Nr. 1'3 Erscheint täglich, außer Sonn« und Feiertaqs, mit derLamstaqsbeilage: GießrnerFamilienblätter Monatliche Sezuqrpreife: Mit. 18.— und Mk. 2.— Träqerlohn,durch dirPost Mk. 2V.—, auch bei Nicht, erscheinen c^nzelnerNum» mcrn infolge höherer Gewalt - Fernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrift- leitung 112; für Derlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Ließen. pstzschealonto: ZranffuN a. M. 11686. Erster Blatt 172. Jahrgang Montag, !5. Mal 1922 SiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Druck unb Verlag: vriihl'sche Univ.-Vuch und Stcinbruderei H. Lange. Sdfriftleitung, SeschaftsfteSe und Druckerei: Zchulftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 120 Pf., auswärts 150 ‘Pf.; für Neklame- Anzeigen von 70 mm Breite 45OPf. Bei Platz. Vorschrift20 „Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. 'verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Btufc, sämtlich in Gießen. Eine Einigung über die Behandlung der russischen Frage. Wider Erwarten ist. nach einer längeren älnterrcdunq zwischen Lloyd George und Bar- thvu, eine Einigung über die weitere Behandlung der russischen Frage erreicht worden. 3m Haag soll demnächst ein neuer Sachver- ständigen-AuSschuß zusammentreten, von dem man noch nicht genau weiß, ob die Russen daran beteiligt oder zu Sonderberatungen eingeladen werden und ferner, ob die Sachverständigen von der Genueser Konferenz oder von den beteiligten Regierungen ernannt werden. Für die Dauer der Sachverständigen- beratungen soll auch eine Art Burgfriede eingesetzt werden. Abmachungen werden am heutigen Montag vervollständigt werden; cS ist noch zu viel Geheimnis. AnauSge- sprvchenes dabei, als das; man genau zu sagen in der Lage wäre, wer hier gesiegt habe und wer zurückgewichen wäre. Die russische Frage im Unterausschuh. Genua, 14. Mai. (WTB.) Heute hormittig und nachmittag hielten die Vertreter der fünf einladenden Mächte Sitzungen von je zweistündiger Dauer ab. Cs wurden da'ei Beschlüsse gefaßt, über die mehrere, teilweise voneinander abweichende Berichte vorliegen. Don englischer Seite wird mitgeteilt: Cs wurde beschlossen, der Linker kom Mission der er st en Kommission Vorzuschlag m, baf) die in Genua vertretenen Mächte für den 15. Juni Vertreter nach dem Haag senden sollen. Diese Vertreter werden zu entschließen haben, welche Staaten in den Sachverständigenkommissionen vertreten fein sollen bzw. Vertreter dafür ernennen sollen. Die Sachverständigen werden ebenfalls im Haag mit den Russen zusammen ihre Sitzungen abhalten. Während der Dauer der Arbeiten der Sachverständigenkommissionen wird ein Burgfriede auf der Grundlage derDe-en- seitigkeit angenommen. Rach einem Vorschlag Lloyd Georges sollen die Vereinigten S a r° ten sondiert werden, ob sie in dem Dachverständigenausschuh vertreten sein wollen. Während dreier Monate nach Zusammentritt der Kommissionen dürsen keine Separatab.'ommen mit Ruhland abgeschlossen werden. Unter Separatabkommen find nicht zu verstehen Handels- und Schiffahrtsabkommen, sondern nur politische Abkommen. In der morgen vormittag stattfi idenden Sitzung der Unterkommission werden diese Beschlüsse vvrgelcgt werden. ES wird auch darüber beraten werden, ob die Russen eingeladen werden sollen, wieder an der Unterkommission teilzunehmen, oder ob erst eine Antwort auf die russische Rote vom 11. Mai ergehen soll. Ueber den Text der Antwort an Ruhland ist noch nicht beraten worden. Bon französischer Seite wird bekannt- gegeben: Cs wurde fr-ute von den Vertretern der fünf einladenden Mächte beschlossen, dah die Mächte, die das Memorandum vom 2. Mai unterzeichnet haben, auf die russische Rote vom 11 Mai durch eine Rote antworten sollen, die morgen der Unterkommission für russische Qln- gclegcnheiten unterbreitet wird. Der Entwurf der Rrtc weist drei Teile aus: Zunächst wird die Kri ik der Russen an dem Memorandum zurück- gewiesen. Zweitens wird vorgeschlagen. Sach- verftändiqenausschüsfe einzusehen, um die vier folgenden Fragen zu prüfen: 1. Schulden, 2. Privateigentum, 3. Reparation der Schäden, die den Personen und dem Eigentum zugefügt wurden, 4. Kredite. Im Haag sollen am 26. Juni zwei Ausschüsse -usammentreten. von denen der eine aus den nicht russischen Staaten bestehen soll, der andere aus Vertretern Rustlands. Wenn der erstgenannte Ausschuh es für nötig halten sollte, soll der russische Ausschuh zur Teilnahme an seinen Verhandlungen eingeladen wrrdrn. Der dritte und letzte Teil des Entwurfs besagt: Ruhland und die Mächte, die im Sachversländigenaus- schuh vertreten sein werden, verpflichten sich, von jedem Angriff und jeglicher Propaganda Abstand zu nehmen. Auster über diesen Entwurf der Antwortnote an die Sowjetdelegaiion wurde nach französischer Mitteilung über folgenden Punkt eine Einigung erzielt: Die Mächte, die in der Unterkommission vertreten sind, soweit sie das Memorandum an Rußland unterzeichnet haben, sahten folgenden Deschluh: 1. Die nicht- russischen Sachverständigen werden nicht von der Genueser Konferenz ernannt, sondern von ihren Reglerungen. 2. Die nichtrussischen Sachverständigen worden am 15. Juni eine Präliminarversammlung abhalten, wo sie die Instruktionen ihrer Regierungen mitteilen. Vom 16. bis 22. Juni werden Besprechungen ohne die Russen abgehalten werden. Während dieser Frist wird es jeder vertretenen Macht freistehen, aus dem Ausschuh zurückzutreten, wenn sie es für angebracht hält. L Mährend einer Frist von vier Monaten, vom -6. Juni egt gerechnet, werden die in den Sach- »erständl-en-ommissionon vertretenen Staaten sich verpflichten, keinen Deparatvertrag mit Ruhland «b? »schließen. Alle in Genua vertretenen Mächte werde l eingeladen werden, sich im Sachverstän» digenausschuh im Haag vertreten zu lassen, ebenso die Vereinigten Staaten. Deutschland wird zur Teilnahme nicht eingeladen werden. Die französischen und die belgischen Delegierten verpflichten sich für den Fall, dah die Russen den Vorschlag annehmen, ihren Regierungen zu empfehlen, sich im Sachverständigenausschuh im Haag vertreten zu lassen. ♦ Genua, 13. Mai. (Spezialbericht dos Vertreters des WTD.) Die Unterkommission der ersten Kommission trat heute vormittag 11 Uhr zusammen, um über die Antwort auf die russische Rote zu beraten. Da es zu einer Einigung zwischen Lloyd George und Barthou nicht kommen konnte, wurde die Sitzung um 1.10 Uhr auf nachmittags 5 Uhr vertagt. Von englischer Sette wird über den Verlaus der Sitzung berichtet: Lloyd George erklärte, die russische Antwort fei sehr unbefriedigend, aber es sei ganz klar, dah die Russen wünschten, zu einem Abkommen zu gelangen. Ein Abbruch der Konferenz wogen dieser Antwort würde eine sehr ernste Gefahr für Europa und Asien bedeuten. Große Menschenmengen seien von der Hungersnot und den Seuchen bedroht, und wenn jetzt die Konferenz von Genua geschlossen würde, so würde zweifellos eine große Bedrohung der Ruhland benachbarten Staaten eintreten und nicht nur der europäische Friede, sondern auch der Friede der ganzen Welt fei in grösster Gefahr. Der britische Premierminister bat, kein so grobes Wesen zu machen ans dem Gegensatz zwischen dem Prinzip und dem System, sondern sich der praktischen Seite zuzuwenden. Eia grober Fortschritt sei bereits gemacht worden. Er schlage daher vor, auf die russische Antwort in der Weise zu an'worten: Es sollen Kommissionen für das Privateigentum, die Schulden u^b die Kreditfrage eingesetzt werden. Es sei von wesentlicher Bedeutung, dah diese Korn- missionen gemischt seien, denn eine neue Sach- ve.ständigenzusammenkuast nach dem Vorbilde von London sei eine reine Zeitverschwendung. Eine Bedingung aber sei wesentlich für die Ausführung seines Vorschlages, nämlich die Kommi sio- neu könnten nicht arbeiten in einer Atmosphäre der Bedrohung und der halben Feindseligkeit, während die Roten Armeen die Grenzen ihrer Rachbarn bedrohten die Propaganda fortdauere und während verschiedene Staaten ihre Grenzen bedroht fühlten. Darum schlage er einen Burgfrieden auf der Grundlage der de facto bestehenden Grenzen vor, bis die Kommissionen ihre Arbeiten beendet hätten. Lloyd George hob hervor, dah die bestehenden Verträge die Grenzen Osteuropas nicht endgültig festgesetzt hätten. Zum Schlüsse schlug Lloyd George noch vor, auf den propagandistischen Teil der russischen Antwort, die unmöglich ohne Antwort gelassen werden könnte, eine scharfe Antwort zu erteilen. Barth ou erflärte, die Interessen der französischen Regierung verhinderten die französische Delegation die Antwort auf das russische Dokument zu erörtern, an dessen Absendung sie nicht beteiligt gewesen sei. Die Ansicht der französischen Regierung fei, dah Lloyd Georges Vorschlag über die Einsetzung von Kommissionen keinen Zweck habe und lediglich eine neue Konferenz von Genua bedeuten würde. Barthou behielt sich das Recht vor, die Möglichkeit der Ernennung einer derartigen Kommission in Erwägung zu ziehen, wenn sie nicht von der Genueser Konferenz, sondern später ernannt würde, und wenn in dieser Kommission nur d i e alliierten Regierungen, die R e u t r a l e n und vielleicht auch dieVer- einigten Staaten vertreten sein würden. Frankreich würde aber niemals der Ernennung einer Kommission mit russischen Mitgliedern zustimmen. Die französische Ansicht fei ferner die, bah der Vorschlag eines Burgfriedens eine ernste Gefahr fei, da die Propaganda fortdauern und die Kommission in beständiger Sorge vor den Roten Armeen und der russischen Gewalttätigkeit, arbeiten würde. E r bedauere, dah Frankreich den britischen Vorschlag nichtannebme i könne. Der i a'.ie -ische Minister des Aeahern Schanz er sagte, Italien fei nicht bereit, die Hoffnung aut einen F irden mit Rabland aaf- zugeben und es fei ebenfalls nicht bereit, bu schwere Verantwortung des Abschlages des britischen Vorschlages auf sich zu nehmen. Es seien schon beträchtliche Fortschritte aut der Konferenz erzielt toorten. Im Falle eines Abbruches der Konferenz feien bte innneren und äuberen Gefahren sehr grob. Wenn die Konferenz nur wegen einer reinen Prozedurfrage zusammenb.eche i würde, fo würde in Europa, das mit Spannung die Arbeiten der Konferenz vrr'o'ge, niemand dem verzeihen, der die Verantwortung für den Bruch der Konferenz tragen mühte. Die i a- lienifche Regierung nehme daher den britischen Vorschlag gerne an, und sie bitte die französische Regierung. ebenfalls die Annahme dieses Vorschlages in Erwägung zu ziehen, aber Rah« land mühte unbedingt tu der Sachverständigenkommission vertreten fein. Schanzer richtete darauf ein »n warmen Appell an Barthou, noch einmal die Haltung der französischen Delegation in Erwägung zu ziehen. Der rumänische Delegierte B r a t i a n u sagte, der Friede Europas mühte unbedingt arfrrch'- erhalten werden und er beantrage daher eine kurze Vertagung, damit -informelle Besprechingen stattfinden könnten. £er i a.ienische Premierm n ster de Facta stimmte der Vertagung zu, Lloyd George sagte, er fei damit einverstanden, dah dir Sitzung bis am 5 ülhr vertagt werde. Die entscheidende Nachmittagsitzurig. Genua, 13. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTD.) Heute nachmittag hatten Lloyd George und Barthou eine zweistündige Unterrcbung. Im Anschluß daran wurde von 6 bis 8 ülhr eine Sitzung der Unterfommiffion der ersten Kommission abgehalten, worin besonders die Vertreter anderer Mächte Gelegenheit erhielten, ihre Auffassung darzulegen. Lloyd George und Barthou erklärten beide, es fei bei ihrer llnterrebung ein guter Fortschritt auf dem Wege zu einer Einigung erzielt worden. Morgen vormittag findet eine Beratung der Vertreter der einladenden Mächte statt. Montag vormittag wird die Unterfommif- sion wieder zu einer Sitzung zusammentreten. Die Sitzung der ülnteilommission der ersten Kommission begann um 6 Ubr nachmittags. Vicomte Ishii erklärte, die Mächte dürften ihre Arbeiten auf der Konferenz, nicht aufgeben. Das Ziel sei zu bedeutungsvoll. Es handele sich nicht nur um den Wiederaufbau Europas, sondern um den Wiederaufbau der ganzen Welt. Es sei von größter Dedeuiung, zu einer Einigung zu gelangen. E r billige den britischen Vorschlag und hoffe, es werde möglich sein, sich zu einigen. Motta sagte, nach seiner Ansicht würde es besser fein, wenn die neuen Sachverständigenkommission von der Genueser Konferenz ernannt werde, aber er sei auch nicht gegen die Ernennung durch die Regierungen. Die Kommission werde aber vollkommen zwecklos sein, wenn die Russen in ihr nicht vertreten feien. Er glaube, es sei sehr wichtig, die Kommission einzusehen, damit der Abschluß von Seperatabkommen verhindert würde. Die Schweiz sei neutral, begrüße aber den Vorschlag des Burgfriedens mit Enthusiasmus. Dar thou sprach seine Zufriedenheit aus über den Fortschritt, der bei seiner Konferenz mit Lloyd George erzielt worden sei. Er hoffe zu einem vollständigen Einvernehmen zu gelangen. Ob nun die Mitglieder der Kommission von den Regierungen ernannt würden oder von der Konferenz, auf jeden Fall würde die Kommission das Ergebnis der Konserenz von Genua fein. Er glaube auch, dah man zu einem Abkommen in der Frage der ‘Beteiligung der Russen gelangen könne. Diese Erklärung fand lebhaften (Beifall bei allen Anwesenden (Bartfrm sagte noch das Einvernehmen sei noch nicht vollständig, aber er hoffe, es werde morgen ermöglicht werden. Er sei einverstanden mit dem Vorschläge des Burgfriedens, wie ihn Lloyd George anrege. Es fei sehr wichtig, Separatverträge zu vermeiden. Die anderen Mächte hätten die Meinung, Frankreichs und Großbritanniens wissen wollen. Jetzt sei der Augenblick für die anderen gekommen, ihre Ansichten gus- zusprechen. Lloyd George sprach hierauf einige Worte. Er bestätigte, daß ein Fortschritt bei feiner Besprechung mit Barthou erzielt worden fei. Es sei notwendig, sofort über den Sih der Sachverständigenkommission und das Datum ihres Zusammentritts zu entscheiden. Es würde sehr wesentlich fein, jetzt in Genua zu einer Einigung zu gelangen. Alle Mächte, besonders die Grenz- flaaien Rußlands, mühten den Burgfrieden annehmen. Dieser müsse auf Gegenseitigkeit beruhen. Lloyd George forderte ebenfalls die anderen Mächte auf, ihre Ansicht zu äußern. S k i r m u n t sagte, Polen sei die einzige tn der Untei tcmmiffiD.i vertretene Macht, die bereits einen F.i densv.'rtiag mit Rußland abgeschlossen habe. Polen habe sich an der ilnterEommilfion beteiligt, weil es ein allgemeines 2Ibtommen wünschte. Die Ostgrenze Polens fei durch den Vertrag von Riga festgesetzt. Aber Polen fei lebhaft an dem Du gf bben-batt interessiert. 3a- spar- Belgien erklärte, die belgische Delegation wünsche ebenfalls, daß in Genua ein Abkommen erreicht werde. Er hoffe, daß niemand glauben werde, Belgien verhindere eine Regelung Er sei mit Schanzer der Ansicht, daß die fünf Wochen, die man hier zugebrächt habe, keine zu lange Periode feien. Aber es gebe Mächte, die Angst hätten, „auf der Stelle zu marfbüren“. Er sei überzeugt, daß die Mächte fort fahren müßten mit ihrer Arbeit. Rlernend werde die Verantwortang für einen Mißerfolg auf sich nehmen, nachdem alles so gut begonnen habe. Schanzer sprach feine große Zufriedenheit über die llnterrebung zw-ifchen Lloyd George und Barthou aus. Er sagte, Italien habe bereits einen Handelsvertrag mit Rußland fertig, der noch nicht unterschrieben worden fei, dessen Unterzeichnung aber wohl erfolgen werde. Er glaube, dah es wichtig sei, Datum und Sitz der zu ernennenden Kommission unverzüglich feft;usehen. Seiner Ansicht nach müsse die Sachverständigenkommission fo schnell wie möglich zusammentreten. Er glaube, es sei notwendig, die Periode zu beftirttmen, in der die Kommission ihre Arbeiten beenden müsse, weil man nicht von den Mächten verlangen könne, auf allzu lange Zeit auf ihr Recht, Separatverträge zu schließen, zu verzichten. Er schlage eine Periode von drei Monaten vor. — Die Kom- missionssitzung war um 8 Uhr zu Ende. — Die nächste Sitzung findet Montag vormittag statt. London, 15. Mai. (WTD.) Die Blätter weisen in Telegrammen aus Genua auf die Anna h m e der britis chen Vorschläge für die Behandlung der russischen Frage und das dadurch erzielte vollständige Uebereinfom- m e n hin. Wickham Steed hebt jedoch in der ,T i- m e s“ hervor, daß die Delegierten Frankreichs und Belgiens sich wohl bereit erklärten, ihren Regierungen anzuempseblen, die abgeschlossenen Vereinbarungen anzunehmen, jedoch keine Gewähr geben konnten, daß diese Vereinbarungen auch wirklich anaenommen werden. Zwischen dem 15. und 26. 3uni könne jede Regierung auch ihren Vertreter von der Kommission zurückziehen, ohne sich dem Verdacht auszufetzen, in einem unfreundlichen Geiste zu handeln. Es sei auch nicht anerkannt, ob die Bolschewisten den Bedingungen des geplanten Burgfrieden- zustimmen werden. In einer Unterredung mit Mitgliedern der russischen Delegation stellte der (Reuter- Sonderberichterstatter fest, daß die russische Delegation gegen eine 'Beteiligung Rußlands an dem Pakte nichts einzuwenden habe. Das (Knde der Konferenz? Paris, 14. Mai. (WTD.) Der Ha» vas-Sonderberichterstatter in Genua berichtete in der vergangenen Rächt, daß die Genueser Konferenz so gut wie beendet sei. Das sei das wesentliche Ergebnis des Tages. Falls das Abkommen über die Art und Weise, wie der Sachverständigenausschuß zur Prüfung des russ.sehen Problems funktionieren soll, erzielt wird, wird Lloyd George, wie er gestern abend erklärte, nicht auf der Diskussion der anderen auf dem Pro-f Konferenz werde dann am Dienstag durch gramm stehenden Fragen beharren, und die eine letzte Vollsitzung ihre Arbeiten beenden. Aus den heutigen Beratungen ergab sich, daß ohne die Mitarbeit der Vereinigten Staaten der Wiederaufbau Rußlands unmöglich ist. Roch gestern abend wurde der Botschafter der Vereinigten Staaten in Rom beauftragt, seiner Regierung von t dem Wunsche aller in der politischen (Unterkommission vertretenen Mächte Kenntnis zu geben. Man erwartet in kürzester 'Frist eine Antwort aus Washington. Es ist unzweifelhaft, daß, wenn von Amerika Bürgschaften verlangt werden, diese sicher bewilligt werden. Paris, 14. Mai. (WTD.) Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas berichtet' aus Genua, daß bereits in der vergangenen Rächt inzuständigenamerikanischen Kreisen die Lieberzeugung Platz gegriffen hat, daß die Regierung der Vereinigten Staaten bereit sein werde, an den Arbeiten der Sachverständigenkonferenz teilzunehmen, die nach dem Konferenzbeschluß die Prüfung der Mittel fvrtsetzen soll, wodurch sich Rußland wieder erheben könnte. Andererseits wird dem „Rew Dork Herald" aus Washington gemeldet, Botschafter Child habe keinerlei Weisungen erhalten, um Lloyd George vorzuschlagen, dah Amerika an der russischen Kommission teilnehmen möchte. Wenn irgend ein Vorschlag von einftuhreichen amerikanischen Persönlichkeiten in Genua gemacht wurde, so müßte das Staatsdepartement feststellen, daß es davon ohne Kenntnis war. ' Reichsfinanzminister Hermes in Paris. Paris, 13. Mai. (WTB.) Reichs- ftnanzminister Dr. Hermes hat heute nachmittag dem Vorsitzenden der Reparattons- kvmmission und dem französischen Delegierten Louis Dubois einen Besuch abgestattet. Die sachlichen Beratungen mit den Mitgliedern der ReparattonSkvmmission werden am Montag vormittag beginnen. König Georg in Belgien. Paris, 13. Mai. (WTD.) König Ge» v r g von England hat an den letzten beiden Tagen in Begleitung von Marschall Foch und Marschall Haig eine Anzahl englischer Kriegsgräber tn Rv-dfrankreich besucht und heute nachmittag vvn Boulogne aus die Rückreise nach England angetreten. Paris, 14. Mai. (WTD.) Auf ein Telegramm des Königs von England nach seinem Desuch der Soldalenfriedhöfe an der ehemaligen Front antwortete PräsidentMille- r a n d , Frankreich werde das Opfer der britischen Soldaten niemals vergessen, die an der Seite der französischen Soldaten im Laufe eines schrecklichen und glorreichen Kampfes gegen einen ungerechten Angriff gefallen seien. Mit der Regierung der Republik und dem gesamten französischen Volke schließe er sich der Anerkennung an, die der König den ruhmreichen englischen und sranzösi- schen Soldaten gezollt habe. Generalratswahlen in Frankreich. Paris, 15. Mai. (WTD - Gestern haben in Frankreich in allen Departements mit Ausnahme des Seine-Departements und Algerien bj e Wahlen für die Hälfte der General- r ä te und für die Hälfteder Arrond'isse- mentsräte stattgefunden. Es hab-m viele Stich- toahlen stattgefunbrn. 3m ganzen haben sitz nach einer Meldung ter Havasagentur 1491 Generalräte zur Wahl gestellt. Rach Parteien geordnet entfallen auf ~bie Rechte und die Aktionsliberalen 170 Sitze, auf die demokratische Entente und die Linksrepublikaner 654 Sitze, auf die Linksradikalen, radialen Sozialisten und soz'alistischen Republl- taner 574. auf die Sozialisten und unabhängigen So-ialisten 74 und auf £ ie Kommunisten 19 Sitze. 9 Senatoren und 131 Debitierte befinden sich Reisuli von den Spanier« eingeschlossen. Madrid, 14. Mai. (WTB.) Die Spanier fanden bei ihrem Einzug in Trazarut Raisuli nfcht vor, wie sie gehofft hatten. Es scheint, daß der marokkanische Führer sich in das Heiligtum von ABd el Salam geflüchtet hat, wo er durch das Asylrecht zwar geschützt ist, aber durch den Mangel an Lebensmitteln gezwungen sein wird, sich zu ergeben. Dom Dölkerbundsrat. Genf, 13. Mai. (WTB.) Der Vül- kerbundsrat hat in öffentlicher Sitzung die in Atttkel 35 der Satzungen des internativ-' nalen ständigen Gerichtshofes vorgesehene Bestimmung über die Bedingungen, unter denen Nichtmitglieder des Völkerbundes den internationalen Gerichtshof in Anspruch nehmen können, angenommen. Danach muh der betreffende Staat zunächst die Gerichtsbarkeit des Gerichtshofes anerkennen und sich verpflichten, keinen Krieg gegen den Staat zu führen, der das Artet! des Gerichtshofes ausführt. — In einer geheimen Sitzung, an der der Direktor des internationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, der aus Genua hierher gekommen war, teilnahm, wurde auf Verlangen der französischen Negierung beschlossen, das Gutachten des internationalen Gerichtshofes über die Zuständigkeit der internationalen Arbeitsorganisation fiir eine internationale Regelung der Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft einzuholen. Auf einstimmigen Anttag der internationalen Arbeitsorganisation wird der Rat jedenfalls das Gutachten des Gerichtshofes über den bekannten Zwischenfall bei der Ernennung des holländischen Arbeitervertreters auf der dritten inte nattonalen Ar- bettskonferenz einfordern, d. h. darüber, ob diese Ernennung den Bestimmungen des Artikels 389 Abs. 3 des Versailler Verttaaes entspricht oder nicht. Die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages. Genf, 14. Mai. (WTB.) Die Anterzeich- imng des deutsch-polnischen Ver- !t r'a g e s und damit der Abschluh der deutsch- ijevlnischen Verhandlungen in Genf ist auf morgen Montag nachmtttags 6 Ahr angeseht. Die Sitzung, zu der die Oeffentlichkeit zuge- lassen ist und die in dem Generalsekretariat des Völkerbundrats stattfinden wird, wird von dem Präsidenten der Konferenz, Ealonder, mit einer längeren Rede eröffnet werden, auf die zunächst Reichsminister a. D. Schiffer und dann der polnische Bevollmächttgte, Minister Olschewski antworten wird. Die Ratifikatton durch die Parlamente soll bis zum 27. Mai erfolgen. Der Austausch der Ratffikattons- urkruwen wird dann in Oppeln stattfinden. Morgan und Kahn nach Frankreich unterwegs. Neuhvrk, 14. Mai. (WTB.) Gestern schifften sich Pierpont Morgan und Otto H. Kahn auf dem Dampfer „Olhmpic" nach Frankreich ein. unter den zur Wiederwahl stehenden Geneoar- räten. Ein Senator und 12 Deputierte haben sich neu aufstellen lassen. 4 Mitglieder der Regierung haben kandidiert: Ministerpräsident Poin- corä, Kolonialminister Darrau:, Derkeh.smrrister £e Troquer und der Minister des Innern Maa- nourh. Alm 1 Alhr heute früh sind folgende bekannt gewordenen Ergebnisse verkündet worden: Konservative und Aktionsliberale 26, Progressistische Republikaner und Linksrepublikaner 113, Radikale, radikale Sozialisten und sozialistische Republikaner 126, unabhängige Sozialisten und geeinigte Sozialisten 14, Kommunisten 5: Stichwahlen 31. 3m ganzen wurden also 315 Wahlergebn.sse bekannt. Die Konservativen und Artionslrbe.alen verlieren 3 Sitze, die Progresfisten und Linksrevublilaner verlieren 9 urrd gewinnen 7 Sitze, die Radikalen gewinnen 8 und verlieren 5, die Sozialisten gewinnen 2 und verlieren 1 Sih. Die „n R o m b e e k, Direktor des Austunftsbaveaas des Kolonialamts im Haag, über wirtschaftliche Fragen gesprochen hatte, war es der Hochschulgesellschaft gelungen, jei?t einen holländischen Gelehrten in ihrer Mitte zu sehen. Der Professor der Volkswi tschafts ehre Dr. G. W. Bruins von der Handelshochschule in Rotterdam hielt einen Vortrag über: „Die Grundlagen der niederländischen Freihandelspolitik und die jetzige Wirtschaftskrise e". Der große Her aal der Alniversität war güt beseht, wenn auch bedauerlich war, daß gerade die Kreise des Handels und der Industrie unserer Stadt, die durch so vielfältige Beziehungen mit Holland verknüpft sind, nur in sehr geringer Anzahl erschien: i waren. Die Hauptteilnehmerschaft st'.Ilten die in Gießen Volkswirtschaft hörenden Studierenden, die das interessante Thema angelockt hatte. — Der Vortragende gab zunächst einen geschichtlichen Aleberblick über die Handelspolitit Hollands vom Westfälischen Frieden an bis in die neuere Zeit. Er zeigte, wie sich schon von ftüh auf der Sinn für Freiheit, Freiheit der Schiffahrt, Freiheit des Handels, ja auch in geistiger Beziehung für Glaubensfreiheit, im holländischen Volke festgesetzt hatte. Selbst während des Zeitalters des Merkantilismus, in dem sämtliche Nachbarstaaten der Niederlande dem Protektionismus huldigten, blieb dieses Land von jener Einstellung unberührt. Wie der Vortragende ausführte, waren in jener Zeit allerdings andere als holländische Schiffe selten in den Häfen des Landes zu sehen. Nachdem jene Blütezeit des Handels vorüber war, wurde immer noch nichts an der alten Frei Handels tradition geändert. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war das Handelsschiff- fahrtsmonvpol vorüber, der Handel bewegte sich in vergreisten Formen, der Zinsfuß trat gewaltig gesunken und der Vorsprung gegenüber andern Ländern war geschwunden; siegten diese doch durch die Stärke ihrer natürlichen Hilfsquellen. Prof. Bruins zitierte die Alntersuchung unseres ehemaligen Gießener Nationalökonomen L a s p e y - res über die Volkswirtschaft ichen Anschauungen der Niederlande in jener Zeit des Verfalls; ihm sind die besten Aufschlüsse hierüber zu verdanken. Ein neuer Abschnitt beginnt erst 1813, als das Fürstenhaus Oranien erscheint und die Regierung Wilhelms i. einige, wenn auch schwache protektivniflische Versuche wagt. _ Die Vft:eim- gung der Niederlande mit Belgien fuhrt 1818 zu einer neuen Tarifpolittk, die dem Schutze des mehr industriellen Belgien gerechter wird. In jener Zett fängt der Handel wieder an, einen Aufschwung zu nehmen, wovon die Gründung der Niederländischen Bant und der Gesellschaft des Handels mit China zeugen, ihn die Mitte des Jahrhunderts erreichen die Gründungen ihren Höhepunkt. Das Jahr 1848 mit seiner liberalen Ideenwelt bedeutet wieder eine Wende, denn jetzt tritt eine scharfe Opposition gegen den, toean auch schwachen, Protektionismus des Königt ims auf. Das Jahr bringt den Parlamentarismus Hollands. Beeinflußt von dem manchesterlichm Liberalismus, neigt die Stimmung in Holland auch wieder diesem zu. Zwei Jahre nach dem Cobdenvertrag. 1862, kommt das neue Zollgesetz heraus, das einen so schwachen Protektionismus erkennen läßt, daß man von einem Freihandels- land sprechen kann. Seit 1 8 6 2 ist Mit einer kleinen Ausnahme von 1877, durch welche' sogar weitere Erleichterungen gescha-sfe-u wurden) a n jenem Tarif nichts mehr geändert worden. Weist er doch nur 36 Positionen auf: 1872 beginnt das Ende der differentiellen Behandlung der Kolonien. — Dr. Bruins geht dann weiter auf die wirtschaftliche Struktur des Landes ein und weist nach, daß auch die produzierenden Kreise von Landwirtschaft und Industrie selbst dem Freihaerdelsgedanten huldigten. Er sucht zu zeigen, daß nur sehr starke Momente ein Volk, das Jahrhunderte in einem solchen Gedankenkreise lebt, dazu führen können, ein so tief eingewurzeltes System zu ändern. Seit 1920 ist tatsächlich eine derartige Bewegung vorhanden. Sie hängt mit der dleberschwemmung Hollands mit deutschen Produk en zusammen, die bekanntlich als Valutadumping b z ich. et wird. Der Vortragende zeigt viel Verständnis für Deutschlands Lage und erEerrnt richtig die Z l- sammenhänge, die zwischen der Ausschaltung Mittel- und Osteuropas vom Wi tfXaiteitörber der Welt, mit der Stagnation des Handels der Entente und neutralen Ländern besteht. Auch Holland besitzt, jetzt in 16 Prozent seiner Arbeiterschaft, ein großes Heer Arbeitsloser! Der Charakter Hollands als Durchgangsverkch's and nach Deutschland läßt die .'Ursachen der Wirt'chasts-' krise weiter deutlich hervortreten. Der Vortragende verhehlt nicht, daß eine starke Strömung gegen die deutschen Exportinteressenten besteht, die als Ver rag kontrahm e i wegen ihrer nachträglichen Aufschläge nicht als einwandef.el gelten. Die nächste Zeit wird zeigen, ob diese Richtung, die von einflußreichen Kreisen der Wirtschaft und Poliftk des Landes getragen ist, in Prohttttivcck en ihren Aud.uct finden wird. — Der fesselnde Vortrag hat hier das größte Interesse gefunden. ♦ ** Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und die Post folgt in der Woche vom 15.—21. Mai d. Is. unverändert wie in der Vorwoche zum Preise von 1200 Mk. für ein Zwanzigmarkstück, 600 Mark für ein Zehnmarkstück. Für die ausländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. ** Hessische Kinder Hilfs Woche in Gießen 1921. Von zuständiger Stelle wird uns mitgeteilt: Bei der Verteilung von Schuhen aus Mitteln der Kinderhilsswochs mußte einzelnen leider eine Enttäuschung bereitet werden, da die passenden Nummern bereits vergriffen waren. Es ist, nicht zuletzt durch das dankenswerte Entgegenkommen der liefernden Fabrik, Heinrich Dreyer in Butzbach, möglich geworden, diese alle noch zu berücksichtigen. Die Eltern erhalten Nachricht, sobald die Schuhe eingetroffen sind. Boruotizeu. — Tageskalender für Montag. Astoria-Lichtspiele: „Das verschwundene Haus^ und „Charly tauft ’nen Regenschirm". — Lichtspielhaus, Bahnhofstr., ab heute: „Kaiserin Elisti- beth von Oesterreich". — Gießener Hausfrauenverein. Der Verband hessischer Hausfrauenvereine, dem auch der Gießener Hausfrauenverein angehört, richtet in Bad-Nauheim eine Verkaufsstelle für feine Handarbeiten (Kunststickerei, Stickerei, Filet, Trachtenpuppen usw.) ein. Mitglieder des Vereins, die Gegenstände der genannten Art zu verlausen wünschen, wollen sich baldmöglichst mit Frau Pros. Schian in Verbindung sehen. Wettervoraussage für Dienstag. Zunahme der Bewölkung, vorerst noch ttocken, mild, westliche bis nordwestliche Winde. .lieber Skandinavien liegt der Kern einet Depression, die schnell nach Osten zieht. Während wir noch unter dem Einfluß eines über Mitteleuropa liegenden Maximums stehen, kündigt stark fallender Barometerstand an der Westküste Englands eine neue Depression an, die uns einen abermaligen Witterungsumschlag in Aussicht stellt. Landkreis Gießen. * Wies eck, 15. Mai. Das Fest der Silbernen Hochzeit begehen morgen die Eheleute Reinhard Kling und Frau Katharine, Kornblumenstr. 51. Kreis Friedberg. fpd. Vilbel, 14. Mai. Starke Landjägerstreifen nahmen im Laufe dieser Woche in zahlreichen Nachbardörfern Bei Milchhamste - rem Beschlagnahmungen kedeuterder Milchvorräte vor, die von den gecviffenlosen Vvlksausbe'ttern am F anffurter und Darmstädter Hotels und Konditoreien geliefert werden sollten Auch die grüne Polizei Betätigte sich in diesen Tagen eifrig an der Erfassung derartiger Milch- norräte. Die Behörde mußte zu diesen Maßnahmen schreiten, um den dringendsten Milchbedarf für die kleinen Kinder sicherzustellen. Starkenburg und Rheinhessen. * Radauszenen Beim Vortrag b c8 Prof. D r. Brunner in Darmstadt. In unserer Nr. 104 berichtete einer unserer Darmstädter Mitarbeiter in kurzen Zeilen über einen Vortrag Dr. Brunners im Christlichen Verein junger Männer zu Darmstadt. Nach den Ausfüllungen des Redners entstanden heftige Ausein- andeisetzungen, die nunmehr zwei in dem Artikel genannte Herren veranlassen, sich mit langen Berichtigungen an uns zu werden. Wir ersehen aus den Darmstädter Blättern daß in der Tat eine ziemlich wüste Auseinandersetzung an dem Vortragsabend stattgefunden haben muh, die auch hinterher in der Darmstädter Presse noch weitere Kreise zog. ftlns farni es jedoch nicht einfallen, umständlich den klaren Sachve'haft fest stellen zu wollen; wir begnügen uns vielmehr damit, aus den uns zugegangenen Zuschriften zu entnehmen, daß Stud. Haubach einer der Opponenten Brunners, kein Kommunist sei und wohl Zwischenrufe. aber feine „gemeinen Zwischenrufe" in Ben Saal gerufen haben soll. Der frühere Stadtverordnete Dr. Ing. Heyd will lediglich vermittelnd eingegriffen haben, gibt aber zu, daß er nahezu in ein Handgemenge hineingezogen worden sei. Wenn wir im übrigen die ausführlichen Berichte der Darmstädter Presse lesen, so gewinnen wir denn doch fast die ftleberzeugung, daß die Veffechter moderner Kunstbestrebungen in Darmstadt als Gäste in einer Versammlung sich nicht gerade maß- und taktvoll benommen haben. Hessen-Nassau. Aussperrung in der weftallmdustrie. mc. Frankfurt a. M., 14. Mai. Die Arbeitgeber in der Metallindustrie drohen mit Sofortiger Sntlasiung der Arbeiterschaft. am rinnenden Mittwoch, wenn diese sich nicht biS Dienstag mittag mit der 46stündiqen Arbeitswoche entoerftonben erklärt. Seither wurde in den "Betrieben 44—43 Stunden gearbeitet. * mc. Frankfurt a M, 14. Mai. 3n der Rierstetner Stvahe wurde ein junges Mädchen von drei Kerlen überfallen und s.iner Barschaft beraubt. Darm stachen die Kerle auf Las Mädchen ein, d.iS mit mehrere.' St ich en in der Brust bewußtlos aufgefunden wurde. Die Täter enttarnen. fpd. Ufingen, 14. Mai. Die Iustiz- dchörde hat der Stadtgememde mitgetetlt, das) im nächsten Jahre mit dem BaudeSneuen A m t s ger ich tsge bä u des begonnen werde. Der Neubau derLaudtoirt- f c() a f t ö f d) u 1 e ist am letzten Mittwoch in Qlngrtff genommen worden. <3ämUid)e Fuhren für das Gebäude werden von der Asin- gcr Kreisbauernschaft kostenlos ausgeführt. Den Neigen derselben eröffnete die Orts- bauernschast Eschbach. (BertcMsfaal. Wichtige Gntfcherdungen deS Derivaltungs- gertchtrhofes. rm. Darin stad t, 14 .Mai. Der Berwal- !u>ngsgerichtshol f (Le eine Entscheidung, eie auch für w-itere Ä reife, insbesondere sür die Städte von Bedeutung ist. Wie die Stadt Darmstadt ergebt auch Mainz auf Grund eines O, i^ftaiut» eine sog. Neinigungssteuer von 10 Proz. des Mic> oder Pachtwertes der Gebäude. Da nach den Bestimmungen von 1911 l'.w. 1824 die Kirchen von der Besteuerung lcf eit sind, hat die Kirchengemeinde St.Stephan in ?ssüinz Klage wegen der für das Jahr 1921 e folgten Heran,iehung von 3370 Mk. zu dieser Steuer Beschwerde e.hoben. Dec P ovinrialaus- schuh in Mainz hat diesen Einspruch kostenfällig abgewies n, worauf im Au trag der St. Stephans- kirche der A.-A Dr. B o ck i u s - Mainz gegen dieses Urteil beim DerwaltungsgerichtShof Einspruch erhob. Beigeordneter Hiemenz vertrat die Stadt Main,. Der Vertreter der Kirche macht u. a geltend, dah bei Bil^rng der Ortssatzuna er KreisauSschuh nicht gehört worden sei, datz die Kirchen den Bestimmungen gemäf) nicht zu der Besteuerung herangezogen werden können und daß di.' Kirct>en zudem keinen Mietwert haben, noch toelchein die Steuer berechnet werden könne. Neig, Hiemenz ist der Auftasiung, Last die Auflage als eine Gebühr zu betrachten sei, der auch die Kirche für städtische Leistungen unter» liege Der 03 nitrier des Dtaatsinteresses schliesst sich dieser Aus'assung an und Beantrag; Klage- aoweisung, d-a die Gemeinde nur für bestimmte Leistungen den Besitzern eine Gebühr auferlegen ■forme Der Gerichtshof beschliesst nach eingehender Beratung- ^Da. Ylrtcif des Provinzialausschusses wird ausgehoben und die Kirche von der auf» erlegten Gebühr befrei! “ Es wird außerdem angeregt. daß die Stadt Älainz zu den weiter schwebenden Klagen der St. Emmeranskirche. der Ehristuskirche und der ifraeL Religionsgemeinschaft auf Grund dieses Urteils bald Stellung nimmt, damit weitere Kosten evtl, erspart werden filmen. Die Gemeinde Ettingshausen bei Gießen führt Klage gegen einen Beschluß des Kreis- amtes Gießen betr. die GlekkrizitätS- nerforgung von Ettlinghauten. Der ®e> mehtberat von E. beschloß im Mai 1920, allen O. tsbürgern bzw. Hausbesitzern von E. für die Kosten zu der elektrischen Einrichtung den Betrag von 500 Mk. zu gewähren. Die hierzu notige Summe von e'Uxi 56 000 Mk. soll aus dem Ueber- s Huß des Holzerlöses genommen werden. Eine Genehmigung deS Kreisamtes hierzu ist nicht erfolgt und wird auch jetzt versagt, da dies eine Schenkung bedeute, die mit dem Ortsbürgernutzen nicht in Verbindung gebracht werden dürfe. Der Provinzialausschnß Hit die Genehmigung erteilt mit dem Hin zu fügen daß jeder Ortsbürger, ob Hausbesitzer oder nicht, die 500 Mk. erhalte. Der 'Bertreter des Staatsinlereffes beantragt aus formellen Gründen Zurückverweisung an den Provinzialausschutz. Der Berwaltungsgerichtshof hob da-s Urteil des Provinzialausschufses auf unb wie- die Berufung der Gemeinde Ettingshausen kostenfällig zurück. Vermischtes. Der Urktmbenfalscher Anspach. Berlin, 13. Mai. (DDB.) Einer Korrespondenzmeldung zufolge erzählte der Urkundensälscher Anspach vor seiner Verhaftung einer ganzen Reihe von Zeugen, daß er jetzt auch an Dokumenten für Genua arbeite. Diese Dokumente sollten den Rach- weis der beutfcben Zahlungsfähigkeit erbrin- bringen. Anspach kaufte, um Unterlagen für seine „Dokumente" zu schaffen, verschiedene Werte über dos Wirtschaftsleben. Höchsttoahr- cheinlich ist, daß Anspach tatsächlich auch ferartige Dokumente fälschte. Da bei ihm edoch keine vorgefunden wurden, ist anzunehmen, daß er sie bei anderen Leuten in Verwahrung gegeben hat, tote er z. B. auch frühere Fälschungen bei Pfandleihern unter der Angabe falscher Hamen hinterlegte. Berlin, 13. Mai. (DTD.) Die Angelegenheit Anspach beschäftigt die zuständigen Stellen weiterhin in der Einsicht, daß her Umfang seiner Fälschungen und ihre Wirkung nach Möglichkeit festgestellt werden müssen. Dies mit Gewissenhaftigkeit zu tun, wird aber nicht erleichtert durch foldje ungereimten Uebertreibungen, wie sie sich in einzelnen: Pressenutzerungen finden, z. B. Anspach habe „der Entente alles das geliefert, dessen sie bedurfte, um die vielen Roten RolletS, der Botschafterlonferenz unb des Obersten Rates an Deutschland zu richten“. Darin zeigt sich die leider oft beobachtete Befähigung, das beste Recht in Unrecht umzuwandeln. 3m Gegenteil gilt eS vor allen Dingen, noch genauer als bisher die zahlreichen Abnehmer der gefälschten Dokumente zu eruieren. Anspach bat zivar schon die verschiedenartigsten ausländischen Be^rden und Einzelpersönlich- fetten genannt und zugleich die Art von Material, die ihm jeweils mit Vorzug abgenommen wurde. D-e Ausgabe besteht nun darin, das Vorgefundene Material und die einzelnen Bekundungen mit den politischen Vorgängen der letzten 12 Monate zu vergleichen und dabei die Ursache und Wirkung sestzustellen. Schon jetzt werden gewisse Be- schuldigunaen, die in Deutschland als fast unerklärlich empfünften wurden, an Hand der vorliegenden Anspachschen Fälschungen verständlich. Ueber die Art, wie eS gelang, den Fälscher Anspach zu entlarven, erfährt, der Berliner Lvlalanzeiger aus Breslau: Anspach hatte sich im vorigen Jahre mit der Tochter eines angesehenen Göttinger Rechtsanwalts verheiratet, demgegenüber er sich als Doktor und hoher Re- gierungSbeamter anSgegeben hatte. Da dem Schwiegervater Bedenken wegen der Echtheit des Dvktortitels Anspachs gekommen waren und er die Beibringung eines Ausweises verlangte, beschloß Anspach in Breslau die Doktorwürde zu erwerben, wo eines seiner Werkzeuge, der ehemalige Fürstenwalder Seminarist Schönberner gerade im Begriffe stand, für einen Berliner Handelshochschüler die staatswissenschaftliche Doktorprüfung abzulegen. Ein Breslauer Student, dem das Auftreten Schönberners verdächtig vorkam, unterrichtete die Breslauer Unwersitätsbehörde. Gs gelang so, die beiden Fälscher auf Schritt und Tritt zu beobachten. Alle von Anspach einge» reichten StudienauSweise waren gefälscht, jedoch so musterhaft und sauber, Dah sie nur äußerst schwer als Fälschungen zu erkennen waren. Die Prüfung AnsvachS hatte im März statisinden sollen. Inzwischen war er jedoch wieder nach Berlin zurückgegangen. 3n der Anspachaffäre sind nunmehr auch in Breslau mehrere Personen verhaftet worden, denen Anspach gefälschte Reife- und älniversitätS- zeugnisse verkauft hatte. Roch ein Dokumentenfälscher. Berlin, 14. Mai. (WTD.) Die Polizei verhaftete den 21jährigen Boten Willi Bergholz, der sich schon ftÄher durch allerhand Schwindeleien bemerkbar machte und c^Sdann dazu überging, von ihm gefälschte Berichte über Geheimfitzungen der Kommunisten gegen Entschädigung an rechtsstehende Kreise zu liefern. Er ließ sich Briefbogen drucken, die den Kopf trugen „Präsident deS W. E. B. A. (soll heißen Osteuropäischer Be- wafsnungsausschuß) der kommunistischen 3n> temationale Berlin". Andere lauteten: „Präsident des 0. B.A. (soll beißen internationaler DetoaffnungsauSschutz). Auf diesen Dogen lieferte er angebliche Protokolle über kommunistische Geheimst tzunaen, Angaben über angebliche Waffenbestände der Kommunisten, Kampfpläne und dergleichen mehr. Rachdem die Polizei ihn längere Zeit beobachtete, wurde er nunmehr verhaftet. Großfeuer in Stettin. Stettin, 13. Mai. (Wolfs.) Gestern abend 101 il^r ist am hiesigen Freihafen im Schuppen 4 aus bisher noch nicht aufgeklärter ilrfadie Feuer auSgebr ocken, das sich mit rasender Schnelligkeit auf das ganze Gebäude ausdehnte. Große Mengen Flachs, Schmalz und andere Stückgüter verbrannten. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Mark gesd)ätzt. Zur Ze'.t sind noch drei Feuerwachen und ein Löschdcnnpfer an der Brandstelle tätig'. Turnen, Sport und Spiel. ' Faustballmeisterschaft des ^Bezirks des Gaues Hessen. Rachdem be. oi's am Sonntag, den 24. April und 7. Mai ds Zs. die Vorkämpfe um die Faustballmcisterschclft stattgefunden hatten, trafen sich gestern auf dem Os- Valdsecn-ten und dem Mtv.-Plah in Giehen zu den (A'dkömpfen die 1. Mannschaft des T.-D. Gießen 13-16 Qtaubom, Wetzlar, Grotzrn-Linden, TrefS, Gießen Mtv. und Krofdorf, in der B- Klaste die 1. Mannschaft des T.-V. 'Reiskirchen, die 2. Mannschaft des T.-V. Wetzlar, Treis a. d. 2., Krofdorf und T.-V Gießen 1846. Rach mehr als fünfstündigen harten Kämpfen konnte in der A-ÄIaffe die 1. Zldannschaft des T.-V. Gießen 1846 der gleichen Manns »ast des T>V. Raubvrn zum Endspiele gegenübertreten, cvobei eS dem T.-B. Gieren 1816 gelang, den vorjährigen Bezirismeister mit nur inerigcn Punkten zu schlagen und wurde so ^-Meister. 3n der B-Klaffe mußte dir 2. Mannschaft des T.-V. Wetzlar der 1. Mannschaft des T.-V. Reiskirchen. Kr. Wetzlar, die Dezirksmeisterschaft der B-Klasse abtreten. Rach dem gestrigen Spielverlauf ist zu craxnten, daß die Bezirksmeister bei den am kommenden Sonntag .in Giehen stattfindenden Gaumeister- schrstsfpielen den 2. Beziri würdig vertreten werden. — Die Cinzelfahrervereinigung Gießen (Gau IX a B. D R.) veranstaltete am Sonntag bei guter Beteiligung ihr erstes diesjähriges Straßenrennen über 20 Kilometer. In der Seniorklasse siegte nach harten,, spannendem j Gndkamps Adam Döring vor Aua. Becker um Handbreite. In der Seniorklasie gelang es dem aussichtsreichen Sauer, die Zeit vom Vorjahre wesentlich zu verbessern. — Ergebnis: Junioren: 1. Adam Döring, 29 Min. 10 Sek., 2. Aug. Becker, 3. Lolh, 4. E'arl Decker, 5. Haagen, 6. Wittich. Senioren: 1. Gg Sauer, 29 Min. 10 Sek. (Rekord), 2. Emil Funke. * Gaumeister QI u g u ft Deibel vom Gießener Radf.-Verein 1885 (5. 03. errang gestern bei dem schweren Straßenrennen „Rund um Köln" — 270,6 Kilometer rchne jede ZwangSpaufe — hinter Stvllenwerk, Obachen und Rietzen, Erefeld den 3. Platz. Frankfurt a. M, 14. Mai. (WTV.) Heute kam vier das Entscheidungsspiel um die Meist erschaft des Süddeutschen Fußballverbandes zwischen dem Fußlallclub „W acker" München und dem Futzballclub Borussia" Reunkirchen zum Austrag. Es hatte sich bei bem herrlichen Wetter eine vieltausendköpfige Zuschnnermenge cingefunfcen, die dem wirklich schönen Spiele mit Interesse folgte. Erst nach zweimaliger Spielverlängerung gelang es der tedy nisch etwas befferen Mannschaft des F. E. „Racker" München den Sieg mit 2:1 an sich zu reihen Damit ist die Süddeutsche Meisterschaft entschieden und der F. 6. .Wacker" München tritt nun gemeinsam mit dem deutschen Meister. dem 1. F. E. Tiü.-nbrtg als Vertreter Südd u schlmds gegen die übrigen Verbandsmeister LXu.Wüands um die deutsch« Meisterschaft für 1922 an. — RordenRordwestBerliner Fuh- ballmeisrer. Dor etwa 12000 Zuschauern begegneten sich am SamStag Rorden Rorowest und Union S. 6. Edarlottenburg auf dem Preußenplatz in Mariendvrs im zweiten Entscheidungsspiel um die Berliner Meisterschaft. Wie zu erwarten war, errang Rorden Rordwest auch diesmal den Sieg, allerdings reichlich knapp, jedoch war der Erfolg vollauf verdient. Die er'te Halbzeit verlies torlo- Qlad) dem Wechsel fiel in der 9. Minute durch Montag das einzige Tor deS Tages. Rorden Rordwest wiri> also am 21.Mai gegen den Meister von Süddeutschland in der Vorrunde zur Deutschen Futzballmeisterfchaft antreten. — Weitere Auslands Meldungen z u den D e n tsche n Kampfspielen. Für die Deutsche Olimpiade macht sich auch bei den Ausländsdeutschen außerordentliches Interesse bemerkbar. Rach den Rennungen aus 'Barcelona folgten jetzt weitere aus Rußland und Runranien. Der 1. Deutsche Schwimmverein Riga und der Deutsche Turnclub in Hermannstadl gaben ihre Vreldungen ab. — Berliner Tenniskämpfe. Auf den Plätzen des Berliner Lawn-Tennis-Club v. 1899 IBlau-Weih) fand am Freitag das erste Ver- bandswettlpiel der la-Herreiillasse statt. Es spielten Blau-Weiß und Gelb-Weih. Wie zu erwarten war, zeigten sich erstere überlegen und goto innen, mit 8:1 Wettspielen. — Der schottische Fußballmeister spielt bestimmt in Berlin Wie der Berliner Fußdall-Elub Preuhen mitteilt, findet das Spiel zwischen Preuhen und Rorden Rordwest kombiniert und dem schottischen Fuhballmeistev Eeltic-Glasgvw am 30. Mai im Deutschen Stadion bestimmt statt. Alle anderen Rachrichten, die von einem Spielverbvt des Schottischen Futzballverbandes berichteten, sind nicht zutreffend. Der B. F.E. Preuhen hat auf Anfrage in Glasgow am Samstag von den EelticS hrlgendes Telegramm erhalten: „Wir haben die volle Spielerlaubnis von allen matzgebenden Stellen des Schottischen Fuhballverbandes für den 30. Mai. gez. Maley, Eeltic F. F.Glasgvw." — Lentulus Sieger im Henckel- Rennen Die erste klassische Vorprüfung für das Deutsche Derby, das Henckel-Rennen, wurde am 1 Sonntag auf der Grunetoaldbahn zum 52. Male gelaufen. Roch nie sah das Rennen seit seiner im1 Jahre 1871 erfolgten Begründung eine so starke. Teilnehmerzahl und auch der Besuch der Bahn übertraf alle Erwartungen. Aus allen Platzen drängten sich die Zuschauer Kopf an Kopf. Die von elf Pferden bestrittene Zuchtprüfung endete mit dem erwarteten Siege des Weinbergers! e n t u l u s , der seit dem Siege im Preis deS Wintersavoriten sormgemätz als erster Anwärter auf das „Blaue Band" in S~ag' kommt. Abschied, Hausfreund und Kairos befeQten Oie nächsten Plätze, und es ist kaum denkbar, dah ein anderes, als die vorgenannten Pferde für die Entscheidung im Derby in Frage kommen. Erste Derbykandt- ftaten sind allerdings noch Alpenrose, Habicht und Simsvn, doch hat man von diesen als Dreijährigen noch nichts gesehen Zhr Erscheinen an der Öeffen.lichk it muß leshalb g^tztes Interesse auslösen. Für die Güte oed Derbyjahr ganges spricht am deutlichsten die Zeit des Rennens. Eckstein gebrauchte 1919 1:44,7, Pallenberg im Jahre 1920 1:47,7, König Midas im Vorjahre die sehr schnelle Zeit von 1:40,6 und Lentulus durcheilte die 1600 Meter in 1:42,6. CAMON -REIFEN QUALITÄT-KEINE REKLAME! Vergebung von Bauarbeiten. Auf Grund des Ministerralerlasses vom 16. Juni 1893 und dessen Ergänzungen sollen nachstehende Bauarbeiten bei Errichtung des dritten 'Beamtenmiethauses m Friedberg durch öffentlichen Wettbewerb vergeben werden: I. Erdarbeiten: 720 cbm ErdauShub. IL2Raurerarbeiten: 81,50cbm Stampfbeton. 183 cbm Bruchsteinmauerwerk; 420 cbm Backsteinmcnierwerk, 50qm Betonsußbvden: 650qm i .Stein starke Wände: 17 cbm Sisenbetonstürze usw. III. Zimmerarbeiten: ca 80 cbm Bauholz: 4500 m Verarbeitung: ca. 150 m Gesimse: 47 Stück Eichenhohstusen: 800 gm Sinschubdecken. [V Dachdeckerarbeitc n: 520qm Ziegel« ftachsiäche: 150 m Fcrsle, Grate und Kehlen usw. Angebotsunterlagen auf dem Zweigbureau (neue Blindenanstalt, einzusehen. AngebotSvor- drucke zu den Selbstkosten. Eröffnung der mit besonderer Ausichrift einzureichenden Angebote: Freitag, den 26 Mai 1922. vormittags 11 Ähr, Zi7Mver4 deZHochbarantts. Z'richlagsfrist 14Tage. Friedberg, den 12. Mai 1922. 47570 Hochbauatnt. Haag. Die noch rückständigen Beiträge zur Krankenkasse und Invalidenversicherung für den Monat März 1922 können noch bis zum 31. ds. Mts. ohne siosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieses Termins sind der Einzahlung auf unser Postscheckkonto auch die Kosten beizufügen. Giehen, den 15. Mai 1922. 4772c trmgcmeine Ortskrankenitasse Giehen. 3. 21.: H. Hinkl^r. besonders preiswert ßntf in diesem Film die Rolle Sy der Gräfin Larisch selbst spielt. 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Waltar, MäuSb. 11 Vereine Gießener Radfahrer' verein |885 e. v. Zo o# Xo1 Heute abend 9 Llhr 20 an der Dahn Abholung unseres 3. Siegers von „Sunil nm Köln“ (270 km), 4761v Der Vorstand. Nr. 115 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vdecheffeitz Montag, 15. Mai 1922 --- ■!—I--—Ti—mir— .r aavr mttiti«:. -» ' Deutscher Reichstag. 209. Sitzung, mittag- 12 Uhr Berlin. 13. Mai 1922. Die -weite Beratung des Derlehrsetats wird bei der Abteilung für Wasserstraßen, Luft- unh Kraftwagenverkehr fortgesetzt. Der Ausschutz hatte bei den höheren Beamten der Wasserst ratzenabteilung Abstriche vor- genommen und fordert auherdem in drei Ent- schllebungcn Vorlegung einer Densschrift über ein einheitliä>cs deutsche« Wasserstraßennetz, ferner ein Reichs wafserstraßengeseh, datz die bisher den Ländern zustehenden Befugnisse auf das Reich übergehen, sowie Sicherung des Schnelldampfer- nerkehrS von Swinemünde nach Pillau und Danzig. Abg. Diez (Zentr.f verweist auf die Rot- wend.gtett, den französischen Plan, die Rhein- schisfahrl auf einen nationalisierten Schiffahris- toeg abzulcnken, mit grotzer Aufmerksamkeit zu beachten, um eine Schädigung deutscher Interessen zu verhindern. Jedenfalls müsse bei einer Schiffbarmachung des ^Heines von Basel bis Straßburg das Reichsinteresse gewahrt bleiben, ebenso wie auf der anderen Seite bis zum Bodensee. Die Regulierung des Rheinsalles bei Schaffhausen mühte jedenfalls große Kraftquellen nutzbar machen. Abg. Schuhmann (Soz.) tritt für eine Vereinheitlichung des gesamten Verkehrswesens einschließlich der Wasserstraßen durch das Reich ein. Auch der Hafen Duisburg-Ruhrort hätte auf das Reich übergehen müssen. Der Redner verlangt auch ein einheitliches Wasserrecht, sowie ein besseres Zusammenarbeiten des Eisenbahn- und des Wasserstratzenverkehrs bei der Dewöl- tiguqg der Gütertransporte. Abg. Warmoth (Dntl.) tritt für die ost- preußischen Wasserstraßen ein, ebenso für die Sicherung d.s Schiffsverkehrs nach Den losgeris- fencn Landesteiten im Osten, damit keine Ver- kehrsstoclung ein trete, falls der polnische Korridor wieder einmal gesperrt werde. Abg. Go t beim (D.) schließt sich diesen Wünschen an und betont, die Rentabilitätsfrage Dürfe in diesem Falle keine Rolle spielen. Auch er tritt für die Schaffung eines einheitlichen deutschen Wasferstratennehes ein und verlangt in diesem Zusammenhang die Wetterführung des Mittellandkanals und den Ausbau der Oder. Außerdem müsse eine weise Tarifpolitit einen gerechten Ausgleich der Interessen von Essrn- bahn und Wasserstraßen schaffen. Berkehrsminister Gröner trit! den Wünschen auf Schaffung einer einheitlich rn WasserstrahenDerwaltung bei, wenn auch diesem Ziele noch viele Hindernisse im Wege ständ.'.i ®r hoffe aber doch, datz man mit den Ländern bald zu einer Einigung gelangen konnte. Dir gleiche Hoffnung habe er auch wegen der Finanzierung des Mittellandprojektes, auch die Regulierung deS Oberlaufes der Oder sei dringend notwendig. Der Redner bedauert aber, datz die Landwirsschaft der Anlage der dazu erforderlichen Talsperre großen Widerstand entgegensetze. Auch mit dem Abg. Diez (Z.) sei er mit der Rhssn- Regulierung bis Konstanz durchaus einverstanden. Bor wenigen Tagen sei über die Regulierung des Rheines zwischen Bafel und Stratzburg eine Verständigung zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz zustandcgekommen. Infolge die er Berständigung werde es wohl auch bald zu einer Berständigung zwischen der Schweiz und Baden bezüglich der Strecke Basel—Konstanz tommm. Die Tarispolitik sei von schwerwiegenden wirt- schaftlichen Gründen diktiert worden und nicht von dem Gedanken, den Wasserstratzm Konkurrenz zu machen. Abg. Thomas (K.) kritisiert die von dem Reiche mit Privatgesellschaften abgeschlossenen Verträge zum Bau der Wasserstraben, bei denen das Reich glatt über das Ohr gehauen werde. Deshalb fr He auch das Reich Die Aktien der Rhein—Main—Donau-Gesellschaft aufkaufen und den Betrieb selbst übernehmen. Staatssekretär K i r st e i n bemerkt, die Verwaltung werde ohne Rücksicht auf die Rentabilität die Schiffahrtslinien nach Ostpreutzen weiterführen. Das Reich habe übrigens unter beträchtlichen Opfern für einen Schiffahrtsbereitschaftsdienst gesorgt, der im Bedarfsfälle innerhalb 24 Stunden den Betrieb aufnehmen könne. Der Redner betont, daß das Reich zur Zeit das Privatkapital noch nicht entbehren könne, weil dadurch das Fehlen langfristiger Kredite ausgeglichen werden könnte. Der Etat wird darauf bewilligt. Darauf wird die Abteilung Luft- und Kraftverkehr besprochen. Abg. Dr. Schreiber (Z.) erllärt, datz der Luftverkehr sich in erfreulichem Aufschwung befinde, es fehle aber noch an genügenden Osl- unb Westlinien. besonders eine Verbindung von Holland nach Berlin. Ministerialdirektor Weber betont, datz die Beschränkung der Mittel die Erfüllung aller Wünsche nicht zulasse. Was die Anregung des Vorredners angehe, einen Seebäderdienst einzu- richten, so müßten die beteiligten Gemeinden selbst dazu herangezogen werden, sonst wurde sich der Verkehr nicht wirtschaftlich gestalten. Abgeordneter Delius (D.) wünscht eine staatliche Beihilfe für solche dem öffentlichen Verkehr dienenden Luftsahrunternehmungen. die sich verpflichten, 100 Kilo Güler für das Reich ohne besondere Vergütung mitzunehmen. Darauf wird auch dieser Etat bewilligt. Es folgt der Postetat. Abg. Taubadel (6.) wirft dem letzten Reichstag des kaiserlichen Deutschland vor, nicht rechtzeitig an eine Erhöhung der Tarife gedacht zu haben, dann wäre die jetzige krankhafte Erhöhung der Gebühren verrnieden worden. Angesichts der abermals bevorstehenden Tariferhöhung sei es Pflicht der Post Verwaltung, durch Vereinfachung des Betriebs, durch Ausnutzung technischer Vorteile und kaufmännisches Disponieren beim Einkauf von QHaierialien Ersparnisse zu machen. Wenn Der Personalbestand auch von 262 000 Mann auf 410 000 Mann gestiegen sei, so könne seine Partei nicht einer Verringerung des Personalbestandes in dem Matze zustimmen, wie er von den bürgerlichen Parteien gewünscht werde. Auch an dem Achtstundentag müsse fest- gehalten werden. Abg. Allego tte (Z.) tritt für Die Wiederherstellung des Vertrauens zwischen der Beamtenschaft und der Verwaltung ein. Auch erhalte an dem Achtstundentage fest, sofern vollwertige Arbeit geleistet werde, lehnt aber seine schematische Anwendung ab. Hausfrauen und Mütter aber seien im Post betriebe geradezu unmöglich da sie durchschnittlich 162 Tage im Jahre fehlten. Abg. Körner (Dntl.) kritisiert die Gebüh- renpvlitik Der Post Verwaltung, Die überall nur Verärgerung errege. Eine Anpassung an Die Geldentwertung müsse freilich stattfinden, aber sie müsse allmählich erfolgen. Bei der Regelung Der Gebühren solle auch Der Rot der Presse Rechnung getragen werden. Reichspostminister Giesberts: Die Wahlen der Veamtenausschüsse seien notwendig gewesen und es liege auch kein Grund vor. sich Der Wahl zu enthalten. Die von dem Abgeordneten Körner kritisierten Briefmarken seien von den ersten Künstlern begutachtet und entworfen worden. Mvntagnachmittag 2 Ilhr: Weiterberatung und Interpellation der ÜlSP. wegen des Verhaltens Der Schupo bei der Berliner Rathaus- Demonstration. Schlutz 5i/o älhr. Die deutsche Gewerbeschau in München. München, 13.Mai. (WTB.) Die Deutsche Gewerbeschau wurde heute mittag in Den Ausstellungshallen auf De Theresienrhöhe in Anwesenheit einer groben Zahl von Ehrengästen eröffnet. Man fah Den bayerischen Ministerpräsi- Denten Le rchenf elD inmitten Der übrigen Staatswürdenträger. den württembergischen Staatspräsidenten Hieber, Die Gesandten Der deutschen Länder und Die Vertreter der österreichischen Regierung. Als Vertreter Der Reichsregierung war Der Reichsminister Des Innern Dr. Köster erschienen. Den Festakt eröffnete das Orchester des bayerischen Staatstheaters mit Dem Vorspiel zu den Meistersingern. Zunächst begrüßte sodann der erste Präsident Der Gewerbeschau, Professor Scharvogel Die Gäste, worauf Der bayerische MinisterpräsiDent in einer Rede auf Die Bedeutung Der Gewerbeschau als deutsches ülnternehmen hinwies und ausführte, dah Die Gewerbeschau vor allem auch Das Streben nach einer guten Leistung betone. Staat und Wirtschaft arbeiteten auch hier zusammen und der Geleitwunsch Der bayerischen Regierung sei, dah diese Zusammenarbeit zum reichen Gelingen und zum allgemeinen Wohle ausschlage. Hierauf übermittelte Minister Dr. Koster die Grütze und Wünsche Der Reichsregierung, welche hoffe, dah aus dieser Gewerbeschau für München, für Bayern unt> für Das Reich erblühen möge, was Die weitsichtigen Veranstalter mit ihr beabsichtigten. Der Minister wies Dann Darauf hin, Dah er in den Maitagen < 1912 als Privatdozent der Technischen Hochschule in der gleichen Fest halle die letzte bayerische ®e- werbcschau eröffnete, und fuhr dann fort: Die Deutsche Gewerbeschau ist ein Abbild machtvoll aussteigender bayerischer und deutscher Entwicklung. Sie ist das Zeichen der steigenden Leistung Münchens und Bayerns für das gesamte Reich. Aus dem verlorenen Kriege und aus den Fesseln des Vertrages, der nur durch einen Rechtsbruch möglich war. aus den Jahren tief fier wirtschaftlicher, politischer und seelischer Depression steigt langsam auswärts, unzerstörbar und spottend aller Ketten, die deutsche Arbeit, das deutsche Können. Sie wollen zeigen das gewerbliche Können, aber gewissermaßen nur das beseelte, das künstlerisch beseelte gewerbliche Können, und Sie sind mit Recht der Ansicht, dah in diesem qualitativen Können der Schatz ruht, der die deutsche Wirtschaft auch dann noch anziehungslräftig erhalten wird, wenn Die Valuta rischen und die anderen Gründe unserer heute so gesteigerten Exportfähigkeit weggefallen sind. Wir haben bis zum Kriege auf allen Gebieten viel zu materiell, ich mochte sagen, viel zu quantitativ gedacht. Wenn wir aus diesen Jahren des Elends eines gelernt haben, wenn alle Parteien und Schichten unseres Volkes eines lernen müssen, bann ist es die Besinnung, die hier aus allen Hallen spricht, die Besinnung auf Las Echte und älrsprüngliche unserer nationalen Begabung und die Erkenntnis, dah Warenstaaten und technische Wunder allein noch feine Volls- tultur ausmachen und dah der Wiederaufbau Deutschlands vor allem die Frage einer neuen, echten, von innen und unten wirklich gewachsenen staatlichen und nationalen Gesinnung ift Deutschland wird nicht gesunden ohne Die Gesundung seiner Stämme, ohne Heimatbewußtsein. Das Stammesbewutzssein, das täglich hineingestellt wird in die großen Aufgaben des staatlichen Reuaufbaus von ganz Deutschland, das nicht organisch und harmonisch sich auswachst zu dem schöpferischen deutschen Reichsbewuhtsein, muß unfruchtbar bleiben. Der Minister schloß: Lassen Sie uns so recht zusammenstehen und der Vergangenheit Wunder aus der Zeit schöpfen und für Die Zukunft schaffen. Ich wünsche der Deutschen Gewerbeschau Glück und Erfolg zum Segen Dieser gastlichen Stadt, zum Besten des bayerischen Volkes, zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes. Darauf überbrachte der erste Bürgermeister der Stadt München Schmid Den Gästen von nah und fern Den herzlichen Willkomm des Münchener Stadtrates. Rach einem Chor aus den Meistersingern, Der vom Lehrergesangverein prächtig wiedergegeben wurde, erfolgte der Rundgang Durch Die Ausstellung. München, 13. Mai. lWTB.) An den Rundgang durch Die Gewerbeschau schloß sich ein Frühstück. Dabei ergriff Bürgermeister Kü sner das Wort. Der zum Schluß seiner Rede den Wunsch ausdrückte, Daß die Gewerbeschau Das erfüllen möge, was sie bezwecke: ein Band deutscher Kulturgemeinschaft um alle deutschen Stämme fest und unzerreihlich zu schlingen. Rach ihm sprach Der österreichische Handelsminister Dr. Grünberger, der betonte, daß Der Rus Dec Deutschen Gewerbeschau auch m Oesterreich den lebhaftesten Widerhall gefunden habe. Aufrichtigsten Dank sage er für die weitgehende älnterstützung und FörDerung, Die die österreichische Mitarbeit allenthalben gefunden habe. Hierauf Danfte der preußische Handelsminister Siering im Ramen der preußischen Staatsregierung für die Einladung und übermittelte Deren Grütze. Es gab, so führte der Minister aus, wenige Tage und Stunden in unserer so harten Zeit, wo alle (Stämme des Reiches so vereint sind wie heute. Es sei eine Tat der Deutschen Gewerbeschau, dah sie diese Stämme zu schasfenssreudiger Arbeit zusammengeführt habe. Der Redner sprach seine Anerkennung für das aus, was die Deutsche Gewerbeschau, wenn sie auch noch nicht in allen Teilen fertig sei, geschaffen habe. Sie sei ein neuer Beweis deutscher Arbeit und deutscher Tüchtigkeit. Es sei hohe Zeit, daß das, was uns innerhalb Der Volks- flämme noch trenne, endlich beiseite gelegt werde Man möge uns alles nehmen, was wir haben, den deutschen Geist und Den deutschen Willen könne man uns nicht nehmen. Zum Schluß wünschte der Minister Der Deutschen Gewerbeschau von ganzem Herzen Erfolg. Don Lobe, Gröner, Dem badischen Ministerpräsidenten und dem österreichischen Bundeskanzler waren Telegramme eingelaufen, in denen sie ihre Abwesenheit entschuldigten. Eine Sitzung der Vereinigung südwestdeutscher Handelskammern. Am Samstag, den d Mai, fand in Mann» heim unter Dem Vorsin von Handelskammer- Präsident R. L e n e l - Mannh-cim eine Suyung Der Vereinigten südwestDeul scheu Handelskarw mern statt, an welcher Die Handelskammern Frant- furt a. M., Wiesbaden. Idar: Gießen, Friedberg, Darmstadt. Mainz, WormS: Mannheim, Karlsruhe, Hcid.ldcrg, Pwrzd im. Lahr. Dillrn- gen, Schopfheim, KcnUanz-. H.i.bronn, Stuttgart, Rottweil, Ludwigshafen a. Rh, ferner als Gäste die Handelskammern München und AugSb icg teilnahmen. Vor Eintritt fn die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des Dal.ingcfd)teDcncn, um das südwestdeutsche Wirrscdafls,?den hochvei'dten- ten Vizepräsidenten der Handelskammer .Karlsruhe, Herrn Leopold Kölsch, Mttg ied des Reichswirtschaftsrats u d stellacrtrct nder Vorsitzender des 'Bundes dadi cher Ardeitgeber-Der- bände. Zur Beratung stand ras Reichsrahmengesetz betr die Industrie» und Handelskammern. Heber die Errichtung p a- ritätischer W r r t s ch a f t s ta m m e r n berichtete Präsident Lenel. Syndikus Dr. Blaust e i n • Mannheim erstattete über weitere wichtige Fragen des Rcichsrahmengesetzes, wie z. B. Die Frage Der Abgrenzung der ZustänDigkeit der Handels- und Handlecrkskanunern, sowie der landwirtschaftlichen Vcr^nioungen und Die Stellung des Deutschen Indistrie inD Ha.'.d ls'.ageS Bericht. An Der Aussprache beteiligten sich Kommerzienrat G s e l l - Karlsruhe, Kommerzienrat H e i d l a u f f» Lahr. Präsident Schr 0 ers - Schopfheim, Dr. Schupp- Heidelberg Syndi'uS Meesmann - Mainz, Dr Otto- Wiesb iben, Dr. Ba ldau f -Hei'.b onn Dr. D u r g e r - Stuttgart, Dr. Krieuen - Karlsruhe, Dr. Keck- Frankfurt a. M und Dr. Braun- Konstanz. Wegen der B e i t r ä g c wird die Vereinigung beim Deutschen Industrie- und Handelstag vorstellig werden und geeignete Vorschläge für eine Umgestaltung des älmlageverfährens machen. Heber Die Abgrenzung der Kammern einigte sich die Vereinigung dahin. Daß an Stelle Des im Gesetzentwurf als entscheidende Instanz in prinzipiellen Fragen vorgesehenen Reichsverwaltungsgerichts gegebenenfalls Das Reichswirlschast-lgericht treten so l. Syndikus D". Kr ien en - Karlsrahe berichtet über Die Wünsche des südwestdeutschen HandelS- kammer-HotelauöschusseS wegen Der Vertretung des Hotelgewerbes in Den Handelskammern, Die Den Kammern empfehlend überwiesen werden sollen. Rach einem Bericht non Dr. Blau stei n-Mcmnheim über die wirtschaftliche Rotläge Südwestdeutfch- l a n D s und Die Verkehrsnot und von Dr. Sock- Mannheim über Die in Darmstadt gepflogenen Verhandlungen wegen der Einführung Der Wasser Umschlagstarife wurde folgende, von Syndikus Meesmann-Mainz entworfene Entschließung einstimmig angenommen: Die Vereinigung südwestdeutscher Handelskammern nimmt mit großem Befremden davor Kenntnis, datz in Kreisen der Eisenbahnverwal- tung Die Absicht bestehen soll, Die erst kürzlich eingeführten und seinerzeit vom Rcichsverkehis- minifterium in Würdigung Der ungünstigen Verkehrslage SüD- und SüDwestdeutschlands zuge- sicherten Staffeltarif ftarf abzuschwächen oder gar aufzuheben Die Handelskammern erheben gegen eine solche Absicht entschiedensten Widersprach, da xs zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsund Existenzfähigkeit der gesamten süddeutschen und südwestdeutschen Wirtschaft notwendig ist. daß Die Staffeltarife in vollem Umfang beibe- halten werden. Sie fordern ferner im allgemeinen volkswirtschaftlichen und Derkehrsinteresse. daß Die in Aussicht gestellten Wasserumschlagst arise für Die Binnenhafen balDigft eingeführt werden. Im.Anschluß hieran wurde von dem Zusammentritt eines interfraktionellen Ausschusses für Rheinschiss- f ahrtsf ragen im Reich.tag Kennt i• gegeben. Zugleich wurden Dt: ^neuerlichen Zentrali- sierungsbestrebungen besprochen. lieber Die ungenügende Vertretung Der peri- pherenGebieteim R 0 ichswirts chas t s- rat berichtete Herr Wilhelm Vögele-Mannheim, zur Frage Der fingierten Bar grün- düngen bei Aktiengesellschaften Dr. Kehrn-Ludwigshasem Heber Devisenhandelsgenehmigungen sprach Vizepräsident Hof mann- Dang- Frankfurt a. M. Die Frage ist im wesend lichen überholt. Da Der größte Teil Der Descheini- gungen bereits ausgestellt ist. Von einer Beschluß- Die Sakramentshex. Roman von Marie Kerschensteiner. 20. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Geärgert beschwerte sich nun Der junge Lehrer bei dem Dorfältesten und führte Dabei in jugenD- Ucher Heftigkeit Die Würde seines Amtes ms Feld Aber was konnte Heiner Dagegen cintoen- Dcn, als ihm bedeutet wurde, der Schulmeister habe nur innerhalb Der Schule Rechte za beanspruchen? Es blieb nichts übrig, er mußte selbst Hand anlegen. Eigenhändig rüdtc er also Der Verwilderung in Den Stuben nut Besen and Bürste -uleibe. Wie entbehrte er. Der in häuslichen Fragen unbewanderte, jetzt Der Hilfe Der Mutter! Er dachte kurz Daran, sie sogleich za sich zu rufen. Aber ebenso schnell verwarf er diesen Plan. Wie Durfte er sie aus Der, wenn aach spärlich gesicherten Lebensstellung Herausnahmen, so lange Die neue, die er ihr bot, noch auf Den schwer ickendsten Füßen stand < Vorläufig hieß es sich behelfen! Anfangs fühlte er sich herabgewür- digt, aber bald fand er Vergnügen daran, so ganz auf seine eigene Erfindung angewiesen 51 fein. Er war anspruchslos und tleinen Abente lerlich- teiten zugetan. Binnen kurzem war alles in einer geordneten Verfassung. In rücksichtsvoller Pietät gegen Den früheren Bewohner hatte er Den Stuben ihr Gepräge gelassen. Rur für das Fenster Der Wohnstube hatte er aus alten Brettern einen Tritt gezimmert, auf Den er des Pfarrers Lehnstuhl stellte, damit Die Mutter, wenn sie zu ihm käme, cm Fensterplätzchen fände, fo wie sie es zu Haus« leit Jahren gewohnt war. sj’nD Heiner mußte sich in vorwegnehmrnder Freude immer wieder in diesen Stuhl sehen md sich vorstellm, wie freundlich es Die Mutter haben würde von da aus über Die Heide zu sehen । Von diesem Ausguck als spann et die friedlichsten Träume Der Zukunft. Das Essen nahm er im Krug und wenn er bei dieser Gelegenheit mit den Bauern zusammen- traf, ließ er es sich nicht anmerken, datz er etwas gegen sie auf Dem Herzen hatte. 3m Grunde war es auch gar nicht mehr Der Fall. Es war ihm recht so, wie alles war, ja, er würde es in jener Zeit unlieb empfunden haben, wenn sich an der Eigenart seiner Lebensweise etwas geändert hätte. Die gleichmütige Selbsthilfe des Lehrers verfehlte ihren Eindruck aut die Dörfler nicht. Sie hatten sich an seiner Hilflosigkeit weiden wollen und nun schien er durchaus nichts zu entbehren. Zu welcher Tageszett man auch an Der Pfarrburg vorbeikam, immer hörte man Das fröhliche Pfeifen des Schulmeisters und sah ihn hrram- t cutteren, unermüdlich, als grng's um Taglohn. Das brach ihren Widersinn. Sie sahen, Dem war's um das Kampeln nicht zu tm! Was Die Weiber betraf, so fanden sie Gefallen an Dem frischen jungen Monn, kurzem, eine versöhnlichere Stimmung griff Platz. Sie bekundete sich zunächst Darin, Daß eines Der Weiber ung »rufen auf Die Pfarrburg tarn, sich dem Lehrer z im Dienst anzubieten. Es war eben zur rechten Zett, denn das Dettaufschütteln und Wassertragen fing allmählich an ihn zu langweilen. Don jetzt an widmete er sich seinem Beruf mit Dem 5 iversichtlichsten Eifer, trichterte Die Qln= fange aller Weisheit in die Köpfe, Daß es fleckte. Die Erinnerung an das Hrideinädel stand bet alledem in seinem Bewußtsein wie ein freundlicher Hintergrund, Den man nicht sonderlich beachtet, Der aber zu Der Erfreulichkeit des ®e- I samtbildes das [einige beiträgt. Es gehörte zu den Obliegenheiten des neuen Lehrers, Sonntags mit der Gemeinde eine Gesang- und Betstunde zu hallen, wenn nicht Der Pfarrer Der Rachbargemeinde gelegentlich zum Gottesdienst tarn. Heiner sah Der ersten dieser Erbauungsstunden mit Spannung entgegen. Durfte er doch hoffen, daß der allgemeine Besuch Der Kirche auch das Heidemädel herbeiführen würde, nach der er in der Zwischenzeit vergeblich heimliche Ausschau gehalten hatte. Aber als er in Dem Kirchlein die Reihen musterte, sand sich keine rotbraune Haarkrone unter Den strohblonden Schöpfen. Das Heidemädel war von anderem Schrot und Korn gewesen! Tlnd doch mußte es ein Glied Der Heidegemeinde fein, Da es auf Meilen hin feine andre Ansiedelung gab als das Heidedoif. An Der Größe seiner Enttäuschung merkte er erst, wie start die Begegnung in Der Heide unbewußt m ihm nachgewirkt hatte. Ob sie sich vor ihm versteckte? fuhr es ihm durch Den Kopf. UnD als er an der Seite des Krugwirts das Kirchlein verließ, erkundigte er sich, ob Die Mädchen des Heidedorfes nicht alle in Die 'Betstunde zu kommen pflegten? Der Alvis warf einen schnellen Blick auf De« Lehrers Gesicht, das hoch erglühte. War das so einer ? Da wollte er aber auf Der Lauer fein! Laut fagte er, die Dirnen feien alle zugegen gewesen, keine einzige habe gefehlt! Heiner glaubte es besser zu wissen, doch er schwieg. 2ln diesem Abend gesellte er sich zum ersten Male den Bauern im Krag zu. Es trieb ihn Die Reugierde, zu erfahren, wie das Heidemädel hieß, ob es eine Magd war oder emes Bauern Tochter. .Wohnen innerhalb Der Heide auch Leute?" erkundigte er sich "bet "Dem Tischlerandres, der neben ihm faß. Der hielt ihn für nicht bei Sinnen. Draußen in der Heide, wo tm Winter Der Frost wütete, wo es im Sommer Rattern gab und Raubgctier aller Art? Sie lachten ihn aus. Heiner wehrte sich. Er hatte doch Menschen dort gesehen! Ein junges Ding, mutterseelenallein! Fast noch ein Kind! Das ließ man doch nicht allein in Der Wildnis herum Laufen! Wo waren Die Leute, Denen es angehörte? .Der Schulmeister hat geträumt!" warf ihm einer über Die Achsel hin. Rein, getäuscht hatte er sich nicht. Er hatte mit Dem Mädchen gesprochen, es hatte ihm Den Weg ins Dorf gezeigt. Ein bildhübsches Kind sei es gewesen. .So abartig schön sind Die Weiber vom Dorf grab nit!" spottete einer, und Die andern stimmten ein. .Wenn einer holt spinnt —1“ Das ließ sich Heiner nicht gesallen. „3d) hätte sie selbst um ihren Ramen gefragt, wenn sie nicht plötzlich verschwunden wäre," tagte a hartnäckig. Da horchten sie auf. „Dem fragt lieber mt nach, Schulmeister!" warnte Andres. „In der Heide, Do geht's als am. Gar manches Mal bin ich Da Draußen beim hrllichten Tag schon geschreckt worben, Daß mir'3 ganz anders wurde und Daß ich Davon bin, ohne mich umzugucken zu trau'n!" Alle stimmten sie ein, jeder hotte etwas zu erzählen. „Aber wir haben das Wesen ntt gefeßm ihrs hat sich's nit gezeigt, nur geschreckt hat's uns, fürchtig!" „Aber bei einem Schulmeisterle Hal sich's hall was getraut!" raunte Der Krugwirt feinem Rachbarn zu, laut genrg, Daß es Heiner Horen müßte. (Fortsetzung folgt) fasfung toirD daher abgesehen. Üe5cr bic Bildung ,>er Fimlnzgerichte und die Zusammensetzung der öteuerausschnsse und die Erfahrungen damit wird die Handelskammer Frankfurt eine Denkschrift ausarbriten. HO-chschulnachrichtsn. Zur Lage in der Lcutschsn StAdenlenfchaft. Vorn Deutschen Hochschulring wird uns mitgetrilt: Bei der ;n<‘ einiger Zeit herrschenden Striie in der )jLenteuschaft toi ö von gewissen Seit- :i in der breiten Oefsentlichkeit die Ansicht verdreite!, als ob eine ileine völkisch- ladikale Gruppe in der Deuischen Studerrtenschuft i...e err ■ " in:en und vörki'.chrn Forderun-- <:c’i vc'rjcchte u.-.d damit den Frieden störe, wäh- : j i 12 r rot e .'Uehrdeit sich mit einer rem u sch -f lich'ki i d ursa e c (oh c bte Hochschulen ■ den deutschen oprachgcdillen-außerhalb der ^-.eichchgrewge ,) u-d demokratisch aufgezogenen Or- ach: r degnüge. Das) in Wnllichkeit die Dinre l bery liegen und der heutige Vorstand de-: Deu-schr?. Studentenschaft keineswegs dir ‘‘7. ■.-(*• vertritt, erhellt sich aus sol- gerrder D2tsach-r: Die Gd| dem Boden deL Deutschen Ho ch- i ch .i l r i n >r ■ ; steten d e übergroße Mehrheit der Deutschen Ätudentenschast hat in einer von. den hervor rGZenbstcn Vertretern und Führern aller völtische:^ srudentisct)en Gruppen inb Verbünde bc- uchlen Tesprechr.na (am oonnmg, den 7. Mar in Spandau) e t n ft i m m i g folgende Grundfor- - erungen zu den schlveber.ben Veisalrngsfragen in der Deutschen Studentenschaft feügee.ll: „Es wird festgestcllt: 1. Daß die grotzdeu'sche Ein- eil der Studentenschaft. gewahrt werden soll: ?. Lai: bei der Zugehörigkeit in Deutsch-Oester- । eich und Sudetendeutschland allein deutsche 016» Srunurcg und Mutier spräche massgebend ist: 3. Last für die Cinzelflud-nitenschajt des Deiches nrindesteaS die deutsche Staatszug-. Hörigkeit, sowie für Dicht eichsd.ntsche deutsche Abstammung ind Muttersp- ache notwendig ist: 4. Last bei den aus- -andsdeu schen Studentm.schasten deutsche Staats- -m.gehvrige nichtdeutscher Abstammung ind Muttersprache nicht ausgenommen werden bi\i i= chen: 5. daß die Deutsche Studentenschaft sich usmnmenfetzt aus den Deutschen Studentenschaj- icn; die deutsche Studentenschaft ist föderalistisch: das) all: auslandsdeutschen Studierenden deut- ntzer Abstammung und Muttersprache in Deichs- ^Deutschland MitgiiDer der einzelnen roichsdeut- ichen Stab-enten schäften werden: 7. das) die Deutsche Studentenschaft sich das Ziel fetzen must, an den Ausgaben der Deutschen Hochschule gegenüber ihrem Volle mitzuarbeiten: 8. da st der Ernzel- studentenschaft es überlassen bleiben must, im Sinne dieses Leitsatzes ihr Aufgabengebiet selbst zu bestimmen: 9. daß die 'Vertretertagung nach Honnef keinesfalls beschickt werden bars, da der- selben jede Rechtsgrundlage fehlt: 10. Last ein neuer a. o. Studententag für den 17. bis 19. Juni racb Spandau (Hohannesstrft) beantragt werden soll." — Die Beschlüsse ändern sich keineswegs, auch nachdem der Vorstand der Deutschen Studentenschaft die Homvefer Tagung für den 17. Mai . absagt und einen „a. o. Studenten tag" nach Honnef für den 27. und 28. Mai ein beruf t; auch diese Tagung entbehrt jedes rechtlichen Charakters. Insbesondere find auch dieses Mal dte Deutschen . Studentenschssten Deutsch-Oesteme-ichS und des * Sudetenlandes nicht zu diesem sogenannten .De ü» »schen Studenten tag" eingeladen. Daher find 'die oben angeführten Forderungen automatisch a if \ diese 2. Tagung anzuwenden. Die theologische.Fakultät in Frankfurt. fpd. Frankfurt a. M., 14. Mai. Der Minister für Kunst und Volksbildung hat mit Anfang dieses Semesters dem Senior Prof. D. Bornemann einen Lehrauftrag für neutestamentliche Theologie und dem Studienrat Dr. Richter einen solchen für Religionspädagogik an der Universität erteilt. Mit Prof. D. Foerster, der schon seit mehreren Jahren der Dvf^nr für christliche Reli- givnögeschichte lvar, ist die evangelisch-theologische Fakultät nunmehr durch drei Dozenten vertreten und damit für sie der Grundstock gelegt. Zulassung zum Hochschulstudium. Rach einer Meldung der „Bvssischen Zeitung^ aus Karlsruhe teilte im badischen Landtage Staatspräsident und Anterrichtsminister Dr. Hummel mit, daß die Hoch sch ul- k o n f e r e n z, die am 6. Mai in Bensheim versammelt war, die Rvttvendigkeit anerkannt habe, den Personen, die durch besondere Verhältnisse verhindert waren.auf ganz geregeltem Wege zur Hochschule zu gelangen, den Zugang zu einem bestimmten Hochschulstudium zu eröffnen, wenn sie auf Grund besonderer Anlagen und ausgezeichneter Leistungen die Gewähr dafür bieten, daß sie durch akademisches Studium zu höheren geistigen Leistungen gelangen werden. Für die Beurteilung der Persönlichkeitswerle "sollen besondere Leistungen im Beruf in erster Linie entscheidend sein. Vor einer besonderen Kommission sei eine Prüfung abzulegen, in der auf die Fachrichtung, der der Prüfling zustrebt, weitgehend Rücksicht genommen werden soll. LQndrmrtschasL« Landwirtschaftliche Protestversannulung. rm. Darmstadt, 14. Mai. 3n einer von mehreren Tausend Landwirten besuchten Versammlung, die von Landtagsabg. Dr. Deh- tinger geleitet wurde, wurde in lebhafter Weise gegen die vorgesehene Getreideumlage Protest erhoben. (38 sprachen zunächst als Vertreter der Freien Bauernschaft in Rheinhessen Dr. Möbus, für den Hessischen Bauernverein (Sitz Lorsch» Rechtsanwalt 'Dr. ® c i f) n e i, als Vertreter Lberhessens Bürgermeister Schröder- Glbenrod, für den Hessischen Bauernbund Abg. Dr. Mülle r, ferner Bürgermeister Hauck- Schaafheim. In der sich anschlicßciden Aussprache folgten noch Sammel - Bischofsheim, 3 a t o b i- Äönigflättcn, der Revisionist Scheine r-Dalm- fiaht u. a. Alle Redner ernteten sebhaften Beifall. Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: „Die Landwirte der Provinz StarLcnburg lehnen jede Form der Zwangs- bewirtschastung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, besonders auch des Getreides ab. Die Zivangs- wirtschaft verteuert die Preise, wirkt produkllons- Hemmelid und ist nicht geeignet, die Ernährung des deutschen Volles sicherzustellen. Das Hilfswerk der deutschen Landwirtschaft würde untergraben werden. Die unsachliche und ungerechte ilmlage des letzten Zahreo, die völlig verfehlte Preispolitik haben in der hessischen Landwirtschaft eine solche Erbitterung Hervorgernfen, bah die landwirtschaftlichen Organifaitonen nicht mehr in der Lage sind, die Landwirte zu einer erneuten zwangsweisen Ablieferung zu bewegen. Zeder Versuch einer neuen Wiedereinführung wird scheitern. Wir fordern unbedingte Einlösung des int vorigen Fahre seitens der Regtet ung gegebenen Versprechens auf Einführung der gänzlichen freien Wirtschaft." — Ebenso wurde eine weitere Entschlief;ung angenommen, durch die so lange die Anbauslächenerhebung verweigert wird, vis die Getreideumlage zu Fall gekommen ist. Gießener Strafkammer. G i c ö c n, 9. Mar 1922. Der Arbeiter Wilhelm F. von Gießen war im Dovember 1921 auf seinen Wunsch von seiner Arbeitgeberin, einem Daugeschäst m Plettenberg, enllcissen worden. Im Dezember begab er sich dann auf das hiesige Arbeitsamt und beanspruchte die Arbeitslosenunterstützung Es wurde ihm erklärt, er habe auf diese nur Anspruch falls er wegen Betriebseinstellung oder BetriebSein- schräntung entlassen worden sei. Er veranlatzte daher feinen Schwager Heinrich X, auf den Entlassungsschein wahrheitswidrig den Zusatz „wegen Betriebseinstellung -entlassen" zu schreiben, und seinen Vater, Ludwig F., den verfälschten Schein dem Arbeitsamt vorzulegen. Wegen schwerer Urkunden sälschung erhielten die beiden F. je 3 Wochen, QL 2 Wochen Gesängnis. Dec Landwirt K. von Schlierbach hatte bei dem Landratsamt Kassel Ende 1919 eine Bescheinigung erwirkt, auf Grund deren er berechtigt war, bei den in Fulda stattfrndenden Bersteigerungen von Militärpferden ein solches zu erwerben. Diesen Schein übermittelte er seinem Schwager Richard K. von Bergheim, der damals in Fulda Soldat war. K. steigerte auch ein Pferd für 1900 Mk., überlieferte es aber nicht feinem Schwager, sondern übergab es — wie schon vorher verabredet — an den Landwirt Heinrich QL II. von Bergheim ab, der ihn für seine Bemühungen entsprechend vergütete. Ms QL nach längerer Zeit von dieser Schiebung erfuhr, erstattete er Anzeige. 'Das Schöffengericht Ortenberg sprach K. und QL frei, da es in ihrem Tun eine strafbare Handlung nicht erblickte. Oluf die 'Berufung der Staatsanwallschaft hob die Strafkammer das Urteil auf und verurteilte K. wegen Unterschlagung und Untreue zu 1000 Mark und Ql. wegen Hehlerei zu 3000 Mack Geldstrafe. Reichsgerichtsbricf. rz. Leipzig, 11. Mai. Wegen Vergehens im Amte ist am 12. Oktober v. H. vom Landgericht Frankfurt a. OK. der Eisen- bahnsekretär Valentin I m m e l zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Er war beim Bahnhof in Gießen angestellt und hatte dort Personal- und Desolbungssachen zu bearbeiten. Während seiner Tätigkeit hat er aus seinen eigenen Akten einen Anonymen Brief entfernt, der dort als numeriertes Blatt mit eingeheftet war. Damit das Fehlen dieses Briefes nicht bemerkt wurde, hat der Qlngetlagte die laufenden Qlununern in der Reihenfolge dec Qfften ausradiert und entsprechend geändert. Gegen das Urteil hatte dec Angeklagte Revision eingelegt, die er persönlich vor bem Reichsgericht vertrat. Er machte geltend, dast ihm seine eigenen Akten nicht amtlich zugänglich gewesen seien und dast deshalb ein Amtsvergehen nicht Vorlieben könne. Ferner habe er diesen anonymen Brief nicht als Urkunde angesehen. Das Reichsgericht verwarf das Rechtsmittel als unbegrünbÄ, da ein Amtsvergehen unbedenklich festgestellt worden sei und ein anonymer Brief sehr wohl als Urfiuibe gelten könne Vermischtes, Das Ultimatum einer Räuberbande. Beuthen, 13. Mai. (WTB.) Laut der „Ostdeutschen Morgenpost" beschlossen die Kaufleute von Antonicnhütte in einer Versammlung, dem von der Räuberbande an die Kaufmannschaft gestellten bis Sonntag befristeten Ultimatum stattzugeben. Es wurde der Vorschlag gemacht, daß jeder Kaufmann 800—1000 Mk. opfern solle, um Ruhe vor der Bande zu haben. Insgesamt wird mit einer Summe von 35 000 Mk. gerechnet. ♦ ' Washington, 12. Mai. Das Alko - holverbot in den Vereinigten (Staaten. Der republikanische Abgeordnete von Massachusetts. George H. Tinkham. ertlärtc heute vor dem Qlbgeordnetenhause, dast die Prohibitionisten die Gesetze überträten, dast besonders die Anti-Saloon-Liga sich einer ganz korrupten Praxis bediene und dast der Staat die Organisation gerichllich untersuchen lassen solle. Das Prchibitionsgesetz hat sich in den Vereinigten Staaten als eine sehr schädliche Mastnahme gezeigt. ES wird mehr unerlaubter und schädlicher Alwhol heimlich verkonsumiert, als allgemein bekannt ist. Dicht allem fielet dem Staate diese Prohibivnsdurchführung gegen den Alkoholge- occruch ungeheuere Summen, sondern es sind inzwischen Die gerichtlichen Fälle derartig .angewachsen, dast Uebertceter des Gesetzes mitunter zwei Jahre warten müssen, bevor sie überhaupt eine gerichtliche Entscheidung bekommen können. Ein seh:: eigenartiges Urteil fällte vor einigen Tagen ein Richter in der Stadt Omaha, Debraska, dort wurde ein Einwohner namens Roy QNahoney erwischt, dm- sich zu Hause 3,200 selbstgebrautes Bier gemacht Hatto. Er musste nun eine 'Badewanne herbeiholen und sämtliche Bierflaschen darin hinein ausleeren. Qiad)bem das geschehen war, muhte er den Abfluststopfen herausziehen und muhte zuseyeri. wie das selbstgedraille Bier langsam den Abslustkanal r-inunterfloh. Ein Pollzeikapitän sland dabei und sah zu, bah dem Gesetz Genüge getan wurde. — Die Fälle iyn Erblindung und sonstigen Krankheiten in 6en Bereinigten Staaten haben erscb.cckenb ^genommen, ireil nämlich der grösste Zeil des Alkohols, der heimlich, verkauft wird, Brennspiritus enthält und nur sehr schlecht von der Denaturierung gereinigt ist. Die Prohibitionsfrage wird zweifelsohne eir.c £c’ Hauptfragen fein, aus Grund ber die nächste Präsidentenwahl entschieden werden wird, wenn in der Zwischenzeit feine Abhilfe geschissen worden ist: bis jetzt hat sich die Alkohol- prohibition in den Vereinigten Staaten nicht bewähr i. ; D i e Jagd nach dem weihen Rhinozeros. Roosevelt hat einmal als die drei „besten Dinge in der Welt" ein glückliches Heim, eine gesunde Familie und - die Erlegung eines weihen Rhinozerosses bezeichnet. Wird auch nur der leidenschaftliche Häger diese merkwürdige Dreiheit anerkennen, so ist doch zweifellos das sog. weihe Rhinozeros eine dec seltensten Jagdbeuten, die heutzutage den Söhnen Qlimrods auf Erden beschieden sind. Das iveisto. oder stumpfnasige Rhinozeros ist das seltenste unter allen großen afrikanischen Dickhäutern. Häger, die ihr ganzes Leben in Afrika verbracht haben, sind gestorben, ohne es je gesehen zu halMi, und die Hagd auf dies Tier ist daher das Höchste, was sich dem Grohwlldjäger des fchwarzen Erdteiles darbietet. Die Bezeichnung „weißes Rhinozeros" kann Wohl nur in dem Sinne eines „Weißen Raben" geprägt worden sein, um diese Seltenheit anzuzeigen, denn dieses Dashorn ist in der Farbe seinem schwarzen Bruder sehr ähnlich, uni) seine ei.nzige Besonderheit besteht in einer viereckigen, -stumpfen Oberlippe, die zu der frühen Lippe des schwarzen Ryinozerofses im Gegensatz stehst Qlußerdeni ist es sehr viel größer und erreicht häufig eine Höhe von mehr als 6 Fuß bis zur Schuller. 'Das au s regende Qlbentener einer Hagd auf das weiße Rhinozeros am Blauen Qlil erzählt Murrat T. (Smith in einem englischen ‘Statt Er hatte bereits mehrere Lage gejagt und nichts anderes gefunden als seine Spur. An einem furchtbar heißen Februartagc war er feit dem Morgengrauen auf der Suche nach dem seltenen Wlld. Q^ich 8 ober 7 Stunden vergeblichen Mühens kehrte ec in ber Richtung nach feinem Lager zurück. „Meine Boys und ich marfchierten im Gänsemarsch durch ein mit dichtem Buschwerk bedecktes Gelände und waren bei der furchtbaren Hitze ganz ermüdet," berichtet er. „Plötzlich fühlle ich den Arm meines Gewehrträgers an meiner Schulter und hörte ein heiseres Flüstern: „Farn" (Rhinozeros). Im Schatten eines großen DaumeS sah ich in ungewissen Umrissen eine ungeheure schwarze Masse in einer Entfernung von etwa 100 Metern. Das Tier hatte uns noch nicht gewittert und nicht gesehen — ein Qlashorn kann wenigstens 20 Meter weit sehen — und stand bewegungslos da: nur das kurze Schweinefchwänz- chen wackelte gelegentlich hin und her. Ich wollte erst schießen, wenn ich so nahe wie möglich heran war. Ich hatte darauf gebaut, daß der Wind mir günstig war: aber eine leichte Veränderung der Windrichtung mußte bnd Rhinozeros aufmerksam gemacht haben, denn es hob plötzlich den Kopf und war in einer Sekunde aufgesprungen und trottete durch bic* Bäume fort. Hetzt ober nie! Dach sorgfältigem^ Zielen feuerte ich, aber die Kugel traf nur bie Schulter und war nicht tödlich. Immerhin veranlaßte sie das Tier, die Richtung zu ändern, fo daß es nun in einem schwerfälligen Galopp mir seine Breitseite zukehrte. Mn neues Zielen, und meine Flinte sprach wieder. Die große Dickelkugel tat diesmal ihr Werk und drang durch die SZungen. Das Dashorn stürzte nach einer Seite, raffte sich auf, schleppte sich noch 30 oder 40 Meter und brach bann in einer Staubwolke zusammen. Ms wir es maßen, fanben wir, bah es von den Füßen bis zur Schuller 6 Fuß 3 Zoll groß war und das vordere Horn 42 Zoll lang — ein stolzer Hagdpreis!" SomDssc Frankfurt a. M., 15. Mai. 13. Mai. 12. Mai. Datum: 2403- 2397,- Brüssel-Qlntw. Sr. 125.40 15.5,, Schweizer Franken 100 Kr. 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 13,05 1,27 0,34 3,78 5356,70 6137,70 7339 20 595,75 1526,95 1250,6'3 257,61 2338,30 5572.- Ehristiania. . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helsingfors. . . Italien London Deuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr. Prag Budapest.... Buenos Aires . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro 6157,70 7434,30 610,80 1521,90 1286,65 289,12 2640,80 5572, - 4500,65 1.7.14. 125.40 59.20 88.80 88.80 117.80 117.80 97.80 23.80 Fr. Fl. Kr. Kr. Kr. Kr. Sh. r 13.5. 1,80 0,90 1,66 1,37 200.50 1.8.3 0.G5 10.- 47.40 23.10 27.35 43.20 0.67 519.60 1.87 0,13 5353,30 6117 30 7320,50 594 25 1523,05 1277,40 286,89 2631,70 5558,- 4164,35 FI. ---- Mk. --- Kr. — Kr. = Fr. = £ --- L. -- Fr. = Kr. - $ = Kr. = 2405,55 5406,75 5393 26 6142,30 7415,70 609,20 15'8,10 1283,35 288,38 2634,26 5558,- 4439.35 Derllner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Brief Wechsel auf Holland Deutschland .... Wien ..... Prag Paris London Italien . Brüssel....... Budapest Deuyork....... Agram....... Warschau Züricher Devisenmarkt. 13. 5. 12. 5. lt80 0,90 1,23 — ,34 3,81 Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopentzagen Stockholm . Wien.... Pra^ .... Lvnoou. . . Deuyork . . Paris. . . . 200.50 1.815 0.05 10.- 47.25 23.06 27.45 43.15 0.67 518.75 1.90 0,13 Markrrotierungen. Für 100 deutsche Qllarl wurden gezahlt: Qlmftd.» Dotterd. 11086,101111 «1,90 11161,3011189, - ro-z.tv.r ' 2397 - 2403 - 2393,45 3^0 3,24 3,15 3,19 553,30 554,70 536,30 567,70 37,20 37,30 37,30 37,40 103,85 104,15 104,72 105/12 ~ i - . — 212,70 213^30 136, — 137,- 136,50 137,50 3970, - 3980,- 3970,- 3880,- BücherLisch. -Edith Gräfin Saldurg. „RenateGode- leith". Roman vom QLHein. Verlag Dr. D. Langenscheidt, Berlin W15. — Der Qioman behandelt das Schicksal einer jungen, verwitweten Frau. Zwei Tod- feinde, ein ehemaliger deutscher und ein französischer Offizier, werben, kämpfen um sie, und das Ringen um sie gilt zugleich dem frijcyen Sohn, dem jungen deutschen Blut, das der eine dem Vaterlande erhalten und sichern, der andere für Frankreich gewinnen und erziehen will. Die ganze Qiot des besetzten Rhein- landes rollt sich zugleich in diesem seelischen Drama vor uns auf ; stoch durch die Gegenwart bricht hell die Sonne deutsche'- Hoffnung. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Eine Anleihe der RLpLtationskomMissiou für Deutschland? Paris, 13. Mai. Die Reparations- I d m m i f f i o n — gleichbedeutend mit den Mli- ievten und anderen Ländern, die bereit sind, sich daran zu beteiligen - wird Deutschland eine 21 n - leihe von fünf Billionen Mark bewilligen, so soll nämlich hier beschlossen worden fein. Der deutsckx Finanzminister Hermes wird in Paris am Donnerstag cintrcffcn. Es ist abge- macht, daß ein Termin von zehn Hahr en für die Anleihe vorgesehen ist. Der amerikanische Delegierte, Mr. Roland W. Boyden, hat dem Plan zugestimmt. Obwohl die Kammer völlig hinter Poincare steht und auf einer wetteren Besetzung Deutschlands am 31. Mai besteht, so ist doch anzunehmen, daß die am 14. QHai in Frankreich stattfindenden Kantonalwahlen einen scharfen Zug nach links zeigen werden, wodurch diese Absicht zu Schanden werben bürftc. Die Bolschewisten gegen den Versailler Vertrag. Paris. 13. Mai. (WB.) Die »Ere Dou* velle" veröffentlicht eia in Moskau nritgeteiltti amtliches ©ommnntque so genb^n Wortlauts: Die von ber französischen Presse verbrei- teten Qlachrichten, denen zufolge Tschitscherii> in einer Unterredung mit Benefch zugegeder hätte, daß es den Sowjets möglich wäre, ber Versailler Vertrag anzaerkennen. fei unbegründet Der Vertrag von VersaMes, ber für bie Wieder- Versöhnung ber Völler ein Hindernis ist, form vor Sowjetrußlanb niemals santtioniert werden. Alle Qlachrichten, die bas Gegenteil behaupten, sind von Qlnfang dis zu Ende erfunden. Lloyd Georges Rückkehr nach London. London, 13. Qliai. (WTB.) Der polllische Berichterstatter des „Daily C h r o n i c l e“ mel • bet, in ministeriellen Kreisen erwarte man, daß Lloyb George Ende der nächsten Woche nach London zurückkehre. Englisch-r Angriffe gegen Lloyd George. London. 13. QHai. (WTB.) Sir Robert Eecil erklärte in einer Rede, niemand trau? ber augenblicklichen Regierung. Sie sei verhäng - nisvoll. and wenn bic Lage gerettet werden solle, so müsse ein Regierungswechsel stattsin- den. Wenn morgen mitgeteUt würde, bah Ll)hd George zurückgetreten sei und der König nach Lord Grey gesandt Hube, so würde die gesamte zivilisierte Welt aufahnen. Chamberlains Optimismus. London, 13. QKaL (WTB.» Chamber - la in erflärtc in einer Rede in London, er sehr bic Qlussichten sür die Konferenz von Genua augenblicklich sehr hoffnungsvolr an. Morgan gegen die französisch-rn Ginnrarfch- absichten. Beilin, 12. Mai. Die „QZoss. Ztg." mclbm aus P-ans, daß in offiziellen amecikanischen Krei - fen Dachrichten aus Deuyork eingelaufen feien nach denen die größten Danken Qieuyorks und Chicagos sich an Morgan gewandt haben, cv möge von Frankreich und Belgien die Verpflichtung verlangen, nicht in Deutschland einzurücken, trenn eine Anleihe in den Vereinigten (Staaten möglich gemacht wird. QBeiter sei Morgan aufgefordert worben, zu verlangen, baß ein großer 2 eil ber Besä Yungs truppen vom Rhein zurückgezogen werbe, um Deutschland zu gestatten, die Wiedergutmachungstösten leichter- aufzubringen. Morgan wird am 20. Mai in Lon bon eintrefsen, wo er zwei bis brei Tage bleiben wirb, ehe er nach Paris geht. Der englische Standpunkt. London. 19. Mai. lWTD.) Student m politic meldet dem „Daily Chronicre" aus Genua, wenn alles gut gehe, fo könne die Konferenz in 2 Wochen zu Ende sein. Die russische Antwort sei ein aufrichtiges Dokument, bas nicht unbeantwortet bleiben könne. Und wenn der britische Vorschlc^ angc nommen werde, so werde die Antwort eine Gestalt annnehmen, die eine endgültige Regelung fast zur Sicherheit haben müsse. Die Ausnahme durch die Konferenz werde es Len Franzosen ermöglichen. aus der unangenehmen Ecke herauszugelangen, in die PorncacH die fran zösifche Diplomatie gedrückt habe Die Preisgabe der Versuche, eine gemeinsame QLegelung zustande zu bringen, würde nur zu separaten Bestrebungen führen, die besonders für Frankreich gefährlich seien. Es sei'daher zu erwarten, Laß Barthou den britischen Vorschlag an- nehme. Arbeiternnruhen in Chicago. Chicago. 12. QUai. Richter Landis gab kürzlich durch einen Richterspruch bekannt, bah Voreingenommenheit gegen Streikbrecher eine ver brecherische Tat sei unb verhängte bemgemäß eine Entscheidung gegen Leute, die ber amerifam scheu Arbeiter-Änion angehvrten. 'Ohm fanb gestern hier eine große Demonstration gegen Landis statt, bei ber zwei Polizisten getötet wurden. Man verhaftete den Arbeiterführer Tim Murphy unb zweihun bert andere Arbeiterführer, well sie die Demonstration angestiftet hätten. Es wurden Belohnungen von insgesanrt 43 000 Dollar aus gesetzt für die Ergreifung der Attentäter. (Richter Landis ist ein in den Qkreintgtcn Staaten sehi bekannter Deu t f chcn f r e s ser und hat sich einmal zu dem Worte bekannt, daß jeder Deutsche ein Verbrecher sei und der einzige gute Deutsche ein toter Deutsche sei. Die Red.) Tagung der fübdeutschsn Handslskavunern. Mannheim, 12. Mai. (Wolff.) Unter dem Vorsitz des Handelskanunerpräsidenten ßcnc l Mannheim fand hier eine 'Versammlung süd deutscher Handelskammern statt, in bei die Handelskammern von Frankfurt a. OIL, Wies hoben, Gießen, Friedberg, Darmstadt, Karlsruhe, Heilbronn, Stuttgart, Ludwigshafen usw vertreten waren. Zur Beratung stand das Reichs- rahmengeseh betreffend die Industrie und bi Hanbelskammcrn. Ferner berichtete Präsident Lenel über die Errichtung paritätischer H a n d e l s La m m c r n. Schsießlich ward? ein• stimmig eine Entschlich ang a?,genonimcn. die b;-' Behebung der außerordentlich großen Verkehr s n o i verlangt. Besonders wird gegen jebc Abschwächung der für SüddeutschlLnd vom Reichs- vertehrsministerium zugefich-erten Slaffeltoriß' Einspruch erhoben. Sic Handelskammer fff bc auitiagt worden, eine Denkschrift über bic । Bilbung der Fin an z g e r i ch t e und die Zu- I sammensi-hung ber Steuerausschüssc a rszuarbeiten