Nr. M krscheint täglich, außer Sonn» und Feiertags, mit berSamstaqsbeilaqe: GiehenerFamilienblätter Monatlich« Sezug5preise: Mk. 18.— und Mk. 2.— Trägerlohn,durch diePost Ulk. 20.—, auch beiUlcht» erscheinen einzelnerNum» mern infolge höherer Gewalt.— Fernsprech» Anschlüsse: für die Schrift« leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift sür Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. postschecttonto: Zranftvrl a. M. 11686. Erster Blatt Montag, 8. Mal 1922 172. Jahrgang Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 nun ‘Breite örtlich 120'Pf., auswärts 150 Pf.; für Reklame > Anzeigen von 70 mm Breil« 450Pf. Bei Platz» Vorschrift20 „Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Barl Walther; für den Anzeigenteil: Hans'Beck, sämtlich in (Biegen. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinönitferei R. Lange. Schriflleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulftrahe 7. Drohender Abbruch der Genueser Konferenz. (Eine Unterredung zwischen Barthou und Lloyd George. Genua, 6. Mai. (Spezialbericht des Der- treters des WTB.) Barthou hatte heute nachmittag eine Unterredung mit dem italienischen Auhenminister S ch a n z e r. Hierauf begab er sich nach der Billa de Alberti, too er von 5 bis 7 Uhr mit Lloyd George kpnfcrierte. Dar- thou führte hierbei, wie von englischer Seite mitgcteilt wird, aus, er habe bei seiner Ankunft in Paris die öffentliche Meinung sehr besorgt gefunden über den Abschluß des deutsch-russischen Vertrages und die Schwierigkeiten, die sich infolge der Vichtunterzeichnung des Memorandums an Ruhland durch die Belgier ergeben hätten. Die Stellungnahme der französischen Regierung werde durch die Haltung der Belgier und durch die Auffassung der französischen öffentlichen Meinung beeinflußt. Er sei mit der Instruktion seiner Regierung zurückgekommen, dah Frankreich dem russischenMemorandum nicht zu- stimmen könne, wenn die Belgier auf ihrem Standpunkte beharrten. Er, Barthou, glaube indessen, dah es möglich sein werde, eine Formel zu finden, um die verschiedenen Gesichtspunkte miteinander in Einklang zu bringen. Er fügte hinzu, abgesehen von der Frage des Art. 7 des Memorandums sei die französische Regierung und die öffentliche Meinung in Frankreich der Konferenz durchaus günstig gesinnt. Man dürfe die öffentliche Meinung Frankreichs nicht nach den Artikeln beurteilen, die in gewissen Zeitungen veröffentlicht würden Wenn er nicht persönlich davon überzeugt wäre, dah die öffentliche Meinung Frankreichs der Konferenz günstig gesonnen sei. würde er nicht zurückgekommen sein. Er werde alles tun, um der Konferenz Mu einem Erfolge zu verhelfen. LloyD George nahm diese Erklärung zur Kenntnis und sagte, gegenwärtig sei die Lage folgende: Das Memorandum sei an die Russen abgesandt worden und jetzt müsse man erst die Antwort der Russen abwacten; vorher sei nichts weiter zu tun. Gr erwähnte noch, dah französische Blätter Kommentare über die Frage der ^Einberufung der Obersten Rates nach Genua" veröffentlicht hätten. Er, Lloyd George, habe nichts derartiges angeregt, er habe lediglich gesagt, dah es sehr zweckmähig sein würde, eine Tlnterredung zwischen den Unterzeichnern des Vertrages in Genua herbeizuführen. Barthou erwiderte, die französische Regierung habe diele Anregung vollkommen verstanden. In der Presse sei der Ausdruck „Oberster' Rat" nur irrtümlich gebraucht worden. Hierauf fragte Lloyd George, welches die Ansichten der französischen Regierung in dieser Frage seien. Barthou erwiderte, er habe bereits dem italienischen Auhenminister Schanz er mitgeteilt, dah die französische Regierung sich dieser Besprechung vor dem 31. Mai widersehe. (Sine neue Besprechung Lloyd Georges mit Wirth nnb Rathenau. Berlin, 6. Mai. Wie die „Bossische Zeitung" aus Genua meldet, wurden Reichskanzler Dr. Wirth und der Minister des Aeuheren Dr. Rathenau nach der Unterredung zwischen Lloyd George und Barthou, die zur Mittagszeit noch andauertc, zu Lloyd George nach der Billa Alberti geladen. Ankündigungen und Stimmungsberichte Pariser Blätter. Paris, 7. Mai. Die Abendpresse ist in ihren Betrachtungen über die Lage in Genua nicht weniger p e s s i m i st i s ch als die Morgenpresse. Der „Temps" sagt, Minister Barthou habe gestern bei der Zusammenkunft mit Lloyd George davon gesprochen, man müsse eine neue Formel suchen, damit Frankreich und Belgien das Memorandum unterzeichnen könnten. Er habe zu verstehen gegeben, dah diese Formel Rücksicht auf die Sowjetregierung nehmen müsse. Lloyd George habe sich geweigert, eine Verständigung mit Frankreich und Belgien zu suchen, indem er erklärt habe, man könne am Memorandum nichts mehr ändern. Er habe voraussehen lassen, dah die Engländer selbst sich an Frankreich halten würden, indem sie ihm vorwerfen würden, England Belgiens wegen verlassen und das Einverständnis mit den Sowjets verhindert zu haben, durch das der Arbeitslosigkeit in England hätte ein Ende bereitet werden sollen. Diese Unter- redung entsprach, wie der „Temps" glaubt, nicht der -Haltung der französischen Regierung, auch nicht der Erwartung der öffentlichen Meinung Frankreichs. Die französische Regierung ebenso wie die belgische haben nicht die Absicht, über den Grundsatz des Eigentumsrechts mit sich verhandeln zu lassen. Das »Journal des Debats" sagt, die Vachrichten seien in einem Punkte gleichlautend. Lloyd George sehe das Fiasko der Konferenz voraus und bereite sich darauf vor, die Verantwortung hierfür Frankreich und besonders Poincare aufzubürden. Vach dem „Journal des Debats" ist die Krisis derenglisch-frun- z ö f i s ch e n Btz Ziehungen unvermeid- l i ch geworden, seitdem Lloyd George es unternommen habe, die Wiederaufnahme des Welthandels auf dem Verzicht Frankreichs auf Reparationen aufzubauen. Die »Liberte" vertritt den Standpunkt, dah man in die Krisis der Allianzen eingetreten sei. Rian habe in Genua damit begonnen, die Kriegserinnerungen auszulöschen. Man sei auch über die Kriegsallianzen hinweggegangen Wie könne man sich also wundern, dah sie auseinanderfielen und dah sich neue Gruppierungen bildeten. Hierzu habe das deutsch-russische Abkommen das Zeichen gegeben, und da diese gefährliche Vereinigung seitens der anderen Regierungen keine Reaktion ausgelöst habe, bilde sie den Ausgangspunkt, um den sich ein neues Europa für einige Zeit kristallisieren werde. Paris, 8. Mai. (WTB.) Die Sonderberichterstatter der Pariser Vachrichtenpresse senden auch heute pessimistisch gefärbte Berichte aus Genua. Am pessimistischsten äußert sich der »Pe - t i t Parisie n". Er stellt fest, wie die Dinge heute liegen, könne man einen Bruch zwischen England und Frankreich erwarten, der wenigstens für eine gewisse Zeit dem ein Ende bereite, was man die französisch-britische Entente nenne. Das sei wenigstens die Eventualität, die von Stunde zu Stunde bedrohlicher werde. Zweifelsohne dürfe man bis zum letzten Augenblicke hoffen, aber wenn nichts Unvorhergesehenes eintrete, erscheine der Bruch schwer zu vermeiden. Das Beste, was man tun könne, sei, sich darauf vorzubereiten. Auch dieser Berichterstatter glaubt, dah die Lage sich geftern insofern geändert habe, als der Der- tagungsantrag abgelehnt worden sei. Die englische Delegation Ixibe sich ihm formell entgegengestellt. Die französische Delegation wird nach Ansicht des Berichterstatters sich auf feine Verhandlungen einlaffen, da sie das Memorandum an Rustland als Ultimatum aufsaht. Wenn England, gefolgt von Italien und anderen Mächten, anders handle, so sei zu befürchten, dah Frankreich sich von der Konferenz zurückzieh? und dah der Bruch dann da sei. Der Sonderberichterstatter des „Echo de Pari s" meldet aus Genua, im Lause der am 6. Mai abgehaltenen Unterredung zwischen Reichskanzler Dr. Wirth sowie Reichsminister Dr. Rathenau und LloydGeorge sei eine wichtige Entscheidung getroffen worden: D i e englische Regierung verzichte auf ihren Anteil an den deutschen Reparationen. Das werfe ein neues Licht auf den Meinungsaustausch, der stattgefunden habe, und gestern nachmittag hätten sich Lloyd George und Sir Worthington Evans zum deutschen Reichskanzler begeben. Gewisse Leute beeilten sich, hieraus zu schließen, bafi, wenn das französische Ministerium sich am 31. Mai zu einer unabhängigen Handlung gegenüber Deutschland entschliehen würde, ein Separatabkommen zwischen EnglandundDeutschland geschlossen werden würde. Eine italienische Darstellung der Lage. Genua, 7. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTD.) Der Genueser Derichterstatter des „Corriere della Sera" schreibt über die Meinungsverschiedenheiten zwischen Darthou und Lloyd George u. a.: Lloyd George scheine wenig geneigt zu sein, der von der französischen Regierung eingeschlagenen Taktik zu folgen, sich hinter der belgischen Delegation zu verschanzen. Lloyd George hätte geglaubt, dah Darthou mit größeren Vollmachten als zuvor aus Paris zurückkehren werde. Vun habe sich aber heraus- gestellt, dah er unter den gleichen, wenn nicht noch schlimmeren Dedingungen zurückgekehrt sei. Er sei nichts als der ilebermittler der aus Paris eintreffenden Befehle. Bei dieser Lage werde es der englische Premierminister nicht für zweckmähig halten, Verhandlungen mit einer Delegation zu beginnen, die keine Vollmachten habe. Frankreich habe ihn wissen lassen, dah Frankreich es für überflüssig halte, auch nur in einem Gedankenaustausch die Lage zu prüfen, die sich ergeben würde, wenn Deutschland am 31. Mai die von der Reparationskommission vorgeschriebenen Dedingungen nj»ht erfülle. Lloyd George habe Darthou geantwortet, er beabsichtige im Augenblick nicht, zu untersuchen, was nach dem Eintreffen der russischen Antwort geschehen wird. Verteidigungsreden Barthous. Genua, 7. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTD.) Darthou, der heute von den französischen Pressevertretern zu einem Frühstück geladen worden war, hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, m der er sagte: Ich lege Wert daraus, zu erklären, dah die Einigkeit unter den einladenden Mächten dem Anschein zum Trotz geblieben ist. Kürzlich haben sich Zwischenfälle ereignet Sie haben am vorigen Montag begonnen. Ich habe soeben mit unseren Kollegen von der englischen und amerikanischen Presse geplaudert unb die Meinungsverschiedenheiten erwähnt, die sich zwischen den einladenden Mächten ergeben haben. Ich lege Wert darauf, zu sagen, dah die Mein ungsverschiedenhetten die Grundlage unserer Deziehangen nicht m Mitleidenschaft gezogen haben. Zwischen Frankreich, Belgien und Japan formten es auseinandergehen- de Ansichten geben; aber ich möchte hier er- klären, dah, wenn Frankreich auch die Pflicht gehabt hat, zwischen zwei Grundsätzen oder zwei Thesen zu wählen, es nicht in der peinlichen Lage gewesen ist, zwischen Freunden und Alliierten zu wählen. Cs hat dem heroischen Belgien die ihm gebührende Huldigung dargebracht Aber die fran- zösische Delegation und die französische Regierung haben keinen Augenblick die ungeheuren Dienste vergessen, die Grohbritannien der gemeinsamen Sache geleistet hat. Ich habe den Eindruck, dah die Konferenz sich tm gegen- tr-ärtigen Augenblick ihrem Ende zuneigt. Aber ihr Ende hängt weder von den einladenden Mächten ab, noch von den Staaten, die sich auf unserer Seite befunden haben. Es hängt von denen ab, an die wir das Memorandum gerichtet haben. Es ist Dache der Sowietdelegierten, ja oder nein zu sagen. Zwischen diesem Za ober Vein kann es kein Mittelding geben. Die französische Delegation ist mit der französischen Regierung und der französischen öfsentlichen Meinung darin einig, dah die Antwort nicht dilatorisch sein darf. Was man will, ist eine klare Lage. Es ist also nicht die französische Delegation, die hier "een Abreifetermin festsehen wird, sondern die Sowjetdelegation. Zuvor hatte Darthou die englischen und amerikanischen Pressevertreter empfangen und vor ihnen eine ähnliche Erklärung abgegeben. In Erwiderung auf verschiedene Anfragen führte er aus: Die Russen müssen auf das Memorandum klar und deutlich mit Ja oder Vein antworten. Wir sind seit einem JHlonat in Genua. Es ist eine reizende Stadt. Aber wir haben andere Pflichten. Die Russen wissen, was wir wollen und es ist ihre Sache, zu sagen, was sie wollen. Ich hoffe, die russische Antwort wird Montag oder Dienstag vvrliegen und unzweideutig sein. Auf die Frage, was geschehen würde, wenn die Russen eine Verschleppungstaktik befolgten, erwiderte Barthou, dann müsse die Antwort lauten: So geht es nicht weiter. lieber den Durgfriedenspakt erwiderte der französische Minister: Lautet die Antwort nein ober lautet sie ausweichend, so kann von dem Pakt keine Rede mehr sein. Es handelt sich ja nur um Ruhland. Alle anderen Mächte sind durch den Völkerbundpakt gebunden, auch Deutschland. Es ist zwar nicht Mitglied dieses Bundes, hat aber in Versailles mit dem Friedensvertrag auch die Dölkerbundssahung unterzeichnet. Ein mysteriöser Plan Frankreichs. Paris, 7. Mai. (WTD.) Der Sonderberichterstatter des „Intransigeant" meldet unter aller Reserve, aber äuhersl mysteriös, er habe den Eindruck, dah es möglich sei, dah demnächst eine gemeinsame Anstrengung durch Frankreich, Del- gien, Italien und die kleine Entente unternommen werde. Aber der Gegenstand dieser Demühungen könne noch nicht bezeichnet werden. Wir haben alle hier, so sagt der Derichterstatter, den Eindruck, dah etwas Bedeutendes hinter den Kulissen sich vorbereitet. Aber es ist noch schwer, zu sagen: Was. In einer anderen Meldung berichtet der Korrespondent, dah englischerseits, wie es scheine, sich unangenehme Dinge für Frankreich vorbereiten. Jemand, der gut unterrichtet fei, habe ihm gesagt, Genua werde England die Gelegenheit geliefert haben, neutral zu werden und von nun ab als einfacher Zuschauer die Revanchevorbereitungen anzusehen. älebemehme Belgien nicht eine schwere Verantwortung dadurch, dah es die Vermittlerrolle aufgebe, die es bis jetzt gespielt habe? Andererseits meldet der gleiche Berichterstatter, er habe den Eindruck, dah das französisch-belgische Einverständnis nicht absolut sei. Es fehle etwas an dem Vertrauen und der Herzlichkeit von früher. Italienische Dermittlungs- bestrebungen. Berlin, 8. Mai. Wie bem „ Lokal unz." aus Genua gemeldet wird, hat der italienische Auhenminister Schanzer, um ein Scheitern der Konferenz zu vermeiden, seine Vermittlerrolle im Einverständnis mit Lloyd George wieder ausgenommen. Vor allem hatte er eine längere ilnterrcbung mit Tschit sche - r i n, den er eindringlich darauf aufmerksam machte, dah die Konferenzmächte in den Bedingungen des Memorandums die äuherste Grenze ihres Entgegenkommens für Ruhland erreicht hätten. Mehr dürfe die Sowjetregierung nicht erhoffen, da die Alliierten und die Ventralen nur mit äuherster Mühe sich bereitfinden liehen, in die Komprornihformel des Memorandums ein» .zuwilligen. Die Möglichkeit, von den Regierungen Darkredite für Ruhland zu erhalten, fchloh Schanzer von vornherein aus. Die Petrolcumkonzcssionen. Genua, 7. Mai. (Spezialbericht des Dertreters des WTB.) Der amerikanische Botschafter Child war heute bei Lloyd George zum Frühstück. Der „Secolo" spricht die Vermutung aus, dah dabei die Frage der Petroleumkonzessionen zur Erörterung gekommen sein dürfte. Die Anleihemoglichkeiten. Paris, 7. Mai. (WTD.) Die „Chicago Tribüne" berichtet aus Washington, die' Regierung der Vereinigten Staaten werde ferne Einwendung erheben gegen eine Anleihe amerikanischer Danken an deutsche Unternehmungen, die über den Betrag der Reparationsverpflichtungen hinausgingen. Die Regierung stehe auf dem Standpunkt, dah Anleihen, wie sie die Morgan- gruppe vorgeschlagen habe, der geeignete Weg seien, dm die amer.kunische Unterstützung Europa gegenüber einschlagen müsse. Sie würde jeden durchführbaren Plan einer Sanierung der Finanzen Deutschland begrüben. Morgan, so fügte das Blatt hinzu, sehe vollkommen ein, dah eine Anleihe. die lediglich die Reparationsverpflichtungen decke, nur dazu führen würde, dah die Vereinigten Staaten die französischen, belgischen und englischer Ansprüche bezahlten; er sei fest überzeugt, dah jede Anleihe an Deutschland, wenn eine Sicherheit für den Zinsendienst gegeben sein solle, so hoch sein müsse, dah sie auch die Organisation von Handel und Industrie ermögliche. Tagung des Reichsverbanves der deutschen Presse. München, 6. Mai. (Wolfs.) Der Reichs- verband der deutschen Press? eröffnete seine Tagung tm Barocksaal des Iustizpalastes. Der erste Vorsitzende des Landesverbandes der bayerischen Presse, Kajetan Freund (München) begrubtc in «einer kurzen Ansprache die Erschienenen. Hierauf nahm Ministerpi äsident Gras Lerchenfeld das Wort und sagte unter anderem, die bayerische Regierung b grütze den Reichsverband der deutschen Presse in Bayerns Hauptstadt auf das herzlichste. Er versetzte die Anwesenden im Geiste tn die Zeit vor zweihundert Jahren zurück, wo es noch keine Presse gab und wo man die Geschehnisse und Taten der Herrscher in allegorischer Darstellung durch farbenprächtige Deckengemälde zu schitdern pflegt?. Dte Künstler jener Zeit würde das heutige Ereignis, das München für einige Tage tn den Mittelpunkt des Kulturlebens rückt, durch ba3 Motiv „Königin Iuslizic» empfängt den Prinzen Argus", dargestellt haben Antuüp end an tiife beiden Gestalten verbreitete sich Graf Lerchenfetd über die Aufgabe der Justiz und der Presse, der die Aufgab: zugewie en s?t, auf einer höheren Warte der Wahrheit zu dien?n. Mit dem Wunsche, datz sich die deutsche Presse als Gast in dem Hause der Gerechtigkeit heimisch fühlen, und auS dem Ernst des Ha tses den Ansporn zur gründlichen und ersptie lichen Beratung gewinnen möge, fchloh der Dliiatfier- präsident seine mit Beifall ausgenommene Red?. Die Versammlung begab sich darauf in den Schwurgerichchtösoal, wo der erste Vorsitzende RiPPler mit einer kurzen Ansprache dte Tagung eröffnete. Den Rechenschaftsbericht erstatteten Derbandsdirektor Richter, und der erste Schatzmeister Mühner, denen Entlastung erteilt wurde. Hierauf wurde zur Vorstand.-waht geschritten, deren Ergebnis wie folgt war: (Boeder (Berlin) erster Vorsitzender, Freund (München) zweiter Dorsitze.tder, K a r t h a u s (Düsseldorf) dritter Vorsitzender, Reumann (Berlin) vierter Vorsitzender Ter erste Derhandlungstag wurde vollftän- dig mit der Beratung der neu vereinbarten Reichsarbeitögerneinschaft der Deutschen Presse, der Arbeitsgemeinschaft von Redakteuren und Verlegern, ausg fAlt. Zur Annahme gelangte eine Resolution, worin der '.Ber- trclertog die Reichsaib i'lg in t -schäft an?rt nnt, zugleich ober ausspricht, dah in den Abmachungen eine Reihe wichtiger gi-undsätzlicher Forderungen noch unerfüllt geblieben ist und die Vertreter der Redakteure in der Arbeitsgemeinschaft ersucht, dahin zu wirken, dah in den weiteren Verhandlungen diese während der Tagung zum Ausdruck gebrachten Forderungen haltt]ft durchgesetzt werden. Insbesondere wird erwart?!, dah die Arbeitsgemeinschaft sich mit allem Vachdruck bemühen wird, beim Abs-chluh von Tarifverträgen dem Sinn der Vereinbarungen über das Einkommen der Redakteure (das ihrer sozialen Stellung entsprechen und eine Prole5ari- sierung des Redakteurberu'es ausschlietzen foll- allgemein mehr Geltung zu verschaffen. — Von der Presseabteilung der Reichsregierung nxir ein Begrühungstelegramm eingegangen, dcw die Hoffnung auf ein da lern des, von gegenseitigem 'Vertrauen getragenes Zusammenarbeiten ausfpricht. München, 7. Mai. (WTB.) Bei Eröffnung der zweiten Sitzung des Reichsverbandes der deiitschen Presse wurden die anläh- lich der Tagung eingelaufenen Degrühlmgstelc- g ramme befanutgcgCren. Reichskanzler D r. Wirth telegraphierte aus Genua: Für die dortige Tagung des Reichsverbandes der deutschen Presse spreche ich meine besten Wünsche aus und hoffe, dah die Verhandlungen dazu beitragen werden, die schwierige Lage, in der die deutsche Presse sich gegenwärtig befindet, zu überwinden. Die Führung der deutschen Politik hat gerade in den letzten Wochen erneut Gelegenheit gehabt, die Mitarbeit der deutschen Presse am Veuaufbau des Vaterlandes dankbar anzuerkennen und zu würdigen. Sie vertraut in ihrem schweren Werke auch weiterhin auf fruchtbares, verständnisvolles Zusammenwirken. Programm und Arbeit des Reichstags. Berlin, 6. Mai < Wolff.) Der Ael» testenausfchuh des Reichstages he fchloh in feiner heutigen Sitzung, den Reichstag zur Plenartagung auf den 10. Mai, nachmittags 3 TIHr. einzuberufen. Es wird zunächst der Haus halt für Eisenbahnen, Post und Telegraph dn.ch- beräten werden. Die Beratung der übrigen Etats wird die darauffolgende Woche ausfüllen Die Konferenz von Genua wird zunächst nicht zur Besprechung kommen; solange der Reichskanzler nicht von dort zurückgekehrt ist. Mit der Beratung des Eisenbahneiats wird eine An zahl Cnlschliehungen verbunden werden, die sich auf eine Fahrpreisermäßigung beziehen. D?r Reichstag hofft, vor Pfingsten sämtliche Etats verabschieden zu können, ebenso die neue Geschäftsordnung für den Reichstag. Auch für die Zeit nach Pfingsten ist die Tagung des Plenums ins Auge gefaxt. Heber die Berichterstattung des Reichskanzlers über die Konferenz von Genua.konnte noch l nichts Bestimmtes fefiaelegt werden. Der Reichs-, ist des geschrieben. 1. Satz: Kyrie. unter Leitung Professor Gesangverein' .Messe in F Trautmanns die große und ver- Die Messe besteht aus 5 Teilen, dem Kyrie, dem Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei, ür gem. Chor, vier Solostimmen unb Orchester **VonderAniversität. Im Som- mersemester 1922 wird Professor Dr. Gries- bad) für Hörer aller Fakultäten und Inter- essenten aller Derufsarten einen Zyklus von 10 unentgeltlichen Vorlesungen über Beziehungen zwischen Berus und Erkrankung hal- führt zur Mifereregebärde des Kyrie zurück. Cs beginnt wie das Anfangskyrie in Moll, wendet sich bann zu dem sanften F-Dur. welches die Friebensbitte „dona nobis pacem — gib uns Frieben" in inniger, zuversichtlicher Weise zum Ausdruck bringt. fernster beabsichtigt aus einige Tage nach Berlin zu kommen, doch ist der Zeitpunkt für diese Reise noch nicht bestimmt. Don dem Charakter der zu machenden Mitteilungen wird es abhängen, ob der Reichskanzler seine Ausführungen im Auswärtigen Ausschuh ober vor einem anderen Gremium machen wirb. Berlin, 6. Mai. (Wolff.) Om Haupt - ousschuh bes Reichstages wurde heute der Etat für die Ausführung bes Friedensvertrages behandelt. Don Regirrungsseite wurde dazu in einer Dorbemerkung zasaminrn- gefäht, dah die Deckung der Ausgaben für die Ausführung des Friedensvertrages aus den allgemeinen Reichsmitteln erfolge, und zwar, insoweit der ordentliche Haushalt die Mit el dazu bietet, aus diesen, im übrigen aus Anleihemitteln. Rach dem Zahlungsplan des Londoner älltimatums vom 5. Mai 1921 betrage die Gesamtschuld des DeutfchenReiches und seiner ehemaligen Derbrmdeten 132 Milliarden Golbmartt. Rach Artikel 4 des Zahlungsplanes in Derbindung mit der Rote der Reparationskommission vom 21. Marz auf das Sürndungsgesuch her deutschen Reg.e ung habe Deutschland im Kalenderjahr 1922 folgende Verbindlichkeiten zu erfüllen: a) Barzahlungen tn Höhe von 720 Millionen Goldmark und b) Sachleistungen im Gegenwert von insgesamt 1450 Millionen Goldmark. Reben den Beipflichtungen aus dem Zahlungspläne vom 5. Mai 1921 für die Reparationen, blieben aber noch die anderen Belastungen aus dem Friedensvertrage, abgesehen von einem Teile der Desatzungskosten, bestehen. Für 1922 allein werden die Ausgaben auf rund 226 V> Milliarden veranschlagt. Au, eine Anfrage des Abg. Dr. Dem bürg (Dem.), wieviel bisher an Sachleistungen geliefert worden sei, erwiderte Staatssekretär Müller, daß in ben Monaten Januar bis März 1922 von Deutschland insgesamt Sachleistungen tn Höhe von 80 Millionen Goldmark an die Entente abgeführt worben seien. Rach einer ausführlichen Debatte über bie Rück- unb Ersatzlieferungen wurde ber gesamte Hauskaltungsplan für bie Ausführungen des Friebensvertrages vom Hauptausschuf) verabschiedet. roitwen) sowie der Waisen von Offizieren und Unteroffizieren baldigst in einer ben jetzigen Der- hältnissen entsprechenden Weise heraufzusehen. Gehaltseirrstufungen der Gememdrbeamten. Der Abg. Dr. W e r n e r hat unterm 28. April in der Kammer folgende Anfrage gestellt: Dem Landtage ging folgender Antrag Abg. Dr. Osann zu: Die allen hessischen Militär-Witwen Aus dem Reicke. Aus der Aeichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbeamter. Wir erhalten auf eine durch das Wolff- Bureau verbreitete und auch von uns übernommene Rotiz folgende Berichtigung: Unter Hinweis auf § 11 des Preßgesetzes bitten wir um Aufnahme folgender Berichtigung: On Rr. 103 Ihrer Zeitung vom 3.5.22 veröffentlichten Sie eine Mitteilung, nach welcher der Vorsitzende der Fachgewerkschaft II, Howe, das Verbleiben seiner einen großen Teil der Fahrbeamten (Schaffner, Oberschaffner, Zugführer) umfassenden Fachgewerkschaft in der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahn- beamten und Anwärter davon abhängig gemacht hat, dah die beiden Führer Menne und Scharfschwerdt von ihren Posten zurücktreten. Diese Mitteilung ist in allen ihren Teilen unrichtig. Howe hat keine derartige oder ähnliche Erklärung abgegeben. Howe. Landies. Aus Hessen. Die Rotlage der Pensionäre. -Waisen befinden sich in einer geradezu zweifelten Lage. Die Offizierswitwen erhallen eine jährliche Zuwendung seitens des Staats tn Höhe von 516—1544 Mark. Die Witwen von älnteroffizieren jährlich 118—286 Mark. Die älteste dieser Witwen steht int 93., bie jüngste im 60. Lebensjahre, sie sind also vollständig arbeits- unb erwerbsunfähig. Derartige Pensionen bedürfen unbedingt einer ganz außerordentlichen unb möglichst schnellen Erhöhung. Och beantrage deshalb: bie Pensionsbezüge ber alten hessischen Militärwitwen (Offizierwitwen unb llnteroffizier- Don feiten der Abgg. R u h und H a t t e m e r dem Landtag folgender Antrag zugegangen: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung ^11 ersuchen, auf geeignetem Wege dafür Sorge zu tragen, dah umgehend die große Härte beseitigt wirb, daß ber bei der Brsoldungsneu- regelung vom 1. April 1922 eingeführte Frauenzuschlag den Witwen verstorbener . Staatsbeamten nicht gewährt werden soll, sowie dafür, baß auch denjenigen Pensionären der Frauen- zuschlag ober ein Aequivalent zuteil wird, die als Witwer einen selbständigen Haushalt führen unb zu biesem Zweck erwachsene Töchter, für die kein Kinderzuschlag mehr gewährt wird, oder eine Haushälterin in ihrem Haushalt aufzunehmen gezwungen sind. — Begründung: Die in unserem Antrag angeführten Härten treffen die notleidenden Pensionäre in dieser überaus teueren Zeit sehr schwer. Eine baldige Abhilfe ist dringend geboten, soweit dies nicht inzwischen geschehen sein sollte. Pensionen der hessischen Offiziere sowie Offizier-Witwen und -Waisen. Die Steigerung der Lebenshaltungskosten. Berlin, 6. Mai. (WTB.) Die Steigerung der Lebenshaltungskosten setzte sich int April weiter fort. Die vom Statistischen Reichsamt auf Grund ber Erhebung über ben Aufwand für Ernährung, Wohnung. Heizung und Beleuchtung einer fünfköpfigen Familie berechnete Reichsindexziffer für Lebenshaltung stieg im Aprll auf 3175, sonach fast das 32fache gegenüber 1913/14. Ein Vergleich mit dem Vormonat ist diesmal nicht ohne weiteres gegeben, da nach den Deschlüsien der statistischen Qtentter wesentliche Aenderungen in ber Berechnungsart der Reuerungszahlen für April eintreten mußten, die auch eine Reuberechnung ber Grunbzahlen für 1913/14 nötig machten. Zugleich wurde die Zahl der für die Berechnung ber Reichsinderziffer herangezogenen Gemeinden von 48 auf 71 erhöht und eine neue Wägung der Teuerungszahlen der 71 Gemeinden vorgenommen, die den kleineren Städten ein angemessenes Gewicht bei der Be- i«hnung ber Reichs Indexziffer gibt. Berechnet k man die Märzzifser nach ber neuen Methode, so -beträgt sie 2639 gegen 2302 nach der alten Methode. Die Steigerung ber Lebenshaltungskosten , beträgt also von März auf April 20,3 Prozent. 'Die Reichsinderziffer für bie Ernährungskosten beträgt im Durchschnitt bes Aprils 4356. Legt man auch hier für März die neuen Berechnungs- Vorschriften zugrunde, so ergibt sich für April eine Ernährungsinderziffer von 2603 gegenüber der alten von 3152. Die Kosten für Ernährung sind sonach int Reichsburchschnitt von März auf April um 20,9 Prozent gestiegen. Zur Erhöhung der Lebenshaltungskosten trugen mehr ober minder fast alle Lebensmittel bei; nur Eier unb Spinat sind der Jahreszeit entsprechend etwas billiger geworden. Hier unb bvrt zeigt sich auch geringes Rachlasfen der Preise für Fette wie Butter und Margarine sowie Fische, ohne jedoch Oibipus. Eine Sophokles-Aufführung in Gießen. Gießen, 7. Mai 1922. Auf Veranlassung ber „Vereinigung ber Sreunbe bes humanistischen Gymnasiums" ging, ausgeführt durch Mitglieder der Gießener Waldbühne, am Samstag die Tragödie des Sophvlles „O i d i p u s" in Szene. Es war eine hohe Aufgabe, an die man sich herangewagt hatte: grölte Anforderangrn wurden an sämtliche Mitwirkenden in technischer wie darstellerischer Hinsicht gestrllt. Es ist erfreulich, feststellen zu können, baß das Unternehmen über alles Erwarten hinaus in glücklichster Weis» gelang. Das Hauptverdienst fällt hierbei wohl dem rührigen Leiter der Waldbuhne, Profesior Berndeck, der keine Mühe scheute, um etwas wirklick) Gediegenes zu bieten, unb Adolf Tele kh zu, der seinen bewährten künstlerischen Geschmack und fein reifes Können als Spielleiter in den Dienst der Sache gestellt hatte. Wenn man bedenkt dah nur Liebhaber als Darsteller tätig waren, muß man dem, was man zu sehen bekam uneingeschränkte Anerkennung zollen. — Von den' Darstellern bot Dr. Hans Kling in bet Titelrolle die beste Leistung tn Spiel wie tn Sprache Ria Hochstetter traf die Iikaste gleichfalls in gelungenster Weise. Zu nennen sind ferner der Kreon (Karl Heinz Hoof), Trr- resias (Dr. Günther Goldschmidt) \mb der Bote Helmut Pütgers. Doch auch Fritz Schmidt. Hans Arbeit. August Balzer sowie aus dem Chor Christian Rauch, Frttz Heichelheim unb Josef Heißler trugen jeder an seinem Teil zum Gelingen des Abends bei. Mit besonderem Lobe möchten wir wegen seines ausdrucksvollen Spieles schließlich noch ein reizendes Blondköpfchen aus der Schar ber Kinder hervorheben, dessen Ramen uns bei der Hauptprobe eine Anweisung des gestrengen Herrn Spielleiters zutrug (Bertltes Hornberger). Des Dantes aller, denen bie klassische Kinst etwas bedeitet unb zu sagen hat. können Veranstalter wie Mitwirkende sichet sein. —r. f Moll" von Anton Bruckner zu Gehör bringen. Heber Anton Bruckner erschien anläßlich seines 25jährigen Tobestages (gest. 11. Oktober 1896) ein längerer Artikel im »Gießener Anzeiger", so daß jetzt nur wenige Worte über ihn genügen werden. Am 14, September 1824 in Oberösterreich als Lehrersohn geboren, wurde er int Stift St. Florian zum Lehrer unb Organisten ausgebildet. Ganz zur Musik übergehend, studierte er in Linz unb Wien, wohin er 1869 als Lehrer ans Konservatorium berufen wurde und b's zu seinem Tobe verblieb. Er hatte schwer um Anerkennung zu ringen, ba er als Anhänger Wagners dessen Gegner, an ihrer Spitze Ed. H a n s l i e k, als erbitterte Feinde gegen sich hatte, die seine Werke „als Modergeruch, ber aus ben Mihklängen dieses verwesungsfüchtigen Kontrapunlls in unsere Rasen bringt..bezeichneten. Erst als Bruckner im Auslanb ge- toürbigt und eine Berühmtheit wurde, hielten es die Wiener für nötig, sich mit seiner Musik näher zu befassen, und den ersten Erfolg hatte er mit dem „Ted e um". Aber erst unserer Zeit war es vergönnt, die ganze Große des Drucknerschen Wertes zu erfassen und zu erleben. Reben Hugo Wolf. Hans Richter, Klindworth unb Mottl war ein Hauptförberer Brucknerscher Musik Kapellmeister Hermann Levi in München, ein Gießener Kinb. Bruckner hat neben seinen anderen Werken drei Messen geschrieben, zwei Heinere in D- und ll-Moll unb seine große Messe in F-Moll, voll- enbet 1868, zum ersten Male 1872 in Wien aufgeführt. Die ersten deutschen Aufführungen waren 1896/97 in Tübingen unter Emil Kauff- inann und die auf dem Mannheimer Musikfest 1903 unter Felix Mottl. Dann ruhte bas Werk fast völlig — in Berlin z. B. kam nicht eine Ausführung zustanbe —, um im Gedenkjahr 1921 seine leuchtende Auserstehung zu feiern. Bruckners Messen sind in erster Linie liturgisch gedacht. Sie setzen den Priester am Altar voraus, unb doch sind sie nicht „flerifnte“ Musik, sie sinb reine Bekenntnismusik, eine Confessio im überkonfessionellen Sinne. Anton Bruckners große Messe (f-Moll). Zur nächsten Veranstaltung des Gießener Konzertvereins wirb uns von mufikver- ftänbiger Seite geschrieben: Am 11. Mai wirb ber „Akademische Vielfältig klingt die Brucknersche Kyriebitte, vom ersten zaghaften Bitten bis zum rückhaltlosen Vertrauen. Er geht dem ilrfinn des Ausrufs „Herr erbarme dich unser, Christus erbarme dich unser" nach, er empfindet als sündige Seele. Dreimal wirb der Herr, dreimal Christus an- gerufen, unb die Anrufungen Christi (As-Shir mit Violinsolo) bilden ben Gesangssatz bes Kyrie. Die Ditte wird bann ‘ stürmischer, die Weiterführung geschieht in melodischen Wellen, die Bewegung wirb erregter, Solostimmen rufen dazwischen. Plötzlich flüstert ber a-capeNa-Chor in äußerster Innigkeit, bas Cello nimmt bas Klagemotiv des Anfangs auf unb ber Chor ber Beter murmelt psalmobierenb auf ber Quint 6 zum F-Moll-Abschluß des verhallenden Orchesters. 2. Sah: Gloria. Das Gloria schildert den Ruhm des Herrn. Der Text gehört zu ben ältesten Bestandteilen der Messe. 3n G-Dur, doppelt hell nach F-Moll, erstrahlt ber Frauenchor, wuchtig Hingt ber Männerchor ,,Gloria in excclsis Deo“ — Ehre sei Gott in ber Höhe! Wie Hammerschläge sausen Epitheta: domine — rex coelestis — pater — hernieber, die Chorstimmen kauern sich beim „Adoramus tc — Wir beten dich an“ ehrfürchtig zusammen und raffen sich beim „Gloriticamus te = wir verherrlichen dich" zu Enthusiasmus auf. Das „Gratias — Dant sei dir" schwebt aus Fvauenmund in größerer innerer Ruhe dahin, dann wird die Danksagung inbrünstiger, wird zur bildhaften Anschauung des „Pater ommpotens = allmächtiger Vater", flüstert ben Ramen Christi unb schließt unisono „Filius Patris = Sohn bes Vaters". Run folgen ber Adagiosah „Qui tollis peccata mundi — ber bu trägst bie Sünden ber Welt" unb die 1 erkürzten Chorausrufe „Suscipe deprecationem nostram — nimm an unser Flehen". Man fühlt, dies Flehen (E-Dur mit Hörnern unb Trompeten) unb das furchterfüllte Psalmodieren „miserere nobis = erbarm dich unser" muß zum Himmel bringen. Der Mittelteil „Quoniam tu solus sanctus = denn bu allein bist heilig" nimmt Motivik bes „Gratias" wieder auf, „Cum sancto spiritu — mit dem heiligen Geist" reiht die Stimmen zum ekstatischen llnifonovaf empor, bann folgt ein Einschnitt unb nun beginnt, alle Kräfte zusanunenraffend, dir die GesamtenLenz der Aufwärtsbewegung auch dieser Lebensmittelpreise wesentlich gu beeinflußen. Rindfleisch unb Schweinefleisch sinb im ganzen um über 25 Prozent gegen den Vormonat gestiegen. auch die Kartoffeln zogen weiter im Preise an. Sehr bedeutend ist die Erhöhung der Preise für bie Brennstoffe, nicht nur für Kohlen und Briketts, sondern auch für Holz unb Torf. Dagegen sind bie Preise für Gas unb Elektrizität ziemlich gleich geblieben. Wesentlich trug auch die Erhöhung ber Zuschläge zu ben Wohnungsmieten zur Steigerung der Lebenshaltungskosten bei. 3m großen unb ganzen zeigt diesmal bie Teuerung in.größeren Städten noch stärkeren Steigerungsgrad als in Heineren. matiE ist für bie Forschung von heute eine w-.si rn- schaftliche Pharmakologie unb Arzneimittellehre überhaupt nicht mehr bentbur. — Buchheims rast losen Bemühungen war auch die Begründung des Do spater pharmakologischen Laboratoriums zu banken, zu einer Zeit, wo in Deutschland kaum für die Physiologie, geschweige denn für Pharmakologie wissenschaftliche Institute vorhanden waren. Dies ermöglichte 2ä ihm. einen außerordentlich großen Kreis von Schülern und Mitarbeitern an seiner Forschungsarbeit um sich zu sammeln. Zn den zwei Jahrzehnten seiner Dorpater Tätigkeit sind über 100 Disertationen, fast alle auf Grund experimenteller älntersuchun- gen unter Buchheims Leitung ausgearbeitet worden, und auch nach Buchheims Weggang hat die Dorpater pharmakologische Schule noch lange in hohen Ehren in der medizinischen Welt ge- stanben. Trotz der ihm in Dorpat zuteil geworbenen Anerkennung unb Auszeichnungen wurde in dem leidenschaftlich an seinem Vaterland«-hängen- ben Manne bie Sehnsucht nach Rückkehr in die Heimat mit ber Zeit übermächtig. Rachbem er noch 1863 eine Berufung nach Breslau audge» schlagen, faßte er in der Folge den Entschluß, einem erneuten Rufe an eine beutsche MniDerfität, welche es auch sei, ohne weiteres nachzukommen. Als 1866 gleichzeitig Rufe nach Bonn unb Gießen an ihn hm antreten, entschieb er sich für unsere Luboviciana, weil er hier am ersten auf die Errichtung eines pharmakologischen Institutes rechnen bürste — dessen Fertigstellung sollte freilich ber bescheidene Gelehrte, ber sich in seiner eigenen Wohnung ein provisorisches OabonitM rium einrichtete, nicht mehr erleben. Die notgedrungene Einschränkung sei..er OaboratoriumS- tätigfeit unb die bebrütende Verringerung der Zahl seiner Schüler, bie bie ileberfieblung nach Gießen mit sich brachte, wurde für Duchheim Anlaß zu um so eifrigerer literarischer Tätigkeit. In erster Linie galt sie ber Bearbeitung ber 3. Auflage seines „Lehrbuchs", in der er die Frucht seiner langjährigen Forschungen nieder- legte (1878). Als pharmazeutischer Examinator hatte er erst lebhafteres Interesse an ber Pharmazie und Pharmakognosie gewonnen; auch auf diesen Gebieten hat er sich in Gießen schriftstellerisch betätigt. Daneben fand er doch noch Zeit zur Wiedmaufnahme seiner physiologischen Forschungen, wobei ihn sein wissenschaftlicher Eifer die Wirkungen ber Arzneistoffe oft sogar am eigenen Körper erproben lieh. Auch in ben Ferien würbe Buchheims Forschertätigkeit nur selten unterbrochen. Im Privatleben zeichnete sich Duchheim durch eine außergewöhnliche Anspruchslosigkeit unb De- scheidenheit aus. Wahrhaftigkeit, Treue unb feurige Vaterlandsliebe waren Grunbzüge seines Wesens. Seine Erholung suchte er ausschließlich in seinem ihm aufs innigste verbundenen Familienkreise. Die Pflege der Musik, für die auch seine Kinder hohe (Begabung zeigten, hat ihm besonders glückliche Mußestunden bereuet. In Gießen hatte sich Duchheim bald zufrieden eingelebt: eine Zurückberufung nach Dorpat wurde von ihm ohne weiteres Besinnen ausgeschlagen. Rur wenige Jahre ungestörten Schaffens waren Duchheim in seinem neuen Wirkungskreise beschießen. Schon 1874 hatte ihn eine Augenerkrankung, die auf ein ernstes Herzleiden hinwies, ans Dunkelzimmer gefesselt. Im Sommer 1879 erlitt er einen Schlaganfall: nach zeitweiliger Desserung machte am 25. Dezember 1879 ein wiederholter Anfall dem Leben des nerbtenten Gelehrten ein Ende. Seine bahnbrechende wissenschaftliche Dedeutung hat durch B. Hirsch und O. Schmiedeberg eingehende Würdigungen gefunden, von denen im Vorstehenden Gebrauch gemacht werden konnte, ebenso wie von dem Lebensbilbe Buchheims, bas R. Boehm im ersten Bande der „HessischenBiographien" entworfen hall H H- Aus Stabt unb Land. Gießen, den 8. Mai 1922. Rudolf Buchheims Lebeusgang und wissenschaftliches Lebenswerk. Rudrlf Duchheim. an besten Gießener Wohn- und Sterbehause, tote wir berichteten, eine Gedenktafel angebracht wurde, wurde am 1. März 1820 zu Bautzen als Sohn eines auch als ärztlicher Schriftsteller tätigen sächsischen Kreisphysikus geboren. Schon vor seiner Promotion in Leipzig (1845) wurde ihm eine Assistentenstelte an der dortigen anatomisch-physiologischen Anstalt übertragen. So konnte er schon 1845 Minna Peschet aus Zittau heimführen, die ihm eine verständnisvolle treaforgenbe Lebensgefährtin wurde unb ihm sechs Kinder schenkte. In Leipzig war er gleichzeitig als Arzt, auch auf dem Gebiete der Geburtshilfe, tätig; redigierte daneben das „Pharmazeutische Zentralblatt" und hatte sich bald durch feine wissenschaftlichen Arbeiten einen so bekannten Ramen gemacht, daß er im Mai 1847 als Professor ber Arzneimittellehre, Diätetik and Geschichte der Medizin nach Dorpat berufen wurde. Diese Auszeichnung war umso beb? it- samer, als die Dorpater mebizinische Fakultät in bezug auf bie Vollständigkeit der Lehrfächer unb auf die wissenschaftliche Bedeutung ihrer Vertreter damals auf einer Höhe stand, wie kaum eine andere Fakultät deutscher Junge. Gerade heute nach dem Zusammenbruche des deut- feben Universitätswesens im Daltenlanbr maß daran erinnert werben, daß die Vertreter der Medizin auf jenen äußersten Vorposten deutschen Geisteslebens auf einer Reihe von Forschungsgebieten eine hervorragende, vielfach führende Stelle einnahmen. Ihnen reihte sich Duchheim würdig an. indem er durch seine Forschertätigkeit die Arzneimittellehre zu einer wissenschaftlichen. auf experimenteller Grundlage beruhenden Disziplin erhob. Dis dahin Hutten auf jenem Gebiete durchaus unwistenschastliche. der Grundlage der Erfahrung entehrende Auffassungen geherrscht, bie naturphilosophischen Dogmen unb kritikloser Uebemabme von Iahrhun- berte hindurch fortgeerbten Arzneimitteln und zum Test rein phantastischen Rezeptformekn ihren Ursprung verdankten. Demgegenüber stellte Duchheim als Erster sich als Aufgabe bie Erkenntnis des Wesens der Arzneiwirkungen mit Hilfe der experimentellen Untersuchung - ber physikalischen unb chemischen Eigenschaften der Stosse, ihres Verhaltens in ben Organen des lebenden Körpers und ber Mmteanblungen, die sie beim Durchgang durch den Organismus erfahren. Die Ergebniste feiner Arbeit hat er tn seinem klassischen „Lehrbuch der Arzneimittellehre" zu- scrmmengesaßt, das von 1856 bis 1878 in bret Auflagen erschien unb nach Duchheirns Tob die Grundlage des Harnackschen Lehrbuches (1883) bildete. Die besondere unb bleibende Bedeutung dieses Wertes lag in ber erstmaligen Begründung eines natürlichen Systems der Arzneimittel, die er nach ihren pharmakologischen Wirkungen klassifizierte. Ohne biete Duchheimsche Syst?-- Ist es ber Regierung bekannt, daß bie Ge° Haltseinstufungen der Gemeinbebeamten in Heinen unb großen Gemeinden ohne Rücksicht auf die staatliche Besoldungsordnung unb die bestehenden Vorschriften burchgeführt werden? Ist die Regierung in der Lage, hier Abhilfe zu schaffen? Belieferung von Kohlen an Bäckereien. Die Abgg. Hoffmann- Alzey unb Knoll haben an bie Staatsregierung folgende An- frage gerichtet: Von vielen Bäckermeistern wirb bitter geklagt über die unregelmäßige unb unzulängliche Belieferung mit Kohlen. Die Preise für Saarkohlen unb Holz sinb derart hoch, dah es bei ben von den Kvmmunalverbänben festgesetzten Brot- preisen bem Däckergewerbe nicht möglich ist. eine solche Belastung zu ertragen. Wir fragen daher an. welche Maßnahmen bie Regierung zu ergreifen gebenft, um für die Bäckereien als lebenswichtige Betriebe eine regelmäßige unb zulängliche Belieferung mit Kohlen zu sichern? große Fuge „In gloria L)ei patris, Amen = in ber Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen!" 111. Sah: „Credo". 3m „Credo“ läßt Bruckner das volle 'Bekenntnis des Priesters vom Chor fingen. Das Fortissimo, die Markigkeit ber Linie geben dem Crebonwtiv den Ausdruck felsenfester llner- schütterlichkeit. Es wird bei jedem ber brei göttlichen Personen angestimmt, dazwischen werden mit Ehrfurcht die Attribute ausgemalt. Das größte Wunder des Glaubens „Et incartus est de spiritu sancto" ----- empfangen von dem heiligen Geist" folgt in mystischer Verklärangs- form. Violinsynkopen zeigen bie Angst beim „Cruci- tixus = gekreuzigt", ergriffen klagt ber Chor „Passus et sepultus est — litt unb begraben ward". Daraus folgt eine Szene voller Glanz „Et resurrexit — unb auferftanben“, und Jesu Auffahren gen Himmel. Drohende Däsfe verkünden die Wiederkunft „zu richten bie ßebenbigen and bie Toten". Oes-Dur bricht em unb das Bild des „cum glona = in Herrlichkeit" thronenden Richters geht auf. Es folgt bie Ausmalung des Königtums Christi unb barm beginnt der Schlußteil, der sich mit bem vollen Credomotiv brr britten Person zawendet. Mit den Worten „et vitam venturi saeculi, amen — unb ein ewiges Leben, Amen" wäre ber Mrsfetext zu Ende, aber es beginnt noch eine Art Coda, in ber sich bie Bekenntnisleidenfchaft Bruckners noch einmal zu einem machtvollen „Credo“ auswächst. IV. Sah: „Sanctus“. Das „Sanctus ---- heilig" stimmt der Chor leise unb ehrfürchtig mit den Engeln, deren seraphische Stimmen das hochgelagerte Orchester andeutet, an. Erst beim „Dominus Deus Sabaoth — Gott Sabaoth" erheben sich bie Stimmen zu voller Kraft. Rach bem „Pleni sunt coeli et terra gloria tuo = Himmel unb Erde sind benies Ruhmes voll" löst sich eine etnzekne, helle Sopranstimme los in fröhlichem Jubel „Hosanna in cxcelsis_ = Hosianna tn der Höhe". Sie reißt alle Gläubigen mit tn ben Iubelrus. 5. Satz: Benedictus. Ganz Sehnsucht, ganz Anbetung zeigt bas „Benedictus qui venit in nomine Domini — Gesegnet, ber ba kommt im Ramen des Herrn". In der Seligkeitstonart, As-Dur beginnend, wandelt sich im zweiten Teil die Innerlichkeit in F-Moll zur Mystik. 6. Sah: Agnus Dei. Das „Agnus Dei — Lamm Gottes" wird liturgisch von flehenllichen Gedanken bestimmt und leit ’üb< iln tat de 3 11 v di Ä sc ö S< bei be du| bei st« ret be gc W tr m ft de eil le *3 9 b e h et di tk 2 ist ni 'S bi T b M be. & mi eil fü Dl in El H 6? L Hl zu geeignet vor der zahlreichen Demobil tungsdauer entgegen den machungsverordnungen Kietzener Strafkammer. Stehen, 5. Mai 1922. ®tn Arbeiter aus Merken fritz verfolgte (Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Ortenberg, durch das er wegen Diebstahls za zwei Lagen Gefängnis verurteilt worden war. Die Eisenwerke in Hirzenhain hatten für einen dem Angeklagten befreundeten Arbeiter mehrere Säcke öcmcnt gu baulichen Zwecken bereitgefteUt, und einen davon sollte der Angeklagte unter den Augen und mit Wissen des Freundes, wenn auch gegen seine Warnung, entwendet haben. Die Anzeige erfolgte erst zwei Monate später, nachdem aus politischen Gründen aus den Fremden Todfeinde geworden waren. Der Angeklagte, der einen guten Eindruck machte und dem von dnn Präsident der Provinz Hessen-Aassau. Dr. Rudolf Schwa n der-Kassel, zum Ehrendoktor der Philosophie ernannt. Ferner wurden dem Institut auS Anlaß der Feier mehrere reiche Stiftungen zur Drucklegung hervorragender Inschriften und zum Erwerb von 1250 Straßburger Uni» versitätsschriften aus dem 16. und 17. Jahr- Kirche und Schule. A D i e Deutsche Zeltmissivn begann auf Oswaldsgarten ihre Tätigkeit, die sich bis zum 28. Mai ausdehnen wird. Der Eröffnungsgottesdienst nahm seinen Anfang mit dem Volks- vortrag „Die Toten und das Jenseits". Die Choräle und christlichen Volkslieder wurden von einem Posaunenchor begleitet. Der Besuch war aut. Prediger Volk mann-Berlin verstand es, die Zuhörer zu fesseln. An den folgenden Abenden werden die Fragen behandelt werden: Gibt es Beweise für das Dasein Gottes? Wie ist es mit der Unsterblichkeit der Seele? Welches ist der Zu stand nach dem Tode? usw. Das .Zell ist imstande, 3000 Personen zu fassen. Turnen, Sport und Spiet — D ie ersten Meldungen für dir Kampf spie le. Zu den Deutschen Kampfspielen 1922 laufen die Meldungen recht zahlreich ein. Besonders für die Wettkämpfe m der Leichtathletik, im Kraftsport. Aadfahren, Fechten und Schiehen liegen heute schon eine große Zahl Anmeldungen vor. Westdeutschland, Süd- deutschland und Mitteldertschland Haden berritS ihre besten Vertret r genannt. Von Danzig, Oft» breuben, Oberschlefien und Berlin fmd die Meldungen gesammelt durch die Verbände bzw die vorbereitenden Kampffpielausschüsse zu erwarten. Aus dem Aus lande liegen bisher Arnn lagen aus Barcelona, Basel sowie auS Oesterreich vor. Vom Deutschen Turnverein in Barcelona ist der frühere deutsche Mecster im Stabhochsprung Otto Fleiter für den Zehn- lampf gemeldet. Der Turn- und Sportverern München 1860 entsendet 40 EmzeULmpfer und vier Mannschaften für die Leichtathletik, und zehn Teilnehmer für den Kraftsport. Der Milde- s ch l u ß für alle Wettkämpfe mit Ausnahme der Spiele, Fußball, Augby und Hockey, sowie des Segelns, Kanu und Änderns ist Montag, den 22 Mai beim D. A. A, Berlin W. 35, Kur- fürstenstrahe 48. — Arminia-Dielefeld Westdeutscher Fußballmeister. Der Derbandsaus- schuh des Westdeutschen Spielverbandes hat in einer Sitzung beschlossen, Arminia-Dielefeld den Titel als Fußballmeister von Westdeutschland für 1922 zuzuerkennen, weil der Kölner Dallspiel-Club zum Entscheidungsspiel gegen den Essener Turner- bund nicht angetreten war. Die Westfalen haben durch den Verzicht der Kölner einen Punkt Vorsprung erlangt und vertreten zum ersten Male die Farben des Westdeutschen Verbandes in den Endkämpfen um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1922. — Einen neuen Schwimm-Weltrekord stellte der auch in Deutschland bestens bekannte Ungar Sipis bei einem Wettschwimmen in Dudcwest auf. Er durchschwamm 100Meter Brust in 1:16,4 und verbesserte die vor acht Jahren von dem im Kriege gefallenen Magdeburger Lützow erzielte Welthöchstleistung um 4/io Sekunden. Hochschulnachrichten. §üaf-igjahrfeier der deutschen Universität Straßburg. fpd. Frankfurt a .M., 7. Mui. Auf Einladung des Wissenschaftlichen Instituts der Elsah- Lvthringer im Reich, das nad) der Vertreibung der deutschen Professoren auS der Universität Straßburg die geistigen Fäden mit den verlorenen Landen verknüpft hält, fand in der Universität Frankfurt eine E r i n n e r u n g s f e i e r an die vor 50 Jahren gegründete Kaiser-Wil- Hel ms-Univerfität Straßburg statt. Im Mittelpunkt der erhebenden Feierstunde stand die Festrede des früheren Straßburger Gelehrten Geheimrats D. Ficker- Halle a. S. über die unvergängliche Bedeutung der deutschen Universität Straßburg für Elsaß-Lothringen und dis Reich toäbrenb der Jahre 1872 bis 1918. Aus Anlaß der Erinnerungsfeier nahmen die Uni- versitäten Frankfurt und Halle a. S.-Wittenberg, an denen eine große Zahl der vertriebenen Straßburger Professoren eine neue Heimat gefunden hat, eine Reihe von Ehrenpromotionen solcher Männer vor, die den unverlierbaren kulturellen Besitz der geraubten Güter mitacschasfen haben. Don beiden Hochschulen wurde der Ober» hundert, die vor kurzem in einem österreichischen Benediftinerkloster aufgefunden wurden, (Betriebsleiter der Werte em gutes ZengrnS ausgestellt wurde, bestritt die Tat Da der ,Zeuge wegen Verdachts der Teilnahme an der strafbaren Handlung nicht beeidigt werden konnte, vermochte ich die Strafkammer von der Schuld des Angeklagten nicht zu überzeugen: sie hob das Urteil auf und sprach den Angeklagten frei Sin wegen Rückfalldiebstahls vom Schöffengericht zu neun Monaten Gefängnis verurteilter Bursche zog vor (Begum der Verhandlung seine Beruf ing zurück. scheidung des ReichsfinanzministerS auf die Eingabe ergangen ist. — Der Hessische HandelSkam- mertag hat sich für die alsbaldige Wiederherstellung deS Bankgeheimnisses, das durch daS Depotgesetz aufgehoben tborben war. eingesetzt — Die Hessischen Handelskammern haben sich untereinander darüber verständigt, daß sie die Eintragung der Firma in das tandelsregister alS Voraussetzung für die rteilung der Grobhandelserlaubnis verlangen tonnen und daß sie nichts dagegen ein-, zuwenden haben, wenn die HandelSzulassungsstel- len auf die Eintragung hinwirken. — Im Hinblick auf die Tatfache, daß das hessische Formular für die Einkommen st euererklä- vuttfl das umfangreichste fast aller deutschen Bundesstaaten ist, werden die hessischen Handelskammern für die Einführung eines einheitlichen und allem einfacheren Vordruckes bemüht fein. ten. Die Vorlesungen finden jeden Dienstag, abends 8*/« bis 9 Uhr, im großen Hörfaal der Universität statt und beginnen morgen (Dienstag, den 9. Mai). Vornotizcn. — TageSkalender für Montag: Astvria-Lichtspiele, ab heute: .Die Liebschaften des Hektor Dalmvre" und .Sklaven der Rache". — LichtsptelhauS, Bahnhofstraße, ab heute: .EhristuS". — D ie Deutsche Demokratische Partei hält morgen im Aq-aaruim eine Mit- gltederversalmmlung ab. — Eine Hauptversammlung der 118er findet morgen Im Postteller statt. Arcie Friedberg. fpd. Ostheim, 7. Mai. Bürgermeister Gayerthat heute dem hier weilenden KreiS- direktvr Gräf mitgeteilt, daß er wegen des Rücktrittes fast des ganzen Gemeinderates fein Amt niederlege. BeigeordneterH. Schimpf führt die AmtSgefchäfte. Die 10 Gemeinderatsmitglieder, die ihr Amt niedergelegt haben, erklärten, daß sie nunmehr ihren Antrag zurückziehen und ihre Aemter weilerbehalten wollen. Starkenburg und Rheinhessen. rm. Worms, 7. Mai. Die Polizei- deamten Hessens hielten hier einen außerordentlichen Verband Stag ab, in dem Pvlizeidirektor Dr. Wehner-Darmstadt für die Hessische Regierung sprach, während die Vertreter der Badischen, Württem- bergischen. Preußischen und Hamburger Organisationen Grüße übermittelten. Hauptgegenstand der Beratungen bildete ein Vor- ttag des DerbandSsekretärS Hoch- Berlin über das Prüfungswesen in der OrdnungS- Ä|. 3n der Rachmittagsverhandlung über die Verfügung des Ministeriums des Innern beraten, durch welche die Der- etnigungSfreiheit der Polizeibeamten zu beschränken versucht wird. Eine entsprechende Entschließung fand Annahme. ES wurden dann noch geschäftliche Angelegenheiten erledigt. Gemeinschaft mtt der HM-Aaft Handelskammervereinigung etne Prüfungsordnung für Bücherrevisoren ausgestellt Demgemäß wird die Handelskammer in Zukunft nur noch olche Personen als Duchsachverständige anstellen und vereidigen, die sich mit Erfolg der im § 4 der Prüfungsordnung vorgesehenen Prüfung un- zogen haben — Die vom ReichSverkehrSministe- rtum au-gearbeiteten „Allgemeine Bedingungen für Privat-GleiSan» ätte, und die letzteren sollen auf der Fahrt zum hiesigen Landgericht wegen einer Diebstayls- zcschichte, in die Immel mitverwickelt war, versucht haben, einige wegen der gleichen Dache in Treysa vorbestrafte Zeugen zu Aussagen zu bewegen, durch die Imme! entlastet worden wäre. Die Angeklagten wurden damals bei der Sitzung sofort Dorübergebenö in Haft genommen. Immel gab an, daß er nur das beschworen habe, was ihm von seiner Frau irrigerweise mitgeteilt worden sei, und die beiden anderen Angellagten bestritten jede Schuld. Die Verhandlung endete nach Vernehmung von über 30 Zeugen damit, daß Immel zu 1 Jahr und 2 Monaten Zuchthaus, der Ehemann Schneider wegen Begünstigung zu SMonaten Gefängnis und dessen Ehefrau ebenfalls wegen Begünstigung zu 1 Monat Gefängnis verurteilt wurden. Letzterer wurde Strafausfetzung zugebilligt. — Die letzte Sache, die erst gegen Mitternacht zu Ende ging, betraf eine Anklage gegen den ftub. für. Prüfer aus Saarlouis wegen Sittlichkeitsvergehens. Der junge Mann wurde wegen tätlicher Beleidigung zu 3000 Mk. Geld- ftrafe verurteilt. Wünschen der Industrie und des Handels bis zum 31. Oktober d. Is. verlängert worden. Die Handelskammer wird, da die Befürchtung besteht, daß einzelne Verordnungen z. D diejenigen über die Maßnahmen gegen Betriebsabbrüche und Betriebsstillegungen sowie über Einstellung und Entlassung von Arbeitern und Angestellten durch Schaffung eines Gesetzes verewigt werden sollen, in Gemeinschaft mit den übrigen hessischen Handelskammern die geeignet erscheinenden Schritte unternehmen, damit die durch die Zeitverhältnisse längst hinfällig gewordenen Demobilmachungsbestimmungen wenigsten- am 31. Oktober d. IS. ihr wohlverdientes Ende finden. - In einer längeren Eingabe an die Städtische Preisprüfungsstelle hat die Handelskammer ihre Stellung zu der Frage der Preisgestaltung und Preisverzeichnisse dargelegt und am Schlüsse derselben der Meinung Ausdruck gegeben, daß das Wirtschaftsleben sich mit schematischen und gekünstelten Maßnahmen auf die Dauer nie und nimmer regeln läßt und daß vielmehr alles dazu dränge, der natürlichen Entwickelung in der Preisgestaltung endlich wieder ihren ungehinderten Lauf zu lassen. — Rach 8 6 der Reichsverordnung vom 23. Rovern- ber 1918 darf an Sonn- und Feiertagen, von (Notfällen abgesehen, in den Konditoreien nicht gearbeitet werden. Da dieses Verbot der Sonntagsarbeit für das gesamte Kon di- torengetoerbe zu großen Llnzuträglichkeiten geführt hat, wird die Handelskammer für eine Abänderung der Verordnung in der Weise eintreten, daß an Sonn- und Feiertagen für das Fertigmachen leicht verderblicher Waren in den Konditoreien eine Sflünbige Arbeitszeit statthaft ist, deren (Beginn mindestens eine Stunde vor die für das Austragen der Waren freigegebene Zeit fällt — Die hessischen Handelskammern haben in Hessen-Nassau. A«s dem Wasserwege von Bremen nach Frankfurt fpd. Frankfurt a. M., 7. Mai. Auf der Wasserstraße von Bremen nach Frankfurt a. M. ist im hiesigen Westhasen das Kanalschiff „Uttn- den 51“, Schifter Riedermann, der Mindener SchleppschiftahrtS-Gesellschast Minden L W. gehörig, mit einer Ladung von 450 Tonnen Mehl etngetrüffen. DaS Kanalschift, das die Ladung direkt an der Avblands-Mühle in Bremen einnahm, hat sie ohne jede Umladung auf dem Wasserwege biS Frankfurt gebracht Interesfant ist es, zu erfahren, welche Wasserstraßen und Kanäle daS Schiff bis zum Endziel durchquerte. Don Bremen fuhr eS die Weser herauf biS Minden, durchfuhr alsdann den Mindener Mittelkanal bis BergeShöverde, von dieser Station bis Herne durch den Dortmund-Ems- Ko not Don Herne bis Ruhrort durch den Rhein-Her«»Kanal und alsdann den Rhein und Main heraus bis zur Endstation Frankfurt a. M Das Schift, das vor dem Kriege nur die Weser befuhr, ist 610 Tonnen groß, hat einen Tiefgang von nur 1,40 Meter. Zur Ausführung dieser Reise benötigt es vier Wochen. Handelskammer ©fetzen. AnSzng auS dem Sitzungsbericht vom 25. April 1922. Entgegen der einmütigen und bestimmten Forderung deS hessischen HandelskammertagS ist daS gewerbliche und kaufmännische Fortbildungsschulwesen der Aufsicht des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft entzogen und dem LandeSamt für das Dildunaswesen unterstellt worden. Rach langen und schwierigen Verhandlungen ist schließlich eine Einigung auf einer Grundlage erfolgt, die in den folgenden Leitsätzen über die Eingliederung des gewerblichen und kaufmännischen FortbildungSschulwesenS in die allgemeine Pflichtfortbildungsschule ihren Niederschlag gefunden hat: „®6 besteht Einverständnis darüber, daß die vom Hessischen Landesamt für das Vildungswesen unterm 9. Marz 1922 erlassenen Aussülxrungsbestimmungen zum Volks- schulgefeh vom 25. Oktober 1921, soweit die Zusammensetzung des Schulvorstandes in Frage kommt, den Forderungen der beteiligten Kreise (Handel Gewerbe, Industrie und Gewerkschaften) entsprechen Es besteht Einigkeit darüber, daß der Lehrplan für die einzelnen Schulgruppen von dem Schulvorsteher und den Lehrern derselben entworfen, dem Schulvorstand zur Begutachtung und alsdann der betreffenden vorgesetzten Behörde zur Genehmigung vorgelegt wird. ES besteht Einverständnis darüber, daß vor Anstellung der hauptamtlichen Fachlehrer die Schulvorstände anzuhören sind. Größeren Schulen soll die Initiative zur Gewinnung von geeigneten Lehrern -ugestanden werden. Vorbehaltlich der endgültigen Zustimmung des Landesamts für das Bildungswesen wird vereinbart, daß die feste Anstellung der hauptamtlichen technischen Fachlehrer nach Benehmen mit dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft durch das Landesamt für daS Bildungswesen erfolgen soll." Durch Gesetz vom 22. Marz d Is. ist die G e l - Wendt 4509D Beisetzung Mittwoch nachm. nach schwerer Krankheit im blühenden Alter von Gießen (Wiesecker Weg 40), den 7. Mai 1922. Statt besonderer Anzeige Heute morgen entschlief sanft meine liebe Mutter unseres Kindes von der Kapelle des Neuen Friedhofs. Gießener Konzertverein Donnerstac, 11. Mai 1922. abends 7*/< Uhr, mit ein. Katptprok» Mittwoch, 10. Mai, abends7Uhr, In der Stadtkirche Anton Bruckner’s Große Messe in F-moll. Für gemischten Chor, Soli u. Orchester. Eintrittspreis« einschl. Steuer Mk. 24.—, 20.—, 15.-, 10.-; Studentenkarten Mk. Für die Hauptprobe Mk. 10.—, Abonnenten erhalten für jedes Abonnement eine Karte zum ermäßigten Preise von Mk. 8.—; Studenten u. Schüler Mk. 5.—. Karten zu haben Wei Ernst CkaUler, für Studenten, nur beim Hausverwalter der Universität gegen Vorzeigung der Ausweiskarte. Die Abiutaialikirtn sind gegen Zuülug von Bk. 12.—, II.— ud V— einschl. Steuer Ms ran 8. Bei 1922 unliuUu. Herein Her Wirte non Gießen n.Umgeg. Wir laben unsere Mitglieder für morgen Dienstag. den 9. Mai cr., zu einer wichtigen Versammlung bei Soll. Schwab, Kelsenkeller, auf nachm. 4 Uhr ein. 4511D Tagesordnung. 1. Bericht Über den BerbandStag 2. Reichcbiersteuer 3. Wichtige Vereinsangelegenheiten 4. Verschiedenes.Ter Vorstand. = Cafe Leib = Täglich 8 Uhr 4505 Künstlerkonzert JrnAMMM wett ole SMi'slve UuitL-Drat .ti. H. Laa«-. Giesen n qoqd Q.cmaQB£Min Da □□□□□□ a □□□□□ a Am Samstag vormittag gegen 11 Uhr verschied sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, treusorgender Vater, Bruder, Schwager und Onkel Karl Jung II., Landwirt Die trauernden Hinterbliebenen: Luise Jung geb. Völzel Adolf Jung Elise Peppel (Braut) nebst allen Angehörigen. Wieseck, Nieder-Seemen, den 6. Mai 1922. 4510 Die Beerdigung findet Dienstag, den 9. Mai, nachm. 4 Uhr, vom Sterbehaus, Rabenauer Straße 10, aus statt ■ ■ ■■■■ 4504 a ir Selbstanfertigung von Sport- u. 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Latein (Pros Hüter): 8—10 Uhr in der Oberrealschule. tatlhiwn 'M' abends vor Beginn in der Oberrealschule (Eingang Biömarckstr.). “"v Promme Handlung gen, den durch Auöhang bezeichneten Geschäften u. auf der Geschäftsstelle (Läberstr. 2611) kostenlos. 118er. Hauptversammlung Dienstag, 9. ds. MtS., abends 8.30 Ahr, Im „Postkeller-. Tages-Ordnung: 1. Borstandswahl 2. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen dringend erwünscht. 4501 Der Borstand. rlr. Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderheffen) Montag, 8. Mai (922 Landesparteitag der Deutschen Volkspartei. ® i e tJ e n, 8. Mai. Ter 4. Landes Partei tag der De i t s che n Bollspartei fand am Samstag and gestern in Gießen statt Zahlreiche Parteifreunde aus dem Reiche und Lande hatten sich emgefunden; als Berneter der Reichstagsfraktion war 21 bg. Tr. Becker erschienen, die hessischen Landlagsabgeordneten waren vollzählig anwesend. Am Samstag nachmittag tagte tm Hotel Schütz der LandeSauSschuh. Eingehend wurde in dieser Sitzung das Programm des Parteitages vorbereitend besprochen. Qlbg Dingeldey begrüßte die Erschienenen. Sein besonderer Gruß galt dem verdienten 21b g. des Hessenlandes Finanzminister a D Dr Becker. Generalsekcelui Wittig erstattete den Geschäftsbericht, der mit grobem Beifall ausgenommen wurde Ter Vorsitzende teilte der 'Versammlung mit, das) der Generalsekretär der Landespartei demnächst aus dem Parteidienst ausscheidet Ter Redner fand für die verdienstvolle Tätigkeit des Herrn Wittig um den Ausbau der Organisation und für das krastvolle Eintreten für tue 'Partei durch eine lange Reihe von ;}abren hindurch wärmste Worte der Anerkennung und drs Dankes, denen Sie Versammlung sich einmütig an- schlotz Eine rege 2kussprache entspann sich über die Finanzlage der Partei. Es wurde einmütig beschlossen, den durch den Ortsverein an den Landesverband zu entrichtenden Jahres- beitrag auf 10 Mark pro Mitglied festzusetzen. Algemein wurde die Rotwendigkeit betont, das Bürgertum zu stärkerer politischer Arbeit unD zu- größerer Opferwllligkeit zu gewinnen. Die neuen Satzungen der Landes Partei, die der starken Ausdehnung der Organisation Rechnung tragen sollen, wurden in mehrstündiger Debatte behandelt und einstimmig angenommen. Ebenso wurdm die Richtlinien für die Gemeinde- Politik verabschiedet, eine Entschließung zur Arbeiterfrage gefaßt and die Wahlen zur Parteileitung vorbereitet. Am Abend fand in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saale des Hotels Grobherzog ein festlicher Degrüßungsabend statt, der ganz besonders auch von Damen sehr zahlreich besucht toar. Auf die Willkvmmensan- sprache des Vorsitzenden Konrektors Kraus- müller dankte der Landesvorsihende Dr. Dingeldey, indem er sich als ein Kind Diestens vorstellte, in humorvoller Weise die Verschiedenheiten bei hessischen Bevölkerung charakterisierte, worauf er sodann mit schönen Worten die Aufgabe streifte, die dem Hessenland als Verbindung von Rord und Süd des Reiches zufällt. In höchst angenehmer Weise wurde der Ernst politischer Erörterungen unterbrochen durch das erhebende Element der Musik. Künstlerische Eello- tyorträfle des Herrn Dr. Gustav Dock, gleich hochstehende Gesangsvorträge der Damen 2a« q u e u r und Schudt erbrachten eine festliche Stimmung, in die einige bewegte Ansprachen von Vertretern aus dem besetzten Gebiete wirkungsvoll hineinklangen. Die launigen, an Dingeldeys Rede anknüpfenden Worte eines Mainzer Delegierten veranlastten den gemeinsamen Gesang des Deutschland-Liedes. Oberbürgermeister Köhler von Worms sprach, nachdem ein biederer Wetter- aucr in seiner heimischen Mundart und Tracht verschiedene Spässe zum besten gegeben hatte, schöne und feine Worte des Dankes, die besonders den Künstlern des 2lbends galten, m launiger Weise den politischen Inhalt der abgelaufenen Tagesarbeit sowie auch manche delikate Frage der Darmstädter Regierungspolitik berührten und ausklangen in ein Hoch auf die Damen. Auch ein Sprecher der volksparteilichen Jugendgruppe von Worms wustte von der Rot der Fremdherrschaft zu berichten und veranlahte miebcnim den Gesang eines patriotischen Liedes. In vorgerückter Stunde trennten sich die Gäste ziemlich schnell, um am folgenden Tage mit voller Frische sich den Arbeiten des Parteitages widmen zu können. Schon in den frühen Vormittagsstunden des Sonntags begannen sodann die einzelnen Ausschüsse mit ihrer Arbeit. Um 11 Alljr traten daraus die Delegierten und sonstigen erschienenen Parteifreunde zur Hauptversammlung zusammen, die von dem Landesvorsitzenden, 2lbg. Dingeldey, eröffnet wurde. Abg. Professor S ch i a n begrühte die Erschienenen namens der (Siebener Ortsgruppe. Die Wahl des Präsidiums ergab als 1. Vorsitzenden des Parteitages den Abg. Osann, ferner als Stellvertreter die 2lbgeordneten Frl. Birnbaum und Hahn. Abg. Dr. Osann eröffnete nunmehr die eigentlichen 'Verhandlungen und gedachte in seiner Eröffnungsansprache namentlich der deutschen Brüder im besetzten Gebiet, deren Grütze und Treugelöbnis Pfarrer Berck übermittelte. Jur Erstattung des G e sch äftsberichts erhielt darauf Generalsekretär Wittig das Wort Aus dem Bericht sind folgende Angaben bemerkenswert: Seit dem letzten Parteitag ist die Zahl der Vereine von 155 aus 172 gestiegen; die Zahl der Jugendgruppen auf 18; die Ziffer der organisierten Mitglieder, die auf dem vorigen Parteitage auf 19 192 angegeben werden konnte, hat dadurch eine weitere Steigerung erfahren und dürfte 20 000 überschritten haben. Die Ortsgruppen und Kreisverbände haben auch im Berichtsjahre eine rege politische Tätigkeit entfaltet, die nicht nur den lausenden politischen Ausgaben gerecht wurde, sondern auch die Förderung der politischen Bildung und die Pflege des nationalen Gedankens zum Ziele hatte. Familienabende, patriotische Feste, „deutsche Tage" geben von dieser Tätig- feit Ausdruck. Die Sonder- und Fachausschüsse haben auch in diesem Jahre rege gearbeitet. Besonders hervorzuheben ist die fleihige und erfolg- reiche Tätigkeit der Jugendgruppen, die durch den LanDesjugendausschutz m feste Bahn en geleitet wurde Im Mittelpunkt der Arbeit des verflossenen Jahres standen die hessischen Landtagswahlen. Die Bedeutung des Ergebnisses liegt für die Partei weniger darin, datz ihre Stimmenzahlen von 62 072 im Jahre 1919 auf 78 185 gestiegen ist, sondern mehr noch in der Tatsache, datz die Stärke der nationalen Opposition von 12 auf 24 Sitze in dem Landtage anwuchs. Es ist heute kein kleines Häuflein mehr, das die Belange der bürgerlichen und bäuerlichen Schichten im hessischen Landtage vertritt, sondern eine starke Gruppe, mit der auch die bisherige Mehrheit zu rechnen hat. Der Bericht schlietzt mit einem Dank an alle, die der Partei ihre tätige Mitarbeit haben zuteil werden lassen. In warmen Worten gedachte nunmehr Abg. Dingeldey der Tätigkeit des scheidenden Generalsekretärs Wittig und sprach ihm den Dank der Partei aus. dem sich 2lbg. Dr. Osann für die Landtagsfraktion anschloh. Heber die Tätigkeit der Frauen in der Deutschen Vollspartei sprachen Frau Die- rau, die Vorsitzende des Landesfrauenausschusses, Frau D e i n h a r d t und Frl. Birnbaum. Die Rednerinnen betonten einmütig den Willen ihrer Parteigenossinnen, die den Frauen verliehenen Rechte durch Erfüllung der ihnen bannt erwachsenen Pflichten ihrerseits zu erwerben und baten' um Unterstützung und Würdigung ihrer Arbeit. Die Grütze der Parteiorganisation Hessen - Rassau überbrachte Stadtv. Fleischer- Frankfurt a. M. Einstimmig wurden sodann nach einem Referat von Generalsekretär Wittig die neuen Satzungen in der vom Landesausschutz beschlossenen Form angenommen. Ebenso einstimmig erfolgten die Wahlen der zum Landesausschutz und geschäftsführenden Aus- s ch u tz vorgeschlagenen Parteimitglieder. Zum Landesvorsihenden wurde durch Zuruf der Abg. Dingeldey wiedergewählt, dem Abg. Dr. Osann für'seine bisher geleistete Arbeit dankte. Das 'Bort erhielt darauf Abg. Dr. Decker zu seinem Dvrtrag über die politische Lage im Reiche. Als Hauptaufgabe für seine Ausführungen hatte er sich den Nachweis gestellt, welche schwere Schädigungen für uns sich aus dem Versailler Mordfriedensvertrage ergeben, der. auf Lug und Trug gegründet, niemals anerkannt werden darf, weil er unerfüllbar ist. Für die Deutsche Volkspartei wird es deshalb immer unmöglich bleiben, der Ersüllungspolitik der derzeitigen Reichsregie, rang ihre Zustimmung zu geben. Sowohl in der Frage des Londoner Ultimatums wie der Entscheidung über Oberschlesien hat sich daher die Reichstagsfraktion gegen die Regierung gewandt. Anders lagen die Verhältnisse, als es hietz, sich für die Konferenz in Genua zu rüsten. Hier zeigte sich zum ersten Male bei der Rcichsregierung ein Anfang zu einer aktiven Politik, und deshalb hielt es die Deutsche Volksparlei für nötig, unter Festhaltung ihres seitherigen Standvunk'.es, der Ablehnung jeglicher Erfüllungspolitik, nach Ge- nua die deutschen Vertreter mit dem Vertrauen einer möglichst starken Mehrheit im Reichs rage zu entsenden. Heber Haupt ist es immer das Bestreben der Partei gewesen, nicht in untätiger Opposition zu verharren, sondern aftive Mitarbeit zum Wohle des Ganzen zu leisten, wofür der Redner aus der Tätigkeit der Reichstagsfraktion Belege erbrachte. Die besondere Sorge der Panei galt dem schwer notleidenden Mittelstände in allen 'Berufen. Immer — auf dem Gebiete der Wirtschafts- wie der Steuerpolitik — hat sich die Deutsche DvllspaNei von dem Best reden leiten lassen, am Wiederaufbau.des Reiches mitzuarbeiten und wird das auch in Zukunft tun im Verein mit allen, die bereit sind, hierzu mitzuhelfen. Lebhafter Beifall dankte dem Redner. Heber die politische Lage in Hessen referierte sodann Abg. Dingeldey. Auch auf den Ländern lastet der Druck des Versailler Schandvertrages. Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe haben in gleicher Weise unter ihm zu leiden. Die Behebung ihrer Rotlage — namentlich durch die restlose Beseitigung der Kriegswirtschaft — muh eine Hauptaufgabe der Partei sein. Der Redner erörterte die wirtschaftlichen Verhältnisse in Hessen und zeigte die Wege zur Förderung der Produktion, die allein uns retten kann, durch Aushebung jedes Zwanges, Abwehr des Terrorismus und Wahrung einer wirklichen Koalitionsfreiheit. Heber die parlamentarische Lage in Hessen führte der Redner aus, datz entgegen dem in den letzten Landtagswahlen deutlich ausgesprochenen Willen des Volkes noch immer die alte Koalitionsregierung im Amte sei. Die Deutsche Volkspartei drängt sich nicht in die Regierung, sie ist aber bereit, in ihr mitzuarbeiten, wenn das unter Wahrung ihrer Ehre und ihrer unerschütterlichen Grundsätze geschehen kann. Auch diesem Redner wurde der Dank der Anwesender zuteil In der anschlietzenden 2lusfprache wurde eine Reihe von Entschließungen eingebracht und angenommen. Dem Abg Dr. Becker wurde für seine Tätigkeit im Reichstage Dank und Vertrauen ausgesprochen. An die Reichsregierung ergebt die Forderung, das Material gegen d i e Schuldlüge zu veröffentlichen. Gegen den Versailler Friedensvertrag soll unermüdrichangekämpft werden ; an den alten Farben schwarz-weiß- r o t will man unverbrüchlich festhalten. In besonderer Treue gelobt die Versammlung za stehen zu den Volksgenossen im besetzt- t en Gebiet. Der hessischenLandtags- sraktion wurde für ihre Arbeit Dank und Vertrauen ausgesprochen. Das Vorgehen des Staatspräsidenten in der Frage des 1. M a i wird verurteilt Rachem noch Landtagsabg. Schott als Vertreter des besetzten Gebietes gesprochen hatte, schloß der Abg. Osann den Parteitag mit Dank und der Bitte um weitere tätige Mitarbeit. Mit einem Hoch auf die Deutsche Volkspartei ging die Versammlung auseinander. * Die öffentliche Derfammlung, die am Montag abend den 2lbschlutz des Landesparteitages bildete, wurde von Prof. Dr. Eigener mit Begrützungsworien an die Zuhörer, unter denen er sich besonders an die aus dem besetzten Gebiete herübergekommenen Parteifreunde wandte, und an die Redner des 2lbends eröffnet. Landtagsabgeordneter Justizrat Dr. Osann sprach darauf über die Landes- Politik der Deutschen Volkspartei und begründete zunächst das Streben der Partei entsprechend dem in den Wahlergebnissen ausgesprochenen Willen des Volkes an der Regierung teilzunehmen. Zwar fei es angenehmer, in der Oppositionsstellung zu verharren, doch wahre Befriedigung liege nicht in der negativen Kritik, sondern im positiven Schaffen. Die Sozialdemokratie bleibe für unabsehbare Zett eine bedeutsame Wacht, die man nicht ausschalten Knne. Eine rein bürgerliche Regierung werde daher nicht sobald gebildet werden können. Datz die Deutsche Dolkspartei bei der letzten Reubildung der Regierung ihre Wünsche noch nicht durchgesetzt habe, sei einmal der zurückweichenden Haltung des Zentrums, dann aber der Abneigung der Sozialdemokratie zuzuschreiben, die damals noch ganz in der Erregung des Wahlkampfes gestanden habe. Kürzlich sei aber der sozialdemokratischen Landtagsfraklion von der Partei die Ermächtigung zu einer evtl. Verbreiterung der Koalition erteilt worden. Komme es wirllich dazu, so werde die Deutsche Dolkspartei nicht als Geduldete in die ' Regierung eintreten, sondern gestützt auf den Willen des Volkes und nur unter der Voraussetzung, datz ihre Wünsche berücksichtigt werden. Hm die von der Land- tagsfrattion geleistete Arbeit zu beleuchten, griff der Redner auf die abgelaufene Gefion zurück und sprach aus, daß die Deutsche Volkspartei im schärfste:, Mampfe gestanden habe gegen den früheren Präsidenten !>es Bttdungowesens Dr Strecker, den sie für einen nationalen Schädling hielt. Datz dieser Gegensatz nicht in den Wahlkamps mit hinübergenvmmen werde, sei durch den politischen Selbstmord Dr. Streckers vermieden worden. Im neuen Landtag hätten bei feiner erst kurzen Dauer noch nicht viele Aufgaben erledigt werden können Erfolge seien im Zusammenarbeiten mit den anderen bürgerlichen Parteien in der Frage der Zwangsbewirtschaftung und in der Frage des Feiertages am 1. M a i erzielt worden. Durch eine einseitige Handlung des Staatspräsidenten, der damit einen neuen Beweis seiner despotischen Amtsauffassung erbracht habe, sei dieser internationale Gedenktag der Sozialdemokratie den Schulen als Feiertag aufoktroyiert worden. Mit dieser Angelegenheit wie mit dem „Fall Bvrne- mann" werde der Landtag sich noch zu befassen haben und hier auch in staatsrechtlicher Hinsicht Klärung schaffen müssen. Ein weiterer Vorwurf sei der Regieiung deswegen zu machen, datz der Staatshaushaltsplan noch immer nicht borget egt sei. Man werde sich auf ein grohes Defizit im neuen Rechnungsjahre gefasst machen müssen. Wenn es auch anerkannt werden müsse, datz der Staatspräsident sich dem Ersuchen an die Reichsregie, ung. authentische Klarstellungen inbetreff her Schuld lüge herauszugeben, angeschlossen habe, so hätte er doch noch größeren Rachdruck in dieser Angelegenheit zeigen müssen. Am Schluh seiner Ausführungen stellte Dr. Osann fest, taß der Parteitag der Landtagsfraktion fein Vertrauen ausgesprochen habe. — Finanzminister a. D. Dr. Decker (M. d. R.) sprach darauf über das Thema „Reichspolitik". Zwei folgenschwere Rechenfehler seien unseren Gegnern bei der Abfassung des Versailler Vertrages Unterlaufen, die sich besonders für England sehr unangenehm bemerkbar machten. Man habe die deutsche Industrie als läftige Konkurrenz vernichten wollen, nun aber stehe diese allerdings in einer Scheinblüte, und im Gegensatz zu Deutschland wachse in den anderen Ländern die Arbeitslosigkeit. Diesem wirtschaftlichen Fehler geselle sich ein zweiter, politischer hinzu. Mit der Vernichtung der deutschen Wehrmacht glaubte England das Zünglein an der Wage Europas zu sein, aber nun fei' Frankreich eine Militärmacht geworden, die gröberen Einslutz habe als die einstige deutsche; denn währerrd Deutschland vor 1914 durch Frankreich und Rr-Hland im Gleichgewicht gehalten wurde, stehe dem französischen Heere nun keine ebenbürtige Streitmacht in Euro.va mehr gegenüber. Frankreich befinde sich damit in einer Machtstellung, die ihm sein Alliierter England nicht schassen wollte. Die Politik Frankreichs verfolge das eine Ziel, die deutsche Frage im französischen Sinne zu flöten, d. h. die Rheingrenze zu gewinnen und Deutschlands Einheit zu zerschlagen Dieses Ziel konnte im Versailler Vertrag noch nicht erreicht werden. Zu seiner Verwirklichung sollen schließlich die Reparationsforderungen, deren Hnersüllbarkeit auch den Franzosen völlig fkir fei, führen. Die Wirtschaftler der anderen Länder suchten die Rotlage der Weltwirtschaft in Genua zu lindern. Frankreich habe aber einen wirklichen Erfolg dadurch unmöglich gemacht, datz es mit den (Sanner Beschlüssen die Behandlung des Re parativnsproblews. des Hr'prunts der verneinen wirtschaftlichen Rot, von dem Programm der Konferenz herabgesetzt habe. Dr. Becker begrüßte datz in Genua Deutschland zum ersten Quak wieder aktiv in die Polittt eingetreten sei. Deutschland habe sich nicht in die Ecke drücken lassen, wie man ihm zugedacht habe Datz die deutsche Regierung so stark in Genua habe auftreten können, sei ein Verdienst der Deutschen Volkspartei. Diese habe sich hinter sie gestellt in der- scharfen Ablehnung der Rote der Reparationskommission. Es habe eine viel gröbere Wirkung erzielen müssen, datz die Regierung der unbegrenzten Erfüllungsmöglichkeiten nur, gestützt auf eine große Mehrheit, habe erklären können, die Grenze sei erreicht, als wenn die Ablehnung von grundsätzlichen Gegnern jeder Ersüllungspoliiik erfolgt sei. Die Deutsche Vollspartei habe mit der Stärkung der Regierung zu Genua dieser kein Vertrauensvotum ausgesprochen. Rach wie vor mißbillige sie die bisherige Erfüllungspolitik, die die schwer- sten pvlitrschen und wirtscha tlichen Schäden verursacht habe. Der Gedanke der Reichseinheit Die Sakramentshex. Roman von Marie Kerschen st einer. 14. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.) Die Schlupfline machte sich gewaltsam frei Don dem unliebsamen Griff. „So gewitz als unser Herrgott im Himmel is!" versicherte sie und matz mit dem Blick die Entfernung bis zar Tür. „Ter Bud is hinl" Sie wollte sich davonmachen, aber Lene vertrat ihr den Weg. Drohend bohrten sich die weiten Äinbcraugcn in ihr Gesicht »Wenn eins so alt is wie du, dann muß cs wissen, wie man's macht, daß man mt ftirbt! Helf ihm!" Die Line sann einzig darauf, dem Pfarr- mäbel zu entkommen. „Der Sakramentswald platzte sie heraus, nur um etwas za sagen. „Der Sakramentswald — wiederholte Lene gespannt. „Das Koppele dort, mein' ich, mtt dem wundertätigen Brünnele —" Hnd sicherer: -Wenn halt eins holen tat von dem Wasser und gab's ihm zu trinken, dann reitzefs ihn wieder raus, den Bub. 2lber beut’ hat halt keiner die Zeit mt! Hnd Abend wird's schon. Wer geht letzt noch da hin . . .7" — Einen Augenblick fann Lene ihren Worten nach. Ihr Gesicht hellte sich auf, die Härte wich aus ihrem Blick. D<^ Käppele! Sie kannte es! Sie war im Sommer einmal mtt der Waldsackerin and dem Roman dort gewesen. Sie würde es wieder finden: Aber — drei Standen lang immer durch den Wald! Kalt war's dort jetzt und finster! Ihr graute beim Gedanken Daran. Aber, — was half-s? Der Roman Durfte nicht sterben! Rein, er durfte nicht > Wenn man also die Beine rührte! Mit Fackeln nicht die Zeit verlor — Die Schlupfline hatte inzwischen die Gelegenheit benützt, zu entwischen. Bevor sie die Türe hinter sich schlotz, steckte sie noch einmal giftig den Kops herein: „2tber ein Hnschaldiges matz es sein, sonst ist es für Die Katz!" Lene hatte schon ein Tuch aus Der Ladr gerissen und ein Fläschchen vom Kasten gelangt. Auf den Zehen schlich sie ans Bett, legte Die Wange an Romans Gesicht und flüsterte ihm ins Ohr: „Hör. Romanle! Ich geh', das wundertätige Wasier für dich zu holen!" Wie Der Blitz schoß sie den Hügel hinan, am Gottesacker vorbei, ins Jungholz. Kein Mensch hatte ihr Weggehen bemerkt. Der Frost hatte ein glitzerndes Kristallney über die hartgefrorenen Erdschollen geworfen. Die herbstlichen Blätter trugen weiße Krausen im den Rand. Es raschelte das Dürre Gras unter Den Füßen, Die winDschnell Darüber weghuschten. Allmählich wurde Der Weg steilanstcigend und wand sich als schmaler PfaD fort. Langsamer ging es vorwärts Durch Das Gestrüpp. Was tat's? Das wundertätige Wasser mutzte zur Stelle! Hnd was war die Angst vor Dem dunkeln, einsamen Wald gegen bie andre, daß Roman sterben könnte! Trotzig, kampfbereit stapfte sie fort Schwarzgrau sah ihr Der Hochwald entgegen, und das Grauen hemmte ihr plötzlich Den Schritt. Hm sich Mut zu machen, fang sie aii vollem Halse. Immer fteüer wand sich der Pfad, immer Dichter schmiegten sich Die halb entlaubten Beerenbüsche, rostbraune Farne, lebloses Schlingkraut dazwischen. Enger rückten Die Fichten fester fügte sich das Dach ihrer ausgebret- | teten Arme. Endlich ober breitete sich ein baumfreier Hügel aus. Am Fuße desselben wichtets der riesenhafte Wurzelstumpf einer uralten Eiche. Im Zwielicht glich er entern geköpften Drachen mit weitausgreifenden Ringelschwänzen. Der Schnee hatte eingesetzt. Eine weiße Haube saß auf Dem Drachen hals. Lene kannte das Ungetüme Gebilde. Von Da aus hatte Die Waldsackerin ihnen damals von weitem das Käppele gezeigt. Rur seine Spitze hatte über seine Baum- Wipfel weg gelugt. Lenes Auge durchsorschte Die schiefe Dachung des Waldes. 2Iber war es Die undurchsichtige Schneeluft. Die Den Blick trübte 1 Oder Die 2kacht, Die immer tiefer sich nieder- fentte? Richts sah sie, als ein Meer Dunkler Fichten Häupter, mit leuchtenden Schneemseln besetzt. Aus dem Kulm Der Anhöhe Der anheim» liche Schattenriß einer blihzerllüfteten Daumruine. Sonst nichts als das fahle Licht Des erlöschenden Adendhimmels und das tiefe Schweigen des Hochwaldes. Wo ging ihr Weg? Führte er über den Hügel hinweg: Oder schlang er sich um seinen Mantel herum wieder in den Wald hinein? Kein Zeichen ringsumher! PstQlos dehnte sich die Runde, von der flockigen Schneeschicht gleichmäßig bedeckt. Ratlos schoß Lene über Die Waldwiese, hierhin, dorthin, und immer Witwer zu Dem Wurzel- ungetüm -uiück, Dem einzigen A Haltepunkt in Der öden Wildnis. Sie wischte Den Schnee von Dem Duamstumpf and stellte sich Darauf. Rach allen Seiten reckte sie Den Hals und bohrte Den Blick in Die Finsternis. Verirrt k Lastend fiel ihr Die Erkenntnis aufs Herz. . Dor Schrecken starr, blieb sie auf Der Eichwurzel stehen, ein zweiter Schattenriß re''en Der zerklüfteten Tanne Erst jetzt merkte sie. wie schneidend Der Wind ihr unter das Kleid blies, tote er mit tausend Radeln ihr Gesicht zerstach. Str suchte das Tuch fester über Der Brast z i knüpfen. Dabei streiften Die steifen Finger das Fläschchen, das sie vorn im Kleid vertoahri trug. Seine Berührung rief Die Erinnerung an Jüngstvergangenes zurück, das über dem argen Schrecken einen Augenblick zurückgetreten war Deutlich sah sie Romans weißes Gesicht aus Den bunten Kissen. Der wartete auf das wundertätige Wasser, — unD sie brachte es nicht! Hnd Roman mutzte sterben : Wurde hinausgetragen, and fe ichte Erde tourD eüber ihn gedeckt. Auf Dem Hügel w rchs Gras. — aber sie sah Den Roman niemals wieder! Sie blieb unter Den bösen Menschen mutiert cligallein! Ein rasender Schmerz ergriff sie Das Dürft! nicht sein! Der Weg mußte gefunden werden! Roch einmal rannte sie Den Hügel hinan. Flint tote eine Katze erklomm sie Die Baumruine. Hmsonst! Schwarz flössen Himmel und Erde in eins Hnd nun erbitterte sie sich, wie damals, als der Küster sie ausgescholten hatte und nicht den Alois, Der der Schuldige war Warum half der Herrgott nicht das Gute zu t m < Warum schickte er nicht einen Engel oder eine gute Fee, sie bei Der Hand zu nehmen und ihr das Brünnlein zu weisen'c Warum? Sie ballte voll Leidenschaft Die kleinen Fäuste. Warum '!' Da glaubte sie in ihr Grübeln hin rin Der Schlupfline Stimme zu hören: „2Iber em Hnschaldiges muß es sein, sonst is es für Die Katz!" (Fortsetzung folgt) fei auch von der Regierung Wirth schwer gefährdet worden durch Zuspitzung des Gegensatzes zwischen Berlin und den Ländern. Fehler seien ferner auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik mit der Beibehaltung der Zwangswirtschaft, die ülnehrftchkett and Schiebertum erzeuge, gemacht worden. Schwächlich sei die Haltung beim Eisenbahnerslreik gewesen. Bei der Lösung der Finanzfrage habe die Deutsche VoSspattei nicht in absoluter OPP)° sition verharren lönncn. Man habe, um andere schwere Schäden in der bisherigen Steuergeseh- Hebung zu beseitigen und grobes älnheil zu verhüten, die Zwcmgsanleihe in Kauf nehmen müssen. Am Schlaf; seines Referates sprach sich Dr. Brcbu: über die Zukunftsmöglichkeiten aus. Deutschland müsse feine Gegner für die nächste Zeit befriedigen, was vielleicht mit Hilfe der geplanten internationalen Anleihe für den Zeitraum von einigen Jahren geschehen könne. Inzwischen könne sich die Lage in jeder Hinsicht, und wie zu hoffen sei, zu unseren Gunsten ändern. Dor allem werde vielleicht eine Stabilisierung unserer Valuta eintreten. Um die Achtung des Auslandes wieder- zuaewinnen, müsse Deutschland seine innere Zerrissenheit beseitigen. Die Parteien mühten Zusammenarbeiten, wozu in letzter Zeit von den bürgerlichen Parteien ein verheißungsvoller Anfang gemacht sei. Die Deutsche Volkspartei wolle nicht um jeden Preis Oppositionspartei sein. Wichtiger ober als in einer Koalition vereint za fein, sei es, daß die Parteien gemeinsam positive Arbeit leisteten. Dann werde vielleicht wieder die Zeit kommen, da ein freies deutsches Volk auf freiem deutschen Boden stehe. - Pros. Dr. Vigener schloß mit warmen Dankesworten an die beiden Redner die zahlreich besuchte Versammlung. Vermischtes. DerBundderFuhgänger. Die Gefahren, die die wie toll dahinrasenden Kraftwagen auf den Straßen von Paris Hervorrufen, haben jetzt zu einer großzügigen Abwehrbewegung geführt. In einem flammenden Aufruf an alle „Fußgänger" wurde kürzlich zur Gründung eines Bundes gegen die Kraftwagenführrr aufgefordert. Die Aufgaben, die sich der „Bund der Fußgänger" stellt, bestehen einmal darin, seinen Mitgliedern rechtliche und ärztliche Hilfe angedeihen zu lassen, wenn ihre Rechte durch Automobile verletz! werden, sodann in einer Propaganda für ein Gesetz, das in der französischen Kammer eingebracht werden soll und den Fußgängern ausreichenden Schutz gegen die „Auto-Apachen der Straße" gewährt. „Eine armselige Familie. Der bekannte Dr. Teller in Leipzig wurde eines Tages von einer hochstehenden Persönlichkeit konsultiert, die sich leutselig nach seinen Verhältnissen erkundigte. „Wieviel Kinder haben Sie eigentlich?" fragte der hohe Herr. "„Das müßte eine armselige Familie sein, in der es nicht wenigstens ein halbes Dutzend Teller- chen gäbe", antwortete der Arzt. Er hatte tatsächlich sechs Kinder, und eines davon wurde später der berühmte Oberkvnsistorialrat Teller in Berlin. i * DieMachtdesFlucheS. Erstaunliche Wirkungen von Autosugestion, die auf ^Aberglauben beruhen, teilt ein englischer Ge- rlehrter, der 25 Jahre lang die Sitten der afrikanischen Kikuju- und Kamba-Stämme erforscht hat, C. W. Hobleh in seinem Buch „Bartu-Zauber und -Aberglauben" mit. Der feierliche Fluch, ,LHahu" genannt, spielt dort eine gewaltige und verhängnisvolle Rolle. Kein Mensch kann einem solchen Fluch entgehen, wenn er „unrein" ist, und dies ist er, wenn er z. B. aus einem zersprungenen Topf CALMON -REIFEN QUALITÄT-KEINE REKLAME! ißt, beim Eintritt in eine Hütte auSalettet, Erde auf seine Frau wirft usw. Ein solcher ,M>ahu" ruht schon auf dem Menschen, wenn seine Kuh beim Grasen ihren Schwanz um einen Baum wickelt, wenn ein Bater sein Kind auf seinen Rücken nimmt; stirbt ein Hund in einem Dorf, so unterliegen alle Einwohner dem .Hhcchu". Diese eingebildeten Unglücksfälle öder die ausgesprochenen Flüche wirken so stark auf die Abergläubischen, daß diese durch Autosuggestion wirklich krank werden, und jedenfalls geraten ganze Stämme infolge irgendwelcher geringfügigen Vorgänge in die größte Trauer und Verzweiflung. Sandel. * Buderussche Eisenwerke Wetzlar. Aus dem Geschäftsbericht für das 38. Geschäftsjahr 1921 seien folgende Zahlen hervvrgehoben: Der Rohgewinn des Jahres 1921 beträgt Mk. 13 320 975.78. Die Abschreibungen belaufen sich auf Mk. 6 041 775.91, so daß sich ein Reingewinn ergibt von Mark 7 279 199.87. Es betrugen im Vorjahre der Rohgewinn Mk. 10 136 043.16 und die Abschreibungen 6 077 906.95. Gemäß dem Vorschläge des Vorstandes wurde der Reingewinn des Jahres 1921 in Höhe von Mark 7 279199.87, zuzüglich des Vortrags aus dem Jahre 1920 Mk. 356 465.86, wie folgt verteilt: 5 v. H. Gewinnanteil auf Mk. 4 500 000 eingezahltes Dorzugsaktienkapital. — Mark 225 000, 15 v. H. Gewinnanteil auf Mark 42 750 000 Stammkapital - Mk. 6 412 500, zusammen also Mk. 6 637 500; ferner satzungs- gemäße Vergütung an den AufsichtSrat Mark 641 250. Der verbleibende Rest von Mark 356 915.73 ist auf neue Rechnung vorzuttagen. Die Gewinnanteile stellen sich danach auf Mk. 150 für jede Stammaktie und Mk. 50 für jede eingezahlte Vorzugsaktie bzw. Mk. 12.50 für die noch nicht volleingezahlte Vorzugsaktie. Frankfurt a M.. 8. Mai. Datum: 5403,20 Ehristiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helfingfors. . . Italien London Aeuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr. Prag Budapest.... Buenos Aires . Bulgatten . . . Japan Rio de Janeiro 5306,65 6077,60 740»,25 597.75 1529,45 1271,60 286,11 2620,80 5506.30 4430,55 3,47 551,70 37,- 103,65 211,55 136,- 3942,50 6167,25 7470,65 609,20 1560,50 12 0,85 290,13 2671,65 5832,95 4519,30 3,43 554,30 37,35 104,85 214,70 139,- 3982,50 6182,75 7489,35 610.80 1564,50 1294,15 290,87 2678,35 5647,05 4530.05 3,47 555,70 37,45 105,15 215,33 140,- 3992,50 Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Brief 5. A aL 6. Mai. 2392,- 5293,35 6062,40 7390 75 596,25 1525,55 1268, 0 285,39 26:4,26 5503,10 4419,45 3,43 550,30 36,90 103^35 210,95 135,- 3932,50 2398 - 2436,95 2148 05 5416.50 Amstd -Rvtterd. 10961,2510985,75 11111,05 11138,95 BEel-Antw. """ - <,QQß “ *us,L=i Züricher Devisenmarkt. 6» 5» 8. 5» Wechsel aus Schweizer Franken Holland 100 Fl. — 198.60 198.50 Deutschland 100 Mk. - 1-81 1.75 Wien 100 Kr. — 0.06 0.66 Prag 100 Kr. — 10.975 9.95 Paris 100 Fr. --- 47.45 47.37 London ....... 1 Iß — 22.01 23» — Italien 100 L. — 24.74 27.65 Brüssel 100 Fr. --- 43.50 43.25 Budapest 100 Kr. ---- 0.67 0^7 Reuyork 100 $ = 517.25 517.50 Agram 100 Kr. = L85 1.90 Warschau 100 Kr. -- 0,12 0,13 Merrknotierrmgeu. Für 100 deutsche Marl wurden gezahlt: Datum: 1.7.14. 5.5. 6.5. Zürich Fr. 125.40 1,81 1,79 Amsterdam Fl. 59.20 0,91 0,90 Kopenhagen Kr. 88.80 1 68 1,66 Stockholm Kr. 88.80 1,37 1,37 Wien Kr. 117.80 2882,50 Prag Kr. 117.80 18,25 London. ....... Sh. 97.80 1,26 1,28 Aeuyork Z 23.80 0,35 -.34 Paris 2r. 125.40 3,78 3.82 Büchertisch. — Ernst Lissauer: Porch Schauspiel in 5 Akten und einem Vorspiel. Verlag Oesterheld & Co., Berlin W 15. — Mag man auch meinen, daß Lissauer die Personen dieses Schau- pieles oft allzusehr seine eigenen Gedanken und Ansckxluungen aussprechen läßt, fto wird man doch anerkennen müssen, daß sein Held trefflich gezeichnet ist und daß das Werk als Ganzes vollen Anspruch auf ein packendes Zeit- und Seelengemälde hat. । 1 - — --1!_____-1* --- (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Der Friedenspakt und die von Frankreich vor- gefchlagenen Klauseln. Paris, 6. Mai. (WTB.) Wie der Berichterstatter des „Echo de Daris" aus Genua meldet, soll Lloyd George dem Vertreter der Tschechoslowakei, B e n e s ch, bei einer Be- prechung über den Friedenspakt erklärt >aben, die Reuttalen ebensosehr wie die Deutschen seien der Einfügung einer Klausel entgegengesetzt, durch die sich die Unterzeichner zur Aufrechterhaltung der bestehenden Verträge verpflichten. Lloyd George konferierte lange mit den Russen. Genua, 6. Mai. (WTB.) Tschitscherin, Krassin und Litwinow hatten gestern abend eine lange Unterredung mit Lloyd George. Joffe ist nach Berlin abgereist. Darthous Ankunft m Genua. Genua, 6. Mai. (WTB.) Barthou ist heute vormittag 9 Uhr von Paris kommend wieder hier eingetrvffen und hat sich nach seinem Hotel begeben. Er hatte dann eine Besprechung mit den übrigen Mitgliedern der französischen Delegation. Im Laufe des heutigen Tages wird er eine Zusammenkunft mit Lloyd George und wahrscheinlich eine solche mit dem italienischen Delegierten Schanzer haben. Reue englische Stimmen. London, 6. Mai. iWTB.) Dem Genueser Berichterstatter des „Daily Chronrcle" zufolge umfassen die Unterredungen zwischen Lloyd George, Dr. Wirth und Dr. R a t h e n a u das Reparationsproblem, den Pakt und Rutz- land. Der Reichskanzler habe daran gedacht, für einige Tage nach Berlin zurückzukehren, um mit dem Präsidenten Ebert und den Führern der Parteien irn Reichstage Rücksprache zu nehmen. Lloyd George habe ihn jedoch dringend gebeten, zu bleiben in Anbetracht der wichtigen Beratungen, die auf die Rückkehr Barthous aus Paris folgen würden. Wirth habe dem zugestimmt. Das auf diese Tatsache sich gründende Gerücht, dre Deutschen drohten die Konferenz zu verlassen, sei daher unsinnig. Es frage sich jedoch, welche Jnstruklio-nen Barthou aus Paris mitbringen werde. In französischen Kreisen werde angedeutet, daß sie weitgehend genug sein würden, um der Konferenz zu ermöglichen, ohne dirck e Einmischung von Paris fortzubestehen. Die Antwort Rußlands aus das Memorandum werde sicher ablehnend sein. Keine der beiden Parteien wünsche jedoch, die Tür zu;uschlagen. und es werde ein Weg zu Verhandlungen frei gelassen werden. Die Russen seien vor allem bestrebt, erne beträchtliche Anleihe zu erhalten. London, 6. Mai. (WTB.) Schahvanzler Sir Robert Horne erklärte gestern In einer Rede in London, ein Fortbestehen der augenblicklichen Verhältnisse in Mitteleuropa würde ein Wiederaufleben des Handels unmöglich machen. Das sei der Grund, weshalb Lloyd Georgs versuche. Europa zur Vern-rnst z r bringen. Wenn er dabei Erfolg haben wolle, so sei es notwendig, dost Rustland aus die eine oder andere Weise wieder in die Gemeinschaft der europäischen Rationen gebracht werde. London, 5. Mai. (WTB.) Die „Times" schreibt in einem Leitartikel über die Konferenz von Genua, das Schicksal Ernvpas fei in der Schwebe. Während Rußland und Deutschland einen Vertrag abgeschlossen hätten, welcher einer Allianz sehr ähnlich sei, seien die Alliierten schärfer geteilt als je. Die vertraulichen Erörterungen zwischen Lloyd George und den deutschen Delegierten würden in Frankreich, auf den Wunsch der britischen Delegierten zuruckgeführt, aus Kosten Frankreichs und Belgiens em englischdeutsch-bolschewistisches Ueberemtommen abzu- schliesten. Die .Times" glaubt iedoch nicht daran, datz dies wirklich die Absicht der britischen Staatsmänner sei. Die „Times" schreibt, es könne keine andere Möglichkeit geben, als das) die Genueser Konferenz Grotz-D itannun seine Freunde lasse, oder Latz seine bisherw^en Alliierten aufhörten, feine Freunde zu sein. Dies würde tatsächlich ein neues Europa bedeuten, das voll von Kriegsgefahren sei. „Daily Mail" schreibt: Wrr stehen zwi» schen Frankreich und Belgien. Das Blatt macht die Dvwning-Street für den Gedanten einer zunehmenden Entfremdung zwshen Gro^Briän' nten und Frcmkrci Y verantwortlich. Wenn der Vertrag mit Frankreich bestanden hätte, so würden Deutschland - und Rußland niemals rhren Vertrag abgeschlossen Huben, der et ne tödlich; liche Drohung für die Zukunft bedeute. Der deutsch-amerikauische Patentfchutzvertrag. Washington, 6. Mai. (WTB.) Staatssekretär Hughes erschien gestern vor dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegen Heiken, um die Wiederinkraftsetzung des Patentschutzvertrages mit Deutschland zu befürworten. Hughes erklärte, die amerikanischen Geschäftsinteressen erforderten den Schutz amerikanischer Patente in Deutschland. Die 100-MMionen-Dollaranlechr für Serbien. Belgrad, 5. Mai. (Wolff.) Die Regie- r u n g führte die Unterhandlungen wegen des Ab- schlussses einer lOO-Millionen-Dollar- a n l e i h e zu Ende. Der Vertrag soll Ende dieser Woche von dem aus Genua zurückberufenen Fi nanzminister Kumanudi unterzeichnet werden. Den Blättern zufolge wird die Dank vf Foundation der Regierung 30 Millionen in bar aus zahlen, während der Rest für die Anschaffung von Eisenbahnmaterial verwendet wird. Der Regierung ist es freigestellt, das Material in Europa zu beschaffen, wenn es um 5 Prozent billiger als in Amerika erhältlich ist. Der Emissionskurs wird nicht unter 880 betragen. Die Zinsen wrrden sich auf nicht mehr als acht Prozent belaufen. MAsWWl Behördliche Anzeigen dem Submissionsweg ver- 017?« UM- Billig© Rohtabak© 'W (hellste Farbe) 395 Bk. Astoria-Lichtspiele Es werden zu kaufen gesucht: Fstm. 8-22 gib 1,20 ffl lang. 25 6 Akte. 6 Akte. Gießen, den 1. Mai 1922. tt tt 44448 tt. tt Ferner: tt tt tt tt tt ff tt tt tt H tt ff ft ff ff II tt ft tt 4507c 5,00 Ab Freita«: Harry Piel i.Das vmehwandeoe Baos re Los Los Los Los Los 9 51 119 4 60 107 soll folgendes Holz auf kauft werden: 87 53 10 10 1,30 1,50 2,20 2,50 4,00 Sam.- 3 Lg. Vollblatt (reinfarbig) 216 Bk. Smu- 1 Lg. Stttekblatt lall hell «io ss /3 kg verzolltnegen Nachn. oder Akkreditiv. Jede aew. Menge wird abgegeben. Zoll-Ar. anaeden. Ehler» & Co., Wobtnb-, Kilo, Pfeilstr. Ä/27, Tel. 6.4002. Unsere am 8. Mai in Chemnitz erfolgte Vermählung zeigen wir hierdurch an Dr. phil. August Kilbinger und Frau Hildegard, geb. Drechsel auch solche Anlugen er- serner berechtigt, särnt- Hessisches Amtsgericht.______________ Jagd-Verpachtung. Am 1. Juni, nachmittags 3 Uhr, soll in der hiesigen Wirtschaft B i n g e l die Gemeinde- und Interessentenjagd, etwa 270 ha und 102 ha öffentlich verpachtet werden. Die Pachtbedingungen haben zwei Wochen lang, vom 20. April bis 5. Mai 1922, ausgelegen und werden im Termin nochmals bekannt gegeben. Sichertshausen, den 5. Mai 1922. 4515k) Der Jagdvorsteher: Gilbert. Holzsubmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Reiskirchen soll im Wege sckristlichen Angebots nachverzeichnetes Stammholz verkauft werden: 2 Fichten-Stämme 3. Klaffe — 2,70 Fstm. Java-Elnla