Mittwoch, N. Gttober 1922 172. Jahrgang GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Drutf hhö Verlag, vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und vruckerei: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeige, für die logcsnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Derdindlichkett. Preis für 1 mm höh« für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 400 Pf., auswärts 500 *Pf-; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breitel600Pf. Bei Platz, vorfchrift 20 , Aufschlag. Hauptfchrrstleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz! für den übrigen Teil Ern st B lumsch e in; für d e n Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen Hr. 259 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit berSamstaqsbeilaqe: vietzenerFamilienblätter Monatliche vezuarpreife: ÖUl 102.- und MK. 8.- Trägerlohn,durch diePost Mk. 125. - .auch beiRlcht- erscheinen einzelner Num. mem infolge höherer Gewalt. - Aernsprech. 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Bradbury felbst merke heute, daß er sich getäuscht habe, als er glaubte, durch ein verschleiertes Moratorium könne man die katastrophale Entwertung der Marl aushalten. Aber diesen Glaubmr an die Wirkung des Moratoriums habe er nicht auf gegeben. Das Gerücht laufe um, daß Bradbury das spate (belgische?) Vorrecht durch einen neuen Zahlungsaufschub für die Geldzahlungen bis Ende 1923 eintauschen wolle. Der „Temps" weist darauf hin daß das außerordentliche Anwachsen der deutschen schwebenden Schuld innerhalb der Aeparations- k o m m i f s i o n zum Gegenstand einer Aussprache gemacht worden sei. Vach der Entscheidung der Reparationskommission vom 31. 5. sei Deutschland für die Zeit des Jahres 1922 cm Teilmoratorium unter gewissen Bedingungen bewilligt worden Eine dieser Bedingungen sei, bat) die schwebende Schuld Deutschlands nicht den Betrag von 281 Milliarden Papiermark. d. h. den Stand vom 31. März 1922, überschreiten dürfe. 3m Falle diese Summe überschritten würde, müsse der Mehrbetrag durch Steuern oder innere Anleihen gedeckt seien. Es stelle sich deshalb die Frage, ob Deutschland seine Bedingungen erfüllt habe, wovon die Aufrechterhaltung des Moratoriums abhänge. Auch die „Liberte" bespricht die gleiche Frage und weist auf den neuerlichen fata- strophalen Marksturz hin. Die Vepara- tionskommission habe keine Zeit zu verlieren, um lieb mit dieser Frage zu beschäftigen Die Folgro seien zu prüfen, deren erste die sein würde, daß die Sachlieserungen bald dem gleichen Hindernis begegneten wie die Goldzahlungen. Die Entwertung der Mark werde alle ähnlichen Abkommen wie das des Senators de Lubersac unwirksam machen. Barlhvu komme in einem Augenblick in die Veparationskommilsion. in dem viele Chimären beseitigt werden mühten und in dem man den Realitäten ins Auge sehen müsse; die Realität sei, dah die Reparationsfrage eine politische Frage sei, bevor sie eine wirtschaftliche werde. Wenn man sie lösen wolle, müsse man Pfänder fordern oder die Kontrolle Deutschlands, was vor allen Dingen eine Regierungsangelegenheit sei. Amerika nnb die internationale schul denregelung. Paris, 10. Oft. (WTB.) Vach einer Ha- vasmeldung aus V e u tz o r k erklärte der Washingtoner Korrespondent der .,V e w V o r f Worl d", die amer'nanischc Regierung sei überzeugt. dah der Zeitpunkt zu einem ernsten Versuch gekommen sei die Weltfinanzen wieder auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Die Regierung sei im Begriffe, gewisse b c - stimmte Schritte im Hinblick a u s die Regelung der Kriegsschulden zu tun, bevor sie mit den europäischen Rationen zusammen an der Wir tschai tskonserenz teilnehme. Die Regierung fasse auch ins Auge, der Einladung zur Teilnahme an der Londoner allgemeinen Finanz- und Indust rie- konferenz nachzukommen, die ihr wahrschetn-- lich zugehen werde Der amerikanische Vertreter werde sich an den Beratungen und Abstimmungen beteiligen, allerdings immer unter dem Vorbehalt, dah alles, was er tue, der Genehmigung des amerikanischen Kongresses bedürle Zur Zeit beabsichtige ntan erstens, sich zu vergewissern, zu welchem Zeitpunkte der englische Schahkanzler Sir Robert Home ein treffen werde und was Grobbritannien im Hinblick auf die Schuldenregelung zu tun bereit sei und zweitens, falls die Englischen Vorschläge mit denen der amerikanischen Fundamentierungskommission auserlegten Beschränkungen unvereinbar seien, den Kongreh um Abänderung c4der dieser Beschränkungen zu ersuchen, damit die Kommission einen gewissen Spielraum für die Verhandlungen habe. Eine deutsche Wiederaufbaustruppe. Wie die „Voss. Zig." meldet, fand gestern in der Hamburger Börse eine Besprechung Hamburger und norddeutscher Industrieller statt wegen Errichtung einer neuen deutsch- französischen Wiederaufbaugruppe für Hamburg und Vorddeutschland. Mit französischen Mandataren ist bereits in Paris verhandelt worden, und zwar soll die Gründung einer Interessengemeinschaft beabsichtigt sein. Es soll gleichzeitig die Aufnahme von 600 Millionen Franken in Betracht kommen. Die Gründung der Interessengemeinschaft soll eine weitere demnächst stattsindende Versammlung vorbereiten. Eine Neve Lloyd Georges für die Entente. London. 10. Oft. (WTB.) Heute nachmittag legte eine belgische Deputation an dem Erinnerungsdenkmal für die gefallenen Krieger in Whitehall einen Kranz nieder. Lloyd George, der mit mehreren anderen Ministern au gegen war, hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er u. a. sagte, England sei für die Sache des Rechts und der Freiheit in den Krieg eingetreten, und so grob auch die Opfer und Leiden gewesen seien, so habe man sie doch nicht einen Augenblick bereut England sei glücklich, dah es mit Belgien und Frankreich sowie den anderen Alliierten Seite an Selle gestanden habe. Es wäre tragisch, wenn man sich, nachdem man im Kriege zusammenmarschiert sei, in dem Augenblick trennen würde, wo es sich darum handle, Seite an Seite am Wiederaufbau der Welt zu arbeiten. Das Abkommen von Mudania unterzeichnet. Konstantinopel, 11. Oft (WTB.) Ha- vaS. Das Abkommen von Mudania ist unterzeichnet wordeir. London. 10. Oft. (WTB.) Reuter meldet aus Athen, die griechische Regierung habe ihren Vertreter auf der Konferenz von Mudania, General M a z a r a k i s , angewiesen, das Protokoll nur zu unterzeichnen, wenn die Türken es zetchnen. Paris, 10. Oft. (WTB.) Vach einer Ha- vasmeldung aus London verlautet aus Mudania vom 9. Oktober: General Harrington hat Ismet Pasch?, die mit den Generalen Charpy und Mvmbclll geschlossene Konvention mitgeteitt. Diese sehen die Wiederabtrennung Thraziens unter gewissen Bedingungen vor. namentlich unter der Voraussetzung, dah drirch eine gemischte Kommission eine neutrale Zone festgesetzt wird, damit die Sicherheit der Truppen gewahrt und die Freiheit der Meerengen gewährleistet ist. In einer Rede, die General Harrington gehalten hat, stellte er fest, dah die Türken im Begriffe seien, ihre nationalen Ziele ohne neues Blutver- giehen zu verwirllichen. Ismet Pascha hat in seiner Antwort erklärt, er habe die Konvention in dem gleichen versöhnlichen und loyalen Geiste geprüft, den die Alliierten an den Tag legten. Er müsse jedoch wegen gewisser neuhinzu- gekommener sowie wegen gewisser fortgefallener Punkte die Bedingungen der Regierung von Angora unterbreiten. Ismei Pwchr habe versprochen, ihm seine Antwort am 10. Oktober um 5 Uhr nachmittags mitzuteilen. Die aesährlrche Lage Englands. Berlin. 10. Oft. (Wolff.) Der Berichterstatter des ..Reu York Herold" in Konstantinopel schreibt: Wenn nach all den Wochen fortgesetzter diplomatischer Kavitulativnen der Alliierten die Türken die Engländer noch zum Kriege zwingen sollten, so würde das beweisen, dah die Ratschläge der Russen und der V a t i o n a l i st e n in Angora die Oberhand erholten hätten. Wie der Berichterstatter erfährt, wurde in den leist en Tagen von Moskau aus und durch die Rationalisten oller unter britischer Herrschaft stehenden Länder des Ostens a u f Kemal ein ungeheurer Druck ausgeübt, um ihn zum Kriege zu treiben. Aegyptische und indische Revollnionäre in Moskau und Angora hätten Kemal 'Versicherungen gegeben, dah in Aegypten und Indien Ausstände ausbrechen würden, wenn die Türken zum Kriege schritten. Der afghanische Vertreter in Angora gab das Versprechen, dah die afghanische Armee die indische Grenze überschreiten würde. Auch die Araber in Mesopotamien und Syrien hätten alle Anstrengungen gemacht, um eine friedliche Regelung zu verhindern. Die orientalischen Extremisten, die den Sieg Kemals in einen allgemeinen Aufstand des Ostens gegen die Herrschaft des Westens umzuwandeln hofften, stellten den Frieden als einen Verrat der Türken an ihrer Sache dar. Indessen seien die gemäßigteren Elemente unter ihnen zufrieden, dah der Rückgang des europäischen Prestiges schon soweit fortgeschritten sei, dah sie binnen kurzem ihre Ziele verwirklichen könnten. In Konstantinopel, wo der Rückgang des Ansehens der Westmächte sich den Blicken der Orientalen in brutaler Form enthüllte, dämmere jetzt eine neue Zeit für den Osten. London 10. Oft. (WTB.) Hmte üormittag fand eine Kabinettssihung statt, auf der ausschliehlich die politische ßage im Inl'onde erörtert wurde. Wählend der Kabinettssitzung wurde in der Downrngstreet eine Zusammenkunft zwischen Sir George Pounger. dem Hauptein- peitscher der Hnioniften. Leslie Wilson und Sir Malcolm Fraser, dem Haupteinpeitscher der Liberalen. Mac Curdy und anderen Persönlichkeiten abgehalten. Um 3 Uhr nachmittags trat in der Wohnung Chamberlains in der Downingstreet der Kob'nettsausschuh zusammen, darunter Curzon, Balfour, Crowsord und Lee. „Star" zufolge erklärte einer der nächsten Freunde Donar Laws, Donar Cato werde keinen Finger rühren, um Chamberlain als Führer der Unionisten zu verdrängen. Er sei eines derartigen Manövers unfähig. Der Premierminister werde Donar Lato nur im Falle eines ernsten Prinzipicnstrelles entgegentreten. Ein derartiger sei augenblicklich nicht vorhanden. Der „Star" sagt noch. Sir George Vounger tue sein Bestes, um die vereinte Front gegen die Arbeiterpartei aufrechtzuerhalten, bis die Dahlen vorbei seien, toorauf dann das Parlament für die Kombination von Gruppen entscheiden könne. Lloyd George über Rußland. London. 10. Oft. (Wolff.) Lloyd Ge- orge erklärte in seiner bereits ertoäfxnten Unterredung mit Gewerkschaftsführern über die Beteiligung an der Kontrolle über die Meerengen auf eine Anfrage Tillets: Wir waren stets dafür, dah die Rumänen mit yeran- gezogen werden, weil sie interessiert sind. Was ie Russen betrifft, so ist dies Sache einer Konferenz, die später zwischen den Parteien statt - finden soll. Die Angelegenheit wird wahrscheinlich dem Völkerbund übergeben werden. Wahrscheinlich wird der Völkerbund erwägen müssen, wie sich die Ueberwachung zusammen setzen soll. Tillet fragte Weller: Würden Sie bereit sein, die Russen zu begünstigen? Darauf erwiderte zunächst Chamberlain: Ich glaube, es ist schwierig für eine Regierung, die Verhandlungen mll einer groben Anzahl von Mächten führen muh, eine derartige Frage zu beantworten: Ich glaube, man kann von uns nicht verlangen, dah wir uns f e st l e g e n oder gegenwärtig zu sehr ins Einzelne gehen. Die Versicherung, die wir in vollkommener Aufrichtigkeit geben, ist, dah wir eine wirksame internationale Kontrolle haben wollen, die nicht günstiger für uns ist als für andere Mächte. Lloyd George fügte hinzu: Ich brauche kaum darauf 'hinzuweifen, dah, verglichen mit all den anderen Mächten in der Welt, unsere Haltung gegenüber Ruh land ar ne wohlwollende ist. Das englisch-russische Abkommen. London, 10. Oft. (WTB.) Urquhart, der von Pressevertretern über die W e i g e r u n g d e ' ©oroictregicrung, das zwischen ihm und Krassin geschlossene Abkommen zu unterzeichnen, befragt wurde, erklärte, es handle sich nicht um einen endgültigen Bruch. Denn das Ablommen nicht ratifiziert worden sei, lo liege biji lediglich an Erwägungen auhenpoli- tisch^r Art. Anscheinend fei die Weigerung der Soa-jeti.-egierung darauf zurückzusühren. das! sie die Al--sicht habe, die englische Regierung zu ihrer offiziellen Anerkennung zu veranlassen oder auch um durchzu sehen, dah russische Vertreter zu dec bevorstehenden Konferenz über die Meerengen zugelassen würden. Wenn diese Punkte, die nichts mit dem Abkommen zu tun hätten, geregelt seien, so würde kein Hindernis ntehr für Die Ratifizierung des Abkommens bestehen. Italienisch-griechische Einigung in Dodekanes. Athen, 11. Okt. (WTB.) Das italienische Kommunique über die Ankündigung einer italienisch-griechischen Eini- gungirnDodekaneS wird von der Presse sehr ungünstig besprochen. Die Blätter aller Richtungen betonen, dah Italien irn Dodekanes eine Macht darstelle, die der Bevölkerung das Recht der Selbstbestimmung nehmen wolle. Die Wahlen in Griechenland. Athen, 11. Okt. Angst, ermordet zu werden, nach Deknirntwerden der Tat nicht anzeigen wollen, dah er den mut mählichen Mördern Unterhinft gewährt hab- ' Es folgen die Vernehmungen über di Mitwisserschaft am Mordplan und an dem Dm bleib der Koffer der Täter. Angeklagter 31 f c- mann gibt zu, dah er einen Koffer beiseite bringen wollte, da er die Täterschaft Kerns geahnt habe, nachdem er die Zeiwngsineldungen über die Mordtat gelesen. Im Fall Tillessen wird der Zeuge Drüdigam aus Frankfurt a. M vernommen. Er sagt aus, dah er keiner politischen Partei angehöre. Vorher sei er Mitglied der S. P. D. gewesen. Aus die Frage des Vorsitzenden: „Was wollten Sie denn bei Tillessen?" antwortete der Zeuge: Ich wollte ihn kennen lernen. Gr fragte mich, ob ich zuverlässig sei, als ich dies bejahte, sagte er, bann wolle er offen sein. Es handele sich um die Organisation C. Er erklärte, man könne die Verhältnisse nur bessern, wenn die Arbeiterschaft provoziert würde. Dann ging er zum Schreibtisch, holte das Bild seines Bruders und sagte: Das i t mein Brüderchen. Er hat das erste Schwein gekillt. Darauf machte er mir das Angebot, als Spitzel tätig zu sein Dieses Angebot nahm iJ> an Warum, wird sich später zeigen. Um 11 Uhr war die Unterredung beertbet. Um 2 Uhr fuhr ich nach München. Ich erhielt 2000 Mk., wovon ich einen Teil meiner Frau gab. In München suchte ich den Kapitänleutnant Hoffmann auf. der sagte: Wenn Tillessen Sie schickt, wissen Sie ja, warum es sich handelt. Ihre Sätigteü würde Larin bestehen, die Arbeiterschaft zu provozieren. Vor auf diesem Wege ist ein Umsturz herbei zuführen. Die Arbeiterschaft würbe gereut werden, wenn Scheidemann, Rathenau, Verlach (anbcrc (Kamen sind mir nicht im Gedächtnis) ermorde? würben. Ich sollte vor allem Tillessen persönlich zur Verfügung stehen. Vorsitzender: Gaben Sie sich den Anschein, mit der Ermordung Rathenaus einverstanden zu fein? — Ich hörte nur zu, erklärte darauf der Zeuge. Solche Dinge hatte ich nicht erwartet. Ich bekam dann zwei- oder dreitausend Mark und fuhr nach Frankfurt a. M. zurück. Dort ging ich zur Redaktion der D " lksst > mme" und rra gte, to a zu tun fei Wir begaben uns daraus zum Polizeipräsidenten Erler, der erflärte, nichts tun zu können. Ich sollte versuchen, mehr zu erfahren. Damit begann meine Spihelrolle. Ich übernahm sie weil mir der Polizeipräsident und die Redakteure moralische Deckung versprachen Ich ging darauf zu Tillessen, der mich mit einem nm unbekannten Begleiter nach Verl,.' schickte. Dieser brachte mich dort in einem Lokal mit einem dritten Mann zusammen, der "mir vertraute. Daraus muhte ich entnehmen, dah er wühle, ich sei in Tillessens Diensten Da ich angab, mit den Kasseler Verhältnissen vertraut zu sein, fuhr der Unbekannte mit mir nach Kassel. Ich gewann den rein persönlichen Ellv druck, dah irgend etwas passieren könne und müsse. Der Verteidiger Lütgebruns gibt die Erklärung ab, dah der Angeklagte Tillessen besonderen Wert darauf legt, dem Zeugen Brü- bigam alsbald gegenübergestellt zu werden Das, was Brüdigam bis jetzt bekundet habe, widerspreche von A bis Z der Wahrheit Zeuge Drüdigam: QKeine Angaben sind vollkommen wahrheitsgemäh und enthalten nicht einmal alles das, was Tillessen gesagt hat Ich nehme sie jederzeit auf meinen Eid. Ilm 2'/2 Ülhr wirb bic Siyung auf Mittwoch vertagt. D?e neuen 23efoIbungsDor!agen. Berlin. 10. Oft (WTB.) In einer Ka - binettSsihung wurde die vom Reichsfinanzministerium ausgearbeitete Besoldungs- Vorlage beraten und angenommen. In der Vorlage sind die bisherigen Teuerungszulagen in Grundgehälter und OrtsAuschläge eingebaut. Die Ortszuschläge wurden mit Rua- sicht auf das inzwischen in Kraft getretene Reichs- Mietengesetz und als Ersatz für die bisherigen widerruflichen Wirtfchaftsbeihllfen entsprech-md erhöht. Dem wiederholten Wunsch? des Reichstags nach vermehrter Berücksichtigung ter sozialen Desoldungsbestandteile gemäß sind die Kinderzuschläge stärker erhöht worden als die Grundgehälter. Außerdem ist für die verheirateten Deamten die Gewährung eines um 3 Prozent höheren Teuerungszuschlags vom Grundgehalt und Ortszuschlag in Aussicht genommen worden. Die Kinderzuschläge bleiben nach wie vor für alle Beamten gruppen gleichmäßig hoch. Für die Pensionäre sind die entsprechenden Folgerungen gezogen worden. Das gesetzliche Witwengeld soll von r geschlossen. 3n allen Kirchen des IZandes wurden TrauergvtteSdienste abgehallen und die Glocken oelLutet. Alle Kinder wohnten dem Trauergvttesoienft bei und hatten schulfrei. Auf dem Brenner wurde *jeute mittag eine Massenversammlung unter freiem Himmel abgehalten. an der viele Tausende teilnahmen. Die Redner wiesen auf die bedrängte Lage der Deutschen Südtirols hin. Unter dem Gesänge des Andreas-Hofer-Liedes und des Liedes „Deutschland. Deutschland über alles!" fand die Kundgebung ihren Abschluß, <)u Zwischenfällen kam es nicht. Wien. 10. Oft. (WTD.) Wie die ..Zeitungs-Korrespondenz" aus Meran berichtet, veröffentlichen die deutschen Abgeordneten S ü d t i r o l s einen Aufruf an das deutsche Volk Südtirols, in dem sie an ihre Politik eines friedlichen Rebeneinanderlebens der knutschen und der italienischen Bevölkerung erinnern. Dies sei jedoch nur zwischen Freien und Gleichberechtigten, nicht aber zwischen Zwingherren und Geknechteten möglich Auch der Staatsbürger deutscher Zunge müsse seine Sprache und Kultur pflegen können, ohne deswegen als Staatsfeind gä>randmarkt und Gewalttaten schutzlos preisgegeben zu werden. Aus dem Reiche, Zum Wiederzusammentritt des Reichstags. Aach dem „Derl. Tagebl." wird noch vor dem Zusammentritt des Reichstages der Aeltest e n r a t sich versammeln, um zu prüfen, ob mit 'Rücksicht auf die Bereinigung der beiden sozialistischen Frallivnen die bisherige Zusammensetzung des Präsidiums beizubehallen ist. Der Reichstag wird zunächst nur etwa 8 Tage zusammenbleiben und am 25. Oktober wegen des deutsch-nationalen Parteitages in Görlltz für mehrere Tage seine Sitzungen unterbrechen. Girre Dertraueuskundgebung der Demo- kratischeu Partei für den Reichspräsidenten. Elberfeld, 11. Oft. Auf dem demokratischen Parteitag sprach gestern der Vorsitzende Senator Petersen dem Reichspräsidenten den Dank der Deutsch-donw- kratischen Partei für seine ausgezeichnete Führung der Geschäfte aus, besonders auch für sein deutsches Denken und Handeln. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß Ebert wieder zum Präsidenten gewähll werde. Die Ausführungen Petersens riefen einen spontanen Beifallssturm hervor, der minutenlang andauerte. Reue Verhaftungen. Berlin, 10. Oft. (Wolff.) Rach einer Münchener Meldung der ,.B. Z." wurden auf Grund eines Haftbefehls des Staatsanwalts verschiedene Mitglieder der Organisation „Oberland", darunter Beppo Römer, Dr. Fritz D a r t t e l s, der sogenannte Hauptmann Ludwig Oesterreicher, und der Kaufmann Friedrich Endres wegen Verdachts der Vorbereitung und Aufforderung zum Mord feftgenvmmen. Die Beschuldigten sollen an die Mitglieder des Bundes Oberland Aufforderungen zur Begehung verschiedener Verbrechen gerichtet haben. Aach der „Mün- ' chen-Augsburger Abendzeitung" soll es sich um den Plan der Ermordung politischer Persönlichkeiten handeln. . Zusammenlegung zweier sozialistischer Zettungen. F 3n Dresden ist die Verschmelzung der , beiden sozialistischen Zeitungen beschlossen wor- r den. Die mehrheitssozialistische „Volkszeitung" wird fortan den Untertitel sichren: „Organ der vereinigten Sozialdemokratie". Kennwort versehen sein, das ihn von anderen Wahlvorschlägen unterscheidet. Das Kennwort darf weder gegen die strafgesetzlichen Bestimmungen noch gegen die guten Sitten verstoßen. In dem Wahlvorschlag soll ein Vertrauensmann benannt sein, der für Verhandlungen mit dem Kreiswahlkommissar und der Kreiswahlkommission und zur Rücknahme von Wahlvorschlägen sowie zur Abgabe und Rücknahme von Verbindungserklärungen bevollmächtigt ist. In gleicher Weise soll ein Stellvertreter des Vertrauensmannes benannt werden. Jeder Wahlvorschlag muh von mindestens 25 in der Wählerliste eingetragenen Personen unterzeichnet sein. Die Hnterzeichner sollen ihren Unterschriften die Angabe ihres Standes oder Berufs, ihres Wohiwrts sowie ihrer Wohnung (Strahe rind Hausnummer) beifügen. Jeder Wähler darf nur einen Wahlvorschlag unterschreiben. Eine amlliche (stempel- und gebührenfreie) Bescheinigung des Bürgermeisters, daß die Unter» zeichneten in der Wählerliste eingetragen sind, ist anzuschliehen. Zwei oder mehrere Wahlvorschläge können in der Weise miteinander verbunden werden, daß sie anderen Wahlvorschlägeri gegenüber als em einziger Wahlvorschlag anzusehen sind. Sind mehr als zwei Wahlvorschläge verbunden, so können unter diesen wieder zwei Wahlvorschläge als „eng verbunden" bezeichnet werden. Jeder Wahlvorschlag darf nur einer Gruppe von verbundenen Wahlvvrschlägen angehoren. Verbundene Wahlvorschläge Eönnen nur gemeinschaftlich zu- rückgenvmmen werden. Das gleiche gilt von den Verbindungserklärunge.r. Die Erllärungen über die Verbindung von Wablvorschlägen müssen bis spätestens 29. Oktober bei dem Wahlkvmmissar von den Unterzeichnern der betreffenden Wahlvorschläge oder den Vertrauensmännern übereinstimmend schriftlich eingereicht werden. Die Beseitigung der in den Wahlvorschlägen oder Verbindungserllärun- gen enthaltenen Mängel ist nur bis zum 5. Ro- vember zulässig. Wahlvorschläge oder Erllärungen über die Verbindung von solchen, die verspätet eingereicht sind über den gesetzlichen Erfordernissen nicht entsprechen, werden nicht zugelassen. Es wird noch darauf hingewiesen, dah nur für unveränderte Wahlvorschläge gestimmt werden darf Zur Bekämpfung der Preiswucherci bringt das Kreisamt die rtod) in Geltung befindliche Bekanntmachung vom 1. Oktober 1920 betr. die Verpflichtung zum Preisaushang für den Verkauf von Lebens- mittel n und Gegenständen des täglichen Lebensbedarfs im neuesten Amtsverkündigungsblatt erneut in Erinnerung. Danach ist angeordnet: Verkäufer von Lebensmitteln und Gegenständen des notwendigen Lebensbedarfs haben die Verkaufspreise für die zum Verkauf gestellten Waren in deutlich sichtbarer Weise entweder auf den einzelnen Waren oder den Behältern, in denen sich Waren der gleichen Gattung und Preislage befinden, anzubringen. Insbesondere sind auch alle derartigen Waren, die in den Schaufen st ern ausgelegt sind, mit Preisen auszuzeichnen. Die ausgezeichneten Preise gelten als Preisforderung, die nicht überschritten werben darf. ren Angaben sind in einer Bekanntmachung des heutigen Anzeigenteils enthalten. * * Die Versicherung der Haus- aewerbtreibenden betrifft eine Bekanntmachung des DersicherungsamteS der Stadt Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil, die wir der Aufmerksamkeit der Interessenten empfehlen. * * 6500 Mark für ein Zwanzigmark st ü ck. Der Ankauf von Gold für das Reich erfolgt in dieser Woche zmv Preise von 6500 Mk. für ein Zwanzigmarkstück. Reichs- silbermünzen werden bis auf weiteres zum 150fachen Betrage angekauft. * * DerKonzertverein veranstaltet auch in diesem Winter die üblichen zehn Konzerte und ladet unter Hinweis auf das heutige Inserat zum Abonnement ein. Infolge der weiter gestiegenen Honorare und aller sonstigen Unfoften sieht sich der Konzertverein schon jetzt gezwungen, die letzthin angekündigten Preise wie folgt zu erhöhen: 1. Platz 600 Mk.. 2. Platz 500 Mk., 3. Platz 400 Mk. einschließlich Steuer unter Vorbehalt etwaiger Zuschläge. Der Konzertverein steht mit diesen Preisen noch weit unter dem, was für ähnliche Veranstaltungen und an anderen Orten verlangt wird. Vorgesehen sind folgende Konzerte: . Als erstes, am 29. Oktober, der Klavierabend Ernst Erdmann, des Solisten beim Äon» künstlerfest in Düsseldorf, ferner ein Dach-Kan- taten-Äbend (Soli, Chor unb Orchester), Kolbe- Quartett aus Wien — Max Strub. (Violine) und Paul Drews (Klavier), Liederabend von Dr. Rosenthal und Frau aus Leipzig, Komponistenabend Prof. Hans Pfitzner, Berliner Vokal- Terzett. Wendling-Quartett und die Choraufsüh- lung des Elias. Weitere Mitteilungen folgen. * * Steuerungen bei der Preußischen Klassenlotterie. Dis nächste — 21. — Preußisch-Süddeutsche (247. Preußische) Klassenlotterie wird mehrfache sehr beachtenswerte Reue- rungen bringen. Wie bei so vielem Reuen hat hierzu die Geldentwertung Veranlassung gegeben. Zunächst wird das Fünfklassensystem abgeschafft. Bekanntlich fanden die Ziehungen bisher in fünf Klassen statt, bei denen sich von Klasse zu Klasse die Höhe der Gewinne steigerte und die fünfte Klasse wegen der überaus hohen Gewinne mit „großem Los" und Prämien die Bezeichnung „Hauptzichün.g" hatte. Während bis- liicr der Einsatz für alle fünf Klassen der gleiche war, wird er von der nächsten, am 21. Dezember d. I. beginnenden Ziehung ab unter bedeutender Erhöhung des Einsatzes gestaffelt sein. Für die erste und zweite Klasse werden s ein ganzes Los je 400 Mk., x/2 Los je 200 Mk.. 14 Los je 100 Mk. unb '/= Los je 50 Mk. kosten, für die dritte und vierte Klaffe je das Doppelte, nämlich ein ganzes Los 800 Mk., V- Los 400 Mk., 1/4 Los 200 Mk. und Vs Los 100 Mk. Wer sein Los gleich für alle vier Klassen bezähmten will, hat zu entrichten für ein ganzes Los 2400 Mk.. für Vs Los 1200 Mk., für 1/4 Los 600 Mk und für V9 Los 300 Mk. Entsprechend dieser ganz außerordentlichen Steigerung der Einsätze tft die Zahl und Höhe der Gewinne der Geldentwertung entsprechend heraufgesetzt worden. Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkig, leichter Regen, etwas wärmer. Der hohe Druck liegt heute noch Wetter östlich, so daß wir aus seinem Bereich gekommen sind. Randbildungen eines Tiefs über der Bis- caja rufen wolkiges Wetter mit leichten Riederschlägen hervor. Für den Verkauf von vertretbaren Waren, die nach Zahl, Gewicht oder Größe ver- kauft werden, genügt die Affgabe des Preises für die betreffende Menge oder das Maß. Für Waren, die ferienipeifc oder nach Gattung in gleichartigen Exemplaren zum Verkauf gestellt werden, genügt im Schaufenster diese Angabe des Preises an einem Stück der betreffenden Serie oder Gattung. In Zweifelsfällen entscheidet das Kreisamt. Die Kreisbehörde fügt dieser Bekanntmachung hinzu, dah sämtliche unterstellte Polizeiorgane angewiesen sind, die Durchführung der Anordnung strengstens zu überwachen und Zuwiderhandlungen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. * * Eine Personen st andsauf- nahme soll nach dem Stande vom 10. Oktober stattfinden. Zu diesem Zwecke werden in den nächsten Tagen Wohnungslisten auSgege- ben. Alles Nähere enthält eine Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil. * * Eine weitere Erhöhung der Brennstoffpreise ab 12. Oktober wird im heutigen Anzeigenteil mitgeteilt. * * Verschiedene Abgabenan die Stadtkasse können in den nächsten 8 Ta- gen noch kostenlos entrichtet werden. Die nähe- Gietzener Ltadttheater. Die Trösterin. Schauspiel in 3 Akten von Bruno Frank. Gießen, den 11. Oft. 1922. Die Flut der dramatischen Erzeugnisse ist noch immer im Steigen begriffen. Man möchte angesichts der literarischen lieberschwemmung in der Rachkriegszeit das Eintreten einer gewissen Ebbe herbeiwünschen, um klarer zu erkennen, welche wertvollen Strandgüter nicht wieder in der Tiefe der Bedeutungslosigkeit versinken werden. Zu den außerordentlich produktiven Autoren unserer Gegenwart, bei denen Quantttät und Qualität nicht immer in wünschenswert gutem Verhältnis zu- <^ner sieben, scheint auch Bruno Frank gerechnet werden zu muffen. Seine Werke entbehren noch allzusehr der Klarhett des Wollens und lassen noch nicht erkennen, ob ein wirklich starkes Talent schöpferisch tätig ist , Das Schauspiel „Die Trösterin" enthüllt diesen Mangel zu voller Deutlichkeit Der Grundgedanke dieses Werkes konnte nur mit Gewalt Archgefuhrt werden. Eine Frau, die in glücklicher Ehe nut ihrem Gatten lebt, läßt sich aus Mitleid zum Ehebruch verleiten. Es ist wohl denkbar daß eine edle und weichherzige Frau tiefstes Mitgefühl mit einem vereinsamten und unglücklichen Manne empfindet, ja daß sie ihn mit mütterlichen Empfindungen in ihr Herz eirischliebt. Aber dah das Erbarmen mit dem ftemden Manne sie das größte Hnrecht an dem eigenen begehen läßt, muß ihr Charakterbild vollständig verzerren, trotz' der Rechtfertigungsversuche des Dichters Auch der betrogene Gatte zeigt gegenüber dem furchtbaren Schicksal, das ihn völlig niederschmettern müßte, eine unnatürliche Ergebenheit. Diele Inkonsequenzen in der Charatterzeich- nung stellen den Darsteller vor schwer zu lösende Aufgaben, die indessen bei der gestrigen Ausführung mit großem Geschick bewältigt wurden. Karla Keller zeigte als Sybille in den ersten beiden Akten eine Ausfassung ihrer Rolle, die über die Dichtung hinauswuchs. Sie war die Frau mit dem mütterlichen Herzen, deren Seelen- adel unantastbar ist. Der 3. Akt dagegen gestattet nicht mehr genügend Spielraum, um die Rettung dieser Figur völlig durchzusühren. Der Geheimrat Ganbenberger wurde von Carl Juhnke mit dem gesunden Realismus wiedergegeben. den der Dichter in dieser Gestatt verkörpert sehen wollte. Dah dieser Mann im 3. Akt etwas schwächlich wirtte, ist eine Schuld des Dichters, nicht des Schauspielers. der sich völlig in den Geist des Werkes eingelebt hatte. Das verbitterte und mißgünstige ältliche Fräulein Lena wurde von Kitty Franke lebenswahr dargestellt. Oskar Feigel gab den Maler Rottacker im großen und ganzen mtt gutem Gelingen. Rur wurde er im 3. Akt zu pathetisch so daß man zweifelhaft werden konnte, ob seine Aeuhe- rungen als leere Phrasen ober als wahre Empfindungen eines eblen Charakters zu bewerten seien. In der Absicht des Dichters lag jedenfalls die letztere Auffassung. Etwas unglücklich maskiert erschien uns Luise Rammel als Wll- belminc Schuppe, die so auch da nur als komische Figur erschien, wo man ihre mütterliche Besorgtheit empfinden sollte. Der Kunsthändler HaAus Stadt und Land. Gießen, den 11. Oktober 1922. Wahlvorschläge für die Kreistagswahl. Der Wahlkommissar, Oberregierungsrat W e l ck e r fordert im Amtsverkündiqungsblatt die Stimmberechtigten auf, für die am 19. November ftattfbibenben Wahlen zum Kreistage bis spätestens zum 2 2. Oktober die Wahlvorschläge schriftlich bei ihm einzureichen. Es sind 30 Kreistagsmitglieder zu wählen, als die doppelte Zahl der zu wählenden Kreistagsmitglieder vorgeschlagen werden. In einem Wahlvorschlag dürfen nicht mehr Die Bvrgeschlagenen sind in erkennbarer Reihenfolge aufzuführen und unter Bor- und Zunamen, Beizeichen, Stand oder Beruf und Wohnort, bei verheirateten Frauen auch unter Geburtsnamen zu bezeichnen. Bewerber dürfen in mehr als einem Wahlvoffchlag nicht ausgenommen sein. Dem Wvhlvorschlage ist die schriftliche Erklärung eines jeden Borgeschlagenen beizufügen, daß er der Aufnahme in den Wahlvorschlag zu- stimme. Jeder Wahldvrschlag soll mit einem Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch Stadttheater, 7 Uljr: „Des Esels Schatten". — Medizinerheim, 8 Ahr: Empfangsabend für den 1. Kongreß für Erfindungenswesen. — Astoria- Lichtspiele: „Das Straßenmädchen von Berlin" und „Der Mann mit den ©eieraugen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Der Graf von Monte Christo". Der Mannergesangverein Heiterkeit hielt am Sonntag bei ausverkauftem Hause in der Reuen Aula der Hniversttät sein glänzend verlaufenes Herbst konzert ab. Die vorgetragenen Chöre waren vom Chorleiter des Vereins, Herrn Heinrich Blaß, mtt Sorgfalt studiert. Gr beherrschte seine Sänger mit der größten Ruhe und Sicherheit. Die treffliche Sängerschar bot nach allgemeinem Urteil eine außergewöhnlich gute Leistung und wiederholt mußte sie sich zu Zugaben verstehen. Bei dem ersten Chor „Maiennacht" kam so recht die wunderbare Aussprache der Sanger zum Ausdruck, der Ausgleich der vier Stimmen war gut, ebenso das dynamische Moment, das Anschwellen des Chores vom feinsten Piano bis zum stärksten Forte. In dem Chor „Eine Mühle sah ich blinken" war es die rhythmische Beweglichkeit, welche die Zuhörer fesselte. Vielleicht lag es im Wesen des Chores, daß hier die Tenöre dem Bah gegenüber etwas stark hervortraten. Er gefiel sichessen so gut, dah er wiederholt werden muhte. Mehr zur Uraufführung in Darmstadt. Carl Sternheim: „Der Aebbich". Darmstadt, 10. Oft. Gustav Hartungs feine, auch da hoch künst lerisch bleibende Regie, wo es notwendig erscheint, mit herberen Strichen zu malen, dem mangelnden Impuls der Dichtung nachzuhelfen durch rauschende 6Innenglut der Farben und Formen, hat Carl Stern heims neues Lustspiel „Der Rebbich" zum Leben erweckt. Zu einem Leben von Dauer, wie ich Voraussagen möchte, trotz der Kühnheit, mtt der Sternheim sich wiederum an Dinge heranmacht, die so vielen hellig sind und die sein derber Spott feine beißenbe, (aber nicht gerade bissige) Satire erbarmungs- busnig (Martin Jakob) erzielte den gewünschten Heiterkeitserfolg, hätte aber doch etwas ruhiger gespielt werden müffen. Georg Heding brachte die niedrige Gesinnung des Malers Schwendy treffend zum Ausdruck Sein erstes Oluf treten hätte noch etwas devoter fein können, um den Kontrast zwischen geheuchelter und wirllicher Gesinnung schärfer hervvrzuheben. Der Diener Paul Mehnerts und der Portter Heinz Bechstein waren recht gelungene Be- russtypen. Die Spielleitung Adolf Telekhs verdient volle Anerkennung. Die Beherrschung der Rollentexte lieh verschiedentlich zu wünschen übrig. Die Zuschauer folgten mtt Interesse und kargten nicht mit wohlverdientem Beifall. tr. Geltung kamen die Bässe in „Liebesklage". Daß die Volkslieder immer die dankbarsten sind und am meisten ansprechen, sah man auch bei den Chören: „Ich hört ein Vöglein pfeifen". „Grete- lein" und „Waldruf" von Schauh. welch letzteres nach brausendem Beifall nochmals begehrt und gesungen wurde. Wehmütige Erinnerungen erweckte der Hansensche Chor „Am Rhein muh meine Heimat sein". Die drei Solisten des Abends boten eine wertvolle Bereicherung des Konzertes. Viel bewundert wurde die Tonfülle unb der sinnvolle Vortrag des Baritons Franz Roh- Offenbach Rach dem Liede „Mein Mädel hat einen Rofen- mund" muhte er sich zu einer Zugabe verstehen und sein „Stelldichein" erntete wiederum lebhaften Beifall. Wie immer verblüffte Julius Hohn am Klavier wieder durch seine außer- ordentliche Techntt. Mit einem Glanzpunkt des Abends bildete das Auftreten des Violinisten Wilhelm Schüttler, der sich als ausgezeich neter Künstler und Meister seines Instruments gc^tc. Die dankbaren Zuhörer tbatinr von seinem Spiele derart hingerissen, daß er den reizenden „Elsentanz" von O. Müller wiederholen muhte. Das Konzert war für den Dirigenten und den Verein ein voller Erfolg und dürfte ein Ansporn fein zu weiterer erfolgreicher Betätigung. Landkreis Gießen. * Lich, 10. Oft. Die Freiwillige Feuerwehr hielt am Sonntag ihre diesjährige Schlußübung ab. Rach Besichtigung der Geräte und der Einzelübungen gab Bürgermeister Völcker die Aufgabe zum Drandangriff bekannt, welcher auf das Goldschmidtsche Anwesen erfolgte. Der Angriff wurde in allen Tellen von den Steigern, sowie von der Hydranten- und Sprihenmannschaft präzis ausgeführt. Brand- direkter Baurat Braubach -Gießen sprach sich sehr lobend über den Verlauf der Hebung aus und betonte, es sei erfteulich, daß so diele junge Männer der Freiwilligen Feuerwehr ihre Kräfte zur Verfügung stellten und sich der edlen Aufgabe, welche einer Feuerwehr obliegt, widmeten. Der Hebung wohnte auch der Prinz von Solms bei, ebenso Kameraden auswärtiger Wehren. Don Gießen waren beide Wehren vertreten. Rach der Hebung bereinigten sich die > Kameraden in dem Lokal „Zum Engel", wo noch gesangliche Leistungen von der Licher Wehr zu Gehör gebracht wurden. Heffcu-Naffau. fpd. Frankfurt a. M, 10. Oft. Die Frankfurter Gastgewerbevereine 'haben den Beschluß gefaßt, an dem Tage, an dem die Verzehr- undRachthocker-Steuern in Kraft treten, die Gaststätten zu schließen. Rur die Fremdenzimmer werden weiter vermietet, jedoch wird die Abgabe von Speisen und Getränken eingestellt. Auch Frühstück wird nicht an die Fremden verabfolgt. Da der Magisttat auf seinem Standpunkt der Durchführung der Steuern weiter beharrt, ist für den 15. Okt ober mit der Schließung der hiesigen Gaststätten zu rechnen. fpd. Frankfurt a. M., 10. Oft Montag abend entstand in dem Kaffee „Oberland in der Kronprinzenstrahe eine wüste Schlägerei, die einen derartigen Hmfang annahm, dah ein großes Aufgebot der Schutzpolizei alarmiert werden muhte. Schließlich mußte zur Hnterstützung der Schutzpolizei noch das Heberfallkommando ber beigeb oft werden. Es $ab eine ganze Anzahl Verletzter von denen drei dem Krankenhause zugeführt wurden. Andere Personen kamen in Haft — Der Magistrat hat einer weiteren Erhöhung der Strahenbahntarife von 25 Prozent auf die jetzt geltenden Preise zugestimmt Danach kostet das Fahrgeld für die kürzeste Strecke von 2 Kilometer 12 Mark. Eine entsprechende Erhöhung erfahren auch die Fahrscheinhefte, Reh- und Wochenkarten. — In der vergangenen Rächt drang ein Einbrecherkonfortium in die Lagerräume der Wirtschaftsgenossenschaft der Hniversität ein und stahl aus ihnen die gesamten Vorräte an Stoffen usw. im Wert von rund 800 000 Mark. Der Diebstahl ist um so bedauerlicher, als es sich am Waren handelt, die zur Abgabe an die minderbemittelten Studenten zu billigen Preisen bestimmt waren. Auf die Wiederherbeischaffung der Sachen sind insgesamt 80 000 Mark Belohnung ausgesetzt. Die Frankfurter Herbstmesse. _ftb. Frankfurt a. M.» 10. Oft. Das Geschäft ist auf der M?sse unvermindertgut. Der Zustrom von Fremden 'hält an. Don ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, wurden in allen Abteilungen er'hebliche Verkäufe abgeschlossen. Die geforderten Preise sind allerdings sehr, sehr hoch und übersteigen im Einkauf recht oft bet weitem hie jetzigen Kleinverkaufspreise. Hüter dem (Sin- Heutiger Stand des Dollars 10 Hhr vormittags: Frankfurt a. M. 2900—2950 los blohlegp Er verzichtet diesmal zur Hälfte auf sonst gewohnte Geistigkeit und beschränkt sich restlos auf Ironie und Persiflage. Aber Typen aus dem neuen Deutschland werden gezeichnet, flar. nackt ohne jebe Beschönigung und — frei bis zur Rücksichtslosigkeit. „Der Rebbich" ist ein dem jüdischen Jargon geläufiger Ausdruck für schlechthin Alles und schlechthin Richts. Dieses Richts ist hier ein Commis Voyageur, den die Liebe, richtiger die Sinnlichkeit einer Kammersängerin, die ihre Freunde in, allen Schichten des neuen Deutschland hat, zum Generalkonsul, Chefredakteur und Filmdirektor schiebt. Ohne seinen Willen, wie ja so mancher Schieber der Geschobene ist. In dem dramatisch stärksten dritten Dlld bricht elementar die Sehnsucht nach dem früheren Leben in Armut, nach einer — Zwiebel und einer Buddel Bier und nach dem Erdarbcits- und Schweißgeruch der früheren Geliebten durch und am Schluffe gehen beide schiedlich und friedlich auseinander. Mehrfach zieht Sternheim sich selbst in die Satire. Man kann sicher nicht von starken literarischen Werten sprechen. aber ber unverkennbare Zug einer gewissen „ Frechheit" scheint dem Publikum zu imponieren. Das Stück gefällt und der starke Beifall, der Sternheim zum Schluffe wiederholt vor die Rampe rief, blieb ohne Widerspruch. Die Darstellung war ausgezeichnet und hielt der glänzenden Inszenierung die Wage. Ernst Langheinz als Rebbich und Frida Hummel als Kammersängerin heischen besonders anerkennende Erwähnung. MaxStreese. ** ba, ,'Drrtr. ’« unö len e. " ntuf) !n än» nnvvlle Ao,en- Netz«, » leb- ^ul'mg Mfct- "V bei fünften ^e-eich. kumenls 'leinen rizenbv owhie en und Ite ein lilgung. iw < LL der^ enneistei in« be. Evesen 1 Teilen ten» und ‘Brant* rach sich ung aus Je jungt «Äräftt en 2uf. ibmeten 1 von Bärtiger ren der- M die tvv nvch Lehr zu e Frank- I Deschluh riebt- ft treten, , lar die t, jedoch | nfen em- Fremden it Stand- i «eiter be- rSchlik- Montag rland' dläge- bm, bah hpoli- ^chüehüch i,zei noch I )cigchn» erktjter, j hrt mut- - 5kr ing der >zent aul Danach Strecke prechende -fle, W iwn Aach! e Lager- nlchaft llls ihnen cn ufa> Diebstahl । Daren mitteltcn t mären hen sind zeseht. * Jas Sc« ertgut Bon gam i 'm aM offen sehr hoch ti veilem Sem Ein- ——— llars x Mte rann sich er2M> yW-, d-lw bbich «J Ausdruck t£ Dieses den die Wammen Schichten Konsul. , Ohne lebet der stärkst^ W nfld) einer - >cren d- wt fach San kann rtenfp^ r gev^ nponlc^ L°o°«- is sf :rceffc DeS unerfjfcrten 5>ortaTxnifftteg6 wttaxfen in •unehTnrnnbcm Tlafje viele Verkäufer ihre Waren Dollarwährung und erregen mit bte» fern Gebähten die Unzufriedenheit der Einkäufer, teilweise kam es zu sehr unliebsamen Auftrttten. — Soweit sich schon heute übersehen läßt, kann Las diesjährig'- Herbstmessegeschäft als ein durchaus zufriedenstellendes angesehen werden 2he Frage bleibt allerdings offen, ob die Fabriken und Grossisten die ihnen abgekaufte Ware überhaupt liefern Eimen. Wie uns versichert wird, jollen sich allerdings in Frankfurt noch cmher- ordentlich grobe Lager von Textilwaren beftn» Den, die selbst die bedeutendsten 2lnsprüche befrie- digen dürsten Kirche und Schule. U Ullendorf a d Lahn, 9. Oft Unter befriedigender Teilnahme der Gemeinde hielt gestern daS Dekanat Gieheu sein (Zähre s- fest für Innere Mission in der hiesigen Kirche ab Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schultheis von Grohen-Linden, versah den Altardienst, während Pfarrer Hartmann auS Allen- Vuseck die Festpredigt hielt. Im Anschluß an 3afo&u6 V, Vers 19—20, behandelte er die Ausgaben und das Arbeitsfeld der Inneren Mission m den 715ten der heutigen Zeit. Pfarrer Groth non Rödgen erstattete 'Bericht über den Stand des Srziehungswesens in den Gemeinden des Dekanats und beklaate den empfindlichen und bedauerlichen QEangel an geeigneten Pflegestellen für die Aufnahme von Fürsorgezöglingen und gefährdeten Kindern. Er richtete an die Anwesenden die dringende Mahnung, ihre Häuser für dieses unerläßliche Liebeswerk zu offnen. Mit einem kurzen Schlußwort des Ortsgeistlichen schloß die Feier. Die Kollekte mit 506 Mark wurde dem Oberhessischen Verein für Innere Mission überwiesen Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhesscn. TZerhandlung vom 10. Oktober. Der VereiNigun g deS Bad-Nau- heimer Einzelhandels gab der Schlich- tungSausschuß auf, für September und Oktober die kaufmännischen Angestellten nach den Tarif- gebaltssätzen des Gießener Einzelhandels zu entlohnen Für die selbständigen Weihbindergehilfen über 20 Zahre in Gießen schlug er 85 Mk. Stundenlohn ab 7. 10. 22 vor statt bisher, seit dem 30. 9., 70 Mk., und Erhöhung der Löhne der jüngeren Gehilfen und der Hilfsarbeiter im gleichen Verhältnis. Die Bauxitgruben, die in der Bau xit A.G. in Gießen vereinigt sind, und die Vereinigung hessischer 'Dauxitgruben, Aufbereitungsanlage Münster, sollen vom 9. Oktober 1922 an die Löhne um 25. v. H. erhöhen. Die geforderte Einführung von monatlich 3 statt bisher 2 Lohnzahlungstagen sollen sie bei Besserung der Geldbeschaffung in Aussicht nehmen. Die Entschädigung der Arbeiter für die Denuhung eigenen Werkzeuges im Jahre 1922 sollen die Gruben am Ende des Zahres mit dem Bergarbeiter- verband neu vereinbaren und vorher abkehrenden Arbeitern 30 Mk. für jedes Vierteljahr zahlen. Die ©treitteile erhielten eine Woche Frist zur Stellungnahme zum Schiedsspruch. Dem Kraftfahrzeugverkaufsaeschäft Otto Göbel in Gießen gab der Schlichtungsausschluß auf, ehren angelernten Arbeiter des Vulkan isierbetriebes nach dem Tarif der Gießener Metallindustrie zu entlohnen. Die Kunstkohlefabrik Schank u. Ebe auf dem Windhof bei Heuchelheim hatte einigen Arbeitern den Lohn vorenthalten für Tage, für die der Zeitpunkt der Aufnahme oder der Beendigung der Arbeit nicht durch die Kon- irolluhr auf ihren Karten verzeichnet war. Vach der Arbeitsordnung dienen Die Kontrollkarten als Unterlage für die Berechnung der Arbeitszeit und des Lckhnes. Die Arbeiter gaben an, die Stempelung der Karten durch die Kontrolluhr vergessen zu haben, und erhoben durch den Mc- tallarbeiterverband Beschwerde beim Schlichlungs- auSschuß gegen den Lohnabzug als eine Strafe, die über das gesetzlich zulässige Maß hmausgehe, in der Arbeitsordnung nicht vorgesckhen sei und nach § 80 Absatz 2 des Detriebsrätegesetzes von der Betriebsleitung gemeinsam mit dem Betriebsrat hätte festgesetzt werden müssen, um gültig zu sein. Die Firma machte geltend, haß eine Unterlassung der Stempelung nicht zugelassen werden dürfe, weil sonst Verspätungen vertuscht werden können. Sie bestritt, daß der Lohnabzug als Strafe aufzufassen fei, und erklärte sich bereit, in einigen Fällen, in denen die Unterlassung der Stempelung offenbar nur ein Versehen und die Einhaltung der Arbeitszeit anderweit nachgewiesen sei, ausnahmsweise den vorenthaltenen Lohn auszuzahlen. Der Schlichtungsausschuß konnte mit feinen Beweismitteln Verspätungen in der Aufnahme der Arbeit nicht feststellen und entschied, daß die Ein- Die Herweghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill. 11. Fortsetzung. (Vachdruck verboten.) Grete hatte nicht den „ersten besten" genommen. Sie hatte außer ihrem Vüdeshcimer Verehrer drei Anträge aufzuweisen, von einem Amtsrichter, einem Infanterieleutnant und einem 1 Fvrstassessvr Tiber der Amtsrichter hatte einen zu kurzen Hals, der 3 nfanterieleu uiant war rotblond und temperamentlos und der Assessor alt- katholisch. Die alte Frau Kollin hätte das nicht zugegeben Einen evangelischen, in Gottesnamen, aber einen Abgefallenen! Zesses THaria!“ Seit Grete jedoch ihrer Schwägerin näher gekommen war — bekannt wurde man mit Liane nie —, er- tannte sie. daß dieses alles gar keine „Erlebnisse" waren, auf die sie den Freundinnen gegenüber so stolz gewesen. Grete hatte stets einen Hang zur Aristokratie gehabt Und diese Neigung — vielleicht war sie aus Opposition gegen ihren demokratischen Vater entstanden — hatte sie zu den Herweghs hinge- führt Eigentlich hatte ihr der schöne Lutz von jeher imponiert aber der junge Herr schien anderweitig beansprucht, und so hatte sie sich dem ritterlichen Ernst zugewandt. Und wahrhaftig, sie hatte es nicht bereut jedenfalls war er der verläßlichere. Einen rücksichtsvolleren Gatten konnte lle sich nicht wünschen, er ging auf alle ihre Launen ein und überließ es ihr, sich ihr neues Leben nach Belieben einzurichten. 3n ihrer großen Wohnung, deren Aussicht «nf die belebte Kochbrunnenstrahe ging, konnte bebaltungen von Lohn hier nicht als Strafe gelten können und die Lohnansprüche auf dem or- oentlichen Rechtsweg geltend gemacht werden müssen. Hochschulnachrichten. fpd. Frankfurt a. M, 10. Oft. 3m Alter von 83 Zähren verstarb hier Professor Alex. Riese. Mit ihm scheidet einer der ersten Archäologen und Historiker Deutschlands aus dem Leben, der sich vor allem der Erforschung der Römerzeit in Südwestdeutschland mit reichem Erfolge gewidmet hat Mit Franz Bücheler gab Riese zusammen die Anthologia latina heraus Landwirtschaft, • Büdingen, 10. Olt. Die Kartoffelernte ist in der hiesigen Gegend eine verhältnismäßig gute. Die infolge des nassen Wetters befürchtete starke Fäulnis ist nicht wahrzunehmen. n Aus dem oberen Wettertal, 8. Ott Die regnerische Witterung, die seit Wochen fast ununterbrochen anhält, hat die Ernte sehr beeinträchtigt. Der Hafer liegt zum großen Teil noch auf den Feldern. Die Kartoffeln beginnen stark $u faulen; sie sind nur schwer aus der verschlammten Erde herauszubringen. Einen Teil des Grummets kann man, da er schon seit langen Wochen auf den Wiesen liegt und wertlos geworden ist, nur noch als Dünger verwenden. Dies ist um so bedauerlicher, als die Heuernte bei uns schlecht ausgefallen ist. Einen fietnen Ersatz bieten die Dickwurzeln, die im allgemeinen gut ausgefallen sind. In einzelnen Gemeinden unserer Gegend ist man aus Futtermangel zurWeidewirtschast übergegangen. Aus dem Amtsvcrkündigungsblatt. * • Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 105 vom 10. Oktober enthält: Gebühren für amtstierärztliche Dienstverrichtungen. — Bauaussicht durch die Ober-Baufelretäie. — Wahlen zum Kreistag. — Berteilung von Tierschuhkalendern. - Einsendung der Hand- und Tagebuch- auszüge. — Bekämpfung des Preiswuchers. — Beflug von Wasser aus den Wasserwerken der Gemeinden Allertshausen und Watzenborn-Steinberg. -- Dienstnachrichten. Vermischtes. Immer nvch keine Herausgabe der Goethe- Reliquien. Der berüchtigte Liquidator der deutschen und österreichischen Ausstellungsgüter in Lyon hat nach einer Dlättermeldung dem Direktor des Frankfurter Goethemuseums einen Brief zugestellt, in dem er erklärt, daß die Ausstellungsgüter des Museums reserviert bleiben und nur in dem Falle zum Verkauf gestellt werden, daß der Erlös für die übrigen Güter nicht ausreicht, um die Gläubiger der Ausstellung zu befriedigen. Es sei ihm nicht möglich, die glatte und einfache Rückgabe ins Auge zu fassen, da die Ausstellungsgüter auf Grund dreier gerichtlicher Entscheidungen als Ganzes zu bettachten seien und ein unmittelbares Pfand für die Gläubiger darstellten. Handel. Berlin , 10. Oft. Börsen st immungs- bilb. Im Gegensatz zur gestrigen fast einheitlichen, teilweise stürmischen Aufwärtsbewegung war der Effektenmarkt heute ruhiger und uneinheitlich. Die Spekulation, durch den hohen Kursstand angereizt, war offenbar bestrebt, Gewinnsicherungen vorzunehmen. Sie wurde hierin bestärkt durch das Stocken der Aufwärtsbewegung der Devisenkurse an der Mittagsbörfe, jedoch erlangten Montanwerte wiederum größtenteils Besserungen bis 100 Prozent. Laurahütte aber setzten mit einer Verschlechterung von 175 Proz. ein und gaben später weiter nach. Auch Phönixaktien behaupteten ihren gestrigen hohen Stand nicht. Eine recht feste Stimmung herrschte ferner für Textilaktien, von denen Stöhr weitere 120 Prozent und Norddeutsche Wolle 100 Prozent gewannen. Von Papierfabriken stiegen Zellstoff Waldhof um 100 Proz. Im übrigen waren die Industrieaktien nur wenig schwankend; die Aende- rungen nach oben und unten überschritten nur vereinzelt 20 und 30 Prozent. Petroleumwerte waren weiter, aber verhältnismäßig nicht bedeutend, gebessert. Schiffahrtsaktien waren fest und mäßig anziehend, Bahnaktien gut behauptet. Schantungaktien waren auf Gerüchte von einer bevorstehenden Rückzahlung 300 Proz. höher. Valutapapiere waren nicht gleichmäßig. Oefter- reichische Staatsbohn war bedeutend gesteigert. Mexikaner waren entsprechend der höheren Devisenkurse höher bewertet. Türkische Anleihen sie schalten und walten, ohne nach einem tyrannischen Vater oder einer auf „Kusch" erzogenen Mutter zu fragen, konnte sich Toiletten bestellen und sich zu ihrem Verkehr wählen, wer ihr gefiel. Sie schaffte zunächst die Freundinnen ab, die allzu bürgerliche Chen geschlossen hatten, tyrb behielt nur ein paar lustige Rheinauerinnen zum "Beriebt bei, deren Männer ihren jungen, eleganten Frauen Villen gebaut hatten und Autos hielten. Das Ziel ihrer Wünsche war, ein glättendes taus zu machen wie der Ehampagnersabrikant der, und einen „3our“ zu haben wie die Gräfin Tessy. ein Haus, in dem jeder die Karte abgab, der zur Regierung oder zu einem der Regimenter Rheinaus gehörte. Vorläufig brachte man es nur zu einer Reihe steifer Diners in Kollegenkreisen, die man mit ebensolchen Abendessen erwiderte. Den Glanzpunkt deS Winters bildete ein Ball beim Präsidenten, wo Grete alle Spitzen Rheinaus wenigstens einmal in der Nähe sah. ,7Benu du doch wenigstens in einem Korps gewesen wärst!" klagte sie ihrem Mann. Was hatte man von diesen „guten alten Freunden", die das Haus nur betraten, um ihr Eello oder Bratsche zu stimmen und mit Ernst bis in die Nacht hinein zu musizieren, und die schon bei Tisch von ihren Quartetten oder Trios anfingen. Da hatte Lutz doch gcmz andere Mrbindungen . Er war als Fahnenjunker in ein Faßart ille-- rie-Regiment eingetreten, statt zu den Husaren, „wo er eigentlich hingehorte". Aber Emst konnte nicht für den Zuschuß aufkommen, den ein Husarenleutnant braucht, älnb die gute Gro _,mama stellte sich taub. „Was hab' ich dir gesagt . . . lagen meist schwächer. Deutsche RetchSanleHe wurden angeblich für ausländische Rechnung zu höheren Kursen aus dem Markte genommen, 3prox. Reichsanleihe erreichten 600 Die Börse schloß tm allgemeinen abgeschwächt. Frankfurt a. M., 10. Oft. Börsen- stimmungsbild. Dollarfurs tm Frühverkehr 2950—3150, im Verlaufe 3050. Devisen zeigten eine feste Lenden-, besonders waren Auszahlung Neuyork, Holland und London bevorzugt. Die Börse stand auch heute im Zeichen der Markentwertung. Bei vorwiegend fester Lendenz war die Haltung der Valuta- Papiere besonders lebhaft. Die Kurse zogen an. Auslands L itten lagen fest, besonders Mexikaner. Türkenwerte waren stärker beachtet. Demgegenüber war die Kursbewegung auf den Aktienmärkten nicht so groß. Die führenden Montanpapiere setzten höher ein. Schifffahrtsaktien wiesen eine günstige Haltung auf. Anllinwerte anziehend. Licht und Kraft lagen fest. Etwas stärkere Nachftage zeigte sich ferner für Zucker- und Zellstoffaktien, welche anzogen. Autowerte lagen vernachlässigt. Deutsche Pettoleum 3200. Der Dollar wurde gegen 1 Ahr 2975 genannt. Dorfenkurse. Frankfurt a. M. Berlin Schluh« Schlub» Schlich» Schdch- flur» Kur» flurs 10.10. 9.10. 10.10. 77,50 77,50 77450 270 - 240,- 240,- 150,— 13L- 155,- 570,— 501,- 590 — 80,50 80,25 80,25 92.- 94,— 97,- 62,25 71,— —,— 62,- -,- 57.- 60,- 59,- 4% Zolltürken 1725,— 2675— — 5°/0 Goldmerikaner 34000,— 35000,— 33000,— 36000,— Berliner HandelSges. . 1735,— 170a— 1700,— 1758,— Commerz- u. Privnlbk. 340,— 3oo.— 350,— 3A— Dnrmü.u.Nationalbnnk 350 — 370,— 3a6,— 37L— Deutsche Bank 94a- 940,- 910,- 920,- Deutsche DcreinSbank. 211,— 214,50 —,— — ,— DtSconto Commandtt . 540,— 530,— o4o,— o45,— Tietallbant 1475,— 1500,— ——,— Miitetdeut. Creditbank 340,— 350,— 3i)0,— 3a0,— Oesterr. Creditanstalt. 405.— 425,— 400.— 440, Datum: 5°/<» Dtfch. ReichSanlethe 47O Deraleichen 3,/ie/o Dergleichen 3"/o Dergleichen Dtsck.Soar-Präm.'Anl. 4% Preußische Konsul» 4e/0 Hetzen 3‘/ic/o Hetzen Äur» 9 10. 77,50 230,- 129,- 450,- 80.50 87,- 66,- 60.- 62.- Bochumer Guß 3300,— 3550,— 3375,— 3400,— BuderuS.......... 1550,— 1528,— 1572,— 1505,— Caro 1370,- 1399,- 1300,- 1350- Deulsch-Lnremburg. . . 3309,— 3525,— 3425,— 3525,— Gelsenkirchener Bergw. 3350,— 3695,— 3.>00,— 3700,— Harvener Bergbau. . . 5//o,— 5975,— 5700,— 585a— Kaliwerk Aschersleben. 1900,- 1995,- 1960,- 2075,- staliwerk Westeregeln . 2810,— 2825,— 2825,— — ,— Laurahütte 3650,— 3950,— 385(),— 3790,— Oberbedarf 1930,- 1890,- 1875,— 1900,— Pbönir Bergbau 4350,— 4475,— 4002,— 4400,— Rheinitahl.........3725,— 3800,— 3500,— 3750,— Dhebetf Montan .... 3650,— 3600,— 3370,— 3450,— DelluS Bergbau 1000,— 1051,— —,— —,— Hamburg Ainer. Paket 900,— 901,— 875,— 900,— Norddeutscher Lloyd. . 610,- 609 - 599,- 600,- ZementwerkHeidelberg 1298,— 1365,— —,— —,— Philipp Holzmann . . 948,— 960,— 875,— — Anglo-Cont.'Guano. . . 5550,— 6800,— 6000,— 6800,— Badische Anilin .... 1900,— 1990,— 1860,— 192 ),— Goldschmidt 1577,— 1650,— 1580,— 1700,— Griesheimer Electron. 1400,— 1399,— 1390,— 1400,— Höchster Farbwerke 1400,— 1445,— 1425,— 1450,— Hol-verkohlung 1100.— 1120,— —,— —,— stülgerswerke 1059,— 1090,— 1130,— 1125,— Lcheideanstalt 1770,— 1800,— —,— —,— Allg. Elektri-ttStS-Ges. 880,- 880,- 840,- 845.— Bergmann 803,— 840,— 790,— 800,— Lchuckert 1600,- 1630,- 1550 - 1600.- Liemens & Halske. . 2750,- 3000 - 2650,- 2830,- Adlerwerke Kleyer. . 520,— 500,— 535,— 521,— Daimler Motoren. . . . 555,— 575,— 560,— 555,— Heyltgenstaedt 100L— 950,— —,— —,— Menu in 1700,— 1775,— 1700,— —,— Metallges. Frankfurt. 1475,- 2400,- -,- Lchuhsabrik Herz... .555,— 533,— —,— —,— Sichel 640,- 630,- -,- -,— Se litt off Waldbos . . 995.- 1100,- -,- 1100,- >'>,utferfabr5vraiifeiitbal 955,— 994,— —,— —,— Zuckerfabrik Waghäusel 920,— 970,— —,— —,— Frankfurter Devisenmarkt. Amtliche Notierungen. Datum: 9. Oktober 10. Oktober Geld Bries Gela Bries Antw.-Brützel . 18656,30 18693,70 21078,90 21121,10 Holland 102897- 103103,- 115634,2) 1158B5X) London 11638,30 11661,70 131:36,8) 13163,20 Baris 19955,- 19995,- 22422.50 22472.50 Schweiz 49450,50 49549,50 55644,40 556.55,C0 Spanien 40259,70 40340.30 45204,70 45295,30 Italien 11313,60 11336,40 12687,30 12712.70 Lissabon-Oporto —,— —,— —,— —,— Dänemark .... 54145,80 54254,20 59340,60 59159,40 Norwegen .... 47(552,39 47747,70 5154840 5165L60 Schweden .... 71028,90 71171,10 76923,- 77077- HelstngsorS. . . . —,— ——,—-- Neuuork 2662,30 2867,70 2887,10 2902.90 Deutsch-Oesterr. 316 3,24 3,61 369 Budapest 102,39 102.61 109-Ä 110,10 Prag 9395,60 9384,40 10389,60 10410,40 Sofia....... —,— ——,— —,— ich hab' die ganz' Familie Kollin geheiratet und du heiratest die Herweghs . . ." ..Geh. Großmutter, wozu brauchst du denn das Viele Geld. Der arme Zunge muh nun bei den Fußbomben eintreten. Die sind doch lang nicht so schick wie die Husaren . . Wer die alte Frau war eigenfinnig. „ Fußartillerie. das sind solide Leut'," sagte fie. „unb man braucht fte doch viel nötiger wie die windige Husare." Von ihrem Vater wagte Grete nichts mehr zu verlangen. So kam der schöne Lutz zur Fußartttterie nach Btairu. Aber er hatte ein glückliches Naturell. „Ma chere,“ schrieb er feiner Schwägerin: „Ich bin zufrieden, geh' es wie es will. Ein freies Leben führen wir, ich hab' einen famosen Vorgesetzten, ein frischftöhlicher Ton herrscht im Regiment, es sind fidele Kerle, mein Bursche kann kochen, imb mehre Wirtin ist taub.“ Frau von Herwegh war beruhigt, daß er wenigstens unter Rheinländern" war, der arme Zunge. Grete war gewiß keine Briefschreiberin, aber wenn ein Brief von Lutz ankam. setzte sie sich gleich an den Schreibtisch, um ihn zu beantworten. Ost kam sie vor Lachen nicht weiter . Zeig meine Briefe um Gottes willen nicht unserem Emst, schloß Lutz jedesmal, lind sie waren auch nicht geeignet, im Familienkreis vorgelesen zu werden, aber sie amüsierten Grete. Was ihr euch nur zu schreiben habt, wunderte sich ihr Mann. .Willst du ihn lesen? — Bitte." Sie reichte ihm den rosafarbenen Brief. Hkttert Erhöhung bet Maigapreise. Die nieder rheinischen Btargarinefabri!anien hoben den Margarinepreis für die lommen bt Woche um 40 Mk pro Pfund heraufgeseßt. Die billigste Sorte stellt sich dadurch auf 268 MI das Pfund ‘Berliner Produttenmartt Berlin, 10. Oft (Wolff.) Am Produkten- markte wurde die Tendenz nach der scharfen Aufwärtsbewegung der Preise am Vormittag mittags wieder ruhiger, als die Devisenkurse sich etwaS abfchwächten. Es fehlte vollständig an Angebot; die Preise, die für Getreide genannt wurden, gingen weit auseinander. Die nach den Preisen des Brotgetreides sich berechnenden Mehlpreisc waren nicht zu erzielen, was die Mühlen von Anschaffungen des Rohprvduttes abhielt. Futtermittel blieben gefragt. Weizen, märkischen 6000 bis 6100 Mk. (steigend), Roggen, märkischen 5500 bis 5600 Mk. isteigend), Sommergerste 5500 bis 5700 Mk. (sebr fest). Wintergerste 530V-5400 Mk., Hafer, märkischen 5900-6000 Ml. (steigend). Mais, ohne Prov., loco Berlin 6200—6250 Mk (steigend), Waggon frei Hamburg 5900—6000 Ml. Weizenmehl (100 Kg.) 15 800—16 800 Mk. (steb genb), Aoggenmehl (100 Kg.) 14 000—15 000 Mk. (steigend), Weizenkleie 3100-3200 Mk. (steigend), Koggen fiele 3100—3200 Mk. (steigend), Raps 6000 bis 6200 Mk. (steigend), Viktoriaerbsen 6300 bis 6500 Mk.. kleine Erbsen 5000—5500 Mk., Futter- erbten 5000-5500 Mk., 'Peluschken 5000-5500 Mark, Lupinen, blau 3200—3300 Mk., Rapskuchen 3200—3400 Mk., Trvckenschnihel 2800 bis 3000 Mk., Kartoffeln, weihe und rote 360-380 Mark, gelbe 400—420 Mk. Rauhsutter' Weizern und Roggenstroh, drahtgeb. 1150—1200 Mark, Haferstroh, drahtgepreht 1150—1200 Mk., Stroh, strvhseilgebündelt 1150—1200 Mk, Wiesen Heu. gut, gesund und trocken, ‘Bormabb 670—730 Mk., Nachmahd 610-670 Mk. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Lloyd George imb die Abordnung deS Gewerkschaftskongresses. London, 10. Ott (WTB.) Gestern abend wurde, und zwar, wie die Blätter berichten, auf Wunsch des Premierministers, der stenv- graphifche Bericht der Aussprache veröffentlicht, le am 21. September zwischen einer aus 30 Mit- gliebern bestehenden Abordnung des Gewerkschaftskongresses und Lloyd George sowie anderen Mitgliedern der Regierung über die Orientpolitik der Regierung ab- gehalten wurde. Ein eingehender Bericht über diese Aussprache wurde seiner Zelt nicht bekannt- ?;egeben, well die Abordnung des Gewerkschafts- ongcesses auf einer nach der Hnterrebung ab- gehaltenen Sitzung keine Einigung erzielte. Das radikale Abendblatt „Star" sieht die wörtliche als einen Schachzug des Premierministers im Hinblick auf die möglicherweise bald stattfindenden Neuwahlen an. Die Aussprache Lloyd George und den Arbeiterführern, bei deren Schluß Thomas dem Premierminister das Zeugnis ausstellte, er habe klar entwickelt, daß er wirklich nur die Politik der Arbeiter erfülle, beginnt mit Ausführungen der Arbeiterführer William Ben Illet. PoondfiÄd und Thomas in denen sie den Standpuntt der Arbeiterschaft in der Frage kriegerischer Möglichketten tm nahen Osten darlegten Ben Illet erklärte unter ary derem, die britische Arbeiterschaft erkläre sich für die Freiheit der Meerengen und die Freiheit der Schiffahrt in jedem Teil der Welt. Sie widersetze sich jedem Krieg und würde Widerstand gegen jede Form von Krieg leisten. Lllich Thomas erklärte, sie würden ihre ganzen Anstrengungen geltend machen, um die grlechi- schon Arbeiter zu überreden, diesen Krieg nicht zu unterstützen. Thomas erfiärte außerdem, wenn von einem Interesse an den Meerengen gesprochen werde, so sei nicht der Ausschluß weder Deutschlands noch Rußlands gemeint. Wenn die Arbeiter von einem Völkerbund sprächen, so meinten sie, daß das ein Bund aller Völker sein sollte. Hierauf warf Lloyd George ein: Das heißt, wenn sie (Deutschland und Rußland) ihm bettreten wollen. Bisher hätten es beide abgelehnt, ihm beizutreten. Auf eine Anfrage des Arbeiterführers Thomas entgegnete Lloyd George: Die Deutschen wissen sehr gut, daß, wenn sie um die Aufnahme nachsuchen, wir sie unterstützen würden. Wir werden ihnen Unterstützung gewähren nicht nur in dem Sinne, daß sie Mitglied des Bundes werden, sondern daß sie auch in seinem Rate sitzen sollen. Was Rußland betrifft, so weiß ich. was Tschitscherin über den Völkerbund lagt. Thomas erwiderte hierauf dem Premierminister, es sei nicht ausreichend, wenn er im Unter Hausse erkläre, füt sich selbst zu sprechen uni) es dann durch Poincars oder einen anderen verwerfen lasse. „Nein, danke," wehrte Emst. Er formte sich das alles denken, was Lutz schrieb. Weno Grete lieber, statt solche Briefe zu schreiben, Klavier geübt hätte Aber die junge Frau entwickelte mit einemmal Haussrauenralcnte Es machte ihr Spaß, mit den dicken Marktweibern, die unter ihren grauen Riesensonnenschirmen auf dem Markt saßen, zu handeln. • Ihre Wohnung war stets mit Blumen geschmückt, überall standen einge- pflanzte Zardinieren, Blumentische und frische Blumen in Vasen, vor dem Fenster blühten Geranien in weißen Kästen, die im Herbst durch Erika und an Weihnachten durch kleine Sannen- bäumchen erseht wurden. „Was fein muh. muh sein." Die Familie war sich darüber einig, daß sich die junge Frau entschieden anders entwickelte, wie es bei Gret.-s flatterhaften Anlagen geschienen hatte. Bald steckte die eine, bald die andere Schwiegermutter den Kopf zur Tür herein, oder Fräulein Schmidt kam, um mit ihren grauen Augen in den hellen Zimmern herumzuspähen, ob es Emst „auch wirllich gut hatte". Wenn die Vlumenttsche, die Goldfische und der Papagei in seinem vergoldeten Käsig besorgt waren, das Kopenhagener Porzellan im Salon abgestaubt war und die perfekte Köchin, „das Emma", seine Anweisungen erhalten hatte, kleidete sich Grete an und ging zu „ihrer Mama" Nicht zu Frau Kollin, sondern nach Mainzer Straße 4. Mit der Schwiegermama kormto man „alles" besprechen. Sie lieh sich Rezepte und bekam An- Weisungen, wie man „bem Smma", dieser unverfälschten Perle vom Land, das Servieren beibrachte. (Fortsetzung folgt.) I i Statt Karten Ihre Verlobung zeigen an Luise Hörr Adolf Rinn Heuchelheim, den 10. Oktober 1922 ALL T Gold"! Silber, Platin in Bruch u. Barren Brillanten kauft zu reellem jeweiligem Kurs G. 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I Behördliche Anzeigen _ D« «plan über die Herstellung einer oberirdischenTelegraphenlinie an demWiesen- weg von der Dillinger Sttaße nach dem Tiergarten liegt bei dem Postamt in Hungen von heute ab 4 Wochen aus. Gießen, den 12. Oktober 1922. Telegraphen-Bauamt. 9203 D war am ganzen Leibe mit Fettstückkohlen Fettnuhkohlen Fettkohlen, meliert Ehnuhkohlen Anthrazit Steinkohlenbriketts Braunkohlenbriketts Zechenkoks, grob Zechenkoks, nutz Mk. 519.-f. d. Ztr. „ 529.— , „ „ „ 454 —w , „ . 574.— „ . . , 634—w , , „ 599—, , , „ 265.-,., „ „ 608.-, „ , „ 685.-, „ , Bekanntmachung. Infolge Erhöhung der Zechenpreise mrd Frachtsätze für Kohlen und Koks ab 1. Oktober 1922 sowie der allgemein gestiegenen Unkosten werden die Höchstpreise gemäß Beschluß der städt. Brennstoff- depudatton vom 10. Oktober 1922 auf Grund der Vorschriften des § 117 der Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über Regelung der Kohlenwirtschaft vom 23. März 1919 mit Wirkung vom 12. Oktober 1922 wie folgt festgesetzt: Bekanntmachung. In den nächsten 8 Tagen können noch folgende Abgaben an die Stadtkaffe ohne Kosten bezahlt werden. 1. Das 2. Ziel Kanalgebühren. 2. Das 1. und 2. Ziel Wohnungsbauabgabe. 3. Das Heugras von 1922. Diejenigen, die mit der Zahlung dieser Abgaben noch im Rückstände sind, werden hiermit gemahnt, die schuldigen Beträge bis zum 18. Oktober d. 3. zu bezahlen. Ab 19. Oktober beginnt die Beitreibung, wobei die vorgeschriebenen Kosten erhoben werden. 9209B Giehen, den 10. Oktober 1922. Stadtkasse Gießen. Msgesclm, Bescbirrteile und sonstige Lederwaren iiöeI Textilien aus Heeresbeständen kaufen Gebr. Rapaport, Berlin C 2, Spanünuer Ltrafie 11. 9208ss Bekanntmachung. 3n unser Genossenschastsregister wurde heute bezüglich des Eifenbahner-Heimstätten- Dereins, eingetragenen Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, Gießen eingetragen: § 20 der Satzung ist dahin am 19. April 1922 geändert, daß der Vorstand aus 8 Personen besteht. Als weitere Vorstandsmitgiieder sind bestellt: Günther Krenzien, Heinrich Höhn, Karl Wenzel, alle in Gießen. Gießen, den 2. Oktober 1922. Hessisches Amtsgericht. 9212 B Morgen früh 9 Uhr: Fr. BrMcllMe u. Werlau ff.Nmdstt-CMiMii.8rMs int Ausschnitt Frische Fisch-MMS Bücklinge, RaM-LMMc gcräuch. Teelachg in Stücken PkimVMhcringc.RsünWs uni! Filetljeringe92,3a :: ff. neues Sauerkraut:: mich durch das ewige Jucken Tag und Nacht petnigten. Hn 14 Tagen hat Zuckcr's Patent- Medizinal-Seife das Übel beseitigt. Diese Seife ist Hunderte wert. Serg. M." Dazu Zuckooh-Ereme (nicht fettend und fetthaltig). In allen Apotheken, Drogerien und Parfümerien erhältlich. An Gießen in der Trog. Winterboff, Kreuzplatz 9/10, Löwen Drogerie und Pictorla-Drogerie,Hcrm. Plank Wwe. «und P. Nos. Mobs. 330c Bekanntmachung. Detr.: Personenstandsaufnahme nach dem Stande vom 10. Oktober 1922. Nach einer Verfügung des Reichsministers der Finanzen vom 21. Juli 1922 hat zur Vorbereitung der Veranlagung zur Neichseinkommensteuer für 1922 23 eine Personenstandsaufnahme stattzufinden. Zu diesem Zwecke werden in den nächsten Tagen durch Beamte des Polizeiamts an alle Wohnungsinhaber Wohnungslisten zur Ausgabe gelangen, die von jedem Haus-, Haltungsvorstand und von jedem Inhaber einer selbständigen Wohnung nach dem Stande vom 10. Oktober 1922 auszufüllen und alsbald dem Hausbesitzer oder dessen Vertreter zu übergeben sind. Die mit der Abholung betrauten Polizeibeamten werden die Wohnungslisten bei diesen einsammeln. Die Nichterfüllung dieser Verpflichtung kann mit Geldstrafe bis zu 500 Mark belegt werden. Die näheren Bestimmungen bezüglich der (Eintragungen sind aus den Vordrucken ersichtlich. 9210B Gießen, den 10. Oktober 1922. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. S e i b. Bekanntmachung. Detr.: Die Wahlen der Stadtverordneten und Gemeinderatsmitglieder sowie der Mitglieder der Kreis- und Provinzialtage. Auf Anordnung des Kreisamts Gießen vom 27. September 1922 ist die Gemarkung Schiffenberg dem Abstimmungs- bezirk Gießen XIH zugeteilt worden. Die Bewohner dieser Gemarkung sind nur für die Kreistags- und Provinzialtogswahlen fttmmberechtigt. 9171B Gießen, den 9. Oktober 1922. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. ©ei6. Die Preise verstehen sich ab Eisenbahnwagen in Fuhren bis vor das Haus des Käufers oder frei Lagerplatz des Kohlenhändlers für den Zentner einschl. Warenumsahsteuer. Zuschläge dürfen erhoben werden für den Zentner: l.Für das Einwerfen des Brennstoffes von der Sttaße in den Keller Mk. 5.—. 2. Für das Einttagen des Brennstoffes von der Sttaße in den Keller Mk. 9.—. 3. Bei Lieferung in Säcken oder Körben bis Höchstmengen von 15 Zentnern ab Eisenbahnwagen in denKeller Mk. 17.—. 4. Bei Abholung von dem Lagerplatz des Kohlenhändlers bis zu Höchstmengen von 15 Zentnern .... Mk. 6.—. 5. Bei Lieferung ab Lagerplatz bis vor das Haus für Kohlen . . Mk. 20.—, für Koks u.Briketts , 24.—. 6. Bei Lieferung in Säcken oder Körben bis zu Höchstmengen von 15 Zentnern ab Lagerplatz des Kohlenhändlers bis in den Keller für Kohlen Mk. 27.—, für Koks und Briketts , 29.—. Aeltere Bestände sind zu den seitherigen Höchstpreisen abzugeben. Lieber- tretung dieser Höchstpreise kann auf Grund des § 4 der Prcistteibereiverordnung vom 8. 5. 1918 mit Gefängnis und mit Geldstrafe bis zu 200000 Mk. oder mit einer dieser Strafen bestraft werden, vorausgesetzt, daß das Gesetz betteffend Verschärfung von Strafen vom 18. 12. 1920 nicht Anwendung findet. Verfall von Kohlenmarken: Marken 4, 5 und 6 der Haushalts- kohlenkarte verfallen am 15. Rov. 1922 und werden von diesem Tage ab nicht mehr beliefert. 9199B Gießen, den 11. Oktober 1922. . Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. Seib. Bekanntmachung Betr.: Die Versicherung der HauS-- gewerbtreibenven. Auf Grund des Gesetzes vom 30.4.1922 wird die Versicherung der Hausgewerb- tteibenden für den Bezirk der Allgemeinen Ortsttankenkasse der Stadt Gießen nach Beschlußfassung der Stadtverordnetenversammlung vom 15. 9. 1922 mit Zustimmung des Oberversicherungsamts Darmstadt geregelt. Darnach sind ab 1. Oktober 1922 HauS- gewerbtreibende, soweit ihnen nicht ein jährliches Einkommen von 204 000 Mk. sicher ist, ttankenversicherungspflichttg. Als Hausgewerbtteibende gelten die selbständigen Gewerbtteibenden, die im Kassenbezirk ihre eigene Bettiebsstätte haben und im Auftrage und für Rechnung anderer Gewerbtteibender, öffent- licherVerbände, öffentlicher Körperschaften oder gemeinnütziger Unternehmungen arbeiten. Die Versicherungspflicht erstreckt sich ferner auf die von den Hausgewerb- tteibenden in ihren hausgewerblichen Betrieben Beschäftigten. Wir weisen alle Arbeitgeber darauf hin, daß sie nunmehr verpflichtet sind, die seither von ihnen beschäfttgten bzw. beauftragten Hausgewerbtteibenden innerhalb drei Tagen nach Erscheinen dieser Bekanntmachung der Allgemeinen Ortsttankenkasse der Stadt Gießen zu melden. Für die Folge gelten für die An- bzw. Abmeldung sowie auch die Lohnveränderungsanzeigen die Melde- und 6traf» bestimmungen der Allgemeinen Ortsttankenkasse der Stadt Gießen. Diese Vorschriften gelten auch für die außerhalb des Kassenbezirks ■ wohnenden Arbeitgeber Die Meldepflicht für seine Beschäftigten liegt dem Hausgewerbtteibenden ob. Weitere Auskunft kann bei der unterzeichneten Stelle sowie der Ortsttankenkasse der Stadt Giehen eingeholt werden. Gießen, den 2. Oktober 1922. Versicherungsamt der Stadt Gießen. Dr. Frey. 9196B Gleichzeitig suchen wir zum Aufkauf der Fläc hse zuverlässige Leute gegen hohe Provision oder feste 9 Rechnung.