Die Londoner Konferenz zu verscheuchen. Paris, 7. Aug. (WTB.) Die „Liberty erfolgt. der sich be-1 Steuerzahler! Nach einer Erklärung im Landtag kommen 2 5 Beamte in Betracht. Die finanzielle Belastung des Staates ist zur Zeit 25mal 60 000 (Durchschnittspension), ein Betrag, der sich beträchtlich erhöhen wird. Armer P*---- Bach dir fragt niemand mehr. find. Danach will man, die Grundursache der zerrütteten deutschen Wirtschaftsverhältnisse in der Inflation, d. h. in der künstlichen Schaffung von Kaufkraft durch Ausgabe von Papiergeld sehen. Deutschland, das immer auf die irrsinnige NeparationSpolittk der Entente als die Ursache der europäischen Katasttophe hinweist, sollte die Wurzel des Uebels nur bei sich suchen. Wenn es die mit Hochdruck arbeitende Notenpresse etwas weniger stark in Anspruch nehme, werde sich das Fieber legen und sich zeigen, daß die ganze „Krankheit" nur eine Mache war. Seit Jahr und Tag wird diese Legende von der französischen Presse kolpor- tiert. Dabei liegt die Nachprüfung ihrer De- rechttgung oder Aichtberechttgung so außerordentlich leicht auf der Hand. Man braucht nur die beiden Tatsachenreihen: Inflatton und Geldentwertung in ihrem Verlaufe miteinanden zu vergleichen. In sehr übersichtlicher Weise hat das vor kurzem Dr. A. He ich en in der „Aeüen Zeit" getan. Gr stellt drei GntwicklungSreihen einander Wider die Inflationslegende. GS ist die Tragik des AeparattonSproblems. daß an sich sehr einfache und klare Tatbestände, durch die verderbliche Macht des Schlagwortes verdunkelt und zur Unkenntlichkeit verzerrt werden. Eine der gefährlichsten grassierenden „populären" Ansichten ist das Märchen von der deutschen Inflationspolitik, dessen Nachbeter vor allen Dingen in Frankreich zu finden gWENgspensionisrung durch das Landesamt für Bildungsruesen. Man schreibt uns aus D a r m st a d t: Beratungen über die Retorstonsmatznahmen. Berlin, 8. Aug. Im Reichskabinet wurden, gestern die von dec französischen Re> gieruna pcschloffenen Retorlionsmaß^ gegenüber: Die Inflation, gemessen an der Entwicklung der schwebenden Neichsschuld, die ja der Hauptfaktor der Papiergeldzunahme ist, zweitens den Preisindex und drittens den Dollarindex, Bezeichnet man den Stand der drei Entwicklungsreihen vom April 1921 mit 100, so ergibt sich für den April 1922 bei der Inflattonsreihe ein Index von 152,5, beim Preisindex ein solcher von 428,9 und beim Dollarindex ein solcher von 456,9. D. h. also, während die Inflatton sich in dem angegebenen Zeitraum um nur 52,5% vermehrt hat, hat die Markentwertung, gemessen am Dollar, um 356,9% zugenommen. Wäre die Behauptung von der Inflation als dem Mäh- rungsverderber richttg, so mühte sich logischerweise der Dollarindex in wenigstens einigermaßen gleichem Tempo wie der Inflattons- index entwickelt haben. Wie die Zahlenangaben zeigen, ist aber das Tempo der Markentwertung ein siebenmal schnelleres gewesen als das Tempo der Inflatton. Das gleiche Bild ergibt sich auch, wenn man die Entwicklung der drei Kurven graphisch darstellt. Es zeigt sich dann bis zum 31. August 1921 ein ziemlich starker ParalleliSmus zwischen den drei Kurven. Dann tritt aber eine Veränderung dahingehend ein, daß Dollar und Preiskurve in starker Aufwärtsbewegung parallel miteinander sich stark von der Inflattonskurve entfernen. Es muß also ein anderer Fattor die Gestaltung des Markwertes bedingen, und da brauchen wir nicht weit zu suchen, denn nicht die Ausgabe von Papiergeld ist es, die die Mark fortgesetzt in katastrophaler Weise entwertet, sondern das kraffe Mißverhältnis zwischen unseren Forderungen und unseren Verpflichtungen gegenüber dem Auslande, d. h. die ungeheuere Passivität unserer Zahlungsbilanz. Nicht weil wir im Innern wissentlich unser Geld ruinieren, sondern weil draußen ein sehr viel größeres Angebot an deuffcher Mark als Nachfrage nach ihr herrscht, deswegen sinkt die Mark wie jede Ware, an der Äberfluß au dem Markte ist, fortgesetzt im Wert. Erst wenn hier ein Ausgleich geschaffen ist, d. h. erst wenn die deutsche Volkswirtschaft Einnahmen und Ausgaben miteinander in Einklang zu bringen vermag, wird auch hier zwangsläufig eine Besse rung eintteten. Solange das nicht der Fall ist, hilft keine Sttllegung der Notenpreffe, weil sie das Obel höchstens etwas verschärft, in keinem Falle aber hervorruft. Was die Preisgestaltung angeht, so richtet sie sich, wie aus den obigen Angaben hervorgeht, völlig nach dem Dollarindex, was ja auch die Erfahrung des täglichen Lebens in bedauerlichster Weise bestättgt. , London, 7. Aug. (WTB.) Der poli tische Mitarbeiter der „Westminster Gazette' heutiger Stand des Dollars 10 Lhr vormittags: Berlin 760, Frankfurt n. M. 767 care habe herausgefühlt, daß er zu weit gegangen . ©axcttß“ I sei. und habe in der Nachmittagssitzung eine ge- britifcber- mäßigtere, fast konziliante Sprache geführt. Die - > anderen Mitglieder der Konferenz hatten sich bemüht, die gewitterschwangere Atmosphäre die der Zwischenfall am Vormittag crusgelöst habe. Das auffallende jedoch ist, daß sowohl in den Pensioniecungsdetreten, wie in der amtlichen Bekanntmachung angegeben ist, die Pensionierung dec Lehrer erfolge „auf de renNach suchen , während ein Teil derselben gar keinen Antrag auf Pensionierung ge st eilt, sondern lebhaft dagegenprotestiert und das Gegenteil beantragt haben! Warum die Beteiligten und die Oeffentlichkeit solche unrichtige Mitteilungen gemacht bekommen, bedarf dringend der Aufklärung. Außerdem ist bei einzelnen Lehrern das Dekret nach dem 1. Juli, d. i. dem Pensionierungstag, zugestellt worden. Daß eine Rückwirkung gesetzlich ausgeschlossen ist, bedarf keiner Erwähnung. solange sie leben, so 'handeln wilden wie früher und daß von ihnen weder Widerruf noch Gnade zu erwarten sei. „Was soll man nach diesen Er- klärungen tun? Was sehen wir, wenn wir in die Vergangenheit blicken? In Petersburg Funker- aufstand und Blut, in Archangelsk Blut, in oa= ntar und Sibirien Blut, in Tambow, in Kronstadt neuerlich Vlut, wo immer wir in Vergangenheit und Zukunft blicken, überall fchen wir Blut. Deshalb erkläre ich ruhig: Blut muh hver vergossen werden, damit es in Zulu-^t. kein Blut oder weniger Blut gebe." Handelmanü polemisiert sodann namentlich gegen die Ausführungen Krhlenkos, der behauptet hatte, | nahmen besprochen. Wie die Morgenblätter I von unterrichteter Seite hören, kommen für die | Beurteilung folgende Gesichtspunkte in Betracht: Die in Punkt 1 der französischen Note enthaltene Weisung an die Au s g l e i chs ä m te r in Paris und Straßburg, bis auf weiteres jede Anerkennung deutscher Forderungen aufzuschieben, widerspricht nicht nur dem Geiste der Gegenseitigkeit, sondern auch dem Versailler Vertrag, in dem vorgesehen ist, daß das Schuldneramt dem Gläubigeramt die anerkannten Forderungen bekanntzugeben hat. Zu Punkt 2, die Entschädigungszahlungen für deutsche Rechnung abzusetzen, ist zu sagen, daß sich Frankreich in einem Abkommen verpflichtet hat, die Entschädigungsbeträge zu zahlen aus den Erlösen des liquidierten deutschen Eigentums. Die Einstellung dieser Zahlungen bedeutet einen Bruch dieses Abkommens. Zu Punkt 3 dürfen die französischen Ausgleichsämter die Erlöse aus die Liquidation des deutschen Eigentums in Franlreich nicht mehr bekanntgeben. Rach dem , Versailler Vertrag hat aber Frankreich die Liqui- , dationserlöse dem deutschen Ausgleichsamt gutzuschreiben, und zwar spätestens drei Monate nach : der Liquidation. Also auch hier liegt eine glatte i Verletzung lausender Verpslichtungen vor. Das i VerbotderMöbelausfuhrausElsaß- , Lothringen bedeutete einen Bruch des Baden- ' Badener Abkommens. Die Zahlung von 25 Mil- ' lionen Franken, die Deutschland in diesem Vertrag - Übernommen hat, ist bereits vor längerer Zeit Das eigenartige Verfügen der höchsten Schulbehörde über den Geldbeutel dec Steuerzahler hat in letzter Zeit wiederholt Anlaß zu Erörterungen in der Presse gegeben. Die Begründung, die der Präsident des Landesamts für Bildungswesen in dem Landtag auf eine Anfrage des Abgeordneten Dingeldeh gegeben hat, ist nicht geeignet, die erregte Stimmung in der Lehrer- und Bürgerschaft zu beschwichtigen. Nach dieser Erklärung erfolgte die Pensionierung im Hinblick auf das Ruhestandsgesetz. Da dieses aber noch' nicht veröffentlicht, also nach der- Verfassung noch nicht wirksam'ist, stützt sich die Regierung noch auf ein Edikt des Großherzogs vom Fahre 1 82 0! Rach diesem „kann" jeder Staatsbeamte zu jeder Zeit in den Ruhestand verseht werden. Diese Bestimmung wurde noch nie in so allgemeiner Weise angewendet. Sie, wie überhaupt das ganze Edikt, war früher Gegenstand lebhafter Bekämpfung der demokratischen Partei. Außerdem ist es sehr fraglich, ob die Bestimmung noch gültig ist. Sehr wahrscheinlich ist es, daß sie nach der neuen hessischen Verfassung, das die alte mit ihren in Zusammenhang stehenden Bestimmungen (1. Art. 49 der alten Verfassung) aufhebt, ihre Wirksamkeit verloren hat. So kann auch heute jemand entgegen jenem Edikt ein Staatsamt erhalten, ohne seine Fähigkeit durch eine Prüfung nachgewiesen zu haben. Auf jeden Fall ist das Editt durch die veränderten Umstände bedeutungslos geworden. Daß gerade die demokratische Partei Hessens die Wirksamkeit dieser Bestimmungen gelten lassen will, die aber in einet' nie gehandhabten Weise angewendet werden sollen, beweisen deutlich die politischen Hintergedanken, die ausschlaggebend waren. Man will, auch die Sozialdemokratie hat dies in ihrer Presse schon offen angedeutet, Beamte, die verdächtig erschienen, politisch anders zu denken und „die sich dem Zeitgeist nicht in dem wünschenswerten Tempo anpassen", beseitigt wissen. Ganz unlogisch ist nun, daß das von der Regierung angezogene Edikt vom Fahre 1820 nicht auch auf Lehrerinnen anwendet wird. Es ist befremdend, daß die Schulbehörde, angeblich um den Funglehrern Platz zu schaffen, die alten verdienten Lehrer, die sich nichts ersparen konnten und sich jetzt mit 75 Prozent ihres kärglich genug bemessenen Gehatts begnügen müssen, rücksichtslos pensioniert, während sie verheiratete Frauen, bei denen beide Ehegatten Einkommen haben, neu anstellt. Große Erbitterung hat es nicht nur in Lehrer- sondern auch in Dürgerkreisen hervorgerufen, daß beispiels- — ------ <-■ - Vorschläge Poincares einem Ausschüsse der Fi- Angeklagten sei diese Frage bereits durch Die nanzminister zu unterbreiten. H a ya s hi sagte, Ausführungen von^Goh, Han del mann und das einzige Ziel der Astiierten muffe sein !o- Dimofjeff gelost, die erklärt hätten, daß sie, viel Gxld wie möglich zu erhalten. Auch er' - —----- stimmte dem Vorschläge Lloyd Georges zu. London, 8. Aug. (WTB ) Lloyd George hatte am Schluß der DorMittagssihung eine Unterredung mit C ham berlain, OB or- thington, Evans und dem britischen Finanzsachverständigen. Paris, 8. Aug. (WTB.) Heber die gestrige Sitzung des Obersten Rates schreibt dec Sonderberichterstatter des „Oeuvre, die Konferenz von London habe begonnen, wie man erwarten mußte, mit einem sehr heftigen Zusammenstoß. Poincare, dem sofort nach Eröffnung der ersten Sitzung das Wort erteitt wurde, entwickelte sein Programm und verstteg sich zu der Aeuherung, daß, wenn es sem müsse, Frankreich seine Handlunasfreiheit gegenüber Deutschland zurücknehme. Alle Anwesende n s e i e n e r st a u n t g e w e s en u b er d ie s e brüske Offenheit, und Lloyd George habe mit ziemlich befugen Worten geantwortet. Pom- vr 184 Erstes Blatt 172. Jahrgang Dienstag, 8. August (922 HU a Annahme von Anzeigen Erscheint täglich, außer jaBW r”,1 fü^pie Tagesnummer bis Sonn- und Feiertags, jEMHW» ▼ _ A ▲ a ▲ A A zum Nachmittag vorher mitderSamstaqsbeilage: A * A. Jfk JÄk AA WH OB ahnejedeDerblndl'chlieit. GiehenerFamilienblätter M Wm W W BBlW M Wz preis für 1 mm höhe für SP» 71 llfe Sowjetmacht führen würden. Die Angeklagten stellten sich den Kampf in Zukunft in anderen Formen vor, als in der Form des bewaffneten Kampfes. Zste Ausgabe der Partei der Sozialrevolutionäre beruhe in einer allmählichen mühsamen Arbeit zum Zwecke der Erziehung der Ar- beitermafsen. 3n dem Augenblicke, in welchem der Wille der organisierten Massen zum wahren Lüisdruck komme, werde der Bolschewismus genötigt sein, den Grundsätzen der Demokratie zu weichen. T i m o f j e f f polemisierte in einer Re- Vlik hauptsächlich gegen Bucharins Ausfüh- mngcn über die Diktatur des Proletariats. Gotz erwiderte auf die gegen die Partei der Sozialrevolutionäre erhobenen politischen Anschuldigungen, welche Bucharin und Krylenko vorgebracht hätten. „Wir erachten es," sagte er. „nicht für möglich, ein -Urteil’ über unsere Genossen zu fällen angesichts einer Partei, gegen welche wir kämpfen. Wir 'haben nie auf den bewaffneten Kampf verzichtet und werden auch nie auf ihn verzichten. Der Kamvf muh aber in verschiedenen Formen geführt werben. 3m gegenwärtigen Zeifpunkt stehen wir auf dem Standpunkte, dah wir auf bewaffneten Kampf und Aufstände verzichten." Aach einer kurzen Replik Ra- kvvs führte O e l o n o v aus. dah die Beschuldigten, da sie nicht gemeingefährlich seien, keiner Strafe unterlägen, denn das Sowjetstrafgesetzbuch verfolge nicht die sttafbare Absicht, sondern bloß Sttaftaten. 3n der Bormittagssitzung vom 4. August forderte der Vorsitzende des Gerichtshofes die Beschuldigten auf, eine Erklärung abzugeben, wie sie sich verhalten würden, falls der Gerichtshof sie freisprechen würde. Es sei wichtig, zu wissen, ob die Beschuldigten den Kampf gegen die Sowjetmacht fortsehen würden. Hierauf sprachen Don- s k o j, U g o t> und Timofjeff, welcher erklärte: „Wir kämpfen gegen Euch als Leute der Zukunft." Frau 3 w a m o w sagte, sie billige vollkommen die Tätigkeit der Mitglieder des Zentralausschusses der sozialrevolutionären Partei, für welche sie auch bei ihrem nächsten Kongreß stimmen / würde. Zlobin erklärte, er könne kein Versprechen geben, dah er sich in Zukunft nicht an den Parteiarbeiten beteiligen würde. Aahezu dieselbe Erklärung gaben alle übrigen Beschuldigten ab, wobei sie auf ihre revolutionären Verdienste in der Vergangenheit hinwiesen. Moskau, 5. Aug. (Wolff.) Gestern wurde im Kreml die allrussische Konferenzder kommunistischen Partei eröffnet. 3n der Eröffnungsansprache sagte Kamenew. Lenin gewinne nicht nur seine Gesundheit zurück, er sei tatsächlich bereits gesundet. Erne neutrale Zone an der Tschataldfcha-Linie. Athen, 7. August. Die Vertreter Griechenlands, Großbritanniens, Brankreichs und Italiens haben ein rotokoll unterzeichnet, durch das eins neutrale Zone zwischen der griechischen Armee und den alliierten Streitkräften an der Tschataldscha-Linie errichtet wird. Aus dem Reiche. Die Kohlenkrise. Derlin, 8. Aug. Aach dem „Vorwärts" beschäftigte sich gestern eine Chefbesprechung in der Reichskanzlei mit der Kohlenkrise ^und der Entscheidung der Reparationskom- -mission bezüglich der „Herabsetzung" der Reparationskohlenlieferungen von 19 auf 17 ^Millionen Tonnen. Konflikte im Vrrchdruckgrwsrbe. Frankfurts. M., 7. Aug. Die hiesigen • Buchdrucker sind wegen Lohnforderungen heute abend in den Ausstand getreten. Sämtliche Zeitungen, auch die sozialistischen, erscheinen nicht. Solingen, 7. Aua. Die im Solinger Industriebezirk erscheinenden Zeitungen sind heute wegen Ausstandes der Buchdrucker nicht erschienen. Gehaltsaökommen im Ruhrbergbau. Essen, 7. Aug. Zwischen den Vertretern des Zechenverbandes und den Angestelltenverbänden im Ruhrbergbau wurde eine Vereinbarung getroffen, der zufolge auf die Zuligehülter eine Zulage von 35 Prozent gewährt wird. Abschaffung der Rettungsmedaille. Berlin, 7. Aug. Der preußische Minister des Innern hat eine Verfügung erlassen, in der mitgeteilt wird, daß die Verleihung der früheren Rettungsmedaille grundsätzlich nicht mehr in Frage komme. Diesen Personen, die sich durch Rettung von Mitmenschen unter Gefahr des eigenen Lebens verdiennt machen, soll künftig die Anerkennung der Staatsregierung in Form einer Dankurkunde ausgesprochen werden. Bayern und das Reich. Berlin, 7. Aug. Der bayerische Ministerpräsident Lerchenfeld wird zusammen mit dem bayerischen Innen- und dem bayerischen Iustizminister am Mittwoch früh in Berlin zwecks Verhandlungen mit der Reichsregierung eintreffen. Zur Verabschiedung eines Regierungspräsidenten. Münster, 6. Aug. Beim Abschied von seinen Beamten teilte der Regierungspräsident Graf v. Merveldt mit, dah er die Nachricht von seiner Verabschiedung am 20. Juli durch seine Frau erfahren habe, die ihm die Zeitung hereingebracht habe; der Oberpräsident Grvnowsti habe die Nachricht au feiner Reise ebenfalls aus einer Zeitung erfahren. Gründe für seine Verabschiedung feien ihm nicht mitgeteilt worden. Mit gehobener Stimme erklärte er, er mühte em ehrloser Mensch und ein treuloser Christ sein, wenn er das Gehalt von der Republik angenommen und nicht getreu und gewissenhaft die Anordnungen der Staatsregierung ausgeführt hätte. Er habe keiner politischen Partei angehört und habe es verschmäht, überhaupt nur eine politische Versammlung zu besuchen, well er geglaubt habe, seinem Vaterland am besten damit zu dienen, wenn er über den Parteien stünde. Er scheide als ehrlicher, offener, aufrechter Mann mtt dem Dewuhtsein, selbst unter Hintansetzung seiner eigenen Familie, seine Kraft dem Staat gewidmet zu haben. Er sei bereit, sich zu rechtfertigen, wenn man ihm nur die Gelegenheit baju biete, worauf er, wenn auch nicht nasch den gesetzlichen Bestimmungen, so doch moralisch einen Anspruch habe. Er versicherte weiter, daß er bald wieder in alter westfälischer Treue und Zähigkeit seine Kraft dem Vaterland widmen werde in einer Beschäftigung, die er sich noch wählen müsse. ---------- Aus Hessen. Aus den Ausschüssen. rm. Darmstadt 7. Aug. Der Finanzausschuß des hessischen Landtags erledigte heute die Regierungsvorlage über die Hinter- bli ebenenbe r f orgitng der Staatsbeamten, sowie den Nachtrag zum Staatsvvranschlag, Kap. 44, freir. die Kunststrvßenverwalbung. Angenommen wird dir Regierungsvorlage betr. die Abänderung des Gesetzes über die DrückMgelder und Ueberfa'ßrten, sowie der Antrag des Abg. Reiber hierzu, ferner die Regierungsvorlage über die Neuregelung des Dienstes in den Heil- und Pflege-Anstalten mit verschiedenen Aenderungen. Die hierzu vorliegenden Vorstellungen werden dadurch für erledigt erklärt. Die Anträge der Abgg. Reiber u. Gen., Hoffmann-Alzey, Dr. Schian, sowie die Vorstellung der Bürgermeisterei Hungen betr. Uebernal-me der Kosten der höheren Bürgerschulen in Sprendlingen, Seligenstadt, Hunnen usw., werden gutgehrißen. Der Antrag der Abgg. Sturmfels und Gen., betr. die Verringerung der Schutzpolizei, wird der Regierung als Material überwiesen. Der Gesehgebungsausschuß nahm heute den Anttag deS Abg. Neumann an, die Regierung zu veranlassen, eine Verordnung zu erlassen, damit für ansteckungsfähige Lungen- und Kehl- kopstuberkulofe eine Anzeigepflicht eintritt. — Sie Vorstellung des Ehr. Joseph zu König i, O. betr. bedingten Straferlaß einer Gefängnisstrafe wird genehmigt. Lebhafte Aussprache führte der Antrag der Abg. Kaul und Gen. über den Erlaß eines Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Richter herbei. Der hierzu von der Regierung borgeleate Entwurf wird gutgeheißen, doch sollen über die Zuständigkeit der Spruchkammern, bzw. des Disziplinarhofs noch Abänderungen erfolgen. Uefrer Den Antrag derselben Abgeordneten betr. die Schaffung eines Gesetzes über die Disziplinär- Verhältnisse der nichtrichterlichen Staatsbeamten wurde nach eingehender Debatte keine Verständigung erzielt, und die Regierung wird beauftragt, bis zur nächsten Sitzung, die voraussichtlich Dienstag oder Mittwoch stattsindet, geeignete Vorschläge zu machen. Die Regierung legte weiter einen Entwurf bett, die Vereidigung der öffentlichen Beamten vor, dem im Prinzip zugestimmt wird; Ein- zelheiten sollen dem Plenum der Kammer Vorbehalten bleiben. Wettere Maßregelung? E rba ch r. O„ 7. Aug. Auch derKreis - direktvr des Kreises Erbach Dr. Merck, ist anscheinend wegen der letzten Vorgänge bei der Demonstrattvn zum Schutze der Republik vom Amte suspendiert und durch den Regierungsrat Haberkvrn ersetzt, der die Dwnstverrichtungen übernommen hat. H. war zuletzt am Kreisamt Offenbach. Dr. Merck soll sich deshalb mißliebig gemacht haben, well er wegen evtl, zu befürchtender Unruhen, gerade zu der Zett, als der Zug über den Marktplatz kam, die Schupo aufmarfchieren lieh. Aus StQdt und Land. Gießen, den 8. Aug. 1922. Die Gebühren im Post- und Tele- graphcnverkehr mit dem Ausland. Der deutsche Gegenwert des Goldfranken bei der Gebührenerhebung im Auslands- Paket- und Telegrammverkehr sowie für Ferngespräche nach dem Ausland ist mit Wirkung vom 7. d. Mts. an auf 160 Mk. festgesetzt worden. Dieses Amrechnungsverhältnis ist auch für die Wertangabe aus Paketen und Briefen sowie auf Kästchen mit Wertangabe nach dem Auslande maßgebend. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten. — Postanweisungen kosten nach dem Stande vom 1. d. Mts. nach England 1 Pfund 3871 Mk., je 100 d er fremden Währung nach Argentinien 83 633, Belgien 8166, Dänemark 18 612, Deutschösterreich 2, Finnland 2194, Frankreich 8117, Griechenland 3040, Island 18 612, Japan 41340, Luxemburg 8186, Mexiko 100626, Niederlande 41411, Norwegen 14 838, Schweden 22680, Schweiz 19 073, Spanien 15 528, Tschechoslowakei 2240, Ungarn 43 Mk. Wettervoraussage für Mittwoch: Veränderlich, Niederschläge, zeitweise Aufklärung. Von der atlantischen Depression lösen sich Teilwirfel los, die mit mäßiger Geschwindigkeit über den Kontinent ziehen. Die Wetterlage bleibt veränderlich. * ** Oeffentliche Bücherhalle. Im Juli wurden 1716 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Erzählende Literatur 1052, Zeitschriften 58, Iugendschriften 171, Literaturgeschichte 17, Gedichte und Dramen 29, Länder- und Völkerkunde 69, Kulturgeschichte 26, Geschichte und Biographien 73, Kunstgeschichte 7, Naturwissenschaft und Technologie 77, Heer- und Seewesen 6, Haus- und Landwirtschaft 11, Gesundheitslehre 22, Religion und Philosophie 41, Staatswissenschaft 9, Sprachwissenschaft 17, Fremdsprachliches 31 Bande. Nach auswärts kamen 44 Bände. ** Der Voranschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1922 liegt, wie im heutigen Anzeigenteil bekannt gegeben wird, von heute ab eine Woche im Stadchaus, Bergstraße, offen. ** Der Herb st markt i n Gießen findet in der Zett vom 24. September bis 1. Oktober statt. Im heutigen Anzeigenteil wird auf die Bedingungen für die Ueberlas- sung von Plätzen aufmerksam gemacht. ** Anlagenkonzert findet Donnerstag mittag 12 Uhr am Kiebigdenkmal statt. Muiik- folge: 1.Kürassier-Parademarsch Nr.2 (O.Simon). 2. Wotanö Abschied von Drünhilde und Feuerzauber aus dem Musikdrama „Die Walküre" (A. Wagner). 3. Ungarische Tänze Nr. 5 und 6 (Ioh. Brahms). 4. Fantasie aus Der Oper: „La Boheme" (G. Puccini). 5. Parademarsch des ehem. 18er Husarenregiments für Heroldstrompeten (O. Müller). Vornottzcn. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 7 Uhr: „Der Raub der Sabine- rrnnen". — Astvria-Lichtspiele: „Wildes Blut" und „Die Kette der Schuld". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Frioericus Rex", 1. und 2. Teil. — Der Vortrag des Physikers Larsen, der am Donnerstag abend im Caf6 Leib stattftnvet, hat bisher in der auswärtigen, und besonders in der Berliner Presse, große Anerkennung gefunden. (Siehe Anzeige.) — Oberhessischer Kunstverein. Die Otto Ubbelohde-Gedächtnis- Ausstellung ist täglich, außer Samstags, von 11—1 Uhr und am Mittwoch auch nachmittags von 3—5 Uhr geöffnet. — Eine Verfassungsfeier wird am 11. August im Stadttheater veranstaltet. Näheres ist aus dem heutigen Anzeigentell zu ersehen. Landkreis Gießen. i. Ettingshausen, 7. Aug. 3n förper- Itqjer und geistiger Frische beging freute Allbürger- meister Jakob G ö r n e r t I. seinen 90. Geburtstag. dessen Mitglied Görnert feit Einführung der Kirchenverfassung von 1874 ist, begab sich gestern nach dem Hauptgottesdienst '®t)frmin9 des Jubilars, um ihm seine Glückwünsche auszusprechen und ihm die Ernennung zum Ehrenkirchenvvrsteher der evang. Gemeinde Ettingshausen zu überbringen. f △ Klein-Linden, 7. Aug. Sein erstes Fest beging der Radfafrrer.verein gestern ln~ dem schönen Garten zur Burg. Zwölf auswärtige Vereine und die hiesigen Vereine nahmen am Feste teil. Vormittags fand Strahenwett- fahren statt. Nachmittags 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch das Dorf. 3m (Burgi garten begrüßte H. Gärtner die Gäste. Die Gesangvereine trugen mehrere Chöre vor. 3m Korsofahren erhielt der Verein Hungen den ersten Preis. »• ’ Wirberg, 6. Aug. Das Missions- f e st auf dem Wirberg war von den KirchspiÄ» gemeinden und den Nachbargemeinden gut besucht. Begünstigt von dem Wetter konnte sowohl die Hauptfeier als aiufr die Nachversammlung im Sandgarten an der Stelle, wo früher das Kloster stand, abgöhalten werden. Der Posaunenchor Bersrod stellte dankenswerter Weise die musikalische Begleitung. Bei der Hauptfeier sprach nach einer Einleitung des Orispsarrers. Missionar Walther- Beuern, in der lllachversammlüng hielten Frl. Steiner, die über 18 Jahre in in 3ndien unter der Frauenwelt gearbeitet hat und Missionar Walther Ansprachen. Beide erzählten aus ihrer Arbeit. Das Schlußwort, aus- klingend in ein Wiedersehen übers Jahr, sprach der Ortspfarrer. Die Kollekte ergab 1000 Mk., außerdem wurden für etwa 400 Mk. Mission^ schriften verkauft. Kreis Schotten« lp. Gedern, 7. Aug. Heute morgen wurde die Frau des verstorbenen Wachtmeisters Bleibtreu aus Wenings, der vor kurzem infolge eines unheilbaren Leidens freiwillig aus dem Leben schied, als Leiche aus dem Großen See geländet. □ Saubach, 6. Aug. Der hiesige Fuh- fralb- Verein „Teutonia 1914“ hielt freute eingrohes „Fußball-Pokal-Tur- n i er“ auf dem Sportpatz an der Freienfeer Straße ab. Als Teilnehmer traten in die Schranken die 1. Mannschaft F. D. Lauterbach 1919, die 1. Mannschaft F.-Cl. Alsfeld 1906, die Liga- Reservemannschaft Gießen, Sportllub 1900. Die Vorspiele begannen vormittags 101/2 Übt; um 2V2 älhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Stadt. Von 3 llfrr ab wurden die Entscheidungsspiele ausgefochten. Der Pokal wurde von Lauterbach errungeh. 3m Entscheidungsspiel siegte Lauterbach gegen Alsfeld, Laubach gegen Gießen. Alsfeld spielte sehr fein. Der Kampf blieb lange unentschieden. Schließlich siegte Lauterbach durch die Wucht seines Angriffs. Jedenfalls zeigte das Turnier daß alle teilnehmenden Vereine gute Fortschritte gemacht haben. S Laubach, 6. Aug. Gestern abend fand olmser Hof" unter dem Vorsitz von Dr. Anderhub aus Köln eine sehr stark besuchte Versammlung ehemaliger Schüler des Gymnasiums Fridericanum statt: auch zwei frühere Professoren der Anstalt hatten sich eingefunden. Sogar von auswärts (Schotten und Ruppertsburg) waren einige Herren erschienen. Man traf die Vorbereitungen zur Gründung einer Vereinigung früherer Schüler des Fridericianum". Als Termin für die Gründung des Bundes, der die Tradition der im vorigen Jahre ein- eingegangenen humanistischen Lehranstalt erhalten soll, wurde einstweilen der August 1 92 3 in Aussicht genommen. Nach eingehender Beratung wurde die Bildung der einzelnen Ausschüsse für die Veranstaltung der Tagung in die Wege gleitet. Zum Ehrenvorsitzenden wurde eorg Graf zu Solms-Laufrach, zum M »Wen m Mos. Roman von Ernst Scheitel. 29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Eduard hob mit großer Anstrengung den Kopf noch mehr, um weiter llmschau halten zu können. Er gewahrte Scharen halbnackter Menschen, mit Gliedern wie aus Dro.rze mb Ebenholz, dicht gedrängt Kopf an Kopf und eingekeilt zwischen Pfeilern und übermenschlichen Statuen, lind gleich Felsen im O^ean ragten aus diesem Meer von Leibern die Häupter von Elefanten und Kamelen, zwischen denen gleich riesigen Orchideen die mattroten Hälse von Flamingos schwankten. Nur In der Mitte der Halle war ein breiter Raum freigelassen, auf dem ein gewaltiger Scheiterhaufen loderte mb einen erstickenden Qualm verbreitete. Hinter diesem flammenden Berg wuchs, wie geboren aus dem unterirdischen Dunst, das Bild eines vorweltlichen Tieres, halb Krokodil, halb Nilpferd, ganz aus schwarzem Basalt gemeißelt, über dessen glänzende Oberfläche verstreute Lichtreflexe irrten. DaZ scheußliche Untier stand aufrecht, wie ein höllischer König, sein Haupt schien die Decke zu berühren und zwischen seinen Kiefern hing der Körper eines geschlachteten Menschen, ganz aus Gold gebildet Dor dem Scheiterhaufen aber war ein prunt- voller Altar errichtet aus Porphyr, Lasurstein und Kupfer mb auf dieser gleißenden Lade lag ausgestreckt und von dem rötlichen Schein der Flammen umspült, ein Mädchen, dessen im Tobe rstarrte Glieder nur ein dünnes alitzerndes Ge- ebe umhüllte. Kraftlos vor Entsetzen sank Eduards Kop, zurück, denn der blüfrenbe Körper, der hier feine Seele ausgehaucht hatte, tonnte niemand anderem gehören als dem göttlichen Kinde, das er einen Tag lang hatte lieben dürfen, um dann grausam von seiner Seite gerissen zu werden unb es nun als Leichnam wieder zu erblicken. Sillhs Antlitz war bleich unb die Züge starr wie auS Alabaster. Aber eine überirdische Schönheit lag darüber gebreitet, als wäre sie aus einem tiefen Schlof 'sanft hinübergeglitten in die Regionen des Todes. 3hr goldenes Haar fiel künstlich geflochten herab gnb umrahmte ihr Haupt wie ein kostbares Schmuckstück. Die Arme waren an den Körper gelegt, als warteten sie nur auf die M.imienbinben, und ein Ring mit einem strahlenden grünen Stein, den Eduard vorher nie an ihr gesehen hatte, zierte ihren Finger. Eine große blasse Perle hing über ihre Stirn, und goldene Reifen umspannten die zarten Knöchel ihrer Füße und Handgelenke. All ihre Nägel schimmerten golden. Ein Priester, fast völlig nackt, aber am ganzen Körper mit kunstvoller Bemalung bedeckt, stand neben ihr. Er hatte feine Arme über der Brust verschränkt und hielt feine Argen unverwandt auf das Antlitz des Mädchens gerichtet. Silly lag da wie eine köstliche, fremde Blume inmitten all des barbarjschen Prunkes und höllischen Spektakels. Es war, als ginge ein Leuchten von ihr aus, daS gleich einem mächtigen Zauber alle gefangen nahm, die hier atmeten, ihre Seele schwamm fühlbar durch den Raum wie ein geheimnisvoller Duft, den alle tranken und in sich sogen, um reich zu werden mb voll von göttlichem Leben. Eduard war feiner Sinne nicht mehr mächtig. 3n Folterqualen irrten feine Blicke durch dir Hallen und bohrten sich in die finsteren Ecken, fern Gehirn zermarterte sich, ob denn keine Rettung möglich, ob nicht ein gütiges Schicksal ihm wenigstens vergönnen möchte, den angebeteten Leichnam zu bergen ihn aus dieser Hölle emporzutragen an das Licht und ihm ein Grab zu bauen in der heimatlichen Erde. Er wandte feinen Blick nach der Seite, wo Perzelius lag. Vielleicht konnte dieser Rettung bringen. Die Augen des Doktors waren mächtig geweitet und aus den pergamentfarbigen Aepfeln starrten die Puplllen. Gr schien zu Leben mb alles um sich herum wahrzunehmen. Sein Körper wand sich in zuckenden Bewegungen, als wollte er sich befreien aus den Verschnürungen, die seine Glieder gefesselt hielten. „Wenn ich nur eine Hand frei bekäme," zischte er durch den Lärm zr Eduard herüber, „ich wollte die ganze Rotte ersäufen." Eduard verstand nicht ganz, was der Doktor meinte. „Sehen Sie dorthin!" fuhr dieser hastig weiter und 'wies durch eine Bewegung seines Kopfes in den dämmerigen Qualm. Eduard strengte seine Augen an, um in jener Richtung etwas zu erkennen, aber er gewahrte nur ganz ganz hinten an einer Wand einen mächtigen Schwebebalken der ihm den Eindruck eines monströsen, vorsintflutlichen Fotterinstrumentes machte. Er wollte eine Frage an den Doktor richten, doch da wurde feine Aufmerkfamkrit wieder abgelenkt. Der ohrenbetäubende Lärm war plötzlich abgebrochen, eine unheimliche Stille lastete drückend auf dem Ganzen, das soeben noch unter den Sturzbächen von Tönen erzittert war. Noch gewaltiger schienen sich jetzt die nächtlichen Rämms zu dehnen, wie aifatmenb nach der furchtbaren Erschütterung. Der Priester, welcher >iner Bildsäule gleid) bei Silly gestanden hatte, bewegte langsam unb in einem eckigen Rhythmus seine Arme, ’inb eine ungeheure Spannung begann sich auf allen Gesichtern zu malen. Immer noch loderte der Scheiterhaufen 'und beleuchtete flackernd die schwarzen G.i'der des haushohen Götzen, der dayintsr stand. Aus dem bräunlichen Qualm aber, der dort alles 'um- branbete trat jetzt ein Zug von Frauen, während eine Flöte unb ein fremdartiges Saiteninstrument eine dünne, zarte und berückende Weise zu spielen begannen. Es klang wie das Gezirpe von Grillen, über das sich der Sang einer fernen Nachtigall erhob. Die Frauen waren reich gekleidet tn golb- durchwirkte hauchzarte Dyssusg wäidrr und jcde von ihnen trug einen kostbaren Gegenstand in beu Händen, seltsame große Blumen, goldene Henkel' kreuze reichverzierte Urine Musikinstrumente und Perlenschnüre unb Edelsteine. Sie zogen erst tn leiser Tanzbewcgung un den Altar herum, dann stieg eine nach der andern die rötlichen Stufen empor unb legte ihre Gabe an Sillys ©rite nieder. Der Körper der jungen Toten war schließlich umstarrt von Gold unb glitzernden Steinen unb Eduard krampfte sich das Herz zusammen, als er seine Geliebte so umgeben sah von Glanz unb Verehrung, einer Göttin gleich — aber leblos und blaß. (Fortsetzung folgt) zur Aufführung, „Lenko" Henkefs Wasch- und Mesch- Soda, zum Einweichen der Wäsche und für den Hausputz. V Ästoria-Uchtspiele 4 U sAfcsSrv MM« KMWW - WZ ti.- - v ' '--V''1' ' /■D - -■""'411^1 WMI /MD ■ ■ ' ’/T. ••J.ffiy?. ‘»V. ■.. f-i.. z' «*'• - >MÄ Ovm A?Enis. «ffhtt ’ °uch eßen. icn 90 ßÄW WES* "29 h»it IN« 2 » ita"ähmJei™ "»tritut ?■ -r^exAn erstes >ä=Ä ***ta'i ÜMm. ff* 9ti l» »^rtomte fomy -achdersammiung im L^öas Aster 4* Posillmenchor ' WhieZn. Hauptseier sprach ^«s-Mssmar -ilachaersMuchma * 18 Mto h E gearbeitet hat brachen. Drrde er- l? Lch^hwvrt, aus- übers Jahr, sprach te ergab 1000 W 400 X. MissionS-' Drnings, der vor baren Leidens frei- hied, als Leiche anbei Der hiesige Fuh- na 1914“ hielt ill'Pokal-Tur- an der Freienseer raten in die Echran- S2auterba4) 1919, eS 19X, bis Liga» )ort!hib 1900. w $ E Üicher Ätzug durch nurben die Entschei- yrr Pokal wurde 3m Entscheidungs- n Mfeld. Laubach ilte sehr sein. Der en. Lchliehlich siegte >t seines Angriffs, lier. daß alle teil’ Fortschritte gemacht Sestern abend fmib m Dorsiy von Sr. sehr stark besuchte gerSchulerdes ■anum statt! auch Änstalt hatten sich >äris iSchotten urch Herren erschiE ,ur Gründung einer desFridenuanum. chung des Bundes, |S?T Deratung gung in di A si'.Ni-». * sss* , [Maule flU1® '^langsam und ew^- W ,inb «L * arzrn -r S' A * r dorr ^rnd Wise - »Ä >z»SS Kirche uttb Schule. Preisausschreiben für ein Geschichtslehrbuch. Berlin, 7. Aug. DaS Reichsministerium des Innern hat ein Preisausschreiben zur Schaffung eines Handbuches, das die neuere Geschichte von der französischen Revolution bis zur Gegenwart behandelt, ausgeschrieben. MS erster Preis sind 150 OOO Mark vorgesehen. • Freie Schulstelle. Erledigt ist eine mit einem evang. Lshrer zu besehende Schulstelle an der Volksschule zu F r ä n k i s ch-C r u m b a ch, Kreis Dieburg. Vermischtes. Ringkampf zwischen Raubmörder und Ober- wachtmeister. Berlin, 7. Aug. Der Raubmörder Blume befindet sich dem „Lökalanzeiger" zufolge in .Lebensgefahr. Er hatte, wie gemeldet, mit dem Dresdener Polizeioberwacht, meister Draecklin einen Zusammenstoß und verletzte diesen dabei durch drei Revolver- schüsse. Sn dem darauf einsetzenden Ringen zwischen dem Oberwachtmeister und dem Verbrecher wurde letzterer die Treppe hinabgeschleudert, wobei er eine Ver- letzung der Wirbelsäule erlitt, von der er kaum wiederhergestellt werden kann. Ein Raubüberfall. Hamburg. 7. Aug. (WTD.) Im Walde bet Kasseburg (Kreis Lauenburg) ist heute nacht Graf Luedstadton-Treu- burg (?) auf dem Rachhauseweg von zwei Anbekannten über ff allen, betäubt, völlig entkleidet und ausgeraubt worden. Außer 84000 M. in bar sind ihm ein Scheckbuch über 35 000 holländische Gulden, eine goldene Ahr und Schmuckgegenstände geraubt worden. gefallen war, wurde den Hamburgern der Sieg zugefprochen, da die Rürnberger nicht ein» wandfrei gespielt hatten. Turnen, Sport und Spiel. Der Hamburger Sportverein gewinnt die Deutsche Fußballmeisterschaft. Auch das zweite Entscheidungsspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft in Leipzig, das am Sonntag vor etwa 50 OOO Zuschauern ausgetragen wurde, hatte einen unentschiedenen Ausgang. Rach Schluß der offiziellen Spielzeit hatte jede Partei ein Tor erzielt. Rach der erfolgten Verlängerung blieb das Ergebnis das gleiche. Die Rürnberger liehen sich äußerst grobes Spiel zuschulden kommen, so daß vier Mann herausgcstellt werden muhten. Als auch nach Ablauf der Verlängerung noch keine Entscheidung Gießener Strafkammer. Gießen, 4. Aug. 1922- Gin hiesiger Händl e r war vom Schöffengericht Gießen zu einer Geldstrafe von 5000 Mk. verurteilt worden, weil er für 1860 Zentner Kohlen, die er am 7. Dezember 1921 auf Lager hatte und die von ihm zu den brs dahin geltenden Kohlenpreisen eingekauft waren, nach oiesem Zeitpunkt die von da ab geltenden neuen Kohlenpreise gefordert hatte. Die Strafkammer bestätigte dieses Arteil. Die Einziehung des übermäßigen Gewinnes blieb einem besonderen Verfahren Vorbehalten. Wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an einem noch nicht 14 Jahre alten Mädchen wurden 4 etwa 16 Jahre alte Burschen von Ohmes zu je 5 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Bergmann K. Sch. von Schotten hatte einen Lohnzettel mit dem Ramen eines Kameraden unterschrieben, sich die 300 Mk. Lohn auszahlen lassen und das Geld verjubelt. Einem an» Deren Kameraden, der ihn eine Rächt bei sich beherbergt hatte, stahl er zum Dank dafür eine Grubenlampe und 1 Paar Hosenträger. Strafe: 2 Monate eine Woche Gefängnis. 4 Bad-Rauheim, 6. Aug. Die hiesige Turnerschaft errang auf dem Aschaffenburger Kreisturnfest insgesamt 18 Sinzel- iege,' davon entfallen 11 auf den Turnverein 1860 und 7 auf den Männerturnverein. — Internationale Fußballspiele. Am Samstag und Sonntag fanoen eine ganze Reihe internationaler Treffen statt, von denen wir olgende registrieren: Stuttgart: Wacker Wien gegen Kickers Stuttgart 3:3. München: Wiener A C. gegen M. T. D. München 1:1. Augsburg: Turnverein gegen Wiener QL C. 5:4. Magdeburg: Floridsdorf Wien gegen Viktoria 96 3:1. Krone nberg. Sport-Club gegen Sparta Prag 2:11. Stockh o l m: Amateure Wien gegen Iugaarden 3:1. Göteborg F. T. C. Budapest gegen Gats Göteborg 0:3. Thorn: D. A. S. Budapest gegen Sokol Thorn 4:1. — Deutschland gewinnt den Schwimmländerkampf gegen die Schweiz. Das erste Ländertreffen im Schwimmen zwischen Deutschland und der Schweiz, der am Sonntag in Arosa stattfand, hat mit dem erwarteten überlegenen Siege der deutschen Mannschaft von 84: 50 Punkten geendet. kletterte und sich an den Draht der Stark- stromleitung hing. Als auf telephonisches Ersuchen in Wetzlar der Strom abgestellt wurde, stürzte er herunter. Hände und Füße waren furchtbar verbrannt. Er stammelte noch einige Worte und starb. Der Junge hatte mit noch zwei anderen Einbrüche verübt. Diese drei sahen ihrer Bestrafung entgegen, , Hessen-Nassau. Die gestohlenen Glühlampen. mc. F r a n k f u r t a. M., 7. Aüg. Der aus Schwanheim gebürtige Expedient Zosef Henrich war im Lager der Osramlampengesell- schaft im Osthafen angestellt und entwendete dort große Quantitäten Lampen, die er heimlich verkaufte. Es mögen durch ihn für etwa 42 000 Mk. solcher Lampen verschwunden sein. Dor der Ferienstrafkammer war H. so töricht, hartnäckig zu leugnen, so daß er sich nicht wundern konnte, statt einer Imilden Strafe achtMonateGe- f ä n g n i s zu erhalten. wb. F r a n f f u r t a. M., 7. Aug. Der ehemalige Lehramtskandidat Jakob Wolf aus Soden-Salmünster, der wegen Ermordung und Beraubung eines Mechanikers namens Schwarz aus Rüsselsheim vom Schwurgericht in Hanau zum Tode verurteilt worden war, ist zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden. Wolf betreibt jetzt das Wiederaufnahmeverfahren. mc. Frankfurt a. M., 7. Aug. In der Grwerbslosenfürsorge verringerte sich die ZaÄ der Anterstühungöempfänger im Juni um rund hundert Personen. Die Ausgaben betrugen im Juni 87 986 Mk. gegenüber 140 180 Mk. im Mai. 4 Hexsfeld, 6. Aug. Die Vereinigung ehe mal. Hersfelder Klo st er - s ch ü l e r lieh am Todestage des durch sein Wörterbuch berühmt gewordenen Geheimrats Duden an seinem Grab einen Kranz niederlegen. — Oluf dem Rocken st uhl bei Geisa in der Vorderrhön wurde vom Rhönklub ein Goldschmidt-Denkmal errichtet und dieser Tage in würdiger Weise enthüllt. Der leider viel zu früh verstorbene Moritz Goldschmidt, Lehrer in Geisa, hat sich um die floristische Erforschung der Rhön hohe Verdienste erworben. Den Rhönwanderern ist seine treffliche Abhand- lung uver die Pflanzenwelt der Rhön in Schneiders Rhönführer begannt 4 Großenlüder, 6. Aug. Anser Ort ist durch eine alte Salzquelle bekannt, sie ■ wird als „Grohenllwerer" auch im nahen Bad : Salzschlirf dargereicht und soll von ähnlich gün- : füg er Wirkung sein wie der bekannte Banifatius- ’ brunnen. BetH6e»»en beS ©eWtfBWraibCT ! Mjirffeä Dr. Aeuenhagen-Schotten gewählt. Keid$8ettig wurde die Errichtung einer gußeisernen 1 Gedenktafel -um Gedächtnis der im «Deltkrieg gefallenen Angehörigen »es Gymnasiums Fridericianuni an Einem Bafalrblock des Ramsberges von der Ver- tanmlung beschlossen. * Ruppertsburg, 6. Aug. Anter Detei- fimmg der ganzen Gemeinde und vieler auswärtiger Gäste komtte errdlich das stattliche Denkmal für die Gefallenen erngewetht Werden. Beim Eintritt in den Friedhof leuchtet das goldene Kreuz aus der Gedenlhalle am Sude des Friedhofweges entgegen. Auf wett- aasladender Treppe steigt man hinan und sieht «ruf den zwei mächtigen Platten die Ramen d«r Gefallenen. Anter den Klängen eines Trauermarsches bewegte sich der sehr große Zug zum •ftriebbof Gesang der Schulkinder, Deklamatton, Vvrttägc ^ Gesangvereins eröffneten. Architekt Bura-Gießen übergab und enthüllte dasDeick- mal Reaierunqsrat Dr. R i n d f l e i s ch sprach im Ramen der Kreisbehörde. Der Ortsge,stliche Deihte nach eindrucksvoller Rede das Denkmal a& Zeichen der Dankbarkeit gegen die Gefallenen, als Mahnung zu opferbereiter Liebe zu den Brühern und dem deutscheii Vaterland und als Zeugnis unseres weltüberwindenden Christenglaubens. Di« Hamen wurden unter Glockenläuten verlesen. Ergreifend war das Lied der Kriegsteilnehmer .Ich hatt' einen Kameraden". 3m Ramen der Gemeinde, Kirche und der Vereine wurden Kränze niedergelegt. Beigeordneter Fritz übernahm das Denkmal in beit Schuh der Gemeinde. Starkenburg und Rheinhessen. Der Streik der holländischen Schiffer. tob. Mainz, 7. Aug. Der Streik der holländischen Schiffer auf dem Rhein hat jetzt doch bedenklichere Formen angenommen und auch das deutsche Wirtschaftsleben wird durch diesen einschneidenden Streik ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen. Man hat sich jetzt genötigt gesehen, die Abfertigung der Schiffe zu Tal nach Holland so gut wie vollkommen einzustellen. * tob. Arheilge n, 7. Aug. Gestern vormittag machte in der Wohnung seiner Eltern der 14jährige Schüler Peter Schlein- kofer seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Was den jungen Menschen zu dieser Verzweiflungstat trieb, bedarf noch der Aufklärung. Kreis Wetzlar. △ Lützellinden, 7. Aug. Einen furchtbaren Tod erlitt ein hiesiger Junge von 16 Jahren, der in selbstmörderischer Absicht an einem Mast der Aeberlandzentrale hinauf- Nur noch heute und morgen ► Wildes Blut 6 Akte. 6 Akte. im» In der Hauptrolle die schönste Frau In der Hauptrolle die schönste Frau Gewöhnliche Eintrittspreise! 7370c 12. August 19. 26. 2. September 16. 23. 30. Passagierdampfer: Doppelschraubendampfer „Mongolia“.... Dreischraubendampfer „Minnekahda“ . . . Doppelschraubendampfer „Manchuria“ . . Doppelschraubendampfer „St. Pau!“ Doppelschraubendamfer „Mongolia“ .... Dreischraubendampfer „IWinnekahda“ . . . Doppelschraubendampfer „Manohuria“ . . 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August 1922, abends 8V4 Uhr, im Stadttheater eine Festliche Versammlung zur Erinnerung an die Begründung der Verfassung statt. Ein hervorragender Redner ist gewonnen worden. Zur Festes» feier werden alle Freunde der Verfassung hiermit eingeladen. BlMh SM- Mi SIMM kauft zu höchsten Tagespreisen Hans Kratz, Brandgasse 8. Konzessionierte Pfand- leih-Anstalt.Streng reelle ______Bedienung. 7198 Holländer'M^ für Kinder 411 kinnen gef. Angebot mit Preisangabe 07688] Mäusbura 13. [Verschil ©den es | Aelterer, tüchtiger BuchhaHer übernimmt Beiträgen von Büchern u. Abschluß- arbeiten tür halbe Tage. Schrift!. Angeb. unter 7205 an d. Gieff. Anz. erb. Lehrer vorn Londe sucht zum 1. Oktober für seine 18-iährige Tochter mit höher. Mädchenschulbild, bei vollständig. Familienanschluß Anfnalime in gutem Hause MMilereMiis- bilS.imSimshiilt. Schriftl. Angeb. unt. 07620 an d. Gießener Anzeiger. schwerer, mit oder ohne Bild, sucht Privatm. aus Privath. zu kaufen. Schr. 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Belgische Rasse fand reihenden Absatz. Dre im nahen Eschenrod heute ausgebrochene Maul- und Klauenseuche hatte fast die Abhaltung des ganzen Marktes gefährdet. Kreis Kretzlar. kr. Krofdorf, 7. Aug. Die hiesige Gemeindevertretung hat in ihrer letzten Sitzung Me Anschaffung zweier neuen Fahnen in den Reich sfarben beschlossen zur Be° flagaung der beiden Schulen am 11. August. — Zur Steuerung der Wohnungsnot Vtll man nun auch seitens der Gemeinde dem Bauprojekt nähertreten. Man hat die Errichtung eines Reihenhauses mit drei Ein- zelwvhnungen beschlossen. Hessen-Nassau. Der Angeftelltenstreik. mc. Frankfurt a. M., 7. Aug. Der Streik dauert noch fort. Die Arbeitnehmer sind der Aufforderung der Arbeitgeber, Henle den Dienst wieder anzutreten, da sonst fristlose Entlassung eintrete, nicht gefolgt. Durch den Mangel an kaufmännischem Personal muhten drei Fabriken schließen. Die Verhandlungen zwischen den Parteien werden noch weitergefhhrt. Büchevtisch. — Svrüche ausShakespearesDra-' men. Ausgewählt von Lorenz Straub. Verlegt bei Strecker & Schroder, Stuttgart. — In Shakespeares Dramen ist so viel Kstliche Weisheit in Delfter Form gefaßt, dah es ein glücklicher Einfall ist, die Sprüche, die für alle Zeiten Geltung haben, hevauszunehmen und in einem kleinen Bändchen zu vereinigen. Diele „geflügelte Worte" finden sich da und alle verdienen, es zu werden. — Kuni Tremel-Eggert, Sanna Spihenpfeil. Roman. — Verlag von Albert Langen in München. — Mit urwüchsiger Frische und Hellem Blick für die Wirllichkeit erzählt die Verfasserin uns hier von oberfränkischen Bauern und Flößern, einem 'rauhen, derber Lebensfreude zugeneigtem Geschlecht, bodenständig wie die Bäume des Frankenwaldes, dessen Schönheit die Dichterin uns in ihrem neuen, wieder vom Duft dieser gesunden Erde erfüllten Buche schildert. Handel. Berlin, 7. August. Börsen st im- mungsbild. Die Börse bekundete auf keinem Gebiete besondere Unternehmungslust, Da alle Kreise wegen der heute begonnenen Verhandlungen sich Zurückhaltung auferlegten. Das gilt sowohl vom Devisen- als auch vom Effektenmarkt. Auf dem ersteren waren die Umsätze bei unbedeutenden Schwankungen sehr gering. In Effekten war die Kursbildung unregelmäßig- Mäßigen Erhöhungen standen ebensolche Kursverluste gegenüber, wobei aber die gute Widerstandskraft der Börse festgestellt werDen muß. Mit Erhöhungen über 100 Prozent sind Deutsche Kali und Anglv Guano hervorzuyeben. Das Irrte re sie der Börse wurde 'später durch die starke Aufwärtsbe- wegung der Harpener Bergwerksaktien angeblich vrfolge starker ausländischer bzw. rheinischer Käufe um 700 Prvz. auf 4430 gefesselt, was auch befestigend auf das Geschäft am Mvntanmarkt zurückwirkte, wo Rheinstahl 180 Prozent stiegen. Größeres Geschäft fand sonst noch in Rvrddnttscher Wolle statt bei einer Steigerung von 400 Prvz. sowie im Preisverkehr wiederum in ManSfelder Aktien. Auch für österreichische Bankaktien hielt das bisherige Interesse bei wesentlichen Kurssteigerungen an; sonst ist das Geschäft für Aus- landrenten sttller geworden. Bulgarische und türkische Werte stellten sich etwas niedriger. Oesterreicher und Mexikaner lagen ausgesprochen fest. In den zu Einheilskursen gehandelten Industriewerten waren die Umsätze gleichfalls unerheblich. Die Tendenz hierfür ist als behauptet zu bezeichnen. Frankfurt a. M., 7. Aug. Börsen- stimmungsbilb. Am Devisenmärkte war die Preisbewegung in den ersten Morgenstunden unsicher. Der Dollar schwankte zwischen 770, 765, 775, 770. Das Geschäft in Valutapapieren war daher wenig lebhaft. Decker-Stahl 540, Gebr. Fahr 600, Hansa Lloyd 285, Inag 425, Ufa 220. Der Montanaktienmarkt verkehrte bei gut behaupteter Tendenz. Stärkere Aachfrage machte sich für Harpener bemerkbar, geringe Veränderungen verzeichneten Metall- und Maschinenfabrikaktien. Elektrizitätswerte fanden bessere Beachtung. Chemische Werte, besonders Anilinpapiere, lagen fest. Auf dem Martte der Einheitswerte blieb die Kursbewegung bescheiden. Schiffahrt und heimische Danken erschienen vernachlässigt. Die Börse schloß in großer Zurückhaltung bei behaupteten Kursen. Privatdiskont 6 Prozent. Frankfurt a. W.. 8 August 1922. Börsenkurse. Frankfurt Berlin Schluß- Schluß- Schluß- Schluff Kurs Kurs Brief 885, 17 t*. 1872,65 42,9* 277,dO 460,40 779 - 749,- 900,- 799,- 499,- 463,- 73,60 881,- 179.75 721,- 1425,- 1550,- 440C,- 974,- 805,- 1595,- 875,- 789,- 735,- 824,- 815,* 495,- 416,- 70.50 895.- Kurs 7. 8. Brüssel-Antw. . Ehttstiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helsingfors. .. Italien . . .. . London . . ... Reuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr. Prag Budapest . . . . Buenos AireS . Bulgarien . . . Bad.Anilin-u. Soda Höchster Farbwerke. Allg. Elektr.-Gef. . . Felten & Guilleaume Schuckert-Werke. . . Adlerwerke Daimler 4°/0 Hess. StaatSanl. Electron Griesheim Dtfche. Dereinsbank 1877,35 43,06 278,60 *61,60 117,- 240,- 70,50 500 - 359,- 283,- 266,- 500,- 390,- 284,- 236,- 269,- Datum: S°/,Dtfch. Kriegsanl. 4°/,Dtsch. Reichsanl. Z'/g Dtsch. Reichsanl. 4e/e Preuß. KvnsolS Hamburg-Paketf.. . Norddeutscher Lloyd Eomm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconto-Gesellschaft Dresdner Bank. . . Mitteld. Ereditbank. 1,57 1907,40 37,30 287,37 475,60 Japan Rio de Sandro 10586,- 10614, 885,- 785,- 770,- 920,- 802,- 501.- 422.- 70.- 900,- Kurs 4. 8. 77,60 117,- 240,- 70,- 015,- 370,- 282, - 267,- 498,- 38'«,- 284 - 282,- 271,- H85,- 720,- 1365,- 1490,- 3*50,- 935,- 775,- Derliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld 892,- 790,- 759,- 940,- 820,- 495,- 430,- 1,53 1902,60 87,20 286,87 474*40 7.8 77,50 117,- 243,- 73,25 510.- 370,- 280,- 264,- 487,50 387,- 280,- 235,- 272 - 15&oj — 760,- 1435,- Datum: 5. August. 7. August. OTmfti) -Ototterb 30362,- 30438,- 30262,1030337 90 -rlmM). -nonero. ^rq 5si7 7u 5882,30 13453,15 13466,85 13333,20 13366,80 16903,80 16946^0 16604,29 16645,80 20574,25 20625,75 20074,85 20125,15 1677,90 1682,10 1624,95 1629,05 3595,50 3604,50 3455,40 3464,60 3505,60 3514,40 3440,65 3447,35 788,10 789,99 751,55 753,45 6367,- 6383,— 6117 35 6132,65 14771,5014808,50 14181,2514217,75 12009,9512040/1511460,65 11489,35 1,53 1,57 4.8. 77,50 1'7.- 240 - 74,- 512,- 370,- 280,- 268,50 490 - 386,- 281,50 230,- Aationalbank f. D.. Doch. Gußstahlwerke ^20 - Bud.- Eisenw - Akt.. 750- D.-Luxemb. Bergw.. Gelfenkirch.Dergw.tE,- 15o0, Harpener Bergbau . $400 - 4300, Oberschl. Eifenb.-D. ^8 - 955, Oberschles. Eisenind. 802,- 807, Phönir-Bergb.-Akt. 1540,- 1610,- 1^55, 865, Marknotierungen. Für 100 deutsche Mark wurden gezahll: Datum: 1.7.14. 5.8. 7.8. Zürich Fr. 125.40 -.66 -,70 Amsterdam Fl. 59.20 -.36 Kopenhagen Kr. 88.80 -.62 -.62 Stockholm Kr. 88.80 -.54 -.52 Wien Kr. 117.80 6685,- Prag Kr. 117.80 5,42 London . . . Sh. 97.80 —— Reuyork $ 23.80 -.12 Paris Fr. 125.40 1.70 Züricher Devisenmarkt. 7. 8. 8. 8 Wechsel auf Schweizer Franken Holland 100 Fl. --> 203.50 203.80 Deutschland 100 OHL = 0.67 0.72 Wien 100 Kr. --- 0.01 0.01 Prag 100 Kr. ---- 12.80 12.85 Paris 100 Fr. * 43.05 42.90 London 1 £ — 23.45 23.48 Italien 100 L. ---- 24.35 24.15 Brüssel 100 Fr. = 40.75 40.65 Budapest 100 Kr. --- 0.25 0.29 Reuyork 100 $ — 526. - 525.75 Agram ....... 100 Kr. = 1.575 1.60 Warschau 100 Är. — 0,085 0,085 Märkte. Frankfurter Getreide-Börse vom 7. August. Im Frühverkehr nahm das Geschäft einen ruhigen Derlauf. Entsprechend der.Dalutabewe- gung herrschte zunächst noch größere Unsicherheit und die Abschlüsse hielten sich in engen Grenzen. Die Preise für Weizen lauten gut behauptet, teilweise höher. Roggen in aller Ware ist nur wenig beachtet, neuer trodener gefragter, aber spärlich angebvten. Für Wintergerste finden sich Käufer bei erhöhten Preisen. Hafer liegt weiter fest. Mais bleibt entsprechend der ausländischen Zahlungsmittel schwankend. Weizenmehl hält an den erhöhten Preisstand fest. Roggenmehl hat sich im Preise wenig verändert. Futterstoffe sind begehrt. Hülsenfrüchte liegen noch ruhig. Die vorkommenden Muster neuer Ware zeigen, daß die Klagen über die Ernte nicht gerechtfertigt sind. Roch anhaltende warme Witterung ist allerdings zu wünschen. Amtliche Votierungen der Frankfurter Getreide-Börse, 7. August. Getreide, Hülsenfrüchte und Biertreber ohne Sack. Weizenmehl, Roggenmehl unt> Kleie mit Sack. Preis je 100 Klg., alsbaldige Lieferung. Parität Frankfurt a. M. — Weizen 3150 bis 3200 Mk. Roggen 2400 bis 2500 Mk. Sommergerste für Brauzwecke 3000 Mk. Hafer 3050 Mk. Mais (Laplata) 3100 bis 3150 Mk. Mais (Mixed) 2900 bis 2950 Mk. Weizenmehl, südd. Spezial 0, 4300 bis 4500 Mk., bei Waggonbezug ab Mühlen- ftation. Rvggemnehl 3100 bis 3150 Mk. Weizen und Roggenlleie 1675 bis 1750 Mk. Heu, südd., gut, gesund, trocken, 1550 Mk. — Tendenz: fest bei kleinem Geschäft. Getreide neuer Ernte wurde noch nicht gehandell. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M.. 7. Aug. (Amtlich.) Marktverlauf: Rinder- und Kleinviehmarkt bei lebhaftem Handel geräumt. Schweine hinter- lasien bei langsamem Handel Ueberstand. Im einzelnen ist zu bemerken: Aufgelrieben waren 1243 Rinder, darunter 218 Ochsen, 47 Bullen, 978 Färsen uni) Kühe. Ferner 286 Kälber, 192 Schafe, 1236 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: Ochsen von 3200—4800 Mk., Bullen 3200 bis 4300 Mk., Färsen und Kühe 3300—4600 Mark für beste Färsen, 2000—3600 Mk. für geringe Kühe und Färsen, Kälber, beste Qua- lttäten 5000—5400 Mk., mittlere Qualitäten 4600—4900 Mk., geringe Qualitäten 4000 bis 4500 Mk., Schafe 3000—3500 Mk., Schweine unter 80 Kilo Lebendgewicht 6600—7400 Mk., von 80—100 KUo 7500—7800 Mk., von 100 bis 120 Kilo 7700—8000 Mk., von 120—150 Kilo 7700—7900, Fettschweine über 150 KUo 7700—7900 Mk., Sauen und Eber 6800 bis 7400 Mk. Die Preise liegen um soviel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händler- gewinn in sich schließen. • b. Schotten, 7. Aug. Heute fand unter außerordentlich starkem Andrang von Händlern und Landwitten der altbekannte Schottener Sommermarkt statt. Der Markt glich fast dem FttedensbUd. Der Austtteb von Dich, Pferden (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Die Londoner Konferenz. London. 6. Aug. (WB.) Die Mitglieder der französischen, der belgischen und der italienischen Delegation zur Reparationskonferenz sind heute abend in London eingetroffen und u. a. von Lloyd George und Sir Robert Home begrüßt worden. Die erste Sitzung der Konferenz soll am Montag vormittag 11 llhr stattfinden. Alle Versuche, eine ilnterrebung mit Poincare zu erlangen, sind, wie Reiter meldet, fehlgeschlagen. S ch a n z e r erflärte u. a., Italien habe die besten Absichten. Deutschland zu helfen, könne aber nicht dabei Italiens Interessen opfern. Iaspar erflärte, ein Moratorium für die deutschen Reparationszahlungen sei keine Lösung, da Belgien sofort Reparationen brauche. Paris, 7. Aug. (WB.) Der Qonboner Berichterstatter des „Petit Pattsien" berichtet, daß die belgischen Minister T h e u n i s und Iaspar bereits gestern eine lange Llnterhaltung mit LlohdGeorge gehabt haben. Mit Poin- care würden sie heute vormittag vor Beginn der ersten Sitzung des Obersten Rates, die auf 11 Uhr festgesetzt ist, zusammentrefsen. Zur Vorgeschichte des französischen Standpunktes in der Reparationsfrage. Paris, 7. Aug. (WTB.) Der Svnderbettcht- erftatter des „Petit Parisien" meldet, der englische Schahkanzler Sir Robert Horne sei vor etwa 8 Tagen beinahe soweit gewesen, seine Kollegen von einer weitgehenden Liquidationspolittk zu überzeugen. Er habe gewünscht, daß England seine Forderungen an Deutschland und die Alliierten aufgebe. Horne fei aber auf den Wider st and von Lloyd George und der Mehrheit des Kabinetts gestoßen. So sei die Dalfournote entstanden. Bis zu diesem Zeitpunlle scheine es die Absicht der französischen Regierung gewesen zu sein, einen doppelten Plan in London vorzulegen. In erster Linie habe man die deutsche Schild in dem Maße herabsehen wollen, in dem die gegenteiligen Kriegsschulden kompensiert würden. Ein nach dieser Richtung vorgelegter Plan des Ministers de Lasteyrie habe die Mehrheit des Kabinetts gefunden. Das ist der von „Ere Rouvelle" angekündigte Plan, der also nach Ansicht des „Petit Pattsien" fallen gelassen werde. Der zwette Teil des Planes besteht in den Maßnahmen, die Deutschland jetzt auf gezwungen werden sollen. Rach Ettcheinen der Balsournote habe Poincarß, der anfangs noch gewisse Zweifel über die Opportunität der Festsetzung der Schulden gehabt habe, erklärt, dieser Plan muffe nun auf gegeben werden, und man Birne nur noch an die Kontrollmahnahmen denken. Unter diesn Umständen fei vovauszuschen, dah man die Frage der Festsetzung der Schulden beiseite legen werde und nur über die Maßnahmen diskutieren werde, die jebenfans Poincare schon heute vormittag vorzuschlagen gedenke. Diese Maßnahmen, die das Blatt wiederholt, sind: Beschlagnahme der deutschen Zolleinnahmen und der ausländischen Devisen, die sich aus der Einfuhr ergeben, 26- prozentige Abgabe vom Kapital der deutschen Industttegesellschasten. Die Rückkehr der griechischen Truppen. Paris, 7. Aug. Rach einer Havasmel- dung aus Konstantinopel hat General Wlachv- p o l u s dem Obersten Kriegsrat der alliierten Truppen von Konstantinopel mitgeteilt, daß infolge der Instruttionen des griechischen Oberkommissars der Rückzug der griechischen Truppen um 3 Kilometer von der Demarkationslinie begonnen habe. Die Ab : steckungsarbeiten der neuen neu traten Zone tour» ; den unmittelbar beginnen. // 1 Behördliche Anzeigen Bekanntmachung, den Voranschlag der Stadt Gießen für das Rj. 1922 betreffend. Der in der Sitzung der Stadtverordneten-Der- sammlung vom 28. Juli 1922 festgestellte Voranschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1922, ebenso die Voranschläge des Brennstoffamts und Lebensmittelamts, des Wohlfahttsamts, der Glektttzitätswette und der Straßenbahn, des Gas- und Wasserwerks, der Höheren und Erweitetten Mädchenschule, sowie der Plock'schen Stiftung für dieselbe Zeit liegen vom 8. August d. Is^ ab während einer Woche auf dem Stadthaus, Bergstraße, Zimmer 17, offen. Es wird dies mit dem Bemerken öffentlich bekannt gemacht, dah die Beteiligten innerhalb der Offenlegungsfttst die Voranschläge einsehen und bei dem Oberbürgermeister schriftlich oder zu Protokoll Einwendungen gegen ihren Inhalt Vorbringen können. Gießen, den 4. August 1922. Der Oberbürgermeister: Keller. 73558 Donnerstag, den 10. August 1922, vorm. 8 m>t, versteigere ich öffentlich zwangsweise gegen Barzahlung: 2Uinofilm§, Igilmausroller, I Partie Herren- u. vamenlieldungsstücke pp. Zusammenkunft der Steigerer am Hotel Schützen- Hos in Laubach. Laubach, den 5. August 1922. 73480 Metzger, Gerichtsvollzieher. Der Herbstmarkt in Gießen findet in der Zeit vom 24. September bis einschl. 1. Oktober 1922 statt. Reflektanten wollen stch wegen Heberlaffung von Plätzen für erstklassige Fahr- und Schaugeschäfte, sowie von Verkaufs- buben bis spätestens 23. August 1922 an die Stadtverwaltung (Stadthaus, Dergsttaße, Zimmer Rr. 12) wenden. Die Bedingungen sind dott erhältlich: Angebote sind unter Verwendung des vorge- schttebenen Angebotscheines schttftlich mit der Aufschrift : „Angebot für den Herbstmattt 1922“ an die obenbezeichnete Stelle einzureichen. 73548 Gießen, den 4. August 1922. Der Oberbürgermeister. I. V.: K l i n g s P o r. Holzsubmisfion. In den Waldungen der Gemeinde DerSrod soll angeführtes Holz auf dem Submisstonswege vergeben werden: 1. 3 Kiefernstämme 5a Klaffe mit 0,84 Fstm. 2. 7 Fichtenstämme 3. „ „ 9,13 „ 3. 20 „ 4. „ 17,44 „ 4. 47 „ 5a „ „ 26,57 „ 5. 104 „ 5b „ „ 26,77 „ 6. 18 Derbstangen mit zirke 1,30 „ Die Angebote sind getrennt nach Klaffen, pro Festmeter, bis zum Donnerstag, den 10. August l. Js., nachmittags um 5 Llhr, bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzureichen, wo die Eröffnung der Angebote erfolgt. Die Vettauftsbedingv gen werden im Eröffnungstermin bekanntgegeben. Bersrod, am 7. August 1922. 73460 Hessische Bürgermeisterei Bersrod. Decker. M* aller irl wert die Brtthl’solie Univ.-Druckerei. B. Lenne, flieBen Bnllenverkanf. Die Gemeinde Beltershain beabsichtigt einen fetten Simmentaler Dullen auf dem Submissions» wege zu vettaufen. Angebote sind mit der Auf» schttft „Bullenverkauf“ bis längstens Freitag, den 11. August, nachmittags 2 Llhr, bei unterzeichneter Stelle einzureichen, woselbst die Eröffnung der Angebote im Beisein der etwa ettchienenen Dieter stattsindet. Bedingungen sind vorher einzusehen. Beltershain, am 6. August 1922. 73470 ______Hessische Bürgermeisterei. Zimmer.______ Bekanntmachung. Der Zinsfuß der unterzeichneten Kassen wird ab 1. Januar 1923 wie folgt festgesetzt für ausgeliehene Kapitalien, 1. Hypotheken 5%, 2. Schuldscheine 6°/<>. Für aufgenommene Kapitalien werden von demselben Datum ab 38/4% vergütet. 73570 Sm- uni) VttsMmein I uni) II Beuern Sunt- uni) Burs-uWe A.-8. unh Tur- uni) LeihknKe e. 6. Ernben-Buseik. Wer rlWWlk WlNMllM Ml bs6 Wer eingetroffen. Nur erstklassige Ware zu den billigsten Tagespre'sen. Zu besichttgen Gat Mittelemühl© bei Allen-Buseck. 7323h Ila Kolonial- u.Weichfaser- Bindegarn erstki. Fabrikat la Garbenbänder la Erntedecken la Fruchtsäcke sofort vom Lager zum billigsten Tagespreis lieferbar. 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Bei einem verheirateten Steuerpflichtigen mit drei minderjährigen Kindern ohne eigenes Arbeitseinkommen sind infolge des Hinzutretens von einem mittellosen Angehörigen und einem min» derjährigen Kind gemäß § 50 Abs. 2 EStG, die von der Gemeindebehörde festgesetzten Iahres- ermäßigungen von 120 4~180 4* 120 + 180 4- 180 4- 180 — 960 Mk. abweichend auf 240 4~ 540 4~ 240 4- 360 4- 360 4- 360 4- 360 4- 360 = 2820 Mk. festgesetzt worden. In diesem Falle hat der Ar» Zeitgeber bei jeder nach dem 31. 3uli 1922 erfolgenden Lohnzahlung für einen nach dem 31.Juli 1922 fällig gewordenen Arbeitslohn den Steuerabzug wie folgt vorzunehmen. Bezieht z. B. der Steuerpflichtige einen Wochenlohn von 750 Mk., so ist nach dem 31. Juli 1922 für den nach dem 31. Juli 1922 fällig gewordenen Wochenarbeitslohn kein Betrag einzubehalten, da die Wochen» ermäßigungen von (9,60 -j- 21,60 4- 9,60 4- 5 mal 19,20) — 136,80 Mk. den einzubehaltenden Betrag von 75 Mk. (6. i. 10 v. H. des Arbeitslohns) übersteigen. 2. Hinsichtlich der Aichtberücksichtigung minderjähriger über 17 Iahre alter Kinder mit eigenem ^Arbeitseinkommen bei der Vornahme des Steuerabzugs von dem Arbeitslohn des Haushaltungs- Vorstandes verbleibt es bei den bisherigen Vorschriften. 3. Soweit Anträgen auf Erhöhung des Betrages von 540 Mk. jährlich zur Abgeltung der nach § 13 Abs. 1 Ar. 1—7 zulässigen Abzüge von den Finanzämtern bis zu dem Betrage von 1080 Mk. jährlich bisher stattgegeben worden ist, tritt vom 1. August 1922 ab an Stelle des Monatsbetrages dieser erhöht zugelaffenen Ermäßigung ein Monatsbetrag von 90 Mk. Soweit ein höherer Betrag als 1080 Mk. jährlich (= 10800 Mk. jährliche Werbungskosten) zur Berücksichtigung beim Steuerabzug zugelaflen worden ist, ist der der jährlichen Erhöhung entsprechende Monatsbetrag an Stelle des Monatsbetrages von 90 Mk. zu berücksichtigen. 4. Bei einem ledigen Steuerpflichttgen, auf dessen Steuerbuch eine Ermäßigung von 120 Mk. und eine solche von 180 Mk. zur Abgeltung der nach § 13 Abs. 1 Ar. 1—7 zulässigen Abzüge eingetragen ist, tritt vom 1. August 1922 ab an Stelle des der Iahresermähigung von 120 Mk. ent- sprechenden Moncttsbetrages von 10 Mk. ein solcher von 40 Mark und an Stelle das der Iahresermähigung von 180 Mk. entsprechenden Monatsbetruges von 15 Mk. ein solcher von 90 Mark. Bei einem Arbeitslohn von wöchentlich 800 Mk. sind demnach bei jeder Lohnzahlung nach dem 31. Juli 1922 von einem nach dem 31. Juli 1922 fällig gewordenen Arbeitslohn einzubehalten: 80 Mk. (d. i. 10 v. H. von 800 Mk.) — (9,60 Mk. d. i. der Wochensatz bei einer Monatsermäßigung von 40 Mk. -j- 21,60 Mark d. i. der Wochensah bei einer Monats- ermähigung von 90 Mk.) — 31.20 Mk. — 48,80 Mark abgerundet auf 48 Mk. 5. Bei einem kinderlos verheirateten Steuerpflichttgen, auf dessen Steuerbuche eine Iahresgesamtermähi- gung von 120 Mk. für ihn selbst, 120 Mk. für die zu seiner Haushaltung zählende Eheftau und 180 Mk. zur Abgeltung der nach § 13 Abs. 1 -7 zulässigen Abzüge aufgeführt ist, tritt vom 1. August 1922 ab an Stelle des den Iahresermäßigungen von 120 Mk. entsprechenden Monatsbetrages von je 10 Mk. ein solcher von je 40 Mk. und an Stelle des der Iahresermähigung von 180 Mk. entsprechenden Monatsbetrogs von 15 Mk. ein solcher von 90 Mk. Angenommen, der Steueipslichttge hat einen Monatsarbeitslohn von 4000 Mk.. so smd bei jeder Lohnzahlung nach dem 31. Juli 1922 von einem nach dem 31. Juli 1922 fällig gewordenen Arbeitslohn einzubehalten: 400 Mk. id. i. 10 v. H. von 4000 Mk.) - (40 Mk., d. i. der Monatssah für den Steuerpflichttgen, 4- 40 Mk., d. i. der Monatssatz für die Eheftau, + 90 Mk., d i der Monatssatz für die Abzüge nach § 13) = 170 Mk. = 230 Mk. Persönliches von Jakob Vurckhardt. (Zu seinem 25. Todestage, 8. August.) Wenn man dem 19. Jahrhundert den Beinamen des Historischen beigelegt Hal, so rechtfertigt sich das hauptsächlich dadurch, daß es einige Geschichtsschreiber allerersten Ranges hervor- aebvacht hat. ihner diesen Geistern, deren Blick das Vergangene mit Sehergabe durchschaute und zu neuem Leben gestaltete steht neben Ranke Jakob Burckharötan erster Stelle. Der „Entdecker der Renaissance", der durch seine meisterhafte Kulturgeschichte dieser Zeit seine eigene Epoche auf das reichste befruchtet, gilt längst nicht mehr als einfacher Geschichtsschreiber und Kunsthistoriker, sondern er ist selbst als eine „weltgeschichtliche Persönlichkeit" erkannt, deren Werke klassische Geltung besitzen. In dem Vierteljahrhundert, das jetzt seit seinem Tode vergangen ist, haben wir diesen genialen Denker und Schöpfer eigentlich erst recht kennen gelernt, während er sich vorher scheu hinter feinen Arbeiten verborgen und zuletzt ganz geschwiegen hatte. Die Veröffentlichungen aus seinem Nachlaß haben schon fast einen gröberen Umfang als alles, was er selbst herauSgegeben hat, und es verlohnt sich wahrlich, alle Vorträge, die er gehalten hat, die Aachschriften seiner Vorlesungen, selbst Gelegenheitsaufsätze von ihm herauszugeben, beim aus jeder Zeile spricht die ursprüngliche Persönlichkeit und der große, in die Tiefe schauende Blick. Der spröde Zauber des Menschen Vurckhardt aber ist uns durch seinen Briefwechsel erschlossen worden, durch den jugendlich-romantischen und doch schon so überlegen selbständigen schriftlichen Derckehr mit dem Ehepaar Kinkel, durch den wissenschaftlichen Meinungsaustausch mit einer verwandten Äatur, wie Heinrich von Geymüller, durch die fast väter- 6. Bei einem verheftateten Steuerpflichttgen mit drei minderjährigen Kindern im Alter von nicht mehr als 17 Jahren mit eigenem Arbeitseinkommen oder drei minderjährigen Kindern ohne eigenes Arbeitseinkommen sind auf dem Steuerbuche von der Gemeindebehörde folgende Iahresermäßigungen aufgeführt: 120 Mk. für den Steuerpflichttgen selbst, 180 Mk. zur Abgeltung der nach § 13 Abs. 1 Ar. 1—7 zulässigen Abzüge. 120 Mk. für die Eheftau und 3x180 Mi. für die drei minderjährigen Kinder, demnach zusam-uen 960 Mark. Bei einem Tagelohn von 175 Mk. sind von dem Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung nach dem 31. Juli 1922 von einem nach dem 31. Juli 1922 fällig gewordenen Arbeitslohn einzubehalten: 17,50 Mk. (d. i. 10 v.H. von 175 Mk.) — (1,60 Mk., d. i. der Tagessatz für den Steuerpflichtigen selbst, 4- 3,60 Mk., d. i. der Tagessah des Pauschsahes zur Abgeltung der Abzüge nach § 13, + 1,60 Mk., d. i. der Tagessah für die Eheftau, 4- 3x3,20 — 9,60 Mk., d. i. der Tagessah für die drei Kinder, — 16,40 Mk.) — 1,10 Mk., — abgerundet auf 1 Mk. _Steht die Eheftau selbst in einem Arbeitsver- hältnis, so ist an Stelle der auf ihrem Steuerbuch vermerkten Iahresgesamtermähigung von 120 Mk. und 180 Mk. zur Abgeltung der nach § 13 Abs. 1 Ar. 1—7 zulässigen Abzüge vom 1. August 1922 ab bei einer monatlichen Lohnzahlung eine Ermäßigung von 40 Mk. -ft 90 Mk., bei kürzeren Lohnzahlungsperioden der entsprechende, aus der Tabelle zu entnehmende Teilbetrag zu berücksichttgen. Bezieht z. B. die Eheftau einen Arbeitslohn von monatlich 1200 Mark, so kommt ein Steuerabzug nicht in Frage, da die Ermäßigungen (40 Mk. der Monatssah für den Steuerpflichttgen selbst 4- 90 Mk. d. i. der Monatsbetrag des Pauschsahes zur Abgeltung der nach § 13 Abs. 1 Ar. 1—7 zu» lässigen Abzüge) — zu 130 Mk. den einzubehaltenden Betrag von 10 v. H. des Arbeitslohnes von 120 Mk. Übersteigen Das gleiche gilt von der auf dem Steuerbuche der Kinder mit eigenem Arbeitseinkommen vermerkten Iahresgesamtermäßigung von 120 4- 180 Mark. Auch an deren Stelle hat der Arbeitgeber ab 1. August 1922 bei monatlicher Lohnzahlung eine Ermäßigung von 40 ft 90 Mk. bei kürzeren Lohnzahlungsperioden den entsprechenden aus der Tabelle zu entnehmenden Teilbeftag zu berücksichttgen. Steht z.B. das Kind im Wochenlohn und beziehreinen Wochenlohn von 400 Ml, so sind bei jeder nach dem 31. Juli 1922 erfolgenden Lohnzahlung von einem nach dem 31. Juli 1922 fällig gewordenen Arbeitslohn einzubehalten: 40 Mk. (d. i. 10 v.H. von 400 Mk.) — (9,60 Mark d. i. der Wochensah des der früheren Monatsermäßigung von 10 Mk. nunmehr entsprechenden Monatsbetrages von 40 Mk. ft 21,60 Mark d. i. der Wochensah des der früheren Monatsermäßigung von 15 Mk. nunmehr ent- sprechenden Monatsbetrages von 90 Mk.) — 31,20 Mark — 8,80 Mk., abgerundet auf 8 Mk. Eine Berichttgung der Steuerbücher durch Zahlenänderung von feiten der Gemeindebehörden, Finanzämter oder Arbeitgeber kommt nicht in Frage' Der Schiffenberg. Wir erhalten folgende Zuschrift: Gießen, 6. Aug. In Ar. 180 des Gießener Anzeigers vom 3. August hat nun auch der verehrliche Vorsitzende des Bürgervereins, Herr Valentin Müller, zu der Frage des Schiftenberges Stellung genommen. Ich hoffe gerne, daß seine Einwendungen und meine heutigen Ausführungen zur weiteren Klärung der Angelegenheit beitragen werden, und danke zunächst dafür, daß auch Herr Müller meine guten Absichten nicht in Zweifel ziehen will. Leider aber muh ich feststellen, daß die sonst so treffenden Gedankengänge des Herrn Müllers) die von warmem Gemüt u echtem Gemeinschaftsgeist zeugen, auf irrtümlichen Voraussetzungen beruhen. Von einer Zuchtviehstation ist ja gar keine Rede, so daß die Schlußfolgerungen, die von dieser Annahme ausgehen, von vorrcherein hinfällig sind. Anderseits will ich gerne einräumen, daß solch falsche Voraussetzungen leicht aufkommen können, da der Begriff „T i e r z u ch t i n st i t u t" in Hessen noch vollkommen neu ist. Ich wiederhole, was ich vor kurzem schon schrieb: Aicht ein einziges gutes altes Recht soll den Bürgern von Gießen entwunden werden, und kein Schatten soll auf den schonen Schiffen berg fallen! Wenn die Gießener Bürgerschaft sich erst darüber klar ist, wie die ganzen Pläne gemeint sind, dann wird sie sich auch völlig beruhigen. lichen Briefe an den Architekten Allioth und erst kürzlich durch die wundervollen Freundschasts- episteln an Friedrich von Preen. Eine Figur von Kellerscher Eigenart, die sich auch mit Kellerscher Dichterkraft und Originalität auszudrücken wußte, steht in dem „alten Köbi" vor uns, dem Basler Professor, der sich immer mehr auf sich selbst zurückzog, sich nur noch in feiner Lehrtätigkeit ausgab, sammelte und arbeitete, aber das Veröffentlichen unterließ. Vurckhardt vereinigte in sich die seltene Harnwnie von schlichter Einfachheit und stolz unnahbarer Würde. Er fühlte sich als Bürger einer freien Stadt und lebte gern unter dem Volk, sich gegen Gesellschaft und Eleganz sorgfältig abschließend. Als Bode ihn zum erstenmal besuchte, fand er einen Mann in Hemdsärmeln vor der Tür sitzen, den er für einen Handwerker hielt und der ihn auf die Frage nach dem Professor Vurckhardt in dessen Wohnung geleitete, sich die Jacke anzog und als der Gesuchte vorstellte. Diese Liebe zum naiven Volkstum trieb ihn auch immer wieder nach Italien und lieh ihn nur dort ganz glücklich fein. Er nennt die Italiener einmal die „Erstgeborenen von Europa" und seufzt nur immer wieder darüber, daß ihn das viele Sehen von Kunsteindrücken am rechten Genuß des Lebens hindere. Als die Zeiten dahin waren, da er — selbst ein Stück Lazzaroni — zum „Cicerone" aller Fremden in Italien geworden u d so recht aus der ilmtoelt seine Werke schaffen konnte, da lebte der Professor still für sich hin, mit einer seinen Weinzunge begabt, die besten Gewächse der ilmgegenb auffuchend und abends im Klavierspiel in die t»ine Welt der Musik flüchtend. „Von »abends 8 -Uhr an, da ich meine Feder auswische," schreibt er einmal an Preen, „lese ich nicht mehr, sondern musiziere, was für mich ein ganz unbedingtes Lebensbedürfnis geworden ist: in die Kneipe gehe ich erst um 9 il&r und nur etwa Die Pläne! Ein Tierzuchtinstitut hat mit einer Zuchtviehstativn nicht das geringste zu tun! In einem Tierzuchtinstitut sollen Studien gemacht werden über Vererbung, Ernährungseinflüsse, Wirkung intensiver Bewegung auf Formen und Leistung der Tiere, Inzuchterscheinungen. Kreuzungen und andere biologische Fragen. Dazu bedarf es in erster Linie kleiner Versuchstiere, Hühner, Gänse, Enten, Kaninchen, Meerschweinchen, auch einiger Schweine, Ziegen und Schafe, während sich die Haltung der größeren landwirtschaftlichen Nutztiere aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nicht mehr viel weiter ausdeh- non läßt. Es bedarf eines Laboratoriums und einiger Zimmer, während im übrigen die Gebäude auf dem Schiffenberg völlig ausreichend sind, und die Gastwirtschaft in der alten Form weitergeführl werden soll. Aeubauten, die Befürchtungen im Sinne von Aatur- und Heimatschuh Hervorrufen könnten, sind nicht geplant, und der häßliche Schornstein, der das liebliche Bild des Schiffenberges verhöhnt, wird hoffentlich abgebaut werden. Wird der Schiffenberg leiden, wenn wir seinen landwirtschaftlichen Betrieb derart ausgestalten, wie es der einzelne Private naturgemäß niemals tun kann? Wenn auf der herrlichen Höhe ein kleiner Haustiergarten erblüht, an dem auch die Kinder ihre Freude haben werden? Wenn die gesteigerte Erzeugung von Lebensmitteln auch auf die Gastwirtschaft wohltätig zurückwirkt? Und wird eine verfeinerte Gasthofkuftur, die wir doch auch alle schätzen, der Stadt Gießen nicht zur Ehre gereichen? Ich achte den Konservatismus Herrn Müllers, der den Aeuerungen zunächst mit leisem Mißtrauen begegnet, aber es kann ja auch die Regierung in Darmstadt dafür Sicherheit bieten, daß der Betrieb der Gastwirtschaft unversehrt bleibt und daß Sperrungsmahnahmen infolge von Seuchen nicht anders als wie von jeher angewandt werden. In der Frage der Eignung des Schiffenbergs für meine Zwecke hat sich Herr Müller als Nicht- sachmann bekannt — mit seltenem Freimut, der in den heutigen Zeiten besonders wohltuend wirkt, und der in vornehmer Form dem Fachwissen Anerkennung ausspricht. Es mag ihm deshalb zur Beruhigung dienen, daß die Fachleute der Regierung und der Universität Gießen gerade den Schiffenberg als sehr geeignet betrachten. In den Fragen des Wassers und der elektrischen Kraft werden wir doch wohl eher die Besserung der Verhältnisse herbeiführen, als es em privater Pächter tun könnte, und die Beiriebsorganlsation (Weide, Ackerland ufto.) wird dem Fachmann feine grpfeen Schwierigkeiten bereiten. Ein geschickter Appell an den gequälten Steuerzahler von heute wird seine Wirkung gewiß nicht verfehlen. Da es sich hier aber nicht um eine Zuchtviehstation, sondern um ein wissenschaftliches Institut handelt, so leuchtet wohl ohne weiteres ein, daß ein großer Aeubau im Wiesecktale viel höhere Ausgaben verursachen würde, als wenn das Instttut in vorhandene Räume gelegt und mit einer leistungsfähigen Gutswirtschaft verknüpft werden kann. All diese Dinge sind von den Fachleuten selbstverständlich eingehend und gewissenhaft geprüft worden, bevor man sich zur Wahl des Schiffenberges entschloß. Freilich: Darin scheint auch mir ein Fehler zu liegen, daß der Gutsbetrieb und die Gastwirtschaft getrennt verpachtet werden sollen. Der Unfrieden, den Herr Müller befürchtet, tonnte bei solcher Gestaltung der Dinge nur dadurch unmöglich gemacht werden, daß beide Pächter guten Willen zur Eintracht, Taktgefühl und die notige Lebensfeinheit besitzen. Es wird deshalb auch auf die Person des künftigen Wirtes ankommen, ob das harmonische Zusammenwirken von Gut und Gastwirffchaft erreicht werden kann. Cs würde meines Erachtens psychologisch richtiger sein, wenn der ganze Schiffenberg dem Tierzuchtinstitut der Universität übergeben und von diesem ein Unterpächter für die Gastwirtschaft eingesetzt wird. Dann will ich gern die Gewähr dafür übernehmen, daß die Gastwirtschaft den vollen Beifall der Gießener Bürgerschaft findet. Quod deus bene vortat! Die Kriegsjahre sollten das deutsche Volk doch nun endlich gelehrt haben, daß die Rolle der Landwirtschaft in unserem Gesamtleben zu gering geschäht wurde. An dem beispiellosen Zusammenbruch des alten starken Staatswesens ist mit in erster Linie doch die Tatsache schuld, daß die deutsche Landwirtschaft den Riesenaufgaben nicht gewachsen sein konnte, die der einseitig gewordene Industriestaat ihr stellte. Wir kommen nicht eher aus dem wirtschaftlichen Elend heraus, bis wir auch die Landwirtschaft durch Hebung ihrer Technik und Wirtschaftsführung gleichsam indu- drei Abende in der Woche, sonst bleibe ich an meinem Klavier." Den Ehrgeiz ftüherer Zeiten hat er längst abgetan; er erwähnt einmal den großen Plan, den er hatte, daß er nämlich nach ferner wundervollen Darstellung Konstantins des Großen eine Reche solcher kulturgeschichtlichen Schilderungen verfassen wollte, von denen die Kultur der Renaissance nur das Schlußbild fein sollte „Aun bin ich aber auch ohnedies mit andern Tätigkeiten alt geworden und habe doch immer zu leben gehabt," meint er resigniert. „Bücher schreibe ich keine mehr; es gibt deren ohnehin genug, und die Arbeit daran ist eine der größten Knechtschaften, die man erdenken farm. Ich bin aber froh, wenn andere Gutes schreiben, und zittere bei den Ausgezeichneten, sie möchten die Vollendung ihrer Werke nicht mehr erleben." „Den Nachtarbeitern lasse ich ihren Ruhm und ihre ruinierten Aerven und schlechte Verdauung," meint er ein ander Mal, „bei mir ist alles noch in Ordnung. Auch kommt es mir bisweilen vor, als seien für die speziell germanische Welt noch solche Krisen im Anzug, daß auch die berühmtesten viri doctissimi darob mit all ihren Büchern obskur werden könnten." Der tiefe Pessimismus des alten Vurckhardt spricht aus solchen Worten, zugleich aber auch seine für ihn verhängnisvolle Sehergabe, mit der er eine männliche Kassandra — die kommende Katastrophe der deutschen Welt voraussah. Mit tiefstem Mißtrauen und einer aus Liebe geborenen Angst betrachtete er die Entwicklung im neuen Deutschen Reich, erkannte wie kaum ein anderer den ungeheuren Abgrund, der sich zwischen der Geisteskültur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem wirtschaftlichen Materialismus der zweiten aufgetan hatte. Ihm, dem Darsteller der Renaissance, war doch alle Machtpolitik aufs tiefste zuwider, und er bekannte sich zu dem Wort des allen Schlosser: „Die Macht Dienstag, 8. August (922 ftrialifieren und sie zu höherer Leistung erheben. Dazu, ihr Steuerzahler, braucht es Bildung. Bei- spiel, Beratung! In diesem Sinne werden auch Tier.uchtinstitute und Musterwirtschaften ins Leben gerufen, und was sie an Aufwand erheischen, wird sich hundertfach zugunsten des gesamten steuerblutenden Volkes bezahlt machen, wenn sich die landwirtschaftliche Erzeugungskraft hebt und uns die Einfuhr von Lebensmitteln verringert. Möchte man doch begreifen und fühlen, daß ohne weitsichtige Förderung der landwirtschaftlichen Bildung die Aährkraft unseres Bodens nicht erhöht werden kann! ilnb möchte der mittelalterliche Geist, der in der Anwendung der Wissenschaft auf das „profane" Erwerbsleben eine geistige Betätigung geringerer Stufe erblickt, auch in Deutschland endlich verschwinden! Erschwere man doch der Landwirtschaftswissenschaft in den dunkelsten Tagen deutscher Geschichte chre Tätigkeit nicht! Mehr Licht! Dr. H. K r a e m e r. Aus Stabt und Land. Gießen, den 8. Aug. 1922. ** Die Galgenfrist des Aotgel- d e s. Am 24. Juli hat der Reichsfincmzminl- ster das am 17. Juli vom Reichstag angenommene Gesetz über die Außerkurssetzung und die Einlösung des Notgeldes unterzeichnet. Mit diesem Tage also ist das Gesetz in Kraft getreten. Danach muß spätestens am 2 4. Oktober alles Notgeld außer Kurs gesetzt und eingelöst sein. Neues darf nicht mehr in der Zwischenzeit ausgegeben werden. Notgeld ist nach dem Gesetz als Ersatzgeld, sei es in Marken oder Münzen, in Scheinen oder sonstigen Urkunden, ausgegeben. Es muh alles am 24. Oktober außer Verkehr gesetzt sein, ohne Rücksicht auf die ihm etwa darüber hinaus verliehene Gültigkeit, ohne Rücksicht aus Art und Inhalt der aus der Urkunde ersichtlichen Verpflichtung. Vom 24. Oktober ab darf kein anderes als die gesetzlichen Zahlungsmittel eine auf einen Geldbetrag lautende Prägung oder Aufschrift, oder Geldbetrags-Aufdruck tragen. Kreis Alsfeld. 0. Alsfeld, 6. Aug. 24 Schüler und Schülerinnen der Alsfelder Oberrealschule und der Höheren Bürger- (Mädchen-) Schule unternahmen während der diesjährigen Sommerferien eine Schülerfahrt über Hannover-Hamburg nach der Nordseeinsel Sylt. Der Aufenthalt in dem dorttgen Hamburger Iugendferienlager Puan Klent dauerte vierzehn Tage. Die Führung lag in den Händen von Reallehrer Dotter. Die Schüler haben nunmehr chre mitgebrachten Reiseandenken in einer kleinen, aber lehrreichen Ausstellung in der Oberrealschule niedergelegt. U!Wtndhausen,7. Aug. Verschiedene Landwirte machen sich die seit Ostern in unserem Dorfe angebrachte elektrische Lichtvorrichtung (aus der Zentrale Wölfersheim) für chren Betrieb zunutze. Sie lassen sich Elektromvtvre Herrichten, womit sie Futtermaschinen, Schrotmaschinen. Sägewerke usw. verbinden lassen. Kreis Schotten. □ Laubach, 6. Aug. Die ßau6acf)cr „Zugendgemeinschaft" feierte gestern abend auf dem RamSberg die Weihe ihres Banners. Ein gewaltiges „Bergfeuer" loderte auf; ernst und feierlich erklangen die erhebenden Gesänge zum nächtlichen Himmel empor. Als willkommene Gäste waren Vertreter der Gaue Hessen und Nassau erschienen. Der heutige Tag galt vornehmlich fröhlichem Beisammensein und munteren. Ausflügen in die reizvolle Umgebung unseres Städtchens. .□ Meiches, 7. Aug. Seit einigen Wochen hat man hier begonnen, den Anschluß an die elektrische Zentrale Wölfersheim zu legen. Man sieht eifrige Arbeit an der Anlage des elektrischen Lichts in unserem Dorfe. Bis Weihnachten hofft man bei uns die ersehnte neue Beleuchtung durchgeführt zu sehen. ist an sich böse." In seinen „Weltgeschichtlichen Betrachtungen", einer der höchsten Offenbarungen, die je von einem historischen Geiste der Welt geschenkt worden sind, bezeichnet er als die Grundlagen der „modernen Kultur" die Gleichheitsbestrebungen und die Machtbestrebungen, und er hat mit einer Eindringlichkeit, die uns heute erst recht klar wird, die Krisen geschildert, die aus diesen gegensätzlichen Strömungen entstehen mußten. Siebe n hu ndertjabrfeier der ältesten Münchener Kirche. Aus München wird uns geschrieben: St. Peter ist die älteste und volkstümlichste aller Münchener Kirchen, solange St. Peter steht, singt der Münchener Volksmund, stirbt die alte Münchener Gemütlichkeit nicht aus. Diese alte ehrwürdige St. Peter- Kirche feierte in diesen Tagen ihr siebenhundert- jähriges Bestehen. An Stelle einer Keinen 1181 erbauten Kapelle wurde 1222 hier ein spätroma- nisches Gotteshaus errichtet. Lange jedoch hat der romanische Urbau nicht bestanden, schon Mitteilungen vom Ende des 13. Jahrhunderts berichten von einem „Neupau". Wiederholte Brände haben einen fast völligen Wiederaufbau notig gemacht. So machte die Peterkirche einen ard)V tektonischen Wandel durch alle Dausttle durch bis zur Renaissance, aus der der heutige Dau hn wesentlichen stammt, während der Rokokoschmuck des Kircheninnern vom Anfang des 18. Jahr» Hunderts herrührt. Nur die Grundmauern und der Turmmusterbau sind letzte Ueberrefte au8 der Zeit der Gründung. Baugefchichtlich ist St. Peter die interessanteste Kirche Münchens, keine zweite Münchener Kirche kann sich rühmen, alle Stile kirchlicher Baukunst an sich erlebt zu haben. So Ä W'Än. ftr 2 pntfirt*,, 8S» xStz Nljierten.be Ätive m die nahezu Ur ff« W* ' kM Die Sachte «tenrolä efete Fintslerprasident getreten. Mch dem ft Vorschläge bis in London, 8. nahm Llohd ® Frühstück in der I London, 8. tarilche K-rresft schreibt, die bntlsc ernste Sage Deut! sei der Ansicht, d Beschwerden Eindruck vor nicht günstig, auf keine leichtfin weiteres Chaos Mächten könne. A Grvhbritannien g- würden die prall für den englischen sein. Die Stimmui gestern abend fehl Mimsterpräsidentc das) die anderste toerben Mten, • bezüglich ihrer 3 Meder NÄ Mellt, Hal Poi kläü, Frankreich freiheft wirk wenn seiner Fvr würde. Lloyd ob er vor einem siche. Chamb, Kontrevesse beer beim Anhören de mamies nicht den ketten ein regel Verde. Er habe fung bestimmter willig darauf ein blieben. Lonöon, 8. carösRedeen nmdigcn Aoraebr die Inti! streut, durch t yte Anerkennung aber ihn Zrase darstellte. I Wutsi, aWNvendftden p Efc? Mi mQ^en muhten. -Der italieni an- das Lullos i Endpunkt anzr (lfniI?cr9ien «*8® Schlu Svlldar h* d! twer qL *Wc einigt 6111^ «ft °en l Ä-K hi.Ä habe fafcli «us ächtet, ^hrg, SÄ b> $»9«