Mittwoch, 15. November 1922 172. Jahrgang Erstes Blatt w i Rücktritt des Kabinetts Wirth Die deutsche Note an den Neparationsausschutz >2: der Reparationsfrage beitrage. I ) nicht ähren, in Ge« rhält- lierbei : 1919 I austeilt mit eine er in iniste- ig und 12377 i. Zie ührung rhand- es für W v geb. er. 1922 !l0Ns° ; Alls- pruchte $ Feld- zsumme -s > ms & >n bei Die englisch-französischen Auseinandersetzungen. Paris, 14. Rov. (WTB.) Havas offiziös mit, Lord Curzon habe gestern dem französischen Botschafter in London Ein seltsames Dementi. Berlin, 14. Rov. (Wolffs Die von einer Telegraphen-Ägentur aus Moskau vom 9. Ro- vember verbreiteten und von uns übernommenen intniä g und in der .uf der liegen, die zu on auf ttags -räumt. «lagen, ilichem Meile ;n die ( Ter- Die Debatte über die Regierungserklärung im bayerischen Landtag. München. 13. Rov. (WTD.) 3m Landtag begann heute vormittag die Aussprache über die Erklärung des neuen Ministerpräsidenten. Als erster Redner erklärte namens der Bayerischen Dolkspartei Abg. Dr. Wohlmuth, seine Partei unterschreibe die Ausführungen Knillings über das Verhältnis Bayerns zum Reich vollständig. Sie wünsche, day die bayerische Regierung aktiven Anteil an der Reichspolitik nehme, dafi sie mitarbeite und rettend und korrigierend eingreife. 3n weitesten Teilen Deutschlands bestehe der Wunsch, daß die deutsche Auslandspolitik einen Weg einschlage, der, wenn auch in ferner Zeit, Deutschland zum Heile führe und nicht den deutschen Ramen dem Unter* Berlin,14. Dov. (WTD.) Nachdem THe sozialdemokratische Fraktion heute abend mitgeteilt hatte, daß sie in eine Koalition mit der Deutschen Dolkspartei nicht eintreten könne, hat das Reichskabinett beschlossen, durch den Reichskanzler dem Reichspräsidenten seine Demission zu überreichen. Der Reichskanzler hat in den spaten Abendstunden dem Reichspräsidenten die Demission des Kabinetts mitgeteilt. Der Reichspräsidenthat die Demission angenommen. Ein entscheidender Beschluß der fozial- »emokratischcn Reichstagsfraktion. Berlin, 14. Rov. (WTD.) Die Beratungen der sozialdemokratischen Fraktion haben nach 9 Ahr abends mit folgendem, mit einer großen Mehrheit gefaßten Beschluß geendet: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion lehnt die Erweiterung der Regierung durch Einbeziehung der Deutschen Dolkspartei ab. Berlin, 15. Rov. Der „Doss. 3tg.u zufolge erklärte in der gestrigen Rachmittagszusammenkunft der in der Arbeitsgemeinschaft vertretenen Parteien mit den Sozialdemokraten der Reichskanzler noch einmal, daß die zur Arbeitsgemeinschaft gehörenden Parteien der Regierungskoalition, das Zentrum und die Demokraten, sich einmütig für die Einbeziehung der Deutschen Volks- partei ausgesprochen hätten, daß er selbst sich dieser Forderung anschliehe und daß die gegenwärtige Regierung die Reichspolitik nicht weiterführen könne, wenn die Sozialdemokra- tie auf ihrer Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der Deutschen Volkspartei beharre. 3n diesem Falle würde in 24 Stunden eine Regierung aus den Parteien der Arbeitsgemeinschaft gebildet werden müssen. Der Reichskanzler ersuchte schließlich die Sozialdemokraten, m i t j a oder nein auf d i e Fragezu antworten, ob sie der Erweiterung der Regierungskoalition durch die Deutsche Dolkspartei zustimmen oder nicht. Die Antwort war der Beschluß der sozialdemokratischen Fraktion, der, wie die „Voss. Ztg." hört, m i t 1 5 0 g e =» gen 20 Stimmen gefaßt worden ist. 3n der darauf folgenden Kabinettssitzung wurde dann der R ü ck t r i t t der Regierung beschlossen. 3n einer Erklärung, die der Reichskanzler abends 10 Uhr im Vorraume des Reichstags Journalisten gegenüber abgab, sagte er über die Vorgeschichte der Demission, die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft habe ihn darauf hingewiesen, daß besonders die letzte Rote eine Stützung durch eine breite Basis der Regierung erfordere. Die Deutsche Volkspartei habe die nach Paris abge- gangene Rote ausdrücklich gebilligt und die bürgerlichen Parteien hätten darin die Basis gesehen für das Zustandekommen der großen Koalition. Die Rote sei tatsächlich ein Ausdruck gewesen des politischen Willens der noch nicht vorhandenen großen Koalition. Besonders das Zentrum sei an ihn herangetreten mit der Forderung, dieses Zusammenarbeiten in eine wirkliche politische Gemeinschaft umzuwandeln. Dieser Lage habe er entsprochen und habe das Verlangen nach der großen Koalition geteilt. ober, n cht all. 5 Die Unruhen in Köln. Köln a. Rh, 14. Rov. (Wolff.) Arber die gestrigen Anruhen wird noch mitgeteilt: Auf der Hohen Straße rotteten sich gegen 7 Ahr abends Passanten zusammen, di evvn der Polizei vertrieben wurden. Die Geschäfte hatten schon vor 7 Ahr geschlossen. 3ln -südlichen Stadtteil wurden viele Läden geplündert. Starke Menschentrupps zertrümmerten mit Steinen, Eisen und Werkzeugen die Fensterscheiben und raubten hie Geschäfte vollständig aus. Völlig geplündert wurden insbesondere die Auslagen von Schuhgeschäften, ferner ein Kravattenhaus, ein Schiimgeschäft, ein Zigarrengcschäst und Lebensmittelgeschäfte. Das Eingreifen der Polizei war durch den dichten Rebel sehr erschwert. Die Menge zerstreute sich erst gegen 10 Ahr. Der Schaden beträgt viele Millionen. Verschiedene Verhaftungen wurden vorgenommen. Köln, 14. Rov. (Wolff.) Bei den gestrigen Unruhen wurden im ganzen etwa 40 Personen, zum Teil wegen Plünderns, zum Teil wegen tätlichen Angriffs und Widerstands f e st g e n o m m e n. Gegen 10 Ahr abends war es in der Innenstadt wieder ruhig. In Ehren- f e l d, wo die Polizei von der Hieb- und Schußwaffe Gebrauch machen mußte, wurden mehrere Zivilpersonen durch Säbelhiebe und zwei durch Arm- und Beinschüsse verletzt. Die Zahl der durch Steinwürfe verletzten Polizei beamten ist erheblich. zuags- e Cnl- Sep- i in ihrens ipöing mittes Grab- gebnis der englischen Wahlen feststehe. Die allgemeinen Ansichten der augenblicklichen britischen Regierung in der Reparationsfrage seien jedoch in der letzten-Rede des Premierministers und Lord Curzons dargelegt. Es bestehe keinerlei Grund zu der Annahme, daß die Regierung von diesen Ansichten abgehe. Rach britischer Auffassung sei die in der letzten Zeit in der britischen öffentlichen. Meinung ausgedrückte Versteifung in der Reparationsfrage gegenüber Deutschland auf den auch durch den Bericht der neutralen Sachverständigen in Berlin verstärkten Eindruck zurückzuführen, daß Deutschland seinerseits nicht genügend zur Lösung e rum -sfingen ershei? tim in vertrieb K d d & Ach-n Die Beratungen des Reparattonsausschusies. Paris, 14. Rov. (WTB.) Die Kriegslastenkommission hat heute nachmittag die bereits in Deutschland veröffentlichte Rote der deutschen Reoicrung der Reparationskommission übermittelt. Rach dem „Temps" wird morgen vormittag eine offizielle Sitzung der Kommission stattfinden, um über die Kohlen- und Holzlieferungen für die nächsten Monate Beschluß zu fassen. Am Mittwoch nachmittag wird wiederum eine offiziöse Sitzung stattfinden, in der man sich mit den deutschen Vorschlägen beschäf- tigen wird. Die Haltung Englands in der Reparationsfrage. London, 14. Rod. (WTB.) Der Londoner Serichterstatter des Wolffbureaus erfährt von maßgebender britischer Seite zu den Meldungen über einen angeblichen Handel zwischen der britischen und der französischen Regierung betreffend ^ranzöfifche Zugeständnisse im nahen Osten gegen eine britische Anterstühung der Politik der freien Hand Frankreichs gegenüber Deutschland, daß derartige Angaben jeglicher Grundlage entbehren. Die Frage des nahen Ostens stehe nach britischer Ansicht in keinerlei Zusammenhang mit der Reparationsfrage, da erstere eine sofortige Lösung erfordere, während die Ansicht der britischen Regierung über die Reparationsfrage erst dann endgültig festgestellt werden könnte, wenn das Er- GietzenerAiijeiger General-Anzeiger für Gberheffen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. angeblichen Aeußerungen des Botschafters Brockdorff-Ranhau stick), wie wir von zuständiger Stelle erfahren, unzutreffend. Das Interview hat nicht stattgefunden. m. 2b9 Erscheint täglich, außer Sonn« und feiertags, mit berSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatliche Veznarpreise: Mk. 185.- u.Ä 15.- Trägerlohn,durch dieDost MK.200.-.ouchbeiNicht« erscheinen einzelner Num« mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: für die Schrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. postschectkonto: Zranksurt a. M. 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit Preis für 1 mm höhe füi Anzeigeno 27 mm Breit« örtlich 8 Mk., auswärts 10 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 32 Mk. Bei Platz« Vorschrift 20°'o Ausschlag. Hauptschriftlelter: Aug. Goetz. Verantwortlich für ‘Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschem; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Wenige der äußeren Anleihen in voller Hohe zur Abdeckung von Dar- und Sachleistungen aus dem Vertrage von Versailles verwendet. Die andere Hälfte des Ertrages der inneren Anleihe dient dem Bedarf des eigenen Haushalts Deutschlands, insbesondere zur Rückzahlung des Stüyungskre- ditcs Durch die vorstehenden Maßnahmen wird Deutschland in die Lage verseht, das Gleichgewicht in seinem Haushalt herzustellen, das Anwachsen der schwebenden Schuld aufzuhalten und die Diskontierung der Schatzanweisungen bei der Reichsbank in absehbarer Zelt einzustellen. Sobald der Haushalt im Gleichgewicht ist, werden die Anleihen nur noch für werbende Zwecke begeben und schwebende Schulden nur als vorläufige Geldbeschaffung bis zur Auslegung der betreffenden Anleihe aufzunehmen sein. Die Ursachen der Inflation fallen damit fort. Durch innere Reformen wrrd Deutschland seine Ausgaben einschränken und seine Einnahmen erhöhen In dieser Richtung ist insbesondere ins Auge gefaßt worden: Aufhebung entbehrlich werdender Behörden, Verminderung der Zahl der Angestellten und Beamten, Vermeidung unproduktiver Ausgaben, Beschränkung der gesetzgeberischen Maßnahmen, die neue Ausgaben beru^ach n < u di dringlichsten Eft rdernisse, und produktive Gestaltung der Reichsbetriebe zur Erzielung ihrer Rentabilität. 10. Deutschland wird alle erforderlichen und geeigneten Maßnahmen ergreifen, um insbesondere durch eine Erhöhung des Wirkungsgrades der Arbeit zu einer Steigerung der Produktion und damit zu einem Ausgleich der Handelsbilanz zu gelangen. Zu diesem Zweck wird insbesondere die R e u r e g e I u n g des A. rbeits - zeitrechts unter Festhaltung des Acht-' stundentags als des Rvrmalarbeits- t a g s und unter Zulassung gesetzlich begrenzter Ausnahmen auf tariflichem oder behördlichem Wege zur Behebung der Rotlage der deutschen Wirtschaft in die Wege geleitet, alle Maßnahmen zur Heranbildung von Qualttätsarbeiiern gefordert, der 'Luxusverbrauch und Luxuseinfuhr ge hemmt und der Alkoholverbrauch beschrä nkt werden. Zwecks Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion wird die Zwangs de wirtschaft tung des Bro tgetrerdes abgebaut werden. Bei einer Besserung der Mark fallen die wesentlichen Gründe für die bisherige Getreidepolitik fort. 11. Bei Festigung des Markkurses werden andererseits die ausländischen Staaten diejenigen Beschränkungen der Einfuhr deutscher Waren aufheben müssen, die durch den Riedergang der deutschen Währung veranlaßt wurden. Auch im übrigen wird Deutsch lcurd Glei ch- berechtigung in allen Beziehungen eingeräumt mck) die Tlnabhängigkeit Der deutschen Wirt schuf tsverwaltu.ig im besetzten 'S c» biet wieder hergestellt werden müssen, um einen Ausgleich der deutschen Handels- und Z.n lungd- bilanz zu ermöglichen. Ilm den vorstehe.rd nietergelegten Plwi ausführen zu können, unterbreitet die deutsche 'Regierung der Reparativnskommistton nachstehende Antrag^: a) Die endgültige Festsetzung bev Verpflichtungen Deutschlands sobald als möglich in solcher Hohe herbeizuführen, daß sie einschließlich les Dienstes bet auszunehmen )en Anleihen aus dem Tleberflufi des Haushalts bestritten werden können. b) Zunächst für die Dauer von 3 bis 4 Jahren Deutschland von allen Bar- und Sachleistungen aus dem Vertrage von Versailles unter dem in Ziffer 4a Absatz 2 gemachten Vorbehalt für den Wiederaufbau der zerstör! en Gebiete zu befreien. c) Unverzüglich eine Konferenz von internationalen Finanzleut en zum Zwecke der Beratung über dm Deutschland zu gewährenden Brntkredtt einZuberufen. Die deutsche Regierung ist auch ihrerseits bereit, die Einberufung einer solchen Konferenz zu übernehmen. ck) Die Anträge zu unterstützen, welche die deutsche Regierung bei den beteiligten Regierungen für die Verwirklichung der in Ziffer 11 bezeichneten Rotwendigkeiten stellen wird. gang preisgebe. Seine Partei wünsche die Mit- wii-tting der Einzelstaaten und den Ausbau des föderalistischen Reiches wenigstens in dem Maße, wie es vor dem Kriege bestanden. Der il n i > tarismus habe abgewirtschaftet, bet Föderalismus marschiere. Dieser Föderalismus sei soweitvoneinemSeparatismuZent- f e r n t, daß er ber beste Schrittmacher wäre für ein* einiges großes beutsches Vaterland. Der Ministerpräsident müsse sich für die Umgestaltung des Deutschen Reiches in föderalistischem Sinne einsehen. Zur Forderung nach einem Revolmions- feiertag sagte der Redner, Torheiten begehe man, aber man feiere sie nicht. 3m wetteren Verlauf seiner Ausführungen ging Abg. Wohlmuth auf einzelne Teile ber Regierungserklärung ein und betonte, bah die Regierung auf kein Machtmittel äut Wahrung ber Staatsautorität verzichten dürfe. An Putschgefahren glaube er nicht. Anschließend erklärte der Redner der vereinigten sozialistischen Parteien, Abg. Timm, seine Parte, werde v. Knilling unterstützen, wenn er die Interessen der Allgemeinheit vertrete, ihn aber entschieden bekämpfen, wenn er eine einseitige Partei» Unterrebung über die Vorbereitung der Lausanner Konferenz gehabt. Im Anschluß daran scheine jetzt folgendes Verfahren vorgesehen zu sein: Ss werde, wie es scheine, vvo der Unterredung zwischen Poincare und Lord Curzon zwischen den beiden Kanzleien verhandelt werden. Dadurch würde in großen Zügen die Haltung der beiden Regierungen bestimmt werden. Lord Curzon und Poincare hätten in ihrer Besprechung die auf diese Weise vorher zustande- gefemmenen Abmachungen nur noch vollends klar- zustellen. Zu diesem Zwecke werte die englische Regierung ein Memorandum überreichen, Angaben über die Hauptfragen enthaltend, in denen eine gemeinsame Haltung während der Friedensverhandlungen notwendig erscheine. Die französische Regierung werde diese Rote beantworten, und erst dann würden Zeit und Ort der Besprechchung zwischen Lord Curzon und Poincarö bestimmt werden. Rach Havas wird das angekündigte britische Memorandum morgen vormittag überreicht werden. Bemerkenswert ist, daß das „Journal des Debats" nicht von einer Zusammenkunft am Samstag, sondern von einer interalliierten Besprechung spricht, der die englische Regierung zustimmen werde, die anfangs der kommenden Woche entweder in Lausanne ober anderwärts stattfinden werde. Wie Havas übrigens berichtet, hat Poincare heute vvimittag eine Unterrebung mit dem englischen Botschafter, Lord H a r b i n g e, gehabt. Paris, 14. Rov. (WTB.) Das „Journal bes Debats" schreibt über ben Stand ber französisch-englischen Orientver hand- handlungen, heute vormittag sei1 versichert worden, daß eine sehr fühlbare Entspannung eingetreten fei, und daß die französisch- englische Krise endgültig beschworen zu sein scheine. Auch ein Artikel der „Time s" verzeichne diesen ausgezeichneten Eindruck. Wenn man aber auch ben Wunsch hege, daß diese Woche keine neuen Zwischenfälle einträten, so müsse man doch feststellen, bah bie Tatsachen einen derartigen Optimismus nicht gang rechtfertigten, denn das Londoner Kabinett werde sich, dessen könne man sicher sein, sich nicht mach Lausanne begeben, bevor es die gewünschte Besprechung durchgesetzt habe, und es werde sich nicht mit einer rein formalen Genugtuung zufrieden geben. Eine Reife Curzons nach Paris. London, 15. Rov. (WTD.) Reuter teilt mit: Falls bei den Besprechungen ber Alliierten für die Lausanner Konferenz befriedigende Fortschritte gemacht werben, wird Lord Curzon am Freitag zur Erörterung mit Poincare nach Paris ttbreisen. Es liegt aller ®runb zu ber Annahme vor, daß ein alliiertes Dovabkommen erreicht wird. Berlin, 14. Rov. (Wolfs.) Die Reichs- regierung richtete an bie Reparationskom- mission folgende Rote: Herr Präsident! Rachdem seit Tleberreichang des Schreibens der Reichsregierung vom 8. Rov. inzwischen auch das zweite Gutachten der von ber Reichsregierung berufenen internationalen Sachverständigen eingegangen ist, werden ber Reparationskommission die beiden Gutachten mit der Bitte um Kenntnisnahme übermittelt. Die deutsche Regierung macht sich den Inhalt dieser Gutachten in ihren Gi undzügen zu eigen und unterbreitet auf Grund der inzwischen mit der R e i ch s b a n k zum Abschluß gebrachten Verhandlungen in Ergänzung ihrer Vorschläge in den Schreiben vom 4. und 8. Rovember d. 3- folgenden zusammen- fassenden Plan für Hebung und Festigung des Markkurses: 1. Die endgültige Stabilisierung der Mark kann erst eintreten, wenn die Reparationsfrage entsprechend der Leistungsfähigkeit Deutschlands endgültig geregelt ist. Da aber angesichts der in letzter Zeit eingetretenen Zerrüttung der Mark auf eine solche Regelung nicht mehr gewartet werden kann, so ist sofort eine vorläufige Aktion zu ihrer Hebung und Stützung notwendig. 2. Eine solche vorläufige Aktion kann, wie bie bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, nicht allein mit den deutschen Kräften geschehen. -Um das verlvrengegangene Vertrauen zur Mark wieder- berzustellen, ist die Mitwirkung des Auslandes notwendig. 3. Die deutsche Reichsbank hat sich bereit erklärt, einen Betrag von 500 Millionen Goldmark in Gold ober Devisen für die Stützungsaktion zur Verfügung zu stellen. 4. Die Inangriffnahme der Stützungsaktion erfordert folgende Voraussetzungen: a) Deutschland wird für drei bis vier Jahre von allen Bar- und Sachleistungen aus dem Vertrage von Versailles befreit. Die Sachlieferungen für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete gehen weiter, soweit sie ohne Verwehrung ber schwebenden Schuld, d h. aus ben laufenden Einnahmen oder inneren Anleihen bestritten werben können. b) Deutschland erhält für die Stützungsaktion einen von ausländischen Banken gesicherten Kredit von mindestens 500 Millionen Goldmark, so bo.fi für die Stützungsaktion insgesamt ein Betrag von mindestens einer Milliarde Goldmark zur Verfügung steht. 5. Die porstehenden Voraussetzungen sind auch von der R e i ch s b a n k für die Bereitstellung von 500 Millionen Goldmark unter Inanspruchnahme ihres Goldbestandes auf- gestellt worden. Die Haftung ober Garantie für ben ausländischen Bankkredit vermag die Reichsbank daneben jedoch nicht zu übernehmen. Die für bie Kreditgeber erforderlichen Sicherheiten tr>erben unter Genehmigung ber Reparationskommission vom Reich zu stellen sein. 6. Die von ausländischen Banken und ber Reichs bank bereitgestellten Mittel werden unter Benutzung der Organisation ber Reichsbank von einer unabhängigen Stelle verwaltet, die aus Vertretern der auSlälidischen kreditgebenden Bankgruppen der Rcichsbant unb ber Reichsfinanzverwaltung gebildet wird. 7. Diese Stelle wird zu Gunsten des Kurses ber Reichsmark intervenieren. Sie wird in erster Linie das im Auslande (Rcuyork. London, Amsterdam. Zürich usw.l verfügbare Material an Reichsmark für Rechnung des Reiches aufzunehmen suchen, was gleichzeitig zu einem Rückgang des Devisenkurses führen wird. Im übrigen wird sie durch An- und Verkauf von Devisen im In- unb Ausland ben Kurs der Mark zu regulieren suchen. 8. Sobald durch die Stützungsaktion der Kurs der Mark soweit gebessert ist, daß das innere Vertrauen wieder hergestellt ist, wird die deutsche Regierung eine innere Goldanleihe unter entsprechenden Bedingungen auf legen. Die deutsch'. Regierung ist ferner bereit, auswärtige Anleihen aufzulegen, die zu angemessenen Bedingungen erhältlich sind- Schon während der Dauer der in Rr. 4a genannten Periode wird der Ertrag der inneren Anleihe zur Hälfte, ter- ... SK, püllttk verfvig«, gegen We Einheit deS Reiches handele oder sich auf reaktionären Wegen bewegen wolle. Der Redner verlangte Auskunft vom Ministerpräsidenten darüber, was er gegenüber den verhetzenden Dorgängen gegen die Sozialdemokratie au tun gedenke und gegenüber der offenen Aufforderung zur Gewalt, wie sie in einem Artikel im „Heimatland" zum Ausdruck gekommen sei. Die Kosten der Lebenshaltung in Oesterreich. Wien, 14. Nov. (WTB.) Die paritätische Lohnkommissivn äußerte sich dahin, daß vom 15. Oktober bis 14. November die Kosten der Lebenshaltung sich um sechs Prozent verringerten. Die Memoiren Lloyd Georges. Frankfurt a. M., 14 Rov. (WTB.) Die voraussichllich im Frühjahr erscheinenden Memoiren Lloyd Georges werden gleichzeitig in deutscher Sprache hevauSgegeben. Die Frankfurter Sozietäts-Druckerei hat soeben das Recht der Veröffentlichung in bnitscher Sprache für ben Dorabdruck in der »Frankfurter Bettung“1 wie für die Duchausgabe erworben. Ans Danzig. Danzig, 14. Rov. (WTB) 3m Laufe der auf Anregung des Oberiommissars des Dölker- bundes, General Hak in g, zwischen Dertretern Danzigs und Polens eingeleiteten Derhandlungen über die Frage der Ein- und Ausfuhrkontingente erklärte der Danziger Senator Iewelowski sich bereit, zur Dehebung der Streitfrage direkt mit dem Handelsministerium in Warschau zu verhandeln, und zu diesem Zwecke nach Warschau zu fahren. Dem von Danziger Seite geäußerten Wunsche, von alten Zwangsmaßnahmen hinsichtlich der von der Danziger Außenhandelsslelle ausgestellten Scheine n^ufe^en, erklärte der diplomatische Dertreter «ölens nicht entsprechen zu können, da das Warschauer Ministerium sich seine Entscheidung Vorbehalten habe. Er erklärte sich jedoch bereit, den Wunsch nach Warschau sofort weiter zu leiten. ihn schwere Schäden für das Danziger Wirtschaftsleben zu verhüten, hat nunmehr der Senat beim Oberkommissar des DölkerbundeS einen Antrag eingereicht, zu entscheiden, daß Polen nicht berechtigt sei, Zwangsmaßnahmen hinsichtlich der Ein- und Ausfuhr gegenüber Danzig anzuordnen. Erhöhung der Kohlenpreise. Berlin, 14. Rov. (WTB.) Die in den letzten Tagen bewilligten Lohnerhöhungen und die noch in weit stärkerem Maße gestiegenen Material- und Grubenholzpreise pabcn neue E r- Höhungen der Kohlenpreise veranlaßt. Diese steigern sich nach dem heutigen Beschluß der Organe der Kohlenwirtschaft wie folgt: Für das Ruhrrevier (Fettförderkohle) um 3971 Mark, Riederschlesien (durchschnittlich) um 4128 Mark, für Sachsen um 4841 Mark, für Aachen-Eschweiler um 4439 Mark, für Aachen- Rordsiern um 5265 Mark, für Nieder sachfen- 3bbenbüren um 4524 Mark, für Riedersachsen- Barsinghausen um 4914 Mark. Rheinische Braunkohle-Rohkohle um 669 Mark, Briketts um 2347 Mark. Für die mitteldeutschen Draunkvhlew- reviere konnte die Erhöhung ziffernmäßig noch nicht fest gestellt werden, da die Berechnung abhängig ist von dem Ergebnis des am Mittwoch zu fällenden Lohnschiedsspruch. Der Reichslohlen- verband wurde ermächtigt, auch für das mittel- . deutsche Regier eine den Lohn- und Material- iätzen entsprechmde Preiserhöhung vor^rnehmen. Die Beschlüsse erfolgten nach eingehender Aussprache einstimmig. Rur gegen das Ausmaß der Preiserhöhung im Ruhrrevier stimmten die Der- trcter d r Konsumgenos enscha,ten unter Hinweis auf die Materialzufchläge und die untragbar hohe stöhlen st euer. 2mch wurden in der Aussprache Ziffern darüber beigebracht, daß in den letzten Monaten die Materral- bzw. Großhandelspreise in erheblich stärkerem Maße gestiegen sind, als der Lebenshaltungsinder bzw. Löhne- und Kohlensteuer. Die Preiserhöhungen gelten ab 16. November und schli.ßen eine Derdoppelung der Beiträge für die Bergarbeiterheimstätten von 36 auf 72 Mark je Tonne abgesetzter Kohle ein.. Zu den obengenannten Sähen treten die üblichen Steuern iurd Abgaben hinzu. Aus Stabt und Land. Gießen, den 15. Rovember 1922. Eine Landesversorgnugsftellc für Zuckerverteilung, Milch- und Butter- bcwirtschaftnng ist auf Anordnung des Hessischen ArbeitS- und Wrrlfchaftsministeriums für den Dolksstaat Hessen mit dem Sitz in Darmstadt errichtet worden. Diese Dersorgungsstelle hat nach den Anweisungen der Ministerialabteilung für Ernährung und Landwirtschaft die dem Lande nach Maßgabe der Reichsverordnung über den Dertehr mit Zucker im Betriebsjahre 1922 23 überwiesenen Zuckermengen zur Verteil ung zu bringen. Auch werden dieser Stelle die der Landes-Milch- und Fettstelle zustehenden Rechte und Befugnisse übertragen, und es können ihr auch noch wettere Tätigkeitsgebiete überwiesen werden. Der Vorsitzende wird durch die Ministerialabteilung für Ernährung und Landwirtschaft ermannt. Der Vorsitzende,bzw. der ernannte Stellvertreter, sind die gesetzlichen Vertreter der Landesversorgungsstelle. Für die Zuckerbewirtschaftung wird em Beirat ernannt, der aus je einem Vertreter des Zucker- großhandels, des Kleinhandels, der Verbraucherschaft und der Landwirtschaft besteht. Diese Beiratsmitglieder werden mit je einem Stellvertreter nach Anhörung der Interessenvertretungen durch die Ministerialobtei- lung für Ernährung und Landwirtschaft ernannt. Zu den Sitzungen des Beirats Edith en auch Sachverständige zugezogen werden. Bei den Beratungen aus anderen Gebieten können auch hierzu s a ch- ver ständige Verbraucher, Landwirte usw. zugezogen werden. Frankreichs Ziele im Rheinland. 3m großen Hörsaal der ilniversität eröffnete gestern abend der Verein für das Deutschtum im Au s la n d e die Veranstaltungen des Winters mit einem sehr gut besuchten Vortrag über Frankreichs Ziele im Rheinland. Als Redner war Dr. Pehold au3 Köln gewonnen, der sich auch hier als trefflicher Kenner der politischen Lage Im besetzten Gebiet erwies. Rach einleitenden, herzlichen Begrüßungs- Worten des Vorsitzenden Prof. Dr. Z y ch a wies Dr. Petzold fein daraus hin, daß der 11. Rovember heute und künftig als der schwarze Tag des deutschen Schicksals gelten mü.fe. Ai diesem Tage' begann vor 4 Jahren die Auslösung des Deutschen Reiches, indem Frankreichs Truppen Elsaß-Lothringen zu Erb und Eigen, das übrige Land am linken Rheinufer zu scheinbar vorübergehender Besetzung erhielten. Vor 4 Tagen schmetterten die gallischsn Hörner den Deutschen dort drüben die traurige Wahrheit wieder ins Ohr, daß dieser 11. November der „Siegestag" sei, an dem Frankreichs Vorherrschaft auf dem ganzen Kontinent begründet wurde. Zum Beweis führte der Vortragende in übersichtlicher Gruppierung an, unter westh furchtbarer, schwerer wirtschaftlicher, kultureller und rechtlicher ihiterbrüching unsere Volksgenossen in Rheinhessen, Pfalz und Rbeinprovinz leben, wie sich Frankreich vom Kehl bis hinunter ryicß Duisburg auch auff dem rechten Rheinufer „Brückenköpfe" schuf und wie schließlich auf der Basis der Rheinlinie die Einkreisung Deutschlands immer enger wird. Polen und die Tschechoslowakei vor allem sind ja nur Hilfstruppen des französischen 3mpe» rialismus und warten nur auf das Zeichen von Paris, sich auch ihrerseits neue Stücke aus dem absterbenden Deutschland herauszuschneiden. Wie in allen Zeiten deutscher Geschichte findet aber auch jetzt wieder Frankreich die besten Helfer in deutschen Parteigruppen, die ihren Sondervorteil in der Not der Allgemeinheit wahrzunehmen hofften. Alle Gebiete unseres politischen Lebens streifte der Redner und wußte zu zeigen, wie in jedem einzelnen Punkte ein Verlust des Rheinlandes, sei es als neutraler Staat „tm Rahmen und Verbände des Reichs", sei es in anderer Form, zugleich einen Zusammenbruch des Reiches bedeuten würde. V/2 Milliarden Gvldmark und 14-/2 Milliarden Papiermark betrugen ja, wie er beiläufig nur streifte, die sogenannten Desahungs- kosten allein bis 1. April 1922 schon, und noch ist kein Ende dieser unproduktiven Ausgaben abzusehen. Tief erschüttert und in bangster Sorge hatten die Zuhörer den Saal verlassen müssen, hätte Dr. Pehold nicht zum Schluß zuversichtliche Worte gefunden, die über die Not deS Alltags auf die Höhe deutscher Geschichte zurückwiesen. Den Verein für das Deutschtum im Ausland darf man zur Wahl deS trefflichen Redners, wie des Themas ehrlich beglückwünschen und ihm weitere Erfolge wünschen. Aus dem Reiche. Die Rot der deutschen Redakteure und Schriftsteller. Berlin, 14. Rov. (Wolff.) Dem Reichspräsidenten sind, wie bereits mitgeteilt worden ift, durch Vermittlung des deutschen Gesandten in Bern, Dr Adolf Müller, durch die schweizerisch- deutsche Hilsskommission 2 5 M i l l i 0 n e nM ark zur Linderung der Rot der deutschen Redakteure, Journalisten und Schrift- st e l l e r überwiesen worden. Der Reichspräsident hat nach Verständigung mit den Interessenvertre- tungen des deutschen Schrifttums die Spende an die Zentralorganisationen des deutschen Schrifttums verteilt, die in der sozialen Fürsorge für Redakteure, Journalisten und Schriftsteller eine ihrer Hauptaufgaben sehen. Ein kleinerer Teil der Spende ist für die Zwecke der in der Gründung begriffenen Notgemeinschaft der deutschen Kunst, Abteilung Schrifttum, unb für besondere Fälle einstweilen zurückbchaften worden; er soll dazu dienen, auch der kulturellen Notlage des deutschen Schrifttums nach Möglichkeit abzuhelfen. Billiger südwestafrikanisches Trocken» falzfleifch. Berlin, 14. Nov. (WTB.) Eine Berliner Firma hat die Einfuhr von südwe st afrikanischem Trockensalzsleisch durchg-führt und dadurch sowohl der minderbemittelten Bevöl- ferung — insbesondere dem notleidenden Mittelstände — eine verhältnismäßig billige Fleischbelieferung alS auch gleichzeitig den deutschen Farmern in Sudwestafrika ein Absatzgebiet geschaffen. Der infolge der Einfachhett des ganzen Herstellungsverfahrens billige Preis beträgt gegenwärtig 160 Mark für das Pfund und dürfte beim Nachlassen des Dollarkurses automatisch weiter zurüc^ehen. DaS Fleisch bietet die Möglichkeit monatelanger Aufbewahrung und gelangt bereits in Stücken von -—4 Pfund zum Derkauf. ** Der Wahlkampf zur Stadtverordnetenwahl ist nun, wenige Tage vor dem Wahltermin, auch in unserer Staat eröffnet worden. Der Wahlausschuß der Bereinigten ‘Bürgerlifte ist es, der sich heute in unserem Anzeigenteil als erster mit einem Aufruf an die Einwohnerschaft wendet. Er weist in seiner Kundgebung warnend auf die geschlossene Front der Sozialdemokratie hin, beklagt das Sondermarschieren der Demokraten und des Zentrums und wendet sich schließlich mit einem Appell an die Handwerker, Gewerbetreibenden, Kaufleute, Angestellten, Beamten, Kleinrentner, Ruheständler und Arbeiter. "DieLlmlaufSzeitdesNvtgelbeS derProvinzOberhessen. Der Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen gibt im neuesten Amtsverkündigungsblatt bekannt, daß die 11m- laufszett des von der Provinz Oberhessen ausgegebenen Notgeldes mit Zustimmung des Reichs- Ministers der Finanzen und der hessischen Landesbehörden über den 1. Dezember hinaus verlängert worden ist. Die auf den Notgeldscheinen vermerkte Gültigkeitsdauer ist damit hinfällig geworden. Heber die Einlösungsfrist erfolgt eine weitere Bekanntmachung. ** Zuckerkarten-AuSgabe. 3m Anzeigenteil unseres heutigen Blattes veröffentlicht das Lebensmittelamt eine Bekanntmachung über die Ausgabe der Zuckerkarten. Die Hausfrauen mögen die Veröffentlichung genau beachten. ** Die Kreis st raße Gießen — Lollar, die wegen der Vornahme von Walzarbeiten seit dem 11. September gesperrt war, ist jetzt für den Verkehr wieder freigegeben worden. •* Zur Bekämpfung der Gratisreklame. Der Verein Berliner Zeitungsverleger hat bestimmte, früher schon ausgestellte Richtlinien zur Bekämpfung der Gratisreklams in den Zeiiu.igen erneut in Erinnerung gebracht, deren Einhaltung angesichts der schweren Not der Presse letzt überall unbedingt notwendig ist. 3n den Richtlinien heißt es u. a.: „Die Aufnahme jeder dem redaktionellen Teil zur Veröffentlichung übersandten Notiz, die nach Form. Inhalt ober Zweck einen Anzeigenauftrag darstellt, aber dazu dienen soll, eine Anzeige zu ersehen, ist unbedingt abzulehnen. In den Ar- tileln des redaktionellen Teiles ist grundsätzlich alles zu streichen, was in den Anzeigenteil gehört. Für alle Anzeigenaufträge, auch für solche, welche sogenannte wohltätige Zwecke betreffen, ist Bezahlung zu beanspruchen. Rellamenotizen im redaktionellen Teil werden nur in Verbindung mit einer in der gleichen Nummer erscheirrenden Anzeige gebracht." ** Eine Warnung für Zeitungsmarder. Seitdem das Abonnement teurer geworden ist, 'gibt es viele Zeitungsfreunde, Die ihre Anhänglichkeit an das gewohnte Blatt dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie nach Eintreffen der Trägerin das Blatt, das zwar andere abonniert und bezahlt haben, einfach von der Treppe weg oder, wenn es noch aus dem Briefkasten oder unter der Korridortüre hervorlugt, sich rasch aneignen. Diese Schnellentschlossenen dürfte es interessieren, daß hier genau so, wie bei der Entwendung irgendeines anderen Gegen- standes ein Diebstahl vorliezt oder, falls (z. B. in Wirtschaften) etwas heran ^geschnitten wird, eine Sachbeschädigung. Wenn ein Abonnent zur Anzeige schreitet, ist eine gerichtliche Bestrafung zu gewärtigen. Darum die Finger weg von andrer Leute Eigentum! "DasAusschmückenvon Zügen, wie es vielfach bei Sonderfahrten, insbesondere zu sportlichen und politischen Veranstaltungen zur ilebung geworden ist, ist fortan im Reichsbahngebiet grundsätzlich untersagt. Durch Streifen der Schmuckgegenstände an Hochspannungsleitungen und Gegenzügen können leicht Betriebsgefähr- bungen und Verletzungen hervorgerufen werden: Fahnen, Flaggen und Plakate können irrtümlich als Signale aufgefaßt werden und Betriebsstörungen verursachen. Außerdem werden die Wagen in den meisten Fällen beschädigt, und überdies entstehen der Eiseabahnverwaltung durch die Beseitigung des Schmucks unnötige Kosten. Auch das 'Beschreiben der Wagenwärrde mit Kreide ist verboten. *• Der Verein ehemaliger 116er Gießen hat in seiner jüngsten Generalversammlung beschlossen, die Sterbebeihllse an die Hinterbliebenen verstorbener Kameraden mit sofortiger Wirkung auf 1500 Mark zu erhöhen. ** Der Dezirksverein Gießen des Bundes der Hotel-Restaurant- und Cafs-Ange st eilten Deutschlands veranstaltete gestern abend in Schwabs Felsenletter nach mehrjähriger Pause wieder einmal ein W i n» ter vergnügen, zu dem sich auch Vertreter des Gastwirievereins, ferner des Nachbarvereins Marburg und des Zentralverbandes Gießen zahlreich eingefunben hatten. Der Vorsitzende Schaffrath begrüßte die Tettnehmer mit einer Ansprache, tne den Ernst der Zett auch für das Gastwirtsgewerbe streifte und das Streben nach Einmütigkeit hervorhob, mit der alle Beteil glen Hand in Hand vorgehen müßten. Zwischen Konzert und Tanz fanben sodann erheiternde Vorträge zweier Künstler des Stadtlheaters, des Herrn Goll und des Frl. Türk, sowie stimmungsvolle Tanzdarbietungen von Tanzlehrer D ä u l k e und Fräulein Schmidt statt, beren Roccoco- und steyrischen Tänze viel Beifall fanden. Spannung und Freude bereitete zuletzt eine reichausgestattete Tombola. Die Räumlichkeiten des Felsenkellers reichten gerade aus, um dem fröhlichen Fest in rechter Weise Leben unb Bewegung zu geben. ** 200 Prozent Aufschlag auf die bisherigen Schuhmacherpreise treten nach einem Beschluß der Schuhmacher- Zwangsinnung heute in Kraft. Man beachte die Anzeige in unserem heutigen Blatte. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 7 üfjr: „Des Meeres und der Liebe Wellen". - Physikalisches Institut, 5-7 Lihr: Dortrag über Brennstoffe und Berbrennungs- kunde. — Hörsaal des Zoologischen Instituts, 8'/., Llhr: Hauptversammlung der Oberh. Gesellschaft für Natur- und Heilbunde. — Lichtspielhaus, Dahnhofstr.: „Die Ehe der Fürstin Demi- boff". — Palast-Lichtspiele: „Die Konfektionspuppe" und „Themis". — Sie Deutsche Demokratische Partei hält am Donnerstagabend im „Post- keller" eine Mitgliederversammlung ab. (Siehe Anzeige.) — DerMänner-Turnverern hält am nächsten Samstag in der Turnhalle (Steinstraße) fein diesjähriges W i n te rfe st ab. (Siehe Anzeige im gestrigen Blatte.) Wettervoraussage für Donnerstag: Vorläufig Fortdauer deS bestehenden Wetters, bunftig, noch trocken, milder. Durch das feit einiger Zeit im Norden stehende Tief wird das über Mitteleuropa liegende Gebiet hohen Drucks westwärts über England abgedrängt, ohne jedoch seinen Einfluß auf die Wetterlage zu verlieren. Landkreis Gießen. * Beuern, 13. Nov. Alt-Beigeordneter Wilhelm Otto HL, der 33 Jahre lang ununterbrochen das Amt eines Beigeordneten in unserer Gemeinde bekleidet hatte, wurde heute unter großer Anteilnahme der ganzen Gemeinde zur letzten Ruhe gebettet. Während des Krieges, dem er zwei Sohne opferte, führte er die Geschäfte der hiesigen Bürgermeisterei. Vor drei Jahren — er war damals 76 Jahre alt — legte er das Amt eines Beigeordneten nieder. Auch der Kirchengemeindeveriretung gehörte er viele Jahre lang an. Der Kirchengesangverein, dessen Mitbegründer der Verstorbene gewesen, und die Sparkasse I, deren Vorstand er angehörte, ehrten den verdienten Mann, dem man ein gutes Andenken bewahren a»ird. durch Kranzspenden. iS. Steinbach, 14. Nov. Einem hiesigen Einwohner wurde sein wertvolles Fahrrad nachts aus der Scheuer gestohlen. Alle Ermittelungen zur Wiedererlangung des Rades und zur Ergreifung deS Diebes blieben bisher erfolglos. * Großen-Bufeck, 14. Nov. Der Pforr- amtskandtdat Hermann Luft aus Lauterbach wurde zum Pfarrverwalter in Großen- Buseck ernannt. Starkenburg und Rheinhessen. rm. Darmstadt, 14. Nov. Der bekannte japanttche Fabrikant Ha jim Joshi, der sich durch feine Milttonenstiftung zugunsten der beut- schon chemischen Industrie einen Namen erworben hat, ist hier eingetroffen. Er ist zu Gast bei bm Firma Merck, die bekanntlich in Japan seit Jahren eigne Werke besitzt. — Ebenso billige, wie originelle Hilfsarbeit leisteten die Mitglieder bc? Darmstädter Odenwaldklubs bei ihrem letzten Ausflug am Sonntag nach Neunkirchen. Der dortige Kaisertum! ist reparaturbedüis tig, wozu mehrere Hundert Ziegelsteine notig sind. Vor Beginn der Wanderung wurden nun 300 öic= ser Steine indieRucksäckeder etwa 150 Klub Mitglieder verteilt und von diesen in flottem Marschtempo durch den Odenwald nach dem Kaiserturm getragen. rm. Pfungstadt, 14. Nsv.^Kine Mil Nonen st iftung hat der kürzlich verstör bene Mitbesitzer der bekannten hiesigen Groß- brauerei Hildebrand, Ehr. Rlrich, den A n gestellten und Arbeitern der Fir m a hinterlassen. Danach erhalt jeder der i? Betrieb und den auswärtigen Niederlassung«: besänftigte. Angestellte der Firma ohne äln- terschied von Alter und Stand oder Länge br Tätigkeit den Betrag von 1 0 000 Mk. Dc Verstorbene war schon zu Lebzeiten durch sein- Gutherzigkeit sehr beliebt. Hessen-Nassau. fpb. Fulda, 14. Nov. In den Dorsett. Oberroden und Haimbach verübten zwei Zigeuner gegen die Dorfbewohner allerlei ün= taten, so daß die Landjägerei zu Hilfe herbeigeholt werden mußte. Als in Haimbach die Zigeuner gegen die Beamten tätlich wurden unb diesen die Revolver entreißen wollten, schoß man den einen der Kerle nieder. Auch der zweite Zigeuner wurde erschossen, als er feinen einen Gegner niederschlagen wollte. Die 3igeune\" stammen aus der Gegend von Mainz u^d gehören der Sippe an, die seinerzeit den Förster Romeis erschoß. Kirche unb Schule. * Erledigte Schul st eilen. Erledtgi sind: eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle der Volksschule zu Nieder- Stoll, Kreis Lauterbach: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Beerfelden. Kreis Erbach. Dienstwohnung ist nicht vorhanden; eine evangelische Lehrerstelle und zwei Lehrerinnenstellen für zwei kath. Lehrerinnen an der Volksschule in Bischofsheim, Kreis Groß-Gerau. Dienstwohnung ist nicht vorhanden. Wohnung für alleinstehende Lehrerin kann beschasft werden. Desgleichen Familien-voh- nung für den Lehrer; eine Lehrerstelle für einen katholischen Lehrer an der Volksschule in M 0 s bach Kreis Dieburg. Es ist eine ausreichende Dienstwohnung vorhanden; eine Lehrerstelle für einen katholischen Lehrer an der Volksschule in Radheirn, Kreis Dieburg Es ist eine aus« reichende Dienstwohnung vorhanden; eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Weitengesäß, Kreis Erbach Dienstwohnung ist vorhanden. ed. Eschenrod, 15. Nov. Zu einer erhebenden Gemeindeseier gestaltete sich der Abendgottesdienst des vergangenen Sonntags. Konfirmanden und Pfarrer brachten ein von Pfarrer Stumpf gedichtetes Erntedankfest spiel zur Darstellung, das bei der zahlreich versammel ten Gemeinde und bei den vielen auswärtigen Gästen einen tiefen Eindruck hinterließ. Die Kollekte für die hungernden Wolgadeutschen ergab 1004 Mark. Darmstadt, 14. Nov. Aus dem Erlös de. vom Reich verkauften G l v ck e n m a t e c i a I wurden dem Oberkonsistorium 298 570 Mk überwiesen. Der Betrag soll vor allem den kirchlichen und bürgerlichen Gemeinden zugute kommen, die noch nicht in der Lage waren, sich wieder Glocken zu beschaffen. Im ganzen waren aus den evange- lichen Gemeinden Hessens 723 Glocken bzw. 250 206 Kilogramm Bronze abgeliefert worder:. — Nach Verfügung der obersten Kirchenbehörde soll auch in diesem Jahr mit der Feier am T 01 e n s 0 n n- tag eine Trauerfeier für die Gefallenen oder die infolge des Krieges Verstorbenen stattfinden. Die zur Erhebung kommende Kollekte ist für die vom Landeskircheirtag errichtete Kriegsstiftung bestimmt. Landwirtschaft. Dom Saatenstand. Infolge des vorwiegend kühlen und nassen Wetters und des stellenweisün Auftretens von Nachtfrösten wurde die Räumung der Felder stark verzögert. Die Ende Oktober noch im Boden befindlichen Kartoffeln haben, wie z. D. aus Sachsen und Mecklenburg-Schwerin berichtet wird, durch Frost gelitten. Die Zucker- und Nunkelrübenernte war zumeist noch in vollem Gange. Die späte Aberntung der Felder und die naßkalte Witterung verhinderten die A u s s a a t des W i n t e r g e t r e i d e s in starkem Maße. Fast alle Länder berichten übereinstimmend, daß die Bestellung der Fel der mit Winterweizen und Winter- roggen Ende Oktober noch nicht beendet war. Von der schon in der Erde befindlichen Saat ist ein großer Teil noch nicht aufgelaufen. Der Stand der bereits aufgelaufenen Saaten wird teils als gleichmäßig und dicht, teils als lückig und dünn beurteilt. Früh in die Erde gebrachte Saaten sollen gut eingegrünt sein. Da viele Berichterstatter eine Begutachtung noch nicht abgeben konnten, ist den errechneten Noten nur ein bedingter Wert beizumessen. Die Bewertung deS Standes der Herbstsaaten Anfang November war wie folgt: (2 = gut, 3 — mittel) Win- terweizen 3,1 (Nov. 1921 2,8), Winterspelz (auch mit Beimengung von Roggen oder Weizen) 3,2 (2,9), Winterroggen 3,1 (2,8). Heutiger Stand des Dollars 10 Lihr vormittags: Berlin 7725, Frankfurt a. M. 8000. 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Er begründet deren Vorhanden ein damit, daß er sich die letzteren von den ihm zustehenden Prvbe- oigarren gespart, und daß er sich im übrigen durch Mitnahme kleinerer Mengen über seinen Rauchbedarf hinaus sür das ihm unrechtmätziger- tveise vorenthaltene, tarifmäßig monatlich zustehende Kistchen habe schadlos halten wollen. 2n letzterer Hinsicht wird sestens des- Inhabers der Zigarrenfabrik cntschicdM bestritten, mit dem Angeklagten eine Verabredung wegen der Verabfolgung eines Kistchens 3igarren monatlich getroffen zu haben. Die umfangreiche Beweisaufnahme ergab zwar eine Reihe schwerwiegender Verdachtsgründe dafür, daß der Angeklagte die gesamten fehlenden Zigarren entwendet habe, allein ein völlig ausreichender Beweis war hierfür nicht zu erbringen. Er wurde deshalb im Zweifel lediglich wegen Entwendung der bei ihm vorgefundenen 40 Zigarren und dec an die Kunden verkauften einzelnen Zigarren, sowie wegen der Entwendung eines an seinen Bruder verkauften vollen, un- banderolierten Kistchens verurteilt. Es wurde deshalb eine Gefängnis st rafevon 3 Wochen gegen ihn ausgesprochen, an deren Stelle jedoch mit Rücksicht aus seine seitherige Unbestraftheit eine Geldstrafe von 315 0 Mk. tritt 4 Reichswehrsoldaten des hiesigen Regiments haben auf der Heimkehr von der Kirchweihe in Wieseck einen Ladeschaffner, von dem sie sich irrigerweise verfolgt glaubten, mit Faust- und Stvckschlägen. sowie mittels eines Seitengewehres mißhandelt und ihm mehrere blutendeWunden am Kopf beigebracht Drei von ihnen wurden an Stelle dec an sich verwirkten Gesängnisstrafen von 4, 3 und 1 Woche zu Geldstrafen von 2 0 00, 10 0 0 und 5 0 0 M k. verurteilt, weil das Gericht der Heberzeugung war, daß der Strafzweck bei ihnen auch durch Geldstrafen erreicht werden könne. Der vierte Soldat dagegen, der am wenigsten beteiligt war, kam mit einer Geldstrafe von 200 Mk. davon. Ein Althändler sson hier erhielt wegen grober Mißhandlung seiner Ehefrau, die er blutig geschlagen und Wittels seines Stiefels auf die Brust getreten hatte, zwei Wochen Ge- f ü n g n i s., ___________________ Vermischtes. Millionendiebstahle. Berlin, 14. Rod. (WTB.) 3n einem Pensionats wurde zwei Argentiniern von einem angeblichen Italiener, der sich ihnen als Dolmetsch anbot, ein Koffer, der für 6 MillionenPesetas enthielt, g e st o h° l e n. Ein Helfershelfer des angeblichen Dolmetschers wurde der Teilnahme verdächtig festgenommen. Der eigentliche Täter wurde auf dem Lehrter Bahnhofe verhaftet und räumte nach einigem Leugnen den Diebstahl ein. Ein Teil der Beute wurde in der Hasenheide wieder aufgefunden, wo der Dieb sie vergraben hatte. Berlin, 14.-Nov. (WTB.) Ein junges Mädchen, das sich bei einem Ehepare in der Nachvdstraße eine Stellung als Kinderfräu- lein verschafft hatte, hat während eines Ausganges des Ehepaars einen Koffer mit 2000 Dollar, einem Brillantring, Wäsche und Kleidern, zusammen im Werte von 20 Millionen Mark, entwendet. Ein junger Mann hat den Koffer mit einem Auto fortgeschafft. Fliegerabsturz. — Drei Mann tot Paris, 14. Nol>. (WTB.) Aach einer HavaSmeldung aus Le Bourget ist bei einem Flugwettbewerb der Flieger Poir4 mit zwei Monteuren tödlich abgestürzt. DaS Erdbeben in Chile. Valparaiso, 14. Nov. (Wolff.) Zu dem Erdbeben in Chile wird noch mitgeteilt: Auch in Valparaiso hat ein stärkerer Erdstoß die Bevölkerung erschreckt, aber in der Stadt keinen großen Schaden angerichtet. Aus Tocopilla in Nord- chile wird ähnliches gemeldet. Nähere Nachrichten fehlen aus dem Zentrum des Erdbebens, der Gegend von Coquimbo-La Serena. Es handelt sich um ein tektonisches Beben, das in östlicher Richtung des Stillen Ozeans anscheinend die Küste nördlich von Coquimbo-La Serena getroffen hat. Kannen. Das Chemische UntersuchungSamt stellte fest, daß in den fraglichen Kannen aus je 100 Teile Much 72 bzw. 84 bzw. 97 Teile Wasser kamen. Also ein unerhörter Wasserzasatz, der nur vorsätzlich hat zugesctzt werden tonnen. Das Schöffengericht Altenstadt hatte die Wilhelm Schaubach Ehefrau geb. Velten zu 1 Monat Gefängnis und 5000 Mk. Geldstrafe, die Kart Ulrich III. Ehefrau zu 5 Wochen Gefängnis und 5500 Mk. Geldstrafe und die H e i n r. S ch ö h litt Ehefrau zu 6 Wochen Gefängnis unb 6600 Mk. Gelds!rafe verurteilt. Diese brei Angeklagten, die sämtlich in Nieder-Mockstadt wohnen, waren für die Zubereitung der Milch, die an die Molkerei zu liefern war, verantwortlich. Frau Schaubach hatte sich bei dem Urteil beruhigt; Frau Schöhl hatte ihre zunächst eingelegte Berufung wieder zurückgenommen. Das Urteil gegen die Frau Ulrich wurde von der Strafkammer bestätigt unter Verwerfung der Berufung. Die Behauptung der Angeklagten, die Milch müsse von dem Milchsuhrmann gewässert worden sein, wurde durch eine eingehende Zeugenvernehmung widerlegt. Bei der Strafzumessung wurde die Gewinnsucht nnb die Gemeingefährlrchkeit derartiger Milchfalschungen hervorgehoben. Schöffengericht. Gießen, 8. November 1922. Der der Revision der Bestände einer G r v - ßen-Lindenec Zigarrenfabrik durch Zollbeamte des Zollamts Gießen im August 1921 und Zuli 1922 ergaben sich Fehlbeträge von 1 9 000 und 13000 Zigarren. Die Bestandsaufnahme bei Eintritt eines neuen Terb- habers ergab ein Fehlen von weiteren 10000 Stück. Der frühere Werkmeister der Fabrik, ein Friseur aus Allendorf a. d. Lumda, ist angeklagt, diese fehlenden Zigarrenmengen gestohlen bzw. unterschlagen zu haben. Er hatte, wie es in Zigarrenfabriken allgemein üblich ist, als Werkmeister das Recht, von den fabrizierten Zigarren täglich nach Derlangrn zu rauchen. Nur von den teueren sog. 20-Ma.l- Zigarren sollte er keine, oder doch wenigstens nicht mehr als eine Probezigarre vom Tausend rauchen dürfen. Diese Zigarren durfte der Angeklagte im Dienst oder auch zu Hause rauchen, er konnte sich seinen Rauchbedarf stets nehmen, jedoch nicht mehr als er selbst rauchen konnte Auch axu-en diese Zigarren nur zu seinem persönlichen Bedarf bestimmt, nicht aber zum Verkauf an Gießener Strafkammer. Gießen, 10. Nov. Der 16jährige Dienstknecht W. H. hat im Frühjahr gemeinsam mit dem 22jährigen Dienst- -necht G.Pr. auf dem Hofgut Ringelshausen der gleichfalls dort bediensteten Marie Z. Kleidungsstücke und Wäsche im Gesamtwert von etwa 15 000 Mark gestohlen. Beide waren in den Aus- i. ewahrungsraum eingesttegen. Die Mutter des H. ixiite das Diebsgut an sich genommen, obwohl He den Sachverhalt kannte Einen Teil hatte sie bereitö nach auswärts gesandt. Als sie ein weiteres Paket zur Post geben wollte, wurde sie ab» gefasst. Das Schöffengericht Nidda hatte den iur geu H. zu 3 Monaten und 2 Wochen Gefängnis, den Pr. zu 9 Monaten Gefängnis wegen schweren Diebstahls verurteilt. Frau H. war zu 10 Monaten und 1 Woche Gefängnis und fcu 5 Jahren Ehrverlust öerurteilt worden. Nur die Letztere hatte Berufung eingelegt. Die Strafkammer verurteilte gleichfalls wegen Hehlerei, erkannte jedoch lediglich auf 7 Monate Gefängnis und sah von Ehrverlust ab Berücksichtigt war dabei, daß die Angeklagte noch nicht vorbestraft war. Straferschwerend muhte jedoch wirlen, daß die Bestohlene durch jahrelange Arbeit sich ihre Sachen erworben, und daß die Angeklagte als Mutter die Diebereien ihres Sohnes unterstützt hatte. Am 28. März wurden in L> be r - M o ck st a d t auf dem Milchsuhrwerk der Dauernheimer Molkerei mehrere Kannen mit Milch beanstandet, die von Ni^)er-Mockstädter Lieferanten stammten. Der Laktodezimeter, den der Gendartn in die Milch ein- setzte, fiel sofort aus den Boden der betreffenden War Borton Werkzelichiandlung. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIII A« bereitet IDpr Studenten z.Pi om. in Pbtzstk als Ne'.'en- ind) vor •? Uh’eid- nnnabe pr. Stunde! Schr. Ang. u. 010422 an den Wie ft. Ain. Illinilllllllllllllllllllllllllllll Wer erteilt SMwbii- terriclil Sebnfirtncrftiftem „Adrcr"? Schr. Ann. u. 010434 an den Gteß. Anz. Heute letzter Tag: ^DieEhederFilrstinDemidoff^ Ab morgen bin einseh!. Sonntag das hervorragende Doppel-Programm, welches auch die verwöhntesten Besucher zufrieden s'eilen wird: xx Unter den Goldgräbern Wiederum sind wir gezwungen, auf unsere Preisrichtsätze vom 10. Oktober ab 15. November 200MIOS eintreten zu lassen- Die geradezu phantastische Steigerung der Leder preise und der sonstigen Rohmaterialien (Seide, Zwirn, Futter usw.) zwingt uns dazu. Trotzdem bitten wir unfere werte Kundschaft, ihre Arbeiten nur zu dem Meister zu geben, da dies die Gewähr bietet für streng sorgfältige und fachgemäße 2 Wie gesagt Niemand merkt es, dass Jetzt .Quieta“ und kein reiner Bohnenkaffee mehr auf den Tisch kommt. Diese köstlichen Mischungen mit 10°/o, 25°/0 und 4O°/0 Bohnenkaffee helfen mir sparen. Ich kann jeder Hausfrau nur empfehlen: Trinke Quieta: ÜiT3 rja tnr W Familie Abermann 10033D Heuchelheim, 10. November 1922. 10010D 2 erstkl bei Uhrmacher J. Wohlgeruch, 1') Neuen Bäue 15. Neuer Trumeau- Spiegel preiswert zu verkf. Zu erfr. in der Ge- schästsst.b.G. ?l. o,.4S9 Ä Wen zu uerfniiicn 0ll)46, Schottitr. HILL Danksagung. Nur auf diesem Wege können wir für die vielen Beweise der Anhänglichkeit und Verehrung, welche von allen Seiten, insbesondere von den städt. Behörden und von den Vereinen, unserem teuren Entschlafenen dargebracht wurden und uns zugleich ihre wohltuendeTeil- nahme bekundeten, unseren tiefempfundenen Dank ausdrücken. Statt Karten. Heute früh um 2 Uhr starb nach kurzer, schmerzhafter Krankheit der Lehrer Adam Neumann im 67. Jahre seines an Arbeit und Erfolgen reichen Lebens. In tiefer Trauer: Emilie Neumann geb. Roth Marie Wenzel geb. Neumann Dr. Rudolf Neumann Kari Wenzel Emmi Neumann und 3 Enkel. Großen-Buseck, Grün berg, Groß-Umstadt, den 14. November 1922. Die Beerdigung findet Freitag, 17. Nov., nachmittags 2'/, Uhr, statt. Beileidsbesuche und Kranzspenden sind nicht im Sinne des Verstorbenen. .«»..D Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verlust sagen wir auf diesem Weg unseren tiefgefühlten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Friedrich Wilhelm Kreiling Beigeordneter. 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Gedenkt an die Sozialisierungs- und Kommunalisierungs-Bestrebungen der Sozialisten und Kommunisten, die euren Untergang wollen. Beamte! Denkt daran, daß die Sozialdemokratie die erklärte Feindin des Berufsbeamtentums ist. Denkt an die Knebelgesetze, denkt an die neuesten Vorgänge an der hiesigen Oberrealschule. Kleinrentner und Ruheständler! Erinnert euch der Feit, als es euch noch erträglich ging und gedenket der Ursache eures heutigen Elends! Arbeiter! 50 Jahre wurdet ihr mit unerfüllbaren Hoffnungen genährt und zum Klassenkampf aufgepeitscht. Sozialismus und Internattonale sind zusammengebrochen. Arbeiter macht euch los von ihnen. Nicht Klassenkampf, sondern Volksgemeinschaft ist unser Wille und Ziel! Nicht Internationale hat Wärme, Kraft und Geltung, sondern Heimat und Vaterland. Arbeiter, denkt daran, wählt die „Bürgerliste". Wähler und Wählerinnen! An euch ist es, zu ent» scheiden. Vergeßt nicht die Gewalttaten in Darmstadt und anderen Or'en im Juni d. I. Sorgt für Ordnung und Recht! Wählt einmütig die „Vereinigte Bürgerliste" beginnend mit dem Namen: Professor Krausmüller. ioosod Der Wahlausschutz der „Vereinigten Vürgerlifte". Mitteldeutsche Creditbank. Die Aktionäre unserer Bank werden hierdurch zu einer am Souuabenb, ben 2. Dezember b. 3., vormittag- 11 Uhr, in nnierem Baukgcbaube Neue Mainzer Str. 32 dahier stattsindenden anker ordentlichen GcneraiverianrnUung einnelaben. Gegennände der Verhandlung sind: 1 Erhöhung des Grundkapitals um 10000000 Mk. durch Ausgabe von 10 000 auf den Inhaber lantenben, vorn 1. Januar 1923 ab dividendenberechtigten Lorziig>akiien zu je 1000 Mk. Fesifetzung der Rechte der Vorzugsaksien. insbesondere Begrenzung der Borzugsdividende auf 4 Proz. ohne Nach- dezugsrecki, Einziehbarkeit de^ Vorzugsaktien, fünfzehn faches Stimmrecht für BefchluKfassimg über Besetzung des Aufsichtsrats, über Satzungs- äuöerunn und über Auflösung der Gesellschaft, Sonderabitimmung bei Befchlunfaffnng über Eingehung e ner Interessengemeinschaft oder Ueber- nahme eines anderen Unternehmens. BeschUtnfaffimg über die Begebung der Vorzugsaktien unter Aus- schlieffung des gesetzlichen BezugSrechts der Aktionäre. 2. Erhöhung deS Grundkavi als um einen roeiteren Betrag bis zu330 000 000 Mk. durch Ausgabe biS zu L10000 auf den Inhaber lautenden, vom 1. Januar 19$3 ab dividendenberechtiglen Stammaktien zu je 1000 Alk. Besckliifffassuug über die Begebung der neuen Aktien unter Aus- fchtletzung des gesetzlichen Bezugsrechts der Aktionäre. 3. Den Beschlüssen zu 1 und 2 entsprechende Aenderung deS Statuts, ins besondere der §§ 5 tEinziebbarkeit der BorAUgsaktien), 33 iLtimmrechl der Borzugsaktiein, 37 fDividendenberechtiguug der Vorzugsaktien). 4. Ermächtigung des Aussichtsrats zur Richtigstellung der ■ iffer und Eiy- teiiung des Grundkapitals in § 5 des Statuts entsprechend der Durchführung der Beschlüsse zu 1 tis 3 sowie zur Vornahme wm'iiger durch die Beschlüsse zu 1 bis 3 notwendig werdenden Aenderitngen in der Fassung des Statuts. Die Aktionäre, nelcke an der Beschlußfassung In der Generalversammlung teil» nehmen wollen, haben ihre Aknen ibäteiten» am 27. November b. Is. bei einer der nachstehend verzeichneten Stellen oder bet einem deutschen Notar au bin'er- legen: in Araukinrt a. M. und Berlin bei der Mitteldeutschen Kreditbank, ferner bei sämtlichen Zweignieberlasfuuaen der Mitteldeutschen Creditbank und aufjerbem in Berlin bet der Bank bes Berliner klassen Vereins, in Koblenz unb Nöln bei der Jirma Leovold Sclinmanu, in Leivzia bei der Allgeme nen Deutschen Crebit-Aitttalt (Abt. Becker & Co ), in Meiningen bei der Bank fite Thüringen, vormals B.M.Strnvv, Aktiengesellfchast, in München bei der 3-irina H. Ansdänier, in Stutraart bei der Firma Doertcnbach & Cie. to. ur. h. H., in Tübingen und Hechingen bei der Bankeonimaubite Siegmund Weil. Bei diesen Stellen sind auch die Eintrittskarten in Emviang zu nehmen. Im übrigen wird nuf die §§ 28 und 30 des Statuts Bezug genommen. Frankfurt a. M., den 9. November 1922. J0042ss Der Anfsichtörat der Mitteldentscheu Crebitbank. Richard v. Passavant-Gontard. Dr. v. Steinmeister. Kaufen SciHideriD verfett i. Anfertigen von Damen» und Kiffd rgardero >e. weifte unb balb- weifte Kognak- n. 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Augenklinik. ,ft)M 1900 I Sport-Club Hallentraining lFnftballabteilungs jeden Freitag abend Halle Mädchenschule tSckillerstr.i Beginn 8.30 Uhr. Kleidung: leichte Schuhe. Hose, Trikot. — Erstmalig Jreitag, 17. Nov. — Jeder Bervsiichtete muff erscheinen «gern. Svielervervsiichig. 8 21. Jehl en wird strengstens bestraft. Der FußballaneeoheB Snfl 'M oiuf eine Westarp GeseveSvor!« kechlssteheud aingSverlret« In cht'.ge der angM Kört, zum Dorge- Änlah mcht vor. Abgeordneter' in einer veiteren Aevalitättgi' gerichleieKie, die Morden, die l« iommen lieben, voi Regierung nicht rechts!", zurücknehm gereizter Massen zi keilen gröbtmteus fühm |cl Ein Regiermt! ähnliche Antvort < Ans eine Anff. Degen der durch '■ Sarloffelfnül ffabten vird crv viappheil in den raupt keine Rede se Aus eine Ansra midect, drh gege welche in der A a das verbotene »CH Äsungen hätten, e .iber keine Offiziere xteiügt getoesen. Auf eine weite, ivrgen der angeb die Ehefrau de bestimmten I -ine Auzfuhrerfaud ^gends beantragt hätten etgebm, b< schlesischen Trafen Umarbeitung ädert tum 6er Familie 2lbg. Schulz eine neue Sitzung giecung dem Loti gebe, was sie in getan habe. 2Tbg. Köhnet trag, btt er Erklärt Ermißt, was sie , wbe, was wichtige w grobe oder die die Sipo in § geschossen ha 7 ötimmen der 3 abgelehnt. §atii3 y neuen Geschö,^ ."stunden beschrt ^ Präsidenten er 6i^gau kann d. ykK-- ' Detltfck! 266 ee* und I* erhoben. . Sodann erIU"k "t" Srlei^N „ich! rin MgefeY Ms eine SZ DK j Eine rech *• äorffetjung, ^'^eibst du he du toofrtefi Wb!i9Uleä 6 etne T< Ernst sicht * « »m -te, i5*ge* ®'«u .^.tätest b du ei^ gar die Kauf dies bQh ,hba^ Ur. 269 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 15. November <922 Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet 5>i 11 38. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)^ Bleibst du heute zu Hause?" fragte er. „Ich dachte, du wolltest spazierengehen?" Nein ich erwarte Liane." sagte Grete. Und da sie ein'gutes Gewissen Halle, fügte sie hinzu: „Willst du eine Tasse Tse?" Ernst nahm Platz am Feuer und rieb sich behaglich die Hände, es war kalt und häßlich draußen und er war erst eben aus Eppenhausen heimgekommen. — Er freute sich, auch mal Liane wiederzusehen, und er blieb. Da Liane sichtlich nicht gekommen war, um Ernst, sondern um Grete zu sprechen, und zwar allein, und Grete nur auf diesen Augenblick wartete. machten sie Konversation und liehen Ernst von dem neuen Anglück berichten, das in Eppenhausen cmgerichtet worden war durch den letzten Sturnr. „ , , _ Die neue Halle war niedergebrochen, und ev drohte ein Streik. Er wartete nur auf das Telephon, um wieder hinzufahren. „Du tätest doch gescheiter," meinte Grete, .lieber gleich ganz drauhen hinzuziehen, denn du liegst auf diese Weise mehr auf der Bahn wie hier." „'Baut euch doch eine Villa dort, die Back- steine habt ihr ja," riet Liane, zurückgelehnt in ihrem Sessel, die grüne Teeschale in der Hand, an der ein paar wundervolle neue Ringe funkelten. „Ich danke." fuhr Grete zusammen, „einen Vacksteinfabpikanten habe ich nicht geheiratet, dann lasse ich mich scheiden . ... Liane beobachtete di-'beiden scharf und sie sen leichter, Moral zu predigen, als danach zu leben. (Fortsetzung folgt) „Wer hat ihn dir gegeben?“ fragte Grete tonlos. „Ich hab' ihn in unserem Wohnzimmer unter dem Tisch gefunden." „QBann? „Vor einigen Tagen." „Ah und warum hast du ihn mir mcht gleich gegeben ?" „Weil ich warten wollte, bis sich mein Verbackt bestätigt hatte. ' Du muht dein Parfum wechseln. Es braucht ia nicht immer Deckchen zu sein. Es stand zwar i in Name darunter, aber Deine Schrift ist sehr charakteristisch. Er ist Lutz wahrscheinlich aus der Tasche geglitten. Seid vorsichtig in Zukunft," setzte sie hinzu und erhob sich. „Nein, so darfst du nicht gehen!" rief Grete, wahrend sie den Brief in Stücke riß. „du darfst mir nicht böse sein, Liane. Was soll ich denn tun, um alles wieder gutzumachLn?" Liane zuckte die schmalen Schultern. „Es gibt nur einen Rat, aber den wirst du nicht hören wollen." ,Ich will alles tun, Liane, wenn du mir nur wieder gut bist," schluchzte Grete. Sie warf sich auf das weiße Fell vor Lianes Füße nieder. „Mach keine Szene, Grete, ich liebe das nicht, wemi man vor mir kniet, ich bin dir gar nicht böse. Ich verstehe nur nicht, wie man, wenn man die Wahl hat zwischen einem —" sie sah nach der Türe, durch die Ernst eben verschwunden war — „und einem Lutz . . . daß man sich dann für einen Lutz entscheidet ..." „Oh. du kennst Lutz nicht, chr lennt chn alle nicht! Ich Liebe ihn so, daß ich für ihn in den Tod gehen würde, wie er für mich. Ja, denn das hat er selbst gesagt." Clane hörte schweigend den Beteuerungen zw Du lieber Gott, wie vielen Frauen mochte Latz schon von dieser Kugel erzähll haben, die er sich für sie durch den schmalen Schädel jagen wollte, und wie viele Briefe mochte er schon mit seiner einigen Liebe beschrieben haben. Liebe und Treue Lehrer an der Volksschule zu Heister». Kreis vau- terbach, der Werfführer Peter Dörr aus Offen*- bad) mit Wirkung vom 1. August 1922 ab zum Fachlehrer an der Fortbildungsschule zu Offen* buch: am 8. Aov.: der GtellenanWärter Ludwig Wirth zu Darmstadt zum Amtsgehilfen an der Ludwigs-Oberrealfchule in Darmstadt mit Wirkung vom 1. April 1922 ab; der Forstwariaspirant August V ö g l i n aus Niedcr-Modau vom Tage des Dienstantritts an zum Förster der staatlichen Forstwartet Ludwigshöhe. Oberförfterci Mainz; am 9. Aov.: der Schulamtsanwärter Karl Koch aus Langen--Brombach zum Lehrer an brr Volksschule zu Dielbrunn. Kreis Erbach; am 10. Aov. . Obersieuersekretär Wilhelm A e i n h a r d t bei der Oberfinanzkasse Darmstadt zum Steuerinspektor; Zollpraktikant Albert Müller beim Hauptzollamt Mainz zum Oberzollsekretär. •• Umtausch zerrissener Geld- scheine. Man findet ziemlich allgemein die Meinung vertreten, dah beschädigtes oder zerrissenes Papiergeld von der Reichsbant für~ den vollen Wert angenommen oder umgetauscht würde, sobald die Aummer des Geldscheines vorhanden sei. Diese Meinung ist, wie die Reichsbank der „Deutschen Handelswarte" mitteilt, nicht richtig. Bei der ungeheuren Menge des im Umlauf befindlichen Papiergeldes ist die Aummer-Kontrolle nur in den seltensten Fällen möglich. Die B:din° gangen für den Hmtcmsch zerrissener od'r beschädigter Reichsbanknoten, Darle. nKassenscheine uiu> Reichsbantscheine fbtb bann erfüllt, loenn deutlich erkennbar mehr als die Hälfte eines Geldscheines eingeliefert wird. Betragt keiner der noch vorhandenen Reste mehr als die Hälfte, so muh «sichtlich sein, dah die vorgelegten Teile einem und demselben Stück angeboren. Demnach sind Scheine, mit oder ohne Aummer, von denen nur noch die Hälfte oder weniger vorhanden ist, gänzlich wertlos. Die von der Reichsbank zu ersehenden Scheine müssen gehörig gefleht fein. Landkreis Gießen. U Annerod, 12. Aov. Unter Mitwirkung des Posaunenchors von Bersrod, sowie des hiesigen Gesangvereins Heiterkeit und der ersten Schulklasse wurde heute das Denkmal für bie 2 6 Opfer, die der Weltkrieg von unserer Gemeinde gefordert hatte, eingeweiht. Steinhauer Schmidt von (Sieben, der das Denkmal geliefert hatte, übergab es an Bürgermeister Horn, der es in Schuh und Obhut der Gemeinde übernahm. Aach der Weiherede des Ortsgeistlichen wurden die Aamen der Gefallenen und Gestorbenen unter Glockengeläute verlesen; zwei Schüler und zwei Schülerinnen der ersten Schulklasse sag en entsprechende Gedichte auf. Der Kriegerverein. die Gesangvereine Heiterkeit und Teutonia, die beiden Turnvereine und der Radfahrerverem legten unter entsprechender Widmung Kranze für i r g fal- lenen Mitglieder nieder. Der gemeinsame (3 fang von «Ich hab' mich ergeben" beschloh die schlichte Feier. — Das Denkmal ist au3 Syenit gefertigt und steht auf dem Friedhöfe. Jluf dem Mittelfelde befinden sich die Aamen der Gefallenen, auf der kleinen Fläche barunter der Spruch; «Sie gaben ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut, sie gaben es hin mit heiligem Mut für uns." 3n dem entsprechenden Felde über den Aamen der Gefallenen finden sich in der Mitte die Wahrzeichen des Krieges: Stahlhelm und Schwert, flankiert links und rechts von Eichenlaub und Lorbeer. Der Sockel trägt bie Widmung: «Die dankbare Gemeinde", während das Ganze oben in das Eiserne Ären* ausläuft. Die einzelnen Felber sinb durch aus dem Gestein hervortretende Leisten von ein* .anher abgeteilt Die Kosten sind zum kleinen Teil durch eine Haussammlung und Spenden der Hin- fterbliebenen, der gröbere Rest von der Gemeinde- kasse aufgebracht. ? Heffen-Naffarz. • Marburg, 13. Aov. Für da» hiesige Liebeswerk zur Linderung der Winter n v t hat das Marburger Bankhaus Baruch Straub 1 00 000 Mark gestiftet. Vermachtes. Loudon wird Heiner. Eine Fülle von interessanten Tatsachen ergibt sich aus der neuesten Veröffentlichung der S?onb>ner Bevölkerungsstatistik. Die Gefamtbevöl- kerung der „Grafschaft London", die di? eigentliche Stabt darstellt, betrug um Mitternacht vom 19. zum 20. 3uh 1921 4484 523 Seelen, eine Ziffer, die niedriger ist als die von 1911 mit 4 521 685 und 1901 nut 4 536 267. Die Bevölkerung der eigentlichen Staht hat also in den letzten fahren langsam abgenommen, aber dafür ist die Ein- wshnerzahl des ..Anhenrinis", der nicht mehr zur Grasschas t gehörigen Vorstädte, beständig geuxid)- fen; sie betrug 1901 2 045 135. 1911 2 729 637 und 1921 2 995 678. Mit diesem Zuwachs der Vorstädte ist die Gesamtbevölkerung Londons doch gewachsen und beträgt jetzt 7 840 201 Seelen, also etwa 229 000 Seelen mehr als 1911. Am meisten hat die City an Einwohnern verloren. Während dort 1911 noch 19 657 Brenschen wohnten, toa en es 1921 nur 13 709. Die Frauen sind in ziemlich hohem Mosto in der Heberzahl. Die Zahl den männlichen Einwohner der ^Grafschaft" beträgt 2 071 579, bie der weiblichen 2 412 944. Es sind also 341 365 Frauen mehr ^während 1911 es nur 269 003 Frauen mehr als Männer gab. Die Zahl der männlichen Wähler übertotegt aber noch, da die Frauen das Wahlrecht In England erst mit 30 Jahren erhalten. Die Zahl der Männer über 21 Jahre beträgt 1 252 934, bie der Frauen über 30 Zähre 1 167 613. Von der Bevölkerung des »kleineren London" sinb 131 889 Männer Junggesellen, 865 300 verheiratet. 72 459 verwitwet und 1931 geschieden. Bon den Frauen sind 1 309 828 unverheiratet, 877 298 verheiratet, 223 615 t>er» witwet und 2203 geschteue.. Die Zunahme der Witwen beträgt gegen 1911. 25 922. Die Zahl der alleinstehenden Frauen im Alter von 20 bis 39 Jahren hat abgenommen, dagegen die der alten Jungfern über 39 Jahren yigenommen. Man schreibt diese Erscheinung der zunelunenden Auswanderung oei jüngeren alleinstehenden Frauen aus London zu. Das Durchschnittsalter der Einwohner von London ist höher als 1911. Besonders beträchtlich ist bie Zahl der Hundertjährigen, die 16 beträgt, davon nicht weniger als 10 Frauen. Die Wohnungsnot macht sich in London ebenfalls bemerkbar. Während 1911 noch 4,1 Prozent der Familien Wohnungen mit zehn Räumen und darüber bewohnten, waren es 1921 nur noch 2,5 Prozent. immerhin liegen die Verhältnisse noch sehr viel günstiger als bei unS. — Deutsche Gymnastik. Vorbereitende Hebungen. Atem- und Frottier-Hebungen, Massage, Verhalten im Licht», Luft- und Sonnenbad von Hans Sur 6 n, Leiter von Lehrgängen zur Ausbtldung von Lehrern in den Leibesübungen. Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg LO.— Das kleine Puch »Leibesübungen". dessen erste Auslagen bereits günstige Beurteilungen gefunden haben, ist nunmehr in neuer Auflage erschienen. Das neue Buch ist noch einmal so umfangreich wie das frühere geworden. Der Verfasser bekennt sich in neun hochin ter ef sank geschriebenen Abschnitten zur gymnastischen Idee und Erziehung und gibt feinste Gedanken auch in den Beziehungen bet Rhythmik zum Sport. Sandel. Berlin, 14. Aov. Am Devisenmarkt herrschte wegen des bevorstehenden erweiterten Angebotes ber deutschen Regierung an die Repa- rationskommissivn und im Hinblick aus die ungeklärte politische Lage starke Zurückhaltung und Hnsichecheit vor, so dah die rückläufige Bewegung ber Kurse bei Schwankungen weitere Fortschritte machte. Das Angebot war nicht erheblich, bei ber heute stärker hervortretenden Kauflust bewirkte es aber eine ftärterc Beeinstussmrg oer Kurse nach unten. Die Auszahlung Aeuhork setzte vormittags mit 7400 ein, ging dann bis 6800 zurück und wurde amtlich 7050 notiert. Diese Schwankungen am Devisenmarkt bewirkten auch im E,fektenverkehr stärkere Zurückhaltung, so dah, soweit ein Urteil aus den nur in geringer Zahl anwesenden Interessenten zu bilden war, das Angebot zu überwiegen scheint. Franksurler Devffenmsrtt. (Telegraphische Auszahlung.) Amtliche Aotierungen. Datum. 13. Covernder 14. November Geli) Briei Gelb Briek Anlw--Brüssel . 4b8>75 4 1 25 41K.90 441,10 Holland 324IX' 3258,15 27.S0.50 2704.50 Vonbüit 3620-1.25 30300.75 31545,30 31704.10 Paris 516.70 519,30 453,85 461,15 Schweiz 1476.30 1483,70 1284.25 12 0,75 Spanien 1164,50 119050 KW 1065,20 91 alien 363,05 354,95 334,15 335,85 Lissabon-Oporto — — — Dänemark.... 1605,95 1614,05 1416,45 1423.55 Norwegen .... 14'^35 1463,65 1296,75 1303,25 Schweden .... 2154,60 2165.40 1895,25 190175 HelfiualorS. .. . — Neunork 81)74,75 8145,25 7094,70 7180;» Deulfch-Oesterr. 10,34 10,40 9.73 977 Budaveit 319,- 321— 287,- 289,- Prng 256,35 257,85 226,40 227,60 Sofia....... — • Markte. Berliner Produttenmarkr. Berlin. 14. Aov. Die am Devisenmarkt eingetretene Abschwächung lieh am Prvdukten- marit ziemlich beträchtliches Angebot für nahe Ware herauskommen, das bei dem Mangel an Käufern scharf auf die 2lotizen drückte. Die Abschlüsse waren aber bei der geringen Kauflust nicht umfangreich. Das Angebot von auswärts erfolgte heute aus der ersten und zweiten Hand. Fü> Mars war nahe Ware ganz wesentlich unter dem Einfuhrpreis zu haben. Die rückläufige Preisbewegung trat auch in den ermäßigten Mehlnotizen zutage, wie überhaupt in allen Artikeln billiger anzukvmmen war. Weizen, märkischen 13 000—12 600 Ml. (sehr flau), mecklenburgischen 11 830—11 400 Mk., Roggen, märkischen 11 700-11 300 Mk., westpreuhifchen 11200 bis 11 000 Mk. (flau), Sommergerste 13100 bis 12 830 Mk. (matt), Wintergerste 13 003—12 800 Mark. Hafer, märkischen 12 900—12 700 Mk. (sehr flau). Mais, La Plata, loco Berlin 12 800 bis 12 600 Mk. (weichend), Weizenmehl (100 Kg.) 36 500—39 000 Mk. (flau), Avggenmehl (100 Kg.) 32 000-34 500 Mk. (still), Weizenkleie 6500 Mk., Rvggenkleie 6500 Mk. (matt), RapS 20 000 bis 21 000 Mk. (behauptet), Bittoriaerbsen 20 000 bis 21 000 Ml., kleine Erbsen 19 000—20 000 Mk., Peluschken 14 000-15 030 Mk , Wicken 18 000 bis 19 000 Mi., Lupinen, blau 13 500—14 500 Mk.. gelb 15 000-16 000 Mk.. Rapskuchen 7500-7800 Mark, Trvckenschni-el 6100-6303 Mk . Kartoffeln, weihe und rote 450—480 Mk. gelbe 550 Mk. Rauhsutter: Weizen- und Roggenstroh. drahtgeb. 4700—4800 Mk. Haferstroh, drahtgepreht 4700 bis 4800 Mk., Stroh, strvhseilgebündelt 4700 biS 4800 Mk., Wiesenheu. gut, gesund und trocken, Bormahd 2900-3000 Mk . Aackmrahd 2850-2900 Mark. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Die Beratungen bet Reparationstourmission. Paris. 14. Aov. (WTD.) Die gestern früh innerhalb der Reparationskommission gepflogenen Beratungen sind, wie der „Petit Parisien" mitteilt, in mysteriöses Dunkel gehüllt. Di? Kommission habe von ihrem Sachverständigen eine Studie über das deutsche Budget. sowie über die Frage der ötabilifierung der Mark verlangt. Sie werde jetzt der deutschen Regierung eine endgültige Antwort über die Frage der Anleihe erteilen und auf jeden Fall sich in e- b/fonha» iu nnv kk>lot6d