Dienstag, 9. Mai 1922 Erstes Blatt 172. Jahrgang d«S von nie- möglich. Lloyd George: Gut, dann werden wir Land für die Zeit der Abstimmung besetzen. Wilson. In diesem Falle wurde man einem militärischen Druck sprechen. Elemencean: Wir haben für diese- Land Die Spannung vor der russischen Antwort Die LInterhaltung der „Drei Gewaltigen" bedarf inhaltlich wohl keines Kommentars mehr. Ihr Inhalt spricht eine zu deutliche Sprache über die Art, wie man in Versailles europäische Fragen „gelöst" hat. Hingewiesen sei nur noch auf die Rollen, die die Drei spielen. Am besten präsentiert sich eigentlich noch Lloyd George, da er noch den meisten gesunden Menschenverstand ich bewahrt hat und die Dinge weit richtiger beurteilt und die Stimmung des deutschen Volkes viel richtiger barstellt als Wilson oder gar ©lern enceau, für den es keine Gefühle mehr zu geben cheint. Clemenceau ist nur noch der ganz zu Revanche gewordene Greis. Eine geradezu jämmerliche Figur aber gibt Wilson ab, der ewige Doktrinär und Besserwisser. Und auf diesen jämmerlichen Gesellen haben weite Kreise des deutschen Volkes ihre Hoffnungen gesetzt. . . Aus dem Reiche. Eine Versammlung der Fraktionsführer des Reichstags. D e r l i n. 8. Mai. (Privattelegr.) Wie die „Zeit" mitteilt, sind die Fraktionsführer des Reichstages für morgen nachmittag zu einer Besprechung in die Reichskanzlei eingeladen worden, wobei ihnen über die Lage in Genua Mitteilung gemacht werden soll. Die ZwangSanleihe. D e r l i n, 9. Mai. Der Gesetzentwurf über die Zwangs an leihe ist nunmehr dem ReichSrat zugegangen. Laut „Deutscher Allg. Ztg." wünscht die Regierung, daß die Beratungen innerhalb von 8 Tagen erledigt werden, damit der Reichstag noch vor dem 31. Mai sich mit der Dorlage beschäftigen kann. Relchsgesetzliche Maßnahmen zur Steuerung der Rot der Presse. Wie die Blätter hören, steht ein Gesetzen t w u r f zur Steuerung der ÄvtderZei- t u n g e n, wie in einem gemeinsamen Anttage der Parteien Im Reichstag von der Reichs- regierung gefordert wurde, im Reichswirt- schaftSrat kurz vor seinem Abschluß. Der Entwurf wird in allernächster Zeit dem ReichS- kabinett zur Beschlußfassung zugehen und dann dem ReichSrat und dem Reichstag vorgelegt werden. Die ehemaligen Kriegsgefangenen in Nürnberg. Nürnberg. 7. Mai. Die ReichSv er- einig ung ehem. Kriegsgefangener hielt Freitag vormittag im Hotel St. Sebald ihren Bundestag ab. Den Tätigkeitsbericht erstattete der BundeSvorsitzende Darsanti-Ber- lin. Bei der Dorsitzendenwahl für die Tagung wurde als 2. Dorsitzender Decker (Rhein- land), als 3. Dorsitzender F r h r. v. L e r s - ner-PotSdam gewählt. Schriftführer wurden Brinkmann-Berlin, Schäfer-Bamberg. Weil-Düsseldorf. Rach längerer Diskussion über den TättgkeitSbericht gab Dr. Givens- Berlin den Kassenbericht. Der gleiche Referent hatte nach einer ausführlichen Besprechung der Finanzfragen Grundsätze zur Regelung der Finanzen bekannt gegeben. Herr Bütefür gab einen Bericht des Bundesbeirats und verbreitete sich am Nachmittag über Organisationsfragen. Das neue Prinzip der Organisation soll sein: Der Träger der Organi- sattvn ist die Ortsgruppe, die lokal zusammen- gefaht wird in Dezirksgruppen. Die BezirkS- ?ruppen werden nun so zusammengefaht, daß über ganz Deutschland eine Organisation von 10 Gauen geschaffen wird, die einen ehrenamtlichen Vorsitzenden haben und einen von der Bundesleitung zu ernennenden, resp. zu bestätigenden Geschäftsführer erhalten. — Zum Schluß sprach noch Frhr. v. Lersner, der den hohen sittlichen Wert der Gedankengemeinschaft kennzeichnete. nische Gewalt stellt, heißt daS einfach Unruhen Hervorrufen. Clemenceau: Machen wir unS doch nichts vor! Wir werden Unruten bekommen, jetzt oder später, mit oder ohne Abstimmung. Wilson: Die deutschen Truppen müssen, wie eS auch die Sachverständigen wünschen, zu allererst das Land verlassen. Sind die britischen Truppen bereit, für die Durchführung der Ab- timmung zu kämpfen? Lloyd George: Za, weil der Grundgedanke richtig ist ... . Darauf werden die Sachverständigen vor- jelaffen. Rach ihrer Verabschiedung entwickelt ich noch folgendes Schluhgespräch: Clemenceau: Ich habe nichts mehr meinen vorausgegangenen Erklärungen hinzuzufehen. Ich halte eine Abstimmung immer noch für einen Irrtum. Da Sie aber meine Meinung nicht teilen, v gebe ich nach. Abek trotzdem bin ich der An- icht, daß wir schweren Unruhen in Oberschleien entgegengehen und daß eine schnelle Lösung weit besser gewesen wäre. Nr. 198 Erscheint täglich, anher Sonn, und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche 6e)ug$pret|e: Mk 18.— und Mk. 2.— Trägerlohn,durch diePost MK.20.—, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Fernlprech- Anschlüsse: für dieSchrift» lething 112; für Vertag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. postscheskonlo: zranksutt a. M. 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vi» zum Nachmittag'vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno 34 mm Breite örlhd) 120 Pf., auswärts 150 Pf.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 450 *Pt Bei Platz- Vorschrift 20 "/.Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen TeÜ: Karl Walther; für den Anzeigente,!: Hans Veöt, sämtlich in (Biegen. Die „Großen Drei" und Oberschlesien. Der französische Major M e r m e i x hat ein Buch über die Verhandlungen geschrieben, die die drei Gewaltigen dieser Erde, Wilson, Lloyd George und Clemenceau in Versailles über die Reueinteilung Europas im Jahre 1919 geführt haben. Der .Manchester Guardian" veröffentlicht auS diesem Buche ein Aktenstück über die Besprechungen über Oberschlesien, die sich zu Anfang Juni 1919, also nach Ueberreichung des ersten Entwurfs des Friedensvertrages an die Deutschen, abgespielt haben. Lloyd George teilt zu Beginn deS ersten Gespräches mit, daß er und seine Ministerkollegen die Ostgrenze Deutschlands, ane sie in dem Entwurf sestgelegt sei, für unmöglich hielten. Man feile in Oberschlesien eine Volksabstimmung abhalten lasten. Clemenceau wendet dagegen ein, daß man Polen gegenüber ein Unrecht wieder gut tzu machen «habe, und daß man zwischenDeutsch- land und Rußland eine Barriere schaffen müsse — zum Schutze Frankreichs. In der zweiten Besprechung unterhalen sich die .Grollen Drei" über die Möglichkeit einer Volksabstimmung Dabei äußert Wilson die Ansicht, daß Oberschle'ien Eigentum von 15—20 Kapitalisten sei, and daß eine freie Abstimmung nicht möglich sein werde, da Oberschlesien so lange unter dem deutschen Stiefel gestanden habe. Dann sagt Wilson weiter: .Die schlesische Frage ruft keine Bewegung in der Vvlkssttmmung in Deutschland hervor. Sie ist eine Angelegenheit der Kapitalisten" Lloyd George: Trotzdem — die deutsche Regierung besteht in der Mehrheit aus Sozialisten, und diese werden protestieren. Wilson: Ja, aber zugunsten der Kapitalisten. Lloyd George. Ich bin nicht Ihrer Meinung. Es ist eine nationale Frage .... Oberschlesien ist 700 Jahre lang von Polen getrennt gewesen. Ich verlange nichts Uebertriebenes, wenn ich fordere, daß man die Bevölkerung zur Abstimmung zulüßt Wilson: Aber eine freie Abstimmung ist nicht GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck Mftb Verlag: vrLhl'sche Urriv.-Vnch- unb $tehförnderei R. Lange. Zchristlettvng, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulftraße 7. Paris, 8. Mai. (WTD.) Der Sonderberichterstatter der Havasagentur meldet heute nachmittag, in italienischen Kreisen gehe die allgemeine Meinung dahin, daß die Vertreter Frankreichs und Belgiens «$u neuen 'Beratungen zusammen berufen würden, falls die russische Antwort mindestens im ganzen genommen befriedigend ausfalle und die Fort- lehung der Verhandlungen erlaube. Man hoste, daß die beiden Mächte dann eine solche Aufforderung nicht ablehnen würden. Wenn dagegen die russische Antwort pvllkommen unnachgiebig sei, werde mit ihr das Schicksal der Konferenz fallen. England und Italien würden unter diesen ilmftänben getrennt mit Rußland verhandeln. In englischen Kreisen habe man heute vormittag erklärt, wenn Belgien und Frankreich die russische Antwort nicht genügend bestimmt fänden und die Fvrstehung der Verhandlungen ablehnen, würde Lloyd George sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß dann die Konferenz von selbst zu Ende gehe. Er würde sich bemühen, bei anderen Mächten die Fortsetzung der Verhandlungen durchzusehen, um sobald wie möglich zu einer Verständigung mit den Sowjets zu kommen. Ein Brief Bcrrlhous an Lloyd George. ®enua,9. Mai. (WTD.) Wie derBer- treter des Reuterschen Bureaus erfahrt, erhielt Lloyd George gestern abend einen Brief BarthouS, in dem es heißt: Sie fordern mich auf, Zeugnis abzulegen über unsere Unterredung am Sonnabend, die so viele Kommentare hervorgerufen hat. Hier ist meine Antwort: Sie haben nicht erklärt, daß die Entente zwischen Frankreich und Groß-Britannien zu Ende sei, auch nicht, daß Ihre Berater Sie gedrängt haben, zu einer Verständigung mit D e u t s ch l a n d zu gelangen. Sie sprachen nur von den Schwierigkeiten, denen die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern unterliegen, aber Sie haben nicht ein einziges Wort gesprochen, das so ausgelegt werden könnte, als wollten Sie damit die Absicht ausdrücken, die Freundschaft zu brechen, die unsere beiden Länder eint. Der Brief Bar- thvus schließt: Ich bewahre unverbrüchlich ein Berttauen auf diese wichtige Einigkeit. Ein Schreiben Poincar^s? London, 8. Mai. (WTB.) „®t>ening Rews" zufolge teilt die Downing Street mit, daß der französische Ministerpräsident P o i n - ca r e durch den britischen Botschafter in Paris Lloyd George ein Schreiben übersandt habe, in dem der französische Standpunkt auseinandergeseht, jeder Wunsch, die Genueser Konferenz „zu torpedieren", in Abrede gestellt und die Freundschaft Frankreichs zugesichert wird. Eine gegen Frankreich gerichtete Erklärung der russischen Delegation. Genua, 8. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTB) Ein von der russischen Delegation ausgegebenes Kommunique besagt: Gewisse Delegationen bemühen sich, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, indem sie den Mißerfolg der Genueser Konferenz Voraussagen für den Fall, daß Rußland das ihm angebotene „Ultimatum“ nicht annehmen sollte. Dies ist lediglich der letzte einer Anzahl von Versuchen von derselben Seite, die bereits zu Beginn der Konferenz begonnen haben, als die russische Delegation sich erlaubte, zu erklären, daß sie einen wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas nicht ernstlich in Erwägung ziehen könne, wenn nicht das Abrüstungsproblem aufs Tapet komme. Was die russische Frage betreffe — die einen Punkt der Tagesordnung der Konferenz bilde —, so ist es nötig, darauf hinzuweisen, daß dieselben Mächte, die die bedingungslose Annahme des Memorandums über die russische Frage verlangen, sich vollkommen von diesem Memorandum losgelöst haben, indem sie es ablehnten, seine Bestimmungen bezüglich eines der wichtigsten Teile des russischen Problems anzunehmen. Diese Mächte, die während der ganzen Konferenz Rußland nicht als gleichberechtigten Faktor der Konferenz anerkennen wollten, die gedroht haben, die Konferenz zu ruinieren, wenn Rußland nicht auf das wirtschaftliche Abkommen, das es mit einem anderen unabhängigen Lande geschlossen hat, verzichtet, dieselben Mächte, deren Hauptauffassung von der europäischen Politik darauf hinzielt, Europa der Rechtsprechung einerGruppe von Regierungen zu unterstellen, gefährden nun wiederum die Konferenz, indem sie den Entwurf eines 2ß>- kommens, der Rußland durch andere Mächte als sie selbst vorgelegt wurde, den Charakter eines „Ultimatums" zuschreiben. Die russische Delegation ist nach Genua gekommen, um in versöhnlichem Geist zu beraten, auf der Anwendung des Grundsatzes der Gegenseitigkeit zu bestehen, und Versöhnlichkeit bleibt ihr Ziel. Eine Unterredung Lloyd Georges mit den Russen. Genua, 8. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTB) Die »Agenzia Slefani" meldet: Lloyd George, Schanzer, Litwinow, Krassin und T s ch i t! ch er t n fritlcn heute vormittag eine Unterredung. Der Besuch des Reichskanzlers bei Lloyd George. Berlin. 8. Mai. (Wolff.) Nach Mel» düngen aus Genua Hal der Reichskanzler gestern Lloyd George besucht. Heute vormittag waren die Russen beim Reichskanzler. Die russische Antwort wird morgen erwartet. Ein Vermittlungsvorschlag zur Kreditfrage für Rußland. Genua, 8. Mai. (Wolff.) Spezialbericht des Wolff-Vertreters. „Piccolo" schreibt zur Krisis: S ch a n z e r machte einen Vermittlungs- Vorschlag zur Lösung der Frage des Kredits für Rußland. Danach soll ein Teil der Dumme, die das Anfangskapital des internationalen Finanzkonsortiums bLM. den Industriellen, die sich in Rußland zu betätigen wünschen oder dort ihre frühere Tätigkeit wieder aufnehmen wollen, zur Verfügung gestellt werden. Ein anderer Teil soll der Sowietregte- r u ng zur Fortführung öffentlicher Arbeiten überwiesen werden. So würde man die Grundsätze, die die Mächte bei Schaffung des Finanzkonsortiums geleitet hätten, nicht verletzen und andererseits Tschitscherins Wunsch erfüllen. Wie Barlhou die Lage darstellt. Genua. 8 Mai. (Wolff.) Stefani veröffentlicht noch folgende Einzelheiten über die Erklärung, dieDarthvu gestern englischen und amerikanischen Pressevertretern gegenüber abgab. Darthou gab eine Ueberficht über das Verhalten der französischen Delegation und sagte: Frankreich hätte die Teilnahme an den De» sprechungen mit den Aussen ablehnen können von dem Augenblick an, da die Russen in allen Kommissionen auf dem Fuß der Gleichheit vertreten waren. Als später der deutsch-russische Vertrag kam, hätte Frankreich den besten Anlaß zum Druch gehabt. Aber es hat feinen Gebrauch davon gemacht, obgleich Lloyd George erklärte, Deutschland und Rußland hätten hinter dem Rücken der Alliierten gehandelt. Was die Schulden antetrifft, so wurden die Fragen der Kriegsschulden gemäß den Sanner Beschlüssen und die der Dorkriegsschulden hn Geiste der Versöhnung geregelt. Lloyd George unterstützte hierbei die französisch-japanische Auffassung in loyaler Weise. Ich habe die Entscheidung der Sachverständigen in der Kriegsschuldenfrage angenommen unter der Bedingung, daß auch der Sachverständigenbericht bezüglich des Privateigentums angenommmen würde. H er kam es zu dem belgischen Zwischenfalle. Belgien war der Ansicht, daß der von den Sachverständigen ausgearbeitete Text die Interessen Belgiens nicht genügend berücksichtige. Ich beantragte die Aen- berung des Sachverständigenberichts, weil er den Beschlüssen von Cannes nicht genau entsprach. Die Aenderung wurde bewilligt, aber Belgien fand sie ungenügend und verlangte die Zurückweisung des betreffenden Artikels an die Sachverständigen. Niemals hat es sich darum gehandelt, England Belgien vorzuziehen oder umgekehrt. Frankreich ist ein aufrichtiger Freund beider Länder. 'Rach einem Hinweis auf die Waffenbrüderschaft aus dem Kriege schloß Darthou: „Auch zwischen Freunden kann es Meinungsverschiedenheiten geben," aber dies ist kein Grund, nicht weiter zu verhandeln und nicht weiter zusammenzugehen." Eine Havas-Darftcllung über Lloyd Georges Verhalten. Pari«, 8. Mai. (WTB) Havas berichtet aus Genua, glaubwürdigen Mitteilungen zufolge hätte Lloyd George den deutschen Delegierten bei ihrer letzten Besprechung mit ihm erklärt, daß England infolge der Weigerung der französischen Regierung, vor dem 31. Mai einer interalliierten Beratung beizuwohnen, kein Interesse mehr an der Reparationsfrage nehme. Der englische Premierminister hätte also die deutschen Vertreter aufgeforbert, in der Reparationsfrage mit Frankreich unmittelbar zu verhandeln. Man habe in diesem Zusammenhang davon gesprochen, daß Lloyd George Darthou bei feiner Unterredung mit ihm am Samstag diesen Entschluß mitgeteilt habe. Der Havasvertreter versichert im Ceqensah hierzu, daß die Unterredung zwischen den beiden Staatsmännern keinen Augenblick der Reparationsfrage gegolten habe. Wenn Lloyd George auch diesen Entschluß nicht offiziell mitgeteilt habe, so habe er doch mehrere Persönlichkeiten von seinen Absichten in Kenntnis gesetzt und man könne danach als wahrscheinlich anneh- men, daß die englische Regierung eine abaxirtenbe Haltung einnehmen werde. Dagegen bestätigte der Havasvertreter nochmals die Meldung vom Samstag, daß Lloyd George in seiner Unterredung mit Darthou, ohne allerdings, wie behauptet worden sei, mit dem Abschluß neuer Allianzen zu drohen, erflärt habe, die gegenwärtige Lage könnte in Zukunft England veranlassen, sich in seinen Freundschaftsbeziehungen weniger ex- klussiv zu erweisen. Ein witzelnder Ton gegenüber Lloyd George. Paris, 8. Mai. (Wolff.) Der Sonderberichterstatter des „Journal" in Genua, der Lloyd, George gegenüber einen witzelnden Ton an- mass eine Abstimmung versprochen. Lloyd George: Herr Wilson selbst hat doch bei jeder möglichen Gelegenheit das Selbstbesttm- mungsrecht der Völker proklamiert! Wir haben doch auch schon im Saargebiet, in Fiume und Klagenfurt Abstimmungen! Warum sollen wir sie in Oberschlesien verweigern? Wilson: Ich gebe keinen meiner Grundsätze auf, aber ich will nicht, daß die Polen unter deutschem Druck äbftimmen. Lloyd George: Sie nehmen jetzt dieselbe Stellung ein, die Sie bekämpft haben, als Herr Orlando sie in der dalmatinischen Frage einnahm I Wilson: Das ist ja die reine Absurdität! Was ich will, ist eine freie Abstimmung. Lloyd George: ilnb ich will den Frieden! Ich weiß aus guter Quelle, daß die schlesische Frage die wichtigste für die Deutschen ist. Ich würde lieber eine Division nad> Schlesien, als ganze Armeen nach (Berlin senden. Clemenceau: Wer sagt Ihnen, daß Eie die Wahl haben ? Lloyd George: Ich will nicht die Verrücktheit Rapoleons wiederholen und in (Berlin sitzen, wie er in Moskau! Clemenceau: ES ist ein starkes Stück, das jetzt zu sagen! Zwei Tage später trägt Paderowski die Wünsche Polens vor. Einige Tage darauf ent- spinnt sich folgende Unterhaltung: Clemenceau: Ist es Ihnen recht, jetzt den D:- richt der Kommission für die polnischen Angelegenheiten anzuhören? Lloyd George: Die Kommission ist parteiisch für Polen. Ich habe keine Lust, mich mit ihr in eine Diskussion cinzula sen. Clemenceau: Disku.icrm werben wir unter unS. aber wir müssen hören, was die Kommission' zu sagen hat. Ich möchte hier nur noch einmal feststellen, daß ich gegen eine Abstimmung m Oberschlesien bin. Ader da Sie ja alle in diesem Grundgedanken einig sind, komme ich Ihnen im Geiste der Versöhnung entgegen. Ich möchte ab?r doch noch darauf Hinweisen, daß überall, wo die (BeDöBeru-g polnisch gewählt hat. keine Abstimmung nötig ist. Wilson: Schön, wir können ja die Grenzen prüfen. Ich möchte noch hinzufügen, daß mein Kollege Herr White auch Informationen Uber die deutsch»freundliche Tätigkeit des polnischen Klerus gcfanunclt hat. Lloyd George: Ich wette, diese Information stammt aus polnischer Quelle. Wenn man die Polen über die Juden sprechen hört, bann könnte man wirklich glauben, sie behandelten sie außerordentlich gut. Wir wissen aber, daß dem nicht so ist. Eine Abstimmung ist im wesentlichen gerecht. Wenn wir feine Abstimmung veranstalten, was für eine Empfindung sollen wir bann habet haben, wenn wir britische Truppen senden müssen, die für Oberschlesien kämpfen und ihr Leben lassen sollen ? Wilson: Sie sind sehr voreingenommen. Meine Information stammt von Amerikanern, die an Ort und Stelle gewesen sind .... Lloyd George: Ich wünsche einen Konflikt zu vermeiden. Die Deutschen tn Oberschlestm sehen die Polen als inferiores Volt an und verachten sie. Wenn man die Deutschen unter pol- schrägt, meldet, Lloyd George habe gestern schon den Eindruck gemacht, als sei er zurückgetreten. Man erzähle sogar, daß er sich mit der Absicht trage, demnächst in Ferien zu gehen, und das) er das Angebot eines Verlegers angenommen habe, der ihm 80000 Pfund für seine Memoiren bot. Das Werk führe, wie der Berichterstatter ironisch unter Hincocis auf die augenblickliche Lage in Genua bemerkt, den Titel „Die tragischen Stunden". Diese Notiz wird von Havas weiter verbreitet. Aeutzerungen Lloyd Georges. Genua, 8. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTB.) Lloyd George erschien heute nachmittag um 6 Ulyr in einem Saale der Universität vor einer Versammlung englischer und amerikanischer Pressevertreter und beantwortete im Verlaufe einer Stunde eine große Reihe von Fragen, die an ihn gerichtet wurden. 3n den ersten Antworten führte er ungefähr folgendes aus: Die russische Antwort werde vielleicht morgen abend, lvahrschei.nllch aber erst Mittwoch vormittag erfolgen. Aus die Frage, ob die Antwort „Ja" oder „Olein“ lauten müsse, so tote es Barthou gefordert habe, erwidert Lloyd George, alles hänge von dem .Charakter der russischen Antwort ab. Wenn sie die Hoffnung Biete, hierin Genua eine Lösung zu bieten, werde man sicher mit den Verhandlungen fortfahren. Bei seinen Besprechungen mit Tschitscher-in und Krassin habe es sich darum gehandelt, dah das Memorandum, welches von mancher Seite klar und eindeutig erachtet wurde, von den Russen in vielen Punkten unklar gefunden wurde. Auhenminister Schanzer habe der Vesprechung heute vormittag beigewohnt. Auf die Frage, ob man bereit sein würde, den Russen von Regierung zu Regierung eine Anleihe zu gewähren, erwiderte Lloyd George mit einer Verneinung. Die internationalen Korporationen genügten für diesen Zweck vollständig. Auf eine Frage bezüglich der in London Über seine Besprechung mit Barthou veröffentlichten Berichte erklärte Lloyd George, die Häuptling der „Times", er habe Barthou unter anderem erklärt, die Entente sei zu Ende, wäre eine absoluttolleErfindung. Kein Wort in dieser Erzählung fei wahr. Er, Lloyd George, habe nur gesagt, dah er nichts gegen die Veröffentlichung des Protokolls der Besprechung durch die französische Regierung habe. Auf die Anfrage, welchen Standpunkt er bezüglich der Idee, die S i g nata r m ä ch t e des,Versailler Vertrages zu einer ge- Dieinfamen Beratung zusammenzubringen, einnähme, erwiderte der englische Premier, er hak^ niemals die Idee aufgegeben und er hoffe, dah eS noch zu dieser gemeinsamen Beratung kommen wurde. . ,, Bezüglich des Durgfrredenspartes sagte er, dieser Pakt hänge durchaus von einer befriedigenden Regelung mit den Russen ab. Er wiederholte, die russische Antwort müsse nach ihrem Charakter beurteilt werden. Wenn diese Antwort zeige, dah man auf russischer Seite den aufrichtigen Wunsch zu einer Verständigung habe, 'dann werde auch eine Lösung möglich sein. Er Lloyd George, werde so lange in Genua bleiben, als die Möglichkeit bestehe, za einer Einigung zu gelangen. Auf die Frage, ob er glaube, dah Frankreich sich von der Konferenz zurückziehen werde, erwiderte Lloyd George mit „Rein“. Frankreich werde wie bisher gemeinsam mit anderen Rationen handeln, wenn die russische Antwort befriedigender Natur sei. Auf die Frage, ob heute Me Lage besser sei als gestern, erwiderte Lloyd George, er könne darauf nicht antworten, bevor er die russische .Antwort gesehen habe. Bei ihrem Besuche hätten die Russen nur Fragen gestellt, aber nichts über Den Charakter ihrer Antwort verlauten lassen. Hierauf wurde Lloyd George über die Angelegenheit des Artikels 7 im Memorandum an die Russen befragt Er entgegnete, man müsse fich deutlich vor Augen ^halten, baBicä zwei Punkte in den Kammerresolutionen gäbe, die beide ihren besonderen Charakter Hütten. Die erste erkenne das absolute Recht Rußlands an, bezüglich seines Regierungs- und Eigentums-Systems nach Git- bünten zu handeln. Ruhlands Recht zur Rationalisierung, sein eigenes Regierungssystem und fein System zu wählen, werde in Artikel 1 erklärt. Artikel 3 der Resolution besage, dah die Russen allen vormaligen Besitzern beschlagnahmter Güter in Rußland ihr Eigentum zurückgeben oder eine Entschädigung daür leisten mühten. Auf eine F'.age bezüglich der de jure-An- erkennuig der Sowjeircgicrung antwortete der englische Premierminister, er verweise auf den Wortlaut der Resolution von Canu^-und seine im Unterlaufe abgegebene Erklärung. lieber den bereits oben erwähnten Artikel 7 führte Lloyd George noch das Folgende aus: Artikel 7 ist von drei Juristen versaht worden, einem Franzosen u. einem Engländer, die bereits bet'bcm Versailler Vertrage gemeinsam gearbeitet hatten, sowie einem Belgier, der nicht nur Jurist, sondern auch Bankier und Geschäftsmann sei. Diese drei Personen haben einen Text redigiert, der von den englischen, französischen und allen anderen Vertretern der tu Genua anwesenden Ententemächte angenommen wurde, mit Ausnahme der Belgier, die protestiert hatten. Frankreich hat den Artikel mit einer Abänderung, die von Barthou vorgeschlagen war, und in der der Wortlaut der Kammerresolution zitiert wird, angenommen. Rach dieser Annahme ist Barthou abgereift. DerPro- test Fran kr eichs ist gekommen, nachdem Barthou von Genua abgefahren war. Artikel 7 ist in dieser Fassung selbst von ben belgischen Sachverständigen als ein vollständiger Schuh der Privatrechte angesehen worden. Der Artikel 7 ist also durchaus nicht englischer Redaktion, wie mancherseits behauptet toi b, sondern er ist von den drei Sachverständigen versaht toorden. Dies ist die wirtliche Geschichte des Artikels 7. Lfryd George fuhr fort: Man hat mir gesagt, Barthou habe gestern erklärt, er habe vor Schluß der Sitzung der Unterkommission feinen Vorbehalt ausgesprochen. Wenn Barthou sagt, dah er eine foldje Erklärung abgegeben habe, so habe ich nichts davon gehört. Wenn aber Barthou versichert, er habe diesen Vorbehalt gemacht, dann hat er es auch getan. Zum Schlüsse des Interviews gab der englische Premierminister auf die an ihn gerichteten Fragen nur kurze bündige Antworten. Frage: Ob Lloyd George glaube, daß die Franzosen im Falle einer nicht befriedigenden Antwort der Rufsen abreifen würden? Antwort: Rein. Wir haben bereits viele | Schwierigkeiten gehabt und sie besiegt, größere als die gegenwärtigen. Wirwerden sicher noch weitere Schwierigkeiten besiegen. Darum sind wir ja nach Genua gekommen. Wenn es ein Abkommen mit den Russen gibt, werden alle anderen Fragen sich von selbst lösen. Naiür- lich wird noch immer große Arbeit für die Sachverständigen übrig bleiben. Frage: Kann vor der Abreise Darthous nach Paris davon die Rede gewesen sein, die Frage der interalliierten Schulden aufzuwersen? Antwort: Rein, ich bin stets der Ansicht gewesen, daß die Frage der Reparationen erst an dem Tage gelöst werden kann, an denz die Frage der Kriegs- und interalliierten Schulden gelost ist. Aber England ist nicht die einzige Gläubigernation. Im gegenwärtigen Augenblick kann man also diese Frage nicht auftoerfen. Frage: Welches ist der Gegenstand der Besprechungen mit Dr. Wirth und Dr. Rathenau gewesen? Antwort: Cs hat sich um eine allgemeine Besprechung gehandelt, über die gesamte Frage sowohl als die Deutschlands, Rußlands und der Konferenz. Ich suche mit allen Delegationsführern in direkten Meinungsaustausch zu treten. Frage: Was habe er, Lloyd George, auf die Frage Darthous, ob die Entente an einem Wendepunkt angelangt fei, erwidert? Antwort: Ich habe niemals von dieser Sache gesprochen, aber ich kann sagen, daß Genua wohl der Wendepunkt in den Angelegenheiten Europas fein wird. Auf die Frage, ob, wenn die Russen „nein“ sagen sollten, dies das Ende der Konferenz bedeute und die Engländer mit den Franzosen in Uebereinfiimmung bringe, antwortete Lloyd George: Ja, das würde alle Welt einigen und die Konferenz beenden." Eine Zurechtweisung der „Times" im englischen Unterhause. London, 8. Mai. (WTB.) 3m Unterlaufe erklärte Chamberlain auf die Frage, ob er irgendwelche Mitteilungen machen könne bezüglich der angeblichen Erllärungen Lloyd Georges in seiner Unterredung mit Barthou, der Premierminister habe ihn gebeten, mitzuteilen, daß der diesbezügliche Bericht der „Time s" eine vorsätzliche und böswillige Erfindung sei und diesem Bericht unverzüglich zu widersprechen. Der Lord-Kanzler sei in dem Bericht der „Times" ebenfalls erwähnt und habe ihn bereits zurückgewiesen. Lord Robert Cecil fragte, ob es wahr sei, daß diese Meldung auch von der Agence Havas in Paris veröffentlicht wurde und ob Nachforschungen gemacht werden könnten. Die große Bedeutung einer solchen Veröffentlichung liege auf der Hand. Chamberlain erwiderte: Wenn diese Meldung von der Havasagentur veröffentlicht wurde, so hoffe er, Safe diese Agentur auch die Antwort veröffentlichen werde, die er abgegeben habe. In Beantwortung weiterer Fragen erflärte Chamberlain, der Lord-Kanzler sei bereits nach London zurückgekehrt. Er sei von Lloyd George nach Genua berufen worden, da der Premierminister ihn über gewisse Verhandlungen befragen wollte. Ferner erklärte Chamberlain, er sei nicht in der Lage, mitzuteilen, wann Lloyd George lvieder auf seinen Posten im Unterhause zurück- fehren werde, um Fragen zu beantworten. Auf die Frage, ob für die Genueser Konferenz eine Zeitgrenze festgesetzt worden sei, erwiderte Cham- bertain: „Nichts, was ich weiß!" Viscount Curzon fragte, ob der Premierminister wisse, daß im ganzen Lande große Beunruhigung herrsche wegen der Gefährdung der Entente mit Frankreich infolge der in Genua stattfindenden Erörterungen. Chamberlain erwiderte, er habe keinen Grund zur Annahme, dab die Verhandlungen in Genua die Beziehungen der britischen Regierung zu Frankreich gefährden würden. Bezüglich der Durchführung der Bestimmungen des Versailler Vertrages habe keinerlei Veränderung in der britischen Regierung stattgefunden. Frankreich und Italien. Paris, 9. Mai. (WTB.) Der Sonderberichterstatter des „Matin" in Genua erklärt, in den Unterhaltungen zwischen Italien und Frankreich beginne sich ein politischer Gedanke durchzufetzen. Um die öffentliche Meinung in Frankreich zu beruhigen, wolle man sich eines englisch-französischen Schutzvertrages bedienen, in den Italien eingeschlossen werde. Das sei ein Gedanke, der bis auf das Jahr 1919 zurückgehe. Das englische Königspaar in Brüssel. Brüssel, 8. Mai. (Havas.) Das englische Königspaar ist in Begleitung des Admirals Beatty und des Marschalls Haig in Brüssel angekommen. Beschlüsse des Landesparteitages der deutschen Volkspartei Nachstehend geben wir den Wortlaut der von uns bereits erwähnten Entschließungen wieder, die auf dem Gießener Parteitage der Deutschen Volkspartei am Sonntag gefaßt wurden: 1. Der Parteitag der Deutschen Volkspartei in Hessen legt erneut schärfste Verwahrung gegen den sogenannten Frieden von Versailles und insbesondere gegen die Lüge von unserer Schuld am Kriege ein. Er erwartet, daß die Reichsregierung den Kampf gegen diese Lüge, die einzige Grundlage für das Fliedensdiktat, nicht nur mit allen Mitteln unterstützt, sondern ihn selbst in die Hand nimmt und damit die Aenderung des sogenannten Vertrages herbeiführt. Der Parteitag grüßt alle deutschen Volksgenossen in Ost und West, in den uns entrissenen Gebieten und versichert sie seiner unwandelbaren Treue. Er erwartet, daß dem Deutschen Reiche seine Kolonien, die deutsche Geiftestrast entwickelt und deutsches Blut mit dem deutschen Reiche unlöslich verbunden haben, znrückgegeben werden. Die Deutsche Volkspartei Hessens bekennt sich auf ihrem 4. Parteitag zu Gießen erneut in steter Treue z u unseren schwer leidenden Volksgenossen im besetzten Gebiet. Wir senden diesen Allen herzliche Grüße mit dem festen Gelöbnis, daß wir in geschlossener Einheitsfront mit allen national empfindenden Deat- chen, jedem Versuch, er möge kommen, woher auch immer, irgend ein Stück deutschen Landes aus dem Gefüge des deutschen Reiches herauszubrechen oder abzusondern, den entschlossensten Widerstand entgegensetzen werden Wir von der Deutschen Volkspartei, die wir treu unserer Vergangenheit und unserer nationalen Aufgabe die Einheit und Einigkeit des deutschen Reiches wahren, versprechen und erwarten im Blick auf das besetzte Gebiet mit freudiger Gewißheit, daß das Wort unseres Landgrafen Philipp des Großmütigen in aller Zukunft bestehen bleibt: In Treue fest! 3. Der 4. Parteitag der Deutschen Volkspartei in Hessen dankt dem R e i ch s ta g s a b g e- ordneten Dr. Decker (Hessen) für seine führende, unermüdliche und erfolgreiche Arbeit im Reichstag. Er spricht ihm seine volle Anerkennung und sein uneingeschränktes Vertrauen aus. 4. Der 4. Parteitag der Deutschen Volkspartei, Landesverband Hessen, bedauert die Haltung der Reichsregierung und der Mehrheit des Reichstages in der Flaggenfrage. Die Fahne chwarz-weih-rvt war, ist und bleibt das äußere Sinnbild der Reichseinheit: für sie haben Millionen guter Deutscher Gut und Blut geopfert. Wir begrüben es, daß die Reichstagsfraktion in dem Kampf um die Erhaltung der alten Reichs- arben an vorderster Stelle gestanden hat und vissen uns eins mit ihr in der Ueberzeugung, daß ie den Kampf fortfehen wird bis zum siegreichen Ende. 5. Der 4. Landesparteitag der Deutschen Volkspartei in Hessen billigt in vollem Um» ange d i e Haltung feiner Landtags- raftion bet der Regierungsbildung in Hessen. Er dankt ihr für die eifrige und ersprießliche Arbeit im Landtage und ist überzeugt, daß der nationale Gedanke, die kulturellen und wirtschast- jllchen Belange des Hessenlandes sich bei der Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei in den besten Händen befinden. 6. Der 4. Parteitag der Deutschen Volkspartei Hessens erhebt mit der Mehrheit des hesst- chen Volles schärfsten Einspruch gegen d i e letztenWillküraktederhessischenRe- glerung. Er sieht in der Tatsache, daß dte verantwortliche Regierung in mehreren Fällen den klar ausgesprochenen Willen des Landtages zu- toidergehandelt hat, eine Herausforderung der Volksvertretung. — Der Partei ag erblit bc= anders in dem Erlaß desMimsterpräsi-- benten Ulrich, der eigenmächtig den 1. Mat als Schulfeiertag erklärt hat, nicht nur eine Verletzung des Rechts, sondern auch einen Verstoß gegen die Grundsätze der Demokratie. Der Parteitag erwartet, daß der hessische Landtag aus diesen Vorkommnissen die gebotenen Folgerungen zieht Aus Stabt und Land. Gießen, den 9. Mai 1922. ** Amtliche Personalnachrichten. Am 22. April wurde der Derwaltungspraktikant Johann Müller zu Darmstadt zum Verwal- tungsvbersekretär bei der Hessischen Hauptfürsorgestelle der Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge mit Wirkung vom 1. April 1922 an ernannt. — Ernannt wurden am 28. April die Polizeiwachtmeister auf Probe Kilian G l - sesser aus Wiesen (Unterfranken), Heinrich Kreß aus Frankfurt a. M., Emil ©teurer aus Straßburg i. Els. mit Wirkung vom 16. Mai 1922 an zu Polizeitoachtmeistem. — In den Ruhestand versetzt wurde am 1. Mai 1922 der Polizeiwachtmeister Hermann Handke in Darmstadt mit Wirkung vom 1. Juni 1922 an. *♦ Eine Kraftwagen-Personen- post ist auf der Strecke Wetzlar — Butzbach versuchsweise eingerichtet wvrden. Sie verkehrt vorläufig ab Wetzlar 5.40 und 3.10 Uhr; an Butzbach Bahnhof 7.15 und 4.50 Uhr; ab Butzbach Bahnhof 7.42 und 5.25; an Wetzlar 9.15 und 7 Uhr. ** Alle aus Polen Ausgewanderten werden aufgefordert, sich alsbald bei den Kreisämtern oder Polizeiämtern zu melden und anzugeben, welche Steuersicherheiten sie in Polen haben zurücklassen müssen. Diese Erhebung dient lediglich vorbereitenden Maßnahmen. ** Diebstähle. Gestern wurde in hiesiger Stadt ein vor der Mitteldeutschen Cre- ditbank aufgestelltes Fahrrad, Marke „Opel", entwendet. — Bor einigen Tagen erschwindelte sich ein Unbekannter bei einem hiesigen Metzger einen Wendepflug aus Eisen, im Werte von 600—700 Mark, unter der Borgabe, für einen bekannten Geschäftsmann Kartoffeln setzen zu wollen. Als der Pflug nicht wieder zurückgebracht wurde, zog der Geschädigte Erkundigungen ein, wobei er die unangenehme Entdeckung machen muhte, einem Schwindler in die Hände gefallen zu sein. A Zum 30jährigen Stiftungsfeste des Marinevereins versammelten sich am Samstagabend in der Turnhalle die Mitglieder mit ihren Angehörigen in so großer Anzahl, daß der Saal überfüllt war. Als Ehrengäste nahmen an der Feier teil Hauptmann v. Kais er vom hiesigen Reichswehrregiment, Korvettenkapitän S ch m e h l und der bekannte Seemann v. Forst- ner. Die Brudervereme aus Butzbach und Siegen hatten eine Vertretung gesandt. Für efne ausgezeichnete Festmusik sorgte die hiesige Regiments- !apelle. Frl. Wagner sprach das Festgedicht „Aus dem Seemannsleben“. Kamerad R ö d i g e r schilderte nach kurzen Begrüßungstoorten die Geschichte des Vereins, dessen Ziel und Zweck Pflege der Kameradschaft und der Liebs $u Heimat und Vaterland sei. Der Verein ehemaliger 116er, der Kavallerieverein und der Artillerieverein überreichten Festgeschenke. Kamerad Rödiger verteilte an sechs Mitglieder des Marinevereins für 26jährige Mitgliedschaft Ehrentafeln, nämlich an die Kameraden Schweitzer, Henß, Koch, L i e b a u, Müller und Handloser. Es entwickelte sich bann bei theatralischen Vorführungen und Konzertstücken eine echt kameradschaftliche Unterhaltung. Am Sonntag fand das 30. Stiftungsfest durch einen Ausflug nach der „Kacks- ruhe" seinen Abschluß. A Ein Land sturm tag wurde in Gießen unter guter Beteiligung abgehalten. Es waren die Angehörigen des ehemaligen L a n b • ft u r m - Infanterie- Ersah - Bataillons 18/32, die sich ein Stelldichein gaben. Bereits am Samstagabend wurde eine Begrüßungsfeier im Cafe Leib veranstaltet. Der Leiter der Zusammenkunft Karl Walther begrüßte die Kameraden und Professor Enget- Gießen, ehemals Hauptmann der 3. Kompagnie, gedachte des Zweckes der Zusammenkunft. Musikalische Darbietungen und humoristische Vorträge wirkten mit zur Unterhaltung der Kameraden. Von 8 Uhr ab fand Empfang der auswärtigen Gäste am Bahnhof statt und um 10y3 Uhr begann in der Stadtkirche eine Gedenkfeier zu Ehren der Ge- allenen und Verstorbenen des Bataillons. Pfarr- affiftent Becker sprach in der Festpredigt über das Klagelied Davids: «Wie sind die Helden geulten und die Streitbaren umgekommen.“ Manches Auge der alten Landstürmer wurde feucht. Unter den zahlreichen Besuchern befand sich auch Exzellenz K l i n g e l h ö f e r. Die Hauptfeier wurde nachmittags im Cafe Leib abgehalten. Kamerad K. Walther sprach den Willkommen- gruh und Rechtsanwalt S ch l i n k - Gießen hielt die Festrede, in der er die Pflege der Kamerad- chaft und des vaterländischen Gefühls als Zweck der Zusammenkunft hervorhob. Zum Schlüsse wurde das Lied der Deutschen gesungen. *• Der Babelsberger Stenvgra» phen-Derein von 1861 Gießen hielt seine diesjährige Hauptversammlung ab. In ben Vorstand wurden einstimmig wiedergewahll als: 1. Vorsitzender: Rich. Hasenkrug, 1. Schriftführer: Karl Hammel, Rechner: Wilh. Iull- ma nn. Außerdem wurde Rechnungsrat Ed Schiffnie in Anbetracht seiner großen Verdienste um den Verein zum Ehrenvorsitzenden ernannt und ihm die entsprechende Urkunde vom Vorstände überreicht. N^rnotizen, — Tageskalender für Dienstag. Aquarium: Mitgliederabend der Demokratischen Partei. — Astoria-Lichtspiele: „Die Liebschaften des Hektor Dalmore" und „Sklaven der Rach»“. — Ast oria-Licht spiele. Um Irrtümer zu vermeiden, sei hier nochmals erwähnt, das der Film „D a s P a n z e r g e s ch o ß“, 3. Teil, „Des Leides kein Ende“, schon vom Mittwoch, den 10. Mai, bis einschließlich Donnerstag, den 11. Mai, neben dem anderen Programm spielt. Der vorangezeigte Harry Piel-Film „Das verschwundene Haus", 7 Akte, spielt vom Freitag, den 12. bis ein sch 1. Montag, den 15. Mai. Wie uns mitgeteilt wird, müssen bei diesem Film die Eintrittspreise wegen der hohen Unkosten (tu. a. eigens für den Film kombinierte Musik, wodurch ein nochmals verstärktes Orchester erforderlich ist) um 50 Prozent erhöht werden. » Wettervoraussage für Mittwoch. Zunehmende Bewölkung, etwas kühler, trocken, westliche Winde. Das barometrische Maximum liegt heute über England. Der Druck im Norden und Osten fällt allgemein. Wir haben mit westlichen und nordwestlichen Winden und zunehmender Bewölkung zu rechnen. Landkreis Gießen. A Klein-Linden, 8. Mai. Die Liga zum Schutze deutscher Kultur veranstaltete un Saale der „Deutschen Eiche" einen Märchenabend. Begleitet wurden die Erzählungen durch Vorführung von entsprechenden Lichtbildern nach Gemäfden und Scherenschnitten deutscher Künstler. Die humorvollen Bilder aus „Hans im Glück" und die „Heinzelmännchen" namentlich schufen überall fröhlich lachende Gesichter. Leider waren die Erwachsenen nicht sehr zahlreich Vertreten. Die Mütter sollten doch bei solchen Abenden nicht, fehlen. Kreis Büdingen. * Büdingen, 8. Mai. Die Trauer« f e i e r 1 i ch k e i t e n anläßlich des Ablebens des Fürsten Alfredzu Isenburg und Büdingen fanden gestern ihren programmäßigen Abschluß. 4 Uhr nachmittags erfolgte die erste Einsegnung der irdischen Hülle des Entschlafenen in der Schloßkapelle. Fürst Carl mit Gemahlin, die Witwe des Heimgegangenen, Prinz Diether und Prinzessin Annämarie, sowie Angehörige und Vertreter des Hochadels, der standesherr- lichen, staatlichen und Gemeindebeamten mit Frauen, endlich eine große Anzahl geladener Herren und Damen hatten sich eingefunden. Nach Absingen des ersten Verses des Liedes „Jesus meine Zuversicht“ setzte sich der Trauerzug unter Glockengeläute nach dem Friedhof in Bewegung. Dort angelangt, schilderte Hofprediger Schäfer Leben, Wirken und Eiide des Heimgegangenen. Während der Sarg von den Fahnen der Vereine salutiert in die Gruft sank, erwiesen Veteranen durch Gewehrsalven dem Verstorbenen die letzten militärischen Ehren. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 8. Mai. Die Personalien des seit zwei Monaten in der Fürsorge des Jugendamtes Darmstadt befindlichen aufgefundenen Knaben, über den wir in den letzten Tagen berichteten, konnten auf Grund der durch die Presse gegangenen Notiz ermittelt werden. Er ist der Sohn eines Rheinschiffers und stammt aus Biebrich a. Rh. Dort ist er seinen Pflegeeltern entlaufen. * Offenbach, a. M., 8. Mai. Am Frei-» tag Spätnachmittag befand sich eine Mannschaft des Rudervereins „Hellas" beim Training auf dem Main. Bon einem plötzlich einsetzenden Sturmwind wurde ein Segelbvt zum Kentern gebracht und seine Insassen, ein Mann und zwei junge Mädchen, befanden sich in Gefahr des Ertrinkens. Die wackeren Ruderer sprangen den Gefährdeten nach und brachten sie unter eigener Lebensgefahr: in Sicherheit. * S t v ck st a d 1 a. R h., 8. Mai. Erstickt ist ein Kind, dem die Mutter eine Wurmpille eingeben wollte, die jedoch in die Luftröhre geriet, was den Tod des Kindes zur Folge hatte. * Worms, 8. Mai. Aufgefunden wurde in der verflossenen Nacht an einer Haustüre in der Gvethestraße ein etwa fünf bis sechs Wochen altes Mädchen, das dort ausgesetzt wvrden war. Bon der Mutter ist noch nichts bekannt. y • < den Torhütern abgewehrt 60 ging es schieden in Halbzeit. Rach dieser legte ! uncnt legte Laubach it, ge Is Wer, tn>M Hast Du Deine Wäsche gern So C5 il ■ ■ p fl gp^> ® tsrucnstrape iv 11. 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Die Beleidigung, die ich gegen IDUöelm Htomöaöj aus Launsbach ausge« sprachen habe, nehme ich hiermit zurück. »«oo fiori Bemsholh. Launsbach, 8. Mai 1922, GcibTSchäferhnnd zugelaufen 04828 Wagengasse 11II znngcr Jobtriraiin fRolst, Steuerinarke 1082, entlaufen. Wiederbringer Hobe Belohnung. Vor Ankauf ivtrd gewarnt. August Oissel, Bayrischer Hof, Gießen.04798 Gold. Medaillon mit kleiner Photographie verloren. Abzugeben geg Belohnung, da Andenken 0,7»! Licker Straffe 37 I. tazia-Molat (Magnetzünder), 2P. 8. stark, mit Zubehör, für Waffcrpnlnpe geeignet, abzuaeben 04807 Ederstraste 20. 2 plüschdivan; 2 komvl. Betten, eine KNckeueinricktung, fast neu, 1 Sofa, 2 2tiirige Kleiderschranke, 3 Kommoden, 1 Tisch u. Stühle, 1 gr. Spiegel, 1 91ä6: maickinc. ferner Kleider u. Scknbe zu verk. msi» Kirchenplatz 15. fiiiditnrtgol 'M* töpschen, Esna- u. Oel- krng und bergt., ferner Kii-lMMl sowie sonst. Küchengerät z. vk. mim LiebigSböbe. 1 P.Dameniticfcl, 38/39, fast neu, Maffarbeit, vor- zügl. 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Friedrich von Baden). 3. Haefele. 2. Ouvertüre zur Oper ..Tannhauser" (Der Sängerkrieg auf der Wartburg). R. Wagner. 3. 2 Stücke aus Sigurd- Iorsalfar: a) Königslied, b) das Aordlands- vvlk, E. Grieg. 4. Ungarische Rhapsodie Ar. II, Fr. v. Liszt. 5. Marsch des ehem. Darde» Kürassier-Aegts. (Erbprinzessin von Sachsen- Meiningen). ** Das große Lichtbild-Oratorium „Christus", das bis einschl. Mittwoch im Lichtspielhause in der Bahnhofstraße gespielt wird, zeigt in einer Reihe schöner Bilder, denen teilweise berühmte Gemälde zugrunde liegen, den Lebensweg des Herrn von der Verkündigung der Geburt bis zur Auferstehung. Der Zweck des Films ist in durchaus würdiger Weife erreicht. Einige Bilder hätte man vielleicht lieber nicht so wett ausgesponnen gesehen (beispielsweise den Bethlehemer Kindermord und die Geißelung des Herrn), im ganzen aber haben die Hersteller des Werkes viel Geschmack walten lassen: einige Szenen sind sogar rührend fein gelungen. Cs handelt sich hier jedenfalls um eine Arbeit, die Anerkennung und Beachtung verdient. Landkreis Gießen. s. Rödgen, 6. Mai. Der Güterzug, der um 3 Uhr hier eintrifft, erlitt heute einen Ma° schinendesekt, so daß die Fahrgäste den Zug verlassen und die Reise zu Fuß forisehen muhten. S. Trohe, 7. Mai. Heute nachmittag fand im Durgkeller der dritte wissenschaftliche Bortrag statt. Herr Berg- werksverwalter Haubrich sprach über „Die Lebensgeschichte der Steinkohle". Die trefflichen Ausführungen wurden durch Zeichnungen an der Wandtafel erläutert. Die Besprechung, die ins Gebiet der Pvlittk sich her» ,rrte, verlief äußerst anregend. Kurz nach Hessische Handwerkskammer Darmstadt. Die Hessische Handwerk: kammer b:fd)äftigte sich in ihrer letzten Boi standss itzunz u. a mit der Schafs ung einer Kredithilfe f u t das Handwerk. Die fortschreitende Eeldeatteer- tung, der Hochstand der Materialp reise und Ar- beitslöhne in Verbindung mit den Lieferungsbedingungen für Rohmaterialien und Halb- fabritate lassen befürchten, daß zahlreiche mittlere und kleinere Handwerksbetriebe fich das nötige Betriebskapital auf dem üblichen Wege nicht mehr beschaffen können and in ihrer ß’iftungi- fähigkeit schwer herab gedrückt werden. Aas Veranlassung von Vertretern der Handwerkskammer fand rn dieser Hinsicht eine Besprechung mit der Darmstädter Volksbant und des Darmstädter Handwerks statt, die in Aussicht nahm, einen Fonds in bestimmter Höhe zur 'Verfügung z.i stellen, aus dem in erleichterter Form Kredite gewährt werden sollen. Die Verhandlungen hierüber schweben noch. Aehnliche Einrichtungen bestehen bereits in Offenbach und Worms. Grundvoraussetzung für alle diese Maßnahmen sollte nach Ansicht des Vorstandes der Handwerkskammer- eine geordnete Buchführung and die Zagehörigleit zu einer handwerklichen Organisation fein, im übrigen aber der Kredit auf der Lei- stungsfähi gleit und Za verlässig leit der Rach- suchenden beruhen. Stellt diese Maßnahme za- nächst auch nur einen Vers ach dar, die Lösaag des schwierigen Problems anzubahnen, so werden seitens der Hessischen Handwerkskammer nach weitere Bestrebungen einsehen, um entsprechend den zu erwartenden Erfahrungen ei e Kredit- Hilfe allgemein auszubaaen Die gegenwärtige schwierige Lage zahlreicher Handwerksbetriebe läßt sich weiter aber noch, abgesehen von der Förderung des Genossenschaftswesens, mildern, wenn die Handwerker ihre Lieferung^ bedingungen neuzeitlich reg alteren und insbesondere von iS von Auftraggebern '21 n*- zahlung in prozentualer Höhe des Gesamt- aufttagS fordern, bei solchen Aufträgen, die er» hebliche Aufwendungen für Materialien and Arbeitslöhne bedingen. Dis Auftraggeber des Handwerks werden soviel Einsicht besitzen, daß sie diese Forderung, die auch bet'der 3ndastrie and dem Großhandel üblich ist, dem Handwert ebrn- Slls zuerkennen. Zudem liegt in einem solchen erfahren auch ein Vorteil für Die Auftraggeber selbst, Da der Unternehmer sich Dann rechtzeitiger und vorteilhafter mit Den benötigten Rohmaterialien eindecken kann. Die SanDtrerfelammcr wird der ganzen Frage ihre größte Aufmerksamkeit zuwenden und nochmals an Die Korporationen heran treten, Deren Aufgabe es sein muß, bereits jetzt schon hierzu in ihren Mitgliederversammlungen Stellung zu nehmen. Schlichtungsausschuft Der Provinz Lberhesicn. Verhandlung vom 4. Mai 1922. Folgende Däckerlöhpe wurden für Gieße n ab 1. Mai vorgeschlagcn: Schießer 600 Mk., Teigmacher 580 ML und Lehtgehilfen 550 Mk Wochenlohn. Bri Verabfolgung von Kost und Wohnung an ledige Gehilfen sollen 230 Mark wöchentlich angerechnet werden Die Parteien erhielten eine Woche Frist zur Stellungnahme. lieber Die Entlohnung des Personals der Hotels, Pensionen usw. in Dgd-Aauheim ab 1. Mai wurde folgender Schiedsspruch c.efälL: „Bei ungefährer Gleichstellung Der Garan.ielöhne und festen Löhne in entspreche-.rden Stellungen ist der über Den Garantielohn hinausgehende ilebcr- schuß der Prozente zu einem Viertel an die Festbesoldeten abzugeben nach dem Verhältnis Der Löhne. Die vom Arbeitgeber zu zahlenden festen Löhne Dürfen hierdurch feine Kürzung erfahren. Die restlichen Drei Viertel sind an Die Prozentempfänger entsprechend zu verteilen. Diese Vereinbarung ist m einem etwaigen Tarifvertrag nicht aufzunehrnen, sondern in einem besonderen Protokoll neben dem Tarifvertrag. Deiz Parteien wird Saargebiet ist der Lüge ElemenceauS von den angeblichen 150 000 Franzosen zum Opfer gefallen. Die bisherige Tätigkeit der Saarregierung ist Borspannarbeit für die französischen AnnexionSbe- strebungen. DaS Saargebiet hat als einziges Kulturland der Welt keine wirkliche Bolksverttetung, sondern wird autokratisch regiert. Die brutale Ausweisung Mißliebiger besteht fort. Alle deutschen Volksgenossen werden aufgerufen, sich für das Saargebiet und seine gequälte Bevöllerung einzuseyen. Die berechtigten Ansprüche der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen. Die Gauleitung Hessen-Aassau deS Reichs» vundes der Kriegsbeschädigten schreibt uns: 3n Sonneberg in Thüringen hat sich eine Kriegerwitwe erbangt. Die öffentliche Meinung ist ja systematisch vom Reichsarbettsministerium dahingehend „aufgeklärt" worden, daß das..Reichs- versorgungsgeseh" Die sozialste Einrichtung sei, Die es zur Zeit gäbe, unD Daß nunmehr Die KriegsbeschaDigien und Kriegerbinterbliebenen genug hätten. Dabei steht sest, Daß Dieses Gesetz Bestimmungen enthält, Die engherzige unD unsoziale Bestimmungen früherer Gesetze noch wett übertreffen Der § 63 des Reichsversorgungs- geseyes beispielsweise besagt, Daß, wer 5000 Mk. steuerpslichtiges Jahreseinkommen hat, 10 Proz. ferner Rentengebührnisse einbüht (Ruhen Dec Rente). Daran ändert nicht viel die „Verbesserung". Daß auf Beschluß des Reichstages vom 4 2. 21 diese Ruhensgrenze um 2000 Mk. erhöht worden ift Dieses „Ruhen Der Rente" seht sich automatisch nach oben fort für je 1000 Mk. mehr (Sirrfommen um weitere 10 Proz. Der Rente mehr. Wer hiernach 16000 Mk. Einkommen hat, geht seiner ganzen Rente verlustig, mit Ausnahme Der geringfügigen Schwerbeschädigten-, Orts- und Ausgleichözulage. Diese Bestimmungen gelten auch für Die Kriegerhinterbliebenen. Die alten Krieger- cliern erhalten nach Diesem .sozialen" Gesetz über- baubt kein Kriegseltemgeld mehr, Denn das Gesetz besagt, daß nur solche Kriegereltern Entschädigungen für den Verlust des Trostes ihres Alters erhalten, wenn sie neben der Bedürftigkeit und Dem Alter von 60 Jahren nicht mehr steuer- pfltchttges Einkommen als 1500 Mk. im Jahre haben! Auch hieran ist nicht viel geändert durch den Beschluß des Reichstages, diesen Betrag auf .3000 Mk. zu erhöhen. Dies ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus Dem großen Komplex der 2lachteile des Gesetzes, ganze Bände könnte man schreiben über Die Summe Der Enttäuschungen, die Den bedauernswerten Opfern des Krieges bereitet worden sind. Man sage nicht, das Reich könne sich infolge des verlorenen Krieges und 'einer Ueberschuldung feine ausreichende Versorgung seiner Kriegsopfer leisten. Ganz abgesehen davon, daß es im Staate noch anders Gelegenheiten gibt, in Hülle und Fülle, bei denen in erster Linie gespart werden müsse. Es steht auch bereits unumstößlich fest, daß durch "Das Bemühen. Ersparungen Durchzuführen, mehr Ver- waltungskosten verbraucht tourDen, als erspart tirorben ist. Der oben angezogene § 63 des Reichs- versorgungsgesetzes gibt Zeugnis hiervon und die Dersorgungsbehörden Dannen ein lautes Klagelied davon fingen, daß Wohl durch diesen Spar- Paragraphen langwierige und kostspielige Verwaltungsarbeiten entstanden sind, daß außerdem große Verbitterung durch kleinliche Schnüffeleien m Die Reihen der Kriegerhinterbliebenen und Kriegsbeschädigten getragen worden ist, daß aber Der finanzielle Ruhen, Den Der Staat an Den Aermsten Der Armen herauszuschinDen glaubte, gleich Rull ist. 11 nD wo wirklich von finanziellen Verbesse- i ungen durch Dieses Reichsversorgungsgeseh gesprochen werden kann, kommen sie heute nach zweiHahrendesBestehensDiesesGe- s e h e s erst nur einem kleinen Kreise Der Beschädigten und Hinterbliebenen zugute. Denn Die Durchführung des Gesetzes (Rentenumaner'en- itung) geht nur sehr langsam von statten. Hat rrod) das Reichsarbeitsministerium erst ganz vor kurzem eingestanden, daß noch etwa 1 20 0 000 Kriegechm te rbl iebene unuyi tu ortennen sind. Der Reichöbund der » riegsbeschädigten und Kriegshi-ttei bliebenen hat n retts veranlaßt, daß der Reichstag sich mit txv Aenderung dieses Reichsversorgungsgesehes besaßt. Die Regierung ist bereits beauftragt vorerst eine „kleine Ro- velle" zu diesem Gesetz vorzubereiten, der späterhin eine „große Rovelle", Die grunDlegenDe Aenderung en vorsieht folgen wird. UnD das muß schnellstens geschehen. Damit nicht noch größeres Unheil geschieht, nicht noch mehr Opfer Des Kriege« in namenlose Verzweiflung geraten und Das traurige Beispiel Der Kriegerwitwe in Sonneberg Rachahmung findet. Dies wäre eine um so größere Anklage gegen unsere Zeitgenossen, je unnötiger es ift, derartige Katastrophen aufkommen zu lassen, wie oben Dargelegt wurDe. führungen bet nD. ®cif)-OllDDa, 7. Mai. Die Feld- Vereinigung in unserer Gemarkung fft schon so wett vorgeschritten, daß ein Teil Der neuen Grundstücke vor einigen Tagen Den Besitzern überwiesen werden konnte. Der Rest wird im Herbste übergeben werden. nD. Unter-Schmitten, Z. Mai. Hier ist eine größere Zahl Hunde in Der letzten Ceit plötzlich DcrcnDct. Man vermutet Vergiftung Ter hiesige Gemeindeschäfer verlor einen vorzüglichen Hirtenhund unD erlitt dadurch einen Schaden von etwa 3000 Mark. Kreis Friedberg. /X Butzbach, 7. Mai. Auf Einladung Der Ortsgruppe der Deutschen K o l o n i a 1 g c - sellschaft hielt Herr Klemens einen Licht- bildervortrag über „Die deutschen Kolonien, im besonderen Kamerun". Da Der Redner bi« Kriegsausbruch in dieser Kolonie weilte und Dort von Den 'Franzosen gefangen genommen wurde, konnte er eine äußerst anschauliche Schilderung von Land und Leuten geben. Er brachte interessante Einzelheiten über seine Gefangenschaft in Dahome, wo er mit mehreren Hundert Kolo- nialdeutschen die schwersten Leiden zu erdulden hatte. Ein großer Teil der Oefangenen starb infolge Der viehischen Behandlung seitens Der weißen und schwarzen Franzosen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe OberfUeutnant a. D. Lehner, dankte dem Redner und betonte, unser Ziel müsse sein Wiedervereinigung unserer Kolonien. Dies sei aber nur zu erreichen, wenn das ganz« deutsche Volk in dieser Frage einig sei. ■\ Langenhain-Ziegenberg, 8. Mai Die Einweihung eines prächtigen Denkmals für die im Weltkriege Gefallenen wurde gestern trorgenommen. Schüler, Ortsvorstand und Vereine bildeten einen Festzug Dundas Dors bis zur Kirche, wo Die Feier stattfand Lehrer Schäfer fang mit Den Kindern und Dem Gesangverein Weihelieder. Kirche und Schule. £j Lau bach, 6. Mai. Wie f. Zt. berichte! wurde, hat sich mit Der Umwandlung De$> Gymnasiums Fridericianum in ein Realprogym- nasium auch das „Evangelische Al imn at“, worin Schüler des Gymnasiums Kost unD Wohnung erhielten nebst Rachhilfe bei Der Vorbereitung für Den Unterribt. endgültig aufgelöst. Tos Gebäude (an Der Ostsc-ite Des Dchloßgariens gelegen) ging in gräflichen Besitz über. Das Lyzeum Steiner (Frankfurt a. M ) l-at n m Die Baulichkeiten und Die dazu gehörigen Ländereien ge.nktet und ei e Haushaltangs- schule f ü r jungeMädchen darin ei igerich- lei. Die jungen Damen erhalten volle Pension und werden theoretisch und praktisch tn allen Zweigen Der häuslichen Wirtschaft unterteilen. 3n dieser Woche hat der Unterricht begonnen. Dis jetzt sind 14 junge Damen eingetroffen; Die Anstalt ist jedoch auf 25—30 eingerichtet. Auch aus dem Ausland sind einige ausgenommen worden, sogar aus Kleinasien. 3n der kommenden Woche erwartet man verschiedene Schülerinnen aas Amerika. "Hungen, 8.Mai. Jordans Meister bilderandacht nahm gestern auch in unsere Pfingsten wird SerichtSresercndar Kowar - ( i! auS Gießen über „Rechtsfragen des tag» ichen Lebens" sprechen. Kreis Schotten. □ Lau bach, i. Mai. Die ursprünglich auf Kmtc angesetzte Wahl deS neuen Bürgerne i st e r s (an Stelle des am 15 März ver- lorbenen Bürgermeisters Rudvls Ritter) ist nunmehr endgültig aus den 14. Mai, von morgens 9 tllhr an, festgesetzt worden. Don Den sechs Bewerbern Dürfte kaum im ersten Wahlgang einer Die zur Wahl notwendige Stimmenzahl auf sich vereinigen, man nimmt an. bajj es jedenfalls eine Sttchwahl gibt. Ei ireulich ist. daß Die Wahlagitation ohne Leidenschaft unD ohne persönliche Qkrunglimriiung. wie man sonst bei Kornmunal- wablen .solche beobachten kann, erfolgt. ES hat bis k-eate in dieser Sache nur eine einzige öffentlich: Wähclrversammlung fiattgefunben, Die ruhig unD .sachlich verlief. MrcU Büdingen. nD Bad-Salzhaufen, 8. Mai. Gestern nachmittag sprach im hiesigen Kursaal Der 11- ^^-.^o.i'.maadant v. ö o r ft n c r vor einer großen Zahl von Zuhörern über den U-Bool» Krieg Er begründete Die lllolteendigke t dieser Verteidigung Deutschlands, gab auch die Ursachen an, warum der Erfolg hinter Den Erwartungen zurückgeblieben war. Der außergewöhnlich gut besuchte Vortrag fand groben Beifall Der Zuhörer. Viele eigene Lichtbilder des Vortragenden trugen wesentlich zum Verständnis Der Aus- Aus Stabt und Land. Gießen, Den 9. Mai 1922. ” Zur Regelung des Radfahrver- kehrs erläßt das Polizeiamt erneut eine Tkr- orDnung, in Der es u. a. heißt: Hedrs Fahrrad muß mit einer sicher wirkenden Hemmvorrichtung, mit einer hell tönenden Glocke zum Ad- geben von Warnungszcichen und während Der Dunkelheit sowie bei slarlem Rebel mit einer hellbrennenden Laterne mit farblosen Gläsern verselen sein. Die Den Lichtschein nach vorn aas Die Fahrbahn wirst. Jeder Radfahrer ist zur gehörigen Vorsicht bei Der Leitung seines Fahr- .odes verpflichtet. Die Fahrgeschwindigkeit ist jederzeit so einzurichten, daß llnfülle und Der- kehrsstörungen vermieden werden, innerhalb geschlossener Ortöttüe darf nur mit mäßiger Ge- schteinDigkeit gefahren werden. Der Radfahrer hat entgegeniommende, zu überholende, in Der Fahrtrichtung stehende oder Die Satyr trieb tung frei- zende Menschen, insbesondere Die Führer von Fuhrwerken, Reiter, Viehtreiber usw. Durch deutlich hörbares Glockenzeichen rechtzeitig auf das Rahen des Fahrrads aufmerksam zu machen. Der Radfahrer hat bei Der Fahrt die rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten und entgegenkommenden Fuhrwerken, Kraftfahrzeugen, Reitern, Radfahrern, Fußgängern, Viehtransporten oder dergleichen rechtzeitig und genügend nach rechts auszuweichen, ober, falls dies die Umstände oder Die Oertlidyteit nicht gestatten, solange abzusteigen, dis die Bahn frei ift. Das Vorbeifahren an eingeholten Fuhr- irorten, Kraftfahrzeugen. Reitern. Radfahrern. Fußgängern, Diehtransporten ober derglrichen bat auf Der linken Sette zu erfolgen. Das Radfahren ist. außer auf Öen für Den Radfahrverkehr eingerichteten besonderen Wegen (Radfahrwegen), nur auf den für Fuhrwerke bestimmten Wegen und Plätzen gestattet. Auf-erhalb Der geschlvse- nen Ortschaften Darf das Fahren mit Zwei- rcrdern auch auf Den neben Den Fahrwegen tyin- fährenden nicht erhöhten Banketten flaÜfuiDen. Das Radfahren aus solchen Fußwegen, Die Das Ausweichen gestatten, ist außerhalb Der Ortschaft unter Der Voraussetzung zulässig, daß die Rad- DieSakramentshex. Roman von Marie Kerschen st einer. 15. Fortsetzung. (RachDruck verboten.) Hetzt war es Lene, als ob sie in einen 21b- arunö versänke. Das war es, sie war kein Unschuldiges! All ihre Sündlern fielen ihr ein. Schrecklich erschienen sie in Dem Licht, in Dem fie sie jetzt sah! Und je schmerzlicher sie ihr Se- wissen erferschte. um so mehr vergaß sie Den Seil Den Die andern an ihrer Schuld trugen. DaS Bewußtsein ihrer Fehldarkett nahm ihr drn letzten Rest von Hoffnung und Mit. Aber aach Die Furcht verscheuchte es und macht: einem wilden Trotz Platz. Kühl wog fie letzt Die Tatsachen ab. Für Den Roman gab es keine Rettung mehr, weil sie unwürdig war. ihm das wundertätige Wasser zu holen. Run wollte H» auch nicht mehr leben. Richt von der Otelli würde sie sich regen, damit man sie tot fanöi, verhungert und erfroren! _ Sie knüllte sich m Den auf geschlitzten Tann en- leib zusammen, um so Den Tod zu erwarten. Teilnahmslos bliiizelte sie in Die Finsternis hinein. Aber plötzlich riß sie Die Qlajen auf. Dort! — Ein rötlicher Schein —! Auf- blltzend zwischen den schwarzen Walbkronen — r War's ein verspätetes Leuchttäferchen. das hinter den Wipfeln auftauchte und verschwand, Die Der Rachltettcd jetzt wogend bewegte? Schars sah sie hin. Jetzt -.hob es sich deutlicher hervor: Richt schimmernd sah es mehr aus, stellte sich vielmehr als ein festamgrenzter roter Punkt Dar. Lene sprang mit ri.-.em Satz auf Die ErDr. einige Licht!" schrie fie, wie von Sinnen und stürzte davon. Hetzt konnte sie dm Weg finden, too sie die Richtung tonnte, in der das Kirchlein lag Frost und Müdigkeit waren verschwunden. Ungeduldig tastete sie sich durch Die sargdunkle Rächt. Sie zerschlug sich Die Stirn an manchem Fichtenleib, der sich ihr entgegen- stemmte, oder verschlang Den Fuß in Den Wurzeladern des Waldbodens. Endlich war sie am Ziel. Still und feierlich stand das holzgezimmerte Gotteshaus, vom rötlichen Schein Der Ampel unsicher umflossen. Lene maßte sich ducken, am in Die Grotte za gelangen, Die, von Der Kapelle überbrückt, Den GesunDheits brunnen umschloß. Glucksend, in mühsamen Tropfen, entwand sich das Wasser dem vereisten Brunnenrnund. Endlos dehnte sich die Zett, bis Das Fläschchen gefüllt war, bis Lenes frosterstarrte Fing-r es unter dem Brusttach tn Sicherheit gebracht hatten. Und jetzt — heim! Die übermäßige KraftanspMrung hatte nachgelassen. Zwar war das Ziel erreicht, aber Freude empfand sie nicht, nur Müdigkeit, unt’r Der ihr De Ten zusammen brach. Rur Die dumpf: Sehnsucht, Daheim zu fein, regelte noch ihr Tan. Mattrot huschte das Licht der Oellampe über das Unterholz. Der Wind bog das Gezweig auseinander unD legte einen Opferstoa frei, der das Bild des Gekreuzigten trug. Das war das letzte Bild des Stationsweges, Der sich in lang- gezogenem Zickzack von Der Fahrstraße zur Kapelle wand. Lene kannte diesen Weg, er führte langsamer, aber sicherer aus Dem Wall». Die HanD an Dem hinfälligen Geländer, lappte fie wieder in Das Dunkel hinein, erschöpft. I gleichgültig, nut leerem Bewußtsein. Heim! Schritt für Schritt nahm sie die ungleichen Stufen, die in den Waldboden etngegraben teuren. So oft Der Weg kehrt machte, fühlte sie tastend den hölzernen Stock Der Stationsbilder. Endlos schien es. bis Das letzte erreicht mar, bis sich Der Wald zu lichten begann, dis ab und ja eui Stern zw schen Den ‘Bäumen cmfbl.hte. Endlich log das Schneedach Des Zungholzes hinter Lene. Das Vordringen auf der Fahrstraße ging mühsam, Denn es hatte inzwischen tüchtig geschnettz 3etjt war in Der srostschweren Rächt keine Flocke mehr zu sehen. Der Himmel beschien mit seiner ganzen Sternenpracht ein endlos ausgedehntes weißes Bett, in dessen östlicher Richtung das Dorf liegen mochte. 3n Der ganzen Weite tarn kein Laut, nur das Knirschen des Schnees mter Lenes Sohlen unD ein feines glänzendes Klirren in Der Luft. Die Heimatnähe wirkte noch einmal belebend auf das Kind. Merkwürdig gewichtslos fühlle es sich, eine unbeschreibliche Wohligkeit ging ihm durch Körper und Geist. Halb im Schlaf, mit steifen Lippen, lallte es ein Kinderlieb: Dort hoch auf Dem Berge, Da wehet der Wind, "Da sitzt die Frau Maria UnD wieget ihr Kind. Sie wiegt es mit ihrer schneeweißen Hand, Schlaf ein — schlaf ein — lieb Kindelein! Ein bedrückendes Zittern befiel Lene and zwang sie zur Rast. Sie setzte sich auf einen Weg st ein. Stumpfen Blicks sah sie J>en mattfunkelnden Schneeteppich, Die schweren Fichtenzteeige, zottig unter ihrer Last. Sie sah das Befuget des Rachchimmels und sah alles das doch wieder nicht. Durch Die kristallene Luft Hangen Glocken- schläge, neun an der Zahl. Steif und leblos drangen Die Eindrücke auf sie ein, sanden leinen Widerhall in dem erstarrten D.wullsctn. Rur das Vorwärtsdringen in ihr war noch am Wert. Wie' ein feiner Schmerz kam es, schwoll an, verging und kehrte wieder, unablässig ind zäh. Heim! Wozu? Weshalb? Sie wußte es nicht mehr Roch ein letztes Mal bezwang sie es. Gewaltsam hob sie den Fuß zum Schritt. Da tlang'8 ihr wie Schlittengclaute im Ohr, fern her — vom Himmel her — Halb in Ohnmacht, halb von Schlaf bezwangen sank 2ene in Den Schnee. Mittlerweile baffe der Kirchweihtttidel seiner. Höhepunkt erreicht. Die Bauern hatten sich schon Die Deine zuschanden getanzt, nur em paar Rimmer satte drehten sich noch im Kreise. Schläfrig strichen dir Musikanten Die Saiten, es war ihnen gleichgültig, tcai Dabei hro a kam. Die Flöte war über Die Diele gekollert, ihr Besitzer schnarchte in Den höchsten Tönen. 3n Der Schenkstube saßen Die Bauern Dicht beisammen, wie Die Heringe in Der Tonne. Die Luft war stechend vor Rauch und Dunst. Die Umrisse verschwammen in Dem erstickenden Qualm. Mit roten Augen and erhitzten Köpfen saßen die Dörfler da. Schwer und dick floß ihnen das Blut m den Adern. DaS Bier hatte eine lauernde Streitlust m ihnen all- geweckt. (Fortsetzung folgt) Schweizer Franken 100 Fl. -- 198.60 L. Fr. = 43.25 100 Kr. 100 100 100 100 100 Kr. $ Kr. 0.67 617.50 1.90 0.13 100 Mk. 100 Kr. 100 Kr. 100 Fr. 1 £ 199.25 1.75 0.06 9.90 46.70 2'.- 27.10 42.50 k 0.66 518.75 1.87 0,13 1.75 0.G6 9.95 47.37 23.- 27.65 Wechsel auf Holland....... Deutschland . . . . Wien........ Prag........ Paris........ London ....... Italien....... Brüssel....... Budapest...... Reuyort....... Agram....... Warschau..... Lerndwirtschaft. ' □ Bom oberen Wettertal, Z. Mai. Nachdem seit Mitte der Woche bessere Witterung eingesetzt hat, hat man hier endlich mit der Aussaat der Gerste allgemein begonnen. Man ist überhaupt 3—4 Wochen gegen voriges Jahr mit der Aussaat hier zurückgeblieben. Trefflich haben hier im allgemeinen die Birnen ange- seht. Der Buchenwald jedoch — eine seit Jahren nicht beobachtete Erscheinung — hat sich noch nicht grün gefärbt. Die Winterfrucht, abgesehen von einzelnen Weizen- äckern, steht im allgemeinen recht gut. Zvrche unter musikalischer Mitwirkung von Frl. Höfels (Gesang) und Herrn Rektor Metz (Orgel) einen würdigen und eindrucksvollen Ber- lauf. Aus dem Erlös überlieb Herr Jordan unserem Orgelfvnds 600 Mark. Handel. Berlin, 8. Mai. Dörsenstimmungs- bild. Unter dem Druck von politischen Beklemmungen, wozu pessimistisch lautende Meldungen auS Genua und französisch-englische Presse» stimmen den Anlab gaben, herrschte im heutigen Börsenverkehr im allgemeinen grobe Lustlosigkeit. Industrieturse setzten aber gleichwohl vorwiegend 5 bis 20 Prozent höher ein, weil die beträchtliche Steigerung der Devisenkurse, die mit Käufen der Industrie erklärt wurden, eine feste Stimmung hervorriefen. Einige Werte des Montanmarktes, wie Laurahütte, Phönix, Rheinische Braunkohlen und von Elektrizitut5werten Aikumulatore.ifabrik- aktien stellten sich beträchtlich höher. Laurrhütte büßte aber fast vollständig den anfangs erzielten Gewinn wieder ein. Lebhaftes Geschäft entwickelte sich lediglich wieder in türkischen Werten auf Ausiandskäufe. Türkische Lose erzielten eine Besserung um 140 Mark Auch ungarische Goldanleihe und ungarische Krvnenrente wurden beträchtlich höher bezahlt. Schiffahrtsaktien waren fest bei kleinen Besserungen. Bankaktien waren behauptet und Dalutapapiere im Zusammenhang mit der Devisensteigerung höher bewertet. Im Verlaufe bewirkten die Geschrftsstille und ein leichtes Abbröckeln der Devisen ein Abbröckeln des Kursstandes der Industriepapiere. Anfängliche Gewinne blieben nur zum geringen Teil erhalten. Der Anleihemarkt entbehrte der allgemeinen Anregung. Der Kursstand war wenig verändert. Preußische Konsols gaben etwas nach. Frankfurt a. M., 8. Mai. Börfen- stimmungsdild. Sie Unsicherheit d'züglich der Konferenz von Genua dauert fort. Die Tendenz war am Wochenarrfang entschieden besser. Der Devisenmarkt verkehrte in den Morgenstunden in fester Haltung. Der Dollar wurde 299 bis 301 genannt. Bei regerer Geschäftsentwicklung fanden einige Effettenpapieve wieder gröbere Beachtung. Rachfrage machte sich in Auslandspapieren bemerkbar. Im freien Verkehr setzte die Geschäftstätigkeit mähig befestigt ein. Benz 510, Brown Boweri 370 bis 380, Kasseler Fatz 3025, Deutsche Petroleum 2100. Der Montamnarkt eröffnete in fester Haltung. Es traten teilweise Erholungen ein. Am Markte der chemischen Aktien Wurden bei Rückkänien Aniltnwerte höher befahlt Elektrizitätspapiere waren zumeist befestigt AEG. aber schwankend. Die Geschästs- lätigtett auf dem Einheitsmarkte für Industrie- Papiere war ruhig und ineinheitlich. Die Börse schloß bei allgemein ruhigem Geschäft in schwankender Haltung. Unregelmäßig lagen Dollarnoten, 300. Privatdiskont 4V» Prozent. 2 r ankfurt a M.» 9. Mai. Züricher Devisenmarkt. 8.5. 9.5t Emanuel 4555 c Gleiches Geschäft in Frankfurt a.M.,im Gewerkschaftshaus. Masfen-Schuhverkauf n—— Seltersweg 31, früher Central-Tafe — Braune Stiefel und Halbschuhe Tourenstiefel, Sandalen,Turnschuhe Weihleinen - Stiefel u. -Halbfchuhe aus alten Abschlüssen sind eingetroffen, die wir noch bedeutend unter heutigen Fabrikpreisen abgeben können. Wir empfehlen deshalb, den Bedarf sofort zu decken, da diese noch zu billigen Preisen eingekauften Schuhe bald vergriffen sein dürsten. Geschäftszeit ununterbrochen von 8y2 Uhr morgens bis 6 Uhr abends Brief 8. Mai. 6. Mai. 2483,10 1476,93 Marknotierungen. Fr. Fr. Fl. Kr. Kr. Kr. Kr. Sh. 17,30 1,32 0,33 3,66 805,- 960 - 996 - 1815.- 880,- 720 - 1120;- 735,- 682,- 666,- 825,- 605,— 501,- 454,- 79,75 808,- 228.- 5657, ;0 6418,05 7734,70 613.85 1382, - 1332,70 29',88 2698,40 5732,20 4610,80 3,62 580,25 38,25 108,02 220,30 141,25 4156,- Datum: Amstd.-Rotterü. Brüffel-Antw. . Ehristiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . HelsingforS. . . Italien ..... London ..... Reuhork..... Paris...... Schweiz..... Spanien..... Deutsch. Oesterr. Prag...... Budapest.... Buenos Aires . Bulgarien . . . Japan...... Rio de Janeiro 5403,20 6167,25 7470,65 609,20 1560,50 12 0,85 290,13 2671,65 5632,25 4519,30 3,43 554,30 37,35 104,85 214,70 139,- 3982,50 8.5. 77,50 92,50 129,- 82,50 390,- 312,50 304,- 304,- 600,- 438,- 324,- 270,- 305,- 1045,- 785,- 967,- 991,- 1770,- 865,- 708, 1105,- 735,- 671,- 650,— 790,- 59c,- 501, 450, — 78,50 810,- 6.5. 1,79 0,90 1,66 1,37 672,— 662,- 810,- 605,- 495,- 445,- 78,- 798,- 230, — Kurs 5.5. 77,50 93 50 129,90 8»,- 401,- 312,- 307,- 306,- 600,- 438,- 324,«. 272,- 339, ■ 1055,- 780,- 963,- 1000, - 1780,- 852,- 719,- 1090,- 715,- 6 8,- 665,- 800,- 610,- 500,- 450,- 80,- 795,- Kurs 5.5. '<7,60 92- 133,50 84 - 405,— 318,- 305.- 306,- 595,- 437,- 320 - 272 - 308,- 805'- 955 - Kurs 8. 5 77,50 92,- 128,- 82,50 410 - 319,75 303,- 304,- 593,- 436, - 318,- 270,- 307,- 1,28 -.34 3,82 5642,96 6401,95 7715,30 642,15 1578-- 1329,30 297,12 269! ,66 5717,80 4599,20 3,58 578,75 38,15 107,72 219,70 140,25 4144,- 5416.0 6182,75 7489 35 6W.80 1564,50 1294,16 290,87 2678,35 5647/15 4530,05 3,47 555,70 37,45 105,16 215,30 140,- 3992,53 8.5. 175 0 87 1 58 1,82 1.7.14. 125.40 59.20 88.80 88.80 117.80 117.80 97.80 23.80 125.40 Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Stockholm . Wien.... Prag.... London. . . Reuyork . . Paris. . . . Bad.Anilin-u. Soda Höchster Farbwerke. Allg.Elektr.-Ges. Felten & Guilleaume Schuckert-Werke. . . Adlerwerke...... Daimler....... 40/o Hess. Staatsanl. Electron Griesheim Dtsche. Dereinsbank lassung des nominellen Premierministers Liangtschyi sowie des Verkehrsund Finanzministers verfügt und ein Untersuchungsverfahren gegen sie wegen Anstiftung der Feindseligkeiten gegen Wufeipu angevrdnet. Weiter wird die Absetzung Iscganhtsolinas von den Posten des Generalgvuvemeurs der Mandschurei gefordert. Weiter soll Tschangtsoling 20 Millionen Dollars Entschädigung an die Tschuli-Streit- kräfte und 8 Millionen Dollars für die Zivilisten bezahlen, die durch die Feindseligkeiten Schaden erlitten haben. Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Datum: 5% Dtsch. Kriegsanl. 4°/» Dtsch. Reichsanl. 3°/o Dtsch. Reichsanl. 4°/0 Preuh. Konsols Hamburg-Paletf.. . Norddeutscher Lloyd Comm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconto-Gesellschaft Dresdner Bank. . . Mitleid. Ereditbank. Rationalbank f. D. . Boch. Gußstahlwerke Bud.-Cisenw.-Alt.. D.-Luxemb.Bergw.. L o n d d n. 8. Mai. (WTB.) Reuters Sonderberichterstatter meldet aus Genua, daß der Einflust Schanzers bereits äusterst ang-rwandt werde, um ein Ueberetnfommen mit Belgien in der Frage der Rußland gestellten Bedingungen zustande zu bringen. Der rumänische Premierminister habe, wie verlaute, in seiner Unterredung mit Schanzer erklärt, daß die Kleine Entente, insbesondere Rumänien als Rach- barstaat. in der augenblicklichen Krisis immer dazu neige, Schanzer zu erklären, eher Lloyd George als Barthou zu unterstützen, Litwinow erklärte in einer Unterredung mit dem Berichterstatter des Reuterschen Bureaus, die Bedingungen der Mächte mühten eine Abänderung erfahren, bevor eine Regelung zustande kommen könne. Litwinow fügte hinzu, es sei möglich, daß diese Frage nicht auf der gegenwärtigen Konferenz gelöst werde, sondern einem besonderen Au:schuf; zwecks erschöpfender Prüfung überwiesen werde. Litwinow erklärte, das Angebot einer geringen Anleihe würde von Rutz- land als zwecklos abgewiesen werden. London. 8. Mai. (WTB.) In einer Rede in Derby erklärte der Arbeiterführer Thomas, seit 1914 sei man entern Kriege n i ch^ f o nahe gewesen wie augenblicklich. Es heiße. die Konferenz von Geima stehe vor b i m Abbruch. Frankreich vernichte durch seine militärische Politik den F.i den. Die üderwiegendr Masse des englischen Volkes sei des Krieg is überdrüssig und werde dies Frankreich tagen, wenn es entschlossen sei, diese Politik weiter zu verfolgen. Das englische Volk werde nicht daran teilnehmen. Cs sei besser in Frankreich, diese Rede klar zu verstehen, datz das britische Voll Frieden haben wolle, und sich künftigen Kriegen widersetze. Deutschland müsse für den Krieg Vergütungen leisten und müffe b.i teiern, was es beisteuern könne. Es sei jedoch die P f l i ch t der Alliierten, Deutschland zu helfen, sein eigenes Land wieder aufzubauen. London, 8. Mai. (WTB.) Die Blätter betonen die auf der Genueser Konferenz eingetretene Krisis. Witham Stead berichtet der 1 Times" aus Genua, solange Irgendeine Aus- 11111,05 11138,95 11535,55 11564,45 2436,95 2145.05 2476,93 2122,12 Gelsenkirch. Bepgw.. 970, Harpener Bergbau. 1760, Oberschl. Gifenb.-B. 860, Oberschles. Eisenind. 717, Phönix-Bergb.-Akt. 1120, ~ - 730, Börsenkurse. Frankfurt. Berlin Schluh- Schluß- Schluß- Schluß- - - - - Kurs (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Eine weitere englische Beleuchtung der Lage. London, 8. Mai. (WTB.) .Student vf Politik" schreibt im .Daily Chronicle" aus Genua die Existenz der Entente stehe in Gefahr. weil die britische Oefsentlichkeit der Ansicht sei, datz Frankreich dem Frieden, den das englische Volk wolle. Widerstand entgegensetze. Eine neue Regierung in England würde mit Frankreich weit weniger Mitgefühl haben als die gegenwärtige. Man hoffe jedoch in Genua toeuer das Beste. Die rufsilche Antwort werde wahrscheinlich genügend zustimmend lauten, um eine Fortsetzung der Verhandlungen zu rechtfertigen. Wenn Frankreich sich aber abseits halte, so sei dies zu feinem eigenen Schaden. Die Vertagung der Konferenz kommt nicht in Frage. Die Lage sei ernst. Die wohlunteriichteten Leute hofften jedoch noch auf einen glücklichen Aus gang. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M.. 8. Mai. (Amtlich.) Marktverlauf: Bei ruhigem Handel wurde der Markt geräumt Im einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben cvaren: 1303 Rinder, darunter 147 Ochsen, 54 Dullen. 1102 Färsen und Kühe, ferner 430 Kälber, 335 Schafe und 1023 Schweine An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: für Ochsen 1800—2950 Mk., für Bullen 1800—2700 Mk.. für Färsen und Kühe 2000 bis 2900 Mk. für beste Färsen, 900—2000 Mk. für beste Kühe, für Kälber, beste Qualitäten. 2500 bis 2800 Mk., mittlere Qualitäten 2000—2400 Mk., geringe Qualitäten 1600—1900 Mk., für Schafe 3100—1900 Mk., für Schweine unter 80 Kg. Lebendgewicht 2800—3200 Mk., von 80—100 Ko. 3000—3400 Mk., von 100—120 Kg. 3200—3500 Mk.. von 120—150 Kg. 3200—3400 Mk.. für Fett- schweine über 150 Kg. 3200—3400 Mk.. Sauen und Eber von 2600—3300 Mk. Die Marktpreise liegen um so viel ü£er den Stallpreisen, als sie die nicht unerhebluyen Gewichtsverluste. Spesen und Händlergewinne in sich schließen. Frankfurter Getreide-Börse. Frankfurt a. M.18. Mai. Die schwankenden. aber im Durchschnitt höheren Devisensicht auf irgendeine Art von Erfolg zu besteh« schien, habe die italienische Delegation in engen Beziehungen zur britischen Delegation geftanbzn Am Freitag hätten Zeichen einer gewissen Abweichung der italienischen Haltung von der briti». schen aufzutreten begonnen. Offiziöse Publizisten hätten einen Wink erhalten. Frankreich gegenüber freundlicher zu fein. Arn Samstag nachmittag, habe Schanzer Barthou die Versicherung gegeben, daß. was auch immer in Genua sich ereigne, die französisch-italienischen Beziehungen herzlich blieben. Wie Stead weiter berichtet, äußerte sich Lloyd George zuverlässigen Informationen zufolge in ferner Unterredung mit Barthou in schärfster Weise. Seine Sprache habe mit_ den extremen Auslassungen von selten der Anhänger ferner Politik übereingestimmt und fei darauf hinausgelaufen, daß die Entente zwischen England und Frankreich zu Ende sei. Großbritannien betrachte sich von heute ab als frei^^andere Freundschaft zu suchen und zu pflegen. Lloyd George habe erklärt, feine Ratgeber feien fett langem in ihn geb rung >n, ein Übereinkommen mit Deutschland zu treffen selbst unter Preisgabe der britis chen Reparationsforderungen. Frankreich habe seine Wahl zwischen der belgischen und der brittschen Freundschaft getroffen. Der Lordkanzler Lord Birkenhead hätte ihm direkt geraten, mit Frankreich zu brechen. Briefe aus allen Teilen Englands hätten ihm den dringenden Rat gegeben, mit Frankreich zu brechen. Tatsächlich sei er (Lloyd George) der einzige Freund, den Frankreich in England besitz«. Jedoch müsse er sich jetzt in anderer Hinsicht umsehen. Der Reichskanzler bei Lloyd George. Genua, 7. Mai. Die bei der neuerlichen Zusammenkunft Dr. Wirths und Dr. Rathe- naus mit Lloyd George in Aussicht genommene weitere Besprechung hat heute nachmittag zwischen dem Reichskanzler und dem englischen Premiermini st er stattgefunden. Sie hat von 5 bis gegen 7 Uhr gedauert und zu einer ausführlichen Fortsetzung der neulich begonnenen Aussprache Gelegenheit gegeben. — Der Reichsminister des Auswärtigen war zur gleichen Zeit durch andere Besprechungen in Anspruch genommen. (Frkf. Zeitung.) Aus China. Peking. 7. Mai. (WTB.) Reuter. In einem heute veröffentlichten Erlasse wird die E n t- Die Rot der Zeitungen. Berlin, 6. Mai. In einer kleinen An^ frage erinnert der Zenttumsabgeordnete Fortmann die Reichsregierung an ihre Bersprech- unZen bei der Beratung des vom Reichstag am 7. April angenommenen Antrags Lobe ll Gen. bett, die Rot der Zeitungen auf wirtschaftlichem Gebiet. Fvrtmann weist auf die steigende Zahl der Zeitungen und Zeitschriften hin, die inzwischen ihr Erscheinen haben einstellen müssen, und fragt die Reichsregierung. ob sie die angekündigten Maßnahmen bereits durchgeführt hat bzw. wann sie das zu tun gedenke. anflfliii- MMN la«!. gctoüW iut Dtilaftfflw Nr Ulan»- *1 Rachnchützh bdonNts bd GNM. fcldma»«. OrtzältlUd la l Drogctldb turfe veranlaßten Im Vormittagsverkehr eine gewisse Zurückhaltung der Verkä ifer, and teilweise bemerkte man höhere Preisforderungen. 3m allgemeinen ist die Lage am Getveidemarlt unverändert. Während in Weizen das Geschäft rahig lag, wurde in Roggen etwas lebhafter gehandelt. Für Hafer zeigte sich Kauflust. Gerste liegt verhältnismäßig fest, auch Mais findet willige Abnehmer. Futterstoffe lagen ruhig, was vielfach auf den besseren Witterungswechsel z rrückgeführt wird. Hülsenfrüchte sind wenig am Markt, zeigen aber feste Tendenz. Heu und Stroh Wirde bei unveränderten Preisen umgesetzt "inb je nach Qualität bezahlt. — Preise: Weizen 1575 bis 1585 Mk.. Roggen 1200 Mk.. Sommergerste für Braugerste 1400 bis 1450 Mk.. Hafer 1300 Mk., Mais-Mixed 1060 Mk., Weizenmehl, südd. Spezial 0 1925 bis 2100 Mk. bei Waggonbezug ab Mühlenstation, Weizenmehl, nordd., 7proz. Ausmahlung, 1750 bis 1925 Mk.. Roggenmehl, nordd., 1325 bis 1400 Mk., Weizen- und Roggen- Kleie 810 bis 825 Mk., Erbsen, je nach Qualität, für Speisezwecke, 1025 bis 1375 Mk., Heu, südd.. gut, gesund, trocken, 590 Mk., Stroh von Weizen und Roggen, drahtgefaßt, 290 bis 300 M. Biertreber. getrocknet, 870 bis 890 Mk.