ar. 289 Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertag«, mit derSamstaqsbeilage: GiehenerFam i li en blätter Mo»atllcheve;vgrpreifet 380 Mark und Ä) Mark Trägerlohn,durch diePost 400 Mark, auch bei Nichterscheinen einzelner Num- mern infolge höherer Gewalt.- I-ernsprech- Anschlüsse: fürdieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger riehen. Poftschecklonlo: 5rantfnrt a. M. 11686. 172. Jahrgang Keitag, 8. Dezember 1922 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche UnwersttStr Such- und Zteindruckerei K. Lange in Stehen. Schriftleitung und Seschüftrftelle: Zchulfttatze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnuanner bis Milliarden gegen 210 Milliarden in den Hauptetat eingesetzt werden, darunter allein für die De- sahungskosten 25 Milliarden Mark 3mmerhin ist es gelungen, das Gleichgewicht herauf!eilen, Senn die Einnahmen sind um 326 Milliarden Mk höher angesetzt als im Hauptetat, die Ausgaben um 343 Milliarden. Die Rotlage der Gemeinden erfordert möglichst schnelle Abhilfe. Der Entwurf der Rovelle zum Landes- steuergeseh muh deshalb mit gröhter Besä'canigung verabschiede werden. Die sch'vebende Schuld hat sich auherordentlich vermehrt und beläuft sich nach dem Stande vom 2. September 1922 auf 830 Milliarden Mark Für die ersten zehn Monate des laufenden Zahres ist das Passiv vum der Handelsbilanz auf l3/< Milliarden Goldmark berechnet worden 3n erster Linie ist es die Pflicht Deutschlands selbst, alles zu. tun. was zu einer Stabilisierung der Mark führen tonn. Weiter ist äußerste Sparsamkeit im Verbrauch von ©titeln und in den öffentlichen Ausgaben notw n^ig. Wir kommen aber nich' ohne Hilfe des Auslandes zu dem erstrebten Ziel. Aus de ' sachlichen Prüfung der Lage Deutschlands ergibt sich eine Besserung unserer Währung als das grundlegende Problem. Die Reichsregierung ist entschlossen, alle Kräfte des Landes cinzusetzen. um die erforderliche Mitwirkung Deutschlands an der Lösung dieses Problems zu sichern. Rach den Ausführungen des Ministers Hermes uies der Abg. Helfferich (Dn.) u. a. darauf hin, dah mehr als achtmal soviel als die gesamten Ausgaben des Reiches für feine inneren Bedürfnisse betrügen, dem Deutschen Reiche allein für die Desahungs- k o st e n zur Last geschrieben würden. Der Redner verbreitete sich über die Verschleuderung der letzten deutschen Sachwerte an das Ausland. Die einzige Grundlage, von der noch eine Besserung der deutschen und europäischen Verhältnisse zu erhoffen sei, wäre die Wiederherstellung des Kredits und die Wiedererlangung der Diskontfähig- feit und der Unterschrift der deutschen Regierung. Deshalb dürfe diese nichts unterschreiben, was sie nach ihrer Lieberzeugung nicht voll und ganz leisten könne. Genen Zwischenlösungen unter Opfern würden sich seine Freunde mit alter Kraft zur Wehr setzen müssen. Abg. Müller-Franken (Soz.) betonte, die von rechts geforderte Produktionssteigerung sei freute deshalb skeptisch zu betrachten, weil die 3ndustrie vielfach schon zur Arbeitsstreckung habe überge^ien müssen. Abg. Rieher (Dt. Vpt.) war der Ansicht, dah man nicht auf eine Zwischenlösung hrnarbei- ten dürfe. Deutschland habe das Recht, die Herabsetzung der Reparationen nach feiner Leistungsfähigkeit zu fordern, es brauche nicht darum zu betteln. Auch müßten wir auf äußerste Beschränkung der Desahungskosten bringen. Eine unumgänglich notwendige Vorbedingung für die Stabilisierung der Mark fei auch die Herabsetzung der Köhlenlieserungen und die Wieder-Herstellung der Meistbegünstigung. Abg. G o t h e i n (Dem.) warnte e;e 'falls vor einer Zwischenlösung. Der europäischen Oeffent- lichkcit und besonders den Franzosen müsse immer wieder der ganze Wahnsinn der Besahungskosten vor Augen geführt werden. Hieraus wurde der Rachtragsetat ber allgemeinen Finanzverwaltung und des Reichswirtschaftsministeriums angenommen. Beim Rachtragsetat des Reichsschatzministeriums wurden von der Position zur Verstärkung der Betriebsmittel industrieller Unternehmungen des Reiches drei Milliarden gestrichen. Neue Neparationsvorschläge? Berlin. 8. Dez. Wie die Blätter Mitteilen, wurden gestern die Besprechungen der Reichsregierung über die neuen Reparationsvorschläge fortgesetzt. Endgültige Beschlüsse wurden nicht gefaxt. Die »Voss. Ztg." glaubt aber, dah die von dem Reichsminister' Dr. Hermes in seiner gestrigen Rede im Haush rltsausschrist des Reichstags erwähnte Zwischenlösung darin bestehen könne, dah Deutschland um Zahlungen auf das Reparationskonto 8u leisten, zunächst eine ausländische Anlei'he aufnehme und gleichzeitig eine innere Anleihe in Gold auflege. DaS ®rträgni2i der Ausland- cmleihe solle völlrg zu Reparationszwecken verwendet werden, während das Ergebnis der inneren Anleihe mindestens zum größten Teil der Stabilisierung der Marck bienen solle Durch diese Zwischenlösung würden Frankreich und die an- de cn Alliierten erhebliche Zahlungen von Deutschland erhalten. Vor der Londoner Konferenz. Paris, 8. Dez. (WTB.) Zu der Londoner Konferenz schreibt das Gewerkschaftsblatt „Le Peuple", die öffentliche Meinung in England fei bewußt gegen ein isoliertes Vorgehen irgendeiner der alliierten Mächte. Sie vcr» Ringe ein Moratorium für Deutschland, sie spreche sich für eine endgültige Festsetzung des Reparationsbetrages aus und fordere die Zurückziehung der Defahungstruppen. Es bandele sich hier nicht um die Auffassung der Liberalen oder der Arbeiterpartei, sondern es handele sich hier um die Auffassung, die in einem Bericht des Exekutivausschusses des Verbandes der Handelskammern zum Ausdruck kommt. Aus diesem Grunde lasse sich also leicht ein neuer französisch-englischer Konflikt bor- aussehen, wenn Pwncarä seine Forderungen auf- rechterhalte. Lleberdies beschäftige man sich in London mit dem Vorgehen der Vereinigten Staaten, das durch die Anwesenheit der amerikanischen Botschafter in Deutsch- landundDelgien, die zur Zeit in London weilen, zum Ausdruck kommt. Pans, 8. Dez. (WTD.) Der Sondervericht- erftattcr des „3 o u r n a l“ in London schreibt seinem Blatte, die Politik Bonar La w s werde wahrscheinlich offener fein und eine Wiederanknüpfung an das Fair platz darstellen. Auf alle Fälle dürfe man hoffen, dah er es ablehnen werde, sich zum Sprachrohr derjenigen Bankiers zu machen, die in ihren Kassen für 6 Milliarden Papiermark liegen haben, dir fie für 30 Centimes tauften, ittti) die jetzt nichts ii ehr' wert seien. Aber Donar Law stehe vor densep>en '2iotn>enblgteiten, auf die feine Vorgänger gestern geflohen seien. England müsse um jeden Preis seinen Handel entwickeln. Wenn man in Frankreich nach einer Vermehrung der Ausfuhr suche, so handele es sich für dieses Land darum, Gewinne zu erzielen, um oen Wohlstand zu vergröbern. Wenn England dies aber tue, so tue es dies vor allen Dingen, um zu "leben. Die Engländer fänden auf ihrem eigenen Boden nur für 180 Tage des Jahres Cxistenzmittel. Der Rest komme aus dem Ausland, und wenn man nicht schnell zugrunde gehen wolle, so könne man im Auslande nur für 'den Rutzen kaufen, für den man Ware verkauft habe. Das grobe Hindernis, das der Wiederaufnahme der englischen Wirtschaftstätigkeit ent» gegenstehe, sei aber die Erschütterung der Mark. Die Möglichkeit eines Eingreifens der Vereinigten Staaten. Paris, 7. Dez. (WTB.) Die „L i = berte“ schreibt über die Möglichkeit eines Eingreifens der Vereinigten Staaten in die Londoner alliierten Verhandlungen; Der Botschafter der Vereinigten Staaten, Oberst Harvey, hat Aeuherun- gen getan, aus denen bie englische Presse den Schluß zieht, daß er von seiner Regierung beauftragt wäre, gegen gewisse Entscheidungen der vier alliierten Regierungen, z. B. Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland, Einspruch zu erheben. Möglicherweise befürchte man auch in Amerika, dah die Streichung der Schulden wieder aufs Tapet gebracht werde. Auf alle Fälle lassen die geheimnisvollen Worte des Obersten Harvey und die Ankunft der amerikanischen Botschafter aus Deutschland und Belgien in London voraussehen, daß die Verhandlungen zwischen Poincarö, Donar Law, TheuniS und Mussolini von den Vereinigten Staaten scharf überwacht werden, was sie nicht erleichtern werde. Die englischen Handelskammern zur Reparatiouspolitik. London, 7. Dez. Der Vollzugsausschuß des Bundes englischer Handelskammern hat einen Antrag angenommen, der folgende Forderungen auf stellt: 1. Deutschland muh ein Moratorium auf mehrere Jahre gewährt werden. 2. Die Reparativ nssumme, die Deutschland tatsächlich bezahlen kann, muß ein für alle Mal festgesetzt werden und zwar so, daß dadurch dem Handel der Alliierten kein Schaden erwächst. 3. Die Art der Sanktionen gegen Deutschland muh von allen Alliierten genehmigt werden. 4. Deutschland muh so schnell als möglich eine große internationale Anleihe gewährt werden. Die Lausanner Konferenz. Lausanne, 7 Dez. (WTD.) T s ch i t s ch e ° rin und 3 smet Pascha hatten ein? mehr- ftünbige Besprechung. Don russischer Seite wird, wie man erfährt, dazu erklärt, dah im Laufe de Unterhaltung Ueoercinftimmung über alle Fragen erzielt worden sei. Lausanne, 7 Dez. (WTD.) Heute abend ist hier auf der Reife nach Paris und London Mussolini cingerroffen. Er begab sich in. das Hotel Beauri vage, wo Curzon zu seinen Ehren ein Diner gab. Mussolini reist voraussichtlich noch heute nacht weiter. Lausanne, 7. Sca. (WTD.) 3n der Unter- kommission über den A as tau sch der Bevölkerung beharrten die Alliierten heute daraus, dah die Griechen von Konstantinopel und Drussa vom Austausch nicht berührt werden. Auch der amerifanifd)c Vertreter unterstützte diesen Standpunkt und wies darauf hin, dah das amerikanische Volk schon im eigenen wirtschaftlichen Interesse der Türkei Wert daraus lege, dah die Griechen in Konstantinopel verbleiben können. Gegen Ruhestörer könnten immer ^toch einzelne Maßnahmen ergriffen werden. Die Türken erteilten auf diese Forderung noch keine Antwort. Tschitscherins neue Diebe in Lausanne. Lausanne, 6 Dez. (Wolfs) Die russische Delegation teilt einen Auszug aus der Rede T s ch i-t s ch e r i n s in der heutigen Morgen-itzung mit, aus dem folgende Darlegungen 3nteresse verdienen: Tschitscherin wies Darauf hin, dah die besten Traditionen Englands und Ruhlands stets in der Aufrichtung einer Scheidelvand zwischen den Einflußsphären der beiden Länder bestanden hätten. Diese Scheidewand sei die S ch l i e h u n g berf Meerengen und die türkische Souveränität. Wenn man sich aur Bulgariens Haltung berufe, so vergesse man. dah dieses Land durch einen Vertrag, an dem Rußland nicht tcilgcnommcn habe, aller seiner Der- teidigungsmittel beraubt sei. Was Rumänien anbztreffe, so fei die Oeffnung der Meerengen fein Schutz für seine Sicherheit, Denn über die russisch-rumänischen Beziehungen würde auf dem Land? entschieden. Eine internationale Meerengen kommission wurde eine Verewigung der iln- ruhen und em Zwang für Rußland, immer mehr zu rüsten, sowie das Ende des Washingtoner Abkommen bedeuten, die Ruhlaird, ohne leider daran teilgenommen zu haben, begrübe Rußland sei bereit, Vorschläge Darüber, was im Kriegsfälle geschahen solle, zu prüfen, wenn das Prinzip ber Schließung der Meerengen fürKriegs- schiffe angenommen wird. Tschitscherin schloß mit den Worten: ich Lord Curzon horte, hatte ich den Eindruck, daß der Grundgedanke seiner Darlegungen J)ie Schaffung eines Systems gegen Rußland ist Wir schlagen den Frieden vor und 3 hr verewigt den Krieg gegen uns Die russische Revolution hat aus dem russischen Volke eine Ration gemacht, deren Energie mit beispielloser Kraft in ber Regierung konzentriert ist Wenn man ihr Den Krieg auf- zwingt, so wird das russisch: Volk nicht kapitulieren. 3hr seid vielleicht beunruhigt, weil unsere Kavallerie wieder auf den Pamir-Ebenen ei schienen ist, und weil 3hr nicht einen halb- idiotischen Zaren vor Euch habt. Wir schlagen nicht den Krieg vor, fonbem den Frieden auf Grund einer Scheidewand zwischen uns und der freien Souveränität der Türkei. Die Moskauer Abrüstungskonferenz. Moskau, 7. Dez. (WTD.) Russische Telegraphenaaentur. Heute fand eine zweite Vollsitzung der Abrüstungskonferenz statt, in der der polnische Entwurf eines Abkommens über die Frage der Schiedsgerichte beraten tourbc. Von russischer Seite waren Gegenvorschläge eingebracht worden. Die Litauischen Vertreter halten eine Reihe von Verbefscrungsvorschlä- gen zum polnischen Entwurf vorgelegt. 3n einigen Punkten wurde eine Einigung erzielt. Der Hauptpunkt des russischen Gegenentwurfs ist die Anerkennung dessen, daß die Frage 6er Schiedsgerichte atä Teil des allgemeinen Abkommens über die Abrüstung anzusehen sei. Dieser Punkt ist noch nicht durchberaten worden. Die neuen (Einkommens fteuersätze. Berlin, 7.Dez. (WTB.) Der Steuer- a u s s ch u ß des Reichstags beschloß heute, die Einkommen steuersäye für 1922 wie folgt festzusetzen: Für die ersten angefangenen ober vollen 300 000 Mark 10 Prozent, für die weiteren angefangenen oder vollen 300 000 Mark 15 Proz., für die weiteren 400 000 Mark 20 Proz., für die weiteren 500 000 Mk. 30 Proz., für die weiteren 500 000 Mk. 35 Proz., für die weiteren 1 000 000 Mk. 40 Pro-., für bie weiteren 1 000 000 45 Proz., für die weiteren 1 500 000 50 Proz. für die weiteren 1500 000 55 Proz., für nxiterc Beträge 60 Proz. Sterbekassenbeiträge bis 2000 Mark und Lebensversichcrungsbeiträge usw. biS 16 000 Mk. find abzugsfähig. Die Abzüge für die Steuerpflichtigen und die Etzeft.tu werden auf 340 Mk. bei einem Einkommen bis 300 000 Mark und für Kinder auf 610 Mk. bei einem Einkommen bis 1 000 000 Mk. festgesetzt. Ab 1.1 1923 gelten folgende Sätze Für die ersten an gefangenen oder vollen 1030 000 Mark 10 Proz., für die weiteren angefangenen oder vollen 1 000 000 15 Proz., für die weiteren 1000 000 20 Proz., für die weiteren 1 000 000 25 Prozent, für bie weiteren 2 000 000 30 Proz.. für die weiteren 2 000 000 35 Proz., für die weiteren 2 000 000 40 Proz., für die weiteren 2 000 000 45 Prozent für die weiteren 3 000 000 50 Proz. für die wei tcren 3 000 000 55 Pro;., für weitere Beträge 60 Pro;. Sterbekassenbeiträge bis 8000 Mk und Lebensver'icherungsbeiträge usw bis 43 000 Mk. sind abuzgsfähig. Die Abzüge für den Steuer- pflichtigen und seine Ehefrau werden auf 240C Mark bei einem Einkommen bis 1 000 000 Marl und für Kinder auf 12 000 Mark bei einem Einkommen bis 2 000 000 Mark heraufgesetzt. Eine Abrvehrversammlung des Reichsverbandes der Rheinländer. Berlin, 7. Dez. (WTB.) Der Reichs- verband der Rheinländer hielt heute abend im Sitzungssaale des Reichstages eine eindrucksvoll verlaufene Protestkund ebung gegen bie französischen Gewaltdrohungen ab. Saal und Tribünen waren von den in Berlin lebenden Rheinländern dicht besetzt. Am Regierungstisch sah man die Führer der großen Parteien. Auch mehrere Minister hatten in ihren Logen Platz genommen. Es sprachen ber Vorsitzende des Reichsverbandes der Rheinländer Dr. K r u f - mann, der Vorsitzende des Reichsverbandeä der deutschen 3nbuflrie Dr.°3ng Sorge, der Generalsekretär des Reichsverbandes des deutschen Handwerks, der Abg W i 6 e r namens der christlichen Arbeiterschaft und Dr. Krone als Redner der rheinischen 'Bauernschaft. Der Vizepräsident des Reichstags, Geheimrat Dr. Aiesser, gab ber Genugtuung Darüber Ausdruck, dah sich angesichts der ftanzösischen Drohungen gegen die Reichs- einheit die Deutschen aller Parteien und Berufe einig zusammengefunden hätten. Einstimmig wurde dann eine Entschließung angenommen, in der den Rheinlanden feierlich gelobt wird, daß ganz Deutschland einig in der Abwehr der französischen Macht gelüste ist. Wit einem Schlußwort des Präsidenten des Reichsverbandes der Rheinländer fand bie denkwürdige Tagung ihr Ende. Die französischeu Sühneforderungcn. Berlin. 8. Dez. Dem „Berl. Lokal-Anz." zufolge mürben gestern nachmittag bie Führer ber Reichstagsparteien nadeinanber vom Reichskanzler Cuno über bie Ve. Mnd- lungen, di? wegen der 'Beantwortung der Rote der Dotschafterkonferenz mit dem bayerischen Ministerpräsidenten gepflogen arorben sind, in Kenntnis gesetzt. Kiautscha,;. Paris, 7. Dez. (WTB.) Rach einer Ha- vaSmeldung übernimmt China nach Verständigung mit Japan am 10. Dezember wieder die ehemalige deutsche Kolonie Kiau tschau. Deutscher Reichstag. 278. Sitzung, nachrn. 2 llfyr. Berlin, 7.Dez. 1922. Zunächst werden debattelos angenommen die Rovelle zum Lichtspielgeseh, welche Lücken im Filmprüfverfahren ausföllt, und die Rovelle zum Postgeseh, welches die Ersatzleistungen für verloren gegangene Postsendungen der Geldentwertung anpaht. Beim Rachtragsetat des Reichspost^- Ministeriums erhebt Abg Bartz (Komrn.i schwere Vorwürfe gegen den neuen Reichspostminister, der nicht die geringste Gewähr für eine Abk:hr von dem alten reaktionären Geiste ber Postverwaltung biete, und verlangt Aufbesserung für das Postpersonal sowie Beseitigung der Technischen Rothilfe. Der Etat wird hierauf ohne weitere Debatte bewilligt. Beim Rachtragsetat für das Reichsschah- Ministerium erhebt Abg. E r f i n g (Zentr) Beschwerde darüber, daß bei diesem Haushalt im Gegensatz zu den anderen Ministerien keine Streichung der Deamtenstellen hätten vorgenommen werden können, weil durch die Ansprüche der Desatzungstruppen der Reichsvermögensverwaltung eine solche Fülle von Arbeit erwachse, dah bie vorhandenen Beamtenstellen nicht mehr aus- reichten. Der Redner schilderte die übertriebenen Ansprüche der Besahungstruppen auf Möbel, Klubses el, Damenschreibtische, Wein, Sekt, Liköre usw., während das deutsche Volk nicht einmal mehr für seine Kranken und Kinder genügend sorgen könne. Man müsse an die ganze Welt appellieren, dah diesem Wahnsitm endlich ein Ende gemacht werde. (Lebhafter Beifall ) Auch dieser Etat wird sodaim bewilligt. Rächste Sitzung Montag 11. Dezember, nach« mittags 3 Ahr. Kleinere Vorlagen und Rach- Iragsetats. Uns dem Reiche. Sie Erhöhung bet Postgebühren. Berlin, 7. Dez. (WTD.) 3m Post- gebührenauSschuh des Reichstags wurde die Erhöhung der Post- und Telegraphengebühren nach den Vorschlägen des Reichsrates, die im wesentlichen eine Verdoppelung der bisherigen Gebühren vorsehen, angenommen. Der Antrag, die Pressetelegramme nicht nur um die Hälfte, sondern auf ein Drittelherabzusetzen, wurde abgelehnt. Die Erhöhung der Telephongebühren mit Schonung der Grundgebühr wurde nach der Regierungsvorlage (2900 Prozent) gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei angenommen. Ferner wurde eine Entschließung zur Erleichterung von Anmeldungen für Pressetelgramme angenommen. Aus Hessen. Gegen die Ausdehnung des Ausländertums an -en hessischen Hochschulen. rm. Darmstadt, 6. Dez. Die Landtags- ftaktionen der Deu t s chna t ivn a l en Und des Bauernbundes richteten folgenden Antrag an den Landtag: Eine immer mehr ans chwel - lende Zahl von Ausländern, insbesondere von Russen und Japanern, genießen auf Kosten des hessischen Staates die wissenschaftlich hervorragende Ausbildui^ unserer Hochschulen. Der kleine Balutazuschlag, den sie zahlen müssen, steht in keinem Verhältnis zu den riesigen Ausgaben des Staates für ein Institut, das trotz aller Aufwendungen immer mehr verarmt. Der Zuzug ausländischer Studenten ist in jeder Beziehung, zum mindesten gegenwärtig, sehr unerwünscht, mag man die sozialen oder die völkischen, oder wissenschaftlichen oder die politisch- wirischaftlichen Gesichtspunkte mehr beachten. Wir beantragen daher: Der Landtag möge die Regierung um eine Verordnung folgenden Inhalts ersuchen : 1 Eine Ausnahme von Ausländern an den Hochschulen darf erst erfolgen, wenn zuvor alle Wünsch? der für die Institute in Frage kommenden Volksdeutschen Studenten und Dozenten für ihre wissenschaftlichen Arbeiten befriedigt sind. 2. Aufnahme und Vorlesungsgebühren sind für Ausländer stark zu erhöhen. 3. Ausländer dürfen nicht, wie z. B. in Gießen, zu kaum erhöhten Preisen in Studentenheimen essen. 4. Wohnungen dürfen an ausländische Studenten nur dann abgegeben werden, wenn alle deutschen Srudenten untergebracht sind. 5. Jeder Dozent hat das Recht, einem unerwünschten Ausländer Vorlesungen und Hebungen zu verweigern Die Regierung soll ferner ersucht werden, sich bei der Reichs regierung dafür emzusetzen, daß die Hochschulen für Russen solange gesperrt bleiben, als Rußland nicht die ungehinderte Einreise deutscher Studenten gestattet. Aus dem besetzten Gebiet. Die Bedrohung deS Rheinländer durch Frankreichs KolonialimperialisamS. Heber dieses aktuelle Thema handelt eine Sondernummer der Wochenschrift „Rheinischer Beobachter", die seit Jahresfrist den unermüdlichen Kampf für den deutschen Rhein und das Selbstbestimmungsrecht des deutscl>en Volkes führt. Gerade in diesem Augenblick, da die neue drohende Gebärde der französischen Macht- Politik eine Panik ohnegleichen in der wehrlosen deichen Bevölkerung der Rheinlande verursacht, totnt der Inhalt dieses gehaltreichen Heftes besonders erschütternd und trägt hoffentlich dazu bei, daß man im unbesetzten Deutschland die Rot des besetzten Gebietes in ihrer vollen Ausdehnung würdigt. — „Gebt unsere rheinische Heimat frei", das ist das Thema eines gehaltreichen Appells, den Reichstagsabgeordneter Anton Erkelenz noch einmal in letzter Stunde an das Gewissen der Welt richtet. Dr. Peter Rohden unterrichtet in einer außergewöhnlich kenntnisreichen Abhandlung über das Wesen des französischen Imperialismus, das sich auf die farbigen Truppen stützt, und die Gefahr, die dieser französische Kvlonialimperialismus für die Zukunft Europas bedeutet. Weitere Beiträge von Rudolf Presber. Dr Heinrich Teipel, Hans Wulf (Düsseldorf), Nikolaus Schwarzkopf, Karl Maria Weber, Ernst Lissauer, Ludwig Mathar, Reden von den Abgeordneten Dr Dreitscheid und S o l l m a n n, sowie zahlreiche temperamentvolle politische Rachrichten und Glossen tragen dazu bei. die wichtigen Rheinlandprobleme von allen Seiten her nachdrücklichst zu beleuchten. Aus Stabt unb Land. Gießen, den 8. Dezember 1922. Weihnachtsspenden für unsere bedürftigen Mitbürger. Den hochherzigen Spendern von Weihnachtsgaben für die bedürftigen Kreise unserer Stadt schließt sich das städtische Lebensmittel- a m t wiederum an. Infolge günstigen Einkaufs ist es in der Lage, an gemeinnützige Anstalten und bedürftige Personen, wie Kleinrentner, Kriegsbeschädigte, Kriegerhinterbliebene usw., als Wfth- nachtsgabe 200 Zentner Weizenmehl für Backzwecke kostenlos zur Verfügung zu ftellen. Die Verteilung erfolgt durch das städtische Wohlfahrtsamt unter Hinzuziehung der Lebensmitteldeputation. Auch das städtischeDrennftoff- amt will für feinen Teil zur Linderung der Rot r der wirtschaftlich Schwachen beitragen. Es hat dem WvhksahrtSamt 200 Zentner Braun - kvhlenbrikettszu einem ganzniedrig en Preis zur Verteilung an Kleinrentner überwiesen. ♦ ** Eisenbahn-AuSnahrnetaris für Weihnachtsbäurne. Die Reichsbahn führt einen vom 7. bi« 31. Dezember gültigen Ausnahmelarif für Weihnachtsbäume ein, wodurch die Fracht zu den Sätzen der 'Bestimmungen der Klasse E statt C berechnet wird. DieS entspricht einem Fr achtnach - l a ß von rund 30Prozent. < D i e Monatskartenpreise der Eisenbahn werden seit 1. Dezember nach 18 (bisher 14) Fahrten berechnet, wobei der abgerundete einfache Fahrpreis zugrunde gelegt wird. Für Schülermonatskarten und Wochenkarten verblettU es bei dem bisherigen Grundsatz, demzufolge die Schülermvnatskarten zur Hälfte, die Wochenkarten zum vierten Teil des Monatskartenpreises unter entsprechender Aufrundung berechnet werden. Von demselben Tage ab werden als Mindestfahrpreise für Einzelreisekarten und Zeitkarten die Sätze erhoben, die sich nach der Entfernung von 11 Km. ergeben. < Die Reparaturpreise für Schäden an Pers onenwag e n haben sich neuerdings Um das Zehn- bis Fünfzehnfache erhöht, so daß z. D. die Zertrümmerung einer Fensterscheibe Reparaturkosten in Höhe von 1000 bis 1500 Mk. (je nach Lage und Größe) verursach. ♦* Vortrags-Vereinigung. Wenn das deutsche Volk wieder genesen und in der Well geachtet werden will, dann muß es sich mit Liebe in feine reiche und stolze Vergangenheit vertiefen, um aus ihr zu lernen für die Gegenwart und Zukunft. Unter dieser Parole stand auch der gestrige Vortragsabend der Vortrags- Vereinigung, der es einem außerordentlich zahlreichen Publikum ermöglichte, unter der feinsinnigen, die strenge kunsthistorische Gelehrsamkeit mit goldenem Humor würzenden Führung des Geheimrats Schmid-Burgk aus Aachen einen weiten Blick in die hehre Geschichte der alten deutschen Kaiserstadt Rürnberg zu tun. „Aus Alt-Rürnbergs Blütetagen" sah man da die mannigfaltigsten und eindrucksvollsten Zeugnisse. Man durchschritt die imponierenden 'Befestigungsanlagen, die der Stadt vor Jahrhunderten Sicherheit und Wohlstand gewährleisteten, man erblickte die reizvollen und vielgestaltigen Schönheiten der Burg, man sah in die Kirchen mit ihrem reichen Schmuck von heimischer Kunst- handwerkevaroeit, die pietätvoll erhaltenen Straßen und Gäßchen, man lernte das Haus des reichen Alt-Nürnberger Handelsherrn, wie das der einfachen Leute keimen, die heute noch gleichermaßen Zeugnis geben von dem hohen Kunstsinn und dem schlichten Wesen, die ihre Schöpfer und Rachkommen beseelt, und man beendete schließlich die erhebende Umschau bei Albrecht Dürer, diesem kernigen deutschen Manne. Mit Recht wies der Vortragende am Schlüsse seiner Führung darauf hin, daß der Hauch einer großen Vergangenheit die Zuhörergemeinde hier berühre, daß die Erinnerung an die gute alte deutsche Zeit, an die -Zeit des aufrechten deutschen Bürg^stvlzes Früchte für das Heute tragen müsse. Und gewiß, die Fäden, die sich bei diesem tiefen Blick in die Geschichte der Stadl der Albrecht Dürer und Hans Sachs' zur düsteren Gegenwart herüber f pannen, sie werden die Seele derer nicht verfehlt haben, die gestern mit ganzem Herzen und empfänglichem Gemüt Rückschau hielten. Der Abend, der wohl bei vielen den Wunsch lebendig werden ließ, diese ehrwürdigen Stätten deutscher Geschichte mal durch Augenschein kennen lernen zu können — bei den heutigen hohen Eisenbahn- fahrpreifen allerdings für viele ein schöner Traum! —, war dank der trefflichen Führung des Geheimrats Schmid-Burgt ein hoher Gewinn. Der Dank der Zuhörer, die in der Reuen Aula der Universität alle Plätze füllten und den lebendigen Schilderungen des Dorttagenden mit größter Spannung folgten, beku ldete sich mit Recht in starkem Beifall. den wir auch auf die Dorttags -Vereinigung als der Schöpferin dieses vortrefflichen Abends ausdehnen möchten. ** Der Dühnenvolksbund eröffnet gestern abend seine diesjährigen Vorstellungen mit den beiden ersten Teilen der Wallenstein- ttilogie. Auf die Aufführung und die Beurteilung der Stücke selbst braucht hier nicht näher eingegangen zu werden, sie sind bereits gebührend gewürdigt worden. Wir begnügen uns mit der Feststellung, daß auch gestern abend das Theater ausgezeichnet besucht war, obwohl doch ^Wallensteins Lager" und die „Piccolomini" bereits mehr- fach gegeben worden waren, gewiß ein Zeichen dafür, daß der Dühnenvolksbund feine schlechte Wahl getroffen hatte. Insbesondere war die Jugend stark öertreten. Die Künstler unseres Stadttheaters gaben auch gestern toieber ihr Bestes, so daß man mit der Aufführung voll zufrieden sein konnte. Das kam auch zum Ausdruck tn dem langanhaltenden Beifall, durch den die Zuschauer den Künstlern ihren Dank abstatteten. Wir dehnen diesen Dank — wohl auch im Ramen der Zuschauer — aus auf die Leitung des Bühnen- vvlksbundes, der seinen Mitgliedern die genußreichen Stunden verschafft hatte. —r. ** Dom Gießener Konzertversin wird uns zum dritten Konzert am nächsten Sonntag geschrieben: Der nächste Solistenabend in diesem Winter, am Sonntag, 10. Dez., vermittelt uns die Bekanntschaft zweier junger Künstler, die unter der Aegide von Fritz Dusch - Stuttgart (jetzt Dresden) musikalisch herangebildet sind und zur Zeit in ganz Deutschland ehre hervorragende künstlerische Rolle spielen, Max Strub, ein Mainzer Kind, den Busch als 1. Konzertmeister mft nach Dresden nahm, und He r ma nnDr ews, der als Pianist und Dbcrnbingent in Stuttgart tätig ist. Die Werke, die sie Sonntag zu Gehör bringen, sind teils klassisch, teils modern: Bach — Mozart, Reger — Haas. Die große O - Moll- Sonate (für Dioline allein) von I o h. Seb. Bach, die wir einst von Havemann hörten, sowie die liebliche 8-Dur-Sonate von Moza r t, setzen wir als beLtrmt voraus Regers S-Moll-Sonate (Violine und Klavier), die d:n Abend eröffnet, gehört als op. 139 in jene Schaffensperiode des Meisters, die als die reifste uui> abgeklärteste bezeichnet wird, in die der letzten Lebensjahre, in jene Zeit, der wir auch das herrliche „Klavierquartett ^-Moil", das „Klarinettenquintett", das uns im, nächsten März das Wendlingquartett zum Gedächtnis des 50. Geburtstages (17. Marz) des verstorbenen Meisters bringen wird, und die zwei wundervollen Ehvr- werke „Der Einsiedler" und das „Requiem" verdanken. Die Sonate beginnt mit einem groß gesteigerten „con passione", dem ein schattenhaft dahinschwebendes, weit ausgesührtes Scherzo und ein Adagio, gleichsam ein wundersam tiefes Gottes- gefpräch folgen. Letzteres lieh Adolf Busch, bei Regerä Beisetzung, drm toten Meister und Freund als Avschiedsgruß erklingen Den Schlußsatz bilden neun Variationen, deren vierte, sechste und ganz besonders achte (^s-Dur) von ergreifender Schönheit sind. Für unsere Konzertbesucher dürfte es von Interesse sein, daran erinnert zu werden, daß dieses Werl und das Klavierquartett -^-Moll die letzten Werke waren, die Reger kurz vor seinem Tode uns hier gemeinsam mit Prof. Wollgandt und dem Gewandhausquartett vermittelte. Als Klaviemummern folgen die „Deutschen Reigen und Romanzen, op. 51 von Josef Haas (zur Zeit Professor an der Akademie in München), dem bedeutendsten Regerschüler: teils zart empfundene, teils kraftvolle Klavierstücke Sie wurzeln bei voller Selbständigkeit in der Erfindung und des Stils (der hin und wieder Regersche Einflüsse zeigt) in der Empfindungswelt, der Rob. Schumanns zu Herzen gehendes Phantasiewerk entsprossen ist: im deutschen Gemütsleben. r. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Stadttheater, 7 Uhr: „Der letzte Walzer." — Großer Hörsaal des Phhsikal. Instituts, 8 Uhr: Lichtbildervorttag über „Wärmeverwendung im Haushalt." — Lichtspielhaus, Bahnhosstt., ab heute: „Von der Großstadt verschlungen", „Hier wird 'n Ding gedreht" und „Brasiliens Kampf gegen die Schlange". — Evangelischer Bund Am nächsten Sonntag findet in der Ioha nnes ki r che der erste Familien-Abend dieses Winters statt. Es ist dem Vorstand gelungen, Professor D. Dr. Riebe r g a l l - Marburg zu einem Vvrttage über „D i e gegenwärtige Lage des Pro- te stautismus" zu gewinnen. Der Redner, der nach längerer Tätigkeit in Heidelberg vor kurzem ngch Marburg berufen wurde, ist nicht nur Fachgelehrter von anerkanntem Ruf, sondern auch ein Mann, der die gesamte deutsche Kultur und das moderne Geistesleben in gleicher Weise kennt und beherrscht. Gesangliche Darbietungen werden den Vortrag umrahmen. (Räheres siehe Anzeige.) Wettervoraussage für Samstag: Bewölkt, Regen, etwas wärmer, Südwestwind. Die Depression im Eismeer bildet neue Ausläufer, die von der Atlantik her über das Festland hinwegziehen werden. Das wechselhafte Wetter wird Wetter anhalten. Kreis Alfeld. r Unter-Sorg, 6. Dez. In unserem kleinen, nur 70 Einwohner zählenden "Dörfchen ist, der „Oberbeff. Ztg." zufolge, ein S ch u l st r e i k ausgebrochen. Die Schulkinder, acht an der Zahl, besuchten, wie ihre Eltern und Großeltern, die Schule zu Hopfgarten. Run sollen nach Verfügung des Landesamts für das Bildungswesen die Kinder vom 1. Dezember ab die Schule in Ober-Sorg besuchen. Da sie mit diesem Wechsel nicht einverstanden sind, traten sie kurzerhand in den Streik und besuchen gar keine Schule. Die 3 Fortbildungsschüler sind mit den Schülern einverstanden und haben den Sympathiestreik angetrelen. Kreis Friedberg. * Friedberg, 7. Dez. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte für die Schaffung eines verbilligten Mittags- tischeS der Studierenden des Polytechnikums einen Kredit von 100 0 00Mark. < Bad-Rauhei m, 7. Dez. Bei einem nachts in der Richtung nach Friedberg fahrenden Güterzuge entgleiste zwischen hier und Friedberg infolge Achsenbruchs ein Güterwagen, der auf eine längere Strecke neben dem Gleise herlief und es erheblich beschädigte. Iw- folgcdessen mußten alle Züge auf etwa zwölf Stunden zwischen Friedberg und Dad-Rauheim eingleisig verkehren, was bei der starken Zugfolge zu mehr oder weniger großen Derspä- tungen führte. Personen wurden bei dem Unfall nicht verletzt. *’ Dad-Rauheim, 6. "Seg. Die Pforten des Kurhauses sind jetzt auf einige Monate ge= schlossen worden. Die Zfffer des Badebe- suches ist auf annähernd 40000 hinaus- geschnellt. Davon waren 26 289 Deutsche und 11241 Ausländer. Diese Ziffer der Ausländer belief sich somit nur auf ein Drittel des Gesamtbesuches. Von den Ausländern entfielen aus: Afrika 100, Amerika 1056, Asien 18, Australien 2, Belgien 280, Bulgarien 59, Dänemark 272, Freistaat Danzig 95, Estland 95, Finnland 365, Frankreich 474, Griechenland 48, England 424, Holland 1221, Italien 110, Jugoslawien 276, Lettland 205, Litauen 159, Luxemburg 178, China 2, Monaco 6, Rorwegen 218, Oesterreich 676, Polen 1291, Portugal 99, Rumänien 373, Rußland 182, Schweden 855, Schweiz 985, Spanien 147, Tschechoslowakei 738, Türkei 43, und Ungarn 585. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M., 6. Dez. Heber eine schon vor Jahresfrist gemachte Entdeckung von großer geschichtlicher Bedeutung wird jetzt Näheres bekannt. Es handelt sich um die Re sie einer von den Römern angelegten Drücke über den Main. Bei dem vorjährigen Wassertiefftand des Mains entdeckte ein Bankbeamter zwischen der Obermainbrücke und dem Neubau der Alten Brücke mehrere, aus starken, tiefschwarzen Eichenholzpfählen bestehende Pfahlgruppen, die den Strom genau rechtwinklig kreuzten. Diese fünf Pfahl- gruppen blldeten die Reste einer Brücke, die römischen Ursprungs ist und fast mathematisch genau in dem Brennpunkt der von Norden und Süden her bei Frankfurt zusammenstrahlen- den Römerstraßen liegt. Von dies« Drücke gingen Straßen aus nach Nida, dem heutigen Heddernheim, nach Derkersheim, nach Vilbel, nach Schwanheim, Groß-Gerau, Dieburg und Darmstadt. Die Frankfurter Drückenreste stimmen in ihren Abmessungen genau mit den römischen Drücken bei Mainz, Köln, Koblenz, Trier, Kostheim und Krotzenburg. Die Dedeu- tung dieser Drücke erkennt man daran, daß die Romer sie durch ein Kastell gesichert haben, das wahrscheinlich auf dem Dvmhügel gestanden hat. Das Ende der Drücke dürfte mit dem Ende der Römerherrschaft im rechtsrheinischen Germanien zusammengefallen sein. Die Pfahlreste waren nur wenige Tage sichtbar und verschwanden bei dem steigenden Wasserstand bald wieder unter den Wellen, konnten aber noch zur rechen Zett vermessen werden. [1 Marburg, 6. Dez Die Stadtverordneten beschlossen den Bettritt zum Glektrv-Zweck- verband Mitteldeutschland und bewilligten zum Großkraftwerk Borken die Haftung bis zur Höhe von 29,15 Millionen Mark. Der Antrag, zur Deckung der Mehrausgaben des Haushaltsetat u. a. auch eine Rachtragsumlage von 300 Prozent zur Gewerbesteuer zu erheben, wurde abgelehnt: ebenso ein Antrag, ein Besitztum im nahen Dorfe Ockershausen zum Preise von l1/, Millionen Mark zwecks Einrichtung eines Försterhaufes zu erwerben. Schwurgericht. Gießen, 4. Dez. Unter dem Vorsitz des Landgerrchtsrais Trürnpert wurde gegen den Heizer Heinrich Theiß von Lehn heim wegen Urkundenfälschung verhandelt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Fischer die Verteidigung führteRechts- antoatt Eng i sch Die Bewersaufnayme ergab, daß Theiß im Winter 1921/22 von der Gemeinde Grünberg 6 Meter Holz für 725 Mk. gekauft Hatte. Da er es bei seinem Wegzug von Grünberg nicht mttnehmen tonnte, verkaufte er es weiter, und zwar für 1425 Mk. Dabei behauptete er bem Käufer gegenüber, er selbst habe soviel bezahlt und legte, zum Bewei« dafür, die von der Stadtkaffe ausgestellte Quittung vor, auf der er die Zahl 725 MJ. in 1425 Mk. verändert hatte. Die Geschworenen sprachen im Gegensatz zu der Strafkammer die die Sache an das Schwurgericht verwiesen hatte, weil Verfälschung einer öffentlichen Urkunde vorliege, den Theiß nur der Verfälschung einer Pr iva turkunde in Gewinnabsicht schuldig. Theiß wurde zu 2 W o ch e n Gefängnis verurteilt. Gießen, 5. Dez. Am 2. Schwurgerichtstag wurde gegen die Witwe Katha rina Stumpf aus Gießen wegen Lvhnabtreibung und gegen die Ehefrau Ka tharina Weber aus Gießen wegen Beihilfe dazu hinter verschlossenen Türen verhandelt. Zwei Schwestern, von denen die eine in anderen Umständen war, kamen fremd von auswärts nach Gießen, erkundigten sich nach einer Kartenschlägerin. wurden an die Angeklagte Weber verwiesen und trugen dieser ihr Anliegen vor. Rach anfänglichem Sträuben nahm die Angeklagte Weber die Mädchen bei sich auf und gewann die Angeklagte Stumpf, die verbotene Handlung in ihrer Wohnung vvrzunehmen. Die Geschworenen verneinten die Frage nach Lohnabtreibung, bejahten aber die nach einfacher Abtreibung, worauf das Gericht die Stumpf $u 10 Monaten, die Weber zu 5 Monaten Gefängnis unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft verurteilte. Die beiden Mädchen hatten bereits durch Urteil der Sttafkammer vom 7. Ott. 1922 Gefängnisstrafen von 6 und 3 Monaten erhalten. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat Stümper t, die Anklage vertrat Staatsanwatt Locher, verteidigt wurde die Angellagte Stumpf von Iustizrat Katz, die Angellagte Weber von Rechtsanwalt Dr. Katz. Gießen, 6. Dez Unter der Anklage des Meineides hatte sich die Berta Heulheck geb. Theiß aus Doben- Hausen I vor dem Schwurgericht zu verantworten. Vorsitzender war Landgerichtsrat Trürnpert, Anklagevertreter: Amtsoer ichtsrat Dr. Wv- daege, z. Z. an der Staatsanwattschaft, Verteidiger: Iustizvctt Dr. Grünechald. Der An- Heutiger Staub des Dollars 10 Uhr vormittags: Berlin 7925, Frankfurt a. M. 7775 — 7825. IVO Pf'HQiMrtrL nage tag folgender Sachverhalt zugrunde: Etwa tm Oktober 1920 hatte eine Xante der Qfaigtflag- ten etne TBitroe X in Bvbetthausen. heünlich au verehelich geboren. Die Leiche des Ärrtbeä, das angeblich tot zur Welt gekommen sein soll, axirbe damals beiseite geschafft Die Angeklagte hitte kurz nach der Geburt, ohne zu wissen, waS vorgegangen war, die Wohnräume ihrer Xante betreten und hn Hinteren Zimmer einen Blick in einen Timer geworfen Sie fay im Timer eine Kindesleiche liefen Doller Aufregung eilte sie zu einer Rachbaaeift-au, ber Zeugin Dm'er, und erzählte dieser, was sie soeben gesehen Auf Grund einer anonymen Anzeige nxiröe tm Herbst diese» Zcchres gegen die Krau X em Verfahren wegen Kindestötung ein geleitet, in dem die Angeklagte Heulhcck vor dem Amtsgericht Ortenberg eidlich vernommen worden ist Sie beschwor dort, sie habe nicht in einen Timer hineingeschaut, tw einer KürdeSleiche habe Re nichts gesehen, auch habe Re der Frau Winter feine berarttge Angaben gemacht. Dieser Eid war falsch. Die Angeklagte gab die» zu Ihre Familienverhältnisse waren feine erfreulichen Sie hat den falschen @ti> offenbar geleistet, während sie unter schweren ü-eüfdjen Depressionen stand Auch scheint die An- gefiagte unter fremden Kinslüssen gestanden zu haben. Die Geschworenen erkannten sie nur de» fahrlässigen Falscheides schuldig. 2InbernfalU hatte die Angeklagte mit Zuchthaus bestraft werden müssen. Das Gericht verurteilte sie entsprechend dem Geschworen en spruch wegen fahrlässigen Falscheides zu 8 Monaten Gefängnis. ©erichtsfaaL Der Darmstädter Landfrieb-.'nsbrrrch vor Gericht. Darmstadt, 7. Dez. (Wolff.) Am heutigen dritten Derhandlungstage wurde die Beweisaufnahme zu Ende geführt. Sie ergab wenig Neues, so das) auf eine Reihe von Zeugen verzichtet werden konnte. Die Angeklagten waren bis auf einen g c ft ä n bi g, nur bestritten sie die Absicht der Schädigung: sie'wollen vielmehr alle schützend ein gegriffen haben, was jedoch durch die Zeugenaussagen glatt widerlegt i'l. Der Fall gegen den Angeklagten Eifenbahnschaffner Huthmann muhte heute, da der Angeklagte schwer erkrankt ist, abgesetzt und vertagt werden. Der Angeklagte tnurbe aus der Haft entlassen und kam in das Krankenhaus. Der Fall wird später besonders verhandelt. Der Staatsanwalt wies in seinem Plädoyer auf die politische Bedeutung der Angelegenheit hin und auf die Tatsache, bah diese Darmstadter Dorfälle nicht mir einzelne Personen geschädigt, sondern dem Ansehen des ganzen deutschen Volkes im Auslande Abbruch getan haben. Er beantragte Bejahung sämtlicher Schuldfragen und für zwei Angeklagte Zubilligung mildernder Um» ftänbe. Morgen Fortsetzung der Derhandlung. Vermischtes. Flugzeog-Adstürze: 10 Personen getötet. Berlin, 7. Dez. Aach einer Blätfermeldung aus Stralsund stürzte in der Nähe von Franzenhkhe ein von den Stralsunder Luftfahr- zeügfubriken hergestelltes, mit 4 Mrnn besetztes Flugzeug aus etwa 300 Meter Höhe In» Meer. Die Insassen konnten nur als Le iche n geborgen werden. London, 7. Dez. (Wolff.) Reuter meldet au» Aewport-Dews, bah bei dem Zusammen st ost zweier Flugzeuge zwei Ofsizieree und vier Soldaten getötet worden sind. ilrnfteRungen in der Tabakindustrie. Berlin, 7. Dez. Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet, stellen infolge Rückganges der Zigarettenfabrikatton mehrere thüringische Zigarrenfabriken Ihre Betriebe teilweise um auf die Herstellung von Textilwaren. Erne exemplarische Strafe. Berlin. 7. Dez. Wie daS .B. T ° auS K v 11 b u « meldet, wurde ein Kaufmann, der einen ausgiebigen Handel mit Brillanten und Gold ohne AuSfuhrbewiltigung nach Amerika betrieb, zu 6Z0 000 Mark Umlatzsteuer, einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen, einer Geldstrafe von 2 500 000 Mark sowie zur Einziehung eines Wuchergewinns von 1500 ODO Mark verurteilt. Unglück le der Nordsee. Hamburg, 7. Dez. ^WTB.) Der englische Dampfer .Balmore", von England ^ach Stettin unterwegs, wurde auf der Höye Für unsere Postbezieher ist die Frist zur Nachzahlung der erhöhten BezugSgebübr für Dezember abgelaufen. Wer den Mehrbetrag von 275 Mark noch nicht an uns eingefänbt hat, be- nuhesofortdie heute nochmals beigefügte Zahlkatte, um seiner Nachzahlungspflicht zu genügen. Dom 12. Dezember an stellt die Post die Weiterlieferung der Zeitung ein, wenn der Mehrpreis bis 9. Dez. nicht entrichtet worden ist. Verlag des Gießener Anzeigers. von Borkum treibend gesichtet. Don Cuxhaven lief ein Schleppdcunpfe- aus. um den Dampfer zu suchen, muhte jedoch unverrichteter Sache zurückkehren. Ausländische Dampfer im bereiften Petersburger Hafen. öt. Petersburg. 7. Dez. (Russische Telcgrapheuagcntur.) Gestern sind die zwei er st en Züge ausländischer Dampfe r in dieser Sisperiode im Petersburger Hafen eingelaufen. Sie wurden von zwei Eisbrechern in den Hafen gebracht. Kirchliche Nachrichten. 2fr. Religionsgemeinde. Gottesd. i. d. Synag. (Südanl.l. Samstag, 9. Dez. Dorabd. 4,30, morg. 9. Abds. 4,35 u. 5,15. Sandel. Berlin, 7. Dez. (Wolff.) Der Börsenvorstand hat beschlossen, bis Ende dieses Monats wie bisher nur Montags, Mittwochs und Freitags Wertpapierenbörsen stattfinden zu lassen. An den übrigen Tagen werden nur Avisen und Roten notiert. Berlin, 7. Dez. Am Devisenmarkt machte sich eher eine etwas günstigere Beurteilung der Londoner Konferenz geltend Die Kurse gaben etwas nach der Dollar ging später an der Börse auf ziemlich 8000 zurück, das Geschäft hielt sich aber bei vorwiegender Zurückhaltung der Interessenten in r-echt engen Grenzen. Frankfurt a. M^ 7. Dez. Börsen- stimmungSbild. Die Wertapapierbörse blieb heule in Aebereinstimmung mit den übrigen deutschen Börsenplätzen geschlossen. Am Devisen- und Aotemnartt blieb das Geschäft klein. Der Dollar zeigte folgende Bewegung. 8250, 8400. 8300 und gab an der Börse bis 8050 nach. 3m Verkehr von Bureau zu Bureau zeigte sich eine unregelmäßig-.' Tendenz. Starke Nachfrage bestand für Chemische Wette SchiffahrtSaktien beachtet. Montan- und Elekrrvaktien unterlagen Sck)wankunueu. Das Geschäft auf dem Effektenmärkte blieb stiller. Märkte. Berliner Prvduktenmarkt. Berlin 7 Dez Sie Haltrnrg deS Pro- duttcnmurktes lief) keine ausgesprochene Lendenz eitenncn Weizen wurde nur wenig u «gesetzt i daS Angebot war gering, aber fetten S der Mühlen zeigte «ich einige Kauflust. Auch das Roggrn- gc|d;äft bewegte sich in engen Grenzen, das sich z T. noch um die Erfüllung der Käute der Reichs- gcttübcl'tellc drehte Die Preise stellten sich eher um Kleinigkeiten höher als gestern Don Gerste konnte nur gute Ware, von der aber wenig angeboren ist. untergebracht werden Hafer schwächte sich im Zusammenhang mit dem groben Umfang der eingetroffenen oder baE> zu erwartenden Warenmengen ab. MaiS war für spätere Sichten mehr begehrt. Das Meblgeschäft war tu big; auS zweiter Hand lagen weitere jfagebole vor Für Ocifaatcn, Hülse irsrüch^ und Futterartikel bestand wenig Interesse. Weizen, märkischen 15 300 -15 600 Mk. (etwas matter»,Roggen, mäikischen 13 500—13 600 Mk (rubig), Sommergerste 12 600 -13 100 HEI., oborschlof 12 000 biS 12 300 Mk lmartert, Hafer märt. 13 300—13 500 Mk. vommersch 13 000 Ottt. l still), Mais, La Plata, loco Berlin 15 300—15 600 Mk (etwas matter), Weizenmehl (100 Kg ) 40 000-46 000 Mk. (Eg). Roggenmehl (100 Kg ) 36 000—39 000 Mk. < ruhig), Wcizenllcie 8000 Mk (still), Rvugentieie 80)0 Mark (still), Raps 24 000—26 000 Mk < beraubtet), Rübsen 28000—31000 Mk. (ruhig». Leinsaat 28 000—29 000 Mk, Diktoriaerbsea 24 000 bis 25 500 Mk, Futtererbsen 16 500—17 500 Mk. Peluschken 15 000—16 000 Mk, Ackerbohncm 21 C00 Mark, Wicken 17 000-18 000 Mk, Lupimm, blau 39 500 Ml., Rapskuchen 9200 -9500 Mk., Trocken- 21 000—23 000 Wk, Seradella. alt 33 500 bi« schnitzel 6400—6600 Mt Rauhfulter: Weizen- und Roagenstrvh, drahtgeb 5903—6100 Mk., Haf erst roh. drcchtgeyreßt 5900—6100 Mi, Stroh, ftrobfeilgebündelt 5500—5800 Mk, Wiesenheu, gut. gefund und trocken, Dvrmahd 4500—4700 Mk., Rachmahd 4100—4400 Mk (Soweit kein anderes Gewicht genannt, verstehen sich alle Preise pro 50 Kg ) Frankfurter Schweine» und Kleinviehmarkt. Frankfurt a. M., 4. Dez. (Amtlich.) Marktverlauf: Am Kleinviehmarkt wird flott gehandelt und ausverkauft. Am Schweinemarkt langsames Geschäft und Aeberstand. 3m einzelnen ist zu bemerken: Aufgctrieben waren 647 Kälber, 490 Schafe und 416 Schweine. An Preisen wurden angelegt p. Ztr. Lebendgewicht: Kälber, beste Qualitäten, 34 000 bis 36 000 Mk.. mittlere Qualitäten 31 000 bis 34 000 Mk., geringe Qualitäten 25 000—30 000 Mark. Schafe 16 500—30000 Mk. Schweine unter 80 Kilogr. Lebendgewicht 45 000 bis 53 000 Mk., von 80—100 Kilogr. Lebendgew. 53 000—58 000 Mk., von 100—120 Kilogr. Lebendgew. 58 000—60 000 Mk., von 120 bis 150 Kilogr. 58 000—60 000 Mk. Fettschweine über 150 Kilogr. Lebendgew. 53 000—60 000 Mark. Sauen und Eber 40 000—52 000 Mark. Außerdem wurden 116 Rinder ohne amtliche PreiSnotterung gehandelt. Die Preise liegen um so viel über den Stallpreisen, als 'sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen. BtUherttsch. — Stendhal, Elf Liebesabenteuer, ins Deutsche übertragen von Franz Blei (Paul ©teegemann, Verlag, Hannover.) — Das kleine Buch führt sehr gut in die stofflichen Interessen und die Schrxubart des groben französischen Romanciers ein, die Anewolen find verschobenen feiner Werke entnommen, und Franz Blei, der ilcberfe&er, fügt am Schlub einige treffende literarische Bemerkungen hinzu — „S p i e l z e u g", ein malerisch und sachlich wirksames, in feinem Buntdruck ausgeführteck, heiteres und belehrendes Buch von O. S e y s f e r t und W. Trier. Auf Anregung des Deutschen Bundes für Heimatschutz entstanden Wiedergabe alten, deutschen, .hausgemachten" Spielzeugs. Verlag Ernst Wasmuth, Berlin. - Cervantes, .Don Quixote". Nacherzählt von H Pankow. Verlag C Flemming und 6. T. Wistott, Berlin. — Der altbekannte Ritter von der traurigen Gestalt mit all feinem grotesken Geistes- und Lebens Iprü na en und seiner abgründigen Lebensweisheit für Den. der ibn recht zu verstehen weih. Das berühmte Buch der spanischen, eines der berühmtesten der Weltliteratur. da- jedem Zungen bekannt sein nuh- - Albrecht Janssen. .Der Deichgraf". Richard Hermes Verlag, Hamburg 37. — Unter den jüngeren friesischen Dichtern steht wohl Albrecht Janssen an erster Stelle. Sein neuer Roman ..Der Deichgraf beweist wieder, bah er ein Meister ist in der Darstellung friesischen Lebens, friesischer Taten und Helden. Wenn der neue Roman auch auf geschichtlichem Hintergründe spielt, so ist er doch nicht ein Kostümfest, sondern Menschen und 3been treten vor uns, die auS landschaftlicher Enge und zeitticher Gebunden- heil losgelöst sind, und überraschend erkennen wir endlich unsere zerrissene Zeit' aus dem Roman von friesischer Rot wurde so ein Roman von deutschem Leid. — Der Vogel im Käfig, Roman von Lisa Wenger. (Verlag von Grethlein & Co., Leipzig.) — Die Heldin des Romans ist Rahel, das Kind auS ungewünschter Ehe. das durch Fa- milienhindernisse. Irrungen und Wirrnisse den Flug ins Weite sucht, gelockt durch Ungeduld und heih pulsierendes Dlut, bis es aus Mitleid das Leben eined Blinden an das feine fettet. Lisa Wenger ist eine begabte Gestalterin des Frauen- strebens und -lebens, und ihre sympathische Gemütsrichtung muh ihr Schaffen erfolgreich machen. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Das Urteil im Neustadter Landfciedensbruch- Prozeß. Zweibrücken, 7. Dez. (WTB.) 3n dem Prozeß gegen die wegen LandfriedenS- bruchS in der Billa H e l f f e r i ch in Neustadt angeklagten Kommunisten-wurde heute vormittag V-6 Ahr, nachdem die Verhandlungen die ganze Nacht hindurch angedauert hatten, das Urteil verkündet. Zwei der neun Angeklagten wurden der Anklage gemäß für schuldig befunden und zu einem Zahr bzw. 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen sieben Angeklagten wurden freigesprochen. Die beiden Verurteilten wurden sofort in Haft genommen. lotffoC Weihnachten 1922 Zum Backen, zum Kuchen Zum Feste Einst Mandeln, Tittvnen Das Beste. Heut' Wiste, stnd vorzuzieh'n Backöle von Dr. Neppin „Wttermanbef, Zitrone" „Zimt", „Rum'Aroma" „Backpulver" „Ban.-Zncker" Dom Kolonialroarenhöndler! tTr. yieppin & Co., Leipzig 12) Die Herrveghs. Eine rechtsrheinische Geschichte von L i e s b e t Dill 56. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Der Saal befand sich wie im Fieber, jeder batte feinem Nachbar etwas zu sagen. Zwischenrufe ertönten und verwirrten die Zeugen, und jeder Zeuge entschuldigte Herwegh. statt ihn anzuklagen. 3a. er verteidigte ihn auch noch. .Es ist einfach pathologisch." fanden die Re° fertndare. sie standen an den Türen, weil kein Platz mehr im Saal war. Ein Richter nach dem anderen kam herein, um zuzuhören, alle Rechtsanwälte waren anwesend und alle sagten: u6o was tst noch nicht bagetoefen. Man glaubt es mit Irrsinnigen zu tun zu haben." Der Angeklagte war der einige, der unbeweglich blieb, mit verschränkten Armen starrte er auf die Sonnenflecke an der Wand, die matt hin und her zitterten. ,Wie bleich er ist, “murmelten die Damen. ^Wie verändert er aussieht." sagte die Cellotante. lEr hat sehr abgenommen in dem Gefängnis, der Arme." .Angeklagter, ich muh Sie doch einmal bemühen, mir eine Frage etwas ausführlicher zu beantworten." nahm der Präsrdent wieder das Wort. .Wie verhielt es sich damals mit dem Schreiblifchdiebstabl in bet Nacht vom 23 September, als Sie gerade hier ein gezogen waren, Mainzer Straße 4 . . Das war etwas für die Damen, die Huftedern nickten und die Hälse reckten sich das Weib vor Herbert zitterte vor Begierde, und es machte ihm ein platonisches Vergnügen, sich taut zu räuspern, ms sie unwillig sagte: .Halten Sie doch endlich den Wund." Er kannte diese Geschichte bereits auswendig. Aber nie hatte er sie so kurz und ttvcken gehört wie jetzt aus dem Munde seines Vrtck>ers, der nur Tatsachen gab Das Geld war in den Umzugstagen in den Schreibtisch gelegt worden, seine Mutter hatte die Schlüssel abzuziehen vergessen, die Fenster zu dem Salon, wo der Schreibtisch stand, war offen geblieben und vom Vorgarten aus formte man bequem in die Er dgeschoßräume einsteigen, dazu brauchte man nur turnen zu können Es war eben gestohlen worden. .Uno für diesen Diebstahl hat sich niemals ein Verdachtsmoment gesunden?" fragte der Richter und sah Herwegh fest an .Nein. Nie. Hausleute hatten wir keine, das Dienstmädchen ist noch heute bei meiner Mutter und steht außerhalb jeden Verdachts." Emst hatte sich hingesetzt, als wolle er damit alle weiteren Fragen abfdxneiben, aber zum erstenmal hatte Herbert in der Stimme feines DruderS ein leichtes Zittern bemerkt. Die Verhandlung nahm ihren Fortgmrg, neue Zeugen traten auf. Herbert begann sich über Emsts Unbeweglichkeit zu ärgern Sein Gesicht sah ehern aus, als ginge ihn. alles nichts mehr an, und könnten ihn diese Beweise von Anhänglichkeit seiner Klienten weder rühren noch interessieren. Wenn erst die Rede kommt, dachte der Lüm- mel, und er war erleichtert, als endlich der letzte Zeuge seinen Eid abgelegt hatte und der große Augenblick gekommen war. Die Luft war zum Schneiden dick und die Zuhörer pressten sich erwartungsvoll gegeneinander. „Haben Sie etwas zu Ihrer Verteidigung zu sagen. Angeklagter EEich! Der Rechtsanwalt erhob sich und alles im Saal hielt den Atem an. Das Gemurmel ebbte ab. lautlose Stille entftanb. Die Richter saßen unbeweglich wie Marionetten hinter den schwarzen Tischen, der Staatsanwatt hatte das Monofel eingeklemmt, es sah in seinem breiten, von Schmissen durchquerten Gesicht wie eingeschnitzt. die Gerichtsdiener kamen aus den Ecken hervvr- geschlürst und die Federn und Blumen auf den Kapotthüten der Zeugenbänke hielten still. Eine Tür wurde vorsichtig ins Schloß gezogen, ein Richter hatte sich noch in den überfüllten Saal gedrängt und nickte feinen Kollegen zu. Herwegh würde sprechen . . . Wenn Herwegh aufstand, um jemand zu verteidigen, machte er immer erst eine kleine Pause. Die Handrücken auf den Tisch gestemmt, sah er sich um und fahte noch einmal Saal und Publikum und bann den Angeklagten ins Auge, Und aus diesem Blick schöpfte dieser arme Mensch der auf ihn wartete wie auf den Retter, der uns vor dem Ertrinken einen Strick ins Wasier wirft, feine Hoffnungen. .Warte nur —“ sagte der Blick des Anwalts. Und dann sprach er, ruhig, fast ohne Betonung, chne Phrasen, kurz und klar. Er hatte ein wunderbares Organ, er sprach nie laut, und doch füllte es die hohen Räume, und schon beim ersten Wort wußte er, er hatte seine Zuhörer in der Hand. Auch jetzt, da er sich zu seiner Verteidigungärede erhob, hingen alle Blicke an feinem Mund in atemloser Erwartung. 31 nb Herbert spürte zum erstenmal in seinem Leben Herzklopfen, er reckte seinen langen Hals, um sich kein Wort entgehen zu (affen. Na los, Emst, dachte er, er tonnte es fast nicht ettoarten, wie der Bruder sie nieder- schmettern würde, diese Bleichgesichter in ihren schwarzen Talaren und den dicken Staatsanwatt, des so spöttisch dasaß, den Esel von Verteidiger, dem sie jedeSmal, toerm er sich erhob, ein« auf den Kopf gaben Da stand er, die Handrücken auf den Tisch gestützt, ganz ruhig, und ließ den Blick durch den Saal schweifen. Da erblickte er Herbert, feinen Bruder, der. an die Wand gedrückt, ihn anstarrte, als erwarte er etwas Großes von ihm. Und dieses Gesicht erweckte ihn aus einer dumpfen Betäubung, in der er während vieler Stunden hiergesefsen und den verschiedenen Stimmen zu- gehört hatte. Er schloß die Augen, um etwas abzuwehren, das ihn befiel. Um etwas nicht mehr zu sehen, das er sah. Er kämpfte mit einer ungeheuren Bewegung, die ihn plötzlich übermannte. Er dachte an seine Mutter . feine Jugend, fein Elternhaus, an seine Brüder, seine Schoester, an seinen verstorbenen Vater, dessen ernstes Bild ihn aus dem Rahmen übet dem Klavier anzuschauen schien. Wie auS weiter Ferne sah er dtese flarcn Augen auf sich gerichtet, als wollten sie ihm sagen: Sprich, verteidige dich . . . reiß dich heraus aus deiner Schuld Aber, dachte er, wie kann ich das? Um mich zu entschuldigen, muh ich andere anklagen Ich kann mich nicht reinwafchen, ohne anderen die Schuld aufzubürden und das würde meine Mutter treffen. Et rang etwas nieder, das mit Gewalt in ihm aufstieg. Dann sagte er mit fester Stimme: „Nein." Und er setzte sich Eine solche Gleichgültigkeit kam über ihn, daß er weder das Summen der Stimmen vernahm, noch die verständnislosen Gesichter sah, die ihn von den Zeugenbänken und Hütter der Schranke an flarrten Der ganze Saal war fo verblüfft, daß erst tiefe» Schweigen entstand Was hat er gefagt? fragte man sich. Er hatte nicht« gesagt, er hat gesagt, er habe nichts zu sagen zu seiner Verteidigung. Und die Spannung, die Schwüle, die Atemlosigkeit löste sich in Gelächter. Der berühmte Redner, der alle Verbrecher der Stadt und des Umkreises verteidigt hatte und sich mit feiner Kraft, fernen Nerven, feiner Ehre für sie eingesetzt, der soviel Geist, Schärfe und Witz darauf verwandte, einen Gegner abzutun. feine Klienten zu befreien, fand zu seiner eigenen Verteidigung nicht ein einziges Wort. (Fortsetzung folgt.) U :!> F Bk Henkels puh- und Scheuerpulver, für Hausholh Gewerbe und Industrie — unentbehrlich. HUHU • Ce. DQSSILMW. (Klavier) (Violine) im Alter von 50 Jahren. 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