Nr. 29< Erscheint lüg! ich. anher Sonn» und Feiertags, initderSamstaysbeilaye: GiehenerFamilienblätter Monatliche vezuorpreife: SSO Mark und 20 Mark Trögerlohn,durch diePost 400 Mark,auch bei Nicht» erscheinen einzelner Num- mern infolge höherer Gewalt. - F ernsprech» Anschlüsse: fürdieSchrift» kitung 112; für Derlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Lietzen. poftscheälonto: Lrantsurt a. M. 11686. Uz. Jahrgang Montag, V» Dezember f922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VruS vnd Verlag: vrühl'fche UniverfitSt§-Vuch- und Steinbruderei R. Lange in Gießen. Zchriftleitvng und Geschäftrstelle: Schniftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummcr bis zum Nachmiltag vorher ohnejede 'Derdindlichkeit. Preis für 1 mm hohe für Anzeigern) 27 mm Breite örtlich 12 Mk, auswärts 15 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 40 Mk. Bei Platz» Vorschrift 20 ".„Aufschlag. Haupischriftleiter: '21 ug. ü-oetz. verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für Öen Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gletzen. Die Londoner Konferenz. BarlS. 10. Dez. (WTB.) Der Donter- berichterstatter der Agentur Havas berichtet aus London, die Beratungen der Premierminister hätten um drei Uhr ihren Anfang genommen und feien um 6>/r Üfc abge- fch'ossen Worten. — Die Vorschläge der deutschen Regierung, die in der gestern dem Fo eign Office übermittelten Rote enthalten find, find An erster Stelle geprüft a>or- den. Es wurde einstimmig entschieden, bah die Vorschläge nicht die Grundlage efner Verständigung bilder könnten. Die Beratung über die Gesamtheit des Aeparationsprvblems wurde daraus fortgesetzt. P o i n c a r e hatte nach Schlich derSitzung eine Unterredung mit Donar La w. Der englische Ministerrat nrirb morgen früh zusammentreten. Bonar Law wird über die im Gange befindliche Verhandlungen Bericht erstatten. London. 9. Dez. (WTB.) Reuter. Die Konferenz der alliierten Minister trat um 6 U&r nachmittags wieder zusammen und vertagte sich um 6 Uhr 45 Minuten auf Sonntag vormittag. Eine amtliche Mitteilung besagt, bah die alliierten Minister in eine vorläufige Erörterung der Frage der Reparationen urd der interalliiertm Schilden eingetreten sind. Die Erörterung beschränkte sich aus die Politische Seite der behandelten Foa-'en. Der Verlaus des ersten Verhandlungstages. Paris, 10 Dez. (WTB) Heber den Verlauf d.s gestrigen ersten Verhandlungstages in London glaubt Havas, obwohl alle De egationen strengstes Eeh im.ris wahren, mitteilen zu können, es sch ine. daß der franzöjische Standpunkt dahin formuliert werden könne, dah Deutschland höchstens für zwei Oahre Zahlungsaufschub für die Geldzahlungen gewährt werden solle. Während dieser Zeit mähten aber die Sach igerungen, wenn auch in verringertem Mahstad, durchgeführt wer- den. Die deutsche Regierung müsse in kurzer Frist gesetzliche Maßnahmen erlassen, um die deutschen Finanzen zu sanieren. Ein Kredit von einer Halben Milliarde Goldmark, wozu eine gleich hohe Summe aus dem Goldbestand der R:ich?bank kommen mühte, solle Deutlch'and zur Stabilisierung derMark zur Verfügung gestellt werden Um eine Bürgschaft für di- Ausführung dieser Reformen zu besitzen, mühten dis Alliierten 25 Prozent von den deutschen Aus ute llmahmen erheben, sowie fcie Bergwerke des Autzrg .bie e? kontr-oll^apen. Der italienische M i n i st e r p r ä f l» dent überreichte, wie Havas weiter berich et, der Konferenz eine Rote, in der er die -lieber» z-uaung ausspiicht, dah man Deutschland zum Zahlen brinaen könne, und dah, wenn ein Zahlungsaufschub g.währt werden mühte, dies nur gegen gewi.se Bürgschafte i erfolgen dü.-fte. Er sei jedoch Gegner militärischer Druckmittel. Er wies auf dir Rotwendigkeit hin, dir Verpflichtungen Deutschlands neuerlich n a ch; u p r ü f e n. intern man Rücksicht nehme aus bi? allgemeinr Lage ganz Europas, die einen Ausgleich erfordere. Der belgische Ministerpräsident L h e u n i s sp.ach ,ih zu Gunsten der französisch- «ngliichrn Solidarität aus. tt> für den Weltfrieden notwendig fei Do nar Law trltijie.t» dir Dorsch äge des französischen Ministerpräsidrnten in sehr gemäßigter Form. Er brtiachtr die Aufrechterhaltung b:r C.itente cordiale als eine grundlegende Rotwencigleit. er müsse ater auch mit der öf fentliehen Meinung' in Groh- britannien rechnen, die in der Mehrheit jeder Z w a n g s rn a h n a h rn e gegen Deutschland feindlichgesinnt sei Auch England l.ide stark unter d.n Folgen des Krieges Cs sei weit davon entfernt, das Deutsche Reich von seinen Verpflichtungen befreien zu wollen Er wolle Z a hl ungen erlangen, aber imRah- men des Möglichen. Dir gegenwärtig? englisch? Regierung werde einer verstärkten Kontrolle ter deutschen Finanzen zustimmen, sicher auch die Erhebung von 25 Prozent vom Wert der deritsch'n Ausfuhr uiü> von den deutschen Zolleinnahmen zulassen. Weiter berichtet Havas, die Verhandlungen schienen bei der Erörterung drs Reparations- Problems gehe nt über diese allgemeine Ausein- andersehuna nicht hinausgraangen zu sein. Die Annahme habe wcchrsch in.ich etwas f ir sich, däh von b.itischrr Seite ernste Anslreniungen unternommen tourten, um eine Beschlagnahme der Kohlengruben im Ruhrgebiet zu verschieben und dieser Mahnahme nur den Eharalter eines Pfandes zu verteilen. Sie wolle aber als eine vorweg bestimmte sofortige Saick- tüon aufgefafH werden, wenn sich das Deutsche Reich der Sanierung der Finanzen entziehen sollte. 211 der Rachmittagssitzung wurde nach Havas die Frage der alliierten Schulden angeschnitten. Donar Law gab in dieser Bezie- hung eine besonders interessante Erklärung ab Er versicherte, dah die b r i t i s ch e R e g i e r u n g ohne die amtlichen Absichten der Vereinigten Staaten abzuwarten, den E r l a h d e r S u m m e n $u bewilligen bereit sei, die die alliierten Mächte England schulden, und zwar als Ausgleich für die Schatzbons der Serie 6 Voraussetzung hierfür sei dah eh solches Opfer zur Lösung des allgem.l en Repa ationsp ob e ns beitragen könne. Havas fügt hinzu, anscheinend eröffneten sich nach dieser Richtung hin neue Möglichkeiten hinsichtlich der ßiquibierung der europäischen Passiven, deren Erörterung die Dalfoumote im August verhinderte. Zum Schluß heiht es in der Havasnote: Wie man sehe, seien die franzostschen und die britischen Aufsas u.rgen noch weit voneinander entfernt, aber im Gegensatz zu den letzteren Kon erenzen könne man eine allgemeine Lösung erhoffen, da die Beratungen mit gutem Willen fortgesetzt würden. Der neue deutsche Vorschlag. Berlin, 11. Dez. (WTB.) Entsprechend ihrer Absicht, in der Reparationsfrage eine Politik der Aktivität, derAuf- richtigkeit und der geschäftlichen K l a r h e i t zu führen, hat die d e u 1 s ch e R e- gierung zu Beginn der Konferenz der alliierten Ministerpräsidenten einen Schritt in London unternommen. Sie ^it die Dringlichkeit einer endgültigen Lösung der ReparationSsrage erneut nachdrücklich betont und, um eine solche Lösung durch zweckmäßige Vorschläge anzubahnen, in Ausführung der Note vom 14. November ein System von inneren und äußeren Anleihen zur Erörterung gestellt. Das dafür zu gewährende Moratorium soll je nach der Höhe des Zeichnungsergebnisses bis zu fünf Jahren betragen. Außerdem soll Deutschland im Sinne der Note vom 14. November für die Dauer des Moratoriums von allen sonstigen Lasten des Vertrages von Versailles befreit und seine wirtschaftspolitische Gleichberechtigung wieder hergestclki werden. Der Betrag der AuslandSanle.he soll ganz, der Betrag der Inlandsanle he zur Hälfte der ReparationS- kommission zur Verfügung gestellt werden. Die andere Hälfte der Inlandsanleihe soll der Stabilisierung der Mark und dem Ausgleich des Reichshaushalts dienen. London, 10. Dez. (WTB.) Reuters Bureau erfährt, dah heute abend den Premierministern die deutschen Vorschläge überreicht würden, die besagen, die ^deutsche Regierung beabsichtige, den Vorschlägen, die in ihren Roten vom 14. Rovember enthalten seien, stad;ach. Fplge zu geben, dah sie Maßnahmen treffe zu einer Stabilisierung. der Mark unter Heranziehung der eigenen Hilfsquellen Deutschlands und durch Ausgabe auswärtiger und innerer Anleihen mit dem Vorbehalt, dah ein Teil der inneren Anleihe für die eigenen deutschen 3nterefret verwendet werde. Die Anleih .n s rtten unm ttribar nufgeLgt trerte t, und ein bestimmter Antrii der äußeren Anleihe sollte der Reparationstommission überwiesen werden. Die damit angeregten Vereinbarungen würden eine Regelung der Reparationscmgclegenheit für mindestens zwei Jahre bedeuten. Die deutsch; Regierung schlieht ihren Bericht mit einem eindringlichen Appell an die Verbünde en für eine Lösung des Reparationsprvblems, für /die nach ih er Meinung ihre neuen Vorschläge den Weg öffneten. Die deutschen Vorschläge verworfen? London, 10. Dez. (WTB.) Reuter. Mussolini hat heute in einer Unterredung erklärt, dah die Alliierten einstimmig die deutschen Vorschläge verworfen hätten. Der Repnrationsplnn Mussolinis. London, 10. Dez (WTB) Reuter meldet: Heute vormittag fand l/ v: Sitzung der Minister- konferenz statt, da der Premierminister beim König zum Besuch eingeladen axir. Mussolini hatte nur kurze Zeit Gelegenheit, mit Donar Law allein zu sein. Die italienischen Sachverständigen arbeitete r die ganze Rächt an dem Reparationsplan Mussolinis. Die Konferenz tritt heute nachmittag um 3 Uhr wieder zusammen. Dubois für Herabsetzung der Nc'parat-onssnittme. Paris, 9. (WTB.) Louis Dubois, ter ehemalige Vorsitzende ter Reparationskom- missivn, hat ein Vorwort zu einer Broschüre geschrieben, die die „Revu? politigue et pari nncn- taire“ verlegt hat. Er sagt darin: „Deutschland ist trotz allem immer noch verpflichtet, in einem mehr oder minder langen Zeitraum die vollen 132 Milliarden zu zahlen, die, fei or: wenn feine Finanzen reformiert sein werden sehr schwer auf feiner wirtschaft.ichen Leis.ungssä'ng eit und auf seinem Kredit weiter lasten werden. Das wird ihm jede Auslandanleihe von nennenswertem Umfang eistchw^ren und seine H-andelsbezie unzen zu den alliierten und assoziierten Mächten zum Schaden ter letzteren wie zu seinen eigenenScha- ten behindern. Der „Eclair" sieht voraus, dah diese Aeuherung eine lebhafte Diskussion in ter Politischen Weit au Höfen werte. Absichten der «ordfranzöfischen Judnftrie. London, 11. Dez. (WTB.) Rach dem Londoner Berichterstatter des ^Reutzvrk H-erald" wird in französischen Kreisen ter Konferenz nich amtlich vielfach auf die Tatsache hingew e en, dah die Militärs in Frankreich einer De- fetjung des rechten Rheinufers und des Ruhrgebietes ablehnend gegenüberständen, Es werde e r.ärt, dah ter wichtigste Ausgangspunkt der D.wegung zugunsten der Besetzung des Ruhrgebietes in ter nordfranzösischen Industrie liege. Diele verfüge über zahlreiches Personal und wolle wenn die Regierung zur Besetzung sch eite, versuchen, die Bergwerke und Fabriken mit französische i Arbeitern und Qlngcfieli et in Betrieb zu nahmen, wie immer die deutsche Bevölkerung sich auch dazu stellen möge. Die deutsche Antwort auf die Sühneforderung. Paris, 10. Des. (WTB.) HavaS teilt mit, die Antwort der deutschen Regierung auf die Note der Botschafterkon- ferenz über die Zwischenfälle in P a s s a u und Ingolstadt sei heute nachmittag in Paris überreicht worden. Die deutsche Regierung erklärt, daß sie allein berechtigt sei, die Entschuldigungen auszusprechen, die verlangt werden. Sie erkläre weiter, daß sie die Bürgermeister selbst in ihrer Eigenschaft als Polizeiorgane nicht absetzen könne, da sie keine Beamten seien, sondern gewählte Organe autonomer Verwaltungen. D e deutsche Regierung teilt weiter mit, daß die verlangte Summe von einer Million Goldmark zur Verfügung der interalliierten Militär - Kontrollkommission steht. Der Reichskanzler über die Rheinlandsrage. Berlin, 9. Dez. Bei einer Besprechung zwischen dem Reichskanzler unb ten Vertretern rheinischer Zeitungen führ.e Reichskanzler Cuno über die Rheinlan.frage u. a. folgendes au 5: Wenn als Deratungsthema bei der Sitzung hn Elhsoe die BZ:hung tes Ruhrgebietes verhandelt worden ist, so sind unsere Ohren feit nunmehr zwei Jahren schon me jr oder weniger baian gewohnt. Ich weist au3 eigener Erfahrung, dah man oft gezwungen ist, Pläne zu beraten, auch dann, wenn man sie selber von vornherein verwirft. Es gibt manchmal Umstände, die es schwer machen, eine solche Beratung abzulehnen. Pflicht ter ReichZregierung ist ei gegenüber ter- arst'rgen Meldungen, EntschlossenH-U unb Ruh» u betoahren. und auch ten Rh bla b und dem Ruhrgebiet kann ich nur ten dringenden Rat geben, sich nicht nervös machen zu lassen, tes um so weniger, da die S ellungnahrne ter ReichZregierung zu diesen Dingen unzwcisclhaft und ur-liy.i eilig ist. Der De sailler Vertrag hat uns ja im allgemeinen nur Ptzich en in Hülle und Fülle aufgepackt Zu den wenigen Rechten, die uns gelassen worden sind, gehört eincs, tes wir unter feinen ilmftanten preisgeten: ter Anspruch auf ungeschmälerte Zügel ö i k if ter rh.i ä chrn Geb ete zum großen dcutsch-n Vaterland und zu dcn beteiligten deutsch'N Lande n Ein solches Recht kann auch das unter ten Lasten des Vertrags von Versailles feuszente Deutschland niemals au'geten. Im Gegcnt.il: ilnfere Politik muh als eines ter Hauptziele im Auge haben, die jetzt noch von frcmten Heeren besetzten Gebiete sobald als möglich von dieser Last zu befreien. D.utschland hat einen vertraglich te.‘bürgten Rechtsanspruch darauf, daß mit Ablauf des 9. Canuar 1925 ter D.ückenkopf von Köln und die übrigen im Artikel ^9 genannten Gebiete geräumt werden. Mi Ariauf tes 9 Ja mar 193) müssen der Drücke,lioof von Koblenz und die übrigen im Verfall'er Vertrag ge’tau bnz ll'chnete^i Gebiete geräumt sein und mit tem Aolauf des 9. Januar 1935 muh ter letzte Soldat ter atfi'.orten und assoziierten Mächte das besetzte Gebiet verlassen haben! Dieser Rechtsanspruch ist nur einer Einschränkung unterworfen, die im Schlußabsatz von Artikel 429 des Vertrags dahin feftgehgt ist, dah die Zurückziehung ter Desatzungstruppen in gewissem Umfange aufgeschoben werten kann, wenn nach Ablauf ter 15jährigen Desetzungsfrist von den alliierten und assoziierten Regierungen — nicht etwa von den Regierungen ter Desahungs- machte oder nur gar von einer dieser Regierungen, — etwa ter französischen — bei Ablauf ter Desetzungssrift ausdrücklich die Feststellung getroffen wird, dah gegen einen Anarif' den erwähnten Art keine hinreichende Sicherheit besteht. Sagen Sie ter rheinischen Devölterung, day die rheinische Treue zum Reich mit ter Treue tes Reiches zu den Rheinländern vergolten werten wird!" Protest gegen die französische Rheinpolitik. Darmstadt, 10. Dez. (Pr'vattelegr.) Eine heute im Landtagssaal veranstaltete Versammlung der Zentrumspariei aus den Ländern am Rhein, der u. a. auch der frühere Reichskanzler Fehrenbach und andere führende Parlamentär er beiwohnten, billigte einmütig eine längere Entschließung, in der auf das unbestreitbare Recht der Zugehörigkeit der Rhei.rlande und deS Rheinstroms zu Deutschland hmgewiesen wird. Das Rheinland lege gleichzeitig Verwahrung ein gegen den Druck der Besetzung, besonders durch schwarze Truppen, sowie gegen die Verwendung weiterer Strecken fruchtbaren Kulturbodens zu militärischen Zwecken. An alle zivilisierten Mächte ergehe der Hilferuf: Macht diesem Zustand ein Ende.'. Mainz, 9. Dez. (Wolfs.) Der P r o - vtnziallandtag von Rheinhessen, der heute zu einer Tagung zusammengetrcten ist, hat eine von sämtlichen Parteien eingebrachte Resolution folgenden Wortlauts einstimmig angenommen: „Die Bevölkerung Rheinhessens, vertrc- ten durch ihren heute in Mainz versammelten Provinziallandtag, gelobt klar und unzwei^ deutig, in schwerer Zeit treu und unentwegt zu ihrer hessischen Heimat und dem großen deutschen Vaterland e zu stehen. Mit Empörung weist sie alle auf eine Abtrennung hinzielenden Pläne zurück und legt fe.erlichst Verwachsung ein gegen jede von außen beabsichtigte Veränderung innerstaatlichen Lebens. Keine Gewalt, keine Lockung wird sie in ihrer treuen Anhänglichkeit an den DolkSstaat Hessen und an das Deutsche Reich irre machen!" Lloyd Georges Artikel gegen Frankreich. Paris, 9. Dez. (WTB) Der ,Te rn p S" übt heftige Kritik an tem heutigen ersten Artikel Lloyd Georgs im »Daily Chrv- nicle“. Lloyd George beschuldige Frankreich, fo sagt das Blatt, das linke R'.)einufer anneEriercn zu wollen. Richt ohne Entrüstung lese man, daß die französische Regierung mit ihrer Repa- ralionsforterung ihr Spiel treibe, nicht um Deutschland zum Zahlen , u b in en sondern um für ewige Zeiten das Rheinland besetzt zu halten. Richt Aufii.ten damit, daß er auf bhfe Weise seine Landsleute gegen Frankreich aufhetze, fordere Lloyd George slshmtrih, daß die Vereinigten Staaten gegen dir franzöiischr Regierung Stellung nähmen sollen. London. 9. ®ea. kWolsf) ,Daily Chro- nide“ und „Daily Mail" verösfentlichrn einen aussührlichrn Ariikel Lloyd Georges über lir „Zukunft Frankreichs undDeutsch- lands, ten Pakt Großbritanniens und die Bedrohung tes Rhrinlantes", der heute vor Beginn ter Prcm'.erministei.kon,erenz von befonterer Bedeutung ist. Der frühere Premierminister geht aus von ter Erklärung Clemenceaus in ten Vereinigten Staaten, daß Großbritannien in ter Frage ter ©arantierung Frankreichs gegen einen deutschen Angriff nicht Wort gehalten habe und weist nach, daß das Angebot in Cannes endgültig erneuert Worten fei Poincare habe es später jedoch nicht angenommen. Rach ter Ansicht Lloyd Georges habe Poincar^ es nicht eta>a deshalb nicht angenommen, weil es nicht wünschte, das Zeichen 5er Ti.ligung unter das W-erk seines Vorgängers zu setzen. Der Grund sei vielmehr bunTIe.ar Art. Denn wenn Frankreich Großbritanniens Garantie ter Verteidigung seiner Grenzen annehme, so entschwi te damit jede Entschuldimng für die Annekivn des linken Rheinufers durch Frankreich Wen.n das die Dedeutung sei, wenn t ie franzo ischm Minister entsch os en feien, sich unter keinen Bedingungen, selb t am Ente ter Desabungsperiote nicht, vom Rhein zurück- zU)i.h:n begi.me ein neues Kapitel in ter Geschichte Europas und ter Welt mit einer Klimax des Schreckens, toi? sie die Mensch- h-it noch nicht erlebt habe. Lloyd George erklärt: Die deutschen Provinzen auf dem linken Rheinufer sind durch und durch deutsch, ter Rasse, Sprache, Tradi icn aib tei Sympathim nach. In Europa sind Z0 Millionen Deutsche, in einer Generation können es hundert Millionen fein. Sie wrrden niemalszufrie»- den bleiten solange Mlllio.ei ihrer La rdsleute auf ter anderen Seite des Rheins unter einem fremden ^oef) leten ruib der De ginn des unvermeidlichen Befreiungs r t e c e d tvird nur eine Frage der Zeit uno dec Ge.e .euheit sein. Lloyd George fragt, ob es zu viel sei. darum zu ersuchm, dah Amerika rechtzeitig ein toi f» sames Interesse an ter Entwickelung am Rhein nehme. W-eter Großbritannien noch Amerika konnten es sich leisten, Manöver unberücksich igt zu lassen, die von ten Ufern tes Rheins bis zum Mississippi, ein Echo fänden. Die beiten seien nicht so weit voneinander entfernt, wie früher, denn nicht fern vom Rhein seien jetzt G.-biete, in denen der Staub von Männern ruhe, die vor weniger als 6 Jahren von den Ufern des Missisippi .ihre Gesichter tem Rhein zu- toanbten“. Lloyd George weist im Verlauf feines Artikels darauf Hin, daß anscheinend die maßvollste und gleichwohl hinterlistigste Forderung, mit der der Ansp-'uch Frankreichs auf die Annexion der Rteinlante angenommen worden sei, der Vorschlag war. daß die deutschen P.o'o'nrzen auf ten linken Rl>rin- ufer unter französischer Okkupation bleite, sollten, bis der Vertrag erfüllt fei. Das Eeteute für immer! Die Reparation allein, in cewisser Wrile vom Quai d'Orsay behandelt, tourte die Möglichkeit ausschließen, je Erfüllunre t zu erleben. Die rheinische Schule in der französischen Pclit>f r i hmte so mächtig, wie je in einer Hin- sogar noch mäch iter, teri 1913 stand ein Staat-...ann an der Spitze ter Geschäf.e ter die Kraft und Klugch.it besa^, ihren schlecht le>achien Forderungen zu toiterst-.n Mürbe, die die Welt in einen neuen Konflikt zu verwickeln drvche. Die Zeit sei gdoimr.en, diese Dinge zu sagen, und wenn sie nicht von Hoher Warte aus gesagt würden, würde die Menschheit eines Tages diejenigen, die diese Stelle einnahmen, zur Rechenschaft zickhen. Der Pakt mit Großbritannien liege augenblicklich an Papierkorb, aber nicht England Habe ihn dorthin geworfen. Lloyd George tadelt Clemenceau, weil er seine D.schwerden in Ttcu» York vor Ausländem vorbringe u.tb nicht in Paris vor den Männern seiner eigenen Rasse, und gvcht im einzelnen auf die behindernde Rolle ein, die die französische Regierung auf der Genueser Konferenz gespielt hat. (3c führt dann weiter aus. er beschwere sich nicht über Darthou, der unter demütigenden TeMngungen sein Bestes getan 'habe, um der Konferenz gegenüber loyal zu bleiben, die seine Regierung miteinberufen habe, und gibt zu, daß Dart'yous Aufgabe eine unmöglich: gewesen sei. Sobald er einen Schritt vorwärts gemacht habe, sei ihm durch ein Telegramm aus Paris der Lasso um den Hals geworfen worden. Sie europäische i Rationen hätten in Genua gesehen, daß eine der Großmächte auf das Scheitern der Konferenz Hingearbeitet habe. Poincar^s Llntwort. Paris, 9. Dez. (Wolff.) Poincar6 läßt durch den Sonderberichterstatter der Havasagentur in London eine längere Erklärung gegen den geflecn bn „Daily Chromcle" erschienenen Arti.el LloydGeorgeS veröffentlichen. Er wendet sich m erster Stelle gegen die Behauptung, es gebe tn Frankreich eine maßgebende Partei, bie die Absicht habe, das linke Rheinufer zu annektieren. Es habe in F ankreich niemals eine Regierung oder einen Minister, ja auch nur einen Senator oder Abgeordneten gegeben, der so unvernünftige Absichten gehegt habe, eine deutsche Bevölkerung der französischen Herrschaft unterwerfen fiU wollen. Lloyd George erzähle, daß er , 1919 Clemcnceau den englischen Garantiepakt angeboten habe, um ihn im Kampfe gegen den Chauvinismus seiner Landsleute zu schuhen. Diese Erklärung des Garantiepaktes, wie Lloyd George ihn auffasse, entbehre nicht einer gewissen Pikanterie und er, Poincare, sei ganz sicher, daß sie in keiner Weise der Ausfassung Cleme-iceaus entspreche. Poincarö spricht alsdann von d.m von Lloyd George in Cannes vorgeschlagenen Garantiepatt, der vollkommen illusorisch gewesen sei, da er nur eine Garantie von 3ef.11 Jahren und keine Sicherheit im Falle eines ungerechten Angriffes Deutschlands, beispielsweise gegen Polen, enthalten hcu e und auch auf keiner militärischen Grundlage beruht habe. Poincare spricht alsdann von der Tangerfrage und der griechischen Angelegenheit und sagt schließlich: Sämtliche Mißgriffe, Lloyd Georges rührten offensichtlich von dem sonderbaren psychologischen Irrtum her, der seine ganzen Gedanken veherrsche. wenn er glaube, daß es in Frankreich eine imperialistische und annexto- nistisch? Partei gete. So treibe b?> Haltung, die er sowohl Denizelos als auch später Frankreich gegenüber eingenommen habe vollkommen verständlich. 3n diesem Falle müsse man ihm noch dankbar fein, daß er nicht noch weitergehende Schlüsse gezogen habe. Mit etwas mehr Logik hätte er auch Frankreich auffordern können, ewige Zeiten auf den guten Willen Deutschlands in der Ab- rüstungs- und Reparationsfrage zu warten und keinen einzigen Soldaten einen einzigen Tag lang auf 'deutschem Boden zu lassen. I Tschitscherin über das russisch-türkische Verhältnis. Lausanne, 9. Dez. (WTD.) Zu den Erklärungen, die Tschitscherin den türkischen Journalisten abgegeben hat, erfährt man noch, baß er auf die Frage eines türkischen Journalisten, ob er irgendwie sein Bebauern über bie Habung der tück schen Delegation ausgesprochen habe, geantwortet habe, es scheine allerdings, daß die Türkei sich in das Retz der französisch- englischen Interessen und vor allem der englischen Interessen verwickeln lasse. Er könne dies aber ohne jegliche Bitterkeit sagen, da die im gemeinsamen Kampfe gestählte türkisch-ru fische Freundschaft so stark sei, daß man die gegenwärtige Situation nur als eine vorübergehende Wolke betrachten könne. Aus hem Reiche Der Reichstags« nSschuß für Auswärtiges. D e r l i n, 9, Dez. (Wolff.) Der Reichs- tagsausschuh für auswärtige Angelegenheiten trat heute vormittag unter dem Dorsitz Stresemanns zu einer Sitzung zusammen, in der zunächst dec Außenminister Dr. Rosenberg über die Ostfragen, insbesondere über die Ausdehnung des Rapallovertrages, sprach. An der Debatte beteiligten sich die Abgeordneten v. Rheinbaben (Deutsche Volksparte ), V^eitscheid (Soz.), Koenen (Kom.), Graf Bernstorfs (Dem.) und Dr. Wirth (Z.). Anschließend gab Dr. Rosenberg einen Aeberblicküberbiege- genwärtige politische Lage und erörterte in großen Zügen die Aufgaben, die der Reichsregierung daraus erwachsen. Dabei be- h elt er sich eingehendere Mitteilungen vor. Die Reichsregierung hoffe, diese Erklärung im Laufe der kommenden Woche geben zu können. Weiter beleuchtete der Minister die befristeten Forderungen, die die Entente wegen der Umwandlung der militärischen Kontrollkommission in ein Garantiekomilee, und wegen der Vorfälle in Passau und Ingolstadt jüngst stellte. Die Aussprache eröffnete Dr. Helffe- rich (Dn.). Aus Hessen. Aus dem Landtag. rm. Darmstadt, 10. Dez. Die Rotlage der Privatdozenten hat denAbg Dr.Werner und Gen. zu folgendem Antrag Hel dem Landtag veranlaßt: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, dem Beispiel vom Reich und Preußen zu folgen und die Privatdozenten durch angemessene und rechtzeitig ausgezahlte Unter- stützungsbeihilfen und Lehraufträge mit einer Vergütung des Einkommens in Stufe 10 unterstützen. Dieselben Abgeordneten beantragen weiter: Der Landtag wolle hefchliehen, die Regierung zu ersuchen bei der Reichspostverwaltung dahin zu wirken, daß den Inhabern der P 0 st h i l f s st e l l e n eine den Zeitverhältnisten entsprechende Entlohnung gewährt wird. Es ist nicht angängig, daß man beute noch für eine Iahresarbeitsleistung 100 bis 200 Mk. bezahlt. Wir erwarten, daß die Entlohnung mit der Geldentwertung Schritt hält, von einem unbesoldeten Ehrenamt könne keine Rede sein. Auf die Anfrage der Abg. Dr. Werner und Gen. bezugl. Alkoholausschrettungen ist eine Antwort des Ministeriums d.I. eingegangen, worin auf ein Ausschreiben an die Kieisämter und Oberbürgermeister hingewiesen wird. Das demnächst zu erwartende Reichsschankstättengeseh werde weitere Handhaben zur Bekämpfung des Alkoho- lismus bieten. Aus Sladt und Land. Gießen, den 11. Dezember 1922. Kriegsdienftkeiftunft und Dienftzeitversorgung. Das Reichsgesetz vom 4. Juli 1921 (ReichSgesetzbl. S. 825) sieht eine anderthalbfache Anrechnung der während des Krieges 1914/18 im Reichs- oder Militärdienst xurück- gelegten Dienstzeit vor, sofern sie mindestens sechs Monate betragen hat und nicht infolge Anrechnung von KriegSj-ahren oder Doppelrechnung höher zu rechnen ist, oder in der Kriegsgefangenschaft oder im Militärdienst eines dem Reiche nicht angehörigen Staates zugebracht wurde. Dies ist von Bedeutung für die e h e m. K a p i t u l a n t e n, die k e i n e Dienstbeschädigung erlitten haben. Die auf Grund mindestens IZjähriger Dienstzeit 58. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) ner nicht , Blick in die Weite. Dec Äczt zog den Hut und r-t wies | Herwegh tat höflich das gleiche. Der Rotbart Die Herweghs Sine rechtsrheinische Geschichte von Lies bet Dill. .Ist er denn geisteskrank?" .Richt eigentlich, sonst dürfte er hier nicht 1$d herumlaufen. Drüben —, der Arzt wies auf eine ^ohe, von einem jetzt kahlen Spalier berankte Vtauec, welch? den Anstaltspark in zwei Hälften teilt«, »dort sind die wirllichrn Kranken. Hier haben wir nur einen mit Größenwahn, der ist aber ganz still und wandelt erhaben durch die Menge, und diesen Rarreu mit seinem Cembalo. Er schreibt fortwährend Bestellungen an Piano- firmen, die wir natürlich nicht abfchicken. Es ist eine Leidenschaft von ihm. Klaviere zu kaufen, und mehr wie eins braucht man doch nicht." »Das kommt ganz darauf oa, was man spielt," sagte Ernst. .Die Klavierkonzerte von Beethoven zum Beispiel verlangen eine Klcwierstirnme und ein begleitendes Orchester, dessen Stelle das zweite Klavier übernimmt, während der Flügel das Kladiersolv wiedergibt, und das Rondo von Chopin ^der die Schimannschm Variationen sind direkt für zwei Klaviere geschrieben." „Davon versteh-? ich mchts,' sagte der Arzt. „Aber es gibt Patienten, die schnnbar gesund sind, uns aber mehr Schwierigkeiten machen wie die wirklich Kranken. Dazu gehört Kottcnhan. Wir haben ihm das Musikzimmer zugeschlossen, ec spielte nämlich den ganzen Tag- Das ist seinen Rerven durchaus nicht gut, de-.m der Mensch kann nur ein gewisses Maß von Musik vertragen." „Das kommt bab-'S, weil ec sich langweilt," sagte Ernst. „Seine OetanVen müßten abgelenkt Werden." Und ec b'sch'oß, sich Herrn Kottenhan zu widmen und mit diesem Doktor nicht mehr über Musik zu reden. Als sie an der HauStür cmkarneri, öffnete sich diese weit, ein großer magerer Herr, ein weißes Halstuch umgeschlagen, die Hände ti den Taschen, mit rotem Bart und goldener Drille, kam die Treppe herunter und schaute mit abwesendem die Wett«. Dec Arzt zog den Hut und „Bitte," sagte dieser, beim man durste Herrn Kottrmhan nichts abschlagen. Dec bewegliche Herr schütt, den Stock auf dem Rücken, neben ihnen h?r, lebhaft auf Herwegh einsprechrnd. Er mar lange in Rußland als Verwalter eines fürstlichm Gutes gewesen, hatte Weltreisen gemacht und sich bann nach Rheinau zurückgezogen. „Ich hatte immer vor, Sie einmal kennen zu lernen, hab' viel von Ihnen gehört," sagt? Kottenhan, „leider war ich stets bchchchtigt. Ich spiele mehrere Instrumente und habe meine Villa erst völlig verändern müssen, um meine Orgel darin ekizubauen und die Flügel Darin unterzubringen. Die Rheinau- scheu Wohnungen sind nur für Abendessen eingerichtet. Ich spiele das Cembalo, aber das Musi ä ren ist, hier verboten," fügte er mit einem feindttchm Seitenblick auf den Mediziner hinzu. „Rur ein Schöpfer tanr.i einen Schöpfer verstehen." Ec b. udte Herwegh nochmals die Hand, zog seinen Schlapphut und war im Augenblick auf einem Seitenweg verschwunden. „Wer ist das?" fragte Herwegh. »Ein Manitec," sagte der Arzt, „feine Familie bat ihn zur Beobachtung hergeschickt, er ist wegen Verschwendung unter Kuratel gestellt. Run laust er b.-n ganzen Tag herum und hält Ansprachm Alle fliehen ihn. u.rd so schießt er plan- und ziellos in diesem Garten umher." versorgungSverechttgten ehem. Kapitulanten können h erdurch eine höhereDienstzeit- reute erhalten, ehem. Kapitulanten mit einer kürzeren als 18- oder 8jährigen Dienstzeit können nachträglich eine mindestens 18- oder 8jährige Dienstzeit erreichen und damit einen Anspruch auf Dienstzeitver- forgung erwerben, letzte, e jedoch nm, falls eine Minderung ihrer Erwerbsfähigkeit um wenigstens 10 Prozent „bei der Entlassung" noch jetzt zweifelsfrei nachweisbar ist. Die Zahlung der höheren oder erstmaligen Versorgungsgebührn sse beginnt frühestens Mit dem 1. April 1920. Ehemalige Kapitulanten, deren Versorgungsgebührnisse noch nicht unter Berücksichtigung vorgenannten Gesetzes festgestellt worden sind, tun gut, einen entsprechenden Antrag bei Ihrem VersorgungSami einzu.elchen, da die Prüfung und Feststellung von Amts wegen nur bei der Durcharbeitung ihrer Akten — insbesondere gelegentl.ch der Amanerkennung nach dem R. V. G. — erfolgen kann. * ** Der gestrige Sonntag führte bei dem schönen klaren Frostwetter den Geschäftsstraßen unserer Stadt einen starken Menschenverkehr zu. Ramentlich im Seltersweg herrschte zeitweise ein Betrieb, der durchaus großstädtischen ölmfang zeigte. Die Gießener Familien fanden sich besonders hier zusammen mit den zahlreichen Auswärtigen, um Ausschau zu halten für das Weihnachtsfest. Die Auslagen der Geschähe in allen Straßen, in vielseitiger und interessanter Weise hergerichtet, fesselten sehr stark. In manchen Läden herrschte bereits reger Kundenverkehr, im allgemeinen aber war die Kauflust, nach unseren Beobachtungen, noch nicht allzu stark: man beschränkte sich zumeist noch aus das Ansehen der Auslagen, um tn aller Dedachtsarnkeit seine Kaufentschlüsse zu fassen. Der Zustrom der auswärtigen Interesienten war sehr stark; an den Eisenbahnschaltern herrschte starke Rachfrage nach Fahrkarten aller Richtungen. " MuseumSdiebstahl. In der Zeit vom 7. bis 10. Dezember wurde im hiesigen Museum ungebrochen und eine Menge Orden aus Edelmetall, silberner Bauernschmuck, Bauernohrringe, Haarpfeile aus Dein und ein Relles aus Elfenbein „Schneewittchen, die Tauben fütternd", entwendet. Die Diebe hatten es in der Hauptsache auf Gegenstände von Edelmetall abgefehen. Sachdienliche Mitteilung nimmt die Kriminalabteilung entgegen. ** Das „Schleifen" und das Fahren mit kleinen Schlitten auf öffentlichen Straßen und Plätzen ist durch die polizeilichen Bestimmungen über die Reinhaltung und Wegsamkeit der <3traben und Plätze bei Geldstrafe bis zu 600 Mark oder Haft verboten. Zum Schuhe der Passanten sind die Polizeibeamten angewiesen, dem Unfug entgegen- 3utreten und Zuwiderhandlungen unnachstchtkich zur Anzeige zu bringen. Die Eltern werden gut tun, den Kindern von dem Verbot Kenntnis zu geben, und auch die jungen Leute, die nach amtlicher Beobachtung sehr oft als Missetäter In Betracht kommen, mögen die polizeiliche Anordnung beachten. Die Pflicht zur Reinigung der Bürgersteige von Schnee und EiS bringt das Polizeiamt den Grundstückseigentümern jetzt tn Erinnerung. Danach haben die Hausbesitzer den Schnee, der in der Rächt fällt, längstens bis 8 Uhr vormittags in der ganzen Breite des Fußsteigs zu entfernen, bei fortdauerndem Schneefall ist die Reinigung tagsüber fo oft als nötig zu wiederholen. Bei Glatteis müssen die Fußsteige in einer Breite von mindestens einem Meter mit Sand, Kies, Sagemehl oder anderem Stteumaterial ausgiebig bestreut werden; Schlacken sind verboten. Schnee unb Eis von den Bürgersteigen dürfen in den Straßen, die von der Elektrischen befahren werden, nicht auf oder dicht an das Straßenbahngleis abgeworfen werden. ** Das Ergebnis der Handelskammerwahl vom 5. und 6. Dezember wird im heutigen Anzeigenteil bekannt gegeben. ** In der Gesellschaft für Erd- unb Völkerkunde hielt Prof. Dr. Hans Schneiderhöhn am Mittwoch abend einen interessanten Vortrag über „Landschaftsbildec aus Deutsch-Südwestafrika". Der Vortragende berichtete auf Grund eigener Beobachtungen. Er reiste Anfang 1914 nach Deutsch-Südwestafrika, um mineralogisch-geobogis he Studten in len großen Kupferlagerstätten im Otävibergland zu machen. Durch den Krieg an der im Oktober 1914 beabsichtigten Heimreise gehindert, setzte er nach der Uebergabe des Schutzgebietes an die Truppen dec Südafrikanischen Union die geolog.sch?n S u- dien in erweitertem Umfange fort. Er unternahm für die Otavigesellschaft die geologische Kartierung und Untersuchung sämtlicher Erzlagerstätten und die Erforschung der geologischen Verhältnisse deS Otaviberglandes und macht? ausgehehn e Reisen im ganzen Schutzgebiet. In bezug auf die warf ihm einen wohlwollenden Blick zu unb schritt an Leiden vorbei, mit einer Kopsbewegung dankend, wobei er den Hut aufbehielt. „Wer ist das?" „Ein Dürstensabrikant aus Glogau, der sich für den entthronten König von Aegypten hält." Und eS fiel Herwegh wieder em, wo er war. Seit sich das Rheinbabener Anstaltstor hinter Ernst gsechlossen hatte, war in der Mainzer Straß? Wiel er Ruhe eingetreten. Es hatte sich, wie bec General prophezeite, alles wieder „gelegt". Die Gerichtsverhandlung war zwar nur abgebrochen toovben und sollte wieder ausgenommen werden, sobald der Befund dc-s Psychiaters über Herweghs Befinden ab- geschloßen war. Ader sie hatte doch, dank der Aussagen dec Gläubiger, Herwegh von einer Schild entlastet, die ferne Ehre als Mensch vernichtet hätte. ^cau von Herwegh, die längere Zeit bett- [äger.tg gewesen, nahm wieder Be,uch? an. Doch der Arzt hatte ihr geraten, sich Vor Aufregungen in acht zu nehmen. Sie begann stark zu werden, ihr Herz ertrug keine Erschütterungen In ihren Jahren muhte man auf ein angegriffenes Organ Rücksicht nehmen. Sie hätte nich-t die Kraft gehabt, Emst jetzt zu sehen. Sein Aufenthalt hi der Irrenanstalt war gewiß ehrenvoller wie im Gefängnis, oder wenn er auf einem Schiff das Weite gesucht hätte, aber diesen Zusammenbruch verwand sie nicht so leicht. Ihr Haar war Weiß geworden, und wenn sie In der Sowie auf der Stvaße am Arm Herberts auSging, glaubte sie, alle Blicke richteten sich auf sie: das ist seine Mutter. Dazu kam die Sorge, wie man sich jetzt ettarichten sollte. heute an der Oberfläche wirksamen geologtscyen Faktoren zerfällt Südwestafrika in sechs natürliche Landschaften. Die K ü st e u z 0 n e gibt den Schlüssel zur (Märung des wüsten Hinterlandes: Der kalte Vengu2la|troni kühlt die landeinwärts wehende Lust an der Küste ab, welch? dort ihre Feuchtigkeit verliert (Seenebel) und als trockener EeLwinv das nackte erhitzte Lind bestreicht. Infolge jugendlicher Hebungen ist d e Küste l e.onders im Dwmantgeviet oft als Steilküste aurgebildet. Der bis 100 Kilometer breite Wühengürtel längs der Küste ist die Ramib. Ein Teil Don ihr, die die Diamantfelder und den anschließenden Düueu- gürtel umfassende Windnamib steht unter ber Herrschaft heftiger, ständig wehender Süd- westwinde, welche die Obers lächenformen des ganzen Gebietes bestimmen. Die Ramib ist eine etwa 1; 100 zum Meer geneigte Ebene, mit Kies, Sand unb nackiem §els bedeckt. in die oft steilwandige Trockentäler elngerissen sind, und auf der Einzelberge und wildzerrisseue Gebirgsstöcke ausgesetzt sind lInselberglandschast). Vegetation fehlt zunächst völlig und tritt gegen das Inland flam, spärlich auf. Wind, chemische nnt> physikalische Verwitterung bedingen ihre Oberflächen» formen. Im Süden enthält sie die reichen Diamantfelder südlich Lüderitzbucht, im Rorden eine Anzahl kleiner Erzlagerstätten. Sie geht durch eine Halbwüste allmählich über in die Steppen des Hererolandes im Rorden und des Ramalandes im Süden, die mit lichtem Dusch bedeckt sind. Der nördliche Teil bildet eine Inselberglandschaft, der südliche Teil ausgedehnte Tafelländer. Geologisch wirkende Faktoren sind die chemische Verwitterung der Gesteine unb die Schichtfluten ber seltenen, aber heftigen Regen. Diese zur Viehzucht gut geeigneten Steppen gehen nach Osten über in die große innerafrikanische Senke der Kalahari, die ebenfalls ein Steppengebiet darstellt, nicht, wie man so oft liest, eine Wüste. Zu ihr gehört auch das tropische Amboland ganz im Rorden des Schutzgebietes. Die Kalahari ist das große Ablagerungsbecken der durch Wind unb Wasser dahin verfrachteten mechanischen Rückstände und chemischen Ausscheidungen des ariden chemischen Verwitterungszyklus. Eine im geologischen Aufbau begründete Sonderstellung nimmt das bis 2100 Meter hohe Otävibergland am Rande der Kalahari ein, das schon inS aride Tropengebiet fällt und mit dichtem Vusch und lichten Wäldern bedeckt ist. Es baut sich fast nur aus Kalken und Dolo-> miten auf, unb seine Oberflächenformen werden in erster Linie durch die Löslichkeit dieser Gesteine gegenüber den reichlichen Riederschlägen bestimmt. Sie bildet deshalb eine prächtige Karstlandschaft. Im Otävibergland befinden sich die bekannten reichen Kupfer-, Blei- und Zinkerzlager- ftätten. Der Vortrag wurde durch zahlreiche Lichtbilder nach eigenen Aufnahmen erläutert. Bornotizen. T.0tgeska lender für Montag. Hotel Hopielb, 3 Ahr: Generalversammluig der Maurermeister des Kreises Gießen. — Astvria- Lichtspiele, ab heute: „Die Dettler-Prin'efsin" und „Die Veute der Erinnyen". — Lichtspielhaus, Tahnhofstraße: „Das Kind der Straße", 2.Teil; „Hallys Untergang" und .Zve Martin willMensch werden". — Palast-Lichtspiele, ab heule: „Wildnis" und „Verrat auf Schloß Tceuensels". — Aus dem Stadttheaterbureav wird uns getrieben: Anläßlich der morgigen Erstaufführung der Operette „Frühlingsluft" ist noch zu erwähnen, daß dec musikalische Teil von Kapellmeister Karl Kübel eiustudiert wurde, der auch dirigiert. Vortvmmende Tänze sind arrangiert von Lina O l d i n i. — Das einzige Gastspiel des Kammersängers Rüdiger am Donnerstag um V28 Uhr dürste allen Freunden musikalischen Humvcs einen erlesenen Genuß bereiten. Wettervoraussage für Dienstag: WoMg und dunstig, leichte Schneefalle, falt, schwache Winde. Die Kälteperiode scheint noch nicht zu Ende zu sein. Kreis Schotten. Fl Gonterskirchen, 9. Dez. Der Land- toitt^ ermann Vecht von hier wurde gestern bei ber Holzarbeit im Walde von einer stürzenden Fichte getroffen und auf der Stelle getötet. □ Hoherodskopf, 9. Dez. Heute ist hier ein gewaltiger Schneefall erfolgt Die schönste Schibahn hat sich gebildet. Die Wälder sind prächtig behangen. B. Kaulst 0 s, 9. Dez. Das Fest der goldenen Hochzeit feierte in körperlicher und Heutiger Stand des Dollars 10 Uhr vormittags: Berlin 8300, Frankfurt a. M. 8375—8425. Tante Detty hatte bereits eine Mansardenwohnung für sie gesichert und Fräulein Schmidt schon mit d^m Auktionator gesprochen, der die Salonmöbel bei der nächsten Versteigerung mit- nehmen wollte. Trina hatte man unter Tränen gekündigt, und Frau von Herwegh suchte sich in diesem neuen Geben zurechtwfinden. Aber für eine echte Rheinländerin ist ein Leben, das auf Sparen unb Entbehren gerichtet ist, kein lebenswertes mehr. Diese Rasse ist für den Lebensgenuß geschaffen. Man arbeitet hierzulande intensiver uno freudiger wie sonst'wv. aber zu den Spartanern gehört man hier nicht. Von diesen Sorgen befreite sie eines Tages unerwartet Clane. Hie brachte ihr ein Dankbuch über ein Guthaben von zehntausend Mack. Sie hatte ihren Schmuck versetzt. „Gott, Mama, ich hab' ihn immer nur als Versatzstück betrachtet." Liane trug d?n rotblonden Kopf genau so hoch wie vorher, sie betrachtete ihre Lage zwar ats etwas erschittert, aber Siegernaturen lasten sich von /i.n paar Hchicksalsschlägen nicht bezwingen. Sie gehörte nicht zu den jungen Mäd- chm, welch? nach dec ersten Jugend vei'blühen und reisios werden. Für gewisse Frauen gibt es mehrere Blütezeiten, und sie stand in ihrer zweiten, gefährlichen Periode. Wenn sie darauf ausgegangen wäre, sich einen reichen Mann zu erobern, sie hätte es ohne Anstrengung jeden Tag gekonnt. Aber es war noch nicht der Augenblick gekommen, sich zu verkaufen. Im Herbst ging sie mit der Tessy nach Amerika, dort standen die Frauen höher im Preis. Dann tarn Cut}' großer Tag beim Concours hippique in Frankfurt. (Fortsetzung folgt) triftiger Frische bat Ehepaar Johann Klein fcnb §rau Margarc-the geb. Komp DdR hier. 3u vor IKeier der lirchlichnt (Sinlegnung Oeä 3ub«l- paoreS. bei der au- dec hiesige gemischt Lh^r mitiDirtle, hatte sich die ganze Gemeinde em- gesu irden. Hesfen-Nassau. fpd. Frankfurt a. UU 10. Dez. Die dorn Verein Frankfurter Winterns t veranstaltete Sammlung hat bis jetzt rund 105MillionenMark ergeben. Unter den ungezählten großen und kleinen Spenden befinden sich auch viele Beiträge aus dem Auslände, namentlich aus Holland. — Die Stadt plant die Einführung einer Steuer auf die Benutzung dec Kraft- und Pferdedroschken innerhalb des Stadtgebiets. Ferner sollen Pferde-. Hunde-. DeranügungS-, Schanke^laudnL- und Hau^aufwandssteuer erhöht werden. fpd. Frankfurt a. M., 10. Dez. Zur Bekämpfung der immer größer werdenden Metalldieb st ähle haben die Tercinigten Handelskammern Frankfurt und Hanau die Konzessionierung des Handels m i t A l t m a t e r i a l bei der Regierung beantragt. ][ Marburg, 10. Dez. 3n der Rächt zum SamStag wurde in einer hiesigen Villa eingeoro- chen und eine Menge Silber- und Rickel- fachen, wertvolle Decken usw. im Werte von 750 000 Mk. gestohlen. — 3n der gestrigen Krelstagssit'N' a wurde mitgeteilt daß die er- H5hte.r ®t! nahmen und Ausgaben der Qllarburgcr Kreisbahn iicfc bis auf »00000 Mk. ausglci» chen. Diese konnten indessen durch die Gewinne bei der Dttricbswerkstätte gedeckt werden, so daß die befürchtete Stillegung dieses wichtigen Verkehrsmittels nicht einzutreten braucht. Es wurde bedauerr, das) man nicht schon lange den projektierten Anschluß der Dahn an das ober- hessische Dahnnetz durchgcsuhrt hat. Gieszcner Strafkammer. Gießen, 8. Drz. lieber den Landwirt und Türgermeister H. K. von MerkenfriN war bei seinem vorgesetzten KoeiSarnt Beschwerde geführt worden, weil er in seinem Amt zwei Frauen unsittliche Anträge gestellt habe. Als das Kreisamt der Sach: nach- ging, um zu prüfen, ob ein Disziplinarverfahren einzuleiten sei, eiV.-elt es ein mit den Ramen der beiden Frau«) unterschriebenes Zeugnis, in dem für den Dürgermcif e ■ eine glänzende Ehrenerklärung abgegeben würbe Die eine der Unter- fch iften war echt, die anbcie rührte, wie sich iiachträglich hTrausstellte, von dem Be'chuldigten selbst her. Er gab dies, wenn auch nicht sofort, zu, behauptete aber, im Einverständnis mit der Frau und kraft ihres ausdrücklichm Auftrags gchandelt zu haben. Rach der be.'iblgten, durchaus glaubhaften Aussage der Frau war dies umpabr; der Bürgermeister batte ihr wohl jju- gemutet, ihren Ramen unter das von ihm selbst geschriebene Seugnid zu sehen, sie hatte aber ab- Gietzener Konzertverein. Max Strub (Dresden): Violine, Hermann Drews (Stuttgart): Klavier. Gießen. 10. Dez. Die in ausgezeichneter Schule herangereiften und von höchstem Ernst erfüllten jugendlichen Künstler haben es vermocht, mit ihrem anstrengenden, aber geschickt aufgebauten Programm das Interesse der Hörer in immer steigendem Maße zu fesseln. Auf Regers weilschichtige C-OTtoU- Sonate op. 139 folgten „Deutsche Reigen und Romanzen" seines Schülers Joseph Haas, für Klavier: darauf die erste der drei Solo-Vtolin- fonaten von Dach und Mozarts liebliche zweite 6-Dur-Sonate. Der sehr lebhafte Beifall führte zu einer Zugabe: Rondino von Beethoven, bearbeitet von Kreisler. Der Delfall war wohlverdient. Das Spiel des Geigers ist von vorzüglicher Reinheit und Klangschönheit, wenn auch im Ansetzen und Durchhalten des Tones noch nicht stets ganz frei. Die Bewältigung der gewaltigen Tonfülle in Dachs Solo-Sonate, insbesondere Der yochgeturm- ten Aufgaben im doppelgriffigen Spiel, war eine hinreißende Leistung. Der knapp gefaßte Schlußsatz liehe sich vielleicht durch audgearbeitetere Phrasierung noch packender gestalten. Ein Mehr an rhythmischer Strenge im Passagenspiel würde auch bei Reger und Mozart auf die Anforderungen an €tn Rachgeben des Pianisten mäßigend gewirkt haben. Dessen Spiel zeichnete sich neben großem Ausdrucksrcichtum durch ein staunenswertes Können im Vianissimo aus. Was auf diesem Gebiete in dem huschenden Scherzo der Reger-Sonate ge< gelehnt, da der Inhalt Der Wahrheit keineswegs entsprach, und hatte ihm auch nicht ertaubt, Di? Unterschrift selbst zu vollste, e l Wegen Fälschung einer rechtser e lichen Privaluckunde erhielt der Angeklagte eine Gefängnisstrafe vonzwei Wochen. Wegen nüdernatürlicher Unzucht mit einem Knaben, begangen in zwei gäKt-i, erhielt ein noch jugendli-cher Landwirt von Grünbeerg sine Gesamtgefängnis strafe von einem Monat Don einer ivriteien Anklage wegen Gittllchkritsverbrechens uxirte er siri-gesprochen. Ais Sachverständiger über seiner Geisteszustand tpurbe Amtsarzt Dr. Schüppert vernommen. Die Verhandlung erfolgte hinter verschldssenen Türen. Hochschulnachrichten Berlin, 9 Dez. (Wolff.) Die „T 3- am Mittag" meldet, daß die vom Reich Znnnlsterium des Innern cinberufene Kommission für öj« Reuregelung der ärztlichen P r ü - fungsordnung und des medizinischen Studiums beschloß, daß der Universttätru iternicht auf 12 Semester verlängert werden soll. Rach bestandener Staatsprüfung ist ein praktisches Gabt- notwendig. Ein Examen soll am Schluß des praktischen 3abve8 nicht angestellt werden. Das Roichsministerium De 3 Innern erläßt lediglich Aussichr-ungSbestimmungen über d.e zweckmäßige Durchführung des praktischen Jahres. Kirche und Schule. * L i ch, 9. Sex. Die katholische Kirchengemeinde muhte von der Beschaffung einer Glocke für die Kirche vorläufig Abstand nehmen, da die mit der Lieferung beauftragte Firma Ulrich in Apolda eine Rlehrzahtung verlangte, die nach her Ansicht des Kirchritvorstandes nicht aufgebracht werden kann. Die bisher gegebenen Spenden für die Glocke sind als Glockenfonds der katholischen Kirche Lich bis aus. bessere Zeiten in der Spar- und Darlehnskasse hinterlegt worden. Landwirtschaft. Die Maul- pnd Klauenseuche. • Friedberg, 9. Dez Hier ist die M a u l- undKlauenseucheau ge rocken Sperrgebiet ist die Bahnhofstraße, die Große und die Kleine Klostergasse, Auguitinergasse, Engelsgassc und Schulstraße. Der übrige Teil der Stadt ist Deob- achtungsgebiet. Vermischtes. Die geistige Rot. Berlin. 10. Dez. Wie die..Bossische Zeitung" berichtet, hat der Bibliotheksverein Beuchen beschlossen, aus Mangel an Geldmitteln die Volksbücherei vom 1. Januar ab zu schließen. Schneestürme. Plauen, P. Dez. (WTD.) Der gestrige Sturm richtete in den Stadtwaldungen groß e geben wurde, erinnerte unmittelbar an Walter Giesekmgs fabelhafte Kunst im Vorjahre. Regers Sonate kam dank der restlosen Hingabe der Künstler zu er greifendem Ausdruck. Die Regersche Kunst befreit nicht und will nicht befreien; sie „leibet unter dem Geben und ist darin das vollkommene Abbild ihres Schöpfers" (Max Hehemann). Dieses Leiden aber zu sagen, war ihm gegeben, und in der OMoll-Eonate sagt er es als ein Abgeklärter. Der Gemeinde seiner Verehrer wird die heutige Wiedergabe ein Erlebnis gewesen fein. — Eigentümlich wirkte darauf die Reigonsammlung feines Schulers HaaS. Es war, als solle alle Ich-Desesfenheit und übersteigerte Geistigkeit deS Gegenwartsmenschen abgeschüttelt werden in einer jähen Umkehr zu schlichtem Aufnehmen des Rächstgegebencn. Im ersten Teile des Werke- herrscht eine Anspruchslosigkeit und fröhliche Einfachheit, auf die man unter den Modernen am allerwenigsten gefaßt ist. Weiterhin besinnt sich zwar der Schaffende eine Weile auf die Welt oer Problematik, aus der er gekommen; aber zum Schlüsse beläßt er ed in abermaliger energischer Wendung bei dem Bekenntnis zum neu entdeckten Alten. Für die Vermittlung dieser interessanten Komposition gebührt dem Pianisten besonderer Dank. Freilich hätte man ihm ein noch eindrucksvolleres sollstisches Herausstellen seines bedeutenden Könnens wunschrn mögen. In der Mozart- Sonate hätte ein Ausrichten der kleinen Stütze deS Flügels den Geigenton schwerlich beeinträchtigt und daS vortreffliche Spiel deS Pianisten weniger bedeckt klingen lassen; und die Zugabe unterstrich vollends lediglich die in der Dachschen Sonate bereits voll bewahrte Kunst deS Geigers. R. H. Verwüstungen an Tausende starker Bäume tru den entwurzelt. Starke Schn c e f ä 11 e verursachten in beratene wi? im Erzgebirge Verkehrsstörungen. Mehrere Eisenbahnlinien mußten den Betrieb e i n ft e 11 e n. Berlin, 10 Dez. Im sächsischen Erzgebirge sind so starke Schneefälle eingetreten, daß manche Orte völlig ein- geschneit sind. In dein Dergstädtchm Attenberg sind bei den meisten Häusern die unteren Stockwerke im Schnee uergraoen. Auch im Riesengebirge gab es heftige Schneefälle. 3.x den Geiurgsorten liegt der Schnee einen Meter hoch, auf dein Kamm sogar 2 bis 3 Meter Viele 2clepbonlcitungeii sind völlig zer- ftftrt, auch der Eisenbahnverkehr ist stark in Mitleidenschaft gezogen. Raubüberfall eines 18jährigsn Schülers. Berlin, 9. Dez. Heute vormittag überfiel in der Brunnenstraße ein 1 8 j ä b r i g e r Schüler eine Verkäuferin, die 200 000 Mk. von dem Postscheckamt abgehoben hatte. Er stach ihr mit einem Messer in den Rücken, entriß ihr daS Geld und entfloh. Auf die Hilferufe der äckebersallenen herdeigreilte Passanten verfolgten dest Räuber und ergriffen ihn Sie schlugen solange auf ihn ein, bis er bewußtlos zusarnmen- biach. Der Räuber und sein Opfer wurden nach dem Krankenhaus gebracht. Flugverkehr London—Budapest. Budapest, 9. Dez. (WTD.) Der Verhandlungen betreffend den Flugverkehr London— Dudapest sind Aum Abschluß gelangt. Die Haupt inie wird über Druffel und B e r l in nach Dudape > |ünen Die Strecke fall binnen 12 Stu »den zu üdg.Lgt > erden Es ist beabsichtigt, die Post- und Personenbeförderung durch die Lust von Budapest aus teils nach Warschau, teils nach Konstantinopel, Bagdad und Indien auszubauen. * Ein Riesen st audamm In Südafrika. Der Staudamm im Baal-Fluh in Südafrika, der als eine der größten Ingenieurtaten dieser Art gelten muß, ist nun nach mehr als sechsjähriger Arbeit vollendet. Die Pumpen, die jetzt fertiggestellt sind, werden imstande sein, täglich 6 Millionen Gallonen Wasser, also mehr als 220 000 Hektoliter, etwa 80 Fuß emporzuheben und auf diese Weise Iohannisburg mit reichlichen Mengen reinen Wassers zu versorgen. * Der Aetna und Stromboli in Tätigkeit. Die Einwohner von Sizilien sind in großer Aufregung, weil der Aetna und der nicht wett entfernt auf einer Insel gelegene Stromboli sich wieder in heftiger Tätigkeit befinden. Beim Aetna ist nur ein Teil des Kraters im Ausbruch. Während der Mittelkrater sich in Ruhe befindet und sein Boden mit einigen Fuß hohen Schnees bedeckt ist. hat der nordöstliche Krater einen Eruptivlegel von etwa 60 Fuß Höhe, und aus seinem weih- glühenden Innern wird Lava bis zu einer Höhe von mehr als 600 Fuß unter furchtbarem Donnergrollen herausgeschleudert, während dunkelgrüne Rauchwolken über dem Gipfel schweben. Der Ausbruch des Stromboli war von einem starken Erdbeben auf der Insel begleitet, so dah die Bewohner auf die Schiffe stürzten und unter Mitnahme ihrer Wertsachen und der Heiligenbilder aus den Kirchen aufs hohe Meer hinausfubren. Der Erdstoß war so heftig, dah er an der ganzen Rordküste von Sizilien gespürt wurde, und auch dort haben die Bewohner ihre Häuser verlassen und kampieren in Erwartung eines Erdbebens auf den Feldern. Sandel. Berlin, 9 Dez. Börsen st immungS- blld Die Hoffnungen auf ein ersprießliches Ergebnis der Londoner Konferenz waren heute wesentlich herabgestimmt und in Rückwirkung hiervon zogen die Devisenkurse namhaft an. Der Dollar frleg von 8100 auf 8350 bei vermehrter Rachfrage. Märkte. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 9. Dez. Am Produktenmarkt lagen wegen der Festigkeit des Devisenmarktes höhere Prclssorderungen der Provinz vor. Zu Umsätzen kam es aber nur wenig, xumat auch die drahtlichen Lritungsstörungen noch nicht wieder behoben waren. Für Weizen bestand wegen des schwierigen Mehlgeschäftes nur geringe Kauflust. Rur spätere Lieferung fand Ad.iehmer, doch waren die Forderungen hierfür meist zu hoch. Aetzn- liche Verhältnisse herrschten im Roggengeschäft. Die Disposition über ringetroffene Ware gestaltete fli) schwierig, Gerste wurde viel gegen Roggen für Umlage getauscht. Haser blieb im allgemeinen unverändert. MaiS beteiligte sich bei vermehrter Rach'rage Auch Hülsenfrüchte und Futteiartikel zeigten eine bessere Haltung. Weizen, marlilchm 15 300—13 600 Mk. (ruhig), Roggen, märlich.n 13 630—13 7 00 Mk (elwaS feftei). Sommergerste 12 633—13 200 Mk, sch'.e- Hieb? 12 003—12 500 Mk (ruhig), Haler, märkischen 13 000—13 400 Mk.. pommerschen 12 630-12 903 Mark (ruhig). MaiS, La Plata, loco Berlin 15 200 biS 15 403 Mk. (etwas fester), Weizenmehl (100 Kg ) 41 000—46 000 Mk. (ruhig). Roggenmehl 36 000-39 000 Mk. (ruhig), Weizenkleie 8.00 bis 8200 Mk. (etwas fester), Roggenkleie 8300 biS 8200 Mk. (etwas ruhiger), Raps 24 000-25 000 Mark (behauptet), Leinsaat 28 000—31 000 Mk. (behauptet), Vittoriaerbsen 29 000—30 000 Mk., kleine Erbsen 25 003-26 000 Mk.. Peluschken 16 500 bis 17 500 Mk., Ackerbohnen 16 003—17 003 Mk., Lupinen, blau 17 033—18 030 Mk, gelb 21000 bis 23 000 Mk., Sercterila. alt 34 000- 43 030 Mk., Rapsiuchn 9300—9500 Mk.. Trockensch.ritzel 6100 biS 6303 Mk Otiubfutter: Weizen- unD Roggenstroh, brabtgeb. ö200—6500 Mk , Haserstroh, draht- gepreßt 6200— 6500 Mk., Langstroh, gebündeltes 5600—6000 Mk., Wiesenheu, gut, gesund und trocken, Dormahd 5303—5600 Ml , Rachnahd 5000 bis 5200 Mk (Soweit kein anderes Gewicht genannt, verstehen sich alle Preise pro 50 Kg.) Büchcrtlsch. — Franz Werner Schmidt: St rind» berg. Verlag Franz Schneider, Berlin SW 11. — Auch dieser Dand der Sammlung „Schielt «rS Dühnenfühver" wird seiner Aufgabe, eine Übersicht über- Leben und Schaffen des betreffenden Autors zu bieten, voll gerecht. — Erna Grautoff: .Wege ins Dunkle". Deutsch: Verlagsanstalt. (Stuttgart. — Mit kraftvollen Strichen zeichnet die Verfasserin in diesen Novellen Menschen die sich durch qc- steigerte Sensibilität selbst auf den Weg deS Unglück führen. — Fritz Müller: .Hessing". Verlag E. Pechstein. München. - In scharf umrittenen Skizzen spielt sich in diesem Roman eines Lebens der Werdegang eine3 genialen Menschen ab. Man kann das Werk als das Muster einer objektiven und fesselnden Biographie bezeichnen. — Georg Engel: „Die Prinzessin und der Heilige. Union Deutsche.Verlags» aesellschast, Stuttgart. - Pommerellen 4m 13. Jahrhundert läßt der Verfasser vor unserem geistigen Auge austauchen. Die äußerst lebendig und spannend geschri.be e Erzählung ist besonders in kulturgeschichtlicher Hinsicht l>ochinleressant. — Alfred Graf: „Von der Minne Heber la st". Verlag „Der Bund", Rürnlerg. — Ein Vild aus dem Klosterleben, das von der religiösen Ekstase einer Rönne Kunde gibt. — Rudolf Heu bner: „Die Flambergs". Verlag L. Staackmamr, Leipzig. — Die Qhifgabe der Familie zur Ausbildung der Persönlichkeit crird h'.er an einer selbstbewußten Srauengeftalt gezeigt. Das Buch ist ein Zeugnis dafür, daß das Schicksal des ganzen Volkes Ira Schoße der Familie liegt. — HanS Ianssvn: „Der WaldsPrin- ger". El-Franzis-Verlag, Düsseldorf. — Die Kraftgestalten der Urväterzeit webdeir In diesem Roman lebendig. Degenülec dem dekadenten Rö- mertum seht sich das moralisch starke ©ermaren- tum durch Das fesselnde Werk ist ein Mahnruf für unsere heutige Zeit. — Die Wirtschaftskurve. Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt a. M. — Das 4. Heft (November 1922) berichtet über die Wirtschaftslage Ende Oktober. Zahlreiche Kurven und Schaubilder dienen zur Erläuterung und Veranschaulichung. — DieVerdammten, Roman von Frank Thieß. (Verlag I. EngethomS Rachf. in Stuttgart.) — Frank Thieß gibt das monumentale Roman-Epos eines versunkener Lande-. Das Leben auf den baltischen Schlössern, die heule, zerstört oder enteignet, nur noch stumme Zeugen einer großen Kultur slnd^ wird in diesem Duche noch einmal In frischen Bildern sestge^Zalten. Die Handlung schürzt sich au3 heiteren Anfängen langsam und fast unmerklich zu einer unblutigen Tragödie von erschütternder Kraft. — Die Woge. Don Hans Bötticher (Joachim Ringelnah). Marine-Kriegsgeschich.en. (Verlag von Albert Sangen in München.) — Dieses Buch des unter dem Pseudonym Joachim Ringelnah weithin bekannt geworderen Autors wird trotz aller Abneigung, die heule gegen Kriegsgeschichten herrscht, mit Freude begrüßt und dankbar gelesen werden. Denn was Hans Bötticher in seinen zwölf Rovelter erAählt, ist mit echtem Dichterherzen erlebte Wirklichkeit unb fern von dem sentimentalen Kitsch der in der legenannten Kriegsliteratur gang und gäbe war. 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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Philipp Kröck X. Familie Gustav Duill, Abendstern. 01120S Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. Gertrud Schwan. Gießen, 11. Dezember 1922. Es hat Gott gefallen, meinen lieben Mann, unseren treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel Johannes Volk Lademeister i. R. im 67. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Helene Volk geb. Keßler. Klein-Linden, den 11. Dezember 1922. Die Beerdigung findet Dienstag, den 12. Dezember, nachmittags 3*/, Uhr, vom Sterbehaus Frankfurter Straße 100 aus statt. 011205 Statt besonderer Anzeige. Am 7. Dezember entschlief sanft nach kurzer, schwerer Krankheit unser innigstgeliebter Sohn, Bruder und Schwager Ernst Schwan im 25. Lebensjahre im Elisabethstift zu Neinstedt a.Harz. Die Beerdigung fand dortselbst statt. In tiefer Trauer: August Schwan und Frau Hauptmann Moeller und Frau geb. Schwan OH 199 A’! . ü* .. tz, . 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Es wird hiermit zur Kenntnis der 3n= tereffenten gebracht, dah in Gemähheit der Bestimmungen der Wahlordnung für die Wahl des Vorstandes der ifrael. Religionsgemeinde Giehen vom 4. August 1871 infolge Ablaufs der Wahlzeit des Mitgliedes Herrn Moritz Straub eine Ergänzungswahl notwendig geworden ist, und dah diese Wahl Freitag, den 15. Dezember 1922 im Sitzungssaal des Gemeindehauses in der Lonystrahe dahier stattfinden soll. Alle nach § 2 und 6 der Wahlordnung Stimmberechtigten werden zu dieser Wahl mit dem Bemerken eingeladen, dah die Abstimmung in den Stunden von 10- Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags statifindet. Ium Wahlkommissär wurdeHerrLudwig Liebmann ernannt. Giehen, den 8. Dezember 1922. 1 Paket Luzil verbflrgt 30% Fett — *6% Seife zum Einweichen und FerUgwoschen der großen Hau». wüsche, frei von faferaermürbenbem Sauerstoff: schafft allein durch feine vorzügliche Qualität frischduftende, blendendweitze Wäicht: spart der Hausfrau, Mühe, Jett, Kohl-n. Stadttheater Dienstag, 12. 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