Nr. 266 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSamstagsbcilage: GießenerFamilienblätter Monatlichevezuaspreise: Mk. 185.- u. Mk. 15.- Trägerlohn,durch diePost MK.200. - .auchbeiNicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. Samstag, f. Novemver 1922 112. Jahrgang Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: SrShl'sche Unlversttittr-Vuch. und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schrisiieitung und SeschSftrstelle: Schulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzcigenv 27mmBreitc ' örtlich 600 Pf., auswärts 800 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Dreite2tz00Pf. Bei Platz- Vorschrift20Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigentett: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Ein weiteres Sachverstandigen-Gutachten. Wochenrückblick. Wer aus den Verhandlungen mit demReparationsausfchuß einen kleinen Fortschritt zur Besserung der Lage her- ausgehört hatte, dem schwimmen die erfreulichen Zukunftsbilder heute schon wieder fort. Die Reichsregierung hat mit der nachträglichen Veröffentlichung des Notenwechsels keine hoffnungsfreudige Stimmung erzeugt. Die geringe Wirkung ihres letzten Antwortschreibens an den Reparattonsausschuh geht namentlich aus den Aeuherungen hervor, die Herr John D r a d b u r y einem Vertteter des Reuter-Bureaus gegenüber getan hat. Der Vertreter Englands hat sich offenbar der lauen, abwartenden Politik des Kabinetts Donar Law sehr schnell angepaht, und wenn wir die Pariser Meldungen dagegen halten, die von allgemeinen, nach London gerichteten Vorschlägen zu berichten wußten, so verstehen wir nur zu gut den leise ironischen Rat: eine helfende Fee gibt es für euch nicht, helft euch selber! Der Dollar ist denn auch langsam wieder gestiegen, und mühsam geht es auf der dunkeln Treppe des Erfüllungsturmes weiter. Wir sehen jetzt auch in bestimmteren Umrissen deutlicher, was das Kabinett Wirth eigentlich erfüllt. Der neueste Ausspruch Poin- cares, „die Markkatastrophe zeige, wie recht Frankreich hatte", als es nämlich eine energische Budget- und Wäh- rungskonttolle verlangte, ist ein rechtes Mephistowort, von heimlicher Genugtuung durch- klungen über eine Entwicklung, die Herr Poin- care konsequent angestrebt hatte. Wir sind den Weg geführt worden, den die Versailler Ver- ttagsLnstler sich vorgemerkt hatten; die Erfüllung der P f ä n d e r p o l i t i k ist in dec Annäherung. Dafür tauschen wir vielleicht eine geringe Belebung unseres deutschen Kredits ein, auf daß wir Dem Leben notdürftig erhalten bleiben und dem tvestlichen Gläubiger später aufs neue zur Verfügung stehen können . . . Die Takttk der Reparationskommission, die sie uns in Berlin gezeigt hat, hatte infolge der unausgeglichenen Svnderzicle Frankreichs und Englands etwas Lauerndes. Sie bezeichnete die deutschen Hinweise und Wünsche als ungenügend. Die deutsche Regierung hatte den Herren vor Augen geführt, daß nur eine schleunige Herabsetzung der deutschen Reparationslast, und längerer Aufschub aller Zahlungen Deutschlands die deutsche Wirtschaft wieder lebensfähig machen könnten. Inzwischen aber möchte, da sogleich etwas geschehen müsse, der Reparattonsaus- schuß mit einem äusländischen Bankshndikat zur Stützung der Mark in Verbindung treten. Die deutsche Regierung verspreche Tlnterstüt- zung hierzu und werde die erforderlichen Maßregeln treffen, um das Budget ins Gleichgewicht zu bringen. Der Reparationsausschuß verbarg hinter der Aeuherung seiner Enttäuschung nur seine Verlegenheit. Er weih es ja, daß irgendetwas zur Stütze der Mark geschehen muh, aber das englisch-französische Kompromih ist doch noch nicht fertig! Lord Curzon beschwört seinen Pariser Kollegen noch, von einer Gewaltpolitik Abstand zu nehmen. Wahrscheinlich wird man sich bald darüber einigen, dah das von Herrn Lauch eur in der französischen Kammer empfohlene Rheinlandprogramm keine Gewaltpolitik darstelle. Herr Loucheur scheint ja einen Abstrich von den phantastischen Ziffern des Londoner Zahlungsprogramms in Erwägung ziehen zu wollen, wogegen Herr Poincare in allen seinen Bekundungen an dem alten Programm festhält, es sei denn, dah die Kriegsschulden Frankreichs entsprechend gekürzt würden. And selbst in diesem Falle will er nur auf einige absolut wertlose Schuldscheine Deutschlands verzichten. Die Gutachten derausländischen Sachverständigen, auf die der Reichskanzler Dr. Wirth im wesentlichen in seiner Antwort auf die Ausstellungen des Reparationsausschusses sich stützte, sind wohl geeignet, der Welt die Augen darüber zu öffnen, wie traurig die Dinge stehen und wie ausschliehlich das Verhalten der Entente sie verschuldet. Merkwürdig ist, dah Herr Wirth innerhalb der geplanten „Stützungsaktton" immerhin noch die Fortsetzung der Sachlieferungen für den Wiederaufbau Frankreichs an- bietet, während die Sachverständigen erklärten, Deutschland müsse während des Verttages mit dem ausländischen Syndikat von allen Reparattonsleistungen befreit sein. Es herrscht offenbar auch jetzt noch im Reichskanzler das Gefühl vor, dah Deutschland Buhe in Sack und Asche tun müsse. Indessen, auch der den fremden Sachverständigen entlehnte Plan und Vorschlag der deutschen Regierung, der die Beteiligung der Reichsbank mit ihrem Goldbestand zu sagt und wirklich den dürren Worten des ersten Schreibens noch einige Rezepte hinzufügt, scheint dem Untersuchungskollegium nicht ausreichend 511 sein. Nach Herrn Brad- burys girierter Aeuherung zeigt das Kabinett Wirth noch nicht Mut genug zu eigener Politik. Der Engländer schloh seine Herzensergüsse mit einer mysteriösen Drohung: „Wenn die deutsche Regierung weiter ihre Arme kreuzt und auf die Katastrophe toartet, so kann und wird sie wahrscheinlich zerstörende Kräfte auslösen, gegen welche der Rhein nur eine schwache Barriere bildet und gegen die sich auch der Kanal als unwirksam erweisen wird. Der erste Stoh wird aber auf jeden Fall zu Hause ausgehalten werden müssen." — Was ist mit diesem Rätselwort gemeint? Es sieht nicht gerade danach aus, als würde nach den Berliner Verhandlungen irgendein Erfolg der Erfüllungspolitik zu erwarten sein. Amerikanische Initiative steht ganz und gar nicht in Aussicht, nachdem die Wahlen in den Vereinigten Staaten die Mehrheit der republikanischen Partei des Präsidenten Harding erheblich vermindert und damit seine Entschluh- kraft abgeschwächt haben. Der Satz des englischen Vertteters Brad- burh: „Wenn die deutsche Regierung keinen Muthatundkeine Mittel undWege findet, um sich selbst zu helfen, so können wir ihr auch nicht helfen", — zeugt von wenig Respekt und könnte im deutschen Volke in einem Sinne verstanden werden, der die Mittel der Rettung in einer völlig anderen Richtung erblickt, als Dr. Wirth sie bisher gewandelt ist. Beim Abschluß des deutsch- russischen Verttages von Rapollv hatte Lloyd George in Genua den Schrecken einer deutsch- russischen Erhebung an die Kvnferenzwand gemalt. Wir wissen es nicht, welche Erhitzung der Volksseele Herr Bradbury mit seinen Zweideutigkeiten als gefährlicher einschätzt, die der deutschen oder die der französischen. Der neue bayerische Ministerpräsident v. Knilling hat der Polittk deS Reichskanzlers ebenfalls den Vorwurf der Unzulänglichkeit gemacht und den „kläglichen Zusammenbruch der Erfüllungspolirik um jeden Preis" sestgestellt. Wenn der Nachfolger Deö_ Grafen Lerchenfeld heute schon Besorgnisse über die in Bayern sich geltend machenden nationalen Erhebungen hegt, wie viel höher werden die Gefahren steigen, falls die Verelendung des Volkes anhält und sich verschlimmert! Herr v. Knilling zählte dem Reichskanzler Dr. Wirth ziemlich unverhüllt eine böse Liste von Fehlern auf, und zweifellos gibt es heute in Bayern e*ne ganz andere Stimmung als in Sachsen, wo die Sozialisten gegenüber der Lauheit des fo genannten Bürgertums sich wieder einen Wahlsieg erfochten. Man spricht von einer Umbildung der Reichsreaierung, und in der Tat. es ist die höchste Zeit dazu! Der bayerische Ministerpräsident hat Recht: wir brauchen eine zielbewußte, von nationaler Würde getragene Reichspolitik, die wirksamer wäre, als irgendein Schutzgesetz. Nicht nut in der Revision der Budget-Tabellen — die allerdings nötig ist — liegt das Heil. Es ist höchst bezeichnend, dah wir keinen Minister des Auswärtigen haben, weil Herr Dr. Wirth ohne einen solchen auskommen zu können glaubt. Die Berliner Beratungen, die sich jetzt an die Abreise des Reparationsausschusses anknüpfen, dürfen sich nicht etwa darum drehen, daß einige Lücken der bisherigen Erfüllungsmethode geschlossen werden. Durch keinen Aufguß kann der angeblich mangelnde Mut der Reichsspitze gehoben oder verbessert werden. Wir brauchen eine grundsätzliche Neuorientierung der auswärtigen Politik, denn damit sind wir erst auf dem Wege, den uns vor einigen Tagen Lord Curzon andeutete, indem er Deutschland die Möglichkeit zu geben anriet, seine Selbstachtung wiederzugewinnen. ....... — Die neue Antwort des Reparationsausschusses. Berlin, 10. Nov. (WTB.) Die Antwort der Reparationskommission auf das Schreiben des Reichskanzlers vom 8. November lautet: Die Reparationskommis- sion hat die gestern von Ihnen mitgeteilte Note der deutschen Regierung nebst den ihr beiliegenden Urkunden zur Kenntnis genommen. Wie die Kommission, die zum Zwecke einer Tlntersuchunng hergekommen war, schon vor ihrer Abreise bestimmt hat, wird sie sofort nach ihrer Rückkehr nach Paris die ihr von Ihnen unterbreiteten Vorschläge oder andere, womit Sie sie etwa noch zu befassen für angezeigt halten, über die Gesamtheit der Fragen, die sie mit üjrer Regierung erörterte, einer Prüfung unterziehen. Genehmigen Sie, Herr Reichskanzler, Die erneute Versicherung I unserer ausgezeichnetsten Hochachtung. Gez.: Louis Darthou, John Bradbury, Leon Delacroix, Salvago Raggi. Berlin, 10. Nov. (WTB.) Der Reichsregierung ist nunmehr auch das letzte der von den internationalen Sachverständigen abgegebene Gutachten zugegangen. Es ist unterzeichnet von Dissering, Dubois und Kamenka und lautet: 1. Frage: Ist unter den gegenwärtigen älm- ständen eine Stabilisierung der Mark möglich? — Wir antworten: Eine dauernde Stabilisierung der Mark läßt sich so lange nicht erreichen: 1. als der Papiergeld-Inflation, deren gegenwärtige Hauytursache das Defizit des deutschen Reichshaushalts und der Staatsbetriebe ist, nicht Einhalt geboten wird; 2. als die Zahlungsbilanz infolge des Einfuhrüberschusses, der Kapitalflucht ins Ausland, der Abneigung gegen die Mark im Inland und der Sachlieserungen und Barzahlungen für die Reparationen passiv bleibt. 2. Frage: Wenn nein: Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um die Stabilisierung zu ermöglichen? — Tlnsere Antwort ist bereits in der Antwort auf die erste Frage enthalten, jedoch erscheint uns eine nähere Angabe zweckmäßig. Die verheerenden Wi kungen der Papiergeld-Inflation haben in Deutschland wie anderswo eingesetzt, als man im Laufe des Krieges die Ausgaben nicht mehr durch die regelmäßigen Einnahmen aus den Steuern beitrift, sondern durch verkehrte Anleihen, namentlich durch die Vermehrung der schwebenden Schuld. Sie ist später durch die Notwendigkeit der Beschaffung von Nahrungsmitteln und schließlich durch das Defizit der ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben des Reichshaushaltes angewachsen. Nun aber führt jede Inflation aus sich heraus zu neuer Inflation, denn bei jeder Verminderung der Kaufkraft der Papiermark ^bedarf es zur Ausführung der gleichen Geschäfte eine# erhöhten Betrages. Wenn die Maßregeln zur Stabilisierung der Mark dauernde Wirkung haben sollen, fc> müssen die Inflations^ Ursachen, die bei der Regierung liegen, verschwinden, das heißt, der Reichshaushalt muh tatsächlich ausgeglichen sein. Die tatsächlichen Aus- gaben müssen sich in den Grenzen der möglichst zu beschränkenden Voranschläge halten. Wenn Die Einnahmen zur Deckung der Ausgaben nicht hinreichen, müssen neue Einnahmequellen er- schlossen werden. Schließlich darf der außerordentliche Reichshaushall nicht mit Ausgaben für Kapitalinvestierungen belastet werden, die sich vermeiden oder auf bessere Zeiten verschieben lassen, noch auch darf der außerordentliche Reichshaushaltsplan Voranschläge für die Reparationszahlungen enthüllen, die die etwaigen Tleberschüsse aus den Einnahmen des ordentlichen Reichshaushalts übersteigen. Zur Erreichung dieses Zieles ist erforderlich: Strengste Sparsamkeit im Reichshaushalt, Verringerung des Personals der Staatsämter und De- tttebsverwaltungen sowie allmähliher Abbau der unmittelbaren oder mittelbaren Ernährnngs- zuschüsse. Leider kennen wir keine genauen .Unterlagen für die gegenwärtige Zahlungsbilanz Deutschlands und nicht einmal zuverlässige Ziffern für die Handelsbilanz. Es laßt sich nur soviel sagen, dah diese Bilanzen anscheinend ein beträchtliches Defizit aufweisen. Woher kommt dieses Defizit? a) vom Nachlassen der Ausfuhr, wofür innere wie äußere Ursachen angegeben werden. Unter den inneren Ursachen wird eine Verringerung der- Produktionsttast infolge der jetzigen Arbeitsbedingungen angeführt. Es steht uns nicht zu, uns in innere Fragen der deutschen Gesetzgebung einzumischen. Nach unserer Meinung muh aber Die Regierung wie die Bevölkerung alles auibieten, um diese Produktionskraft wieder zu erlangen. Die wichtigste äußere Ursache soll in Hindernissen liegen, die der Einfuhr deutscher Waren vom Auslande bereitet werden. Das ist ein sehr heikler Gegenstand. Im Ausland Hagt man dauernd und nicht grundlos über die heftige Konkurrenz, die die deutsche Industrie den Industrien der verschiedenen Länder jn den letzten Jahren gemacht habe. Diese habe zum Ruin mehrerer Industriezweige geführt. Will Deutschland, dah die Einschränkungen ihm gegenüber aufhören, so muß seine Konkurrenz normal sein. d. h. sie darf nicht auf der Billigkeit seiner Waren infolge des immer tieferen Sinkens seiner DalulaHruhen. Jedenfalls aber läßt sich soviel sagen, daß sich ein Ausgleich der , Zahlungsbilanz ohne die Möglichfeit einer Entwicklung der Ausfuhr nicht erreichen läßt; b) von der abnormen Entwicklung der Einfuhr unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Die Mark ist in solchem Maße gesunken. daß das Vertrauen der Deutschen zu der eigenen Währung mehr als erschüttert ist und daher ein Nachlassen des Spartriebes und eine Neigung zum Ausgeben zu verzeichnen ist. Könnte durch den Beginn der Stabilisierung das Vertrauen wieder hergestellt werden, so würde dieser Anreiz zur Einfuhr verschwinden. Andererseits wird die Einfuhr durch die Verpflichtung Deutschlands begünstigt, gewisse ausländische Waren ins Land zu lassen, sowie durch das sogenannte Loch im Westen. Es ist klar, daß die deutsche Regierung, wenn sie in dieser Hinsicht machtlos bleibt, große Mühe haben wird, die Einfuhr ernstlich zu überwachen und sie wirksam zu beschränken. Außerdem findet gegenwärtig eine erhöhte Einfuhr statt, nämlich von Getreide. Sie muh dieses Jahr infolge der schlechten deutschen Ernte b.sonders stark fein. Schließlich ist die K 0 h l e n e i n f u h r vor allem eine Folge der Verpflichtung zu Kohlenlieferungen an die Alliierten. Solange keine anderen Vereinbarungen getroffen sind, wird diese ülrsache der Passivität fortbestehen. c) Don der Flucht des deutschen äq* pita ls ins Ausland und der Abneigung gegen Die Mark im Inland. Wir besitzen keinerlei Daten, die uns die Schätzung ihres Tlm- fanges gestatten. Wir sind aber der Meinung, dah einerseits, sobald die Stabilisierung der Mark eingeleitet wird, einer der Gründe für die Kapitalflucht wegfiele, daß Aussicht auf ein allmäh liches Zurückströmen bestünde, und dah anderer - seits die deutsche Steuergesetzgebung berücksichtigen muß, dah sie bei der Besteuerung des Vev mögens und Einkommens über gewisse Grenzen hinaus die Kapitalflucht herausfordert und ihr auch durch die drakonischsten Maßregeln nicht völlig vorbeugen kann. d) Schließlich war Deutschland in den vergangenen Jahren und bis in die letzte Zeit zu Barzahlungen und Sachleistungen auf das Reparationskonto gezwungen, die seine Zahlungsbilanz erheblich beeinflußter. Wir halten jeden Versuch zur Stabilisierung b-i Mark gegenwärtig für zwecklos, wenn Liese Zahlungen nicht bis zu dem Augenblick a u f h ö r e n, wo Aussicht besteht, daß das Gleichgewicht gesichert ist. Zusammenfassend bemerken wir: ?a eine der Bedingungen der endgültigen Stabilisie rung der Mark die ist, dah die Zahlungsbilanz für Deutschland nicht mehr passiv ist, müssen die' eben genannten nachteiligen Faktoren beseitigt werden. Die deutsche Regierung erklärt uns, wenn, sie für einen hinreichend langen Zeitrawu vor der Leistung der Reparationszahlungen entlüftet würde, sei sie überzeugt, daß ziemlich ras.ü ttu- merkliche Besserung der Lage eintreten wücd Wir können ihre Erklärung nur zur Kenntnis nehmen. Dritte Frage: Welche Maßnahme n müs sen zur Stabilisierung getroffen toerben, sobald die Voraussetzungen vorliegen? Sobald fr obengenannten Voraussetzungen erfüllt oder aus dem Wege zur Verwirklichung sind, schlagen toh folgende Maßregeln vor: 1. Wertmesser. M>: Rücksicht darauf, dah die Papiermart unter den gegenwärtigen Verhältnissen ihre Eigenschaft als Wertmesser vollständig verloren hat, muh in nächster Zukunft zur Schaffung eures neuen beständigen Wertmessers geschritten werden. Angesicht fr'r eingetretenen Verarmung der gesamten Vollswirr schäft wird es jedoch angezeigt fein, die bisherige Rechnungseinheit zu berlaffen und eine kleinere Einheit zu wählen, die zur Erleichterung^ der Umrechnung einen runden Teilbetrag des Pfund Sterling ober Dollars ausmachen soll, beifp ?’ - weise 1 4o Pfund bzw. 1/2 Sh. oder ' bl Dollar. Diese Einheit soll die neue G 0 ldm artg? rnnt we> den 2. Die Geldbank. Behufs Durchs । der Stabilisierung der Mark wäre es zweckmäßig, eine selbständigeOrgaaisation mit :uri- frischer Persönlichkeit zu schaffen, beispielsweise 1 - Form einer Aktiengesellschaft, die mit Geldbank bezeichnet werden könnte, da sie zur Einführung des neue nGeldes ins Leben gerufen wird. Das Grundkapital wäre auf 100 Millionen Gold mark sestzusetzen, die von der Reichsbari in Gold einbezahll werden mässen. Für den Gegenwert erhält die Reichsbank Aktien der neuen Geldbank, wodurch die Aktiven der Reichsbank keine eVrrin- gerung erfahren. Da aber diese Gründung längere Zeit beanspruchen wird, glauben wir, dah zunächst ein Komitee, zusammengesetzt aus Vertretern des Finanzminister'ums, ausländischen ®. ldgebern und der Rcichsbank, zusammengerufen werden soll, um die ersten Operationen zur Stabilisierung zu veranlassen. Wenn in den folgenden Abschnitten von einer Geldbank die Rede ist, so ist darunter vorläufig das oben genannte Komitee zu verstehen. 3. Internationaler Bankkredit. Die Stabilisierung der Mark kann nur unter Mithilfe eines erheblichen Kredits von ausländischer Seite, beispielsweise im Betrage von 500 Millionen Goldmark in bisheriger Währung, durchgeführt werden Dieser Kredit wäre am besten in Form eines Akzeptwechsels bei den ausländischen Banken zu gewähren. Er muh zur Verfügung ccr Geldbank stehen, die nach Bedarf mittels Trassierung von Wechseln, die ihr ben Ankauf von Devisen gestatten, Vorschuh beanspruchen kann. Für die Kreditgewährung kommen größere Banken in den Vereinigten Staaten und den europäischen Staaten mit normaler Währung i nBetracht. Dieser Gruppe konnte:! sich auch die Danken aus anderen Ländern cmschliehen, die um Mitwirkung angegangen werden, und Die sich bereit erklären, an der Aktion teilzunehmen. Unter den Auspizien der Reparationskommission ist sobald wie möglich die Einberufung eines internationalen Bankkomitees herbeizuführen, dem die Gründung eines Bankkonsortiums obliegen würde um in Fühlungnahme mit der Reparationskommission und der deutschen Regierung die Frage des Kredites in Verbindung mit den zu leistenden ©arantieen zu prüfen. Das Gutachten nennt sodann in einzelnen Vorbedingungen zur Stabilisierung: Beseitigung des Defizits in Eisenbahn- und Postverwaltung, Herabsetzung dec Beamtenzahl. Vermehrung der Produktion, Verlängerung der Arbeitszeit. Herabsetzung der Arbeitslöhne unter Anpassung an den bestehenden Wert des Geldes. Auf die Dauer, so heißt es weiter, wird eine Derartige Stabilisierung nur beibehalten werden können, wenn die Wiedergutmachungsfrage eine endgültige Lösung gefunden hat, die einen bestimmten Zahlungsplan vorsieht. 5. Provisorische Stabilisier u n g. W-nn die Hoffnung begründet ist, daß die obengenannten Voraussetzungen in nicht allzu ferner 1 Zeit erfüllt werden können, so kann der Versuch zu einer provisorischen Stabilisierung unternommen werben. Die erste Stabilisierung sollte wie folgt eingeleitet werden. " Da es vor allem erforderlich ist. daß die Geldbank, der die Leitung der Operationen obliegen wird, über genügende Kräfte verfügt, um allen Gegenströmungen entgegentreten zu formen, sollte der Geldbank bzw. dem Komitee: 1. der gesamte ausländische Kredit, 2. wenigstens ein gleicher Betrag vom Golde der Reichsbank zur Verfügung gestellt werden. Mit Hilfe dieser umfangreichen flüssigen Mittel sollte die Geldbank Mark- guthaben und ckuf Mark lautende Banknoten aus- raufen, vornehmlich durch Konzentration ihrer Tätigkeit auf die ausländischen Märkte. Durch eine zweckentsprechende Aktion glauben wir allen möglicherweise eingd.iteten Gegenoperationen totrtfam entgegentreten zu können. Eine sehr wesentliche Besserung des Markkurses dürste auf den ausänldischen Markten zu erreichen sein. Die Erreichung der Aufwärtsoewegung der Mark ist einer der Hauptzwecke, da der jüngste Sturz der Mark insbesondere auf eine Vertrauenskrises zurückzuführen ist, die nach ihrer Beseitigung rasch eine Gegenströmung nach sich ziehen kann. Die endgültige Anpassung der Arbeitslöhne an den neuen inneren Wert der Mark wird einen mehr oder weniger längeren Zeitraum, wahrend essen sehr ernste Schwierigkeiten zu überwältigen sind, beanspruchen, und ein fühlbarer Preis- .ibbäit wird die natürliche Folge sein. Die durch die Stabilisierung herbeigeführte bessere Wirtschaftslage wird auch der Regierung die Der- o'gung einer gesunden Wirtschaftspolitik erleid', fern. Die zu treffenden Maßnahmen müssen unverzüglich veranlagt werden, da sonst zu befürchten ist, daß die Aktion zu spät kommen wird, um Aussicht auf Erfolg zu haben. Die Umbildung der Regierung. Berlin, 11. Rov. Den Blättern zufolge empfing der Reichskanzler gestern die Führer der Koalitionsparteien sowie der Deutschen und der BÄYerischen BolkSpartei xuv Fortsetzung der Aussprachen über ein wirtschaftliches Aktionsprogramm. Hau tgegensiand der Besprechung, an der fast sämtliche Mitglieder d -V ReichSregierung teilnahmen, bildete jedoch !?:.< Frage der Regierungsumbildung. Der ReichS- tanzler machte längere Ausführungen, in denen er erklärte, dah der Reichspräsident ihn mit der Umbildung der Reichsregierung nunmehr beauftragt habe, Gr wolle dieses Problem sofort in Angriff nehmen und zu diesem Zweck mit den ihm geeignet er- fcij.iii.nben Männern der Wirtschaft in Berhand- fungen eintreten. Es liegt also, wie die „Voss. und das „Tageblatt" schreiben, nicht in ber Absicht des Reichskanzlers, die sogenannte prcfic Koalition mit Einschluß der Deutschen ^olispartei eventuell auch dec Bayerischen Volkspartei Lu' verwirklichen, sondern vi lmehr unter Hinzu iehung von sührenden Persönlichkeiten der Wirtschaft, die z. 2. der Deutsch m VolkSpartei nrhestehen, ein Kabinett des wirtschaftlichen Wiederaufbaues zu bilden. Die „Voss. Ztg." berichtet, der Reichskanzler habe zum Ausdruck gebracht, dah zur Zeit nur zwei Sitze im Reichskabinett frei seien, das Außenministerium und das Ministerium des Wiederaufbaues und dah das Kabinett eventuell noch durch einen Minister ohne Portefeuille erweitert werden könne. Den Blättern zufolge soll für den Posten des Außenministers den Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Geheimrat Cuno, in Lfussicht genommen sein. Die Abreise 1 der Reparationskommifsion. T Berlin, 10. Rov. (Priv.-Telegr.) Die Delegierten der ReparationSkommis- ion sind heute mittag nach Paris <*b» gereist. Der Ausschutz für auswärtige Angelegenheiten. Berlin, 10. Rov. (Wolff.) Der AeichStagS-AuSschuftfür auswärtige Angelegenheiten trat heute vormittag unter dem Borsitze des Abgeordneten Dr. Stresemann zu einer Sitzung zusammen. Er beschäftigte sich mit der Lage, wie sie sich durch die Verhandlungen mit der Reparationskommission und die Anhörung des internationalen Sachverständigenausschusses gestaltet hat. Re i ch s kanzle r Dr. Wirth legte in einer einführenden Rede die Stellungnahme Ler Regierung dar. An der weiteren Aussprache beteiligten sich die Abgeordneten v. LerSner (D. B.), Graf Westarp (Dn.), Dr. Dernburg (Dem.), Hermann Müller (Soz.) und Dr. Spahn (Zentt.). Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Gießener Stabtttyeater. Wallensteins Lager und Die Piccolomini. Bon Friedrich v. Schiller. Gießen, den 11. November 1922. Solange Schillers Geburtstag noch immer ein Gedenktag bleibt, an dem sich eine Gemeinde begeisterter Verehrer ^tes hochfinnigen Dich'ers zur Feier vereinigt, kann auch der Sinn für wahrhaft Edles und Schönes nicht in unserem Volke erstorben fein. Freilich, dieser Freundeskreis ist enger und enger geworden. CS wird in literarisch interessierten Kreisen vielfach zum guten Ton gerechnet, mit der glühendste Verehrung für Goethe eine völlige Rich.achtung Schillers zu verbinden. Richt die weltüberstrahlende Bedeutung Goethes, um den uns alle Kulturvölker beneiden, ist Schiller zuzusprechen. Sein Idealismus ift etwas so spezifisch Deutsches, dah er nur im Vaterlands volles Verständnis finden konnte und, so ist zu hoffen, immer finden wird. Sollte man einst sagen müssen: Schiller gehört ausschliehlich der Vergangenheit an, so wäre die Zeit zu be° uagen, ter er nichts mehr sein kann, nicht der ^erdings ist schon heute sestzu- stellen: Die Gegenwart denkt und fühlt realistischer ate jene 3eit too ber Klassizismus in seiner Dlute flct Gefeierte würbe im Jahre 1842 als Sohn dep Universitätsprofessors Wilbrand in Gießen geboren, studierte hier Forstwissenschaft und trat, nachdem er zehn Jahre lang der Oberförjterei Viernheim vor gestanden hatte, im Herbst 1880 als Vortragender Rat in die Ministerial-Forstabteilung ein. Im Jahre 1897 wurde er deren Vorsitzender. Als er währenb des Krieges um feine Entlassung eingekommen war^rsucht? ihr. der Großherzog, dem Staate seine schätzenswerte Kraft in ber schweren Kriegszeit zu erhalten, und sv schieb er erst am 1. April 1919 aus bem Dienst. ** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt würben: am 3. Rovember ber Regre rungsbaumeister Hermann Dönges zu Darnv stabt zum Stubienrat bei ber ßanbedbaugetoert schule zu Darmstadt mit Wirkung vorn 1. April 1922 an; — der Regierungsbauführer des Hoch baufachs Alfred Sommer aus Stegen In West faten zum Regierungsbaumeister; — der Schulamtsanwärter Joseph Kranz aus RuhMrchen mit Wirkung vom 1. April 1922 zum Reallehrer an der Blindenanstalt in Friedberg; am 4. Rovember der Landwirtschaftsassessor Wilhelm Grimm zu Groß-Umstadt mit Wirkung vom 1. Rovember 1922 an zum Landwirtschaftsrat an der Landwirtschaftlichen Schule zu Groh-Umstabt; — der Diener Heinrich Staubach zu Gießen mit Wirkung vom 1. April 1922 ab zum Amts- gehilsen an ber Landesuniversität Gießen; — bte Pauline Böhm in Alzey mit Wirkung vom 1. April 1922 ab zur Küchen Haushälterin am Lehrerseminar in Alzey; am 6. Rovember ber Revisionsgehllfe Johannes Stapf au 8 Rauheim bei Groß-Gerau zum Oberrevisor bei der zweiten Abteilung des Revisionsamtes der Oberrech- nungfcfammer mit Wirkung vom 1. April 1922 an; — ber Regierungsassessor Dr. Alfred Wolff aus Dannstabt zu.n Kreisamtmann mit der Amtsbezeichnung Regierungsrat mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 an; — der ehemalige Lehrer Jakob Dohauer zu Büdesheim zum Ltehrer an der BolkZschute zu Bubesheim, Kreis Bingen; — die Schulamtsanwärterin Lucie Erbe aus Calv zur Lehrerin an ber Volksschule zu Laubach, Kr. Schotten; am Z. Rovember der Zollvberwacht- meister Konrad Wenzel zu Gießen zum Zollbetriebsassistenten; — der Kriminalkommissar Wilhelm D e r z zu Darmstadt zum Steuerinspektor beim Landesfinanzamt. ** Kleinrentnerfürsorge. Das im 1. Stock der Wirtschaft „Zum Haberkasten" eingerichtete Zimmer für Kleinrentner bietet diesen einen in Jeter Beziehung angenehmen Aufenthalt. Den Besuchern ist Gelegenheit geboten, Handarbeiten, Stricken und Wäsche reparaturen zu besorgen, Schreibarbeiten $!' erledigen, oder sich mit Lesen zu beschäftigen Es ist zu wünschen, daß die Kleinrentner von ter Einrichtung ausgiebig Gebrauch machen, damit sie erhalten bleibt. Vielleicht finden sich noch Wohltäter, die die Sache durch (Stiftung von Büchern, Zeitschriften oder sonstige Spenden unterstützen. Der Raum ist täglich (auch Sonntags) von nachmittags 3 — 9 Uhr geöffnet. ** Verschiedene Zahlungstermine für Abgaben bei der Stadtka^se werden im heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben. ** Oberhefs ischer Kunstverein. Die Wander-Ausstellung der hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst kann nur noch 8 Tage, einschl. zweier Sonntage, hier verbleiben. Der Ausstellung, die von 11—1 Uhr geöffnet ist, wurden noch einige Arbeiten von H. G e i l f u S neu eingereiht. "Das Fest der silbernen Hochzeit feierten gestern Herr Ludwig Klein und Fran Luise geb. Schuchardt, Hierselbst. Heutiger Stand des Dollars 10 Uhr vormittags: Berlin 8625, Frankfurt 8300—8400. seinem Auftreten fehlte aber bte Überzeugungskraft, daß uns hier ein ungewöhnlicher, geistig überragender Mensch entgegentritt. Vielleicht wäre es glücklicher gewesen, die Rollen Paul Schuberts und Adolf Teletys miteinander zu vertauschen. Die übrigen Rollen erwiesen sich als trefflich besetzt. Max Piccolomini (Hans S ro m mann) wurde zu ber Lieblingsgestalt des Dichters mit ihrem ungetrübten Idealismus unter den übrigen realistischen Personen. Auch die innerlich gleich gerichtete Thekla wurde von Karla Keller mit bestem Erfolge dargestellt. Graf und Gräfin Terzky (Georg Heding und K i 11 v F r a nie) erschienen ganz als die fanatischen unb unseligen Ratgeber des Feldherm. Die Generale Wallensteins wurden sehr fein individualisiert. Als solche sind hervorzuhebeii Oskar Feige! (Itto), R u b o I f ® o [ l (Ofolani), KarlIuhnkc (Buttler) und Heinz Bechstein (Tiefenbach). Des letzteren Trunkenheit in der Bankettszene war etwas stark aufgetragen. Karl Volcks Kviegsrat von Questenberg war eine bis inS kleinste herausgearbeitete Höflingsfigur. Aiigliste Mar ck s hatte sich in der Seele ber unheilahnenden Herzogin von Friedland mit ganzer Innigkeit eingelebt. Einen prächtig gelungenen Kellermeister stellte Richard Hellborn dar. P au l M e h- n e r t lief Gefahr, den Astroiwmen Seni als komische Figur erscheinen zu lassen. Die übrigen Rebenpersonen fügten sich bem Gesamtrahmen passend ein. Das dicht besetzte Haus erwies ber vortrefflichen Aufführung die verdiente Würdigung Der Beifall schwoll mehrfach zu ungewöhnlicher Stärke an. Leiter tourte eine der schönsten Szenen durch daS Aufbrechen ter auswärtigen Besucher empfindlich gestört. Liehe sich dem nicht vielleicht in Zukunft durch früheren (Beginn Vorbeugen? tr. ilfjr: lieber unsere Kraft, 1. Teil. ZMMl SM total 010874 - 5155D Volle Garantie! i Klein $ Bel 8974 bei /Jueust Jacobi /Ict.Ges. Seijenfabrik.DarmstadL uiiiiiiimiiiHiiiiiiiiiimimiiimiiiiiiiiiHiHiiiiiiHiiiiiiiiiiiu illllllllllHIIIIIIIIIItllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIMIIIIlE - = prima süßen Aepselwein la Ausschankwein:: Ihrings Lxportbier Samstag: Herings-Salat! Besitz.: Carl Burhenne. Stockholm. 10. Nov. (WTB.) Der Nobelpreis für Chemie für 1921 ist von der schwedischen Akademie der Wissenschaften Professor Frederick Soddy in Oxford verliehen worden, der Preis für 1922 Dr. Francis Williaam Asten in Cambridge. Bekanntmachung. Das 1. und 2. Ziel der vorläufigen Gemeinde-, Grund- und Gewerbesteuer für das Rj. 1922 kann noch bis zum 22. d. Mts. ohne Kosten an die Stadtkasse bezahlt werden. Diejenigen, die mit der Zahlung noch im Rückstände sind, werden hiermit gemahnt, die Steuer bis zum 22. November d. Js. zu bezahlen, andernfalls die 'Beitreibung erfolgt, wodurch Kosten entstehen. 99638 Ferner kann in den nächsten 8 Tagen noch das 3. Ziel Schulgeld des Real» gymnasiums, der Qberrealschule und der Höheren und Erweiterten Mädchenschule sowie das Grvmmetgras für 1922 ohne Kosten bezahlt werden. Gießen, den 9. November 1922. Stadikasse >Giehen.___________ Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 12. Nov., nachm. 3 Uhr: Undine: abends 7 Uhr. Madame Butterfly. Montag, 13.: Tannhäuser (Par. Deacb.). Dienstag. 14.: Tosca. Mittwoch, 15.: Königskinder. Donnerstag, 16.: Die Braut des Lucullus. Freitag, 17.: Der Barbier von Sevilla. Samstag, 18.: Boccaccio. Sonntag, 19., nachm. 3 Uhr: Die verkaufte Braut: abends 7 Ahr: Der Troubadour. Montag, 20.: Königskinder. Dienstag, 21 : Tiefland. Mittwoch. 22.: Die toten Augen. — Schauspielhaus. Sonntag, 12. Nov., vorm. 11 Uhr: Gerhart Hauptmanns-Morgenfeier Gerhart Hauptmann und die innere Entwicklung der deutschen Literatur: hierauf: Vorles. aus Gerhart Hauptmanns Werken: nachm. 3V2 Uhr: Hannele: abends 7i/3 Ahr: Die Weber. Montag, 13.:. Emilia Galotti. Dienstag, 14.: DemetriuS: hierauf: Wallensteins Lager. Mittwoch, 15.: Die Weber. Donnerstag, 16.: Demetrius: hierauf: Wallensteins Lager. Freitag, 17.: Gespenster. Samstag, 18.: Des -Esrls Schatten. Sonntag, 19., nachm. 3Vs Ahr: Balladen von L. Kratz u. Frau Sohu latraBe 11. Telephon 1354. 3ung„ kinderliebes Mädchen zu zweijähr. Kinde und zur W.ttbilfe im Haushalt für tagsüber gesucht. 010386 Asterwcg 44 v. ßlltinoülintti uuiytuiiyi neu eingerichtet empfiehlt: Skunkspelz sofort zu kaufen gesucht. Schriftliche Angebote unter 9954vandenGietzenerAnzeiger. ’Nen. StellW Pudel in kleinem Haushalt (2 Persä tüchtiges | Mädchen bei guter Behänd- lang u. hohem Lohn. Babnbosstr.29 IIL Montag, den 13. November, | abends lh8 Uhr: W6v | Zum Besten des Hilf swerks | für Kleinrentner und verschämte Arme | QroßerKonzert-1 und Vortrags-Abende \ Operettenpreise! Operettenpreise! 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Schiller: hieraus: WaUensieMS Lager: avcnds 71/2 Ahr: Des EselS Schatten. Montag, 20/ Die Weber Dienstag, 21/ Des Esels Schatten Mittwoch. 22., nachm. 31/2 Ahr: Hannele: abends Stadt-Theaten taiisWettifa zu kaufen gesucht. 12170 „LITERA“ Darmstadt. Blechwaren-Fabrikanten! aus .der Branche, St IX It | ttt 0 tt ll 27Jahre, erste Nrasi. z.Zt- Geschäftsführer ein. Siegener Blech' waren- und Werkzenggrohhandlung, mit den besten Beziehungen zu Lieferanten und Abnehmerkreisen für Blechwaren, svez. v lechemballngen und Ofenrohren, la Berbindungen mit dem Ausland für alle Metall waren, sucht nur leitenden posten tn mittlerer Fabrik oder Handelsgeschäft, wo gute Geschäftsverbindungen fehlen.— Evtl. Beteiligung mit entsprech. Kapital. Weil, schrist«. Angebote wolle man unter 0921 an den Giehener Anzeiger richten. artiger Diebstühle bereits eingeftanhen. — Vor dem Carltonhotel sprang heute nachmittag ein junget Mann auf eine in voller Fahrt dahinrollende Straßenbahn. Er stürzte ab, geriet vor die Räder und wurde lebensgefährlich verletzt. fpd. Oberursel, 10. Nov. Sin ungenannter Herr übermittelte der Bürgermeisterei zur Bekämpfung derWin- t e t n o t bei der minderbemittelten Bevölkerung den Betrag von 500 000 Mark. * Dillenburg, 9. Nov. Zu schweren Ausschreitungen ist es gestern nachmittag hier gekommen. Etwa 1500 bis 2000, meist jugendliche und angeblich fast ausschliehlich auswärtige Arbeiter demonstrierten vor dem Bureau des Arbeitgeberverbandes wegen Lohnforderungen und vor dem Landratsaml wegen Forderungen zur Bekämpfung des Preiswuchers. Deruhi- gungsversuche des Landrats blieben erfolglos. Die Menge bewegte sich dann zur inneren Stadt, und hier drangen dem Polizeibericht zufolge, verschiedene Arbeitergruppen in ein Konfektionsgeschäft ein, dessen Inhaber mihhaa - bei t wurde: weiter verschafften sie sich gewaltsamen Zutritt zu einer gröberen Anzahl von Geschäften, meist Schuh- und Lebensmittel- laden. Zn allen Geschäftslokalen wurde gevlün° dert, außerdem wurden Fenster- und Schau- kästenscheiben eingeschlagen. Als Täter sollen meist auswärtige, jugendliche Leute in Betracht kommen. Die Polizei und die Landjäger suchten dem wüsten Treiben nach besten Kräften entgegenzutreten, sie konnten aber der groben Liebermacht gegenüber nicht überall durchdringen. Gegen Abend, mls die Sicherheitspolizei durch frei» willig zur Polizeihilfe sich meldende Bürger verstärkt worden war. trat allmählich wieder Ruhe ein. Inzwischen ist Schupo aus Siegen hier eingetroffen. Die Haupträdelsfuhrer sind f e st g e st e l l t worden und werden sich wegen Landfriedensbruchs zu beranttooren haben. Der angerichtete Schaden beläuft sich auf diele hunderttausende Mart. »hWÄ«" I Putzfrau Deutsche Eiche Klein-Linden Sonntag, den 12. November ab 4 Uhr nachmittags Großes °>°»o Tanzvergnügen Diebesbande auf die Spur gekommen. Der Rumäne Josef Faltebaum und ein junger Berliner namens Richard Ahle wurden bereits verhaftet. Faltebaum erregte auf per Fahrt von Hamburg nach Berlin Verdacht. Er stieg in Wittenberge aus, wo er fest genommen wurde. Ahle wurde auf «dem Lehrter Bahnhof verhaftet. Bei Faltebaum wurden zwei Fläschchen mit Aether und Chloroform gefunden. Hamburg, 10. Nov. (WTD.) Der Hamburger Dampfer der Prvgrefi-Reederei „3°’ Hannes I ck" ist am 30. Oktober von Dum- Island mit einer Kohlenladung nach der Elbe abgegangen, bislang aber noch nicht singet rossen. An Bord sind 14 Mann der Besatzung. Man vermutet, bat) das Schiss dasselbe Schicksal wie die beiden Dampfer der Firma Sauber ereilt hat. Hamburg, 10. Nov. (WTB.) Heute morgen ist im dichten Nebel ein T ri e b wa g e n z u g der Vorortbahn auf einen im Bahnhof Wandsbeker Chaussee haltenden Dampszug a u f g e f a h - ren. Vier Wagen des Dampfzuges sind entgleist. Fünf Personen wurden schwer und 25 Personen leichter verletzt. Petersburg, 10. Nov. Russische Telegr- Agentur. Seit Beginn der diesjährigen Schiff- fahrtszett trafen bis 10. in Petersburg 52 7 Dampfer mit einer Gesamtladung von sechs Millionen Pud gegenüber 808 Dampfern mit einer Ladung von 23 Millionen Pud im vorigen Jahre ein. 3m Monat Oktober sind 62 Dampfer angekommen. 3ns Ausland gingen in dec diesjährigen Schiffahrtszeit 122 Dampfer mit einer Gesamtladung von 71/1 Millionen Pud an russischen Rohstoften. Stockholm, 10. Nov. Der deutsche Dampfer „Real" aus Kiel ist am Mittwoch abend um 11 Ahr bei Grundkallen auf gelaufen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Dietzen. Sonntag, 12. Nov. Stadtkirche. 9'„ Pft. Becker. 11: Kinderk. d. Markusg. 5: Psarrass. Becker. — IohanneSkirche. 9'/,: Pft. Ausfeld. 11 Kinderk. d.Zohannesg. 1: Taubstummengottesdienst. Pft.Bechtolsheimer. 5: Pft.Bechtolsheimer. —Ani- versitätSgottesdienst i. d. Neuen Aula. ll‘/4: Pros, l). Schian — Kirchberg. 10,11 Abendm. f. Lollar. - Lollar. 1'/». — Wieseck. Ordentl. Kirchenvisitation. Dek. Gustmann. 9l/a: Gottesd. 1'/,: Zugendgottesd. Katholische Gemeinden. Giehen. Samst., 11.Nov. 5 u.8: Deicht. Sonnt., 12. Nov. 61/,: Deicht. 7: Messe, Korn. d. Zunglinge. 8: Korn. 9: Hochamt m. Pr. 11: Messe m. Pr. 5l/.: Christen!, u. Andacht. — Hungen. 7,10. — Lich. V.,8 und x/,3 Ahr. | Mietgesuche | Student tAusländerisuchtper sofort gegen beste Bezahlung 010351 gut MMies Zimmer in Gietzcn ob. Umgebung, mit ob. ohne Pension. Srvristl. Angeb. unf. BK A., Hotel Kobel, 7. _werden von zwei jungen Ausländern loö. 2 mööüette Zimmer mit 2 Setten gesucht, mit ob. olme Pension, in der Stadt ob. in ihrer Umgebung. Schristl. Llngeboie unter 010280 an den Giest. Anz. erbeten. Zwei möblierte 3 immer von welchen ein Zimmer als Bureauraum bennyt werd, kann, sofort zu mieten ße- sucht. Schr. Angeb. unt. 99410 an den (dien. An;, erbeten. — Äatt HttoH t. Mit dem am 8. bs. Mts bn hohen Aller von 83 Jahren verstorbenen ehemaligen Rats diener Moll ist ein Stuck Giehener Altbürgertums dahin gegangen. Moll hat ferner Vaterstadt von ihrem früheren Stande als Ackerstädtchen an bis zu ihrer neuesten Gestatt als lebhafte Mittelstadt seine Dienste gewidmet und eine Reihe Bürgermeister kommen und scheiden sehen. Den ältesten davon war er sozusagen die rechte Hand, und er stand auherdtenstlich mit ihnen in Druderschaftsverhältnis. Wer Ende der sechziger und Ansang der siebziger 3aqre nach Giehen übersiedelte, hatte bald Gelegenheit, Moli keimen zu lernen, denn er war es, der mit der Schelle in der Hand durch die Stadt ging und mit Stentorstimme die neuesten Verfügungen der .Dorgemaasterei". Holz- und GraSversteigerungen usw. verkündete. 3n seiner Eigenschaft als Marktmeister geriet er ab und zu in Konflikt mit Händlern und Dutterfrauen, wenn seinen Anordnungen nicht Folge geleistet wurde, aber sein ihm bis ans Ende treuer Humor lieh dauernde Feindschaft nicht nuftommen. And wenn bei einem Brande in der Nachbarschaft die Giehener Spritze (im Volkskunde der „Landgraf" genannt) zu Hilfe gerufen wurde und über das holperige Pflaster polterte, sah Moll in seiner Würde als Spritzenmeister auf cm Protzkasteu: auch als Mitglied der G. F. F. stellte er seinen Mann an der Spritze. Zu fast allen Veranstaltungen größerer Festlichkeiten stand er zur Verfügung. Lange nach seiner Versetzung in den Ruhestand verstand er es noch, der städti- nhvn Verwaltung, dem Ortsgericht, seine Dienste leihen, und wer in die Geschichte der Stadt einen Einblick gewinnen wollte, fand in Moll die geeignete Auskauf tspersvn: er war ein Stück lebendes Archiv. — Seine vielseitige Tätigkeit Im Dienste der Stadt und der Allgemeinheit sichern dem nun Heimgegangenen ein dauerndes gutes Gedenken. '* Unentgeltliche Volksvortrage. 3m Wintersemester der Landesuniversität werden tm Hörsaal der Anatomie von Professor Griesbach zwölf unentgeltliche Volks-Vortrage über Anfall, Unfallverhütung und Anfallentschädigung für Angehörige aller Derufsklassen gehallen. Damen haben Zutritt. Hcsien-Nasian. fpd. Frankfurt a. M., 10. Nov. Der Finanzausschuh des Vereins „Frankfurter Winterhilfe" hat bis jetzt 18 Millionen Mark zur Linderung der schlimmsten Not unter der Bevölkerung bewilligt. Zwei hiesige Kohlenhandlungen stellten dem Verein für die Armen zusammen 3n der Raubmordsache Sauerwein hat die amerikanische Besatzungsbehörde die ausgesetzte Belohnung um 350000 Mark auf 500 000 Mark erhöht. — Auf frischer Tat ertappte man die Arbeiter Hermann S ch m i d t und Jakob K i p p e l, als sie Tür- kl i n k e n und M e s s i n g s ch i l d e r von einzelnen Häusern abzuschrauben versuchten. Dis jetzt haben die Kerle eine ganze Anzahl der- Aus dem Amtsverkündigungsvlatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 114 vorn 10. November enthält: Wahl der Versicherungsvertreter als Beisitzer der Versuche- rungsämter. — Festseh-ung des durchschnittlichen Iahresarbeitsverdienstes land- und forsttvirt- schaftlichcr Arbeiter. — Ortslohn. — Festsetzung der Einko'mnensteueranteile der Gemeinden. — Tagegelder und Reisekostenvergütung "der Orts- Vorst andsper so nen in den Landgemeinden. — Gr- böfntng der Preise für Brennstoffe. — Anter- richtsbeginn an den landw. Schulen Lich und Erünberg. — Denkmalschutz: .hier: Kirchen. — Dichmärkte in Grünberg und Allendorf a. d. Lda. — Dienst nachrichten. — Schweinerotlauf. Vermischtes. Berlin, 10. Nov. (WTB.) Die Kriminalpolizei ist einer internati oralen v ° Zug- Medizin. 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Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Katharine Schäfer Georg Schäfer Willi und Ernst Schäfer Familie Konrad Meusel. Watzenborn bei Gießen, den 11. November 1922. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 12. November, nachm 4 Uhr, vom Sterbehause, Watzenborn, Borngasse 11, aus statt. 010394 Md SIM. WW WM kauft 8754 CM W Juwelier KkklWlO 8. MW mit ober ohne Kredenz zu hnfen gesucht. Schrift!. Angebote mit Preisangabe unt. 9918D an den (Sieh Anzeiger.___________ Mchenschrank und Tisch gebraucht, zn kaufen gesucht. Schriftliche Angebote unt. 010372 an den GieK. Anz. Platin-, Gold- und Silbergegenstände kau ff zu hohen Preisen Erich Beyer Juwelier, Gießen, Bahnhofstraße 1. --"O Sutern. Welk für Privathaui-halt zu kaufen gesucht. Näh.inderGeschgfts- stcUe d.Gleb.Anz. 0958 Mtnschrank gut erb., zu kaufen gesucht. Schristl Angebote unter 9943 an den Gietz. Anzeiger. Alkes Sinn nnö MlMserW. zahlt d. höchst. 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November ab tote folgt festgesetzt worden Fettstüct^hlen .... per Zentner Mk. 8:2.50 Fettnuhkohlen .... « » 867.50 Fettkohlen (meliert) ... . „ 753.50 Ehnuß kohlen » . 9'5.50 Anthrazit » » 1026.— Eiformbriketts .... . . 10.4.— Braunkohlenbriketts ... . ■ 463.— Zechenkoks (grob) ...» „ 965.50 Zechenkoks (fein) „ 1080.50 Diese Preise verstehen sich ab Eisenbahnwagen in Fuhren bis vor das Haus des Käufers oder frei Lagerplatz des Kohlenhändlers für den Zentner einschl. Warenumsatzsteuer. Aettere Bestände sind zu den seitherigen Höchstpreisen abzugeben. **Dieälteren Kirchen unterDenk- malschutz. Nach einem Beschluß des Denkmalrotes sind alle älteren Kirchen als unter Denkmalschutz stehend anzusehen. Als Grenze für das Alter gilt eine Frist von 30 Zähren von der Gegenwart an rückwärts gerechnet. ** Aufgehobene Sperre. Die am 24. August über das Gehöft Katharinengas s e 9 wegen Schweinerotlauf verhängte Sperre ist vom Polizeiamt aufgehoben worden, da die Seuche unter dem Viehbestand dieses Gehöfts erloschen ist. ** Viehmärkte. Am Donnerstag, den 16. November, findet in Grünberg ein Klauenviehmarkt statt. 'Am Mittwoch, "den 22. November, wird ein Schweine- und Schafmarkt in A l l e n d o r f a. d. Lda. abgehalten werden. 3n beiden Orten ist der Markt auf den Dormittag abgercmmt. Landkreis Gießen. * Lich, 8. Nov. Neben der Gemeinderats- waHl steht unserer Stadt in Kürze auch eine Beigeordnetenwahl bevor. Unser allgemein beliebter Beigeordneter Jacob §elißc har in Anbetracht seines hohen Alters und wegen geschwächter Gesundheit darum nachgesucht, ihn von feinem Amte, das er 15 Jahre lang mit seltener Gewissenhaftigkeit und Treue geführt hat, zu entbinden. Damit fie^t unsere Satdt ein Stadtvorstandsmitglied aus dem Amt» scheiden, das sich um das öffentliche Wohl sehr verdient gemacht und damit berechttgten Anspruch ar, den Dank seiner Mitbürger erworben hat. Möge dem 72jährigen ein gesegneter Lebensabend be- schieden fein. — Die Neu wähl ist auf den 3. Dezember in Aussicht genommen. X Wieseck, 9. Nov. Der Gemeinde rat beschloß, die Kosten für die Anfertigung der Stimmzettel (zwei Wahlvvrschläge) mit je 600 Mk. auf die Gemeindekasse zu übernehmen. Der Ertrag der um den dreifachen Betrag der staatlichen Sätze erhöhten Wohnungsbau-- abgabe soll einem besonderen Baufonds zufliehen. Zur Anpassung an den gesunkenen Geldwert wurde Erhöht der P a ch t p r e i s für die Jagd auf das zehnfache gleich 87 000 Mk., und der für Gemeindegrundstücke ab 1922 bei 1918 verpachteten um das zehnfache, 1919 um das achtfache. 1920 um das dreifache, 1921 um das zweifache, so daß 900 Quadratmeter jetzt auf 140—160 Mk. kommen. Erhöht wurden ferner die Beiträge der Schafhalter auf 20 Mk., Sprunggeld für ein Schwein auf 300 Mk., eine Kuh auf 15 Pfund Hafer, eine Ziege auf 1 Pfund Hafer bzw. festgesetzter Marktpreis. Die Wiegeaebühren betragen jetzt für Großvieh 8 Mk., Kleinvieh 5 Mk. und im übrigen sollen die Gießener Sähe maßgebend fein. Auch das Was sergeld mußte sich weitere Erhöhungen gefallen lassen. Rohrmeister wurde auf Widerruf der Schlossermeister August Schmitt. Genehmigt wurde die Beschaffung einer Straßen- lampe für die Karl st raße. Landwirtschaft. Grünberg, 7. Nov. Zum bevorstehenden Beginn des 2. Wintersemesters der landwirtschaftlichen Schule wird uns geschrieben: Der Unterrichtsstoff der Schule ist auf zwei Winter derart verteilt, daß für jeden Schüler der Besuch der beiden Abteilungen notwendig ist. Am Schlüsse des unteren Lehr- gangs erhalten die Schüler ein UebergangS- zeugnis über Fleiß und Betragen mit einem Vermerk, ob sie nach Beschluß der Lehrer- konferenz in den oberen Lehrgang versetzt werden können. Am Schlüsse des oberen Lehrgangs erhalten die Schüler ein Abgangszeugnis von der Schule mit Urteilen über Detta- oen, Fleiß und Fortschritte im allgemeinen und über die Leistungen in den einzelnen Fächern. Durch die landwirtschaftlichen Schulen ist unseren jungen Landwirten Gelegenheit geboten, ihr Können zu bereichern, so daß sie hierdurch gestärkt und gefestigt den auch für die Landwirtschaft immer schwieriger werdenden Wirt- schaftsverhältnissen gegenüberstehen. handel, Berlin, 10. Nov. Bö r s e n st i m m u n g s - bild. Mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, die bei Durchführung der geplanten Maris'.abilisieruna nach den vorliegenden politischen Nachricht:n noch zu überwinden sind, gestaltete ftch der Bectehr des Devisenmarktes bei im allgemeinen Ibefesliglcr Tendenz äußerst nervös und lurregelmähig. Das g> iche Bild bot der Effektemnarkt. 3m allgemeinen schien anfangs die Besserung der Devisenkurse gegen den Kursrückgang eine Stütze zu bieten. Aber das Angebot erlangte im Verlaufe mehr und mehr das Aebergewicht. Industriealtien verloren mehr oder minder einen großen Teil der vorwöchentlichen Gewinne je nach dem Umfang der erzielten Steigerung. Die Kauflust verhielt sich äußerst abwartend. Die Valutapapiere stellten sich naturgemäß der Devisenverschlechterung entsprechend niedriger. Bemerkenswert jedoch war die Wsstiung der l anada- Aktien, während Baltimore 13 000 Prozent verloren. Don Montanwerken setzten Harpener um 4000 Prozent höher ein, von denen 2000 Prozent wieder verloren gingen. Auch Akkumulatoren stellten sich anfangs um 1500 Prozent höher. Berlin, 10. Nov. In nächster Woche findet die Wertpapierbörse nur am Montag, Mittwoch und Freitag statt.' An den übrigen Tagen werden nur Devisen und Noten notiert. Frankfurt a. M., 10. Nov. Die Räume der Frankfurter Börse bleiben wie an Samstagen in der kommenden Woch? auch am Dienstag, den 14. November, und am Donnerstag, don 16. November 1922, für jeglichen Verkehr in Wertpapieren geschlossen. Devisen und Noten werden • notiert. Frankfurt a. M., 10. Ott. Börsenstimmungsbild. Die Tatsache, daß die schon gestern eingetretene schwache Haltung keine weiteren Fortschritte machte, bewirkte vielfach, daß das anaebotene Material schlank Aufnahme fand. In den ersten Morgenstunden nannte man den Dollar 6800, dann anz.ehend 7350, 7650 bis 7850. Die Stimmung am Effektenmarkt war anfänglich schwach. Die Kurse unterlagen vielfach großen Schwankungen. Kurssenkungen machten sich bei Beginn in AuslandSwerten bemerkbar, die aber später mit dem Steigen des Dollars vielfach wieder gebessert wurden. Stärkere Abgabeneiguna machte sich im freien Verkehr bemerkbar. Auf dem Montanmarkte überwogen zunächst bei weitem die Kursrückgänge. Es waren Kursverluste von 1000—3000 Prozent zu verzeichnen. Später trat wieder eine Erholung ein. Kaliaktien lagen schwach. Ebenso waren ^Maschinen- und Metallwerte überwiegend schwächer. Zuckeraktien unterlagen Schwankungen. Abgabeneigung bestand für Elektrizitätsaktien. Am Markt der chemischen Werte war niedrigere Bewertung keine Seltenheit. Der Markt der Werte mit Sinheitskurs lag ruhiger. Frankfurter Devisenmarkt. (Telegraphische Auszahlung.) Amtliche Notierungen. Datrmu 9. November 10. November Geld Brief Geld Brie» Antw.-Brussel . 156,35 458,65 446,85 44",15 Holland 3129,70 3145,30 3002,45 3017,55 London 35810,25 35030.75 34538,40 3471L60 Paris 488,75 491,25 502,70 505,30 Schweiz 1376,55 1383,45 140S45 1415,55 Spanien 1105,20 1110,80 1182,05 1167,95 Italien 320,15 321,85 335,15 336,85 Ltssabon-Oportv — — Dänemark.... 1471,30 1478,70 1546,10 1553,90 Norwegen .... 1356,60 1362,40 1411,45 1418,55 Schweden .... 1970,05 1979,95 2029,90 2040,10 Helsingfors. . . . 173,55 180,45 — — — Neuyork 7481,25 7518,75 7630,85 7679,15 Seutsch-Oesterr. 10,97 11,03 9,73 9.77 udapest 329,- 331,- 304,- 306— Vraa 247,35 248,65 239,40 240,60 Sofia Börsenkurse. Frankfurt a. M. Berlin Lchluh- Silufj» Schluh- Schluß« Nurs Kurs Kur» Kurs Datum: 8.11. 10.11. 8.11. 10.11. 5"/o Dtsch. Neichsanleibe 77,50 77,50 77,50 77.50 47o Dergleichen 400,— 290,— 360,— 320,— 3’//;, Dergleichen 302,— 200,— 335,— 205,— 37.. A'cr.ilcidicn 1400,— 1050,- 1350,- 950,— Dllch.Sviir-Praiii.-Anl. 93, - 95,— 86,50 91,— 47) Preussische KonsolS 350,— 195,— — 47., Hessen 151— 201— — WA» Hessen 138,- 37o Hessen 185.— 175.— ——,— 47o Zolliürken 7850,- 6350,- 7850.- 5900,- 57o Goldiuerikaner 100000-89030,-100000,- 90500,- Berliner Handelsges . 6S0(\— 5600,—, 6500,— 5550,— (Sümmern- u. Privalbk. 2000,— 1500,— 2000,— Darw'f. u.Natwnalbank 16D0,— 1350,— — Tentfdie Pank 3 >75,- 3200,- 3600,- 3100,- Deuische Bercliisbank. 800,— 605,— ——,— Diseoino Coininandit . 2500 — 2100.— ——,— H'ieiüUbQnt........77UO,— 6010,— ——,— Miileldcui. (frebhbiuif. 1500,— 1700,— —,— 2000,— Ceiterr. Crediianstalt . 1650,— 1280,— —1060, - Bochumer Gus; .... - -12500,-15000,-12500,- Buderus 6230,— 5250,— 5500, - 4100,— (Sero 6400,- 5100,— 6.-00,— 5600,- Deu lch-Lureiubura. . 16000,—12000,—14000,—11240,— GelseukircheuerBergw20003,—15750,—20000,—14u00, — Harpener Bergbau. . 36'>00,—30000,—37000,—39500,— StaUwerk Slschersleben 8400,— 6100,— 6700,— 580?,— Slaliwerk Westeregeln 9700,— 9000,— —,— —,— Lnnraliükle....... 13003,— 6500.-13000,- 9.00,— Lberbedari 6100,— 5000,— 5500.— 4900,— P! öuir Bergbau. . . . 16.>00.-13000.-14000,-10025,- Rheni ahl 14000,-13091)-12600,-10 MM) - Nicbeck .Pontan . . . l.'HMH, -1W09,-15500, -14500,— Tellus Lergbau.... 3945,— 2700,— ——,— arnburg Ainer. Pate, 3600,— 2’00,— 3000,— 2890,— Norddeutscher Lloyd. 2350,— 1700,— ——,— Zementwerk-Heidelberg 5000,— 4050,— — Philipp Holzm.nn . . 30)0,— 23oO,— 2960,— —,— Anglo-Cont -Guano. . .11000,— 9500,-10000,— 8500,— Badische Anilin 8500,— 7500,— >500,— 7525,— G ldschmidt 5900,— 5960,— 5500.— 4600,— Griesheimer Electron. 6050,— 490ü,— 5K00,— 4500.— Hö.-liiter Farbwerke . 6500,- 54MX— 6100,- 4900,- VülAUcrfoblung.....1500,— 3700,— - d'ü.'gerswerke 4300,— 3500,— 4200,— 3700,— chridealptalt 7000,— 5960.— —,— —,— A!lg. Elekiri-ttäts-Gef. 4750,- 46'0,- 4700,- 50’H- Bergmaun 3275,— 2800,— 30 0,- 2400,— Schuckerr <000,— 6950,— 64c0,— 5375,— Siemens & Halske. . .11560,—11090,—12000,—10009,— Adlerwerke.Meyer. . 1850 — 150'),— 2030,— 1750,— Daimler Motoren. . . . 2200,— 1500,— 1900,— 1510,— pryllgenitaedt 2 »00,- 2400,— — Megiuu 5000,- 3750,- 3503,- Metullgef. Frankfurt. 7709,- 8000,- Sclnibfabvif Herz. . . 2500,— 155L— —,— — Ltchel...........3050,- 2520,— — SeUiioff Waldhof .... 3925,- 3300,- 4000,- 3300,- Zuckerfabr.fvraukenihal 5090,— 4520,— — ZnckerfabrikWag äuiel 590A— 4500,— ——,— Mainzer Produktea-Bürse. ' Mainz, 10. Nov. Der Stand der- Devisen bedingte auf 6er heutigen Börse bei sester Tendenz eine größere Schwans-:ig in den Preisen. Es wurden als Großhand lselnstandspreise per 100 Kilo loco Mainz festgestellt für: Weizen 28 000—29 000, Roggen 2b 000—27 000, Hafer 28 000—29 000, Braugerste 24 000—26 000, Weizenmehl Spezial 0 43 000—50 000, Roggeumehl 33 000—38 000, Weizenkleie 13 000—14 000, Rog- genkleie 13 000—14 000, Kartoffeln 1260- 1300, weiße Bohnen 50 000—55 000, ungesch. Erbsen 54 000, Linsen 50 000—60 000, Burma Reis II. 54 000, Haferflocken 55 000, Graupen 44 000. (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Pomcare Über die Reparation-Politik. Paris, 10. Nov. (WTB.) Poincarö er- klätte, er wolle sich nur über die allgemeine Repavationspolttil aussprechen. Die französische Regierung habe eine Kontrolle verlangt. Der Reichskanzler habe Maßnahmen versprochen, der Inflation Einhalt zu gebieten, sei aber aus den Widerstand der Onbuftrie gestoßen. Er, Poin- oare, habe im Juni erklärt, man müsse eine oder mehrere Anleihen aus dem internationalen Markte auflegen. Auf die Brüsseler Konferenz übergehend sagte er: Werden die Alliierten, wenn es nötig ist, m i t Frankreich zum Zwange schreiten? Die Brüsseler Konferenz werde feststellen, daß die Hvlz- und Kohlenlieferungen Deutschlands unregelmäßig seien. Sie werde ferner die Frage der Beteiligung an der deutschen Industrie prüfen, ebenso die Frage deutscher Anleihen auf dem ausländischen Markt. Der größte Attteil dieser Anleihen müßte zu Reparationszwecken verwendet werden. Poincars ging alsdann auf die Balfour»ote und die Augustkonferenz in London ein. Er spricht von seinem Febrriar- Programm und stellt fest, daß es von England abgelehnt worden sei. Er spricht alsdann von den mehrfach geführten Verhandlungen der Reparation skommission. Die deutsche Regierung selbst habe die Kapitalslucht zugcstanden und Abhilfe versprochen. Seit vielen Monaten w i d e r s e h e sich die deutsche Industrie ei nm- Dudn stund Wä)rung tontrotle; den i sie hätte den Nutz n aus dem fortgesetzten Sinken der Jtiau gezogen. Heute aber sei sie das Opfer ihrer eigenen Manöver geworden. Die Markkatastrophe zeige, wie recht Frankreich hatte. Bradbury über das Ergebnis der Derlmet Verhandlungen. London, 10. Nov. (WTB.) In einer Unter» redung mit dem Berliner Vertreter des (Reuler» schen Bureaus fagte bas englische Mitglied der Reparationskommission, Sir John Bradbury: Wir alle sind der Meinung, daß, wenn eine Katastrophe vermieden werden soll, sofort Schritte unternommen werden müssen, um die Mark z u stabilisieren und den Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Cs ist zweifellos, daß die unmittelbaren finanziellen Bedürfnisse Frankreichs drängender sind als die unfrtgen, obwohl auch Großbritanniens Lage durchaus nicht übermäßig angenehm ist. Aber jede der beiden Nationen wird größere Konzessionen zu mache.' genötigt sein. Bevor jedoch die deutsche Regierung einen bestimmten Aktlonsplan ausstellt und uns offen sagt, welche Konzessionen sie als nötig betrachtet, um den Plan zur Ausführung zu brinaen. kann nichts Nützliches geschehen. Born Gesichtspunkte des Fvri- schrittes in Richtung auf die Verwirklichung eines solchen Planes war unser Besuch in Berlin eine Enttäuschung. Ich habe so geringes Vertrauen in die finanzielle Zukunft jeder Kontrolle oder Zwangspolttik, welche nach meiner Meinu ig unvermeidlich dazu führt, daß der Frank den Weg der Mark geht, daß ich, wäre ich Franzose, noch ^drücklicher. als ich es jetzt schon tue, dafür eintreten würde, alle Konzessionen zu bewcllige.i, d.. 11.9 zur Her cifü,rung einer gemeinsamen Attion herauZstellten. Aber weder Die Reparationskommission noch der Dankieraus- schuß noch eine internationale Konferenz kann als geistige Fee eingreifen. Wenn die deutsche Regierung keinen Mut hat und keine Mittel und Wege findet, um sich selbst zu helfen, so können wir i h r a u ch nicht helfen. Wenn sie weiter ihre Arme kreuzt und auf die Katastrophe wartet, s o kann und wird s i e wahrscheinlich zerstörende Kräfte auslösen, gegen welche der Rhein nur eine schwach: Barriere bildet und gegen die sich auch der Kanal als unwirksam erweisen wird. Der erste Stoß werde aber auf jeden Fall zu :jaufe aasgehalten werden müssen. Aus dem tzrssischen Finanzausschuß. cm. Darmstadt, 9. Nov. Der Finanz» a u s s ch u h des Landtags nahm heute folgende Regierungsvorlagen an: Die Instandsetzung der Fassaden der Gendarmeriekasernen in Mainz, die Instandsetzung der Huttveiden im Bogelsberg, die Einführung des elektr. Kraftbetriebes tm Landeszuchthaus Marienschloh, die Anschaffung zweier Kirchenglocken für die kath. Kirche in Vilbel. Die Vorlage, betr. den Zuschuß zu den Privatschulen, wird gegen vier Stimmen der Stufen angenommen. Für den Aufbau eines Stockwerkes tm Wirtschaftsgebäude der Zellen- strafanstalt Butzbach werden 4 500 000 Mark genehmigt. Bei Beratung der Vorlage betr. die Unterstützung notleidender Kleinrentner erklärt die Regierung, daß baldigst mit einer Interessenvertretung über die Grundsätze bei der Verteilung verhandelt werden solle, damit noch vor Beginn des Winters dringender Not abge- hvlfen werden solle. Bei Beratung des Antrages Dr. Osann betr. die Erhöhung der Pensionen für hessische Offiziere, Offizierswitwen und Waisen ist die Regierung mit entsprechender Erhöhung einversta.idea. Der Zusammentritt des Landtags zur Erledigung des spruchreifen Materials durfte frühestens in der ersten Hälfte des Dezember zu erwarten V in. Das Geld hat keinen L-ert mehr, Innen Biele. Weit gefehlt, man [, muh es nur riditig anwenden. Wer feine bi Kleider, Blnien, Strstmvte, Gardinen nur mit | den weltberühmten,^>citmann's ft-nvben", H Marke „I-uchskovf tm Stern" selbst färbt, I wird an dem prachtvollen Erfolg erkennen, 1 welchen hohen Wert selbst der verausgabte! kleine Betrag hatte. Bei Erhältlich in Apotheken Rasch u.vor- züglichwirk 2712c Die Herrseghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von 2t eß b et TI 35. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Auf der Hohe kam ihnen ein einsamer Wanderer entgegen, der feinen Hut in der Hand trug und laut mit sich zu reden schien. Als der Wagen an ihm vorüberkam, blieb er stehen und sah ihm verdutzt nach. Cs war Doktor Rickert. Die beiden Glücklichen hatten ihn gar nicht bemerkt. Dann ging er langsam und kopfschüttelnd weiter. An der Wegbiegung drehte er sich noch einmal um. Aus der Höhe angekommen, liehen sie den Wagen hatten und stiegen aus. Die Waldwicse lag Übergossen von Mondlicht vor ihnen, zu ihren Füßen die schlafende Stadt. Nur ein paar Lichter blinkten verloren hier und dort herauf. Grete wies aus eine Ansammlung bunter Lichtchen, die man zwischen vielen Bogenlampen schimmern sah. „Dort ist die Mainzer Straße," sagte sie, „dort habe ich dich zum erstenmal geseyen. . Hätte ich doch nur ein paar Jahre gewartet, dann hätten wir uns gefunden, auch ohne Gefahr." Die bronzenen Hirsche schienen zu schlafen, vom Mondlicht beglänzt lagen sie auf der Sandsteintreppe des fürstlichen Jagdhauses, in dessen Fenstern das bleiche Licht silbern funkelte. Selbst die Vögel im Wald schwiegen, die Wett schlummerte zu ihren Füßen. Alles war still. Nur in den Eichen war ein sanftes Rieseln und Rauschen, als ob es regne. Es fiel aber kein Tropfen, und der Nachthimmel blieb blau und klar. „Was Ernst wohl jetzt ansangen mag?" meinte Grete plötzlich. „Der spiell die MonLscheinsonäte," fagte Lutz. In diesem Sommer schienen die Rosen noch- eiranat so stark zu duften und die Gärten am Rhein in doppelter Blüte zu stehen. Die Abende sanken so mild auf die lichtei-flimmernde müde Stadt, um sie einzuhüllen mit weichen Schleiern, und hinter zugezogenen Borhängen brannten die Ampeln als Wächter verstohlenen Glückes. Auf allen Parkwsgen begegnete man Paaren, die Menschen trugen ein glückliches Lächeln auf dem Gefickt oder ein Bukett in der Hand, ieder schien zu einem Stelldichein zu eilen. Alle buntlcn Pavillons des Kurgarteiiv. die versteckten Lauben am Rhein, die Schifssdecke und die einsamen Wege der Wälder droben waren von solchen stummen, aneinandergefchinieg- ten Paaren belebt, die alles um sich vergessen zu haben schienen und außer ihrer Liebe an nichts dachten, nichts sahen und empfanden. Grete hatte sich ein Märchenland aufgetan. Sie ging darin umher wie verzauber-t und berauscht. Sie schmückte sich nur „für ihn". Alle anderen Männer waren ihr gleichgültig aeworden. sie sah nur Lutz. Schon in der Frühe ritt er an ihrem Haus vorbei, er hatte oft mit dem alten Gottenberg zu reden, und während er den zierlichen Fuchs an dessen Fenster drängte, schweisten seine schönen, müden Augen suchend die Fensteneihen des zweiten Stockes ab . . . Wie er zu Pferd saß! Wie eine antike Statue, verwachsen mit dem ri>len Tier, er brauchte niemals die Reitpeitsche, er lenkte es durch einen sanften Druck der Schenkel, in dem Frühjahrsrennen hatte er zweimal einen Preis davonge- tragen. Und unvergleichlich war er, wenn er sein Pferd bestieg: die Zigarette im Mundwinkel, schwang er sich auf, ohne fast den Bügel zu b£ rühren. Auch über Lutz war etwas von jener ansteckenden Liebestrurckenheit gekommen, die hier in der Luft zu liegen schien, er hatte lange genug mannhaft gegen die Versuchung gekämpft, aber schließlich hatte er auch den Kppf verloren. . . In der Siebe war er Meister. Diese heimlichen Wagenfahrten in die einsamen Wälder hinter geschlossenen Gardinen, das Sichsuchen und Finden in dem dunklen Kurgarien, während die rauschende Fontäire die Augen, aller Welt aus sich zog und sie das bunfel glitzernde Sternenmannchrn beobachteten, das ungeschickt über das gespannte Seil des Weihers zu oxur« dem begann, um dann ins Wasser zu purzeln, dieses Warten auf Die ersehnte Post mit der erlösenden Nachricht, tarn sie oder tarn sie nicht, die Dielen kleinen Lügen, die man erfinden muhte, um sich von einem Kommißesfen oder aus dem Kafrno wegzustehlen, zum Tollwerden schön war es . . . Er hatte sie wirklich lieb, sie war so amüsant, so verliebt, so entzückend, zum Genuß wie geschossen. Aber sie war auch gut, sie gestand ihm, daß sie für ihn stehlen, morden, ja sterben könnte. Das hatten ihm zwar schon andere gesagt, aber ihr glaubte er es. Grete hatte alles ab- gestreift, jebe Rücksicht und jede Vernunft. Sie kannte keine Hindernisse, um zu ihm zu kommen, keine Gefahr. „Ich liebe dich, arie ich keinen Menschen liebe,“ sagte sie. „Ich liebe alles an dir, jede Bewegung, deine schmalen Hände, deine weißen Zähne und dein grausames Lächeln, wenn ich dich küsse . . Za, du bist grausam, Lutz," sagte Grete „du bereitest mir Schmerzen, aber ich liebe diese Schmerzen, ich liebe die Entsagung, ich liebe meine Träume von dir, ich freue mich auf den Morgen, weil mir der Tag ein Wiedersehen bringt oder einen Brief von dir. Und selbst solche Briefe, in denen du mir weh tust, hab ich lieb.“ Sie war nie ruhig. Diese Liebe, das fühlte sie, konnte nicht lange dauern, dafiir war sie zu überwältigend, zu wunderbar. Cs war ein Sommeucausch, nicht mehr. Sie konnte seinen ohne irgendeinen Grund. Wenn sie daran dachte, daß es einmal ein Ende nehmen könnte, zttterle sie. Dann wieder war sie "keck, herrisch, begehrenswert, reizend, verführerischer wie je, und steigerte nur seine U ^eduld, sie allein zu sehen. Ihr Zusammensein war immer gefährdet durch andere Einmal fcegegneleit sie an der Fasanerie an einem st illen Sonntagabend plötzlich Fräulein Schmidt, sie hatten kaum noch rechtzeitig in das Waldes- dunkel fliehen können, ein andermal fuhr Graf Nehband in seinem Wagen dicht an ihnen vorbei, zum Glück sah er sie nicht, und einmal waren sie im orientalischen Cafs unter den Eichen, vor einem Gewitter flüchtend, mitten in das Whistkränzchen geraten. Und immer war es Lutz, der die Geistesgegenwart besaß, sie beide durch ein geschicktes Wort zu retten. Nicht sie. Aber sie mußte ihn sehen. Sie geizte mit jeder Sekunde, zögerte den Abschied hinaus, genoß ihn wie em Gift, das man zum Leben notig hat, wenn man auch weiß, daß es Bewerben, ja den Tod bringen muß. „Wenn ich dich nicht keimen gelernt hätte so wie jetzt, Lutz," sagte sie nach einer heißen Stunde, beim Abschied an der Türe, „barm hätte ich umsonst gelebt. . .“ (Fortsetzung folgt) MM M97 PERSONEN-UND LASTKRAFTWAGEN MOTORPFLÜGE -»-UNERREICHT IN KONSTRUKTION, AUSFÜHRUNG» LEISTUNG STOEWER'WERKE AKTIENGESELLSCHAFT VORMALS GEBRÜDER STOEWER * STETTIN Letzte Erfolges Fanö-Rennen (Dänemark); Stoewer 2 -Ltr.-Wager schlägt die gesamte in- und ausländische Konkurrenz bis einechl. 6-Ltr,-Wagen und erhält Ersten Preis. — Stoewer 42 120 P- S. erzielt als schnellster Tourenwagen 183 Std.-km und erhält Zweiten Preis» Internationale Motor-Zuverlässigkeitsfahrt Bombay Erster Freis. Harzer Bergrennen Erster und Dritter Preis. Badener ADAC Gaufernfahrt 188 km Erster Preis. Vertreter für den dortigen Bezirk gesucht. 3773© I Ausstellung I I MNWUMWWWW I g Montag, den 13. bis Samstag, den 18. November 1922 = im Erdgeschoß unseres Geschäftshauses j W Wirzeigen: Luxuswäsche, handgearbeiteteStores,Künstlerdecken D | künstl. Kissen und andere Erzeugnisse des textilen Kunstgewerbes A Besichtigung ohne jeden Kaufzwang 9965a W Metallbetten Stahlmalr., Kinder- betten, dir. nn Prio., Start. 31N fret Elsen- möheilabr. Sahl i.Th. B Noch täglich Aufnahmen für die neuen Kurse in allen Handels- fächern. Auskunft und Anmeldung bei der Hansa- 8,24c „„„ Schule nBaasnosaanM J. Künzel mann Seifersweg 73, Telephon 821, oder Sonntag, den 12. November 1922 Eröffnung Cafe-Restaurant Liebigshöhe i Inhaber: HEINR. STECKEN, Telephon 1579 eiuti Stott Karten Telephon 2155. 9956D Dietzen (Kirchenplatz 6) Beuern November 1922. oieeie jF J) Am Montan trifft grotze Sendung Astoria-Lichtspiele 7 Akte. 7 Akte. Ab Montag: rseic Lady Hamirton {M Itans letzte Liebe). 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Anmeldungen find an den Vorstand der Schule zu richten, durch denselben wird auch nähere Auskunft über Lehrplan usw. erteilt. in DorM der lanöpltHfiomea sdiiil e GrMerg. Trautmann, Landwirtschaftsrat. e 9939D Roggen und Sommergerste kauft zum Tagespreis Getreide- und Kaffee-Großrösterei Karl Schlüter, GieBen MMLUMtzM dabei aber doch eine vorzügliche Wurst haben durch Verwendung der mehrfach preisgekrönten Ml-WWW „Moto“ Vogtschen Handelsschule Goethestraße 32, Telephon 2064. Prospekt frei. Mur noch heule und morgen: * Der Graf von Monte Christo 6. und letzter Teil: „fcehuld und Sühne“, ■ Ferner- ® Ein Lustspiel mit der ,,Wund3rdogge Brownie“. VorrUhrungeo: 4. 5.30, 7.00, 8.30 Uhr. MKMMhriÄSsÄ Naturwleeenechartllohe Abteilung. Mittwoch, floc 15. Movember 1521, abend« 8l/4 ühr pünktlich, im Höneel des Zoologischen Instituts, Bahniiolstrafio Hauptversammlung1. 1. Vortraff. Professor Dr. Becher: „Beaktion von Tieren eul üitrav