Nr. 271 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: BietzenerFamilien b lotter Monatliche veznaspreife: Mk. 185.- u. Mk. 15.- Trägerlohn,durch diePost MK.200. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner Num- mein infolge höherer Gewalt. — Fernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn- poftschecltonlo: Zranrfurt a. M. 11686. Stettag, \x. November 1922 172. Zahrgang Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 8 Mk., auswärts 10 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 32 Mk. Bei Platze Vorschrift 20 °/0 Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil; Ernst Blumschein; für den Anzeigenterl: Hans Beck, sämtlich in Gießen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vriihl'sche Univerfitäts-Yuch- und Steindruckerei B. Lange in Giehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Ein Kabinett Cuno. Berlin, 16. Nov. (Wolff.) Wie die erfahrt, hat der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Euno, den Auftrag des Reichspräsidenten, das neue ReichSkabinett zu bilden, angenommen. * Herr Cuno steht seit fünf Jahren an der Spitze der Hainburg-Amerika-Linie und war vorher Vortragender Rat im Finanzministerium. Er ist 47 Jahre alt. Politisch soll er bis zum Kapp- Putsch der Deutschen Volkspartei angehört haben Seitdem ist er aus dem Parteileben ausgeschieden, was ihm jetzt bei der Auswahl eines „Kabinetts der Arbeit" vielleicht zu statten kommen wird. Das Zentrum dürfte gegen ihn als Katholiken kaum einen Einwand erheben. Berlin, 17. Aov. Der mit der Kabinettsbildung beauftragte Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie Dr. Cuno hat gestern nachmittag und abend die Vorsitzenden dec Fraktionen der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft und der sozialdemokratischen Fraktion überfeine Absicht unterrichtet, ein Kabinett der Arbeit zu bilden, das sich, ohne ein ausgesprochenes Koalitionskabinett zu sein, auf alle Parteien stützen soll, die ausbauende Arbeit leisten wollen. Als die richtigsten Aufgaben des nächsten Kabinetts bezeichnete der präsumptive .Kanzler laut „Voss. Ztg.", Deutschland aus den finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen es sich jetzt befindet, herauszuhelfen. Er nehme das in der Aote an die Aeparations- kommission vom 13. Aovember in großen Zügen niedergelegte innen' undauhenpolitische Programm, das die Zustimmung der vier Parteien der Arbeitsgemeinschaft und der Sozialdemokratie gefunden hat, an. Bei den Parteien der Arbeitsgemeinschaft hat die Kandidatur Cunos eine günstige Ausnahme gefunden, lieber die Haltung de r Sozialdemokraten berichten die Blätter, das; die Fraktion beschlossen habe, gegen den Versuch einer Kabinettsbildung durch Cuno keinen Einspruch zu erheben. Der „Vorwärts" erweitert dielen Fraktionsbeschluß dahin, daß Cuno für die Sozialdemokratie nicht von vornherein ein unannehmbarer Kandidat sei, daß aber eine endgültige Stellungnahme der Partei erst erfolgen könne, wenn sein Programm und das von ihm vorgeschlagene Kabinett vorliege. Was die Zusammensetzung des neuen Kabinetts anlangt, so habe Cuno laut „Voss. Ztg." die Absicht, neben einer Reihe von parlamentarischen einige Fachmini st er zu berufen, die politisch der Deutschen Vollspartei nahestehen. Von den Ministern des Kabinetts Wirth dürften, mehreren Blättern zufolge, dec neuen Regierung Dr. K ö st e r, Dr. Radbruch, Dr. G e ß l e r und Dr. Hermes angehören. Geheimrat Cuno ist gestern abend nach Hamburg gereist und kehrt heute mittag nach Berlin zurück, um seine Verhandlungen über die Kabinettsbildung abzuschließen. Der „Berl. Lokalanzeiger" erfährt aus Kreisen des Reichstagspräsidiums, daß man kaum vor Mitte nächster Woche die Entgegennahme einer Erklärung der Regierung auf die Tagesordnung werde setzen können. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" begrüßt die auf Herrn Cuno gefallene Wahl des Reichspräsidenten und schreibt, in der Person des Herrn Cuno würde das Steuer des Reichsschiffes ein Mann führen, der als Beamter die Maschinerie des Staates und als Reeder die freie Wirtschaft kennen lernte, der beim Blick von der Wasserkante über die blaue Weite Gelegenheit fand, auch fremde ßänber zu beurteilen. Das „Berliner Tageblatt" erinnert daran, daß Cuno der erste der deutschen Grvßreeder war, der eine Anlehnung an Amerika suchte. Das Blatt nennt ihn einen Mann, der sich auf den Dodem der Weimarer Verfassung gestellt hat und bei in Gesprächen seit langem eingetreten ist für eine Politik der breiten Mitte. Wenn der „Vorwärts" auch ein gewisses Mißtrauen gegenüber Cuno, der von der Leitung eines kapitalistischen Groh-Unternehmens komme, nicht verhehlt, so hofft das Blatt doch, daß es diesem gelingen möge, diese vorgefaßte Meinung der Sozialdemokraten zu zerstören. Ein Beschluß der Reparationskommission. Daris, 16. Aov. (WTB.) Die „Ere Aou- delle" berichtet, die R e para t i o n s kommt s s i o n habe gestern im .Laufe einer kurzen offiziösen Sitzung beschlossen, sich mit den deutschen Vorschlägen solange nicht zu beschäftigen, bis das neue Ministerium in Berlin gebildet sei. Berlin, 16. Aov. (Wolff.) Wie den Zeitungen mitgeteilt wird, liegt kein Anhaltspunkt vor, daß die Reparationskommission die deutsche Note vom 13. November durch den Rücktritt der Regierung in ihrer Dedeutuna als beeinttächtigt ansehe. Die Note wurde mit den Führern aller Parteien, von der Deutschen Volkspartei bis zur Sozialdemokratie, welche voraussichtlich für die Bildung der künftigen Regierung in Frage kommen könnten, ausführlich besprochen. Jede kommende Regierung muß hinter dem in der Note entwickeltenPro- gramm bezüglich des Stabilisierungsprogrammes stehen. Eine Programmrede Mussolinis. Rom, 16. Aov. (WTB.) In feiner großen Programmrede in der Kammer erklärte Mussolini, er habe die Koalitionsregierung gebildet, nicht zu dem Zwecke, eine parlamentarische Mehrheit zu schaffen, die er nicht nötig habe, sondern um über den Parteien alle diejenigen zu vereinigen, welche die in Gefahr befindliche Aation zu retten wünschen. Zur auswärtigen Politik übergehend, sagte Mussolini, seine Polittk beruhe auf den Grundlagen der FriedenFverträge. Verträge seien aber nicht ewig. Wenn sich während ihrer Durchführung ihre Sinnlosigkeit ergebe, könne man hie gegenseitige Stellung der Vertragschließenden von neuem prüfen. Das faszistische Italien wolle seine Kriegsalliierten nicht im Stiche lassen, aber er frage wenn noch eine Entente im eigentlichen Simre des Wortes bestehe, wie stelle sie sich zu Deutschland, Rußland und zur deutsch-russischen Allianz? Unb welche Stellung nehme Italien in der Entente ein. Italien, das durch die zur Erreichung des Sieges gemachten Ausgaben wirklich erschöpft sei? Er nehme sich vor, in den Unterhaltungen mit den Ministern Englands und Frankreichs mit aller Klarheit und in seiner ganzen Verwickettheit das Problem der Entente und das daraus folgende Problem der Stellung Italiens in der Entente ins Auge zu fassen. Aus dieser Prüfung gehe entweder ein wahrhaft homogener, im Gleichgewichte sich haltender und demokratischer Block von Kräften mit denselben Rechten unb denselben Pflichten hervor, oder dielehteStundesürdieEntentehabe e s ch l a g e n, und Italien nehme seine Hand- ungsfreiheit toiebA- zurück. Er werde dann loyal effuchen, seine 3ntereffen mit einer anderen Politik zu verteidigen. Er wünsche, das erste möge Das angebliche Interview Brockdorff-Rantzaus. B e r l i n, 16. Nov. (Wolfs.) Zu der Veröffentlichung über das angebliche Interview mit dem deutschen Botschafter Brock- dorff-Rantzau teilt die russische Telegraphenagentur mit: Wir haben uns nach- träglich davon überzeugt, daß diese Veröffentlichung sich weder in der Form, noch mit dem Inhalt, noch mit den wenigen Worten deckt, die der deutsche Botschafter mit dem Journalisten gewechselt habe. Die in Frage kommenden Journalisten wurden entlassen. Englische Pressestimmen. London, 16. Aov. (Wolff.) Unter den Blättern, die sich heute mit dem Rücktritt des Kabinetts Wirth und der Lage in Deutschland befasse:i, spricht der „Daily Chronicle" von der Regierung Wirth als der bei weitem besten, die vom Standpunkt der Alliierten und vom Standpunkt der europäischen Demokratie aus gesehen, bestanden habe. Es wäre schade, wenn die Sozialisten außerhalb der Regierung blieben; denn ihre Teilnahme an der Regierung sei für die öffentliche Ordnung wesenttich und je eher die Alliierten das deutsche Problem anfassen könnten, desto besser sei es. Es beständen aber wenig Anzeichen, daß Frankreich für eine konstruktive Annäherungslinie zu hacken sei. „Daily News" schreibt, daß die letzte deutsche Reparationsnote Vorschläge enthalte, die trotz der überstürzten französischen Kritik auf jeden Fall die Grundlage für Erörterungen böten. Die „Time s" meint, die Unruhen in Düsseldorf und Köln könnten als symptornatlsch angesehen werden. Mit einem verspäteten Versuch, em Ministerium des Wiederaufbaues zu bilden, habe Wrrth zugegeben, daß heute in Deutsch- bmd die wirtschaftlichen Tatsachen beherrschend seien. Wenn die Sozialisten und die Deutsche Vvlkspartei, die die wichtigsten Kräfte in Deutschland vertreten, ihre Energie vereinten oder ein Kompromiß schließen könnten, bei dem Versuch, den wirtschaftlichen Zusammenbruch abzuwenden, so könnte es Deutschland möglich sein, die augenblickliche Krise zu überwinden und eine Regierung zu bilden, die auf jeden Fall das Land durch die Schwierigkeiten des Winters führen werde. Das Blatt hebt hervor, daß die letzten Reparationsvorschläge der deutschen Regierung von einem Ausschuß entworfen waren, der nicht nur die Regierungskoalition, sondern auch die Deutsche Vvlkspartei vertrat. Die „We st m i n ft e r G aze 11 e" schreibt, der Rücktritt der Regierung Wirths sei, vom Standpunkt der Alliierten aus gesehen, im ganzen bedauerlich. Bei den Alliierten täte man gut daran, sich zu erinnern, daß die Alliierten in ihren Geschäften mit Deutschland von der Aufrechterhaltung einer verfassungsmäßigen Regierung in Deutschland abhängen. Jede deutsch? Regierung sehe sich aber jedesmal einem verzweifelten Dilemma gegenüber, toertrn die Alliierten unmöglich? Fordrungen stellten; lehne die Reichsregierung diese Forderungen ab, so setze sie Deutschland Sanktionen aus,, gebe sie den Forderungen nach, so bedeute dies den Sturz im Inneren. Wirth hab? sich ben beiden Seiten des Dilemmas beträchtliche Zeit hindurch entziehen können. Das Blatt fügt hinzu, keine deutsch? Regierung könne mehr bezahlen, als die deutsch? Industrie ausführe, und der Versuch, mehr zu zahlen, müsse den Wert der Mark zerstören. _____, geschehen, auch in Anbetracht der Erschütterung I dec Welt im Osten und der wachsenden Intimität zwischen Deutschland und! Rußland. Hinsichtlich der Türkei müsse man anerkennen, was jetzt vollendete Tatsache fei, unter den notwendigen Garantien für die Freiheit der Meerengen, die Interessen Europas und die der christlichen Minderheiten. lieber die Beziehungen zu Rußland sagt Mussolini, er glaube, daß jetzt der Augenblick gekommen sei, diese Beziehungen auf der Grund- lage der Wirklichkeit ganz ohne Ansehen der inneren Lage dieses Landes ins Auge zu fassen In der Frage der Teilnahme Rußlands an der Lausanner Konferenz würde Italien die liberalste These verteibigen, er hoffe damit einen Erfolg zu haben. In der nächsten Brüsseler Konferenz werde Italien seine Ansicht vertreten, daß die Schulden und Reparationen ein untrennbares Ganzes bilden. Zur inneren Politik übergehend, erklärt Mussolini, seine Leitsätze beständen in drei Worten: Ersparnisse, Arbeit und Disziplin. Die innere Lage Italiens fei gebessert, aber noch nicht so, wie er es wünsche. Der Staat sei stark und werde feine Kraft gegen alle Unruhen, selbst gegen eventuelle faszistische Ungesetzlichkeiten zeigen. Mussolini schloß, solange er regiere, werde er nicht gegen die Kammer operieren, aber die Kammer müsse auch ihre besondere Lage begreifen, infolge deren sie ebenso gut in zwei Tagen wie in zwei Jahren aufgelöst werden könne. Er verlange unbeschränkte Vollmacht, toeil er auch die ganze Verantwortung übernehmen solle. Kurz darauf gab Mussolini auch dem Senate ähnliche Erklärungen ab, die gleichfalls zu begeisterten Kundgebungen führten. Vor der Konferenz von Lausanne. Paris, 16. Aov. (Wolff.) Havas. Die Denkschrift des Foreign Office, die gestern am Qual d'Orsay überreicht wurde, wurde am Aachmtttag von PoincarS geprüft. Der diplomatische Mitarbeiter dec Havasagentir glaubt zu wissen, daß die darin enthaltenen Ansichten den Ansichten der französischen Regierung sehr ähnlich seien. Sie beruhten hauptsächlich auf dem interalliierten Abkommen vom 23. 9. Poincars hat gestern abend London verständigt, ohne auf die britische Denffchrift mit einer bis ins einzelne gehenden Aote zu antworten, er finde nichts in diesem Schriftstück, was geeignet sei, ein Einvernehmen zwischen den beiden Regierungen zu verhindern, lieber die Grundsätze, die die französische und englische Abordnung im Laufe der Verhandlungen berücksichtigen werden, herrsche beiderseits Entgegenkommen. Unter diesen Umständen zweifelt man nicht daran, daß Lord Curzon am Samstag zu Beratungen mit Pvincare nach Paris kommt. Die beiden Staatsmänner werden Paris am nächsten Tage auf der Reise nach Lausanne verlassen, wo sie mit dem italienischen Vertreter vor der Eröffnung der Konferenz zusammenkommen. Pvincare wird jedenfalls an der Eröffnungssitzung am 21. Aov. teilnehmen, aber nicht das Wort ergreifen. Der Departementschef des politischen Departements des Schweizer Bundesrats Motta wird den Vorsitz führen und die Eröffnungsrede halten. Cs ist wahrscheinlich, daß die Abordnungen sich dahin einigen, die weiteren Sitzungen als privat zu betrachten. London, 17. Aov. (WTB.) Reuter meldet: Die englisch-französischen Verhandlungen lezüglich der Orientfrage nehmen einen befriedigenden Verlauf, so daß Lord Curzon morgen nach Paris abreifen wird, wo er am Sonn lag mit Pvincare eine Defprechung haben wird. Die beiden Minister werden am Sonntag nach Lausanne abreisen. Paris, 16. Aov. (WTB.) Wie das „Echo de Paris" mitteilt, wird in Territet in der Schweiz eine Begegnung zwischen P o i n c a r £, Lord Curzon und Mussolini ftattfinfcen. Mussolini werde nach Italien zurücklehren, ohne sich nach Lausanne zu begeben. Ismet Pascha in Paris. Paris, 16. Aov. (WTB.) Bei dec heutigen Zusammenkunft I s m e t^Da schas mit Poin - care entschuldigte sich o£r Ministerpräsident einer Havas-Melbung zufolge namens dec Alliierten wegen dec Verzögerung der Eröffnung der Konferenz, wodurch die türkisch? Abordnung gezwungen sei, eine Woche zu warten. Die türkischen Vertreter erkannten die Gründe der Verzögerung an, wiesen jedoch auf Unannehmlichkeiten hin, die eine weitere Vertagung mit sich brächten. Ismet Pascha wird keine weitere Unterredung mit Poincarö haben und wahrscheinlich morgen nach Lausanne zurückfahren. Paris, 16. Aov. (WTB.) Havas bestätigt, daß Ismet Pascha nicht nach London reift. Par is, 17. Aov. (WTB.) Aach der „Chicago Tribüne" hat Ismet Pascha gestern eine längere Unterredung mit dem neuen italienischen Botschafter in Paris, Avezzana, gehabt. Vorbespreckinnge« zur Brüsseler Konserenz. Paris, 16. Nov. (WTB.) 3n Paris wird das Gerücht verbreitet, die belgischen Minister TheuniS und Jaspar würden am kommenden Donnerstag nach Paris reisen, um mit Pvincare vorbereitende De» sprechungen über die Organisation der B r ü s- feler Konferenz zu haben. Die Wahlen in England. London, 16. Aov. (WTB.) Den letzten Meldungen zufolge sind bisher gewählt worden: Konservative 343, Lloyd George's Liberale 47, Asquiths Liberale 53, Arbeiterpartei 130, Unabhängige 13. Richt gewählt wurden Churchill und R u n o i m a nj vwie der Arbeiterführer Henderson, der von einem Konservativen geschlagen wurde. 29 Ergebnisse stehen noch aus. Die (Blätter heben den allgemein überraschenden Sieg der Arbeiterpartei und der unabhängigen Liberalen sowie die Niederlage der Lloyd George-Kandidaten hervor, halten jedoch noch mit ihrem Urteil zurück, da der größte Teil der Wahlergebnisse, noch aussteht. Aus dem bayerischen Landtag München, 17. Nov. (WTB.) Der Landtag behandelte gestern in später Abendstunde noch die Interpellation der sozialdemokratischen Partei gegen das Urteil des Volksgerichts im Hochverratsprozeß Fechenbach. Der Interpellant, Abgeordneter Sänger (Soz.) führte zahlreiche Beispiele an, um zu beweisen, daß die bayerische Justiz das Recht nicht unparteiisch anwende, daß gegen Hochverrat, Gewalttätigkeiten und Gesetzesverletzungen aller Art, die von politisch rechts Stehenden begangen würden, nicht eingeschritten werde, während mit umso größerer Härte die Vergehen anderer politische Richtungen geahndet würden. Die Zustände im Disziplinargerichtswesen trieben geradezu einem Skandal zu. Das Urteil im Fechenibach- Prozeß habe den Glauben an die Unparteilichkeit der bayerischen Rechtspflege vollkommen zerstört. Das Weiterbestehen der bayerischen Volksgerichte sei selbst von den bayerischen Richtern als Schande bezeichnet worden. Die Aufhebung der Vollsgerichte dürfe keinen Tag mehr verschoben werden. Die So- zialdemokratte würde gegen eine solche Justiz im ganzen Lande Sturm laufen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Just izm in ist er wird die Interpellation am Freitag beantworten. Der Dänische Reichstag für die deutschen Kinder. Berlin, 16. Nov. Der „Vorwärts- meldet aus Kopenhagen: Der dänische Reichstag bewilligte dem Komitee zur Hilfe für die deutschen Kinder 50 Millionen Mark. Die Manner und Frauen aller Parteien werden aufgefordert, freiwillige Beittäge zu leisten. In den dänischen Gewerkschaften und Genossenschaften werden Sammlungen für die deutschen Kinder veranstaltet. Kopenhagen, 16. Nov. (Wolff.) Ein dieser Tage ernanntes Komitee zur Sammlung von Beiträgen für den notleidenden deutschen Mittelstand Hai einen Ausruf mit der eindringlichen Mahnung zur Hilfe erlassen. Es heißt in dem Aufruf: Die Hilfe Dänemarks muß dem großen Deutschland gegenüber gering erscheinen; -aber die Gabe, die wir bieten können, kann infolge der Kaufkraft unserer Valuta Vielen über den Winter helfen. Wir beabsichtigen, durch die Mittelstandshilfe in alten Kulturzentren wie Weimar, Göttingen, Jena, Tübingen, Heidelberg, Lübeck usw. den Familiem derey Frauen und Kinder Not leiden, zu helfen. Wir können auch hilfebringende Verbindungen zwischen den einzelnen Familien und Personen vermitteln. Die Nebersremdung der Schweiz. Bern, 16. Nov. (Wolff.) Der schweizerische Bundesrat gibt neue Maßnahmen gegen die Ueberfremdung bekannt. Unter der schweizerischen Gesamtbevöl- kerung von 3 880 000 sind 405 000 Ausländer. Zur Verhinderung der weiteren Ueberfrem- dung sollen jährlich rund zwölftausend Personen naturalisiert werden, davon rund 5000 durch ZwangSeinburaerung in der Schweiz geborener Auslänoerkinder, deren Mütter gebürtige Schweizerinnen sind, und 7000 durch frei Naturalisation auf Gesuche. Die „Republik des fernen Osten". Moskau, 15. Nov. (Wolff.) Aach einet Meldung der Russischen Telearaphenageittur aus Tschita hat die gesetzgebende Körperschaft ber Republik des Fernen Ostens »rach eingehender Besprechung der Lage einstimmig den Beschluß gefaßt, sich auf zu lösen unb die Vereine - gung mit Sowj etrußland zu vollstehen. Es wurde ein aus sieben Mitgliedern bestehender revolutionärer Ausschuß errichtet und 14 delegierte zum Allrussischen Rätekongreß gewählt. Die Bevölkerung 'begrüßte diese fctpe Aktion der gesetzgebenden Körperschaft mit 'Begeisterung. Moskau, 16. Rov. (Dolfs.) Anläßlich der Rede Lenins auf dem vierten Kongreh der Kommunistischen Internationale schreibt die „Poawda", dah das Beispiel Rußland beweise, dah es nicht möglich sei, die verschiedenen sozialen Formen zu überspringen. Wer das nicht beachte, riskiere, die Sache der proletarischen Revolution zugrunde au richten. Das sage das russische Proletariat seinen westeuropäischen Prolelarierbrüdern durch den Mund LenrnS. Milderung des Alkoholverbotes in Amerika. London. 17. Rov. (WTB) Aus Reutzork wird gemeldet: Aach einer Mitteilung des Präsidenten H a r d i n g ist eine Milderung des Alkoholverbotes zu erwarten. Aus dem Reiche. Ein Aufruf: Deutsches Schrifttum in Doti geht durch die Blätter. Den Aufruf unterzeichneten tu a. der Reichspräsident Ebert, Reichskanzler Dr. Wirch, weitere Reichs- und Landesminister und eine Reihe angesehener Persönlichkeiten aus allen politischen Parteien. In dem Aufruf heiht es: Die Katastrophe des Wellkrieges hat Deutschland, nicht zum ersten Male in seiner Geschichte, auf seine inneren seelischen Kraftquellen Aurütf- geworfen. älnsere geistige Kultur ist die einzige uns noch gebliebene Autono- m i e. Trotz seinem unerschütterlichen Glauben an die Bestimmung einer großen Ration in der größeren Familie der Morschheit ist das deutsche Geistesleben mit dem baldigen Untergänge bedroht, weil seine Dertreter, seine Erhalter und Führer von der Arbell nicht mehr leben können, für die zu leben sie bestimmt sind. Dem deutschen Schriftsteller, der das ehrwürdige Erbe unserer Muttersprache verwallet und vermehrt, muß, nicht um seiner Selbsterhaltung willen, eine Hilfe geboten werden, wenn Deutschland nicht noch die erniedrigendste Armut kennen lernen will, daß auch sein bilturelles Dasein in jedem höheren Sinne dahin zu siechen droht. Unter dem Schutze der Reichsregierung ergeht daher der Aufruf Deutsches Schrifttum in Rot! an alle noch nicht von der äußersten Rot ergriffenen Äreife, an Persönlichkeiten. Gesellschaften, Unternehmungen, die noch eine ideelle Verantwortlichkeit gegen das Ganze des Volkslebens empfinden. Der große Ernst der Lage läßt uns hoffen, dah alle Angerufenen mit verständnisvoller Opfer- willißkell der Verelendung auch unseres geistigen Daseins zuvorkommen wollen. Der Ertrag der Sammlung, von dem ein Drille! der Rotgemeinschaft der Ku rst" bestimmt ist, wird durch den Schutzverband Deutscher Schriftsteller verwallet. Abfüh ung der Sr enden erbeten an Dresdner Bank, Dep.-Kasse B„ Potsdamer Straße 20, Konto Schutzverband Deutscher Schriftsteller, Sep.-Konto „Deutsches Schrifttum in Rot". Deutscher Reichstag. 268. Sitzung, 2 Uhr nachmittags. Berlin, 16. Rov. In der heute fortgesetzten Beratung der Interpellation über die Rot der Wissen- .schaft bezeichnete Abg. Dr. Moses (Soz.) ö als eine Ehrenpflicht der deutschen Großindustrie. der Rot der deutschen Forschungsinstitute abzuhelfen. Bei aller dankbaren Genug- »tuung über die Millionenfpende des japanischen Stimres, Hoshi, möchte man ein gewisses Gefühl der Beschämung darüber empfinden, dah die deutsche Großindustrie noch nicht an eine solche Hilfsaktion gedacht hat. Die Antwort der Regierung hat uns nicht befriedigt. Streichen Sie die Milliarden für die unproduktive Reichswehr und unterstützen Sie damit die notleidende deutsche Wissenschaft. Abg. Dr. Strathmann (Dntl.): Die großen Erfolge der deutschen Wissenschaft, speziell der Chemie und der Medizin, die vom Auslande nicht haben erreicht werden können, sind nur möglich gewesen durch die methodische Forschungsarbeit an den wisfenschafllichen Instituten. Die Dotgemernschast der deutschen Wissenschaft braucht minvestenS 150 Millionen, um weiter arbeiten zu können, und die nächsten Etatsausgaben mühten wenigstens auf eine halbe Milliarde erhöht werden. Abg. Dr. Moldenhauer (D. Vpt.) erwidert dem Abg. Moses, dah Deutschlands 3n- dustrie für die Unterstützung der notleidenden Wissenschaft well mehr getan habe, als öffentlich beJannt geworden sei. Ohne eine umfassende Hilfeleistung aus Reichsmilleln werde freilich der Riedergang der wissenschafllichen Forschung in Deutschland nicht aufzuhalten sein. Abg. Dr. Schütting (Dem.) sieht in deutscher Kunst und Wissenschaft das vornehmste Mittel, Deutschland nach dem Sturge von der Höhe seiner Macht wieder Geltung und Achtung in der Well zu verschaffen. Der Redner geht dann auf die 'Rot der studentischen Jugend ein. Den vielen reichen Leuten in Deutschland müsse klar gemacht werden, dah der Reichtum ihnen die Pflicht auferlege, mehr für die Wissenschaft zu tun. Der Staat müsse im übrigen für die Rot- gerneinschaft der Wissenschaft mindestens 500 Millionen auswerfen. Abg. Dr. Bewerte (Bahr. Dp.) schließt sich der Zentrumsinterpellation durchaus an. Bayern sei in der Unterstützung der Privatdozenten führend Vvrangegangen. Er empfiehlt das Osteuropa- Institut in Breslau und das Römisch-Germanische Museum in Mainz der besonderen Fürsorge des Reiches. Abg. Hehdemann (Komm.) greift die Universitäten an, die jetzt nur als Drillanstalten für die Funktionäre des Kapitals gelten könnten, und hält den Professoren vor, daß sie vor dem hoffnungslosen Trottel Wilhelm II. gelatzbuckelt hätten. Obwohl die Studenten gegen die Arbeiterklasse hetzten, würde er doch dafür eintreten, ihnen das Existenzminimum zu liefern. Abg. OB eg mann (U. S.) fordert, dah die Wissenschaft nicht allein den besitzenden Kreisen vffenstehen dürfe. Auch den befähigtesten Köpfen aus den Kreisen der Arbeiterschaft müsse es ermöglicht werden, die Universitäten zu besuchen. Abg. Dr. Pfeiffer Z.) stellt in seinem Schlußwort fest, daß bei allen Parteien volles Verständnis für die Rot der Wissenschaft herrsche. Die hier aufgerollten Bllder von der Rot der Wissenschaft seien erschütternd. Was bedeuteten demgegenüber 20 Millionen für die Rotgemeinschaft, von denen der Staatssekretär gesprochen habe. Auf das Mäzenatentum sei in diesen Zeiten nicht zu rechnen. Damit schließt die Besprechung. Morgen nachmittag 2 Uhr Weiterberatung des Antrages H e r g t über die Abänderung der Umsatzsteuer, Fortsetzung der Geschäftsordnungsdebatte. Schluß 7 Uhr. Aus Stabt und Land. Gießen, den 17. Rovember 1922. Sehr wichtig für die Wahlberechtigten. Am Sonntag finden die Wahlen der Stadtverordneten und Gemeinderatsmitglieder, sowie ter Mitglieder deZ Krei - u 'd des Provinzialtages statt. Die Wahlen vollziehen sich nach dem neuen hessischen Wahlgesetz vom 6. September 1922. Im GegenscH zu dem früheren Wahlverfahren vollziehen sich jetzt alle drei Wahlen in einem Wahlgang und in dem gleichen Wahllokal. Durch diese Gemeinsamkeit der drei verschiedenen Wahlentscherde erhöht sich die Gefahr des Eintritts von Unrichtigkeiten bei der Abstimmung. Erhöhte Aufmerksamkeit der Stimmberechtigten bet der Abgabe ihrer Stimme ist nötig, um das Ungültigwerden ihrer Zettel zu verhüten. Man beachte zur Vermeidung dieser Gefahr folgendes: Die Stimmzettel werden außerhalb des Wahllokals verteilt, manche Parteien haben sie den Stimmberechtigten auch schon in die Wohnung geschickt. Die Stimmzettel sind von weißem Papier, sie enthalten außer dem Ausdruck „Stadtverordnetenwahl", bzw. „Gemeinderatswahl", bzw. „Kreistagswahl", bzw. „Prvvinzial- tagswahl" das Kennwort des Wahlvorschlags oder die Ramen der zu wähletden Bewerber; die Zettel dürfen außer den vorstehend genannten Bezeichnungen keinKennzeichen tragen, auch dürfen keine Streichungen oder Qlenterungen vorgenommen werden, da die Zettel sonst ungültig sind. Die Stimmzettelumschläge erhält der Wähler in dem Wahllokal von einem Mitgliede der Abstimmungskvmmission; sie tragen als Ausdruck lediglich das Wort: „Stadtverordneten^ wahl", bzw. „Gemeinderatswahl". bzw.„Kreistags- Wahl", bzw. „Provinzialtagswahl", ferner sind sie mit dem Stempel der betreffenden Gemeinde versehen. Bei dem Einschieben des Stimm- Zettels in den Umschlag hat der Wähler darauf zu achten, dah Stimmzettel und Umschlag den gleichen Ausdruck tragen (also: Stimmzettel „Stadtverordnetenwahl" nur in den Umschlag „Stadtverordnetenwahl"; — Stimmzettel „Kreistagswahl" nur in den Umschlag „Kreistags- Wahl"; — Stimmzettel „Provinzialtagswahl" nur in den Umschlag „Provinzialtagswahl"). Wer hierbei nicht aufpaht, riskiert, daß seine Stimme ungültig wtrd; wird z. D. ein Stimmzettel mit dem Aufdruck „Kreistagswahl" in den Umschlag mit dem Aufdruck „Provinzialtags- w a h l" gesteckt, so ist die abgegebene Stimme ungültig; wird ein Zettel ..Stadtverordnetenwahl" in den Umschlag „Kreistagswahl" gesteckt, so ist auch diese Stimme ungültig. Diele 'Wahlberechtigte haben dir Gepflogenheit, sich vor dem Wahllokal die Stimmzettel verschiedener Parteien geben zu lassen. Der so handelnde Wähler wird am Sonntag beim Eintritt ins Wahllokal möglicherweise 12 bis 15 oder noch mehr Zettel haben, aus denen er bann nur erst unter Zeitverlust die richtigen heraussuchen muh, und obendrein läuft er dabei noch Gefahr, irgendeine Verwechselung zu begehen. Die Wahlberechtigten werden am besten nur dieSt imm- zettel in das Wahllokal mitnehmen, die sie abgeben wollen. Bekommt jemand vor der Wahl die ihm zusagenden Stimmzettel in seine Wohnung geschickt, dann nimmt er am besten diese Zettel mit und läßt sich vor dem Wahllokal auf eine Zettelannahme gar nicht ein. Hierdurch wird die schnelle Abwicklung des Wahlgeschäfts ermöglicht und die Gefahr, daß Stimmzettel falsch ausgewählt oder'falsch behandelt werden, vermieden. Die 'Wahlen finden von 9 Uhr v ormit- tags bis 7 Uhr abends in allen Abstimmungsbezirken statt, mit Ausnahme von Gemeinden unter 1500 Einwohnern, in denen die Wahlen erst um 12 Uhr mittags beginnen. Da sich bei früheren Wahlen gezeigt hat, dah der Andrang der Wähler in den Wahllokalen in den späten Rachmittagsstunden erheblich zunimmt, ist dringend zu empfehlen, die Wahlen möglichst schon am Vormittag oder aber am frühen Rachmittag vorzunehmen. Rach 7 Uhr abends dürfen nur noch diejenigen Wähler ihre Stimmzettel abgeben,, die sich zu dieser Zeit bereits im Wahllokal befun den haben. Der Brotpreis in (Hießen ist gestern in einer Sitzung der Lebensmittel- Deputation auf 103 Mark für ein markenpstich. tiges 1900. Gramm-Brot festgesetzt worden. Dec neue Preis tritt am nächsten Montag in Kraft. Die amtliche Veröffentlichung der Preiserhöhung wird in unserem morgigen Blatte erfolgen. * * Amtliche Persvnalnachrichten. In den Ruhestand versetzt wurde: am 13. Rov. der Oberstudiendirektor an der Oberrealschule zu Gießen Dr. Heinrich Schnell mit dem gesetzlichen Ruhegehalt auf sein Rachsuchen unter An- enemTung seiner dem Staate geleisteten Dienste vom 16. Rovember 1922 ab. — Ernannt wurden: am 11. Rovember der Eichmeister zu Friedberg Ivsef Hartmann zum Eichmeister bei dem Eichamt zu Dingen mit Wirkung vom 1. Dezember 1922 an; am 14. Rovember der Forstmeister der Oberförsterei Mainz Geh. Forstrat Hermann K u t s ch zu Mainz zum Vortragenden Rat in der Abteilung für Forst- und Kameralverwallung mit der Amtsbezeichnung Oberforstrat. ** Die Gebühren für die Arbeiten der Dermessungsämter. Mit Wirkung vom 15. November ab ist der Teuerungszuschlag zu den Gebühren für die Arbeiten der Dermessungsämter von 900 v. Sy. auf 1700 v. Sy. erhöht worden. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag: Stadttheater, 7 Uhr: „Verliebte Leute". — ©afe Amend, 8 Uhr: Wohltätigkeitsabend.— Cafe Leib, 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei. — Astoria-Lichtspiele: „Seepiraten", 3. Teil, und „Frauen, die am Wege sterben". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Unter den Goldgräbern von Dawson City" und „Schuld und Sühne". — Palast-Lichtspiele: „Durch Kerker und Paläste von San Marco", 2. Teil: „Das Fest der Venus" und „Die Liebe und der Suff". — Vortrags-Vereinigung. Mlldemnäch- sten Abend — ein Märchenabend für Erwachsene — will die Vereinigung ihren Mitgliedern und den hiesigen ßiteraturfreunöen wiederum einen auserlesenen Genuß bereiten, indem sie die bekannte Märchenerzählerin Dilma Mönkeberg aus Hamburg gewonnen hat. Unter dem Titel „Was sich die Völker erzählen" wird die Künstlerin die Zuhörer in die schillernde Märchenwelt der Südsee, Afrikas, Chinas und Europas führen und sich mit der Eigenart jedes Dolkskreifes vettraut machen. Wettervoraussage fürSamstag: Milde Witterung, dunstig, Rebel bis geringe Niederschläge. Das Hochdruckgebiet über England hat sich weiter verslacht, so daß allmählich der mildere Druck im Norden Einfluß gewonnen hat, indem er milderes Wetter bei leichten Rordwestwinden bedingt. Unsere Herren Berichterstatter bitten wir, uns das Ergebnis der Gemeinderatswahlen in ihrem Wohnorte und in ihrem Verichterstatterbezirk auf dem schnellsten Wege zu übermitteln. Nach Möglichkeit ist schriftliche Ueber- mittelung auf Postkarte zu wählen. In diesem Falle Berichter statterzeichen nicht vergessen. Besteht die Wahrscheinlichkeit, daß diese Mitteilung nicht bis Montag vormittag in unseren Besitz gelangt, bann erbitten wir noch am Sonntag abend oder Montag vormittag bis 10 Uhr telephonische Benachrichtigung. Fernsprechanschluß der Redaktion Nr. 112. In allen Berichten bitten wir möglichst von Namensbrzeichnungen der Gewählten abzusehen und nurdiePar- teigruppierung zu nennen; z. D. 4 Dt. Vp., 4 Dauernbd., 2 Dem^ 2 Soz. usw. Mitteilungen über die bisherige Zusammensetzung des Gemeindeparlaments sind uns sehr erwünscht, damit eine vergleichende Gegenüberstellung möglich ist. In erster Linie interessiert uns der Bericht über die Gemeinderatswahl. Daneben sind uns aber auch die Ziffern der Kreistags- bzw. der Provinzialtagswahl sehr erwünscht. Schriftleitung des „Gießener Anzeigers". Landkreis Gietzen. tt Allendorf a. d. Lda., 16. Rov. Die Sammlung für die vertriebenen Elsaß - Lothringer ergab dahier den Betrag von 2190 Mk. Kreis Lauterbach. 2. Grebenhain, 15. Rov. In den hiesigen Spezereigeschäften geht man jetzt vielfach zum Tauschhandel über. So wird z. D. Rüböl nur gegen Korn, Gerste und Hafer abgegeben. Das Od wird dabei zu einem Preise von 1300 Mark berechnet. Starkenburg und Rheinhessen. wd. Wo rms, 16. Rov. Freiherr Hehl zu Herrnsheim hat zur Unterstützung notleidender Kleinrentner die Mittel $ur Verfügung gestellt, dah während der Wmtermonate täglich 60 Kleinrentnern mit einem Zahreseinkommen unter 4000 Mark Mittags- und Abend- ko st unentgeltlich gewährt werden kann. Die hierfür erforderliche Summe ist auf monatlich 400 000 Mark veranschlagt. Weiter soll an noch näher auszuwählende Kleinrentner j e ein Paar Schuhe als Weihnachtsgeschenk überreicht werden. Auch den acht Kinder- schulen in Worms und Vororten, die von etwa 600 Kindern besucht werden, hat Freiherr Hehl zu Herrnsheim eine Summe zur Beschaffung von Schuhen und Kleidungsstücken zu Weihnachten zur Verfügung gestellt. Hessen-Nassau. Frankfurt a. M^ 16. Nov. In der Nacht zum 10. November haben unbekannte Diebe zwischen den Bahnhöfen Ginnheim— Frankfurt-West nach Abschneiden von 11 Telegraphen-Drahtleitungen das erbeutete Bronze- und Eisendrahtmateriäl gestohlen. Auf die Ermittelung der Tater ist eine Belohnung von 10 000 Mark ausgesetzt. fpd. Frankfurt a. M., 16. Nov. Dem VereinWinternot wurden in den ersten 15 Tagen nach seinem Aufruf zur Bekämpfung der Winternot rund 60 Millionen Mark gespendet. — Die Arbeitnehmer haben die Forderungen der kaufmännischen Angestellten auf Gewährung eines Zuschlages von 130 Prozent zu den D o v e m- bergehältern abgelehnt, sie wollen nur Heutiger Stand des Dollars 10 Uhr vormittags: Berlin 6650, Frankfurt a. M. 6650. Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von LieSbet Dill. 40. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Dckß er niemals aus diesen elenden Geldverlegenhellen heraus kam, aus einer Bedrängnis in die andere, aus einem Gefängnis ins andere geriet, von einer verfehlten Spekulation zum Verbrechen? Rein, denn hineingestürzt hatte ihn doch nur diese verflixte Sophie mit ihren Feueraugen . . . Von dem konnte man lernen! „Tugendhaft ist, wer seiner Anlage und Heberteagung entsprechend handelt." Ah, endlich hatte er, was er suchte: „11 est arriv6 le moment d’une Separation £ter- nelle ..der letzte Brief an Sophie. Er nahm die Feder und übersetzte: „Der Augenblick ist gekommen, der uns sür ewig trennt . . ." »Les illusions de i’amour nous ont longtemps abuses.“ Er mußte erst im Lexikon nachsehen, was abuses hieß. „Die Illusionen der Liebe haben uns lange genug getäuscht." Es war zwar etwas hart, »mais la nature ne perd was ses dioits - 3n diesem Augenblick erschien Trina und fragte, ob Herr Lutz vergessen habe, nach der Rheinterrasse zu fahren, die Damen ermatteten ihn doch Sie wollte nämlich dieses Zimmer putzen. „Putzen Sie das ein anderes Wal, teure Lrina," sagte Lutz. „Sie sehen doch daß ich sehr beschäftigt bin.“ „Ja, aber das können Sie doch geradesogut In einem anderen Zimmer machen," meinte Trina, „tm Badezimmer ist es auch warm." Sie halle schon Eimer und Putzlappen in der Hand Lutz nahm die Sophie Monnier unter den Arm und zog um. Als er das kleine, weißgetäfelte Badezimmer betrat, in dem noch der Kaffeetisch gedeckt stand, fiel ihm der Geburtstag Ernsts ein, jener Sonntag, an dem sich sein Bruder verlobt hatte, und seine Gedanken wurden abgelenkt. Ach, ich werde diese Phrasen alle nicht benutzen, dachte er und strich alles, was er geschrieben, wieder aus. Es war doch entschieden leichter, jemand den ersten Brief zu schreiben wie ben letzten. Wenn man ihr nur begreiflich machen konnte, daß sie vernünftig blieb! Grete war in der letzten Zell immer in Explosivstimmung, und so oft er etwas von dieser Trennung, die doch einmal vorbereitet werden mußte, andeutete, machte sie so blitzende große Augen, dah er ohne weiteres an den Revolver glaubte, mit dem sie so oft gedroht. Er fand sie so nett und er liebte sie wirklich und wenn Herr Kollin sie ihm damals in die Arme gelegt hätte, er wäre j’&r, wenn auch vielleicht nicht ewig, so doch sicher sehr lange treu geblieben. Aber das Schicksal hatte es anders gewollt. Richtig, er wollte von dem Schicksal reden. „Erschrick nicht, liebe Grete, aber wir müssen uns trennen. Es mag Dir hart klingen und ich habe diesen Entschluß nach vielen schlaflosen Rächten gefaßt," darin sprach Lutz die Wahrheit, denn seit die Saison in Mainz begonnen hatte, war er keine Rächt vor vier ilbr ins Bett gekommen. Seine schlanke Hand mit dem Wappenring glitt rasch über das gerippte Papier. Run war er im Fluß. „Ich kann die Verantwortung nicht länger ertragen." Das würde sie zwar nicht glauben, denn wie konnte man einem Frauenzimmer jemals begreiflich machen, daß eS eine Schuld auf sich lud, indem es einen Mann liebte? „Wir haben unrecht getan und müssen nun büßen." Das wird in die Bußtagsstimmung sehr gut passen, dachte er und zündete sich eine neue Zigarette an. „Wir müssen einen Strich unter unser bisheriges Leben machm. Ist es meine Schuld, dah alles so gekommen ist? Klage die Vorsehung an, Grete, nicht mich." Diese Wendung macht immer Effekt, dachte er, weiterschreibend. „Ein weiterer zwingender Grund ist meine pekuniäre Lage." Es war zwar kein edles Wort, „pekuniär , und wirkte in diesem Brief wie eine Ohrfeige, aber er fand kein besseres und lieh es stehen, Grete war nicht so empfindlich „Meine Gläubiger bedrängen mich in letzter Zeit sehr. Seit ich nicht mehr in der Pension Metropole verkehre, nehmen sie — und nicht mit ttnrecht — an, dah mich eine andere Frau beschäftigt. Du, meine führ Grete, bist das Rätsel, um das sich alle den Kops zerbrechm." Das würde ihr gefallen. denn sie war sehr eitel. „Sie sind wie eine Meute hinter mir her, besonders Goldenberg, und ich werde eines Tages gezwungen fein, eine reiche Heirat einzugehen. Mit wem? Frag mich nicht, geliebtes Kleines! Mit irgendeiner, die reich genug ist, meine Schulden zu bezahlen. Ich werde darin meine Buhe erblicken." Dann fügte er noch einige Worte hinzu von steter Verehrung und bat sie, die Stunden der Trauer, die nun folgen würden, ihn nicht entgelten zu lassen, sondern ihn zu vergessen suchen. „Es gibt soviele Lutz . . .", und wenn sie sich begegnen sollten, ihn als einen gleichgültigen Verwandten zu betrachten. Er empfahl ihr, den Brief mit den anderen sorgfältig au vernichten. „Mit Driesen ist schon viel Unheil angerichtet worden, liebe Grete, denk an Dich und Deine Mutter" — die alte Kollin muhte man doch auch anstandshalber erwähnen, die vergaß man immer. „Ich sage das zwar nur Deinetwegen," schloß Lutz, „denn was mein Leben betrifft, so ist mir dieses vollkommen gleichgültig. Wenn es aber fein sollte, dah das Schicksal es will —" hoffentlich will es das nicht, dachte er, „je serais en vedette.“ Er las den Brief noch einmal durch und fand ihn gut. ttnd nun will ich nicht mehr daran herum- deichseln, dachte er, denn sonst wird mir's wieder leid. Er nahm Siegellack und schloh den Brief, indem er das Wappen seiner Mutter, ein zierliches Schild mit vier Lilien und einer Schlange, draufdrückte. Dann steckte er den Brief in den Aermelauf- schag, schentte der erstaunten Trina einen Taler, und eine Viertelstunde später sah er tm D-Zug nach Mainz. Die arme Grete ging wie eine Nachtwandlerin umher, feit ihr dieser Abschiedsgmh ins Haus geflogen war. Das also war das Ende einer großen Liebe! Er nahm seinen Mantel und verabschiedete sich, er war vernünftig geworden und klug. Es war sicher nicht vernünftig, diesen elenden Brief erst in Stücke zu zerreiben und ihn dann auf dem Teppich kniend des Nachts bei einer Kerze wieder zusammenzusetzen, die meisten Worte hatten ihre Tränen verwischt, aber den Eindruck dieses Briefes würde kein Mensch vernichten, kein Erlebnis und kein Gefühl. Sie fand sich mit einem Male, ganz alt, wie persteint, unfähig, etwas zu denken, zu empfinden, ja nicht einmal weinen konnte sie mehr. Sie magerte ab und verlor ihre frischen Farben, alles ward ihr gleichgültig, ihr Leben, ihre Ehe, ihre Zukunft, die ganze Well war leer geworden für sie. (Fortsetzung folgt) Die Winternothttfe Die vvn Tag gu Tag stärker anwachsende deutsche Wirtschaftsnvt zieht immer weitere Kreise in ihren Elendsbereich Unendlich grob and vielgestaltig 'ind die Entbehrungen, unter denen immer mehr Familien zu leiden haben, aber das schwerste Schicksal lastet doch auf den Klern- imi> Sozialrentnern, den Kriegsinvaliden, Kriegerhinterbliebenen und verschämten Armen. Diesen Brüdern und Schwestern trotz unser aller schwerer Rot Hilfe zu bringen, sie vor dem Zugrundegehen zu schützen, ist einfachste und selbstverständlichste Menschenpflicht. Diese Hilfe im H e s s e n l a n d e auf die breiteste Grundlage zu stellen, hat sich Me Hessische Regierung, wenn auch etwas sehr spät, nun angelegen sein lassen Sie hat zu diesem Zwecke vor wenigen Tagen die Winternothilfe Hessen ins Leben ge° . irfcn, der von allen Seiten die tatkräftigste Unter- 'lühung zugesagt wurde. In unserer Stadt soll diese Hilfsaktion _'yt in die Tat umgesetzt werden. Die Leitung -5 Unternehmens liegt m den Händen des Beiordneten Dr. Frey, des Dezernenten des -'dtischen Wohlfahrtsamtes, der auf gestern nachmittag eine Sitzung von führerchen Damen und Herren aller Berufs- und Gesellschaftsklassen in das Stadthaus an der Südanlage einberufen hatte, um sich in diesen Damen und Herren eine tatfrohe Schar von H e l f e r n zu gewinnen. Sehr viele Berufsorganisationen, charitative und haus- wirtschaftliche Vereine, die Geistlichkeit aller Konfessionen, die Lehrberufe, Aerzteschaft usw. usw. waren vertreten. Beigeordneter Dr. Frey gab zunächst einen Ueberblick über die Sachlage. Er wies besonders daraus hin, daß man in (Sieben schon vor dem Darms1Ä>ter Ausruf handelte, die Darmstädter Aktion komme also reichlich spät. Hier sei es vor allem die Handelswelt gewesen, die eine großzügige Hilfsaktion In die Wege geleitet habe. Den dankenswerten Bemühungen von Handel, Industrie, Banken, Gewerbe und Handwerk sei es gelungen, in ganz kurzer Zeit etwa Ibis P/4 Million Mark, zum Teil in Waren, für die hilfsbedürftigen Gießener Mitbürger zur Verfügung zu stellen, und auch die Landwirtschaft habe nicht beiseite gestanden, denn sie habe Kartoffeln unentgeltlich in die Stadt geschickt und weitere derartige Lieferungen zugesagt, . damit den Aermsten auch nach dieser Richtung hin Hilfe werden konnte. Vier Unterausschüsse hätten sich int Rahmen dieser Hilfsaktion an die Arbeit gemacht, um rasch zu helfen. Diese im Gange befindliche und schon weit vorgeschrittene Aktion solle nicht gebremst werden, sie solle selbständig weitergehen. Das neue, allgemeine Hilfs werk solle sich organisch an das erste anschließen. Der Redner ging nun näher auf die von Darmstadt gegebenen Richtlinien für das Hilfsunternehmen ein. Im Sinne dieser Richtlinien, die in einer Sitzung unter der Leitung des Staatspräsidenten Ulrich angenommen wurden, bat Dr. Frey die Arbeiterschaft um die Leistung einer Wohlfahrts st un de, deren Geldertrag dem guten Werke zusließen solle. Der Gewerkschaftsvertreter sagte eine baldige Entscheidung der Gewerkschaften über diesen Vorschlag zu. Die Geistlichkett wurde von dem Beigeordneten gebeten, eine; Kollekte in 60 Prozent bewilligen. Die Angestellten haben sich mit diesen Zugeständnissen nicht einverstanden erklärt. Jetzt ist der SchlichtungSauS- schuh angerufen worden. Vermischtes. Aufgeklärte Millionendiebstahle. Berlin, 16. Rov. Verschiedene QU 111 i o- nendiebstähle der letzten Tage sind von der Berliner Kriminalpolizei überraschend schnell auf- g e k l ä rt worden. So wurde bei einem Iuwelen- diebsiahl an einer griechischen Dame in einem Hotel am Potsdamer Platz als Täterin eine tn dem Hotel angestellte Direktrice verhaftet und des Diebstahls überführt. Die gestohlenen Schmuckgegenstände, sowie eine Reihe weiterer Schmuckstücke, die wahrscheinlich auch von Diebstählen herrühren, wurden bei der Verhafteten vorgefunden. — In einer zweiten Diebstahlsangelegenheit wurde einem ausländischen Grobkaufmann in der Rachodstrabe von einem kurz vorher zugezogenen Kinderfräulein in Abwesenheit der Dienstherrschaft alle Wäsche, kostbare Kleider, sowie bares Geld in Höhe von 17 Millionen Mark gestohlen. Die Diebin wurde ebenfalls von der Kriminalpolizei aufgespürl, die gesamte gestohlene Deute beschlagnahmt und dem Eigentümer zurückgegeben. Raubüberfalle. Mannheim, 16. Rov. (Wolff.) Zwei m a s- ktertejüngereMänner drangen vorgestern abend gegen 1 8 Uhr in die Dureauräumlichkeiten der K 0 h l e n h a n d e l s a e s e l t f chaf t A, Landen ein, hielten den noch anwesenden Dureau- angefteilten Revolver vor und zwangen den Kassierer zur Herausgabe der Schlüssel zum Kassenschrank. Sie raubten aus dem Kassenschrank 700 000 Mark Dargeld und außerdem für 100 000 Mark Steuermarken. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Auf die Ermittelung der Täter ist eine Belohnung von 50 000 Marl ausgesetzt. Berlin, 16. Rov. (Wolff.) Der Bankbeamte König wurde in der vergangenen Rächt auf dem Wege nach feiner Wohnung im Westend »Grünewald) von drei Männern angehalten, die ihm eine Viertel Million Mark, die er bet sich- führte, zu entreißen versuchten. König zog eine Pistole und gab auf die Angreifer vier Schüsse ab, worauf diese die Flucht ergr.fr en und entkamen. Die Polizei nahm die Verfolgung auf, konnte aber die Täter nicht mehr ermitteln. Hessen in Metzen. den Kirchen zu Gunsten des LiebeswerkeS vor- Aunefcmen. Die Vertreter aller Konsessionen gaben bereitwilligst zusagende Erklärungen ab. Jeder Einwohner unserer Stadt, so erklärte Dr Frey weiter, der noch einigermaßen sein Auskommen habe, müsse jetzt die Pflicht zum Helsen fühlen, alle müßten sich anftrengen bei diesem Opfern. Die städtische Deamtenschast wolle nicht zurückstehen, sie werde alles tun, was in ihren Kräften stehe. Der gleiche frohe Opfersinn möge sich überall zeigen! Das in Gießenge - sammelte Geld werde in Dieben bleiben, nichts werde nach auswärts gehen. Don dem eingehenden Gelde seien namentlich möglichst viel Waren für die Bedrängten anzukaufen, damit das Geld bei den heutigen Geldwertschwankungen nicht im Handumdrehen zerstiebe.. Zahlreiche hiesige Geschäftsleute hätten sich bereit erklärt, ihre Waren für dieses gute Wert zum Selb st kostenpreise oder sogar noch unter dem Einkaufspreise abzugeben. Die Hilfe solle den Klein- und Sozialrentnern, den Kriegsinvaliden und Kriegerhinterbliebenen sowie den verschämten Armen zugute kommen. Wie grob die Rot namentlich unter den Kleinrentnern sei, könne man daran erkennen, dab Hunderte von Mitgliedern des Rentnerbundes nur ein Zinseinkommen von 2—4000 Mark hätten. Das seien wirklich erschütternde Zahlen. In diesen Kreisen herrsch; ein Elend, das grenzenlos fei, und dem mit den bescheidenen amt- lichrn Geldmitteln nicht gesteuert werden könne. Alle übrigen genannten Hilfsbedürftigen bedürften natürlich in gleichem Maße der allgemeinen Fürsorge, denn auch deren Los sei überaus schwer und dunkel. Reich Land und Gemeinde könnten hier nicht alle Rot lindern, die breite Allgemeinheit müffe daran teilnehmen. Die Vereine aller Art bitte er, im Sinne der Richtlinien, unter ihren Mitgliedern z u sammeln und den Ertrag dieser Maßnahmen an das Hilsswer? abzuliefecn. Das Geld, tas hoffentlich aus allen Quellen recht reichlich fließen werde, solle dann bei den hiesigen Danken deponiert und nach Maßgabe der Beschlüsse eines ArbeitsaLs- schusses verwandt werden. Im Anschluß an diese Darlegungen des WohlsahrisdezecneNten gaben sämtliche Organisation^- und ^Körperschaftsvertreter und -Vertreterinnen die Erklärung ab, daß sie die Hilfsaktion mit aller Tatkraft fördern und innerhalb ihrer Organisationen ungesäumt entsprechende Sammlungen In die Wege leiten würden. Die Sammelaktion soll spätestens bis zum 8. oder 10. Dezember abgeschlossen fein, da die Stadtverwaltung bis zum 15. Dezember nach Darmstadt berichten muß, um vvn dort aus die Landesbeihllfe zu erlangen. Zum Ansporn der hiesigen Spender sei bemerkt, dab die Landesbeihilfe sich nach dem Umfang der hiesigen Gabe richtet; je gröber diese ist, desto höher wirdauchdie Landesbeihilfe ausfallen. Man strenge sich also bei 6er Bemessung seiner Spende nach besten Kräften an. Rachem man noch einen Arbeitsaus- schuß eingesetzt hatte, schlob Beigeordneter Dr. Frey mit Dankesworten für die zugesagte tatkräftige Unterstützung die Sitzung. öüAertnd). — Der Zensor. Erzählungen von Egon Frey. (Okrlag von Gebr. Enoch, Hamburg.) — Diese lebendigen Erzählungen führen In Form und Inhalt über gewöhnliches Erleben hinaus and bergen erzieherische Absichten. — Gerhard Stallings Verlag in Oldenburg i. O. legt wieder einige hübsch ausgestattete Reuerschei- mrngen seiner Volks- und Jugendbücher- fammlung auf den Büchermarkt: Daniel Defoe, Leben und Abenteuer des Robinson Crus e. Rach den besten deutschen Uebersehungen neuerzählt von Will Vesper. Geschmückt mit 91 farbigen getuschten Federzeichnungen vvn Hans Pape - Sagen vom deutschen Rhein. Erzählt von Else Franke. Geschmückt mit zahlreichen Federzeichnungen von Karl Miersch. 2lus dem reichen Sagenseterj>amilie nticüneiuiefcn luer« den. (Sclefleiibeit zur Uehungl-d. deutschen Sprache. Ausk. nibi Pros. 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Ich fordere hiermit alle selb- ständigen Handwerker, die im Stadtbezirk ein solches betreiben, auf, sich in der Zeit vom 18. bis 25. November ds. Zs. auf dem Dersicherungsarni der Stadt Giehen, Gartenstrahe Ar. 2, Seitenbau, zu erklären, ob sie für oder gegen die Errichtung der Zwangsinnung stimmen Giehen, den 16. Aovember 1922. Der Oberbürgermeister. 3. A.: Dr. Frey Christbaumverkauf. 3n den Waldungen der Gemeinde Annerod, Köpfet, sind etwa 500 Stück Christbäume abzugeben. Auskunft erteilt Forstwart Schäfer, Annerod. Angebote sind bis zum 22. Aovember l. Is. bei uns einzureichen. Annerod, den 15. Aovember 1922. Bürgermeisterei Annerod. Horn. 10075 Gebrauchter, aber gut erhaltener ulu517 Kabinenfoffer zu kaufen gesucht. Ha tuMitr.. 16 v. [Verschiedenes) Herde- u. Oefen Edgar Dorrmann, Ctsenhaudlung.__ MWMenM. Zum Backen, zum Kuchen Zum Feste Einst Mandeln Zitronen Das Beste. Heut' wisse, sind vorziizieb'n Bachöle von vr. 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Unser Stimmzettel für die Kreistagswahl trägt als Kennwort die Bezeichnung: „Bereinigte Stadt- und Landlifte" mit den Namen: 1. Fenchel, Wilhelm, Landwirt, Oberhörgern: 2. Sach, Ernst Ludwig, Metzgermeister, Giehen. Unser Stimmzettel für die Provinzwahl hat bie gleiche Bezeichnung: „Bereinigte Stadt- und Landliste" und trägt bie Namen: 1. Schneider I., Otto, Lanbwiri in Utphe; 2. Gisevius, Paul, Universitätsprofessor, Giehen. Wir haben aus Stehen-Stadt folgende Kandidaten ausgestellt: Für den Kreistag: 1. Ernst Ludwig Sach, Metzgermeister,- 2. Adolf Noll, Fabrikant; 3 Heinrich Gottmann, Landwirt; 4. Karl Schmäht, Amtsgerichtsdirektor; 5. Franz Norlh, Postassistent: 6. Minna Belitz geb. Schmidt, Ehefrau: 7. Johannes Loh, Hausverwalter,- 8. Emil Heuser, Prof. Dr, Oberbibliothekar. Für den Provinztag: 1. Paul Gisevius, Universitatsprofesior: 2. Ludwig Rinn, Fabrikant, Heuchelheim: 3. Fritz Fischer, Rechtsanwalt: 4. Otto Feuerstein, Bahnarbeiter: 5. Antonie Baehr geb. Ritzel, Tierarztwilwe: 6. Georg Kling, Lehrer. 10078v Wähler und Wählerinnen! Schließt die Front! Geht zur Wahl und legt einmütig unsere Stimmzettel in die Urne Unsere Listen bringen Frauen und Männer aus allen Ständen, die das Beste wollen für Volk und Vaterland. Der Wahlausschuß. Unsere Stimmzettel find in allen Wahllokalen ausgelegt! Statt Karlen Für die anlässlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst. Karl Seip und Frau Annemarie geb. Stöhr. Weitershain, November 1922. zoologische Großfilm. 10079c Lichtspielhaus / V Heute bi* elnechl. Sonntag da* hervorragende Doppel- Programm, welchea auch die verwöhntesten Besucher zufrieden z/j LA stellen wird; I Unter den Goldgräbern Ä | von Dawson-City H Ein Drama auf den Schnoefeldern Alaskas inÖAkten. Ä J.d.Hauptrollen: Prl*cilla Dean und Dorothy Phil ip«. — Ferner das seelenvolle Drama | Schuld und Sühne * iX In 5 Akten. fJk M Broß.Sellstenorohosterl Letale Voratellaag ab 8.18 Uhr. igS M Ab Montag: Wild-Afrika. I)er wissenschaftlich- WM CafeAmend Heute Freitag I I llnli I el 1 Konsumverein Giehenu.Umg. e. G. m. b. H. Der letzte Waggon Weihkraut zum Ausnahmepreis von Mk. 8.75 p. Pfd. nur edicnjtnflr. 16, im Huf uingrcikfl, 17. n. SamStufl, 18.9loo. loosoc Der Vorstand. merke sich ein jeder, putzt die Schuh' - erhält des Leder. Chem. Werke LubszynskiBerlin -Lichtenberg. Vortrags-Vereinigung. Doaaerstag, den 23. November, abends 8 ühr, in der Neuen An a IOomV Märchen-Abend „Was sich die Völker erzählen“ Frau Vilma Mönkeberg aus Hamburg. Elntrtltafcarten b. Challier: Hitglieder bis z. Dienst.. 21. Nov., auf Ausweis pro Platz 2-> Mk., Goethe-ß. 25 Mk. Nichtinltglleder Preise: 50.45, 40 Mk. Studenten Preiserin Nur I. Erwache. Beinertrag:Wo'ilfahrieaml. 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