m. 295 krschemt tü glich, trauer Sonn» und Fei erlag«, mH derSamstagsbeilage: BietzenerFamilienblütter Monatliche vezngrprelfe: WO Mark und 20 Mark Trügerlohn,durch dieDost 400 Mark,auch bei Nicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer (Bemalt - Fernsprech- Luschlüsse: ftirdieSchrist- kttung 112; für Nerlog und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger ftkfien. papschecklooto: $ranffnrt a. M. 11686. 172. Zahrgcmg Freitag, 15. Dezember (922 GießenerAnMger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck nnö Derlag: »rühl'sch« Univtrsttitr-Vuch- und Steinörudtrei B. Lange in Sieben. Schrifileitnng unö Seschöstrftelle: Schulftratz« 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Berdlndlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 27 mm Breite örtlich 12 Mk, auswärts 15 Mk.; für Rekl ame- Anzeigen von 70 mm Breite 40 Mk. Bei Platz- vorschrlft 20 u/e Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumichein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Die Rede Lord. Greys im englischen Oberhause. London, 14. Dez. (WTB.) Grey führte gestern im Oberhaus u. a. aus: Wenn man erkläre, bah, solange England seine Schuld an die Vereinigten Staaten ^ahle, es nicht Me Schulden erlassen könne, die Ihm von den europäischen Alliierten geschuldet Mürben, so sei das sehr einleuchtend. England habe jedoch in Wirklichkeit mehr Interesse ba ran, politische Sicherheit und wirtschaftliche Wiederherstellung in Europa zu erzielen, als die Barzahlung der ihm geschuldeten Summen zu erlangen. (Hört! hört!) Zweifellos seien die Fragen der interalliierten Schulden und der Reparation so eng verbunden, bah eine Erlassung der interalliierten Schu'den von der Regelung der Reparationsfrage innerhalb der möglichen Grenzen abhängig gemacht werden könne. Einer der 5rohen Fehler bei Behandlung der Reparativns- frage war, bah der interalliierte Dankier- ausschuh, der in Paris zusammentrat, so entmutigt wurde, bah er sich vertagte. Er glaube, es war die französische Regierung, die dafür verantwortlich sei, bah dieser Ausschuh seine Arbeiten nicht fortsetzte. Wenn ein Fortschritt in der Frage der Regelung der Reparationsf -age gemacht werden solle, müsse die französische Regierung in Betracht ziehen, bah es wünschenswert wäre, einen nejien berartigen internationalen Dankierausschuh. in dem die Vereinigten Staaten vertreten wären, einzuberufen. Die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas könne nicht erreicht werden, wenn nicht eine gröbere politische Sicherheit geschaffen werbe. Er sehe die Entwicklung und Stärkung des Völkerbundes als das beste und einzig sichere Mittel zur Wiederherstellung des Friedens in Europa an. Es sei jedoch vollkommen klar, bah, wenn ber Völkerbund nicht umfassender werde. Europa wieder in zwei bewaffnete Lager geteilt würde. Der nächste und wichtigste Schritt sei, dah, wenn die Reparationsfrage geregelt sein werde, Deutschland sich bereit erklären solle, dem Völkerbünde beizutreten, und bah die anderen Mächte sich damit einverstanden ercklären. Zur Rüstungsfrage übergehend wies Grey darauf hin, bah der Washingtoner Vertrag axter von Frankreich noch von Italien ratifiziert würde. Wenn nach Erlassung der interalllterlen Schulden an England und nach Sicherung der nur zeitweiligen Regelung der Reparationsftage eines der Länder, deren Schulden von England erlassen wurden, beginnen sollte, Ausgaben für Rüstungen zu machen, so würde In England eine sehr scharfe Kritik laut werden. Selbst wenn Frankreich und Italien in der Lage wären, die Bezahlung der England geschuldeten Beträge morgen zu beginnen, so würde dennoch England ter verlieiende Teil sein, da dadurch dah es Geld erhält, die Wiederserileltung in Europa von dem augenblicklichen Zustand der politischen und wirtschaftlichen Rot verzögert wird. Wenn durch einen Verzicht, nicht auf tatsächliche Dnrzah.un- ?[en, sondern auf die Aussicht, eines Tages vieleicht eine Zahlung zu erhalten, Endland irgend etwas wesentliches tun könnte, um die Sicherheit des Friedens und die wirtschaftliche Wiederherstellung der Länder in Europa, die Abnehmer für englischen Handel sind, zu fördern, so würde England in riesigem Mabe der gewinnende Teil ftin. Wenn England daher die interalliierten Schulden erlassen solle, so müsse es, wenn auch nicht als unmittelbare Folge, so doch als mittelbare övlge das Gefühl haben, bah die Gefahren künftiger politischer Unruhen und wirtschaftlicher Rot in Europa wenigstens schr vermindert worden seren, und bah die Hindernisse, die gegen- wartrg ledem tatsächlichen Fortschritt entgegen- stehen, besertlgt seren. Bebürfnis Frankreichs nachvicherHerten erllärte Grey, die Richtannahme des französisch-englischen und des französisch-amerikanischen Vertrages, in dem festgesetzt war, bah rm Falle eines d e u t s ch e n A n - grifft auf Frankreich das britische Reich und die Bereinigten Staaten Frankreichs it ihrer ganzen Macht unterstützen würden, feb-auf^rft verhängnisvoll geworden und habe dem Frieden den Boden eingeschlagen. Das Verschwinden dieser beiden Verträge sei zum groben Teil für bie Erscheinung verantwortlich bie als »aggressiver Geist in Frankreich" tezeichnet werde. Er, Grey, glaube, bah diese Verträge nicht mehr aufleben konnten, er glaube aber nicht, bah die scharfen Massnahmen, die Frankreich im Sinne habe, Geld zutage fördern würden, viel eher würden sie den Zusammenbruch Deutschlands und damtt eine Katastrophe für bie Welt herbeiführen. Grey erklärte weiter: Ich glaube nicht, bah bie Sicherheit auf diese Weise erzielt werden rann, ich glaube nicht, bah eine Ration ihre Sicherheit auf bie Dauer erhöht, wie sicher sje sich auch für den Augenblick fühlt, indem sie grohe Gebietsteile beseht, bie von einem anderen Volke bewohnt sind Ich halte es für verhängnisvoll, bah die Konferenz, die im Januar wieder ?u,l9CPit)mrnc^ to^ben soll, zu Maßnahmen führen soll, die nach meiner Ansicht nicht die wirklichen Reparationen fordern, und wie ich glaube, bie politischen Unruhen Europas verstärken würden, statt die wirtschaftliche Wiederherstellung zu unter- stühen. ,. ord Sa lisburh erklärte, jedermann, der die Rede Greys gehört habe oder lesen werbe, werde erkennen, bah Grey als überzeugter und grober Freund Frankreichs gesprochm habe Er hoffe, bah. ti>?nn bie französische Staatsmänner die Rebe lesen und erkennen, bah sie von einem groben Frc-unb komme, sie ben Rat beherzigen werden, ben er in fo fremidscchrftlichem Geiste gebe. Die Politik der Regierung sei eine Vermehrung der Stabilität und des Vertrauens in der ganzen Welt. Er sehe es als sehr wesentlich an, bah bie engen Beziehungen, die gegertoärtig zwischen England, Frankreich und Italien herrschen, aufrechterhalten werden. Die Regierung hoffe zuversichtlich, bah, wenn die Konferenz arte- ber zusammentrete, Vorschläge erzielt werden, die im Interesse der französischen Regierung seien und ihre Zustimmung finden werden. Amerikanische Vermittlungs- Vorschläge ? London, 14. Dez. (Wolfs.) Die .^Times" meldet aus Washington vom 13. Dezember: Das Weihe HauS lieh gestern mitteilen, bah die amerikanische Regierung alles Mögliche tue, um eine befriedigende Lösung der Schwierigkeiten in Europa zustande- dubringen. Präsident Harding wünsche darauf hinzuweisen, bah seine Regierung sich nicht untätig verhalte. Er habe weiter mitgeteilt, dahvordem 2. IanuarnächstenIah- reS bie nötigen biplomatischen Schritte getan sein würben, um bie englische, bie französische und die anderen beteiligten Regierungen über die Haltung der Bereinigten Staaten zu verständigen. Dcps Weihe Haus und das Staatsdepartemeirt wollten vorläufig lediglich diese allgemein« Erklärung abgeben. Sie hielten die Lage für so heikel, daß die größte Zurückhaltung notwen^» big sei. Reuyvrk, 14. Dez. (WTB.) Fnnkfprucj > Die »Renyork World" meldet aus Washington: Ueber ben Gegenstand ber Unterrebung, welche Morgan am Mittwoch gelegentlich eini .'s Besuches im Staatsdepartement hott e, ist keine Information zu erhalten. Angesichts b<>r Erklärungen aber, die Morgan in Paris abgegeben hat, findet bie Vermutung Glauben, bah Amerika nach einer Grundlage für elr en Vorschlag über eine Anleihe Deuts »h- lands sucht, den eS ber Konferenz der Premierminister im 3anuar vv.p- legen will. Die Reu York Times" meldet aus Waschjhrg- fon, bah Brmar Pan** Wunsch bk Repn'-ntivxs- frage mit einiger Aussicht auf eine endgültige Lösung zu erledigen, mit den Ansichten Eier Regierung Hardings überein ft imine, o>elche von Anfang an sich ben Wilsonsc-hcm Standpunkt angeeignet habe, bah die Reparationen auf ber Grundlage der Zahlungsfähigkeit Deutschlands endgültig festgesetzt inerten sollten. Aus Regierungskreisen verlautet, bah ter Einfluh ber amerikanischen Regierung, auf jede ihr zulässig erscheinende Weise weiterht.i in ter Richtung eines Ausgleichs ber Ansichten in ber Reparationsfrage geltend gemacht wirb.. Die Haltung der deutschen Industrie. Berlin, 14. Dez. (WTB.) In ter heutigen Sitzung des vorläufigen Reichswirtschafts,. ites gab vor Eintritt in die Tagesordnung ter Vorstand des Reichsverbantes ber deutschen Industrie Dr.-Ing. Sorge folgende Erklärung ab: „Ich ergreife die Gelegenheit, hier im Plenum des Reichswirtschaftsrates gegenüber den wirren Zeitungsnachrichten über die Stellung der Industrie zur Regierung festzustellen, was diesen Gerüchten an Tatsachen zugrunde liegt. Die Rachiicht über einen von mir nachgeL achten bzw. ausgeführten Besuch beim Reichskanzl er ist unrichtig. Ebenso sind bie Einzelheiten ber rmgeb- lichen Unterhaltung, die gelegentlich dieser Besuches fiattgefunten haben soll, nicht oder inenig- stens nur zum geringen Teile zutreffend. Eine Unterredung zwischen dem Reichskanzler ui ;b mir fand gelegentlich ter ersten Plenarsitzun,; des Reichswirtschaftsrates vorgestern hier statt. In dieser Unterredung wurde auch die befanrj e erste Rotiz angeschnitten. Ich erllärte, bah ber ?Leichs- terbanb ber deutschen Industrie dieser Rotiz vollkommen fernstehe und fügte hinzu, teih ter Reichsverband es für seine Pflicht halte, bie Regierung in der jetzigen schweren Lage TteUsch- landS zu unterstützen. Die Industrie sei auch bereit, an jeder Lösung, die eine dauernde Gesundung der politischen und wirtschaftlichen 1s'»erhält- nisse Deutschlands verspricht, mitzuwirkim. Ich halte mich verpflichtet, diese Erllärung fiter ab- Zugeben, weil ich die Gerüchte, welche ein e Dissonanz zwischen der Regierung und ber 5 fnbuftrie konstruieren wollen, nicht nur für vei terblich, sondern geradezu für ein Verbrechen am Dater- lante halte. (Lebhafter Beifall.) Die Lausanner Konferenz. Eine Entspannung. L a u s a n n e, 14. Dez. (Wolff.) 'S He Erste Kommission ist heute vormittag 10 Uh r 30 zu- fammengetreten, um bie Diskussion über bie Minderheitenfrage fortzusetze.n. Ismet Pascha beantwortete Punkt scjr Punkt bie Erllärung von Lorb Curzon in bur gestti- gen Sitzung. Er legte bar, bah bie Stellung ber Türkei in der Minderheitensrcv;e burch ben nationalen Pall festgelegt sei. Loi:b Curzon betonte in seiner kurzen Antwort ben versöhnlichenGeist, von dem ?jie Worte OSmet Paschas getragen seien, und > rntersttich besonders die Absicht der türkischen 2 Regierung, die von OSmet Pascha zum AuSdrui k gebracht I wurde, bah sie, sobald der Frieden abgeschlossen sei, den Einttitt in den Völkerbund nachsuchen werde. Darröre und Garvni gaben der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeiten in der Unterkommission von Erfolg gellönt fein । möchten. Die Unterkommission beginnt ihre Sitzung morgen, Freitag vormittag. Rach einer persönlichen Aussprache zwischen Lord Curzon und Ismet Pascha scheint festzustehen, bah ber Lösung ber Minderheitenfrage keine großen Schwierigkeiten mehr im Wege stehen und dah man bald zu einer Einigung kommen wird. Der Weltfriedenskongreß. Haag, 14. Dez. (Wolff.) In der gestrigen Rachmittagssihung des Weltfriedenskongresses hielt Wels- Deutschland eine längere Rete, in ter er unter anderem ausführte, das deutsche Volk habe sich bei ter Annahme des Waffenstillstandes auf Grund ter 14 Punkte Wilsons nicht träumen lassen, wie ungerecht die Frie- tensbebingungen ausfallen würden. Gegen alle früheren Zusagen werte die junge deutsche Demokratie dauernd auf die Folter gespannt. Die deutsche Arbeiterklasse sei demokratisch und friedlich gesinnt, und die gröhten Feinte ter deutschen Demokratie seien nicht tmier» halb Deutschlands zu suchen. Es seien vielmehr die Hetzer vom Schlage Poincarös. Die deutsche Arbeiterllasse sei bereit, bei der Wiederherstellung des Friedenszustandes soweit als möglich zu helfen. Schliehlich protestierte Wels gegen eine weitere Besetzung deutschen Gebietes unb gegen die Art und Weise, wie in London und Lausanne die deutschen Interessen als Tauschmtttel benutzt werten. — ii—iiri an ■ । n» Die Führung der Reichswehr. Berlin, 14. Dez. (WTB.) Der Vertreter des Reichswehrministeriums teilte mit: Vom 1. Januar 1923 ab sind u. a. folgende Personalveränderungen zu verzeichnen: General ter Artillerie v. Behren d, bisher Oberbefehlshaber ter Gruppe 2 (Kassel) wurde zum Oberbefehlshaber der Gruppe 1 (Berlin) ernannt. An seine Stelle tritt General ter Infanterie Ritter von M o e h l (Bayern). An dessen Stelle tritt General v. Lossow, bish«: Kommandeur ter Infanterieschule in München und an dessen Stelle Generalmajor Lindemann. Das Urteil im Prozeh Harden. Berlin, 14. Dez. (WTB.) Im Prozeh Haiden lautete nach mehr als vierstündigen Beratungen ter Wahrspruch der Geschworenen für beide Angeklagte auf Beihil f e zur Körperverletzung. Dem Angeklagten W e i ch a r d t wurden mildernde Umstände zu- gebilligt, dem Angeklagten G e n z dagegen nicht. Der Staatsanwalt beantragte darauf für Wei- chardt zwei Jahre elf Monate Gefängnis, für ©cenADier Jahre elf Monate Gefängnis, wovon vier Monate für die Untersuchungshaft angerechnet werten sollen. Der Staatsanwalt begründete diese Strafe damit, bah die Tat hart an versuchten Meuchelmord streife. Das Urteil lautet bet dem Angeklagten Genz wegen Beihilfe zur Körperverletzung auf vier Jahre neun Monate Gefängnis, gegen Wei chardt wegen Deihllse zur Körperverletzung auf zwei Havre neun Monate Gefängnis. Beiten Angellagten werden zwei Monate Untersuchungshaft angerechnet. Die Angellagten erflärten, sich bei dem Urteil beruhigen zu wollen. Aus dem Reiche. Das Arbeitszeilgesetz. Berlin, 14. Dez. (WTB ) Der vorläufige Reichswirtschaftsrat stimmte dem Arbeitgeberantrag auf Richteinkerechnung ber Arbeitsbereit fchaft in bie Arbeitszeit mit 102 gegen 100 Stimmen zu. Die Mehrbeschäftigung ter Lehrlinge wurde mit 103 gegen 97 Stimmen ebenfalls beschlossen. Damit sinb die grundlegenden Paragraphen des Arbetts-- zeitgesehes im Sinne ber Arbeitgeber beschlossen worden. Hessischer Landtag. 37. Sitzung. Donnerstag, 14. Dez. 1922. Präsident Adelung eröffnet bie Sitzung 9.40 Uhr mit ter Mitteilung, bah Abg. Müller (Db.) infolge Wohnsihwechsels und beruflicher Inanspruchnahme fein Amt als Vizepräsident zur Verfügung stellt. Für morgen wirb die Reu- Wahl eines Vizepräsidenten auf die Tagesordnung gesetzt. Den Antrag ber Abg. Birnbaum zu Kap. 54 des Staatsvoranschlags, die Einstellung von Lehrerinnen st eilen als Beraterin bes Leiters an den Mädchenschulen bett., beantragt ter Ausschuh abzulehnen. Abg. Birnbaum (D. Vp.) und Ha t tem er (Dtn.) treten für verstärkten weiblichen Einfluh an allen Mädchenschulen ein und bitten, den Antrag nicht abzulehnen, sondern gemäh ber bereits münteich erfolgten Zusage der Regierung höchstens für erledigt zu erklären. Abg. Reiber (Dem.) fordert weitergehend die Ernennung weiblicher Schulleiter. Abg. Kaul (Soz.) bätt den Antrag für überflüssig, da das Vvllsschulgesetz einen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Lehr- träften überhaupt nicht kenne. Der Antrag teS Ausschusses wird abgelehnt; ter Antrag Birnbaum wird einstimmig angenommen. Den Antrag ter Abg. Birnbaum, Hattcmer und Steinhäuser, die weibliche Fortbildungsschule bett., beantragt ter Ausschuh für erledigt zu erklären, da er von Irrigen Voraussetzungen ausgehe. Abg. Hattemer (Ztr.) wendet sich gegen diese Auffassung der Regierung. Der Antrag des Ausschusses wird gegen drei Stimmen angenommen. Die Vorstellung des Rechtsanwalts Dr. Otto Pflaum zu München als Vertreter tes Prof Koh- mann (des bekannten Herausgebers ter "Süddeutschen Monatshefte") in München, Zustimmung zur Strafverfolgung des Landtagsabgeordneten Kaul betreffend, beantragt ter Ausschuh aus prinzipiellen Grünten abzulehnen. — Abg. Kindt (Dtn.) macht darauf aufmerksam, wie unhaltbar dieser Brauch sei. ter es Abgeordneten gestatte, als Redakteure periodisch erscheinender politischer Druckschriften andere Personen zu beleidigen, ohne bah sic dafür xur Verantwortung gezogen roerten können. Ein teutschnationaler Antrag, ter diesem Mihstand vorbeugen wolle, fei bei ter letzten Sitzungsperiode abgelehnt Worten. Und doch müsse einmal diese üble Erscheinung bejwitigt werden. — Der Antrag des Ausschusses.wird angenommen. Es stehen weiter auf ter Tagesordnung eine Reihe von Anfragen, auf die schriftliche Regie- rungsantwvrten erteilt find. Eine Besprechung wird von dem Abg. Ebner (Kom.) bei dem Antrag Rink und Ebner, die Aushebung der Zwangswirtschaft betreffend, beantragt und in einer längeren Rete entwickelt er ein kommunistisches Wirlschaftsprvgrainm und schli cht mit ter Hoffnung auf einen baldigen Sieg des revolutionären Proletariats. — Zu ter Anfrage Jost und Stein, die Getreideumlage betreffend, schildert Abg. Host (Bb.) die Verhältnisse, die durch die Mihernte in diesem Jahr in dem oberen Vogelsberg entstanden fei. Q3ei dem ungünstigen Verhältnis von Acker und Wiefen fei die Belastung für bie kleineren Besitzer (bis zu 25 Morgen) unerträglich. Erschwerend kämen die bedeutend günfligeien Verhältnisse im benachbarten Preuhen in Betracht. Wenn vom Reich das Umlagesoll ermäßigt werde, solle man doch in erster Linie die Besitzer im hohen Vogelsberg berücksichtigen. Den Antrag der Abgg. Glaser und Genossen, Verwendung des im Staatsvorcinfchöag vorgesehenen Ausgleich st ocks tetr., beantragt ter Ausschuh einstimmig ter Regierung als Material für die bevorstehende Aenterung des Lan- tessteuergefehes zu Überwelfen. Abg. Glaser (Db.): Bei ter Verteilung bet Mittel aus dem Ausgleichsstock werte das flache Land gegenüber ben groben Städten benachteiligt. Das düffe nicht so weiter gehen. Der Ausschmhantrag wird einstimmig angenommen. Der Antrag des Abg. Reumann, die Einrichtung von lokalen Abteilungen für Lungentuberkulose im 3. Stadium in Krankenhäusern bett, wird gemäh Ausschuh-' antrag angenommen. — Den Antrag ter Abgg. Ebner und Rink, Gesetz über den Austritt aus ter Kirche und zwei in gleicher Weise sich be=» tregente Anträge ber Abgg. Kiel und Schaub werten ter Regierung als Material überwiesen, nachdem Abg. Kiel (So;.) beantragt hat, die De Währungsfrist bei Kirchenaustritten aufzuheben. — Den Antrag Rink und Ebner, die unentgeltliche Schulspeisung für alle Kinder tetr., beantragt ter Ausschuh abzulehnen, da die Schulspeisung Ausgabe der Gemeinden fei und von diesen bereits für Minderbemittelte durchgefüHrt fei. Abg. Roth (Komm.) schildert die Rot ter Kinder. Für die Glocken der katholischen Kirche habe man Geld, aber für die Kinder nicht, das sei kennzeich"end für den Geist, ter hier herrsche. Abg Hattemer (Zentt.): Es sei schon viel gescheHen auf dem Gebiet der Kinderspeisimg, ater alle Kinder zu speisen, sei doch ein Unding. Abg. Reiber «Dem ) schlieht sich dem an. Wer gegen ben Antrag sei, fei absolut nicht gegen jede Kinberspeisung. Abg. Engelmann (Soz.): Der Antrag renne offene Türen ein. — Rach längerer Debatte wird ter Antrag an den Ausschuh zurückverwiesen. Auf Antrag des ersten Ausschusses werten die Tagegelder vom 1. Dezember 1922 auf 1400 Mb für die hiesigen und 2000 Mk. für bie auswärtigen Mitglieder des Hauses erhöht. Die Uebernachtungsgebühr wird auf 2000 Mark festgesetzt. Abg. Ebner (Komm.) fordert eine Pauschalsumme statt ter Tagessätze. Zur Zeit sei es fast nur Beamten möglich, ein Mandat auszuüben. Der Redner regt an, die Landtagssitzungen auf den Abend zu verlegen. Damit sei allen geholfen. Die Anträge des Abg. Ruh, die Gerichtsreferendare tetr., und ter Abgg. Wünzer und Dingeldeh, Anrechimng ter Kriegsdienstzeit auf ten Vorbereitungsdienst der Referendare tetr., empfiehlt ter Ausschuh anzunehmen. Danach ist die gesamte Kriegs- dienstzeit von ter Vorbereitungszeit in Abzug zu bringen. Das Haus stimmt zu. Der Antrag Hattemer u. Gen., die Besoldung ter Referendare tetr., wird durch die Regierungsantwort für er- ledig t erklärt. Rach Artikel 32 ter Geschäftsordnung wird ehre Reihe von dem Finanzausschuh einstimmig angenommener Regierungsvorlagen zur Kenntnis des Landtags gebracht, darunter die Bewilligung von 35 Millionen staatlichen Zuschusses zu der Rothilfe Hessen. — Abg. Ebner (Komm.) protestiert gegen die Anwen- buna teS Art. 32. — Präsident Adelung axift OarauT ytn, Vay es sich nur um drrngende, unaufschiebbare Vorlagen handelt. Die Regierungsvorlage, Umbau der Konzert- hausbühne in Bad-Rauheim betreffend, empfiehlt der Ausschuß mit sechs gegen vier «Stimmen zu genehmigen. Der Kostenaufwand ist auf 30 bis 40 Millionen veranschlagt. Abg. Ebner (Kom.) wendet sich gegen die Vorlage, auch Aba. Widmann (Soz.) hlät diese nicht für unbedingt notwendige Ausgabe angesichts der finanziellen Lage des Staates für nicht gerechtfertigt. Wenn der Abg. Ebner meine, in Vad-Rauheim vermehrten nur Wucherer und Schieber, so mache er ihn darauf aufmerksam, daß dort auch russische Voltsbeauftragte verkehrten. Abg. Ebner bestreitet das. Finanzminister Henrich weist darauf hin, daß die Ausgabe den Etat nicht belaste, sondern sich gut verzinse. Die Gefahr der Konkurrenz anderer Bäder foime im Falle der Richtausführung des Projektes für Rauheim verhängnisvoll werden. Der bisher benützte Raum sei für Vorstellungen baupolizeilich geschlossen wvr- oen. — Abg. Kindt (Dtn.): Man könne nicht warten, bis ein Schaden für Rauheim entstehe. Denn dann sei es zu spät. Die Ausgabe sei eine rentiecliche, wie der Finanzminister erklärt habe. Vor allem aber werde auch das Gießener TheaterinseinerExistenzgefahrdet, wenn man ihm die Gelegenheit nehme, in Rauheim zu spielen. — Dbg. Scholz (D. Vv.) schließt sich dem an. Man müsse sparen, aber nicht an derart werbenden Ausgaben. — Abg. Werner (Dtn.) fordert entsprechende Eintrittspreise und Hebung des künstlerischen R i v e a u s. Die Geschichte mit den Russen, die nicht immer Russen seien, sondern nur mit „polnischem" Akzent sprachen, fei für die Kommunisten peinlich. — Der Antrag des Ausschusses wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Genehmigung zu einem vorbereitenden Verfahren gegen den Wg. Sturmfels wird versagt: ein Antrag, bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, daß die Landbriefträger entsprechend der Geldentwertung höhere Geldbeträge bisher bis 3000 ML) anzunehmen und mitzuführen ermächtigt werden, wird genehmigt. Die «Sitzung wird abgebrochen. Abg. Reiber (Dem.) erklärt, daß er nur versehentlich gegen die Regierungsvorlage Dad- Rauheim bett. gestimmt habe. Schluß der Sitzung LIO Uhr. Deutscher Reichstag. Berlin. 14. Dez. Zu Beginn der Sitzunn ttfcrb der Gesetzent- tourf Mr Reuregelung gewisser im Handelsgesetzbuch und in der Gewerbeordnung vor- gesehrre>: Gebaltsgrenzen (Kündinungs- besch änkuna, Konkurrenzktausel) in dritter Lesung einem sczralöemok otischen 'Antrag entsprechend umgestaltet. Darauf folgt die zweite Lefong der Novelle z»m Emkommensteuergrsetz. Ten Ausschaßbericht erstattete Abg. Dr. Hertz lSoz.). Abg. Dr. Helfferich (Dtn.): 3m Gegensatz zu den Behauptungen der Dvzialdemotratie gehe der Prozeß der Kapitalzertrümmerung und der Vernichtung der selbständigen Existenzen mit Riesenschritten weiter. Bei der Anrechnung der Körperschaftssteuer aus die @i7rftmtmteftgen Kottferttons- geschästeS eingetoorlen und Kleidungsstücke ent- wendet hatte. Die Kleidungsstticke hatte er bereits Derflouft Ebenso konnte der Dieb dingfest gemacht werden, der vor drei Wochen den beiden Schul- jungen den Koffer mit Tänzerkostümen in der Dleichstrahe vom Wagen entwende: hatte. Ein Teil der Kostüme konnte wieder zur Stelle gebracht werden. ** R vhei tSalte sind tn den letzten Räch- ten wiederholt an der Kreisstraße Gießen Rod- Heim verübt worden Dort wurden neugepflanzte Obstbäumchen beschädigt, drei Däumchen wurden die Kronen abgebrochen. Der Kreisausschutz des Kreises Dietzen gewährt demjenigen, der zweckdienliche Mitteilungen zur Ermittlung des Roch» lmgs machen kann, bis zu 5000 Mk. Delobnung. •• Eine etnfle Wa rnung des Po 1 i - zelamteS vor dem Beschmieren von Gebäuden usw. wird im Arntsverkündigungs- blatt zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Es heißt da: Die hauptsäch'.ich unter der Schuljugend verbreitete, nicht scharf genug zu verurteilend^ Un- sitte, Gebäude. SinfrieMgungen usw. durch Beschmieren mit Kreide, Schmuy usw. zu txrunrei- ntgen, hat tn letzter Zeit wieder überhand genommen. Wir sehen uns daher veranlaftt, vor solchen Ausschreitungen erneut eindringlichst zu warnen, sowie an Lehrer, Eltern. Vormünder usw. das dringende Ersuchen zu rich'en. die ihrer Obhut unterstellten Kinder mit allen U>ncn zu Gebote stehenden Mitteln von der Verübung derartigen Unfugs abzuhalten Die Polizerbeamten sind angewiesen, die Schuldigen im Detretungs- . falle unnachfichtlich zur Anzeige zu bringen, im < Falle der StrafunmündtgkeU der betreff ent^n Kinder aber die Beslrafung ihrer Eltern, Bormünder j usw. nach Artikel 44 des Polizcistrafgesetzes her- I beizuführen. ** D ie Ausstellung von Wander- igewerbescheinen Das Polizeiamt fordert !alle hier wohnhaften Personen, die den Gewerbe- 1 betrieb im Umherziehen im Hahre 1923 fortsetzen oder beginnen wollen, auf, ihre Anträge auf Erteilung eines Wandergewerbescheines für 1923 alsbald bei den für ihre Wohnungen zuständigen Polizeirevieren zu stellen. ** Kein neues Kleingeld mehr. Die Ausprägung der kleinen Münzen bis zu 53Pfennig soll, wie amtlich mitgetcilt. wird, voraussichtlich allmählich eingestellt werden, da ihre Herstellung bedeutend teurer als ihr nomineller Wert ist. Für die kleine Münze besteht zur Zeit nur noch wenig Nachfrage, da das Ausrunbungssystern immer mehr Eingang findet. Auch die neuen Münzen zu 3 und 5 Mark werden kaum weiter ausgeprägt werden, da hier ebenfalls der Metallwert gröher ist als der Kurswert. **ErhebungderBahnsteiggebühr. Versäumt ein Reismdrr den Zug und gibt er die Reise auf, so wird die Fahrkarte au er Abzug des Preises einer Bahnsteigkarte am Schalter zurückgenommen Diese Maßnahme verhütet daß eine Fahrkarte lediglich zum Betreten des Bahnsteiges gelöst und nach angeblicher Zugversäumnis Rückerstattung des dafür gezahlten Betrages verlangt wird. Benützt der Reisende dagegen die — vom Aufsichtsbeomten mit einem Vermerk über Zugversäumnis versehene — Karte innerhalb ihrer viertägigen ©ültigtett zu einem anderen Zug. dann wird die Bahnsteiggebühr nicht erhoben, selbst wenn die gelöste Fahrkarte gegen eine andere umgetauscht wird. •* Gießener Hochschulgesell- schäft. Am Samstag sprach vor einer zahlreichen Hörerschaft Professor A. Messer über d'e philosophischen Grundanschauun- gen Oswald Spenglers. Er erörterte zunächst die Gründe des gewaltigen Erfolges von crv..aiciö -lverk „Der Untergang des Abendlands", und legte die philosophischen Leitgedanken dar. Gr kritisierte sodann eingehend Spengler als Metaphysiker. Erkenntnistheoretiker und Ethiker. Dabei wurde der tiefe Gegensatz herausgearbeitet, der zwischen dem Naturalismus^ Spenglers und dem Idealismus eines Kant, Fichte, Encken besteht. Dort der lähmende Unglaube an alle überzeitlichen Werte und die pessimistische Prophezeiung des Untergangs, hier das zuversichtliche Dertrauen auf die Fähigkeit des Menschen im Zeitlichen, sich zum Ewigen zu erheben und die Hoffnung auf göttliche Hilfe. △ „Hassia"-DezirkStag. Im „Post- keller" fand am Sonntag der Bezirkstag der Kriegervereine von (Sieben und Umgegend statt. Der Vorsitzende berichtete über den Hassiatag in Darmstadt. Mehrere Vereine lieferten Sammel- gegenstände und Geldbeträge zum Besten der Bezirkskasse bzw. des Unlerstützungswesens ab. Den ersten Bezirkstag 1923 erhielt Klein-Linden, für 1924 meldete sich Watzenborn, der Verein will damit fein Jubiläum verbinden. Ueber die finanzielle Notlage der „Hassia" und des Unterflüt- zungSwesenS berichtete der Dorsitzende. Alle Kameraden stimmten zu. daß eine Erhöhung der Milgliederbeiträge notwendig sei: alsdann tonne die „Hassia" auch höhere Unterstützungen an bedürftige Kameraden zahlen. Die Gewinnlose der »Hassia"-Lotteri« will der Vorsitzende sammeln und daS Geld gemeinsam senden lassen. Landkreis Gießen. gL Grohen-Buseck, 13. Dez. Einen gräßlichen Fund machte am hiesigen Bahnhof ein Dahnbeamter, nachdem der um 8 Uhr von Fulda kommende Abendzug abgefahren war. Eine gänzlich verstumme l t e L e i ch e lag auf dem Bahnkörper. Nur durch eine Vorgefundene Postkarte war es möglich, Schlüsse auf die Persönlichkeit des Ueoerfahrenen zu ziehen. Es ist ein in Gießen als Laglöhner beschäftigter hiesiger Bursche. Da das Gericht den Tatbestand noch nicht festgestellt hat. ist es nicht erwiesen, ob die Vermutung richtig ist, daß der Unglückliche infolge eines der sich öfter bei ihm einstellenden epileptischen Anfälle den Tod gefunden hat. Kreis Friedberg. * Bad-Nauheim. 14. Dez. Bis heute betrug der Gesamtbrsuch 40 537 Personen. Kreis Wetzlar. ra. Kinzenbach, 13. Dez. Gemeindevorsteher Hch. Schäfer will mit IahreS- schluh sein Amt nach lOjähriger Tätigkeit niederlegen. Als sein Nachfolger wurde OrtS- gerichtsvorsteher Karl B e p l e r gewählt. — Für die deutsche Kriegergräberfür- sorge sind Hierselbst 6513 Mk. eingegangen und an den Volksbund abgeschickt worden. — Die von der Liga zum Schutze der deutschen Kultur veranstalteten beiden Filmabende erfreuten sich eines regen Besuches. Hefieir-Nafiau. fpd. Frankfurt a. M., 14. Dez. Der Löffelschlucker Heinrich Göckel aus Kelsterbach hat sich heute früh dem Polizei- gefängntS wieder zur Verfügung gestellt. fpd. Wiesbaden, 14. Dez. In der Nacht zum Mittwoch wurden aus einem hiesigen Pelzgeschäft durch Einbrecher für 20 Millionen Mark Pelze gestohlen. Gießener Stadttheater. Heitere- und Heiterstes. Vortragsabend von Kammersänger Hans Rüdiger. Gießen, 15. Dez. 1922. Trotz peinlichster Leere im Zuschauerraum wollte sich Hans Rüdiger, wie er bei der Begrüßung sagte, die gute Laune nicht verderben lassen und dieses Versprechen hielt er auch während des ganzen Abends in vollem Umfange Nicht in spontan ausbrechenden. ungezügelten Heiterkeitsstürmen äußert sich die Wirkung seiner Vor- tvagskunst. Sie arbeitet nicht mit den dazu erforderlichen grobkalibrigen Mitteln Aber ihr Einfluß ist dadurch auch nicht von rasch verrauschender Art, sondern von nachhaltiger Dauer. Der große Erfolg des Künstlers gründet sich auf das glückliche Zusammenwirken mehrerer gewichtiger 5altoren. HanS Rüdiger verfügt über eine un- gemein wohllautende, einschmeichelnde Stimme, die aber auch vorn zartesten Pianissimo äu größerer Tonstärke anzuschwellen vermag Daß Pfeifen eine Kunst sein kann, bewies der Künstler verschiedentlich. Ferner eignet ihm eine glücklich? Art des Auftretens, die im Flug di? Sympat'^.ea des Publikums erobert Sein neckisches und schelmisches Mienenspiel, feine humorvollen Randbemerkungen und eine gewisse Grazie bet Bewegungen. die ihn auch bei derberen Stoffen nicht verläßt, üben eine starke Anziehungskraft aus. Seine Mimik ist die treffenbfte Illustration seiner Lieder, deren Auswahl wiederum Geschmack und Kunstsinn verrät. Melodien von Deetho.-en, C. M. v. Weber. CHr. Fr. Schubert, Mozart u rdHammer- schmidt erklangen. Besonders erwähnt seien auch Gedichte von Hermann Löns in der Vertonung von Georg Köhler. Der scherzhafte (Starafter des Programms erfuhr seine höchste Steigerung in Volksliedern und alten Liedern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Besonders gefiel daS altfranzösische Volkslied „Ser gute Esel Theophil" und ein Vollslied in schlesischer Mundart „Di? Astronomen". — Der rein musikalische Genuß wurde durch die Klavierbegleitung von Kapellmeister Karl Knübel, der sich dem Vortrag mit feinem Verständnis anpaßte, noch bedeutend erhöht. GS gab im Publikum wohl nur eine Stimme deS Lobes und — des Bedauerns, als der Abend schließlich unwiderruflich zu Ende war. tr. Vermischtes. 6 bi fingierter Raub überfall. Berlin, 14. Dez. Dor einigen Tagen soll auf eine Frau Ewert in der Bregenzer Straße in Berlin von drei Männern, die angeblich die Jalousien in Ordnung bringen wollten, ein Raubüberfall verübt worden sein. Wie die Kriminalpo.izei jetzt festst-lllt, ist der Ueberfall von Frau Ewert erdichtet worden. 3n Sesseln und Betten eingenäht und an anderen Stellen der Wohnung wurden die angeblich einem Untermieter der Ewert gestohlenen Sachen gefunden. Frau Ewert legte ein Geständnis ab, daß sie den Raubüberfall fingierte, um sich in den Besitz der Sachen zu setzen. Umfangreiche Diebstahle. Berlin, 14. Dez. Nach einer Meldung deö ,.B.T." sind in der Jenaer Eisenbahnhauptwerk st ätte durch die Kriminalpolizei von Naumburg, Gera und Jena umfangreiche D i e b st L h l e von Roh- und Eisen- material aufgedeckt worden. Bier Hinrichtungen. Breslau, 14. Dez. (WTB.) 3n dem Oppelner GerichtSgefängniS wurden am Mittwoch früh drei zum Lode verurteilte Verbrecher. die Arbeiter Iemelka und Kost Y r a und der Kranführer K a 1 i s ch, hinge r i ch t e t. Sie hatten am 21. November 1919 den Schützenhausbesitzer Kostoczka in Ujeft ermordet und beraubt und noch viele andere Räubereien verübt. Tags vorher wurde im Gleiwitzer Gerichtsgefängnis der Arbeiter Wilk aus Bärenhof hingerichtet, der im Mai 1920 den Schuhmacher Koziollek in Althammer ermordet und beraubt hatte. Schweres Eisenbahnunglück, 15 Tote. H o u st o n (Texas), 14. Dez. (WTB.) Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Personenzug und einer Lokomotive, 15 Meilen westlich von Houston, wurden 1 5 Personen getötet und 40 verwundet. SanbeL Frankfurt a. M., 14. Dez Bö rfen- stimmungsbild. Sowohl am Devisen- wie auch am Effektenmarkt herrschte beute Zurückhaltung. Der Dollar schwankte zwischen 7800 und 7750; an der Börse wurde er 7760 genannt. Ausländische Zahlungsmittel neigten mäßig nach unten. Der @f eftcme -fc'br von Bureau zu Bureau war recht ruhig. Dalutapapiere entsprachen der Preisbewegung der Devisen. Montanpapiere hielten ungefähr das gestrige Kursniveau. Bevorzugt lagen einige chemische Aktien. Kassa-3ndu- striepapiere waren vorwiegend fest. Märkte. Frankfurter Schweine- und Klemviehmartt. Frankfurt a. M., 14. Dez (Amtlich.) Marktverlauf: Kleinviehmarkt bet lebhaftem Handel ausvertaust; Schweine hinterlassen bei ruhigem Geschäft Ueberstaad. 3m einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 521 Kälber, 619 Schafe und 229 Schweine. An Preisen wurden angelegt pro Zentner Lebendgewicht: Kälber, beste Qualitäten 42 000—45 000 Mk., mittlere 38 000 bis 42 000 Mk., geringe 34 000—38 000 Mk., Schafe 24 000—35 000 M . Schreine unter 8) Kilo Lebendgewicht 40 0C0—53 000 Mk., 8>-100 Kilo 50 000 bis 58 003 Mk, 100—120 Kilo 58 C03—63 003 Mk., 120—150 Kilo 58 000 -63 000 Mk., Fettschwei«'.e über 150 Kilo 58 000—60 0)0 Mk. Auß.rkkm ’our- den 13 Rinder ohne amtliche Preisnotierung ge- handelt. Die Preise liegen um soviel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Handlergewinn in sich schließen. Bütberttsch. — Fr. Zündel: „Jesus". Verlag von Chr. Kaiser, München. — Wer sich je mit der Frage beschäftigt hat „Wer war Hefus?", findet hier reichen Stoff xu tieferem Nachdenken. Das Geheimnis der Person Zesu wird hier au3 seinen Taten und Worten zwar nicht ganz enthüllt, aber doch nach der menschlichen Seite und dem pshchv- logischen Entwicklungsgang unserem Verständnis näher gebracht. Das Buch ist erbaulich und wifsen- schaftlich zugleich, indem es überall auf die Ur- kunden der Bibel zurückgeht und auch die damaligen Zeitverhältnisse in dem israelitischen und auherisraelitischen Geistes« und Volksleben zur Erläuterung heranzieht. — Rudolf HanS Bartsch: Frohe Botschaftdes Weltkindes, älnion, Deutsche DerlagSgefellschaft, Stuttgart. — Der Auto? sucht tn diesen selbstbiograpbischen Anleitungen zu zeigen, wie man trotz äußerer Not und De> schweide glücklich und zufrieden fein Leben bin» bi tagen kann Gr nennt daher das Buch mV Recht eine Gtückfeligkeitslehre. — DaS Pfarrhaus von Skalunga. Rrman vcm Runa (Elisabeth DeSkow.) Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg. — 3n die nordische Gebirgswell mit fb.cn eigenen Reizen führt uns die Verfasserin und zeichnet einen evangelischen Geistlichen, dessen Persönlichkeit auf seine Umgebung einen starken Einfluß ausübt ES entsteht zwischen ihm und einem ebenfalls hoch, finnigen Mädchen eine herzliche Zuneigung, die nach schweren äußeren Widerständen schließlich zu versöhnendem Abschluß kommt. 'Die zarten Empfindungen und Kämpf« tief angelegter Seelen sind meistephaft geschildert. — Sif DentickS Prüfung. Roman von Runa. Agmtur des Rauhen Hauses, Hamburg. — DaS Buch ist die Fortsetzung der Erzählung „Die Nachbarn von Westenfors" und schildert den Ent- wicklungSganq eines jungen Mädchens, das wegen seiner Schmetterlingsart durch tic'c Prü ungen und Läuterungen hindurch muh. bis es sich seine- eigentlichen Innenlebens und feiner wahren Gefühle bewußt wird. Seine inneren Erlebnisse als Gattin schildert „Sif Benticks Ehe" Wir sehen hier eine junge Gattin, die das Gute will und auch ihre Anziehungskraft auf die Männerwelt zu deren Deiserunq anzucvmdcn sucht. Sie muh aber ihre Schwachheit, Dämonen zu über« winden, einsehen. Ztt dieser Erkenntnis gelangt sie an der Hand ihres trefflichen Gatten, der al- ein durch tiefe Kämpfe geläuterter und gefestigte, Charakter ihr den wahren Weg der Seelenrettung zeigt. — FrauVilfonundihreFreundin. Roman von Helene v. Mühlau. (Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart.) — Die Beziehungen von Frau zur Frau werden tn diesem Roman behandelt, der vier Hauptgestalten in den Vordergrund stellt: zwei Frauen und ihre männlichen Gegenspieler. Stoff und Motiv des Buches, sind nicht immer erquicklich, aber die psychologische Durchdringung hebt es über den Durchschnitt — Verjünge Tod, Roman von Fritz D e m u t h. (Verlag der 3 G. Cottafchen Buchhandlung. Stuttgart und Berlin.) — Die feinsinnige Darstellung einer interessant und packend vetlaufenden Entwicklung des Verhältnisses zwischen Vater und Tochter bedeutet eine Bereicherung unserer Unterhaltungsliteratur — Die Dauern von Siedel, von Gustav Schröer (Verlag von Quelle und Meyer. Leipzig). Dis r/.elumftrittene Stellung des Bauern in unserem heutigen Volkstum wird in diesem Roman in ihrer Entwicklung durch die letzten Hcchie hindurch fesselnd und gerecht beleuchtet. — Willy Harms, Die starken Goden ra t h s, Verlag von Grethlein & Cie. Leipzig. — Willy Harms ist der Dichter nordischer Naturen. Er erfaßt sie, wo sie sich am lauterstelh geben — auf dem Lande. Knorrige, harte, verknotete Charaktere sind es, die alles in ftch hineinquälen die groß sind im Schweigen und doch so reich in ihrem Gefühlsleben. — Am Wegsaum Ein Jahrbuch für daS deutsche HauS von P. D1 a u. Agentur des Rauhen Hauses. Hamburg. — Wer es liebt, sich einmal in echt deutsche gemütvolle Zustände und Begebenheiten zu versenken, der greife zu diesem Buche. ES bietet In kurzen und längeren Erzählungen, Gedichten und Betrachtungen mancherlei Herz und Gemüt Erfrischendes. — Das ParadieS der Tiere. Alte und neue Tiergeschichten, Tiermärchen unb Fabeln. Von Carl W. Neumann. Mit Bildern von Willi Planck. (Verlag von Quelle und Meyer, Leipzig.) — ES sind Beiträge aus allen Zeiten und von allen Völkern in dieser Sammlung vertreten. die durch ihre auserlesenen Mitarbeiter, mit ihrer Erweckung von Natur- und Heimatliebe ein wirkliches Volksbuch genannt tocrb?n darf. — „Erhaltung, Fang und Nuhbar- machung afrikanischen Wildes", von Fritz Drvnsart v. S ch e 11 e n d o r f f, mit 52 Abbildungen auf Kunstdruckbeilagen, als Band VT des Werkes „Afrikanische Tierwelt". (Verlag vo« E. Haberlanb, Leipzig.) — Dom Manchester Guardian: Der Wiederaufbau in Europa, herausge- geben von Hohn Mahnard KeyneS, ist soeben die 10. 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