172. Zahrgang Montag, y. Gktober 1922 GietzenerAn;eiger General-Anzeiger für Oberhesien Vrvck wwö Verlag, vrühl'sche Univ.-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: 5chulstratze 7. Nr. 237 Erscheint täglich, aefjet Sonn« und Feiertag,, mit berSamstaqsbeilagr EiehenerFa miltenb lätter Monatliche Bcjnasprtife: Mk. 102 - und MK. 8.- Trägerlohn,durch diePost Ml». 125. - ,aud) beiNicht- erscheinen einzelner Num- mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: fürdieSchrift- leitung 112, für Verlag anb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Ließe». Postscheckkonto: Krantfutt a. M. 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 400 Pf., auswärts 500 Pf.,- für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite I600Pf. Bei Platz Vorschrift 20 Aufschlag. Hauptfchriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein,- für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen Der neue amerikanische Iolltarif. Don Virgil Gorban. (FPS.) Bald nach dem 1. Oktober bS. 3«. werben, zum erstenmal wieder nach dreizehn (Zähren, die Vereinigten Staaten ein neues Hoch - schutzzollexperiment unternehmen, das bezwecken soll, den amerikanischen Fariner und industriellen vor der Konkurrenz des Auslandes zu schützen. Der neue Tarif soll natürlich auher- dem eine Einnahmequelle schaffen, um wenigstens teilweise die Ausgaben des Staats-Haushaltes zu decken, die in den letzten zwanzig Jahren von 22 Dollar pro Kopf der Bevölkerung auf 87 Dollar gestiegen find' und zwar rechnet man, toenn die Einfuhr der Union nicht oder doch nicht erheblich zurückgeht, mit einer jährlichen Mehrein- nabme auf Grund des neuen Tarifs von 400 Millionen Dollar. Aber an diesen Zweck ist erst in zweiter Linie gedacht, in erster Linie steht der Schuhzollgedankc — wobei jedem klar sein sollte, dah dem letzteren nur auf Kosten des ersteren gedient sein kann und dah es angesichts der allgemeinen Welthandelsfrage und der Höhe der vorgesehenen Tarifsätze wenig wahrscheinlich ist, dah so bald grohe Einnahmeposten auf Grund des Zolltarifs zu buchen sein werden. Der neue Tarif, um es gleich zu sagen, stellt ein Stück Inter ss ngeschgebung sch.immster Sorte dar, begangen von einer Parteiregierang, die den Wünschen von landwirtschaftlichen und industriellen Kreisen stets ein nur zu williges Ohr leiht. Dies zeigt sich auch in der Art und Weise, wie dieser Tarif aufgestellt worden ist. wie übrigens alle früleren amerikanischen Tarife auch — nicht etwa auf Grund einer unvoreingenommenen Untersuchung der weltwirtschaftlichen Lage, sondern nach Befragung der einzelnen in Frage stehenden Industrien, deren „Lobbies", die offiziellen Inter.'fs.noertretungen beim Kongreh, nie tätiger gewesen sind als in Sachen des neuen Tarifs: dies zeigt sich ferner in den einzelnen hohen Sätzen des Tarifs, die diesmal — zum Unterschied von früheren von der republikanischen Partei gemachten Tarifen — sowohl landwirtschaftliche, wie Inbustrieprobukte sehr stark belasten, und schliehlich in den neuen Vorkehrungen des Gesetzes, auf Grund deren es dem Präsibenten freisteht, die Valuationsgrundlage, wie auch die einzelnen Tarifsätze jeweils weitgehenden Aenderungen zu unterziehen. Die Aufstellung eines Zolltarifs in den Bereinigten Staaten ist nichts alS ein richtiger und leidiger Kuhhandel, bei welchem die „notleidenden" Agrarkreise und Industriellen ihre Wünsche nicht nur durch die Kongrehvertreter geltend machen, sondern auch direkt mit dem Komitee sich in Verbindung sehen, das die Zollvorlagen ausarbeitet: sie geben etwa genau an, um wieviel bie Gestehungskosten ihrer Erzeugnisse die der importierten übersteigen und um wieviel deshalb der Preis des cingeführten Artikels hinaus- mrschvaubt werden muh, damit der amerikanische Erzeuger nicht etwa nur konkurrenzfähig bleiben, sondern auch noch mit Vorteil verkaufen kann. Es handelt sich also erklärtermahen und handgreiflich um einen Plan zur Ausschaltung der Konkurrenz, wobei vielleicht angemerkt werden darf, dah die Antitrustgesetze der Vereinigten Staaten solches Vorgehen für ungesetzlich erklären. Die Sähe des präsumptiven Tarifs sind gemeinhin von gleicher Höhe wie die der höchsten Schuhzolltarife, die es jemals in den Vereinigten Staaten gegeben hat: dabei ist der neue Tarif weit umfassender als alle früheren. Aur wenige Artikel des allgemeinen Verbrauchs entgchen der schweren Belastung — Baumaterialien, Daum- wolle Kohle, Kakao, Kaffee, Stiefel und Schuhe Tee, landwirtschaftliche Maschinen und gewisse Düngen,lttel — und bei diesen Ausnahmen Windelt es sich meistenteils um Auslands waren, die den inländischen keine starke Konkurrenz machen, oder bei denen das Bedürfnis des amerikanischen In- dustriellen nach Rohstoffen die Furcht vor Konkurrenz aufwog. In manchen Fällen, wie z D bet den landwirtschaftlichen Maschinen, fliehen landwirtschaftliche und industrielle Interessen scharf gegeneinander und hier wird der Charakter des Kompromisses zwischen den beiden hauptsäch- lichsten Interessentengruppen, der die Vorlage auszeichnet, besonders augenfällig. Die dem Präsident erteilte Vollmacht, gegebenenfalls von der ausländischen Daluation zur amerikanischen Überzugehen — d. h. zur Grundlage nicht mehr den Preis der Ware im Her- kunftslande zu nehmen, sondern den amerikanischen Preis für das betreffende Erzeugnis — und die Sähe des Tarifs bis zu 50 Prvz. herab — ober heraufzusetzen, wenn er der Meinung ist, dah die industrielle Lage des Landes es erfordere. ist ein Charakteristikum des Tarifs, das nicht leicht seinesgleichen finden dürfte. Die Republikaner bezeichnen es als Schritt von der politischen zur „wissenschaftlichen" Tarifgeseh- gebung, insofern als dadurch der Tarif unstarr gemacht wird und keine parteipolitischen Aktionen erforderlich sind, um notwendige Abänderungen zu treffen. Solche älnstarrheit ist in der Tat notwendig, aber nicht eine in Hand eines Partei- Präsidenten gelegte. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Tarifs, der unter politlschern Druck und unter Auheracht- lassung der 'Belange der Weltwirtschaft zustande gekommen ist. kümmern d,e Regierung nicht eben sehr: sie sorgt sich lediglich um seine noch im Dunkel l,egenden politischen Wirkungen Ob nämlich die Hebung der Preise den Republikanern zu Dank gerechnet werden wird, oder ob die Demokraten aus ihr Kapital schlagen werden für künftige Wahlkampagnen, das hängt davon ab, wie die Wählermassen die höheren Preise hinnehmen werden. Ziemlich sicher mlru der Tarif dem amerikanischen Außenhandel schwer Abtrag tun, und ba bieser gleichzeitig mit einer allgemeinen Besse- rung der Wirtschaftslage in den anderen Ländern normalerweise gute Aussichten hätte, so wird die Grand Old Barth (die republikanische) über diese schlimme Wirkung ihres Tarifs sich nicht sehr zu freuen haben, solange sie an der Macht ist. Sollle sie durch die Demokraten abgelöst werden, so wird man den Tadel auf diese abwälzen: geschieht das nicht, so wird man nach neuen Anhängern Ausschau hallen und zusehen, welcher Industriezweig etwa noch nicht durch einen Hochzoll geschützt ist. — -- Eine Einigung über die Orientfrage. Paris, 7. Oft. (WTB.) Tieber die Ergebnisse der Nachmittagsberatungen zwischen P o i n c a r e, Lord Curzon und dem italienischen Geschäftsträger Galli teilt Hcwas offiziös mit. es sei eine Verständigung über folgende Punkte erzielt worden: 1. Unverzügliche Räumung Thraziens durch die griechische Bevölkerung und Armee. 2. Innerhalb eines Monats nach Beendigung dieser Räumung zieht die türkische Gendarmerie und Verwaltung in Thrazien ein und im Laufe der gleichen Frist werden die alliierten Kontrollkontingente zurückgenommen. 3. Erst dann wird die Türkei, und zwar im Einklang mtt dem Pariser Beschluß vom 23. September, die Souveränität über Thrazien zurückerlangen und Truppen nach Thrazien führen dürfen. Die Agentur fügt hinzu, daß Lord Curzon und Galli den endgülttgen Text des Abkommens ihren Regierungen unterbreitet haben. Das englische Kabinett berate zur Zeit darüber und werde heute abend seine Antwort geben. Es werde nicht bezweifelt. daß sie in günstigem Sinne ausfallen werde. Paris, 9. Okt. (WTB.) Lord Curzon hat gestern nachmittag die Rückreise nach London angetreten. Die Konferenz von Mudania. Paris, 7. Okt. (Wolff.) Der „Deuhork Heralb" meldet ans Konstantinopel: „Ismet Pascha hat auf der Konferenz von Mudania die Besetzung Thraziens durch die Türken vor Abhaltung der Friedenskonferenz verlangt, eine Forderung, die von den alliierten Generalen a b g e l e h n t worden ist. Daraufhin verweigerten gestern die Engländer plötzlich alle weiteren Zugeständnisse. Ismet Pascha zeigte sich gleich hartnäckig und überreichte schliehlich eine Art U l t i m a t u m, in der er unbedingt eine klare Antwort in der thrazischen Frage bis 2.30 Uhr nachmittags verlangte. Daraufhin wurde die Konferenz abgebrochen. Von Konstantinopel aus haben die Alliierten ISmet Pascha telegraphisch um Ausdehnung der Frist bis 6 Uhr abends ersucht. Die Haltung Rumäniens. Bukarest, 8. Okt. (Wolff.) Die Blätter kündigen eine diplomatische Aktion Rumäniens an, die eine friedliche Lösung der Orientfrage bezweckt. Es bestehe bei der rumänischen Regierung der Wunsch nach Errichtung einer neutralen Zone zwischen der Türkei und Bulgari en, die unter derselben Verwaltung stehen soll wie die Meerengen. Im übrigen •Derben alle Gerüchte der letzten Tage über eine Mobilisation rumänischer Trippen oder sonstige militärische Handlungen Rumäniens dementiert. Die Politik Englands. London. 7. Oft (WTB.) Die „Times" veröffentlicht ein Schreiben Bvnar Laws zu der K r i s e im nahen Osten, das auch der übrigen Presse zur Verfügung gestellt wurde und großes Auflehen erregt Darin erklärt Bonar Law, die Engländer könnten nicht allein als die Polizisten her Welt auftreten, da die finanzielle und soziale Lage des ßanbes bies unmöglich mache (Sö sei daher zwischen England und feinen französischen Alliierten oifen zu erklären, dah bie Konstantinopels und an den Meerengen ein ebenfo wichtiger Teil der Friebensregelung fei, Regelung mit Deutschland. Wenn also Frankreich nicht bereit sei, Englanb dort zu unterstützen, so wäre England nicht fähig, bie Lasten allem zu tragen. Ihm würbe keine andere Wahl bleiben^ als dem Beispiel Amerikas ;u so gen und feine Aufmerksamkeit auf den Schutz der unmittel- n?rCn otcrcKc? Reiches zu beschränken. Bonar Law fahrt fort, die Verhinderung des Krieges und von Metzeleien in Konstantinopel feien w^cht speziell britisches Interesse, sondern sie sei em Interesse der Menschheit. Die Beibehaltung der freien Durchfahrt durch die Dardanellen fei nicht speziell britisches Interesse, son- bern em Interesse ber Welt. England stehe bei ben THecrengen unb in Konstantinopel nicht allein burch seine eigene Aktion, fonbern durch den Willen ber alliierten Mächte, bie den Krieg gewonnen hätten, und Amerika fei eine dieser Mächte. Was müsse England unter solchen 11m- standen tun? Das britische Reich, bas von allen die größten Mengen Mohammedaner in seinen Grenzen berge, dürfe keine Feinbs-elig - feit gegenüber den Türken zeigen. In dem Abkommen, das in Paris von Curzon mit den Alliierten abgeschlossen worden sei. seien den Türken Vorschläge gemacht worben, die sicherlich billig gegenüber den Türken seien. Heber diese Bedingungen dürften die Alliierten nicht hinausgehen. London, 7. Oft In einem „Eine entscheidende Stunde" überschriebenen Leitartikel erklärt die „Time s", bas sehr ernste Schreiben Donar Law nicht im Amte sei, sei sein Einfluh wahr- deutlichere Worte, als sie bisher von führenden Politikern gebraucht worden feien. Obgleich Donar Law jrid>t im Amte fei, sei fein Einflu hwahr- schemlich ebenso groß, wie der jedes Mitgliedes der Regierung. Die „Times" gibt daher ber Zuversicht Ausbruck, bah bas Manifest Donar Laws — benn es sei nichts anderes — ernsteste Erwägung in Paris finden werbe und dah es die Neigung ber französischen Regierung stärken werbe, bie Vorstellungen, zu denen Curzon zweifellos befugt fei. forgfältigft zu erwägen Wenn, wie erwartet werden könne. Curzon in der Lage fein sollte, aus der französischen Hauptstadt wieder die frohe Botschaft wirksamen Ucbercirt- kommens zwischen der französischen und britischen Politik zurückzubringen, so würde bie Lage im nahen Osten vielleicht noch sehr kritisch, aber nicht notwendigerweise verzweifelt sein. „D a i l h Chro- n i c I e“ stimmt mit der in dem Sch eiben Donar Laws an die „Times" zum Ausdruck gebrachten Ansicht nicht überein, oetont aber, es sei wenigstens eine ehrliche Politik und, was noch mehr sei, die einzige Alternative für eine Politik der Regierung, die die geringste Aussicht auf Annahme in England habe. Die Politik ber unabhängigen Liberalen sei entweber bedeutungslos ober schmachvoll. Cs sei gut, dah Frankreich wisse, was die Allernative für die Politik ber alliierten Nation sei — jedenfalls nicht Unterwürfigkeit u.ib Uebergabe. Das Dlatt schließt: Vereitelt die Polllik der Regierung, unb die Entente fällt unb wir kehren zur splenbit isolation zurück. DelcassS über die Erinnerungen Wilhelms II. Paris, 7. Ott (WTD.) Delcassä hat sich einem Berichterstatter des „Petit Parisien" gegenüber zu den Memoiren Wilhelms II. geäußert Zunächst berichtigt er die Angabe, dah während des Durenkrieges Frankreich geneigt gewesen sei, sich Deutschland anzuschliehen, um über England herzufallen. Dann hätte ja Frankreich, dem es kurze Zeit vorher gelungen sei, eine besonders gespannte La He zwischen Frankreich und England zu entwirren und dessen Politik sich entschlossen im Sinne einer französisch-englischen Politik orientierte, hinterlistig dem Berliner Kabinett einen schlechten Streich vorgeschlagen. Das sei zu dumm. Delcassä schreibt: Ich hätte, wenn man dem Urheber dieser Memoiren Glauben schenken darf, Marokko als Kriegsmittel benutzt, und das ist der letzte deutsche Kaiser, der heute eine solche Behauptung vorbringt. Die' Wahrheit ist. dah Wilhelm II. immer erwartete, dah Frankreich schliehlich eine durch die Furcht bestimmte Politik treibe. Man scheint nicht bemerkt zu haben, dah an dem Tage, an dem ber Deutsche Kaiser 1914 Ruhlanb ben Krieg erklärte, seine erste Geste gewesen ist, alle seine Kräfte gegen Frankreich zu werfen. Er habe gewih an diesem Tage geglaubt, er werde Frankreich zum Nachgeben zwingen, indem er einen Druck ausübte. Und wenn er sich heute gegen die französisch-englische Politik so lebhaft ausspreche, so sei es. weil er bemerft habe, aber zu spät und auf feine Kosten, dah diese Politik zum wesentlichen Ziel gehabt habe, die Unabhängigkeit großer Staaten sicherzustellen, bie er immer abhängig zu werben gewünscht habe. Die französisch-englische E n t en t e p o l i t i k — das habe er nie geleugnet — fei eines seiner Hauptziele gewesen. An ben Quai b'Orsah berufen, um den Zwischenfall von Fafchoda zu regeln, habe er keine leichte Aufgabe gehabt, Marchand und seine kleine Truppe vor Kitchener zuruckzurufen. der an der Spitze eines Heeres marschierte. DaS hätte sich auf b;e Dauer nur rechtfertigen lasten unter der Bedingung, dah ein solcher Akt der erste einer Serie fei, der eine ganz neue Politik eröffne. Aber er fei in diesem Augenblick nicht sicher gewesen, lange genug am Quai d'Orsay zu verbleiben, um diese langwierige Arbeit zu gutem Ende zu führen. Seit dem 20. März datiere die Arbeit des ersten Unternehmens, die am 8. April 1904 zu dem allgemeinen Abkommen geführt hätte, das als ber Beginn ber Entente corbiale zu bezeichnen fei. Delcass^ geht alsdann auch noch auf die Frage des militärischen Abkommens zwischen Frankreich und England ein und erinnert an die Briefe der ehemaligen französischen Minister, die zu Beginn des Jahres veröflentlicht worden seien. Einer dieser Briese spreche von einem militärischen Abkommen zwischen Frankreich unb Englanb, einem begrenzten Abkommen, das jede Aggression begrenzten Abkommen, das jede etwa deshalb behaupten, Frankreich habe zum Kriege getrieben ? Er frage: Sehen wir diesen Augenblick voraus, dah dieses Abkommen geschlossen, und dah es seinerzeit veröffentlicht worden wäre unb sagen Sie mir. ob die so gegebene Verwarnung Deutschland im Juli unb August 1914 zurückgehalten hätte? Die Frage von Tanger sei ber Fehler gewesen, ben Wilhelm II. begangen habe. Er behauptet, dah er Furcht gehabt habe, dah man hierbei von einer Provokation hätte sprechen können. Das Ergebnis sei tatsächlich das gewesen, das er befürchtet habe, unb er versucht heute, die Schuld auf Bülow abzuwälzen. DaS sei nicht sehr hübsch. Wo sei die Zeit, als ber Kaiser, in Deutschlanb herumreisenb. zu feinen Untertanen gesagt habe: Ihr dürst nur einen Willen haben, den Willen Eures Königs I Er rede heute, als ob jedermann alles Der gessen hätte Seine Angaben feien nicht der Kritik wert, um so mehr, wenn man ber Ansicht fei. bah, wenn biefe gründlich erfolgen solle, die Regierung ber französischen Republik bies unternehmen müsse. 3n ben Archiven des Quai d'Orsay befänden sich mehr Dokumente als nötig seien, um den Deutschen Kaiser ber Heuchelei zu überführen. Eine Nede Poinear^s. Paris, 9. Okt. (WTD) P o incar6 hielt in Dauzoulours (Mame-'Departement) anfäfo lich ber Einweihung eines Kriegerdenkmals eine Rede, in ber er wiederum von ber Krieg Ursache sprach und behauptete, ber Friede wä e niemals gestört worben, wenn Deutschlanb Fran!- reich nicht angegriffen hätte. Der härteste unn kostspieligste Krieg fei burch ben mildesten unb liberalsten Frieden abgeschlossen worden. Niemand von uns, sagte Poincaro, verlangt beute, bah bie Bebingungen dieses Friedens verschärft werden. Alles, waS wir wollen, ist, dah fie erfüllt werden Poin.arö ging bann auf die Orientfrage ein unb erklärte, wenn Frankreich sich geweigert hätte, das von ben Türken verlangte Osttbrazien ber Türkei zu übertragen, um es Griechenland zu geben, hätte man den S.egee gegen die D.'siegten auigcbiad)' unb bie Feindseligkeiten auf Kosten bei Devölke rung aller Rassen und aller Religionen vei> längert. Die neue griechische Regierung habe sich übrigens von dieser N o t to e n b i g f c i überzeugt. Poin ate betonte, Sranlr.il' toercc sich in keine kriegerischen Abenteuer hineinzieb n lassen unb schloh mit ber Mahnung, alle Anstrengungen zu verdoppeln, um die Menschheit vor neuen Hekatomben von Opfern zu bewahren. Die auswärtigen Unternehmungen des Herrn Stinnes. Du da pest, 7. Oft. (WTB.) Die zwischen Hugo S t i n n e s unb Simon Kraus vor einigen Wochen in Berlin gepflogenen Verhandlungen über eine Beteiligung der Stinnesgruppe an ber Eisen- unb Maschinenfabrik Liptak wurden nach einer Meldung des Ungarifc^cn Korr.-Bureaus von dem flelfoertretenben Generaldirektor ber Anglo-Ungarischen Dank, Dr. Dobay, mit Erfolg beendet. Danach wird das Aktienkapital der Liptak- fabiif von 100 auf 180 Millionen erhöht unb 4/s der neuen Aktien gelangen in bie Hände ber Stinnesgruppe. Hugo Stinnes, ferner ber Direktor ber Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft, bes Bo^ chumer Guhstahlvereins unb ber Deutsch-Luxemburger Dergwerksgesellschaft treten in bie Direktion £er Liptak-Fabrik ein. Zum Präsidenten wird wahrscheinlich Simon Ärau8, zum Vizepräsidenten Hugo Stinnes gewählt werden. Herr Branting als Ratgeber. Paris, 9. Oft. (WTD.) Der schwedisch. Mimsterpräsibent B r a n t i n g erklärte dem Der Ihrer Korrespondenten des „Matin" bei seiner Abreise von Berlin, er habe mit verschiedenen Par teiführern die Frage des Einttllts Deutschlands in den Völkerbund besprochen, aber seine Zulassung sehe zwei Dorbedingangen voraus: Der Völlerbunb müsse zuerst durch eine un parteiische und weitgehende Enquete feststellen, ob Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt habe Andererseits müsse das Reich dem Völkerbund eine moralische Garantie für die Zukunft geben. Diese Garantie sehe er, Dranting. in den Arbiter Organisationen, die entschlossen seien, sich jedem neuen Krieg entgegenzustellen. Dis jetzt habe die nationalistische Agitation den Fortschritt ber beuh schen Demokratie lahmgelegt. Aber die weiche Politik, bie Frankreich seit dem Abschluß des Sttnnes-Luberfac-Abkommen zu verfolgen scheine, werden ben Monarchisten ein wirkungsvolles Pro pagandanrittel nehmen. Er habe bte feste Hoffnung. bah die Gewerkschaften bald ans Ruder kämen unb ihren Willen burchsehten. Die Gewerk- schaften betrachteten als eine gebieterische Pflicht für das Reich, die ehemalige Kampfzone m Frankreich wiederaufzubauen. Der Prozeß Rathenau. Derlin, 7. Oft. (Wolff.) Nach einer Leipziger Meldung ber „B. Z." entstammen, soweit scstgestellt, die Pralinen, nach deren Genuß Günther und Warnecke erkrankt finb, zwei Paketen, die hn Laufe dieser Woche beim Untersuchungsgefängnis in Derlin-Moabit abgeliefert und an die Angeklagten Ilsemann und Günther abreffiert worden waren. Die Pakete mürben mit ber Post weitergeleitet unb enthielten x/2 bis 1 Pfund Schokolade. Die Pralinen find beschlag- nahmt worden unb toerben gerichtsärztlich untersucht. Auch Techow jun. hatte von den Pralinen genossen und lag gleichfalls die ganze Nacht darnieder. Derlin, 7. Oft Das Befinden des Ange- Nagten W a r n e ck e hat sich im Laufe des Tages verschlechtert. Warnecke brach am Morgen Blut und leidet jetzt an hohem Fieber. Der jüngere e ch o w leibet an Schwindelanfällen und Herzbeschwerden. Die Angelegenheit ist dem Ober staatsanwalt zur weiteren Verfolgung übergeben toorben. Auffallenberweise haben die beiden Pakete mit Pralinen hje Kontrollstatton des Gefängnisses nicht passiert. Berlin, 9. Okt. Die Verhandlungen des Staatsgerichtshofes werden heute vormittag 9 Ähr wieder ausgenommen, ba das De-, finden der erkrankten Angeklagten sich soweit gebessert hat, daß sie der Verhandlung wieder beiwohnen können. Weiter wird gemeldet, dah die chemische Untersuchung der Pralinen bisher ergeben habe, dah diese präpariert waren. Auch fei durch die polizeiliche Untersuchung feh- gestellt worden, dah die Schokoladenpäckchen, die den Angeklagten Warnecke und Ilse- mann zugeschickt worden sind, nicht von einer Schokoladenfabrik stammten, sondern von dritter Seite. Wie die Blätter weiter berichten, sind umfangreiche Schutzmahnahmen getroffen worden, da man ein neues Attentat auf einen der Angeklagten befürchtet. -Zuhörer werden nur in beschränktem Mähe gegen polizeiliche Legitimation zugelassen werden. Der demokratische Parteitag. Elberfeld, 8. Oft. (WTB.) Heute nachmittag wurde hier der vierte ordentliche Parteitag der deutsch-demokratischen Partei unter Leitung des Reichstags- abgevrdneten St. Peters en eröffnet. Die Par- reileitung hat den Geschäftsbericht vorgelegt. Aus dem Reiche. Die Kartoffelversorgung. Berlin, 8. Oft. Hm Ausschuß für Ernährung und Landwirtschaft des Reichswirt- fchaftSrateS gab der Vertreter des ReichS- ernährungsministeriumS ein günstiges Bild über die Kartoffelversorgung. Vach den bisher vorhandenen Zahlen wird die Ernte vermutlich 34 Millionen Tonnen, d. s. 8 Millionen mehr als im Vorjahre, erbringen. Die Preisbildung ist durch Einrichtung einer Notierungskvmmis- sivn, in der.zu je einem Drittel Landwirte, Händler und'Verbraucher sitzen, in geregelte Bahnen gelenkt. Die Besteuerung der Ausländer. Berlin, l. Ott (Wolff.) Der Verein der Berliner Hotelbesitzer nahm in einer gestern abend abgehaltenen Vorstandssitzung zu der vom Magistrat der Stadt Berlin beschlossenen Excrabesteuerung der Ausländer Stellung und gelangte einstimmig zu folgendem Ergebnis: Die Beteuerung der Ausländer ist Sache des Reiches und der Städte. Die Hotelbesitzer lehnen es ab ihre Betriebe mit del' Einziehung derartige' Sonderstcuern weiter zu belasten. Staat und Kommunen sind die maß- gebcnden Instanzen. denjenigen Ausländerver- tehr, der dem Ausverkauf Deutschlands dient, anderwci.ig steuerlich zu erfassen. Dec legitime Ausländerverrehr, der in den nun einmal dem Fremdenverkehr dienenden Hotels sich abspielt, darf nicht weiter steuer- l i ch belastet werden. Mahgeberü» für kiesen Entschluß des Vereins der DerlinerHotelbesiher ist der vom Ausland zur Zeit in die Wege geleitete Abbau aller Beschränkungen des Reiseverkehrs von Fremden, der Beschluh des Eisenbahnrats. eine Differenzierung der Eisenbahnfahrpreise für Zn- und Ausländer abzulehnen und schließlich die Tatsache, dah im Interesse des Wiederaufbaues unseres Auhenhandels der Verkehr mit dem Auslande in wohlverstandenem Interesse unseres Vaterlandes weitestgehender Förderung bedarf. Außerdem lehnte der Vorstand des Vereins de^Berliner Hotelbesitzer den Magistratsentwurf über eine besondere Buchführungspflicht und be- flufrmte Quittungsformulare mit aller Entschiedenheit ab. Die „©ermorde“ für die große Koalition. Die „Germania" hält den Augenblick, wo hervorragende Führer der D e u t s cb e n V o l k s p a r t e i ihre Bereitwilligkeit bekundet haben, auf dem Boden der Verfassung mit den anderen Parteien zuiammenzuarbeiten, für günstig, um ein entschiedenes Wort für die große Koalition zu sprechen. Dies sei nötig, so schreibt das Blatt, um das Gleichgewicht wieder herzustellen, das durch die Vereinigung der beiden sozialdemokratischen Parteien gestört sei. Es gehe nicht an, dah die Sozialdemokratie in der Koalition dank der hinter ihr stehenden Abgeordnetenzahl die Mehrheit habe, während draußen im Lande die Vvlksmehrheit sich zu den nicht- sozialdemokratischen Parteien bekenne. Es sei ein unnatürlicher Zustand, daß die Zahl der bürgerlichen Abgeordneten außerhalb der Regierungskoalition größer sei, als die, die ihr angehören. Die Arbeitsgemeinschaft, also der Zusammenschluß der bürgerlichen Gießener Stadttheater. Das Jubiläum. Lustspiel in 3 Akten von Franz Arnold und Ernst Bach. Die he», 8. Oktober 1922. Die heutige Aufführung dieses Stückes, das wir Mitte Juli schon einmal über die Bühne unseres Stadttheaters gehen sahen, zeigte im großen und ganzen dieselbe Rollenbesetzung wie damals. Karl Vvlcks Stadtrat Winkler war in seiner erfrischenden RatiirlichLeit und schauspielerischen Ungezwungenheit wieder ein vortrefflicher Genuß, auch Auguste M a r ck s verdient ob ihres künstlerisch schön abgerurweten Spiels der Agathe volle Anerkennung. Cläre Türk war eine sehr lebhafte und dabei doch mädchenhafte Susi, aber bte wirklich eindrucksvolle Her- ausarbeitung ihres innigen Liebesgesühls zu Ulrich von Schenk blieb sie uns heute genau so schuldig ui. bei der ersten Aufführung. Der Gr-' liebte Susis, der junge Baron .Ulrich von Schenk, den Georg H e d i n g wieder spielte, hätte durchweg ebenfalls wärmer im Ausdruck seines Liebes- empfinden-- gegeben werden müssen; namentlich eins ist ’.u sagen: ein junger Mensch mit dem Hellen Feuer der Liebe im Blute, dessen Howe drauf und dran ist, ihm den Abschied zu geben, obwohl sie ihn innig liebt und er das fühlen kann, steht nicht so kühl, fast fischblütig da, wie dieser Alrich im entscheidenden Moment für seine Liebe zu Susi von dem Künstler heute vor das Publiinm gestellt wurde. Den vor Standesdünkel und Engstirnigkeit Überlaufenben Kammer- Herrn von Schenk gab Adolf T e l e k h nach jeder Richtung hin in künstlerisch bester Weise. Karl H u h n t c ä Geheimrat Re? und Oskar F e i g e l s Amtsrichter von Eickstedt waren köstliche Gestalten, an denen man sich Herzlich erfreuen konnte. Äräfte, solle feine Kampf- und Gesinnungsgemeinschaft sein, sondern eben eine Arbeitsgemeinschaft, die aber auf keines ihrer Glieder verzichten könne. Außen- und innenpolitische Gründe zwängen zu ihrer Bildung. Der Lohntarif der Buchdrucker. Leipzig, 8. Okt. (WTB.) Nachdem am Freitag die Verhandlungen im Tarifausschuh der Buchdrucker ergebnislos abgebrochen worden waren, ist am Samstag im Neichs- arbeitsministerium ein Schiedsspruch gefällt worden. Durch diesen Schiedsspruch erhalten die Gehilfen in den Spitzenlöhnen der ersten beiden Wochen eine wöchentliche Zulage von 1000 Mk., und ferner für die dritte und vierte Woche eine weitere Erhöhung um wöchentlich 400 Mark. Der Schiedsspruch ist, wie das „Leipziger Tageblatt" erfährt, von beiden Seiten angenommen worden. Infolge der Lohnerhöhung, in Verbindung mit den gewaltig gestiegenen Preisen der Materialien und Betriebskosten erhöhen sich die D r u ck k o st e n am 8. Oktober um 50 .Prozent. Aus Hessen. Die Getreide-Umlage. Die Abgg. Host und Stein haben im Hessischen Landtag folgende Anfrage eingcbracht: Hst der Regierung bekannt, daß bei der diesjährigen sehr geringen Ernte im Vogelsberge in den Kreisen Lauterbach und Schotten noch die meiste Frucht draußen liegt und bei dem anhallenden Reg en wett er, weil sie überreif ist, zum größten Teile abfällt und der Rest auswächst? Hst die Regierung gewillt zu veranlassen, dah die höher gelegenen Teile dieser Kreise, wo die Frucht noch auf dem Felde liegt, von der Ge- treide-Amlagc für dieses Hahr befreit werden? Die Notlage der Presse. Das Zentrum hat im hessischen Landtag folgende Anfrage emgebracht: Wie aus zuverlässigen Quellen verlautet, hat sich das badische Finanzministerium mit dem Verein sük^eutscher Zeitungsverleger in Verbindung gesetzt, um die badische Presse vor dem Untergang zu bewahren. Nach dem Vorschlag des Finanzministers soll sofort ein entsprechender Kredit zur Beschaffung vvn Zeitungsdruckpapier bereitgestellt werden. Wir fragen an, ob der hessische Finanz-' nrinister bereit sei, eine ähnliche Aktion in die Wege zu leiten, da es im Hnteresse des Landes liegt, die hessische Presse über die gegenwärtige akute Krisis hinüberzurellen. Aus Stabt und Land. Gießen, den 9. Oktober 1922. Unserer Anzeigenkundschaft zur gefl. Beachtung. Infolge der schwierigen Verhältnisse im Zeitungsgewerbe muß der Annahmeschluß für Anzeigen pünktlich eiugLhalten werden. Die Entgegennahme von Anzeigen findet bis zum Abend vor dem Aufnahmetag statt; Anzeigen für die Samstagsnummer müssen spätestens bis Freitag mittag aufgegeben sein. Geschäftszeit von 8—12V» Ahr und von 2—5'/,, Ahr. ♦ Die Brennholzversorgung für 1923. Rach dem Beschluß des Landtags vom 11. August ds. Hs. soll im Hahre 1923 die bereits im Hahre 1922 eingeführte Versorgung der bedürftigen Haushaltungen mit dem dringendsten Bedarf an Brennholz bestehen bleiben. Wenn im vorigen Hahre jeder Waldbesihei' mit mehr als 40 Hektar Waldbesitz V» Festmeter je Hektar dafür zur Verfügung ,$u stellen hatte, so ist diese Menge auf 0,65 Festmeter mit Rücksicht darauf erhöht worden, daß bei der fortschreitenden Geldentwertung die Zahl der bedürftigen Haushaltungen zugenommen hat. Hede bedürftige Haushalttn'.g wird etwa 1,2 Festmeter Brennholz erhalten. Die Zuteilung eistolgt durch die Gemeinen auf Grund von Listen. Der Preis, den der Waldbesihrr bei der Abgabe dieses Holzes nicht überschreiten darf, beträgt 10 Prozent .reuiger als der Marktpreis; er wird von der oberen Forstbehörde in Zeitabschnitten im Einvernehmen mit einein aus Vertretern der Waldbesitzer und der Empfangsgemeinden bestechenden Ausschuß festgesetzt. Die Gemeinde selbst hat das Holz um mindestens 25 Proz. billiger als der festgesetzte Preis beträgt, abzugeben, sie kann Rudolf Goll spielte den unter der Fuchtel seiner Ehehälfte versauerten Hofarchivar Dr Kindevlein in glücklicher Prägung. Luise R a m m e l als Frau Dr. Kinderlein gab ihrer Rolle eine treffliche Verkörperung. Hn Lu Wander hatte man diesmal eine bessere Trägerin der Rolle des Lieschens gesundem als es die Spielerin dieser Partie im Hüll war: aber auch dieser Künstlerin halle ein w, nig mehr Innigkeit im Spiel den im übrigen unbestrittenen Erfolg ihrer Leistung noch vergrößert. Ein künstlerisches Kabinettstück war Richard Hellborns Magistratssekretär Liebreich. Die kleinen Rollen vertraten Herbert K e rn- lei n (von Eckersheim), Martirr Hakob (von Redwiy), Heinz B ech st ein «Stadtrat Lohmann), Karla Keller (Ilse Lohmann). Paul M e h - nert (Stadtrat Bäckers). Else Engel (Trude Bäckers), Hermann Stichel (Diener Hohann), Luise Schubert-Hüngling (Stubenmädchen Anna), Liese'' Markewih (Köchin Lina« und Franz Ban dis (Kammerdiener des Barons von Schenk). Mit ihrem Spiel kann man im großen und ganzen zufrieden fein. Anerkennung verüicnt die flotte Spielleitung Oskar Feiaels. Als Ganzes gesehen fann die Ausführung recht befriedigend genannt werden. Der lebhafte, von Akt zu All stärker sich gestaltende Beifall war der beste Beweis dafür, daß die Künstler den Zuhörern einen angenehmen Abend bereiteten. Sehr bedauern mutz man aber den schwachen Besuch des Hauses, der sicherlich nicht geeignet war, die Darsteller sowohl wie auch die Theaterleitung so freudig zu stimmen, wie sie es verdienen. Das Publikum muß in Zukunft mehr praktisches Hnteresse für sein Thectter bekunden, nur der möglichst starke Besuch dieser Ställe kann ihr helfen, lne Schwere der Zeit zu überstehen. Bv. Die erwacysenenen Fracht-. Anfuhr- und Der- wallungskosten aufrechnen. darf aber weiter keine Zuschläge machen. Die Verbilligung des Holzes für bedürftige Haushaltungen beträgt also im ganzen mindestens 35 Proz. Ferner können die hessischen planmäßigen und außerplanmäßigen Beamten, die Pensionäre und Hinterbliebenen von Beamten, sowie die ständigen Staatsarbeiter, die in Oberförstereien mit Staatswaldbesitz oder in der Rahe solcher ihren Wohnsitz haben. 2 Raummeter Brennholz zu Marktpreisen beziehen, insoweit als der Bedarf für das Beamtenholz ein Drittel des in der Oberförsterei angefaUenen Brennholzes nicht übersteigt. Es ist jedoch nicht möglich, auch die Reichsbeamten zu berücksichtigen, deren Zahl in Hessen sehr groß ist, da auf das verfügbare Brennholz aus dem Staatswald auch ein Teil der übrigen Bevöllerung angewiesen ist. Der Anterschiä», der zwischen Landbeamten unb Reichsbeamten gemacht werden muh, ist recht zu bedauern, läßt sich aber leider nicht umgehen. Die nach Abgabe des Los- und Berechti- gungsholzes, des Holzes sür die Versorgung der bedürftigen Haushaltungen und des Holzes für die Beamten alsdann noch verbleibende Menge wird für die übrige Bevölkerung verwertet. Dieser ist ferner noch Gelegenheit gegeben. Holz aus Gemeinde- und Privatwallmngen, insbesondere aus den standesherrlichen Waldungen zu beziehen. Da auch von Händlern und Privaten Brennholz aus den Rachbarländern eingeführt wird, so sieht zu erwarten, dah sich durch die getroffenen Maßnahmen im kommenden Hahre die Brermholzversorgung der Bevölkerung unter der Voraussetzung der Belieferung mit Kohle in mindestens dem seitherigen Amsange ohne erhebliche Schwierigkeiten vollziehen wird. ** Amtliche Personalnachrichten. Durch Erlaß des Herrn Reichspräsidenten wurde der Oberbürgermeister Dr. Karl G l ä s s i n g zum Präsidenten des Landeslinanzamtes Darmstadt ernannt. — Durch Enlschttehung des Landesamts für das Dildungswesen wurde der Studienreferendar Dr. Karl W i 11 m a n n mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 ab zum Studienassessor ernannt — Ernannt wurde am 2. Oktober die Lehrerin Elisabeth Hunkel zu Wieseck, Kreis Giehen, zur Lehrerin an der evangelischen Volksschule zu Lampertheim, Kreis Bensheim. — Ernannt wurde am 4. Oktober der Lehrer Hohannes Reul zu Giehen zum Rektor an der Volksschule daselbst. — Am 30. September wurden die Kommunalforst- warte Leonhard G ö l z aus Wimpfen vom 1. Oktober ds. Hs an zum Förster der Forstwartei Dorf-Erbach, Oberförsterei Michelstadt, und Georg Wagner aus Ernsthofen vom 1. Oktober ds. Hs. an zum Förster der Focstcoartei Davenhausen- Aord, 06erforderet Babenhausen, ernannt. ** Der Diehmarkt am morgigem Dienstag findet nach amtlicher Mitteilung doch statt. Das Verbot, von dem wir in unserer Samstag-Ausgabe Mitteilung machten, ist kassiert worden. ** Eine Anfrage betr. die Haltung vvn Polizeihunden in Giehen hat der Abg. Dr. Werner im Landtage eing^iracht. Sie lautet: „Wie mir mitgeteitt wird, hat die Giehener blaue Ortspolizei keinen Hund, obgleich eines ihrer Mitglieder selber Züchter ist. Der Gtund dafür sei darin zu suchen, baß der Hundehalter für Steuer und Futter selber auflvmmen mühte, ohne Ersah zu erhalten. Angesichts der wachsenden Ansicherheit auch in Giehen frage ich an, ob die Regierung hier zur Abhilfe bereit ist?" " 11 e 6 e r die Sperrzeit für Tauben teilt eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil die wichtigsten Bestimmungen mit. ** Bei der Kleinbahn Gießen — Bieber (Diebertalbahn) treten ab 15. Oktober neue Tarife in Kraft, deren Ausmah aus dem heutigen Anzeigenteil zu erkennen ist. "Die alten und die neuen Reichs» grenzen in der Schule. Die Reichsgrenzen sollen auf sämtlichen Karten für den Schulgebrauch sichtbar gemacht werden. Der preußische Minister für Volksbildung hat ungeordnet, daß die politischen Grenzen des Reichs, sowohl die heutigen wie die vor dem Frieden von Versailles, angegeben werden. Wettervoraussage für Dienstag: Mäßig bewölkt, trocken, kühl, Rordostwind. Der hohe Druck ist ein wenig ostwärts ab» gedrängt worden, beherrscht aber noch immer unsere Wetterlage. Bornotizen. — Tageskalenöer für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Verzehrende Flammen" und „Die Herren Söhne". — Palast-Lichtspiele: „Henseits des Stromes". - Der Bund f ü r christliche Erziehung inHaus und Schule begeht, wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich ist, nächsten Mittwoch sein 2. Hahressest. Es findet aus diesem Anlaß abends 8 Uhr in der Hohanneskirche ein Festgottesdienst statt, in welchem der B'jndes- dirertor Winkler, Frankfurt a. Q. die Festrede hatten wird über das Thema: ..Laht uns unfern Kindern leben". Kreis Schotte». * Schotten, 7. Okt. 3n einer Versammlung von Hausbesitzern ist hier ein Haus- besitzerverein gegründet worden.Hn den Vorstand wurden gewählt: Schreinermeister Heinrich M e i d t, Weißbindermeifter Theodor Wetzler, Fabrikant Alfred Weber, Uhrmachermeister Karl Mehring und Rentner Adam Hofmann. Der Hahre tbeitrag wurde auf 20 Mark festgesetzt. Kreis Lauterbach. Lauterbach. 7. Okt. Aach einem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat des Landes bezirks--Leiters der Technischen Rothilfe, Landesbezirk Hessen, Oberingenieur Hegelh, faßte die Schmiedevereinigung des Kreises Lauterbach, zu der etwa 50 Hlttmngsmeister aus dem ganzen Kreise erschienen waren, einstimmig folgende Resolution: „Die am 1. Oktober in Lauterbach in Hessen tagende Schmiedevereinigung des Kreises Lauterbach in Hessen beschließt: „Wort für Wort steht auch der hessische Schmied auf der Entschließung der 45. Bundestagung des HnnungsverbandeS Deutscher Schmiedeinnungen. Ein Appell auch an seine Hilfsbereitschaft für die Technische Rothilfe soll und wird nie ungehört verhallen." Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M„ 8. Okt. Fast kein Abend vergeht mehr, an dem nicht in der Stadt eine Spielhölle durch die Kriminalpolizei ausgehoben wird. Am 'Freitag abend überraschte die Polizei in der Wirtschaft von Fichte in der Ziegelgasse eine große Spielergesellschaft uiib beschlagnahmte bei dieser eine sehr bedeutende Geldsumme. Einem Kellner war am 'Abend zuvor in bei Wirtschaft ein Betrag von 32 000 Mark (!) abgenommen worden. — Der vor einigen Tagen zu den Lohnforderungen der Metallarbei- t e r vom Schlichtungsausschuß gefällte Schiedsspruch wurde von den Arbeitnehmern angenommen, von den Arbeitgebern jedoch abgelehnt. — Die Zunft der Taschendiebe hat während der Messe wieder ein reiches Detäti- gungsseld. Schon am ersten Tage wurden verschiedenen Besuchen die Uhren und den Besucherinnen die Taschen gestohlen. Landwirtschaft. ^(Vilbel, 7. Oft. Zste Erntearbeiten gehen in der Wetterau nur langsam voran. Infolge der Aeberschwemmungen, denen das Riddatal auf weite Strecken hin ausgesetzt war, ist die ® ru mmeternte noch zum größten Teil zu bergen. So spät in der Hahreszeit fand seit etwa 25 Hahren die Grummeternte nicht statt Auch die Kartoffelernte schreitet nur langsam vorwärts. So sehr sich der Lxmdmann über den reichen Knollensegen auf der einen Seite freuen kann, so schwer sind anderseits dieses Hahr die Arbeiten auf den Kartoffelfeldern. Diese sind bis tief in hie Erde hinein klitschig geworden, und die Knollen kommen nah und mit Erde verpicht aus dem Boden. Mit dem Kartoffelpflug kann vielfach nicht gearbeitet werden. Für die Handarbeit fehlt es an Arbeitskräften. Die Landwirte zahlen die höchsten Löhne und zeigen auch in der Belieferung mit Kartoffeln das größte Eut- gegenkommen, um nur Arbeitskräfte zu bekommen. Am übelsten sind die großen Höfe dran. Besseres eWtter ist dringend notwendig, damit der, durch Wetter ist dringend notwendg, damit der durch Schaden im Hnteresse unserer Volksernährung nicht noch größer wird. Die Händler zahlen 300 Mark für den Zentner Kartoffeln bei Ablieferung an den Bahnhöfen. Die Frankfurter Herbstmesse. fpd. Frankfurt a. M, 8. Oft. Als letzte der großen deutschen Messen hat heute die Frankfurter ihre Pforten geöffnet. Die Messestadt rings um den Riesenbau der Festhalle hat sich feit der Frühjahrsmesse abermaä aicsgedehnt. Denn mit der Eröffnung, die sich in den üblichen schlichten Formen vollzog, ward das „Haus der Tech- n i f" seiner Bestimmung übergeben, ein Bau mit wellgespannten Bogen und sich tief in das Gelände erstreckend, in dessen Hallen in sinnverwirrender Fülle mächtige Apparate und Meisterwerke deutscher Ingenieurrunst sich aufbauen und Zeugnis von unverdrossener deutscher Kraft ablegen. Das dröhnt und faucht und stampft hier auf der Maschinenmesse. Der Gedanke, dah die Technik messefähig ist. hat sich in Frankfurt stegreich durchgesetzt. Als wichtige Reuerung darf verbucht werden, dah vom Güterbahnhof mitten in diesen Wunderbau ein Anschlußgleis hineinführt. Die übrigen Hallen und Räume bieten das altgewohnte Bild reichlicher und reichlichster Beschickung in allen Warenzweigen. Aeberall, wohin das aufmerksame Auge schaut, steht man, dah ein einheitlicher Wllle straffster Organisation und Aebersichtlichkeit vorherrscht. Strenge Gliederung nach Warengattungen, ausgezeichneter organisatorischer Ausbau in jedem Hause und jeder Halle sind die Vorzüge der Frankfurter Messe, die dadurch allein Anziehungs- und Werbekraft hat und sicheren Erfolg verbürgt. Man fühlt, auch wenn man Richtfachmann ist, dah vvn Messe zu Messe neue Vervollkommnungen und Verbesserungen sich den alten zugesellen, dah ein einheitlicher Wille diese Riesenmaschinerie leitet und lenkt Aeberall zeigen die wohlgeordneten und räumlich nicht mehr beengten Branche ausstellungen geschlossenen Ausbau. Rur die Möbelmesse muh vorerst noch in einem Miethause, dem Gewerbemessehause, sich den Käufern darbieten, aber auch hier ist weiter Spielraum zu behaglicher Aus> dehnung. Eine weitere neue Ausstellungshalle ist für Fahrzeuge jedweder Art jn der Wefthalle A gewonnen worden. Den breitesten Raum nimmt die Textil» messe in der Festhalle und in der anschliehenden Ost Halle A ein. Das „Haus Offenbach" beherbergt die Lederindustrie mit ihren vielen Zweigen und Abarten; das Haus, obwohl weiträumig und vielgeschossig, ist schon längst zu flein zur Aufnahme der ungezählten Aussteller. Die nächste Frühjahrsmesse wird darum bereits in einem neuen mächtigen Flügelbau Raum für die Abteilung „Schuh und Leder" bieten. Mit dem Bau wurde dieser Tage begonnen. Der Besuch der Messe ist ein erfreulich starker. Richt nur aus dem Reich sind Tausende von Besuchern anwesend, sondern auch das Ausland ist reich vertreten, namenllich aus den östlichen Ländern. Daneben haben Holland und die skmidinavischen Länder viele Vertreter geschickt. Frankfurt ist in diesen Tagen buchstäblich eine Stadt der Fremden. Für die Anterkunft diese, zahllosen Gäste ist in reichlicher Weise Sorge getragen worden. Wie wir hören, überwiegt diesmal das Angebot von Privatquartieren die Rachfrage. Das Verkaufsgeschäft setzte schon heute srüh sehr lebhaft ein, vor allem m der Textilbranche. Verschiedentlich wurden bereite bedeutende Abschlüsse vollzogen. Dah keine festen Preise festgesetzt wurden, ist unter den heutigen Umständen eine Selbstverständlichkeit. Aeberall heißt es „freibleibend". Hn vielen Derkaufsständen sind bei den ausgestellten Waren feste Preise ausgesetzt, allerdings mit Teuerungszuschlägen, die meistens vierstellige Zahlen haben. Wie sich das ganze Messegeschäft gestallen wird, darüber können erst die nächsten Tage Aufschluß bringen. Hedenfalls aber hat die diesjährige Herbstmesse unter einem keineswegs ungünstigen Stern ihren Anfang genommen — trotz der Schwere der Zeit. Heutiger Stand des Dollars 10 Ahr vormittags: ‘Berlin 2475, Frankfurt a. M. 2450. Amtliche 31 otierun Vx Ctiobev 14476x50 4454*50 4505*90 45147x10 bamate schon bemerkbaren Entwertung daran festzuhalten fei, die elektrische Rund L1 UTT« Um- serer ständen :N7O6,2O 33833.80 «590,40 9009,00 1655H.40 *E4O X»l&90 932810 Der Provinzialtag über die Durchführung des Vauprogramms der elektrischen Ueberlandanlage OEGEA-SDAPGLUH KÖPPER VERSORGEN LAUT WISSENSCHAFT- LKLMEQ FESTSTELLUNG EINE GASERSPAQMiS VON 2S2S . . 85204.00 9077,80 Geld 177x34,40 sr>9i*- 9777,70 10870,60 41KU.10 London Baris Schweiz Spanien Italien Ltssabon-Ovorto Dancinark . . . . Norwegen . . . . Schweden . . . . ÖelnngsorS. . . . ilieuuork...... Deuisch-Oesterr. Budapest Prag Sofia 38038.— 57337;» 2157^30 3,07 85.09 7394,90 gen. 7. Oktober Bries 15667x70 85435,40 9697,20 1659L60 40590,!» 33OK1.1O $046x91' Datum: Antw-Brüssel Holland.... (3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Eine Verzögerung im Rathenauprozeß. Leipzig, 7. Oft. (WTB.) 3m Ra» thenauprvzetz wurde die heutige Sitzztng auf Montag vertagt, da die Angeklagten Günther und Warnecke, wie der Vorsitzende ausführte, durch irgend einen Anfall, der noch nicht aufgeklärt fei, ernst- l i ch erkrankt und v e rh a n d lu n g s u n- fähig feien. Wie es heißt, haben Günther und Warnecke von vergifteten Praline es gegessen, die ihnen gestern zugeschickt worden sind. Wiederaufnahme der Konferenz von Mudania. London, 7. Oft. (WTB.) Einer Exchange-Meldung auS Konstantinopel zufolge ist die Konferenz von Mudania wieder aufgenommen worden. Die Alliierten hätten es abgelehnt, den kemalistischen Streitkräften freien Durchzug durch Thrazien vor Abschluß des Friedens zu gestatten. Die Lage bleibe gespannt. Die notleidenden Kleinrentner. Berlin, 7. Oft. Der Stadt Berlin sind aus Staatsmitteln 57 Millionen Mk. überwiesen worden, die den in großer Notlage befindlichen Kleinrentnern, Sozialrentnern, aus öffentlichen Mitteln Anter- stützten und allen wirtschaftlich ähnlich gestellten Kreisen zugute kommen sollen. 3903!^— 7x8458,50 5005- 222730 £08 89,84 753230 Kirche und Schule. ** Erledigte Schul st eilen. Erledigt sind: eine Lehrerstelle für einen ev. Lehrer an der Volksschule in Wixhausen, zuständiges Kreisschulamt Groß-Gerau. Dienstwohnung ist nicht vorhanden. Wohnung für einen unverheirateten Lehrer kann beschafft werden; eine Lehrerinstelle für eine evang. Lehrerin an der Volksschule in Rüsselsheim, Kreis Groß-Gerau. Wohnung für eine alleinstehende Lehrerin kann beschafft werden. Dienstwohnung ist nicht vorhanden: eine Leh- rerinstelle für eine evangelische Lehrerin an der Volksschule in Biebesheim, Kreis Groß-Gerau. Wohnung kann beschafft werden, doch nicht für einen ^vollständigen Haushalt; eine Lehrerinstelle für eine katholische Lehrerin an der Volksschule in Groß-Gerau. Wohnung für eine alleinstehende Lehrerin kann beschafft werden; eine Lehrerinstelle für eine katholische Lehrerin an der Volksschule in Walldorf, Kreis Groß-Gerau. Dienstwohnung ist nicht vorhanden. Wohnung für eine alleinstehende Lehrerin kann beschafft werden. Lomdarven 1575. Philipp Holtzmann 910. Me» guin 1600. Vernachlässigt blieben Montan- Papiere Auf dem Markt der unnotierten Werte wurden u. a. folgende Kurse genannt: Decker-Stahl 920, Ufa 430. Der Schluß gestaltete sich ruhig bei fester Tendenz. Frankfurter Devisenmarkt. Die Reichsbank am Quartalswechsel. — ' 330 Milliarden Mark Papiergeld. Brief 15565,40 8608«,- 9797,30 16904.40 1191090 ZanDel. Frankfurt a. M^ 7. Oft. Börsenstimmungsbild. Die Börse blieb heute für den offiziellen Verkehr geschlossen. Es wurden Devisen und Roten amtlich notiert. 3m Vormittagsverkehr stellte sich der Dollar auf 2230. An der Börse stellte sich die Rotiz auf 2200. 3m Effektenverkehr von Bureau zu Bureau waren es hauptsächlich Valutapapiere, welche durch regere Amsätze in Frage kamen. Starkes Interesse bestand besonders für Ota- viminen, 10 075—10 100. Entreprises 20 400 bis 21 000. Deutsche Petroleum waren bevorzugter 2575—2625. Türkenwerte lagen ruhig, Zvlltürken 1625. Höher stellten sich 5proz. Weib 15K14.30 Zahlungsmittel unter allen Rach dem jetzt vorliegenden Ausweis vom 30. September batte die ReichSbank zum VierleljahrSschluß, wie zu erwarten war, außerordentlich großen Ansprüchen zu genügen. Der Bedarf an Krediten sowohl wie an Zahlungsmitteln übertraf während der Dcrichtswoche jedes bisher beobachtete Maß. Die gesamte Kapitalanlage ist um 63,3 aus 400,5 Milliarden Mark, die bankmäßige Deckung allein um 68,2 auf 400 Milliarden Mark angewachsen. Von dieser Zunahme entfielen 61,1 Milliarden Mark auf Reichsschahanweisungen und 7,1 Milliarden Mark auf Geschäftswechsel. Von den beanspruchten Kre- ditbctragen flössen im ganzen 38,3 Milliarden Mark den Konten der fremden Gelber zu, die damit auf 110 Milliarden Mark an wuchsen; der Rest wurde der Bank fast ganz in Form von Zahlungsmitteln entzogen. An Banknoten und Darlehnskassenscheinen zusammen mußten in der letzten Woche des September 2 6,3 Milliarden Mark neu in den Verkehr gegeben werden 3n der letzten Zuniwoche wurden insgesamt 12,2 Milliarden Mark aus- gegeben. Der Danknotenumlauf schwoll um 26,2 Milliarden Mark auf 3 1 6,9 Milliarden Mark an, während sich der Umlauf an Darlehnskassenscheinen um 149,1 Millionen Marr aus 14 Milliarden Mark ausdehnte. Bei den Darlehnslassen nahm der gesamte Darlehnsbestand beträchtlich ab, nämlich um 5,3 Milliarden Mark auf 35,9 Milliarden Mark. Einen dieser Abnahme entsprechenden Betrag an Darlehnslassenscheinen gab die Reichsbank an Me Darlehnstasse zurück, demzufolge sich die Bestände der Bank unter Berücksichtigung der in den Verkehr gegebenen Summen auf 21,8 Milliarden Mark verminderten. Neue Preise für Stickstoffdünger. Berlin, 7. Oft. (Wolff.) Die mit Wirkung ab 1. Oktober beschlossene Erhöhung der Kohlen» preise hat eine entsprechende Erhöhung der Stickstoffpreise im Gefolge. Die neuen Preise für Stickstoffdünger sind deshalb die folgenden: Per Kilogramm Stickstoff im schwefel- sauren Ammoniak nicht gedarrt und nicht gemahlen 297,90 Mk., gedarrt und gemahlen 305 Mark, im salzfaurcn Ammoniak 297,90 Mk., im Kaliammonsalpeter 297,90 Mk. Daneben wird der Kaligehalt mit den für Kali in Ehlorkalium für die jeweilige Abladung geltenden Preisen in Rechnung gestellt, im Natronsalpeter 359,30 Mk., im Kalistickstosf 265,10 Mk. Diese Preise gellen für alle seit dem 1. Oktober abgerollten Sendungen Auch nach der Erhöhung bleibt der Preis des Onlandstickstosf-Düngers bei dem heutigen Markst an de noch unter der Hälfte deS Weltmarktpreises. Die Werke waren am 1. Oktober ohne Bestünde 3n den letzten Tagen ist die Verkehrslage schwieriger geworden. Berliner Produktenmarkl. Berlin, 7. Oft. (Wolff.) Das Hauptmerkmal des heutigen Produktenmarltes war das fast vollständige Fehlen des Angebots aus erster Hand Das Mehlgeschäft verlief ohne besondere Anregung und die Forderungen gehen weit auseinander. Für Weizen und Roggen hält dic Kauflust der Mühlen an, findet aber keine Befriedigung. Gerste und Hafer waren trotz hoher Gebote kaum zu kaufen, und auch für Mais, Futtermittel und andere ®etreibearten hielt die beträchtliche Preissteigerung an. zu der auch wie immer die Festigkeit am Devisenmarkt beiträgt. 379(52,- 57242,79 2152,70 2,97 84,91 7380,11) me, für die übrigen 18 ist das Material vorhanden bis auf das Kupfer: zum Teil ist mit den Arbeiten schon angefangen. Wir haben in der Ueberlegung. daß wir aus dem schon vorhandenen Material bauen wollen, soweit eS möglich ist, mit Zustimmung des Prv- vinzialauSschnsses beschlossen, überall da. wo eS technisch möglich und im Hinblick auf die Betriebssicherheit zu verantworten ist, das Kupfer herauszunehmen und eS durch Eisen zu ersetzen. Das Kupfer wollen tun- dahin bringen, wo es unbedingt nötig ist, z. B für die Fernleitungen. Ferner lassen wir mich Eisenteile herausnehmen, wo es möglich ist Rachdem diese Arbeiten abgeschlossen find, tnerben wir folgenden Kupf c r- bedarf haben, für Ortsnetze 22 552 Kilogramm, für Fernleitungen 10 250 Kilogramm, zusammen allo 32 802 Kilogramm, d. h. 32—35 Tonnen Kupfer. Entsprechend dem heutigen Preise sind hierfür 37 Millionen Mark erforderlich Der B e ° barf an Eisen beläuft sich insgesamt auf rund 12 000 Kilogramm, die rund 16 Millionen Mark kosten Für Kupfer und Eisen zusam° men sind also 53 Millionen Mark erforderlich. „Wir müssen bei diesen großen Ausgaben natürlich alle Gesich.tspunfte genau prüfen. Verschiedene find in den Erörterungen des Provin- zialauSschasses hervorgehoben worden Der Pro- vinzialmisschufi war der Aufsasluna — tmb das ift auch meine eigene — daß wesentliche und aus- schlaaa bende Gründ- dafür sprechen, in dem Bau 6e8 Werks nicht aufzuhören sondern alle Mittel AU versuchen, jrn de" Ausbau 'veiterzubringen sprechen dafür nicht nur Erwaaungen moralischer Art den Gemeinden gegenüber, wir sind auch durch die Verträge mit den Gemeinden ge= wissermak-en rechtlich verpflichtet, und wirtschaftlich ist in Betracht zu ziehen, nachdem wir so weit in die Provinz vorgedrungen sind daß es nun auch wesentlich ist. alle Abnehmer an die Leitung zu bekommen, die nur irgendwie erreichbar sind. Wenn wir erst am Anfang des Werkes ständen, wenn wir erst beginnen würden, dann könnten axr uns nicht zweifelhaft sein, was zu tun wäre. Anders ist es Ker. Hier bandelt es sich im wesentlichen nur noch um 14 Ortschaften aus dem Bezirke Alsfeld und um 18 aas dem Bezirke Lauterbach bei denen das Kupfer fehlt. Außerdem fehlt es noch an einer Anzahl von Hochspannungsleitungen, die wir bauen müssen. Da ist vvr allem die Gruppe Schlitz, das Schlitzer Land. Dieses wird von der Fulda durchströmt. Dort wurde angeregt, die Wasserkraft d e r Fulda auszunutzen. Für mich war e5 wesentlich die Frage des Schlitzer Landes in bie Erwägungen über unsere Anlage hineinzu- zrehen. Dort beabsichtigt eine Anzahl von Gemeinden. das Schlitzer Land in ehre kleine Zentrale zusammenzuschließen, die ihre Kraft du ich das Waster der Fulda erzeugen soll Außer Schlitz find es noch die Ortschaften Huhdors. Queck. Schwarz, Pfordt und andere. Da nun aber die dort erzeugte Energie von den Eetc’ügten Ge- mernden nicht voll verbraucht werden kann, ift es notwendig, um das «Werk rentabel zu machen daß der überschüssige Strom abgenommen wird Dafür kommen wir nur in Frage, wenn wir diesen 38961,- 5634L50 4995,50 2222,70 2,99 8M8 7517,40 den 9147v rrSg Berstadt b. Friedberg Großen-Buseck ersch- 48.00 lose, Pfund nachmittags 2 Uhr, statt. 09486 8. bis u. 19 2 2 OKTOEEH Auskünfti efrreiLEN ok RomVeoe d*l HAMBURG- AMERIKA LINIE Karl Huhn Elise Huhn 9158V Minna Huhn. Wiesbaden, Gießen, 7. Oktober 1922. 9141c Line, Hamburg, Börsenbrücke 2 Amer Telephon 2015. 9140D Gießener Anzeiger HERBST MESSE 6. 7. 8. 9. 10. Rühl, Ludwig, Marktplatz 13 Reusch, Konrad, Wiesecker Weg 3 Schmalz, Friedrich, Bismarckstraße 40 Schomber, Willi, Walltorstrahe 51 Schmidt, Hugo, Wilhelmstraße 8 et be Äai । frfi SB rit V Schade & Füllgrabe Vertreter: Wilh. Julimann, Gießen, Bahnhofstr. 65. 7361A S"I>t w unb «nsc richt 11. Vollmer, Gustav, Frankfurter Str. 89. Gießen, den 5. Oktober 1922. Der Oberbürgermeister. _______3. D.: Dr. Rosenberg. 91458 Passagierdampfer: Doppelschraubendampfer „Mongolia“ . . Dreischraubendampfer „IViinnekahda'M . Doppelschraubendampfer „Manchuria*1 Doppelschraubendampfer „Mongolia“ . . Dreischraubendampfer „IBinnekahda“ . Doppelschraubendampfer „Manchuria“ Doppelschraubendampfer „Iflongoiia“. . Frachtdampferi Z Cb CO Mm Herr sucht sofort oder per 15. Oktober möbliertes Zimmer. Schrift!. Angebote unter 09498 an den Gieß. Anzeiger erb. Jakob Schmittgali Oberamtsgehrlse findet Dienstag milrag3Uhrslatk. Der Vorstand. sehr schnell, wenn man den Schaum von Zuckcr'sPatent-Mrdizinal-Seife abends eintrocknen läßt. Schaum erst morgens abwaschen u. mit Zuckooh-Creme nachstreichen. Großartige Wirkung, von Taufenden bestätigt. In allen Apotheken, Drogerien, Parfümerie-u. Frijeurgeschästen. In Gießen In der Drog. Winterhoff, Ztreuzplatz 9/10, Löwen-Drogerie und Victoria-Drogerie,Herm. Plank Wwc. und P. Jos. Möbs. 330c Bekanntmachung Sperrzeit für Tauben Die Besitzer von Tauben werden unter Hinweis auf Art. 39 Abs. 1 Ziffer 2 des Feldstrafgesehes vom 13. Fuli 1904 aufgefordert, ihre Tauben während der Saatzeit vom 8. Oktober bis 6. Rovember 1922 einzuhalten, andernfalls sie zu gewärtigen haben, daß die Taubenhalter gemäß vorgenannten Gesetzes bestraft und die Tauben von dem Feldschutzpersonal abgeschoffen werden. Rach § 2 des Gesetzes vom 28. Mai 1894, den Schutz der Brieftauben betreffend, gelten für die nachfolgenden Besitzer von Militärbrieftauben die ersten 10 Tage der Sperrzeit. 1. Geißner, Erwin, Plockstrahe 9 2. Hambach, Georg, Walltorstrahe 35 3. Henkel, Heinrich, Walltorstrahe 27 4. Kösinger, Wilhelm, Landgraf-Philipp- Plah 1 5. Rosenbaum, Fritz, Löwengaffe 20 Schule für höheres Klavierspiel und Theorie der Musik von Minna Körner,Westanl. 48 Beginn des Wintersemesters: Montag, 16. Oktober. Aufnahme und Abgabe des Stundenplans Dienstag, den 10. Oktober, zwischen 11 und 5 Uhr. Die Beerdigung unseres Kamera- der Krone all. Filmschöpfungen Der Graf von Monte Christo nach dem weltberühmten Roman v. Alexander Dumas Wom Mre, b«n da Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Erika Löb Julius Jakob Todes-Anzeige. Heute morgen 7 Uhr verstarb unerwartet unsere unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Philipp Schäfer VII. Wwe. im Alter von 76 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Philipp Hammel VII. Familie Philipp Müller. Annerod, am 8. Oktober 1922. Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. Okt, IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHII Per sofort tücht. Hübel- und tadnwr gesucht. Schrift!. Angebote unter 9151 an den Sion; in die loser : den. q unb[( jagten berdie, Dang, eine A in seine . D einem M er Jannt Q RttUi schüft", Junger Mann sucht möhl. Zimmer ohne Pension. Nachrufragen Tabak-' arbeiter Verband, Schottstr. 10 p. 0948» . 21. Oktober . 28. .11. November . 25. . 2. Dezember . 16. . 30. 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Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. Oktober, nachmittags l1/» Uhr, statt. 09487 Am 4. ds. Mts. verschied zu Wiesbaden unser lieber, herzensguter Bruder Dir.-lnspektor Hermann Huhn im 62. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Mittwoch, 3.30 Uhr: Premiere American Line Regelmäßige Passagier- und Frachtdampfer Hamburg - Newyork Limburger Käsel zum billigsten Tagespreis Sopfiljonifl I-Psd.-Würfel 52.00 Wen r Men in i r taz > untt öetri, । j. Ün ^äleid Bund „Haus u. Schule“ Jahresfeier Mittwoch, den 11. d. M., abends 8 Ubr, in der Jobanneskirche. (9152D HeönecBnnöesöirenorlBlnller. Alle Evangelischen sind herzl. eingeladen MMelschmeres swmell zu verkaufen. Off. u. 2536 an Herso, M. A.- E-, Vlockitr. 5. oeios] Fast neue KiichcnciiiriAinili -"LEHaisklinisie zu verk. Händl, verb. Z.ersr. i.d.öleschäfts- steüe d. Gieh.Anzeig. _______________ M4A Klavier auch alt. Instrument (fein Tafelklavixrl o. Privat zu kaufen gesucht. Angeb. mit Preis u. K.623 (9105a) a. d. Gtefi. Anzeiger. 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