'wlwendigen Mittel zur Anschaffung einiger Nähmaschinen. rr. Ae tz hausen. 17. Mai. Die hiesige Gemeindejagd erhielten wieder Hotelbesitzer W ü st h v f e n und die Badeverwaltung vom nahen Salzschlirf. Pachtpreis jährlich 4500 Mk. gegen 500 Mk. vorher. Hreis Wetzlar. ra Wetzlar. 17. Mai Der Fehl betrag de« ZtreiS da us Halles beträgt 1 608 000 Mart und Dertcllt sich auf die einzelnen 'Bürger» meistereien wie folgt: A)lc»r 245 000 Md. ‘Brain» ,el« 100 000 Md. Greifenstein 26 000 Md. Hohen» solm« 28 000 Md, Krofdorf 112 000 Md. Grotz» Rechtenbach 70 900 Md. Schösf-mgr^nd 57 000 Md und Wetzlar 975 000 Md Kleinere Beträge entfallen au> die fürstlichen Gemeurden m Hohen- fvlnrS. Heisterbe g, Dchwaldacher Hof, BraunfelS Schlot? und Altenberg. Schöffengericht. Giehen, den 17. Mai 1922. Sin Wirt von hier war angcflagt, ein in seinem Besin befindliches, einer hiesigen Brauerei gehörige«, Klavier im Werte von etwa 3000 Mark dadurch unterschlagen zu haben, dah er ee an einen Klavrerhändler verkaufte. Da daS Eigentums- und Sachverhältni« nicht genügend aufgeklärt werden konnte, muhte der Angeklagte mangels ausreichenden Beweises freigesprochen werden. Wie grobe Mengen von zur Bolksernährung wichtigsten Nahrungsmitteln der Allgemeinheit entzogen werden, zeigte folgender typischer Fall deS Schleichhandels. Ein hiesiger Konditoreibesiher verwendete im Zähre 1921 fortgesetzt Sahne in seiner Konditorei und verabfolgte sie an seine Gäste, obwohl die Verordnung über den Verkehr mit Milch die Verwendung von Sahne in gewerblichen Betrieben zur Herstellung von anderen Erzeugnissen alS von Butter und Käse und die Verabfolgung von Sahne in Konditoreien, Bäckereien und Gastwirtschaften oder Erfrischungsräumen ausdrücklich verbietet und unter Strafe stellt. Er bezog die Sahne von einer im Streife Tieben gelegenen Molkerei, deren Leiter sie ihm in Kannen unter der Bezeichnung .Buttermilch" mit der Bahn zuschickten. Der Konditoreibesiyer wurde zu einer Geldstrafe von 3000 Mark, die beiden Leiter der Molkerei zu Geldstrafen von je 10 00 Mark verurteilt. Wn Soldat vom hiesigen AetchSwehrregi- ment erhielt wegen Fahnenflucht und Unterschlagung von Dienstgegenständen eine Gesamtgefängnisstrafe von neun Monaten eine Woche. Auberdcm wurde auf Dienstentlassung erkannt. — Sin anderer Soldat des hiesigen Regiments war während seine« Aufenthalt« im Lazarett in schlechte Hände geraten und verlor im Kartenspiel über 10 00 Mark. Um diese Schuld zu decken, öffnete er mit seinem eigenen Schlüssel zwei Spinde von Kameraden, entwendete daraus diesen gehörige Zivil - und Militärkleider, Wäschestücke, Stiesel usw. und veräuberte sie an hiesige Althändler. Dann fuhr er nach Mainz und stellte sich der dortigen Polizei. Während seines Aufenthaltes im dortigen Landgericht«- gefängnis, wo er zunächst eine IStägigc Gefängnisstrafe wegen Pabvergchen« verbüßte, zu der er von einem französischen Gericht verurteilt worden war. trat in der französischen Abteilung angeblich ein in Zivil gekleideter Mann an ihn heran, der thn über die Verhältnisse bet der Reichswehr ausfragte und ihm angeblich den Vorschlag machte, einen Entfernungsmesser in Dieben zu stehlen und den Franzosenzuüberbringen. Er solle dann unter französischen Schutz gestellt werden und 60 000 Mark dafür erhalten. Der Angeklagte lehnte jedoch dieses Anerbieten ab. Nachträglich wurde er in eine Kaserne gebracht, wo ein f r a n- zöstscher Offizier mit dem gleichen Ansinnen nochmals an ihn frerantrat. Auch in diesem Falle wurde da« Verlangen zurückgewlefen. Der Angeklagte wurde wegen unerlaubter Entfernung über sieben Tage, schweren Diebstahls und militärischer Unterschlagung zu einer Gesamtgefä n a n isstrafe von neun Monaten verurteilt. Auch gegen ihn wurde auf Dienstentlassung erkannt. Ein in der gleichen Sache wegen Hehlerei angeflagter Reichswehrsoldat wurde mangels ausreichenden Beweises sreigesprochen. Kirche und Schule. Berlin. 18. Mai. (Wolff.) Am Him- melfahrttag, mittags 12 Llhr, findet in der Schloßkirche zu Wittenberg die feierliche UnterzeichnungdesKirchenbundS- vertrages statt. Zur Feier des kirchen» geschichllichen Aktes wird zu dieser Stunde in sämtlichen evangelischen Gemeinden Deutschlands vom Kirchturm Glockengeläut ertönen. B. Schotten, 17. Mai. Unter Leitung von Dekan Volp aus Laudach tagte heute im ersten Psarrhause die Konferenz der evangelischen Pfarrer des Dekanats Schotten. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Referat von Pfarrer I t t- ma n n-Mittel-Seemen über „Religiöse Bor- stellungen und Gebräuche im Waldland von Kamerun", in dem der Bortragende Eindrücke aus feiner eigenen Tätigkeit in der früheren deutschen Kolonie vortrug. Die nächste Konferenz wird voraussichtlich tm Juni im Beisein oe« Superintendenten von Oberhessen in Laubach abgehalten werden. * Nidda, 17. Mai. Der Oberhes s Ische Verein für Innere Mission hielt hier seine Jahresversammlung. 3m Fesi- gottesdienst am Vormittag hielt Konsistorialrat Kortheuer au« Wiesbaden die eindringliche Festpredigt, die besonders der Not der Jugend gedachte. 3n einer gleichfalls in der Kirche gehaltenen Nachmitlagsversammlung, die von Pfarrer 6er i 6a (Eichelsdorf) mit Schrift!esung und Debet eröffnet war, begrühte Pfarrer Laut (Nidda) den feiernden Verein und wies aus die in Nidda bestehenden Arbeiten der 3nneren Mission, die Kleinlinderschule und den Krankenpslegeverein, hin. Da der in Aussicht genommene Redner verhindert war. hielt der Vorsitzende deS Vereins, Prof. 0. S ch i a n, den Vortrag über die Lage der Inneren Mission in der Gegenwart. Beide Veranstaltungen, ganz besonders der Festgottesdienst, waren gut besucht. Eine Beratung im engeren Kreis bildete den Abschlub. DerVcrein. der lange Jahre immer in Giehen seine Versammlungen gehalten hatte, darf den Versuch, auswärts zu tagen, al« wohl gelungen ansehen. Hochschulnachrichten. • Die hessischen Hochschulen im neuen Staatsvoranschlag. 3n den Voranschlägen der beiden Hochschulen muhten neue ordentliche und au herordentliche Professuren vorgesehen und Mittel für eine gröbere Zahl neuer Lehraufträge eingestellt werden, auch waren erhebliche Mehrforderungen bei den sachlichen Ausgaben zu stellen, insbesondere um während des Krieges und in der Nachkriegszeit unterbliebene höchst nötige Anschaffungen nun endlich nachholen zu können. Die Ausgaben steigen bei der Technischen Hochschule von 5 438 846 Mk. auf 11 739 183 Mk., bei der Universität von 12 162 494 Mk auf jetzt 32 375 885 Mk. Unter den letztbemerkten Zahlen sind die medizinischen 3n- fiitute und Kliniken enthalten mit einer Steigerung von 7 666 811 Mk. auf eine jetzige Gesamt» ausgabehöbe von 21 248 333 M. Die Einnahmen erhöhen sich dort von 1090 433 Mk. auf jetzt 1 776 000 Mk.. hier von 5 849 379 Mk. auf jetzt 10 499 224 Mk., worunter die Kliniken mit einer Steigerung der Einnahmen von 5 163 379 Mk. auf jetzt 9 341060 Ml. Der Staatszuschuh ist hiernach bei der technischen Hochschule jetzt zu 9 963 183 Mk. veranschlagt gegenüber bisherigen 4 348 413 Mk , der StaatSzuschuh für die Universität zu 21 876 661 Mk. gegenüber bisherigen 6 313 212 Mark, worunter die Kliniken mit 11 817 273 Mk. gegenüber bisherigen 2 503 432 Mk. Vermischtes. Grohfeuer in einem Krankenhaus. Berlin, 18. Mai. (WTB.) Wie die „D. 3.“ auö Rom meldet, brach in der letzten Nacht im dortigen H e i l i g g e i st - spital ein groster Brand aus, der die Gebäude ergriff, in dem ungefähr 40 Kranke logen. Ein Saal brach nach dem unteren Stockwerk durch. Bisher wurden ungefähr 30 verkohlte Leichen geborgen. Leu der Kranken ließ sich an den Bettüchern herab und erlitt teilweise Berletzungen. Die wachhabende Schwester soll vor Berzweiflung irr» sinnig geworden fein. Turnen, Sport und Spiel. — D. f. D Gießen gegen Hanau 1893. Morgen (Samstag abend 6' , Uhr) empfängt die Ligaeis deS D. f. B. auf ihrem Sportplatz Trieb die In Sportkreifen aut bekannte Liga» mannlchaft de« 1. F C. 1893 Hanau. Die Gäste- mannfchast hat erst vor kurzem die bekannte Liga de« M. T. V. München mit 2 besiegt. Die Spieler Krebs. Schlett und Rumpf haben de« öfteren in repräsentativen Spielen mitgewirkt. Hanau tritt mit feiner kompletten Ligaeis an, so dah den Anhängern unseres Sports ein schönes Spiel bevorsteht. — Am Sonntagvormittag veranstaltet der V. f. 2. seine leichtathletischen Dereinswettkämpfe, wobei verschiedene Stafetten zum AuStrag kommen. (Siehe Anzeige.) — Die Frühjahr «-W ettkämpfe der Berliner Hochschulen fanden am Mittwoch auf dem Hochschul-Sportplay im Grünewald statt. 3n den gut besetzten Wettbewerben wurden saft durchweg hervorragende Leistungen gezeigt. Da« 800-Meler-Mallaufen gewann in Abwesenheit de« Meisterläufers Köpke der Stettiner Peltzer in der glänzenden Zeit von 1:58,4 Nachstehend geben wir die Sieger der Hauptwettbewerbe: 1500- Meter für Jun Glückmann (v L. E.) 4:22,2. 100 Meter für Ans.: Wetzel (Zehlendorf) 11,7 Sekunden: 110-Meter-Hürden Seier (A T. B.) 17.8 Sek.: 1000 Meter für Ans. Dusle (A T. V.) 2:41.4. 100 Meter für Damen: Frl. 'l>assavanl (B O.E.) 13,1 Sek.: 100 Meter: Heick (Pr. Hochsch. f. L.) 11.1 Sek. 400 Meter für Hun.: Wandel (A. T. D.) 55.4 Sek. Olympische Staffel: Universität Berlin 3:44.1. 3 mal 1000 Meter für Ans.: A.T.D. 8:40.7. 3mal 1000 Meter (offen): A. T. V. 8:40,1; 4 mal ICO Meter. Pr. Hochsch. s. L. 45.4 Sek. Weitfprung für alte Aictd.: Dr. Fränkel (S. C. E.) 5.60 Meter. ICO Meter für alte alte Akad: Dr. Fränkel 11.9 Sek. Kugelstoben für Damen: Frl. Henoch (D. 6. C.) 7,79 Meter. — Die ersten Fußballmannschaft ten für die Deu t f che n Kampfspiele. Zu den im Rahmen der Deutschen Kampffpiele stattfindenden FustbalMmpfen um den Kampf- spi^l-Pokal zwischen den sieben Landesverbänden des D. F. D. geben die Verbände von Südvst- und Nordostdeuts ivarl. durch t ^uslose die Den. auch der sein. (®t lmge in Die auch in fahren teftiert die vol deutsche! band sei allen ge ex dere Tetr 4894c Herrenmodehaus Otto Pohle ^larktstrasse 2i Giessen 21 Marktstrasse Eröffnung Mitte nächster Woche! Beachten Sie meine demnächst erscheinende Speziai-Preis-Annonce I Aelterer Student sucht aut möbliertes Zim mer per sofort. Schr. Angeb. nnleru5l52a. d. Gleb- Anz. {Stellenangebote) Tuch ige MSMMk gesucht. 4930 Möbelfabrik Karl Hahn, Gießen. Weißbinder sucht H. Zimmer, 05180 Ludwigitraije (12. Zwei jüngere *eta Lsjkiißkrgehilfci! können sofort cintreten. Lvcnglerei und JustaUatiousges bäit Imhof, Schotten. Miittlkhlli^ für sofort gesucht. 05054 Wilb.M vier, Gärtnerei, Wtesecker Weg 10. Aclt. scldt. 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Beerdigung Samstag nachmittag 3 Uhr von der Kapelle des hiesigen Neuen Friedhofs aus. Von Beileidsbesuchen bittet man abzusehen. Heute entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Repp im 61. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Repp. Gießen, Nieder-Ohmen, den 18. Mai 1922. Die Beerdigung findet Samstag, den 20. Mai, 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 4919 tactap 54 Zoll iFabr. Rouüon u. Brollon», säst neu, ganz billig abAugeben. Ebenso daselbst ein FLi« ganz neues 4>olA()bln.Wäohtershanier Gut erhalt, sechssitziges Break Awei- und etnspänn. fahrbar. preiswert zu verk. 4832 Näh. Licbigstr. 49. Ein fast neuer, leichter Auhwagen auch für Einspänner eingerichtet. zu verk. 05168 Wihmar, Haus 9ir. 70. Cho. Inderthal, _______Diezstra:e 14. Ordentliches »Mäh tn kleinen Haushalt nach Frankfurt a. SJ)L gegen hob n Vob» gesuch-. Näheres b. 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In seinem Berufe unermüdlich bis zuletzt tätig, bleibt er uns allezeit ein leuchtendes Vorbild treuester und hingeberister Pflichterfüllung. Wir werden ihm ein treues unvergeßliches Gedenken bewahren. »Glocken braüchen’s nicht verkünden, Boten nicht zur Leiche bieten, Alle Herzen fühlen es, daß ein lieber Mensch geschieden.» Die Beamten, Angestellten und Bediensteten der Landes-Heil- u. Pflegeanstalt nebst ihren Familien. Gießen, den 19. Mai 1922. 4918D Nr. HZ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gveryeffen) Hreltag, 19. Mai 1922 Deutscher Reichstag. 215. Sitzung, tiormittog* 11 Uhr. Be'rlin, 18. Mai 1922. Der Entwurf über den Schuh des Urheberrechts von Angehörigen der Bereinigte., Staaten auf der Grundlage der Gegenseitigkeit wird in allen drei Lesungen angenommen Die Gtn-elberatung des Haushalt« de- ReichSarbeitSministeriums wird sodann fortgesetzt. Zur Erledigung kommen zunächst die Enischllestungen. welche sich auf die Jugendfürsorge b^iehen. Abg. Schreck (Soz.) fordert ein Gesetz, wonach Jugendliche und Lehrlinge unter 16 (Zähren täglich nicht über sechs Stunden. Jugendliche und Lehrlinge über 16 Jahren nicht über acht Stunden arbeiten dürfen. Pflichtschule und-Aufgabearbeiten sind in die Arbeitszeit einzurechnen. Der SamStagnachmittag muh frei bleiben. SoWner- urlaub muh gewährt werden. Alle gesetzlichen .Zugendfürsorgebestimmungen sind bis zum vollendeten 18. Lebensjahre auszudehnen. Kinder unter 14 Zähren dürfen in Gewerbe- und Handelsbetrieben überhaupt nicht beschäftigt werden. All« der Reichs Verfassung widersprechenden Beschränkungen der Vereins- und Dersammlungs- srelheit sowie die väterliche Zucht des Lehrherrn sind aufzuheben. Abg Diener (D.-Rat.) will mit den An- toagstellern ein Stück Weges zusammengehen, soweit eS sich wirklich um Zugendschuy handle. Zugendfang mache er nicht mit. Er fordere deshalb ein Gesetz über die Ausbildung der Zugend- ltchen in allen Wirtschaftszweigen. Bei Abzug der Schul- und Freizeit blieben den Lehrlingen geoade 20 Stunden wöchentliche Arbeitszeit Damit sei eine Ausbildung zu tüchtigen Menschen unmöglich. Auch die 2ll>schwachung der verantwortlichen Stellung des Lehrherrn sei ein Krebsschaden. Die heutige Zugend sei sowieso schon zuchtloS genug. Abg. Frau Wurm (II. 6.) will keinen Zugendschutz nach mittelalterlichem Rezept und protestiert gegen die übermäßige Arbeitszeit der Mädchen im Haushalt und gegen die Lehrlingsausbeutung, an der nur die Lehrmeister die Schuld trügen. Abg. EsserS (Ztr): Die Folgerung des Sechsstundentages für Lehrlinge ist lächerlich, ebenso die Forderung, die Lehrlinge unter die Tarife und Arbeitsgerichte zu stellen. Wir lehnen jedes Rütteln an den Grundsätzen des Lehrver- hältnisseS ab. Abg. Deythien (D.Dpt.) dankt den Sozialdemokraten dafür, dah sie endlich dem Handwerk die Augen darüber geöffnet haben, wie wesensfremd sie ihm gegenüberständen. Wir hätten alle Veranlassung, das Gute aus der alten Zeit in der neuen Zeit zu erhalten. Qualitätsarbeit lasse sich nur durch bessere Ausbildung der Lehrlinge erzielen. Handwerkerkunst sei persönliche Kunst, innerlich mit dem Handwerk verbundene Arbeit. Dazu wollen wir die Lehrlinge bringen. Alles, was hier vorgebracht wurde, sei agitatorisch. Seine Pariei lehne die Entschließung entschieden ab. Minister Dr. Draun geht zunächst auf die bisherigen Reden ein und dankt für die Anerkennung, die dem Ministerium gezollt wurde. Dem Abg. Karsten gegenüber betonte er, daß man eine schematische Gleichstellung der Arbeitszeit in der Praxis nicht durchführen Birne. Beispielsweise sei eine andere Arbeitszeit der HauSgehilsen und der Krankenpfleger eine Selbstverständlichkeit. Wenn die Freunde Karstens internationale Streitigkeiten durch Schiedsgerichte beseitigen wollten, wäre doch auch im wirtschaftlichen Kampfe ein solches Verfahren durchaus vernünftig. Der Minister prv- i cftiert sodann gegen den Abg. Molden Hauer, der die volle Anerkennung des Ralionalverbandes deutscher Gewerkschaften verlangt habe. Der Verband fei doch nichts weiter als die Fortsetzung der alten gelben Bewegung, die trotz ihres Ramens gar nicht als Gewerkschaft anzusprechen sei. (Zuruf bei der Deutschen Volkspartei: -Unerhört!) Andere Gewerkschaftsvertreter würden mit dieser Organisation gar nicht gemeinsam verhandeln. Wenn die iXodlitiDngfreibeü etwas Gutes sei, was auch die Deutsche Dolkspartei anerkannt habe, könne auch der Zwang unter Umständen nicht verwerflich sein. (Großer Lärm rechts.) Die Entschließung übet das Lehrlingswesen sei zur Zeit bedenllich, da ein Gesetz über die berufliche Ausbildung der Lehrlinge in Aussicht genommen sei. Die Resolution Schreck (Soz.) über das Lehr- ltngswesen wird nunmehr gegen die Stimmen der sozialistischen Parteien abgelehnt. Daraus beginnt die Aussprache über das Sozia (Versicherungswesen. Abg. Kaiser (Soz.) führt aus, daß wir unS, solange eine gründliche Reform zur Ver- eftcheitlichung des Versicherungswesens noch nicht möglich sei, mit einzelnen Ro veilen begnügen müssen. Diele kleine Sonderkassen, besonders die Bergknappschaftskassen, müßten in den großen Kassenverbänden aufgehen. Die Landarbeiter- Versicherung müsse weiter ausgebaut werden, die obligatorische Zwangs Versicherung sei unerläßlich und die Unfallversicherung müsse xm Znteresse der Arbeiter weiter auögetxiut werten. Abg. Lambach (Dtschntl.) tritt für die Erhaltung der 2bxgeftelItenDcrfitßcrung ein, weil "die Angestellten befürchten, daß durch ein Aus gehen in andere Kassen ihre berechtigten Ansprüche nicht befriedigt werden können. Rochdern Abg. Karsten (USP.) noch für beschleunigte Ausbesserung dec Rentenempfänger eingetreten ist, wird dieses Kapitel genehmigt. Beim Kapitel .Arbeiterschutz" fordert Abg. Girbig (Soz.) Durchführung des Achtstunden- tages für die Glasarbeiter und technische Maßnahmen, welche die Gefahren ihres Derufes vermindern können. Abg. 51 ck (Dem.) sieht die Möglichkeit einer Reduzierung der Unfälle auf dem Wege der Selbstverwaltung, wobei Fabrikanten, Berufs- genossenschasten und Gewerkschaftsvertreter Hand in Hand arbeiten müßten. Rachdem Minister Dr. Braun ein Eingreifen wegen der Richtbeachtung des Achtstundentages in der Glasindustrie zugesicheri hatte, wird eine Entschließung Molden Hauer (D. 2p.) über Herbeiführung einer gemeinsamen Beratung zwischcnGlasberufSgenossensäxtsten undDertrctern der beteiligten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen jpir Verminderung der Unfallsgefahren in der TafclglaSindustrie angenommen. Beim Kapitel „Tarifwesen und Arbeiter- recht" spricht sich Abg. Rosemann (USP.) gegen das Dergarbeitszeitgesetz aus, wenn es nicht die siebenstündige Arbeitszeit für die Bergarbeiter enthalte. Wenn tatsächlich die achte Arbeitsstunde, die bisher als Uebei-schicht doppelt bezahlt wurde, zur regulären Arbeitszeit gemacht werde, werde die Arbeiterschaft versagen. Rur durch Erweiterung der Rechte der Betriebsräte und die Gewährung des Mitbestinxmimgsrechtes könne die Kohlenförderung geftärft werden. Abg. Dreh (Soz.) lehnt namens der Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften den neuen Entwurf der Schlichtungsordnung ab und fordert, daß angesichts des Kampfes im Zementgewerbe; ein ernstes Wort mit den Arbeitgeberorganisationen gesprochen werde. Abg. Schimmelpfennig (D.-Rat.) verweist darauf, daß die ponxmerscA ArbeitnÄhmer- gruppe des Landbundes zum Rationalverband deutscher Derufsvertretungen gehöre, gegen welchen der Minister vorhin feierlichst Stellung genommen habe. Durch diese Stellungnahme sei ungeheure Erregung entstanden. Wenn der Minister den Kamps haben wolle, so solle er ihn haben. Der Minister habe aus der Koalitionsfreiheit Koalitionsunfreiheit gemacht und aus der Freiheit den Zwang. (Lachen links.) 3m weiteren Verlaufe der Debatte gibt Abg. Dr. Moldenhauer (D. Dpt.) feinem Befremden über die Stellungnahme des Ministers zum Rationalverband deutscher Gewerkschaften Ausdruck. Die Bezeichnung „gelbe Organisation" sei für die Mitglieder dieses Hauses, welche Vertreter dieser Organisation seien, eine Beleidigung. Minister Dr. Braun erwidert, e3 habe ihm fern gelegen, einem Organisationszwang mit den illegalen Mitgliedern das Wort zu reden über die betreffenden Artikel der Reichsverfassung. Es bestehe eben eine MeinungsVerschiedenheit. 3m weiteren Verlauf der Debatte wird von der Vertretern der äu*>erften Linken eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit für den Bergbau auf sechs Stunden gefordert. Es sprechen noch die Abgg. Malt zahn (Komm.), Winnefeld (D. Dp), Z ans check (Soz.), Teferl (D. Bp.), Oettinghaus (llSP.). Adams (D. Bp.) und Schmidt- Köpenick (Soz.) Gegen 9 -Ufyr wird dann das Kapitel Tarif- wesen angenommen und der Gesetzentwurf über die Arbeitszeit im Bergbau an den Ausschuß verwiesen. Morgen vormittag 11 Uhr: Anfragen and Weiterberatung. Aus Hessen. Die dritte Zahrestagung der LandeSgruppe Westdeutschland der Liga zum Schutze der deutschenKul- t u r findet in Gießen am 7., 8. und 9. Zuni statt. DieSakramentshex. Roman von Marie Kerschen st einer. 23. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Dild Oki) Bild zog das Erlebte noch einmal an ihrem Geist vorbei and ließ Aengste und Lüste noch einmal über sie hrnschaaern. 11 nb schließlich verfiel sie ins Rachdenken. Wer war der Mann und was suchte er in dem verhaßten Dorf? Grübelnd rang sie, daS Rätselhafte za begreifen. Und da es nicht gelang, hielt sie ihm den Spiegel ihrer Seele hin. Und Heiners Dild leuchtete daraus hervor tm märchenhaften Schm ick ihrer Phantasie. Zetzt fragte sie nicht mehr, letzt wußte sie: Königssöhne schreiten wie er- Konigssöhne sehen in die Welt, so warm und hell, wie ein Sommertag! 3hr Herz schlag zum Zerspringen. Mit beiden Händen hielt sie die Augen zu, daß sie mge- ffört kommen konnten, all die Bllder prtnzlxcher Gestalten, die die geistigen Gespielen ihrer Kindheit waren. Faden am Jagen entzog sie dem Alterinnerten und spann ein neues Gewebe daraus, das alle Perlen ihres Herzens mitverwob. Königssöhne, das waren Freudenbringer! Lrid- crLöferi Zogen irrend durch die Lande, gehorchend einem Zwang, der ihnen selbst ein Rätsel wart . . Mägdelein waren es, die sie sachten, . . - arme, gehaßte, ins Erdreich verbannte! So. wie wie sie eines war! Sie kannten sich, eines das andre, nicht . . . spürten nur an dem geheimnisvollen Zug ihres Herzens, wenn es der Rechte war! ... Und plötzlich ein Gedanke, der wxe ein Blitz durch ihr Hirn jagte, heißestes Erschrecken in ihr auslösend! Wenn sie die Rechte warel'e 3hre Hände umkrampften die ©Lifterrufen, es war ihr, als ob Lasten and aber Lasten von ihrer Seele' fielen. Als ob ihr Herz aufftxege in schwindelnde Hohen, wo es hell war and nichts als hell, hell, hell! Aber gleich wieder sant ihr Mut aus der lichten Hohe, dahin, wo es ^tiefst in ihrem Herzen war: Wunderlieblich und schon maßten die verwunschenen Mägdelein sein! So wohl, wie das Erdbeerlein, das da unten den glutroten Kopf durch den Wald seiner Blätter schob, den Kutz der Sonne zu empfangen! . . . War sie schon? Woher sollte sie es wissen, niemand hatte es ihr je gesagt. Aber wäre sie schön, wer hätte sie dann gehaßt? . . . Das Schone mußte man lieben, man mochte wollen oder nicht! Deshalb war es nicht möglich, daß sie schön war! Deshalb konnte sie die Rechte niemals sein!-- Gedrückt, versonnen ging Lene in der nächsten Zeit umher, daß die Alle ob der Veränderung den Kopf schüttelte Oft nahm sie sich vor, das Stäle zu fragen, ob sie schon sei, aber die Scham schloß ihr den Mund. Und doch kamen dazwischen noch Augenblicke reinster Hoffnungsselxgkeif, dann, wenn sie in ihr Herz hineinhorchte, und bann wunderbare, neue Klänge vernahm Ob das der Zug des Herzens war, von dem es hieß, daß er die Rechten verband? — Wenn ja, bann, — bann mußte er toiebertommeni lind Lene wartete Tag um Tag. Es gab einen Fleck auf der Psanburg, den Heiner über alles lieble. Das war die Turm- stube, die er sich als Schlafrcwm eingerichtet hatte'. Diese Stube bildete ein Kreisrund and war so flein, daß mit Rot das Bett und exn l Tisch darin Platz fand. Aber sie hatte nach Aus Stabt und Land. Gießen, den 19. Mai 1922. C. 1L Von der LandeSuniversität. Die letzte feierliche 3mmotritdldtion für kas Sommersemester findet am Samstag, den 20. Mai, mittags 12 Uhr, pünktlich im Großen Horsaaale der Universität statt. •• Personalien bei der Staatsanwaltschaft. Kanzleiassistent Ferdinand Stvy und Registrawr Otto "Heuer wurden zu Zustizsekrefären, Kanzleiasststent Albrecht Härtel zum Oberassistenten ernannt. — Kanzleiassistent Otto G u t j a h r hat die Prü- sung für die Sekretäre bei den Justizbehörden bestanden. " Für das Gießener Stadt- t heater ist im neuen Staatsvoranschlag eine Zuschußsumme von 200 000 Mk. eingesetzt. * Reuanstrich der Briefkasten. Zn den nächsten Tagen werden die Briefkasten in der Stadt neu gestrichen. Vorsicht bei ihrer Benutzung und beim Dvrubergeyen ist daher angebracht. Kreis Schotten. * Ruppertsburg, 18. Mai. Zn diesen Tagen fanden in Ruppertsburg, Lau- bach und Schotten Versammlungen von Parteimitgliedern und Sitzungen des Deutsch- nationalen KretS-Wahlausschus- s e 6 statt, bei denen sich der für Oberhessen neu angestellte Partei-Sekretär Liebscher vorstellte. Bei allen Sitzungen waren auch leitende Mitglieder des Bauernbundes anwesend. Starkenburg und Rheinhessen. rm. Darmstadt, 18. Mai. Die Stadtverordneten genehmigten heute für die vermehrte Tätigkeit des Amtes für Leibesübungen einen Kredit von 140 000 Mk. Der Verwaltungsbericht für die Rechnungsjahre 1916—1918 wurde nach einem Vortrage des Stadtv. Dr. R ö l l n e r genehmigt und dem Oberbürgermeister Entlastung erteilt. Für die Anlegung einer neuen automatischen Stadtfernsprechanlage mit einer Zentrale im Stadthaus und etwa 45 Rebenstellen in der Stadt und Umgebung werden 3 900 000 Mk. bewilligt. Für Den Ankauf von Kunstwerken auf der demnächst zu eröffnenden Deutschen Kunstausstellung auf der Machil- denhöhe wurden 25 000 Mk. genehmigt, doch soll die Ankaufskommission berechtigt sein, in geeigneten Fällen auch darüber hinaus zu gehen. wd. Bensheim, 18. Mai. Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde in der Pfuhlgrube einer Hvfreite in der Friedhof straße am Dienstag gefunden. Rach den Feststellungen des GerichtsarzteS hat das Kind nach der Geburt gelebt und wurde gewaltsam getötet. Als K i n d S m ö r d e r i n kommt ein junges Mädchen in Betracht, das sich feit drei Tagen aus der elterlichen Wohnung entfernt hat. Zhr Aufenthaltsort konnte bisher noch nicht ermittelt werden. fpd. Offenbach a. Q2L, 18. Mai. Rach reichlichem Alkvhvlgenuß bestiegen vier Personen aus Bürgel ein Doot und fuhren von Fechenheim „schwer beladen" der Heimat zu. Zufolge der starken Schwankungen kippte das Boot um und sämtliche 3n° fassen fielen ins Wasser. Das Bad brachte das Quartett sofort zur Besinnung, das nun aus Leibeskräften zu mitternächtlicher Stunde um Hllfe schrie. Rahezu 15 Minuten schwammen die Verunglückten im Strom, an dem gekenterten Boot sich anklammernd. Schließlich kam Hilfe ßerbei und brachte die bereits mtt dem Tode ringenden Leute aufs Trockene. ' Offenbach a. M., 15. Mai. Der Gedenktag an die vor 25 Zähren erfolgte G.ründung des Znf.-Regts. 16 8 war dazu ausersehen, ein frohes Wiedersehen der ehem. 168er zu fein. Aus allen Gebietsteilen strömten die Regimentskameraden, Mannschaften wie Offiziere, herbei, beim Fest- kvmmers erwies sich die mächtige prächtig geschmückte Turnhalle in der Goethestraße nebst angrenzendem Saal schier zu klein, alle Teilnehmer zu fassen. Die Begrüßungsansprache hielt Franz Plettner, der Vorsitzende der Offenbacher Vereinigung, und des allen Seiten hin hohe, schmale Fenster, so baß Heiner von seinem Lager aus den Cinbruck hatte, als hinge er freischwebend im Raum und bxe weite Heide sex sein Schlafgemach. Eine nxedrige Tür führte in eine anstoßende, spukhaft aix- mu lende Rumpelkammer, auf der der Staab von Zahrhunderten ruhte. Die zerbröckelte schmale Mauettreppe, von der nur noch bte unterste Stufe vorhanden war, mochte vor langer Zeit aaf die Zinne des Turmes geführt haben. Das ließen die Spuren vermuten, die in aufsteigender Anordnung an der Mauer klebten, wie steingewordene Schwalbennester. Heiner hatte eine Vorliebe für dieses Türchen und was dahinter lag. Es gemahnte an alle ^Raubritter und er las ihm vor dem Einschlafen gern seine Geschichten ab. Wenn der Sturm des nachts über die Heide fegte, bann pflegte er durch die offenen Lücken in das Turminnere zu stoßen, in heulendem Wirbel die tote Kammer zum Leben erweck rnd. Dann Hub ein Aechzen und Stöhnen an, ein Chor von schnaubenden, kreischenden S immen, ein Poltern und Krachen, wie das Hohelied böser, unerlöster Seelen. Dann lebte bas Türlein in seinen Angeln unb gab einen winrmernben Laut, schien mtt letzten Kräften gegen die unholde Liebermacht zu kämpfen, die den Eintritt ui die Burg erzwingen wollte. 3n den ganz stillen Rächten aber konnte Heiner dort ein heimlich vibrierendes Leben vernehmen, wenn er nur tool'*?. Rur stille mußte er liegen, die Augen geschlossen inb ganz dem Lauschen hingcgeben. Dann schien sich in dem Kämmerlein ein leises Sichbegeben zu vollziehen, dann hörte er's wie sanfte, haschende Tritte, treppcLrf, tteppab. Ein unfaßbares Hin und Her von flüsternden Stinrmen, ein heimliches Flüchten und Sichhafchen, wie der auferstandene Siebes tramu längst vermoderter Frauen, die einst Verbandes, die Festrede Generalmajor von Pfeil. Die Orstgruppe Gießen ließ durch ihren Vorsitzenden Stang eine prächtige, vou einem krxegsbe schädigten FeldzugStellnehmer angefertigte, Urkunde überreichen. — Erbebend war die Gedächtnisfeier auf dem Friedhof. Die Geistlichen, Pfarrer Schneider, Kaplan Schäfer und Rabbiner Dr. Dienemann richteten ergreifende Worte an die Trauerversammlung über die Dankesschuld, die wir den Toten abzuttagen haben und über die Verpflichtungen für die Lebenden. Die tief empfundene Gedächtnisfeier machte aus die nach Tausenden zählende unübersehbare Menschenmenge einen nachhaltigen Eindruck — Rachmittags fand ein Festkonzert und am Abend folgte ein weiteres Konzert durch bk Stadtkapelle, bei dem noch durch Gesänge von Fräulein Wolf und durch hübsche Tänze der 7jährigen Lvlo Keppler und des ©ürtler Duos von Frankfurt der humoristtsche Teil bestritten wurde. Als Schluß des Programms richtete Herr Stang von Gießen noch einige Worte an die Festversammlung, in denen a besonders der heute noch in französischer Gefangenschaft schmachtenden deutschen Kriegsgefangenen gedachte. — Dm Montag schloß eine kleine Rachfeier mit Tanz die in allen Teilen wohl gelungene Tagung. Hessen-Nassau. Mill ioxx end etrugereiea. fpd. Frankfurt a. M., 18. Wat. Der angebliche Fabrikant Richard Linden aus Solingen hat bei angeblichen Häuserkäufen in Düsseldorf Betrügereien in Höhe von nahezu 2 MUlionen Mark begangen. Linden ging flüchtig, konnte aber noch nicht ergriffen werden. Dagegen wurden in Köln ein Mann und eine Frau, die mit Linden zusammen arbeiteten, festgenommen. Bei dem Mann wurden noch rund 400 000 Mk. vvrgefunden. Die weiteren Ermittelungen nach Mittätern führten nach Frankfurt a. M^ wo ebenfalls einige Verhaftungen erfolgten. Auf die Ergreifung des Hauptschwindlers ist eine Belohnung von 150 000 Mk. ausgesetzt. Reichsgerichtsbrief. rz. Leipzig, 17. Mai. DaS Landgericht G i e ß e n hat am 21. Oktober 1921 den Studenten und Apotheker Ernst HarSleben von der Anklage der versuchten Erpressung und Beeidigung freigesprvcden Er hatte an seinen früheren Lehr Herrn, den Apothekenbesitzer Dr. 3C. eine Anzahl Briefe geschickt, in welchen er ihm in einex wenig zarten Weise vvrschlug, seine Apotheke an ihn zu verkaufen HarSleven hatte luiiäw/ erfahren, daß dem Dr. T. von der Gießener Medi- zinalbehorde wegen verschiedener Verflöße In seinem Betriebe angevaten worden war. sein Geschäft zu verkaufen und die Stadt zu verlassen. 3n seinen Briefen hob er hervor, daß er nur im Interesse der Gießener Bevölkerung handle, und daß er diese nur vor wetteren Schäden be- wahren wolle Auch versuchte er ihm klar zu machen, daß er jetzt noch bedeutend günstiger verkaufen könne, als später, wenn seine Apotheke erst in Mißkredit gekommen wäre. Da Dr. T genau wußte, daß Hersleben nicht in der Lage war, den Kaufpreis — es handelte sich um rund 800 000 Mk. — selbst aufoubrtngerx, schrieb er ihm, er solle ihm den Käufer selbst nennen. Harsleben antwortete darauf, In diesem Falle müßte er erst eine Provision von 5000 Mk. zugesichert bekommen. Die Anklage war der Ansicht, daß der Angellagte durch die versteckten Drohungen mtt einem Hebel den Dr. X zum Verkaufe seiner Apotheke an ihn, den Angeklagten, zu veranlasse» gesucht habe, wobei davon auszugehen sei, Dal» der erstrebte Vorteil, dec Besitz der Apotheke, ein rechtswidriger gewesen wäre. Außerdem wurde in dem 3nhalte der Briefe eine Beleioiguna erblickt. Das Landgericht sah jedoch einen strafbaren Tatbestand nicht für erwiesen an und sprach den Angellagten frei. Gegen dieses Urteil hattt die Ltaatsanwaltschaft Revision eingelegt. Sie behauptete, das Gericht habe den Begriff der Beleidigung verkannt. Das Reichsgericht verwarf jedoch die Revision als unbegrünbet, da dem Angellagten nicht nachgewiesen werden konnte, daß er als Strohpuppe im Auftrage von Drahtziehern gehandelt habe. Beleidigungen enthalten die gesamten (Briefe nicht, sondern nur fortgesetzte Warnungen. Auch die geforderte Provision entspreche der Verkehrs! ttte. mit liebendem Auge dort droben auf der Burgzinne der Heimkehr des Liebsten entgegengeharrt. An einem solchen stlllen Abend tag Hemer lange, zwischen Wachen und Traum, angelleid et aufs Bett gestreckt und lauschte. Die yerbgewürzte Rachtbuft flutete durch die weitgeofsneten Fenster aus und ein und lullte ihn schließlich in traumlosen Schlaf. Plötzlich war ihm, als ob eine Gestalt, schlank und wesenlos, einer Säule auS Flimmer und Dunst gleich, an fern Bett träte. Zhr Gewand war fließend und nebelgleich, thr Antlitz schimmernd und groß. Sxe neigte das Haupt über den Schlafenden, so daß ihr Gesicht wir ein Teller aus Milchglas über dem seinigen schwebte. Es war ihm als ob ihr zwingender Blick den Schlaf von feinen Lidern zöge, wie ein Tuch. 3n plötzlichem Wachsein schlug Heiner bte Augen auf. Die spukhafte Gestalt war verschwunden, aber der Vollmond schien ihm grell tnB Gesicht. Draußen lagen Dorf unb Heide fart^ los tm weißen Mondschein. Rur Licht und Schatten hoben die Dinge in scharfen Um- rissen voneinander ab. Verlockend wirkte das stimmungsvolle Bild, unb Heiner widerstand ihm nicht. Er stand auf und ging ins Frere. Rahm den Weg, der dem Walde näher lag als der Heide. Von da grüßte der kleine Gottesacker herüber, der am Waldsaum lag. Schattend neigten sich die dunkeln Fichtenarme über das umfriedete Gelände. Zn der ganzen Weite war kein Laut, nur das Zirpen der Grillen, das Heiners Schritt übertönte. (Fortsetzung folgt) Schlichtirugsausschutz der Provinz Oberhessen. Verhandlung vom 18. Mui 1922. LrerunddreiLig Bau g e s chäf ten in Alsfeld. Lauterbach, Schlitz usw. wurde aus- gegeben, vom 16. Mai bis zum 15. 3um 1922 die Löhne zu zahlen, die durch den Nachtrag vom 26. April 1922 zum Lohn- und Ardeitstaris für das Baugewerbe in der Provinz Hessei'.- Aassau, dem Freistaat Hessen usw. vom 21. Ouli 1920 für die Zeit vom 4. bis 24. Mar 1922 in Lohngruppe IV fest gelegt sind. Der Stundenlohn dec Maurer beträgt hiernach 21 Mk. Den Arbeitern der Kieselgurgruben Ober- v f l e i d e n und Altenschlirf der Firma Grünzweig u. Hartmann und der Freiherrlich Riedesel schen Kieselgurgrube Sternfurt (Kreis Lauterbach) soll vom 1. Mai an 12 Mb, und vom 16. Mai bis zum 15. Hum 1922 15 Mk. Stundenlohn gezahlt werden. 3n beiden Sachen erhielten die Parieren eine Woche Erklär ungsfc ist. Kir^lichs Nachrichlsn. Israel. Aeltgionsgemernde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, den 20. Mai 1922. Dorabd. 7.45. Morg. 8.30. Abds. 8.25 und 9.05 Hör. Israel. Religtons - Gesellschaft. Sabbatfeier den 20. Mai 1922. Freitag add. 7.25. Samstag vorm. 8.00. Nachm. 4.00. Sabbat-- cru^gang 9.05. — Wochengottesdienst morg. 6.00, abds. 7.00 Hör.-- Handel- Berlin, 18. Mai. Dvrsenstim- muugsb ild. Die heute ausgesprochener zutage tretende Versteifung der Devisenpreise, wobei aber zu bemerken ist, dah die Umsätze am Devisenmarkt nach wie vor klein bleiben, gab auch Anlaß zu erhöhter älnternehmungs- tst am Aktienmarkt. Diese bewirkte durchschnittlich eine Erhöhung des Kursstandes um 10 bis 30, vereinzelt auch darüber. Kattvwitzer 125. Einige wenige Kursnachlässe von 10 bis 20 konnten den Unverkennbaren Eindruck der festeren Grundstimmung nicht beeinträchtigen. Als aber nach Erledigung der Kaufdeckungs- aufttäge neue Ordres nicht eingingen, da das Privatpublikum im Großverkehr und im Ein- heitskursmartt in Zurückhaltung verharrte, bröckelten die Kurse teilweise wieder fast allgemein ab und es herrschte wieder die beinahe alltäglich gewordene Geschäfisstille. Eine Ausnahme hiervon machten lediglich die Auslandsrenten, von denen Mexikaner bis 200 an- zvgen, und die ungattschen Anleihen, besonders Gvldrente (plus 30) und türkische Papiere bei zeitweise regen Umsätzen ihre ununterbrochene Aufwärtsbewegung wieder aufnahmen. Austriarenten waren dagegen vernachlässigt, teilweise schwächer; heimische Rentenwerte veränderten ihren Kursstand nicht erheblich bis auf die Schutzgebietsanleihe, für die wieder einmal rege Kauflust bestand. Frankfurt a. M, 18. Mai. Börsen- stimmungsbild. Fast die gleichen Motive, die der Haltung des Devisenmarktes zu Grunde lagen, bestimmten die Spekulation am Effektenmattte zur Zurückhaltung. Cs will keine rechte Hnkerneh- mungslust auskommen. Man folgte anfänglich der /'festeren Tendenz des Dvllarturfes, der sich In den Vormittagsstunden etwa auf 290—292 bewegte und * dann aus 295 anstieg. 3m freien Verkehr bestand etwas Äachfrage für Deutsche Petroleum 2150, 2175—2225. Mansfelder Kuxe 22 000. Hansa Lloyd 255. Benz 490. Der Mvntanaktienmarkt verkehrte von vorn eherein bei vorwiegend festerer Tendenz. Zu Kurssentung fam es zu Beginn in Oberbedarf, minus 10 Prvz. Dagegen Harpen er und Deutsch- Luxemburg anziehend. Am Markte der Auto-, Schweizer Franken London etn- Drief 18. Mai. 17. Mai. Datum: 2431,95 5351.75 Lio de Janeiro 4019, - 23.80 r Fr. 125.40 1185, 751, 695, 678, 100 100 100 100 100 1155, 750, 687, 1,83 0.89 1.66 100 Fl. 100 Mk. 100 Kr. 100 Kr. 100 Fr. 1 £ 202.25 L77 0.65 9.97 47.37 23.22 29.80 43.20 0^6 521.76 1.87 0,13 610, 515, 432, 79, 765, 6.62 75 7425,30 595,25 1526,95 1290,65 2:19,62 2643,30 5561,95 4550,70 2,97 653,20 36,85 106,90 213,30 137,25 4031,- Bad.Anilin-u. Soda Höchster Farbwerke. Allg. Elektr.-Ges. . Felten L Guilleaume Schuckert-Werke. . . Adlerwerke Daimler 4°-0 Hess. Staatsanl. Electron Griesheim Dtfche. Vereinsbant 685,-. 660,- 858,- 600,- 504,- 435,- 80,- 769,- 224, - Brüffel-Antw. . Ehristiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helstngfvrs. . . 3talien London Reuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr» Prag Budapest Buenos Aires . Bulgarien . . . Japan 829,- 605,- 5£,4( — 443,- 78,60 765,- 18,37 1,29 Hb 18.5. 1,77 0,87 1.66 1,34 3282 50 17,75 1.31 -.34 3,69 202.55 1.79 0.05 10.- 47.55 23.21 27.25 43.35 0.67 521.- 1A0 0,13 17.5. 77,50 96.50 110,- 87 - 403,- 320,- 300,- 297,- 599,75 433, — 315,25 263.- 300,- 100 Kr. Märkte. 18. 5. 77,50 95,- 109,- 83,50 406.- 324,- 300,- 297,- 602,- 433,50 315,25 262,- 298,- Datum: 5"/,Dtsch.Kriegsanl. 4°/,Dtfch. Aeichsanl. 3"/oDtsch. Aeichsanl. 4°/0 Pceutz. KonsolS Hamburg-Pakets.. . Norddeutscher Lloyd Somm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconto-Gesellschaft Dresdner Ban!. . . Mitteld.Creditbank. Nationalbank f. D.. Boch. Gußstahlwerke Bud - Eisenw.- Akt.. 5498,10 6307,10 7555,50 613,20 1533,05 1315,85 293,63 2671,65 5622,95 4604,23 3,55 567,25 37,25 108,22 223,70 138,- 4G44,- 262,50 301,- 1080,- 780,- 966.- 7405,70 596,75 15205 1287,35 288,88 2638,70 5548,35 453 -30 2,93 551,80 36,75 106,60 212,73 136,75 6322,90 7584.50 6H,80 1536,95 1319,15 281,37 2678,35 5637,05 4615,80 3,9o 568,75 37,35 108,22 224,30 139, - 4056, - Berliner Devisenmarkt, Geld Brief Geld 1014.75 1030,- 1850,- 1820,- 830,50 824,75 660, - 655, Wechsel auf Holland Deutschland .... Wien Prag Pari« London (Italien Brüssel Budapest Aeuyork Agram Warschau 1.7.14. Fr. 125.40 Fl. 59.20 Kr. 88.80 Kr. 88.80 Kr. 117.80 Kr. 117.80 Sh. 97.80 17. 5 77,50 95 90 111, — 81,- 402,25 323. • 301,- 298,- 603,- 436,- Warknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: 830,- 995,- 1035,- 1830,- 830,- 675 - 1199,- 758,- 695,50 679,- 848,- 625,- 527,- 449,- 78,- 780,- 224. Frankfurter Schweine- und Kleinviehmarkt. Frankfurt a. M.. 18. Mar. (Amllich.) Markwerlauf: Kälber und Schafe wurden frei regem, Schweine bei lebhaftem Geschäft auS- vertzauft. 3m einzelnen ist zu bemerken: Llusge- trieben waren 789 Kälber, 230 Schafe und 407 Schweine. An Preisen wurden angelegt pro Zentner Lebendgewicht: Kälber, beste Qualitäten 2600—2900 Mk., mittlere Qualitäten 2200—2500 Ml., geringe Qualitäten 180C—2100 Ml., gettngste Qualitäten 1500 bis 1800 Mi., 'Schafe 1000—2200 Mk., Schweine, unter 80 Kilogr. Lebendgewicht 2600—3000 Mark, von 80—100 Kilogr. 3000—3400 Mk., von 100—120 Kilogr. 3200—3400 Mk., von 120—150 Kilogr. 3200 bis 3400 Mk.» Fett- schweme, über 150 Kilogr. 3200—3400 Mk. Außerdem wurden 81 Rinder ohne amtliche Preisnvtierung gehandelt. Dir Preise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinne in sich schließen. Lloyd Georges .Rückkehr nach London. London, 18. Mai. (WTB.) Laut .Daily Ehrvnicle" ist gestern etn Telegramm Lloyd Georges eingetroffen, in dem er mitteilt, daß er am Sonnabend oder Sonntag tzi London ein- 2401,95 24)8.05 5368,25 " 6167,25 Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Stockholm . Wien.... Prag.... London. . . Aeuhott . . Parts. . . . L. -- Fr. = Kr. = r --- Kr. — 18.5. 77,50 95,90 109,50 83,- 400,50 323,- 301,- 293,50 606,- 436,- 322,- 262,- 300,- 1090,- b35,- 1096,- 2lmstd -Aotterd 11235,90112641011485,6011514,40 — -- - " ■ * A'O) “=■ 2438 05 5506,90 820, D.-Luxemb. Bergw.. 970, Gelsenktrch. Bergw.. 1007,. Harpener Dergbdu. 1822, Oberschl. Sis-nb.-D. 840, Oberschles. Eiscntnd. 670, Phönix-Bergb.°Äkt. 1150, ” ‘ 745 Kurpark-^sino Bar Tanzpal«tts Diele Wein» und Läköf*s*uben „Hupfeld» Hofei ^ajestic“ AutohaBle 3463D ‘ Stallungen (3n einem Teil der Auslage wiederholt.) Nene Beschlüsse zur Lösung des russischen Problems. Genua, 18. Mai. (WTB., 3n der heutigen Sitzung der Hnterkommission der ersten Kommission, an der die Delegierten (Italiens. Grotz-B^itanniens, Japans, Po'ens, Rumäniens,! Rußlands, Schwedens und der Schweiz teil* nahmen, wurden folgende Deschlüsir gefasst: Es soll eine Konunission ernannt werden, um nochmals die Differenzen za prüfen, die zwischen der russischen Sowjetregierung und den anderen Regierungen bestehen, und um mit der russischen Kommisiion. die dasselbe Mandat hat, ist zusammenzuwirken. Spätestens am 20. 3uni werden die Namen der in der nichtrussischen Kommission vertretenen Mächte und die Namen der Mitglieder dieser Kommission derSowjetregrerung und umgekehrt die Namen der russischen Kom- miffion den anderen Regierungen mitgeteill werden. Die von diesen Kommisiionen zu behandelnden Fragen werden alle vorhandenen Fragen bezüglich der Schulden, des Privateigentums und der Kredite umfassen. Die Mitglieder der beiden Kommissionen sollen am 26. 3unt 1922 im Haag anwesend fern. Die beiden Kommissionen werden sich bemühen, gemeinsame Empfehlungen bzgl. der die Schulden, das Privateigentum und der Kredite betreffenden Fragen zu erreichen. Hm zu ermöglichen, dah die Arbeiten der Korn- miffionen in aller Ruhe von statten gehen und um das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen, werden zwischen der russischen Sowjetregierung und den gegenwärtig mit der russischen Sowjetregierung verbündeten Regierungen einerseits und mit den anderen teilnehmenden Regierungen andererseits Abkommen geschlossen, wonach sie sich aller aggressiven Handlungen gegen die gegenseitigen Gebiete und jeder umstürzlerischen Pro pagandazu ent halten haben. Die Verpslichtung, von allen zutreffen hoffe. Die französischen Schulde« bei Amerika. Paris, 17. Mai. (Havas.) 3n Beantwortung der Note betteffS Bildung eines Ausschusses für die Prüfung der Kriegsschulden hat die französische Regierung die amerllanische Regierung durch Vermittlung der .amerikanischen Botschaft in Paris verständigt, sie sei geneigt, nach den Vereinigten Staaten eine Mission zu senden, an deren Spitze sich der Direktor des Allgemeinen Fvndsdienstes, Parmentir befinden werde, der in der Vage sei, dem genannten Ausschuß alle Auskünfte zu geben, die er für erforderlich halle. Erhöhung der Nachtdienstzulage für Eise«- bahner. Berlin, 18. Mai. Den Blättern zufolge hat das ReichsverkehrSministerium entsprechend einem Anttage der Gewerkschaften die Nachtdienst zu läge für Eisenbahner um 100 Prozent erhöht. Am 19. und 20. Mw werden weitere Lvhnverhandlungen stattfinden. Der Petersdorfer Prozeß. Oppeln, 17. Mai. (WTB.) 3n dem Petersdorfer Prozeß hat der StaatS- anwalt gegen drei Angeklagte die Todesstrafe und gegen drei weitere je 15 3ohrc Zuchthaus beantragt. Die Urteils Verkündigung erfolgt morgen nachmittag 4 Uhr. Maschinen- und Metallwette war die Lage vereinzelt besser die Stimmung aber nicht ganz einheit- lich. Anilmwette waren bei Rückkäufen 10—15 Prozent erholt. Unter den Elettrizitätsaktien waren A.E.G., Schuckett und Lahmeyer befestigt. Zuckerfabrikaktien waren bei mäßigem Geschäft uneinheitlich. Im weiteren Verlaufe trat erneut Geschäftsstille ein. Die Kurse blleben meist behauptet. 21m Einheitsmarkt war die Kursbewegung bescheiden. Schiffahrtsaktien zeigten schwankende Haltung. Die Börse schlieht bei stlllem Geschäft. — Privatdiskont 4>. Prozent. Frankfurt a. M, 19. Mai. Börsenkurse. Frankfurt Berlin Schlutz- Schluß- Schluß- Schluß- Kurs 5Ürrs Kurs Kurs Züricher Deviseumartt. 18. 5. 19. 5» aggressiven Handlungen Abstand zu nehmen, wrtt» gegründet sein auf der Beobachtung des gegen- bärtigen Status quo und wird in Kraft Meibai während einer Dauer von vier Monaten nach Ad- schluß der Arbeiten der Kommissionen. Die Verpflichtung bezüglich der Propaganda wird dieRe- gterungen dazu verpflichten, sich in keiner Form in die inneren Angelegeccheiten der anderen Staaten einzumischen und in dem eigenen Gebiet Versuche zu unterdrücken, die darauf gerichtet sind, gewalttätige Handlungen in anderen Staaten bp vorzurufen, oder solche Handlungen, bie bezwecken, den territorialen und polllischen Status quo zu zerstören. Sonderbettchterstatters der Havasagentur.) Dar- thou besprach sich im Laufe des Tages mit Lloyd George. Es ist wahrschernlrch, daß der Führer der französischen Abordnung die 2luf- merilamleit des Chefs der englischen. Delegttwn auf die Tatsache lenkte, dah, falls die cfin Sonn- tc^i von den einladenden Mächten gefahw En.- scheidung infolge Einmischung der Rus» s en fb geändert werden sollte, die französische Abordnung nicht^mehr die Verpflichtung eingehen könnte, der französischen Regierung die Airnahrne dieser Entschließung zu empfehlen. Behördliche Anzeigen Grassnmen-Snbmisston. Die diesjährige Grassamenernte aus den Staatswaldungen soll unter den üblichen Bedingungen in Submission vergeben werden und zwar l .am 31. Mai ds. 3s., vorm 11 Uhr, in Darmstadt durch die Obers örfterei Darmstadt für die Oberförstereien Dieburg, Zägersburg, Lampertheim. Lorsch, Messel, Raunheun, Rothenberg. Viernheim, Alztt) und Dkainz; 2 . am 7. 3 u n i ds. 3 s.. vorm 11 Uhr, in Nidda durch die Oberförsterei Nidda für die Oberförstereien Eichelsdvrf, Feldkrücken, Konradsdorf, Laubach, Nidda, Ober-Eschbach, Ober-Rosbach und Schotten; 3 .am 14. Juni dS. 3ö-, vorm 11 Uhr, in Alsfeld durch die Oberforsterei Alsfeld für die Oberfvrstertten Alsfeld, Durg-Gemün- den, Eudorf, Homberg, Kittorf, Romrod-Nord, Stmrndvrf, Hlttchstein und Wahlen. Die Dieter erkennen die Submissionsbedingungen durch Einreichung ihrer Gebote als rechtsverbindlich an und sind 14 Tage an diese gebunden. Nähere Auskunft erteilen die betreffenden Oberförstereien. Schriftliche Gebote lind — unter Bezeichnung der Oberförsterei und der Wal> distrikte mit der Aufschrift „Grassamen- Submissionsverkaus" — spätestens bis zu dem den genannten SubmissionSterminen jeweils vorhergehenden Tage bei den drei genannten Ober- fö-rstereien einzureichen. 4906V Da r m st a d t, den 16. Mai 1922. Sekretariat des Ministeriums der Finanzen, 2£btei£ung für Forst- und Kameralverwaltung. Betr.: Nidderkraftwerk bei Lißberg. Vergebung von Maurerarbeiten. Auf Grund des Ministerialerlasses vom IS.Zuni 1893 usw. sollen die 2Eaurerar6etten für die Maschinistenwvhnung zum Nidderkraftwerk bei Lißberg öffentlich vergeben werden. Angebotevordrucke find zum Selbstkostenpreis auf unserem Amt, Kaiserstraße 136, abzuholen. Daselbst sind auch die Zeichnungen und Bedingungen einzusehen. Die Angebote sind bis zum 29. Mai 1922, vorm. 11 Uhr, mit der Aufschrift „Submission Nidderkraftwerk" einzureichen, ^rschlagsfrist 3 Wochen. Friedberg, den 17.Mai 1922. Hess. Kulturbauamt. 4907V I.V.: Lorenz. Stadt. Arbeitsamt Gretze» Liebigstratze 16, Teleph. 2054. E» können eingestellt werden: a. bei diesigen Vrbeitarhern: 1 Schneider, zwei Brovisionsrelsende, mehrere Former, 2 Srein- Hauer, 1 Wagenlackierer. Lehrlinge: 1 Friseur, 1 Kaufmann, 2 Glaser, 1 Lackierer, 1 Uhrmacher, 1 Phologravh, etn Polsterer, 2 BNderrahmenmncher, 1 Steinbild- Hauer, 1 Steinbauer, 1 Dachdecker, 2 Bäcker, 1 Metzger, 2 Svengler und Installateure, 2 Buchbinder, 2 Schriftsetzer, 1 Stukkateur, 2 Wagner, 2 Schmiede, 1 Wagen- und Autoschlosser, 1 Kellner, 1 Schuhmacher, 1 Weißbinder, 1 Schlosser. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 2 Steinmetze, 10 Hauer, 1 Sretnbitdbauer, 1 Autogenschweißer, 1 landwirtschaftlicher Eleve, 2 Schneider, 1 Sattler, 1 Schmied, 1 Tave»ier und Polsterer, ein Friseur, 2 Zigarren- und Wickelniacher, mehrere Weihbinder u. Anstreicher, mehrere Maurer, zwei Gärtner, 1 Schlosser, ein Sattler und Polsterer, 1 Elektromonteur, 1 Installateur, 1 Bäcker, zwer Schreiner. Lehrlinge: 1 Glnfer, 1 Schreiner, 1 Friseur, ein Schlosser, 1 Svengier u. Installateur, 1 Zigarren« forderet, 1 Gärtner. ES suchen Arbeit: Kaufleute, Schreiber und Neiseude, Packer, -Hansburschen und Ausläufer, Maschinenschlosser, Banschiosser, Schuhmacher, 1 verb- lundw. Knecht, 1 .Krankenpsteaer, 1 Sattler, 1 Polsterer, Bäcker und Metzger, Kellner, 1 Kuser, 1 verh. Hofmeister, 1 Mechaniker, 2 Dreher, ein Optiker, 1 Ofensetzer, 1 jling. Schmied, 2 Buchbinder, Mechaniker, 1 Wagner, 1 Müller, 1 Installateur und Spengler, 1 Monteur, Maschinisten und Hetzer, 1 Schleifer, 3 Kraftfahrer, Bauhilss> arbeitet, Erdarbeiter. Lehrlinge: 3 Elektromonteure, 1 Elektrotechniker, 3 Autoschlosser, 2 Maschinenschlosser, 1 Mechaniker, 2 Kaufleute, 2 Schlosser, 1 Schuhmacher mit Kost und Wohnung. Gelegenheitsarbeiten werden ebenfalls entgegengenommen. Weibliche Abteilung: Es können eingestellt werden: *. bei hiesigen Arbeitgebern: Mädchen für tagsüber, Dienstmädchen, Lansirauen und -mädchen für einzelne Tage, tüchtige Alteinmädchen, 2 Küchen- mäLchen, 1 Stütze, 1 Kaffeeköchin, 1 Köchin. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 2 landwirtschaftliche Dienstmcidchen, Dienstmädchen, AUein- mädchen, Zimmermädchen, Küclieninädcken, Aroei Haushälterinnen, 2 Servierfräulein, 1 Köchin für Hotel, 1 Kaffeeköchtn. ES suchen Arbeit: 2 Verkäuferinnen, 3 Waschfrauen, einige Kauffrauen, auch für NachmtrragS- befchasttqung, Mädchen f. tagsüber, 2Büglerinnen, 1 Schneiderin als Beihilfe zu Schneiderin, zwei Drrkäuserinnenlehrmädchen, 1 Flickerin, 1 Kontoristin, 1 Büfettfräulein, 1 Haushälterin. Die Berufsberatung und ArbeitS Bermitt lunn kür Musiker findet werktags von 10 bis IS Ubr statt. Bekanntmachrrng. Auf Drschluß der Stadtverordneten-Dersammlnng vom 7. April 1922 und mit Genehmigung des Hessischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft, 2lbtg. für Ernährung und Landwirtschaft zu Ar. M. A. W. ß. 6580 oom 2. Mai 1922 wird das Sprunggeld für Zucht- bullen mit Wirkung vom 20. Mai I. 3- auf 50 Mark festgesetzt. 48908 Gießen, den 16. Mai 1922. Der Oberbürgermeister. 3.V.: Vr.Rosenberg. Bekanttrmack;ung. 3n das Genoffenschaftsregister wurde heute die durch Satzung vom 12. April 1922 errichtete Dolks'öank Lich, eingetragene Genoffenfchaft mit beschränkter Haftpflicht mit dem Sitz in Lich, eingetragen. Gegenstand des Unternehmens ist der Betrieb von Bankgeschäften zum Zwecke der Be- schaffung der in Gewerbe und Wittschaft der Mitglieder nötigen Geldmittel. Die von der Genossenschaft ausgehenden Bekanntmachungen erfolgen unter der Firma im Gießener Anzeiger. Die Höhe der Haftsumme betrügt 500 Mark für den Geschäftsanteil. 5>te höchste Zahl der Geschäftsanteile ist auf drei festgesetzt. Der Vorstand besteht aus neun Mitgliedern: Friedrich Wagner, 2ui!>toig Donner, Ludwig Scherff, Georg Schieferstein, Heinttch Petri I., Karl Ehristian Roth, Wilhelm Delle, August Förster, Karl Fisch« IV., sämtlich wohnhaft in !2ich. Die Willenserklärungen des Vorstandes erfolgen durch mindestens zwei Mitglieder; die Zeichnung geschieht, indem zwei Mitglieder der Firma ihre Namensunterschrift beifügen. Die Einsicht der Lifte ist während der Dienst- stunden pes Gettchts jedem gestattet. 4905B L i ch, den 16. Mai 1922. _____________Hessisches Amtsgericht.______________ Bekanntmachung. Wegen ein getretener Erkrankung mutz der zum Empfang der Abfuhrfcheine bei den zuständigen Kasfestellen It der Holzversteigerung vom 2. ds. Mts. festgesetzte Termin (20. 5.) auf Samstag den 27. ds. MtS. verlängert werden. Treis a. Lda., den 18. Mai 1922. Oberförsterei Treis: _____Schn eider._________ 4904V erkauf. Die Gemeinde Lindenstruth verkauft einen fetten Vogelsberger Dullen und einen Ziegenbock. Angebote sino bis zum Mittwoch, den 24. Mai, riachm. 2 Uhr, auf der Bürgermeisterei schriftlich nnreichen. Bedingungen liegen daselbst aus. Lindenstruch, den 19. Mai 1922 4912V Bürgermeisterei Lindenstruth. Fatum lilsöre BadqraWer | Louis Rothenberge r j = Gießen Frankfurt a.M^ West = Neuenweg 22 Adalbertstraße 26 = Telephon 176/2124 Telephon. Taunus 4934 = | Alteisen Metalle Lumpen • Papier sowie sämtliche Rohprodukte Antiquitäten. 50P I äiiiiiiiniiiHiuiiiiimiiimiiiuimiiiimiiiiimuiiiiuiiiiiiimiuuuiiinIUl