Nr. 58 Der Siebener »njelaet erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Monatliche Sezngrpreif«: Mk II.SO einschl. Träger, lohn, durch die Post Mk. 14 - einschl. Bestell, gelt», auch bei Nichterschei« nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt, ^ernsprech.Anschlüsse: sürdieSchriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnoch. richten Anzeiger Stehrn. Poflfdiedfonio: Sronffurl a. M. 11686. Erstes Blatt 172. Jahrgang Donnerstag, 9. März 1922 General-Anzeiger für Gberheffen I r Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher odne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen o 34 mm Breite örtlich 90 Df, auswärts 120 Df.; für Nekl ame» Anzeigen von 70 mm Breite 350D'- Bei Platz. Vorschrift 20 °/e Aufschlag. Hauplschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für *politih: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Drud und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Stctnörudcrci R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Giefzen. Die Wirtschaftslage Anfang März. Don Prof. Dr. Georg Jahn, Braunschweig. Seit Mitte Januar hat der Kurs der Mark wiederum eine abwärts gleitende Richtung eingeschlagen, nachdem er sich vorher einige Zeit auf ungefähr gleicher Höhe gehalten hatte. Diese Abwärtsbewegung ist keine stürmische und stark wechselnde, sondern verläuft im Gegenteil ziemlich langsam und stetig, immerhin waren wir Anfang März bereits wieder in Tiefen angelangt, die an den Oktober und November des vergangenen Jahres erinnern. ES ist nicht ohne weiteres ersichtlich, wodurch diese Abwärtsbewegung verursacht worden ist, da ja der Export seit dem Herbst steigende Erträge bringt und zeitweilig sogar die Einfuhr wesentlich überstiegen hat. Obgleich Zahlenunterlagen nicht zur Verfügung stehen, kann aber doch wohl gesagt werden, daß eS der steigende Bedarf an ausländischen Zahlungsmitteln ist, der in den letzten Wochen von neuem auf die Mark gedrückt hat. Die lange geübte Zurückhaltung im Einkauf von Rohstoffen und Nahrungsmitteln läßt sich eben nicht dauernd aufrecht erhalten, wenn weiter produziert und Ernährungsschwierigkeiten rechtzeitig vorgebeugt werden soll. Dazu kommen die Zahlungen an die Entente, die zwar in kleinen Quoten erfolgen, aber doch immerhin im Monat an die 100 Millionen Goldmark betragen. DaS hat das kurze Zeit mühsam aufrecht erhaltene Gleichgewicht auf dem Markte der ausländischen Zahlungsmittel bald wieder beseitigt und die Mark, allen Bemühungen zum Trotz, doch wieder zum Sinken gebracht. Die Folgen dieser Entwicklung machen sich im Inland jetzt umso schärfer bemerkbar, als zum Dalutaeinfluh inzwischen eine ganze Reche anderer preissteigender Momente hinzugekommen ist: der Wegfall der staatlichen Lebensmittelzuschüsse, die gewaltige Steigerung der Eisenbahn- und Posttarife, die erhöhte Umsatzsteuer, die neue Belastung der Kohle, die Goldzölle, die Erhöhung der Einkommen- und Vermögenssteuern, endlich die Zwangsanleche, auf die in aller Kürze ein Vorschuß eingezahlt werden soll. All das wird natürlich zunächst auf die Preise abgewälzt, da kein Fabrikant und kein Händler diese Lasten zu tragen vermöchte, selbst wenn er es im Interesse der Erhaltung seines Absatzes wollte. And so muß sich dann beinahe von Tag zu Tag das ganze Preisniveau heben, zumal auch von der Geldseite her — die Notenpresse steht ja keine Stunde still — die Preise fortgesetzt aufgebläht werden. In allem Anglück ist auch in der Zukunft auf eine Änderung dieser Zustände nicht zu hoffen; weist doch der Haushaltsvoranschlag des Reiches ein Defizit von nicht weniger als 92 Milliarden Papiermark auf, das durch die Zwangsanleihe allein ganz gewiß nicht gedeckt werden kann, mag man bei der Veranlagung auch noch so scharf vorgehen. Während sich unter solchen Amständen die fortgesetzt mächtig erhöhen, erschöpft sich die Kaufkraft sehr erheblicher Teile der Bevölkerung immer mehr, da die Lohn- und Gehaltssteigerungen der Arbeiter, Angestellten und Beamten in keiner Weise mit den Preissteigerungen Schritt zu halten ver- mögen. So muh der Absatz allmählich sinken, die Versorgung der Bevölkerung schlechter werden, die Verarmung fortschreiten. Aber auch der Export kann auf die Dauer von dieser Entwickelung nicht unberührt bleiben. Bisher ist es den Exporttndustrien und dem Exporthandel zwar noch recht gut gegangen, da der Stand der Mark Antrieb genug zum Kauf deutscher Waren gewesen ist; aber es hat den Anschein, daß in der letzten Zeit die Gestehungskosten wesentlich mehr gestiegen sind, als gleichzeitig der Markkurs sank. Die Frühjahrsmessen in Leipzig, Frankfurt und Breslau werden bald zeigen, wie weit sich diese Tendenz bereits durchgesetzt hat und welchen Einfluß sie auf die Einkaufslust der Ausländer ausübt. Es kann sein, daß in einiger Zeit bei vorhandenen Exportschwierigkeiten die Lieferungen für den Wiederaufbau in Nordfrankreich eine erwünschte, ja notwendige Hilfe werden, um die Produktion nicht einschränken zu müssen und die Arbeitslosigkeit in manchen Industrien zu verhindern. Ob sie freilich recht- zeittg genug einsetzen werden, ist eine Frage, deren Beantwortung leider nicht von Deutschland abhängig ist. Aber vielleicht bildet der jetzt geplante freie Verkehr zwischen Besteller im Wiederaufbaugebiet und Lieferant in Deutschland (an Stelle der bisher vorbereiteten bureaukratischen Organisation der Lieferungsvorstände) einen Anreiz für die Franzosen, nun endlich mit ihren Industrieaufttä- gen herauszurücken. And in einer solchen Lage, die doch wahrlich an Schwierigkeiten reich genug ist, muß die Volkswirtschaft auch noch die Folgen des Cisenbahnbeamtenstreiks überwinden. Wie sehr der normale Gang der Wirtschaft dadurch gestört wurde, ist ja noch immer viel zu wenig bekannt; es könnte sonst manchem bange werden, der selbst den Beamtenstreik verteidigt, wenn wieder einmal — wie schon so oft — das Einkommen hinter der Preissteigerung zurückbleibt. Wie lange noch wird es dauern, bis unser Volk einsieht, daß dies die untauglichsten Mittel sind, um aus dem Elend und der wirtschaftlichen Versklavung herauSzu- kvmmen? . Die Konferenz von Genua. • Amerika nimmt nicht teil! Paris, 9. März. (WTD.) Havas meldet auS Neuhork: Die Vereinigten Staaten haben die Teilnahme ander Konferenzvon Genuaabgelehnt. Wiederum 31 Millionen Goldmark gezahlt! P a r i S, 8. März. (Havas.) Der „TempS" berichtet, daß die deutsche Regierung den Vertreter der Reparationskvmmission in Berlin davon in Kenntnis gesetzt hat, daß sie die Dekadenzahlung in Höhe von 31 Millionen Goldmark, die am 8. März fällig war, geleistet habe. Finanzkonfcrcnz in Paris. Paris, 8. März. (Havas.) Die alliierten Finanzmini st er haben unter dem Vorsitze des französischen Finanzministers de Last eh rie eine vorbereitende Sitzung abgehalten, an der außerdem der Delegierte Iapans, Sakiba, und der offiziöse Vertreter der Vereinigten Staaten, Vohden, teilnahmen. De Lasteyrie bewillkommnete seine alliierten Kollegen und gab seiner Freude darüber Ausdruck, den Wunsch seiner Kollegen feststellen zu können, zu einer befriedigenden Lösung der schwebenden Fragen zu gelangen. Die Delegierten der einzelnen Regierungen überreichten verschiedene Schriftstücke zu den Fragen, die den Gegenstand der Konferenz bilden werden und die der Sachverständigenausschuh gleich nach seiner Ernennung prüfen soll. Paris, 8. März. (Havas.) In ihrer zweiten Sitzung haben die alliierten Finanz- m i n i st e r die Frage des Wiesbadener Abkommens, die Frage der Anrechnung der Saargruben und die Frage des Italien zu gewährenden Anteils an den von Deutschland geleisteten Zahlungen geprüft. Der Sachverständigenausschuh ist zur Prüfung der übrigen Punkte der Tagesordnung geschritten, um die Texte auszuarbeiten, die den alliierten Finanzministern unterbreitet werden sollen. Nene Stimmen ans Frankreich. Paris, 8. März. (Wolff.) Auch das „Petit I o u r n a 1" behandelt die R e p a ra t i o n s- frage praktisch, indem es die Frage stellt, ob diesmal wieder die seltsame Doktrin vorgeschlagen werde, die sofortigen Reparationszahlungen als etwas Nebensächliches zu betrachten, während man als die sicheren Zahlungen diejenigen ansehen würde, die etwa in 30 oder 40 Iahren erfolgen sollten. Man könne Frankreich nicht leicht dazu bringen, die Grundsätze anzunehmen, daß, je weniger die Deutschen in den nächsten Iahren zahlen würden, sie um so mehr fähig seien, gegen das Iahr 1930 zu bezahlen. Dagegen werde das Publikum sehr leicht begreifen, wenn die Regierung einen Gesamt-Reparationsplan aufstellen würde. Ein derartiger Plan sei im Dezember in Chequers ausgearbeitet worden. Lloyd George habe damals die Liquidierung der alliierten Schulden ins Auge gefaßt und ein dauerndes Moratorium für Deutschland. In diesem Plan habe Frankreich die Priorität auf die Reparation seines materiellen Schadens haben sollen. Rur auf diesem zweiten Wege sei es möglich, die Lösung des Reparationsprvblems zu suchen. Die „Horde" der Kommissionen. London, 8. März. (Wolft.) Im Oberhaus lenkte gestern Lord Newton die Aufmerksamkeit auf die übermäh igen Ausgaben im Zusammenhang mit den zahlreichen interalliierten Kommissionen in Mitteleuropa und deren Auswirkung auf die wirtschaftliche Erholung der vormals feindlichen Staaten und deren Fähigkeit Reparationen zu zahlen. Lord Newton sagte, nach Einstellung der Feindseligkeiten sei eine große Anzahl von Kormnissionen von den Alliierten über ganz Europa gesandt worden. Militärmissionen, Marinemissionen, ßuftfat>rtmiffionen, Finanzmissionen, Lebensmittelmissionen, Eifenbahnmif- ftonen usw. Eine riesige Horde von Beamten männlichen und weiblichen Geschlechts haben sich im Frühjahr 1920 nach Wien begeben. um zu untersuchen, welche Reparationen bezahlt werden können. Sie seien ein ganzes Hahr in Wien geblieben. Die Kosten der Mis- ion hätten 7» o Millionen Kronen betragen. Von dieser Summe habe die österreichische Regierung 2i Millionen bezahlt, die übrigen 5 Millionen Kronen hätten die Alliierten aus ihren eigenen Taschen bezahlen müssen. In Deutschland feien im gegenwärtigen Augenblick Kommissionen im Aederftuh vorhanden. Die Reparalionekomm s ion koste mvnail ch 32 Millionen Marl und die Kontrollkommission, die zum Zwecke der Entwaffnung in Deutschland anwesend fei, bestehe aus 1569 Personen und koste nicht weniger als 23*/» Millionen Mark monatlich. Es bleibe kaum etwas für die Kontrollkommission zu tun übrig, und trotzdem habe ihr Personenbestand keinerlei Verminderung erfahren. Ihr Bestand werde immer noch ausrechterhalten, da von Zeit zu Zeit in Deutschland noch versteckte Waffen gefunden würden. Die G e s a m t k o st e n dieser Kommissionen in Deutschland einschließlich der Kosten der Truppen in Schlesien betrage die sehr große Summe von 1800 bis 2000 Millionen jährlich. Wenn man zu dieser Summe die Ausgaben für das Besatzungsheer rechnet, sei es nicht schwer, einzusehen, daß die Aufgabe, Deutschland zahlen zu lassen, schwieriger und verwickelter fei, als sich die Leute in England vorstellen. Die Finanzlage in Ungarn sei vollkommen verzweifelt. Es seien jedoch in genau demselben Amfang Kommissionen nach dort entsandt worden. Die maritime Stärke Angarns belaufe sich auf vier mehr oder weniger veraltete Patrouillenboote auf der Donau, und trotzdem sei geplant, eine Marinekommission nach Angara zu entsenden, die aus vier Admiralen bestehe, um Angarn zu entwaffnen. Der militärische Teil der Kommission bestehe aus 250 bis 300 Personen* und koste mehr als das gesamte ungarische Heer von 350 000 Mann. Während der ersten sechs Monate habe diese Militärkontrollkommission 250 Millionen Kronen gekostet, und die monatlichen Kosten dieser Kommission werden jetzt auf 30_ Millionen Kronen geschäht. Ein britischer gewöhnlicher Soldat, der zu dieser Kommission gehöre, empfange in einem Monat an Gehalt und Zuschüssen ebenso viel wie ein ungarischer Premierminister in einem Jahr. Die ganze Kommission koste 10 Millionen Kronen. Die Repara-. tionskommission mit einem Sekretär und zwei oder drei Gehilfen habe im Laufe eines Monats in Angarn für Bureau- und Möblierungszwecke eine große Summe ausgegeben. Ihre augenblicklichen Ausgaben werden auf nicht weniger als 100 Millionen Kronen monatlich geschäht. Bulgarien. das ebenso wie Angarn mit einem riesigen Defizit zu kämpfen habe, sei auch ein Anteil der Kommissionen zugewiesen worden. Die Militärkommission bestehe aus je einem Vertreter aller Großmächte und es gebe absolut nichts zu tun. (Sie lebten auf die teuersten Manieren. Ein Maschinenschreiber, der zu dieser Kommission gehöre, empfange zweieinhalbmal so viel wie ein bulgarischer Kabinettsminister. Die Reparationskommission, die im März 1921 in Bulgarien eingetroffen sei und aus etwa vierzig Personen bestehe, ausschließlich der bulgarifchen Angestellten, nehme die besten Wohnungen für sich in Anspruch. Für Möblierungszwecke sei ein großer Betrag verwendet worden. Das Haupt einer der Delegationen in Bulgarien (glücklicherweise nicht der englischen) habe sich auf Kosten der bulgarischen Regierung ein großes Klaviek aus Wien kommen lassen und in einem Hotel in Sofia aufgestellt. Das Haupt der Delegation habe sogar der bulgarischen Regierung eine Rechnung für das Stimmen des Klaviers übersandt! Bulgarien habe für diese Kommission im Zusammenhang mit den Kosten für die interalliierten Truppen nicht weniger als 721 Millionen Franken aus- gegeben. Der Anblick dieser Kommissionen, die auf dem Bankerott des Volkes gedeihen, ist eines der widerlichsten Bilder, die man sich vor st eilen könne. Es werde gesagt, daß England mitmachen müsse, da die Alliierten es auch tun. In diesen besonderen Fällen würde er sich freuen, wenn England mit den Alliierten nicht zusammenginge. L. P h i 11 i m o r e gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Rede Lord Newtons die Regierung dazu bewegen werde, diese Frage zu erwägen. Es würde ein großer Gewinn für den Frieden der Welt fein, wenn die Geschäfte dieser Kommissionen aufhörten und wenn sie so bald wie möglich zurückgezogen würden. Die Einführung der Sommerzeit in Frankreich. Paris, 8. März. (Havas.) Die Kammer begann die Diskussion über die Sommerzeit. Der Berichterstatter sowie der Minister der öffentlichen Arbeiten Le Troquer legten die sozialen Vorteile dieser Maßnahme dar, doch verhielt sich ein großer Teil der Abgeordneten vom Lande ablehnend gegenüber der Zeitänderung. Die Kammer beschloß, heute eine Sitzung abzuhalten, um die Frage zu erledigen. Es werde jedoch erwartet, daß sich für die Einführung der Sommerzeit eine Mehrheit von 50 Stimmen ergeben dürfte. Nähere Angaben über das Ergebnis der Qtbftimmung können jedoch noch nicht gemacht werden. Das neue spanische Kabinett. Madrid, 8. März. (Havas.) Das neue spanische Kabinett setzt sich folgendermaßen zusammen: Ministerpräsident: San- chez Guerra; Außenminister: Fernandez P r i d a; Zustizminister: Bertram M u s i t i; Finanzminister: B e r g a m i n; Kriegsminister: General Otaguerö; Marineminister: O r d o n e z; öffentliche Arbeiten: Arguelles; Anterrichtsminister: S i 1 i o; Arbeitsminister: Calderon. Die Steuerfragen. Berlin, 8. März. Die Ausschuß- beratungen über die Steuerfrage von heute vormittag sind bis auf das noch ausstehende Mantelgesetz der Zwangsanlcihe abgeschlossen. Es bleibt nun nur noch die Fertigstellung der Ausfchußberichte für das Plenum übrig. Die für heute nachmittag angesehten Besprechungen des Reichskanzlers mit den Parteiführern über die Frage des Steuerkompromisses wurden auf morgen verschoben. Für Sonnabend ist eine gemeinsame Sitzung der Steuerausschüsse in Anwesenheit des Kanzlers und der anderen Regierungsvertreter geplant. Die Beratung der Steuergeseye im Plenum wird laut „Vossischer Zeitung" erst Ende der nächsten Woche beginnen können. Wie das „D. T." schreibt, wird das Steuer- kompromih nicht von der Regierung dem Hause vorgelegt, sondern von einer der Parteien als Initiativanttag, und wird sich auf das Mantelgesetz der Zwangsanleihe erstrecken. Berlin, 8. März. (Priv.-Tel.). Laut dem „Lichtuhr-Abendblatt" hat der Abgeordnete Stresemann gestern in einer Rede drei De dingungen der Deutschen Volks- Partei für ihre Teilnahme am Steuerkompro- miß und ihre Zustimmung zur Zwangsanleihe genannt: Die drei Bedingungen sind: Nichtverwendung der Einkünfte der Zwangsanleihe zur Deckung von Fehlbeträgen im Etat, sondern nur zur Finanzierung der Sachleistungen; Sparsamkeit und Befragung des Parlaments bei dem Abschluß wichtiger Abkommen. Außerdem- würde die definitive Ernennung, Hermes zum ReichSfinanzminister von der ' Deutschen DolkSpartei begrüßt werden. Schwere Anklagen gegen Reichsminister Hermes. Berlin, 9. März. Die „Freiheit" veröffentlichte gestern abend schwere Beschuldigungen gegen den Reichsernährungsminister D r. Hermes. Nach dem Eingaben ter „ Freiheit" soll der Minister her vor- ragendeWeineingrohenMengen zum 15. bis 20. Teile des Handelspreises bezogen und sich durch besonders gute Behandlung des Winzerverbandes dafür erkenntlich gezeigt haben. Eine Berliner Korrespondenz glaubt die Meldungen der „Freiheit" bestätigen zu können und will weiter erfahren haben, daß Dr. Heremes im April 1920, also unmittelbar nach seinem Amtsantritt als Minister, ton dem Winzer- verband für Mosel, Saar und Ruwer in Trier 200 Flaschen Wein, dessen offizieller Handels- Preis 35 bis 60 Mark die Flasche betrag, für 3 Mark die Flasche bezogen, also etwa 7000 Man bei dieser Lieferung erspart habe. Die „Freiheit" veröffentlicht heute als Beweisstück ihrer Behauptung einen Brief des genannten Winzerverbandes an den Regierungsrat Dr. I a f f 6 - Berlin, in dem sich der Terband bereit erklärt, 110 Flaschen Weine verschiedener Marken, die Flasche zu 3 Mark, an den Minister sofort abzusenden. Eine der sozialdemokratischen Partei sehr nahestehende Korrespon» denz teilt Leiter mit, daß die sozialdemokratisch« Partei bereits in der nächsten Reichstagssihung wegen der Veröffentlichung der »Freiheit" einen Schritt zu unternehmen gedenke. Daß „Berliner Tageblatt" hört, daß Dr. Hermes voraussichtlich bei 'der Verhandlung über den Etat des Ernährungsministeriums sich zu den Beschuldigungen äußern wird. Der „Lokalanz." sieht in den Enthüllungen einen letzten Versuch, die Ernennung des Ministers Hermes zum Rekchs- finanzminister zu vereiteln und glaubt zu wissen, daß die Anschuldigungen haltlos sind. Der Reichspräsident Ebert über die deutsche Rechtspflege. L e i p z i g, 8. März. (WTB.) Der zweite Tag der Anwesenheit des Reichspräsidenten galt dem Besuch des höchsten deutschen Gerichtshofs, des Reichsgerichts. Der Reichsgerichtspräsident richtete an den Präsidenten Worte der Begrüßung, auf die der Reichspräsident mit folgender Ansprache erwiderte: Herr Präsident! Meine Herren! Sichtbar und vernehmlich vollzieht sich der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft. Ich habe es beim Besuche der Leipziger Messe mit stolzer Bewunderung erlebt. Still und unmerllich geschieht der nicht minder wichtige Aufbau des deutschen Rechts. Der Boden hat unter uns gewankt in diesen schweren Iahren, auch der Rechtsboden. Das Rechtsbewuhtsein ist gelockert, überkommene Rechtsanschauungen sind erschüttert. Die Rechtspflege ist vor die schwere Aufgabe gestellt worden, altes Recht und neues Rechtsgefühl in Einklang zu setzen. Sie, meine Herren, haben bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe die Führung. Das Reichsgericht hat in bedeutsamen Entscheidungen bewiesen, daß es sich seiner Ausgabe bewußt und ihrer Erfüllung mächttg ist. A^r es ist Ihnen nicht vergönnt, Ihren neuen Ausgaben in der den Tages kämpfen entrückten Ruhe von ehedem unangefochten obzuliegen. Dem höchsten Gerichtshöfe des Reiches ist die Pflicht zugefallen, den Krieg und die Erschütterungen, die ihm folgten, juristisch zu liquidieren. Die schwersten Ausgaben, die wohl je einem Richter oblagen, sind auf Ihre Schultern gelegt worden, und das Reichsgericht ist in den Brennpunkt des öffentlichen Interesses gerückt und der öffentlichen Kritik des Inlandes wie des Auslandes. Aber zu den absprechenden amtlichen Kritiken des Auslandes steht in bemerkenswertem Gegensatz die betonte Anerkennung bedeutender ausländischer Juristen. Der Reichsminister der Justiz hat bei Beratung des Iustizetats mit Recht auf die Zeugnisse dieser Anerkennung hingewiesen und mit den Worten geschlossen: „Respekt vor dem Reichsgericht!" Er hat mit diesem Ästrsspruch nicht nur der Lleberzeugung der Reichsregierung Ausdruck gegeben, der ich mich rückhaltslos anschließe, sondern zweifellos .auch das uneingestandene Empfinden weiter Juristen- kreise, auch solcher des Auslandes, ausgedrückt. So bringe ich dem Reichsgericht, Ihnen, Herr Präsident, und Ihnen, meine Herren, die Grüße der Reichsleitung dar und unseren Dank und unsere Anerkennung für Ihre muhevolle treue Arbeit. Ich bin überzeugt, daß der oberste Gerichtshof des Reiches seiner schweren Aufgabe gewachsen ist, auch nach der Reuordnung unserer staatlichen Grundlage und nach der weitgreifenden Umgestaltung des Rechts und des Verfahrens das Vertrauen des deutschen Volkes sich bewahren und sich damit den höchsten Lohn zu sichern, der einem Richter zuteil werden kann. _ Aus dem Reiäre. Zur Neuregelung der Deamtengehälter. Berlin, 9. März. Die Beratungen der Spitzenverbände der Gewerkschaften über die neue Teuerungsaktion der Beamten haben laut „Kreuzzeitung" gestern begonnen. Die Besprechungen sollen heute fortgesetzt werden, um eine Basis für die am Freitag mit der Regierung beginnenden Verhandlungen zu finden. Sowohl im Reichs- finanzntinisterium wie auch auf Seiten der Gewerkschaftsvertreter besteht dem Blatte zufolge der Wunsch, die Zulagen für die Beamten staffelförmig zu gestalten. Die Gehaltserhöhungen sollen in der Weise durchgeführt werden, daß diesmal besonders die Angehörigen der mittleren und unteren Klassen berücksichtigt werden. Die Politik des Reichsverbandes der deutschen Industrie. Leipzig, 8. März. (WTD.) Bei einem Festessen in der Zentralstelle für die Interessenten der Leipziger Mustermessen hat Geheimrat Hil- ger vom Vorstande des Reichsverbandes der deutschen Industrie eine Rede gehalten, in welcher er u. a. ausführte: Als wir vor mehreren Jahren den Reichsverband der deutschen Industrie aus dem Zentralverbande deutscher Industrieller zusammenschweißten, schwebte uns vor Augen, ein Gebilde zu schaffen etwa wie das des Bundes der Landwirte. Diejenigen. die mit mir an der Wiege des Reichsverbandes der deutschen Industrie standen, werden zugeben, daß dieses Ziel nicht erreicht wurde. Im Bunde der Landwirte sind die Interessen des kleinsten Dauern und des größten Grundbesitzers dieselben. Im Reichsverbande der deutschen Industrie sind die Interessen sehr verschieden und zu schwer zu vereinigen. Die wesentliche Frage ist die Frage der Angleichung an den Weltmarktpreis, ein Teil will an den Weltmarktpreis heran. Der einsichtsvollere Teil will nicht, daß die Bäume in den Himmel wachsen, denn die Folge ist die Schraube ohne Ende; hohe LeberrsMittelpreise, hohe Kohlen- , preise, hohe Lebensbedürfnisse, hohe Löhne usw. V Wer interessiert ist an den hohen Kohlenpreisen, 'das ist in erster Linie England. Wenn wir mit • unseren Kohlenpreisen an den Weltmarktpreis herankommen, wird unsere Ausfuhr lahmgelegt. Mit den hohen Kohlenpreisen wird der Plan versolgt, die Arbeitslosigkeit von England auf unser deutsches Vaterland zu verschieben. Dem entgegenzuwirken haben wir alle Veranlassung. Wenn auch die Meinungen in der Industrie in mancher Hinsicht auseinandergehen, so auseinander gehen sie doch in einem Punkte nicht, nämlich in dem, daß das deutsche Meßwesen in der Stadt Leipzig zentralisiert werden muß. Die Maifeier. Berlin, 9. März. Der sozialdemokratische ParteianSschuh beschloß gestern nachmittag, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Der Verkehr soll aber wie an Sonntagen aufrechterhalten werden. Reber gemeinschaftliche Feiern mit den Anabhängigen sollen die einzelnen Organisationen entscheiden. Die Große Koalition in Bayern gescheitert. München, 8. März. (WTB.) Die „München-Augsburger Abendzeitung" meldet: Der Fraktionsvorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Abg. Held, hat im Auftrage seiner Fraktion den Fraktionsvorsihenden der Bayerischen Mittelpartei und der Deutschen Volkspartei mitgeteilt, Die Pforte öe$ Paradieses. Roman von Ingeborg Vvllquartz. Berechtigte llebersetzung aus tzem Dänischen. 6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Frau Dorris schaute hastig zu ihrem Mann auf und öffnete die Lippen, als wollte sie eine Antwort geben. Tann bedachte sie sich aber und fuhr gelassen fort, ihren Tee zu trinken. „Mutters leichten wiederholte Mogens. „Vater, meinst du nicht eigentlich — Mutters festen Willen?" Aufmerksam prüfend schaute Hauptmann Dorris seinen Sohn an, als sei diese Bemerkung von einem ihm ganz fremden Menschen gekommen, und Mogens begegnete dem Blicke seines Vaters mit der Furchtlosigkeit der Jugend. „Ganz richtig, Mogens," sagte ^ruptmann Dorris mit einem beinahe ehrerbietigen Klang in der Stimme, und nickte langsam und anerkennend dazu mit dem Kopf. „Sei du nur immer aaf dem Posten, deine Mutter zu verteidigen, mein Junge. Es ist sehr gut, einen festen Willen zu haben — nur schade, daß man sich den nicht selbst geben kann — damit muß man geboren sein." „Aber Vater, du hast doch vorhin gesagt, man müsse sich selbst in der Gewalt haben, and man dürfe nicht allen seinen augenblicklichen Gelüsten und Einfällen folgen," entgegnte Mogens, seinen Vater unverwandt anschauend. „Unk das ist's. was ich mit Mutters festem Willen meine — denn Mutter hat sich selbst in der Gewalt. Mutter denkt immer zuerst an uns alle, ehe sie an sich denkt. And das tut sie durchaus nicht des- daß die Verhandlungen über die Erweiterung der bestehenden Koalition durch die Aufnahme der Fraktionen der Dayerischen Mittelpartei und der Deutschen Volkspartei am WiderspruchderDemokratengeschei- tert ist. Die Einheitsfront der Linksradikalen. Derlin, 8.März. (Priv.-Telegr.) Die „Rote Fahne" veröffentlicht heute das Schreiben der KommunistischenParteiandie A.S.P., in dem diese zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen das Steuerkompromiß aufgefordert wird. Das Zentralkomitee der A.S.P. wird in dem Schreiben gebeten, mit den Kommunisten gemeinsam zu beraten, auf welche Weise die Einheitsfront aller Arbeitenden gegen die S t e u c r g e s e tz e zur Tat werden könne. Außerdem parlamentarischen Vorgehen sollen Massenversammlungen und Massendemonstrationen als erster Schritt in dem außerparlamentarischen Kampfe in Betracht kommen. Wie die „Rote Fahne" weiter mitteilt, wird in einer vorläufigen Antwort der A.S.P. erklärt, daß das Zentralkomitee der Partei sich mit den Vorschlägen des Briefes heute in einer Sitzung befassen werde. Aus Hessen. Höhereinstufung hessischer Orte. In Ergänzung der kürzlich von uns gebrachten Mitteilung über die erfolgte Höhereinstufung einer Anzahl hessischer Orte wird jetzt von amtlicher Seite mitgeteilt: Bei Aufstellung des endgültigen Ortsklassenverzeichnisses im Dezember v. Is. waren von der Reichsregierung von den hessischen Wohnorten 10 Orte in die Ortsklasse A, 75 in die Ortsklasse B, 86 in die Ortsklasse C und 304 in die Ortsklasse D eingereiht worden. Infolge der von dem Reichstag vorbehaltenen Nachprüfung, die jetzt durch einen besonderen Ausschuß des ^Reichstags und des Reichsrats stattgefunden hat, wurden insgesamt 145 Orte neuerdings höher eingestuft. Wenn auch bei der Nachprüfung nicht erreicht werden konnte, daß die Ortsklasse E vollständig beseitigt wurde, so ist immerhin gegen die bisherige Einteilung eine wesentliche Verbesserung erzielt. Es sind jetzt höher eingereiht worden: In Ortsklasse A: Bischofsheim, Gins- heim, Bahnhof Kranichstein, Neu-Isenburg, Rüsselsheim, Budenheim Finthen und Oppenheim. In Ortsklasse B: Auerbach, Jugenheim a. d. D., Mörfelden, Nauheim, Walldorf, Egelsbach, Langen mit Mitteldick, Obertshausen, Sprendlingen. Todenheim. Florheim. Wackenheim, Ippesheim, Gau-Odernheim, Wendelsheim,Grolsheim, Sponsheim und Arnsheim. In Ortsklasse C: Eickenbach, Reichenbach, Seeheim, Messel mit Grube Messel, Babenhausen, Gundernheim, Höchst t O„ König, Fürth i. O., Wald-Michelbach, Klein-Welsheim, Mainflingen, Dad-Salzhausen, Nidda, Büdesheim, Schiffenberg und Schotten. In Ortsklasse D: Fehlheim. Hähnlein, Ober-Deerbach, Schwanheim, Eich, Malchen.Bran- bau, Brensbach, Fränkisch-Crumbach, Hering, Kl.- Zirnrnern, Hach, Lengfeld mit Zipfen, Rodau, Rohrbach, Wembach, Wersau, Aeberau, Dorf- Erbach. Ebersberg, Günterfürst, Lauerbach, Lützel-Wiebelsbach, Schönnen, Rotenberg, Zell, Fahrenbach, Gras-Ellenbach, Siedelsbrunn, Lörzenbach, Sonderbach, Wahlen, Wald-Erlenbach. Weiher, Zotzenbach, Groh-Felda. Grebenau, Kirtorf, Romrod, Burg-Gemünden, Rieder-Gemünden. Flensungen. Merlau, Mücke, Rieder-Ohmen, Altenburg, Klein-Felda, Leusel, Zell, Alt-Wieder- mus, Berstadt Dleichenbach, Calbach, Diebach am Haag, Düdelsheim, Eckartshausen. Effolderbach, Glaubera Hainchen, Dauernheim, Hain- Gründau. Heegheim, Heuchelheim, Hainbach, Hih- kirchen, Kohden, Langenbergheim, Lindheim mit Enzheim. Lorbach. Merkenfritz, Rieder-Mockstadt, Oberau, Ober-Mockstadt, Ober-Widdersheim, Orleshausen, Ranstadt, Rodenbach, Rohrbach, Selters, Vonhausen, Wolf, Bönstadt, Münzenberg, Oppertshvfen, Trai's-Münzenberg, Hoch-Weisel, Stammheim, Staden, Burkhardsfelden. Mainzlar, Reiskirchen, Staufenberg. Steinheim, Trais-Horloff, Maar, Freiensteinau, Crainfeld, Bermuthshain. Herchenhain und Hartmannshain. Alle anderen in der letzten Zeit bekannt- gegebenen Aenderungen sind unzutreffend. * — Versorgung hessischer Eisenbahn-Ruhegehalts- und Wartegeldempfänger sowie ihrep Hinterbliebenen. Die Eisenbahndirektionen sind angewiesen worden, den hessischen Ruhegehaltsenip- fängern, Wartegeldempfängern und Hinterbliebenen, insofern und insoweit ihnen bei Anrechnung der für Rovember 1921 noch einmal gezahlten Dersorgungsgebührnisse vom 1. Oktober 1921 ab höhere Gebührnisse zustehen, alsbald weitere Vorschüsse hierauf im Rahmen der den Reichs-Ruhegehaltsempfängern usw. zustehenden Dersorgungsgebührnisse zu gewähren. halb, weil sie. wie du sagst, solch einen leichten Sinn hat, sondern weil sie so gut ist, und weil sie das hat, was ich Willen heiße. And das gehört zum Desten, was man haben kann." „Tein Vater hat trotzdem recht, Mogens," unterbrach ihn Frau Dorris. „Man kann sich ebensowenig selbst einen starken Willen geben als eine frohe Laune. Tas sehen toit am besten an Tante Rova, die immer verstimmt ist." „Köimte sie denn nicht einen Versuch machen, sich selbst in die Gewalt zu bekommen?" fragte Mogens, der sich, ganz in Eifer geredet hatte. „Vater hat doch gesagt, man müsse lernen, sich selbst in der Gewalt haben." ■ „Tante Rova ist zu alt, um das noch zu lernen," wandte Ellen ein. „Vater hat gemeint, man müsse dazu erzogen werden." „Was heißt das, erzogen werden?" fragt# Mogens, ohne die Micke von seinem Vater zu wenden. „Tas heißt, daß man gezwungen wird, das zu tun, was man nicht trn mag!“ rief Ellen rasch. „Rein, das heißt, daß einem andere Menschen den Willen solange lenken, bis er allen Verhältnissen gewachsen ist." „Ja, Mogens," nickte der Hauptmann. „And es ist gut, wenn man als Kind jemand hat, der einen so liebt, daß er sich' die Mühe'macht, einem den Willen zu lenken, wie du gesagt hast. Aber nicht alle Kinder haben es so gut.“ c ..Aber ich meine, es fet rfeig, wenn alte Leute, die keinen Willen haben, die Schuld auf ihre Eltern schieben, weil die sie nicht dazu erzogen hätten," fuhr es Mogens heraus, dann warf er, ftlbst etwas verdutzt, seiner Mutter einen raschen Blick zu, senkte aber seine Augen gleich wieder. Aus Ltadt und Lund. Gießen, den 9. März 1922. ** EineSitzungdes Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen findet am Samstag, den 11. März, vormittags 81/« Ahr, im Sitzungssaal des R e- gierungsgebäudes zu Gießen, Land- graf-Philipps-Platz Rr. 3, statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Ortsarmenverband Climbach wegen Ersatzes der für den Wilhelm Hasselbach zu Climbach aufgewendeten Anterstützungskosten. — 2. Klage des OrtSarmenverbandes Climbach gegen den Ortsarmenverband Lich wegen Erstattung der für den Johann Mehrum aus Burkhardsfelden aufgewendeten Anterstützungskosten. 9l/t Ahr. ** Altertumsfunde. In letzter Zeit sind mehrfach Fälle bekannt geworden, in denen Finder von Altertümern gegen die Bestimmungen des Ausgrabungsgesetzes verstoßen haben. Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß zu Ausgrabungen von Gegenständen, die für die Kulturgeschichte einschließlich der Argeschichte der Menschen von Bedeutung sind, die Genehmigung der zuständigen Behörden erforderlich ist. Von Gelegenheitsfunden hat der Entdecker oder Eigentümer eines Grundstückes, auf dem die Gegenstände entdeckt wurden, sofort der Ortspolizeibehörde Anzeige zu machen. Die Unterlassung der Anzeigepflicht oder die Zerstörung, Beschädigung und das Beiseiteschaffen von Funden, deren Ablieferung verlangt wird, ist mit Geldstrafe bis zu 100 000 Mark oder entsprechender Haft bedroht. ** Oberhessischer Geschichtsver- e i n. Aus dem in der Hauptversammlung am 25. Februar vorgetragenen Jahresbericht sei folgendes hervorgehoben: der S o m m e r a u s- flug führte unter Leitung von Prof. Dr. Rauch nach Butzbach, das sich damals gerade anschickte, sein 700jähriges Stadtjubiläum festlich zu begehen. Diesem Anlaß verdankte auch der Vortrag von Geh. Schulrat Dr. Otto über „Wirtschaft und Stadtverwaltung im alten Butzbach", über den bereits berichtet wurde, seine Anregung. Ebenfalls großenteils auf wirtschaftsgeschichtlichem Gebiet, das ja den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart am klarsten erkennen läßt, bewegte sich der Vortrag von Privatdozent Dr. Weber über die Geschichte des Waldes, der Forstwirtschaft und der Forstwirtschaftslehre in Oberhessen. Richt minder führte an die Wurzeln von Gegenwartsfragen Professor Dr. Lenz, der über „Die Geschichte des Marxismus" sprach. Gin Vortrag von Prof. Dr. V i - g e n e r über „Die Gießener katholisch-theologische Fakultät" steht noch aus. Eine Führung in der Altertumsabteilung des Oberhessischen Museums machte mit deren reichen Schätzen bekannt. An dem Museum ist der Verein als Gesellschafter beteiligt. Als Vertreter in der Gesellschaftsversammlung und im Aufsichtsrat konnte sich der Vorsitzende von der gedeihlichen Entwicklung der Sammlungen, insbesondere der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung, überzeugen. Anter den rund 11000 Besuchern des Museums und unter den 2500 Teilnehmern an den 65 Führungen, die von der Direktion veranstaltet wurden, waren die Dereinsmitglieder zahlreich vertreten, die als solche Sonntags von 11 bis 1 Ahr freien Zutritt zu den Sammlungen haben. Die Tätigkeit des Vereinsvorstandes erstreckte sich vor allem auf die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft der historischen Vereine Hessens, die von Darmstadt aus angeregt worden war. In ihrem.Verlauf wurde der Darmstädter Verein mit der Herausgabe einer reich illustrierten hessischen Heimatzeitschrift beauftragt, die vom 1. April d. I. ab monatlich zu erscheinen beginnt und hessische Geschichte, Kunst und Kultur pflegen soll: da sie vor allem auch als Bindeglied gedacht ist zwischen den Volksgenossen diesseits und jenseits des Rheines, erhielt sie den alten Fährmannsruf „Hol über!“ zum Titel. Die Zeitschrift wird den Vereinsmitgliedern unentgeltlich zugehen, obgleich der Buchhandelspreis mindestens 30 Mark betragen muß. In nächster Zeit wird außerdem Band 24 der „Mitteilungen" unseres Vereins mit reichem Inhalt erscheinen. Der Vereinsbei- t r a g mußte auf 10 Mark, für Gießen auf 12 Mk., erhöht werden. Der Verein hat den Tod mehrerer treuer Mitglieder zu beklagen: unter anderen starb Prof. Dr. Gundermann in Tübingen, der sich während seiner Lehrtätigkeit in Gießen durch die Förderung der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung des Museums ein ehrendes Denkmal gesetzt hat. Mehr noch als bisher hofft der Verein Einstig auch den Bedürfnissen der Geschichtsfteunde in der Provinz durch Veröffentlichungen, Vorträge und Ausflüge Rechnung zu tragen; Anregungen in dieser Hinsicht werden gern entgegengenommen. Am seinen gemeinnützigen Ausgaben gerecht werden zu können, ruft der Verein seine Mitglieder zu reger Werbetätigkeit „Wenn man noch so jung ist wie du, Mogens," — fing Frau Dorris an, aber ihr Mann unterbrach sie. „Laß doch den Jungen ausreden. Inger," sagte er und schaute Mogens an. „Ich gebe dir darin recht, daß es feia von einem willenlosen Menschen ist, seinen Eltern darüber Vorwürfe zu machen, aber du mußt mir doch zugeben, daß eines Kindes geistiges und körperliches Wachstum von seiner Umgebung gefördert oder gehemmt werden kann?" Mogens warf einen raschen Dlick auf seine Mutter und machte eine Bewegung mit dem Kopf, die andeuten sollte, daß er die Verantwortung ablehne, wenn diese Unterhaltung noch weiter fortgesetzt werde. „Mir helfen Worte mm einmal nicht," sagte er kurz. ' „Ach, Mogens will an der Macht des Beispiels heranreifen und ein Mann, werden," sagte Orla lächelnd. „Du könntest dich ja ein wenig nach meinem Beispiel bilden, mein Junge, dann würdest du kwch das altkluge Wesen ein bißchen abstreifen. Rimm du dir nur ein Beispiel an deinem älteren Bruder und sorge dafür, daß etwas Lebensfreudigkeit tn dich hinein kommt, denn das hast du nötig." „Olein, durchaus nicht" widersprach Mogens. „Ich habe reichlich so viel Lebensfreudigkeit, als ich vorläufig brauche, und ich habe auch ein Beispiel — ein Beispiel —" „Da siehst du, wie arm seine Sprache ist, Mutter," rief Ellen. „Du wolltest natürlich sagen, du habest ein Beispiel vor Augen.“ „Jawohl, das habe ich,“ nickte Mogens ent- schiüden und schaute seine Mutter uuvc.rwandt an. aus — sicherlich nicht vergebens in einer Zett, in der die Geschichtsvereine ihre Daseinsberechtigung wahrhaftig nicht erst noch zu erweisen brauchen. Schulen und Vereinen bietet sich die Möglichkeit, durch die persönliche Mitgliedschaft ihres Leiters die Bücherei mit der neuen Monatszeitschrift und den „Mitteilungen" wertvoll zu bereichern oder durch Zahlung eines entsprechend höheren Körperschafsbeitrages daneben allen Mitgliedern auch die übrigen Vergünstigungen zu sichern. Reuanmeldungen sind, damit die Auflage der Heimatzeitschrift und der „Mitteilungen" richtig bemessen werden kann, möglichst bald erwünscht an.den Vorsitzenden, Geheimerat Prof. Dr. Betz a g h e l, Gießen, Hofmannstraße 10, oder an den Schriftführer, Studienassessor Dr. Kunkel, Gießen, Liebigstrahe 84. (Vgl. die Anzeige in heutiger Rümmer.) VornoLizen. — Tageskalender für Donnerstag. Großer Horsaal des Physikalischen Instituts. 81/2 Uhr: Öffentlicher Vortrag des Vereins für Luftfahrt. — Astoria-Lichtffüele, ab heute: „Der Zirkuskönig". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der gelbe Diplomat“. — Aus dem Stadttheaterbureau. Es sei auf die letzte Aufführung von „Schneider Wibbel" am kommenden Freitag im Abonnement besonders hingewiesen. — Die „Tell"-Aufführung für Schüler am kommenden Samstagnachmittag ist ausverkauft, dagegen sind für das Lustspiel „Die Tür ins Freie" am Sonntagnachmittag noch Plätze in allen Preislagen vorhanden. — Am Sonntagabend wird zum ersten Male nach dem Künstlerfest die Operette „Die Csardasfürstin“ wiederholt. Landkreis Gießen. ri. Niederbessingen, 8. März. An Altersschwäche starb hier Heinrich KlöS II., ein Veteran des Jahres 1866 und Mitbegründer des hiesigen Kriegervereins. Om Kriege übernahm er trotz seines Alters nach dem Tode des Bürgermeisters daS OrtS- gericht. Dem Kirchenvorstand gehörte er ein volles Menschenalter lang an und hatte seit längeren Jahren darin das Amt des ausführenden weltlichen Mitglieds. Unter allgemeiner Teilnahme wurde er beerdigt. Kreis Büdingen. a. Wallernhausen, 7. März. Die Vereinigung der Dorfkirche hatte für heute zu einer Tagung der Kirchenvvrsteher nach hier eingeladen. Daß man gut in der Wahl des schön und günstig gelegenen Ortes das Richtige getroffen hatte, bewies die außerordentlich starke Beteiligung. Weit über hundert Gäste aus der nächsten und weiteren Umgebung — zumeist Kirchenvorsteher — hatten sich eingefunden. Die Tagung wurde kurz vor 11 Uhr mit einer Andacht in der Kirche, die bis auf den letzten Platz besetzt war, durch Pfarrer Rühl-Wingershausen eröffnet. In wirkungsvoller Ansprache wies er auf die Wichtigkeit und Bedeutung der zeitgemäßenZusammen- kunft hin. An den Gottesdienst, der durch zwei Lieder des gemischten Chores unter Leitung von Lehrer K a i s e r-Wallernhausen verschönt wurde, schloß sich tn der Kirche der erste Dortrag von Pfarrer Georgi- Ermenrod an. Er sprach über das allgemeine Priestertum aller Gläubigen in seiner Bedeutung für jeden. Seine volkstümlichen und darum allgemein verständlichen Ausführungen gipfelten in dem aus dem Leben des Heilandes erbrachten Nachweis, daß für evangelische Christen der Dienst aller an allen allgemeines Priestertum bedeutet. — Nach der Mittagspause, in der die auswärtigen Teilnehmer Gäste der Wallernhäuser Familien waren, begann um 2 Uhr im Saale von Heinrich Walther die Nachmittagsversammlung, die ebenfalls sehr stark besucht war. Auch hier wirkte der gemischte Chor und der Mädchenchor mit Pfarrer Scriba- Eichelsdorf, der eifrige Förderer der Dorfkirchensache, hielt als Vorsitzender der Vereinigung der Dorfkirchenfreunde die Begrüßungsansprache. Er dankte zugleich der Gemeinde, die sich so gastfrei gezeigt, dem Ortsgeistlichen Pfarrer Strack, der Die Tagung so vorzüglich vorbereitet und dem Gesangverein, der sich so bereittoillig in den Dienst der Tagung gestellt Nachdem noch Bürgermeister S ch 1 e u ni n g im Namen der politischen Gemeinde einen Willkommgruß entboten hatte, ergriff Pfarrer Georgi zum zweiten Male das Wort, da der für den Nachmittag vorgesehene Redner, der bekannte Vollsmann Heinrich Naumann- Nanzhausen wegen plötzlicher Erkrankung am Erscheinen verhindert war. Anknüpfend an feinen Vortrag in der Kirche behandelte er das Thema: Das allgemeine Priestertum des Christen in seiner Bedeutung für den Dienst des Kirchenvorstehers tn feiner Gemeinde. Vom Dienst der Kirchenvorsteher sprach er im Anschluß an die für Hessen gültige Einführungsformel bei deren Verpflichtung. Zur Erfüllung der dort angeführten Pflichten und damit zum lebendigen Dienst in der Gemeinde solle die heutige Tagung die Kirchenvorsteher, die Helfer des Pfarrers sein sollen, aus- „Und das solltest du dir auch' vor Qiagen halten, Ellen, anstatt Dummheiten zu treiben.“ „Warum sagst du denn nicht als Schluß deiner Rede, Mutter ist so schrecklich gut?“ spottet- Ellen. Es war deutlich zu sehen, wie es tn Mögens kochte, aber er beherrschte sich. „Wenn Mogens das sagt, hat er sehr recht,“ meinte Orla gutmütig; „denn das ist Mutter auch. Kann ich noch eine Taffe Tee bekommen?“ „Tas ist ein albernes Gerede, von der Gut- heit einer Mutter zu sprechen," rief Ellen eifrig. „Eine Mutter muß doch gut sein. Uebrigens ist Mutterliebe nichts als eine hübsche Art von Selbst sucht.“ „Täese Art von Selbstsucht hast du dir heute sehr zunutze gemacht!" brauste Mogens auf. „Du haft lauter Mittelstücke vom Fisch gegessen und hast Mutter die Kopfstücke gelassen." „Mutter ißt die Kopfstücke gern.“ „Es gibt keinen Menschen, der die Kopfstücke gern ißt,“ erflärte Mogens bestimmt. „Du hast doch selbst auch ein Kopfstück genommen!" rief Ellen frohlockend. „Ja, das war — das war —“ „Du hast nur dem guten Beispiel gefolgt, nicht wahr, Mogens?" schloß der Hauptmann und nickte seinem jüngsten Sohne zu, und feine Stimme klang jetzt ganz weich und miG>. „Ach, sie schmecken gar nicht so sehr schlecht," murmelte Mogens. „Siehst du!" spottete Ellen wieder. „Aber die Mittelstücke sind doch die bestenI" fuhr Mogens auf. „Ich danke für Tee. Darf ich ausstetzen?" Und er floh eiligst aus dem Zimmer. (Fortsetzung folgt.) rufen. Der Dienst beS KtrchenvorstehcrS an der Gemeinde müsse heraussliehen aus dem Gedanken: „Alles, was ich tue, ist Gottesdienst." Aach diesem mit grobem Beifall aufgenommenen Bortrag setzte unter der Leitung des OrtspjarrerS eine sehr lebhafte Aussprache ein, an der sich die Kirchenvorsteher D ö l l - Ulfa, Lehrer Hof - man n-Bübingen, Bürgermeister Len z-Tffolder- bach, ein Kirchenvorsteher aus Langsdorf, Präsident RieS vom Gesangverein Wallernhausen sowie neben dem Referenten die Pfarrer Laut - Ribda, Römer-Ulfa. Raumann-Schwickartshausen und W e i d n e r-Ober-Lais beteiligten. Auch diese Aussprache brachte noch manche wertvolle Anregungen, die neben den Borträgen ihr Teil mit dazu beigetragen haben, dab der Zweck der Tagung, sich gegenseitig zu stärken und zu fördern in der Arbeit an den Gemeinden, bei treuer Pflichterfüllung sicherlich erreicht wird. Um 5 Uhr war die Tagung beendet. — Diese erste Zusammenkunft der Kirchenvorsteher — auf Be- schlust der Rachmittagsversammlung soll in Zukunft jedes Jahr eine Tagung stattfinden hat einen schönen Verlauf genommen. Die Dorfkirchenfreunde können auf sie mit Stolz und innerer Befriedigung zurückblicken, auch deshalb, weil auch sie gezeigt hat, baß das Bedürfnis nach Religion in weiten Kreisen unseres Landvolkes noch da ist oder wieder erwacht ist. Möge dieses Bedürfnis bleiben, möge es zunehmen in Dorf und Stadt! Kreis Lauterbach. ZX Lauterbach, 8. März. 3n der Villa des verstorbenen Baurat Diehm. der bis zu feiner Versetzung in den Ruhestand in Gießen tätig war, wurde ein s chwere r Einbruch verübt. Die Diebe entwendeten Kleider, Geld und Wertsachen. ZI Lauterbach. 8. März. Der Landwirtschaftliche Verein für den Kreis Lauterbach hielt unter dem Vorsitze des Kreis- ratS von Werner in der Burgwirtschaft eine Versammlung ab, die der Förderung des Obstbaues gewidmet war. Obstbauinspektor Wiest- n e r sprach über Pflege des Obstbaues und die Obst Verwertung. Cr gab die Obstsorten, besonders Aepfel und Dirnen, bekannt, die sich nach den angestellten Versuchen zur Anpflanzung im Vogelsberg und im Schlitzerlanbe am besten eignen. Vor allem stellte er fest, dast die viel verbreitete Meinung, der Vogelsberg eigne sich nicht zum Obstbau, und bringe keine nennenswerten Erträge, falsch sei, man müsse nur die rechte Sorte wählen. Besonders empfiehlt er spät blühende Sorten. Gutspächter Geyer sprach über die verschiedenen Arten der Obslweinbereitung, wie Apfelwein und Beerenwein. Starkenburg und Rheinhessen. * Mainz 8. März. Ein verbrecheri- scherAnschlag. 3n einer Fabrik in Mombach, die Gleisanschluß an die Staatsbahn hat, wurde die Weiche zum Hauptgleis mit einem starken Gisendraht festgebunden. Zum Glück wurde der verbreche rische Plan noch rechtzeitig entdeckt, sonst hätte leicht ein gröberes UnglücE eintreten können. Die Ermittelungen sind im Gange. Hessen-Nassau. • Frankfurt a. M., 8. März. Bei Anstreicherarbeiten auf einem Hängegerüst in einer der groben Hallen des Hauptbahnhofs stürzte ein Weißbinder namens Isenborb aus Westfalen aus 25 Meter Höhe in die Tiefe, wo er mit gebrochenen Gliedern liegen blieb. Der Unglück- liche lebte zwar noch, als man ihn im Krankenhause ablieferte, doch ist er dort bald danach gestorben. spd. Frankfurt a. M., 8. März. Rach Beseitigung aller Schwierigkeiten verwaltungstechnischer Art, die der Errichtung des ersten deutschen Hochhauses entgegenstanden, ist heute mit den Vorarbeiten auf dem Festhallengelände begonnen worden. An dem Riesenbau, der in zwei Jahren vollendet fein soll, werden mehrere hundert Arbeiter Beschäftigung finden. ][ Marburg, 8. März. Die infolge der Zettverhältnisse seil Jahren zurückgestellte Frage der Einrichtung eines großen Sportplatzes für die Universitäts- und Stadtjugend auf dem Gelände der Hensel- Stiftung im Hirsenfeld beschäftigte gestern stundenlang die Stadtverordneten. Die Gesamtkosten sind mit 639 000 Mk. berechnet, von denen 404 000 Mk. die Universität und 235 000 Mk. die Stadt aufbringen soll. Bei der Aussprache wurde gesagt, daß die größeren Vereine sich mittlerweile eigene Sportplätze zugelegi und für die sonstige Stadtjugend, für die eigentlich die Stiftung gewesen sei, doch nicht mehr viel übrig bleibe. Rach eifriger Befürwortung seitens des Magistrats wurde die Vorlage abgelehnt. (Siebener Stadttheater. „Der keusche Lebemann." Sieben, 9. QHärx 1922 Es ist nicht alles Gold, waS--aus Berlin kommt: auch nicht dieser Schwank der Herren Franz Arnold und Ernst D a ch Die Verfasser haben eine 3dee gehabt: Sin dem übermodernen Fräulein Gerth Seibold nicht genehmer weil zu uninteressanter Freier soll ihr begehrenswert gemacht werden dadurch, bah man ihm ein .Vorleben" schafft. Das hätte den Stofs für eine scharfe Satire auf unsere Zeil, für ein fein- geschliffenes Lustspiel geben können: die Autoren haben einen reichlich platten, nur, aber auch nur mit rein äußerlicher Situationskomik arbeitenden Schwank daraus gemacht und sind, wenn ihr Machwerk trotzdem gefallen soll — es muh fürchterlich langweilig fein, diesen Schwank zu lesen - auf Gnade oder Ungnade den Darstellern auggeliefert * Es ist erfreulich, seststellen zu können, dah gestern der Wert der Darstellung im umgekehrten Verhältnis zu dem des gespielten Stückes stand. Um die ausgelassen frohe Stimmung der Zuhörer und ihren reichen Beifall zu verstehen, genügt es, drei Ramen zu nennen: Oskar Fe i - gel. Rudolf Goll und Karla Keller. Feigels zwerchfellerschütternde Komik und Golls gewinnenden, mehr innerlichen Humor muh man gesehen haben, kann man nicht.schildern: Karla Keller lernte man von einer ganz neuen Seite kennen: sie zeigte, dah sie auch für heiteres Spiel den rechten Ton treffen kann. Else Koop und Luise Sammel, Georg Heding und Wladimir Brandes bemühten sich im Verein mit den Genannten mit gutem Gelingen um ihre Rollen. . Die Aufführung war kein Erfolg für die Berliner Schwankfirma Arnold und Dach, wohl aber einer für die Mitglieder unseres Theaters, die gestern eine verlorene Sache retteten. —r. Vermischtes. Zu Tode geprügelt? Derlin, 9. März. Der „Lokalanzeiger" berichtet aus Halle a. S.: Der Schisser Friedrich Garz, der wegen Trunkenheit von der Schupo festgenommen wurde, ist angeblich von den Beamten derartig verprügelt worden, dah er am nächsten Tage starb. Die Polizeiverwaltung hat die Staatsanwaltschaft, die Regierung und das Polizeipräsidium in Magdeburg von diesem Vorfall verständigt. Ein Unglück infolge des Sturmes. Erkrath, 8. März. (WTB.) Die Mauer der kürzlich durch einen Brand teilweise zerstörten Chamottefabrik ist heute infolge des herrschenden Sturmes auf eine Arbeiteraufenthaltshütte herabgestürzt und hat zwölf Arbeiter, die in der Hütte ihre Mittagspause hielten, unter s i ch begraben. Acht davon, meist Familienväter, konnten nur als L e l ch e n geborgen werden. Von den übrigen vier find zwei schwer verletzt. Einer davon ist seinen Verletzungen auf dem Transport zum Krankenhause erlegen. Die letzten beiden sind leichter verletzt. Kirchliche Nachrichten. 3fraeL2teIigiondgcmeinbe. Gottesdienst in der Synagoge (Subanlage). Samstag 11. März 1922. Vorabd. 6. Morg. 9. Abds. 6.30 und 7.10 Uhr. ( Israel. Religions - Gesellschaft. Dabbatseier. 11. März 1922. Freitag abd. 5.55. Samstag Dorrn. 8.30. Rachm. 3.30. Sabbataasgang 7.10. — Wochengottesdienst: morg. 6.45, abds. 5.30. — Montag abd. 6.15. — Dienstag früh 6.15 Uhr.-- Handel. Derlin, 8. März. Börsen st immungs- b i l d. Die gestern für die lustlose und abwartende Haltung angeführten Gründe beeinflußen auch heute die Kursgestaltung uneinheitlich. DieGrund- ftimmung war aber wesentlich freundlicher. Die Kurse selbst bekundeten, obwohl überwiegend niedriger, im Verlaufe entschiedene Widerstandsfähigkeit gegen weitere Rückgänge. Die Einbußen betrugen durchschnittlich 40 Proz., am Montanmarkt vereinzelt 50 Proz. und gingen nur bei einigen wenigen Papieren über diesen Satz hinaus. Daneben war aber für eine ganze Anzahl Papiere Kursbesserungen im ungefähren Ausmaße von 30 Proz. und vereinzelt Darüber festzustellen. Bemerkenswert ist die feste Haltung einzelner Kalipapiere, von denen bei großen Umsätzen deutsche Kaliaktien 225 Proz. und Ronnenberg über 200 Proz. auf starke Käufe einzelner Firmen fliegen. Diese Bewegung hängt anscheinend mit der noch lange nicht zum Abschluß gekommenen Zusammenschluhbestrebung und Ausgestaltung einzelner führender Gruppen zusammen. Weiterhin unterlagen die Kurse bei unverändert stillem lustlosen Geschäft nur geringen Veränderungen. Das Publikum beteiligte sich in geringem Umfange und beschränkte sich in der Hauptsache auf Käufe und Verkäufe in einzelnen beliebten Papieren am Einheitsmarkt, wo infolgedessen die Kursbesserungen und Rückgänge sich ungefähr die Wage halten dürften. Auch Schiffahrtsaktien waren mit Ausnahme der wesentlich niedrigeren Hamburg-Südamerikaner still. Die Devisenpreise zeigten bei kleinen Umsätzen keine wesentlichen Veränderungen. Frankfurt a. M., 8. März. Börsen- st i m m a n g s b i I d. Die Haltung der Börse war zunächst ungleichmäßig, im späteren Verlaufe war eine mäßig gebesserte Stimmung zu erkennen, da auch Rückkäufe vorgenommen wurden, wodurch sich Kurserhoyungen einfiellten. BaS Geschäft war wenig lebhaft, da immer noch die Lage des Geldmarktes an der Börse Sorge macht. Dir ausländischen Zahlungsmittel waren im Früh- verkehc fest. Der Dollar fing mit 259 an and stellte sich in der ersten Stunde auf 260, 258 bis 261. Dalutapapiere mäßig schwächer. 3m freien Verkehr war die Stimmung schwach. Hansa Lloyd 340, Dtfche. Petroleum 1950, Ufa 305—300, Benz 710— 690. Die variablen Werte lagen im allgemeinen still. Ehern. Aktien meist gut preis haltend. Elektrvpaplere neigten zu mäßiger Befestigung. Schisf.-Aktien gesuchter. Die Tendenz blieb im Verlaufe unregelmäßig: aber vorwiegend behauptet. Privatdiskont 4l/j Prozent. Frankfurt a M., 9. März Börsenkurse. Frankfurt Berlin Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- Kurs Kürs Äurd Kurs Datum: 7.3. 8.3. 7.3. 8.3. S'/.Dtsch.KriegSanl. 77,50 77,50 77,50 ?7,50 4°,Dtfch. Reichsanl. 91,- 90,- 90,25 90,50 3°/<»Dtsch. Reichsanl. 119,50 119,50 120,- 120,- 4e/0 Preuh. Konsols 74,50 74,50 74,75 75 - Hainburg-Paketf.. . 535.- 537,- 534,- 535,- Rorddeiitscher Lloyd 409,— 412,- 410,- 4u» — Eomm.u.Privatbank 342,- 340,— 346, - 341,- Darmstädter Dank . 332,- 334,- 335,- 332*50 Deutsche Bank . . . 565,- 585,- 563,- 55b'- Disconto-Gesellschaft 483,- 484,- 484,- 484'50 Dresdner Bank. . . 366,- 365,— 372 - 372 - Witteld.Ereditbank. 316,- 315,- 316'- 312*- Rationalbank f. D.. -,- 338,- 344,— 342*- Doch. Gußstahlwerke -,- —1214*- 1150* — Bud.-Eisenw.-Akt.. 995,- 1000 - 1009,- 1000 - D.-Luxemb. Bergw.. 1125,- 1130,- 1125,- 1106 - Gelsenkirch. Bergw.. 1160,- 1105*- 1140,- 1100,- Harpencr Bergbau. l?90 - 1775 - 1805,- 1730*- Oberschl. Eisenb.-B. 1240,- 1205, - 1220,- 1150,- Ooerschles. Cisenind. 1030 - 1000, - 1020,— 980,- Phönik-Bergb.-Akt. 1259,- 1233,- 1249,50 1200,- Bad.Anilin-u. Soda 725,- 723,- 740,- 725,- Höchster Farbwerke. 710,- 700*- 700* - 690,- Allg. Elektr.-Ges. . . 860,- 880,' - 870,- 865,- Felten L Guilleaume 1160, - 1180,- 1180,- 1190,- Schuckert-Werke. . . 790,- 785,- 775,— 760,- Adlerwerke......590,- 675^- 625.- 565,- Daimler....... 550,- 555,- 557,- 551,- 4 , Hess. Staatsanl. 75.- 76,50 75,50 — Electron Griesheim 975,- 810, - 960.- 945,- Dtsche. Vereinsbank 248,75 246,- Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Brief Datum: 7. März. 8. März. Amsterdam-Rotterd. 9890,10 990),90 9865,10 9884,90 Brüssel-Antwerpen. 2232,75 2237,25 2162,20 2167*20 Christiania..... 4595,40 4604,60 4650,30 4659.70 Kopenhagen 5489,50 5500,50 5509,45 5520 55 Stockholm 6359,10 6866.90 6818 15 6831 86 HelsingforS 537,45 5d8*55 538,45 539*55 Italien........ 1348,651351,35 1278,70 1281,30 London 1143,85 1146,15 1136,361138,65 Reuyork 260,73 261,27 259,'<4 260,26 Paris 2352,60 2367,40 22u0,20 2294,80 Schweiz 6062,40 5072,60 5004,95 5005,05 Spanien 40^0,90 4090,10 4055 90 4064,10 Deutsch-Oesterr.. . . 4,03 4,07 3,98 4,02 Prag 423,55 424,45 422,55 423,45 Budapest 35,96 36,04 34,76 34.84 Buenos Aires . .. 97,40 97,60 95,15 96,35 Bulgarien ..... 174.80 175,20 174.80 175,20 Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Saturn: 1.7.14. 7.3. 8.3. Zürich Fr. 125.40 2,- 1,99 Amsterdam Fl. 59.20 1,01 1,13 Kopenhagen Kr. 88.80 1,85 1,85 Prag Kr. 117.80 23,95 23,76 Stockholm Kr. 88.80 1,48 1,48 Wien Kr. 117.80 2622,- -,- London Sh. 97.80 5.65 5,70 Paris Fr. 125.40 4,30 4,4q Reuyork $ 2L80 — ,39 -.38 Züricher Devisenmarkt. 8. 3. 9. 3» Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. = 195.25 195.25 Deutschland 100 Mk. = 1.98 2,04 Wien 100 Kr. — 0.08 0.08 Prag 100 Kr. = 8.40 8.35 Paris 100 Fr. = 46.16 46.15 London ....... \ £ =- 22.51 22.50 Italien 100 2. ---> 26.70 26.15 Brüssel 100 Fr. « 43.26 43.25 Budapest 100 Kr. — 0.70 0.68 Reuyork 100 $ --- 514.- 514.75 Agram 100 Kr. — 1.70 1.726 Warschau 100 Kr. --- 0,11 0,11 (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Die Konferenz für den nahen Osten. London, 8. März. (WTB.) Die„Times" berichten, daß die Zusammenkunft der Außenminister Englands, Frankreichs und Italiens zur Erörterung der Fragen des nahenOstensam2 2. März in Paris stattfinden werde. Man erwarte, daß Zufsuf Kemal Dey, der Außenminister der nationalistischen Regierung, der soeben in Paris eingetroffen ist, nur einen Tag in Paris verbleiben und bann feine Reise nach London fort» fetzen werde, um in Fühlung mit der britisch«. Regierung zu treten, bevor die Konferenz für den nahen Osten stattfinde. Verschiebung der Sachderständigenkonserenz. Paris, 8. März. (WTB.) Wie der .P e t i t Parisicn" mittcilt. hat die italienische Regierung von der britischen Regierung verlangt, den Begin n der Beratungen der S ach v c r- ständigen der Alliierten zur Vorbereitung der Konferenz von Genua vom 13. auf den 2 0. März zu verlegen. Eine Entscheidung hierüber werde heute oder morgen getroffen. Die englische Ministerkrise. London. 8. März. (WTB.) .Daily Cpro nie le" schreibt in einem Leitartikel, bie Ministerkrise habe entschieden ctnxi5 nachgelassen. Sie werde sich vielleicht wiederholen, wenn es jedoch in der Mach, der Minister liege, so werde das nicht vor Schluß der Konferenz von Genua geschehen. London, 8. März. (WTB.) Der politische Berichterstatter deS „Daily EhronicIc ' schreibt, die Stellung l>er Koalition sei durch Balfurs gestrige Rede nicht gefestigt worden. Sogar die meisten Konservativen seien durch die Rede enttäuscht. Balfour habe den Unruhestiftern im unionistischcn Lager keine Zurückweisung erteilt. Lord Rorthcliffs Propaganda. Berlin, 7.März. (WTB.) Zu der Anfrage im englischen Unterhause, wie sich die englische Regierung zu der antibritischen und antifranzösischen Propaganda stelle, die der deutsche drahtlose Pressedienst angeblich von Rauen aus über die ganze Erde verbreite, teilt die Transocean G. m. b. H. mit: Die Anfrage im Unterhause entsprang offenbar einem von der Presse Rorthclisfes hervor- gerufenen Irrtum. Einen deutschen drahtlosen Propagandadienst gibt es nicht. Der von Rauen in deutscher und englischer Sprache ausgehende Pressedienst Transocean G. m. b. H. ist lediglich von journalistischen Gesichtspunkten aus zusammengestellt und dazu bestimmt, die Vertreter der Transocean in den entfernt gelegenen, vor allem den überseeischen Ländern, sowie andere an ben Rach richten interessierte Organisationen unb Einzelpersonen über bte wichtigen Vorgänge in der Politik unb Wirtschaft zu unterrichten. Gerade auf die tendenzfreie Objektivität in Form und Inhalt dieser Rachrichten ist es zurückzuführen, daß der Dienst auch von fremdsprachigen Zeitungen überall im Auslande und auch auf nichtdeutschen Schiffen aufgefangen und verbreitet wird. Reue Kämpfe in Kleinasien. London, 8. März. (WTB) Die .Time berichten aus Smyrna, dah an der Eskischc- hir- Front der Kampf wieder ausgenommen worden sei. Es habe auf beiden Seilen Verluste gegeben. Kabinettswechsel in Spanien. Madrid. 7. März. (Havas.) Der König empfing nacheinander den Grafen Romanono, ben Marquis Alhucemas, sowie die Präsidenten der Kammer und des Senats und endlich Maura. Er hat sodann den Kammerpräsidenten Sanch:z G u e r r a, den Vorsitzenden der konservativen Partei, mit der Bildung des neuen Ka - binett« betraut. Sanchez ©uerra hat die Mission im Prinzip angenommen unb wird morgen vormittag 10 Uhr dem König feine endgültige Antwort geben. Die Notlage der Preffe. Berlin 7. März. (Wolff.) Die unaufhaltsam in bedrohlichster Weise sich weiter verschärfende wirtschaftliche Lage der deutschen Presse hat dem Verein der deutschen Zeitungsverleger (Herausgeber der deutschen Tageszeitungen) gezwungen, zum 18. März eine auhercröent iche Hauptversammlung nach Weimar einzuberufen, an der teilzunehmen er auch die ZeitungsVerleger bittet, die ihm nicht als Mitglieder angehören. In der Versammlung soll die Gesamtheit der deutschen Zeitungsoerleger Stellung zu der derzelligen überaus kritischen wirtschaftlichen Lage der deutschen Prelle nehmen und die Maßnahmen beraten, die geeignet sind, einer Zeitungstätastrophe vorzubeuqen, die unser nationales und wirtschaftliches Leben in feinen Grundlagen erschüttern muh. Es wird die bestimmte Erwartung ausgedrückt, dah die deutschen Zeitungsverleger in der Erkenntnis, daß es sich jetzt tatsächlich um Sein oder Richtsein der deutschen Presse handelt, möglichst zahlreich an den Verhandlungen teilzunehmen. Dr. Schleich gestorben. Berlin, 8. März. Der Arzt, Dichter, Künstler und Philosoph Geheimer Sanitätsral Dr. Karl Ludwig Schleich ist gestern in einem Sanatorium m Saarow-Piestow bei Berlin im 63. Lebensjahre gestorben. Schleich hat sich durch die Entdeckung der örtlichen Betäubung in der medizinischen Welt einen besonderen Ramen gemacht. Ein Zyklon. L o n d o n, 7. März. (Havas.) Rachrichlen aus Mozambique bestätigen, daß durch einen Zyklon in der Gegend von Chinde großer Schaden verursacht wurde. In den Depeschen wird von 56 Toten gesprochen, darunter sechs Weißen, im Bereich ber Konzession einer einzigen Gesellschaft. ♦♦♦♦♦ Die unterzeichneten Kaffeehausbesitzeru Konditoren iiiniiiiiiiiiiiiiiiii um im ii nun......111111111111 ""mm ii ii ii um ii ii ii ii in nun nm um um, t)„,nn sind durch die ständig steigenden Preise der Rohmaterialien sowie der allgemeinen Unkosten genötigt, auch ihrerseits eine Erhöhung der Preise öfofoeten zu lassen. Wir bitten die uns besuchenden Gäste und Kunden, hierfür Verständnis und wohlwollendes Verhalten zeigen zu wollen. Mit den erhöhten Preisen sind wir noch °lcht da angelangt, wie es die Kaffee-, Kohlen- sowie die übrigen enorm hohen Preise eigentlich erforderlich machen müßten. W1 W. Amend. Anton Geißner. H. Kettler. L. Keil. L. Doll. Carl Schneider. C.Wörner. J. Körner. L. Huber. O. Eckart. PhPF Aks lielerl in feiler geroünfdirra Ausstattung mitein u.orels- wert Oie Brüül ifije Uaiö.-3rudereu n Laase, ©legen Bnfch- und Hochftammroserr hat abAUflcben 02064 Moltkestraße 7. Vereinigte Handels- Lehranstalten GIESSEN Leiter: 2287a J. Kunzeimann Seltersweg 73. 2. Ma i Beginn d. neuen ■ Schuljahres. V Prospekt frei. J Habe noch einen Posten Wit^bstbälime und Johannisbeersträucher abzugeben. 02035 H. Gruber, Baumschule, W- Sllten-Buseck. Die glückliche Geburt einer Tochter geben bekannt Dr. Ludwig Alefeld, Nervenspezialarzt Felicitas Alefeld geb. Poly. Zwickau i. S. (Aeußere Plauensche Straße 17). Versteigerung, 02003 Freitag, den 10. März, von uachm. 2 Ubr ab, versteigere ich Brandgane 3: 1 Schlafzimmer, besteh. auS 2 Bettstellen m. Mair. u. 3ieiL Roßhaar- malratzen, 2 Nachttischen, 1 Waschtisch m. Marmor, alles poL, 1 zweitür. Kleiderschrank, ferner 2 SettfteO. m. Matr., 2 brelteiL Leearasmatr., 1 Divan, 1 Sofa, 1 achteckig. Tisch (neu), 1 Kichemisch (rund), l Gasherd (4flamm.) m. Bralosen, 2 Spiegel, 2 Bilder, 1 Lexikon- Gestell (neu), 1 Ladenlheke (2,20) m. Glaskast., 3 Paar Plüscb-Ueberqardinen. Majolika-Vasen u. Figuren, 1 Aufsatz, 1 Nähmaschine. 1 Kinderwag., 1 Automat, 1 Marmorwaschlisch, 1 Petroleumof., 1 Hängelampe, Borer. Siecheisen, Meisei, 2 Hobel u. viel Hausgerät, 2Zinkbütten,l Leiter, neue derbe Kindersch., Nr.24—28, Von llUhr abBestchtig. u.tetlw.Abg.z.TaxalionSpr. kj. Senner II., Auktionator und Carotor, ttrofd. Str. 9. Annahme von Versteigerungen all. Art, auch einzLtücke. £ erp entir wd re\/A Jede 100. Dose mit wertvollem (fesdietüt Chetn Wette Lubszynski öC9A-G 6ln iicMenbecg Vertreter geevchtl mit Handfilet- und Handklöppelarbeiten 2372a BmerFunge ».Lande Theodor Oppenheimer Gießen, den 8. März 1922. 02056 Kaffeedecken in reicher Auswahl 2373a lllllllllliillllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll^ zu verkaufen. 2388 2397 strahe 6. Sehr schöne, aut erhaltene eiserne Bettstelle gesucht. 02038 zu verkaufen 02039 AWg! WtM! S wenn möglich mit Bild, an Frau B. Stevban, ft' Hausertor- 2316D oder besseres Mädchen, das kochen kann u. Hausarbeit übernimmt, zum Ein gut erhaltener Einfpänn.-wagen zu verkaufen. Wieieck, Giehener Str. 34. 2394 2 Gießer können noch beschäftigt werden. Wo sagt Ilerso, Mitteldeutsche Annoncen-Exp-, Plockstrahe 5. [2390h Oberhessischer Geschichtsverein Er bietet den Mitgliedern: Unentgeltlich die vom 1. April ab monatlich erscheinende, reich illustr. Heimatzeitschrift „Hol über!“ (Buchhandcispreis 30 Mk.k sowie die „Mitteilungen“ des Vereins (demnächst Bd.24); Sonntags 11-1 Uhr freien Eintritt in den Museen, freien Zutritt zu den Vorträgen und sonstigen Veranstaltungen. Jahresbeitrag 10 Mark, für Gießener 12 Mark. A nmeldungen an Geheimrat Professor Dr. Behaghel, Gießen, Hofmannstr. 10, oder Studienass. Dr. Kunkel, Gießen, Liebigstr. 84. (Vergleiche den Artikel im lokalen Teil.) Gießen, den 8. März 1922. Die Beerdigung findet in der Stille statt. ' • . »erD Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinscheidens meines geliebten Vaters danke ich innigst im Namen”der ganzen Familie. Braver Zunge in die Lehre gesucht. 2303 Gg. Dabmer, Svengler- meister und Installateur, .langes MsMn für leichte Arbeit gesucht, este» Schirmfabrik Levi. Ständiges Lager von mehreren hundert Kaffeedecken Fritz Nowack WSschefabrik und Ausstattungshaus Heute früh ist unser herzensguter, treusorgender Gatte, Vater, Schwiegervater und Großvater Oberingenieur Ferdinand Voigt nach langem, schwerem Leiden im Alter von 76 Jahren sanft entschlafen. In tiefem Schmerz: Karoline Voigt geb. Dornseiff Bau rat Hechler u. Frau geb. Voigt Clara Voigt geb. Poseiner. = Wäschefabrik und = I Ausftattungshaus g lilllllillllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Aus unserer Gardinen-Abteilung: Madras-Garnituren vornehme dunkelgrundige Muster für Herren- und Speisezimmer Elegante Halbstores Wir bieten tüchtigen, mit allen vorkommenden Arbeiten her verfeinerten Möbelsabrikation vertrauten Kräften (auch Maschinenarbeit) aussichtsreiche Dauerstellung. Wir bieten auskömmliche Löhne u. gewandten Kräften schnelle Aussicht auf Vorarbeiter- und Meisterstelle. Krewinkel & Co. Aiegelpfad 19a :: Telephon 672 Tüchtiger, gut eingeführter Vertreter für den provisionsweisen Verkauf erstkl. Faser-ii.Papier-Bindläden in Stadt und Kreis Gießen, den Kreisen Wetzlar, Limburg/L., Marburg, Alsfeld, Schotten, Usingen, Friedberg, Büdingen, Biedenkopf, Oberlahn, und Dillkreis von Derkaufsorganisation einer größeren Bindfadenfabriken-Dereinigung f. sofort gesucht. Schrift!. Angebote unter 2272D an den Gießener Anzeiger zur Weiterbeförderung erbeten. Kolonialwaren! Tüchtiger, energischer, jüngerer Kaufmann aus guter Familie, branchekundig, für Bureau und evtl. Reise von Großhandelsfirma zum 1. April oder später gesucht. Junge Leute mit guter Bildung und gewandten Umgangsformen, welche auf Dauerstellung reflektieren, wollen ihre schriftlichen Angebote mit Gehaltsansprüchen unter 2389 an den Gießener Anzeiger einreichen. Bahnhofstraße 3-1 SST1c | Vermietungen | Pension Brandl bä - B.mtibl.Ztm.ir.SuUVerpfl. Gat möbl. Zimmer, los. be= ziehbar, z.v. Steinstr. 53p. Möbliertes Zimmer ohne Wäsche sofort zu , vermieten 02047 Liebigstratze 64 v. r. Link. möbl. Zimmer zu vm. 02065 Hammstratze 15. | Mietgesuche | In (tzietzen ob. n. Umgebg. 4-Zimmer-Wohn. zu mieten evtl, kleines Haus zu kaufen gesucht. Offerten an Albert Engelmann, Limburg a. d.Labn, Unt. Graben- Ezz Heute letzter Tag: W Der gelbe Diplomat Ab morgen bis inkl. Sonntag: Das Elite - Doppelprogramm V// Esther Garens in | Mm Munn Drama in 6 Akten. Ferner: Lya Mara jSX in der feinpikanten Komödie U Das mädel von Piccadilli 1. Teil: Brettl-Lady Wy (Nur 2 Teile). MM aus guter Familie ges. ZigmenhauS Loeb 239« Bahnhofstraße. Lackierer- Lehrling kann eintreten. 2361 Kaffenschrankfabrik Fr. Krogmann, Gietzen, Babnhofstr. 30. fast neu, zn verk. [02046 Launsbach H.-Nr. 179. 1 Leiterwagen 2 grotze Holzkoffer, ein Baar Llrbeitsschube (42) zu verkauf. Heß, 02059___Bahnhofstr. 20 v. erhaltene Nähmaschine sowie ein Yerren-Zahrrad preiswert zu verk. 02071 Näh. Stevbanttr. 39 II. Gasherde, neu und gebraucht, 1 Wringmaschine zu verk. 02070 Marburger Str. 22 H. 3 leere Weinfässer und 1 Wagen Mist mit gut. L-chulkenntntssen, welcher Lust hat, das SWee-Wnietl zu erlern., sucht ein. tiickt. Meister. Schr. Angebote unt. 2280 a. d. Gieh.Anzcig. Suche ver April für meinen Sohn (Prima- reife), 18 Jahre alt, ZI5“ Lehrstelle in Grohbandelsgeschäft ob. Groh-Drogcnhandlg. Schriftl. Angebote unter 017(10 an den Gien. Anz. I Verl^ufG | Vie Auftraggeber kleiner verkauft- Anzeigen werden cebtten, unter allen btt« artigen Dlugeboten ihr« Adresse (Strabe.Hauenumniernnd Stockwerkszuoeröffentlichen. Solidi« Adresse verdeckt bleiben, so wolle mau schriftliche Angebote unter der tUnjetgeiimimmer fordern, «ushunft iiber Adreff-n u. s. f. durch die EeschSstestelt- Mana nicht erteilt werden. MLMimadchen Stütze f. ruhigen BillenhauShalt z. 1. April gesucht. . 1813 3rau Dlreftor M. Bongaröl. ....... ow.„ Weilburg, HauS Bon- 1. Avril b. hohem Lohn ges. I Wetzlar, gardt, Adolfstrahe 7 a. ««t Babnhofstratze 731.1 Straße 36. Trinkaus, SelrerSweg. 1 noch gut erhalt. [UZOM Kinderwagen zu verk. Kaiserallee 30. Ebelstratze 13 I. Gartenhütte zu verk. Professor Brand, 02030 LudwigSvlatz 11. Ein gebt, zweipferdiger Göpel und ein Teil gebrauchte ViffAH verfch. Gröben, Elften zu verkaufen. Friedelbausen, Verwal- »2°,i ter Sekuviävr. 2-3 Anzüge für mittlere Figur, gut erhalten, zu verkaufen 02054 Kaiserallee 31. Freundliches, schön möbl. Zimmer evtl, auch zwei, in gutem Hause, mögl. Südviertel, von einem Ingenieur als Dauermieter gesucht.Gefl. Angeb. an Dr. Rennert, Stevhanitrahe 9. 02033 2 schön möblierte ruhige Zimmer m. 2 Betten gesucht. Schr. Ang, u. 02049 a. Gieh. Anz. Ig. Mann sucht zum 15. 3. möbl. Zimmer. Schriftl. Angeb. unt 02058 an den Gieh. Anzeiger. Eine Scheune für Heu u. Stroh aufzu- bewahren, zu mieten gesucht. Fr. Keßler, 02004 Neuenweg 33. | Wohnungstausch | Tausche mod. schöne 3-3immer- Wohnung gegen 5- bis 0 Zimm.-Wohu. Schr. Ang, u. 02066 a. Gieh. Anz. [Stellenangebote! Frauenarzt Dr. Koch, _____Westanlnge 20. Zum 1. Avril tüchtiges, zuverlässiges ZlmmerillaOchen gesucht. Studentenheim, 02037 Burggraben 9. Hausmädchen oder junges Mädchen zur Hilfe in all. Hausarb. gesucht sofort ob. später. Köchin vorhanden. 2370 Professor Heidebroeck, Darmstadt, Osannstr. 37. Zwei ordentliche ,««D Mädchen für Küche u. Hausarbeit ver sofort gesucht. Lohn 200 Mk. monatl. Alles frei. Caf6 Bismarck, Darmstadt, Rhetnstr. 35. Ordentliche-, fleitziacS Mädchen für Küche u. Haus gesucht. Caf 11 ■ 1111111111111 i i i Ludwig FUgs SonnenstraBe 20. gegen hohe Zinsen und Rückzahlung am 2. IV. 22. Schr. Angeb. unter 02044 an den Gieh. Anz. erbet. un diaben tüch- tig, sucht Heimarbeit am liebsten für Geschäft. Schriftliche Angebote unter02048 a. d. Gieh. Anz. Schneiderin nimmt noch Kunden an in und anher dem Hanse. Schriftl. Angebote unter 02043 an d. Gieh. Anz. erb. Kriegerwitwe nimmt Sachen zum Flicken und Ausbessern im Hause zu billigen Preisen an. 02067 Kreuzvlatz 6 III. Deutscher Schäferhund zugelaufen. Geg. Vergüt, abzugeben Klein-Linden, Frankfurter Str. 101. 0Mta | Vereine | SMwerkerblliid Mitgliederversammlung am Freitag, 10. März, 8Vi Uhr abends, im Gewerbebaus. Botfrag: „Mtüeltnehnieni.yrtieit- neuer im sonsrnerk." 2306v Der Vorstand. O10. IILSUhrSost. G im 1. 6r. 23sov Stadttheater Leltnnn: H. Staluncetter. Freitag, 10. März: 20. Freitag - A bon. -Vorst. Schneider Mdei. Anfang 7, Ende 9'/« Uhr. SSEIlF’ Nr. 58 Zweiter Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Donnerstag, 9. März 1922 • ~ — ■ '■■■■ ---- - ■ - — ' ......... -t ri Die Tätigkeit der Landesversicherungsanstcrli Hessen im Jahre 1920. Der von uns schon kurz erwähnte Derwal- runA-beiich! der £a id>"u ig£aiflalt Hessen für bas Gescha t_jah. 1920 liegt nunmehr vor. Ec gibt Kenntnis von einer außerordentlich groben Ärbeitsbewältigung und von einer mannig» faltigen, leguiä ddjen Lättgteit auf dem Gebiete der Volkswohlsayrt. 3n 1920 waren 8295 Anträge auf Invaliden- und Kranken-, Alters-, Witwen- und Waisenrente n.W i l w e n g e l d und Waisenausstcuer zu bearbeiten. Don diesen wurden 5981 bewilligt und 549 unerledigt in das 3abr 1921 übernommen. Dir übrigen Anträge fanden ihre Erledigung durch Ablehnung, Zurücknahme i?c3 Antrags, Erteilung eines An- wartscha.tsbesHcids u w. An Hinterbliebene von im Felde gefallenen Versicherten wurden bis ein- schließlich 31. mber 1920 bewi'l.gt: 6739 Wai- senrei.ten, 4989 A.iwartschaftsbe chnde, L92 W.t- wengelder. 224 Witwenrenten, 23 Wttwenkranken- tei.len, 61 Wai rnaussteuern. An zulammen 39 428 Rentenempfän- gc r trurLe.i in 1920 an Renten einschließlich Zulagen 14 978 777,22 Mk. gezahlt. Für Witwengeld und Waisenaussteuer -te'angten ins- aesamt 26 275,06 Mk. zur Auszahlung. Diesen Ausgaben stand nur eine Deilrags3nnahme von 8 575 188,95 Mk. gegenüber. Einen breiten Raum im Tätigkeitsbericht nehmen die freiwilligen Leistungen ein. Die Landesversicherungsanstalt Hessen hat hier das größtmöglichste getan und steht mit ihren freiwilligen Leistungen mit an erster Stelle bei den beut icben Versieh'vungsanstal en. 3m Geschäftsjahr 1920 waren 6739 Anträge aus Heilverfahren zu bearbeiten. Von diesen wurden 3845 bewilligt, 1699 sanden ihre Erledigung durch Ablehnung bzw. auf andere Art, 1195 wurden als unerledigt in das Hahr 1921 übernommen. Eine Heilbehandlung baten 1522 Personen durchgemacht; davon waren 830 an Lungen- und Kehlkopftuberkulose, 7 an Knochen- und Gelenktuberkulose, 19 an Lupus und 666 an sonstigen Krankhrnten erkrankt. Die Aufwendungen für diese Heilverfahren betrugen 1920 bei 85 887 Pflegetagen 1 713 368 Ml. Erfolg halte das Heilverfahren in 1376 Fällen, keinen Erfolg in 104 Fällen: ohne normalen Abschluß der Kur wurden 42 Erkrankte mit 629 Pflegetagen entlassen. An sonstigen Heilverfahren wurden 2323 durchgeführt, von denen 2299 auf Zahnersätze und 24 auf künstliche Glieder, Stützapparate und dergleichen entfallen. Der Gesamtaufwand hierfür betrug 266 384 M. Die 3nvalidenheimpflege umfaßte 74 Personen (38 Männer unb 36 Frauen), die in 9 3nvalidenstattonen untergebrach! waren. Der Aufwand der Landesversicherungsanstalt hierfür belief sich nach Abzug der Erstattungen (Renten, Zuschüsse usw.) bei 8693 Pflegctagen aus 65 155 Mark. (3m Jahre 1919 bei 9241 Pflegetagen 28 986 Mk.) Sie in den Kriegsjahren begonnene Für - forgetätigleit für tuberkulöse und ltuberkulosebedrohte Angehörige von Versicherten und von Kriegsteilnehmern wurde im Jahre 1920 erfolgreich weiter geführt und auf nichtversich.rte Tuberkulöse ausgedehnt. Auch in diesem Berichtsjahr ist eine Steigerung in der Zahl der behandelten Personen zu verzeichnen. Hierdurch und durch die Erhöhung der Pslegesätze in den einzelnen Anstalten wuchs die Ausgabe ganz erheblich. Während die Durchführung der Kuren im Jahre 1919 eine Ausgabe von 194 612,42 QUarf erforderte, stiegen die Aufwendungen der Landesversicherungsanstalt für diese Zwecke im Jahre 1920 auf 415 073,66 All. Sie Zahl der in Kur befindlichen skrophu - losen und tuberkulofebedrohten Kinder flieg von 1550 in 1919 auf 2316 im Jahre 1920. Sie waren untergebracht in den Kinderheimen Haus Sonnenblick, Haus St. Georg, Ket- telerheim und Elisabethhaus in Dad-Rauheim, j»au£ Burgwald bei Eberstadt, Haus Martin- Magsaam in Wimpfen, im Kinderheim des Kath. Krankenhauses in Lorsch und in der Kuranstalt Kuppelsmühle bei Dad Orb. Die Kurerfolge toaren öurdjtoeg befriedigend. Die Gesamtausgabe für drese Kuren betrug 610 990,38 Mk. Sie Unterbringung von an Tuberkulose erkrankten Kindern erfolgte hauptsächlich in den von dem Heilstättenvercrn für Hessen in Darmstadt eingerichteten Kinderheilstationen in Lampertheim, Hirschhorn und Wold-Michelbach. Eine kleine Zahl von Kindern wurde im Diakonissenhaus in Bad Ems, in der Prof. Sr. Dulprusschen Klinik in Heidelberg, im Sonnen- und Solbad-Sanatorium Rappenau und im Elisabethenstift Darmstadt untergebracht. Es wurden 168 Kinder, darunter 39 Wais enrentenempfänger, an 14 400 Pflegetagen in Kur genommen. Der hierfür von der Landesversicherungsanstalt verausgabte Betrag belief sich auf 50 054 Mk. Zur Ermöglichung von Lungenheilstät- l e n l u r e n und Invalidenheimpflege für nicht oder nicht genügend versicherte tuberkulöse Männer und Frauen leistete die Landes- Versicherungsanstalt erhebliche Zuschüsse. Es wurden in 1920 73 Erwachsene, die keinen Anspruch an die Landesversicherungsanstalt hatten, in Lungenheilstätten und 3nvalidenheime eingetoiefen. Insgesamt wurden für diese Personen an Zuschüssen 28 291,50 Mk. ausgewandt. Im Berichtsjahre wurden in Hessen drei Krüppelberatungs st elfen errichtet, und zwar in Darmstadt, Mainz und Gießen. Zu den Kosten der Maßnahmen zur möglichsten Snt° krüppelung leistete die Landesversicherungsanstalt in 18 Fällen Zuschüsse. Den Fürsorge stellen für Lungenkranke gewährte die Landesversicherungsanstalt zur Bestreitung der Kosten von sogenannten kleineren Fürsorgernahnahrnen (Beschaffung von Rahrungs- und Stärkungsmitteln, von Betten und Bettzeug, Gewährung von Mietzuschussen usw.) Beiträge in Hohe von 22 103 Mk. Sie Gesamtausga den für Heilverfahren, Invalidenheimpflege und Fürsorgetätigkeit belaufen sich für die Landesversicherungsanstalt auf 3 333 692,78 Mark. Sie gesamten Einnahmen und Ausgaben der Landesversicherungsanstalt Hessen in 1920 balancieren mit 21 282 442,53 Mk. Das Reinvermögen am Schlüsse des Geschäftsjahres betrug 37 022 191,23 Mk. Am Schlüsse des Geschäftsjahres 1919 waren 41 602 275,08 Mk. Reinvermögen vorhanden. Der Dermögensbestand hat sich also um 4 580033,85 Mk. verringert. Diese ungünstige Dermögensentwicklung trat aber nicht nur bei der Landesversicherungsanstalt Hessen, sondern bei allen Versicherungsanstalten in Erscheinung. Da sich im Jahre 1921 die Ausgaben weiter gewaltig erhöhten, hat der Reichstag, um eine Sanierung der finanziellen Lage der Landesversicherungsanstalten herbeizuführen, durch Reichs- gesetz vom 23. Juli 1921 ab 1. Oktober 1921 eine Erhöhung der Beiträge beschlossen. Ob das Gesetz die Erwartungen erfüllt und die Möglichkeit gibt, die freiwilligen Leistungen zum Wohle der Versicherten nicht nur fortzusetzen, sondern noch weiter auszubauen, wird sich erst im Jahre 1922 zeigen. Präsident Reumann. Die Aussprache nach Rathenaus Rede. Im Hauptausschuh des Reichstags folgte auf Rathenaus Rede folgende Aussprache: Abg. Dr. Hoetzsch (Sn.) hob hervor, daß das Programm, das der Reichsminister Dr. Rathenau für die Konferenz von Genua entwickelte, zu unklar und unbestimmt gewesen sei. Abg. v. Rheinbaben (D. Vpt.) erklärt, mit Befremden habe er gesehen, daß in den letzten Wochen von gewissen und gerade der Regierung nahestehenden Seiten mit der Konferenz von Genua geradezu Popanz getrieben werde. Er stehe der Konferenz skeptisch und kühl abwartend gegenüber. Er glaube, daß das Entscheidende für die Losung des Reparationsproblems auf anderem Wege gesucht werden müsse. Abg. Dr. D r e i t s ch e i d (älnabh.) erklärt, die Erfüllungspolitik des gegenwärtigen Kabinetts habe seine Partei im wesentlichen immer unterstützt. Redner wünscht Auskunft darüber, wie sich der Außenmiirister die diplomatischen Beziehungen zu den Randstaaten und das Verhältnis zu den Staaten der Kleinen Entente denke. Abg. Dauch (D. Vpt.) meint, die Regierung habe stets die wirtschaftliche Kraft des deutschen Volkes überschätzt. Die Politik Wirths suche den Ruin Deutschlands durch Abwendung der Gewalttaten von außen zu vermeiden: sie scheine aber nicht zu erkennen, daß dadurch der Ruin von innen herausbeschwore.i werde. Abg. Dr. Haas (Dem., erklärt, seine Partei habe den Wert des Wiesbadener Adtommens von vornherein darin erblickt, daß es dazu beigetragen habe, die Atmosphäre zu verbessern und die Welt mehr und mehr zu der Erkenntnis zu bringen, daß man mit den Methoden von Versailles und London nicht weiterkrmme. Abg. Müller (Soz.) hofft, daß die Konferenz von Genua Deutschland weiterbringe. In der Frage der Kriegsschuld könne Deutsch.and nur dann einen Erfolg in der Welt haben, wenn es einen Teil der Schuld zugebe, namentlich gegenüber Belgien. Die Alleinschuld Deutschlands werde von der SPD. nicht behauptet. In Erwiderung dieser Ausführungen meinte Rathenau, in der internationalen Diskussion habe jetzt eine große Bedeutung gewonnen nicht die Frage: »Was kann erfüllt werden?", sondern: „Was darf erfüllt werden?" Rathenau fügte dann seine gestern schon be- lanntgegebcnen Ausführungen hinzu. Schwurgericht. Gießen, 7. März. Heute stand der Gastwirt Eduard Traut aus Praunheim wegen Verleitung zum Metn- e i d vor den Geschworenen. Der Anklage lag folgender Tatbestand zugrunde: Traut war von dec Köchin Barbara K. aus Mainz als Vater ihres außerehelich geborenen Kind s in Anspruch genommen worden. Er gab zwar im (ivilprozeß zu, daß er, obwohl verheiratet und Vater von 4 Kindern, mit der K. innerhalb der maßgebenden Zeit verkehrt habe, behauptete aber, das Mädchen habe auch noch mit anderen zu tun gehabt und benannte dafür den Bauhilfsarbeiter Andreas Wiegand in Vilbel als Zeugen. Dieser beschwor denn auch, was Traut behauptet hatte unb brachte dadurch die Alimen- tationsklage zu Fall. In einem demnächst wegen Cidesverlehung anhängig gewordenen Strafverfahren gab er reumütig zu, daß er einen Meineid geschworen und hierzu von dem Angeklagten Traut durch Hingabe eines Geldgeschenkes von 200 Mk. verleitet worden sei. Traut habe ihn bestürmt, er müsse ihn heraas- schworen, sonst müsse er ins Wasser gehen, er müsse sich vor seiner Familie schämen und bergt, mehr. Wiegand wurde in der verflossenen Schwargetichtsperiode wegen Memeids mit Zuchthaus bestraft: heute nun sollte der Anstifter Traut abgeurtcilt werden. Obwohl Wiegand auch heute bei seinen, den Traut belastenden Angaben blieb, und obwohl der Sachverständige über den Geisteszustand des Wiegand bekundete, daß er zwar beschränkt, aber vollkommen vernünftig und glaubwürdig sei, sprachen die Geschworenen ein „R ich t s ch u l d i g" aus. Es waren eine große Reihe von Entlastungszeugen erschienen, die dem Angeklagten ein günstiges Zeugnis ausstellten. Wie wir erfahren, hat die Staatsanwaltschaft gegen das unerwartete Mrteil Revision beim Reichsgericht eingelegt. * , Gießen, 8. März 1922. Als dritte Sache stund vor dem Schwurgericht eine Anklage gegen die Hebamme Anna Katharina Schaub, verwitwete Schackeh. wegen Verbrechens gegen das keimende Leben. Sie soll im April 1921 in Friedberg der ledigen Martha Klinger aus Falkenstein i. V., die damals in Dad-Rauheim in Stellung war, gegen Bezahlung die Leibesfrucht abgetrieben haben. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat Schade. Die Angeklagte wurde aus dem Landeszuchthaus Marienschloß vorgeführt, wo sie bereits eine Zuchthausstrafe von einem Hahr wegen Lohnabirei- bung verbüßt. Sie war verteidigt durch Rechts- anwalt Dr. Meuser: die Anklage vertrat Staatsanwalt Sr. Ecker 1. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Rach mehrstündiger Verhandlung, in der neben verschiedenen Zeugen der Frauenarzt Medizinalrat Prof. Sr. Walther und Amtsarzt Sr. Schüppert als Sachverständige öemommen wurden, verurteilte das Gericht die Angeklagte zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr, die mit der früheren Strafe zu einer Gesamtzuchthausstrafe von einem Jahr sechs Monaten vereinigt wurde. Kirche unb Schule. ri. Hungen. 8. März Mn:cc dem Vorsitz non Dekan Engel- Oboorn^o.eu tag e hier bic Pfarrkonserenz des evangelischen Detanates, die durch eine von Pfarrer Weber- Treis-Horlofs ge.v.Itene kurze An Lacht eröffnet trurbe. Au er amtlich n Bespreckungn wur^e von Pfarrer Becke l-Sobel ein Vortrag gehalten, in dem ein lebendiges Bud von dem Leben und Wirken des echt deutschen Rürnbergcr ca.ufterd und Meistersingers Hans Dachs entworfen wurde. tz Ruppertenrod, 8. Marz. Wie in Ober-Obmen und Mnter-Seibertenrod so hielt Pfarrer Jung auch in hiesiger Kirche einen Lichtbildervortrag über .Ra isens Rord- prlarfahrt". Sie Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Lichtbilder gaben eine klare Anschauung von Rai s.ns 5er.d u g .,i j i Rächt unb Eis. Die Kollekte, die am Schlüsse des Vortages erhoben wurde, ergab den ansehnlichen Betrag von 130-140 Mk. Der MebeZeouß wird zum Besten der deutsch-russischen Kinder im Hungergebiet verwendet. Turnen, Sport und Spiel. — Sic Endspiele um die West- deutschc Fußballmeisterschaft nehmen am kommenden Sonntag ihren A ifang Teilnahme- berechtigt sind die fünf Gaumei ter und der oor- jäh.ice Verb ind mci er D u i s b u r g e rS p i e l- herein. Letzterer trifft in Dortmu >d mit dem Turn- und Sport-Verein 48 Kassel zusammen. Aus dem Platze der Sportfreunde Reuß begegnen sich Kölner Ballspielktub und Essener Turnerbund, während der Muster des W-estfalengaues, Arminia-Bielefeld, in Münster den Fußballverein 08 Duts- burg als Gegner hat. — Fußball-Städtekamps Hamburg-Berlin. Der 26. Mär; wird aus bie große Zu) 5 l grmcirb; in Deutschland besondere Anziehungskraft ausüben. Zu gleicher Zeit, wenn in Frankfurt a. M. die Ländermannschaften von Deutschland unö der Schweiz den Kampf auf- nehmen, stehen sich im Deutschen Stadion in Berlin die Städtemannfchaf'en von Hamburg und Berlin im trabitionellen Faßballtreffen gegenüber. 17 Kämpfe find zwischen den beiden Städten bisher ausgetragen worden, acht gewann Berlin, sieben Hamburg, zwei endeten unentschieden. Das Torverhältnis steht 36:35 für Hamburg. Man kann also mit vollem Recht von einer Gleichmäßigkeit d/id r G.g er sprechen, die speziell in den letzten Spielen, die als Resultate 4:3 uyd 2:1 für Berlin. 1:0 für Hamburg und 2:2 ergaben, voll zum Ausdruck kommt. — Berliner Reit- und Springe t u r n i e r. Das Dienstagnachrntttag-Programm, das wieder vor gut besuchtem Hause abgewickelt wurde, bot besonders in der Aktionsprüfung für inländisches Zuchtmaterial gute Leistungen. Der 15jähr. br. Hengst Renner des Landgestüts Celle blieb hier Sieger. Die Fahrkonkurrenzen waren schwach bestritten. Das Kanonen-Hagdspringen versammelte die besten Springpferde, die wir im Lande haben. Die gebotenen Vorführungen waren ganz vorzüglich. Der Gewinner des Hamburger Springderby. Teufel, blieb ohne Fehler unter 2t. Andrea Sieger. Berlin, 9. März. Rach dem „Q3erL$agebl.“ siegte bei dem internationalen Boxkampf im Berliner Sportpalast der Engländer Harry Reese über den deutschen Schwergewichtsmeister Breiten st räter in einem aufregenden Kampfe. — Das Reuhorker Sechstagerennen hat am Montag unter Beteiligung folgender 16 Mannschaften seinen Anfang genommen : Rütt — Krupkat (Deutsch'and). Coburn — Lands (Amerika), Egg—Eaton «Schweiz—Amerika), Drocco—Beruhter (Frankreich—Belgien), Mac Ramara—Grenda (Amerika), Lawrence- Thomas (Amerika), Debaets—Pershn (Belgien), Bolzoni — Oliveri (Italien), Kopski — Erskine (Amerika—Australien). H^seret—Begrabe (Frankreich—Belgien), Dello-Gaffneh (Amerika), Ho- ran—Fitzsirnrnons (Amerika), Drobach—Han» ley (Amerika). Mac Death—Magin (Australien- Amerika), Goullet—Madden (Australien—Amerika), Kais:r—Taylor (Amerika). Rach- bem der Boxweltmeister: Hack Dompseh den Startschuß abgegeben halte, setzte sich das Feld unter Führung von Goullet in Bewegung. Behördliche Anzeigen Bekanntmachung. Aus den Waldungen der Stabt Gießen, Bezirk Oes Försters Geisel, und zwar aus den Abteilungen 101b, 102a, 104 sollen am Freitag, den 10. März 1922, norm. 9'/, Uhr beginnend, versteigert werden: 51,7 Rm. Kiefernscheit 16 „ Fichtenscheit 100,4 „ Kiesirnknüppel 1 „ Lärchenknüppel 38,5 , Fichtenknüppel 91 „ Kiefernreisig 48,6 „ Kiefernstöcke. 58,4 „ Fichtenstöcke Zusammenkunft: Alter Steinbacher Weg, 6. Schneise. Gießen, den 6. März 1922. 2321B Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. Rosenberg Arbeitsvergebnng. Die nachstehenden Arbeiten sollen öffentlich vergeben werden. Lröffnungstermin der Angebote ist: Donnerstag, den 16. März 1922, norm. 10 Uhr. 1. Kleinwohnungsbauten Kaiserallee: Aeußere Verputz- und Anstreicherarbeiten (4 Lose). 2. Herstellung der Einfriedigungen unb Hof- befeftigungen bei benKleinwohnungsdauten Kaiserallee unb Bleichstraße: a) Erd« und Maurerarbeiten, b) Schreinerarbeiten (Tore), c) Spaliereinfriedigungen, d) Schlosserarbeiten (Anschlägen der Eingangstore), e) Anstreicherarbeiten Zeichnungen, Arbeitsbeschreibungen und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin an uns einzureichen. Iuschlags- frift 3 Wochen. 2379B Gießen, den 8. März 1922 Stadtbaucunt Gießen. Draubach. Stadt. Arlieitsamt Gietzen Lirbigftratze 16, Teleph. 2054. ES können eingestellt werden: n. bei bicsiaen Arbeitgebern: zwei ProvisionS- reisende, 1 Verkäufer der Leberbranche, 1 Möbelschreiner, 3 Schneider. Lehrlinge: 3 Frjseure, 1 Kaufmann, 1 Glaser, 1 Lackierer, 1 Uhrmacher, 1 Photograph, 1 Gärtner, 1 Polsterer, 2 Bilderrabmenmacher, ein Bildhauer, 1 Steinhaner, 1 Dachdecker, 2 Bäcker, 1 Metzger, 1 Spengler unb Installateur, 1 Buchbinder, 1 Stukkateur, 1 Wagner. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 2 Steinmetze, 10 Hauer und Schlepper, ein Werkzeugschleifer, Stnkkaieure, 1 Schuhmacher, 1 jüngerer Spengler, 1 Gut-kschmieb, 4 Aormcr, 1 Sckastemacher, ein Steinbildhauer, 3 Eisendreher, 1 Schreiner, ein landw. Eleve, 2 Schneider, 1 Schuhmacher. Lehrlinge: 1 Glaser, 1 Schreiner, 2 Friseure, ein Schlosser. 1 Kellner. ES suchen Arbeit: Kaufleute, Schreiber unb Neiiende, Pucker, Haukbiirschen unb Ausläufer, Maschinenschlosser, Bauscklosser, Tlaurer, Weiß- binber, Schuhmacher, 1 verh. lanbwirtsch. Knecht, 1 Krankenpfleger, 1 Sattler tu Polsterer, Bäcker unb Metzger, mehrere Kellner, 1 Former, 1 jung. Sckmieb, 1 Buckibinber, Mechaniker, 1 Wagner, 1 Schäfer, 2 ©ärmer, 1 Handschuhmacher, Bergarbeiter, Autoschlosser, 1 Installateur u. Svengler, 1 Monteur, 1 Bandagist, Maschinisten unb Heizer, 1 Zeichner, 1 Verwalter, 1 Photograph, 1 Müller, 1 Schleifer. 1 Kraftfahrer, Bauhilfsarbeiter, Erb- arbeitet. Lehrlinge: 1 Elektromonteur, 1 Elektrotechniker, 1 Schuhmacher, 3 Autoschlosser, 1 Maschinenschlosser, 1 Schreiner, 1 Mechaniker, 1 Schrmsetzer. Gelegenheitsarbeiten werben ebenfalls entgegengenommen. Weibliche Abteilung: Es können eingestellt werden: a. bei diesigen Arbeitgebern: Mädchen für tags- über, Dienstmädchen, Laustrauen unb -mäbchen für einzelne Tage, tüchtige Alleinmädchen. 1 Küchenmädchen. 1 Stütze iJsraeli'.iu», 1 Zimmermädchen, 1 Kochlehrmädchen. 1 Lehrmädchen. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 2 landwirtschaftliche Dienstmädchen, Dienstmädchen, Allein- mädchen. Zimmermädchen, Küchenmädchen, eine Köchin, 1 Haushälterin, 2 ServlersräuleinS. eine Sekretärin ES suchen Arbeit: 2 Verkäuferinnen, 3 Waschfrauen, einige Lauffrauen, auch für Nachmittags, beschäftigung, Mädchen f. tagsüber, 2Büglerinnen, 1 fträulein erteilt französischen Unterricht, eine Schneiderin als Beihilfe bet Herrensckneider- 4 Verkanferinnenlehrmädchen, 1 Haushälterin, 1 Flickerin, 1 Kontoristin. Die Berufsberatung und Arbeits Dermitt- luug siir Musiker findet werktags von 10 bis 12 Uhr statt. 2378B Holzversteigerung des Gräflichen Forstamts Laubach. Dienstag, den 14. b. Mts., vormittags 10 Uhr, im Saale bes Solmserhofs zu Laubach aus den Distrikten: Baumkircherwald, Peterwald, Winters- berg, Schömberg und Mus hau: Scheiter Rm: 490 Buche, 0,7 Kirfchbaum (Rundscheit 1,25 Meter lang), 9 Fichte: KnüppelRm: 209Buche, 3Kirschbaum, 61 Fichte: Stöcke Rm: 119 Buche: Reiser- knüppel Rm: 209 Buche (teils Stammreiserknüppel) 3,4 Ahorn: 20 Rm. Fichten-, Ruhstamm-, und Zopf- reifer. Kohlreiser und Leseholz flachenweise. Ausgeboten werden nur die rot unterstrichenen Rum- mem. Aus Wintersberg, Schömberg und Mushau kommen Buchen-Scheit und -Knüppel nicht zum Verkauf, aus Peterswald nur Scheiter. Händler sind nur zeitweise zugelaffen. Die Holzabfuhr ist wieder freigegeben. 2381D Holzversteigernng in der Oberförsterei Krofdorf. Freitag, den 17. März, vormittags um 10 Uhr, werden zu Odenhausen a. b. Lahn bei Klinke! aus der Försterei Salzböden, Distr. 61, 62, 64, 70, 72, 76, 77, 81 etwa 1000 Rm. Eichen- und Buchen-Scheit unb Knüppel, 4000 Rm. Eichen- und Buchen-Reiser öffentlich meistbietend versteigert. [2385D Nutzholz - Berfteigernng im Butzbacher Stadtwald. Montag, den 13. März werden im Duhbachei Stadtwald in den Distrikten Struth, Dillenberg, Jungwald, Psingstweide und Zipfen versteigert: 1. Stämme: Eichen: 1/2. Klaffe — 1,83 cbm, 9 3. Klaffe = 8,88 cbm, 72 4. Klaffe — 49,34 cbm, 67 5. Klaffe = 30,68 cbm u. 32 6. Klaffe = 9,81 cbm (Schnittholz, Bauholz, Wagnerholz usw.) Buchen: 2 3. Klaffe — 1,77 cbm, 9 4. Klaffe = 6,33 cbm 5 5. Klaffe = 2,32 cbm, (Schnitt- und Wagnerholzsi Kiefern: 3 3. Klaffe = 1,83 cbm, 11 4. Klaffe — 5,31 cbm, 5 5. Klaffe — 1,57 cbm (Schnitt- und Bauholz). Fichten und Weihtannen: 4/4. Klaffe = 4,29 cbm, 7/52-Klaffe — 4,39 cbm, 46/5b-Klasse — 12,22 cbm (Bauholz). 2. Derbftangen: 20 Weihtannen 1. Klaffe = 0,97 cbm und 30 2. Klaffe — 0,63 cbm. 3. Nutzscheiter: 4 rm Hainbuchen (Roller). Zusammenkunft vormittags 10 Ahr am Butzbacher Forsthaus. Beginn mit Eichen» und Buchenstämmen bei der Kreisstraße nach Espa. Vorherige Auskunft durch Herrn Förster Lammersdorf. Butzbach, den 4. März 1922. _______Hessische Bürgermeisterei: Kohler. 2384D Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat burchberatene Voranschlag für Rj. 1922 bet Gemeinde Burkhardsfelden liegt vom Donnerstag, den 9. März bis Donnerstag, den 16. März, beide Tage einfchl., auf dem Geschäftszimmer der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit bei uns vorgebracht werden. Ls ist eine Umlage beschloßen, zu der auch die Ausmärker beizuttagen haben. Burkhardsfelden, den 7. März 1922. Hessische Bürgermeisterei. ________________Schmidt.__________[2391D haus mit Bäckerei zu taufen gesucht eötL auch in Verbind ng mit Wirtschaft^ oder Rolonialwarengcschatt. 2383A Wolff. Moos & Co., G.mHL. in Bensheinv 2 1 100 sehen sein. 50 Wenn 40% 60% Anwendung. § 23. Wendung. § 17. Linkosten zu der der 236PS Keller. 30 50 75 100 Wendung amtlich werden, die der Für Veranstaltungen im Freien, Ziriusoor- stellungen, Volksbelustigungen aller Art (Karussells, Schiffschaukel, Schießbuden, Vorführung v. Tieren, Schaustellungen und dergl.), ferner Vorführungen von Lichtbildern, Theatervor- stellungen, Konzerte, Vorträge u. alle fonst. Veranstaltungen, die nicht unter 2 fallen. Lieber die bescheid zu Vei einem Flächenraum von nicht mehr als Quadratmeter 100 200 300 400 für jede weiteren 200 qm Entwertung und Vorzeigung. Der Llnternehmer darf die Teilnahme an Veranstaltung nur gegen Vorzeigung und hergestellter Karten vorgesehen Llnternehmer gegen Erstattung entnehmen hat. § 10. nach dem Flächeninhalt der für die Vorführung und die Zuschauer bestimmten Räume einschließlich der Ränge, Logen und Galerien, Wandelgänge und Erfrischungsräume, aber ausschließlich Bekanntmachung. Rachstehende Ortssatzung wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht. Steuerstelle ist das städtische Steuerbureau — Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Rr. 13 —. Hier haben die vorgeschrie- denen Anmeldungen usw. zu erfolgen. Gießen, den 4. März 1922. Der Oberbürgermeister: Keller. lichen Einrichtungen anzurechnen. Die Pauschsteuer beträgt: Entwertung der abgestempelten Karten gestatten. Die entwerteten Karten sind den Teilnehmern zu belassen und von diesen den Beauftragten der Steuerstelle auf Bedangen vorzuzeigen. § 11. Rachweisung. Für Maskenbälle, Tingeltangel Varietes, Kabaretts, Dielen, Bars, Bazare, Kostümfeste und dergleichen, und ähnliche Veranstaltungen, die tm wesentlichen der Gewinnerzielung aus der Verabreichung von Speisen und Getränken dienen. Ji 50 80 120 175 §6. Preis und Entgelt. Rach der Zahl der Mitwirkenden. Für Musikvorträge von nicht mehr als drei Mitwirkenden in Gast- und Schankwirtschaften, öffentlichen Vergnügungslokalen, Buden oder Zelten ist eine Steuer von 3 Mk. für den Tag und jeden Mitwirkenden zu entrichten. Für gewerbsmäßige Gesang- und Musikvor- träge, die im Llmherziehen auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen, oder an anderen öffentlichen Orten, in Gast- und Schankwirtschaften, öffentlichen Vergnügungslokalen, Buden oder Zelten sowie auf Höfen von Wohnhäusern dargeboten werden, ist eine Steuer zu entrichten, die bei einem oder zwei Mitwirkenden 3 Mk., bei drei Mitwirkenden 6 Mk., bei vier oder fünf Mitwirkenden 9 Mk. und bei jedem weiteren Mitwirtenden je 3 Mk. für den Tag beträgt. Steuerpflichtige Vorträge der zu 2 bezeichneten Art sind von dem Llnternehmer vor Beginn bei der städtischen Steuerstelle anzumelden. Haben die Llnternehmer solcher Vorträge an einem Tage bereits in einer anderen Gemeinde Steuer entrichtet, so sind sie von der weiteren Steuer- befreit. Lieber die Entrichtung der Steuer haben sie sich auszuweisen. Gelegentliche Gesang-- und Musikvorträge au öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen sowie auf Höfen von Wohnhäusern sind steuerfrei. § 18. Rach der Gröhe des benutzten Raumes. Soweit die Pauschsteuer nicht nach den Bestimmungen der §§ 15 bis 17 zu berechnen ist, wird sie nach der Große des Raumes berechnet, der für die steuerpflichtige Veranstaltung benutzt wird. Die Gröhe des Raumes wird festgestellt Verstöht der Llnternehmer gegen die Bestimmungen dec §§ 4, 9 bis 11 in einer Weise, daß die für die Berechnung der Steuer maßgebenden Verhältnisse nicht mit Sicherheit festzustellen sind, so form die Steuerstelle die Steuer so festsehen, als ob sämtliche verfügbaren Plätze für die gewöhnlichen oder im Einzelfall ermittelten oder geschätzten höheren Kassenyreise verkauft worden wären. " Festsetzung ist ein förmlicher Steuer- ...... der Verpflichtete die Fristen für die Anmeldung der Veranstaltung (§ 4), die Vorlegung der Karten (§ 9) und die Entrichtung der Steuer (§ 12) nicht wahrt, kann die Steuerstelle ihm einen Zusch ag bis zu 25 Prozent der endgültig festgesetzten Steuer auferlegen. Die Steuerstelle hat den Zuschlag zu unterlassen oder zurückzunehmen, wenn die A^rsäumnis entschuldbar erscheint. Die Steuer ist nach dem auf der Karte angegebenen Preise zu berechnen, auch wenn die Karte tatsächlich billiger abgegeben worden ist. Sie ist nach dem Entgelte zu berechnen, wenn dieses höher ist als der auf der Karte,angegebene Preis. Als Entgelt gilt die gesamte Vergütung, die für die Zulassung zu der Veranstaltung gefordert wird. Hierzu gehört auch die Gebühr für Kleideraufbewahrung, sowie für Kataloge oder Programme. wenn sie Teilnehmer ohne die Abgabe von Kleidungsstücken oder die Entnahme eines Katalogs oder Programms zu der Veranstaltung nicht zugelassen werden. Wird neben diesem Entgelt unter bestimmten Voraussetzungen oder zu bestimmten Zwecken noch eine Sonderzahlung verlangt, so wird dem Entgelt der Betrag der Sonderzahlung oder, falls dieser nicht zu ermitteln ist, ein Betrag von 1 Mk. hinzuger«hnet, es sei denn, dah die Sonderzahlung einem Dritten zu einem von der Landesregierung als gemeinnützig anerkannten Zweck zuslieht. In den Fällen des Absatzes 2 muh auf dec Eintrittskarte die Höhe der Gebühren oder Sonderzahlungen enthalten sein. § 7. Karten für mehrere Veranstal- tun gen oder mehrere Personen. Für einzelne oder zusammenhängend ausgegebene Karten, die zur Teilnahme an einer bestimmten Zahl von zeitlich auseinanderliegenden Veranstaltungen berechtigen, (Abonnements-, Dauer- Zeit-, Dutzendforten u. ä_), ist die Steuer unter Zugrundelegung des Preises der entsprechenden Einzelkarten nach der Zahl der zugesicherten Veranstaltungen zu berechnen. Ist diese Zahl unbestimmt, so ist die Steuer nach dem Preise der Gesamtforte zu berechnen. Für Karten, die mehrere Personen zum Eintritt berechtigen, ist die Steuer nach deren Zahl zu berechnen. Ist diese Zahl unbestimmt (Fa- milien-, Wagenkarten u. ä.), so ist sie auf fünf anzunehmen. Zugrunde zu legen ist der Preis der entsprechenden Einzelkarte. Für Zuschlagsforten ist die Steuer besonders zu berechnen. § 8. Steuersätze. Die Steuer wird von dem Eintrittspreis oder dem Entgelt (§ 6) nach folgenden Sähen erhoben: a) bei den unter § 1 Absatz 2 Ziffer 1 bis 5 bezeichneten Veranstaltungen . 25% b) bei den unter § 1 Absatz 2 Ziffer 6 bezeichneten Veranstaltungen . . . . c) bei den unter § 1 Absatz 2 Ziffer 7 bezeichneten Veranstaltungen..... § 12. Entstehung, Festsetzung und Fälligkeit der Steuerschuld. Die Steuerschuld entsteht mit der Ausgabe der Karten. Die Ausgabe ist vollendet mit der Liebertragung des Eigentums an der Karte. Die Steuerschuld mindert sich nach Zahl und Preis derjenigen Karten, die gegen Erstattung des vollen Preises zurückgenommen worden sind. Rach Abschluh ihrer Ermittlungen seht die städtische Steuerstelle die Steuer fest und teilt sie dem Steuerpflichtigen mit. Der Erteilung eines förmlichen Steuerbescheids bedarf es nicht. Soweit nichts anderes bestimmt ist, wird die Steuerschuld mit Ablauf von zwei Werktagen nach der Mitteilung an den Steuerpflichtigen fällig. § 13. Festsetzung in besonderen Fällen. Findet im Zusammenhang mit einem Hauptvergnügen eine Tanzbelustigung statt, so wird ein Zuschlag zu der tatsächlich für die Hauptveranstaltung zu zahlenden Kartensteuer in Höhe von 15% dieses Betrages erhoben. Die Steuer wird für die einzelne Karte auf 10 Pfennig nach oben abgerundet. Für Veranstaltungen der im § 1 Absatz 2 Rr. 4 und 5 bezeichneten Art, sowie bei Vorführungen der Tanzkunst, bei denen der künstlerische oder volksbildende Charakter überwiegt, kann die Steuerstelle eine Ermäßigung bis zur Hälfte der Steuer gewähren, es sei denn, daß während der Veranstaltung Speisen oder Getränke gegen Bezahlung verabfolgt werden oder geraucht wird. § 9. Eintrittskarten. Bei der Anmeldung (§ 4) der Veranstaltung hat der Llnternehmer die Karten die dazu aus- gegeben werden sollen der städtischen Steuerstelle vorzulegen. Die Karten müssen den Llnternehmer, Zeit, Ort und Art der Veranstaltung sowie das Entgelt oder die Unentgeltlichkeit angeben: § 6 Absatz 3 ist dabei au beachten. Die Karten werden von der städtischen Steuerstelle abgestempelt. Die iStcuerflelle kann bei der Anmeldung die Leistung einer Sicherheit in der voraussichtuchen Höhe der Steuerschuld verlangen: ebenso kann sie Ausnahmen von den Erfordernissen für den Inhalt der Karten gestatten und von der Abstempelung absehen. Auch kann allgemein oder in besonderen Fällen die ausschließliche 03er- § 3. Steuerfvrm. Die Steuer wird in der Form der Kartensteuer erhoben, sofern und soweit die Teilnahme an der Veranstaltung von der Lösung von Eintrittskarten oder sonstigen Ausweisen abhängig gemacht ist. Ist die Veranstaltung ohne irgend einen Ausweis zugänglich, so werden feste Steuersätze erhoben (Pauschsteuer). Die Pauschsteuer wird an Stelle der Kartensteuer erhoben, sofern dadurch ein höherer Steuerbetrag erzielt wird. Auf Veranstaltungen im Freien findet diese Bestimmung keine Anwendung. Als Teilnehmer gelten alle Anwesenden mit Ausnahme der in Ausübung ihres Berufs oder Gewerbes beschäftigten Personen. Bei sportlichen Veranstaltungen gilt als Teilnehmer nicht, wer sich selber sportlich betätigt. Die vorstehenden Bestimmungen über Karten- und Pauschsteuer gelten nicht für künstlerisch hochstehende Veranstaltungen: vielmehr gelten für diese die besonderen Bestimmungen unter IV. § 4. Anmeldung. Jede steuerpflichtige Veranstaltung ist spätestens einen Werktag und, falls sie der Karten- rfeuzv unterliegt, spätestens zwei Werktage vorher Erlaß und Erstattung der Steuer. Zur Vermeidung außergewöhnlicher Härten kann die Steuer in besonders gearteten Einzel- fällen mit Zustimmung des Rechtsausschusses ganz oder teilweise erlassen oder erstattet werden. § 24. Strafen. Die Hinterziehung der Steuer (§ 359 der Reichsabgabenordnung) wird mit einer Geldstrafe bis zum zwanzigfachen Betrage der hinterzogenen Steuer bestraft. Soweit der Betrag der hinterzogenen Steuer nicht festgestellt werden form, ist auf eine Geldstrafe von zwanzig bis zwanzigtausend Mark zu erkennen. § 25. Geltung des Landesrechts oder bet Reichsabgabenordnung. Soweit diese Steuerordnung nichts anderes besttmmt, finden die Vorschriften des Landes rechts über Gemeindeabgaben Anwendung. Soweit und solange eine landesrechtliche Regelung nicht be- steht, finden die Vorschriften der Reichsabgabenordnung sinngemäß Anwendung. Hinsichtlich des Rechtsmittelverfahrens gilt nicht die erstmalige Berechnung der Steuer durch die städtische Steuerstelle als „Festsetzung deL Steuerbetrags", sondern die nach Erinnerung an ten Oberbürgermeister von diesem ergangene Entschließung. Dom Tage der Zustellung dieser Entschließung ab läuft dann die Beschwerdefrist. Die Beschwerde ist mittelst formeller Klage im Verwaltungsstreitverfahren vor den Provinz zialausschuh zu bringen. § 26. Diese Ortssahung tritt am 10. März 1922 in Kraft. Mit gleichem Tage treten die Ortssatzun- gen über die Erhebung einer Billettsteuer vom 13. Februar 1913/24. Juni 1920, sowie die Ortssatzung über die Erhebung einer Vergnügungs« steuer vom 15. August 1921 außer Wirkung. Gießen, den 4. März 1922. Der Oberbürgermeister. Für die nach § 1 Pos. 6 einer Abgabe unterliegenden Tanzbelustigungen wird, sofern keine Kartensteuer in Ansatz zu bringen ist, eine nach Absatz 1 dieses Paragraphen berechnete Pausch- leuer erhoben, die für die ersten 100 am 30 Mk. und für jede weiter angefangenen oder vollen 100 qm 20 Mk. beträgt. Die Steuer wird für jede Veranstaltung be- onders erhoben auch wenn in dem Raume an einem Tage mehrere Veranstaltungen stattfinden. Bei sortfoufender Aufeinanderfolge der Veranstaltungen gilt jeder angefangene Zeitraum von drei Stunden als eine Veranstaltung. Bei Veranstaltungen, die mehrere Tage dauern, wird die Steuer für jeden angefangenen Tag besonders erhoben. Ist die Berechnung der Steuer nach Absatz 1 und 3 schwer durchführbar, so kann der Steuer- Betrag mit dem Llnternehmer vereinbart werden. § 19. Entrichtung. Die Pauschsteuer (§§ 15 bis 18) ist bei der Anmeldung (§§ 4, 16 Abs. 4, § 17 Abs. 3) auf der städtischen Steuerstelle zu entrichten und wird erstattet, wenn die Veranstaltung nicht stattfindet. Der Erteilung eines förmlichen Steuerbescheides bedarf es nicht. Die Bestimmungen des § 8 Abs. 3 und des § 14 finden sinngemäß Anwendung. IV. Besondere Bestimmungen für künstlerisch hochstehende Veranstaltungen. § 20. Steuer vom Bruttoerträge. Künstlerisch hochstehende Veranstaltungen, deren Geschäfts- und Kassenführung den Anforderungen entspricht, die an kaufmännisch geleitete Unternehmen üblicherweise gestellt werden, werden zu einer Steuer von 10% des Bruttoertrags herangezogen. Darüber, ob es sich um künstlerisch hoch» stehende Veranstaltungen handelt, und ob die Voraussetzungen ordnungsmäßiger Geschäfts- und Kassenführung erfüllt sind, entscheidet auf An- trag das Kreisamt Gießen. V. Gemeinsame Bestimmungen. § 21. Steuerpflicht und Haftung. Steuerpflichtig ist der Llnternehmer der Veranstaltung. Wer zur Anmeldung verpflichtet ist ohne selbst Llnternehmer zu sein, haftet neben dem Llnternehmer als Gesamtschuldner. § 22. Steueraufsicht. Auf die im § 21 bezeichneten Personen und auf die Tellnehmer an einer steuerpflichtigen Veranstaltung finden die Vorschriften der §§ 193 bis 201 der Reichsabgabenordnung sinngemäße bei der städtischen Steuerstelle anzumelden. Hat die Anmeldung nicht rechtzeitig erfolgen können, weil die Veranstaltung noch nicht feststand, so ist sie spätestens bis zum zweiten Werktag nach der Veranstaltung nachzuholen. Lieber die Anmeldung wird eine Bescheinigung erteilt Zur Anmeldung verpflichtet ist sowohl der Llnternehmer der Veranstaltung als auch der Inhaber der dazu benutzten Räume oder Grundstücke. Letzterer darf die Abhaltung einer steuerpflichtigen Veranstaltung erst zulassen, wenn ihm die Anmeldebescheinigung vorgelegt ist, es fei beim, daß es sich um eine unvorbereitete und nicht vorherzusehende Veranstaltung handelt. Bei Veranstaltungen einzelner Llnternehmer kann die städtische Steuerstelle eine einmalige Anmeldung für eine Reihe von Veranstaltungen für ausreichend erllären. II. Kartensteuer § 5. Steuermahstab. Die Kartensteuer wird nach Preis und Zahl der ausgegebenen Eintrittskarten berechnet. Lin- entgeltlich ausgegebene Karten bleiben auf Antrag unberücksichtigt, wenn sie als solche kenntlich gemacht sind und der Rachweis ihrer unentgeltlichen Ausgabe nach näherer Bestimmung der städtischen Steuerstelle erbracht ist Solche Freikarten müssen von dem Oberbürgermeister anerkannt und mit dem Vermerk „steuerfrei" Derer teilen. § 14. Steuerzuschlag. Lieber die ausgegebenen Karten hat der Linier- l_ .o_ ------ . .. . nehmet- für jede Veranstaltung eine fortlaufende I der Bühnen- und Kassenräume, der Kleiderab- Rachweisung zu fuhren, die mit den nicht aus- 1 lagen und Aborte. Findet die Veranstaltung ganz Ortssatzung über die Erhebung einer Vergnügungssteuer in der Stadt Eichen. Auf Grund der Reichsbestimmungen über die Vergnügungssteuer vom 9. Juni 1921 und dec Ai titel 15 und 188 der Städteordnung wird auf Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 22. Rovcmber 1921 und 3. März 1922 nach Anhörung des Kreisausschusses und mit Genehml- qung des Hess. Ministeriums des Innern vom 7. Januar 1922 zu Rr. M. d. I. 34 881/21 für den Gemarkungsbezirk der Stadt Gießen hiermit folgende Ortssatzung erlassen: I. Allgemeine Bestimmungen. § 1. Steuerpflichtige Veranstaltungen. Alle in dem Gemarkungsbezirk der Stadt Gießen veranstalteten Vergnügungen unterliegen einer Steuer nach den Bestimmungen dieser Steuerordnung. Als steuerpflichtige Vergnügungen im Sinne des Absatzes 1 gelten insbesondere folgende Veranstaltungen: 1. Volksbelustigungen, wie Karusselle, Schaukeln, Hippodrome, Schieß- und Würselbuden, Krafthammer und ähnliche Apparate, Vorrichtungen zur mechanischen Wiedergabe musikalischer Stücke oder deklamatorischer Vorträge. Geschicklichkeitsspiele, Glücksräder, Veranstaltungen zum Ausspielen von Geld oder Gegenständen, Rutsch- und ähnliche Bahnen, Velodrome und dergleichen: 2. Schaustellungen jeglicher Art sowie Ausstellungen und Museen, mit Ausnahme derjenigen Ausstellungen und Museen, die nicht Erwerbszwecken dienen, Figurenkabinette, Panoramen, Panoptiken, Vorführungen ab» gerichteter Tiere, Menagerien und dergleichen: 3. sportliche Veranstaltungen: 4. Vorführungen von Licht- und Schattenbildern, Puppen- und Marionettentheater: 5. Theatervorstellungen, Ballette, Konzerte und sonstige -musikalische und gesangliche Aufführungen, Vorträge, Vorlesungen, Deklamationen und Rezitationen: 6. Tanzbelustigungen (auch in Verbindung mit anderen Veranstaltungen), Vorführungen ber Tanzkunst, Zirkus-, Kunstreiter-, Spezialitäten-, Varietä-, Lingel-Langelvorftellungen, Singspiele: 7. Kostümfeste, Maskenbälle, Karnevalsitzungen, Basare, Kabarette. Dielen, Dars, spiritistische Vorführungen und dergleichen. Die Annahme einer Vergnügung im Sinne dieser Steuerordnung wird nicht dadurch ausgeschlossen, daß die Veranstaltung gleichzeitig auch noch erbauenden, belehrenden oder anderen nicht als Vergnügungen anzusehenden Zwecken dient, oder bah der Unternehmer nicht die Absicht hat, eine Vergnügung zu veranstalten. § 2. Steuerfreie Veranstaltungen. ' Der Steuer unterliegen nicht: j 1. Veranstaltungen die lediglich dem Unterricht an öffentlichen oder erlaubten privaten Unterrichtsanstalten bienen oder mit Genehmigung der Schulbehörde ausschließlich für Schüler solcher Anstalten und deren Angehörige bar- geboten werden, sowie Volkshvchschulkurse: 2. Veranstaltungen, deren Ertrag ausschließlich und unmittelbar zu vorher anzugebenden allgemeinen mildtätigen Zwecken verwendet wird, sofern keine Tanzbelustigungen bamit berbunben sind: 3. Veranstaltungen, die ausschließlich der Jugendpflege ober der Leibes Übung bienen. Die Befreiung tritt nicht ein bei gewerbsmäßigen Veranstaltungen biefer Art und solchen, die mit Totalisator, Wettbetrieb ober Tanz verbunden sind: 4. Veranstaltungen von einzelnen Personen in privaten Wohnräumen, wenn weder ein Entgelt dafür zu entrichten ist, noch Speisen oder Getränke gegen Bezahlung verabreicht werden. Vereinsräume gelten nicht als private Wohnräume: 5. Veranstaltungen der rm § 1 Abs. 2 Ziffer 4 und 5 bezeichneten Art, ferner Vorführungen der Tanzkunst, die von dem Land im öffentlichen Interesse unternommen, unterhalten ober wesentlich unterstützt werden, sowie Veranstaltungen. die ohne die Absicht auf Gewinnerzielung ausschließlich zum Zwecke ber Kunst pflege ober ber Dolksbilbung unternommen werden und von der Landesre- ?lerung als gemeinnützig aus- rücklich anerkannt sind. Av herbem kann die Steuer von dem Ober» büroetmeifler mit Zustlm-nung des Finanzausschusses erlassen werden, wenn ein wohltätiger oder gemeinnütziger Zweck in Betracht kommt, sofern keine Tanzbelust igungen damit verbunden sind. gegebenen Karten 3 Monate lang aufzubewahren I voer teuweise tm Freien statt, so sind Dpn den und der Steuerstelle auf Verlangen vorzulegen ist.1 im Freien gelegenen Flächen nur bte für bte Vorführung und die Zuschauer bestimmten Fla* chen einschließlich der dazwischen befindlichen Wege und der angrenzenden Veranden, Zelte und ahn- III. Pauschsteuer. §15. Rach der Roheinnahme. Haben die Teilnehmer an einer Veranstaltung ein Entgelt zu zahlen, sind aber Eintrittskarten nicht ausgegeben oder ist das Entgelt nicht höher als 25 Pf., so kann die städtische Steuerstelle die Steuer mit 15 Prozent der gesamten Roheinnahme festsehen. Die Besttmmung des § 9 Abs. 2 findet Anwendung. Die tzteuerstelle kann den Llnternehmer von dem Einzelnachweise der Höhe der Roheinnahme befreien und den Steuerbetrag mit ihm vereinbaren. §16. Rach dem Werte Für das Halten a) eines Schau-, Scherz-, Spiel- oder Geschicklichkeitsapparats oder b) einer Vorrichtung zur mechanischen Wiedergabe musikalischer Stücke oder deklamatorischer Vorträge (Klavierspielapparat, Sprechapparat, Phonograph, Orchestrion u. a.) an öffentlichen Orten, in Gast- und Schankwirtschaften, sowie in sonstigen jedermann zugänglichen Räumen ist eine Steuer nach dem Werte des Apparates oder der Verrichtung zu entrichten. Die Steuer beträgt für jeden angefangenen Betriebsmonat a) für die zu a) bezeichneten Apparate bei einem Werte bis einschl. 50 Mk. 1 Mk., bis einschl. 200 Mk. 2 Mk., bis einschl. 500Mk. 3 Mk., bis einschl. 1000 Mk. 5 Mk. und für jede angefangenen weiteren 1000 Mk. je 5 Mk.: b) für die zu b) bezeichneten Verrichtungen bei einem Werte bis einschl. 500 Mk. 1 Mk., bis einschl. 3000 Mk. 3 Mk., bis einschl. 5000 Mk. 10 Mk., bis einschl. 10 000 Mk. 20 Mk. und für jede angefangenen weiteren 10 000 Mk. je 20 Mk. Die Steuer ist innerhalb der ersten Woche jedes Monats zu entrichten. Der Eigentümer oder derjenige, dem der Apparat oder die Vorrichtung von dem Eigentümer zur Ausnutzung überlassen ist, hat die Aufstellung des Apparats oder der Vorrichtung spätestens innerhalb einer Woche der städtischen Steuerstelle anzuAeigen. Die Bestimmung des § 4 Abs. 3 bleibt unberührt Auf Leierkasten und Spieldosen von geringem Umfang, die lediglich bestimmte Stücke spielen, finden die Bestimmungen der Abs. 1—4 keine An-