Nr. 165 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatliche Bezugspreise: Mk. 22.50 und Mk. 2.50 Trägerlohn,durch dicPost MK.25.—, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrist. leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten. Anzeiger Siehen. poftscheÄLonto: Frankfurt a. M. 11686. 172. Jahrgang Montag, 17. Juli 1922 GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen t>md und Verlag: vrühl'sche Univ.-Buch- und Steindruckerei K Lange. Schristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeige» o. 34 mm Breit« örtlich 15V Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 500Pf. Bei Platz, Vorschrift 20 °/e Ausschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Die Pflichten der Beamten zum Schutze der Republik. I Reichsminister a. D. Dr. Scholz, M. d. R.» schreibt in der R. K.: In der allgemeinen Besprechung des Entwurfs eines Gesetzes über die Pflichten der Beamten zum Schutze der Republik im Rechtsausschuh des Reichstags habe ich mir gestattet, auszuführen, daß ich jeden Sozialisten lebhaft bedaure, der genötigt ist, zu diesem Gegenstand zu sprechen: er könne es nur tun, indem er alles kreuzige, was er seit Jahrzehnten angebetet hat. Es ist ein fast grotesker Zustand, dah die Sozialdemokratie Sturm läuft gegen Grundrechte der Einzelpersonen, die sie selbst in der Weimarer Verfassung „v e r - ankert" hat, daß sie gewissen Kategorien von Beamten das Recht der freien Meinung (Art. 130 der Verfassung!) auch außerhalb ihres Amtes nehmen will, dah sie politische Sondergerichte begründet entgegen dem Verfassungsgrundsatz: „Niemand darf seinem ordentlichen Richter entzogen werden." Nur auf die wichtigsten Bestimmungen oeS Entwurfs, der ein Glied in "der Kette der Schutzgesetze bildet, kann hier hingewiesen werden. Als § 10b soll das Reichsbeamtengesetz eine Vorschrift erhalten, deren entscheidender Teü lautet: „Reichsbeanrte, die in leitender, berichtender oder ausführender Stellung mit dem Schutze der Republik gegen Bestrebungen zur Aenderung der verfassungsmäßigen republikanischen Staatsfvrm besonders betraut sind, haben sich auch außerhalb ihres Amtes jeder tätigen Teilnahme an Bestrebungen zur Aenderung der verfassungsmäßigen republikanischen Staatsform zu enchalten, auch wenn diese Bestrebungen sich im Rahmen der Reichsverfassung und der Gesetze halten. Die Reichsregierung hat diese Beanrtenstellungen durch Bekanntmachung im Reichsanzeiger zu bezeichnen." Es bedarf keiner Ausführung, dah diese Vorschrift eine Verfassungsänderung bedeutet — die Reichsregierung sagt es im Text des Entwurfes selbst. Darüber hinaus aber verletzt sie die elementarsten Grundrechte jedes Staatsbürgers, die ihm freie Aeußerung seiner Meinung in Wort, Schrift, Druck, Bild oder auf jede sonstige Weise gewährleistet. Weiter ist der Regierung für den Kreis der betrof- nen Beamten freiester Spielraum gegeben — also der Willkür nach dieser Richtung Tür und Tor geöffnet. Eine zweite grundlegende Aenderung des Beamtenrechts findet sich in den Bestimmungen über das Disziplinarverfahren. Hier ist die Errichtung eines besonderen Disziplrnarsenats für Verletzungen der Pflichten zum Schutze der Republik beabsichtigt, der sich zunächst als Ausnahmegericht darstellt - die betroffenen Beamten werden ihrem gesetzlichen Richter entzogen — und der zum Andem nach seiner Zusammensetzung eine Politisierung des Disziplinarverfahrens bedeutet. Denn er soll bestehen aus sieben Mitgliedern (als Großer Senat), die sämtlich vom Reichspräsidenten zu ernennen sind und von denen drei Mitglieder des Reichsgerichts sein müssen. Die gleiche Zusammensetzung also, die der StaatSgerichtshvf in der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze der Republik aufweift. Endlich enthalten die Artikel 3 und 4 des Entwurfs die Möglichkeit für die Reichsregierung, in erheblich erweitertem Umfange Beamt e nrrt Gewährung des gesetzlichen Warte- geldes „im Interesse der Festigung der verfassungsmäßigen republikanischen Staatsfvrm" in den einstweiligen Ruhe st and zu versetzen. Diese Möglichkeit soll insbesondere auf alle Beamtengruppen von A. 12 an aufwärts erstreckt werden, toerm sie mit Aufgaben zum Schutze der Republck besonders betraut sind. Sämtliche angezogenen Vorschriften bedeuten Aenderungen der Verfassung und Eingriffe in die wohlerworbenen Rechte der Beamten. Sie schießen zum Seil weit über das gesteckte Ziel hinaus und schaffen selbst da, wo es zur Erreichung des Erfolges nicht nötig wäre, lebhafte Beunruhigung in der Beamtenschaft. Die beiden einzigen reinen Beamten- vrganisation en, der Reichsbimd der höheren 'Beamten und der Deutsche Beamtenbund, haben sich mit größter Entschiedenheit gegen die geplante Entrechtung der Beamten ausausgesprochen. Für die Deutsche Volksvartei kann die Stellung nicht zweifelhaft sein. Sie darf eine Gesetzgebung nicht mitmachen, die für die Beamtenschaft wichtigste Grundrechte der Verfassung mit einem Federstrich aufhebt, die den mehrfachen Eingriff in wohlerworbene Rechte nicht scheut, die endlich eine Gesin- (Eine bürgerliche Arbeitsgemeinschaft der Mittelparteien. nungsschnüffelei und ein Denunziantentum großziehen muß, die letzten Endes nur zur Zerstörung und zum Zerfall des Beamtentums führen können. Das Reichskrimmalgesetz. Berlin, 16. Juli. (WTB.) Der Rechtsau sschuh des Reichstags hat in 2. Lesung das Reichskriminalgesetz im wesentlichen in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Danach wird zur Bekämpfung des Verbrechertums, das sein Tätigkeitsfeld nicht auf bestimmte Orte oder Landesgebiete beschränkt, in Berlin ein dem Reichsminister des Innern zu unterstellendes Reichskriminal - pvlizeigeseh errichtet. Gestrichen wurde in der Regierungsvorlage die Bestimmung, nach welcher mit Zustimmung des Reichsrats die Befugnisse des Reichskriminalpvlizeiamts erweitert werden können. Die Kosten der Kriminalpolizei sollen zu einem Drittel vom Reich, zu zwei Dritteln von den Ländern getragen werden. '— * ■ -- Die Kriegsschuldsrage. Berlin, 14. Juli. (WTB.) Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht die Antwort des früheren Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes von Iagow auf die Versuche V i v i a n i s, teils unter Berufung auf die Ausführungen Jagows, das zaristische Rußland und Frankreich in der Kriegsschuldfrage zu entlasten. Er stellt darin u. a. folgendes fest: Die allgemeine russische Mobilmachung fand, wie nachträglich von kompetenter französischer Seite selbst bestätigt wurde, am 30. Juli statt. Sie war durch nichts begründet. Die am 25. Juli erfolgte Mobilmachung der Hälfte von sechzehn österreichrsch- ungarischen Korps gegen Serbien veranlaßte, führt Iagow, sich direkt an Biviani wendend, aus, wie Sie sagen, die Teilmobilmachung von dreizehn russischen Korps. Als Antwort hierauf ist am 31. Juli mittags die Mobilmachung der übrigen acht österreichisch-ungarischen Korps angeordnet worden. Sie sprechen jetzt von der zweiten österreichisch-ungarischen Teilmobilmachung von 11 Korps gegen Rußland am 29. Juli. Dies ist nichts als freie Erfindung und eine nachweislich unrichtige Behauptung. Oesterreich erweiterte zwischen hem 25. und 31. Juli die Mobilmachung nicht. Wie sollte auch die Armee von weiteren elf Korps aus dem Boden gestampft werden? Oesterreich-Ungarn verfügte damals über 16 Korps. Auch die sonstigen Behauptungen, die Biviani zur Rechtfertigung des zaristischen Rußlands anführte, werden als unwahr bezeichnet. Am 29. Juli wurde, sagt Iagow weiter, in Berlin weder Krieg noch Mobilmachung, noch nur die Verkündung eines Zustandes drohender Kriegsgefahr beschlossen, obwohl der russische Generalstab, wie der französische Botschafter P a - leologue seiner Regierung meldete, bestimmt darauf gerechnet hat, daß Deutschland am 30. Juli als Antwort auf die russische Teilnwbilmachung seinerseits mobilisieren werde. Die Legenden, die man aus ein Extrablatt des „Lokal-Anzeigers" ausgebaut hat, sind vom Grafen Montgelas unlängst durch eine eingehende Untersuchung und Zeitvergleichung widerlegt worden. Iagow sagt zum Schlüsse zusammenfassend: Die Tatsache könne niemals widerlegt werden, daß die allgemeine Mobilmachung in Rußland, die den Krieg herbeigeführt hat und den Krieg zum Ziele hatte, durch nichts gerechtfertigt war und lediglich vom Willen zum Kriege dittiert wurde. Die Haager Verhandlungen. Paris, 15. Juli. (WB.) Der Sonderberichterstatter des „Temps" im Haag gibt folgend; Darstellung dec a igenbliilicken Lage: Mit Zustimmung, mitunter sogar durch Vevmittl rngs- vorschläge verschiedener Regierungen, bereite sich eine ganz nafye bevor st ehe n de Konferenz von Privatinteressenten v )r, die ohne Zweifel Sensation machen werde und deren Ergebnis, wenn sie Erfolg habe, wichtiger sein würde als die Haager Konferenz. Infilge der heiklen Natur des Derhandlungsgegenstandes könne man noch keine bestimmten Angaben machen. Wenn aber die hierüber im Gange befindlichen Besprechungen zum Ziele führten, werde man einen jener von Litwin )w angekündigeten Theatercoups erleben und zugleich seine Haltmg gegenüber der Konferenz und feine letzten Erklärungen der Presse gegenüber, sowie gewisse AeußerIngen Pateijns über die etwaige Wiederaufnahme von Verhandlungen mit den R issen besser begreifen. Haag, 15. Juli. (WTB.) Heute nachmittag hat der Präsident der nichtrussischen Kommission einen Brief an Litwinow gesandt, welchem die Abschrift eines Briefes des Präsidenten dec zweiten Unterkommission vom 14. Juli beigeschlossen ist und in welchem die Resolutton dieser Unterkommission mitgeteilt wird. Diese Resolution besagt, daß bä der gegenwärtigen Lage der Konferenz es keinen Zweck mehr habe, die Verhandlungen mit der russischen Delegation fortzusetzen. Die gleiche Konklusion der dritten Unter- kommrssion ist mit den Motiven, welche die Russen herbeigeführt haben, in ihrer Zusammenkunft mit der russischen Delegation am 14. Juli dieser mitgeteilt worden. Am Ulcatag sollen drei Ätzungen der Unterkommissionen stattfinden. Berlin, 17. Juli. Die parlamentarische Arbeitsgemeinschaft zwischen Mehrheitssozialisten und Unabhängigen führte im bürgerlichen Lager zu einer Gegenwirkung. Zwischen dem Zentrumlund der Deutschen Volkspartei fanden den Blättery zufolge, mit der Absicht, alsbald die Demokraten und die Bayerische Volkxspartei hinzuzuziehen, Besprechungen statt, die die Schaffung einer bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft der Mittelparteien zum Ziele haben. Für den Fall einer Reichstagsauflösung will man wissen, dah diese vier Parteien eine politische Ejnheits-« front im Wahlkampfe bilden. Dem „Berliner Tageblatt" zufolge stellte ein Parlamentarier, der an den gestrigen Verhandlungen mit dem Reichskanzler beteiligt mar fest, dah die Gesamtlage e'her eine Verschärfung in der Richtung einer Reichstagsauflösung als eine Klärung oder Entspannung erfahren habe. Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten beantragten im Reichstag einen Gesetzentwurf, wodurch der Reichsminister der Finanzen ermächtigt wird, der Reichsregierung für Maßnahmen zum Schuhe der Republik einen Kredit von vorläufig 75 Millionen zur Verfügung zu stellen. Nach der „Voss. Ztg." soll dieser Fonds dem Reichskommissar für öffentliche Ordnung zur Verfügung gestellt werden zur Ueberwachung der Geheimorganisationen. Der Gesetzentwurf soll noch vor den Ferien beraten und verabschiedet werden. Wie die „Montagspost" berichtet, war die Anregung des Zentrums, nach dein Vorbilde der Arbeitsgemeinschaft der beiden sozialistischen Parteien eine Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Mitte von der Deutschen Volkspartei bis zu den Demokraten zu bll- öen, am Sonntag Gegenstand einer Besprechung zwischen dem Zentrumsführer Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei S t r e s e - mann und den beiden demokratischen Führern Petersen und K o ch. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war positiv. Die Frage der Arbeitsgemeinschaft wird nunmehr in den Fraktions- sihungen dieser Parteien selbst zur Beratung gebracht werden. Zu der geplanten bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft bemerkt die „Germania" u. a.: Die Entwicklung kann dazu führen, dah der Plan greifbarere Gestalt annimmt. Es wäre falsch, nun gleich von einem Dürgerblock zu sprechen, der in unversöhnlichem Gegensatz zu dem sozialistischen Block geraten müßte; aber die Stund» scheint günstig, jetzt endlich eine breit > Basis zu schaffen, worauf eine gemeinsame Arbeit aller wahren Verfassungs- und Staats fremde möglich wäre. Die innerpolitische Lage. Berlin, 15. Juli. (WTB.) Der Reichspräsident hat im Laufe des heutigen Tages die Führer der M e h r h e i t s s o z i a l i st e n, des Zentrums, der Demokraten und der Unabhängigen empfangen. Am Abend sand eine gemeinsame Besprechung der Führer der Koalitionsparteien mit dem Reichspräsidenten statt. Ueber die Bildung der Arbeitsgemeinschaft der Mehrheitssozialisten und der Unabhängigen verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß die Arbeitsgemeinschaft zunächst nicht einen vollkommenen Zusammenschluß beider Fraktionen an- strebt, sondern nur eine Verständigung Über ein gemeinsames Vorgehen im Einzelfall. Eine Vereinbarung über bestimmte Programmpunkte erfolgte noch nicht. Beide Fraktionen werden in den Debatten des Reichstages durch ihre eigenen Redner vertreten. Als Hauptzweck der Arbeitsgemeinschaft wird die Aufnahme von Vertretern der Unabhängigen in das Kabine11 bezeichnet. Das Zentrum und die Demokraten halten demgegenüber an der Auffassung fest, dah die Aufnahme der Unabhängigen in das Kabinett für sie nur dann möglich wäre, wenn zugleich die Deutsche Volkspartei in die Regierung einträte. Zur Vorgeschichte der Ermordung Rathenaus. Berlin, 17. Juli. Die Margenblätter veröffenllichen Einzelheiten über die Vvrbe- rettungen zur Ermordung Rathenaus. Der Schüler Hans Stubenrauch sprach zuerst von dem Plan, Rathenau im Reichstag zu erschießen, von dem er aber auf Einwendungen Günthers wieder abkam. Am 16. Juni sand in der Wohnung des Techvw zwischen Günther, Hans Techvw, Fischer und Kern eine Unterredung über den Mordplan statt, die am 22. Juni im Steglitzer Ratskeller fortgesetzt wurde. Am Tage darauf fuhren die Genannten im Kraftwagen Küchenmeisters nach Nikolassee und veranstalteten auf der Rückfahrt im Grünewald eine Schießübung mit einer Pistole. Es gelang ihnen, Werner Techvw für die Führung des Automobils zu gewinnen. Das europäische WirLschsstsproblem. Berlin, 15. Juli. (Wolff.) In Besprechung der gestrigen Rede des britisch enSchatz- kanzlers schreibt die.,D a i l y Chrv n i c l e"' Unser nationaler Kredit ist ge'und, aber wir bezahlen Amerika und erhalten nichts von Frankreich, Italien oder Belgien. Darunter leidet der britische Steuerzahler, aber er leidet noch mehr darunter, dah infolge der Depression Mttteleurv- pas der Handel darniederliegt. Unsere Alliierten haben es bisher abgelehnt, uns in Lieser Beziehung durch Herabsetzung der Reparationen beizustehen. Die Notwerchigkeit dieser Herabsetzung ist angesichts der Gefahr eines deutschen Banke- rotts nun endlich von unseren Alliierten erkannt worden. Die Dankierkonferenz stellt eine internationale Anleihe an Deutschland in Aussicht, falls die Reparationen 'herabgesetzt werden. Diese Anleihe muh in irgendeiner Weise ermöglicht werden und zwar entsprechend den Bedingungen der Bankiers. Sir John B r a d b u r h ist nach England gekommen, um diese Punkte zu erörtern. Einer der dringlichsten davon ist der Vorschlag, dah die Schulden der Alliierten an England ausgeglichen werden sollen gegen Deutschlands Schulden an unsere Alliierten. Frankreich wird also Konzessionen an Deutschland machen müssen, Deutschland wird Garantien bezüglich der Ausgleichung seines Budgets zu geben haben. Wir werden ersucht werden, unseren Alliierten die Schulden zu erlassen. Unsere Alliierten werden ein ähnliches Effuchen an die Vereinigten Staaten richten. In dieser Beziehung haben die beiden Gläubigerländer ähnliche Interessen. Man darf hoffen, dah sie eine ähnliche Politik nach Maßgabe ihrer Interessen befolgen werden. Auf jeden Fall sollte das Problem endgültig gelöst werden. Eine neue deutsche Note- Paris, 15. Juli. (Wolff.) Der „Petit Parr* fien" meldet, dah der deutsche Botschafter in Paris gestern der französischen Regierung eine neue Note überreichte, in der Deutschland mit» teilt, dah es sich genötigt sehe, die Zahlungen fürdasPrivateigentumeinzu stellen Auch befindet sich darin das Stundungsgesuch Deutschlands weiter ausgeführt. Was es fordert, ist die vorübergehende völlige Aufhebung der Barzahlungen auf Konto des Privateigentums und der Wiedergutmachung. Ihrerseits überreichte die Regierung die Note an das französische Kabinett weiter. Sie scheint entschlossen, das Moratorium so lange nicht mehr zu bewilligen, bis der Reparationsausschuh zuvor das Verschulden Deutschlands festgestellt hat. Wahrscheinlich wird Po.incare daraus bestehen, dah diese Erklärung vor seiner Zusammenkunft mit Lloyd George am Ende des Monats ergeben wird, daß nämlich das Moratorium erst später ins Auge gefaßt wird. Das „Echo d e P a r i s" sagt gleichfalls, dah die Abkommen von Wiesbaden am 20. ds. Mts. in Kraft treten sollen. Das Reich hat aber noch keine Antwort erteilt. Im gleichen Blatt sagt Per- tinax, dah im Laufe der langen Unterredung, die er mit Louis Dubois und Poincare gehabt hatte, dieser betonte, dah, wenn Deutschland durch Art 234 des Friedensvertrages begünstigt werde, die Kommission die Macht habe, den Paragraph 12 des Anhangs 11 anzuwenden, der besagt, daß die Kommission periodisch die Fähigkeit zu Zahlungen Deutschlands schätzt und das Finanzsystem zu prüfen hat, damit alle Einkünfte Deutschlands, soweit es menschenmöglich ist, dazu verwendet werden, um die Verpflichtungen zu erfüllen. Wenn das nicht der Fall ist und die KonMiission ein Verschuwen des Schuldners fest stellt, so ist der Aufschub nicht zu gewähren, sondern den Regierungen Maßnahmen vorzuschlagen, die auf Grund dieser Unausführbarkeit zu nehmen sind. Die Verhandlungen mit dem Garantickomitee, Berlin, 17. Juli. Das Reichs- fab ine 11 hielt am Sonntag nachmittag, wie der „Lvkalanzeiger" meldet, eine Sitzung ab, in der Reichsfinanzminister Dr. Hermes und Staatssekretär Schröder über die laufenden Verhandlungen mit dem Garantiekomitee, das inzwischen Berlin verlassen hat, referierten. Die sozialistische Internationale zur Unterstützung der deutschen Demokratie Paris, 15. Juli. (WTB.) Der fron» zösische Svzialistenführer Jouhaux schreibt zu der Zusammenschlußbewegung der internationalen sozialdemokratischen Parteien zur Unterstützung der deutschen Demokratie: Der finanzielle Zusammenbruch stellt ein neues Problem dar das eng mit demjenigen der Aufrechterhaltung der Demokratie verknüpft ist. Der Sturz der Mark und die Teuerung, die notwendigerweise daraus hervorgehen wird, können für die Arbeiter Hungersnot und mit ihr Verzweiflung im Gefolge haben. Jouhaux Der langt deshalb ehren einmütigen Druck der Arbeiterschaft, der die Regierung nötigen soll, bei der Sanierung der deutschen Finanzen mitzuwirken. Das deutsche Proletariat unterstützen, heißt aber nicht, zugeben, daß die Regierungen durch gefährliche politische Maßnahmen, die übrigens auch unwirksam sein würden, die Propaganda der Platzhalter des alten Regimes verstärken. Paris, 17. Juli. (WTB.) Gestern abenb veranstalteten die Sozialisten eine K u n d - gebung für den Frieden. Es beteiligten sich hieran auch die Vertreter der englischen und MyflStn Ittßetterparteien. 5>er französische 715-1 go>ebnete Öembat erflärht, baö Schicksal "copoS spiele sich augenblicklich in Deutschland ab. 'Das in England, Frankreich, Belgien und Rnh- ianb geschehe, sei sehr wichtig, aber das. was Aogenwärtig in Deutschland vorgehe, sei von Ent- Icheidung. Es hängt von uns zum guten Teil ab, ob der Frieden dort gewinnt oder verliert. Der englische Abgeordnete Wallhead erklärte: Die unabhängigen Arbeiterparteien Englands ver- larrgen die Revision des F rieben sver-- t r a g es von Versailles. Die Klauseln dieses Vertrages stellen Deutschland absolut in eine Stellung der Inferiorität. Dieser Vertrag müsse übrigens sowohl die Sieger als auch die Besiegten ruinieren. Der belgische Sozialistenführer V a n - dervelde sagte: Wir haben vor sechs Monaten erklärt, eine internationale Anleihe und eine Herabsetzung der deutschen Schulden sei notwendig. Hnfere Gegner sagten damals, wir seien verrückt, heute aber nehmen sie schon unseren Standpunll ein. Die reichen Mächte sind vollgestopft mit Gold: sie müssen am Wiederaufbau teilnehmen. Der Ausstand in Irland. Dublin, 15. 3ulr (Wolff.) Die Berichterstatter der Zeitungen in Dublin weisen darauf bin. wie schwer es der Regierung des Freistaates ist, die Ruhe im Süden und im Westen Irlands wiederherzustellen. Die Aufständischen sind viel stärker als man es allgemein erwartet hatte. Der Kampf, der am Dienstag um den Besitz von Limerick begann, wo die Aufständischen befestigte Stellungen in verschiedenen Stadtteilen haben, dauert noch an. Man sagt, daß die Trup- ven deS Freistaates eine befriedigende strategische Stellung einnehmen, aber man gibt zu, daß das normale Leben in der Stadt vollständig ausgehört hat. Flüchtlinge sagen, dah die Lage in Limerick sehr betrübend sei. 2 0 00 Personen sehen den Hungertod vor Augen. 200 Aufständische sind in Waterford eingedrungen und haben sich der Hotels und Pensionen bemächtigt, aus denen sie die Mieter versagten. Rach einem vierstündigen Kampf haben sich die Truppen des Freistaates in der Grafschaft Sligo der Stadt C o l l o o n e y bemächtigt, die energisch von den Aufständischen verteidigt wurde. 70 Aufständische wurden gefangen genommen und Waffen und Munition wie auch Bomben erbeutet London. 16. Juli. (WTD.) Das Reutersche Bureau meldet aus Dublin: Die Freistaattruppen haben heute mit dem Angriff auf das republikanische Bollwerk auf einer kleinen Insel in der Swilliybucht, einer trüberen britischen Marinestation, begonnen. Die republikanischen Stellungen wurden eingenommen. DaS Bollwerk wird von der Artillerie beschossen und einige vorgeschobene Posten sind bereits eingenommen. Aus heftigen Explosionen im Boll- werk wird geschlossen, dah die Republikaner ihre Munition vernichten, ehe sie sich übergeben. Die Regierungstruppen nahmen heute die meisten republikanischen Stellungen von Dundalk, wo ihnen wenig Widerstand entgegengesetzt wurde. Bei der Einnahme der Kaserne tourben 250 Gefangene gemacht. Dach einer späteren Meldung aus Dublin hat sich daS republikanische Dolllverk auf der Insel im Dtoilly-See, nachdem ein Sturmversuch ter Freistaattruppen abgeschlagen worden war, mit 22 Mann Besatzung ergeben. Der übrige Teil ter Besatzung ist vorher entkommen. Dies war daS letzte Bollwerk ter Repu- t^tfaner nördlich und östlich von Donegal. F t Korfanty Ministerpräsident. Prag, 16. Iult (WTD.) »Lidovo Roiny" melden aus Warschau. In der Sitzung des parlamentarischen Hauptausschusses, in ter Korfanty zum Ministerpräsidenten designiert wurde, sand eine stürmische Debatte statt. Der Führer ter polnischen sozialistischen Partei Darliscki erklärte. seine Partei betrachte die Karrdidatur Kvrfanths als maßlos freche Herausforderung seitens ter Reaktion. Auch der Sprecher der Br-llSpartei Rataj verurteilte diese Kandidatur mit den schärfsten Worten. Aba. Daszyncki trat besonders leidenschaftlich gegen Korfanty auf. Er beschuldigte ihn, aus dem Herzbergerschen Pro- bagandaftmdS Geld angenommen zu haben. Daszhnski sagte, es wäre ein Unglück für Polen, wenn die Regierung Korfanty anvertraut würde. Abg. Stapinski warnte den Landtag, durch lieber- gäbe ter Macht an einen so kompromittierten Mann Polen ins Verderben zu stürzen. Das Prager Blatt meldet weiter: Es wird in prlttifchen Kreisen darauf hingewiesen, daß der Rücktritt Pilsudskis, ter in der Armee sich ungewöhnlicher Beliebtheit erfreue, in dieser «ne Revolte Hervorrufen könnte. Streit in Palästina. Paris 15. Juli. (Wolff.) Die „Chicago Tribüne" meldet, die Lage in Palästina sei beunruhigend. ES drohten Feindseligkeiten zwischen den Juten und Arabern. Die Araber würden die Angreifer sein, obwohl einige zioni- stische Führer die jüdischen Elemente aufforterten, die Offensive zu ergreifen, bevor die Araber sich befestigt und organisiert hätten. Die von den Engläntern zurückgelassenen Waffen seien unter die Araber verteilt. Die zionistischen Behörden bemühten sich um Verstärkung ter englischen Garnisonen in Palästina, aber die englische Regierung komme ihrer Aufforderung nicht nach. Ungeduldig warte man auf die Zustimmung Ame- rckas zum Mandate des Völkerbundes über Palästina. Einfuhrverbote für Alkohol in Estland. Berlin. 15. Juli. (WTD.) Die estnische Regierung verbot die Einfuhr von Alkohol und alkoholischen Getränken nach Estland ohne besondere Genehmigung des estnischen Finanzministeriums. Desgleichen ist die Durchfuhr von alkoholischen Getränken mit über fünf- qmdzwanzig Prozent Alkoholgehalt (Tralles) sowie ihre Ausladung auf estnischem Territorium ober Ilmladung in Territorialgewässern Estlands verboten. Ausländische Schiffe mit .solchen Waren werten vor Anlaufen dieser 5)äfen und vor dem Aufenthalt in den estnischen Hoheitsgewässern gewarnt. Auf Passagierdampfer in regelmäßiger Fahrt bezieht sich dieses Verbot nicht. Aus dem Reiche. Die Aot ter Presse. D e r I i n, 15. Juli. Das „B. T." meldet: Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hat einen Antrag eingebracht, die Reichsregierung möge dem Reichstag eine Gesetzesvorlage zugehen lassen, wodurch die Inserate n- steuer als Sonderbesteuerung für die Presse aufgehoben und darüber hinaus die Umsatzsteuer für die Presse zunächst für sechs Monate außer Erhebung gesetzt wird. Berlin, 15. Juli. (WTD.) Dervvlks- wirtschaftliche Ausschuß des Reichstages hat sich heute mit dem Gesetzentwurf über Maßnahmen gegen die wirtschaftliche Aotlage der Presse beschäfttgt. Paragraph 4, welcher die Verteilung der Rückvergütungen an die Presse regelt, erhielt folgenden Wortlaut: Die Rückvergütung erfolgt nach der Menge des Papierverbrauchs. Als Verbrauch ist das Papier nicht in Ansatz zu bringen, das zum Abdruck von Inseraten verwandt wird. Da die Regierung erklärte, dah sie dem Grundgedanken dieses Antrages vollkommen zustimme, wurde davon abgesehen, über den Umfang der Zeitungen, die als vergütungsberechtigt anzusehen wären, nähere Bestimmungen zu treffen, oder die Höhe der Vergütung je nach der Menge des verbrauchten Papiers gesetzlich festzulegen. — Sodann wurde auf Antrag der hierbei erstmalig in Erscheinung tretenden Arbeitsgemeinschaft der sozialistischen Parteien beschlossen, daß das Gesetz nicht am 31. März 1923, wie die Regierungsvorlage vorsieht, sondern erst am 31. März 1924 außer Kraft tritt. Die Magdeburgische Zeitung verboten. Magdeburg, 15. Juli. (WTB.) Oberpräsident Hör sing verbot die „M agdeburgische Zeitung" wegen eines Artikels: „Rur nicht der Polizeipräsident!" auf vierzehn Tage. Gegen das Verbot ist Beschwerde beim Minister des Innern eingelegt worden. Der nächste sozialdemokratische Parteitag wird dem „Vorwärts" zufolge vom Partei- Vorstand auf den 17. September nach Augsburg einberufen. Aus Hessen. Der Bericht deS Finanzausschusses über ten Hauptvvranschlag ist in feiner Zusammenstellung soeben im Druck erschienen. Aus ter Einleitung ist die Feststellung von Interesse, daß die Annahme ter Regierung, bei Aufstellung des Voranschlages ein klares Bild über die Finanzlage des Hess. Staates geben zu können durch die gesteigerte Teuerung durchkreuzt worden ist. Alle Zahlen sind heute überholt. Der Fehlbetrag, ter im Jahre 1920 rund 55 Millionen, im Jahre 1921 rund 50 Millionen betrug, dürste sich voraussichtlich auf rund 175 Millionen Mark erhöhen, zu deren Deckung vorläufig die Aufnahme einer Anleihe vorgesehen ist. An Mehrausgaben sind in erster Lime die Erhöhungen ter Dienst- bezüge der Staatsbeamten zu nennen, die allein in dem besonderen Rachtragskapitel über 132 Mllionen Mark ausmachen. Dazu kommen witerrufliche älnterhaltungszufchüte an Staatsdienstanwärter mit 10 Millionen Mk., etwa 41/4 Millionen für Wrrtschaftsbeihilfe für die Ge- meinbebeamten im besetzten Gebiet. Der teilweise Ersatz tu.ch das Reich w.rd aber niemals die vollen Ausgaben decken. Hierzu kommen Ortspolizei- lasten-Erhöhung um 161/3 Million, Schullasten um 25 Millionen, Fortbildungsschulen 10 Millionen, für Kreisstraßen 17 Millionen, 7 Millionen für notleitende Kleinrentner, 21/< Millionen für Verbesserung ter Milchversvrgung usw. An Einnahmen find aus ter Einkommensteuer 326 Millionen und j[t Ausgabe als Ablieferung an ten Ausgleichsstock 108 Millionen eingestellt, das bedeutet gegen 1921 eine Verbesserung von 88 Millionen Mark. Insgesamt sind die Anteile des Landes ati ter Einnahme aus Aeichssteuem veranlagt zu 412 700 000 OHL, davon in Ausgabe an ten Ausgleichstock 121 Millionen. Für Cterfauf von Brenn- und Ruhholz ist ein um 50 Millionen QKarE erhöhter Betrag vorgesehen. Der llebernahmepreis für die mit dem 1. April 1920 an das Reich übergegangenen Staatseisenbahnen ist vorläufig auf 685 Millionen Mart festgesetzt Worten. Der Vermögensteil des Hauptvoranschlag ä schließt in Einnahme und Ausgabe mit zus. 1 408 505 949 Qltarf ab. ___________________________ Aus Stabi und Lund. Gießen, ten 17. Zuli 1922. Beruf und Erkrankung. 8. Vortrag. In ter chemischen Industrie kam zunächst die Rede auf das Phosphor. 21ach Hinweisen auf Vorkommen und Bedeutung der Phos- phorverbindungen in der Organismentoelt und im Mineralreich, nach historischen Ausblicken auf die Entdeckung und erste Darstellung des Phosphors und nach e^berimenteUen Nachweisen, daß dieses Element im freien Zustande in ter Ratu: wegen seiner Verwandtschaft aum Luftsauerstoff nicht existenzfähig ist, wurde die Gewinnung des Phosphors aus ter früher ausschließlich benutzten Knochenafche und die neuerliche Darstellung im elektrischen Ofen an Lichtbildern erläutert und der heute in den meisten Ländern verbotenen Fabrikation ter Phosphorzündhölzer gedacht. Dann wurde die ilmtoanblung des giftigen weihen Phosphors in die ungiftige rote allotrope Modifikation vorgeführt und die Verwendung der letzteren zu Sicherheitszündholzern besprochen. Es folgte unter Vorführung von Lichtbildern eine älebersicht über die bet ter Phosphorfabrikation auftretenten verschiedenen Erkrankungen, unter denen die Rekrose deS Knochengewebes, deren Vorbeugung und Behandlung aus getoerbe- und sozialhygienischen Gründen besonders hervorgehoben wurde. Als weiteren Zweig der chemischen Industrie behandelte der Vortragende die Verfertigung von ©ummitoaren nus dem natürlichen, aus Pflanzensäften, bzw. tem künstlichen auf synthetischen Wege gewonnenen Kautschuk. Heber die bei ter Verarbeitung durch Einatmung von Schwefelkahlenstrffdämpfen au'tretcnten Erkrankungen tourte nach eigenen Untersuchungen unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiten von Laubenheinter berichtet. Dann kamen die Gewinnung ter Amwandlungsprodukte pflanzlicher und tierischer Fette, toic Seifen, Kerzen,! Glyzerin und die damit in Zusammenhang siebenten schädlichen Einflüsse auf die Arbeiter zur Erörterung. Den Schluß des Vortrages blldete die Besprechung der Erkrankungen in ter Industrie der Steinkohlenteerderivate, Benzol. Raphta- lin, Ritrobenzol und besonders Anilin, in Detref betet älntersuchungsergebnisse aus elsässischen Fabrikbetrieben vorgeführt wurden. Rächster Vortrag: 18. Juli, Erkrankungen in der Glasindustrie, Keramik, Tabak-, Textil- und Papierwarenindustrie. ' Wettervoraussage für Dienstag: Vorwiegend bcwölll. Riederschläge, kräftiger Rordwest- und Westwind. Die Depression hat sich erheblich vertieft und liegt mit ihrem Kern über der Ostsee. Das für diese Jahreszeit außergewöhnlich kühle Wetter wird — verbunden mit böigen Regenschauern — auch morgen noch anhalten. * ** Amtliche Personalnachrichten. Am 14. Juli 1922 wurde ter Ftnanzprattikant Franz Wiemer aus Gwß-Gevar vom 1. April 1922 an zum Ministerialoterrevffor beim Munsie rium der Finanzen ernannt. — Ernannt toirte Steuersekretär Karl Ehrhardt za LLainz (Finanzamt kl) zum OberfteierfcEretär unter lieber» tiagung einer Ober.sterersxckretärstelle b.in Finanzamt II — West — zu Francks art a. M. — Erledigt ist die F 0 r st wa r te r 'E i ch eis' a ch s e n in der Ob er för fieret Schotten. 'Bewerbungen find biS Ende ds. Mts. bei 'ter Mi- nisterialabteilung für Forst- und Kameral-Ber- irartung einzureichen. — In den Ruhestand versetzt wurde ter Obert>ertoaILang5fefrelär Heinr. Wagner beim R.ich:vermeg niamt Gießen mit Wirkung vom 1. Rovember d. I. ab. ** „A u f ihr Rachsu ch'e n.“ Bon einem Pensionierten. Lehrer wird uns geschrieben: „Sie veröffentlichten vor etlichen Tagen eine Mitteilung des Amtsblattes ter Regierung, nach der eine größere Anzahl Lehrer „auf ihr Rachsuchen" in den Ruhestand versetzt seien. Die Redewendung „auf ihr Rachsachen" stellt die übliche Formel ter, und sie mag wohl auch bei einzelnen ter genannten Herren den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen. Aber nicht bet allen ist das ter Sali. Im Hinblick auf diese Sachlage muß sich die amtliche Formel „auf ihr Rachsuchen" doch eine Berichtigung gefallen lassen. Manche der „auf ihr Rachsuchen" pensionierten Lehrer haben nämlich wahrheitsgemäß erklärt, daß sie ohne ihr Zutun in ten R ahestand versetzt worden sind: unter ten vier Pensionierten aus dem Kreise Gießen, die in der Rotiz vom 3. Juli genannt wurden, sind z. D. drei, die ohne ihr Zutun in ten Ruhestand kamen. Cs ist vielleicht nicht ausgeschlossen, daß man anderswo ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Weim nun in der Sitzung des Landtages vom 11. Juli Präsident 11 rst adt auf eine diesbezügliche vollsparteiliche Anfrage erklärte, die Regierung stütze sich auf das neue PensionierungSgesetz, nach dem Beamte, die das 65. Lebensjahr über^ schritten haben, ohne Angabe von Grünten pensioniert werden könnten, so ist zu dieser Antwort zu sagen, daß dieses Gesetz bis jetzt noch nicht veröffentlicht wurde, m. E. also auch noch keine Rechtskraft erlangt hat. Bei den Lehrpersonen hat man also ohne gültiges Gesetz die Zwangspensionierung eingeführt. Andere Be- amtengruppen mögen sich dies zur Warnung dienen lassen und beizeiten auf ter Hut fern, damit ihre wohlerworbenen Rechte nicht geschmälert werden. Wenn die Regierung Zwangs- Pensionierungen vornehmen wlll, so möge sie bei diesem Vorgehen zum mindesten die Formel „a u f ihr Rachsuchen" weglassen, denn um die Anwendung einer Zwangsmaßnahme sucht sicherlich niemand nach." —Wir geben dieser Zuschrift als Meinungsäußerung zur hessischen Per- sonalpvlitik Raum und überlassen es ter berufenen Amtsstelle, sich dcyu zu äußern. L. äck. DonderLandes-Aniversi- tät Dr. Phil. Louis Dede, Leiter ter chemisch-physikalischen Abteilung des staatlichen Instituts für 'Bäderkunde in Bad-Rauheim, ter sich für das Fach ter Anorganischen Chemie gn unserer Universität zu habilitieren wünscht, wird am nächsten Mittwoch, vor- mtttagS IV Llhr, im Hörsaal des Physikalisch- chemischen InstttutS seine öffentliche Probevorlesung über „InnereKomplexsalze" halten. • * Der Einheitsverband deutscher Kriegsbe schädigten undHin- terbliebenen hat im Gasthof Sauer, Reustadt, eine Geschäftsstelle eingerichtet. Jeden Dienstag von 10 Ahr vormittags bis 6 Ahr abends sind Sprechstunden. (Siehe An- zeigenteil unserer SamStagnummer.) * * Das Sommersest im Phil 0 - sophenwald, veranstaltet vorn Verein für das Deutschtum im Ausland, war stark besucht und nahm einen guten Verlauf. Humoristische und ernste Vorträge lösten sich ab tn bunter Auf einander folge: kleine Theaterstücke, Lieber zur Latte, einige Werke für ©ritarren- Orchester und kleine Gedichte in Darmstädter und Elsässer Mundart, das war das reiche Programm. Ganz besonders gefiel ter Elsässer Volkstanz, ter von 3 Paaren vor geführt wurde and a 1) allgemeinen Wunsch wiederholt werten maßte. An ten Wänden des Saales ftaixten die Buten, die die köstlichsten Leckerbissen auftoiefen: Bier, Torten. Kuchen, belegte Brödchen, Likör and Rauchwaren. In verschwende i.cher Fälle waren Blumen aufgeba.it und auch hier war der Derkahr sehr lebhaft. Ganz besonders anziehend war die türkische Mokkabude, in ter man ten köstlichsten Motta trinken und feine Zigaretten rauchen konnte, von einem Türkenpaar bedient. — Alle diese köstlichen Gaben waren gestiftet, und so mag recht viel Geld eingenommen Worten fein, besonders, als zum Schluß alles, was übrig geblieben war, amerikanisch versteigert tourte. Den Rest des Abends und den 'Beginn des neuen Tages füllte das Tanzen aus, das anscheinend, trotz bei Hitze, Enge und trotz des rauhen Bodens viel Freute machte, denn die Ausdauer war groß. — Das Fest Ivar toohlgelungen und befriedigte die Teilnehmer. Es ist zu hoffen, daß ter Reinertrag recht groß ist, da er ten deutschen Schulen im Ausland z 1 gewiesen werden soll. * * Preuß. -Süddeutsche Klassenlotterie. Die L)se zur nächsten Ziehung müffen bis Mittwoch abend 6 Ahr eingelofl werden. Ferner müssen bis dabin die Gewinnlose gegen Eriatz- lose au-getauscht sein. Dornotizen. Tageskalender für Montag. Astvna-Lichtspiele. ab h-ntte: ., Fridericus Rex" 1. und 2. Teil. - Lichtspielhaus Bahnhofstraße, heute: „Der wchatten des Gaby Leed" und „Der entflohene Hauptdarsteller". — Das deutsche Volkslied. Es (ei nochmals ouf die hüben Aufführungen deS Goethe- Bundes im Stadttheater „Das deutsche Dollslied" aufmerksam gemacht. In Hinsicht auf den Gedanken, dem das Lieterspiel gewidmet ist, der 'Verherrlichung althergebrachter Vollslieder. ist eine Beteiligung aus allen Kreisen unserer Bürgerschaft sicher zu erwarten. In tem 5. Bilde, das uns hinaus auf die Alm führt, werden auch Volkstänze aufgeführt, deren Einstudierung Herr Tanzlehrer B ä u l k e übemommmen hat. Ferner sei nochmals, um Verwechslungen und Irrtümer zu vermeiden, besonders daraus aufmerksam gemacht, daß bei der ersten Aufführung am Dierrstag nur die blauen Eintrittskarten Gülligkeit haben, während bei der zweiten Aufführung die rosafarbigen Karten gültig sind. (S. heutige Anzeige.) Landkreis Gießen. * Hungen, 16. Juli. Heute nachmittag sprach hier in einer Versammlung von Hausbesitzern Herr Geschäftsführer Becker vom' Gießener Hausbesitzerverein über „Zwecke und Ziele der Hausbesitzervereine", sowie über das Reichsmietengesetz. Die Ausführungen deS Redners fanden lebhaften Anklang und man beschloß, auch in unserem Orte einen Hausbesitzerverein zu gründen. 25 Herren haben ihren Beitritt zu dem neuen Verein sofort erklärt, weitere zahlreiche Anmeldungen stehen hi sicherer Aussicht. Für den 1. Vorsitzenden ist Herr Bauinspektvr List- mann in Aussicht genommen. Kreis Büdingen. )( Selters, 15. Juli. Gestern nachmittag wurde unter großer Betelligung von nah und fern der Molkereibesitzer Fischer zu Grabe gebracht. Der Verstorbene hatte sich um das Molkereiwesen Hessens, als Ge- meinderat und Vereinsmttglied um das Aufblühen der Gemeiirde und des neu aufstrebenden Bades Selters, als Mttglied des Kttchen- vorstandes und der Dekanatssynode, um die evangelische Kirche große Verdienste erworben. Da sein einziger Sohn im Kttege ge- fallen ist, wird die Molkerei von seinem Schwiegersohn, Herrn Siegel, wetterqe- führt. Kreis Friedberg. ff. Sri ebb er g, 14. Juli. Heute sand im Lehrerseminar die feierliche Weihe der Krieger-Gedenktafel statt, die die Anstalt ihren im Felde gefallenen früheren Schülern gewidmet hat. Zu dieser Feier hallen sich außer den Lehrern und Schülern ter Anstalt, ten Vertretern aller hiesigen Lehranstalten auch die Angehörigen ter Gefallenen und viele frühere Mitglieder des Seminars versammell. Die Weihe- rede hielt Professor Keller. Rachdem die Tafel an ihrem Aufstellungsort, tem Treppenhaus des Lehrgebäudes, angebracht war, sprach noch im Ramen des Lehrerkollegiums ter Direktor, Herr Geh. Schulrat Dr. Karg, und im Ramen der Seminaristen ein Mitkämpfer, Herr Görg. Die Tafel, die schlicht und würdig gehallen ist, trägt die Ramen von 28 Gefallenen. ff. F r i e o b e r g , 16. Juli. Zum Besten notleidender Studenten des hiesigen Polytechnikums fand gestern abend im Saaloau ein von der Studentenschaft veranstalteter „Bunter Abend" statt, ter sich eines sc-Hr regen Besuches erfreute. Die Begrüßungsansprache hielt Herr Dozent G ö d l, sämtliche Rummern des überaiS reichen Programms, das aus Musikstücken, Rezitationen, Gefangsvorträgen. einem Schwank von Hans Sachs usw. beftanb, wurden von Gönnern des Polytechnikums bestritten und fanden allseitigen Brifcrll. Vertauftb^ten sowie ein anschließender Tanz sorgten für die nötige Abwechselung. Wie zu erwarten, wird dem guten -Stoede ein hübsches Sümmchen zusließen. — Qüt vielen höheren Schulen bestehen bereits Vereinig lagen, welche die früheren Schüler der Anstalt zu einem losen Verband zusammenfassrn. 1 im gegebenenfalls auch größere Zwecke 51 nertolgen. Da an unserer altehrwürdigen Algistinerschill (Gymnasium, Realschile) ein derartiger Verein noch nicht existiert, sand die Anregung zur Gründung einer solchen fruchtbaren Boten. Ein? Vorbesprechung, welche in ter Aula ter Schrie iattfanb, stand tem Gedanken durchaus sympathisch gegenüber. Ein vorläufig gewählter Vorland an dessen Spitze Herr Bankvorstand Alex. Weber steht, wird demnächst weitere Schrill» ergreifen, um die Gedanckrn in die Tat im* zusetzen. ch. Münzenberg, 14. Juli. Zur Zeit wird hier das alte, aus dem Jahre 1551 stammende Rathaus wiederherge stellt. Da der nach Rorden vorspringetrde Erker von seiner Schieferverkleidung befreit wird, kommt bei dieser Gelegenheit sehr schönes, z. T. durch Schnitzerei verziertes Gebäll zum Vorschein. Wenn auch das Holz leider durchs das Alter z. T. sehr gelitten hat, so soll doch nach Möglichkeit der Erker in seiner ur- prünglichen Form wiederherge- teilt werden. So steht in Aussicht, dah um» er Rathaus nach seiner Wiederherstellung ein chönes Zierstück unseres altertümlichen, an hübschen Baudenkmälern so reichen Stöbt* chens wird. Starkenburg und Rheinhessen. rm. Darmstadt, 16. Juli. Eine ungeheuerliche Steigerung des Gassi reifes hat die Stadt vorgenommen, indem sie den Kubikmeter von 4,80 Mk. im Juni jetzt auf 9 Mk., also fast um das Doppelte, erhöht hat. Die Entrüstung hierüber tft allgemein. Auch der Bier preis sowie das Brot sind sett gestern wieder entsprechend in die Höhe gegangen. tob. Mainz, 14. Juli. Die französische Geheimpolizei verhaftete in Trier 8 Personen wegen Verdachts der mllitärischen Spionage zum Aachtell Frank- reick^S. Die Beschuldigte'^ wurden dem französischen Militärgefängnis in Mainz überwiesen. fpd. Frankfurt a. M., 16. Juli. Auf Erund einer Anzeige, das) sich im Hause Große Sandgasse 12 das Bureau einer G e - heiDorganisation nach Art der „Or- g e fa)u befinde, wurde am Freitag von einem großen Aufgebot der Kriminalpolizei eine sehr gründliche Durchsuchung der Räume, die die Frankfurter Pfadfinder inne haben, vorgenommen. Die Durchsuchung verlief jedoch völligergebnislos. — In der Gulleut- strahe ging ein tobsüchtig gewordener italienischer Arbeiter mit dem Messer auf die ihm begegnenden Passanten los und verletzte einen Herrn durch Stiche leicht, ,-tnen anderen im Rücken sehr 'schwer. Der Italiener wurde schließlich von beherzten Männern überwältigt. — 3n einem V-Zuge von Frankfurt über Mainz nach Köln wurden vor einigen Lagen vier russische Polen auf frischer Tat bei der Berau- bungvon Mitreisenden erwischt, nämlich einer in Mainz, zwei in Koblenz und der -vierte in Remagen. Die Gesellschaft befand sich im Besitz beträchtlicher Beute. mc. Frankfurt a. M.» 16. Juli. Die Tiere des Zoologischen Gartens werden jetzt ebenfalls zu Reklamezwecken ausgenutzt. Zn den letzten Tagen konnte man in den Straßen der Stadt Kamele und anderes Getier mit großen Plakaten auf dem Rücken marschieren sehen, wo für den Zoologischen Garten und andere Unternehmen Reklame gemacht wurde. Derbandsregatta in Metzen. '* Gießen, 17. Zuli. Am Samstag vormittag, als der bindfaden- artige Regen niä>errauschte, hatte es wohl kaum jemand für möglich gehalten, daß aus der 3 9 Re- gatta des Süddeutschen Ruder-Ber- b a n d e s, die ihren Platz in Gießen auf der Lahn haben sollte, etwas werden würde. Dis in die Samstagmittagszeit hinein drohte die Gefahr des Ersaufens all der schönen Regattapläne, die der Gießener Ruderklub „Hassia" als Träger der Veranstaltung in umsichtiger Weise ausgearbeitet hatte. Aber alle diejenigen, die geneigt waren, für die zufriedenstellende Abwicklung des Regattaprogramms keinen Pfifferling zu geben, erfuhren eine — selbstverständlich angenehme! — Enttäuschung. Der Himmel hatte ein Einsehen, und als am Samstag nachmittag die ersten Vorrennen aus- gefahren wurden, lachte Frau Sonne gar freundlich aus die Landschaft und auf das muntere sportliche Treiben auf der Lahn herab. Dort wurde in eifrigem Wettkamvfe bis in den Abend hinein wacker gerungen. War auch die Temperatur für die Zuschauer in den Abendstunden etwas frisch, so entschädigte dafür der schöne Sport in hohem Maße, und er veranlaßte eine zahlreiche Zuschauermenge, bis $am Abschl iß des ersten Treffens unentwegt auszuharren. Der Wettkampf in den Vorrennen am Sonntag morgen bot gleichfalls sehr beachtenswerte sportliche Leistungen und gewährte der zahlreichen Zuschauerschaft einen vollen Genuß. Von schönem Wetter begünstigt — merkwürdigerweise hatte der Wetterdienst bedecktes und regnerisches Wetter auf das Vormittagsprvgramm des Sonntags gesetzt! — nahmen alle Rennen einen so glatten, wohlgelungenen Verlauf, daß man schon gegen X/311 Uhr mit allen Vorrennen aufgeräumt hatte. Zu dem Höhepunkt des Festes, den H a u v t - rennen am Sonntag nachmittag, hatte sich, angelockt durch den verheißungsvollen Sport und das angenehme, wenn auch etwas reichlich stürmische Wettei, eine so außerordentlich starke Menschenmenge eingefunden, daß Herren mit Erfahrungen auf diesem Gebiete erklärten, das sei der größte Regattabesuch, der bisher in Gießen dagewesen sei: er übertreffe alle Erwartungen. Uno in der Tat drängte sich auf dem Festplatze sowie an beiden Ufern, namentlich aber am Ende der Rennsttecke, eine sehr große Desuchermenge, die vom Anfang bis zum Ende mit vollstem Interesse die Rennen verfolgte. Flotte Abwicklung des Programms, guter Sport mit mehrfach recht spannenden Kämpfen unb angenehme Unterhaltungsmusik hielten die vielen Gäste des „Hassia"-Ruderklubs in bester Stimmung Die wettfahrenden Rudermannschaften hatten es allerdings nicht so angenehm, ihnen machte der st a r k e Gegenwind, der mehr-fach sturmartigen Charakter annahm und ziemlichen Wellengang zeitigte, reichlich viel zu schaffen. Man konnte denn auch verschiedentlich vom Ziel- richterstand aus bemerken, daß mancher der Wettruderer mehr als sonst üblich mitgenommen war von der harten Anstrengung des Kampfes. Es war für alle Kämpen eine harte, jedoch ehrenvolle Leistung! Mehrfach kam es auch zi Kollisionen, erfreulicherweise ging aber alles ohne Unfall ab. Zwei Erei-g Nisse such aus dem Verlauf der Wettlämvfe besonders herauszuheben, nämlich die endgültige Inbesitznahme des Ehrenpreises des Süddeutschen Ruderverbandes durch den. Arb.- Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts"-Offenbach, der diesen Preis zweimal nacheinander gewann und dadurch Eigentümer der wertvollen Stiftung geworden ist, und sodann der eindrucksvolle Sieg des Ruderklubs ,.H a s s i a" - G i e h e n i m Großen Achter. Dieses Rennen, der Höhepunkt des Programms, lag am Schluffe der Wettkämpfe. Es wurde im Regen ausgefnhren, der unmittelbar vor Regatta- schluß eingesetzt hatte, aber doch nur wenige veranlaßte, gerade in dieser spannendsten Fünfminutenzeit den Platz zu verlassen. Und die zahlreiche Menschenmenge, die da im Regen ausharrte, kam durch den prächtigen Kampf der Giehener„Hafsia" mit dem Offenbacher „Vorwärts" reichlich auf die Kosten. Es war ein äußerst scharfes Rennen um den großen Preis, das mit Hergabe der vollen Kraft uird unter Aufbietung aller Technik bestritten wurde. Beide Kämpen setzten' sich bis zum Letzten ein Mit ganz knappem Vorsprung (Luftkastenlänge) sauste die Bootsspihe der „Hassia" durchs Ziel, die heimische Mannschaft hatte den voertvollen Preis in hartem, aber schönem Kampfe erstritten! Brausender Jubel der hunderte von Zuschauern an beiden Ufern zeigte den Siegern, wie groß und allgemein die Freude über diesen glänzenden Sieg der Gießener war. Aber hohe Anerkennung fand auch der nur unter größter Anstrengung knapp besiegte Offenbacher Gegner. Beiden dankte man einen sportlich außerordentlich genußreichen, fairen Kamps. Im Anschluß an die Rennen fand auf dem! Festplatze die PreiSvertellung statt, die der Zielrichter Herr K. Zimmermann- Offenbach vor- nahm. Der Ruderklub „Hassia" darf mit dem wohlgelungenen Verlauf der unter seiner Verantwortung stehenden Regatta sehr zufrieden sein. Die Einzelheiten der Rennen. Zielrichter: K. Zimmermann-Offenbach, F. Hanusch-Wetzlar. Schiedsrichter: Otto Ihrig-Fianlfurt, Franz Schoub-Osfenbach. Starter: Fritz Müller-Frankfurt, Fritz Gäde-Giehen. Dahn länge für alle Rennen 1900 Meter stromabwärts, nur der Schüler-Vierer hatte fliegenden Start auf 1000 Meter. Start am „Felsen", Ziel am Festplah auf der Schürzschen Bleiche. Dorrennnen am Samstag. G a st v i e r e r. 1. Abt.: 1. Wassersportverein Ludwigshafen 6:53,4; 2. Arb.-Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts" Offenbach 7:22. Leicht gewonnen. — 2. Abt.: 1. Flörsheimer Ruderverein 1908 6:45,4: 2. Wassersportverein „Vorwärts" Mannheim 6:55,6. Mit *!>/■ Längen gewonnen. Ruderklub „Fortuna" Mainz nicht gestartet. Anfänger-Vierer. 1. Abt.: 1. Ruderverein 1919 Wetzlar 7:15; 2. Arb.-Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts" Offenbach 7:15,2; 3. Ruderklub „Hassia" Gießen 7:15,4. Geschlossenes Rennen, Wetzlar entscheidet es im Endkampf knapp für sich. — 2. Abt.: 1. Ruderklub „Hassia" Gießen 7:25; Vöassersportverein „Vorwärts" Mannheim auf gegeben. Rudergesellschaft 1921 Flörsheim und Ruderklub „Undine" Frankfurt nicht gestartet. Zungmann-Vierer. 1. Abt.: 1. Ruderklub „Möve" Groß-Auheim 6:54; 2. Ruderklub „Hassia" Gießen aufgegeben. — 2. Abt.: 1. Rudergesellschaft „Borussia" Frankfurt 6:10; 2. Arb.- Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts" Offenbach 6:25. Bei durchgehender Führung sicher gewonnen. - 3. Abt.: 1. Fechenheimer Rudergesellschaft 1910 7:00; 2. Rudergefellschaft 1921 Flörsheim aufgegeben. Richt gestartet. Wassersport- verein Ludwigshafen, Ruderklub „Germania" Offenbach, Rudecfportverein „Amicitia" Frankfurt. Ermunterungs-Vierer. 1. Abtlg.: Ruderverem 1919 Wetzlar (1. Doot) 7:05; 2. Ruderklub „Hassia" Gießen 7:22; 3. Arb.-Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts" Offenbach 7:44. Sicher gewonnen. 2. Abt.: 1. Rudergesellschaft 1921 Flörsheim 6:55: 2. Wafserfportverein „Vor- wäits" Mannheim 7:20. Leicht gewonnen. — 3. Abt.: 1. Rudergefellschaft 1910 Fechenheim 6:50,4; 2. Ruderklub „Hassia" Gießen 7:00. Dei wechselnder Führung mit 2V_> Längen gewonnen. Richt gestartet: Ruderverein 1919 Wetzlar (2. Doot), Ruderklub „Germania" Offenbach, Wafserfportverein „Vorwärts" Mannheim, Ruderklub „Undine" Frankfurt.^ Zurückgezogen hatten: beim Junior- Vierer: Wafserfportverein Ludwigshafen. Rudergefellschaft „Borussia"-Franks rrt; beim Zunior-Einer: Raderkltt» „ German ia"- Offenbach, ferner schied der Ruderklub „Has- sia"-Gießen (Benzler) durch Sreg ais, der in Frankfurt die Verbandsmeisterfchaft errangen hatte; beim 1. Senior-Vierer: Ruderklub „ Fortuna"-Mainz; beim 2. Senior-Vierer: Waf fers Portverein Ludwigshafen. Die für drrfe Konkurrenzen angesetzten Vorrennen fielen infolge der vorstehenden Verzichte aus. Dorrennen am Sonntag vormittag. Junior- Achter: 1. Abt.: Ruderkliv „Germania" Offenbach 6:08; 2. Rudersportverein „Amicitia"-Frankfurt 6:15,4. Bord- an Bord-Rennen bis auf halbe Strecke, Offenbach geht vor und gewinnt mit guter Länge. — 2. Abt.: 1. Wasserfportverein „Vorwärts"-Mannheim 6:05,6; 2. Rudergefellschaft „Bor Ma" - grantfint 6:15,2. Rach anfänglich schärfstem Rennen sicher gewonnen. Schüler-Vierer: 1. Abt.: 1. Arb.- Ruder- und Schwimm-Verein „Vorwärts"-Osten- bach 4: 40; 2. Wassersportverein „Hellas"-Gieden 4:42. Rach scharfem Rennen mit halber Länge gewonnen. — 2. Abt.: 1. Ruderklub „Hafsia"- Gietzen (2. Doot). Aufg?geben Rrdrrckl tt> «Has- sia"-Gießen (1. Doot). — 3. Abt.: 1. Ruder- gesellschaft 1921 Flörsheim 4:40; 2. Wafserfportverein „Vorwärts"-Mannh im 4: 42,4. Scharfe; Rennen bis ins Ziel, Flörsheim gewinnt mit halber Länge. Senior-Einer: 1. Abt.: Ruderklub „Has- sia"-Gießen (Drnzler) 7:40; 2. Wafsersportvrrein „Hellas"-Gießen (Baumann) > 8:02; 2. Abt.: Rudersportverein „Amicitia" Frankfurt (Gwin- ner) g&)t allein über die Dahn, 8:11,2. Großer Achter: 1. Abt.: 1. Ruderklrb „Hafsia"-Dießen 6:04; 2. Rudersportverern „Amr- citia"-Frankfurt 6:09. Scharfes Rennen bi3 ms Ziel. „Hassia" führt und gewinnt mit einer Länge. — 2. Abt.: Arb.-Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts"-Offenbach geht allein über die Dahn, 6:15,6. WassersPortverein Ludwigshafen hat zurückgezogen. (Den Dericht über die gestrigen Haupttennen muhten wir wegen Raummangels bis morgen gurückstellen. Die Schriftltg.) Turnen, Sport und Spiel. Der Berliner Fußballmeister in Schweden geschlagen. Das Jubiläums-F^ßballtrrnier in Rorr- köping, das die dort auf affigen Vereine SleiP- ner und Kcnnraterna veranstalteten, führte zunächst Rorden-Rordwest-Derlin mit Kamcatema zusammen. Die Schweden gewannen überraschenderweise reichlich hoch mit 6:2 (3:1). Montag und Trvtschinski waren bet den Berlinern die besten Leute. — Der Schiedsrichter konnte nicht gefallen. * * Straßenrennen „Rund um Wies- bade n". August Deibel voin Gießener Radfahrer-Verein 1885 errang bei dem gestern statt- gesundenen schwierigen Dergrennen „Rund um Wiesbaden" 201,5 Klm. bei einer Beteiligung von etwa 100 Fahrern den 4. Ehrenpreis Die Rennstrecke führte die Fahrer von Wiesbaden über die 6 Klm. steigende Eiserne Hand nach Langenschwalbach Limburg, Weilburg, Weilmünster. Neuweilnau, Idstein, Kastel, Eltville, Schlangenbad wieder zurück nach Wiesbaden. Ergebnis: 1. S t r o h-Frankfurt a. M.. 2. S chme l- n e r-Schweinsurt, 3. Mathei s-Mcünz, 4. Deibel- Gießen uslv. . Schlichtungsausschust der Provinz Ober Hessen. Sitzung vom 13. Juli. In der Antragssache des Zentralverbandes der Steinarbeiter gegen die Firma Leimbach u. Eo., Schweinfurt i. Bahern^Bettieb örten-1 berg, wegen Weiterbeschäftigung zweier jugend-I lichen Steinbruchsarbeiter konnte dem Cinfpruch weder nach dem Detriebsrätegefeh, weil er verspätet eingelegt, noch nach der 'Demobiltnachungs- verordnung stattgegeben werden, weil die Entlassung nicht erfolgt war, um Arbeitsplätze freizumachen und die Arbeitnehmerzahl au vermin- oem, sondern aus anderen Gründen, die nach der Demobilmachungsvervrdnung eine Derücksichti- gung nicht finden können Da zwischen 'Betriebsleitung und Arbeiterrat der Duderusschen Eisenwerke in Lol- l a r über die Umlegung der Arbeitszeit für einen Dell der Arbeiter keine Einigung erzielt worden war, entschied der Schlichtungsausschuh auf Anruf durch Schiedsspruch dahin: Die Betriebsleitung der Duderusschen Eisenwerke in Lollar ist berechtigt, frühestens nach Ablauf von 14 Tagen die Aenderung der Arbeitszeit in der Kessel- gießerei derart vorzunehmen, daß in Doppelschicht von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags und von 4 Uhr nachmittags bis 1 Uhr nachts gearbeitet und eine Schicht zur Dedienung der Kupelöfen von mittags 12 Uyr bis 9 Uhr abends eingeführt toirb. Landwirtschaft. eb. Aus dem Vogelsberg, 14.Juli. Die Heuernte, die hier noch im Gange ist, fällt weit besser aus, als anfänglich erwartet wurde. Infolge der Regenfälle der letzten Wochen ist das Gras noch ziemlich dicht zusammengewachsen, so daß auf vielen Wiesen bessere Erträge als im Vorjahre erzielt werden. Besonders erttagreich sind die Wieseit mit rauhem Boden, denen die Frühjahrsfröste nichts anhaben konnten. Die guten Grundwiesen versagten völlig, da hier im Frühjahr der junge Graswuchs erfror. Die einschürigen Wiesen sind mit der Maschine gar nicht mähbar, und so sieht man wieder zahlreiche Mäher mit Sensen ausrücken. Vermischtes. Leichenräuber. Berlin, 15. Juli. Rach einer Sten- daler Meldung des „Lok.-Anz." sind gestern nacht in die Kirche von Schönhausen Diebe eingebrochen und haben die S ä r g e der dort ruhenden Familie Bismarck erbrochen. Sie suchten jedoch vergeblich nach Wertsachen. Der Zoologische Garten in München ausgelöst. Berlin, 15. Juli. Rach dem „Lok.- Anz." wird der Zoologische Garten in München nach langen vergeblichen Rettungsversuchen in der nächsten Woche aufgelöst. Riesenbrand in Spandau. In der Rächt zum Sonntag brach in Spandau ein riesiges Feuer aus, das einen Millionenschaden anrichtetc. Die Waggonbauanstalt der Firma Oren st ein & Koppel ist völlig niedergebrannt. Etwa 20 neue Eisenbahnwagen sind eingeäschert worden. Die übrigen Gebäude des Fabrikgeländes konnten gerettet werden. /Heber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt. Einsturz einer Eisenbahnbrücke. Bukarest, 16. Juli. (WTB.) Als heute der Schnellzug Bukarest über die Praheva- brücke bei Sinaia fuhr, brach diese zusammen. Zwei Personen wurden getötet und 24 verletzt. Der Sachschaden ist bedeutend, der Verkehr vorläufig unterbrochen. • wd. Koblenz, 14. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung hat gegen die Stimmen der Sozialdemokraten deren Anttag ab - gelehnt, verschiedene Straßennamen in Erzberger-, Rathenau-, Republikstrahe usw. zu ändern. Der Dezernent der Stadtverwaltung glaubt nicht, daß durch eine Aenderung der Sttahennamen die Republik gefestigt werde; praktische Bedenken bezüglich der Postbestellung usw. sprächen gegen den Antrag. wd. Oppau, 14. Juli. Der Gemeinderat faßte -in seiner letzten Sitzung den Beschluß, den denkwürdigen 21. September in sinnvoller Weise zu feiern. Es soll ein K a - tastrophendenkmal auf dem Friedhof errichtet werden und das Andenken der auf dem Felde her Arbeit und der im g r o h e n Kriege gefallenen Helden zusammen geehrt und verewigt werden. fpd. Betzdorf, 16. Juli. Du b en - Hände steckten die Seilbahn auf dem Käusersteimel in Brand. Sämtliche Förderwagen sausten zu Tal und stürzten hier zerschellt in die Tiefe. Der Brand zerstörte das gesamte Holzlager, die Schreinerei und die sehr erheblichen Holzvorräte sowie 2 Dynamomaschinen. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Millivnenn Mark. Das Werk müßte still gelegt werden. Die Arbeiter sind brotlos. fpd. Reustadt a. H., 16. Juli. Ein Anttag der mehrheitSsvzialifttschen und kom- munistiscben Stadttäte, den Reichstagsabgeordneten Dr. Helfferich, einen geborenen Reustädter, aus der Ehrenbürgerliste der Stadt zu streichen, wurde mit allen gegen die Stimmen der Antragsteller bzw. mit Uebergang zur Tagesordnung abge- lehnt. • Wiederzunahme des Alkohol- mißbrauchss und seiner Folgen. In der Bremer Krankenanstall muhten 1921 95 männliche und drei weibliche Personen als Aikoholller ausgenommen werden. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahre mit auch schon 60 Aufnahmen wieder eine erhebliche Steigerung um fast zwei Drittel, gegenüber dem letzten Kriegsjahre 1918 mit 9 Fällen gar eine Erhöhung um das Elf- fache. Dabei springt namentlich auch die starke Zunahme der Fälle von Säuferwahn von 2 im Jahre 1920 auf 8 im Jahre 1921 ins Auge. Die überwiegende Mehrzahl jener Personen stand tot den besten Iahven, itoi- töen 20 imb 50, bdbön 40 zwischen 4t TRÄ 50 Jahren. Der sechste Tell der Einlieferungen entfiel bei den Männern auf die Sonntagnacht. — 3n gleicher Richtung weisen die Zahlen der Bremer Irrenanstalt. Dort bewegten sich die Ziffern der Ausnahmen wegen durch Trunk verursachten Geisteskrankheiten von 1904—10 tra ganzen in aufsteigender Linie, um von 1914 einigermaßen, von 1915—19 (Kriegszeit mit Allo« holbeschränkungen) beträchtlich abzusinken (36, 16, 10. 5, 5 Fälle). Seitdem zeigt sich wieder ein rasches Ansteigen: 1920 waren es 12 Manner, 1921 schon 23 Männer und 3 Frauen. Hierbei ist, wie von ärztlicher Seite ausdrücklich hervor^ gehoben wird, zu berücksichtigen, daß die tatsächliche Zunahme des AlkoholmihbrauchS in diesen Zahlen noch nicht zu ihrem vollen Ausdruck kommt, well die Entwicklung der alkoholischen Geisteskrankheiten längere Zeit in Anspruch nimmt, * Eine Flucht, die 900 Millian den gekostet hat. In Reuyork ist em Bankier aus Odessa angekvmmen, namens Arkadi Ossipowitsch Tziprinsky, der früher für einen der reichsten Leute in Rußland gegolten hat. Er ist nur unter großen Schwierigkeiten aus seinem Vaterlande entflohen unb hat sich diese Flucht auch etwas kosten lassen. Wie er den Ausfragern mittellte, hat seine Flucht die Summe von 900 Milliarden Rubel verschlungen. In dieser Riesenrechnung befinden sich u. a. die folgenden Kosten: Ausbruch aus dem Gefängnis in Sebastvpol im Jahre 1919 2 Millionen Rubel, Flucht aus demselben Gefängnis 6 Monate später 250 Millionen Rubel, Bestechung der Beamten im Dienste des Generals Wrangel, von dem er zum Tode verurteilt worden war, 250 Millionen Rubel, Befreiung seiner Frau aus Odessa und Fahrt nach Konstantinopel 200 Millionen Rubel. In der Türkei verpfändete Tziprinsky die Juwelen, die seine Frau bei Ausbruch des Krieges dorthin geschickt hätte, und verschaffte sich so das Geld, um nach Amerika zu reisen. Die geradezu „asttono- mische" Zahl von 900 Milliarden schmilzt in ihrem Werte freilich gar sehr zusammen, wenn man bedentt, daß es Rubel waren Handel. Frankfurt a. M. 17. Juli. Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Gelb Briet Datum: 14. Juli. 15. Juli. Amstd.-Rotterd. 16'77.2518222,76 17128,6617171,46 Druffel-Antw 3570,50 3579,50 3435 75 34*4,30 Ehristiania . ' . 7730,30 7746,70 7320,30 7339,20 Kopenhagen 9997,45 10022,55 9488 15 9491 35 Stockholm. . . . 12081,8512115,15 11395,7011424,30 HelsingforS 958 80 961,23 951,80 95450 Italien 2067,40 2072,60 1992,50 1997,50 London 2052,4a 2057,60 1955,05 1259,96 Reuhork .... »56,92 45b,08 438,45 439,56 Paris 3755,40 3764,70 3640 40 36tfiJ50 Schweiz .... 8813,95 8836,05 8424-45 8443.55 Spanien 7141,05 715b,95 6831,45 6848,55 Deutsch-Oesterr. 1,58 1,62 1,50 1,55 Prag . . . 1088,60 1091,40 996,75 999,25 Budapest .... 24.85 34,95 34,70 34,80 Buenos Aires . 163,27 163,72 156,42 15632 Bulgarien . . . 294,60 295,40 284,60 285,40 Japan 209,60 210,50 Rio de Janeiro 6192,- 6208,- 5932,- 6068.- Züricher Devisenmarkt. 15.7. 16.7. Wechsel auf Schweizer Franke? Holland 100 FI. = 202.40 202.10 Deutschland 100 QRt = 1.12 1.19 Wien 100 Kr. = 0.017 0.17 Prag 100 Kr. = 11.85 11.7t Paris 100 Fr. = 42.275 43.20 London I £ — 23.17 23.19 Italien 100 L. => 23.575 23.85 Brüffel 100 Fr. = 40.45 40.85 Budapest 100 Kr. — 0.42 0.40 Reuyork 100 $ = 521.50 521.75 Agram 100 Kr. = 1.52 1.537 Warschau 100 Kr. --- 0,095 0,095 (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Zeitungsverbote in München. München, 14. Juli. Die kommunistisch« „Reue Zeitung" in München und bis „Bayrische Arbeiterzeitung" in Augsburg find wegen einer Kritik an der Rede oeS Mi ckstelp Lsid.'nten Lerchenfeld über Demo« Eratie, über die wir kürzlich berichteten, vom Minister des Innern auf drei Tage verboten! worden. Das Verbot ist auf Grund der Verordn nung des Reichspräsidenten zum Schuhe der Republik ergangen. Zusammentritt des Völkerbundsrates in London. London, 15. Juli. (WTB.) Am Montag wird der Völkerbundsrat in London zu« fammentreten. Die Beratungen sind zum größten Tell nicht öffentlich. Amerika und die französischen Schulden. Paris, 14. Juli. (WTB.) lieber die gestrig» erste Besprechung der französischen Finanzdelegierten Par mentier. ßen o neu und Boyer mit dem amerikanischen Schahsekretär Mellon erfahrt der Havasvertreter in Washington, daß das amerikanische Schatzamt Parmentier um Einreichung von Berichten über die französischen Budgets des vergangenen, laufenden und kommenden Jahres, um die Statistik der stanzosischen Produktion, des franzöfifchen Handels, der französischen Aus- und Einfuhr ersucht habe, die ihm nur unvollständig vorlägen. Selbstverständlich könnten auch alle anderen übrigen zweckdienlichen Auskünfte beigefügt werden. Rach Zusammenfassung des Aktenstückes werde Mellon sofort die Kommission zusammenberufen, vor der Parmentier die nötigen Erklärungen abgeben werde. Schließung der britischen Postämter in Ehina. Schanghai, 14. Juli. Die BH- tischen Postämter in Ehina werben am 31. Dezember d. IS. geschlossen werden Eine Feuersbrunst iu Lille-Tourcoiug. Lille. 15. Juli. (WTB) Eine heftige Feuersbrunst hat mehrere Gebäude^in Tour« coing zerstört. Der Schadeir beträgt Über eine Million Franks. Die Ursache des Brandes ist noch unbekannt Deutscher Reichstag. 252. Sitzung vom 15. Juli, nachmittags 2 Llhr. Ohne Aussprache wird zunächst in allen drei Befangen das Gesetz über die Ersatzpflicht für be- schädigte Reichsbanknoten angenommen. Das Gesetz über die Metallreserve der privaten Rotenbanken wird nach kurzer Debatte gleichfalls in allen drei Lesungen angenommen. Ebenso der Antrag der Koalitionsparteien, wonach die Zuständigkeit für die Fragen der Wohlfahrtspflege einschließlich der Armenpflege vom Reichsministerium des Inneren auf das Reichsarbeitsministerium übergeht. Das Reichskriminalgeseh wird ohne Aussprache dem Rechtsausschuß überwiesen. Cs folgt die zweite Beratung des Gesetzes über die Pflichten der Beamten zum Schutze der Republik. Der Ausschuh hat die Vorlage in manchen Dunkten geändert. Zum Paragraph 10a Absatz 4 ist ein neuer Absatz eingefügt worden, der es den Beamten untersagt, in der Oeffentlichkeit gehässige und aufreizende Reden zu halten und Bestrebungen zu fördern, die auf eine Wiederherstellung der Monarchie oder gegen den Bestand der Republik gerichtet sind, oder solche Bestrebungen durch Beschimpfung der Republik zu unterstützen, oder durch die Verächtlichmachung von Personen, die Mitglieder der gegenwärtigen Regierung sind oder einer früheren republikanischen parlamentarischen Regierung angehörten. Der Ausschuß fordert ferner in zwei Tnt- schliehungen, die Prrsvnalreferate in allen Zweigen der RNHSdertdälkutzg nttr solchen D säurten zu übertragen, die sachkundig und zuverlässige Republikaner sind, und im Dienst bä den Behörden keinerlei parteipolitische Propaganda zu betreiben. ' • Abg. Schultze- Berlin (Dnt.): Die Vorlage sei zu weitgehend und verstvhe gegen die ver- fassungsmähigen Rechte der Beamten. Ohne die Pflichttreue der höheren Beamten wäre am 9. No- vember 1918 die Aufrechterhaltung des Reiches nicht möglich gewesen. (Widerspruch links.) Die Beamten sollten mundtot gemacht werden. Abg. Dr. Höf le (Ztr.): Die politische Meinungsfreiheit der Beamten werde durch die Aus- schutzsassung nicht unterdrückt. Aber der Beamte müsse sich in der Propaganda seiner der geltenden Staatsform gegnerischen Auffassung größere Zurückhaltung auserlegen als jeder andere Staatsbürger. Die mit dem Schuhe der Republik betrauten Beamten müßten zuverlässige Republikaner sein. Durch die Annahme der Vorlage lege sich das Zentrum für die kommende Revision des Deamtengesetzes keineswegs fest. Abg. Dr. Scholz (D. Vp.): Das ganze Gesetz ist überflüssig. Das bestehende Beamtengesetz gibt der Regierung alle Möglichkeiten, die notwendige Disziplin in der Beamtenschaft aufrecht zu erhalten. Deutschland soll, die freieste Republik der Welt sein. Wir fragen: „Wohin bist du entschwunden?" Die Ausschußfassung bedeutet eine teilweise Verfassungsänderung, die wir ablehnen. Reichsminister des Innern Dr. Köster: Das Gesetz reicht nicht entfernt an die Maßnahmen der alten Regierung heran. Aber die repudlr- kanischen Beamten dürfen im Dienste nicht gegen die Republik arbeiten. Vas Gesetz ist eine klare Interpretation frcf.en, was das Reichsdiszipinar- gericht als Pflicht der Beamten feststellt. Die Beamten selbst werden die polttischen Rotwendig- keiten des Gesetzes einsehen. (Beifall links.) Abg. Dr. Levi (AI. Soz.): Das Gesetz lege nur ausdrücklich die Pflichten fest, die jeder Beamte auf Grund seiner Beamtenstsllung dem Staate gegenüber zu erfüllen habe. Am 9. Ro- vember sind die monarchistischen höheren Beamten auf den Boden der Republik getreten und wollen von da aus diese Staatsform sabotieren. Auch im Richtertum muß eine gründliche Säuberung erfolgen. 'Die Rotwendigkeit der Staatsraison gilt für die Republik wie für die Monarchie. Die Vorlage ist ein im besten Sinne staatserhaltendes Gesetz. Im alten System wurde die Gesinnungsfreiheit der Beamten wirklich geknebelt. (Sehr richtig links.) Den Ausschußbeschlüssen stimmen wir zu. Abg. Dr. Deermannn (Dayr. Vp.) protestiert dagegen, daß die Beamten verbände zu der Vorlage zu spät gehört worden seien. Rur der sozialdemokratische Allgemeine Deutsche Beamtenbund wäre mit dem Gesetze einverstanden, welches wohlerworbene Rechte der Beamten und die Verfassung verletze. Abg. Dr. Stein ko Pf (Soz.) widerspricht dem. Roch heute würden republikanische Beamte von monarchistisch gesinnten Vorgesetzten in schlimmster Weise verfolgt. Der Redner wünscht die Wiederherstellung des in der Regierungsvorlage vorgesehenen Diszjplinarsenats. Abg. Eichhorn (Kom.): Der Gesetzentwurf geht nicht weit genug. Die reaktionären Beamten müssen durch wirklich zuverlässige Republckane- erseht werden. In der Einzelberatung wird § 10a aus dem neuen Gesehausschuß aif Antrag des Zentrums die Bestimmung gestrichen, daß.den Reichsbeantten auch die Verächtlichmachung 'tzmer früheren republikanischen oder Parlamentarischen Regierung verboten ist. Im übrigen werden d.e Ausschuhbeschlüsse angenommen, ebenso mit schwacher Mehrheit die Entschließung des Ausschusses. Es folgt die zweite Beratung der Novelle zum Einkommensteuergesetz. Rach den Ausschußbeschlüssen wird der zehn- prozentige Steuersatz auf ein Jahreseinkommen bis zu 100 000 Mk. ausgedehnt. Gehalts- und Lohnempfängern werden abgerechnet monallich 40 Mk. für Mann und Frau. 60 Mk. für jedes Kind und 90 Mk. für Werbungskosten. In der Aussprache äußerte der thüringische Finanzminister Hartmann starke Bedenken gegen die Vorlage. So weitgehende Steuervorlagen bedürften der vorhergehenden Verständigung mit den Ländern. Die Beschlüsse des Ausschusses wurden angenommen. — Man trat dann in die zweite Beratung der Novelle zum Erbschaftssteuergesetz ein. Im Verlaufe der Debatte wurde bei einer Abstimmung um 9 älhr die Beschlußfähigkeit des Hauses bezweifelt. Montag mittag 1 älhr: Notlage der Presse, Reichskriminalgesetz, Steuervorlaoe. Schluß nach 9 Mr. Vater, 6737D Todes-Anzeige. Sonntag nachmittag l1/, Uhr verschied nach kurzem, Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: C. H. Stückrath. Gießen, Höchst, Rochester (Amerika),«den 17. Juli 1922. (Seltersweg 58) Die Beerdigung findet Mittwoch, den 19. Juli, nachm. 4 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. mit Geduld ertragenem Leiden, unser lieber Schwiegervater, Groß- und Urgroßvater Johann Keßler im 85. Lebensjahre. I Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, heute nachmittag 3 Uhr meine liebe Frau, meine gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Maria Lepper geb. Pfeffer nach längerem, schwerem in Geduld getragenem Leiden, im Alter von 57 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu rufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie K. Lepper W. Hahn und Familie. Annerod, Gießen, Reiskirchen, den 15. Juli 1922. Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause aus statt. 07012 [ Bittgesuche | Student (Examenskandidat) sucht z. 15. Oktober freunW Mlicrtks Zimmer mögt, in der Nähe d. Uni- veriilät. Schrift!. Anaeb. nnter07QV2a. d. Gieß. Anz. | Wtoagstausch j Neueingerichtete mit geräumiger Diele, Zentralheizung, elektr. Vicbt und allem Zubehör, 3 Treppen hoch gelegen, gegen 4-5-M-WMa Parterre oder I. Etage, zu tauschen gesucht. Schrtftl. Eilaugebote nm.67011 an d. Gies;. Anz. 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Winterstein Bruno Decarli Ab heute bis einschließlich Sonntag täglich y24j 8 und y29 Öhr: Marie von Bülow Albert Patry Lily Alexandra Wilhelm Prager Paul Rehkopf Friedrich Wilhelm L, König von Preußen . Sophie Dorothea, Königin von Preußen Friedrich, Kronprinz von Preußen< . . . Wilhelmine, Prinzessin von Preußen . . . Elisabeth Christine, Kronprinzessin v. Preuß. Frau v. Morien, Hofdame d. Kronprinzessin Fürst Leopold von Anhalt-Dessau .... Generalleutnant von Grumbkow .... Graf von Seckendorff, Kaiserlicher Gesandter am Hofe des Königs von Preußen . . Oberst von Schack......... Oberst von Rochow......... Oberst von Katte.......... Leutnant von Katte, Freund des Kronprinzen. Leutnant von Keith, Freund des Kronprinzen von Poellnitz, Hofmarschall des Königs von Preußen............ Frau von Kameke, Hofmeisterin der Königin ' von Preußen .......... Müller, Hofprediger des Regts. Gens d'armes Doris Ritter, ein Bürgermädchen aus Potsdam Kantor Ritter, deren Vater....... Quantz, Musikmeister des Kronprinzen . . Freiherr von Gundling, Spaßmacher König Friedrich Wilhelm I........ Der Kammerdiener des Königs..... Fredersdorff, Kammerdiener des Kronprinzen Hofdamen, Kammerherren, Offiziere preußischer Regimenter, Pagen, Lakaien, Soldaten der Podsdamer Riesengarde, Volk. Eugen Burg Theodor Burgarth Joseph Klein Adolf Klein F. W. Kaiser Rolf Prasch Friedericus Rex Em Königsschicksal Teil: Sturm uticä EPrarag. 2, Teils Vater umd Sohn. Manuskript: Hans Behrendt, Arzen v. Cserepy, B. E. Lüthge Regie: Arzen v. Cserepy; Regiestab: Wilhelm Prager Architektur: Diplom-Ing. Hans Dreier; Kostüme: Carl Reiner Photogr.: Guido Seeber und Ernst Lüttgens; Musik: Marc Roland. Personen des 1. und 2. Teils: Ort der Handlung: Berlin, Potsdam, Rheinsberg, Küstrin, Sinsheim in Baden. 6re6c Verstärktes OrchesterZ Erhöhte Preise! Um Andrang zu vermeiden, wird gebeten, möglichst die Nachmittagsvorstellungen zu besuchen. Geschüstseröffnung! 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