ar. 272 Erscheint tüglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GietzenerFamilienblütter Monatliche Bejunspreife: Mk. 185.- u. Mk. 15.- Trügerlohn,durch dieDost MK.200. - .auch beiNicht» erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrist» leitung 112; für Verlag und Geschäfrsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gietzen. poftschectlonlo: Zranlfvri a. M. 11686. Samstag, <8. November 1922 172. Zayrgang Erstes Blatt GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitSts-Such' und Steindruckerel B. Lanze in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 27 mm Breite örtlich 8 Mk, auswärts 10 Mk.; für Reklame: Anzeigen von 70 mm Breite 32 Mk. Bei Platz- vorschrift 20 °/0 Aufschlag Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen leil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Wochenrückblick. Dr. W i r th, der bisherige Reichskanzler, »>!«« UMIiiiiiiii ----- Die Tätigkeit Vrockdorff-Rantzaus. Moskau, 17. Nov. (Wolff.) Der deutsche Generalkonsul in Petersburg, v. Kehler, ist in Moskau zur Berichterstattung bei dem deutschen Botschafter v. Brockdorff- Rantzau eingettosf en. Der deutsche Generalkonsul in Charkow wird in den nächsten Tagen in Moskau zur Fühlungnahme mit der deutschen Botschaft erwartet. Botschafter v. Brockdorff-Rantzau beabsichtigt demnächst die wichtigsten Zentten Rußlands und die angeschlossenen föderierten Republiken persönlich aufzusuchen. Gestern gab Tschitscherin ein Diner zu Ehren des deutschen Botschafters. Es nahmen sämtliche Mitglieder der deutschen Botschaft in Moskau daran teil. Unter den Geladenen befand sich das ganze Kollegium des Auhenkommissar.ats, ferner waren Lunatscharski, Frumkin, Bogdanow und Radek anwesend. Der Versuch der Kabinettsbildung. Berlin, 18. Nov. Geheimrat Cuno wurde gestern nach seiner Rückkehr von Hamburg zunächst vorn Reichspräsidenten Ebert empfangen. Unmittelbar darauf hat er die Berhandlungen über die Neubildung des Kabinetts wieder ausgenommen, und zwar zunächst mit den Führern der Zentrumspartei. Daß er das Zentrum zuerst zu sich gebeten hat, erklärt sich, wie die «Voss. Ztg." schreibt, daraus, daß hier die wichtigsten Wider st ände zu überwinden seien. Ueberhaupt lauten die heutigen Berichte der Blätter über die Kabinettsbildung nicht mehr so optimistisch wie gestern, da die alten Gegensätze zwischen den einzelnen Fraktionen , immer noch vorhanden seien: Ablehnung der großen Koalition durch die Sozialdemokratie, Ablehnung einer in» offiziellen Unterstützung eines nicht aus der großen Koalition gebildeten Kabinetts durch die Deutsche BolkSpartei und Verharren des Zentrums auf der von der Arbeitsgemeinschaft auf- gestellten Forderung nach der groben Koalition. Gehelmrat Cuno, der nach Aeußerungen zu einem Vertreter des «Lokalanz " sehr optimistisch zu sein scheine, will laut «Tageblatt" diesen Schwierigkeiten dadurch begegnen, daß er sich bei der Bildung bed Kabinetts streng an den von der Weimarer Verfassung gewiesenen Weg halten werde, daß er nämlich im Einvernehmen mit dem Reichspräsidenten die ihm geeignet erscheinenden Männer auswählt und dem Reichstag präsentiert, ohne vorher die Fraktionen um ihre Zustimmung z u ersuchen. Der «Vorwärts" betont heute, daß von selten der Sozialdemokratie nichts geschehen werde, was eine Belastung der KabinertSbildung durch unausführbare BedinMrn- gen bedeute. Die Sozialdemokratie habe Verständnis dafür, daß Deutschland heute innere Wirren, die aus einer ratlosen Krise entspringen, nicht vertrage. Die «Deutsche Allgem. Ztg." weist gleichfalls auf die große Gefahr einer Verzöge rung der Krise hin und schreibt, unsere Parlamentarier sollten einmal die 'Scheuklappen der Partei ablegen. Cs handle sich in dieser ernsten Stunde nicht darum, die Wünsche der Parteienzu bestte- digen, sondern darum, schnell einen Mann, der drinnen und draußen Vertrauen genießt, ans Ruder zu bringen, andernfalls werde bald der Hunger und die Entente das Ruder des Schiffes ergreifen. Den Parteien, die durch ihre taktischen Quertreibereien uns dazu verholfen hätten, wäre der Fluch des Volkes gewiß. Cuno. Heber die Persönlichkeit Cunos find folgende Einzelheiten nachzutvagen: Geheimrat Wilhelm Cuno ist am 2. Iuli 1876 in Suhl geboren. Er ist Katholik,^ steht jedoch dem Zentrum fern. Er gehörte längere Zeit der Hamburger Ortsgruppe der Deutschen BolkSpartei an, schied aber anläßlich des Kapp- Putsches aus der Partei aus. Seit 1907 stand Cuno im Reichsdienste, zuerst im Reichs- schatzarnt, wo er während des Krieges besonders mit der Bearbeitung kriegswirtschaftlicher Fragen betraut wurde, um dann Letter der Reichsgetreide st eile zu werden, von welchem Posten er 1916 zum Organisator des Kriegsernährungsamtes berufen wurde Am 1. November 1917 wurde er zum Generaldirektor der Hamburg-Amerila-Linie gewählt. Bei den Waffen still st andsverhandlung en in Trier und Brüssel wttkte Geheimrat Cuno als deutscher Sachverständiger mtt und wurde ebenso als Sachverständiger zu den Versailler Friedensverhandlungen zugezo.^en. In der breiteren Oeffentlichkeit ist der Name Cunos besonders durch seine Wirtschaftsverhandlungen mit Amerika bekannt geworden. PoinearL Äber die Repcrrationssrage. Paris, 17. Nov. In der Kammer hielt heute Ministerpräsident P o i n c a r e die angekündigte Rede über die äußere Politik der Regierung in der er u. a. auf die Reparalions- frage zu sprechen kam und sagte, der Bankierausschuß habe die Frage einer irtternationalen Anleihe für Deutschland günstig beurteilt, aber mit einer Herabsetzung der deutschen Schuld, d. h. zum Schaden der Reparationen. Es sei die Pflicht Frankreichs gewesen, sich dem zu widersetzen. In Bezug auf den Sturz der Mark erklärte Poi-n- care, daß dieser auf deutsche Manöver zurückzuführen sei und daß die Lage rasch verbessert werden könne. Deutschland habe immer noch nicht auf seinen Deherrschungsplan von vor dem Kriege vernichtet und alles getan, um die Weltmärkte wieder zu erobern. Es habe den deutschen Staat systematisch ruiniert und seine Bürger bereichert. Pvincare erklärte, daß Frankreich kein Vertrauen zu Deutschland haben könne, das niemals ben aufrichtigen Wunsch gehabt, seine Reparationsschuld zu begleichen. Zweifellos könne Deutschland augenblicklich weder in Papiermark noch mit bem_ Goldvorrat der Reichsbank bezahlen, aber es könne ein vernünftiges Programm von Sachleistungen ausführen und sich Geld leihen, wie es Frankreich 1871 getan habe. Aber man werde nichts von Deutschland erzwingen, wenn man sich aufs Bitten beschränke. Die Stunde sei gekommen, in der sich die Alliierten angesichts ter deutschen Verfehlungen einig sein müßten über die anzuwendenden Mittel. Solange nicht die von der Reparationskommission verlangte Kontrolle existiere, wisse man nicht, woran man sich zu halten habe. Deutschland könne einen äußeren Kredit erzielen, toenn es sc ine Finanzen reformiere Es könne auch mit Materialien und durch W ie de raus ba u ar 2e? ten im eigentlichen Sinne befahlen. Poincars ist der lleber- zeugung. daß keine Maßnahmen zum Ziele führen, wenn Deutschland nicht durch strenge Mittel seinen Kredit hebe und seine Finanzen saniere. Die deutsche Währung könne nur saniert werden durch die Deoalorisation und danif-dnrch die Stabilisierung. Frankreich könne jedoch nur eine Losung anne hinan, die seine Stellung als beherrschenden Gläubiger sichere. Es könne weder auf seine D f ä n de r verzichten, und wenn ein Moratorium bewilligt werde, so könne das nur zu den Londoner Bedingungen geschehen, d. h. durch effektive Pfänder. Frankreich würde es vorziehen, seine Schuld in Ruhe einziehen zu können, aber es könne aus keine der friedlichen Waffen verzichten, die der Vertrag ihm an die Hand gebe. Es werde nicht dulden, daß man ihm diese Waffen aus der Hand schlage. Die Pfänder, die unsere Sicherheit garantieren, sind auch die besten Pfänder für unser Guthaben. Wenn es nötig ist, werden wir ihren Betrieb selbst in die Hano nehmen und dadurch den Friedensvertrag ausführen. Frankreich hat mehr als irgend jemand für die gemeinsame Sache gelitten und hai es verdient, daß man ihm eine Priorität schuldet. Diese sei ihm aber verweigert worden. A habe nur einen Anteil erzielt und laufe in der Reparationskommission ständig Gefahr, in die Minderheit zu geraten. Die Alliierten könnten kein Moratorium bewilligen o(yne Pfänder zu nehmen, ohne gewisse Garantien und ohne ernstliche Kontrolle der deuttchen Finanzen. Poincars schließt, heute wie gestern sei die Sache Frankreichs die der Gerechtigkett. Wenn Frankreich durch das Versagen Deutschlands ruiniert würde, wäre das eine Herausforderung des guten Rechts. Es gehe zur Brüsseler Konferenz in der Erwartung, daß Frankreich Gerechtigkeit zuteil werde. Darauf ergreift der Abg. Blum das Wort. Gr sagt, die Rede Poincarös sei für die Kammer eine Enttäuschung gewesen. Die ganze_ Frage sei, zu wissen, toaim Deutschland bezahlen könne. Poincars sei zu der Ansicht gekommen, daß man im kommenden Jahre von Deutschland nichts Wesentliches werde verlangen können. (Poincars macht eine Kopfbewegung, durch die er andeuten will, daß er diese Behauptung bestrettet.) Der Abg. Blum fährt fort: Das einzig Nötige sei die 6 a- nierungderWährungen. Er hätte es gern gesehen, wenn Poincars der Kammer den Plan mitgeteilt hätte, den er aus der D r ü s s e l e r Konferenz vorzulegen gedenkt. Auf den Kriegsgeist müsse man verzichten. In der jetzigen Zeit fei es nötig, andere Maßnahmen zu ergreife:. Nach dem Abg. Blum ergreift der Royalist Daudet das Wort. Er beschäftigt stch hauptsächlich mtt der Frage Calllaux-Malvh. Im Laufe seiner Rede kommt es zu stürmischen Auseinandersetzungen. so daß sich der Präsident genötigt sieht, die Sitzung zu unterbrechen. Im weiteren Verlaus der Sitzung greift Daudet in der heftigsten Weise Briand und andere Politiker, die während des Krieges der Regierung angehört haben, an, so daß es zu unbeschreiblichen Lärmszenen kommt. Die Mitglieder des Hauses werden ungeduldig und verlangen Abbruch der Verhandlungen, toorauf Ministerpräsident Poincars im Hinblick auf die Friedenskonferenz in Lausanne die Vertagung aus einen Monat verlangt. Der Ministerpräsident erklärt, es handle sich hier für ihn um die Vertrauensfrage. Die Kammer nimmt mit 462 gegen 71 Stimmen die Vertagung an. Die Beratungen des Reparationsausschusses. Paris, 17. Nov. Wie Havas mitteilt, hat die Reparcttionskommisfion heute vormittag in offizieller Sitzung laufende Angelegenheiten erledigt. Heute nachmittag werden in einer zweiten offiziellen Sitzung die Holz- und Kohlenlieferungen behandelt. Havas zufolge soll sich die Kommission in erster Linie mit den Versäumnissen beschäftigen, die hinsichtlich der Lieferung im Laufe des Jahres 1922 festgestellt worden sind. Dann müsse sie mit der Aufstellung des Lieferungsprogramms für das Jahr 1923 beginnen. Zum größten Tell hänge dieses Programm übrigens von der allgemeinen Regelung der Reparaticknsfrage ab, was die Bedeutung der in dieser Angelegenheit heute oder in einer späteren offiziellen Sitzung etwa zu fassende Beschlüsse beträchllich herabmindert. Die Flucht des Sultans. Konstantinopel. 17. Nov. Der Sultan hat sich mit seinem Sohn an Bord eines englischen Dampfers geflüchtet, der sofort nach Malta abgegangen ist. Der Sultan erklärte, er danke nicht ab, sondern gehe nur fort wegen einer ihn unmittelbar bedrohenden Gefahr. Ein Mord in Konstantinopel. London. 18 Nov. (WTD.) Aus Kon - stanttnopel wird berichtet: Der Präsident der türkischen sozialistischen Partei Hussein Hilmit Den wurde ermordet. Aus dem Reiche. Ei« Briefwechsel zwischen dem bayrischen Ministerpräsidenten und dem Reichspräsidenten. Berlin^ 17. Rov. (Wolffs Der neu- gewählte bayerische Ministerpräsident richtete an den Reichspräsident folgendes Schreiben: Hochverehrter Herr Reichspräsident! Der bayerische Landtag hat mich zum Mi- : islervräsidenten gewählt. Och habe diese Wahl angenommen. Als Ressortminister führe ich das StaatSministertum des Aeuhern. Och möchte nicht verfehlen, Ohnen, Herr Reichspräsident, hiervon, auch persönlich Mitteilung zu machen und hiermit die Ditte zu verbinden, Sie möchten mich in meinem aufrichtigen De- : reden, im Onteresse unseres gemeinsamen großen deutschen Vaterlandes wie auch Bayerns die besten Deziehungen zum Reiche zu pfleg en, unterstützen. Om etn- elnen gestatte ich mir hierwegen auf die Dar- 1 gungen In meiner Programmrede Bezug zu nehmen, die ich heute im bayerischen Landtag ^halten habe. Mit der Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachmng Euer Hochwohlgeboren ganz ergebenster (gez.) Dr. v. Knilling. Der Reichspräsident antwortete mit nachstehendem Schreiben: Hochverehrter Herr Ministerpräsident! Eurer Erzellenz sage ich verbindlichsten Dank für die persönliche Mitteilung von Ihrer Wahl zum Ministerpräsidenten. Och wünsche Ohnen aufrichtigen Herzens, daß Ohre Amtsführung dem Lande Bayern wie unserem gemeinsamen deutschen Vaterlande zum Segen gereichen möge, und darf auch Ohnen gegenüber die Versicherung wiederholen, daß ich in der Erhaltung guter und vertrauensvoller Beziehungen zwischen dem Reiche und Bayern stets die besondere Aufgabe meines Amtes erblicken werde. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachmng bin ich Euer Exzellenz sehr ergebener (gez.) Ebert, Reichspräsident. Rücktritt des Vorsitzenden des Staatsgerkyls- hofeS. Berlin, 18. Rov. Mehrere Blätter melden, daß der Vorsitzende des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik, Senatspräsident Dc. Hagens von seinem Amte zurückgetreten sei. Die Ursache des Rücktrittes soll in dem Wunsche des Senatspräsidenlen, der von Haus aus Zivilrichter ist, liegen, wieder die Geltung des Zivilsenats beim Reichsgericht zu übernehmen, lieber die Rachfvlge Hagens ist noch keine endgüllige Entscheidung getrosten. Kundgebungen »nd Plünderungen. Berlin, 17. Rov Rach einer Meldung des Berliner „Gokalanz." aus Braunschweig ist es dort gestern nachmittag vor dem Ministerium und vor der Marklhalle zu Teuerungsdemonstrationen gekommen. 3n den Betrieben soll heute die Arbeiterschaft zu einer allgemeinen Teue- rungskundgebung auf gefordert werden. — On Berlin und Charlottenburg wurde, dem gleichen Blatt zufolge ein Blusengeschäst ausgc- plündert, weil der Geschäftsinhaber die preiswert ausgestellten Waren als bereits verkauft bezeichnete und für andere Waren wesentlich höhere Preise forderte. Au< dem bayerischen Landtag. München, 17. Rov. (WTB.) On der heutigen Vollsitzung des Landtags erklärte Iustizminlster G ü r t n e r in Deantwor- tung der Onterpellatwn der Sozialdemokraten über das Urteil im Fechenbach-Pro- zeß, daß an der Gerechtigkeit des Urteils kein Zweifel bestehen könnne. Cs sei kein unschuldiger Mann von einem ungerechten Urteil betroffen worden, sondern einen gefährlichen Schädling des ganzen Volles habe die verdiente Strafe erreicht. — Ein nach den Ausführungen des Iustizministers eingebrachter sozialdemokratischer Antrag, den kürzlich vorgelegten Antrag auf Aufhebung der Volksgerichte sofort mit der Onterpella- tion zu beraten, wurde mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien abgelehnt. Reubesetzung der Münchener Nuntiatur. Rom, 17. Rov. Der Papst hat Msgr. V a s a l l e zum RuntiuS in München anstelle des bisherigen RuntiuS Msgr. P a c e l l i ernannt. Die Leitung der Berliner Runtiatur verbleibt In den Händen Pacellis. Aus Stabt und Land. Die hen, den 18. Rovember 1922. Ein Mahnwort zur Wahl. Während im Reiche die große Frage der RegierungSneubillmng jetzt zur Entscheidung steht, werden morgen dre Wahlberechtigten Hessens eine für die engere Heimat nicht minder bedeutungsvolle Entscheidung mit dem Stimmzettel in der Hand zu fällen haben. Sie haben ihre Provtnzialparlamente, Kreistage und Kommunalparlamente auf die Dauer von drei Jahren neu zu bilden, eine Ausgabe, deren große Bedeutung von den Wählern sorgsam durchdacht werden muh, ehe sie ihre Stimme abgeben. Namentlich in der Gemeinde soll man sich die zur Wahl vorge- schlagenen Personen und die Motive, denen die Vorschläge entsprangen, sehr genau an* sehen, da ja in der Kommune alle Entscheidungen von den Einwohnern unmittelbar und allein verspürt werden. Die Reichspolitik und damit auch die Schicksalsgestaltung aller Reichsteile. Provinzen, Kreise und Gemeinden steht im Zeichen eines Wendepunktes. Die Grundsätze der internationalen Soztaldemokra- t i e, dem deutschen Volle in der Revolutionszeit und auch schon vorher von der Linken als Allheilmittel angepriesen, haben sich als untauglich im Ringen gegen die ständig gewachsene deutsche Rot erwiesen. Die Ollusionen der auf dem angeblich weltdeglückenden demokratischen Gedanken fußenden Kreise fanden in einem furchtbaren Erwachen ihr Ende. Der rasende Aufstieg des Dollars hat die breitesten Volksschichten aufgeklärt darüber, wohin wir mit der bisherigen Politik, die ihre Schatten bis in die kleinsten Teile des Reiches geworfen hat, steuerten. Zur Umkehr wird jetzt im Reiche aufgerufen, eine neue Aera bricht damit auch für die Provinzen, Kreise und Gemeinden an. Die Politik der aufbauenden Arbeit, von der Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Parteien schon seit langem gefordert, soll jetzt endlich aufwärtStretbende Tat wer- den. Ohr ist auch der Weg in die kleinen, in die örllichen Parlamente zu bereiten. Der politisch und wirtschaftlich aufbauende Arbeitswille, der seine Aufgabe n i ch t in der parteipolitischen Verengung und -in der Vertretung einseitiger Älaffen» Interessen, sondern In der Besserung des Loses aller Vollsschichten sieht, muß morgen zum Siege kommen. Aber nur bann kann der Gießener Konzertverein. Gießen, den 17. November 1922. Kantaten von I. 6. Dach. Stunden tiefster Offenbarung, vollkommener Weltentruckung bereitete die Aufführung dieser edlen Werke kirchlicher Musil. — Gottesdienst der Seele I Und doch sind die Kantaten Bachs einer Zeit der Entwicklung des geistlichen Konzerts entsprungen, die längst den Boden des Kultus verlassen hatte und dem religiösen Drama, dem Oratorium zustrebte. Manches Kapitel könnte man der inneren Betrachtung widmen, manche weitausholende mufikhistorische Studie (z. D. über die konzertierende Orgel) schreiben, wollte man all den Empfindungen und Anregungen nachgehen, welche das gestrige Konzert auslöste Richt nur das geheimnisvolle Fluidum jeder bedeutenden Begebenheit entströmten ihm, es war auch deshalb ein Ereignis ganz besonderer Art, weil tm Rahmen des unter den augenblicklichen Verhältnissen in Gießen Möglichen eine Leistung von ungewöhnlicher Dollendung und Abrundung geboten wurde. Der akademische Gesangverein reichte gewissermaßen die reifen Früchte der außerordentlich durchdachten und methodischen Shorerztehung dar, die ihm sein Leiter in jahrzehntelanger systematischer Arbeit hat angedeihen lafsen. Mit welcher Ausdruckögewalt wurden gleich zu Eingang der Kantate Rr. 48 die verzweifelten Worte des siebenten Kapitels aus dem Römerbries: ,-,-3ch elender Mensch, wer wird mich erlösen" zum Dortrag gebracht, mit welch begeistertem Schwung, mit welch bezwingender Steigerung der Fugensähe im Einleitungschor der Schluhkantate gelungen! Die Ontvnation und die Prägnanz der Einsätze waren vorbildlich Uneingeschränkte Bewunderung verdient die Behandlung der Choralsähe, deren eigentlichstes Wesen — weder bet eigene Sohn Dachs Philipp Emanuel, der sie ohne den dazugehörigen Text herausgab, verstanden hat, noch Karl Maria von Weder als Schüler des Abts Dogler (!) — verstehen konnte. Man braucht nicht gleich vor dem Gespenst deS linearen Kvntru- punkts zu erschrecken, wenn man erkennt, daß Dachs Harmonisierungen vom Standpuntt der reinen Musik aus betrachtet oft ganz unerllärlich erscheinen. Bach harmonisiert nicht die Melodie, sondern deutet die Worte deS Textes musikalisch aus. Wie plastisch war gerade eines der prächtigsten Beispiele für Bachs „gefragte“ Harmoni- Üeuung, der tzhoral (in Kantate Ar. 48): .Solls ja so sein, daß Straf und Pein" ausgearbeitet. Wären nur alle Bachdirigenten so tief von der richtigen Erkenntnis der Musik O ö. Bachs durchdrungen wie Professor Trautmann! Bachs Dtll ist nickt melodisch, sondern deklamatorisch: auch die vokalen Themen sind deklamatorisch Das Wunder der Schövferperfönllchkert Bachs verleiht ihnsn das melodische Gewand. Wie reizvoll iß es, dies im einzelnen zu studieren. Nie wird Bach durch den Reim oder das Bersmah gefesselt, immer geht er zurück zum inneren Bau des Satzes. Selbst der unmusikalischste Text (und mit wie vielen hat sich der Meister geplagt!) wird durch feine Vertonung gehoben und enthüllt so seinen wahren Sinn. Wort- und Tonmelodie sind bet Bach eins. Der Wortsatz ist geradezu im Tonsatz verankert. Warum frage ich es, bei einer Besprechung auf diese intimen Einzelheiten der Tonsprache DachS hinzufreisen and weiterhin noch, wenigstens mit Schßrgworten, heroorzuheben, von welch elementarer Wichtigkeit für ein tieferes Verständnis des Meisters eine klare Anschauung von dem Ehavakter seiner Tonspvache, von der Bedeutung der Motive und des Malerischen seines Stiles ist. dessen liebevolle Darstellung wir besonders Schweitzer verdanken? Damit die Größe Bachs bartun zu wollen, vermesse ich mich ntdyt. Gr redet durch sich selbst, tn seinen Werken sollen wir nur ihn suchen. Er ist ewig und unergründlich. — Rein, es galt die Schwierigkeiten zu beleuchten, die gestern von unferm Akademischen Gesangverein und dem ganz hervorragend geübten kleinen Orchester der Gießener Musikfreunde. bas durch Mitglieder der Reichswehrkapelle ergänzt war, gemeistert wurden. Die Solisten gaben der Ausführung Glanz und stilvolle Weihe. Herr Antoni Kohmann,' der hochgeschätzte OratorieiTtenor, brachte die blitzenden Akzente und die lichtvolle Deklanralion der Rezitation zu eindringlichster Wirkung. Ganz in Bachschem Geist erschien mir die Verzückung der Arie „Vergibt mir Jesu meine Sünden^ wiedergegeben Hier war wirklich der Ton- rhythmuS richtig erfaßt! Eine, ganz grandiose Leistung vollbrachte Die Altistin Fräulein Ruth Arndt. Mit ihrer prachtvollen dunklen Altstimme, die über einen staunenswerten Umfang und auch in der Höhe über sehr tragfähiae weiche Töne verfügt, sang sie nicht nur ihre Pai ne in den drei Thorküntaten — (geradezu erschütternd wirkte in der Dchkustkantate, in der auch Herr Kohmann »dem frohen Getöne zum Lobe Erfolg errungen werden, wenn alle, die bisher niedergedrückt und verdrossen beiseite standen, sich diesmal aufraffen, die früher so oft beobachtete Wahlgleichgültig- keitab st reifen und ihre Pflicht und Schuldigkeit als Wähler tun. Wer das morgen unterläßt, soll hinterher nicht mit Klagen über schlechte Politik und mißliche Zustände kommen. Wochenmarktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Weißkraut Pfund 8—10 Mk., Rotkraut Pfund 13—20 Mark, Wirsing Pfund 10—12 Mk., Blumenkohl Stück 15-20 J;i£, Winterkohl Pfund 10 Mk., Rosenkohl PfunS 30 Mk., Oberkohlrabi Stück 3 bis 10 Mk., Unterkohlrabi Pfund 4-5 Mk., Gelbe Rüden Pfund 6—8 Mk., Rote Rüben Pfund 7 bis 9 Mk., Endivien Stück 2—4 Mk., Schwarzwurzeln Pfund 40 Mk. Sellerie Stück 10—25 Mk., Lauch Stüa 3—4 Mtt Aepfel Pfund 5—9 Mk., Dirnen Pfund 8—10 Mk., Kartoffeln Zentner 650 Mk., Butter 900-1000 Mk. Der neue MilchprekS. rm. Aus Darmstadt, 17. Rov., wird uns berichtet: Das Schiedsgericht zur Festsetzung der Milchpreife trat heute unter Vorsitz deS Oe- konomierates Leithiger und unter Mitwirkung der Beisitzer, Bürgermeister Kappus- Offenbach unb Oefonomlerat Hensel- Dortelweil hier zusammen. Es setzte den S t a l l p r e i S auf 70 Mk. je Liter fest, wozu eine VerkaufSpreisfpanne von 40 Prvz. kommt, so daß sich der Verkaufspreis auf 98 Mk. je Öfter stellen wird. Der erhöhte Preis wird voraussichtlich am 21. d. M. in Kraft treten. * ** Ausscheiden be Stadtverordnete. Man schreibt uns: Die Ausstellung der Kandidatenlisten für die Stadtvervrdnetenwuhl hat den bürgerlichen Parteien große Schwierigkeiten gemacht, da es für verschiedene Kreise des Bürgertums, die die Hauvtträger unseres Wirtschaftslebens sind, nur schwer oder überhaupt nicht möglich war, ihre maßgebenden Vertreter zu bewegen, für die Stadtverordnetenfrahl zu kandidieren. Das ruhige Leben eines Stadtverordneten der früheren Zeit ist abgelöst worden durch die aufregende, sorgenschwere Tätigkeit der Neuzeit. Das Amt eines Stadtverordneten ist für den, der es ernst nimmt, zu einer fast unerträglichen Last geworden. Man kann daher auch verstehen, daß ein Teil der seitherigen Stadtverordneten geglaubt hat mit Rücksicht auf ihre Derufsgefchäfte oder ihre Gesundheit ihre Parteien bitten zu muffen, von ihrer Wieberaufstel- lung abzusehen. So verliert die Deutsche Dolkspartei in den Herren Landgerichtsdirektor Neuenhagen und Prof. Dr. Gme- lin zwei Mitglieder, deren Mitarbeit als bewährte Juristen von der Stadtverwaltung und Stadtverordnetenversammlung besonders geschätzt wurde. Ebenfalls freiwillig zurückgetreten find die Herren Wagnermeister L. Faber (Dnatl.), Professor Dr. Ebel (Demokrat), Kaufmann August Noll II. (Dem.), Uhrmacher Heinrich Marx (Dem.) und Schneidermeister Johannes Diehl (Dvz.). Ferner kandidieren nicht mehr: Buchhalter Conrad Sichert, Geschäftsführer Heinrich Fourier, Prvf. Karl Michel, Schneider Adam Bolz. Einige weitere Mitglieder deS jetzigen Parlaments sind schon seit etlicher Zeit von hier verzogen, haben es bisher aber unterlassen, ihr Mandat niederzulegen. •• Oberhof fischer Kunst verein. Morgen, Sonntag, von 11—1 Uhr ist die Wanderausstellung der hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst zum letzten Male geöffnet. Die Ausstellung, die von drei- wöchenllicher Dauer war, hatte fortgesetzt regen Besuch. Erfreulicherweise wurden einige Kunstwerke angekauft: sie gehen tn hiesigen und auswärtigen Privatbesttz über. Nächste Woche bleiben die Ausstellungsräume wegen des Höchsten" die volle Pracht seiner Stimme lieh, ihr Rezitativ und die Arie: „Mund und Herze steht dir offen") —, sondern an zweiter Stelle der Vortragsordnung auch noch die empfindungstiefe Svlokantate für Alt: „Vergnügte Ruh, beliebte Seelen last", die nicht nur wegen der Triobegleitung(obligate Orgel für zwei Manuale), der Arie: „Wie utmmetn mich doch..." und wegen des fehlenden BahsundamenteS außerordentlich bebeutfam ist. Hierin bewies Frl. Arndt eine überragende Kultur des Vortrags, eine mühelose Registerbehandlung und eine staunenswerte Atemtechn'ck. Doch all diese Kunst erstarb vor der ergreisenden Innigkeit, vor dem tiefen Erleben, mit welcher die Künstlerin Bachs Seele seelisch erfühlte. In Abgrundtiefen des Empfindens entschwindet die Materie: Einzelheiten tauchen in der Gesamtauffassung unter: nur langsam kommt die Erinnerung an ganz große Borbilder, an Maria Philippi, an Georg A Walter. In der anschließenden Shvrkantate: „Komm, du süße Todesstunde", wohl einer der schönsten überhaupt, welche Dach komponiert hat, erreichte das Zusammenwirken aller Kräfte seinen Höhepunkt: Es stand ganz unter dem gewaltigen Eindruck ber mystischen LiebeSglut der Tonsprache deS Meisters, vorn scHnenden Zwiegesang der beiden Flöten zu Beginn bis zu den triumphiereirden Zwetur^>drrißigsteln, welche den Grab- gefang umspielen. 3n dieser Kantate, in der die warme liebliche Melodie der QHtarie von der Ghoralstrophe geisterhaft untermalt wird, ist das Orchester, tote fast in allen Kantaten 5eß Meisters, zu äußerst feiner Charakterisierung verwendet (nicht nur die konzertierenden Instrumente!). Ich möchte hier mir an die berühmte Stelle tm zweiten Rezitativ, das von Fpl. Arndt in weltabgeschiedener Verklärung gefangen wurde, erinnern; „So schlage doch, du letzter Stunden- schlcur“ Alls Einzelnen (den trefflichen Organisten Herrn Otto Görlach nicht zu vergessen 1), alle besonders ins Gewicht fallenden Einzelheiten kann ich nicht hervorheben. Erwähnt sei etwa noch die M/r prägnante AuSfüh.una des Klagemotivs zu den Worten: Ich elender Mensch, üxt wird mich erlösen, der Quintenkanon der Oboe und Trompete in der Shoralmelodie: „Herr IesuS Christ, ich schrei zu Dir", die Soloi ioline u|u>. Innerstes Bedürfnis ist es mir jedoch, mit allem Nachdruck darauf hinzuw-eisen, daß die mufikalifche Gemeinde Gießens diese bedeutende musikalische Darbietung vor allem den hiesigen vollständigem Wechsel der Gemälde geschlossen. — •• Metalldiebstähle in Gießen. Vor einiger Zeit wurden aus einem hiesigen Betriebe ein Gleichstrommotor und Kupser- teile im Werte von über 1 Million Mark gestohlen. Die Diebe, vier jung« Leute aus Gießen, wurden in Hast gebracht. Das gestohlene Gut konnte bei Hehlern und Wtederverkäu fern teilweise beschlagnahmt werden. Da bie Diebe stets bereitwillige Abnehmer finden häufen sich die Metalldiebstähle in letzter Zeit erheblich. " Ste neue Brotpreiserhöhung wird im heutigen Anzeigenteil bekarrntgegebe.i •• Die Sperre der Gnauthstraßc von der Lessing- bis zur Goethestraße, ist ausgehoben. ** Optanten aus dem deut sch-dän i> scheu Olbtretungägebief'feien auif eine für sie wichtige Bekanntmachung Im neuesten Amtsverkündigungsblatt aufmerksam gebracht. Dir Frist zur Option ist bis zum 31. De^mber d. I verlängert worden. Das Kreisamt erteilt ben Interessenten jede gewünschte Auskunft. ** Die Neufestsetzung de« Orts lohnes wird tm heutigen Anzeigenteil bekannt gegeben. Der Konzertverein hat fein fii morgen vorgesehenes Konzert mit Rücksicht au die Wahlen verlegt. Es wird am 3. Sietem ix stattfinden. Bornotkzen. — Tageskalender für SamStag Astvria-Lichtspiele, beute und morgen: „Seeptra- ten", 3. Teil. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen: „Unter ben Goldgräbern vor Dawfon-Cith" und „Schuld unb Sühne". — TageSkalender für Sonntag Stadttheater, 3Vs Uhr: „Der Biberpelz"; 7 Uhr „Der letzte Walzer". — Aus dem Stadtlheaterbu« reau: Die Aufführung der Diebskomödie „D e r D i b e r p e l z", die zu Gerhart Hauptmanns 6V. Geburtstag etnftubiert wurde und fo außerordentlichen Anllang gefunden hat, wird morgen, Sonntag nachmittag 3*4 Uhr voraussichtlich zum letzten Male wiederholt. — Am Mittwoch, dem 22. November (Pr. Bußtag) finden zwei Vorstellungen statt. Nachmittags 31/2 Ähr wird die Künneksche Operette „Verliebte Leute", abends 7 Uhr das neueinstudierte Werk von OScar Straus „Der letzte Walzer" gegeben. — 3m Lichtspielhaus, Bahnhof ff r a 6 e, wird in der nächsten Woche ein Film „W i l d - D f r i k a" gegeben, der von der schwr> dischrn Firma Svenska Diogva'tsatern auf einer eigenen Expedition nach Dritisch-Ostafrika unter der Leitung ihres erprobten Photographen Oscar Olsson hergestellt wurde. Die Wunderwelt der afrikanifchen Großtierwelt, Sitten und Gebräichc der dort anfäffigen DvlkSstämme, die ebenso arte die Tierwelt Immer mehr dah-rnfchtotnden, treten uns in diesem Film entgegen. Trotz feiner w-issen- fchaftlichen Form ist der Film auch für jedermann verständlich Wettervoraussage für Sonntag: Vorwiegend bedeckt, vereinzelte Regenfälle Temperaturen wenig verändert, nordwestliche bis nördliche Winde. Das tm Nordvsten erscheinende Tief nimmt allmählich an 3ntenfität zu und drängt das Hochdruckgebiet nach Westen zurück. Unter feinem Einfluß werden wir mit trübem, regnerischem Wetter zu rechnen haben. Heutiger Staub des Dollars 10 Uhr vormittags: Berlin 6650, Frankfurt a. M. 6800. Musikfreunden verdankt, welche unter Heran zie^ung von Mitgliedern der Reichswehrkapelle Vas Gctne vorzüglich spielende Orchester bildeten Sie waren, sie sind die eigentlichen Getreue», die rechte Hand Trautmanns, der mit beneidenswerter Ruhe und Ueberlegenheit vom Flügel auS den komplizierten Apparat leitete. Angesichts unserer Notlage erübrigt es sich, die Streitfrage, wie stark das Orchester Bachs tnt VerHälinrs zum Thor besetzt sein .müsse, auf- zurollen. Eine Dachauffühcung bringt ohnedies Schwierigkeiten genug (Instrumentatton, Trompeten (!), Fehlen der Bezifferung in Bearbeitungen und Kl.-A). Es gilt in dieser Stunde klar zu erkennen: Mit dem Orchester steht und fällt die eigentliche bodenständige MusitübuTig größeren Stiles in Gießen Das Reifet: Wir brauchen ein einhetmisches Orchester. TrcmtmannS Großtaten in früheren Zähren wurden durch auswärtige Orchester ermöglicht (Frankfurt, Darmstadt, Beethovens Missa folemnis mit der Meininger HofkapeHelM Wer weiß, was das bedeutet, der wird diese Leistungen nur noch höher bewerten. Rur ein Finanz-Krölls würde heute ein auswärtiges Orchester nach Gießen beordern können. Ss ist also unmöglich. Ohne Orchester aber keine Symphonie, ohne Orchester lein Oratorium Laßt uns bedenken, welch' liebevolle Pslege Professor Trautmann z. D. gerade dem Oratorium hat angedeihen lassen: bedenkt, daß er seit Jahrzehnten sich tiefgründig in das Studium Bachs versenkt, daß er, der glühende Brahmsver- ehrer, von Gießen aus ein Wegbereiter Regers gewesen ist. Laßt uns diesem Mann ein Orchester gründen helfen damit er es als ein feiner D^eutung und Meisterschaft würdiges Instrument fjeranbilbe. Wir hören von Rat aemeinfchaften für die deutsche Wissenschaft, für deutsche Kunst, für deutsches Schrifitum. Wir Hörei' auf der anderen Seite von Orchesterprvben, trtr 20 Minuten vor dem Ende einer Symphonie abgebrochen werden mußten, weil die tarifmäßig festgesetzte Probezeit verstrichen war. So rufe ich in dieser Stunde zur Bildung eines Orchesters der Musikfreunde in Gießen auf Laßt uns zurückkehren zu einer praktischen freiwilligen Musikudung, wie sie in den ersten Zeiten oes akademifchen Vereins bestanden hat. au dienender begeisterter Hingabe an eine große Sache. Oft war die Rücllehr zur Quelle schon der Ausgangspunkt neuer größerer Blüte. Dr. Heinrich Roes«. flUSÄ derU'L beschloß aer .jtet a Ae, ä'fe Ös.’ miingo’ u 0t riiiLör Senat J%iii Ä-Ä «A aoaM.T; Sa mildernder W Zuchthausve «MiWN WM Bekannt, beb.: Festsetzung Aus 61 unb der §§ »nsichmuigrvrbnung nmgsumtöannltaht ft Ortslohn mit ffltrfcnnt sie folgt neu festgtsei versicherte über 21 Za! Herberte ö.l6-213en. tretet oy feiner Ässen- mich für scher- '■«'S- ehinrr ft??1' TBermitotes. Engllsche Rettung Spramie für eia deutsches Berlin, 17. OloM'SoIff.) Bach einer Lon- dcner Meldung der „D. 3° tzot der Aimbarg- Llmerika-Dampser »Fürst Bülow", der rm letzten Mai eirtem britischen Dampfer mit Buderschaden bei schwerem Wetter im Atlantischen Ozean Hilfe leistete, eine Prämie von 4200 Pfund (rund 150 Millionen Mark) zugesp. »ch-n erhalten. Das ist das erstemal seit dem Kriege, dah ein deutsches Schiff von einem englischen Gerichtshof eine RettungSprämie erlangt hat. Vereitelte Kokain-Schiebung. Bekanntmachung. Infolge Erhöhung der fiommunalver» bandspreife für Mehl und der gestiegenen Unkosten im Bäckereigewerbe werden unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 18. August 1922 folgende Höchstpreise für auf Brotmarken abzugebenüe Backwaren aemSh Deschlutz der städtischen ßebensmittelbeputation vom 16. November 1922 mit Wirkung vom 20. November festgesetzt: Brot Mk. 103. - f. 1900 Gramm Brötchen „ 3.90 „ 50 „ Weizenbrotmehl „ 28,50 „ 500 „ Roggenmehl „ 27 - „ 500 „ Beim Rauf von Mehl sind Düten ober Gefäße mitzubringen, andernfalls der Der- Käufer für Stellen von Düten einen Zuschlag von 5°/e für jedes Pfund berechnen darf. Die Brotmarken Nr. 46 können noch bis einschliehlich Dienstag, den 21. November 1922 zum allen Preis von den Bäckereien beliefert werden. Die Bäcker haben die eingegangenen Marken Mittwoch, den 22. November 1922, vormittags, an das Lebensmittelamt ab- 'M«, tft na;, SM ™ eint “ neuci'iü- Ä tarn’ WSslWMW y^rnnvng mirelo s.v^iswm st? wiw 'tiiic.-BrnileteL B. Cenge. Gießen, dflreifrt.7. Mkllng, WtoWW Wegen dringendem Bedarf kaufe ich zu höchsten Tagespreisen Perser-Teppiche Brücken, KbelimS, Lougschal». Verner Japan- und China- Basen. Bronzen. CloifouueS, Gl- fenbeinsckuitzcretcu. TridenÜickc- reien.Götzeu.Bave.dorzellane usw Auch saure Sammlungen. Für^fachroeis zahle bobe Provision. Schriftliche Angebote unt. Oit-Afien ;lül27asJan d. GietzenerAnzeigererv Donnerstag, bei? 23. J. M., mb cor- mittsßß lö /-ilhcaii Hofreste wegen Betriebsausgabe versteigern: 10134 2 gute Arbeitspferde, 3 Milchkühe, wovon 2 hochträchlkg. 1 Zilchirind, zwei Mutterschafe, 1 Break, 3WirrschaslSwagen, Pflug, Egge, Jätpslua, Schleisstein, Pfubl- vumve, Psubttast, vfuhlrobr non Zink, Culkivator, 2 Ebaisengeschirre. 3Kuim»et- und 1 Sieiengeschtrr, 23lindvlehgefchtrre, Stetten und sonstige Inventarstücke. Sinn, Oek. Rat, Romrod Fö/j ächte Sodener Mineral -Pastillen coit nahezg 40 Uhren bwrtees bewihrt « WoIwm au Hieeieo, Heiser- ^•Wenpro&o> feelt aeidVereeMeimung W ttitw bffltofiMef Wrywkene (euch »H Me>M-2o*tz) überall eritiMteh. Spteipian Der frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 19. Rovember. Die verkaufte Draut, abends 7 llhr Der Troubadour: Montags 20.: Kdntgslinder: Dienstag, 21: Tiefland: Mittwoch, 22.: Die toten Augen: Donnerstag, 23.: Der fliegende Holländer: Freitag, 24. Die Draut des Lucullus, Samstag. 25.: Königs- kinder: Sonntag 26 : Mignon, abends 7 Uhr Madame Duttersly: Montag, 27.: Königskinder: DienStag, 28.: Rigolettv: Mittwoch, 29.: Eaval leria rusticana, hierauf: Der Dafa-zo. Schauspielhaus. Sonntag, 19. November: DallensteinS Lager, abends 7y3 Uhr DeS GselS Schatten: Montag. 20.: Die Weber. DienS tag. 21.: DeS EselS Schatten , Mittwoch, 22.: Ha n - nele, abends Z*/3 51hr Heber unsere Straft, 1. Teil: Donnerstag, 23.: Hannibal: Freitag, 24.: Smllia Galotti: Samstag, 25.: Die Weber: Sonntag. 26.: Heber unsere Straft, 1. Teil, abends 7 Hhr Ärnnl- bal: Montag, 27.: Demetrius, hierauf: Wallen- steinS Lager: Dienstag, 28.: Die Wider: Mitt woch, 29.: DeS EselS Schatten. Kirchliche Nachrichten. Evangelisch« Gemeinden. Dietzen. Sonntag, 19. Dov. Stadtktrche. 9l;, Pfr.Mahr. 11: Kinder!.d.MatthäuSg. 5: Pfr.Decker. — Johanneskirche. 9'/,: Pfr. DechtolSheimer. 11: Kinderk.d.Lukasg. 5: Pfraff. Delp — Stirchberg. 10. 11: Abendm. s. Mainzlar. — Daubringen. l‘/v ~ Mainzlar. 17,. - Wieseck. 10 Ubr. Katholische Gemeinde«. Dietzen. Samst., 18.Hon. 5u.8: Deicht. Sonnt. 19. Dov. 6'/,: Deicht. 7: Meffe, Kom. d. Iungfrauen u. d. Glisabelhenvereins. 8: Stom. 9: Hochamt m. Dr. 11: Messe m. Pr. 4. Jungfrauen-Kongregation. 51/,: Ehristenl. u sakram. Druderschaft. — Hungen. 8. — Sich. 10 und 7,3 Uhr. Verhaftungen wurden vorgenommen. Fünf Menschen ertemkn. tob. Mannheim, 17. Hob. Sin schweres 11 n. g t ü d ereignete sich gestern abend um 11 Uhr in Rheinau. Sieben Arbeiter, die an dem Richtfest des neuen Laufkrans der Kohlengrobhandlung Adolf Linden teilgenommen hatten, wollten in einem fremden Kahn über daS Hafenbecken fahren, um den kurz vor 10 Uhr in der Richtung Karlsruhe fahrenden Zug auf der Station Rheinau- Hafen rechtzeitig zu erreichen. Da der Kahn leck war, sank er mitten im Hasen. Von sieben Insassen gelang eS nur zwei, sich zu retten. Die fünf anderen ertranken. Eine DiedeSsagd in Kähnen. tob. Mannheim, 17. Rov Sine Diebes iagd in Kähnen fand auf bem hiesigen Floh Orchester b5JW Glichen Sett-M ins, der mit be ^IcoeicheU übrig! es lA . .Mer - «t'S* er le« welch L. mx -M: 39 Laden. gesucht. 10139 Grötzeres industrielles Unternehmen sucht für sofort durchaus bewanderte Gasherde I Schläuche Sparherde Gesenu Herde H. Schön & Co., Marburger Str. 22. Erich Beyer Juwelier, Gießen, Bahnhofstraße 1. »1MD oicajD Else Frohnhäuser Dr. iur. Richard Jacob Referendar Klavier i gebraucht, aus Privat in aute Hände äh kaufen gemein, evtl, wird ein guieö Lindholm Harmo- iiium in Tausch gegeben. An etfr. i. der GeschästSst. d. G- 91 Mk. 500 000.— aus l u. 2. Hypothek. i.grötzerenBeträgen ait^Aiiletb. Scbaum- berger ft Sohn, Lud- wigur. 30. Svrechz. 8-9»/, diil, 1-3 nm , 7-9 Uhr abd». '»°»" Danksagung Für die uns in so reichem Maße erwiesene Teilnahme bei unserem schweren Verluste sagen wir auf diesem Wege allen herzlichen Dank. Buchhalter mit fämtl. 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Die Bürgerschaft hat wohl ein Recht, zu erfahren, was eigentlich vocliegt, weswegen eine der höheren Schulen der Stadt ihren bewährten anb verdienten Leiter verliert, weswegen ein 53jäh- riger, in der besten Kraft stehender Beamter aus dem Dienst scheiden muh, weswegen der hessische Staat einem bewährten Schulmann vor der Zeit Ruhegehalt bezahlt, obwohl er in voller Arbclls- freudigkeit weiter sehr nützliche Dienste leisten könnte. Die Beschuldigungen, die gegen Direktor Schnell erhoben worden sind, sind — fo werden wir belehrt — zahlreich und ernst. Die Untersuchung gegen ihn hat unter dem Zeichen „Maßnahmen zum Schutz der Republik" gestanden. Seine Wirksamkeit scheint also der Republik schwer abträglich gewesen zu sein. Das höhere Interesse des Staates habe seine Maßregelung erfordert. Wie liegen die Dinge tatsächlich? Die Ober- realschule hatte am Tage der Beisetzung Rathe- naus nicht geflaggt. Da'Z lag, wie einwandfrei festgestellt ist, daran, dah das Drahtseil, an dem die Fahne aufgezogen wird, beim Aufziehen riß und eine Reparatur so rasch unmöglich war: die Weisung wurde gegeben, war aber unausführbar. — Schüler sollen verbotene Abzeichen getragen haben. Der Direktor hatte das behördliche Verbot allen Klassen befann[gegeben und auch sonst alles getan, damit die Abzeichen fernbüeben. Weder er noch die Menge der übrigen Lehrer hat beobachtet, daß Abzeichen getragen wurden. Rur e t n Cdjrer hat eine solche Beobachtung gemacht. Er hat dem Direktor keine Mitteilung bavon gemacht, ihm also keine Gelegenheit zum Sin- schreiten gegeben; aber die Behörde erhielt Anzeige. — 3n der Oberrealschule hat ein Bild gehangen. das aus dem Simplizissirnus stammte 7inb das in furchtbarer Ironie die deutsche Gage, wie der Friede von Versailles sie geschaffen hat. charakterisierte Auf einem Pfahl hängt em alter Wafsenrock; ein Stahlhelm ist darüber gestülpt; auf ihm steht der rote gallische Hahn. An £>er Seite ist eine schwarz-weiß-rvte Grenzschrawke gezeichnet; auf kh-r sitzen Raben und Spatzen. Darunter- liest man die Verse: Einstmals hielt uns dein Schwert die Völker der Erde vom Leibe, Heute scheucht dein Gewand Raben und Spatzen nicht mehr. DieS Bild solle, so sagt man, die deutsche Republik als Dogelscf^uche verlohnen. Die Republik? Wo ist auch nur der geringste Hinweis auf die republikanische Slaatsform? Sieht man denn nicht, daß der Zeichner des Bildes mit einem Herzen voll bittersten Jammers nichts als die furchtbare Ohnmacht Deatschla.ids schildern will, Die doch — Gott sei es geklagt! — «eine welt- kundige Tatsache ist? — Der Direktor hat _incn Zeitungsartikel, der den damaligen Präsidenten des Lanbesbildungsamts angriff, und der unter der Adresse des Lehrerkollegiums ankam, durch Anschlag am Schwarzen Brett im Lehrerzimmer seinen Adressaten zuführen wollen. — Hnb nun die Aufsahangelegenhüt. Sin Schüler gestattet sich in einem deutschen Aufsatz eine beleidigende Wendung gegen die deutsche Regierung nach der Revolution. Richt Direktor Schnell war der Lehrer in diesem Unterricht; als er Kenntnis erhielt, veranlaßte er unverzüglich eine strenge Bestrafung des Schülers. DennvH wird ihm daraus eine Anklage gezimmert; für den „Geist der Anstalt" sei der- Direktor verantwortlich — In einem Klassenzimmer soll längere Zeit eine Karikatur, Ebert und Roske in der Badehose darstellend. gehangen haben. Der Direktor hat nichts davon geäfmt; der betreffende Klassenführer auth nicht; nur ein Lehrer gibt an, sie gesehen zu haben Er hat dem Direktor feine Mittest r.m gemacht, dem Klassenführer auch nicht. Aber die Regierung erhielt Anzeige. Das — und vielleicht noch eine oder die andere ähnliche — sind die Qlnflagen, um derentwillen Direktor Schnell seinen Posten räumen Muß. Weil eine Vorrichtung zum Flaggen versagt, weil ein vorwitziger Schüler eine Karikatur a_tf- bängt und der einzige Lehrer, der sie bemerkst feinem Direktor keine Gelegenheit gibst die Ent- Die Herweghs. Sine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill. 41. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Sie haßte Ernst, der ihr so ruhig bei Tisch gegenübersah. als ob er niemals vor ihr gekniet und ihre Hände geküßt hätte Weil der Arzt einmal ihrem Vater abgeraten hatte, wegen seines Herzleidens im heftigen Wind spazieren zu gehen, durchwanderte sie im Sturm die entlaubten Wälder und stieg auf die Höhen hinauf, „dem Regen, dem Wind, dem Schnee entgegen", wie Ernst fang. 3a, er konnte fingen und Choräle spielen, während sie litt. Sie wollte krank werden, sterben. Ihr Herzklopfen nahm zu. Sie ließ sich untersuchen. „Haben Sie vielleicht in letzter Zeit etwas Aufregendes erlebt^' fragte der Arzt. Grete senkte den Kopf. „3a, etwas Furchtbares, aber ich kann nicht sagen, was." „Das verlangt auch niemand von Ihnen, gnädige Frau, aber es beruhigt Sie vielleicht, daß Ihr Herzllopfen nur von seelischen Erregu.i- gen gekommen ist und daß es sich legen wird, wenn die Erinnerung an das Erlebte schwindet." Wenn sie die Kurhausstro'« herunterkam, glaubte sie an allen Männer.t, die ihr entgegenkamen, eine Ähnlichkeit mit Lutz zu finden, und jedesmal, wenn sie eine hohe schlanke Männergestalt erblickte, zuckte sie zusammen. Ihm jetzt zu begegnen, erschien ihr als das Furchtbarste. An den Sonntagen stellte sie sich krank, um seine Mutter nicht zu sehen, dieses Haus, In dem er gewohnt. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) — II» "Ml ff ———»■«—— ■■ 1 MMM* fetnung zu veranlassen; weil irgendwann einmal Schüler (wer weiß, weshalb? vielleicht nur, um einen Lehrer zu ärgern; — so etwas kommt ja vor) verbotene Abzeichen anstecken und der Lehrer, in dessen Stunde es geschiehst dem Direktor leine Gelegenheit gibt, die Entfernung zu veranlassen; weil ein Schüler bei einem an deren Lehrer in einem Aufsatz einige sehr ungehörige Wendungen braucht (e i n Schuler von 7501), darum muß ein Mann tote Direktor Schnell von seinem Amt entfernt werden. Schnell ist politisch nie hervorgetreten; er hat seine Anstalt im Geist ruhiger Sachlichkeit geleitet und jede Politik von ihr fern» gehalten. Er ist einer der besten hessischen Schulmänner. Auf dem Gebiet des höheren Schulwesens, zumal des Mathematikunterrichts, ist er führend; er ist als Leiter pädagogischer Seminare in der Heranbildung des Rachwuchses von anerkannter Bedeutung. Das alles kommt nicht in Frage. Eine Flaggvorrichtung hat versagt; ein Schüler —einer von siebenhunderlsünfzig — hat bei einem an deren Lehrer ungehörige Worte In den Aufsatz geschrieben; einer seiner Lehrer hat dem Direktor nicht die Möglichkeit gegeben, gegen verbotenerweise getragene Abzeichen einzuschrellen; und so weiter. Zum Schuh ber Republik muß der Direktor von der Anstall weichen. Die diesen Beschluß wollten und herbeiführen halfen, ebenso wie die, die ihn durchsetzten (er wird ja mühsam durchgesetzt worden fein!), glaubten die Republik zu schützen. In Wirklichkeit haben sie ihr schweren Schaden getan. Denn auf diese Weise macht keine Aegierungsform moralische Eroberungen. Auf diese Weife züchtet sie einen Geist, der sich mit echter Kollegialität verträgt wie Feuer und Wasser, und verbittert die geraden und offenen Leute, entfremdet sich die Charaktere. Mit Sorge sehen wir, die wir das Beste des hessischen Staates wollen, was hier geschehen ist. Daß unsere Oberrealschule ihren trefflichen Direktor verliert, ist schlimm. Schlimmer ist die Art, wie man ihn ihr genommen hat. Die „Erkrankung" des Franken. Zu den an „Auszehrung" leidenden europäischen Wahrungen, wie Rubel, polnische Mark, österreichische Krone und Reichsmark, gesellt sich ein neuer Leidensgenvsse, der P a - riser Franken. Wenn noch vor vier Wochen etwa, als sich zum ersten Mal eine scharf betonte Abwärtsbewegung des Frankenkurses zeigte, die Pariser Blätter diese Erscheinung als nur vorübergehend darstellen wollten, so haben sich seitdem doch so eindringliche Symptome fortschreitender und schwerer Erkrankung des Franken bemerkbar gemacht, dah von einer zufälligen Erscheinung keine Rede mehr sein kann. Die nachstehende Tabelle über die Entwicklung fremder Devisenkurse an der Pariser Börse wird daS belegen. Es wurden Franken gezahll für: Md. Sterl. Doll. Schw. Fr. Hott ©ul im Frieden 22,22 5,18 100,03 203,80 9. 10. 57 77 13.22 245.50 51100 11. 10. 58 68 13 24 257 25 515.00 23.10. 60 21 13 45 245/. 5 528 53 25. 10. 62.59 14,07 257,00 550,00 7. 11. 69 50 15 59 268,50 611,00 8.11. 71,81 16 06 289,50 637,00 Zahlen beweisen! Was diese Zahlen beweisen, daS ist die Tatsache eines ständigen, unaufhaltsamen AbgleitenS des Frankenwertes. Während man an der Pariser Börse noch am 9. Oktober für ein englisches Pfund 57,77 Franken bezahlte, bei einer Borkriegsparität von 22,22 Franken, muhte man zum Erwerbe deS Sterlingpfundes am 8. Rovember, also vier Wochen später, 71,81 Franken, d. h. rund 14 Franken mehr bezahlen. Woher dieser Zer- setzungsprozeh? Ursprünglich hat man versucht, ihn auf englische Spekulation, auf die Rotwendigkeit ausländischer Getreidekäufe zur Ergänzung der unzureichenden Inlandsernte zurückzuführen. Der Grund liegt tiefer. DaS , Vertrauen zum französischen Franken geht im wachsenden Mähe verloren, weil die Politik der französischen Regierung in der Reparationsfrage mehr und mehr daS Vertrauen des Auslandes in eine gesunde finanzielle und wirtschaftliche Zukunft Frankreichs schwinden läßt. Der HntergangDeutsch- lands ist der Riedergang Frank- r e i ch S. Die Finanzlage Frankreichs ist heute schon verzweifelt, hauptsächlich durch das Verschulden der Pariser Regierung. Der Staatssäckel hat ein enormes Loch, weil man ohne Maß und Ziel drauf losgewirtschaftet hat, von der Selbsttäuschung befallen, Deutschland werde schließlich alles bezahlen. Run Deutschland zahlungsunfähig ist, stürzt auch das Kartenhaus der französischen imperialistischen Politik zusammen. Allen Prophezeiungen, allen Warnungen zum Trotz hat man in Frankreich seit vier Jahren die selbstmörderische Politik der Reparationen verfolgt. Was alle Kassandrarufe nicht vermochten, die französischen Staatsmänner von der Unvernunft ihrer Blut- und Eisenpolitik zu überzeugen, ba£ dürfte nunmehr dem sinkenden Franken gelingen, denn es ist klar, dah über kurz oder lang der Sturz der französischen Währung nach innen und außen tiefgehende politische, wirtschaflliche und moralische Folgen zeitigen muh. „Es ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muh gebären!" Vielleicht sieht man drüben nun ein, dah Deutschland und Frankreich Schicksalsgefährten sind. Deutscher Reichstag. 269. Sitzung, 2 Hhr nachmittags. Berlin, 17. Rov. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Antrags Hergt (Dntl.) auf Ermäßigung der Inseraten st euer. Der Ausschuß hat einstimmig beschlossen, die Steuer für die erste Million der vierteljährlichen Inserateneinnahme aus l/2 Prozent zu ermäßigen, für die zweite Million auf 1 Prozent, für die dritte Million auf ll/2 Prozent und für die höheren Einnahmen auf 2 Proz. Abg. Könen (Komm.) beantragt die Aushebung der gesamten. Hmsahsteuer, da diese nur den Verbraucher belaste, wahrend die Besitzenden mit ihrer Einkommensteuer noch um Jahre im Rückstand wären and schließlich mit dem entwerteten Gelbe .bezahlten. Redner beantragt besonders die Befreiung der Konsumgenossenschaften von der Umfat)[teuer Abg. Bruhn (Dnll.) tritt für den Antrag des Ausschusses ein. Abg. Kahmann (Soz.) gibt zu, daß die Hmsatzsteuer in roher Weise wirke und beseitigt werden sollte. In nächster Zeit würden die Sozialdemokraten die Befreiung der Konsumgenossenschaften beantragen. Jetzt aber hätten sie keinen Anlaß, dem kommunistischen Antrag zuzustimmen. Der Antrag Könen wird sodann abgelebt und der Ausschuhantrag in zweiter und dritter Lesung angenommen. Gegen den Antrag stimmen nur einige Kommunisten. Die neue Vorschrift soll mit Wirkung ab 1. Januar 1923 in Kraft treten. Die Rovelle zum Gewerbe - und Kauf- mannsgerichtsgefetz, durch welche die Zu- ständigkeits grenze der Geldentwertung entsprechend erhöht werden sott, wird nach kurzer Aussprache in allen drei Lesungen mit der Maßgabe angenommen, dah die Gehaltsgrenze für die Zuständigkeit auf 810 000 Mk. erhöht wird. Alsdaim wird Die Aussprache über die neue Geschäftsordnung des Reichstags fortgesetzt. Abg. Ledebour (1L €k) protestiert gegen die schematische Verkürzung der Redezell und beantragt Zurückverweisung des Entwurfs an den Ausschuß. Rach unwesentlicher Debatte schließt die allgemeine Aussprache. Der Antrag Ledebour wird gegen die Stimmen der Antragsteller und der Kommunisten abgelehnt. Abgelehnt wird ferner ein Antrag der Deutschnationalen, der auch von der Mehrheit der Dolkspartei unterstützt wurde, wonach der Reichstagspräsident mit seiner Wahl aus seiner Fraktion auszuscheiden hat. Das Haus nimmt eine Reihe von Anträgen ohne weitere Debatte an. darunter einen Antrag der Volkspartei auf Ciischung eines Ausschusses für DerkehrsangelegenHellen. Rach längerer unwesentlicher Debatte wird die Wellerberatung auf morgen mittag 12 Hhr vertagt. Außerdem kleinere Vorlagen. Schluß 6 Hhr. Die Teuerung im Ausland. 3m Gegensatz zu der in Deutschland immer schneller fortschreitenden Verteuerung der Lebenshaltung ist im Ausland, abgesehen von Oesterreich und Polen, auch weiterhin eine gewisse Stetigkeit der Kleinhandelspreise und Sie konnte weder essen noch schlafen, und lange nachdem Ernst sein Licht gelöscht hatte, las sie beim Schein der blau beschirmten Lampe und versuchte ihre Gedanken abzulenken. Sie hatte jetzt einen Freund in einer Leihbibliothek, der ihr die interessanten Bücher schon eiygecoickett zurechttegte, mit denen sie ihren Seelenzustand zu beruhigen versuchte. Sie brauchte Liane nicht mehr dazu. Sie durchblätterte die psychologischen Studien In den Rächten mit heißen Augen und hämmerndem Herzen. Aber eS waren doch nur gedruckte Zeilen, und in allen Helden fand sie Lutz wieder. 3a, selbst das indische Lehrbuch der Erotik schien von ihm zu sprechen. Von den von den Frauen bevorzugten Mäimern, „welche Kenner des Lehrbuches der Liebe sind, Leute, die sich gern in öffentlichen Gärten und im Theater zeigen, sich kostbar kleiden und leben . . .“ Sie warf das Buch in die Ecke. Es gab so viele Lutz? Ach für sie gab es nur einen! Sie begann zu rauchen. Die Männer rauchten immer, wenn sie schwere gebauten loswerden wollten. Ernst paffte den ganzen Tag Zigaretten, warum sollte sie nicht rauchen? Es stand ihr außerdem. Eie probierte vor dem Spiegel, wie es aussah mit dem zierlichen Zigarettenhalter, die Ringe glitzerten dann so hübsch Sie bat den galanten Provisor in der Apotheke nebenan, ihr Gift zu verschaffen. Er besorgte ihr sonst alles, was sie verlangte, aber jetzt zog er sich plötzlich in seine Schale zurück. „Wozu braucht eine so hübsche junge Frau denn Gift?" meinte er mißtrauisch und sah sie forschend mit seinen schwarzen (Brombeeraugen an, „Für die Ratten," sagte Grete. „Sind in dem Gold.nbergfchen Hause Ratten? Das muh ich doch mal dem alten Herrn mittcilen, der immer so überlegen tut, als sei fein Haus unübertrefflich gebaut,“ und er rückte nichts heraus. Wahrend solcher Giftmordgedanken klingelte das Telephon und Mama fragte, ob Grete denn die „Aida" vergessen hätte, sie hatten sie heute im Abonnement. Ach, jetzt mußte man sich wieder umkleiden, und diese alten Priester mit ihren langen Flachs härten und den Posaunen axiren ihr heute geradezu widerwärtig. Wenn es wenigstens „Feidora" geoefen wäre, wo es sich um Verrat, Duell und Mord handelte. . . • Der Arzt, den Grete im Winter häufig aussuchte, hatte ihr geraten, es mit Luftveränderung zu versuchen So überredete sie Ernst, im Sommer eine Rordlandreise zu machen. Er hätte Italien vvrgezogen, aber Grete liebte das Unbekannte. „Italien kenne ich ja." Die kühlen nordischen ßänber zogen sie an. Sie reiften über Kopenhagen, wo sie die erste Station machten, nach Christtania, Bergen und DroMheim, von dort traten sie die Rordland- fahrt an. Es war Ende Juli und das letzte licht- schimmernde Luxusschiff, das eben vom Rordkap zurückkam, begegnete ihnen an den Lofoten. Rur einige schweigsame hagere Engländer mit langen Angelruten befanden sich auf dem Postschnellschiff, ein in Lodenmäntel gehülltes älteres Professorenehepaar und ein junger Maler aus Düsseldorf. Emst unterhielt sich mit dem Professor, einem überzeugten Demokraten, über Politik und mit dem dicken Kapitän über die Samstag, j8. November (922 damit auch der Lebenshaltungskosten zu verzeichnen. Tellweise halt die Abwärtsbewegung weiter an. 3n England ist dies im August nach den in der „Labour Gazette" veröffentlichten Berechnungen hauptsächlich auf die Preissenkung von Kartoffeln, die 36V.H. betrug, zurückzuführen. Auch Fleisch, Mehl und Brot sind etwas billiger geworden, Eier und Fische dagegen haben im Preise wieder etwas angezogen. Auch bei den Bekleidungsgegenständen macht sich eine geringe Abschwächung-bemerlbar. In Frankreich (Paris) ging die Indexziffer für die Ernährungsausgaben im August um 2,7 v. Sy zurück und erreichte damit den bisher günstigsten Stand. Gegenüber dem im Rovember 1920 erreichten Höhepunkt haben sich hie Lebenshaltungskosten in Paris um 32,2 v. H. verringert. In der S ch w e i z bietet der August in der Bewegung der Preise das gleiche Bild wie in den beiden Vormonaten. Bedeutendere Preisverschiebungen bei Butter, Schweinefleisch und Kartoffeln lassen vermuten, daß der Preisabbau sein Ende ge funden hat und die Preise wieder anziehen werden. In Italien, Schweden und Finnland sind die Lebenshaltungskosten im August wieder, wenn auch nicht erheblich, gestiegen. 3n Oesterreich haben sich die wirtschaftlichen Verhältnisse im September erneut verschlechtert. Der Wert der österreichischen Krone ist im Vergleich zum August um die Häufte zurückgegangen. Demzufolge sind eine ganze Reihe von wichtigen Lebensmitteln aus, mehr als das Doppelte der Augustpreise gestiegen. Rach den Preisfestsetzungen der Paritätischen Kommission stieg der Preis für ein Kilogramm Mehl von 5000 Kronen auf 8550 Kronen, für 1 Kilogramm Reis von 4750 ruf 8450 Kronen, für 1 Kilogramm Rindfleisch von 11 500 auf 26 000 Kronen. Der Preis für 1 Laib Brot von 1200 Gramm erhöhte sich von 3140 auf 6460 Kronen. Ein Herrenanzug zum Friedenspreis von 45 Kronen, der im August 450 000 Kronen kostete, stieg auf 990 000 Kronen im September. Für ein Paar Herrenschuhe (14 Kronen im Juli 1914) wurden im August 140 000, im September 270 000 Kronen gezahlt. Aus den Berechnungen der Paritätischen Kommission ergibt sich für den September eine Verteuerung der Lebenshaltung gegenüber dem Vormonat um 91 v. H. Die weitaus größte Steigerung haben die Aufwendungen für Heizung und Beleuchtung mit 135 v. H. erfahren. In P o l e n (Warschau) hat sich der Fortschritt der Teuerung etwas verlangsamt. 3m Durchschnitt des August ist der Ernährungsaufwand einer vierköpfigen Arbeiterfamilie um 15 v. H. gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Gesamtausgaben für die Lebenshaltung stellten sich im August auf das 908fache der Friedenszeit. Aus Stadt und Land. Gießen, den 18. Rovember 1922. Die Hessische Handwerkskammer tagte am Mittwoch inDarmstadt lln Rathaus- faale unter dem Vorsitz des Geh. Gewerberates Falk- Mainz. Dieser machte Mitteilung von der Bildung eines LandeSaus schuss es zur Durchführung der hessischen Rothilfe und forderte zu deren Unterstützung auf. Syndikus Schüttler erstattete dann den einge^enben Tätigkeitsbericht des Vorstandes, aus dem die sehr umfangreiche Arbeit der Kammer hervvrging. Die Iahresrechnung mit 439 350 Mk. in Einnahme und 438 570 Mk. in Ausgabe wurde genehmigt, ebenso wurde ein Rächt ragsvoranschlag gutgeheißen. Heber die Preisbildung Im Handwerk erstattete Sekretär Lindemann Bericht Es wurde eine Entschließung angenommen, welche sich auch gegen die Wucheranschuldigungen gegen das Handwerk wendet. Heber das Lehrlingswesen teilte der Syndikus mit, daß der vorjährige Beschluß der Kammer aus Erhöhung der Lehrzeit um y2 3ahr nicht die Zustimmung der Aufsichtsbehörden erhalten habe. Es stehen neue Verhandlungen bevor, liegen die verfehlte Lohnpolitik der hohen Löhne an ungelernte Arbeiter Loslösung Rorwegens von Schweden. Die Pro- feffotenfrau war von männlichem Geist erfüllt und sozialistisch angehauchtt, weshalb Grete sich von ihr femhielt. Es regnete viel, und man fror. Ernst hatte ein Klavier entdeckt und spielle Grieg oder phantasierte an Regenabenden, während die anderen beim heißen Glühpunsch saßen. Der Maler blieb Grete überlassen. Er erzählte ihr, daß er meist Akte male, seine „badende Rymphe" war in Christtania im Rluseum ausgesteltt. Durch ihn lernte sie auch andere Maler fermen, in einem Grandhotel in der norwegischen Hochlandwüste. Als sie den schweigsamen Ael- teften, der ewig mit seiner Shagpfeife am Kaiyin saß und sich nie aus seinem grauen Sweater herauswickelte, fragte, was er eigentlich male, antwortete er barsch: „Ich male nur Schnee." Emsts Rerden tat die Reise Wohl. Er lieh die ernsten, stummen Felsengebirge an den blauen stillen Fjorden und der endlosen zerrissenen Küste, die schweigende, erhabene Schönhell des Rordens auf sich einwirken und verbrachte die Hellen Rächte oben In seinem Liegestuhl, zu den Sternen auf- schauend, die wandelnde Beleuchtung am Racht- himmel beobachtend. Als sie nach sechs Wochen wieder zurückkamen, formte Grete nicht genug von den redenden weißen Füchsen, die sie in Bergen gesehen hatte, erzählen, sie hatte sich einen herrlichen Polarfuchs gekauft, tote ihn die schlanken Kopenhagerinnen über die Schulter trugen. (Fortsetzung folgt) wurde Stellung genommen. Wettere Beschlüsse betrafen die Ane rkennung der Kunst- st id erel a l S Handwerk mit dreijähriger Lehrzeit 3um Schlich behandelte Direktor P a e ch eingehend die Detsiligurvg des Hess. Handwerke« an Den Reparationsleistungen, die Verhandlungen mit dem StlnneS-Konzern ufto. ♦ **RetfeprüfungenfowiePri'fun- gen -um Nachweis derReifr für Obersekunda und Prima Da« Landesamt für daS Dildungswesen gibt Mannt: Reiseprüsungen für Richtschüler und MchtschÜlerintten finden im Frühjahr 1923 stakt. Der mit 1,50 Mar! stemprl- pslichkigen Meldung, die bei dem Landesamt für da« Dtldungswesen einzureichen ist, find hinzu- Aufügen: LeoenSlauf. Leumundszeugnis, Nachweis oeS Bildungsgänge- und der Vorbereitung auf die Prüfung, sowie die letzten Schul- und Privatzeugnisse. Genaue Angabe der Anschrift ist nötig. Zu den Prüfungen werden in der Siegel nur solche zugelassen, die durch Geburt oder Wohnort der Ottern dem Volksstaat Hessen angehören oder seit mindestens drei Jahren die hessische Staatsangehörigkeit besitzen Nichthessen bedürfen für die Zulassung der Genehmigung der älnterrichtS- Verwaltung des Landes, dem der Prüfling angehört. Bei der Meldung für die Prüfung können Wünsche wegen Zuweisung an eine bestimmte Anstalt vorgeboacht werden, die nach Möglichkeit berücksichtigt werden sollen. Bei der ebensallS stempelpslichtigen Meldung für eine Prüfung zur Erlangung der Reise für Prima ober Obersekunda genügt die Vorlage des LebensgangeS, Leumundszeugnisses, des letzten Schulzeugnisse« und deS Nachweises über die Art der Vorbereitung. Für die Zulassung gelten im allgemeinen dieselben Bestimmungen wie für die Reifeprüfung. Mitteilung über die Zulassung. Ort und Zeit der Prüfung erfolgt durch die für die Prüfung In Betracht kommende Direktion. Meldeschluh am 25. Dezember 1922. Erst nach Ablauf dieser Frist etntaufentte oder durch nachträgliche Vorlage einzelner Aachweife ergänzte Gesuche können nicht berücksichtigt werden. ** Der Po st Paketverkehr mit Polen wird am 1. Dezember ausgenommen. Zulässig sind Postpakete bis 10 Kilogramm, und zwar gewöhnliche und solche mit Wertangabe bis 1000 Fr.; Nachnahmesendungen und Pakete mit Zollfrankozettel können vorläufig nicht angenommen werden. Die Gebühren betragen für Pakete bis l Kilogramm 85 EtS., über 1 bis 5 Kilogramm 1 Fr. 25 EtS^ und über 5 bis 10 Kilogramm 2 Fr. 5 DtS.; Sperrgut 50 d. H. Zuschlag. Wünscht der Absender die Leitung über die Tschechoslowakei, so erhöhen sich die Gebühren auf 1 Fr. 15 Et«., 1 Fr. 55 Et«. und 2 Fr. 65 Et«. Für Wertpakete wird neben der Gewtcht- gebühr noch eine DehanblungSgebühr in Höh« der tarifmäßigen Einschreibgebühr und die Bersicherungsgebühr von 50 Ets. für je '300 Fr. der Wertangabe erhoben. Eilbestellung ist nur nach Postorten in Polen zulässig und kostet 50 CtS. Dringende Pakete sind nicht -uaelassen. Erforderlich sind zwei Zollinhaltserklärungen in deutscher oder französischer Sprache, dazu ein statistischer Anmeldeschein und eine Ausfuhrerklärung. •• Warnung vor unlauteren Da r- Lcfrcn« »er mitt lern. DaS StreU'amt .ldi)fser en- »liste, b. L umsangreicheS Verzeichnis von Dcir- lehnSvermlltlern und Dailehnsgebern. gegen Bezahlung einer Gebühr, die meist durch Nachnahme erhoben wird, überjcn&cn. Wie berechtigt diese Warnung ist, beweist die Tatsache^ bah fortwäv- rend Verurteilungen derartiger Personen wegen Betr-ugS zu empsindlichen Strafen bekannt werden. Da auch hiesige Einwohner durch bad unlautere GeschäftSgcbabren derartiger Personen zu Schaden gekommen sind können wir unsere Mahnung zur Vorsicht gegenüber unbekannten DarlehnSVermittlern nur wiederholen. ** Der SinhettSverbandDeutscher Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebener, Dau Hessen - Nassau- Darmstadt, hielt kürzlich in Julba einen aubtr* ordentlichen Gau tag ab. Besonderes Interesse wurde dabei den Olef «raten über die .Abänderung deS ReichsversorgungSgeseheS" und über die.Soziale Fürsorge' enlgegengebracht. Hierzu nahm die Versammlung folgende Resolution an: .Angesicht« der furchtbaren Notlage der deutschen Kriegsbeschädigten u. Kricgerhinterbliebenen fordert Dec Gautag deS GaueS Hessen-Naffau-Darm- stadt de« GinheitsverbandeS Deutfcher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinkerbliebener e. D. Die sofortige Abänderung des Reichsversorgungs- gesetzes. Die deutschen Kriegsopfer erwarten, das) sich diefe Abünderungsarbeit nicht nur mit Nebensächlichkeiten begnügt, sondern vor allen Dingen einmal die von uns seit ihrem Bestehen bekämpften 25, 28, 51, 63, 64, 87 und nicht zuletzt die, Bestimmungen über die Versorgung Der alten Kriegerellern ersaht. Die Teuerungszufchuhgefehe bedeuten einen verschleierten Abbau deS rechtlichen Anspruch« aus Versorgung und müssen deshalb von unS auf daS entschiedenste bekämpst werden. Solange daS Bedürftigkeitsprinzip nicht bei der Gehaltszahlung hoher NeichSbeamter und bei der Diätenbewilligung der Parlamentarier angewandt wird, darf e« ganz bestimmt keine Anwendung auf die Kriegsopfer finden. Die Aentenfätze der Erwerbsunfähigen find an die Bezüge der Gruppe II der Reichsbefoldungsord- nung anzugleichen Wir wollen keine Almosen, sondern Recht. Die soziale Fürsorge muh unter scharfer Trennung von der öffentlichen Armenpflege weiter ausgebaut werden. Besonderer Wert ist auf die Unterbringung der Schwerbeschädigten und den Aibettsschuh der Äriegertoittoen, wie aus die Berufsausbildung der Kriegerwaisen zu legen. Dabei darf die Wichtigkeit der Gesundheitsfürsorge nicht unterschätzt werden. Der Gautag bittet die Derbandsleitung, im Sinne dieser Forderungen und der vom Verbandstage bi Magdeburg in dieser Hinsicht vertretenen Grundsätze bei den bevorstehenden Verhandlungen mit der Regierung zu wirken und keinen Schritt breit von den ausgestellten Mindestforderungen zurückzuweichen. Die Versammlung gibt der Erwartung Ausdruck, baf) die verantwortlichen ReichS- instanzen endlich sich bereit finden, denen, die in schwerer Zeit Leben und Gesundheit in die Schanze schlugen, zu ihrem Rechte zu verhelfen." KreiS Friedberg. *Dad-Nauhelm, 16. Nov. Bis heute betrug der Vefarntbefuch 39 929 Personen. Starkenburg «nd Rheinhessen. * Darmstadt. 16. Nov. Gin von hier nach H o l l a n d in eine Hau Shaltung«stelle engagierte« Mädchen schickte von dort In einem gewöhnlichen Briefe 12 Gulden an die hier wohnenden Eltern Der Bries kam aber nicht an, so bah die Familie mit seinem B e r l u st rechnen muh Dieser beziffert sich nach dem heutigen Valuta stand auf etwa 36 000 Mark. fpd. Offenbach, 17. Nov. Bei einem Einbruch In ein Fabriklaaer wurden in einer der letzten Nächte Brieftaschen, Aktenmappen und einige kleine Musterkoffer im Gesamtwert von 600 000 Mark gestohlen. Aus einer anderen Lederwarenfabrik stahlen Einbrecher viele Brieftäschchen, Autolacktaschen und Handtäschchen Im Werte von mehr als einer halben Million Mark. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M., 1. Nov. Die Metalldieb st ühle in den hiesigen Fabriken haben In den letzten Wochen einen derartigen Umfang angenommen, daß die Fa- brikleltungen und die Polizei ihnen völlig machtlos gegenüberftehen. Bortpiegend kommen Jugendliche als Täter in Frage, die, an- gelockt durch die hohen Metallpreise, die die Händler bieten, sich zu den Diebstählen verleiten lassen. 3n den letzten Tagen wurden verschiedene junge Burschen dabei ertappt, als sie bet Althänülern derartige gestohlene Waren absetzen wollten. Für mehr al« 400 000 Mark Mefsingstangen entwendete der Nachtwächter Ludwig Kaufmann aus der von ihm zu betreuenden Fabrik und verschacherte sie an Althändler. Für 100 000 Mark Stangen konnten wieder herbeigefchafft werden. fpd. Königstein, 17. Nov. BIS jetzt haben sich um die hiesige Bürgermetster- stelle 117 Bewerber gemeldet. fpd. H ö ch st a. M., 17. Nov. Zum Direktor des Gymnasium und der Vberreakschule wurde der sozialdemokratische Stu- dicnrat Dr. DeiterS aus Berlin vom Magistrat. dessen Mehrheit sozialistisch ist. gewählt. DaS Kuratorium und die Lehrerschaft hatten sich gegen diesen Herrn ausgesprochen. Gegen die Wahl wird Einspruch erhoben. GchLtch1nngsau4schutz der Provinz Oberhessen. Verhandlung vom 16. November. Für die Hilfsarbeiter des AfphaltiergefchüstrS Eonrad Rübsamen in Giehen schlug der Schlichtungsaasschuh Erhöhung der bisherigen Löhne um-60 vH ab 6. 11. 22 und um 75 v. H.. d. h. weitere 15 v H., für die Zeit vvm 20. 11. bi« zum 2. 12. Vor Der Stundenlohn des Arbeiters über 25 Jahre kommt damit auf 136 Mk. und 148,75 Mk. Beide Parteien erkannten den Schiedsspruch an. In einer Enttassungsfache vereinbarten die Parteien gerichtlichen Auftrag. Die übrigen Ber- handlungsgegenstände erledigten sich durch Der- stündigung vor der öffentlichen Bersrnndlung oder muhten vertagt werden. «tetzcner Strafkammer. Sitzung dpm 14. November. Der Kausmann Willi W. in Giehen wurde wegen Preistreiberei zu einer Geldstrafe von 3000 Mk. verurteilt, weil er Mitte Zull d. Z. für da« Pfund alte Kartoffeln 5 uno 6 Mark gefordert Halle. Aus Grund der Sachverständlgen- auäfagen hielt das Gericht als höchst zulässigen Preis 4,50 Mk. für angebracht, wobei es annahm, bah der Angeklagte die Kartoffeln für 3,60 Mk. eingetaufl hab« Aicher dem wurde er in eine Geldstrafe von 150 Mk. genommen, weil er ein Preisverzeichnis nicht auSgehängt hatte. Der Gchmledgeselle Wilhelm G aus Höckers- dorf wurde von -er Anklage, es u itecnommen zu haben, den Heinrich S. aus Dihfeld zur Begehung eine« Meineide« zu verleiten, frei- gesprochen. E« konnte nicht festaestellt werden, oah die ihm zur Last gelegte Okulierung: »Wenn du fv viel sagst, bann verhaue Ich dich" Denig auf die demnächst stattfindende Dchöffengerichtsver- handlung hatte, in der S. als Zeuge auftreten sollte. Der jugendliche Arbeiter Friedrich W. aus Friedberg erhielt wegen Vornahme unerlaubter Handlungen an einem dreijährigen Kinde eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten, die mit der kürzlich gegen ihn ebenfalls wegen eines Sittllch- keitsverbrechens erkannten zweimonatlichen Gefängnisstrafe zu einer Gesamtstrafe von 5 Monaten Gefängnis zusammenzAvzen wurde. Der Monteur Zohann Wilhelm O. au« Wattnhausen bei Kreuznach war vom Schöffengericht in Bad-Nauheim toegen schweren Diebstahl« im Rückfall zu einer Gefängnisstrafe von 13 Monaten, der Bergmann Johann O. aus demfelben Orte toegen schweren Diebstahls zu drei Monaten Gefängnis berurtellt worden. Sie hatten tn der lllacht vom 30. auf dem 31. August aus einem Kiosk in Bad-Nauheim, den sie mittel« Nachschlüssel geöffnet hatten, Bücher, Bleististe u -gl im Gesamtwert von 600 bi« 800 Mk. entwendet Sie behaupteten, die Sachen von einem hausierenden KriegStnvallden für 20 Mk. gekauft zu haben. Die Strafkammer schenkte diesen Angaben ebensowenig wie das Schöffengericht Glauben und verwarf die von den Angeklagten gegen da« erstinstanzliche Urteil eingelegte 'Berufung. Schöffengericht. Giehen. 14. November 1922. 3m Februar d. 3 trollte ein GerichtSvoll- zieHer bei einem hiesigen Korbmacher im Auftrage eines Zahnarztes zwei Pferdegeschirr« pfänden. Der Korbmacher nahm Ihm jedoch die Geschirre ab und gab sie einem zufällig dort anwesenden Fabrikarbeiter auf den Arm. Trotz arictxü'froltcr Aufforderungen gab er sie nicht heraus, hielt sie vielmehr fest, al« der Gerichts- vollziehei sie ihm abnehmen wollte. Dieser ging daraus weg, um Hilfe zu holen. Als er mit zwei Schutzleuten zurückkam. waren die Sesch'rre trotz allen Suchen« nicht zu finden: der Fabiikacbekter bemerkte dabei nod> höhnisch: „Ihr könnt alle« absuchrn, Ihi fiirdet sie doch nicht." Wie sich später- heixmSst eilte. waren die Geschirre bi einen toten Winkel zwischen dem Hause de« Korbmacher« und dem NachbarHause geworfen worden. 'Der Korbmacher erhielt wegen Widerstand« gegen die Staatsgewalt im Zusammen- treffen mit Vollstreckung« Vereitlung zwei Monate Gefängnis, wä'hrend der Fabrckarbnter auf feinen ®tnfprti h hin mit einer Geldstrafe von 2100 Mack, die an Stelle der an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Wochen trat, davon kam. Anfang« August liest ein Arbeiter aus Lunrda auf einem Obststand seine Brieftasche mll etwa 12—1300 Mk. Inhalt liegen. Ein Stadt- schüler kam zufällig an den Stand, nahm dl« Brieftasche an sich, vernaschte einen Teil des Gelbe« und gab zwei anberen Stadtschülern kleinere Beträge davon, währen- er den Rest einem Freunde zum Ausbewahren gab. Diesem wurde Da« Geld beim Baben in der Lahn angeblich von einem Friseurleh'rling gestohlen. Letzterer würbe Don Der Anklage des Diebstahls mangels auSreichenven tseweye« freweiprochen, wählend der unehrliche Finder und die Hehler mit Rücksicht aus ihre grobe Jugend mit der Strafe de« gerichtl ichen Verweises ba^ von kamen. Gin junger Bursche von hier ist verschiedenen jugendlichen Arbeitern beim Wegs-chaffea von Köhlen, die sie auf dem hiesigen Güterbahnhofe gestohlen hatten, behilflich getvesen. Wegen Be^ günstigung wird er an Stelle der an sich Der» wirkten Gefängnisstrafe von 7 Tagen zu einer Geld strafe von 700 M k. verurteilt. 3m Sommer l. 3 wurde in verschiedenen Gartenhäusern auf der <3d>önen Aussicht eing? brochm und dabei eine Menge Gegenstände von nicht unbeträchtlichem Werte gestohlen. Ein tromonteur von hrer ist angeklagt, feinen ftr3/» umnündigen Bruder zu den GinbruchSbiebstähIen veranlagt zu haben. Während der Junge früher vor der Polizei ganz ausführlich den Sachverhalt geschildert 'batte, verweigerte er heute fein Zeug» nis. Der Angeklagte mutzte daher, da er selbst die Tat enkschieden in Abrede stellte, mangels ausreichenden Beweise« frei gesprochen werden. Ein junger, vielfach vorbestrafter 'Bursch'- vr.n 'bter hat eine der Eisenbahn gehörige An,zal: Schienen und mittel« Einbruchs au« einem Ausent'hultSraum einen ArbeitSanzag und verschiedene andere Gegenstände gestohlen. Da er rückfälliger Dieb ist, eöhält er eine Gesamt- gesängnisstrafevon 1 5 Mvna ten unter, Anrechnung von einem Monat Lntersuchungvha 6 Prkdatklagen wurden teils durch Vergleich teil« durch Rücknahme erledigt. Landwirtschaft. * D i e Maul- und Klauenseuche ist unter dem Viehbestände de« H o s g u t s Hohensolms (Kreis Wetzlar) amtlich festgeftellt worden. Die Sperrmatznahmen sind angevrdnet. Dermrkchtes. * Ein Fortschritt der Wettervorhersage. Die drahtlose Telegraphie, die In so vieler Hinsicht umwälzende Neuerungen hervor- bringt, stellt auch die Wettervorhersage auf eine neue DafiS, indem sie aeftattet, Weller beobacht tungen ßaa Nordamerika airsS schnellste nach Europa zu Ebringen. Prosefsvr Kahner, der diesen Fortschritt der Meteorologie in der .Leipziger Illustrierten Zeitung" behandelt, hebt hervor, 6ah die drahtlose llebermttlhing der Wetterbeobach- tungen der Schiffe bisher zu viel Zeit erforderte. um für die tägliche Vorhersage von Nutzen zu fein. Diefe drahtlosen Meldungen tonnten nur insofern verwertet werden, als sie ein Tiest dru ckgebiet anzeigten, das uns bekanntlich sch ech tes Wetter bringt Erst seitdem die Schiffü apparate sehr verstärkt worden sind, ist ehr enget cs Zusammenarbeiten der Meteorologen mit der Organisation der drahtlosen Telegraphie möglich. Der neuerdings erzielte Fortschritt besteht darin, bah, nachdem um 11'/- ilfrr Greenwicher Zett, d. h. um 12‘/j Ühr deutsche Zeit, der Eiffelturm die Wellerbeobachlangen von Europa In die Welt «hat, !•/•> Stunde später das Wellerbursau iretnigten Staaten die Beobachtungen von 30 Stationen ihres Landes, ferner der Derrnuda- 3nseln und von mehreren Stationen aus Kanada herüberfunkt. Da auherbem noch Schisse zwischen Europa und Amerika drahtlose Meldungen geben, so gewinnt man ein sehr autes Bild von Den Wetterverhältnissen des größten Teils der nördlichen Halbkugel, nämlich vom Ural bl« nach Kalifornien. Jetzt kommen auch nod) die Meldungen der nordöstlich von Island gelegenen Insel Ian Mayen hin^u, die namentlich für die Wettervorhersage in Norwegen und Schweden ausgeiiuht werden formen. Ebenso wichtig wären auch Nachrichten aus den Tropen, den-i unser Leben hängt von dem Wärme-Motor Sonne ab, und dieser wirkt in den Tropen am krustigsten. * E i n Immer tagendes s chwa rze« Parlamen t. Auch dieHegerftaalen haben heute schon ihre Volksvertretung^ und es gibt in Afrika Stämme, bei Denen der Parlamentarismus sehr gebildet ist. So erzähll der britische Kommissar von Nordrhodesien D. W. Stirfe in seinem soeben erschienenen Buch .Barotfeland" von Den Barotse. datz sie auf ihr Parlament, daS „Kotla", sehr stolz sind. Diese schwarzen Volksvertreter haben täglich Sitzungen, und eS gibt außerdem auch eine Art Oberhaus, da« „Dtkalu", da« nicht nur bei Tage lagt, sondern Tag und Nacht „in zwei Schichten". Die DerhanBlungen gehen mit au herordentlicher Geheimnistuerei vor sich, und die älnterhaltung wird ganz im Flüsterton geführt. Rach den parlamentarischen Sitten der Biiroisc spricht zuerst das jüngste Mitglied jeder Partei, und die Debatten werden von dem Premier- mlnifter, dem „Naambela", geleitet Zuftimmu-ra wird durch Händeklatschen kundgetan. Ist u;an sich über eine Sache nicht im Klaren, dann wird Bot° schaff zum Häuptling geschickt, der durch den ^Überbringer seine Botschaft in /Uiftimmenbem oder ablehendem Sinne zurückfendet. Ist das Parlament Der neueste „Sudermann". Au« Königsberg l Pr. wird un« ge- fchrfeben: Als Sechziger schafft Sudermann rüstiger denn je. Stein um Stein fügt er zu dem groben Wert, feiner Zett ein Denkmal au errichten, Sie .Zeit In Dramen" zu formen und au fnffen. Von jeher auf den PulSfchlag de« Tages horchend, entnimmt er setzt leine Stoffe unmittelbarster Gegenwart. Erst suchte er in dem ZhlluS „Die cntgötteile Welt" nach den Gründen unsere« Niedergänge«, dann malte er diesen selbst In der Sramcnrcibe „DaS deutsche Schicksal", und nun Uber inmitten der traurigen Nachkriegsjahre. Sein neuestes Werk „W i e d i e Träumende n", ein Schauspiel in vier Akten und einem Vorspiel, ist daS Drama der Heimkehrer, jener Delt- kriegSkämpfer, di« - dem Tod entronnen, dem Leben aber noch nicht recht zurückgegeben — die neue Wirklichkeit wie einen Spuck empfinden. Gleich einer guten Predigt, ist der Dichtung ein Bibelte?! zugrunde gelegt, der erste VerS de« 126. PfalmS: .Wenn der Herr die Gefangenen Zion« wird erlöfen, bann werden wir fein unc die Träumenden." Die Poesie dieses (Gebauten« ist bei Sudermann nicht ausgeschöpft. Vielmehr ist bet ihm da« darau« geworden, was von ihm am ehesten zu erwarten ist: ein handfeste« Theaterstück, besten Reiz nicht bi suggestiven, neuartigen Formen, sondern bx der klug erdachten, straff durch- gefüorten Fabel liegt. - Au« drei Jahren sibirischer Gesanaeistch.ifl kehrt Leutnant Rudvls Arne- mann nach Berlin zurück, unfroh, bcrbltterl, unklar über seine Zukunft, ein Wiedersehen mit feiner ihm völlig entfremdeten Braut eher fürchtend als ' c actzreyd. In bielyii Gesützj tzer Mslchei^it schickt er einen Kameraden al« Sreltoerber. den zarten, gütigen Fritz Thlleniu«, Der im Felde für ihn fein Leben eingesetzt und bei dieser Opfertat einen schweren Lungenschuh davon getragen hat. Ltssa Hart, die in den Jahren vateriLndlfcher Bedrängnis ein ganz anderer, felbstandiger, freier Mensch gewordeii ist. fühlt sich zu dem zarten Kunstlermenscheir ThlleniuS immer mehr hin- fiezogcn. von dem ehemallgen. Verlobten aber um o mehr abgcflohen, al« sein Egoismus immer deutlicher zu Tage tritt. Als „Freund Fritz" unter der selbstgewählten Aufgabe, die bellten wieder zusammcnzuführen, physisch zerbricht, besinnt sich Lissa aus ihren ehemaligen Schwestednberus und beschlicht, den selbstlosen jungen Helden zu pflegen, zu heilen, und, wenn e« fein mutz, auch zu begraben. Die alte Liebe und ein neue« Techtelmechtel werden begraben zugunsten der heiligen Ömpflnbung, die „Freund Fritz" In ihr Herz gesenkt hat. Das ist der Grundterri der Handlung, in die noch viele Nebenmotiv« künstlich verschlungen sind. Wohltuend wirkt eine gewisse Enthaltsamkeit im Theatralischen. zu der noch die betanmten alten Vorzüge der Sudermannschen Technik kommen: Sinn sür volkstümlich« Wirkung, sichere Zeichnung der ilm- welt. sauber errechneter Inhalt, meisterliche Art, mit der da« Netz der Exposlttoo dem Hörer über den Kops geworfen wird. Fietlich. ohie Zufälligkeiten. Geiimlstamkeilen. Hilfskonstruktionen, Hn- wahrschekniichkelten geht cvl auch hier nicht ab — fle sind bei Sudermann fast ebenso selbstverständlich wie seine technische Geschicklichkeit. Die Aufsiihrung Im Neuen Schauspielhaus 'vor vorzüglich und trug nicht wenig dazu bet, bah oc anwesende Autor an die zehn Mal aerusen wurde, * Da« Schloftamseom der Stadt Nhshdt. Man fchretbt un« aus Rheydt vom 15. November: Im Obergeschotz des Rheydter Schlosses, eines prächtigen BliudenkmalS der Niederrheinkschen Re- naiffance, wurde heute das Schlotzmufeum der Stadt Rheydt eröffnet. DaS von Otto von Bylandt, Herren au Rheydt (1554—1591) erbaute Schl oh befindet sich feit 1917 im Besitze der Stadt Rheydt und des Verein« „Volkswohl" In M.-Gladbach. Den Besitzern zur Seite steht ein Schlptzvereln, der sich die würdige Instandsetzung und Erhaltung des Schlosses zur Aufgabe gemacht hat Seitdem sind die interessanten Befestigungsanlagen der alten Wasserburg auS dem 16. Jahrhundert gröhtenteil« wieder freigelegt und zugänglich gemacht und die versumpf len FestiingSgräben in klare Wasserspiegel verwandell worden. Die unteren Schlotzräum« sind mit guten alten Porträts, meist aus dem 17. Jahrhundert, und antiken Möbeln auSgestattet. Als besondere« Verdienst der Stadt Rheydt muh die Nutzbarmachung der bisher leerstehenden oberen Schloh- räumc au MuseumSzwecken hervvrgehoben werden. Das Museum ist In erster Linie ein Heimatmuseum und soll ein Hort des Deutschtum« am linken Niederrhein sein. Es besitzt daneben auch eine wertvolle antike Abteilung, hauptsächlich römische Keramik, Gläser und Bronzen enihallend. ein Vermächtnis des verstorbenen Landaerichts- rat« Joses Seuwen an seine Vaterstadt Rheydt. Auch eine reichhaltige Bibliothek heimatkundlicher, meist nteDerrhetnischer Literatur, ist an- geschloffen. Die Geltung t>e« Museum« llegt bi Händen des MajorS a D. Otto Kempfs auf Schlob Rheydt, e i, n e 6 reb p. cen.cn Glebe n c r 8. Ein Besuch des Intereffailten Schlosses und seines MufeumS wird manche Anregung geben zur Pflege des Heimaifirme«. die In unserer trüben Zeit hier doppelt vomwten ist und deren sich die Stadt Rheydt In so vorbildlicher Weise angelegen fein läm. — Di«Entdeckungeines neuen Vs - kimostammcs. Nach einem Bericht Der Kosten - Hagener BerllnSke Tidende hat der bekannte Polarforfcher Rasmussen von feiner „ Fünften Thule-Expedition" nach Nordvstamerika einen Bericht gefenitet. In dem er &ic Entdeckung eine« neuen Eskimostammes mittettt. Er traf zwischen Eyesteifield Inlet und dem ')>llhkied-Sec westlich Don der Hudson-Dai auf Stämme von Eski mos. die noch niemals ein uvlhcr Mann gesehen hatte. Sie leben ausschließlich von Der Zagd auf da« Remitier und von Fischen: sie wohnen in Schneehäusern. die sie nicht ec- wärmen können. Iw fle noch nicht gelernt haben. Tran zu fleben. Diese Eskimos sind da« primitivste Voll, da« Der Forscher bisher kennen ge° IcrM W- Ihre S-igen und Mythen ähneln denen der Grönland-Gskimos. aber Ihre 'Xrftgion steht auf einer tieferen Stufe, unb die Zaubereien, die bei ihnen ausgeübt werden, find weniger verwickelt. Ihre dBcrt-yCuge und Einrichtungen sind auhcrorbcntüd) prim'lliv. und es liegt kein An° Haltspunkt Dafür vor. dah diese Stämme jemals In der Nähe des Meere« angesiedell waren. Dadurch würde die Anschauung von Professor SteenSby unterstützt werden, nach der die ÖÄR» mo« ursprünglich Bewohner des ametikmifdben Binnenlandes waren. **Bre*eAhe zw> vnebt, trafftner U/esehkraft. 10% Fettgehalt J--;v . - LADEN mit Einrichtung zu verkaufen. Gute Lage, für jeden Handelszweig geeignet, auch für Filiale. Jetziger Besitzer würde Filiale übernehmen. Schriftliche 2Zfigeb^inL^1056lV^b^®ie^In^ Barl- o. Weich taoholz in Woggonladungen kauft laufend gegen Kasia 3. Happel, holchandlong ©ichcü, relcvbou ISS. 01ü"’> Devisen zog auf der heul 1175.- 1170, 7900, Öberbedarf 5000,- 6150,- 4600, Anglo-Eont-Auanc. . . 8800,- 7600,— 7000, Ärtesbeimer Electron. 5300,- 40ia- 2600, 1500, 3150,- 3000,- 3000, in Zranksurt am Main 101« Miileideut. Creditbnnk 1500, Oesterr. Crediianstail. 1175, 1500,- 1185,- 8'03, 6000, hat in den Geschäftsräumen der A trmn Wilh.Rudolvh, Pinnosorlehandlung in Gtehen, Selkersweg 91, eine Filiale errichtet, deren Kettung Herr Wilh. Rudolph junior übernommen hat. Herr Rudolob wird sein seil 1W1 behebendes Geschäft unter der bisherigen Firma Wilh. Rudoloh, Bianoforlehandluna, weilerführen badische Änilin Goldschmidt. . . 1295, 4000,- 540,- 1850, 600),- 1309, 5050,. 5000, 3 59,- 2425,- 2255,- 5600,- 5000,- 9500,-10800,- 4900,- 1499,- 77,50 344- 245,- 840,— 135,- 140.- 101,- 121,— 112,— Berliner Handel-gei • Lommer»- 11. Privntbk. Darmit. u.Nationalbank Deutsche Bank Deutsche BeretnSbank. Discanio Commandir . Dietallbank Schuckert....... Tiemens & Halske Adlerwerke Stiener Daimler ^Motoren. Heyltqenstaedt . . . Dlcmtht....... 80,75 350,- 250,- 840,— 125- 149L0 * Mainz, 17. Rov. Die Abschwächung der I allgemein einen Rückgang ter Preise tigen Börse nach sich. Bei kleinem ®c- Das Geld behält seinen Wert. Man rnufo es nur richtig anwenden. Das erkennt man am besten, wenn man seine srleider,Lltlsen,Gardinen,Strümpfe usw.niit den weliberlihmten „Heitmaun's warben". Marke „Fuchskopf im Stern" selbst färbt und dann siebt, welch' prachtvollen Erfolg man durch die kleine Ausgabe erzielt hat. -»■■nm-rir-T- — 955. 300, 580,- 1750. 5500, 5960, 3500, 3-200, 5050. 40 0, 26 0, 3490,- 3400, 6200.- -,. 4350,- 4150, schäft wurden heute folgende Grohhantels ernstandspreise per 100Kilo lokoMainz festgestellt: Weizenmehl Spezial 0 38 C03—40 COO, Rvggenmchl 29 000—31 000, Weizenkleie 12 000, Roggenkleic 12 000, Aartoffeln 1200. Weihe Bohnen 47 000, Linsen 55 000—60 000, Durma-ReiS ll. 54 000, Haferflvcken 55 000, Graupen 45 000. Schluh. Äur» 1ML 88,- 348,- 230,— 850,- 140,— 150,- 121'- 106.- Märkle. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 17. Rov. (Wolff.) Produkten» bericht. Bei der noch unsicheren politischen Lage hielt sich bte Unternehmungslust am Produkten- martt wieder in engen Grenzen. Das Angebot von Getreide aus erster Hand war heute etwas stärker. Für Weizen bleiben die Mühlen bei dem anhaltend schwieriger und schleppender gewordenen Mehlgeschäft zurückhaltend. Für Roggen ze'gte sich auf niedrigem Stande vereinzelt gröhere Nachfrage, zum Teil im Zusammenhänge mit den Tauschabschlüssen mit ter ReichSgetreiteslelle. Für Hafer besteht wenig Kaufneigung seitens ter Verbraucher. Für Mais stellten sich die Lvkv- und Lieferangspreise merklich billiger. Sn Hülsea- früchle» und Oelsaaten bleibt das angebotene Material knapp, wogegen Futterstoffe in greifbarer Ware schwer verkäuflich bleiben. Weizen, märkischen 12400—12000 (flau); Roggen, märkischen 10 700—10 600, schlesischen 10 500 (flau); Sommergerste 12 000—12 300; Wintergerste 10 500 bis 10 600 (matter); Hafer, märkischen 12 SCO biS 12 200 (flau); Mais, La Plata, loko Berlin 12 203 bis 12 000-12 200 (flau); Weizenmehl (100 Kilo- Börsenkurse. Frankfurt a. Bl. Berlin Höchster Farbwerke . Holzverkohlung..... 'nülgerSwerke ?cheideanstalt Allg. ElektrizitätS-Ges. Brrginonn 80.75 350,- 260,- 850,- 140.- 168.— 6550, 4100, 4590, 4760,- SAIufc. Schlvß. Schluh. flur» fiurs ftur» 17.11. 15.1L 17.11. Datum: 8*/. Disch. Neichsanleihe 4% Dergleichen 3'/,*/« Dergleichen 37o Dergleichen Dlsch.Vvar'Uram.-Anl. 47j Preuhische Konsole 4'/. Hessen 3'V/o Hessen 3e/o Hessen......... Kaliwerk Westeregeln 6250,— 6490, Vaurabütte 10000.— 9400. Bochumer Guh .... -,-14500,-13000,-12500,- Buderus 4450,- 4250,- 4600,- 4505,- Enro 5000.- 5 >00,- 4610,- 5000.— Deuisch-Lureinbnrg. . 11500,-12200,-12000,-12000. — GelsenkirchenerBergwl7E—17250,—16050,—18000.— Harvener Bergbau. . 43000,—52)00,—46009, —530 0,— Kaliwerk Aschersleben 5300,— 5575.— 4875,- 4950,— 6200.- 9000,-6100,- 8500,- 1250,- 1600,- 1475,- 1425,- smtt dieser MeinungsLuherung des Häuptlings Nicht etnverstanten, so begibt sich ter Premier- minlfler persönlich zu ihm, am mit ihm zu verhandeln. Obwohl ter Häuptling der Darotse also durch die Derfassung gebunden ist, genieht er doch «höchste Verehrung, und in einer Photographie wird unS ter verst orbene Oberhäuptling Lebanika auf seinem Thron vvrgefuhrt, während in respektvoller Entfernung ein knieender Diiener mit beiden Händen das heilige Symbol ter Kultur hält — Den Zylinder, den ter Häuptling statt der Krone «trägt. Rahe Verwandte begrüben sich im Dacotse- lanb, indem sie sich nicht nur küssen, sondern .gegenseitig mit ihrer Spucke besprengen". Bei «tnem Stamm, den Alunda, müssen die Männer alle Hausarbeit verrichten, und sie dürfen auch nicht mit den Frauen zusammen essen, weil sie zu gierig find und mit ihrem Riesenappetit ihren besseren Ehehälften alles wegschnappen würden. Stamm) 36 500—89 000 (matter); Avggenmehl (100 Kilogramm) 30 500—33 500 (matter); Wcizenkleie 6400—6500 (matter); Roggenkleie 6400—6500 (matter); Raps 20 000 (matter); Diktoriaerbsen 22 000—23 000; Kleine Erbsen 20 000—21 000; Peluschken 14 500-15 500; Ackerbohnen 14 000 bis 14 500; Wicken 18 500—17 500; Lupinen, blau 14 000—15 000, gelb 15 500—16 500; Seratella, alt 25 000—30 000; Rapskuchen 7500—7700; Trockenschnitzel 5700—5900; Kartoffeln, weihe 450—480, gelte 550. Rauhfutter. Weizen- uird Roggen^ stroh, drahtgeb. 5000—5100; Haferstroh, draht- gepreht 5000— 5100; Stroh, flrvhseilgebüntelt 5000 bis 5100; Wiesenheu, gut, gesund und trocken, Dormahd 3100—3350, Rachmahd 2850—2900. Mainzer Börse. 1375, 2800,- jßanbeL Berlin. 17. Otto. (Wolff.) Börsenstrm- mungsbild. Dte überwiegend günstige Beurteilung, welche die von dem Generaldirektor Euno angestrebte Kabinettsbildung in Bank- und Börsenkreisen findet, drückte sich in ter schwächeren Derfassung ter Devisen und ter widerstandsfähigen, im "Verlaufe fester werdenden Haltung am Effektenmarkt aus. Auszahlung Reuyorl schwankte heute vormittag zwischen 6500 und 6200 und wurde dann amtlich ungefähr 6600 notiert. Datei blieben die Umsätze im Devifenverkehr unverändert gering. An ter Effektenbörse überwogen limitierte Verkaufsaufträge seitens des Publikums, doch boten ihnen gegenüber Deckungen und Rückkäufe der Spekulation ein Gegengewicht, so dah nach üetertmnbung der anfangs uneinheitlichen Kursbildung im Verlaufe sich di« fest« Grund- stimmung stärker durchsetzen konnte. Am Montan- markte überwogen die Kurserhöhungen von 1000 bis 2000 Proz. Harpener gewannen 5000 Prvz. Auf den unteren Märkten ausschließlich der Dank- und Schiffahrtsmärkte war die Kursbildung ähnlich, nur dah es sich um Deränderungen von 100 bis 500 Proz. und teilweise darüber hantelte. Rordteutsche Wolle und Stöhr Kammgarn stiegen sogar um 3000 bis 5000 Proz. Gröberes Interesse zeigte sich ferner für Berliner Hantelsanteile und Deutsche Bankaktien. Schwach waren bei Rückgängen von 100 bis teilweise 1000 Prvz. Aus- tonterenten. Mexikaner waren sogar um 8000 Prozent niedriger. Frankfurt a. M., 17. Rod. Börsen - stimmungsbild. Der Dollar lag anfangs matt. 6700-6400 - 6300. Am Devisenmarkt war heute die Tendenz bei ruhigem Geschäft anfangs schwächer. Die Haltung ter Börse blieb bei bescheidenen Umsätzen fester. Auslandsrenten lagen ruhig bei schwächerer Tendenz. 3m einzelnen bot ter Effektenverkehr heute wenig interessante Momente. Montanpapiere verkehrten in fester Haltung. Kaliwerte konnten sich erholen. Elektrizitätspapiere fanden zu besseren Kursen Aufnahme. Die meisten chemischen Papiere zeigten bei den ersten Rotierungen feste Kurse, auch Autoaktien lagen besser. Schifsahrts- und Bankaktien zogen mäßig an. 3m freien Verkehr vollzog sich etwas lebhafteres Geschäft in Becker-Stahl und Becker-Kohle. Um 1 Uhr wurde der Dollar 6550 genannt. Frankfurt a. M., 17. Rov. (Wolff.) Der hiesige Dörsenvorsland gibt bekannt: Es wird wieterholt darauf hingewiesen, dah vor 11 Vs Uhr jeglicher Hantel in Wertpapieren an ter Börse untersagt ist. Ferner hat ter Dörfenvorstand beschlossen, die Rotierung der Roten ab Samstag, den 18. Rovemter 1922, nicht mehr für je 100 der betreffenden WährungsÄnheit sondern für eine Einheit vorAunehmen. D utsch-österreichische und österreichisch-ui-garische Roten werten in derselben Weife wie bisher notiert. 3n ter kommenden Woche findet die Wertpapierb örse nur amMontag und Donnerstag statt. An den übrigen Tagen, auher Mittwoch (Butz- und Bettag) werten mir Devisen und Roten notiert. Jeter Hantel in Wertpapieren ist auher am Montag und Donnerstag an den anderen Tagen in den Börsenräumen untersagt. Frankfurter Devisenmarkt. (Telegraphische Auszahlung.) Amtliche Rotierungen. Bückertisch. — 0os«ph von Laufs. Springins- rodeL Ein kurioser Roman vom Riederrhein. (Grote'fche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller Band 151). Verlag von G. Grote. Berlin. — Wieder führt uns Laufs in die ihm so vertraute nieterrheinische Kleinstadtwelt. Die selige Versunkenheit geruhsamer Jahre liegt noch über den Häusern und ihren Menschen. Aber doch pulsiert unruhiges Blut in ihnen: es begehrt nach Erlebnissen und verwirrt auch die Tage dreier Freunde, die schon mit dem Leben abgeschlossen. Liebe richtet sich auf, Jugend und Schicksalstrieb, und fast scheint es, die Freundschaft gehe darüber in die Brüche. Doch schliehlich siegt der reute Sinn, die Wahrhaftigkeit: ter Lambert erhält seine Dellecke, ter Altuarius auher Diensten sein Röschen. Springlebendig geht es her in diesem köstlichen Roman, dessen Hauptgestalt einen „Spring- inSröckel", einen Floh, als Haustier hält. Launig, heiter und doch auch wieder ernst ist dieses Buch, in dem Lausfs Lebenskenntnis, Freude an den Menschen und sein Humor sich wieder von ihren liebenswürdigen Seiten zeigen. — Annenhof. Don Hans Dittmer. Vertag von Quelle & Metzer in Leipzig. — Ein Roman von ter frisischen Rordseeküste, mit Gestalten. wie sie nur die grobe Landschaft da gebiert! „Annenhof" ist voll her Leidenschaften und Ansprüche des stahlharten Willens, ter in jenen Leuten vom Meere lodert. Darum ter unaufhörliche Kampf ter beiden Terborgs mit dem Geschlecht ter Hoogstraten. ter ein versöhnliches Ente erst nimmt, als ter finstere Sohn au3 ter Welt scheidet, ein Opfer ter eigenen Schuld, und als ter Vater, durch den Schmerz gelautert, dem Machthunger entsagt, ergriffen von dem Wesen Pastor Hoogstratens, dessen Feind er sein muhte. Das ist die packendste Gestalt des Buches. Pastor Hoogstraten, ter sich trotz aller Schicksals- ichläge aus ter Dumpfheit dogmatischer Welt- anfdjauang zu den strahlenden Höhen deutscher Frömmigkeit erhebt. — Scherls Iungdeutschlandbuch (Bd. IX). herausgegeben von Dr. Soll (Verlag von Aug. Scherl G. m. b. H, Berlin SW 68). 3n ter alten, vornehmen Aufmachung ist diesmal ter Inhalt des Buches auf das Wichtigste aus- gebaut, was unserer Jugend gesagt werten kann, auf die Erziehung zum Deutschtum. Reben solch gediegener Belehrung wird ter Jugend genügend freier Spielraum für ihre Abenteurerlust gelassen in den spannenden Erzählungen, die. falsche Romantik meidend, das Herz eines echten (Jungen begeistern werten. Gedichte, Anekdoten, Rätsel, Aufsätze über Briefmarkensammeln und den Rösselsprung usw. bereichern auhertem den 3n- halt des Buches. — Walt in Tübingen. Jean Paul aus dem Stegreif nacherzählt von Martin Lang. Mit 17 Federzeichnungen Tübinger Garten- und Weinberghäuser von Karl Biese. (Alexander Fischer. Verlag. Tübingen.) — Das poesievolle schwäbische Bilterheft" fesselt besonders durch die vortreffliche zächnerifche Wiedergabe alt- rüfnngei Ansichten. (3n einem Teil ter Auflage wiederholt.) Dom radikalsozialistischen Kongreß in Marseille. Paris. 17. Rov. (WTD) Aus dem radikal- sozialistifchen Kongreß in Marseille sagte ter Abgeordnete He rri 0 t in seiner Eröffnungsrede: Don ter Haltung, die ter Kongreß annehmen wird und von den Direktiven, die er zu geben in ter Lage sein wird, wird ter zukünftige Erfolg ter Republik abhängen. Die Radik a len sind die Schiedsrichter der Lage. Wenn sie wollen, können sie in einigen Monaten die Kammer schlie- hen. Die Politik ter Mehrheit vom 16. Rovember 1919 hat Bankrott gemacht. — Der Parteitag Hai Herrlot durch Zuruf wiederum zum Dorfitzenten gewählt. Die Orient-Politik der Bereinigten Staaten. Paris, 17. Rov. (WTD) Wie ter .Reuyork Herold" aus Washington meldet, hätten die D e r- einigten Staaten die Absicht, zur Sicherstellung ihrer 3nteressen im Rahen Osten S 0 n -- bernerträge mit der Tür kei und den Alliierten abzuschliehen. Man bemerke, daß Amerika nicht einen allgemeinen Dertrag mit der Regierung von Angora abschliehen könne, da es niemals einen Konflikt mit Ihr gehabt habe. Eine Militärsteuer in Angara. Budapest. 17. Rov. (WTD.) 3n der Ra- tlonalversammlung tourte unter anderen ein Gesetzentwurf eingebracht, ter bestimmt, test, nachdem durch den Trianoner Frletensvertrag die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft fei, jeder männ- hete ungartiche Staatsbürger vom 20. bis 30. Lä>ensjcchre eine Militär st euer zu zahlen habe. Vie Balöur-Pianoforte=$abrit A.-S. 8000,- 7050,— 4800- 4800,- 3500- PiiSntr Bergbau. . . . 11509.-13100,-12000,-13090 - gibcinitabl 11750,—13100,—12000,—12700,- Rwbeck Montan . . . 13750,-1400 >,—13000,-14100,- TelluS Bergbau.... 346»- 3495,- mmburg-Amer. Paket 2650,— 2600, — 2510,— 2500,- Norddeutscher Lloyd. . 1520.— 1775,— —1620,- ZementwerkHeidelberg 4025,— 3900,— — Pbilivv Hol»nmnn . . . 2250,— 2400,— —,— —,- 4*/o Kolltürken 5600,-5275,- 5375,- 5050,- 6% Goldrnerikaner 950,0,-86000,—9050j,—801)09,— . 5909,- 5600,- .1095a- 9500» . 1325,— 1400, . 1450,- 1440. . 1950,- 1950,- Metallges. Frankfurt. 785a- 800a- —-. Schuhfabrik Her» . . . 1300,— ——, Sichel........... 2)09,— 2450,- —, Mit off Waldhos . . . 5300,- 550a- 5800,- 5425, Huckersabr.sfrankentha 4150,— 410a— —, Zuckerfabrik Wagsäufel4200,— 4400,— —>— —»■ 1100,— 1250. 3130,- 4090, -' - 1950' 6700,- 7000, 4100,- 4300, Datum: 16» November 17. November Geld Brief Meld Brie.' Nntw.-Brüfiel 458,85 461,15 430,90 433,10 Heiland...... 2945,10 2l>59,90 2628,46 2541,60 Vonöon ...... 33915- 340X5.- 30324 - 30476.- PnriS....... 508,45 511.05 47 ILO 474,20 Schwei»...... 1396.50 1403,50 1211,95 1218,0") Svanien..... 1142,10 1147,90 1007,45 1012^5 Stotzen ...... 339,15 34045 31L20 312,80 Vtssabon-Ovorto 151&65 1526'35 1345,90 Dänemark.... 1339.10 Norwegen . 13SL50 13»v50 125,90 1242,10 Schweden .... 2004,95 2015.05 1775,55 1784,45 HeliiugsorS. . . . —.- *■. — Neuyork...... 7506,15 754345 6720,^ 6754^35 Deutsch-Oesterr. 10,07 10,13 8.73 8,77 Budapest..... 301.50 30350 264,- 2K-- Prag........ 244,35 245^5 2>99,45 21055 Sofia....... —»— —,— —,— = Neuenweg 22 Adalbertstraße 26 5 Tel. 176/2124. Telephon 1 Taunus 4904. i Alteisen • Metalle - Lumpen 5 Papier sowie sämtl.Rohprodukte Antiquitäten. 50D Weiastück U f ßraustück MM MM ■ HU erst kl. 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In besonders reichem Mafle enthält sie Stoffe, die nicht unmittelbar zum Aufbau und Betrieb des menschlichen Organismus verwendet werden, die aber zum Leben und Gesundsein derart unentbehrlich sind, daß Ihr Fehlen schwer? Krankheit und Tod hervorrufen kann. Die Erkrankungen, deren Ursachen schon längst in einseitiger Ernährung vermutet wurden und deren Fo'gen teilweise Lähmung, Nervenstörung und Verkrüppelung sind, ergeben sich aus dem Mangel solcher lebensnötigen Stoffs. Wissenschaftlich gab man ihnen den Namen Vitamine oder auch Nutramlne und Eutonine. Klar deutsch sind sie als Ergänzangsstolfe oder Nährstoffe mit eigenartiger Nutzwirkung zu bezeichnen. Bei reichlicher Verwendung der Hefe Im Haushalt wird dem Körper der nötige Bedarf an Vitaminen zugeführt. Jede erfahrene Hausfrau weiß, daß Hefe seit altersher zum Backen verwendet wird. Die Zctaten werden durch Hefe am besten ausgenOtzt. Der Bäcker verwendet und verkauft täglich frische Hefe. Der Gebalt an wertvollem, leicht verdaulichem Eiwslfl in Suppen, Tunken, Hülsenfriiohten und Gemüsen wird durch den Zusatz Irischer Hefe erheblich vergröbert. Zur Einbrenne verwendet man 5 bis 10 Gramm Hefe pro Person. Die Hefe wird zu dem zerlassenen Fett gegeben, mit dem Mehl geschwitzt und zuletzt mit der Speise aufgekocht. Man erhält so mit weniger Fleisch und Knochen ein gleich kräftiges, wohlschmeckendes Gericht Rozaptbucb für Koch- und Backzwecke gratis und franko. Geben Sie nur Ihre Adresse als Drucksache an uns auf. 10104A Hefeverband, Berlin SW 11 ck Btm «Urem grlßNqm, Deutsche Volkspartei. Für die Stadtverordnetenwahl haben wir mit der Deutschnationalen Dolkspartei und dem Bürgerverein die Vereinigte Bürgerliste aufgestellt. Bei der Kreis- und Provinzialtagswahl haben Deutschnationale und Bauernbund die Bereinigte Stadt- und Landliste gemeinsam, wir haben für diese Wahlen eigene Wahlvorschläge mit dem Kennwort Deutsche Volkspartei. Unsere Stimmzettel tragen folgende Namen: Für den Kreistag: 1. Schudt, Richard, Landgerichtsrat, Biegen, 2. Rinker, Karl, Jimmermeister, Nonnenroth 3. Lind, Georg, Rechtsanwalt, Grünberg 4. Wagner, Ludwig, Landwirt und Bürgermeister, GeUshausen 5. Roth, Christian, Rektor, Lich 6. Georgi, Carl, Fabrikant, Gießen 7. Kaufmann, Minna geb Schwalb Wwe, Gießen 8. Grießbauer, Ludwig, Bankdirektor, Gießen 9. Wenzel, Fritz, Dreher, Gießen 10. Krailing, Carl, Schlofiermeister, Gießen. Für den Provinzialtag: 1. Neuenhagen, Ludwig, Landgerichtsdirektor, Gießen 2. Christ, Heinrich, Müller und Landwirt, Holzmühle bei Lollar 3. Börger, Carl, Molkereibesitzer, Geilshausen 4. Dopf, Anton, Oberjustizinspektor, Lich 5. Naumann, Minna geb. Thorwart, Ehefrau, Gießen 6. Löber, Wilhem, Bäckermeister, Gießen 7 Dr. Krausmüller, Georg, Professor, Gießen. Wühler und Wählerinnen! Ausgepaßt! Nehmt die Stimmzettel mit dem Kennwort Deutsche Volkspartei. Ihr findet diese in allen Wahllokalen. 10131V Der Wahlausschuß. Al AW«! Der Wahlaufruf der sogenannten „Vereinigten Bürgerliste“ hat zu unserem großen Bedauern öle Linie vornehmer Sachlichkeit verlassen, die Ausgangspunkt und Grundlage für die von den Parteien geführten Verhandlungen sein sollte. Der Aufruf sagt: „(Es ist nicht unsre Schuld, wenn Demokraten und Zentrum durch Aufstellung eigener Listen die Einigkeit des Bürgertums verhindert haben". Neben dem Zentrum soll damit die Demokratische Partei als Störenfried geörand- markt werden. Haben die Herren denn ganz vergessen, daß gerade die Demokratische Partei es war, von der die Anregung ausging, durch eine Vereinbarung zwischen den Parteien jeden Wahlkampf auszuschalten? Es ist nicht unsere Schuld, daß dieser der heutigen Notlage unseres Volkes Rechnung tragende Gedanke nicht verwirklicht werden konnte! Eine Einigung im Sinne des Wahlaufrufes der „vereinigten Dürgerliste- dagegen muß notwendigerweise zur Zerstörung der Volksgemeinschaft führen, der Volksgemeinschaft, die doch angeblich das Ziel der hinter der „Vereinigten Bürger- vste" stehenden Volks Parteien sein soll. Wollen diese Kreise es • verantworten, durch eine falsche Auslegung des Begriffs „Bürgertum“ die schon bestehenden sozialen Gegensätze, besonders im Hinblick auf die Gefahren Des vor Has liegenden Winters, noch zu verschärfen? Nur Zusammenfassung aller aufbauenden u. willigen Kräfte kann Rettung bringen. Daß diese gemeinsame Arbeit möglich ist, zeigt beispielsweise die Deutsche Volkspartei selbst dadurch, daß sie in der preußischen Regierung gemeinsam mit den Sozialdemokraten, dem Zentrum und den Demokraten die Geschäfte führt. Auch der Gedanke der großen Koalition (Deutsche Volks, Partei, Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum), der gerade in letzter Zeit bei der Deutschen Volkspartei Anklang sand, rechtfertigt aufs nachdrücklichste unseren Standpunkt. Auf gleicher Linie wird im Reich der gegenwärtig« Re- gierungswechsel vollzogen, der von der Sozialdemokratie bis zur Deutschen Volkspartei ein Kabinett der Arbeit bringt. Tonart und Inhalt des Aufrufes der „Vereinigten Bür gerliste“ schlagen dem Gedanken, der von so Dielen ersehnten inneren Einigung und Geschlosienheit des Volkes ins Gesicht und können von jedem Urteilsfähigen nur ob MlMöuraö SHIM« verstanden werden. Man will mit der Einigungsformel Wahl, geschälte treiben. Der Wahlaufruf ist fast wörtlich dem Aufruf der Deutschnationalen Darmstadts entnommen und zeigt dadurch 665 Wit KW 6er „migitn MmM"! Wähler und Wählerinnen! Laßt Euch nicht verwirren! Wählt nur die Partei des Ausgleichs, des Aufbaus, der Versöhnung! Wählt die Listen der MWMWMWMM Sn MWIISHW dn Bentfifien SmolralWes Mlel. Zur gefl. Beachtung! Für leidende und ältere Freunde und Anhänger unserer Partei stehen einige Wagen (Telephonrus Nr. 169) Zur Verfügung.ioi24v Altertümer Möbel, Porzellane, Silber, SilbergegenftSnbe von auswärtigem Herrn zu kaufen gesucht. Schriftliche Angebote unter 010457 an d. Gießen. Anzeig. Wähler und Wählerinnen WWIIMMM Mitglieder, Parteifreunde! Große politische Dinge werden zwar auf dem Rathaus nicht verhandelt. Aber es kommt sehr darauf an, Jn l« Slate feste Wmg. Kommt alle mit Euren Angehörigen zur Wahlurne! Keiner bleibe zurück! Wählt Hütet Euch, die Bedeutung der Stadtverordnetenwah! zu verkennen. Die Unterschätzung würde sich als verhängnisvoll erweisen. wie in den Gemeinden gearbeitet wird. Ob sachlich, veranttoortungsvervußt und ausbauend, oder ob einseitig parteiisch verfahren wird. für die Stadtverordnetenwahl die: Vereinigte Bürgerliste beginnend mit dem Namen: Professor Krausmüller; für die Kreislagswahl die: Wx- Vereinigte Stadt- und Landlifte beginnend mit den Hamen: 1. Fenchel, Wilhelm, Landwirt, Oberhörgern 2. Sack, Ernst Ludwig, Metzgermeister, Giehen: für die Provinzialtagswahl die: Vereinigte Stadt- und Landlifte beginnend mit den "Hamen: 1. Schneider I., Otto, Landwirt, Utphe 2. Giseoius, Paul, Universitätsprofessor, Dießen. Werbt für unsere Sache, seid auf dem Posten! 101Uv Der Wahlausschuß. Wahlbureau im Aquarium. Durch Krankheit am Gang zum Wahllokal gehinderte Mitglieder können mit Wagen abgeholt werden. Fernruf 1322. Dem verehrten Publikum, Freunden und Gönnern zur gefälligen Kenntnis, daß ich die Gastwirtschaft „311 Mll AM" Neuen Baue 5 käuflich erworben habe. (Es wird stets mein Bestreben sein, meinen Gästen aufs beste zu dienen, gum Ausschank gelangt prima Vier im Schoppen, prima Aepfelwein. Außerdem empfehle ich meinen bürgerlichen Mittagstisch. Alles wird zu billigsten Preisen berechnet. Um geneigten Zuspruch bittet 010564 «mitt WM Weil. Die Sozialdemokratie macht die größten Anstrengungen alle Macht an sich zu reißen; sie will alleinigen und wirklichen Einfluß in den Gemeinden gewinnen. Gelingt ihr dies, dann wird sie diese Macht und diesen Einfluß lediglich zu selbstsüchtigen Parteizwecken ausnutzen, dann wird dem Mittelstand das letzte Lebenslicht ausgeblasen. Die Sozialdemokratie arbeitet zielbewußt an der Fortsetzung der Revolution. „Den halben Sieg zu einem ganzen zu gestalten", bas ist die Parole, die der „Vorwärts" zum 9. November d. Is. ausgab. Wir sind machtlos gegen all das, wenn wir nicht * das Mittel des Stimmzettels gebrauchen. Wer abseits steht und nicht wählt, hat später kein Recht zu klagen! Auf jeden einzelnen beruht das Gedeihen unserer Vaterstadt! Darum sei ein feder sich seiner Verantwortung bewußt! verhelft dem Bürgertum zum Siege! Bekennt Euch mit dem Stimm» zettel zu uns! Wählt einmütig die Vereinigte Bürgerliste Der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen Dolkspartei und des Vürgervereins, beginnend mit dem Namen: Prof. Krausmüller. wiirv Der Wahlausschuß. ■ Unser Stimmzettel ist in allen Wahllokalen ausgelegt. Das Wahlbureau befindet ■ sich am Sonntag im „Aquarium", Walltorstraße 5, Fernsprecher 1322. || Ein ernstes Wort in letzter Stunde an alle Arbeiter, Beamte, Kleinbauern und Handwerker Morgen Sonntag, ben 19. November ist Grohwahltag in Hessen, morgen werden die Vertreter zum Gemeinderat, zum Kreis- und Prooinzialtag auf 3 Jahre neu gewählt. Schwer lastet die Not der Zeit auf den arbeitenden Schichten der Bevölkerung. Preissteigerungen und Wucher für Lebensmittel und alle Bedarfsgegenstände machen das Leben fast unerträglich. Schaffendes Volk! Wähler und Wählerinnen! Mütter! Kann es Euch gleichgültig sein, wer in der Gemeinde, in Kreis und Provinz Eure Interessen in der heutigen Zeit und für die nächsten 3 Jahre vertreten soll? Nein und abermals nein. Ncchtsnationalistcn, Bauernbündler und der übrige Anhang der sogenannten bürgerlichen Parteien sind die Jitteressenoertreter des Kapitals und der Großgrundbesitzer. Die Forderungen der Arbeitsgemeinschaft im Reichstag unter Führung der Demokraten zeigen im§, wohin der Weg führt. Verlängerung der Arbeitszeit, schrankenlose freie Wirtschaft auf allen Gebieten ist das Ziel jener Parteien. Längere Arbeitszeit, Dollarbrot, Dollarmiete, Dollarpachtzins für gepachteten Grund und Boden des Kleinbauern ist das wirtschaftliche Programm. der bürgerlichen Parteien. Die verhängnisvollen Folgen einer solchen Politik für die breitesten Schichten der Bevölkerung sind kaum cLtszndenkcn. Tausende von Menschen müßten der sozialen und öffent- lichen Wohlfahrtspflege der Gemeinden und Städte zur Last fallen. Allgemeiner Oeytscher Gewerkschaftshund n. Afa Ortsausschuß Gießen (Gewerkschaftskartell). Wer deshalb gegen die schrankenlose freie Wirtschaft, gegen die Ausbeutung und Auswucherung der Kapitalisten und Großgrundbesitzer anhämpfen will. Wer für Volkswohl- fahrt, für sozialen Fortschritt, für vernünftige Bodenpolitik und Siedlungswesen in Gemeinde, Kreis und Provinz ein» tritt, wer die Geschlossenheit und Einigkeit der Arbeiterklasse stärken und förden will, der gebe am 19. November den Stimmzettel ab mit dem Kennwort: iouid MMM *t reinigte wmoemotrnl. Bettel Stimmzettel sind an allen Wahllokalen vorhanden. Der Wahlausschuß. Laut der amllichen Bekanntmachung der Wahlvorschlage zur Stadt. Verordnetenversammlung, Kreistagswahl und Provinzialtagswahl ist ein Wahlvorschlag enthalten, der sich „Freie Arbeiter» und Angestellten Vereinigung" nennt. 10109D Wir stellen fest, datz dies eine Irreführung der öffentlichen Meinung ist. Die freien Gewerkschaften (Gewerkschaftskartell) und die Angestellten (Afa) haben mit diesem Wahlvorschlag nichts 511 tun. Arbeitsgemeinschaft für Angestellte (Afa) I. A.: Georg Grünig. Allgemeiner Deutscher GewerffchastZbuiid Ortsausschuß Gietzen (Gewrrkschafts'ro*tell).I A:OttoOttilie Geschäfts -Empfehlung = V = 100®» 1 I = = E — g = I Friedrich Dick • Gießen Buchnerstr.21 Ecke Glaubrechstr. = = I anrant. rein, vrima Qualität, gibt in Bostdosen ab e,S0D Großirnkerei Ebersbach, Sachs. Zur Anfertigung feiner Damen- und Herrenbekleidung nach Maß bei billigster Berechnung empfiehlt sich einer werten Kundschaft ^imniiiiiiiniiiiiiniiniiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiHiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiuniirilTiiR wilh. Veite, Samenhandlung Telephon 12 Lich Telephon 12 Bei Anfragen bitte Rückporto beifügg^ Bienen- Erstklassige Obstbäuure, hrtMtrt Zwergobst:: Beerenobst V Bill) empfiehlt lOOffls dabei aber doch eine vorzügliche Wurst haben durch Verwendung der mehrfach preisgekrönten M-WWrsri „Mm" ml! WWNgevl MelvMM, ohne Wel. Ohne Apparat in jederN Kochtops u. Waschkessel einkochbar! Unbegrenzt haltbar, fast unverwüstlich. Auch verwendbar zum Einkochen von Gemüsen, Früchten, Pilzen, Fischen, Fleisch usw. an Stelle der teuren und leicht zerbrechlichen Gläser. Größte Schonung der Gummiringe. — Zu beziehen durch alle einschlägigen Geschäfte. . Wo nicht erhältlich, weist Bezugsquellen nach Fernsprecher 2lr. 10. Vertreter u. Verkaufsstellen gesucht. Ioowt HlilllllllllilllllllUilllilllllllllllUllllllllllllllllllllllllllllllltlilllllllllllHllllIlllillllllllllllli^