Nr. 238 Erscheint täglich, oifytr Sonn- und Feiertag», mit berSomstaqsbeilagr GiehenerFamilien blätter Monatliche veznarpreise: Mk 102.- und Mk. 8.- Trägerlohn,durch dieDost Mk 125. - .auch beiNnht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Lnschlüfse: fürdieSchrist- kthing 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. poftschetttonio: Kremfturl a. M. 11686. Dienstag. 10. Oktober 1922 172. Jahrgang Gietzeimrlnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen t>md mkö Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. Lchristleitung, Geschäftsstelle und Vruderei: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bif zum Nachmittag vorher ohnejedeDerdindlichbeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 27 mm Breite ortlid) 400 Pf., auswärts 500 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Brette I600Pf. Bei Platz Vorschrift20" ^Aufschlag Hauptfchristleiter: Auo. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Berd, sämtlich in Gießen. Der Kampf um Rom. Aus Italien kommen Alarmnachrichten über einen geplanten Marsch der Fas - z ist en nach Rom, um mit Hilfe eines Staatsstreichs das Kabinett Facta zu stürzen, während man dem König gnädigst ein Scheindasein weiter fristen lassen will, vorausgesetzt, daß er sich dem Willen der Faszisten beugt. Die Meldungen über die, unter dem Vorwand eines Kongresses, für die Zeit vom 22. Okto- ber bis zum 4. November geplante Zusammenkunft der Faszisten mit dem Endziel der Besetzung des Parlamentes, der Absägung der Minister und der Einsetzung einer provisorischen Faszistenregierung klingen ja recht abenteuerlich; aber nach der Probemobilmachung, als welche man den „Feldzu g“ nach Bozen, der mit dem völligen Siege der fas- zistischen Rebellen nicht nur über die Stadt, sondern auch über das hilflose Kabinett Facta aeendet hat, ansehen kann, muh man sich von dieser Seite auf alles gefaßt machen- Was find und was wollen die Faszisten ? Der Rame stammt aus dem Lateinischen. Die Faszes, eine Institution des alten Rom, bestanden aus einem Bündel biegsamer Stöcke und einem dazwischen gesteckten, emporragenden Beil, das den höchsten römischen Gerichtsbeamten vorangettagen wurde. Die Faszisten sehen sich also wie eine Art Exekutivgewalt an, und ihr Symbol, das Beil, bedeutet „Kopf ab". Es paßt sinnig zu den zahllosen Gewalttaten, die auf ihrem Konto stehen. Sie rekrutieren sich zum Teil aus ehemaligen Kriegsteilnehmern, die stellunglos sind, zum Teil aus der verwilderten Jugend, zum Teil aus dem Großstadtjanhagel, der überall zu Hause ist. Was die Faszisten unter der Führung des Diktators Mussolini, der heute eine der einflußreichsten Persönlichkeiten Italiens ist, ursprünglich als ihr Programm ausgaben, klang zum Teil gar nicht so übel: „Politik des Gleichgewichts und der Versöhnung in Europa, Revision und Aenderuna der Friedensver- ttüge", wozu sich fteilich „die wirtschaftliche Annektion Dalmatiens" gesellte. Aber von diesem international-politischen Programm ist nicht mehr die Rede, sondern heute kämpft der FaszismuS um die politische Macht, kämpft für die Interessen einer erzreaktionären Schwerindustrie, also gegen die Arbeiterschutzgesetzgebung, gegen die sozialen Institutionen, kämpft vor allem für die Diktatur Mussolinis. Kämpft also auch gegen Las Parlament, in dem es die Faszisten trotz intensivster Agitation bei den letzten Wahlen auf nicht viel mehr als 20 Mandate gebracht haben, wenn auch fteilich ein nicht unerheblicher Teil dec Onorevoli sich längst dem Faszistenterror gebeugt hat. Die Klagen über die Gewalttaten der Faszisten, die regelrechte Strafexpeditionen gegen ganze Gemeinden, die sich „mißliebig" gemacht hatten, ausführten, und die vielfach faszistische Behörden einrichteten, sind Legion; aber das Tollste war doch ihr Vorstoß in die einst kerndeutsche und jetzt hoffnungsloser I-alienisierung prejSgegebene Stadt Bozen. Wo sie die deutsche^chule expropriierten und latinisierten, wo sie den Gemeinderat verjagten. And wo sie die Absetzung des hochverdienten Bürgermeisters Perathvner erzwangen, obwohl der König — der freilich nur eine Rull ist — ihm bereits die Bestätigung in seinem Amt erteilt hat. Während Mussolini sich bisher noch mit einem monarchischen Mäntelchen drapierte, hat er nun sein Amsturzprogramm bekannt gegeben. „Weg mit dem Staat der Versicherungen, der Eisenbahnen, der Wirtschaft", so heißt es in seinem Programm, das letzten Endes auf die Wirtschaftsanarchie hinauskommt. Er hat in Lldine den „Marsch auf Rom" angekündigt mit dem Ziel, „Italien zu regieren“, wobei die Monarchie bestehen bleiben darf, „vorausgesetzt, daß sie sich nicht gegen uns wendet". Die beiden großen bürgerlichen Parteien, die Populari und die Demokraten, haben an Einfluß stark verloren, und die in drei Gruppen zerfallenden Sozialisten, die radikalen Maximalisten, die Gemäßigten unter Turati, und die Kompromißler unter Ferri, sind durch die Spaltung geschwächt. Anter diesen AmstänLen ist die Stellung des Kabinetts deFacta stark erschüttert, und der Ministerpräsident schwankt noch, ob er gleich demissionieren oder aber durch Auflösung der Kammer und durch Ausschreibung von Neuwahlen den nicht sehr aussichtsvollen Kampf aufnehmen soll. Die gleichfalls erwogene Berufung Giolittis würde eine Kampfansage gegen die Faszisten bedeuten, da er bei diesen wegen der Durchführung des Fabrikrätegesetzes besonders verhaßt ist. Ze- denfalls steht Italien vor einer schweren Krisis, die schon längst nicht mehr eine Kabinettskrisis, sondern vielmehr eine Staatskrisis ist. deren weltpolittsche Bedeutung darin liegt, daß von den etwa siegreichen Faszisten auch nach außen hin eine ausgeprägt chauvinistische Politik zu gewärtigen wäre. Ganz abgesehen von der Ansteckungsgefahr, die in einer solchen „Aeberlandzentrale" des Chauvinismus liegt. Die Konferenz von Mudania. Paris. 10 Oft. (WTB.) der Sonderberichterstatter der „Chicago Tribüne" in M u d a n i a stellt die Vorgänge vom Sonntag wie folgt dar: Alm 1135 Ahr landeten General Me belli und General Charpy in Mudania. Sie schlossen sich mit Ismid Pascha ein, und es verbreitete sich das Gerücht, die Engländer hätten die beiden Generale ersucht, Ismid Pascha davon in Kenntnis zu sehen, daß die Antwort der englischen Regierung zufriedenstellend ausgefallen sei. Das Gerücht sei wahrscheinlich auf den Amstand zurückzuführen, daß General Harrington erklärt hat, er fei imstande, Ismid Pascha zu beruhigen. Die beiden Generäle überbrachten den ersten Brief des ©enerald Harrington, in dem gefordert wurde, daß die militärischen Operationen eingestellt würden Ismid Paschas Antwort sei gegen 3 Ahr auf dem Bureau Iron-Duky eingetroffen und die Antwort des Generals Harrington sei 25 Minuten vor 6 Ahr an der Küste übergeben worden. Paris, 9. Oft. (Wolff.) Havas berichtet aus Konstantinopel, die französischen und die italienischen Generale hätten in dem von ihren Regierungen erhaltenen Text der Instruktionen nach Konstantinopel zurückgekehrt, um mit den Abweichungen festgestellt. Sie seien deshalb nach OKonstanttnvpel zurückgekehrt, um mit den Oberkommissaren zu verhandeln. Sofort habe bei dem britischen Oberkommissar eine Beratung statt» gefunden, um die Texte zu vergleichen. Die französischen und italienischen Generale würden alsbald nach Mudania zurückkehren. London, 9. Oft. (WTB.) Reuter meldet aus Konstantinopel, Ismid Pascha habe General Harrington mitgeteilt, daß er die Einstellung aller Truppenbewegungen angeordnet habe. Einer weiteren Reutermeldung aus Mudania zufolge ist die Panik, die in Konstantinopel wegen des Berichtes über ein' türkisches Ultimatum entstanden ist, unbegründet. Die Türken hätten überhaupt kein Ultimatum gestellt. Morgen werde General Harrington Ismid Pascha die Vorschläge der Mächte bezüglich der Aeber- gabe Thraziens und der Räumung der neutralen Zone mitteilen, morgen werde da^r ein kritischer Tag sein. Paris, 9. Oft (WTB.) Ministerpräsident Poincare hat heute dem französischen Ober- kvmmissar in Konstantinopel General Pelle ergänzende Instruktionen gesandt, um jede Unsicherheit auf der Konferenz von Mudania bezüglich der Abgrenzung der neutralen Zone und des Umfanges der türfifoen Streitkräfte, die in Thrazien zuzulassen sind, zu zerstreuen. Es wird angenommen, daß die Konferenz der Generäle schnell zu Ende geführt werden kann, da dig Mehrzahl der Punkte des Protokolls, das zu Anfang der Beratungen von den Alliierten festgesetzt worden ist, tatsächlich geregelt sind. Eine verkleinerte neutrale Zone. Paris, 9. Ott. (WTB.) Havas teilt offiziös mit, die gestrige neue Unterbrechung Der von den alliierten Generälen in Mudania geführten Unterhandlungen sei darauf zurückzuführen, daß ihre Instruttionen nicht genügend bestimmt gelautet hätten, was die neutrale Zone und die Stärke der türkischen Gendarmerie von Thrazien anbetreffe. Ueber diese Punkte aber Hätten gestern vormittag in Paris Verhandlungen zwischen den Mitarbettern und Lord Curzon und ihren Kollegen im Quai d'Orsay stattgefunden. Schließlich fei man dahin übereingekommen, daß eine verkleinerte neutrale Zone eingerichtet werde. Diese solle Tschanak umfassen, wo die englischen Truppen bleiben würden, während die übrigen Punkte am asiatischen Ufer der Meerengen, wo sich die türkischen Abteilungen festgesetzt hätten, außerhalb bleiben. Ferner fei man in Paris und London durchaus einer Meinung darüber, daß der Umfang der tü^ischen Gendarmerie, die nach Thrazien getaffen werden soll, Dem politischen Charatter ihrer Mission entsprechend beschränkt werden soll. Es erscheine indessen wegen der unsicheren Lage in Thrazien nötig, schon jetzt die betreffende Zahl festzufetzen. l>hue die türkischen Behörden zu Rate zu ziehen. Diese bestimmten Vereinbarungen, fügt Ha- Da3 hinzu, müßten den alliierten Oberkommifio- nen in Konstantinopel telegraphisch zugegangen sein, so daß die Verhandlungen in Mudania f)eute nachmittag wieder ausgenommen werden können. Die Engländer am Bosporus. Paris. 9. Oft (WTB.) Havas meldet ans Konstannnopel: Der Schi f f s v e r keh r der aus Anweisung des englischen Admirals am Sonntag abend tm Bosporus infolge des neuen Eindringens der türkischen Streitkräfte in die neutrale Zone gesperrt worden war. ist heute vormittag wieder freigegeben worden London. 9. Oft (TDW) Reuter erfährt m maßgebenden Londoner Kreisen werde hervorgehoben, daß die von den Alliierten gegebene Garantie betteffend die Räumung Ostthra- z i e n s durch die griechische Armee zur Voraussetzung habe, daß die neutrale Zone respektiert werde, entsprechend den Bestimmungen der an die Angoraregierung gerichteten Rote vom 23. September. Bisher seien die Bestimmungen von den Türken nicht beachtet worden. Abgesehen von den nationalistischen Streitkräften, die sich noch in der Zone von Tschanak befinden, fei eine Verletzung des Gebietes von Ismid erfolgt Bisher lasse nichts auf eine Räumung dieses Gebietes schließen. Die alliierten Mächte seien vollkommen einig darin, daß das Versprechen. das die Räumung Oftthraziens sicherzustellen, davon abhänge, daß Mustapha Kemal die neutrale Zone achte. Die Stellung Lloyd (tzeorgeS. London. 9. Ott. (Wolff.) Die Tatsache, daß der „Observer", der bisher zu den treuesten Anhängern- des Premierministers gehörte, den Rücktritt Lloyd Georges fordert, wird in der übrigen Presse sehr beachtet. Die „Times" dagegen, die bisher die Politik der Regierung teils in sehr scharfer Form bekämpfte, schreibt in einem Leitartikel, die ttitifche Lage, in die der Fehler der Regierung das ganze Land gebracht habe, berechtige noch nicht zu der Forderung des unverzüglichen Rücktritts einzelner Minister vom Amt. Die „Times" schreibt außerdem, Lord (Surften habe neuerlich eine Meinungsverschiedenheit zwischen der britischen und französischen Regierung in der Orientpolitik verhindert. Für diesen Erfolg gebühre ihm der Dank der Ration und des Reiches. Die „Westminster Gazette" sagt, natürlich werde der Tag der Abrechnung zwischen den britischen Volke und seiner Regierung kommen. Inzwischen müßten erst die endgültigen Stadien der Krise durchgegangen werden. Es sei die Rei- gung des britischen Volles, so tief auch sein Mißtrauen gegenüber der Regierung sei. diese endgültigen Stadien nicht nod), schwieriger zu gestalten. Paris, 9. Oft. (Wolff.) Das „Echo de -Paris" meldet aus London, in den dortigen Klubs fei die Rede von einer politischen Krise >erster Ordnung, die als eine Folge der vollständigen Niederlage der Orientpolitik Lloyd Georges betrachtet werde. Als Rach- svlger Lloyd Georges würden Curzon, Chamberlain und Donar Law genannt. Eine Denkschrift des Staatssekretärs Schröder über die Neparationsftage. Berlin 9. Oft. Der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium. Schröder, arbeitete vor kurzem eine ausführliche Denkschrift über die deutschen Reparationsleistungen aus, und legte das Schriftstück u. a. auch Professor Keynes vor. Keynes kommentierte die Darstellung mit folgender Bemerkung: Die Tatsachen, die Staatssekretär Schröder aufgeführt hat, sollten ausreichen, das Märchen zu zerstören, daß Deutschland seit dem Waffenstillstände nichts getan hat. als zu versuchen, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. — Schröder weist in der Denkschrift darauf 'fjin, daß Deutschland schon jetzt zehnmal so viel bezahlt hat, als Frankreich nach dem Kriege 1870/71. Er forrnnt zu dem Ergebnis, daß die Gesamtablieferungen und Abtretungen Deutschlands einschließlich bcS Reichs- undStaats- eigentums in dem verlorenen Teile Oberschlesiens einen Gesamtwert von nckhezu 41 Milliarden Goldmark repräsentieren. Barthou und die Neparativns- kommission. Paris. 9. Oft. (WTB.) Wie der „Temps" mitteilt, hat der zurücktretende französische Delegierte in der Reparationskommission Dubois heute nachmittag seinen Rachfolger Barthou den Mitgliedern der Kommission vorgestellt. Heute abend gibt Dubois seinen Kollegen ein Abschiedsessen. Der Prozeh Rathenau. Leipzig. 9. Ott (WTB.) Während an den ersten Tagen des Rathenau-Prozesses im Straßenbild vor dem Reichsgericht nichts darauf hindeutete. daß sich ein Prozeß von ungeheurer Tragweite hinter den Mauern des Reichsgerichts abspielte, sammelten sich heute vor dem Reichsgerichtsplah große Menschenmengen an. Die Kontrolle ist heute äußerst streng. Dur Personen, die sich durch Lichtbild ausweisen, werden zugelassen. Dazu ist die Anzahl der Zuschauer auf ein Drittel verringert worden. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung um 9.20 und stellte fest, daß sämtliche Angeklagte zur Stelle sind. Er teilte weiter mit, es habe sich ergeben, daß die Krankheitserscheinungen, die bei verschiedenen Angeklagten am Samstag eingetreten waren, einen ernsthaften Hintergrund hätten. Rach den bisherigen Antersuchungen, die jedoch noch keineswegs ein endgültiges Ergebnis darstellen, sei der Verdacht nicht ausgeschlossen, daß ein Attentat auf die Gesundheit oder sogar das Geben einer der Angeklagten Dorliegen könnte. Der Verdacht habe die Sicherungsmahnahmen veranlaßt. — Hieraus wurde in die Verhandlung cingetreten. Zunächst wurde der Lom^w rtschasttte rer Duckardt- Derlin als Zeuge vernommen, der mit Günther zusammen das W-thelmsgymna turn be u±yt hatte. Er sagte über Günther aus, dieser sei stets ein hilfsbereiter Kamerad gewesen, habe sich aber außerordentlich beeinflussen lassen Auf der Schule habe er als phantastisch gegolten. Rach dem Erzbergermorde habe er ihn ' ufällig getroffen, den Mord hätte Günther aufs schärfsteverurteilt. Der Zeuge sagte meiter aus, daß Günther nur dann maßlos zu übertreiben pflegte, wenn es sich um seine Person gehandelt habe. Anläßlich der Konferenz von Genua habe er geäußert, er betrachte Rathenau, einen vielfachen Millionär, nicht als Vertreter der Arbeiterklasse oder als Der- treter der Demokratie, sondern als typisch'" Der- treter der Großfinanz. Von feinen Beziehungen zu rechtsstehenden Persönlichkeiten sprach er (ehr Diel, nannte jedoch nicht Ramen. Rach der Vereidigung des Zeugen wird Günther über seine Beziehungen vernommen. Er gibt zu. mit Gudendorfs in Verbindung gestanden zu haben, mit dem er über eine etwaige Wiederaufnahme des Za- gow-Prozesfes verhandelt habe. Auch zu Helffe- rich, Graf Reventlow und Oberst Bauer habe er Beziehungen gehabt. Cs folgte das Gutachten des Sachverständigen Sanitätsrats Schütz übei die geistige Verfassung Günthers. Der Sachverständige hält Günther für einen Psychopathen, aber nicht für geisteskrank. Er müsse als vermindert zurechnungsfähig bezeichnet werden. In seiner- weiteren Vernehmung sagte der Angeklagte Tillessen aus, er habe in Berlin von dem geflüchteten Brand erfahren, daß Kem ein großes Unternehmen, nämlich die Ermordung Rathenaus, vorhabe. Er habe Kem davon abgc> raten und schließlich den Eindruck gewonnen, daß Kem schwankend geworden fei. Au- Besingen bestritt der Angeklagte ausdrücklich feine Mitschuld an der Ermordung Rathenaus und ci Härte, er lmbe sich auch nicht veranlaßt gefühlt, den Kernschen Plan anzuzeiam, da er tatsächlich der Meinung gewesen sei, daß Kem seinen Plan bereits auf gegeben habe. Aus weiteres Befragen erklärte der Angeklagte, er habe den Eindruck gdjabt, daß Kem. solange es irgend möglich gewesen sei. Techow nicht eingeweiht habe. Er glaube, daß Kern schon als er das Auto habe holen lassen, an Mord gedacht habe Der Angeklagte Plaaß, der mit Tillessen befreundet und Geschäftsführer des Verbanden nationalgefinitter Soldaten de-5 norddeutschen Bundes in Frankfurt a. M. und zuletzt Schriftleiter der Völkischen Rundschau war, tagte aus. Tillessen sei über die Ermordung Erzbergers empört gewesen. Der Angeklagte ernärtc, er habe angenommen, daß Tillessen. dessen Einfluß au» Äem er gekannt habe, Kern von seinem Plane abbringen würde. Don einer Anzeige des Mord- planes habe er abgesehen, da er aus Äußerungen Kems entnommen habe, daß er den Plan habe fallen lassen. Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet. Es folgt die Vernehmung einer Reibe Polizeibeamten. die bei der Verhaftung un) voll- -etlichen Vernehmung der Angeklagten Bechow. Ilsemann. Plaaß. Voß und Steinbach mitgewirkt haben. Daran schließt sich die Vernehmung des Zeugen Studienrats Reh an. der über di Vor^ gänge auf dem Festabend des Deutschnationalen Zugendbundes aussagen soll, auf dem Günther mit großem Jubel als der Mörder Rathenaus begrüßt worden fein soll. Der demokratische Parteitag. Elberfeld. 9. Oft. (Wolff.) Heute vor» mittag Begannen in der Stadthalle die öffentlichen Verhandlungen des demokratischen Par, teitages. Dom Parteiausfchaß lag dem Par- -teitag zur Frage der inneren Politik folgende Entschließung vor: Der Parteitag er- 'wartet von der Arbeitsgemeinschaft, daß sie beiträgt, alle auf dem Boden der Republik stehenden Kräfte zu gemeinsamer Arbeit za- sammenzufassen. Er nimmt als selbstverständlich an. daß diese Arbeitsgemeinschaft die Selbständigkeit der Partei und die Aufrechterhaltung ihrer Grundsätze nicht beeinträchtigen wird. Insbeson- dere ist das Ziel, den Zusammenschluß zwischen den verschiedenen Schichten der Bevölkerung za wahren, unverändert im Aage zu behalten. Aus dem Reiche. Zur Wahl des Reichspräsidenten. Wie der „Lokalanz." hört, schweben in rechts st ehenden Kreisen Verhandlung gen über die Aufstellung eines gemein- s a m e n K a n d i d a t e n für die bevorstehende Deichspräsidentenwahl. Eine Korrespondenz will wissen, daß bei Verhandlungen zwischen den Führern der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei eine Einigung dahin erzielt worden fei, daß die Deutsche Dollspar- tei sich verpflichtet habe, Zentrum und Demokraten zur Aufstellung eines bürgerlichen Gegenkandidaten in Gemeinschaft mit den anderen bürgerlichen Parteien zu veranlassen und die in dieser Hnsicht begonnenen Verhandlungen mit allem Aachdruck fvrtsetzt. Erst wenn Zentrum und Demokraten ein gemeinsames Vorgehen mit den beiden Rechtsparteien ablehnen sollten, würde die Frage einer gemeinsamen Aktion der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei akut werden. . ZErlin, 9. Oft (Priv.-Telegr.) Wie da^ Verl. Tageblatt hört, nahmen in K o n - st a n z die Vertreter der Regierungsparteien mit Reichskanzler Dr. W i r t h über die Bildung emes_ überparteilichen Ausschusses für die Kandidatur Eberts zum Reichspräsidenten Rücksprache. Man ist. dem Blatt zufolge, zu einem Einvernehmen gekommen und hat darauf mit der Deutschen Dollspartei Fühlung genommen Aus Hessen. Die Uuterstützrmg notleidender Kleinrentner in Hessen. DaS Reich hat auch für das Rechnungsjahr 1922 Mittel zur Unterstützung der notleidenden Kleinrentner unter der Bedingung berettgestellt, daß Lander und Gemeinden hierzu bestimmte Beträge als weitere Unterstützung zuschiehen. Ursprünglich waren vom Reich für bas Recknungjahr 1922 = 500 Millionen Mark für die notleidenden Kleinrentner vorgesehen. Die durch die starke Geldentwertung bedingte Verschärfung der Rot- lage der Kleinrentner hat das.'Reich veranlaßt, wettere 500 Millionen Mark für die Kleinrentner zur Verfügung zu stellen. Die Bereitstellung dieser Mittel erfolgt unter der Bedingung, daß zu zwei Dritteln der Reichszuwendungen die Länder und Gemeinden mindestens den ll/rfachen Bettag zuschiehen. Hiervon hätte bestimmungsgemäß das Land zwei Drittel zu übernehmen. Für Hessen werden voraussichtlich zirka 20 Millionen Mark an Reichszuschüssen für 1922 in Frage kommen. Der Anteil des Staates würde rund 13l/3 Millionen Mark betragen. Im Staatsvoranschlag für 1922 wurden einstweilen für das Rechnungsjahr 1922 5 Millionen Mark vorgesehen, da der Umfang der Reichshilfe damals noch nicht übersehen werden konnte. Das Hessische Ministerium für Arbeit und Wirtschaft bittet nun in einer Vorlage an den Finanzausschuß des Landtags, die für 1922 bis jetzt vorgesehenen Mittel auf rund 13Va Millionen Mark zu erhöhen, mit der Maßgabe jedoch, daß dieser Betrag entsprechend den eventuellen weiteren Zuwendungen des Reiches überschritten werden darf. Aus Stadt und Land. Gießen, den 10. Oktober 1922. Die Steigerung der Lebenshaltungskosten. Infolge der anhaltenden starken Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse ist die vom Statistischen Reichsamt festgestellte Reichstndex- i i f f e r für d i e Lebenshaltungskosten l Aufwendungen für Ernährung, Heizung, Beleuchtung and Wohnung) im Durchschnitt beS Monats September auf 11 376 gegenüber 7029 im August gestiegen. Die Steigerung gegenüber dem Vor- monat beträgt somit 61.8 v. H. Die Indexziff-rr für die Ernahrungsausgaben im September berechnet sich auf 15 417, die Steigerung gegenüber August auf 58,2 v. H. Sine noch bedeutend stärkere Verteuerung ist für die Bekleidungs- Ausgaben festgestellt morden, die vom Stati- lllschen Reichsamt jetzt ebenfalls regelmäßig erhoben werden Die Indexziffer für die Deklei- dungsaiusgaben beträgt für September 26 000 gegen 12 571 im Vormonat, die Steigerung mithin 10o,8 v. H. llnter Einschluß der Aufwendungen für Dekleldung berechnet sich die Reichsindexziffer für September auf 13319; die Steigerung gegenüber der Augustzahl von 7765 beträgt danach 71,5, v. H Kongreß für Erfindungswesen. _ Der erste Kongreß für Erfindung s- wtzseu wird vom 11.—14. d Mts. in Gießen von der Gesellschaft zur Errichtung eines deutschen Erfindungsinstituts in Verbindung mit der Ar- beitsgemeins Haft deutscher Erfinder-Schutzverbünde veranstaltet. Ein Empfang findet am Mittwoch, dem 11. Oktober, abends 8 llhr im Medizinerheim, Alle Klinik, statt. Der Kongreß wird am 12. ds., form. 91/* Ähr, im großen Hörsaal der älniversität eröffnet Dabei spricht der Vorsitzende Geheimrat Sommer über die Organisation des deutschen Erfinderwesens, daraus folgt das erste Referat von Herrn Pat.-Anw. Dr. W e e r t h - Gießen über ntternativnule Vergleichung der Patentgesetz- gebung. Es schließen sich Vorträge über Patentwesen von Zahns-Bremen. Weder-Nürnberg u. grabe rfürforge übernimmt es auch in diesem Jahre, Gräber in Feindesland zu Allerseelen und zum Totensonnlag $u schmücken. Das Rähere kann bei der Geschäftsstelle der hiesigen Ortsgruppe, Gartensttaße 2, Obergeschoß, Zimmer Rr. 17, erfragt werden. Meldungen müssen daselbst für Allerseelen bis zum 11. Oktober, zum Totensonntag bis zum 25. Oktober angebracht werden. ** Den Rückgang der Bautätigkeit im Reiche kann man, der „Dauwelt" zufolge, an der Dermindetung der Zahl der Reubauten un Monat September erneut fest stellen. Im September sind nämlich im Deutschen Reiche 1715 Wohnungs- sowie 294 Fabrik- und sonstige Bauten bekanntgeworden gegen 3280 Reubauten im gleichen Monat des Vorjahres. Im August dieses Jahres wurden 1829 Wohnung-- sowie 392 Fabrikbauten festgestellt. Wettervo rauss agc für Mittwoch: Mäßig bewölkt, trocken, lühl, Rordostwind. Die Wetterlage ist im wesentlichen unverändert. Das bestehende Wetter hält an. Bornotizen. - Tageskalender für Dienstag Stadttheater. 7 Ahr: „Die Trösterin". — Postkeller. 8 ^Ihr: HaupiVersammlung des Bürger- Vereins. — Palast-Lichtspiele, ab heute. „Der Rat der Sünde" und „Tippelaule im Panoptikum". — Das Lichtspielhaus m der Bahnhofstraße beginnt morgen mit der Vorführung des Films „Der Graf von Monte Christo", der nach dem bekannten Roman von Alexander Dumas bearbeitet wurde. Näheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. Landkreis Gießen. ri. Lich, 9. Okt. Die hier geplanten zwei Aufführungen der Landeswanderbühne mußten abgesagt werden, weil die hiesige Bürgerschaft bei der hier herrschenden Wohnungsnot nicht in der Lage war, die verlangtem Freiquartiere für das Theaterpersonal aufzubringen. Auch war das Interesse für die Ausführungen sehr gering, da die Bevölkerung ausnahmslos bis in die Dunkelheit hinein mit der Grummet-, Obst- und Kartoffelernte beschäftigt ist und für Kunst und Unterhaltung vor Eintritt des Winters keine Minute Zeit hat. — Die hiesige Einwohnerschaft ist aufgefordert worden, möblierte Zimmer f ü r Gießener Studenten zur Verfügung zu stellen. Indessen wird wohl die herrschende und sogar zunehmende Wohnungsnot und Beschränktheit der Wohnungs-- verhältnissc eine Erfüllung dieser Aufforderung schwer möglich machen. Kreis Alsfeld. § Rieder-Ohmen, 9. Okt. Gestern sand unter starker Anteilliahme der Bevölkerung die Einweihung des EhrenfriedhofS für die im Weltkrieg aus hiesiger Gemeinde Gefallenen statt. Am RathauS stellte sich der Fest- zug auf und zog unter Dorantritt der Schuljugend und eines Posaunenchors nach dem Friedhof. Der Posaunenchor eröffnete die Feier mit dem Riederländischen Dankgebet. Dann folgte der Männerchor mit dem eindrucksvollen Lied: „Still ruht der Krieger". Der Vorsitzende des Denkmalausschusses. Dr. med. K i h n e r. vollzog die ilebergabe des Heldenfriedhofs, in dessen Mitte sich eine massige, abgerundete Pyramide aus Muschelkalk mit der Aufschrift: „Rieder- Ohmen seinen Helden" erhebt. Umgeben wird der Denkstein von Einzeldenksteinen, die die Ramen der 41 Helden aus unserer Gemeinde tragen. Vor jedem Gedächtnisstein breitet sich sehr sinnig ein Grabesbeet aus. Nachdem Bürgermeister R e e b bag Denkmal namens der Gemeinde übernommen, hielt Pfarrer Reusch von hier die Weiherede. Eine dreifache Ehrensalve folgte dem Verlesen der Ramen der Gefallenen. Eine markige Ansprache des hiesigen Lehrers Schäfer richtete sich an die Jugend Prachtvolle Kränze wurden nieder- gelegt. Gesänge der Schüler und ein Schlußgesang der Kriegsteilnehmer bildeten den schonen Abschluß der Feier. Kreis Büdingen. s^i Salzhausen beiRidda, 8. Oft Das hiesige Braunkohlen Bergwerk. am .,Salzhäuser Berg" zwischen Salzhausen und Geiß- Ridda gelegen, hat sich sehr gedeihlich entwickelt. Der Mangel an Steinkohle ist die Ursache hiervon: die Rachfrage übersteigt stets die Förderung. Jetzt hat man beschlossen, die Anlage zu vergrößern. Dieser Brennstoff bedeutet einen großen Vorteil für unsere Gegend. Starkenburg und Rheinhessen. rm. Darm st ad! 9. Oft. Fortgesetzt werden in hiesigen Kaffees und Restaurationen die 7TaciKi?m!aBi lueuwMWAw ■■■rarini Goldenberg war genau von den Herweghschen Verhältnissen unterrichtet, aber um diesem jungen Manne etwas abzuschlagen, „mühte man ja gekochte Milch in den Adern haben". Lutz hatte es ihm nun einmal angetan. Der Alle hatte den ■Ünterfcfüeb der beiden Brüder sofort erkannt, doch bet dem älteren gab die geborene Kvllin seine neue, anspruchsvolle Mieterin, seinem Vertrauen wenigstens festen Grund. Er übergab Ernst feine verzwickten Prozehangelegenhmen, deren zerlesene vergilbte Aktenstücke den jungen Anwalt gleich in die merkwürdigsten Verhältnisse dieser Sind: ein- weihten. Der Driefbote aber war der Gatte einer der vielen verflossenen Köchinnen der Generalin, und er hatte .Herrn Ernst" noch auS jenen Tagen gekannt, als jener seine rotbraune Primanermuke trug und er nächtlich unter den Fenstern seiner Braut gestanden hatte. Ernst war stets mit höflichem Gruß an ihm vor übergegangen. Dieser ritterliche Gruß Halle ihm mehr Zutrauen erworben, als er ahnte. Ts sind schon erbitterte Feindschallen zwischen Frauen entstanden um eines hochmütigen GrußeS willen. Eiwst Herwegs) hatte die ganze Mainzer Straße einfach gegrüßt, well er btefc Leute jeden Tag sah, und hatte damit aller Herzen gewonnen Tie Angelegenheit des verdächtigen Briefboten wurde juerp verhandelt, und es gelang Ernst, in einem warmen Plädoyer die Richter von der Schuldlosigk it seines Ksienten au überzeugen. Der Staatsanwalt wurde überstimmt, bcr Driefbote freigesprochen und erhielt seine Anstellung wieder. Ernst hatte selbst zu diesem Zwecke bei dem Postoireftor dorgesprochen und hatte auch dort für seinen Klienten plädiert. Lind an dem Tage deS Freispruchs nahm er den dankbaren Bries boten mit in seine Wohnung und lud ihn zum Essen ein. Grete machte zwar ein Mündchen, denn im Rheinland sind die Standesunterschiede nicht kleiner als rrt Pommern ober Potsdam, aber sie fügte sich, der Fall interessierte auch sie. Der glückliche Vriesbote dankte gerührt seinem Befreier und stieß mit ihm an „auf eine gute Praxis". Denn die mußte kommen bei einem Manne, der sich der armen Leute annahm. „Ei so was war ja noch ntf,“ sagte Fräulein Schmidt. Bald wußte es die ganze Stadt, und der befreite Briefbote, der wieder Briefe in die Stadtmitte trug, verkündete Herweghs Erfolg überall. Die Eppenhausener Aktiengesellschaft dagegen machte Ernst mehr zu schaffen. Sie kroch wie eine Seeschlange durch seine Mten, denn die neue Konkurrenzfabrik gedieh üppig und hatte einen eigenen Datznanschluh. während die Winterichsche daran krankte, daß sie zu weit entfernt vom Dahn- gleise lag. Man hatte am Gelände sparen wollen. Das rächte sich jeht. Eines Tages unterbreitete ihm sein Schwiegervater einen Vorschlag Kollin Halle sich seit zehn fahren jeden Moracn beim Lesen des Kurszettels derartig über den immer tiefer sinkenden Kurs der Winterichschen Ziegelaktien aufgeregt, daß er „es satt hatte' Doktor Rickert hatte ein Herzleiden bet ihm festgestellt, und bat, waren iym die Aktien nicht wert. Er wollte „ben ganzen Schwindel" los fein und er schenkte Ernst die fünfzigtausend Qllacf Aktienkapital als Hettats- gut. Mochte der sehen, was er damit anfing. Wenn er ihm nur versprach, ben Ramen „Sppen-- -Brsr-rvyren aus den Toiletten gestohlen. Die Diebe benutzen ruhige Betriebsstunden, um die Dleiverbindungrn herauszuschneiden und dann zu verschwinden. Sie haben dadurch schon eine Anzahl Geschäftsleute empfindlich geschädigt. Bisher ist es nicht gelungen, ihre Spur zu entdecken. — Für etwa 300 000 Mark Kleider und Stoffe wurden aus einem hiesigen Kleidergeschäft gestohlen. Cs ist gelungen, die Diebe, welche zum Teil im gleichen Betriebe, beschäftigt sind, zu ermitteln und die Stoffe zum Tell herbeizuschaffen. Hcfieit-Nafiau. fpd. Frankfurt a. M„ 9. Oft. Die vom Statistischen Ami berechnete T e u e r u n g s za h l für Lebensrnittel, Brennstoffe und Wohnung stellte sich in den Monaten Juli. August und September auf 4855, bzw. 6876- bzw. 11 572, ist also im Durchschnitt des abgelaufenen Monats um 6 8,3 Pro° z e n t gegen die Zahl des Vormonats gestiegen. — Die städtische Baupolizei erteilte im Monat September Daubeschei be, die sich aus 2 6 W o h n h ä u s e r, ein Bankhaus, ein Indu- striegebäude, zwei Geschäftsgebäude und ein Garagengebäude im Gesamtwerte von 147 Millionen Mark erstrecken. In den Wohngebäuden werden 184 Wohnungen hergerichtet. Die Stadt laßt in Heddernheim 40 und in der Riederwaldkolonic 70 Wohnungen erbauen. Die ursprünglichen Baukosten von 40 Millionen Mark erhöhen sich auf 109 Mill. Mark. Die Frankfurter Herbstmesse. fpd. Frankfurt a. M, 9. Oft. Der Besuch der Messe war he.tte einausgezeich- neter. Dementsprechend gestaltete sich auch das Messegeschäft durchaus befriedigend. Der Zudrang zu den einzelnen Abteilungen war zettweise so stark, wie er bisher noch nicht erlebt wurde. Ramentlich herrschte in der Textilmesse eine sckhr große Rachfrage nach allen Arttkeln, ebenso auf der Ledermesse. Rach dem Preise wurde nicht gefragt. Auch in derTabakmesse wurden große Verkaufe abgeschlossen. Lebhaft gestaltete sich der Handel in landwirtschaftlichen Maschinen- hier waren namentlich viele Käufer aus der Umgebung Frankfurts erschienen, die trotz der hohen Preise viel einkauften. Schuhwaren sind nach wie vor sehr begehrte Artikel. Den stärksten Verkehr wies zweifelsohne das Haus der Technik auf. Leider kam es hier vielfach vor, daß die Firmen für ihre Waren Zahlung in ausländischer Währung verlangten, wogegen scharfer Einspruchs echoben wurde. Der zweite Messetag darf als voller Erfolg verbucht werden. Der Verkehr ist in der ganzen Stadt ein riesenhafter. Die Sttaßenbahn nahm am Sonntag rund 2V3 Millionen Mark ein, eine bisher nicht erreichte Summe. Leider tönen aber auch Mißklänge in die Messestimmung hinein, insofern, als Zimmervermieter von ihren Gästen Preise ter langen, die als unverschämt bezeichnet werden müssen. In einzelnen Fällen wurden bis zu 3000 Mark für ein Zimmer und eine Rächt verlangt. Selbstverständlich zeigten die also ilebertDrtctlten diese Zeitgenossen sofort bei der Wucherpolizei an. — $cute wurden im Messetrubel innerhalb zwei Stunden acht goldene 11'5 ren gestohlen. Am Hauptbahn Hof gelang es einem Kriminalbeamten, einen Ostgalizier auf frischer Tat zu erwischen, als er einem Meßfremden die LlHr aus der Tasche bugsieren wollte. Der Dieb gehört einer internationalen Bande an. Schlichtungsausschus; der Provinz Ovcrhefien. Verhandlung vom 5. Oktober. Für die Lagerarbeiter der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft in 2llsf eld und D u r g - G e m ü n d e n sch ug der Schlichtungsausschuß für die Zeit vom 1 bis zum 30. September 1922 die Lohnsätze der Hilfsarbeiter der Sägewerke vor. Den Maurermeistern Friedrich Schaub in Herbftein und Heinrich Schmelz in Ulrichstein gab er auf, vom 14. September 1922 an ihre Arbeiter nach den Festsetzungen des Rach- trags vom 20. September 1922 zum Lohn- und Arbeitstarif für das Baugewerbe in der Provinz Hessen-Rassau, den Freistaaten Hessen usw. zu entlohnen. Gegen Friedrich S staub verhängte der Vorsitzende 100 Mk. Strafe wegen unentschuldigten Fernbleibens von der Verhandlung. In der Antragssache des D e u t s ch e n D a u» arbeiterverbandes gegen vier weitere Bauunternehmer in Stockhausen. Brauerschwcnd -----— 1 ■ ! —------------- Heutiger Stand des Dossarr 10 Ahr vormittags: Berlin 3050—3150, Frankfurt 3000—3100 Hauser Ziegelei" nicht mehr an seinem Tisch auszusprechen „Topp, Handschlag und einverstanden, nicht wahr, Herr Schwiegersohn?" Ernst schlug ein. Von nun an war er Kapitalist und hatte ein Wort bei der Führung der Fabrik mitzureden. Die Roblesse seines Schwiegervaters rührte ihn. ..Hab' ich nun recht gehabt oder ihr?" sagte Frau Herwegh des Sonntags, als sie den Puter tranchierte. Das „ihr" bezog sich auf Liane und Lutz, die sich Kollins gegenüber immer noch skeptisch verhielten und jeden Sonntag fragten, wie hoch eigentlich Gretes Mitgift sei, in deren Ziffern Fräulein Schmidt einst geschwelgt hatte. Kollin hatte sich seit der Aussteuer nicht mehr gerührt Mit diesen Aktien war seine Tochter abgefunden. Wenigstens so lange er lebte. Die gute Großmama lieh sich ab und zu herbei, eine Hutrechnung zu bezahlen oder einen Opernplatz, aber „man konnte es doch nicht machen wie der König Lear". Von Ernsts Einnahmen konnte der Haushalt nicht bestritten werden, und so lavierte Grete beständig zwischen der schwachen Mutter und dem strengen Vater hin und her. Herr Kollin war, wenn es sich um Geldausgaben handelte, recht knickerig und wurde grob. Er schob das Geld, das er auf Gretes Bitten murrend aus seinem eisernen Geldschrank hervorholte, mtt einer Handbewegung über den Tisch „Da habt ihr was, ihr könnt ja nie genug kriegen." Ernst hatte feine Lust, sich dieser Behandlung jum zweiten Male auSzusetzen. Grete tröstete ihn damit, daß der Vater „immer so" gewesen sei. daß ihre Mutter „nicht umsonst" ihr Leberleiden gekriegt hätte. „Aber warum hat sie ihn denn genommen?^ fügte die Tochter hinzu. (Fortsetzung folgt) dir >om 45054'90 45145,10 54145*80 54254/20 60, die Preisgebote 33000, Hamburg A«»er. Pake, 860,— 900, Norddeutscher Vlonb 570, 610,- Ühilipp Hol-mann . . nz 16K, 1-500,— 1580, 1100, Nernniann 820, W5, Und dann die Runzeln? irf uoo. aus« Schluß- Schluß. Schluß» 1315, 1360, $ Ml Keller Badische Anilin M. Ibfrljmlbi. . . 84),- 581,- ßaiv »eitert hvcnb 875, 599, üjkAM ’.iTüa men, uh- M das hier tiren gtm, Der bucht t ein am bis- 835,- 4525, 1825,- Berlin, mungsbild. b in -ich 2 an Hadr > und covirz ®. zu le der dlglen 11638,30 19955,— 40259,70 11313,60 r, irt» ft in 47652,30 71028,90 2662,30 3,16 102,39 9395,60 11661,70 49549.50 40340,3) 11336,40 1390, 1425, 1130? Sander. 9. Ott. (Wolff.) Börsenstim 9797,30 169(4,40 41916*90 33833,80 9609,60 39039,- 58458,50 5005,- 2227,30 3,03 89,84 7532,60 Antw.'Brussel . Holland London Paris Schweiz Spanten Italien ViHaboit'Cporto Dänemark . . . . Norwegen . . . . Schweden . . . . Helsingfors. . . . Nenvork Teutsch-Oesterr. Budapest Praa Sofia Geld 15534,40 85914, 9777,70 16870,60 418311,10 3’1766/20 9590,40 875, 6000, 1860, ‘Berlin, 9. Oft. (Wolfs.) Die „B. Z. a. M meldet: 3n der Dacht -um Sonntag sind 5 Per- Ionen nach dem Genuß von Ä 0 n f c f t, das ihnen von einer Angestellten der Sarottifabdl in Tempelhof geschenkt worden war. schwer erkrankt. Es stellte sich starkes Erbrechen,Schwere in den Gliedern und bei einzelnen Fiebererschei-' nungen ein. — Wie die Kriminalpolizei mitteilt, haben sich die Vergiftungen später als keine Konsektvergiftungen heraasgestellt. Das dort verabreichte Äonfeft stamme auch garnicht aus der Sarvttifabrik. Berlin, 9. Oft Laut „B. 3. a. QH.“ sind zwischen den Berliner Theaterdirefto- ren und der Berliner Schauspielerschaft endgültige Gagenabkommen für Oktober unterzeichnet worden. Danach ist die Desamt- mtndestgage von 22 000 Mark in 15 000 Mark Gage und 7000 Mark Beschaffungsbeihilfe geteilt. |t. De. >ch- das rang le Io urbe. wie ienlo urte eben (tete Schluß- Auro 9.10. 77,50 240,- 131,- 501,- 80,25 94,- 7L- s: mei. urch >t>n arl Nem n die Hxr- ic al» r ein md- Zeit, fcatf .nben Am ulen, chrn. inter* 5550,— 1900,- 1577,- 1400,- 1400,- 1100,- 1059,— 1770,- 880,- 803,— 1600,- 2750,- 520,- 555,- 1001.- 1700,- 1475,- 55;),— 040,— 995,- 955,- 920,- Brief Geld Bries 15565,40 18656,30 18693.70 86086,- 102897,- 103103,- irichi ein- e ein reben. e ihn Aon trau' »Lutz- eptifj c h°a> jiffern «ollllt Mn JroN' Mag .man ändig engen nn es tgund SreieS chrank r den ®**s er Uli P°l hinzu Börsenkurse. Frankfurt a. M. Berlin irch 'to- iit- : tm ’ aaf abu. Sa° 'nen ■Öen H61 Wii >au. auf „ . . Die fortschreitende Markenlwer- hing tm Aaslande und anhaltende Käufe für den 47747,70 71171,10 2667,70 3,24 102 61 9384,40 Turnen, Sport und Spiel. PrLmienfahren, Schulreiten und Pferderennen zu Reiskirchen bei Wetzlar. Die in Reiskirchen abgehaltene erste Veranstaltung des neu gegründeten Vereins für Fahr - und Reitsport im Kreise Weh- lar wies einen Massenbesuch auf, wie er kaum «wartet werden durfte, ein Zeichen, daß auch Wehlar mit seiner Umgebung für den edlen Pferdesport sehr aufnahmefähig ist. Das Geläufe war infolge der langen Regentage, trotz der hohen Lage der Bahn, ziemlich tief, wodurch an die Fahrer und Reiter besonders hohe Anforderungen gestellt wurden 3n sportlicher Hinsicht sah man recht schöne Bilder, die Beteiligung war aber im allgemeinen etwas schwach, was wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dah das Unternehmen noch zu sehr in den Kinderschuhen steckt. Es soll aber tm nächsten Jahre alles daran gesetzt werden, die Sache gröber auszubauen und durch wechselseitige Beziehungen mit den Vereinen der Aachbarstädte eine programmatische Vervollkommnung zu erreichen Die Ergebnisse ber Konkurrenzen waren folgende: 1. Prämienfahren für Luxusfuhr- werke. 3) Zweispänner. 1. Herr Karl Sarges, 'Wetzlar 2 Herr L Betzenberger, Braunfels. 3. Herr Robert Waldschmidt, Wetzlar. b) Einspänner 1. Herr Wilh. Löber, ©leben. 2. Herr Bieler, Dieben. 3. A. Durstewih, Wetzlar. 2. Prämienfahren für landw Gespanne 1. Herr Louis ‘Walther, Rauborn 2. Herr Wilh. QBeil, Grob- Rechtenbach 3. Herr Wilh. Priester, Weilmünster. 3 Schulreiten. I. Herr Bieler, Dieben. 2 Herr W. Löber, (Sieben. 3. Herr Haardt, Wetzlar. 4 Sir abreit en 1. Herr Hans Hensoldt, Wetzlar. 2. Herr Bieler, Gießen. 5. Flachrennen. 1. Herr Otto Durstewih, Wetzlar. 2. Herr Hans Hensoldt, Wetzlar. um etwa 300 Mark und darüber höher, ohne baß die Umsätze einen gröberen älmsang gewannen. Für Mehl galt dasselbe. Auch bei Futterstoffen, Hülsenfrüchten und Oelfaaten wirkt die Knappheit des Angebots auberordentlich preissteigernd. Frankfurter Schlachtviehmarkt. F ra n k f u r t a. M, 9. Oft. (Amtlich.) Marktoerlauf : Rinder, Kälber und Schafe langsam, ausverkauft,- in Schweinen langsamer Handel und -Ucbcrftanb. 3m einzelnen ist zu bemerken. Auf- getrieben waren 1673 Rinder, darunter 425 Ochsen, 84 Bullen und 1164 Färsen und Kühe. Ferner 254 Kälber. 187 Schafe und 1255 Schweine. An Preisen wurden angelegt pr. Ztr. Ledmdgewlcht: Ochsen 8500—12 500 Mk., Bullen 8000-11000 Färsen und Kühe 10 000—12 000 für beste Färsen, 3650,- 3225 - 3370,- 1000,- -,— -,— Fahlc, schlaffe, welke, graue Laut wird belebt uub oeijünat durch wohltuende ^rottage mit Aok-Leesand-MandclNete. IregelmLhtqer Gebrauch von Äok - Leesand - Mandelklete macht die Lau« schnell und sicher bturnen zart, rosig und jug^ndsrlsch — Aok-See- sand- Mandelkleie ist überall iu haben Röhstofsbezug and die Lebeasrnitteleinfuhr steigerten die Devisenkurse weit über jeden bisher erreichten Stand hinaus. Der Dollarkars überschritt 2600 und hielt sich unter leichten Schwankungen auf dieser Höhe. 3m Zusammenhang hiermit herrschte für Effekten grober Kaufandrang, namentlich für 'Werte, in welchen sich hauptsächlich die Spekulation betätigte. Hütten- und Bergwerksaktien stellten sich gleich zu Beginn 100 bis 300 Proz. höher. Rhein- stahlaftien, tm Verlaufe tn groben Posten a*tä dem Markte genommen, genxnmcn etwa 700 Proz. Außerordentlich hoch waren die Gewinne der Petroleumaktien, von denen Deutsche Grdöl 3000 Prozent in dle Höhe gingen und Deutsche Petroleum 800 Prvz. gewannen. Von Glektrizitats'werten fehlen Siemens höher ein. Auf die Devisensteigerang hin wurden natur- gemäb sämtliche Papiere mit Valutacharakter ganz bedeutend im Kurse gesteigert. Mexikaner fliegen um 4000 Proz. Türkische und r-umänische Anleihen waren besonders gefragt. Türtische gewannen etwa 400 Proz. Ungarische Goldanl ihen und österreichische Staatebaty.aEtien profitierten kräftig von der Hausfeströmu.m. Von Schiffah'.-tsaktien 'waren nur Bereinigte Llb.schlffährt wesentlich ge- bessert. Von Bankaktien setzten besonders Deutsche Ban? ihre Aufwärtsbew^ung fort. Deutsche Reichsanleihen und P reust. Konsols belferten sich gleichfalls. 3proz. Reichsan leihe flieg um etwa 70 Prozent. Bon der Spekulation wurden alle Werte, bei denen Valutagewinne bi Aussicht stehen, bevorzugt. 3m Zusammenhang hiermit stiegen Anglo Guano und Basalt-Attien um je 1250 Proz. §ür 3nöuftrieaftien mit Einheitskurien bestand grobe Kauf last feiten- des Privatpublikums, so daß die 5Vur5feftfle(lang sehr bedeutenden Verzögerungen unterliegt. Frankfurt a. M., 9. Oft. Börsen- stimmungsbild. Dollarkurs im Frühverkehr 2425—2475, im Verlaufe 2550—2650. Aus dem Devisenmarkt war im vorbörslichen Pri- vatverkehr das Geschäft lebhaft bei sehr festen Kursen. Die Preise verfolgten im Verlaufe weiter steigende Richtung. Der Effektenmarkt zeigte bei Eröffnung eine regere Anterneh- Kirche und SLßU7e. ri Lich, 9 Oft Das evangelische Dekanat Hungen hielt heute hier unter dem Vorsitz von Dekan Sn g e ( - Obbornhofen eine Konferenz, die durch die Anwesenheit des Suterintenbentcn Geheimen Konsistorialrats D. Petersen aus Darmstadt eine besondere Bebe u t u n g hatte. Rach der kurzen, von dem Dekanstellvertreter Beckel-Södel gehaltenen Gröffnungsandacht hielt Pfarrer Göckel - Hungen einen Vortrag über „Gerhart Hauptmann und seine Stellung zur Religion". Rach einer Aussprache über diesen Gegenstand sprach Pfarrer B e y r i ch - Münzenberg über die Arbeit des Verbandes .zur Pflege der weiblichen Zugend. Der Superintendent D. Petersen richtete an die Dekanatsgeistlichkeit eint warme Schluß- an spräche Datum: v°/,Dtsch. Neichsanleihe 4°/o Dergleichen 3*/i°/o Dergleichen 3e/0 Dergleichen Dtsch.Svnr-dram.-Anl. 4°/, Preußische KonsolS 4°/u .peifen 31///, Hessen 3% Hessen 4% Boßtlirfcn 1675,— 2175,— 1650, 5% Goldmerikaner 30000,— 34000,— — sementwerkHeidelberg 1285,— 1298,— ‘ ' 850,- 948,— >lngIo-Cont.-Glmno . 4700, ..... " " 1«35, DermischLes. Dresden, 9 Oft 3m Amtsgcrichtögcsäng- nis zu Reichenau überfiel der Arbeiter K 0 - p r i v a aus Böhmen den Gefängnisin- s p e k t 0 r bei einem Rundgang. ®r fesselte ihn, wickelte ihn in eine Schlafdecke ein und schlob ihn in feine Zelle. Dann befreite er seinen Bruder und zw.ü andere Gefangene, sowie eine ebenfalls in Hast besindlichr Räherin. Die Flüchl- linge, Die einer berüchtigten Schmugalerbande angehören. sind wahrscheinlich über die naln» Grenze entfomtnen. Berlin, 9. Oft. (Wolsf.) Auf der Bahn- strecke zwischen Landsberg a d Warthe und Zechow iil gestern abend die Leiche eines jungr-n Mann. . ' rmutlich di? eines Hausdieners aus Berlin, auigefvnden worden. Sie hatte einen Knebel im . Aftaenrvb wegen Durchführung ber Bezirks- Tariflöhne verständigten sich die Streitteile ohne Sffenlliche Verhandlung Dasselbe geschah in der Lohustreitsache des Verbandes der Bergarbeiter gegen das Süddeutsche 3solierwerk, Kieselgurgrube Beuern Als En lohnung eines schwerkrieg rbekchädig- ten Hilfsarbeiters der Bad- und Kurverwaltung in Bad-Rauheim schlug der Schlichtungsausschuh 66 Proz. des Grundlohnes eimrs Bollarbeiters, statt bisher 50 Proz., und die vollen sozialen Zulagen wie bisher vor. Den Einspruch dreier Arbeiter der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft in Friedberg gegen Kündigung wegen Betriebseinfchränkung iAu einanderlegung des Betriebes durch Eröffnung neuer Lagerhäuser an anderen Orten Oberhessens) erklärte der Schlich- tungsausschuh für nicht gerechtfertigt. Die Ge- nossenschaft hatte die Arbeitszeit nach § 12 der Verordnung vom 12. Februar 1920 vor der Kündigung genügend verkürzt und bann entsprechend § 13 ber Verordnung gekündigt. bote gingen infolgedessen sehr bedeutend in die Höhe, um neues Angebot herauS- zuziehen. Die ®etreibet»reife stellten sich wieder Griee-Heimer Electron 1318,— vudjfier Aarbroerfe 1360,— Holzverkohlung . . . 1000,— /lütnexviuerfe...... 1040,— itbcibcanjtah 1665,— 21 Hfl. ElektrizitätS-Gei. 855,— 7000—10 800 für geringe. Kälber beste Qualitäten 13 500-14 500. mittlere 12 500-13 400, geringe 11000- 12 4C0, Sj>ifc 6200—11 CO?, Schweine unter 80 Kilo Lebendgewicht 18 000—23 000, 80—100 Kilo 23 500 - 26 000, 100 I2o Kilo 26 000—27 000, 120-150 Kilo 26 000-27 00?, FettschU'eine über 150 Kilo 26 000 27 000, Sauen und Eber 20 000 bis 25 000 Mk. Die Preise liegen um soviel über den Stallpreifen, als sie die nicht unerbeblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlerqewinn in sich schließen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M. 9 Oft Der Geschäftsgang an ber Getreidebörse ist infolge bei Bc« inegung der Devisenkurse stärker beeinflußt. Es besteht wohl größere Rachsrage nach verschiedenen Artikeln, doch ist der Handel eng begrenzt Die Preise, welche genannt sind, halten die Käufer ab, größere Abschlüsse zu zeitigen. Sofort lieferbare Bla re findet bei dringendem Bedarf zu erhöhten Preisen Ausnahme. Weizen und Roggen fest, letzterer nähert sich immer mehr dem Weizenpreis Gerste und Hafer bleiben aesuchi Mais ruhig bei festem Preis. Hülsens'ächte fehlen fast ganz. Futtermittel, welckx ebenfalls sehr mäßig am Markte sind, finden trotz erhöhten Preisen schlanke Ausnahme. Infolge der starken Devisensteigerung ist das Geschäft unregelmäßig und relativ Hem. Notierungen, welch? die Marktlage genau widerspiegeln, sind schwer zu ermitteln, weshalb die amtliche Preisfeststellung heute ausfättt. 5r«nlt rter Karlo fe pre snotieruneen. fpd. Frankfurt a. M„ 9. Olt. Die amtliche Notierung^lommission für das Wirtschaftsgebiet Hessen-Rassau and Hessen setzte Ix-utc folgende Erzeugerpreise fest weihe Kartoffeln 370 -390 Mk. (gegen 310 330 Mk.), rote 360-380 Mk. (320-330 Mk.). gelbfleischige 380 bis 400 Mk. (330-340 Bit); Großhandels- einstandspreiS: weif? Kartoffeln 420 bis 440 QHT., rote 410—430 Mk, gelbfleifchige 430 bis 450 Mk., je Zentner. Berliner Produkte .markt. Berlin, 9. Oft. (Wolff.) Die gewaltige Aufwärtsbewegung ber Devifenkurfe führt zu einer immer schärferen Zurückhaltung der Verkäufer auf dem Produktenmarkte. Hierzu trägt auch die Beschäftigung der Landwirtschaft mit Feldarbeiten bei Die Versorgung des Konsums gestaltete sich infolgedessen überaus schwierig und schlickert 1550,— Siemens & Halske. . 2675,— ötdlertverke .17 lener. 520,— Daimler üllotoren. . . 550,— veyligenftnebt 1000,— :Ulcnuln 1550,— Metnstgei. Frankfurt. . 1375,— Schuhfabrik Her» .... 593,— Sichel 624,— .'ellltoff Waldbof ... 999,- Znckerfabr.?iraiikenihal 950,— ZuckerfabrikWaaimitsel 950,— 840- 840,- 75L- 790,- 1525,- 1550- 2550,- 2650,- 521,- 535,- 575,— 560,- 1580^— 1700'- 5420,— 5700,— 1920,- 1960,— 2700,- 2825,- 3850,- 1810, - 1875,- 3950,- 4002,- 3010,- 3500,- 38961,- 5h341,50 4995,50 2222.70 2.99 89,66 7517,40 Berliner Handelsgef. Commerz u. Privalbk Barmfi. n.Natioucilbank Deutsche Bank Deutsche Bereinsbank. Diöcomo Eommandit . Metallbank Miitetdeut. Grcbitbanf Oesterr. Crcditanstalt. Bochumer Guh Buderus Caro Deutsch-Lnremburg. . . Gelsenkirchener Bergw. Harvener Bergbau. . .5550,— dhd, Kaliwerk Aschersleben. 1900,— 1900, Kaliwerk Westeregeln . 2500,— 2810, Vaurabütte 3950,— 3650, Oberbebart 1780 - 1930, Pliönir Bergbau 4100,— 4350, Nheinstabl 3050,- 3725, Niebeck Montan . . . . 3450, TelluS Bergbau 9«0, AUTO LAMPEN 9ur jede elektrische Auto -B eleuchtung unentbehrlich fiurs Rurs Kurs 6 10. 9. 10. 6.10. 77,50 77,50 77450 221,— 230,- 225,- 125,- 120,- 122,- 440- 450,- 431,- 80,- 80,50 80,- 82.- 87,- 87,25 70,- 66,- 71,- 66,- 60,— —- 62,- 60/25 1600,- 1735,- 1625,- 1700,- 322. 340,- 322.— 350,- 1 305.- 350,- 308- 356,— 740,- 940,- 750.- 910,- 210,- 211,- —.— —- — 450,- 540,— 460,- 545,— 1875,— 1475,- —. — 3.50'- 315,— 340,- 312,- 375,- 405.- 355, — 400,- 3250,- 3300,- 3100,- 3375,- 1160,— 1550,- 1405,- 1572,- 1230,- 1370,- 1250,- 1300,— 3200,- 3300,- 3000,- 3425,- 3310,- 3350,- 3250,- 3500,— Statt Karten NurBahnhofstraDe 34! Berlin — Paris London — Neuyork Sauber! Schnell! WMcl* Der Graf von Gut! Reell! Bearbeitet nach dem weltberühmten Roman von 6876c gesucht. 09525 N trag Aussprache. 9166v Jedermann ist eingeladen. icm 15. Okt. 09513 Au»t. 09507, gtau floerftit. Seil. Walltorstratze 46. I Liebig straffe 80. « CO Leute zum Kartosfellesen fit M M WW für ein raufmitonifdtes Bureau In Metzlar gefuHL Schrlsll. Amme unter 9185 d an den Sletzener Anzeiger. Donnerstag, den 12. Oktober 1922, nachmittags 2 Ahr, versteigere ich in Gießen im „Löwen", Neuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: a) 1 Ueberzieher, 1 kompletten Anzug, 1 Paar Lackhalbschuhe, 1 Filzhut, 1 Stroh- Hut, 2 Paar Handschuhe, 1 Armbanduhr, 1 Rasiermesser u. v. a. b) Ferner: 3 Zugleinen, 1 Kartätsche, 3 Schrupper, verschiedene Bürsten-, Korb- und Spielwaren. Die unter b) genannten Gegenstände sind neu. Versteigerung besttmmt. Gern, Gerichtsvollzieher in Gießen, Steinsttahe 13. 9164 Versteigerung am 11. Oktober 1922. 1. Nachm. 2 Uhr bei SpediteurLynker, Erlengasse, gemäß § 373 H. G. V. 30 kg Suppenwürze. 2. Nachm. 3 Uhr im Cafe Leib zwangsweise 1 elektr. Widerstand, 110 Bolt, 30—60 Amp. Versteigerung bestimmt, gise Junker, Gerichtsvollzieher. gesucht. 91881 unt. 2538 mt $>etfo, Plockttraffe S p.! M. A.-E-, Plockstr.5. Servos, rn^rke sich ein jeder* putzt die Schuh’, erhält das Leder. (htm luhsiynski 6-C5.A.-(L Berlin bchfenberg. Morgen Mittwoch Erstaufführung des großen Ausland-Monumental-Films! Das_ mit größter Spannung erwartete Filmwerk nach dem weltberühmten Roman von Alexander Dumas, welches bei den gegenwärtigen Aufführungen in Einige lOonrer- Mtager für sofort auf die Dauer gesucht. 9183 Birkenstock & Schneider. ApMg billigste Neuerung. Göflot Bonmono Werkzeughandlung. HanS Die glückliche Geburt eines gesunden Jungens zeigen hocherfreut an Edmund Weber und Frau Leni geb. Schmidts M Tayong der Hessen-Kasseler und der OberbessischeD Volkshochscliulea in Gieleo am 14., 15. u. 16. Oktober 1922. Oetetliclse Venenstaltyngen Samstag, 14. Okt., abends 8 Uhr, Eröffnung: Vortrag des Herrn Prof.Br. Hamann- Marburg: „Dßnlsche Kopie des Üelaita“, (Mit Lichtbildern). Musikalische Darbietungen. Sonntag, 15. Okt., vorm. Ol/2 Uhr: Prof. Br. Hermelink - Marburg: „Universität nnd Volksbildung". llx/3 Uhr: Br. W. Koch-Kassel: „Die ÄDoitaWe nnd die Jugend“. Nachmittags 4 Uhr: „Die Sloilgebiele der Volkshochscliole“ Einleitendes Referat: Br. H. Werner-Gießen. Alle Veranstaltungen i. großen Hörsaal der Universität. Zu dem Vortrag am Samstag abend wird ein Unkostenbeitrag von 5 Mark erhoben. — Am Sonntag nach jedem Vor einen unbeschreiblichen Erfolg erzielte. Millionen haben den Roman gelesen! Millionen wollen den Film sehen!!!! 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Oktober 1922 findet in den bekannten Bezirken Ausgabe von Brotmarken statt und zwar: Die Ramen mit den Buchstaben beginnend von A bis K Donnerstag, den 12. Oktober von L bis Z Freitag, den 13. Oktober vormittags von 8—12 Uhr und nachmit- tags von 2—6 Uhr. 9191B Gießen, den 10. Oktober 1922. Der Oberbürgermeister. (Lebensmittelamt.) Bekanntmachung. Unter Hinweis auf die Bekanntmachung im Amtsverkündigungsblatt Ar. 102 toom 29 v. Alts, gebe ich hierdurch be- kannt, dah der Plan über die Umlegung des Anschluhgleises der Firma Bänninger • b's Sum 14. September 1922 im Stadthaus Bergstraße, Zimmer Ar. 28, offen hegt. 9169B Drehen, den 6. Oktober 1922 Der Oberbürgermeister: F.B.: Krenzien. Bekanntmachung. Die Besitzer von Obstbäumen der Gemarkung Giehen' werden hiermit aufae- fordert, zur Bekämpfung der Obstbaum, fchädlinge sämlliche Obstbäume bis Alitte Aovember gehörig abkrahen und mit Kalkmilch (gelöschtem Kalk, der mit viel Master verrührt ist) bestreichen zu lasten. Giehen, den 5. Oktober 1922. 9170B DerOberbürgermeister.F.D.:l)r.Rosenberg. Für Jäger und WM! Zu höchsten preisen kaufe laufend Kleinwild, Hasenu. Nehe. NMe Bolter- onö MrzenkMe 3nh. Chr. Lenz enaC Siegen i. W., Hauptpost. SPalast-Lichlspistel 8 GföPles Q-yornehmslesThealer am Plalze J © Ab heute: 09520 © 8 Oer RufderSünde § • Drama in 5 Akten. Ein Film von 2» höchster künstlerischer Vollend, W Außerdem: A • Tippelaule i. Panoptikum d Humoreske. ^61 Sooioriltlo sucht per sof. Stelle. Schr. Ang. u. 09511 a. den Gieff. Anz. erbet. Junge Dame sucht Ansaugsttelle als Stenotypistin. Schrift!. Angeb. unt. 09514 an d Gieff.Anz. | Verkäufe | Pferde SU Verkäufern 9163 Gustav Trinkaus, 1 eiserne Bettstelle 1 Paar Lack-Spangenschuhe, 1 Paar Damenstiefel. Gr. 36-37, zu verkauf. Zu ersr. in d. Geschäfts- stelle d.Gieff.Auz.^» LKinüersiiestl ®r. 37, zu verkaufen. Stephan»!!1.181. Gut erh. Ansag and Mantel für Knaben von 8—10 F. zu verk. 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